Venture » Chroniken » Venture 1 - Ungeliebte Scherze

Venture 1 - Ungeliebte Scherze

---Brücke der Venture

Langsam blickte McCarthy von dem PADD in seinen Händen auf und sah anerkennend auf den Hauptschirm: 'Tatsächlich; dieser alte Haudegen hat es wirklich geschafft!'

Die Ivory hing vor der Venture im All und die Strahlen der nahen Sonne ließen die Hülle des Frachters glänzen. Er selbst hatte das Treffen in diesem unbewohnten System vorgeschlagen, aber niemals geglaubt, dass der Frachter es schaffen würde, durch das Netz der Sternenflotte zu schlüpfen.

Aber Monserat hatte man noch nie unterschätzen dürfen...

Würdevoll stand er aus dem Sessel des Kommandanten auf und zog seine Uniform zurecht; eine Geste die unter Sternenflotten-Captains weit verbreitet war.

Den Rang hatte er schon lange verloren, aber die Ideen bestimmten immer noch sein Handeln und so hatte er beispielsweise bis heute noch nicht die Uniformpflicht aufgehoben.

Die Ironie dieser Gewohnheit entlockte ihm ein leichtes Lächeln, den heute war ein guter Tag für die Venture. Und ein guter Tag für all die Systeme die von den Romulanern bedroht und besetzt waren.

Sofort stieg wieder der beinahe unkontrollierbare Groll auf das romulanische Imperium in ihm auf und nur mit der Erfahrung seiner Karriere konnte er ihn unterdrücken. Er wollte vor seiner Crew keine Schwäche zeigen, und ein Gefühlsausbruch wäre es gewesen.

"Captain, die Ivory ruft uns", meldete der Kommunikationsoffizier und ihre Stimme klang professionell wie immer. Nur mit einem guten Gehör konnte man die leichte Aufregung spüren, die trotz allem in den Worten lag.

Sie alle wussten, wie wichtig dieses Treffen war und dass die stark dezimierte Crew bald neue Verstärkung erhalten würde. Und - was noch wichtiger war - dass die Ivory mit Hilfsgütern beladen war, die den Kolonisten hier helfen würden.

Die Romulaner hatten sofort nach der Besetzung alle industriellen Anlagen abbauen lassen und nicht wenige Kolonien hatten seitdem Probleme das Allernötigste zu erhalten: Wasser, Essen und Kleidung.

Schnell rechnete Charles aus, wie vielen Humanoiden sie mit der Fracht der Ivory helfen konnten und das Ergebnis entlockte ihm ein weiteres Lächeln. Ja, es war ein guter Tag...

"Auf den Schirm, Fähnrich!", befahl McCarthy schließlich und das Gesicht des berühmt-berüchtigten Händlers Monserat erschien auf dem Bildschirm. Er hatte etwas zugenommen seit ihrer letzten Begegnung, aber das war angesichts seines Erfolges auch nicht verwunderlich.

"Monserat, ich heiße Sie in der Zone willkommen! Hatten sie einen angenehmen Flug?", begrüßte er den Franzosen und dieser nickte ihm zu.

"Wir hatten ein paar Probleme mit der USS Lakota, aber wir konnten ihnen im Argolis Cluster entkommen. Allerdings", und Monserat fügte eine rethorische Pause in, "werden sie unserer Ionenspur bald folgen können und in spätestens drei Stunden hier sein. Vielleicht sollten wir den Austausch etwas beschleunigen."

McCarthy knirschte mit den Zähnen. Die Lakota war das Schiff von Admiral Dawson: Excelsior-Refit Klasse und auf den heutigen Standard der Technik hochgerüstet; ein starker Gegner und als wenn dies noch nicht genug wäre, auch noch das Schiff auf dem sein eigener Bruder als Attache von Admiral Dawson diente.

Seitdem die Hope abtrünnig geworden war und schließlich in Venture umbenannt wurde, hatte er nicht mehr mit seinem Bruder gesprochen und auch jetzt hatte er kein Interesse an einer Begegnung. Zumal es sicher auf einen verlustreichen Kampf hinauslaufen würde.

"In Ordnung Monserat und vielen Dank für ihre Mühe. McCarthy Ende", erwiderte er und nickte dem Menschen zum Abschied schlicht zu. Das würde wohl der schnellste Transfer aller Zeiten werden...

---Brücke, 1 Stunde später

Soeben war der letzte Frachtcontainer auf die Venture gebeamt worden und nach alter Seefahrersitte signalisierten die beiden Schiffe zum Abschied des Rendezvousmanövers "Gute Fahrt", als Anjol die Brücke betrat und direkt auf Charles zusteuerte.

Auch wenn er es nie zugeben würde, hatte er den sturen Bajoraner etwas vermisst und als Kuzhumo ihm von den tragischen Ereignissen auf dem Holodeck der Ivory erzählt hatte, hatte er betroffen zu Boden geschaut.

Zuerst wollte er dem Bajoraner sein Beileid bekunden, aber in den Augen Anjols stand eine Trauer geschrieben die ihn verstummen ließ. Nein, Anjol wollte alleine damit fertig werden und er würde ihm diesen Gefallen erfüllen.

Der Kerl hatte es sicher nicht leicht in seinem Leben gehabt, aber es gab eine Aufgabe zu erfüllen und McCarthy würde dies hundertprozentig von ihm fordern! Genauso wie er es von allen Mannschaftsangehörigen erwartete.

"Captain, wir konnten etliche neue Crewmitglieder aufnehmen, die sich als tapfer und geeignet erwiesen haben. Die an Bord genommenen Container sind in Frachtraum 1 gut gesichert untergebracht worden", erstattete der Bajoraner kurz Bericht und schaute dem Menschen fest in die Augen.

'Anjols Fassung ist bewundernswert - und ungesund!', dachte McCarthy, während er sich wieder in seinen Sessel setzte und den Bericht mit einem Nicken zur Kenntnis nahm.

"Ich erwarte, dass die neuen Mannschaftsmitglieder sich um 08:00 in Frachtraum 2 einfinden, um ihren Aufgaben zugewiesen zu werden. Außerdem sollen alle Führungsoffiziere pünktlich anwesend sein", erwiderte er dann; halb zu Anjol und halb zu dem Fähnrich an der Komm-Station, die den Befehl ohne Verzögerung an die Senior-Offiziere Alnak, MacLeod und Kuzhumo weitergab.

"Meldung erledigt und von allen Stationen bestätigt worden", gab die junge Kommunikationsoffizierin kurze Zeit später zurück und McCarthy lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück.

"Mr. Raal, bringen Sie uns von hier weg. Kurs 247 zu 004. Wir ziehen uns vorerst zurück", wies er den Navigator an und dieser gab lächelnd die gewünschten Koordinaten ein.

"Energie!"

Die Venture verschwand in einem Lichtblitz....

---Frachtraum 2, 7:59 Uhr Bordzeit

Mit erhobenem Kopf betrat der Captain den kleineren Frachtraum seines Schiffes, der seit circa einem Monat auf Anraten von Anjol auch als Versammlungsort genutzt wurde. Die Mannschaft war ein buntes Gemisch aus abtrünnigen Sternenflottenoffizieren, entschlossenen Kolonisten und abenteuerlustigen Dritten, die oft nur ein neues Zuhause und einen Sinn in ihrem Leben suchten.

Aber solange jeder seine Pflicht erfüllte, war er willkommen und sogar ein Romulaner hatte sich bereits in seine Crew eingefügt. Natürlich waren auch Konflikte vorprogrammiert, aber diese ließen sich bisher immer lösen.

Hinter ihm gingen Kuzhumo und Anjol, die er auf dem Weg zur Versammlung getroffen hatte. Nun standen sie vor der Gruppe und das noch eben lebhafte Raunen und Gemurmel war mittlerweile verstummt. Alle schauten ihn erwartend an und einige schienen richtig nervös zu sein.

Es war immer schwierig die richtigen Worte zu finden, und so überlegte er noch einen Moment bis er zu sprechen begann:

"Ich bin Captain Charles McCarthy und ich heiße sie auf der Venture willkommen. Sie haben sich für dieses Schiff entschieden und es wird nicht leicht werden. Ihr Lohn wird nur aus dem Dank der Kolonisten bestehen; es gibt hier keine Reichtümer und keine Macht zu gewinnen. Nur Ehre und ein neues Heim.

Jeder von ihnen, egal wie seine Vergangenheit aussieht, ist hier erwünscht, aber Sie werden sie sich den Regeln dieses Schiffes beugen. Unser Schiff ist bereits wieder auf dem Weg zu unserer nächsten Hilfsmission und die von der Ivory transferierten Güter werden uns dabei sehr helfen.

Ich erwarte deshalb, dass sie sich bereits heute Abend auf ihren Stationen einfinden und sich bis dahin in ihrem Quartier eingerichtet haben."

Der Captain blickte sich stumm um und erwartete enttäuschte Gesichter oder verärgerte Reaktionen, aber die Neulinge standen immer noch ruhig da und benahmen sich vorbildlich. Kuzhumo und Anjol hatten gute Leute ausgewählt und diese Auffrischung würde ihrer Mission gut tun.

"Falls Sie keine Fragen mehr haben, entlasse ich sie hiermit an ihre Abteilungsleiter!", schloss er und wartete auf Reaktionen...

Yhea schüttelte den Kopf. Ansprachen. Was fanden die Menschen nur an diesem unnötigen Ritual. Keiner konnte sie richtig leiden aber trotzdem hielt immer jemand eine, wenn es irgendwas besonderes gab.

Missmutig schritt er am Captain vorbei und nickte ihm kurz zu. Was jetzt folgte, war mal wieder der unangenehme Teil; die Neuen begrüßen. Er konnte sich schon ausmalen, was für Blicke die ihm wieder zuwerfen würden. Und auch wenn er kein Bhetazoid war, die Gedanken der neu Hinzugekommen waren leichter zu erraten als von einem Ferengi, der goldgepresstes Latinum in den Fingern hielt.

'Was ist das denn? Ein Romulaner auf dem Schiff hier? Und dann auch noch Chefingenieur?'

Inzwischen konnte er es nicht mehr ertragen. Immer der gleiche Gesichtsausdruck, immer die gleiche Unsicherheit. Wie soll man denn so im Team arbeiten, wenn man einander noch nicht mal einen Mikromillimeter weit traut?

