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Venture 18 - Wetten, Kämpfe und Schlafanzüge

--- Gänge, Deck 1

Fragend musterte Anjol Shania. Zwar wusste er von seinem eigenen Besuch auf der Ivory, dass dieser Monserat nicht ganz dicht war, aber als eine Gefahr für die eigene Mannschaft hatte er ihn nie eingestuft.

"McCarthy hat nie gute Laune - er ist immer würdevoll, ernst und stocksteif", antwortete der Bajoraner, während er über die eigenen Worte nachdachte.

In der Tat, so war der Captain für ihn, aber gleichzeitig wurde Charles deshalb zu einem festen Teil des Schiffes: Wie eine Maschine, die solange sie funktionierte ihr aller Fortkommen sicherte.

"Aber verraten sie ihm nicht, dass ich das gesagt habe. Sonst fühlt er sich am Ende noch geschmeichelt!", fügte er lachend hinzu, gespannt was die Terranerin dazu sagen würde.

"Du...", verbesserte Shania ihn lachend, da die anderen in ihrer Gruppe nicht wirkten, als würden sie ihnen mehr als nur körperlich folgen. "Aber wenn er das schon als Kompliment auffassen könnte, dann möchte ich nicht wissen, was du sonst so hinter seinem Rücken erzählst.

Obwohl der Umstand 'stocksteif' zu sein in den Augen gewisser Frauen ja durchaus eher sogar neugieriges Interesse erwecken kann..." In ihren Augen glänzte ein belustigtes und gewitztes Glitzern.

Die Amerikanerin blickte sich neugierig um und stellte fest, dass sie auf eine Tür am Ende des Ganges zuhielten. Es brauchte nicht viel Phantasie um sich vorstellen zu können, dass es hier zur Brücke ging.

"Dann wollen wir mal in die Höhle des Löwen, obwohl er eigentlich nicht so schlimm sein kann, wenn er jemand wie dich zu seiner rechten Hand gemacht hat. Trotz aller Steifheit die Sternenflottenoffizieren von Geburt an zu eigen sein zu scheint, muss er gelernt haben Leute nach ihren Fähigkeiten zu beurteilen und sich sein eigenes Bild ihrer Leistung zu machen."

Ein Umstand, der wohl eher gegen einen Chinesen an Bord sprach, der die Kämpfe der Venture mit den Romulanern wie einen Sturm in einem Sandglas anmuten ließ. Mit Chi-Lo an Bord musste man nicht erst seine Feinde fürchten...

"Die Art wie Du denkst gefällt mir", gab Anjol zurück, worauf sie ihm leicht in die Seite knuffte, gleichzeitig aber weiter schelmisch lächelte.

--- Sams Quartier

Sam war schlichtweg begeistert.

Nicht nur, dass er wieder eine Anstellung gefunden hatte.

Nicht nur, dass sein Onkel sein direkter Chef war.

Nicht nur, dass sein Onkel viel von ihm hielt, und ihm eine seinen Fähigkeiten angemessene Position besorgt hatte.

Nicht nur, dass dieses Schiff im Vergleich zu dem kleinen Kutter, auf dem er als Letztes gearbeitet hatte, ein Wahnsinn war.

Nein, das allerbeste war, dass er auf dem Maquisstützpunkt einen Datenkristall hatte erwerben können, auf dem die neuesten und ultimativsten technischen Neuerungen sein Idol betreffend beschrieben waren.

Gut, die Neuigkeiten waren alle schon etwa ein dreiviertel Standardjahr alt, aber das bedeutete doch nur, dass die 'technischen Machbarkeitsstudien', von denen einer der Autoren sprach, inzwischen vielleicht schon Wirklichkeit waren!

Am Meisten hatte er sich in ein Holoprogramm verliebt. Mit diesem sollte es möglich sein, sich aus ein paar Stichworten eine eigene und vollkommen neue Batman-Folge kreieren zu lassen, um dann selber in die Rolle des Hauptdarstellers (oder wahlweise auch in die des Oberschurken - aber wollte schon so etwas?) zu schlüpfen.

Gut, Standardsternenflottenholodecks würden as wohl auch schaffen, aber wer besaß schon so ein Teil?

Hm - die Venture?

Sams Augen wurden groß und rund.

Mit wem musste er schlafen, dass er eine Woche lang exklusiven Zugang zum Holodeck bekam?

Schnellen Schrittes begab er sich zur ortsansässigen Bar. In solchen Etablissements hatte er bisher noch immer gute Kontakte knüpfen können.

--- Bar

Yhea schüttelte den Kopf, während er sich hinsetzte.

"Das macht nichts", meinte er zu Cailin. "Mir passiert es auch häufig, dass ich zuviel über die Arbeit rede. Aber ich denke, das machen wohl viele Leute. Da ist nichts Schlimmes dran."

Und dann fügte er noch hinzu: "Und ich denke, die Sache mit dem Kaffee hat sich auch geändert."

Er versuchte, seiner Aussage mit einem Lächeln noch mehr Eindruck zu verschaffen, doch innerlich wünschte er sich nichts sehnlicheres, als einen leckeren, starken Kaffee. Vielleicht sollte er..., nein. Es war wohl besser, wenn er es mit was anderem probieren würde.

Es war nur die Frage was.

Gerade wollte er Cailin nach dem Tee fragen, da erschien auch schon eCroft.

"eCroft, ich hätte gerne irgendein Heißgetränk, was aber kein Koffein hat. Vielleicht mit irgendwas anderem als Wirkstoff?", fragte er den Androiden.

"Kommt sofort", erwiderte dieser und wandte sich dann an die Frauen. "Und was wünschen Sie beide?"

Cailin war etwas verwundert darüber, dass die sonstigen Komplimente ausblieben, aber anscheinend schien eCroft heute wirklich alle Hände zu tun zu haben. Im Grunde war sie froh darüber, da zumindest Kincaid nicht gleich einen schlechten Eindruck von den Sitten hier an Bord bekommen würde. Der Name der Bar war ja schon eigenartig genug um Schlimmes zu befürchten.

"Für mich bitte ein Glas kalte Milch mit einer Prise Zimt", gab die Ärztin ihre Bestellung auf und musterte dann den Romulaner. Es mutete ihr reichlich ungewöhnlich an, dass dieser wirklich seine Kaffeesucht in so kurzer Zeit nur wegen dem Vorfall am Gang vor der Mannschaftsmesse beendet haben wollte.

Eher würde er früher oder später dem Drang unterliegen und noch mehr als sonst trinken, was einen Koffeinrausch bewirken würde. Danach würde Kaffee auf ihn immer eine leicht berauschende Wirkung haben, wenn er ihn auch in Maßen zu sich nahm.

Die Purna nahm sich vor seinen guten Vorsatz nicht anzuzweifeln und ihm die Daumen zu drücken - eine sehr nette teranische Geste, die man im Geist beging, obwohl man sie nicht wirklich ernst nahm - wohl aber etwas später ein passendes Gegenmittel für Yheas künftige Beschwerden immer bei sich zu tragen.

--- Bar, bei der Tür

Sam stockte im Schritt, runzelte die Stirn, und ging gleich wieder rückwärts aus der Tür hinaus.

--- Deck 5, Gänge

"Zum tanzenden Liebesdiener" stand da auf dem Schild. Nein, Sam hatte sich nicht verlesen.

Er schluckte und betrat die Bar erneut, aber diesmal wesentlich vorsichtiger.

--- Bar

Misstrauisch schaute Sam Fletcher sich um, konnte aber niemand erkennen, auf den der Name der Bar zutreffen schien. Niemand tanzte, und weder Damen noch Herren des ältesten Gewerbes der Welt tummelten sich zwischen den Tischen.

Aus den Augenwinkeln die Menge beobachtend, welche ihn kaum zur Kenntnis nahm, schlenderte er zur Bar. Auf dem Weg bemerkte er einen der Kellner, wie er an einem Tisch eine Bestellung aufnahm.

'Ein Androide', fuhr es ihm durch den Kopf. 'Nicht schon wieder. Bloß nicht zu Wort kommen lassen, sonst plappert der los wie einst Charlie...', war sein erster Gedanke bei eCrofts messingfarbener Haut.

Vorsichtig setzte er sich an die Bar und wartete auf den Barmann.

--- Brücke

Der Bajoraner hatte das Kompliment Shanias nicht kommentiert, sondern nur leicht den Kopf geneigt, während sie die Tür zum Kommandodeck durchschritten.

Auf der Brücke herrschte die normale Betriebsamkeit, es gab keinen Hinweis darauf, dass noch immer in einigen Teilen des Schiffes Schäden behoben wurden.

'Hoffentlich funktioniert das Licht in meinem Quartier bald wieder!', dachte Anjol grummelnd, erinnerte sich dann aber daran, dass man auch außerhalb der eigenen Wände viel Spaß haben konnte.

Ein Seitenblick zu der Terranerin genügte, und der Vorsatz in seinem Kopf nahm Gestalt an. Vielleicht würde Veronica ja sogar mitmachen, eine Möglichkeit die dem ersten Offizier sehr reizvoll erschien.

Doch zunächst wartete die Pflicht auf ihn und so stellte er dem Captain der Reihe nach alle weiteren Bewerber vor. Charles verhielt sich erwartungsgemäß nüchtern, hatte sich doch kein weiterer Verwandter unter die Neuen gemischt.

"Ich heiße sie Willkommen an Bord, vor allem Miss Twillan. Monserat sprach immer in den höchsten Tönen von Ihnen. Ihr Weggang wird ihn sicher schmerzen!

Da wir aber noch einige Zeit an der Basis verbringen werden, die Techniker noch alle Hände voll zu tun haben, schlage ich vor, dass sie sich mit dem Schiff vertraut machen, bis die Einstellungstests durchgeführt werden können. Mister Victor hat sie ja sicher schon eingewiesen."

'Nö, hat er eigentlich nicht', dachte sich Gorm und sein Kopf ruckte sofort in Richtung der Offiziere. Fragend sah er sie an.

'Dafür das hier angeblich immer noch das Starfleet-Protokoll herrschen soll, geht es hier aber chaotischer zu, als ich nach den Erzählungen angenommen hab', spann der Ferengi seine Gedanken weiter. Verwirrt sah er zu Shania und fragte leise: "Hab ich hier was verpasst? Oder bekommen wir die Anweisungen noch nachgereicht?"

"Ich weiß ja nicht was du verpasst haben willst", meinte Shania ebenso leise zurück, "aber etwas in der Art einer Anweisung hatten wir noch nicht, falls es das ist was du meinst."

Dann straffte sie sich, was ihren Busen noch besser zur Geltung brachte und sie drehte wieder dem Captain zu. Es lag ihr fern den jungen Mann vor seinem Vorgesetzten schlecht dastehen zu lassen, doch in solchen Situationen redete sie bevor sie lange nachdachte:

"Captain, wir sind gerade erst mit Anjol an Bord gekommen. Haben noch keine Quartiere und auch keine Uniform, falls wir hier so was tragen müssen. Und ehrlich gesagt...", sie überlegte einen Moment, ob sie es überhaupt erwähnen sollte, "ich glaube, ich hab von dem jungen Mann noch kein einziges Wort gehört.

Ich dachte schon, er sieht niedlich aus, scheint aber nicht sprechen zu können. Zumindest hatte ihr Cheftechniker auch so seine Probleme damit...", schloss sie ihre Worte und setzte dabei ein bezauberndes Lächeln auf.

Die Hände auf dem Rücken gefaltet und ganz in Gedanken versunken, war die Klingonin der Gruppe auf die Brücke gefolgt.

