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Venture 11 - Klingonen, Cardassianer und Biowaffen

--- Leerraum

Unbewegt hing das elektrische Leuchtfeuer im Raum und sendete beständig Daten an die Venture. Mit großer Präzision ratterten die Zahlenkolonnen durch ihren Speicher; machten sich wenig später auf die Reise durch den Subraum.

Hätte die Boje ein Bewusstsein gehabt, wäre ihr sicher langweilig gewesen: Hier gab es nichts zu orten, nicht mal Strahlungsspitzen forderten ihr volles Potential. So begnügte sich die Programmierung mit dem sorgsamen Überwachen des Nichts.

Doch die galaktische Ruhe wurde jäh unterbrochen, als ein großes Metallobjekt in unmittelbarer Nähe erschien. Sofort erwachte die Sonde aus ihrer Routine, leitete mehr Energie in die Sensoren. Ein Vergleich mit vorgegeben Konstruktionsmustern identifizierte das metallene Etwas als Schiff.

Aber da war plötzlich noch etwas: Ein sich schnell bewegender Zylinder aus Duranium, der Bauweise der Boje nicht unähnlich. Und der Zylinder kam direkt auf sie zu. Elektronische Aufregung entstand und Alpha sendete weiter, bis eine gewaltige Energiewelle sie erfasste und zertrümmerte.

Hätte die Boje ein Bewusstsein besessen, hätte sie Angst vor dem Tod gehabt?!?

--- Asteroid, Transporterraum

Die Welt zersprang in Milliarden gleißender Partikel und wirbelte um Clint herum, wie bei jedem Transportvorgang. Aus dem Lichtersturm schälten sich die Umrisse eines kleinen Raumes, dessen Wände aus roh behauenem Fels bestanden und der mit nur wenigen technischen Utensilien ausgestattet war. In den Fels gemeißelte Öllampen spendeten unruhiges, flackerndes Licht, welches an den kantigen Felswänden ein faszinierendes Schattenspiel auslöste.

Die Abenteurer der Venture standen auf einem rostigen Metallgitter, das den Transporterbereich markierte. Die Transporterkonsole stand wenige Meter davor, und wirkte, als wäre sie nicht im Boden verankert. Ein hünenhafter Klingone mit ernstem Gesicht baute sich vor ihnen auf. Neben ihm, scheinbar der Bediener der Transportkonsole, stand ein schmächtiger, sehniger Artgenosse, und er grinste die Gruppe unverschämt an.

Die Finger des kleineren Klingonen glitten in einem bizarren Tanz über die Konsole und beendeten damit den Transportvorgang. In einer schwungvollen Bewegung drehte er sich der Gruppe zu, drängte sich damit vor den großen Klingonen, und begrüßte sie mit einer eleganten Geste, die der terranischen Renaissance entsprungen sein könnte.

"Willkommen, Reisende!", sprach er in fließenden Lauten, "Dies ist die Feste Utgard, deren Herrschaft ich, Logi, Sohn des Bragal, mir mit meinem werten Halbbruder Ragos teile. Seid unsere Gäste, so lange Ihr es wünscht. Unsere Tafel ist reich gedeckt, der Wein ist ..."

"Logi!", donnerte die tiefe Bassstimme des riesenhaften Ragos. Er trat einen Schritt vor und berührte Logi beinah. Er überragte seinen Halbbruder um einen ganzen Meter, auch war er wesentlich breiter als dieser. "Säusle meinen Gästen nicht die Ohren voll du schleimiger Sohn eines ...", er hielt inne, als er merkte, dass die Beleidigung nach hinten losgehen würde.

Logi schenkte den Gästen ein süffisantes Lächeln und meinte mit stichelnder Stimme: "Entschuldigt bitte. Aber mein armer Bruder wurde leider ohne Gehirn geboren und ...", er duckte sich geschickt unter einem mächtigen Hieb, der ihn wahrscheinlich geköpft hätte, hinweg und brachte sich mit einem blitzschnellen Satz in sichere Distanz von seinem Bruder. Nachdem er sicher sein konnte, dass dieser sich nicht die Mühe machte ihn zu jagen, fuhr er fort: "... und leider auch ohne Manieren"

Logis Augen huschten wie Moskitos um sich zu überzeugen, dass die erneute Beleidigung keine direkten Folgen haben würde. Ragos stand wie eine Salzsäule da und schien sich seit seinem letzten unvollendeten Satz damit abzufinden, dass Logi das Wort übernahm. Clint begann zu begreifen, dass die Verhältnisse auf diesem Asteroiden nicht ganz unkompliziert waren.