--- in der Nähe des Ausgangs

Endlich erblickte Yhea die Zwei, die ihm zugeteilt waren. Er hatte sich vorhin in seinem Quartier die einzelnen Personalakten genau durchgelesen. Schließlich wollte er nicht unvorbereitet sein. Schnell schritt er zu den Zwei herüber und begrüßte sie.

"Hallo, willkommen an Bord Mister Robsen und Mister Hedlege. Ich bin ihr neuer Abteilungsleiter. Yhea Alnak", sagte er und schüttelte den Beiden die Hand.

'War mir ja klar. Das gleiche Spiel wie immer. Nur schauen die Beiden irgendwie noch entsetzter aus der Wäsche.' Schnell schluckte er seinen Ärger herunter und setzte ein freundliches Gesicht auf.

"Sie brauchen gar nicht so seltsam zu gucken. Ich bin das, wonach ich auch aussehe. Also werden sie endlich lockerer", sagte er und lachte, doch irgendwie zeigte es auf die Beiden keine Wirkung. Weiterhin schauten sie ihn fassungslos an. 'Fehlt nur noch der Spuckefaden im Mundwinkel', dachte er grimmig.

"Wenn sie wollen, kann ich ihnen irgendwann mal bei einem Bier die Geschichte erzählen, warum ich hier auf dem Schiff bin. Aber jetzt denke ich, sollten wir uns mal um die Arbeit kümmern. Also, wie der Captain gesagt hat, können sie jetzt ihr Quartier beziehen, falls sie das nicht schon gemacht haben sollten. Wenn nicht, wird der Computer ihnen eine Zimmernummer zuweisen. Ansonsten können sie sich etwas mit dem Schiff vertraut machen, oder die Holodecks besuchen. Aber allerspätestens um 20 Uhr möchte ich sie im Maschinenraum sehen. Alles verstanden, oder haben sie noch spezifische Fragen an mich?", fragte er und schaute Robsen und Hedlege an.

Schnell schüttelten beide die Köpfe, verabschiedeten sich kurz und verschwanden dann aus dem Frachtraum.

'Man, das fängt ja gut an', dachte er grimmig und schritt dann ebenfalls zum Ausgang. Schließlich wurde er hier nicht mehr gebraucht und außerdem hatte er noch eine wichtige Diagnose zu machen, die nicht all zu lange aufgeschoben werden konnte. Er schaute sich noch mal um, ob nicht doch noch jemand was von ihm wollte und verließ dann die Versammlung.

--- Gleichzeitig im vorderen Teil des Frachtraumes

Catrìona sah sich eingehend im Frachtraum um, dann senkte sie den Blick auf das PADD, das sie in der Hand hielt. Zwei Menschen waren der Krankenstation zugeteilt worden, ein Mann und eine Frau. Suchend sah sich die Schottin um und entdeckte bald die zwei, in denen sie ihre neuen Mitarbeiter vermutete. Sie schob das PADD in ihre Gürteltasche und schritt auf die beiden Menschen zu.

Die Frau war klein, sehr klein. Oder kam ihr das nur so vor, weil sie selbst so groß war? Nun gut, es tat ja auch nichts zur Sache. Viel größer war der Mann, der neben der Frau stand, allerdings auch nicht. 'Also liegt es wohl doch an mir,' dachte die Schottin mit einem Lächeln.

"Guten Tag, Miss Dallas, Mr. Norgaard. Ich bin Catrìona MacLeod, Leiterin der medizinischen Abteilung an Bord der Venture. Ich heiße Sie beide auch im Namen des Captains an Bord willkommen und hoffe, dass Sie sich wohl fühlen werden.

Ich möchte Sie beide bitten, dass Sie sich, nachdem sie sich in Ihrem Quartier eingerichtet haben, den Plan des Schiffes gut einprägen, besonders die Lage der Krankenstation und die Wege dorthin. Es kann sehr gut sein, dass die Venture bereits sehr bald in eine Situation gerät, in der schnelles Handeln lebensnotwendig sein kann und dann wäre es fatal, wenn Sie sich nicht im Schiff zurechtfänden.

Ansonsten gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, ich hoffe, dass wir, trotz der Aufgaben der Venture, eine ruhige Zeit erleben werden."

Die beiden Neuankömmlinge blickten die Schottin wortlos an, als hätte deren Rede sie verunsichert. Aber sie wussten doch wohl, auf was sie sich hier einließen? Catrìona ging davon aus. Die Rothaarige verabschiedete sich von den beiden, verließ den Frachtraum, der sich bereits ein wenig geleert hatte und machte sich auf den Weg zur Krankenstation.

--- Währenddessen auf der anderen Seite der Halle

Ruhig ging Kuzhumo zu der Gruppe neuer Sicherheitsoffiziere. Drei Stück waren es an der Zahl, gar nicht mal schlecht für das Angebot, was er zur Verfügung gehabt hatte.

"Miss Janet, Mister Havburn und Mister Kister, wenn sie bitte mitkommen möchten...", forderte der Sicherheitschef die drei Neulinge unverblümt auf. Lange Begrüßungsreden brauchte er ja nicht zu halten, schließlich hatte er sie zusammen mit Anjol auf der Ivory ausgesucht und mit Ihnen gearbeitet.

--- Frachtraum 2

Zufrieden beobachtete McCarthy, wie seine Führungsoffiziere mit der sofortigen Einweisung der neuen Mannschaftsmitglieder begannen und schaute sich dann zu Anjol um: Dieser hatte zwar kein eigenes Ressort, aber vertrat die Kolonien und ihre Einwohner. Eine wichtige Aufgabe.

"Wir sollten uns wieder auf dem Weg zur Brücke machen. Die Mission wartet und wir sollten uns schon auf Ärger gefasst machen. Die Lakota ist uns sicher schon auf den Fersen und wird von der Fährte nicht so bald ablassen...", wandte er sich an den Bajoraner und ging Richtung Ausgang.

Noch einmal ließ er seinen Blick über die verbliebenen Besatzungsmitglieder schweifen und empfand Stolz auf diese Crew. Ihre bisherigen Aufgaben waren nicht einfach gewesen und das traf sicher auch auf die nächste zu, aber zusammen mit diesen Menschen konnten sie gemeistert werden.

--- Deck 6, Sicherheitsbüro, im Vorraum

Kuzhumo begrüßte seinen Senioroffizier Trustman mit einem kurzen Nicken, bevor er mit der Einführung in das Leben auf der Venture begann.

"Hiermit begrüße ich Sie alle noch einmal, auch im Namen von Lt. Trustman, bei uns an Bord", mit einer leichten Geste seiner Hand zeigte der Sensei von Trustman weg, hin zu drei PADD's auf dem, in der Mitte stehenden Schreibtisch.

"Auf diesen Datenblöcken werden Sie alle Sicherheitsvorschriften dieses Schiffes wiederfinden, für diejenigen unter Ihnen, die Nachholbedarf haben", ein bedeutungsschwangerer Blick blieb auf Havburn liegen, der auch auf der Ivory ziemlich unzimperlich agiert hatte...

"Des weiteren bitte ich Sie Uniformen zu tragen", nun galt sein Blick der blonden, gut gebauten, Janet, die einen ziemlich freizügigen Look bevorzugte, "zwar sind wir kein Föderationsschiff mehr, aber Unfälle wollen wir trotzdem nicht hervorrufen..."

Bei diesen Worten lächelten alle Anwesenden im Raum, die auf der Ivory gedient hatten... es gab halt Sachen die sich in ein Gedächtnis einprägten. Trustman lächelte allerdings nicht. Der große Afrikaner lächelte nämlich nie.

Weiter fuhr Kuzhumo mit ein paar spezifischen Modifikationen der Sicherheitsbestimmungen fort, besonders auf den Außenmissionen. Die besondere Situation erforderte gewisse Abweichungen. Man sollte schließlich in brenzligen Begebenheiten nicht unbedingt das Sternenflottenhauptquartier anrufen...

--- Sicherheitsbüro, im Vorraum, etwas später

"... so viel dazu", beschloss der Sicherheitschef die Einführung, "Ich erwarte von Ihnen, dass Sie Dies und Alles, was sonst noch in Ihren PADD's steht bis Morgen verinnerlicht haben. Ich möchte keine Zwischenfälle erleben!

Weiter, bevor es irgendwelche Missverständnisse geben wird: Sie haben zur Zeit alle den Dienstgrad eines Fähnrich inne. Aber seien Sie unbesorgt, auf diesem Schiff steigen Sie erheblich schneller die Dienstgradleiter empor, als Ihnen lieb sein könnte!"

Mit einem Lächeln auf dem Lippen beendete Kuzhumo den Monolog, "ich erwarte Sie also alle Morgen um 6 Uhr in der Trainingshalle. Für weitere Fragen steht Ihnen Lt. Trustman zur Verfügung."

Ruhig ging der Sicherheitschef in sein Büro und überließ Trustman die stöhnende Menge im Vorraum. Kuzhumo nahm sich währenddessen die übrigen Sicherheitsberichte der vergangenen Wochen vor. Es musste ja schließlich alles noch durchgegangen werden...

--- Krankenstation

Catrìona betrat die Krankenstation und entdeckte, wie schon richtig vermutet, ein Paket auf einem der Biobetten. Sie öffnete es und untersuchte den Inhalt. 'Hmm, Antibiotika haben wir jetzt in ausreichender Anzahl, einige davon sind jedoch schon abgelaufen... Eigentlich sollte das aber noch nichts an ihrer Wirksamkeit ändern.... ' dachte die Schottin, nachdem sie den Inhalt des Paketes in die entsprechenden Schränke geräumt hatte. Dann begann sie mit einer letzten Inspektion ihres Bestandes an medizinischen Dingen. Zunächst stellte sie fest, dass trotz ihrer Bitten, Verbandsmaterialien und Zellstoff zu replizieren, mal wieder nichts passiert war, was die Schottin ein wenig verärgerte. "Wenn man nicht alles selber macht, funktioniert auch gar nichts!" schimpfte sie vor sich hin und machte sich dann an die Arbeit...