Das nun also war Shanias Traumschiff und Ziel ihrer Flucht. Ein Samariterschiff der Sternenflotte.... Sie verdrehte die Augen.

Obwohl es waren ja eigentlich Abtrünnige. Von den Marquis dieser Miliz von Föderationsbürgern im Grenzgebiet hatte sie schon gehört. Aber das sich auch Sternenflotten Angehörige gegen die heißgeliebte und paradiesische Föderation stellten und mit einem kompletten Schiff desertierten, fand Chedu doch ziemlich ungewöhnlich.

Und dann auch noch ohne Sold zu arbeiten. Der Gedanke gefiel der Klingonin überhaupt nicht. So konnte man sich schlecht was zur Seite legen um überhaupt von was Leben zu können, wenn es einem dort nicht mehr gefiel. Und es noch länger mit diesem Chinesen auf dem gleichen Schiff aushalten zu müssen, fand sie nicht sehr reizvoll.

Na ja, vielleicht war dieser Captain vernünftig und erkannte wie nervtötend wenn nicht gar gefährlich dieser schlitzäugige Terraner war.

Andererseits war es schon verlockend an einem Warpantrieb herumbasteln zu können, der über Warp 9 erreichen konnte und nicht so ein schwaches Teil wie die Dinger war, die sonst auf den ganzen altersschwachen Frachtern anzutreffen waren. Zudem hatte die Technikerin gehört, dass diese Schiffsklasse über drei Warpkerne verfügen sollte. Also das würde sie sich schon gern einmal genauer ansehen.

Schlagartig wurde Chedu aus ihren Gedanken gerissen, als die Sache mit den Uniformen zur Sprache kam.

"Wir werden doch wohl nicht solche Schlafa..., ich meine Uniformen, anziehen müssen?" rief sie entsetzt.

Missbilligend schaute der Captain an sich herab, sah die gewohnt rot-schwarz gehaltene Uniformjacke sowie die schwarze Hose. Die Uniform war ihm so vertraut, dass er sie eigentlich gar nicht mehr wahrnahm, obwohl viele Mannschaftsmitglieder und selbst Offiziere zivile Kleidung trugen.

Währenddessen lachte der Bajoraner leise vor sich hin, bis er schließlich einen gezielten Blick von McCarthy auffing, der ohne Zweifel all ihre Gegner hätte vernichten können. Grinsend versuchte er sich seiner Herr zu werden, schluckte das Verlangen weiter zu lachen herunter und antwortete auf die Frage derKlingonin:

"Da sie keine ursprünglichen Mitglieder der Sternenflottensatzung sind, können sie ebenso wie ich frei wählen. Allerdings sollte die Kleidung der Arbeit an Bord angemessen sein, gegebenenfalls die Betriebsschutzbedingungen erfüllen"

Das entsetzte Gesicht ihrer zukünftigen Technikerin hatte er mittlerweile halbwegs verarbeitet; er bekam wieder regelmäßig Luft, auch wenn das bajoranische Äquivalent eines Zwerchfells immer noch auf und ab hüpfte.

Auch Gorm war die Erleichterung auf die Worte Anjols am Gesicht anzusehen. Wenn er schon umsonst arbeiten sollte, dann wollte er wenigstens bei angemessener Kleidung bleiben. Ein gutgeschneiderter Anzug machte einfach viel mehr her als diese zweifarbigen langweiligen Strampelanzüge der Föderation. Ein guter Anzug konnte sowohl in einem Labor oder bei Verhandlungen mit einem potentiellen Kunden getragen werden. Und wenn er dann an diese Fetzen dachte, die die Föderation Ausgehuniformen nannte...

"Wo und wann sollen wir uns denn jetzt zur Beurteilung einfinden? Und wann bekommen wir die Kommunikatoren und unsere Quartiere?", fragend blickte der Ferengi die vier Offiziere der Reihe nach an.

Shania sah vorsichtig von Anjol zu Chi-Lo und wünschte sich zu wissen, woran er wohl gerade im Moment dachte. Sein Blick wirkte jedenfalls nicht halb so belustigt wie der des Bajoraners.

Im Gegenteil wirkte er eher ungehalten.

Verblüfft fragte sich die Amerikanerin was ihm wohl die gute Laune verdorben hatte. Wahrscheinlich die Aussicht darauf, dass er hier nicht gerade reich werden würde. Und einen Job als Anführer würde er hier wohl auch nicht so schnell angeboten bekommen.

Unwillkürlich gab sie einen leisen Seufzer von sich, sah aber sofort wieder weg, als Chi-Lo zu ihr sah. Sie lächelte Anjol zu, obwohl sie bereits daran dachte, wen sie wohl bestechen musste um ein Quartier in der Nähe von Chi-Lo zu bekommen.

"Da Mr. Victor wohl noch mit anderen Dingen beschäftigt war, wird Anjol die Einweisung leiten. Die beurteilungsrelevanten Prüfungen werden in acht Stunden stattfinden und von Anjol geleitet werden. Bis dahin sollten sie ausgeruht sein, können aber natürlich gerne noch das Schiff besichtigen",

gab McCarthy zurück, erinnerte sich daran, dass die Venture mittlerweile startbereit war. In Anbetracht der mit dem Maquis vereinbarten Liegezeit konnten sie sich diesen Aufschub jedoch problemlos leisten.

Der Bajoraner nickte bestätigend, hinterließ sofort im Kommunikationssystem eine Mitteilung für die anderen Bewerber und kündigte weitere Instruktionen in Kürze an.

Der Gesichtsausdruck des Captains machte deutlich, dass er die Unterredung für beendet hielt, zumal immer noch Wut angesichts der Beleidigung in ihm zu brodeln schien. Wahrscheinlich war es besser so, wenn sie die Brücke verließen.

"Wenn sie mir dann folgen würden, können wir alles Weitere auf dem Weg zu ihren Quartieren klären", fügte Anjol Charles' Worten hinzu.

--- Bar "Zum tanzenden Liebesdiener"

"Dann bringen Sie mir bitte noch ein Glas Wasser", erwiderte Jordan schließlich auf den fragenden Blick des Androiden und eCroft zog eilig in Richtung Theke ab, wo ein neuer Gast platzgenommen hatte, den sie nach einigen Sekunden als Sam erkannte.

Augenblicklich begann sie sich unwohl und etwas überflüssig zu fühlen, da der Romulaner und Cailin sich scheinbar sehr gut kannten und sie nicht stören wollte. Andererseits saß sie jetzt nun mal hier und den Artikel, so interessant er war, würde sie auch später zu Ende lesen können. Entschieden legte sie das Padd beiseite.

Interessiert musterte sie Alnak, der so untypisch für seine Spezies einen ausgesprochen offenen Eindruck auf sie machte. Sie setzte schon an, ihm die nahe liegende Frage zu stellen, was einen Romulanern auf ausgerechnet dieses Schiff trieb, hielt sich dann aber selbst zurück und besann sich, wie unbehaglich sie selbst auf persönliche Fragen reagierte. Immerhin konnte Alnaks Geschichte eigentlich nur eine unangenehme sein...

Sich räuspernd besann Jordan sich daher auf etwas anderes, was ihr in dem kurzen Wortaustausch aufgefallen war. "Miss Fakaii, ich fürchte, Sie irren sich", wandte sie sich wieder an die Ärztin. "Noch bin ich keine Krankenschwester auf diesem Schiff. Wir haben zwar kurz mit dem Captain gesprochen, doch er hat das Einstellungsverfahren verschoben und uns bis dahin Unterkunft auf der Venture gewährt."

Freilich machte sie sich noch immer keine zu großen Sorgen. Dass sie während diesem Einstellungstest den Tricorder fallen ließ oder eine Zahl vertauschte, bezweifelte sie sehr stark.

Etwas irritiert musterte Cailin ihr Gegenüber. "Ich weiß ja nicht, wo Sie vorher im Dienst standen und wie dort ein Einstellungsverfahren aussah, Miss Kincaid, aber eine Krankenschwester auf ihre Eignung zu testen obliegt eigentlich immer der Leitung der Medizin. Was hier auf diesem Schiff in meinen Bereich fallen würde.

Der Captain mag sich Ihren Lebenslauf ansehen, doch wenn Sie da nichts zu verbergen haben, so wird er mir die Entscheidung überlassen, ob ich Sie in meiner Abteilung möchte. Und ich kann wirklich jede Hilfe gebrauchen." Nachdenklich musterte die Purna die Terranerin. Sie wirkte ziemlich verschlossen, doch fachlich sehr kompetent. Es würde ein Leichtes sein McCarthy davon zu überzeugen sie aufzunehmen.

Vielleicht hatte sie damit auch gleich eine Hilfe gewonnen Jones unter Kontrolle zu halten.

"Ja, natürlich, nur hat sich der Captain meinen Lebenslauf eben noch nicht angesehen", versuchte Jordan zu scherzen und hoffte gleichzeitig düster, McCarthy möge nie auf die Idee kommen. "Ich ging auch davon aus, dass Ihnen die Demonstration meines Umgangs mit einem Tricorders eventuell nicht ausreicht. Wenn doch, umso besser..."

Sie unterbrach sich, als ihr Kommunicator piepte und Anjols Durchsage sie erreichte, und lächelte ein wenig über das perfekte Timing. Anscheinend würde es wohl doch noch irgendwelche Tests geben. Oder vielleicht auch nur eine öffentliche Studie ihres nicht vorhandenen Lebenslaufs.

Als der Bajoraner verstummte, wandte sie sich wieder Cailin zu. "Am liebsten wäre es mir natürlich, all die offiziellen Verfahren schnell hinter mich zu bringen und möglichst bald mit der Arbeit zu beginnen. Zumindest wüsste ich nicht, was ich ansonsten bis dahin machen soll, als stundenlang in der Bar zu sitzen."

"Das kann ich sehr gut verstehen", meinte die Purna zustimmend und beobachtete eCroft wie er den Replikator bediente um ihre Bestellung zu erledigen, "aber ich denke nicht, dass es sich sehr lange hinauszögern wird, da wir doch irgendwann wieder starten wollen und neue Leute besser bereits ein wenig mit den Sitten und Gebräuchen der Venture vertraut sein sollen, bevor es in den Ernstfall geht."

Ihr Blick wanderte zu dem Romulaner der leicht unglücklich jemand am Nachbartisch betrachtete, der nichts Ungewöhnliches an sich hatte, außer einer heißen Tasse schwarzen Kaffees vor sich, dessen Geruch man bis an ihren Tisch wahrnehmen konnte.

Sie hoffte, dass Yhea stark genug war um der Versuchung zu widerstehen bis sie wieder auf der Krankenstation war um für den Notfall vorzusorgen. "Wenn Sie möchten, können Sie mich natürlich gerne schon mal auf die Krankenstation begleiten und sich Ihren späteren Wirkungskreis einmal ansehen.

Auch wenn Sie Vorbehalte haben, aufgenommen zu werden, so kann man es nie schaden andere Schiffe und ihre Behandlungsmethoden kennen zu lernen. Auch wenn ich mir denken kann, dass jemand nach Ihrer Reise vielleicht eine Dusche, ein eigenes Quartier oder ein Holodeckabenteuer vorziehen würde..."

"Oh, wir waren kaum von unserem letzten Schiff herunter, als wir bereits Mr Anjol über den Weg gelaufen sind", winkte Jordan nur ab. "Ansonsten habe ich mir das Quartier schon angesehen, und obwohl es sich sicher sehr gut darin wohnen lässt, sieht es letztendlich doch aus wie jedes andere Quartier."