Cailin konnte nicht glauben, was sie da eben gehört hatte. Feste Utgard? Logi? Herrschaft? Dazu dieses ganze Gebaren des kleinen Kobolds den man anhand seiner geringen Körpergröße kaum noch Klingone nennen konnte...

Sie fühlte sich wage an eine Mission auf ihrem vorigen Schiff erinnert, als sie ebenfalls Teil eines Landestrupps gewesen war und ihre Gedanken gegen sie verwendet wurden. In einer gigantischen Art von Holodeck, wie sich später herausgestellt hatte. Es war eine Art Test gewesen, dem man sie unterzogen hatte um festzustellen, wozu sie tatsächlich gekommen waren.

Fasziniert überprüfte die Ärztin noch immer die biologischen Werte der beiden und hatte dabei festgestellt, dass es sich bei ihnen trotz ersten Eindrucks wohl doch um keine Hologramme sondern von medizinischen Standpunkt her um lebende und atmende Wesen handelte. Ragos war ein ganz gewöhnlicher Klingone, während Logi unter Zwergenwuchs litt was seine ungewöhnliche Größe von kaum 1,30 Meter erklärte.

Noch etwas war seltsam an Logi. Im Gegensatz zu Ragos war er kein reinrassiger Klingone, sondern ein Mischling. Eine Mischung, die recht ungewöhnlich war...

Da die Psychologin wohl das Gespräch in ihrer diplomatischen Funktion leiten würde, war es besser, wenn sie auch auf diesen Umstand hingewiesen wurde. Unauffällig stieß sie die Psychologin an und hielt ihren medizinischen Tricorder so, dass auch diese die Daten einsehen konnte, ohne dass es den beiden auffallen würde.

---Venture, Bereitschaftsraum

Die Zeit zog sich unerträglich in die Länge, seit die Expeditionsgruppe mit der Silver Sun aufgebrochen war. Ohne die Stamm-Crew wirkte das Schiff leer und diese Nacht war McCarthy kaum zu Schlaf gekommen.

Warten war immer ein Gräuel für ihn gewesen. Er verabscheute es, zog den offenen Kampf vor. Geduld war eine Tugend, die er nur kaum besaß. Dass andere ausgezogen waren, um diesen Kampf zu führen, vervielfachte sein Unbehagen noch. Als Captain blieb er durch die Verantwortung des Kommandos an das Schiff gefesselt...

Die Techniker nutzten die Zeit, um eine gründliche Überholung des gesamten Schiffes durchzuführen, nachdem man die Venture in einen ungefährlichen Ausläufer der Badlands manövriert hatte. Eine Signalboje hielt die ursprüngliche Position; würde jede von der Silver Sun übermittelte Botschaft weiterleiten.

Wenn das Schiff sich nicht gerade auf einer Mission befand, gab es für McCarthy wenig zu tun. Der frühere Starfleet-Papierkrieg, der den Tagesdienst gekennzeichnet hatte, war nach ihrer Fahnenflucht wie weggewischt und hinterließ ein klaffendes Loch, das sich kaum
sinnvoll füllen ließ.

Etwas Sehnsucht nach den alten Tagen, als er selbst an gefährlichen Außenmissionen teilgenommen hatte, kam in Charles auf, aber er wischte dieses Gefühl gleich wieder weg: Nun lag es an anderen, das Schicksal hautnah zu beeinflussen...

--- Asteroid, Transporterraum

Ysara sah die Daten nur kurz an, neugierig darauf, was die Ärztin ihr zeigen wollte. Dann wanderte ihr Blick zu Logi, musterte ihn verstohlen. Wenn sie hätte raten müssen, woher die nicht-klingonische Hälfte seiner Gene stammte, hätte sie ja eher auf Ferenginar getippt, damit aber weit daneben gelegen. Die beiden Frauen warfen sich einen verwunderten Blick zu. Was machte ein Halbcardassianer in den Badlands?

Die Psychologin fing sich jedoch schnell wieder und trat vor, wobei sie zur Begrüßung ein Nicken andeutete.

"Ihre Gastfreundschaft ehrt uns. Mein Name ist Ysara Jefferson. Meine Begleiter sind Doktor Fakaii, Mr Clint, Miss Renault und Mr Miguel."