--- Maschinenraum

Zischend öffnete sich die Tür und Yhea kam mit einem ziemlich zerknirschten Gesicht in den Maschinenraum gestürmt. Kaum war man mal zehn Minuten nicht da und schon zerlegte sich das Schiff in seine Einzelteile. Schnell begab er sich an eine Konsole und rief eine Übersicht auf, die ihm eigentlich das Problem darstellen sollte; doch nichts geschah. Mehrmals versuchte er das Diagnosefenster zu öffnen, doch immer wieder landete er in einem anderen Menü.

Gereizt pfefferte er das PADD, welches er eben noch in der Hand gehalten hatte auf die Konsole und versuchte es dann an einer anderen. Und wie durch ein Wunder; dort funktionierte es. Entnervt schlug er die Hände über dem Kopf zusammen. Schnell schritt er zum angrenzenden Replikator und bestellte sich einen schwarzen Kaffee.

Er hatte sich das Kaffeetrinken irgendwann mal angewöhnt. Zwar wusste er nicht mehr genau wann, aber was er genau wusste war, dass ihm Kaffee eigentlich gar nicht richtig schmeckte. Aber er beruhigte ungemein. Er hatte es schon mit den verschiedensten Getränken versucht, doch nur bei schwarzem Kaffee von der Erde trat die beruhigende Wirkung ein.

Mit der Tasse in der Hand ging er wieder zurück zu der Konsole, wo er eben noch das Diagnosefenster geöffnet hatte, doch nun war es wieder zu. Und öffnen ließ es sich auch nicht. Wütend haute er mit der flachen Hand auf die Konsole. Das änderte zwar überhaupt nichts an der Situation, das der Computer ihn zum Narren halten wollte, aber so ließ Yhea wenigstens etwas Luft ab.

Schlecht gelaunt überlegte er, was er jetzt als nächstes machen sollte. Dieses dämliche Problem mit dem Computer lösen oder die Systemdiagnose beginnen?

Langsam trank er einen Schluck von dem dunklen Gebräu und entschied sich dann für das Computerproblem. Ohne einen richtig funktionierenden Computer war mit Sicherheit keine vernünftige Diagnose zu machen.

Also begab er sich wieder an die Konsole um dem Problem auf den Zahn zu fühlen, als er feststellte, das sich soeben das vorhin gewünschte Fenster geöffnet hatte. Verdutzt schaute er auf den Monitor. Er überlegte kurz, schloss dann das Fenster, um es direkt wieder zu öffnen.

"Es geht", bemerkte er nüchtern. Also versuchte er das gleich noch ein paar mal, doch das Problem trat nicht mehr auf. Auch an der Konsole daneben funktionierte es. Irritiert starrte er auf die beiden Konsolen herab. Also so was hatte er nicht erlebt. Aber gut, dann konnte er sich ja wieder seine Systemdiagnose widmen.

Jetzt schon etwas besser gelaunt trank er einen Schluck Kaffee und machte sich dann an die Arbeit.

---Brücke

Gereizt schloss Anjol seine Hand fest um das PADD das ihm der Captain einige Minuten zuvor wortlos gereicht hatte: Es enthielt Spezifikationen zu ihrer aktuellen Mission und diese war alles andere als erfreulich.

Zwei Kolonien nahe Quatal an der ehemaligen Grenze zwischen Föderation und cardassianischer Union waren in den letzten vier Wochen dreimal von Aufklärungsschiffen der Romulaner heimgesucht worden und es bestand kein Zweifel daran, was sie interessierte: Beide Planeten verfügten über reichhaltige Vorkommen an verschiedenen seltenen Metallen, die sich vor allem für den Bau von Waffensystemen nutzen ließen.

McCarthy hatte die ganze Zeit stumm neben Anjol gestanden und ihn beim Lesen beobachtet, bis der Bajoraner schließlich den Kopf wieder hob und den Captain mit einem bitteren Blick bedachte.

"Offensichtlich bereiten die Romulaner eine Invasion und Kolonisierung der Planeten vor", resümierte McCarthy mit säuerlicher Mine und einem entschlossenem Funkeln in den Augen die derzeitige Lage.

'Was mit den Kolonisten passiert, kann man sich ja wohl denken!', setzte Anjol in Gedanken wütend hinzu und schlug heftig mit der Hand auf die Konsole.

"Verdammt, können die grünblütigen Hunde nicht eine Woche ihren Vernichtungsfeldzug stoppen?", kam es aus dem Bajoraner heraus und McCarthy fixierte ihn auch weiterhin stumm.

"Wir werden in 17 Stunden nahe Quatal eintreffen und den Kolonisten beim Wiederaufbau helfen, machen sie also das Schiff bereit und Kuzhumo auf einen möglichen Kampfeinsatz aufmerksam. Ich bin in meinem Bereitschaftsraum und setze mich mit dem "Rat der Kolonisten" in Verbindung und teile ihnen persönlich die Lage mit", instruierte ihn der Captain schließlich und Anjol antwortete mit einem entschlossenem Nicken.

Der "Rat der Kolonisten" war die - durch das von der Venture installierte Kommunikationsnetzwerk ermöglichte - provisorische Regierung der besetzten Zone und stand ihm regelmäßigen Kontakt mit der Venture - gemeinsam waren schon viele Probleme beseitigt worden, aber genug warteten immer noch da draußen auf eine Lösung...

'Nun, dass kann auf jeden Fall ein sehr interessanter Abend werden!', dachte Anjol grimmig und begab sich an eine Station, während die Tür des persönlichen Bereitschaftsraum sich hinter Charles schloss.

"Anjol an Kuzhumo; melden sie sich bitte auf der Brücke. Ihre Fähigkeiten werden wahrscheinlich bald gebraucht werden!", kontaktierte er bedeutungsschwanger den Japaner und begann mit der Überprüfung der Systeme...

--- Deck 6, Sicherheitsbüro

"Hai, Kuzhumo Ende", beantwortete er Anjols Ruf. Der Sicherheitschef legte das PADD auf den Schreibtisch und ordnete noch einmal alle Berichte.

'Es ist ja tatsächlich so gut wie nichts passiert in meiner Abwesenheit', wunderte sich der Asiate, angesichts der Tatsache, dass er schon dreiviertel der Berichte durch hatte.

Gerade als er im Begriff war aufzustehen, stürmte ein Mannschaftsmitglied sein Büro, dicht gefolgt von Trustman. Wild gestikulierend berichtete Hisdor, so stellte sich der Bajoraner zumindest vor, von einer unglaublichen Sache, deren Natur Kuzhumo nicht erfassen konnte.

In der ihm eigenen Art hob der Japaner die Hand, was Hisdor auch zum Schweigen brachte. Mit einem stummen Blick zu Eric, begann dieser von den Geschehnissen zu berichten.

"Danke Lt. Trustman", bedankte sich der Asiate, bevor er sich wieder Crewmann Hisdor zuwendete. Dieser war schon mehrmals unangenehm aufgefallen. Mehr wegen unnötigen Beschwerden, als wahrer Vergehen.

Aber nun wahr er einen Schritt zu weit gegangen. Nicht das Kuzhumo irgendwie beleidigt gewesen wäre, aber er konnte es nicht zulassen, dass er wegen jeder Lappalie belästigt wurde. Denn immerhin war er der Sicherheitschef der Venture.

"Crewmann, hiermit habe ich Ihre Beschwerde wegen Lärmbelästigung entgegengenommen.", begann der Japaner, "Und hiermit ist Sie auch abgewiesen."

Bevor der Bajoraner zur Erwiderung ansetzen konnte unterbrach ihn Kuzhumo, "Der Weise schweigt, wenn ihm die Worte fehlen. Fähnrich Janet mag zwar etwas Lärm verursacht haben, aber bei einem Einzug kann das schon einmal passieren."

Der Sicherheitschef ließ seine Worte erst einmal wirken, bevor er weitersprach, "Außerdem erteile ich Ihnen hiermit einen Verweis. Dieser wird Ihnen wegen ungebührlichen Verhaltens gegenüber Vorgesetzten, Übergehung der Kommandostruktur und Störung des Schiffsbetriebs in mehreren Fällen erteilt.

Weiter hat er keine Folgen, aber sollten Sie noch einmal ungefragt in mein Büro stürmen, wird dies Konsequenzen nach sich ziehen... Sie dürfen abtreten.", mit einem leichten Wink entfernte sich Hisdor widerwillig aus dem Büro.

Zufrieden lächelte Hisaki zu Trustman, der dieses natürlich nicht erwiderte. Beim Rausgehen erteilte der Sensei ihm noch ein paar Befehle und verabschiedete sich bis zum nächsten Tag, während er noch die restlichen Berichte auf sein Quartier schickte.

--- Gänge, Deck 3

Gedankenschwer ging Cailin Richtung Krankenstation. Immer wieder ging ihr die Lage der Quarados durch den Kopf. Eine Art Orakel der Purna, das mit 4 kleinen und einem großen Stein geworfen wurde. Die kleinen Steine symbolisierten dabei die 4 Elemente und der große Stein Lanagor. Dazu musste man auch Symbole und einen Kreis auf den Boden malen.

Sie hatte gehofft, dass endlich auch mal eine ruhigere Zeit vor ihnen liegen würde, doch die Steine sprachen von einer Dunkelheit, die über der Venture lag und die ihre Sicht behinderte. In nächster Zeit würden sie in einen Konflikt geraten, der niemals richtig abgeschlossen sein würde.

Als sie während ihren Betrachtungen fast mit einem jungen Mann zusammenstieß, entfuhr ihr nicht ein erschrockenes Gluckern, wie sonst wenn sie mal wieder nicht auf ihre Umwelt geachtet hatte, sondern automatisch stellte sich ihr Kamm drohend zu seiner ganzen Breite auf und sie zischte aufgebracht und bedrohlich.

Der Mann entschuldigte sich erschrocken für sein Missgeschick, obwohl er eigentlich gar nicht schuld war und suchte dann eilig das Weite.

Grübelnd sah Cailin ihm nach bis er um die nächste Ecke verschwunden war. Dann beruhigte sie sich innerlich wieder. Und ihr Kamm legte sich wie von Geisterhand wieder zusammen.

Für einen Moment dachte sie daran, als sie das erste Mal dieses Schiff betreten hatte....