Ihr Blick folgte dem Cailins und blieb an dem Romulaner hängen. Sie kam sich etwas unhöflich vor, ihn so aus dem Gespräch auszuschließen; andererseits wirkte er, als sei er in Gedanken woanders und störe sich nicht daran.

"Und auch Holodecks sind letztendlich auf jedem Schiff gleich. Da interessiert mich doch die Krankenstation weit mehr, wenn ich bedenke, wie viel Zeit ich dort verbringen werde. Ich würde mich freuen, sie einmal zu Gesicht zu bekommen."

Im selben Augenblick traf eCroft ein und verteilte die bestellten Getränke. "Ich hoffe, diese Teesorte gefällt Ihnen", wandte er sich fröhlich an Yhea. "Es ist ein vulkanisches Vitamingetränk."

Den skeptischen Blick des Romulaners übersehend und mit einem Zwinkern in Richtung der beiden Damen verschwand er sofort wieder, woher er gekommen war. Dass seine Annährungsversuche bei Jordan nur hochgradige Irritation hervorriefen, hatte der Androide früher am Tag bereits festgestellt. Doch obgleich es sich dabei um eine reizvolle Reaktion handelte, wollte er sie nicht gerade jetzt ausloten...

Langsam senkte Yhea seinen Blick von eCroft auf das Getränk, was ihm gebracht worden war. Und das was er sah, gefiel ihm gar nicht. Diese Flüssigkeit in dem Becher gluckste und blubberte rötlich schimmernd vor sich hin und verbreitete einen Übelriechenden Geruch. Angewidert schob er die Tasse erst einmal von sich weg und versuchte dann, die beiden Damen am Tisch nett anzulächeln.

Doch die schauten ihn und diesen Tee nur etwas seltsam an und so versuchte Yhea schnell, seinen Blick von den beiden wieder los zu bekommen. Doch es war nicht einfach. Denn ständig musste er wieder an den Tee denken und schon nach 30 Sekunden griff er wieder nach der Tasse und nahm einen Schluck davon. Nur das am Ende keiner behauptet, er wäre nicht aufgeschlossen Neuem gegenüber.

Doch zu schnell bemerkte er, dass es ein Fehler war, denn er musste sich riesig zusammenreißen, dass er das Getränk nicht quer durch den Raum spuckte. Nur mühsam schaffte er es, einen einigermaßen normalen Gesichtsausdruck aufzusetzen. Und zu seinem Glück konnte er nicht viel grüner um die Nase werden, als er sowieso schon war. Doch er vermutete, dass Cailin das sowieso gemerkt hatte. Die Frau merkte immer alles.

Aber egal. Schließlich hatte sie ihn schon in viel schlimmeren Situationen erlebt. Dann wäre das hier nur ein Klacks. Aber Jordan neben dran? Ui, das wäre peinlich.

"Entschuldigen Sie beide mich mal. Ich werde mich mal an die Theke begeben und dort nach was Essbaren Ausschau halten. Ich denke, Sie beide wollten sowieso gerade zur Krankenstation gehen und deswegen möchte ich sie nicht davon abhalten", sagte er und schaute Beide abwartend an.

--- Clints Quartier

Frost hatte sich an den Aussichtsfenstern gebildet, und streute das Sternenlicht in mattem Weiß ins Innere des Quartiers. Im Halbdunkel stand Clint, mitten im Raum, er atmete die kalte Luft in tiefen Zügen langsam ein und aus. Sein Atem gefror sofort, und bildete winzige Kristalle die beim Herabfallen glitzerten. Der Wissenschaftler vollführte bedächtige Bewegungen die an Tai Chi erinnerten, jedoch ihren Ursprung in den frühen Jahren der vulkanischen Geschichte hatten.

Er war unbekleidet. Die Minustemperaturen im Raum konnten ihm nichts anhaben, und doch durchdrang die Kälte seine Haut. Er spürte sie in jedem Gelenk, jeder Muskelfaser seines Körpers. Ruhe, Konzentration, Entspannung: Die Übungen schienen wie von selbst zu laufen und doch war ER es der die Kontrolle hatte.

Die Fingerspitzen vor der Brust zusammengepresst, hielt er einige Augenblicke lang Inne. Langsam ließ er die Hände sinken und beendete seine Übung. Auf einem Stuhl lag seine zusammengefaltete Starfleetuniform. Blauschwarz, die Farbe der Wissenschaft, schlicht und praktisch: Es kam dem Wahlvulkanier entgegen. Er zog sich an und bevor er sein Quartier verlies, gab er dem Computer noch einige Anweisungen:

"Computer: Temperaturausgleich an Normwert. Notiz an Technik: Erbitte Reparaturen am Replikator" Seit einiger Zeit war er gezwungen, sein Frühstück in der Bordbar einzunehmen. Nicht das ihm das missfiel, es war nur ... ineffizient: Der Weg zur Bar, das Bestellen bei einem Androiden der schließlich seine Worte an ein Replikatorsystem weitergab und die Nahrung dann an seinen Tisch brachte, was nicht immer sehr schnell von statten ging.

Terraner hatten eine Art sehr umständlich zu werden wenn es um Traditionen ging. Was auch immer auf dem Asteroiden mit ihm passiert war, Clint hatte da den Blutwein im Verdacht, seine Reaktion darauf war recht heftig gewesen, nun war er wieder topfit. Endlich konnte er wieder seinen Dienst aufnehmen. Aber zuvor musste er in die Bar ...

--- Krankenstation

"Danke, du bist wirklich meine Rettung", stöhnte Veronica, während sie auffällig unruhig auf dem Biobett herumrutschend ihrer Freundin Dallas nachsah, die zu den Regalen ging, um das notwendige Medikament herauszusuchen. "Es wäre mir ja so peinlich, damit zu Norgard zu gehen... oder zu Miss Fakaii!" Ihr schauderte bei dem Gedanken, auch wenn die Purna ihr Unwohlsein wohl gar nicht hätte nachvollziehen können. "Ich musste schon die ganze Schicht auf der Brücke ausharren, weil ich ja dem Captain schlecht sagen konnte, wieso ich zur Krankenstation muss..."

Die junge Frau bemerkte erst jetzt ihr unruhiges Rutschen, versuchte sich zusammenzureißen und presste stattdessen gewaltsam ihre Knie gegeneinander. Aber es half nichts. Jede Kriegsverletzung hätte sie diesem Jucken vorgezogen! Ihr Gesicht verzog sich zu einer verzerrten Grimasse. Nie wieder.

Nervös sah sie hinüber zum Eingangsbereich der Station, wo Jones unter Norgards Aufsicht dabei war, ein Regal einzuräumen. Die beiden Männer schienen sich nicht für ihre Probleme zu interessieren, so dass sie erleichtert aufatmete. Nie wieder...

"Na, immer mit der Ruhe", beruhigte Dallas sie vergnügt und zog zielsicher das richtige Mittel aus dem Schrank - immerhin hatte sie es gerade erst eingeordnet. "So was passiert doch jedem Mal, und gleich ist es auch schon vorbei."

Ohne auf die Erwiderung ihrer Freundin zu warten, drückte sie ihr das Hypospray in die Halsschlagader. Veronica verharrte einen Augenblick, als lausche sie in sich hinein, dann atmete sie erleichtert auf. "Viel besser!" Es klang wie eine Offenbarung.

Nie wieder Sex mit Kolonisten...

Gerade wollte sie sich schon erheben, als Dallas sie herrisch auf das Bett zurückdrückte. "Nach Dienstschluss komme ich in dein Quartier und gebe dir die zweite Dosis, dann ist es weg. Allerdings ist mit diesen Krankheiten nicht zu spaßen, sie sind hochgradig ansteckend und Männer verschleppen sie, ohne es zu merken. Die Inkubationszeit beträgt einen Monat, also von wem könntest du sie haben?"

Aillard musste nicht lange überlegen. Über ihre Liebschaften führte sie beinahe Buch. "Dann war es dieser Kevin auf dem Landurlaub. Den sehe ich eh nie wieder."

Die Krankenschwester nickte zufrieden. "Gut. Sonst noch irgendwelche Männer, die du infiziert haben könntest?"

"Ich? Oh... nein", Veronica wirkte fast schon zu unschuldig. "Dann danke dir, aber jetzt muss ich wirklich wieder an die Arbeit!"

Sie sprang vom Biobett, diesmal ohne aufgehalten zu werden, lächelte ihrer Freundin zu und stürmte davon.

--- Vor der Krankenstation

Blass geworden kam der Fähnrich vor der Station zum Stehen. Bei dem Gedanken, Lieutenant Johnson gegenüber treten zu müssen und zu sagen... und dem jungen Erkan von der Ladecrew... und diesem Terraner, wie hieß er doch gleich...

Und Anjol.

Als er ihr einfiel, wurde sie noch blasser. Niemals würde sie sich überwinden, den ersten Offizier zu informieren, dass sie ihn angesteckt hatte mit... oh nein. Ihre Hoffnung auf eine Beförderung wäre dahin, und nicht nur das, sie wäre unendlich blamiert... und was wusste sie schon über ihn? Würde er es etwa dem Captain erzählen? Oder irgendwelchen Freunden?

So oft wechselte er seine Frauen sicher nicht, dass das kleine Versäumnis, es ihm mitzuteilen, jemandem schaden würde.

Und die anderen?

Ach, die hatten es sicher bereits selbst gemerkt.

Erleichtert setzte sie sich gerade in Bewegung, als ihr Communicator piepte und Jan, ein weiterer Freund von ihr, sich meldete. "He, heute Abend findet wieder eine unserer kleinen Partys statt", teilte er ihr fröhlich mit. "Du hast doch frei - Interesse?"

"Nein", erwiderte Veronica langsam. "Ich habe schon was vor."

Sie mochte vermessen sein, aber so vermessen war sie nicht. Immerhin war sie laut Dallas noch zwei Tage ansteckend...

--- Deck 3, Gänge

"...und falls sie sich nun erst in ihre Quartiere begeben wollen, sehen wir uns bei den Leistungsnachweisen, die um 18 Uhr Bordzeit beginnen werden, also in siebeneinhalb Stunden. Ansonsten begleiten sie mich in die Bordbar. Glauben sie mir, bevor sie sich auf dieses Schiff einlassen, wäre das eine interessante Erfahrung!",

beendete der Bajoraner seine Instruktionen über Uniformen, Quartierbelegung und sonstige Regeln, die es auf der Venture zu beachten gab. Zumindestens hatte er die erwähnt, an die er selbst sich hielt, den restlichen Ballast von 90% konnten sie dem PADD entnehmen, welches Victor zusammengestellt hatte,

"Also, was sagen sie dazu?"

Der Chinese stand in diesem Moment zufällig vor Quartier 99 - schließlich waren sie ja auf Deck 3.

Also betrat er kurz das Quartier durch die sich automatisch öffnenden Türen.

Das Quartier war zwar reckt klein, aber ein reiner Luxus, verglichen mit dem, was er auf verschiedenen Schmugglerschiffen gewohnt gewesen war.

Er würde es später genau inspizieren, einstweilen aber ließ er sein Gepäck an Ort und Stelle fallen. Vielleicht war diese Bar ja tatsächlich ein interessanter Treffpunkt.

Er ging wieder hinaus und schloss sich der Gruppe an.

Und überlegte es sich sofort wieder anders.

Schon wieder stand Shania so nah bei diesem ekelhaften Bajoraner. Was sie wohl an ihm finden mochte?

Nein, er würde nicht mitkommen in diese Bar.