Logi warf jedem ihrer Begleiter einen eindringlichen, interessierten Blick zu, verbunden mit einem lebhaften Lächeln, und rieb sich die Hände. Sein Bruder dagegen blieb weiter still und schaute düster ins Nichts.

"Ah, ihr habt eine Ärztin dabei! Vielleicht willst du sich mit unserem Arzt austauschen, er ist leider nicht sehr qualifiziert. Sonst hätte er meinem Bruder schon lange ein neues Gehirn repliziert!" Tänzelnd wich er einige vorsichtige Schritte vor Ragos zurück. "Ich schlage vor, wir begeben uns an einen gemütlicheren Ort. Kommt doch mit!"

Ohne weiter abzuwarten, wandte er sich um und ging in Richtung einer morschen Holztür. Ysara blieb jedoch noch einen Moment stehen, um auf Renault zu warten.

"Wir sollten Mr Alnak durch kurze Zwischenberichte auf dem Laufenden halten. Können Sie das übernehmen? Denn ich glaube, die beiden werden mich beschäftigt halten", fragte sie leise genug, dass es die Klingonen nicht hörten.

--- Asteroid, Transporterraum, weiter vorne

Cailin war zugegeben verblüfft hier auf einen Arzt zu stoßen, auch wenn sie eigentlich damit hätte rechnen müssen. Aber alles hier wirkte irgendwie unnatürlich und übertrieben, besonders die beiden Klingonen, die wie aus einem schlechten Holodeckprogramm wirkten.

"Hör nicht auf meinen Bruder, der Arzt ist sehr qualifiziert und wesentlich klüger als mein Halbbruder", brummte Ragos ungehalten, während er neben Cailin ging. Dabei kam er ihr unangenehm nahe. Er roch nach Blutwein und abgestandener Luft.

Sie konnte nicht umhin sofort einen Schritt Distanz zwischen ihn und sich zu bringen und zu entgegnen: "Ich möchte nicht unhöflich klingen, aber es wäre mir bedeutend lieber, wenn Sie", und die Ärztin betonte das Sie deutlich, "meine Intimsphäre respektieren würden und mich nicht dazu zwingen mich mit Ihnen zu duzen."

"Das musst du auch gar nicht", meinte der Hüne gemütlich und klopfte ihr dabei auf den Rücken, dass sie unwillkürlich stoppte und dabei gegen die Französin stieß.

Dabei hörte sie ein ärgerliches Knurren in ihrem Rücken, das nicht von dem Klingonen, sondern von einem Terraner zu stammen schien. Und da der Halbbreen sich nie so gehen ließ, Gefühle in irgendwelcher Form auch immer zu zeigen, war es wohl der junge Sicherheitsoffizier - wie war doch gleich sein Name - der dem Klingonen deutlich zeigte, dass er mit dieser Behandlung keineswegs zufrieden war.

Hastig entschuldigte sich Cailin bei der Sicherheitlerin, während sie sich nicht des Eindrucks erwähren konnte, Logi lachen gehört zu haben. Anscheinend freute es ihn, mit dem primitiven Geist seines Bruders Recht behalten zu haben.

--- Asteroid, Transporterraum

Mirabelle hatte der Psychologin bestätigend zugenickt und wollte auch noch einige Worte anfügen, als die halb vor ihr gehende Ärztin das Gleichgewicht verlor und sie anrempelte. Mit einem freundlichen Lächeln nahm sie die Entschuldigung der Purna entgegen, dann wandte sie sich wieder an die Ysara.

"Ja, Sie haben vollkommen Recht! Ich werde versuchen, Monsieur Alnak zu erreichen..."

--- Asteroid, Transporterraum, weiter vorne

Instinktiv beobachtete Cailin den kleinen Klingonen und sah etwas sehr Interessantes: Bevor er die Holztür öffnete, wanderte ein kleines technisches Gerät in seine Tasche, dass zuvor sicher nicht dort gewesen war. Anscheinend hatte er es bedient, bevor er sie in den nächsten Raum lassen wollte. Weswegen auch immer.

Mit ihren scharfen Augen, die automatisch sofort die Sichtschärfe gewechselt hatten, war ihr für einen Moment ein näherer Blick auf das Gerät vergönnt gewesen. Es sah aus wie eine winzige Konsole. Auf jeden Fall stand diese Technik im krassen Gegensatz zu der sonstigen Ausstattung des Raumes. Das konnte auch Cailin mit ihrer technischen Unbefangenheit erkennen.