Damals nannte es sich noch die U.S.S. Hope und stand unter dem Kommando der Sternenflotte. Sie hatte gehofft, dass Richtige zu tun indem sie hier den Posten einer Ärztin annahm. Aber langsam hatte Lanagor den Schleier der Verblendung von ihren Augen genommen und sie hatte die Föderation erkannt als das was sie wirklich war.

Ein Haufen Kinder, die die Augen schlossen und dadurch dachten, dass die Dinge, die sie nicht sehen konnten auch nicht geschahen.

Aber die Dinge geschahen und Menschen litten Not.

Lediglich die Aufrichtigkeit und die Güte des Captains, die er immer wieder bewies, überzeugte die Purna davon, dass sie das Schiff nicht verließ und sich weiter um das Wohl der Mannschaft kümmerte. Auch wenn ihr Herz schwer war. So hatte sie sich ihr Leben nicht vorgestellt.

Im Dienste einer blinden Macht.

Doch dann eines Tages hatte das Orakel ihr ein Licht vorhergesagt und Lanagor hatte ihr seinen Segen geschenkt, schon bald sollte es sich bewahrheiten. Ein Tag der ihr Leben und das aller anderen an Bord einschneidend verändern sollte.

Captain McCarthy und die U.S.S. Hope kehrten der Sternenflotte für immer den Rücken und nahmen sich der Belange der Menschen an, über die die Sternenflotte einfach hinwegsah und sie im Elend zurück ließ. Er und seine Besatzung wurden Geächtete und aus seinem Schiff wurde die Venture.

Ein Schiff das sich der Bedürfnisse und dem Schutz jener annahm, die ihn dringend bedurften und von der Sternenflotte einfach im Stich gelassen wurden.

Viele Crewmitglieder verließen das Schiff und wollten weiter das Schöne sehen und bedingungslos der Sternenflotte folgen, aber Cailins Herz gehörte ein für alle Mal der Venture.

--- Krankenstation

Zischend öffneten sich die Türen der Krankenstation und Cailin betrat ihren Arbeitsbereich. Sie kannte hier jeden auch noch so kleinen Flecken. Alles barg Erinnerungen an die zahlreichen Reisen in sich und sie fühlte sich hier wie Zuhause.

Es war der Ort des Schiffes an dem sie Lanagor besonders nahe war, denn hier konnte sie mit ihrer Kunst in den meisten Fällen das retten, dass Lanagor in seiner großen Weisheit erschaffen hatte.

Leben.

Doch heute fühlte sie nicht das Glücksgefühl, dass sie sonst befiel, wenn sie diesen Ort betrat. Heute war sie niedergeschlagen und ihr Kamm lag besonders nahe an ihrem Kopf. Ein Zeichen dafür, dass sie sich nicht wohlfühlte oder das sie ängstlich war. Das Orakel ging ihr nicht aus dem Kopf.

"Lanagor fliegt nicht", lautete heute Cailins Begrüßung ihrer Kollegin Catrìona, die sich beim Betreten der Krankenstation automatisch nach ihr umgedreht hatte und in ihrer augenblicklichen Arbeit innehielt. "Er fliegt nicht!"

Die Purna war erschüttert über diesen dunklen Vorboten, der nichts Gutes verhieß. Es braute sich ein Sturm über ihren Köpfen zusammen und sie konnten ihn nicht aufhalten. Dazu war es längst zu spät. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

Catrìona nickte verstehend. Sie war von Cailin bereits kurz nach ihrer Ankunft an Bord in das Geheimnis des Orakels eingeführt worden und kannte die Bedeutung dieses Orakelspruchs. Den Vorboten unheilvoller Ereignisse.

"Catrìona, ich mache mir Sorgen... Kannst du es auch fühlen? Es liegt Unruhe in der Luft."

--- Deck 6, auf dem Weg zum Turbolift

Kuzhumo dachte noch einmal über Hisdor nach. Dieser hatte schon mehrere Male aus nichtigen Gründen alle möglichen Beschwerden abgegeben. So ein Verhalten war weder gut für den normalen Schiffsbetrieb, noch für die Moral. Aber diese dürfte in Hinsicht auf den Crewmann nicht mehr sonderlich gefährdet sein.

Was Alicia Janet anging, war natürlich eine andere Sache, aber damit würde er sich Morgen beschäftigen. Jetzt hatten andere Dinge Vorrang.

Wenn Anjol von den 'Fähigkeiten' des Japaners sprach, hieß das gewöhnlich, dass Ärger im Verzug war. Mit den drei neuen Rekruten hatte er aber endlich Kandidaten für die Einsatztruppe, die er schon seit längeren geplant hatte.

Der Ärger mit reinem Starfleet-Personal war, dass diese keine richtige Erfahrung für verdeckte Einsätze mitbrachten. Die drei Neuen allerdings waren jeder in irgendeiner Weise dafür 'ausgebildet'.

Wenn es allerdings wieder auf einen reinen Kampfeinsatz hinauslief, würde er wieder auf seine gewöhnlichen 20 Mann zurückgreifen, mit denen er mehr als zwei Dutzend Außenmissionen bestritten hatte. Und dabei fast gänzlich in ein und derselben Formation geblieben war...

Der Japaner übte sich in Geduld, was ihm nicht schwer fiel. Er würde ja gleich erfahren, um was es diesmal ging.

--- Brücke

Gemäßigten Schrittes betrat Kuzhumo die Brücke und begrüßte Anjol mit einem, "Was kann ich heute für sie tun?", wie er es immer tat, wenn Anjol mit wichtiger Stimme in das Komm sprach.

"Kon'nichi wa Kuzhumo-san!", antwortete Anjol dem Japaner mit ernster Stimme. Vor einiger Zeit hatte er etwas Japanisch gelernt und es benutzt um Hisaki zu ärgern; später weil er so seinen wachsenden Respekt ausdrücken wollte.

"Die Lakota verfolgt uns seit dem Treffen mit der Venture und wir befinden uns auf dem Weg zu zwei umkämpften Kolonien nahe Quatal - es könnten romulanische Schiffe dort lauern!", weihte er den Sicherheitschef ein und dessen Gesichtsausdruck änderte sich merklich; immerhin waren ihnen so unter Umständen alle Wege versperrt.

"Die an Bord genommenen Güter sollen den Wiederaufbau der Kolonien unterstützen. Genaueres steht in einem Missionsbericht, den ich an ihr Terminal geschickt habe", ergänzte der Bajoraner und wartete gespannt auf Hisakis Antwort

--- Krankenstation

Zufrieden stellte Catrìona die letzten medizinischen Utensilien in den Schrank und wandte sich dann dem Neuankömmling zu. Sie hatte die Purna bereits nach ihrer Ankunft auf der Venture kennengelernt und hatte sie auf anhieb gemocht. Auch wenn sie zugegebenermaßen etwas skurril aussah. Instinktiv hatte die Schottin in ihrer Erinnerung gekramt, um etwas aus der keltischen Mythologie zu finden, das auf die Vogelfrau passte - wenn auch Vogelfrau nicht unbedingt der absolut passende Begriff war... Aber in diesem Fall ließen die Kelten Catrìona im Stich, denn spontan fiel ihr nichts ein, was zu der Purna gepasst hätte...

"Aye, Cailin, ich vermute, dass Du Recht hast und wir nicht gerade einen leichten Flug vor uns haben." Die hochgewachsene Schottin dachte an die beiden Menschen, die sie vor einiger zeit im Frachtraum verlassen hatte. "Ich bin auch nicht wirklich sicher, ob die beiden Neuzugänge auf unserer Station wirklich hilfreich sein werden... Ich hatte den Eindruck, als wüssten sie nicht, auf was sie sich einließen. Aber ich gehe davon aus, dass der Captain ihnen die Lage der Venture wohl genau geschildert haben wird, bevor er sie an Bord nahm. Etwas anderes würde mich schon erstaunen... " meinte sie dann, in Gedanken versunken.

Catrìona setzte sich auf eines der Biobetten und zog das PADD aus ihrer Gürteltasche. Eine Weile starrte sie darauf, dann meinte sie: "Alle beide, sowohl Miss Dallas als auch Mr. Norgaard, haben ein absolut sauberes Profil. Zuverlässig, vertrauenswürdig... Was meinst Du, Cailin, werde ich schon paranoid, weil ich das Gefühl nicht loswerde, dass die beiden nicht bis zwei zählen könnten? Du hast sie nicht zufällig schon kennengelernt?"

--- Maschinenraum

Nach zwei weiteren Tassen Kaffee und viel Flucherei, hatte Yhea es endlich geschafft, die Diagnose zu starten. Jetzt hieß es abwarten, bis der Computer die Diagnose abgeschlossen hatte. Und so was konnte mehrere Stunden dauern.

Zufrieden mit sich selbst stellte er die leere Tasse in den Replikator, überprüfte noch mal kurz alle Systeme und verließ dann den Maschinenraum.

--- Gänge Deck 4

Gedankenverloren schlenderte er durch die Gänge zum Turbolift. Seitdem Poulsen krank geschrieben war, hatte Yhea keine ruhige Minute mehr gehabt. Alleine den Maschinenraum zu führen war schon ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst zu Zweit war es viel Arbeit. Aber endlich hatte er zwei neue Mitarbeiter gefunden. Die durften dann die Nachtschicht übernehmen. Oder im Notfall tagsüber mithelfen. Wenn er daran dachte, das der Maschinenraum beinahe nächtelang unbesetzt war, kam ihm wieder das kalte Grausen. Aber was sollte man machen. Poulsen mit Plasmaverbrennungen auf der Krankenstation. Und er selbst musste schließlich auch mal schlafen.

Plötzlich blieb er stehen. 'Moment', dachte er und kratzte sich an der Stirn. 'Wenn ich doch sowieso zur Brücke will, kann ich auch noch schnell den Transportertest machen', überlegte er, drehte sich um und schritt schnell zum Transporterraum 2.

--- Transporterraum 2

Schnell betrat Yhea den Raum und zückte seinen Tricorder, den er immer am Gürtel mit sich trug.