Bars konnte er sowieso nicht ausstehen, und er persönlich hielt sich am liebsten dort auf, wo sich dieser Anjol gerade nicht aufhielt.

Deshalb sagte er zu Anjol mit deutlichem Frost in Stimme: "Danke, Sir, aber entscheide immer noch selbst, was für mich eine interessante Erfahrung ist und was nicht. Ich werde mich lieber auf meine Leistungsbeurteilung vorbereiten. Und wenn auf der Venture auch nur annähernd eine Dienstauffassung herrscht, die der meinigen entspricht, dann ist ein herumlungern in einer Bar definitiv nicht die richtige Art der Vorbereitung. Würde es Ihnen etwas ausmachen, mir mitzuteilen, wo wir uns denn treffen sollen um 18.00 Uhr Bordzeit? Vielleicht sollten Sie sich künftig mehr auf die Verbreitung derartiger Informationen verlegen, anstatt mit Ihren Kenntnissen die örtliche Gastronomie betreffend zu prahlen..."

Etwas zornig geworden musterte Anjol den Terraner, fragte sich, ob er dessen Dienstauffassung überhaupt kennen wollte: "Mr. Hu-Wang, Ihre Dienstauffassung können Sie demnächst beim Reinigen von Dilitiumleitungen beweisen, wenn Sie sich nochmals dermaßen im Ton vergreifen. Natürlich müssen Sie keineswegs auf mein Angebot eingehen, aber sollten Sie in Zukunft Kritik vermeiden, wenn Sie nicht fähig sind, den Inhalt des PADDs durchzublättern.

Oder eine einfache Frage zu stellen.

Vielleicht waren Sie ja auch nur etwas abgelenkt. Ihren Blicken nach zu urteilen scheint Ihr Interesse ja weniger der Dienstauffassung dieses Schiffes, als vielmehr Shania zu gelten!"

Forsch knallte der Bajoraner dem Asiaten ein zweites PADD vor die Brust. Zwar hatte er die Örtlichkeit wirklich nicht erwähnt, doch hatte Kai in seinem Pflichtbewusstsein sicher irgendwo eine derartige Notiz in den Daten untergebracht.

Man, dieser Chi-Lo begann ihn mächtig anzukotzen und dann auch noch dieser ständige Juckreiz...

Ungläubig schaute Shania von einem zum anderen.

Fast meinte sie, dass sich hier vor ihren Augen etwas abspielte, dass über ihren Verstand hinaus ging und das offensichtlich nur einem Mann klar sein konnte.

Wieso benahm sich Chi-Lo plötzlich so pflichtbewusst, wo er doch noch nie den geraden Weg gegangen war? Es während einer Mission mit ihr im Shuttle zu treiben, bei vollbesetzten Shuttlehangar war ja auch mehr als unorthodox gewesen.

Und nun wollte er sich auf die Prüfung vorbereiten und verzichtete auf den Besuch einer Schiffsbar?

Die beiden Männer musterten sich wie Kampfhähne und die große Amerikanerin wusste nicht, ob sie dazwischen gehen sollte oder nicht. Vielleicht bekam es ja Chi-Lo in den falschen Hals, weil sie ihn vielleicht verteidigte, weil er in ihren Augen klein war.

Oder Anjol, weil er ihn aufnehmen sollte und sein Wort beim Captain sicher schwer wog.

Plötzlich erreichte der Sinn von Anjols Worten sie und sie begriff worauf er anspielte. Ohne es zu Wollen lief sie rot an.

Ob Chi-Lo sie wirklich heimlich beobachtete?

Der Chinese kochte innerlich vor Wut.

Er hatte sich keine Sekunde in diesem Bajoraner getäuscht.

Das war ein Ekelpaket, das in der gesamten Galaxie seines gleichen suchte, seitdem Bragma und Denningham gestorben waren.

Ganz offensichtlich war der erste Offizier eifersüchtig. Bei diesem Gedanken versetzte es Chi-Lo einen Stich. Es gab keinen Grund, auf den kleinen Chinesen eifersüchtig zu sein, nicht nach dieser Szene im Shuttle...

Aber das konnte er dem ersten Offizier natürlich nicht auf die Nase binden.

Chi-Lo gab sich jetzt betont ruhig.

'Dilitiumleitungen reinigen', dachte er, 'damit kennen sich Bajoraner natürlich bestens aus... Zu etwas anderem sind sie ja auch kaum zu
gebrauchen..."

"Oh, danke!", rief Chi-Lo übertrieben Freude strahlend aus. "Sind auf diesem PADD jetzt endlich die Informationen, die ich auch tatsächlich brauche?"

Dabei kam ihm in den Sinn, dass die geriffelten Nasen der Bajoraner wohl ein Rassemerkmal sein mussten, dass sich im Laufe der Zeit herausgebildet hatte, weil den Bajoranern Generation für Generation die Nase eingeschlagen worden war. Der Chinese konnte sehr gut verstehen, warum.

Ja, diese Bajoraner waren ein Rasse von Denninghams...

Er blickte kurz zu Shania. Diese war, offensichtlich vor Zorn, hochrot angelaufen. Wie konnte diese Riffelnase es auch wagen, Shania mit reinzuziehen?

"Und Sir, lassen sie bitte Shania außen vor, wenn Sie Probleme mit meiner Dienstauffassung haben. Regeln Sie das bitte dann direkt mit mir. Da muss keine unbeteiligte Frau mit reingezogen werden, nur weil Sie sich mir nicht gewachsen fühlen. Auf der anderen Seite hätte ich von einem Bajoraner aber auch wirklich nichts anderes erwartet."

'Das war´s. Du bist draußen, Du schlitzäugiger Vollidiot!', dachte der Chinese betroffen. Warum konnte er nicht ein einziges Mal in seinem Leben den Mund halten, wenn dies klüger gewesen wäre? Ein einziges mal nur? 'Anjol wird dich rausschmeißen und auf der Sternbasis lassen.'

Sein Blick aber blieb stahlhart, als seine Augen auf Anjol ruhten.

'Ooooh Chi-Lo', säuselte Shania innerlich und konnte gerade noch ein verliebtes Seufzen unterdrücken, während ihr Gesicht von einem inneren Leuchten erfüllt war. Kümmerte sich dieser Mann doch so rührend um sie und wollte sie beschützen, dass es gar nicht anders sein konnte, als Liebe.

Ihre Augen schienen ihn mit Liebe erdrücken zu wollen, so sehr strebte ihr Herz ihm zu. Vergessen, war all die Zurückweisung, Zurückhaltung und Unsicherheit auf ihrer Reise hierher.

Sie hatte sich nicht getäuscht. Hätte es auch auf der Ivory noch ein Irrtum sein können, von wegen des halluzinogenen Gases oder einfach aus der Situation heraus geboren, so war sie sich jetzt ganz sicher.

Chi-Lo und sie gehörten einfach zusammen.

Selbst wenn es über die nächsten Jahre hinaus, wegen des etwas problematischen Anfangs ihrer Beziehung vielleicht nur eine rein platonische Liebe sein würde.

Irgendwann, so war sie sich sicher, würde er jede Hürde nehmen und sie gemeinsam den Höhepunkt finden.

Sie schwieg beharrlich weiter um die Männer diese Meinungsverschiedenheit zwischen sich austragen zu lassen.

Anjol hatte wegen seines Alters und der Gemütlichkeit die sicher auf einem fast Föderationsschiff herrschte sicher ohnehin keine Chance um Chi-Lo gefährlich werden zu können, falls es zu einem Kampf kam.

"Dann irren Sie sich aber gewaltig!", gab der Bajoraner mit scharfer Stimme zurück, während er den Kommunikator von seinem Hemd löste und achtlos in eine Ecke warf, was im Großteil des Universums wohl ein sicheres Zeichen für einen sich anbahnenden Zweikampf war.

Es führt kein Weg daran vorbei, wenn er diesen Chi-Lo nicht von Bord werfen wollte. Und Anjol brannte geradezu darauf, den aufgeblasenen Kerl scheitern zu sehen, während Shania gerade zu allem Überfluss ihre Zuneigung zu dem Asiaten zu entdecken schien.

'Auch egal, dieses Jucken zerstört jeden Gedanken an Sex!', dachte er grimmig weiter, sicher, dass es noch andere Wege gab, um den Hormonstau zu lösen. Beispielsweise dem Terraner eine neue Visage zu verpassen:

"Was ist los? Soll ich ewig warten?!"

'Das darf doch nicht wahr sein!', dachte Gorm frustriert, 'fängt das schon wieder an.'

Hilfesuchend sah der Ferengi zur Klingonin, die aber voller freudiger Erwartung auf die beiden Gegner starrte.

Laut und vernehmlich seufzte Gorm und starrte Chi - Lo vorwurfsvoll an: "Ist das wieder so ein beginnendes Freundschaftsritual, wie es manche humanoide Völker noch praktizieren? Ich persönlich würde da die Art der Klingonen vorziehen. Bei ihnen weiß man in den Regel, woran man ist", er wandte sich dann mit fasziniertem Blick an Anjol: "Interessant, ich wusste gar nicht, dass auch Bajoraner ein solch emotionales Volk sind. Betreiben sie eigentlich noch Arenen mit Gladiatorenkämpfen? Die Betreiber müssten ein Vermögen verdienen."

Zunächst ignorierte der Chinese Gorm völlig. Stattdessen wandte er sich Anjol zu.

"Ihr darf annehmen, dass Sie mit dem Kommunikator auch den Dienstrang abgelegt haben", sagte Chi-Lo erfreut.

Er hatte es satt.

Seit Monaten war er nur auf der Flucht.

Genug der Demütigungen.

Er würde es diesem selbstherrlichen Bajoraner zeigen, und wenn das bedeutete, dass er auf einem gottverlassenen Marquisstützpunkt alleine ohne Schiff dasaß!

"Haben Sie schon in Erwägung gezogen, das Sicherheitler im Allgemeinen ganz passable Kämpfer sind?"

Dann befasste er sich mit Gorm. "Nein, Freundschaftsrituale sehen im Allgemeinen so aus, dass man in die Bar geht und sich sinnlos betrinkt", erläuterte er freundlich. "Das nun folgende Ritual bewirkt lediglich, dass ein vorlauter Bajoraner seine Grenzen aufgezeigt bekommt."

Er verzichtete lieber darauf, darzulegen, wie vielen vorlauten Bajoranern, die dachten, sie seine als Ware ungeeignet, er schon ihre Grenzen aufgezeigt hatte.

Ebenso wollte er nicht darüber diskutieren, dass Bajoraner im Allgemeinen nicht in Arenen als Gladiatoren auftraten. Das war bei Sklaven im alten Rom so üblich gewesen, nicht aber heutzutage.

"Du wirst aber ein lukratives Geschäft verzichten müssen. Eintritt verlange ich nicht, das hier ist ehrenamtlich."

Freundlich lächelnd drückte er Gorm, der mit weit offen stehendem Mund dastand, die beiden PADDs in die Hand.

Er drehte Anjol dabei den Rücken zu.

Plötzlich ohne Vorwarnung, machte er zwei Überschläge rückwärts und trat den überraschten Anjol mit vollem Schwung und beiden Beinen vor die Brust, so dass dieser von den Beinen geholt wurde und drei Meter nach hinten flog.

Die Wucht des Tritts hatte die Luft schmerzhaft aus Anjols Lunge gedrückt, ließ die Rippen bedrohlich knacken, stachelte letztlich aber nur den Zorn des Ersten Offiziers an.