Noch bevor sie weiter über das nachdenken konnte, was sie eben gesehen hatte, oder es gar jemand anders hätte erzählen können, gab die Tür einen Anblick preis, den die Purna nur aus alten Hologrammen kannte. So fand sie sich selbst er wieder, als sie direkt vor der Tür stand und ins Rauminnere blickte. Es hatte sie so berührt ihrem Blick zu folgen, dass sie es ohne denken getan hatte. Ihre Federn waren vor Ehrfurcht dicht an den Kopf gelegt, als sie sich scheu umblickte.

--- Asteroid, Speisesaal

Der Raum wirkte rund, obwohl er grob in den Felsen geschlagen war und er war sehr hoch. Überall fanden sich wieder diese Öllampen, die sie bereits gesehen hatten. Gerade genug um den Raum aus der Dunkelheit zu holen, aber zu wenig, um ihn ganz zu erkennen.

In seiner Mitte schwebte eine Art Zentrum. Ein zentraler Raum, so schien es zumindest. Gehalten wurde er wie es schien von einer losen Brücke, die unweit der Tür begann. Sie wankte leicht.

Cailin fragte sich, ob es nur Technik war, die dieses Schauspiel hervorrief und die Gesetze der Schwerkraft Lügen strafte. Und doch. Auch wenn es so war. Es war einfach atemberaubend...

Mit einigem Erstaunen war die Französin in den nächsten Raum getreten. Beinahe wäre ihr der Mund offen stehen geblieben, aber sie hatte sich zum Glück noch genug in der Gewalt, um das zu verhindern. Was sie sah, war einfach ... faszinierend.

Mira ergriff diese günstige Gelegenheit, die sich ihr bot. Bereits vor dem Abflug hatte sie damit begonnen, ihren Tricorder mit dem Communicator zu koppeln, allerdings hatte sie bislang noch keine Möglichkeit gehabt, zu testen, ob dieser Versuch gelungen war. Endlich war die Gelegenheit da.

Sie scannte den Raum und tat so, als würde sie in ehrfürchtigem Staunen erstarren. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie die beiden Klingonen, und bemerkte, dass der Kleinere der beiden sehr wohl feststellte, dass sie den Raum scannte. Aber anscheinend hatte er nichts dagegen einzuwenden, denn er nickte ihr fröhlich zu und richtete seine Aufmerksamkeit dann wieder auf seinen Halbbruder.

Das gab der Französin die Möglichkeit, ihren Tricorder mit einigen Informationen über die beiden Klingonen zu füttern, die Sendungskopplung zu aktivieren und das Ganze - inklusive der Daten über den Raum - an Alnak zu transferieren. Jetzt musste sie nur noch abwarten, ob die Informationen auch bei dem Romulaner ankamen...

--- Raider Silver Sun

Yhea hatte sich gerade einen Kaffee geholt, als von der Kommunikationskonsole ein leises Piepsen ertönte. Schnell ließ er sich in den Sitz fallen und überprüfte die eingegangene Meldung.

Wie sich herausstellte, handelte es sich um Daten, die die Französin mit ihrem Tricorder aufgenommen hatte. Interessiert las er sich sämtliche Informationen durch und stockte bei den Werten zu einem der beiden gescannten Personen.

Nun gut, er war Techniker und kein Mediziner, aber dennoch kamen ihm diese Daten seltsam vor. Mehrmals las er sich die Meldung durch, doch irgendwie kam er nicht auf die Lösung.

"Ich werde Cailin fragen, sobald sich mir die Möglichkeit ergibt", sagte er zu sich und trank von seinem Kaffee. Dann überflog er den restlichen Teil der Nachricht, doch er fand nichts mehr, was ihn interessierte.

'Nun gut, dann werden wir alles mal hübsch verschicken', dachte er, öffnete einen Kanal zu der Signalboje und...

Was war das? Der Romulaner überlegte kurz. Gerade hatte er eine Verbindung zur Boje gehabt und jetzt war sie abgerissen. Sofort versuchte er es noch mal, doch diesmal bekam er gar keine Antwort mehr von Alpha.

Verwirrt kratzte sich Alnak am Kopf. Kurz überprüfte er sie Systeme des Raiders, doch er konnte keinen Fehler feststellen.

