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Venture 16 - McCarthys Alptraum

--- Transporterraum

Nachdem die Purna verschwunden war, trat ein Augenblick Stille im Raum ein, während die vier Bewerber Kai herausfordernd ansahen.

Der junge Mann versuchte sicher zu lächeln, immerhin war die neue Aufgabe immer noch sehr ungewöhnlich und herausfordernd für ihn. Aber die Weisheit seines Sensei dufte er natürlich nicht in Frage stellen.

"Nachdem dies erledigt ist, halte ich es für das Beste, wenn Sie alle mir zum Holodeck 2 folgen würden, um dort den Captain der Venture zu treffen", sagte er nach einem räuspernden Versuch, die Aufmerksamkeit zu erringen, und machte eine auffordernde Geste Richtung Tür.

--- Deck 5, Gang zum Turbolift

Schweigend folgte K'bal dem Terraner mit amerikanischem Akzent, der mit schnellen Schritten das Tempo vorgab. Er hatte offenbar nicht vor, mehr Zeit als nötig mit ihnen zu verbringen. Solange das Schiff noch am Andockring lag, schien hier eine Art Urlaubsstimmung zu herrschen.

Der Klingone war sich nicht sicher, ob er seinen Instinkten trauen konnte, aber er hatte schon beim ersten Kontakt mit diesem Victor eine Spur von Unsicherheit gewittert. Eine leichte Schweißnote, nervöse Handbewegungen: Es war wohl das erste Mal, dass er für dieses Empfangsritual abkommandiert wurde.

Auf der anderen Seite waren zwei kräftige Klingonen ja auch eine durchaus Respekt einflößende Erscheinung. Und mit seinen Instinkten war es seit seiner letzten Erkältung auch nicht mehr weit her.

--- Deck 5, Turbolift

"Computer, Deck 2. Holodecks."

Der Turbolift wartete, bis die komplette Gruppe um Victor und die Neuankömmlinge eingestiegen war. Dann setzte er sich geräuschlos in Bewegung.

Mit geradezu terranischer Neugier wandte sich K'bal den Konsolen zu. Nach kurzem Zögern stellte er die Frage, die ihn seit Betreten des Schiffes interessierte.

"Computer, findest du den brünetten Terraner in unserer Mitte attraktiv?"

Der Computer arbeitete eine Weile, bevor er antwortete. "Ungültiger Befehl. Eingabe wiederholen."

Erleichtert lehnte sich der Klingone zurück und schloss die Augen. Endlich wieder auf einem normalen Schiff.

Dass ihn alle anderen - und insbesondere Sam - ungläubig anstarrten, war ihm in dem Augenblick egal.

--- Deck 5, Gänge

Langsam ging Yhea den Gang entlang in Richtung Bar und hielt sich die Hand an den Bauch. Im war jetzt richtig übel. Aber es war ja nicht mehr weit bis zur Bar und wegen so was ließ er sich ja nicht unterkriegen. Doch desto näher er der Bar kam umso mehr zweifelte er daran, dass er es schaffte. Er ging jetzt schon ziemlich gebückt, eine Hand am Bauch, eine Hand vor dem Mund und nur den sehnlichen Wunsch vor Augen, endlich auf eine Toilette zu können. Doch dafür musste er erstmal zur Bar.

Mühsam kämpfte er sich um die nächste Biegung des Ganges und endlich konnte er die Eingangstür sehen. "Nicht mehr.. weit", stammelte er unter der vorgehaltenen Hand hervor. Doch plötzlich wurde ihm kurz schwarz vor Augen und er sackte in die Knie. Keuchend hing er da wie ein Häufchen Elend an der Schottwand. Er wusste nicht mehr weiter. Er konnte es nie bis zur Bar schaffen. Unmöglich. Eher würde er sterben als die letzten 20 Meter zu bewältigen.

Dann blieb ihm also nur noch Cailin. Gerade wollte er seinen Communicator aktivieren, da spürte er eine Hand auf seiner Schulter. Mühsam drehte er den Kopf und erkannte...

Er wollte es beinahe nicht glauben. Cailin. Wie ging das denn? Er hatte sie doch noch gar nicht gerufen. Aber das war ja jetzt egal. Sie war da und konnte ihm ja helfen. Gepresst sagte er "Übelkeit" und schaute die Ärztin hilflos an. Aber wahrscheinlich wusste sie das selbst. Er war wahrscheinlich so grün um die Nase, als hätte seine Haut die Farbe seines Blutes angenommen.

Cailin hatte gerade noch Zeit genug auszuweichen um dem Mageninhalt des Romulaners zu entgehen, der sich in einem vollen Schwall über den Boden unweit vor der Bar ergoss.

Die Ärztin runzelte die Stirn, als sie die bedenklich dunkelbraune Masse betrachtete, deren Koffeingehalt sicher die ganze Brückenbesatzung eine Nacht am Schlafen gehindert hätte, in der sie aber nichts von festerer Konsistenz entdecken konnte. Der Cheftechniker schien wieder mal völlig seine sonstigen Bedürfnisse vergessen zu haben.

Noch während sie in ihrem medizinischen Notfallsköfferchen, dass sie noch bei sich trug, ein Medikament gegen einen rebellischen Magen suchte und es Yhea verabreichte, betätigte sie ihren Communicator und setzte eine Meldung ab: "Fakaii an Reinigungspersonal. Hygienischer Notfall unweit der Bar. Bitte um rasche Beseitigung. Fakaii Ende."

Dann wies sie einen Mann an ihr zu helfen, der gerade ebenfalls um die Ecke bog und angesichts der Bescherung daran zu zweifeln schien, ob sich der Weg in die Bar für ihn überhaupt noch lohnte. Gemeinsam schafften sie Yhea außer Sichtweite des Bareingangs.

"Brauchen Sie mich noch M'am?", fragte sie der junge Fähnrich und sah besorgt und mit leicht blassem Gesicht zum Romulaner hinunter, der jetzt am Boden hockte. Die Ärztin, die neben ihm kniete, schüttelte den Kopf, während sie Yhea scannte, und so verließ er sie hastig in die Richtung, aus der er gekommen war.

"Yhea, was machst du nur für Sachen? Ich dachte mir, wir wären übereingekommen, dass so ein hoher und ständiger Koffeingenuss schädlich ist. Du hast mir versprochen dich zurückzuhalten und zumindest ordentliche Mahlzeiten zu dir zu nehmen." Die Purna seufzte leise, da der Romulaner in dieser Hinsicht einfach unverbesserlich war und wohl sogar gegen eine strikte Anweisung des Captains verstoßen hätte.

"Dein Blutdruck ist höher als gewöhnlich... was aber auch kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass Koffein eine steigernde Wirkung besitzt... ist aber dennoch selbst in Anbetracht dessen viel zu hoch... hmmm... kann es sein, dass du dich über jemand oder etwas ziemlich aufgeregt hast in letzter Zeit?" Fragend blickte sie ihn an und legte die Hand auf seine Stirn. Sie hatte festgestellt, dass diese Geste eine beruhigende Wirkung auf die meisten Personen darstellte, wenn sie auch vom medizinischen Standpunkt nichts brachte.

Mit einem Blick auf die Hose ihrer Uniform bemerkte die Purna erst jetzt, dass sie wohl doch nicht so schnell ausgewichen war, wie sie gedacht hatte.

Damit würde sie sich besser nicht in der Bar oder Krankenstation blicken lassen...

--- Turbolift

Der Terraner, über dessen Aussehen der Computer keine Aussage machen wollte, hatte sich nur kurze Zeit über den seltsamen Befehl des Klingonen gewundert. Wahrscheinlich sollte das ein Beispiel des manchmal sehr seltsamen klingonischen Humors sein - oder eine Provokation, weil es sich wahrscheinlich schon herumgesprochen hatte, wie Sams Holodeckabenteuer mit dem Avatar des Schiffscomputers damals auf der Ivory geendet hatte.

Er hatte etwas zu spät mitbekommen, dass der Computer dieser alten Schrottkiste irgendwann eine eigene Persönlichkeit entwickelt hatte. Mit dieser (übrigens sehr hübschen) visuellen Darstellung auf dem Holodeck hatte er ein paar sehr erotische Stunden verbracht, ehe die dargestellte Person aufgrund eines fehlerhaften Energieflusses kurzfristig instabil wurde.

Die Stimmung war danach nicht mehr ganz so erotisch gewesen, und die 'Beziehung' der beiden hatte verständlicherweise hinterher stark abgekühlt.

Sam überlegte noch, ob er lachen oder dem Klingonen eine reinhauen sollte, kam dann aber zu dem Schluss, dass es kein gutes Bild abgeben würde, wenn der künftige Chef-Irgendwas ein Besatzungsmitglied zusammenschlug.