Wütend zwang er sich neuen Sauerstoff einzusaugen, während sich jede Alviole mit bösen Flüchen darüber zu beklagen schien. Aus funkelnden Augen beobachtete er den Terraner, der schon selbstgefällig seinen Sieg zu feiern schien.

Aber das hatten einige Cardassianer auch schon bereut...

"Gar nicht schlecht, aber ich hoffe Du bist noch nicht zu sehr erschöpft", gab der Bajoraner hämisch zurück; machte seine Muskeln gleichzeitig wieder geschmeidig.

Der Asiat war einen guten Kopf kleiner, wahrscheinlich 20 Jahre jünger und ziemlich schnell, wie Anjol grummelnd anerkennen musste. Aber er selbst war auch nicht zu unterschätzen: Zwar hatte das Alter einen Tribut gefordert, aber er hatte schon zu viele Zweikämpfe ausgefochten, zu viel Erfahrung mit Jungspunden gesammelt, um nicht den einen oder anderen Trick auf Lager zu haben!

Langsam umkreisten sich die beiden Gegner, lauerten auf eine kleine Schwäche des Anderen. Gespannt fixierten sie sich, bis eine winzige Unachtsamkeit des Bajoraners den nächsten Angriff des Chinesen provozierte.

Mit einer nur schemenhaften Bewegung raste sein Bein auf Anjols Kopf zu und dieser duckte sich in letzter Sekunde, stütze sich mit der linken Hand über Kopf ab und rotierte in einer akrobatischen Drehung aus dem Angriffsbereich, befand sich nun seitlich von Chi-Lo.

Dieser wirbelte herum, blockierte mehrere Schlagkombinationen des Bajoraners und teilte selbst Gegenangriffe aus, die höchste Konzentration erforderte.

Eine kleine Schweißperle rann seine Stirn herab, aber er gönnte ihr keinen zweiten Gedanken, bemerkte stattdessen rechtzeitig den neuerlichen Seitwärts-Kick des Asiaten.

Geschickt fing er das Bein ab, drehte es gewaltsam ein, bis Chi-Lo von den Beinen gerissen wurde. Durch sein geringes Gewicht konnte er sich nicht wehren, verhinderte aber sich einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch zuzufügen.

Einen schmerzhaften Tritt gegen die Schulter konnte er aber nicht abwehren...

Gespannt verfolgte Chedu den Kampf der beiden Männer. Ihre Bedenken auf diesem Ex-Starfleet-Schiff zu dienen schwanden immer mehr.

Wieso hatte sie eigentlich nicht schon längst den Chinesen herausgefordert? Daran war wohl ihre vulkanische Erziehung schuld. Zudem erweckte es den Eindruck, als ob sich die beiden um Shania stritten, was dem Ganzen auch noch eine amüsante Note verlieh.

Auf jeden Fall genoss sie sich auszumalen wie der Bajoraner Chi-Lo nun nach diesen ersten umtänzeln auseinander nehmen würde. Alles andere wäre auf jeden Fall unbefriedigend gewesen.

Die Klingonin beugte sich zu Gorm und zwinkerte ihm zu. "Ich setze zwei Streifen Latinum auf den Bajoraner. Hälst du dagegen?"

--- Bar, Tisch 8

Wie immer war die Bar voll von sich angeregt unterhaltenden Menschen. Der Androidenbarkeeper tänzelte zwischen den Tischen und machte dem Barnamen alle Ehre. Er war ein erstaunliches Geschöpf, vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, aber jeder Versuch, seitens des Wahlvulkaniers, ein ernsthaftes Gespräch mit ihm zu beginnen, scheiterte.

Er nahm sich einen freien Tisch, mit dem Rücken zur Wand und einem Blick auf den Eingang: Eine alte Angewohntheit. Sorgsam holte er ein PADD hervor und studierte Sensorenaufnahmen der Plasmaprotuberanzen innerhalb der Badlands. Man bekam nicht oft die Gelegenheit diese Weltraumregion mit einer so fortschrittlichen Sensorentechnik wie die der Venture von Innen zu beobachten.

--- Bar, Tisch 2

Nach einer Sekunde des unbehaglichen Schweigens warf Jordan einen flüchtigen Blick auf Cailin und antworte dem Romulaner. "Ja, ich nehme an, das werden wir. Entschuldigen Sie, für einen Techniker muss das Gespräch ziemlich langweilig gewesen sein. Es hat mich jedenfalls sehr gefreut, sie kennen zu lernen."

Auf ihre übliche vorsichtige Weise lächelte sie ihm knapp zu und wartete, bis die Ärztin sich von ihrem Bekannten verabschiedet hatte.

"Eigentlich hatte ich ja vor zumindest mein Glas Milch in Ruhe zu trinken und eine kurze Pause einzulegen, schließlich bin ich gerade erst in die Bar gekommen, aber ich will natürlich niemand daran hindern, seinen Arbeitsbereich zu mustern, wenn ich auch eine solche Eile für übertrieben halte. Vielleicht sehen wir Purnas das aber auch nur etwas anders." Verwirrt trank Cailin einen Schluck von ihrer Milch und ließ ihren vorzüglichen Geschmack auf der Zunge zergehen. Ein leises zufriedenes Gurren deutete auf ihre Zufriedenheit hin.

Sie nahm sich gleichzeitig vor in Zukunft mit ihren Angeboten etwas vorsichtiger zu sein, denn sie wollte vermeiden, dass bald jeder an Bord sich die Freiheit nahm ihre Dienstpausen nach Belieben zu unterbrechen oder zu beenden.

Wieder einmal fragte sie sich, ob sie andere zu wenig darauf aufmerksam machte, doch einen höheren Dienstgrad zu haben und so weder sofort neue Leute in Augenschein zu nehmen noch bei einem Angebot ihrerseits gleich wie ein Junges loszustürmen.

Dann glitt ihr Blick wieder besorgt zu Yhea, dessen Gesichtsfarbe ihr gar nicht gefiel. Die Krankenschwester schien diesen Umstand aber indessen gar nicht bemerkt zu haben, kein gutes Anzeichen dafür, dass sie eine gute Ärztin abgegeben hätte. Aber zur Krankenschwester würde es schon reichen, wenn sie Dallas bat während ihrer Abwesenheit etwas auf sie zu achten.

"Ich könnte dir noch eine zweite Dosis des Medikaments verabreichen", raunte Cailin dem Romulaner zu um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen, dass er gerade erst in Behandlung gewesen war. "Das liegt durchaus im Bereich des Vertretbaren..."

Ein kurzes Lächeln huschte über das Gesicht des Romulaners, als er die Hand auf Cailins Schulter legte.

"Mach dir da mal keine Sorgen", flüsterte er ihr zu. "Mir geht's prima. Außer das der Tee von eCroft geschmeckt hat wie ein abgelutschter Klingone. Ich glaube, ich werde das nächste mal einfach den Tee trinken, denn du bei dir im Quartier repliziert hast. Da kann ich mir sicher sein, dass er schmeckt."

Dann richtete er sich wieder auf und hielt Jordan seine Hand entgegen.

"Es hat mich gefreut. Aber machen Sie sich da mal keine Sorgen. Ich hab schon eindeutig langweiligere Gespräche mit anhören müssen."

Wieder ein Grinsen und ein kräftiger Händedruck und schon verließ Yhea den Tisch.

--- Deck 3, Gänge

Erschrocken presste Shania beide Hände vor den Mund und hatte auch ihr Gepäck inzwischen fallen gelassen.

Der Kampf der zwischen den beiden Männern entbrannt war, mutete ihr sehr gefährlich und doch so unnötig an. Ihr Herz gehörte nun mal Chi-Lo, auch wenn ihr dieser Beweis Mut gab weiter an ihre Beziehung zu glauben.

Trotzdem wollte sie nicht, dass ihm etwas passierte. Immerhin hatte sich der Chinese doch so oft selbst in Schwierigkeiten gebracht und hatte dabei immer den Kürzeren gezogen. Es sei denn, jemand kam ihm zu Hilfe.

"Hört doch bitte auf..", schrie sie dazwischen. Zumindestens hatte sie schreien wollen, doch in Wirklichkeit brachte sie nur ein ersticktes Krächzen hervor, vom dem sie nur hoffen konnte, dass es jemand gehört hatte.

Bang haftete ihr Blick weiter auf dem Geschehen.

Chi-Lo hatte das leicht durchschaubare Manöver des Bajoraners kommen sehen. deshalb war es ihm möglich gewesen, mit der Drehung des Beines, durch die Anjol ihm wohl selbiges hatte brechen wollen, herumzuwirbeln.

Den Tritt gegen die Schulter hatte aber nicht mehr abwehren können.

Dabei wäre das normalerweise kein Problem gewesen.

Aber der Chinese hatte nicht mehr daran gedacht, dass er sich sein Bein in der Sternenbasis 12 im Knie verletzt hatte. Und genau dieses Bein hatte Anjol soeben genüsslich umgedreht.

Schwarze Blitze explodierten vor den Augen des drahtigen Asiaten. Den Tritt gegen die Schulter nahm er gar nicht mehr wahr.

Irgendjemand schrie markerschütternd auf. Nur entfernt kam in Chi-Lo eine Ahnung auf, dass er wohl selbst die Quelle dieses Schreies sein müsse.

Unkontrolliert zuckend wand er sich eine Sekunde lang am Boden.

Dann siegte die mentale Kontrolle, die er bei den Shaolin erlernt hatte, über den Schmerz.

Anjol hatte innegehalten, offenbar, weil er seinen Gegner für schwer verletzt hielt. Nun, das mochte durchaus stimmen, aber so schwer verletzt, dass er einem abgehalfterten Bajoraner unterliegen würde, war Chi-Lo noch lange nicht!

Noch immer am Boden liegend, griff der Asiate den verdutzten Bajoraner am Bein und ließ diesen so zu Boden stürzen.

Mit beiden Armen stieß er sich kraftvoll vom Boden ab und hechtete auf den Bajoraner zu.

Er würde mit beiden Ellenbogen gleichzeitig auf dem Brustkorb des ersten Offiziers landen.

Dieser Schlag würde Anjol sämtliche Rippen brechen.

"Hmm", antwortete der Ferengi," in Anbetracht dessen, das Chi-Lo ausgeruht ist, was von Kampfsport versteht und, dass das MHN damals gute arbeit geleistet hat, dürften die Vorteile des Bajoraners, seine Erfahrung und sein höherer Dienstrang ausgeglichen sein.

Die Chancen dürften in etwa gleich hoch sein."

Er grinste die Technikerin vergnügt an: "Ich halte mit."

Innerlich lächelnd beobachtete der Bajoraner den Hechtsprung des Chinesen: 'Das Manöver wirst Du noch bereuen, Bürschchen'

Zwar entwickelte der Angreifer so eine große Kraft, die zweifelsohne alles zermalmen konnte, was ihr in den Weg kam, aber dennoch hatte eine Sprungattacke immer einen entscheidenden Nachteil: Einmal in der Luft gab es keine Möglichkeit flexibel zu reagieren. Man war bis zur Landung auf Gedeih und Verderb der Kinetik ausgeliefert.

Grimmig und entschlossen winkelte Anjol deshalb seine Beine in Hockposition an, stütze diese Barriere zusätzlich mit den Armen ab, während Chi-Lo weiter schnell angeflogen kam. Seine Versuche in der letzten Flugphase noch die Beine als Schutz anzuziehen waren aussichtslos und so prallte der Terraner mit dem gesamten eigenen Schwung auf die Fußsohlen des Ersten Offiziers, der zufrieden den schmerzverzerrten Ausdruck in Chi-Los Augen sah.