'Nun gut, dann liegt es wohl an der Boje' überlegte er und schüttelte den Kopf. Denn jetzt hatte er ein Problem. Die Boje war eigentlich als Ankerpunkt gedacht gewesen, damit die Silver Sun wieder zurück zur Venture finden konnte. Und nun, da er sie nicht mehr orten konnte, würden sie nicht mehr zurückfinden können.

Moment.. Da kam ihm eine Idee. Er hatte ja noch die Positionsdaten der Boje. Er konnte doch ganz einfach eine neue Boje dort platzieren. Schließlich hatte der Raider seine Position ebenfalls nicht geändert. Was hinderte ihn also daran, eine Neue auszusetzen?

Gesagt getan. Schon hatte er eine neue Boje umprogrammiert, damit sie die Aufgabe der Alten übernehmen konnte. Doch als er sie abschießen wollte, kam ihm ein neuer Gedanke. Er konnte die Boje ja gar nicht von hier aus losschicken. Er befand sich in mitten der Badlands. Die Boje würde es nie schaffen. Schon bei dem ersten Plasmafaden würde sie zerstört werden.

Frustriert sank Yhea in seinem Stuhl zusammen. Jetzt konnte nur noch die Venture helfen...

--- Asteroid, Speisesaal

Die Hängebrücke war längst nicht so wackelig wie sie wirkte, sie schien eine Art Requisit zu sein, hergestellt aus modernen Kunststoffen. Die größte Überraschung war jedoch der innere Raum selbst. In die Wände waren kunstvolle Reliefs gemeißelt, die klingonische Helden in ruhmreichen Schlachten zeigten. Clint konnte einige Elemente aus der klingonischen Mythologie erkennen. Da war der Kampf zwischen Khaless und Morath, aber auch Kotar, der die Götter tötete und viele andere Darstellungen, die allesamt Kampf und Ruhm zum Thema hatten.

Die üblichen Öl-Lampen ließen die plastischen Körper lebendig werden, und dieser Effekt schien vom Architekten beabsichtigt. In der Mitte des Raumes brannte ein großes Feuer in einem Kupferbecken, welches auf drei Sockeln lagerte, die wie Katzenfüße gearbeitet waren. Um das Becken herum standen Tische, die in einer länglichen U-Form angeordnet mit dem offenen Ende zum Eingang standen.

Am geschlossenen Ende waren die Ehrenplätze, ein gewaltiger, aber schlicht verzierter Thron aus Holz und Fell schien für Ragos reserviert zu sein. Die Wand dahinter war fast vollständig mit einem roten Tuch verhängt, auf welchem das Banner des Klingonischen Reiches abgebildet war. Die Tische waren mit allerlei Speisen reich gedeckt, zum größten Teil waren sie jedoch schon halb angenagt und das Geschirr lag chaotisch verteilt und teilweise umgeworfen auf den Platten.

Brüllende, lachende und vor allem angetrunkene Klingonen saßen an diesen Tischen und schienen die neu hinzugekommenen Gäste gar nicht zu bemerken. Sie schienen in sehr lebhaft geführte Diskussionen mit starkem Körpereinsatz verwickelt zu sein und stimmten zum Teil kehlige Schlachtlieder an. Einige von ihnen waren auf den Tischen zusammengesunken oder lagen darunter.

Logi schien in Anwesenheit anderer Klingonen wesentlich zurückhaltender geworden zu sein. Ohne irgendwelche Anstalten zu machen, hielt er sich leicht hinter seinem riesenhaften Halbbruder Ragos. Die Gruppe bewegte sich in Richtung der Ehrenplätze und Ragos setze sich tatsächlich auf den gigantischen Thron. Logi machte es sich auf einem besonders gekennzeichneten Stuhl an Ragos rechter Seite gemütlich und sprach die Venture Besatzung an:

"Gäste des Hauses Bragal! Nehmt Platz an unserer Tafel und kostet unsere Speisen. Geniest unseren Wein und unsere Gesellschaft. Erzählt uns von fernen Welten, euren Abenteuern und euren Begehren"

Nur schwer konnte sich Ysara von dem beeindruckenden Anblick, den all die betrunkenen Krieger boten, losreißen und wieder ihrem kleinwüchsigen Führer zuwenden. Dennoch sah sie sich weiter um, während sie sich setzte. Offensichtlich herrschte hier gute Stimmung.

Einen lang anhaltenden Augenblick überkamen sie starke Zweifel, ob sie hier die gewünschte Hilfe finden würden, und ihr Blick wanderte zu ihren drei Begleitern. Verstand einer von ihnen etwas von den Traditionen des klingonischen Imperiums?