"So, dann wollen wir mal", trällerte er und stellte sich hinter die Transporterkonsole. Er klappte den Tricorder auf, programmierte ein paar Transporterkoordinaten für auf die Brücke ein und aktivierte dann den Transporter. Gemütlich schritt er zur Plattform. Er musste mal wieder lachen, wenn er daran dachte, wie manche Leute, wenn sie den Transporter selbst bedienen mussten, immer zu Plattform gerannt waren um ja nicht den Beamvorgang zu verpassen. Langsam bestieg er das Plateau, drehte sich um und spürte, wie sich sein Körper ein seine Atomaren Teilchen zerlegte .......

--- Brücke

........ und wieder zusammensetzte.

Das erste was er sah war Kuzhumo, der erschrocken seinen Phaser zückte und auf ihn richtete. Und als nächstes erkannte das verdutzte Gesicht von Anjol.

Doch bevor Yhea das Mysterium seines Erscheinens aufklärte, schaute er auf seinen Tricorder und verglich die programmierten mit den realen Positionsdaten. Zufrieden nickend steckte er seinen Tricorder wieder weg und wandte sich grinsend an Kuzhumo:

"Sag mal, du willst doch nicht wirklich deinen Cheftechniker erschießen, oder etwa doch?"

--- Krankenstation

Die Purna blähte für einen Moment leicht ihren Kamm auf um ihn dann sofort wieder einzuziehen. Das Gefühl, dass etwas passieren würde, wollte sich nicht vertreiben lassen. Auch wenn Catrìonas Gesellschaft normalerweise immer für Ablenkung sorgte.

"Nein, ich hab sie noch nicht gesehen. Wahrscheinlich sind sie sofort ihr Quartier einrichten gegangen. Aber, dass du paranoid wirst, das glaube ich mit Sicherheit nicht. Dafür kenn ich dich schon gut genug. Deine Menschenkenntnis hat dich noch nie getäuscht. Dann haben wir wohl wieder zwei blutige Anfänger hier." Für einen Moment musste Cailin grinsen. Wie immer in solchen Situationen malte sie sich gern aus, wie sie sich für diese 'Zuteilung' bedanken könnten.

"Falls jemand von denen mal krank werden sollten, die uns diese Leute eingebrockt haben, dann könnten wir sie diesen doch anvertrauen, oder?" Die beiden Frauen sahen sich an und man konnte sehen, dass sie wieder mal gleicher Meinung waren.

Da fiel der Purna etwas ein. "Sag bloß, sie haben es schon wieder versäumt.. nicht... schon... wieder...", murrte Cailin und setzte sich vor das Terminal der Krankenstation. Nach ein paar Eingaben war sie sich sicher. "Kannst du mir mal sagen, warum unsere Arbeit an Bord niemand ernst nimmt, bevor er schwer verletzt auf dem Biobett liegt? Das darf doch nicht wahr sein!" Ihr entfuhr ein entrüstetes Zischen. "Was zuviel ist, ist zuviel!"

Ärgerlich tippte sie auf ihren Communicator, ließ sich aber von ihrer Verärgerung nichts anmerken, nachdem der Kanal geöffnet war:

"Fakaii an Captain McCarthy. Sir, ich möchte Sie ja nicht bei Ihrer Arbeit stören, aber mein Anliegen duldet keinen Aufschub.

Warum wurden die Neuen nicht sofort auf die Krankenstation zur Routineüberprüfung geschickt? Ich dachte, wir hätten schon mal eingehend darüber gesprochen, nachdem jemand die hygerianische Grippe hier eingeschleppt hat. Ich schreibe Ihnen nicht vor, wie Sie ein Schiff zu leiten haben, aber was die Krankenstation betrifft, so bin ich schon lange genug Ärztin um das Risiko zu kennen.

Sie tragen die Verantwortung für die ganze Besatzung, Sir. Aber ich ebenfalls für alle Leben an Bord und so kann ich sie einfach nicht tragen. Nicht ruhigen Gewissens. Sie wissen ja... uns fehlen die Mitteln so etwas im großen Aufmaß zu bekämpfen, wenn es mal dazu kommen sollte..."

---Bereitschaftsraum

Klirrend zersprang das Glas, dass Charles in der Hand hielt, als die Stimme von Cailin aus der internen Kommunikation drang. "Entschuldigen sie bitte", wandte er sich an den Führer des Kolonistenrates und seine Stimme bebte dabei wie ein Kontrabass in einer Konzerthalle.

"Miss Fakaii, als Offizier sollten sie wissen, dass auf diesem Schiff eine Befehlskette existiert, also wenden Sie sich an Doktor MacLeod mit ihrer Beschwerde und stören mich nicht während ich mit dem Rat der Kolonisten eine wichtige Unterredung führe!", herrschte er die Purna an und seine Stimme wurde zum Ende hin immer lauter, bis er sich zusammenriss und leise aber scharf hinzufügte, "Und die Bedeutung von Verantwortung ist mir bewusst."

Die geöffnete Komm-Verbindung war still geworden und der Captain glaubte zuerst, dass Cailin sie schon geschlossen hatte, aber dann hörte er ein leises verlegenes Rascheln.

"Miss Fakaii; Cailin; ich kann ihre Sorge durchaus verstehen und die medizinische Abteilung hat mein vollstes Vertrauen! Leiten Sie also alles Nötige in die Wege und schicken Sie mir später einen Bericht zu. McCarthy Ende", setzte er weicher fort und hoffte, dass er nicht zu schroff gewesen war.

Die Mission würde sehr schwierig werden und seitdem die Venture unabhängig war, hatte er seine ganze Energie in die Erfüllung ihrer Pflicht gesteckt. Sie alle standen unter Stress, aber es war McCarthy bewusst, dass er überreagiert hatte.

'Ich muss ein Vorbild in diesen Zeiten sein, verdammt!', fluchte er innerlich und tadelte sich selbst für seinen Zorn. Tief durchatmend versuchte er sich von seinen Emotionen zu befreien, aber es funktionierte nicht ganz.

'Nun denn...', atmetet er ein letztes Mal befreiend aus und reaktivierte die Verbindung zum Kolonistenrat...

--- Krankenstation

Leise seufzend hatte Cailin die groben Worte des Captains auf ihr Anliegen vernommen. Sie waren wie ein Schlag ins Gesicht für die sonst so fröhliche Purna gewesen und sie fragte sich wieder einmal, ob ihre Entscheidung wirklich so richtig gewesen war an Bord der USS Hope zu bleiben, nachdem diese die Föderation verlassen hatte.

Ein Captain mit Wutausbrüchen konnte sie alle ins Verderben führen. Er war es nicht wert den Himmel mit Lanagor zu teilen. Und wie solche Dinge von Lanagor gehandhabt wurden, davon wusste jedes Kind ihres Volkes zu berichten. In Gedanken strich sie mit der Hand über die beiden knochigen Wulste auf ihrer linken Schulter.

"Vielleicht war es ein Fehler hier an Bord zu bleiben. Ja, mag sein, dass ich die Mannschaft und dieses Schiff liebe, aber was ist von der Güte des Captain McCarthys auf der USS Hope geblieben? Ich sag es dir: Nicht das Geringste. Er ist ein harter Mensch geworden. Dessen Kampf für die Gerechtigkeit nur mehr Kampf ist. Seine Ziele scheint er nicht mehr vor Augen zu haben." Die Purna war sehr enttäuscht von seiner Reaktion und sie nahm sich vor ihn nie wieder mit einem Problem belästigen

Wieder einmal spielte sie mit den Gedanken das Schiff zu verlassen und einfach auf dem nächsten Planeten, den sie anflogen von Bord zu gehen. Alle Wesen brauchten medizinische Betreuung und hier an Bord hatten sie ja Catrìona.

Wenden Sie sich an Doktor MacLeod.

Die Schottin, die nach ihr an Bord gekommen war und trotzdem Leiterin der Abteilung geworden war. Es war unübersehbar für Cailin, dass sie hier nicht gebraucht wurde und ihre Arbeit nicht wirklich geschätzt wurde.

"Ich denke, es hätte mir Antwort genug sein müssen, dass ich mit ihm auf der USS Hope gearbeitet habe und er dann trotzdem dich zur Leiterin der Krankenstation gemacht hat. Immerhin warst du noch ganz neu an Bord. Er respektiert mich nicht, wie soll ich so einem Mann folgen?" Mit großen traurig glänzenden Augen starrte die Purna Catrìona an und sah doch ins Leere. Etwas in ihr war zerbrochen und sie wusste nicht, ob die Zukunft es je heilen würde.

Lanagor flog nicht...

Und vielleicht würde er es nie wieder tun...

--- Brücke

Kuzhumo entspannte sich wieder, als er die Gestalt Alnaks erkannte. Der Romulaner liebte solche Scherze, auch wenn diese manchmal für den Japaner unverständlich waren.

"Wollen nicht, aber es tuen... könnte schon aus Versehen passieren.", gab Hisaki zurück. Die versteckte Warnung an Alnaks merkwürdigen Humor dürfte diesem wohl nicht entgangen sein.

Ein anderer hätte ohne zu zögern geschossen. Aber zum Glück war Kuzhumos Muga voll ausgeglichen. Wie eigentlich immer. Sein inneres Gleichgewicht war so gut wie unerschütterlich.

"Aber wenn Sie", Kuzhumo benutzte wieder das förmliche Sie, wie auch schon bei Anjol, da es um dienstliche Belange ging, "schon einmal hier sind, dann machen Sie sich nachher gleich an die Arbeit um das letzte aus unserem Antrieb bei Bedarf rauszuholen.

Da Sie sich des weiteren so gerne mit den Transportern beschäftigen, wäre auch dort eine Leistungssteigerung nicht von Nachteil." Im Geiste manifestierte sich schon ein Plan in Kuzhumos Kopf. Wenn die Kolonien stark bewacht sein sollten, müssten die Transporter schnell und effektiv arbeiten.

Zu Anjol gewandt fuhr er fort, "Wenn Romulaner im Orbit sind, werden gewiss auch Bodentruppen vor Ort sein. Wenn der Captain in Erfahrung bringt, wo GENAU der Stützpunkt ist, ist das kein großes Problem.

Wenn die Kolonisten allerdings wieder auf einen Treffpunkt auf dem Planeten bestehen, müssen wir wieder runter.", Anjol und Kuzhumo tauschten einen wissenden Blick aus. Solche Aktionen blieben meistens an mindestens einen von den Beiden hängen.