Doch ihm bliebe keine Zeit Freude zu empfinden, denn keine Sekunde später bohrten sich die Ellenbogen des Chinesen mit nahezu ungebremster Wucht donnernd in seine Brust, ließen Sterne vor seinem inneren Augen entstehen, während sich Hu-Wang blutspuckend abrollte. Chi-Los Bauchdecke war in einem verzweifelten Schutzreflex hart wie Stahl geworden, aber zu spät, um noch irgendetwas bewirken zu können...

Die mentale Kontrolle der Shaolin versagte kläglich.

Der Chinese hatte das Gefühl, ausgeweidet zu werden.

Er spürte deutlich, wie irgendetwas in seinem Bauch, mithin wohl irgendein Organ, riss.

Undeutlich nahm er einen metallischen Geschmack wahr. Blut. Sein eigenes, wurde ihm klar.

Das war der letzte Gedanke, den er fassen konnte. Danach kam gar nichts mehr.

Sofort schlug Gorms Sinn fürs Praktische an und er wandte sich an Chedu: "Ich wäre dafür, wir betrachten den Kampf als unentschieden und jeder behält seinen Einsatz!" Grinsen drehte er sich zu einem Terminal in der Nähe, ohne ihre Antwort abzuwarten und aktivierte die Kommunikations- -
Einrichtung: "Gorm an die medizinische Abteilung: Medizinischer Notfall auf Deck 3, peilen sie meine Position an. Verletzt sind Anjol und ein Terraner"

--- Bar, Tisch 2

Gerade sah die Ärztin noch dem Romulaner nach, der Richtung Theke verschwand, als die Durchsage des medizinischen Notfalls sie erreichte.

"Ich denke, darum können wir beide uns kümmern", meinte Cailin zu der Terranerin und noch während beide sich von ihren Plätzen erhoben, betätigte sie ihren Kommunikator: "Fakaii an Krankenstation. Dallas, ich übernehme das selbst, da ich ohnehin nach Deck 3 wollte. Zur Unterstützung hab ich auch unsere neue Krankenschwester mit. Richten Sie zwei Biobetten für den Notfall her. Fakaii Ende."

Dann packte sie ihren Notfallkoffer, den sie immer mit sich rumschleppte, was sich während der Zeit mit den unzähligen verletzten Kolonisten auf den Gängen zu einer ihrer Eigenarten eingebürgert hatte und befahl dem Computer: "Computer: Auf Befehl, zwei Personentransport zum Standort von Anjols Kommunikator... Transport jetzt!"

Damit lösten sich die beiden Frauen, mit einem charaktertypischen Prickeln in ihre Partikel auf um an anderer Stelle wieder zu entstehen.

--- Deck 3, Gänge

Noch während der Ferengi sich an Chedu wandte, war Shania auch schon ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen zu Chi-Lo gestürzt und man sah ihr an wie besorgt sie um seine Gesundheit war.

Sofort ergriff sie seine Hand und schmiegte sie an ihre Wange um ihm Trost zu spenden, wischte sich dabei aber auch unabsichtlich eine Träne weg. Sie wagte es aber nicht ihn zu bewegen, weil es aussah, als hätte er wahnsinnige Schmerzen.

Wenn sie schon an seine Schmerzensschreie dachte.

Sie waren ihr durch Mark und Bein gegangen...

Eigentlich wollte sie die zwei Männer der geistigen Unreife bezichtigen, weil sie sich hier einfach so prügelten nur weil jemand ein wenig unachtsam gewesen mit Informationen umgegangen war, doch nun war alles vergeben und vergessen und ihr Herz schlug viel schneller als sonst und Furcht machte sich in ihr breit.

Furcht den einzigen Menschen zu verlieren, der ihr noch etwas bedeutete.

Ihn zu verlieren wie John.

"Bleib liegen, mein Liebling und beweg dich nicht. Wir wissen nicht wie schwer du verletzt bist. Ich möchte nicht, dass dir noch mehr zustößt, als du ohnehin einstecken musstest. Ich brauche dich doch..." Dabei sah sie ihm ganz tief in die Augen. "Hilfe ist unterwegs. Sie müsste gleich hier sein."

Chedu war nicht sonderlich enttäuscht, dass sie ihre Wette nicht gewonnen hatte. Immerhin hatte sie auch nicht verloren. Zudem hatte sie auch noch den herrlichen Anblick genießen können, wie Chi-Lo zu Boden geschickt wurde. Verzückt erinnerte sie sich an seine Schmerzensschreie.

Das Anjol den Kampf auch nicht heil überstanden hatte, war zwar nicht so toll, hatte aber wohl hoffentlich den Effekt, dass der Chinese hochkant vom Schiff fliegen würde, sobald er wieder laufen konnte.

Die beiden Frauen materialisierten wie auf ein geheimes Kommando und zunächst war die Ärztin irritiert, da sie ein ganzen Stück weit weg von den beiden am Boden liegenden Verletzten auftauchten, doch dann sah sie den Kommunikator zu ihren Füssen, packte ihn und eilte zu Anjol.

Im Laufen rief sie Kincaid zu: "Kümmern Sie sich bitte um den anderen Mann. Ein Notfallkoffer befindet sich an der Markierung hinter ihnen." Dann fiel ihr ein, dass sich die Terranerin mit Förderationsschiffen sicher besser auskannte, als sie sich selbst. "Aber das kennen sie sicher selbst."

Sofort wandte sie ihre ganze Aufmerksamkeit wieder dem Bajoraner zu bei dem sie gerade angekommen war.

--- Deck 3, Gänge, bei Anjol

"Anjol, wie konnte das passieren?" Ihr Blick schnellte kurz zu dem anderen Mann bei dem eine große blonde Frau kniete und dann wieder zurück zu dem Bajoraner.

Dabei kam ihr ins Gedächtnis, dass Anjol vor kurzem ein Hämatom am Auge gehabt hatte, dass immer noch trotz Behandlung leicht erkennbar war und Clancy zur selben Zeit auch verletzt gewesen war.

Fast so, als wären beide aus irgendeinem unerfindlichen Grund aneinander geraten.

"Nein, erzähl es mir lieber nicht", meinte sie dann leicht seufzend und scannte Anjol mit ihrem medizinischen Tricorder. Die Chance, dass sie sich schon damit strafbar machte zu hören, was die zwei Männer während der Dienstzeit gemacht hatten, war gewaltig.

"Wenn du dir deine Rippen noch einmal mehr brichst, dann steht die Chance gut, dass ich mit den Resten nichts mehr anfangen kann", meinte die Ärztin in einem etwas sarkastischen Tonfall, der im Grunde gar nicht zu ihr passte und daher kam, dass der Bajoraner sichtlich zufrieden zu dem anderen Mann hinüberblickte, als würde er sich auch noch freuen, dass nicht nur ihm etwas passiert war.

"Hör zu, Anjol, ich werde dir auch diesmal den Rücken decken, da ich weiß wie schwer es für einen Mann wie dich ist sich unter Kontrolle zu halten. Ich werde dem Captain nichts von der Sache hier erzählen, aber wie du Miss Kincaid davon überzeugen willst, es ebenfalls so zu machen, dass überlasse ihr dir. Immerhin bist du hier der Redner.

Ich werde dich auf die Krankenstation beamen lassen und mich dort weiter um dich kümmern. Und falls ich dich in den nächsten Stunden bei irgendeiner Art von Training", sie schielte zu dem anderen Mann hinüber, "erwischen sollte, dann gebe ich deinem lieben Freund Hisaki einen kleinen Tipp..."

In ihrem Gesicht konnte man deutlich lesen, dass es keine leere Drohung war und sie es durchaus ernst meinte. Sie hasste jede Art von Gewalt. Besonders dann wenn es nicht darum ging sein eigenes Leben zu verteidigen, sondern nur um zu beweisen, wer der Stärkere war.

Und sie wusste, wie sehr sich der Bajoraner und der Sicherheitschef zu schätzen wussten. Ein wenig mehr Abneigung und sie würden sich auch prügeln wie Jungen.

Trotz der Schmerzen und der Atemnot huschte kurz ein Lächeln über Anjols Gesicht: Wie recht Cailin doch hatte, aber beide hatten sie es gewollt. Und ehrlich gesagt bezweifelte der Bajoraner, dass der Japaner sich überhaupt dazu äußern würde.

Immerhin kannte er seinen Ersten Offizier viel zu gut.

"Danke, aber kümmere Dich erst um ihn", presste er durch seine Lippen und jedes Wort fiel ihm schwer, "so wie es sich anfühlte ist sein halber Bauchinhalt aufgeplatzt, also beeil Dich. Meine paar Rippen können noch warten. Habe es ja auch nicht anders verdient..."

Tatsächlich fand er es nur gerecht, dass auf den Kampf sofort die Strafe folgen musste, immerhin hatten sie sich beide wie kleine Kinder verhalten, ihre Laune an jemand völlig unschuldigem ausgelassen.

Innerlich grinsend wurde Anjol sich dann bewusst, dass diese Infektion im Schambereich nun wenigstens nicht mehr seine Hauptsorge war.

--- Deck 3, Gänge, bei Chi-Lo

Durch den Wall von Schmerzen nahm der Chinese undeutlich das Gesicht Shanias war, die auf ihn einredete.

Aber trotz aller Anstrengung wollte es ihm nicht gelingen, sich durch diese Schmerzsphalanx hindurch auf Shanias Stimme zu konzentrieren.

Das war wohl aber auch nicht nötig.

Er konnte sich schon denken, worum es ging.

Eine ellenlange Tirade über Gewalt und Männer und Unverantwortungslosigkeit und kindisches Gehabe und so...

Frauen waren in der Beziehung alle gleich. Sie verstanden es einfach nicht, wenn Männer sich hin und wieder abreagieren mussten.

Er schaute herüber zu Anjol. Der Asiate fragte sich, wie der Bajoraner trotz seines eingefallenen, zertrümmerten Brustkorbes überhaupt noch Luft bekam. Und trotz seiner Schmerzen huschte ein triumphierendes Lächeln über sein Gesicht. Sicher, Chi-Lo hatte den ein oder anderen unbedeutenden Kratzer abbekommen, aber Anjol würde es sich in Zukunft drei mal überlegen, ob er Ärger mit Chi-Lo Hu-Wang haben wollte.

Nachdem sie zielsicher den medizinischen Notfallkoffer aus der Verankerung gerissen hatte, sank Jordan besorgt neben dem zusammen gekrümmt am Boden liegenden Asiaten auf die Knie. "Shania?", fragte sie nur irritiert, als sie die über ihn gebeugte Terranerin erkannte, vergaß sie im selben Moment aber wieder, als sie erkannte, dass sie es offensichtlich mit einer schweren Verletzung zu tun hatte.

Eilig begann sie einen sorgfältigen Scan und verzog mitfühlend das Gesicht - Abdominaltrauma, innere Verletzungen... so ein Magendurchbruch tat ja immer sehr weh. Weitere Verletzungen konnte sie nicht entdecken, aber allein diese reichten für einen zehnminütigen und äußerst qualvollen Tod.

Die Terranerin hatte völlig vergessen, in welcher Position sie sich auf diesem Schiff befand. Auch wenn sie ihren Doktortitel verloren haben mochte, war sie noch immer eine fähige Ärztin und sich ihrer Qualifikationen völlig bewusst. Dagegen mochte Cailin irgendeinem Hinterwäldlerplaneten entstammen und sich irgendwelcher naturheilkundlichen Tränke bedienen - ihrem Wissen nach war sie die Person, die jetzt am besten helfen konnte.