Anderseits erwartete der Klingone vielleicht so etwas. Schließlich war er ein Klingone.

Die sich öffnende Tür des Turboliftes nahm ihm die Entscheidung aus der Hand.

--- Deck 2, Gänge

Sam folgte dem Menschen, der sich in diesem Irrgarten offenbar bestens auskannte, zum Holodeck. Unterwegs fragte er sich, in welcher Holosimulation der Captain gerade steckte. War es eine nüchterne Wissenschaftssimulation, spielte er in einem historischen Roman mit, oder rette er gerade als Superheld das Universum?

Als sie das Holodeck fast erreicht hatten, fragte er: "Sagen Sie einmal, wie heißt eigentlich Ihr Captain?"

Die sich öffnende Tür verschluckte Viktors Antwort.

--- Gänge, Deck 5

Peinlich berührt schaute Alnak von den braunen Spritzern auf Cailins Hose zu ihrem Gesicht hoch. Eigentlich wollte er sich für das, was passiert war, entschuldigen, doch trotz des Medikaments, das Cailin ihm verabreicht hatte, rumorte es immer noch fürchterlich in seiner Magengegend. Und er wollte nicht riskieren, noch mehr Flecken auf dem Gang oder schlimmer noch, auf Cailins Uniform zu hinterlassen.

Und deswegen beschränkte er sich darauf, ihr zuzunicken und dann langsam auf die Beine zu kommen. Doch es stellte sich schwerer vor, als er gedacht hatte. Denn seine Beine fühlten sich ziemlich wackelig an. So, als hätte ihm jemand sein Skelett geklaut. Nur mit Hilfe der Ärztin schaffte er es, nach mehreren Versuchen, wieder zum stehen zu kommen.

Und dann, von einer Sekunde auf die andere, war die Übelkeit weg. Er hatte zwar immer noch diesen ekligen Geschmack im Mund, doch sonst kam es ihm so vor, als wäre nichts gewesen. Verblüfft schaute er zu Cailin und fragte sich, was für ein Teufelszeug sie ihm da wohl verabreicht hatte. Aber egal, Hauptsache, es ging ihm wieder gut.

"Danke", sagte Yhea dann. "Gut, dass du in der Nähe warst. Ich glaube, ich hätte es sonst nicht überlebt."

Ein böser Blick von Cailin und Yhea fühlte sich sofort schuldig.

"Jaja, Ok, ich habe verstanden", sagte er dann leise. "Ich hab mal wieder zuviel Kaffee getrunken. Aber du kennst mich doch. Ich kann ohne nicht. Aber ich habe vorhin was gegessen…", versuchte er zu entschuldigen, doch ein weiterer Blick von Cailin brachte ihn zum Schweigen.

Yhea gab es auf. Er hatte ja sowieso keine Chance. Er war bei Ärzten immer so hilflos. Vor allem bei Cailin.

Deswegen meinte er nur noch: "Und nun, was machen wir jetzt"?

Da lächelte Cailin ihn schon wieder an und schien versöhnt zu sein, auch wenn der Cheftechniker Eigenarten an sich hatte, die seine Gesundheit auf Dauer schädigten, und er einfach nicht davon abzubringen war. Deshalb beließ sie es bei einer Verwarnung und schickte nicht auch noch eine Moralpredigt nach.

Fragend blickte sie in die Richtung, aus der sie gekommen waren und in der sich die Bar befand.

"Ich weiß nicht, ob das Reinigungsteam schon bei der Arbeit ist, denn ich fände es nicht gut, wenn du noch einmal mit dem Produkt deiner Übelkeit konfrontiert wirst", drückte sie sich um die direkte Wortwahl herum. "Trotzdem lautet mein Befehl als Arzt, dass du unbedingt etwas essen musst und zwar jetzt. Ich könnte nachsehen, ob der Weg schon frei ist...

Allerdings", und dabei guckte sie auf ihre Hose, "würde ich mich erst umziehen wollen, falls du auf meine Gesellschaft wert legst. - Wir könnten natürlich auch in meinem Quartier essen, wenn es dich nicht stört, dass es ein Dinner bei Kerzenschein ist. Du weißt ja, warum..."

Fragend blickte sie den Romulaner an und ihr kam dabei nicht annähernd in den Sinn, dass gerade eine Einladung zu solch einem intimen Dinner wohl bei einem Terraner einen gewissen Anlass zur Hoffnung ausgelöst hätte.

Mit einem kurzen Lächeln drehte er sich zu der Vogelfrau um und sagte: "Ich glaube, diese Sache mit dem Kerzenschein hört sich gut an. Vor allem dadurch, dass ich dann nicht diesen verrückten eCroft sehen muss. Es sei denn, du hast ihn als Privatkellner eingestellt."

Ein Schulterzucken von Cailin, und schon machten sich beide auf den Weg zu ihrem Quartier.

--- Holodeck 2

Ungeduldig auf das Chronometer schauend, fragte sich der Captain, wo die Neuen wohl blieben. Immerhin sollte ihr neuer Lieutenant Victor, laut Kuzhumos unüberhörbarer Meinung ein talentierter junger Offizier, sie hierher führen.

Ungewöhnlicherweise hatte der japanische Sicherheitschef sich kurzfristig entschuldigt, ein Umstand, der McCarthy mit jeder verstreichenden Minute fadenscheiniger vorkam, die er an dem improvisierten Treffpunkt wartete: Die sonst für derartige Zwecke benutzen Frachträume waren noch immer von den Reparaturteams in Beschlag genommen; außerdem konnte die Holotechnik bei Demonstrationen der vorhandenen Fähigkeiten vielleicht behilflich sein...

Gerade versuchte Charles, dem letzten Gedanken den entscheidenden Abschluss für eine sinnvolle Anwendung zu geben, als die große Tür zum Holodeck sich zischend öffnete und die Neuen endlich hereinkamen.

Seltsam, einer der Bewerber hatte erstaunliche Ähnlichkeit zu seinem nichtsnutzigen Neffen...

Sam hatte alles Mögliche erwartet, aber nicht ein deaktiviertes Holodeck, in dem der Captain stand und die neu ankommende Gruppe interessiert musterte. Besonders auf ihm blieb das Auge des Captains länger haften, und Fletcher fragte sich schon, ob dieser Captain so kompetent war, dass er in ihm die große Zukunft sah, die Sam zweifellos vor sich hatte.

Nachdem der Captain die Gruppe nicht begrüßte, es ihnen aber wohl auch nicht anstand, das Wort als erste zu ergreifen, blieb nur eine Person übrig, die nun die Vorstellung vornehmen musste, nämlich der Mann, der sie zum Captain geführt hatte.

Ein oder zwei peinliche Momente vergingen...

Warum kam ihm der Captain eigentlich so bekannt vor?

Während McCarthy die Gruppe oder vielmehr den so unwahrscheinlich vertraut ausschauenden jungen Mann musterte, vergaß er komplett die Vorstellung, bis Kai Victor sich schließlich leicht räusperte und den Captain so aus seinen Gedanken löse.

'Wäre ja auch ein Albtraum, wenn Samuel hier an Bord wäre!', dachte Charles innerlich kopfschüttelnd. Immerhin hatte dieser in seiner Jugend nichts Besseres zu tun gehabt, als an Richard, seinem opportunistischen Bruder, wie eine Klette zu hängen.

"Mister Victor", leicht nickte er dem Sicherheitler zu, "Ich begrüße Sie alle auf der Venture, einem unabhängig operierenden Schiff von Freiheitskämpfern. Mein Name ist Charles McCarthy, die Venture unterstand meinem Kommando schon bevor wir uns von der Sternenflotte lösten, die uns im Übrigen seit der Desertation jagt.

Unser Hauptgegner ist aber die romulanischen Besatzungsmacht, die diesen Sektor unter ihre Kontrolle zu bringen versucht, nachdem das Dominion zurückgedrängt wurde. Militärische und logistische Unterstützung ist somit unsere Hauptaufgabe. Ausführliche Daten werden Ihnen in Kürze zur Verfügung gestellt werden"

Die zustimmenden Reaktionen der Bewerber waren in ihren Gesichtern zu lesen, nur die Mine des jungen Mannes, der seinem Neffen so ähnelte, schien aufgewühlt, ja sogar schockiert zu sein:

"Sollten Fragen existieren, so beantworte ich diese gerne!"

--- Cailins Quartier

Als sie das Quartier betraten, fielen Yhea zuerst nur die beiden Kerzen auf, die den Raum nicht wirklich beleuchteten. Langsam schritt er durch die Tür und versuchte, seine Augen schnell an die veränderten Lichtverhältnisse anzupassen.

"Äh, Cailin", fragte er. "Soll ich schnell bescheid sagen wegen der Energie in deinem Quartier oder wie stellst du dir das mit dem Essen vor?"