"Ich lese mir erst einmal den Missionsbericht durch", mit diesen Worten setzte sich der Japaner an seine Station, die nur 2 Meter entfernt war und rief den Bericht auf, um im Bilde zu sein, wenn der Captain wieder auftauchte.

Belustigt hob Yhea eine Augenbraue und schaute zu Kuzhumo rüber. "Also wirklich. So schlecht gelaunt?", sagte er und wurde wieder ernst.

"Ich habe unten im Maschinenraum gerade eine vollständige Systemanalyse laufen. Danach kann ich Ihnen dann genau sagen, ob noch mehr aus dem Warpantrieb raus zu holen ist. Und die Sache mit den Transportern hab ich gerade mit meinem Transport zur Brücke abgeschlossen."

Langsam schritt er rüber zum Replikator und bestellte sich dann die vierte Tasse Kaffee für heute. Vorsichtig nahm er einen Schluck davon und schritt dann rüber zur technischen Konsole. 'Dann wollen wir doch mal sehen, wie weit die Diagnose ist.'

--- Brücke, technische Konsole

Er rief schnell die erforderlichen Daten auf und nickte zufrieden. Bisher war alles in Ordnung. Aber noch fehlten 23 Prozent, und in denen konnte eine Menge passieren. Gemütlich legte er sich in seinem Sessel zurück und legte die Beine hoch. Er widerstand der Versuchung, ein wenig romulanische Musik einzuschalten, denn dann wäre Kuzhumo mit ziemlicher Sicherheit im Dreieck gesprungen und hätte ihn spätestens dann erschossen. Obwohl, als Scherz wäre das doch bestimmt nicht schlecht.

Aber er ließ es bleiben. Zwei Scherze an einer Person innerhalb von 10 Minuten war auf die Dauer nicht Gesund. Grinsend richtete er seinen Blick wieder auf die Diagnoseanzeige und trank noch einen Schluck Kaffee.

--- Brücke, Kommandobereich (vorne)

Innerlich seufzte Anjol über die beiden anderen Offiziere. 'Ein merkwürdiger Haufen...', dachte er, musste aber leicht lächeln, 'Ja, ein merkwürdiger Haufen, aber das muss man für unsere Mission wohl auch sein!'

Mittlerweile stand er im vorderen Bereich der Brücke nahe des Hauptschirmes und schaute dem Navigator prüfend über die Schulter. Es war weniger eine wirkliche Überprüfung, als eine Ablenkung. Kuzhumo und Yhea hatten in ihrem Ressort genug zu tun, nur er war, wiedereinmal, ohne Beschäftigung.

Als Kommandant musste man jede Menge Geduld haben und der Bajoraner bewunderte den Captain immer wieder für diese Eigenschaft. Warten - ein Wort das ihm fremd war und das ihm Unbehagen bereitete, aber das gleichzeitig auch eine große Waffe darstellte.

Hisaki hätte jetzt einen weisen Spruch eingeworfen, a la "Die Weisen warten bis zum rechten Moment", aber ihm war es schon immer schwergefallen.

Schließlich ging er zu einer unbesetzten Operations-Konsole und ordnete ihr Vorgehen bei der Mission noch etwas. Eigentlich nicht nötig, da sie meistens auf ihre große Erfahrung zurückgriffen, aber immer noch besser, als den Navigator weiter nervös zu machen.

Das erleichterte Seufzen des Steuermanns war unüberhörbar und Anjol musste für einen Moment wieder an den Romulaner denken, der mit hochgelegten Beinen am technischen Terminal saß und genüsslich dieses eklige menschliche Getränk in sich hereinschüttete.

"Torpedos scharf und einsatzbereit. Phaser ausgerichtet und einsatzbereit. Impuls- und Warp-Antrieb online. Transporter online. Shuttles besetzt und startklar. Ladung für den Transport bereit. ... .. .", murmelte Anjol leise vor sich hin und ging nach und nach die Systeme durch. Ein Versagen während eines Gefechts wäre verheerend, aber Alnak hielt ihr Schiff auch ohne regelmäßigen Besuch eines Sternenbasis, wie es bei Sternenflotten-Schiffen üblich war, auf Schuss.

---Brücke, eine Viertel Stunde

Mittlerweile hatte Anjol den Test beendet und die Unruhe war wiedergekommen. "Mr. Alnak, Mr. Kuzhumo, gibt es schon erste Ergebnisse?", wandte er sich an die beiden Senioroffiziere.

Langsam erhob sich Kuzhumo und ging auf Anjol zu, als er die letzten Einzelheiten auf dem PADD in seiner Hand durchging. Ja es war mal wieder mit Risiken verbunden, aber das ließ sich nicht vermeiden. Eigentlich gehörte es ja zur Tagesordnung.

"Nach eingehenden Studium des Missionsberichtes", begann der Japaner mit ruhiger Stimme, "müssen wir schnell und präzise operieren. Laut den Informationen sollten wir auf Kital anfangen, da dies die wahrscheinlich einfachere Aufgabe sein wird, da diese Kolonie namens 'New Haven' strategisch unbedeutender ist."

Einen verwunderten Blick der beiden anderen Offiziere später, schob der Japaner eine kleine Erklärung ein, "Ich gehe, wie immer von dem schlimmsten aus was passieren könnte. Alle Eventualitäten einberechnend ist dies der erfolgsversprechendeste Plan."

Aus dem Konzept gebracht, tippte Kuzhumo kurz noch einmal auf sein PADD und bestätigte seine Erinnerung, dass beide Kolonien als gleich wichtig eingestuft worden waren. "Wenn wir Glück haben, lenken wir die Romulaner von Nitol ab, wenn unsere Operation auf Kital beendet ist, was unser zweiter Anlaufpunkt sein wird."

Des weiteren ging der Sicherheitschef in den Details durch, die die unterschiedliche Vorgehensweise bei den Kolonien verdeutlichte. Auf Kital schlug er einen Angriff mit seiner 20 Mann Einsatztruppe vor, während, bzw. wenn Anjol den Kontaktmann aufgesucht hatte.

In New Haven wurden wesentlich weniger Vorräte gebraucht, was bedeutete, der Transport der Güter ging schneller vonstatten. Der Angriff war ein perfektes Ablenkungsmanöver, was die romulanischen Truppen auf Trab halten würde und die Transporteraktivität eventuell die ganze Zeit verschleiern könnte.

Zudem würden die romulanischen Schiffe, wenn überhaupt welche da wären sofort zur Hilfe eilen.

Auf Nitol sah die Sache schon etwas anders aus. Hier musste die gesamte Aktion verdeckt ablaufen, da dort, auf Grund der stärkeren militärischen Präsenz der Romulaner ein Frontalangriff nicht möglich wäre. Gezielte Anschläge auf die Sensoreinrichtungen des Planeten waren die bessere Alternative.

"So sieht mein Vorschlag aus. Für die Kolonie Fort Hope auf Nitol habe ich auch schon ein spezielles Team in Beobachtung, das uns gut helfen könnten.", beendete Kuzhumo seinen Monolog. Im Hinterkopf hatte er seine neuen Ivory - Rekruten, die sich sicherlich nicht schlecht schlagen würden.

Anjol und auch Alnak hatten die ganze Zeit aufmerksam zugehört, während er gesprochen hatte. Nun galt es den Kelch weiterzugeben. "Was jetzt als Frage im Raum steht ist, wie schnell die Venture von Kital nach Nitol fliegen kann, ohne den Kurs, oder die Aufmerksamkeit der Romulaner zu erregen."

Vielsagend sah Kuzhumo zu dem Romulaner, der hoffentlich mehr getan hatte als Däumchen zu drehen.

Gerade hatte Yhea seine Systemdiagnose abgeschlossen, als der Japaner seine Frage an ihn richtete. Schnell überspielte er die Ergebnisse auf ein PADD und schritt dann zu dem Sicherheitschef hinüber.

"So, dann wollen wir doch mal sehen", sagte er zum Sicherheitschef und tippte auf dem PADD herum. "Schilde sind auf voller Leistung. Phaser und Torpedos ebenfalls. Der Warpantrieb läuft auch tadellos. Das heißt, ich kann Ihnen maximal Warp 9,5 für 12 Stunden geben. Vielleicht auch ein wenig mehr und ein wenig länger. Das werde ich gleich testen. Um die offene Frage mit den Romulanern zu beantworten; ich kann es so einrichten, das die Venture auf den Langstreckensensoren der Romulaner nicht zu entdecken ist. Aber sobald wir in den Kurzstreckenbereich kommen; na dann Prost Mahlzeit. Das müssten Sie dann mit dem Navigator absprechen, das er einen Kurs wählt, der uns etwas um die Romulaner herum führt."

Wieder vertiefte er sich kurz in sein PADD, bevor er fortfuhr.

"Aber ich kann es unserem Steuermann ein wenig leichter machen, die romulanischen Schiffe aufzuspüren. Ich bin noch nicht ganz fertig, aber am Ende wird es hoffentlich so sein, dass wir die Romulaner auf unseren Sensoren sehen, obwohl sie getarnt sind. Zumindest 85 Prozent davon", fügte er noch hinzu.

Fragend schaute er Kuzhumo an. "Wären Ihre Fragen soweit damit beantwortet?"

--- Währenddessen auf der Krankenstation

Nachdenklich blickte die Schottin zu Cailin, die mit hängenden Schultern und gesenktem Blick im Raum stand. Catrìona legte ihr PADD auf das Biobett, neben dem sie gestanden hatte, schritt zu der Vogelfrau hin und legte ihr tröstend den Arm um die Schulter.

"Cailin, nimm dir das bitte nicht so sehr zu Herzen! Ich weiß, Du findest es schrecklich, übergangen worden zu sein; ich kann Dir auch keine Erklärung dafür geben, warum der Captain unbedingt mich zur medizinischen Leiterin haben wollte. Aber ich bin sicher, er weiß Deine Fähigkeiten zu schätzen; auf jeden Fall weiß das die Mannschaft, denn von denen habe ich eigentlich bisher nur positives über deine medizinischen Fähigkeiten gehört.