"Beweg ihn nicht", murmelte sie in Shanias Richtung und drückte die Frau sachte ein Stück beiseite. "Wenn wir uns beeilen, wird das wieder."

--- Deck 3, Gänge, bei Anjol

"Ihr habt es sicher beide nicht besser verdient", bestätigte Cailin mit einem vorwurfsvollen Ton in der Stimme seine Vermutung und steckte Anjol wieder seinen Communicator an, damit der Computer ihn zum Beamen erfassen konnte.

Dann wandte sich mit einem Spreizen ihres Federkamms dem anderen Verletzten zu, der von Kincaid untersucht wurde, während sie aber neben Anjol am Boden hocken blieb.

Als sie schließlich meinte, dass auch die Krankenschwester mit der ersten Untersuchung fertig war, rief sie ihr zu: "Ist auch unsere zweiter Patient bereit gebeamt zu werden?! Ich wäre hier schon soweit!"

Gerade wollte Jordan an ihren Communicator tippen und den Notfalltransport einleiten, als Cailin sie ansprach.

"In Ordnung, er muss sofort auf die Krankenstation", erwiderte sie knapp, sprang für den Transport auf und es dauerte nur wenige Sekunden, bis die Moleküle der Ärztinnen und ihrer Patienten schimmernd dematerialisierten.

--- Krankenstation, Chi-Los Biobett

Als sie auf der Krankenstation ankamen, stellte Jordan zufrieden fest, dass die beiden Männer sofort auf die Biobetten gebeamt worden waren. Die Person, die im Transporterraum hinter den Kontrollen stand, schien zu wissen, was sie tat. Das passte der Krankenschwester sehr gut, da sie es für eine äußerst schlechte Idee hielt, den Asiaten jetzt zu bewegen.

Sie warf nur einen kurzen Blick auf Cailin, die mit Anjol beschäftigt war, und winkte dann kurzerhand dem ihr unbekannten Norgard, der für dieses Biobett zuständig gewesen zu sein schien und ihr jetzt zur Hilfe kommen wollte. In knappen Worten gab sie ihre Diagnose weiter.

"Wir müssen eine Notfall-OP vorbereiten. Bringen Sie mir einen Protoplaser und einen Alphawellen-Induktor und sorgen Sie dafür, dass uns niemand in die Quere kommt! Sie sind Krankenpfleger? Dann überwachen Sie die Monitore"

Während sie sprach, hatte Jordan bereits die Konsolen des Biobetts aktiviert und sah nun zum ersten Mal das Körperinnere Chi-Los auf den Schirmen vor sich. Na, so schlimm war es ja gar nicht. Okay, wenn sie ihn liegen ließ, würde die ausfließende Magensäure ihn wahrscheinlich töten, aber mithilfe der modernen Technik der Venture würde der Spuk so in zehn Minuten bereits vorbei sein.

Norgard hatte sie irritiert angeschaut, hatte dann aber auf dem Absatz kehrtgemacht und getan, was sie verlangte. Die diffizile Verletzung und die autoritäre Stimme der ihm völlig fremden Frau, die völlig selbstverständlich Anweisungen gab, hielt ihn davon ab, Fragen zu stellen.

Halb dem Schirm, halb Chi-Lo zugewandt ergriff Jordan den Protoplaser und begann mit ruhiger Hand, die Magenwände ihres Patienten zu versiegeln.

--- Deck 3, Gänge

Der Ferengi sah dem Molekühl beim verglühen zu und wandte sich dann an Chedu: "Das war ja nicht gerade der perfekte einstieg auf der Venture. Bin neugierig wie der Captain auf die Neuigkeit reagiert, das einer seiner Neuen es geschafft hat, sich und den 1. Offizier noch vor Dienstantritt in die Krankenstation gebracht zu haben. Gehen wir ihnen nach?"

Shania wartete erst gar nicht bis sich die beiden sich geeinigt hatten, ob sie sich um die Verletzten sorgten oder doch lieber gleich in die Schiffsbar gingen um fröhlich Chi-Los Verletzung zu feiern. Außerdem waren Gorms kurze krumme Beine nicht für eine schnelle Art der Fortbewegung geschaffen und Chedu hätte ihn schultern müssen, damit sie noch in der nächsten halben Stunde dort ankamen.

Hastig schubste sie also den auf Antwort wartenden Gorm vom Termin weg - der machte ja wirklich nichts mehr ohne seine große Freundin zu fragen - und ließ sich den genauen Lageplan von Deck 3 anzeigen.

Anschließend prägte sie sich den Weg in die Krankenstation ein, die glücklicherweise am selben Deck lag und meinte zu den anderen: "Macht was ihr wollt, aber ich muss schnell zu ihm."

Ohne auf Antwort zu warten lief sie los. Auch wenn man auf Schiffen eigentlich nicht zu laufen hatte.

Doch Vorschriften hatten sie immer schon wenig gekümmert.

Ihre Sorge um Chi-Lo überwog jeden anderen Gedanken und trieb sie zur Eile an.

Die Klingonin schickte der los laufenden Shania noch ein drohendes Knurren hinterher, beließ es aber dabei. Kopfschüttelnd wandte sie sich dem Ferengi zu. "Was sie nur an ihm findet?

Die Reaktion des Captains darauf wäre sicher interessant, aber ich fürchte wir werden nur eine an Chi-Los Bett herumwinselnde Terranerin zu sehen bekommen."

--- Bar, Theke

Gerade hatte Yhea noch mitbekommen, wie sich die beiden Ärztinnen weggebeamt hatten. Er hatte noch gedacht, warum es die beiden so eilig gehabt hatten. Aber das war ja deren Problem. Er hingegen hatte ein anderes Problem und außerdem noch ein Hühnchen zu rupfen.

Deswegen stellte er sich an die Theke und wartete darauf, dass eCroft zu ihm kam. Doch leider musste er sich da noch etwas gedulden, denn wie immer flirtete eCroft was das Zeug hielt. Und leider hatte er heute auch noch Glück. Denn es saßen überdurchschnittlich viele Frauen in der Bar. Und wie alle wusste, wurden die ja bevorzugt behandelt. Oder zumindest die, die ihm nicht schon eine derbe Abfuhr verpasst hatten.

Plötzlich blieb Yheas Blick an einem Mann hängen, der einsam und alleine an einem Tisch saß und auf ein PADD starrte, welches er in der Hand hielt. Fieberhaft überlegte Yhea, woher er das seltsame Gesicht kannte, doch es viel ihm nicht ein.

"Mein verdammtes Gedächtnis", fluchte er leise vor sich hin, als er plötzlich von eCroft angesprochen wurde.

"Jaja, das ist so eine Sache mit dem Gedächtnis. Auch ich habe manchmal diese... wie hieß das noch gleich? Achso ja, Aussetzer. Keine Ahnung woher die kommen, aber sie sind ziemlich lästig. Vor allem, wenn ich mich nicht an eine Frau erinnern kann. Tja, die Frauen sind da immer so schnell böse, wenn man sie vergisst. Aber was soll. Wie sieht's mit Ihnen aus? Wollen Sie noch so einen vulkanischen Tee oder lieber einen richtigen Kaffee?", fragte er und Yhea kam es so vor, als würde dieser von einem Ohr bis zum anderen grinsen.

Am liebsten hätte er eCroft ja jetzt mit einem Schneidbrenner ein richtiges Grinsen verpasst, am liebsten mit irreparablen Schäden. Doch so einfach würde er es dem Androiden nicht machen. Subtiler war besser. Ja genau, er würde es so machen, dass es eCroft nicht mitbekommen würde. Wenn er doch wüsste, wo an dem Blechkasten nur der Ausschaltknopf war. Hmm, er müsste sich mal irgendwo her die Baupläne herholen, falls das natürlich möglich war.

Aber das musste warten. Und so grinste Yhea sein Gegenüber nur breit an und antwortete: "Nun ja, da dein Versuch, mich mit dem Tee zu vergiften fehlgeschlagen ist, ach da nehme ich doch gleich mal ein romulanisches Ale auf kosten des Hauses."

Yhea genoss es, dem Androiden nach dieser Antwort zuzuschauen. Zuerst zuckte kurz sein Kopf zur Seite und dann dauerte es noch mal ein paar Sekunden, bis er eine Antwort herausbekam.

"Äh, ja.. hmm. Also das war natürlich nicht meine Absicht", stotterte eCroft vor sich hin. "Ich dachte nur, weil ja die Romulaner und Vulkanier so eng miteinander verbunden sind, dass.. eh, ja, dass sie das auch vertragen."

Langsam schüttelte Yhea den Kopf. "Eng miteinander verbunden", äffte er eCroft nach. "Das ist schon tausende Jahre her, dass die Romulaner diese logischen Spinner verlassen haben. Und was sagt uns das?", fragte er und ging näher an eCroft heran.

"Puh, äh, ja, dass Romulaner keine vulkanische Nahrung zu sich nehmen sollten?", sprach eCroft.

"Genau", donnerte Yhea. "und jetzt gib mir gefälligst mein Bier.

Yhea glaubte, dass er eCroft noch nie so schnell eine Bestellung machen gesehen hatte. Gut, ihm war es nur recht. So bekam er schneller den widerlichen Geschmack aus dem Mund, den der Tee dort hinterlassen hatte.

Er wartete noch, bis er das Glas endlich hatte und marschierte dann zu dem Tisch mit dem Typen, den er eben gesehen hatte.

--- Bar, Tisch 8

"Guten Tag", sagte er zu Clint und nickte. "Ich weiß ja nicht, ob das jetzt unhöflich klingt, aber haben wir uns schon mal irgendwo gesehen?"

Clint sah von seiner Lektüre auf und blickte den Cheftechniker mit hochgezogener Augenbraue an .'Humor?',fragte sich der Halb-Breen in Gedanken. Wahrscheinlich, aber er konnte sich nicht sicher sein.

Für gewöhnlich sagten Romulaner das was sie meinten entweder sehr direkt oder ungemein intrigant, mit irgendwelchen Hintergedanken. Allerdings bildete DIESER Romulaner eine Ausnahme, soviel hatte der Wahlvulkanier inzwischen festgestellt.

"Wahrscheinlich haben sie mich ein oder zweimal erblickt, als wir einige Stunden lang durch die Badlands, auf der Suche nach dem Maquis, zusammen einen Raider durch die Plasmastürme steuerten", antwortete er deshalb mit dem Versuch eines Lächelns, welches jedoch nach der Reaktion des Technikers nach zu Urteilen völlig misslang.

Oder bedeutete diese Reaktion, dass Alnaks Gedächtnis tatsächlich erst jetzt zurückkehrte? In der Tat sah der besessene Kaffeetrinker etwas bleich aus: Ob er krank war? Clint hatte genug Zeit mit Vulkaniern verbracht um physiologischen Veränderungen zu bemerken, und Romulaner unterschieden sich nur geringfügig von Vulkaniern, jedenfalls was ihre Anatomie anging.

"Setzen sie sich doch", versuchte der Halb-Breen höflich zu sein. Höflichkeit war ein wesentlich leichter zu verstehendes Konzept als Humor, dachte er sich. Dem Romulaner schien das Sitzen wesentlich mehr zu behagen als das Stehen, also nahm er sich einen Stuhl. "Wie ...",er zögerte kurz,"fühlen sie sich?"

Yhea hatte sich gerade hingesetzt, sein Bier abgestellt und überlegt, ob es wirklich richtig gewesen war, sich zu dem Mann an den Tisch zu setzten. Jedenfalls wunderte ihn die Frage seines Gegenübers.