Die Purna lächelte als Antwort nur geheimnisvoll und trat zu dem Replikator ihres Quartiers. Dort vergewisserte sie sich, dass Yhea auch wirklich zu ihr sah. "Ein Spezialglas romulanisches Ale und ein Glas Reiswein", formulierte Cailin ihren Wunsch und schon tauchte das Gewünschte im Replikator auf.

Auf das ungläubige Gesicht des Cheftechnikers hin meinte sie lachend, während sie das Tablett mit den Getränken zum Tisch brachte: "Diese kleinen Zauber habe ich Mister Isweda zu verdanken. Ich hoffe, das Geheimnis bleibt unter uns. Ich möchte nicht, dass er wegen mir Schwierigkeiten bekommt. Aber er ließ es sich nicht nehmen mich zumindest mit ein wenig Energie zu versorgen.

Eine gute Ärztin muss essen und trinken meinte er." Sie lachte und stellte das spiralförmige Glas vor Yhea. "Wohl bekomm's. Ich wusste nur nicht, was du essen möchtest, sonst hätte ich das gleich mitbestellt. Aber so ganz sicher bin ich mir nicht, was Romulaner... essen..."

Ihr leicht tadelnder Blick zeugte davon, dass sie es wohl nur noch nicht wusste, weil sie den Cheftechniker noch nie hatte essen sehen.

Damit Yhea nicht noch länger vom Essen aufgehalten wurde, wandte sich Cailin an ihren Kleiderschrank und entnahm ihm eine neue Uniform. "Ich denke, so würde dir in meiner Gesellschaft sicher nur das Essen vergehen, deshalb werde ich mich erst mal umziehen." Damit schritt sie mit der Uniform ins Bad und legte sie auf einen kleinen Hocker.

Ohne sich die Mühe zu machen die Tür hinter sich zu schließen, stieg sie aus ihrer alten Kleidung und ließ sie achtlos am Boden liegen, während sie zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit unter die Dusche stieg.

Schließlich war sie Ärztin und Purna. Zwei Tatsachen, die sie immer vergessen machten, dass Nacktheit weiblicher Personen zumindest für Nicht-Ferengis nicht gerade alltäglich war.

--- Holodeck 2

Sam war paralysiert. Seine Gedanken überschlugen sich.

Charles McCarthy? Doch nicht DER McCarthy? Der McCarthy, von dem Onkel Richard früher immer erzählt hatte, wenn er einmal zu Besuch kam?

Der McCarthy, der im Krieg so wichtige und hervorragende Schlachten geschlagen hatte, die Onkel Richard so spannend erzählen konnte?

Der McCarthy, den Onkel Richard am Ende so sehr beschimpfte, dass er kurz vor einem Herzinfarkt stand?

Der McCarthy, dessen Bild auf - und später in - Klein-Sams Nachttisch diesem Mann da drüben so verblüffend ähnlich sah?

Der McCarthy, dessen antike Ming-Vase Sam bei einem Besuch fast völlig wieder zusammengeklebt hatte? Lediglich der blaue Drache schielte seitdem, aber sonst...

Als seine Begleiter stumm blieben, reagierte er auf die obligatorische Frage nach mehr Informationen: "Onkel Richard hat mir gesagt, ich sollte dir schöne Grüße ausrichten, wenn ich dich einmal treffen sollte, und du sollst dich bei ihm nicht mehr blicken lassen, wenn du nicht hochkant ins nächste Gefängnis fliegen willst. Ansonsten ist es zu Hause eher ruhig, der blöde Nachbar beschuldigt uns immer noch, dass wir sein Luftauto sabotieren, dabei..."

Sam unterbrach sich, weil der Captain ihn recht...seltsam anschaute.

Charles atmete tief ein und aus.

Dann noch einmal.

Und noch mal.

Aber es brachte nichts! Der böse Geist, der vor ihm stand kehrte nicht in die Ecken seines eigenen Gehirns zurück, blieb vor ihm stehen und erwartete ohne Zweifel eine Antwort von ihm.

"Wie schön!", gab er gepresst zurück, während er an den armen Sanders dachte, dessen Haus mehr als einmal von einem gewissen spielenden Nachbarsjungen verwüstet worden war, "und damit Onkel Richard mich vor ein Gericht stellen kann, müsste er erstmal seinen fetten Leib herbewegen statt dem Oberkommando Zucker in den Hintern zu pusten!"

Während Kai und die anderen Bewerber ihn restlos verblüfft anstarrten, beruhigte er sich wieder und versuchte eine neutrale Mine zu ziehen:

"Eigentlich hatte ich auch eher an Fragen gedacht, die der Arbeit hier an Bord gelten. Private Plaudereien können wir sicher", Charles räusperte sich leicht", "irgendwann mal führen..."

'Aber bevor das geschieht, hat Richard mich eingebuchtet!'

Verdattert schaute Kai zwischen Sam und dem Captain hin und her. Waren die wirklich verwandt? Wie groß konnte die Wahrscheinlichkeit in einem so riesigen, UNENDLICHEN, Universum sein? Verblüfft öffnete und schloss der frischgebackene Adjutant seinen Mund, bevor er die peinliche Stille durchbrach.

"Ähm...", fing Kai an, während er nach Worten suchte, "da scheinbar niemand weitere Fragen zu haben scheint, stelle ich Sie erst einmal vor." Besonders clever mochte diese Eröffnung nicht wirken, aber wenigstens verschaffte es dem Captain Zeit sich wieder voll zu fangen.

"Von links nach rechts: K'bal, er ist Pilot, Tex, zuletzt in der Sicherheit tätig und Ms Jordan Kincaid. Sie scheint bestens als Krankenschwester qualifiziert und hat auch schon Ms Fakaii kennen gelernt", der Amerikaner hoffte, das es nicht zu dick aufgetragen war, aber er wusste keinen besseren Weg die Beobachtung in dem Transporterraum zu verarbeiten, "und dann noch Sam Fletcher..."

Victor hoffte, dass McCarthy sich wieder weit genug gefangen hatte. Denn wofür Sam gut sein sollte, würde wahrscheinlich er am besten wissen...

Bevor Sam antworten und in den nächsten zehn Minuten nicht wieder verstummen würde, ergriff McCarthy das Wort und unterstrich das Gesagte durch ein ernstes Gesicht: "Sam wird natürlich eine Schlüsselposition einnehmen, flexibel an Krisenherden eingesetzt werden und sich in vielfachen Bereichen bewähren"

Zwar fiel Charles spontan nur eine Arbeit ein, die er Sam zugetraut hätte, nämlich das Bewachen einer nie benutzten Tür im untersten Deck des Schiffes, aber vielleicht erwies sein Neffe sich ja doch als ganz nützlich, konnte zur Schonung des Frachttransporters ein paar Kisten schleppen!

"Da wir zur Zeit noch Reparaturarbeiten vornehmen, was noch einige Tage dauern kann, werden die praktischen Bewerbungstests bis dahin verschoben und Sie können sich ausruhen oder etwas an Bord der Venture umsehen", schloss er.

Vielleicht würden sich nach dieser Pause auch gewisse Halluzinationen auflösen, die bösen Geister im Weltraum verschwinden...

--- Cailins Quartier

Yhea hatte der Ärztin hinterher geschaut, bis sie im Bad verschwunden war. Dann hatte er einen Schluck von dem vorzüglichen Ale probiert. Es kam ihm so vor, als würde es anders schmecken als das Ale, was die Replikatoren sonst so ausspuckten. Nun gut, vielleicht lag es an der Örtlichkeit oder an was auch immer. Jedenfalls fiel ihm plötzlich ein Bild auf, welches in der Staffelei stand. Langsam näherte er sich dem Bild und blieb angewurzelt stehen.

Es dauerte fast eine halbe Minute, bis er wieder fähig war, sich zu bewegen. Und immer noch konnte er es nicht glauben. Das was er da sah, sah fast genau so aus wie die Bilder, die seine Frau früher immer gemacht hatte. Und damals fand Yhea sie schon unbeschreiblich schön. Doch jetzt...

Mühsam versuchte Yhea, die Tränen zurück zu halten, die ihm aus den Augen quollen und sein Gesicht herunter liefen, doch er konnte nichts machen. Es hatte es lange geschafft, diese Erinnerungen zu verdrängen, doch nun traten sie mit einem mal wieder hervor. Alles nur ausgelöst durch dieses eine Bild.

Mit einem Mal drehte er sich weg, versuchte seinen Blick auf die draußen vorbeieilenden Sterne zu konzentrieren und wischte sich mit der freien Hand die Tränen weg. Er wollte nicht, dass nach der Aktion draußen im Gang Cailin jetzt auch das noch mitbekam.