Die Psychologin jedenfalls nicht. Dankend nickend nahm sie von Ragos einen Kelch mit Blutwein entgegen, der auch bereits ihre Begleiter bedient hatte. Vorsichtig kostete sie, und der starke Geschmack von Ethanol ließ sie sofort leicht schwindeln. Entschieden stellte sie den Becher wieder ab. Logi betrachtete sie bereits erwartungsvoll.

"Erzählt von den großen Taten, die euer Schiff vollbracht hat! Wenn ihr wirklich gegen die Romulaner kämpft, müsst ihr ehrenvolle Abenteuer hinter euch gebracht haben! Und die Föderation!" Er spuckte verächtlich aus und scherte sich dabei nicht, ob er dabei Nahrungsmittel traf. "Wir halten hier nicht viel von der Föderation."

Ysara zögerte. Sie hatte eine wage Ahnung davon, dass von ihr verlangt wurde, ein paar höchstwahrscheinlich übertriebene Geschichten über Ruhm und Ehre der Venture zu erzählen. Fast bittend sah sie sich nach ihren Begleitern um, und ihr Blick blieb an dem Halbbreen hängen, der regungslos und ruhig wie immer auf seinem Stuhl saß.

"Wir werden Ihnen sehr gerne alles erzählen, was Sie hören wollen", erwiderte sie fest und ließ Clint dabei nicht aus den Augen. "Ich selbst bin erst seit sehr kurzer Zeit Teil der Besatzung, doch wie ich weiß, besitzt Mister Clint ein umfangreiches Wissen über alle Erlebnisse der Venture."

Auf diese Weise entlastet, lehnte sie sich etwas entspannter zurück, während sie sich fragte, wie der Blick, den der Wissenschaftler ihr zuwarf, wohl zu deuten war.

Während die anderen sich scheinbar mit der Gastfreundschaft der Klingonen angefreundet hatten, blieb Cailin weiterhin misstrauisch und vorsichtig. Alles wirkte seltsam und irgendwie unnatürlich. Obwohl hier viele Leute waren, fühlte sie sich in dieser Gesellschaft nicht so wohl wie ihr eigentlich in Massenansammlungen war.

Nachdenklich runzelte sie die Stirn und benutzte ihren Tricorder um herauszufinden, ob die gereichten Nahrungsmittel sich in einwandfreiem Zustand befanden.

Doch das konnte man nicht wirklich behaupten. Sie waren versetzt mit Verunreinigungen, wie sie sich nur fanden, wenn Wesen ihr Essen nach altertümlicher Art mit der Hand zubereiteten und dabei keinerlei Wert auf Hygiene legten. Nichts besonders Gefährliches. Aber jeder der
kleinen Landegruppe, der von diesem Essen zu sich nahm, hatte eine gute Chance, dass sein Magen-Darm-Trakt in den nächsten Tagen besonders aktiv sein würde.

Es widerstrebte ihr in ihrer Funktion als Ärztin nichts davon zu sagen, doch sie kannte auch die Spezies der Klingonen genug um zu wissen, dass sie jede Kritik zwar mit einem herzhaften Lachen und einem Schulterklopfen quittieren konnte, das einem schmerzte, aber sich ebenso angegriffen und aggressiv darauf verhalten konnten. Wobei Zweites unbedingt zu vermeiden war, waren sie doch auf diesen Astroiden gekommen um etwas von ihnen zu erfahren.

So wandte sie sich an ihre rechte Sitzpartnerin und sprach leise flüsternd: "Miss Renault, in Ihrer Eigenschaft als Sicherheitlerin möchte ich nicht versäumen Sie davon zu unterrichten, dass diese Nahrungsmittel gesundheitlich nicht unbedenklich zum Verzehr bestimmt sind und sich etliche Krankheitserreger in ihnen befinden. Auch steht mit Sicherheit fest, dass dieser Blutwein eine überdurchschnittliche hohe Menge von Alkohol enthält..."

Sie wollte gerade weiter sprechen, als sie von etwas abgelenkt wurde. Am Eingang in den Saal erschien eine Person, die bewusst versuchte, sich im Schatten zu halten. Doch für Cailins Augen war der ungewöhnliche Besucher gut erkennbar. So gut um sogar seine Rasse erkennen zu können.