Sah man es ihm wirklich so deutlich an, dass ihm der Tee nicht geschmeckt hatte?

"Nun, ich vermute mal, der vulkanische Tee von eCroft ist mir etwas auf den Magen geschlagen. Ich weiß ja nicht, ob er mich vergiften wollte, aber zum Glück ist es ihm ja nicht gelungen", sagte Yhea und nahm einen Schluck von seinem Bier.

"Jedenfalls hab ich so ein Bier gratis bekommen."

Neugierig schaute er auf das PADD des Wissenschaftlers.

"Darf man fragen, was Sie da so Interessantes lesen?"

'Dieser Yhea Alnak ist eine seltsame Person', sinnierte der Wissenschaftler. Seine Handlungen, aber vor allem seine Aussagen kamen für Clint immer unvorhergesehen und überraschend, wie die Terraner sagen:"Er wurde nicht schlau aus ihm"

Steckte dahinter eine Absicht? Absichtliche Täuschung um etwas zu verbergen? Hatte er ein Geheimnis, dass niemand wissen sollte? Schließlich war er Romulaner ...

"Es sind Sensorendaten aus den Badlands. Ich analysiere gerade die durchschnittliche Neutronenemissionsrate der Deuterium-Tritium Fusionsvorgänge in den Akkretionszonen. Es gibt hierbei einige interessante statistische Anomalien", beantwortete er die Frage des Cheftechnikers und wies auf einige Zahlenkolonnen.

"Statistische Anomalien?", fragte Yhea etwas spöttelnd. "Hört sich ja hoch interessant an. Nein, jetzt mal im ernst. Für mich als Techniker gibt es nur wirkliche Anomalien. Also wo wirklich was kaputt ist. Aber statistisch? Nein."

Yhea schüttelte den Kopf und schaute den Halb-Breen an.

"Eine ehrliche Frage: Gibt es bei euch in der Wissenschaft auch was anderes als Zahlen und Formeln oder muss man auch mal irgendwo was anpacken, was erleben?", fragte Yhea, während er von seinem Bier trank.

Wieder war Clint überrascht, diese Frage hatte er sicherlich nicht erwartet. Sollte er sich auf eine Grundsatzdiskussion einlassen? Nun warum eigentlich nicht, schließlich wollte er mehr über diesen Yhea Alnak erfahren.

"Wenn sie mit Erleben einen emotional angeregten Zustand meinen...", er überlegte kurz, "Nun die Standartantwort eines Vulkaniers wäre wohl, zu verleumden zu so etwas fähig zu sein. Ich wurde vulkanisch erzogen Mr. Alnak, Emotionen beeinflussen mich nicht.

Diese Anomalien in den Zahlen, sie bedeuten das etwas nicht stimmig ist. Indem ich versuche ihre Ursache heraus zu finden, folge ich einem Grundbedürfnis: Der Neugier. Sie ist nach vulkanischen Überzeugungen keine Emotion, sondern ein Trieb wie Hunger oder Durst, und muss gestillt werden.

Sind sie mit dieser Antwort zufrieden?

Mit dieser Antwort zufrieden? Ganz bestimmt nicht. Denn zum einen hatte Yhea wenn's hoch kam, vielleicht 50 Prozent von dem verstanden, was sein Gegenüber gesagt hatte. Und zum anderen hatte ihn die Sache mit der vulkanischen Erziehung entsetzt.

Yhea kam schon der Gedanke, dass er heute nur von Vulkanischem verfolgt wurde. Zuerst dieser abscheuliche Tee und nun das.

Was Yhea nur wunderte, war der Umstand, dass Clint nicht im Geringsten nach einem Vulkanier aussah. Irgendwie was mit Mensch, aber das andere kannte er nicht.

Aber was sollte er jetzt antworten? Die Wahrheit war vielleicht nicht so gut, obwohl man ja einen Vulkanier nicht kränken konnte. Oder vielleicht doch?

Yhea hatte nicht allzu viel mit Vulkaniern zu tun gehabt. Und ehrlich gesagt konnte er sie auch nicht besonders leiden. Doch Clint schien da vielleicht etwas anders zu sein.

"Also ich muss ehrlich zugeben, so ganz habe ich das nicht verstanden", meinte er dann. "Aber was mich wundert ist, dass es Nicht-Vulkanier gibt, die freiwillig so sein wollen wie diese emotionslosen Spitzohren."

--- Krankenstation, Anjols Biobett

Sehr nachdenklich behandelte Cailin mit Unterstützung von Dallas Anjols gebrochene Rippen mit dem Osteotraktor um die Rippen dadurch wieder in ihre ursprüngliche Lage zu bringen. Danach kam der Osteodermale Regenerator zur Anwendung um die Knochenbrüche wieder zu verschließen, während Anjol durch ein Schmerzmittel zumindest entspannt war und ruhiger atmete.

Schließlich verabreichte sie ihm Metorapan mit den Worten: "Keine Sorge, damit bist du bald wieder auf den Beinen, aber vorerst werde ich dich trotzdem etwas hier behalten und durchchecken. Du warst schon lange bei keiner Kontrolluntersuchung mehr, weil du ständig keine Zeit hast und ich möchte nicht, dass du mir vielleicht irgendetwas verheimlichst nur weil du es nicht für wichtig hälst."

Dann irrte ihr Blick wieder zu Kincaid, deren Arbeit sie die ganze Zeit sehr genau beobachtet hatte. Denn nach Anjols Worten hatte sie sich natürlich gleich um den Terraner kümmern wollen, dessen Verletzungen vorgingen, doch Kincaid hatte ihr gar keine Gelegenheit dazu gegeben. Obwohl eine Krankenschwester hätte froh sein können überhaupt an einen Knochenbruch heran zu dürfen.

Trotzdem war nichts an der Arbeit der Krankenschwester zu auszusetzen. Sie hatte das richtige Gerät gewählt, führte es sehr fachmännisch und ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Cailin sah keinen Grund in ihre Arbeit einzugreifen, wenn die Krankenschwester auch eindeutig ihre Befugnisse überschritt.

So leise, dass nur Anjol es hören konnte, sagte sie: "Anjol, ich möchte, dass du nähere Erkundigungen über Miss Kincaid einziehst. Ich zweifle nicht an ihren Fähigkeiten als Krankenschwester, sie scheint wirklich sehr gute Arbeit zu leisten, aber sie ist dafür eindeutig überqualifiziert. Weshalb will sie also trotzdem nur als Krankenschwester bei uns arbeiten? Aus Nächstenliebe?"

Die Ärztin konnte sich das bei einer Terranerin nicht richtig vorstellen. Alle die sie bisher getroffen hatte, gaben eher vor mehr zu sein, als sie auch wirklich waren.

"Es sei denn, sie es gibt einen Vorfall den sie vertuschen möchte und der ihre Befähigung als Ärztin in Frage stellt...", mutmaßte Cailin weiter ohne auch nur annähernd zu wissen, wie nah sie der Wahrheit kam.

Für einen Moment waren Cailins Worte von einem Strudel der Ferne verschluckt worden, aber er bezweifelte, dass es sehr wichtig gewesen war. Sicher hatte sie ihn nur zu beruhigen versucht.

Überhaupt war sie ein Engel.

Schmerzlich erinnerte er sich an das versprochene Abendessen: Bald würden sie es nachholen können! Auch wenn ihr die Art, wie Anjol ihr Arbeit verschafft hatte, sicher nicht sehr gefiel:

"Cailin, tut mir leid, dass ich Dir soviel Ärger mache"

"Keine Sorgen, du machst mir nicht mehr Ärger, als die meisten Sicherheitler hier an Bord", beruhigte Cailin ihren Freund Anjol, der anscheinend gar nicht mitbekam was rund um ihn geschah. Sie hoffte, dass er zumindest den Sinn ihrer Worte verstand, doch er schien selig zu lächeln, also hatte er zumindest keine Schmerzen.

An Dallas gewandt meinte sie: "Haben Sie Probleme hier inzwischen alleine weiterzumachen? Ich weiß ja, dass Sie inzwischen Profi in solchen Dingen sind."

Dallas strahlte sie erfreut über das Lob an und nickte eifrig. Das war mal eine weitaus interessantere Aufgabe, als Medikamenten zu ordnen oder sich um juckende Geschlechtskrankheiten kümmern zu müssen.

Erleichtert drehte sich Cailin um und trat an das Biobett des Terraners um den sich Kincaid kümmerte. Zwar hatte sie ihr bisher vertraut, doch das Leben eines Menschen in die Hände einer Person legen nur weil sie auf ihr Gefühl vertraute, würde sie nicht vorm Captain rechtfertigen können, falls Kincaid einen Fehler machte.

--- Chi-Lo's Biobett

Ohne Kincaid bei ihrer Arbeit zu stören, diagnostizierte Cailin selbst die inneren Verletzungen und blickte dann in das schweißüberströmte Gesicht des Mannes.

Sie hätte den Patienten auch in einen leichten Schlaf gelegt, aber Männer wie Anjol wehrten sich selbst mit gebrochenen Rippen, gegen so eine Bevormundung. Der Bajoraner ließ sich nur im Notfall auf die Krankenstation bringen.

Eine Weile beobachtete Cailin die Arbeit der Krankenschwester schweigend, bis sie sich sicher war, dass diese die Tätigkeit einer Ärztin gelernt haben musste oder jahrelange Erfahrung darin haben musste. Dann kontrollierte sie die Körperanzeigen des Biobetts und nickte Norgard zu, der sich nicht wohl in seiner Haut zu fühlen schien.

Jordan selbst hatte die Ärztin kaum bewusst wahrgenommen. Sie war ganz vertieft jeden ihrer Handgriffe. Und das Handwerk des Mediziners hatte doch auch etwas von einer Kunst, überlegte sie, während sie die Wundregeneration Chi-Los mit einem Dermalstimulator anregte, die Säure auf der falschen Seite des Magens desintegrierte und ihr Werk schließlich wohlwollend betrachtete. Wie neu, befand sie fast vergnügt.

Zuletzt wies sie Norgaard an, dem Mann ein Schmerzmittel zu injizieren und ihn zu übernehmen, wobei sie ihm ein flüchtiges Lächeln schenkte, das ihn zu irritieren schien, aber immerhin schien er sich jetzt entschlossen zu haben, zu tun was sie sagte.

Noch immer ganz in ihre eigene heilige Welt der medizinischen Versorgung vertieft, sah sie sich nach einer Möglichkeit um, ihre Hände zu waschen, bis ihr das erste Mal Cailin auffiel, die sie aufmerksam beobachtete.

Jordan ließ die Arme sinken und kehrte ernüchtert in die Realität zurück. Das war es dann wohl mit dem Dienst auf der Venture...

Welcher Teufel hatte sie eigentlich gerade geritten, den Fall nicht einfach an Dr Fakaii abzugeben? Sie konnte sich nicht so recht erinnern, aber es war ihr anfangs als gute Idee erschienen. Immerhin hätte die Purna den Job sicher ebenso routiniert erledigen können wie sie, und vor allem besaß sie die Befugnis dazu.

Seufzend schloss sie das Thema "Venture" ab. "Ich nehme an, ich habe meine Kompetenzen überschritten", begann sie bitter. "Tut mir sehr leid. Also, wollen Sie mich erst dem Captain melden oder kann ich das Schiff auch alleine verlassen? Wenn Sie wollen, schreibe ich vorher noch einen OP-Bericht", fügte sie trocken hinzu.


Stardust Venture