Gerade hatte er die letzte Träne weggewischt, da kam sie auch schon aus dem Bad zurück, inklusive neuer Uniform.

"Na, das ging ja schnell", sagte Yhea und setzte ein Grinsen auf.

"Nun, ich hab versucht so schnell wie möglich wieder bei dir zu sein, damit du endlich zu deinem Essen kommst. Meine Medizin kann zwar kleine Wunder wirken, aber essen muss man trotzdem noch immer selbst." Trotz ihres unbekümmerten Auftretens hatte sie Yhea eingehend gemustert, da ihr seine Gesundheit doch Sorgen bereitete und dabei kam es ihr vor, als wäre er ein wenig bekümmert.

Um ihn abzulenken, trat sie schon mal zum Replikator und deutete beiläufig auf das Bild auf der Staffelei: "Hast du es dir schon einmal angesehen? Es ist zwar nichts Besonders und man kann es wohl kaum als Kunst bezeichnen, doch ich glaube, es ist recht gut geworden. Zumindest kann ich mich darin... spüren."

Unsicher, wie sie ihr Gefühl beschreiben sollte, zuckte sie die Schultern und drehte sich dann zum Replikator um: "Was darf es denn sein, Yhea? Ein kräftiges Steak mit Kartoffeln und Gemüse oder schwebt dir etwas Bestimmtest vor?"

Schnell warf er einen kurzen Blick auf das Bild und sagte dann: "Ja doch, schönes Bild. Tolle Farben." Wieder spürte er die Erinnerungen hochkommen, deswegen konzentrierte er sich schnell auf die Frage wegen dem Essen.

"Äh, ich weiß nicht. Was würdest du mir denn empfehlen? Also ich esse eigentlich fast alles", sagte er und hatte dabei das Wort fast schon etwas zu viel betont. Denn er musste an das Fleisch zurückdenken, welches Anjol in der Bar gegessen hatte. Er war sich immer noch nicht sicher, ob es ein Scherz von eCroft gewesen war oder sein voller Ernst.

Egal, hier hatte er es ja mit Cailin zu tun und da brauchte er sich keine Sorgen zu machen.

"Such du für mich was aus", meinte er.

--- Holodeck 2

Erneut entstand eine kurze Pause, in der die drei restlichen Bewerber Sam und seinem Onkel ganz unterschiedliche Blicke zuwarfen, die zwischen Überraschung, Verwirrung und Entsetzen schwankten.

Schlüsselposition??

Vielleicht sollten sie sich doch nach einem anderen Job umsehen...

Jordan durchbrach schließlich das Schweigen, als sie sich räusperte. "Ihre Gastfreundschaft ehrt uns, Captain. Sicher werden wir uns bis dahin irgendwie nützlich machen können. Wo können wir uns ein Quartier zuweisen lassen?"

Ihre Art war es ja nun für gewöhnlich eher, schweigend zu lauschen und den Dingen zu harren, die da kommen mochten. Doch ein Blick auf Tex, dessen Grimasse sie nicht als Lachen oder Knurren zu deuten vermochte, hatte ihr gesagt, dass diese Situation schnell überbrückt werden wollte.

"Und dürfen wir uns frei auf dem Schiff bewegen?"

"Mister Victor wird Sie auf der Venture einweisen, Ihnen Ihre Quartiere zuordnen und gegebenenfalls bei weiteren Fragen als Ihr direkter Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Alle nicht speziell gesicherten Bereiche können Sie aufsuchen. Falls Sie den Maschinenraum oder die Brücke besichtigen wollen, melden Sie dies bitte ebenfalls bei Lieutenant Victor an", antwortete McCarthy auf die Frage der eher kleinen Frau.

"Wenn sie mir dann bitte folgen wollen", kommentierte Kai die Anwesenden höflich hinaus auf den Gang, während er dem Captain noch einen leicht fragenden Blick zuwarf. Dieser schüttelte nur kaum merklich den Kopf und entließ den jungen Lieutenant.

--- Cailins Quartier

Die Ärztin tat wie ihr geheißen und kam schließlich mit zwei gut gefüllten Tellern zurück.

Das saftige Fleisch über das sich eine dunkelbraune Sauce ergoss und der aromatisch duftende Reis mit Gemüse, der in zwei Halbkugeln daneben angerichtet war, verströmte einen sehr appetitanregenden Geruch und ein leises Magenknurren meldete das Interesse von Yhea.

Entweder sein Magen zeigte ihm lautstark was er bisher versäumt hatte, oder er verlangte nach seiner üblichen Portion Koffein. Letzteres würde er aber zumindest hier in Cailins Quartier nicht vorgesetzt bekommen.

Nachdenklich setzte sich Cailin zu Tisch und begann im flackernden Schein der Kerzen zu essen. Dabei fiel ihr wieder ein, weswegen sie auf ihr Essen in der Bar hatte verzichten müssen.

"Yhea, wusstest du eigentlich, dass wir scheinbar wieder neue Leute in die Mannschaft aufnehmen? Zumindest vier Leute sind heute an Bord gekommen. Wahrscheinlich hat Anjol sie geschickt...

Eine terranische Krankenschwester, zwei Klingonen und ein Terraner. Leider weiß ich nicht für welche Posten sie beim Captain vorsprechen wollten. Ich habe nicht darauf geachtet, weil ich eigentlich noch eine Kleinigkeit essen wollte, bevor ich wieder meinen Dienst aufnehme und für eine Untersuchung extra auf meine Mahlzeit verzichtet habe.

Ich hoffe, dieser Jones hat keine Dummheiten angestellt. Er hat so eine seltsame Art. Vielleicht täusche ich mich auch", sinnierte Cailin nach und entschuldigte sich dann bei ihrem Gegenüber. "Tut mir leid, wahrscheinlich langweile ich dich, aber in meinem Beruf komme ich nur dazu mit andern über Krankheiten oder ihre Gesundheit zu reden, da greift man zu, wenn sich die Möglichkeit bietet über etwas anderes zu reden."

Leise seufzend schob sich Cailin einen Löffel Reis in den Mund. Sie war gerne Ärztin, dennoch füllte sie dieser Beruf nicht wirklich aus. Ihr Hauptaugenmerk musste immer auf der körperlichen Gesundheit der Menschen liegen, auf wenn die geistige sie oft mehr beschäftigte.

Wie gerne wäre sie auch in dieser Hinsicht tätig, aber irgendwie reichte es nur ihren Platz auf der Krankenstation zu füllen und da hatte sie alle Hände voll zu tun, wie die Dinge oft standen.

"Hey, kein Problem", sagte Yhea und steckte sich eine weitere Gabel, gefüllt mit Reis in den Mund. "Mir passiert das auch ziemlich oft. Vor allem, wenn sich jemand für das Thema interessiert. Aber mich stört es nicht."

Freundlich lächelte er Cailin an und aß weiter. "Übrigens, das Essen ist vorzüglich. Ich habe schon lange nicht mehr so gut gegessen. Mindestens nicht mehr seit..." Yhea verstummte. Schnell schloss er die Augen und verdrängte die aufkommenden Erinnerungen. Stattdessen aß er hastig weiter und versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen.

"Sag mal Cailin, diese Neuen, sind die vom Maquisplaneten hier her gekommen? Oder waren die auf einem anderen Schiff."

Yheas seltsames Abbrechen mitten im Satz machte Cailin nachdenklich. Er war mehr als nur bekümmert und wirkte, als würde ihn etwas bedrücken, aber er schien sich die größte Mühe geben es zu verbergen.

Nein, noch schlimmer. Als würde er etwas unterdrücken und zu verdrängen versuchen. Etwas, das aber nicht verdrängt werden sollte.

Dennoch antwortete sie auf Yheas Frage und ging auf diesen raschen Themenwechsel ein: "Soviel sie erzählt haben, hat ihr Captain sie auf diesem Maquisstützpunkt abgesetzt, weil er ständig seine Crew austauscht. Hört sich sehr nach Mister Monserat an, aber der würde sie sicherlich hier nicht einfach aussetzen..."

Cailins Hand ließ die bereits erhobene Gabel sinken und griff dann spontan nach Yheas Hand um sie sanft in der ihren festzuhalten. Mit einem erschrockenen und irritierten Blick sah er sie an.

"Du verschweigst mir doch etwas. Irgendetwas bedrückt dich doch. Das spüre ich ganz deutlich. Und ich weiß aus Erfahrung, dass es nicht gut ist, wenn man etwas in sich einschließt und nicht darüber spricht. Du kannst mir doch vertrauen... und das weißt du...", meinte sie zuversichtlich und drückte leicht seine Hand dabei.

"Immerhin hab ich dir schon einmal das Leben gerettet und ich würde nichts tun, was dich verletzt."