"Sehen Sie mal unauffällig zu Tür", raunte sie zu verwundert dreinblickenden Renault. "Jemand scheint uns zu beobachten. Es ist ein Cardassianer..."

Clints erste Reaktion bestand in dem urvulkanischen Wunsch, einen Irrtum richtig zu stellen. Erst dann schaltete sich sein logischer Verstand ein und teilte ihm mit, dass Ysaras Aussage nicht auf einem Irrtum beruhte, sondern auf etwas typisch Terranischen.

Die zweite Reaktion war, für ihn selbst sehr überraschend, Verlegenheit. Wäre er ein allzu emotionales Wesen, und er war glücklich bzw. zufrieden, dass dem nicht so war, hätte er jetzt mit Sicherheit geflucht. So blieb ihm nichts anderes übrig als eine logische Bilanz zu ziehen.

Ysara hatte 'die heiße Kartoffel' freundlicherweise weitergegeben, Cailin und Mirabelle gaben vor, mit etwas im Hintergrund des Raumes beschäftigt zu sein und der Sicherheitsoffizier untersuchte plötzlich mit fachlichem Interesse eine hinter ihm stehende, verdorrte Topfpflanze, gerade als er Clints suchenden Blick bemerkte.

"Nun", meinte der Halb-Breen als die Blicke der Klingonen drängender wurden. Er nahm trotz all seiner Prinzipien einen Kelch Blutwein und setze zu einem langen Schluck an. Diese flüssige Substanz der dieses Volk frönte sollte eine berauschende Wirkung haben, Clint wusste jedoch nicht welche Wirkung sie auf seine nicht unkomplizierte Körperchemie haben würde.

Dieses Manöver verschaffte ihm jedenfalls die nötige Zeit sich alles, was er über klingonische Pseudorituale wusste, noch mal ins Gedächtnis zu rufen. Diese Krieger fanden großen Gefallen an Übertreibung und pathetischer Darstellung von Berichten. Kurz gesagt an Dingen, die der Adoptivvulkanier überhaupt nicht beherrschte.

Der Blutwein hatte einen rostigen und dennoch süßen Geschmack und erinnerte Clint daran, woher das Getränk seinen Namen hatte. Als der Kelch leer war, blieb ihm nichts anderes übrig als ihn abzusetzen und eine bedeutungsvolle Miene aufzusetzen.

"Nun", wiederholte er noch mal um Zeit zu schinden, "Es waren viele Schlachten, die dieses Schiff hinter sich gebracht hat." Die Klingonen sahen ihn erwartungsvoll an. Nach der dramatischen Pause, die eher daraus resultierte, dass Clint nicht weiter wusste, passierte etwas Unerwartetes.

"Du", lallte ein betrunkener Klingone, der aufgestanden und mit unsicherem Schritt und zugekniffenen Augen auf den Grünhäutigen zugeschlendert kam. "Siehst nicht gut aus, könntest etwas Farbe vertragen", teilte er ihm mit. Ragos schien die Störung gar nicht zu gefallen. Der Riese gab dem Betrunkenen einen Stoß und versetzte ihn damit einige Meter weit auf den Tisch, wo er laut zu Schnarchen anfing.

Die ungleichen Bragal-Brüder fingen gleichzeitig an lauthals zu lachen. Klingonen, die die Szene mitbekommen haben, fielen mit ein und bald brüllten alle Krieger, die nicht zu betrunken dazu waren, mit. Nachdem sich das Konzert gelegt hatte, nutzte Clint die Ablenkung um eine Frage zu stellen, statt eine Geschichte zu liefen:

"Es ist unser Anliegen mit den Widerstandskämpfern in Verbindung zu treten, die sich Maquis genannt haben. Sie haben sich in dieser Weltraumregion vor den Cardassianern versteckt. Haben Sie von diesen Kämpfern schon gehört?"

Ragos und Logi sahen sich kurz an. Im Gegensatz zu ihrem ersten Auftritt wirkten sie jetzt wie ein aufeinander abgestimmtes Gespann. Ragos antwortete schließlich mit seiner dröhnenden Stimme: "Wir haben von ihnen gehört, aber nie direkt mit ihnen zu tun bekommen, aber es gibt jemanden der Ihnen helfen kann" Seine Stimme wurde noch lauter und er rief: "Gul Kreshnar!"