Was diesen unmöglichen Anraunzer gerade angeht... Ich glaube, dass der Captain ein entsetzlicher Rüpel ist - aber ich glaube auch, dass er gerade fürchterlich unter Druck steht, denn er hat die Verantwortung für ein Schiff, dessen Besatzung und, seiner Meinung nach sicherlich auch für die Kolonisten, für die unsere Hilfe bestimmt ist. Das kann einen Mann schon dazu bringen, dass er sich aufführt wie die Axt im Walde... Kopf hoch, Cailin.... Wie sieht es aus, kommst Du noch mit in die Bar?" fragte die Schottin dann.

--- Brücke

Mit einer leichten Verbeugung bedankte sich Kuzhumo bei dem Romulaner. Obwohl dieser eine beinahe gleichgültige Haltung gegenüber sämtlichen Bestimmungen an Bord an den Tag legte, setzte er den Japaner immer wieder in Erstaunen.

"Nach der Besprechung mit dem Navigator, wären die groben Details nun geklärt.", schloss der Sicherheitschef die erste Fragerunde. Innerlich seufzte der Sensei ob der Dutzenden Einzelheiten auf die sie noch eingehen mussten.

"Da wir nun den genauen Missionsablauf durchsprechen werden, würde ich den Besprechungsraum als angenehmeren Ort einer langen Sitzung empfinden. Ein alter Mann mag es gerne gemütlich...", fügte der Japaner verschmitzt hinzu.

Alle Anwesenden wussten, dass der schon ergraute Asiate im Zweifelsfalle tagelang durch den Dschungel marschieren konnte, aber nichts desto trotz willigten sie seinem Vorschlag ein.

Innerlich seufzte Anjol etwas auf. Der Japaner konnte ihn doch immer wieder verblüffen und wer so schnell von Angriffsplänen zu einem Kaffeeplausch übergehen konnte, verdiente Respekt für die Erfahrung, aber auch etwas Beobachtung.

Schon so mancher Mensch war in Selbstgefälligkeit über sein eigenes Ego gestolpert, und selbst ganze Imperien verdankten verblendeten Führern ihren Untergang.

Trotzdem hielt er den Japaner für klug genug, um solche Fehler nicht zu begehen, obwohl seine fernöstliche Weisheit ihn manchmal gefährlich nahe an diese Grenze stoßen ließ.

Das Thema Kaffeeplausch verursachte aber noch mehr Unbehagen im Bajoraner, als er an den unglaublichen Verbrauch des Romulaners an diesem Gesöff dachte. Irgendwann würden dessen Nieren, falls seine Spezies überhaupt so etwas besaß, explodieren, ein schwarzer Brei wie aus einem Filter herausquellen und sich mit grünem Blut vermischen...

Eine unschöne Vorstellung und keine Sekunde später bestätigte Yhea seine finstersten Befürchtungen, als er auf das Thema Kaffee abzielend mit leuchtenden Augen sagte:

"Ey prima, Kaffee ist genau das richtige für eine Besprechung. Will sonst noch jemand Einen?", fragte er die Beiden, doch er erhielt nur ein gemeinsames Kopfschütteln. "Na dann nicht", grinste er und überholte Anjol und Kuzhumo auf dem Weg zum Besprechungsraum.

--- Besprechungsraum

Schnell flitze Yhea durch die Tür des Raumes und steuerte auf den Replikator zu. "Computer, eine große Tasse Kaffee, schwarz", sagte er und wartete erwartungsvoll auf das Erscheinen der Tasse. Kaum war sie erschienen, hatte er sie schon aus dem Ausgabefach geholt und angesetzt.

"Ok, ich würde sagen, wir setzten uns dann mal", bemerkte Yhea kurz und ließ sich dann auf einen der Sessel fallen. "Also auf meiner to-do-Liste steht dann", kurz unterbrach er uns schaute auf sein PADD, "erstens der Warpantrieb und zweitens dann ja nur noch die Sensoren. Falls also noch jemand Wünsche hat, dann notiere ich die mir und werde sie so schnell es geht in die Tat umsetzten. Denn schließlich möchte ich den Romulanern nicht unvorbereitet gegenüber stehen."

Fragend schaute er in die Runde.

--- Krankenstation

Wortlos nickte die Purna und kämpfte immer noch mit der tiefen Enttäuschung in sich. Sie hatte sich vieles anders vorgestellt und bei ihrem Wunsch mit Lanagor den Himmel zu teilen war sie ihm nicht näher gekommen, sondern hatte vieles verloren und vieles aufgeben müssen.

--- Gänge, Deck 3

Kaum auf dem Gang brach Cailin das kurze Schweigen und sprudelte nur so hervor, was ihre Herz bewegte und es in letzter Zeit sehr schwer hatte werden lassen. Sogar die schönen Stunden am Holodeck hatte sie gemieden, weil die Gedanken sie sogar bis dorthin verfolgten.

"Ach Catrìona... versteh mich bitte nicht falsch. Mir liegt nichts an dem Posten der medizinischen Leiterin. Es ist für mich nicht schrecklich übergangen worden zu sein. Im Gegenteil. Ich bin froh, dass du es geworden bist, denn ich arbeite sehr gerne mit dir zusammen und ich weiß deine Fähigkeiten, deine Freundschaft und deine Ratschläge immer sehr zu schätzen.

Was mich wirklich getroffen hat, ist dieses Ausschweigen von Seiten des Captains. Ich hätte gerne den Grund für diese Entscheidung erfahren, andererseits habe ich Angst davor ihn zu erfahren. Angst, dass ich einfach nur deswegen an Bord bin, weil der Captain für dieses Schiff ohnehin schwer Besatzung bekommt und er mich nicht rauswerfen wollte." Leise seufzte Cailin auf. Sie hatte schon oft erlebt, dass Purnas von der Gesellschaft verachtet wurden.

Besonders schwer hatte es sie getroffen, als sie bemerkt hatte, dass Kadetten an der Sternenflotten-Akademie sich gegenseitig Vogelnamen an den Kopf geworfen hatten und es keine schmeichelhaften gewesen waren. Es waren Beleidigungen gewesen.

--- Turbolift

Fast automatisch stieg Cailin in den Turbolift und gab dann den Befehl "Deck 5" um sich gleich wieder ihrem Gespräch zuzuwenden.

"Ich respektiere natürlich alle Entscheidungen des Captains, denn es steht mir nicht zu darüber zu urteilen, aber er nimmt meine Meinung in medizinischen Belangen nicht wirklich wahr. Im Gegenteil soll ich alles nur mit dir besprechen. Dabei dachte ich, er würde mich mehr zu schätzen wissen, da wir uns schon länger kennen. Aber wahrscheinlich rede ich mir da nur etwas ein und er kennt noch nicht mal meinen Namen..." Betroffen schwieg sie.

Alles woran sie glaubte wurde zerstört. So war es schon immer gewesen. Als sie dachte Lanagor würde vom Himmel zu ihnen herabsteigen, dabei war es nichts weiter als ein Handelsschiff der Ferengi gewesen und dann als sie den jungen Purna des Solakor-Schwarms getroffen und durch einen für sie unverständlichen immerwährenden Krieg verloren hatte.

Catrìona bemerkte sehr wohl, dass Cailin trüben Gedanken nachhing. Aber sie wusste beim besten Willen nicht mehr, wie sie die Vogelfrau aufheitern sollte. Natürlich verstand sie deren Zerrissenheit, denn zwischen zwei Kulturen zu stehen, war niemals einfach. Aber manchmal hatte die Schottin auch das Gefühl, als würde die Purna ihr Selbstmitleid ein ganz kleines bisschen genießen, so unlogisch das klang. Aber warum sollte jemand über längere Zeit dermaßen frustriert sein - und vor allem jedem Versuch, sie auf andere Gedanken zu bringen, widerstehen? Aus diesem Grund schwieg Catrìona jetzt erst einmal eine Weile.

Als sich die Türen des Turboliftes mit einem leisen Zischen öffneten, traten die beiden Frauen mit synchronen Bewegungen aus dem Lift.

--- Deck 5, Gänge

"Und im Übrigen, Cailin," wandte sich die Schottin an ihre Begleiterin, während sie den Gängen folgten, "würde ich mir nicht allzu viele Gedanken darüber machen, warum der Captain nicht mit Dir über medizinische Belange sprechen will. Das hat er mit mir nämlich bisher auch nicht getan. Ich glaube, dass es ihm einfach nur wichtig ist, dass seine Krankenstation funktioniert und dass wir beiden gut zusammen arbeiten. Schließlich - woher sollte ein Captain so viel Ahnung von Medizin haben, dass er ein ordentliches Gespräch mit Dir oder mir würde führen können?"

Catrìona blickte nachdenklich auf die etwas kleinere Frau. 'Hoffentlich muntert sie das wenigstens ein wenig auf! Ich will meine fröhliche Cailin wiederhaben!'

"Ja, du hast ja recht", gab sich Cailin geschlagen und ihr Kinn wanderte wieder höher, ebenso streckte sich ihre ganze Körperhaltung. Menschen in höheren Positionen hatten oft die Angewohnheit starrsinnig ihren Sinn nur in eine Richtung zu lenken und für viele Dinge blind zu werden. Ganz im Gegensatz zu Purnas, die sich gerne um alles und jeden kümmerten. Einfach weil Lanagor überall war und alles sah.

"An manchem Tag scheint der Himmel sich zu verdüstern und als schon das Orakel sich gegen unsere Reise aussprach, die von einem schlechten Omen begleitet wird, da hab ich mich zu sehr von meinen Gefühlen hinreißen lassen." Sie seufzte leise auf. Dann blähte sich ihr Kamm auf seine volle Höhe auf und sie schüttelte ihn. Es war als wollte sie all die trüben Gedanken loswerden.

Ihr anschließendes noch zaghaftes Lächeln und ihr Federkamm, der nicht mehr annähernd so dicht am Kopf lag wie beim Betreten der Krankenstation, signalisierten der Schottin wie immer, dass Cailin mit diesem Gedankengang abgeschlossen hatte und ihn in nächster Zeit auch nicht mehr aufnehmen würde. "Da schon wieder Neue an Bord sind... meinst du, dass sie uns so entlasten werden, dass wir wieder öfter Forschungen am lebenden Objekt vornehmen können?"