Schnell, vielleicht etwas zu schnell, zog Yhea seine Hand weg und griff nach seinem Glas Ale. Er fühlte sich ertappt. Ja genau, ertappt war das richtige Wort. Doch was sollte er jetzt machen? Er konnte Cailin doch nicht davon erzählen. Es ging einfach nicht. Dafür waren die Wunden zu frisch, die Erinnerungen zu stark. Er konnte nichts sagen. Er musste selber damit klar kommen.

Um nicht noch weiter aufzufallen, aß er langsam weiter und sagte dann: "Es ist nichts. Ich habe in letzter Zeit wohl zu viel gearbeitet. Und dann diese Sache mit dem Asteroiden... . Es wird schon wieder. Nur ein paar Tage etwas Ruhe und alles ist wieder in Ordnung."

Freundlich lächelte er Cailin an und hoffte, sie würde nicht weiter fragen. Denn er wusste nicht, was er dann machen sollte. Er hatte sich noch niemanden anvertraut. Und so sollte es seiner Meinung auch bleiben. Für immer.

--- Deck 3, Gänge

Sie waren noch nicht weit gekommen, als der Amerikaner wieder das Wort ergriff. Zwar war er immer noch leicht verwirrt, wegen des plötzlich auftauchenden Verwandtschaftsbesuches, aber zum GLÜCK war es nicht seine Verwandtschaft.

Obwohl er eigentlich auch froh wäre seine eigene wenigstens einmal zu sehen....

Schnell verdrängte er die kurz aufblitzenden dunklen Erinnerungen an sein Elternhaus, als er sprach, "Wir begeben uns jetzt zuerst in den Ausrüstungsraum. Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, haben wir auf diesem Schiff die Uniformen beibehalten. Zwar steht es jedem frei sie zu tragen oder nicht, aber wir würden es begrüßen, wenn Sie sich in diesem Punkt anpassen würden.

Auch gehören Sie noch nicht offiziell zur Mannschaft, aber auf diesem Schiff passiert sehr viel, sehr schnell und eine Uniform und ein Kommunikator erleichtern doch vieles. So würden Sie zum Beispiel bei Schwierigkeiten auch nicht sofort als Teil der Entermannschaft eines anderen Schiffes identifiziert...."

Den letzten Teil ließ der Lieutenant bewusst offen, um jedem die Konsequenzen vor Augen zu halten, die bei nervösen Abzugsfingern durchaus in Betracht gezogen werden mussten. Schließlich stand die Crew dieses Schiffes, ständig von allen gejagt, unter einer absoluten nervlichen Dauerbelastung.

--- Cailins Quartier

Auch Cailin zog ihre Hand zurück, als ob sie sich an etwas verbrannt hätte, und das hatte sie im Grunde auch. So fühlte es sich zumindest in ihrem Innersten an, wo sie Yheas Reaktion wie ein Schlag ins Gesicht getroffen hatte.

"Es tut mir leid, ich wollte dich zu nichts drängen. Aber ich vergesse immer wieder, dass sich hier niemand wie ein Purna verhält." Sie wischte sich den Mund an einer Serviette an, legte sie sorgsam neben ihrem noch immer halb vollen Teller und schob ihn von sich weg. Irgendwie hatte sich ihr Heißhunger gelegt und sie hatte kein Bedürfnis mehr etwas zu sich zu nehmen.

"Unser Volk, zumindest jeder Schwarm unter sich, hat ein Gemeinschaftsgefühl, dass jeder jedem hilft so gut er kann und er kann sich auch jederzeit darauf verlassen, dass ihm wiederum geholfen wird, sollte er Hilfe benötigen. Egal ob es sich um den medizinischen Bereich oder einfach nur einen Rat handelt. Aber selbst Ärzte scheinen hier trotz ihres Schweigegelöbnisses kein solches Vertrauensverhältnis zu genießen und ich stoße immer auf Barrieren...

Tut mir leid, ich bin zu weit gegangen", murmelte Cailin noch einmal eine Entschuldigung und stand dann auf um ihr Tablett zu nehmen und es im Replikator wieder zu der Energie zu machen aus der es auf wundersame Art und Weise entstanden war.

"Iss bitte ruhig weiter, ich wollte dir nicht den Appetit verderben. Denn es ist sehr wichtig, dass du etwas zu dir nimmst. Ohne Nahrung ist die Medizin machtlos... aber das sagte ich ja bereits..." Sie ging ohne ihm noch einmal ins Gesicht zu blicken zum Replikator.

Die Purna musste einfach weg von Yhea. Irgendwie hatte sie den Eindruck gehabt, dass ihre letzten gemeinsamen Erlebnisse sie zu Freunden gemacht hatten, doch es war nichts weiter als ein neues Trugbild gewesen.

Sie war noch immer die Fremde, als die sie auf die Venture gekommen war. Nur hatte sie inzwischen auch ihre einzig wirkliche Freundin hier verloren. Catriona. Ohne sie fiel es ihr schwer andere zu begreifen und zu verstehen. Ihre Mentalität und ihre Neigung, Probleme in sich einzuschließen, statt über sie zu sprechen...

Wortlos sah sie zu wie die Nahrung samt Geschirr sich vor ihren Augen auflöste.

Betroffen schaute Yhea hinter Cailin her, wie sie zum Replikator schritt. Das wollte er nicht. Er hatte nicht beabsichtig, dass Cailin jetzt böse, sauer, oder was auch immer auf sich war oder auf ihn. Er hatte die Kontrolle verloren. Über sich selbst, aber auch über diese Situation. Und das war nicht seine Absicht gewesen.

Schnell stand er auf und ging zu Cailin. Bei ihr angekommen legte er ihr die Hand auf die Schulter und sagte dann vorsichtig: "Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht kränken oder so. Und du bist auch an nichts schuld oder hast irgendetwas falsch gemacht. Der einzige, der sich falsch benommen hat, bin ich. Und deswegen möchte ich mich bei dir entschuldigen."

Langsam streckte er ihr seine Hand hin und schaute sie hoffnungsvoll an. Doch Cailin reagierte zuerst nicht. Anscheinend war sie ziemlich in Gedanken versunken und Yhea versuchte zu erklären.

"Ich kann dir noch nicht sagen, was mich bedrückt. Ich muss erst selber damit klar kommen, bevor ich ... ja bevor...", weiter kam Yhea nicht. Eine Träne nach der anderen lief über sein Gesicht und fand seinen Weg auf seine bisher noch saubere Uniform.

Doch er versuchte nicht, sie zu verdrängen. Er ließ sie gewähren, ließ sie ihren eigenen Weg gehen. Jetzt musste es raus. Er konnte und wollte es nicht weiter zurückhalten. Nie wieder....

Statt seine Hand zu ergreifen und einfach nur seine Entschuldigung anzunehmen, schloss Cailin Yhea einfach in die Arme und strich tröstend und beruhigend über seinen Rücken. Er wehrte sich nicht gegen diese Geste, vielleicht weil er wusste, dass Cailin es nicht zugelassen hätte.

Wenn ihm auch die Kraft fehlen mochte sich ihr anzuvertrauen, aber zumindest hatte sie etwas erreicht, das den Damm in ihm gebrochen hatte und er ließ seinen Kummer nach oben ohne ihn länger zu unterdrücken und den Schein zu wahren. Und das war mehr, als sie schon erwartet hatte.

"Das ist gut. Das ist sehr gut. Lass den Schmerz aus dir heraus. Du wirst sehen, danach geht es dir besser und du fühlst dich erleichtert. Wir alle erfahren von Zeit zu Zeit schlimme Schicksalsschläge, doch sie vergehen nicht, auch wenn man sie verdrängt und es sich einzureden versucht. Alles, was man tun kann, ist sich seinen Emotionen zu stellen und sie auszuleben. Das sprengt die Fessel, die sonst dein Herz einschließen wird."

Es machte Cailin glücklich, dass Yhea ihr doch so sehr vertraute, dass er sich in ihrer Gegenwart gehen ließ und sie begriff das erste Mal, was es mit seinem Problem auf sich haben musste. Es musste bei weitem größer und gewaltiger sein, als sie angenommen hatte. Nicht umsonst wurde der sonst so besonnene und um keine Antwort verlegene Romulaner so weich.

"Denke an deinen Schicksalsschlag und beweine ihn. Mit jeder Träne wird er mehr zu einem Stück unabänderbarer Vergangenheit und du wirst lernen ihn zu akzeptieren und damit zu leben. Denn wenn du das nicht tust, wirst du versuchen dein Leben so auszurichten, dass dir nie wieder ein solcher Schmerz erfährt oder du wirst die schöne Seite, die jede schwere Stunde in sich trägt, vergessen und dein Leben wird um sie ärmer."

Cailin verstummte. Sie hatte genug gesagt, das jetzt Zeit haben sollte in Yhea zu wirken. Sie würde ihn nicht wieder zu etwas drängen und war sich nun sicher, dass er zu ihr kommen würde, wenn er mit jemand darüber sprechen wollte.

Aber das hatte Zeit. Viel Zeit...

--- Ausrüstungsraum

Schließlich erreichten Kai und die Neuankömmlinge den Ausrüstungsraum, wo sich jeder, einer nach dem anderen, einem Scan unterzog, um die typisch perfekt angepasste Starfleet-Uniform verpasst zu bekommen.

Mit geübten Fingern gab der Adjutant des Sicherheitschefs die Daten ein und zog gleichzeitig ein Satz Communicatoren aus einer Schublade hervor, die er auf die jeweiligen Namen justierte. Damit fertig gab er noch die Farben für die jeweilige Uniform ein, wobei er kurz ins Stocken geriet.

Welche Farbe sollte Fletcher bekommen? Was konnte der eigentlich?

Nach kurzem Grübeln tippte er auf Rot, damit der Neffe des Captains nicht sofort protestieren würde, wenn er eine andere Uniform bekam. Zweifelsohne stand Kai ein zukünftiger Admiral gegenüber. Auch wenn keine Flotte des Universums davon wusste.

Als er mit dem Replikator fertig war legte er die Geräte auf die jeweiligen Uniformen. "Hier haben sie ihre neuen Uniformen und Communicatoren. Ihr Rang zeichnet sie vorerst als Crewman aus. Das heißt soviel wie: Machen Sie bitte Platz wenn Ihnen jemand entgegen kommt."

Innerlich seufzte Kai tief aus. Tatsächlich meisterte er seine Aufgabe gut. Der Sensei hatte recht gehabt. Man wuchs tatsächlich mit seinen Herausforderungen. Schnell überlegte er sein weiteres Vorgehen, während die Anwesenden nach ihren Sachen griffen.

"Wer möchte, kann die Uniformen in den Umkleidekabinen dort", der Amerikaner zeigte auf eine hintere Ecke des Raumes, "anziehen und dann in den Briefing-Raum hinter mir erscheinen. Während Sie sich umziehen, werde ich mich um die Zimmervergabe kümmern. Bis gleich."

--- Holodeck 2

Nachdem die Türen des Holodecks sich geschlossen hatten und keine Gefahr mehr bestand, dass dieser - dem Captain fehlten die Worte, ein Umstand, der nur selten eintrat - Kerl ihn weiter aufregen konnte!

Innerlich zählte er bis zehn, öffnete dann die Augen wieder und setzte ein souveränes Lächeln auf. McCarthy hoffte wenigstens, dass es so wirkte, denn eigentlich fühlte er sich immer noch, als wenn ein Bandwurm seine Gedärme von innen zu zerfressen drohte.

Und, so überlegte er sich dann genauer, verhielt es sich ja auch!

"McCarthy an Kuzhumo, bereiten Sie Ihre Männer darauf vor, das Schiff vor der größten Bedrohung im Quadranten zu beschützen: Meinem Neffen Sam! Aber er soll nichts davon merken", befahl er dem Sicherheitschef, obwohl er genau wusste, dass dies ein sinnloses Unterfangen war, während der Japaner mit stoischer Ruhe bestätigte.

Mit schnellem Schritt verließ er den Ort der schicksalhaften Begegnung, flehend und hoffend, dass auf der Brücke nicht seine Großtante Martha warten würde...

--- Cailins Quartier

Es dauerte mehrere Minuten, bis sich Yhea soweit beruhigt hatte, dass er sich langsam aus Cailins Umarmung befreien konnte. Schnell wischte er sich dann durchs Gesicht, um die größten Spuren seines Gefühlsausbruches zu beseitigen. Dann holte er sich aus dem Replikator ein Taschentuch und schnäuzte sich ausgiebig. Erst dann sprach er Cailin an.

"Danke. Ich glaube, das war mal nötig. Aber nun habe ich schon wieder deine Uniform versaut", sagte er und zeigte auf die nasse Stelle an ihrer Schulter. Dabei huschte ein kleines Lächeln über sein Gesicht. Aber er vermied es, mit seinem Vollgeschnäuzten Taschentuch an Cailin herum zu wischen. Das wäre dann wahrscheinlich die Spitze des peinlichen Eisbergs.

Deswegen drehte er sich um und zeigte auf den Tisch. "Wie wäre es, wir holen uns noch einen leckeren Nachtisch und noch was zu trinken und beenden unser Dinner. Was denkst du?"

Es war Yhea sicher etwas peinlich sich gehengelassen zu haben, deshalb wollte ihn Cailin so gut wie möglich darin unterstützen wieder ruhig zu werden und sich in der Gegenwart einzufinden.

Schließlich würde er, wie sie ihn kannte, bald wieder bis zu den Ellbogen in irgendwelcher Technikinnereien herumkramen und nicht eher ruhen bis die technischen Probleme der Venture behoben waren. Und da hatte er noch allerhand vor sich.

"Ein kleiner Nachtisch ist immer gut", meinte sie schelmisch zwinkernd und bestellte etwas mit händischer Eingabe beim Replikator, während sie den Cheftechniker wieder an seinen Platz scheuchte. Immerhin sollte die Moccatorte mit Schlagsahne eine Überraschung für den Romulaner werden.

Mit Yheas Moccatorte und einem Stück Reisauflauf auf bajoranische Art kam sie zurück zum Tisch und stellte beides darauf. Während sie ihm gegenüber Platz nahm sah sie ihn lächelnd an und meinte: "Dieses Rezept muss von einem dir sehr verwandten Wesen stammen. Ich hoffe, es schmeckt dir."

Dankend nickte Yhea der Vogelfrau zu und machte sich dann über den Kuchen her. Er hielt erst inne, als er die Torte bis zum letzten Krümel aufgegessen hatte. Dann lehnte er sich in seinem Stuhl zurück und strich sich mit der Hand über seinen Bauch.

"Hmm, das war das beste Essen, was ich seid langer Zeit gegessen habe. Ich glaube, ich muss häufiger zu dir kommen", meinte er grinsend, während er mit der Gabel versuchte, ein paar entkommene Krümel aufzusammeln.

"So, jetzt brauch ich aber zum Abschluss noch was zum trinken. Du auch?", fragte er und erhob sich.

--- Ausrüstungsraum

"Nun, dann wollen wir mal. Ich jedenfalls will nicht versehentlich erschossen werden", meldete sich Jordan zu Wort, warf ihren drei Begleitern ihr sparsames Lächeln zu und schritt auf die nächstgelegene Kabine zu.

--- Ausrüstungsraum, Umkleidekabine 2

Dort angekommen leerte die Krankenschwester ihre Taschen und deponierte den Inhalt neben ihren wenigen Mitbringseln auf einer Armatur, ohne auch nur einen Blick in den komfortablen Wandspiegel zu werfen.

Zögernd entfaltete sie die Uniform. Fast andächtig ließ sie den anschmiegsamen synthetischen Stoff durch ihre Finger gleiten, ein identitätsloses Allzweckmaterial, dafür gemacht, jeden Humanoiden ungeachtet seiner Herkunft unter jeder Bedingung zu kleiden und ihn nebenbei im Einheitsbrei des Militärs untergehen zu lassen. Ein völlig unscheinbares Kleidungsstück, das dennoch eine Vielzahl von Erinnerungen beinahe schmerzhaft in ihr aufsteigen ließ.

Der Ausrüstungsraum mit seinen engen Kabinen, in dem sie vor über zehn Jahren ihre erste Uniform übergestreift hatte, damals von gewissem Stolz über das Kadettenabzeichen darauf erfüllt, hatte praktisch genauso ausgesehen wie dieser, und es war fast, als habe sie ihre Karriere und ihr klägliches Ende nur geträumt, als stünde sie noch immer dort und warte auf
ihren ersten, aufregenden Feldeinsatz.

Der Eindruck ließ eine ungewisse, völlig irrationale Hoffnung in Jordan aufsteigen, doch ein Poltern in der Nachbarkabine riss sie zurück in die Realität. Einen leisen Fluch über närrische Kindereien vor sich hinmurmelnd entledigte sie sich ihrer alten Sachen und zog die Uniform so energisch an, als hinge irgendetwas davon ab.

Sie befestigte den Communicator, ohne hinsehen zu müssen, faltete ihre Zivilkleidung ordentlich zusammen und wollte zu den anderen zurückkehren, als ihr Blick doch noch an ihrem Spiegelbild hängen blieb. Erstarrt sah sie die vertraute Erscheinung an, und ein überwältigendes Deja Vue überkam sie. Eine beherrschte, Kompetenz ausstrahlende Sternenflottenoffizierin starrte ihr entgegen. Von den Rangpins einmal abgesehen...