Da war sie wieder die unvergleichliche Art der jungen Purna wie sie mit häufigeren Besuchen der einzigen Bar an Bord umging.

--- Schiffsbar

Die beiden Frauen schwiegen für einen Moment, da sie gerade an ihrem Ziel angekommen waren und Cailin genoss es wie immer diesen Ort zu betreten. Zwar hatten viele gerade Dienst, aber doch waren genug Leute hier um wieder das Gefühl einer Menge zu haben. Ein leises Gurren entfuhr ihr, als das Gefühl des Schwarms wieder in ihr hochkam.

"Diesmal suchst du einen Platz aus. Ich schließe mich dir an", meinte die Purna forsch und lächelte Catrìona an, als ob nie etwas gewesen wäre, doch tief in ihr waren noch immer nagende Zweifel, die sie nicht so schnell vor sich verschließen konnte.

--- Besprechungsraum, etwas später

"Es wäre angebracht noch ein paar kleine Asse im Ärmel zu haben, aber wir sollten uns nicht zu sehr in eine Richtung festlegen!", gab Anjol zurück und musterte dabei den schwarzen Kaffeebecher des Romulaners, der immer wieder zu dessen Mund wanderte.

'Die Romulaner sind verschlagene Halunken und immer für eine Überraschung gut', überlegte der Bajoraner grollend, 'an feste Muster halten sie sich selten und sind so unberechenbar. Eine Eigenschaft die einen Gegner tausendmal gefährlicher macht als jede Waffe!'

Die Lage schien ihnen wirklich nicht allzu rosig, was natürlich nichts neues war, aber dennoch deprimierend. Manchmal fragte man sich sogar, was man auf dem Kahn hier zu suchen hatte, aber dann wusste man es inmitten der Hoffnungslosigkeit wieder: Ihre Mission war wichtiger als ihr Leben!

"Ihr Romulaner glaubt doch an Glück?!", setzte er mit funkelnden Augen hinzu...

Beinahe hätte Yhea sich an seinem Kaffee verschluckt. Schnell stellte er den Becher auf den Besprechungstisch, erhob sich und stellte sich direkt neben Anjol.

"Glück?", fragte er und guckte wütend. "Du willst wohl herausfinden, woran die Romulaner glauben, wie? Also an so dämliche Wurmloch-Aliens glauben wir bestimmt nicht. Das ist doch nur was für so zurückgebliebene Kulturen wie ihr Bajoraner eine seid. Oder nennst du euren Glauben fortschrittlich?"

Entsetzt schaute Anjol von seinem Stuhl hoch. Meinte der das ernst? Das war ja wohl eine Unverschämtheit. Gerade wollte er den Romulaner zurecht stutzen, doch Yhea unterbrach ihn mit einer herrischen Handbewegung.

"Bleib ruhig sitzen, ich bin noch nicht fertig mit dir", sagte der Romulaner und drückte Anjol mit einer Hand wieder zurück in den Sessel. "Also, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja bei dir." Schnell schritt er zurück zu seinem Platz, schnappte sich seinen Kaffeebecher und stellte sich dann wieder vor Anjol.

Mit einem breiten Grinsen sagte er: "Danke fürs Kaffee-Holen", und rückte dem total verdatterten Bajoraner die Tasse in die Hand. Brustend fing Yhea an zu lachen. "Du hättest dein Gesicht sehen sollen. Traumhaft. Zum totlachen!"

Hastig riss er dem immer noch dasitzenden Anjol seine Tasse aus der Hand und marschierte zum Replikator. Mit tränen in den Augen bestellte er sich einen neuen Kaffee und setzte sich dann wieder zurück auf seinen Platz. Seelenruhig trank er ein paar Schlucke, genoss den Anblick von Anjol und sagte das immer noch grinsend:

"Was war jetzt mit den Assen im Ärmel?"

Gelassen betrachtete Kuzhumo das Schauspiel, was ihm geboten wurde. Wäre es seine Art gewesen, hätte er mit dem Kopf geschüttelt, aber so wartete er einfach ab.

Was Yhea wohl noch nicht mitbekommen hatte, war das der Bajoraner solche Scherze nicht besonders lustig fand. Eine erstaunliche Leistung, da der Romulaner schon eine nicht unerhebliche Zeit an Bord war.

Aber das schien wieder nur so ein merkwürdiger Scherz des Ingenieurs zu sein. Wenn sein ganzes Volk diese Art von Humor besaß erschien einem die Mission der Venture nur noch mehr gerechtfertigt.......

Was erlaubte sich dieser grüne Wurm eigentlich? So lange sich dessen dämliche Spielchen in Grenzen hielten, war Anjol sicherlich der letzte, der sich beschwerte - immerhin war Yhea ein fähiger Ingenieur den die Venture dringend benötigte. Allerdings musste man seinem Chief auch vertrauen können...

Währenddessen saß der Japaner seelenruhig daneben und drehte mental Däumchen; eine Taktik die ihm sicherlich vergehen würde, wenn ER das Opfer des Romulaners war.

Brodelnd betrachtete Anjol die Verankerung des Tisches und die Tischplatte war nur auf den Rahmen der Füße aufgesetzt...

Drei Sekunden später lag Yheas Becher zertrümmert unter der scheppernd niedergehenden Tischplatte und die braune Flüssigkeit hatte sich über den Fußboden verteilt. Kuzhumo hatte immer noch keinen Millimeter seines Körpers gerührt und verfolgte das Geschehen scheinbar teilnahmslos.

Der Romulaner dagegen betrachtete die an den Boden fest vernieteten Tischbeine und dann den Bajoraner. Die Belustigung war aus seinem Gesicht größtenteils gewichen und seine Aufmerksamkeit galt nun einzig und allein Anjol.

"Pass auf, dass ich dich nicht mit dem Ärmel erwürge!", antwortete er mit einer sehr ernstgemeinten Drohung auf die Frage des Romulaners und zeigte mit seinem Finger auf den Kopf des Romulaners, "wir Bajoraner sind vielleicht zurückgeblieben, aber immerhin keine Spezies von ehrlosen Schlächtern!"

Ernst schaute Yhea vom zerstörten Kaffeebecher zu Anjol und wieder zurück. Er war zu weit gegangen. Eindeutig. Zur falschen Zeit den falschen Witz gemacht. In dieser angespannten Situation, in der sich die Venture gerade befand, war es klar, das alle ziemlich gereizt waren.

'Und du Trottel musstest es wieder übertreiben', dachte er schuldbewusst. Vorsichtig fischte er die Reste des heruntergefallenen Becher auf, stand auf und schritt zum Replikator. Jetzt brauchte er wirklich einen Kaffee. Am besten einen extra starken. Nachdem er das Gewünschte bekommen hatte, ließ er sich wieder auf seinen Sessel nieder und wollte gerade den Becher abstellen, als ihm wieder einfiel, was mit der Tischplatte passiert war. Und so blieb ihm nichts anderes übrig, als seinen Becher weiterhin fest zu halten.

Schweigend drehte er den Becher in der Hand hin und her und überlegte, wie er diese dämliche Situation beenden konnte. Denn drei schweigende Führungsoffiziere in einem Raum konnte ja nichts werden. Vor allem nervte ihn das gleichgültige Gesicht von dem Japaner. Vor dem konnte irgend ein grässliches Monster stehen und der zuckt noch nicht einmal mit der Augenbraue. Manchmal war er ihm richtig unheimlich.

Yhea versuchte diese störenden Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben um sich wieder auf das eigentliche Besprechungsthema zu konzentrieren. Und vor allem auf das Problem mit Anjol. Er konnte immer noch sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Und man konnte Anjol ansehen, wie er mit seiner Selbstbeherrschung kämpfte.

"Anjol, ich möchte mich entschuldigen. Ich habe wohl mit meinem Scherz ein wenig übertrieben. Es war nicht ernst gemeint. Aber ich kann verstehen, wenn du jetzt auf mich sauer bist. Das wäre ich an deiner Stelle auch. Aber trotzdem möchte ich dich bitten, meine Entschuldigung anzunehmen", sagte er und reichte Anjol seine Hand.

Misstrauisch betrachtete der Bajoraner die ihm hingestreckte Hand und drückte sie schließlich fest. Sie alle standen unter Stress und besonders Alnak hatte es an Bord nicht leicht. Im Kampf gegen sein eigenes Volk, ganz allein...

"Schon gut, ich habe wohl auch etwas überreagiert!", entgegnete er dem Romulaner und während er die verbeulte Tischplatte betrachtete, fing er an zu lachen, "das tun wir alle wohl manchmal. Außer Kuzhumo natürlich, der ist immer beherrscht, nicht wahr?"

Hisaki lächelte, ob der plötzlich entspannten Situation. Trotz der Schicksalsschläge in seinem Leben, behielt Anjol immer noch eine gewisse Unbeschwertheit, auch wenn sie nicht oft zum Vorschein kam.

"Das wäre zuviel der Ehre, aber vielen Dank", entgegnete der Japaner. Tatsächlich sah der Sensei fast allen Gefahren gelassen ins Auge. Es gab nicht viel, was ihn aus der Ruhe bringen konnte.

Wenn er aber die Beherrschung verlor hatte Kuzhumos Gegner nichts zu lachen. Aber dies passierte nur bei einem schreienden Unrecht.... genau dem, was Anjol vor nicht allzu langer Zeit auf der Ivory widerfahren war....

"Aber nun sollten wir doch wieder zum eigentlichen Thema zurückkommen. Denn wie der Weise sagt: Das Genie arbeitet in der Nacht, aber die wahre Erkenntnis ist nur dem wachen Geist zugänglich.", sprach Hisaki weiter.

Da in den Augen des Japaner die Besprechung drohte in einen toten Punkt hinein zu laufen, beschloss er etwas Anderes zur Sprache zu bringen, "Wo bleibt eigentlich Captain Mc Carthy? Ohne die Ergebnisse seiner Gespräche sind die meisten unserer Pläne rein hypothetisch und könnten uns in ernste Schwierigkeiten bringen."

Trotz seiner äußeren Gleichgültigkeit war das Fehlen gewisser Hintergrundinformationen ein stetes Risiko, was Kuzhumo absolut nicht gefiel.

Stardust Venture