Sekunden vergingen, bis sie sich kopfschüttelnd zusammenriss, die Schultern straffte und die Kabine verließ.

--- Umkleidekabine 3

Rot.

Sam liebte Rot.

Wir Jordan schon gesagt hatte, wollte auch er nicht aus Versehen erschossen werden, und eine rote, leuchtende, gut sichtbare Uniform schien ihm den besten Schutz davor zu bieten. [NRPG: SCNR]

Die Brust schien ihm zu explodieren, als er sich zum ersten Mal in dieser Uniform im Spiegel sah. Der Stoff lag hauteng an, betonte zwar nicht seinen muskulösen Körper übermäßig, aber er gefiel sich.

Nachdem er sich eine Weile im Spiegel betrachtet hatte, wusste er, was noch fehlte: Sein Onkel hatte so schöne glänzende Knöpfe am Kragen getragen. Er würde einen der Lakaien hier noch fragen müssen, wo man sie bekam.

Noch einmal tief einatmend ging er in den Ausrüstungsraum zurück.

--- Umkleidekabine 5

Blau.

Die schlimmste aller verachtenswerten Farben des Universums hatten die Narren für ihre Uniformen gewählt. Blau, die Farbe des Wassers. Blau, die Farbe des Heimatplaneten dieser unerträglich arroganten menschlichen Spezies.

Angewidert warf K'bal die Uniform, die der Terraner ihm wortlos angeboten hatte, auf den Boden. Mit Zorn in den Augen starrte er auf die Wand seiner Umkleidekabine. Nicht, dass es dort irgendetwas Interessantes zu sehen gegeben hätte. Ihm gefiel einfach die Pose.

War dies der Grund, weshalb er unter Einsatz seines Lebens von Qo'nos geflohen war? Hatte er sich deshalb geweigert, die Uniform der klingonischen Krieger zu tragen - um jetzt in einer Föderationsuniform den Tod zu finden?

Mit einem spöttischen Grinsen dachte er an die Worte des Sicherheitlers zurück. 'So würden Sie zum Beispiel bei Schwierigkeiten auch nicht sofort als Teil der Entermannschaft eines anderen Schiffes identifiziert....' Er gab ein trockenes Lachen von sich.

Nur ein Narr konnte ihn für einen Eindringling halten. Echte Klingonen würde nie für eine fremde Macht kämpfen - und die klingonische Armee verfuhr schon seit Jahren nach der Devise: "Nur Entern, wenn die Torpedos klemmen!"

Für einen kurzen Moment hielt er inne. Wenn er diese Uniform ablehnte, wäre er sofort als Außenseiter verschrien. Jeder Vulkanier hätte ihm empfohlen, das Kleidungsstück anzuziehen, um sich weiteren Ärger zu ersparen.

K'bal grinste. Die letzten Vulkanier in seinem Leben hatte er auf der Ivory getroffen. Sie waren beide tot.

"bImoHqu'..."

Das Geräusch von zerreißendem Stoff war auf der ganzen Sektion zu hören.

--- Ausrüstungsraum

Hier traf Sam auf Jordan, an deren blauer Uniform er erkennen konnte, dass sie den Körper doch sehr betonte, als im selben Moment K'bal aus seiner Kabine kam.

Ohne große Worte marschierte der Klingone an Jordan und Sam vorbei, die ihn beide entgeistert anstarrten. Die zerrissene Uniform warf er achtlos in einen Container. Dann befestigte er den Communicator sorgfältig an seiner Lederjacke.

Mit einem Lächeln kehrte er zu den anderen beiden zurück. "Sie war zu klein", knurrte er zur Begrüßung.

Sein Ton machte klar, dass er keinen Wert auf einen zweiten Versuch legte.

--- Cailins Quartier

Cailin nickte nur zustimmend auf Yheas Frage und meinte: "Ein Glas Reiswein wäre mir angenehm. Danke. Es sei, denn du hast eine bessere Idee. Immerhin hast du auch meiner Auswahl vertraut."

Dann beobachtete sie den Romulaner bei seinem Gang zum Replikator ohne ihn aber wirklich wahrzunehmen oder zu registrieren, ob er noch etwas gesagt hatte. Ihre Gedanken waren schon wieder meilenweit entfernt.

Aber dieses mal nicht bei ihrer Arbeit als Ärztin, sondern bei dem Terraner Clancy. Der Zustand in dem sie ihn zuletzt in der Bar gesehen hatte, beunruhigte sie mehr als ihr lieb war. Entweder hatte er heute frei oder er ließ sich gehen. Eine Unart der Terraner, die mit Problemen nicht fertig wurden und so taten, als wäre ihnen alles egal.

Die Purna fragte sich, ob sie mit Anjol darüber sprechen sollte, immerhin hatte er ihn ja einmal zu ihrer Bewachung zu ihr geschickt und schien ihn gut zu kennen. Zumindest musste man das, wenn man jemandem vertraute.

Am Replikator angekommen, überlegte Yhea angestrengt, was er so getränketechnisch bestellen sollte. Vielleicht was Romulanisches? Schnell überflog er die Getränkeliste und blieb an einem aromatischen Nachmittagstee hängen.

'Sieht lecker aus', dachte er und bestellte dann auch direkt 2 Gläser. Schon ein paar Sekunden später war das Gewünschte im Ausgabefach erschienen und Yhea brachte es vorsichtig zum Tisch.

"So, bitte schön. Ich habe mal was Romulanisches geholt. Ich hoffe, es schmeckt dir."

Langsam nahm er einen Schluck vom heißen Tee und ließ ihn langsam seine Speiseröhre herunter fließen. Und sofort war er angenehm überrascht. Denn der Tee schmeckte nicht wie sonstige romulanische Tees. Eher wie eine Mischung. Aber egal. Denn er war verdammt gut. Sehr aromatisch und... Ihm fehlten die Worte.

"Hmm, der ist ja echt lecker", schwärmte er und schaute dabei die Purna an. "Und, was sagst du?"

Cailin hatte gerade den ersten Schluck zu sich genommen und wollte schon zustimmend nickten und anmerken, dass es ihr Lieblingsgetränk werden könnte, wenn darin ein wenig Reiswein zur Abrundung wäre, als sich ihr Communicator zu Wort meldete:

"Dallas an Fakaii: Ich störe Sie nur ungern, aber wir haben hier ein kleines Problem, das Ihre Anwesenheit unbedingt erfordert. Es geht um Jones. Er hat..."

Hastig schluckte die Ärztin hinunter und verschluckte sich fast an dem Tee. Sie hatte gleich ein ungutes Gefühl gehabt, was die Qualifikation dieses Mannes betraf. Sie unterbrach die aufgeregte Dallas. "Kein Wort weiter... Ich bin in 5 Minuten auf der Krankenstation. Fakaii Ende."

Mit einem resignierenden Seufzen zuckte sie die Schultern. "Tut mir leid, Yhea, dass ich unser Essen so abrupt enden lassen muss, aber wie es aussieht ruft wieder mal die Pflicht..."

Der Romulaner nickte verständnisvoll, während er noch ein paar Schlucke Tee zu sich nahm und schließlich die Tasse mit einem leicht sehnsüchtigen Blick auf den Tisch stellte. "Ich denke, ich werde im Maschinenraum bereits ebenso vermisst. Mach dir um mich keine Sorgen."

Nachdem sie noch die Überreste ihres Essens gemeinsam weggeräumt hatten, verließen beide das Quartier.

--- Gang vor Cailins Quartier

Wie es der Zufall wollte, lief ihnen dabei Clancy über den Weg, kaum dass sich noch die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. Aber er beachtete sie nicht weiter, grüßte nur knapp und setzte seinen Weg fort ohne sich umzudrehen.

Stirnrunzelnd blickte Cailin ihm kurz nach.

--- Ausrüstungsraum

Jordan warf Sam, der den Klingonen ebenso verwirrt angesehen hatte, einen amüsierten und vielsagenden Blick zu. Dann warf sie einen Blick auf die Umkleidekabinen, aus denen kein Laut kam.

"Tex scheint schon drüben zu sein", bemerkte sie daraufhin und sie machten sich auf den Weg in den angrenzenden Konferenzraum.

--- Konferenzraum

Interessiert sah die Krankenschwester sich im Raum um, konnte jedoch nichts Bemerkenswertes entdecken. Ein langer, von Stühlen umstellter Tisch stand in dem kleinen Zimmer, an der gegenüber liegenden Seite befanden sich eine Konsole und ein größerer Wandschirm. Hier mochten Sicherheitsoffiziere oder Techniker ihre Besprechungen abhalten.

Tex saß, halb vor sich hinschlummernd und wohl müde, bereits auf einem der Stühle. Offensichtlich hatte er es nicht für nötig befunden, die Uniform anzuziehen, was Jordan auch nicht anders erwartet hatte. Dafür liebte er seinen Hut zu sehr. Sie fragte sich wirklich, ob er ihn auch im Bett trug...

Schweigend ließ sie sich neben ihm nieder und wartete darauf, dass Victor das Wort ergriff.

--- Maschinenraum

Sichtlich gut gelaunt betrat Yhea den Maschinenraum und schaute sich um. Wie immer war keiner zu sehen. Wahrscheinlich krochen sie alle wieder in irgendwelchen Jeffriesröhren herum. Nicht, dass das schlecht wäre, schließlich war das ja ihr Job; also Fehler zu finden und defekte Teile zu reparieren, nicht sinnlos im Schiff herum zu kriechen wie eine Laborratte.

Unwillkürlich musste er grinsen. Wenn er sich das so bildlich vorstellte, wie seine Techniker absolut planlos durchs Schiff wanderten, immer auf der Suche nach neuer Arbeit. Doch, es hatte wohl eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Laborversuch.

Doch nun wollte er diesen ominösen Versuch mal unterbrechen und fing an, in allen Ecken des Maschinenraums nach Alex zu suchen.

"Mietz, Mietz, Mietz. Komm lieber Alex, wo bist du? Ich werde dich finden! Na komm schon", trillerte er spitzbübig durch den großen Raum. Doch anscheinend war Alex nicht hier, denn sonst wäre er wahrscheinlich laut lachend aus seinem Versteck hervor gekommen.

"Nun gut, dann eben auf dem einfachen Weg. Yhea an Alex, sag mal, wo bist du schon wieder?", fragte er und wartete auf eine Antwort, welche auch direkt kam.

"Na wo wohl du grünhäutiges Spitzohr. Ich sitze hier in einer Jeffriesröhre, hab die Schuhe ausgezogen und spiele an meinen zehn wunderschönen Zehen. Und nebenbei repariere ich. Was, das kannst du selbst raus finden. Ende."

Und schon hatte Alex die Verbindung getrennt. Ui, der hatte aber eine Laune. Anscheinend hat wieder nichts so geklappt, wie er es wollte. Aber das war hier auf der Venture auch kein Wunder. Bisher kam es immer anders als geplant.

'Tja, und was mach ich jetzt?', überlegte er sich. "Genau, ich trink erst mal einen Kaffee."

Gesagt getan, schon stand er am Replikator und schwups, war der Kaffee auch schon bestellt. Doch bevor er den ersten Schluck nehmen konnte, da machte es plötzlich ...PUFF... und aus einer Rauchwolke knapp über seiner rechten Schulter erschien ein kleines Männchen.

Verdutzt starrte Yhea auf die Gestallt, die es sich auf seiner Schulter sichtlich bequem gemacht hatte. Und wie die aussah. Vielleicht 10 Zentimeter groß, blondes lockiges Haar. Nur bekleidet mit einem weißen, ziemlich knappen Nachthemd aus dem hinten zwei Flügel herausschauten und bewaffnet mit einem leuchtenden Kranz über dem Kopf.

Yhea hatte Mühe, überhaupt den Blick auf dieser Gestalt zu halten, denn plötzlich geschah das ganze noch einmal; also das mit dem Rauch; und schon hatte er auf der anderen Schulter ein zweites Männchen sitzen. Nur diesmal ganz in rot mit Hörnern und Schwanz, welches mit seinem Dreizack genüsslich in Yheas Schulter herumbohrte.

Entsetzt und überrascht durch den Schmerz stieß er einen spitzen Schrei aus, ließ vor Schreck seine Kaffeetasse fallen und versuchte verzweifelt, diese beiden Dinger von seinen Schultern zu bekommen. Doch er schaffte es nicht. Der Weiße flog immer vor seiner Hand davon und der Rote bohrte einfach ein wenig tiefer mit dem Dreizack, sodass Yhea vor Schmerz die Tränen in die Augen liefen. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als den Kampf mit den Beiden aufzugeben und sich wieder zu beruhigen.

Zumindest äußerlich. Innerlich überlegte er fieberhaft, was er gegen diese beiden Störenfriede unternehmen konnte, bis ihm plötzlich eine Idee kam. Er würde sie einfach erschießen. Ja genau, er müsste nur an einen Phaser kommen und dann...

Wieder hatte der Rote zugestochen und Yhea fluchte. Doch bevor er was sagen konnte, quietschte der Rote los.

"So was brauchst du gar nicht zu denken. Das wäre nämlich nicht nett. Weder zu mir noch zu diesem Besserwisser da drüben", sagte er und zeigte auf den mit den Flügeln.

"Jaja, wie nett er heute doch wieder ist", keifte der Weiße. "Auf den brauchst du gar nicht zu hören. Der redet nur Unfug. Den ganzen Tag lang. Außerdem schadet dir alles, was er dir sagt. Glaub mir."

"Ach, papperlapapp", unterbrach ihn der Rote. "Ich würde dir nie was antun wollen." Betroffen schaute er auf seinen Dreizack runter, der immer noch in Yheas Schulter steckte. "Ups, tut mir leid. Aber es macht so höllischen Spaß." Mit einem breiten Grinsen zog er den Dreizack heraus und legte ihn sich über die Schulter.

"Siehste, ist doch alles wieder in Ordnung. Und übrigens", meinte er und zeigte wieder rüber zur anderen Schulter. "Diese Tucke da mit dem zu kurzen Nachthemd will dir nur das Kaffeetrinken verbieten. Ist das zu fassen? Einfach so."

"Nicht einfach so", protestierte der Weiße. "Zuviel Koffein ist ungesund. Das weißt du. Und außerdem, was war da vorhin im Gang, na? Das war ja wohl eindeutig von dem ganzen Kaffee, den der große Typ sich da immer reinkippt. Ich wundere mich... PUFF...

Und plötzlich waren beide weg. Nur ein paar Sekunden später flog hinter Yhea eine Abdeckung aus der Wand und Alex kam heraus. Total verdutzt starrte der Romulaner auf den Terraner. Alex hingegen krabbelte nun vollends aus der Röhre, und klopfte beim Aufstehen den Staub von den Kleidern.

"Sag mal, stimmt mit dir was nicht, oder warum stierst du mich so blöde an?"

Schnell stellte Yhea den seltsamen Blick ab, der sich in sein Gesicht geschlichen hatte, als Alex aus der Röhre gekommen war.

"Wer hätte nicht blöd geguckt, wenn direkt neben einem jemand aus der Wand kommt und von oben bis unten voll mit Staub ist", sagte Yhea trocken und schaute Alex von oben bis unten an.

Dieser hingegen schnaubte nur ärgerlich und klopfte sich den restlichen Staub ab. "Du hast ja gut lachen. Wann warst du denn das letzte mal was reparieren? Du bist ja immer sonst wo beschäftigt und wir müssen hier ackern wie die Blöden."

"Da könntest du Recht haben. Denn schließlich bin ich hier der Chef und ihr..." Breit grinste Yhea seinen Kollegen an. "Nein, Spaß beiseite. Ich weiß ja, dass ihr in den letzten Wochen viel zu tun gehabt habt. Und wahrscheinlich werden wir in naher Zukunft wieder viel arbeiten müssen. Aber aus dem Grund hab ich euch ja ein Angebot zu machen."

"Ehrlich?", unterbrach ihn Alex. "Da bin ich ja mal gespannt."

"Zum ersten sagst du mir, wie weit ihr mit den Reparaturen seid?", fragte er.

Alex überlegte nicht lange. "Ich bin fertig. Die anderen beiden haben vielleicht noch 2 Stunden was zu tun, dann sind die auch fertig."

"Gut, sobald ihr fertig seid, habt ihr auf unbestimmte Zeit frei. Zum einen ist es hier beim Maquisstützpunkt ruhig und zum zweiten gibt's nichts zu tun. Ich werde aufpassen. Wenn es was zu tun gibt, dann rufe ich, falls ich es nicht alleine hinbekomme. Aber bis dahin habt ihr frei. Ruht euch aus und entspannt euch. Ich habe die Vermutung, dass es mal wieder nicht lange dauern wird, bis hier wieder alles kaputt ist."

"Alles klar Chef", rief Alex jetzt wieder gut gelaunt. "Ich wünsche dir dann noch viel Spaß hier. Falls du mich suchst, ich bin nicht hier."

Und schon war er aus dem Maschinenraum verschwunden. Und Yhea saß wieder allein hier. Sein Blick glitt zu der kaputten Kaffeetasse, die immer noch auf dem Boden lag und den Teppich tolle Flecken bescherte.

"Nun gut, dann wollen wir mal sauber machen", sagte Yhea, dem die Lust auf Kaffee erst einmal vergangen war.

Stardust Venture