--- Raider Silver Sun, vorderer Bereich

Angespannt saß Yhea im Pilotensessel. Er scannte jetzt schon beinahe 10 Minuten den Bereich, wo sich bis vorhin die Sonde befunden hatte. Doch er bekam immer noch kein Signal. 'Was ist da bloß los?', dachte er. Die Venture musste doch schon lange erkannt haben, dass es ein Problem mit der Sonde gab. Wieso reagierte da keiner.

Nun gut. Er konnte von hier sowieso nichts tun außer abwarten. Er würde sich später Gedanken darüber machen, wie sie wieder hier raus finden konnten. Also richtete er seine Aufmerksamkeit wieder dem Außenteam zu. Laut den Anzeigen befand sich das Außenteam in einem großen Raum, ziemlich im Zentrum des Asteroiden. Bisher gab es keine Probleme, das Team mit dem Transporterstrahl erfasst zu halten. Doch Yhea hatte keine Ahnung, was dort unten so vor sich ging.

Er war voll und ganz von den Datenpaketen abhängig, die Mirabelle ihm zuschickte. Doch meistens enthielten diese nichts besonders Interessantes. Zumindest nichts, was ihm etwas sagte.

Mürrisch trank er wieder von seinem Kaffee. Er hasste es, untätig irgendwo herum zu sitzen. Hier im Raider hatte er noch nicht einmal die Möglichkeit, irgendwas an den Systemen zu reparieren. Denn alles funktionierte tadellos. Nun gut, er hatte ja auch schon Monate an dem Schiff herumgebaut. Und nur selten machte er irgendwelche Fehler. Zumindest bis jetzt nicht.

Gerade wollte er wieder nach der Sonde scannen, als von Renault ein neues Datenpaket einging. Gespannt las er sich die Daten durch und stockte. Was war den das? Hatte er sich verguckt? Nein, da stand es schwarz auf weiß. Mirabelle hatte mit ihrem Tricorder eine cardassianische Signatur gescannt. Das erkannte sogar Yhea mit seinen eingeschränkten Medizinkenntnissen.

Doch was hatte das zu bedeuten? Was hatte ein Cardassianer auf einem Asteroiden zu suchen, der voll von Klingonen war?

Irgendwie hatte Alnak das Gefühl, dass er es all zu bald erfahren würde.

--- Speisesaal

Gebannt starrten jetzt alle Anwesenden zur Tür, die jetzt zum Großteil von einem hünenhaften Cardassianer ausgefüllt wurden. Seine eng beieinander liegenden Augen hatten etwas Verschlagenes an sich. So erschien es zumindest Cailin, die gerne von den individuellen Ausprägungen, die ein Gesicht im Laufe der Zeit erhielt, auf den Charakter schloss, um sich schon vor dem ersten Gespräch mit einer Person ein Bild von ihr zu machen.

Die Haltung des Cardassianers war stolz und imposant. Er trug eine Art Uniform und wirkte nicht gerade wie jemand, der einem Haufen Klingonen unterstellt war und sich viel sagen ließ.

'Eine Falle', ging es der Ärztin durch den Kopf und gleichzeitig kam ihr die Erkenntnis, dass hier niemand Phaser ziehen und sie beschützen konnte. Nicht wenn so viele Klingonen anwesend waren. So blieb ihnen lediglich die Hoffnung, dass Yhea auch alles mitbekam, was sich hier ereignete, auch wenn sie leider vergessen hatten ein Zeichen zu vereinbaren, dass die Verbindung auch stand.

Vielleicht waren Renaults Versuche "Meldung zu erstatten", nichts weiter als es wirklich dem Anschein hatte. Sie maß lediglich alles mit ihrem Tricorder.

Der Gedanke beunruhigte die Purna noch immer, als der Mann schon auf die beiden Klingonen zuschritt. Trotzdem ließ sie sich äußerlich nichts anmerken. Wenn sie Glück hatten, dann war es durchaus erklärlich, was gerade ein Cardassianer hier zu suchen hatte. Möglicherweise konnten sie dadurch später sogar normalen Kontakt zu Yhea suchen, der sich gerade wegen seiner Herkunft verbarg.

Aber wenn dieser Mann nicht wie Yhea vom Schicksal gegen seine Rasse geführt wurde... was würde er dann dazu sagen, dass sie von der Venture kamen? Einem Schiff, das keinem Cardassianer unbekannt war.

Plötzlich legte sich eine Hand auf Cailins Schulter und sie schrak heftig zusammen. Gleichzeitig bäumte sich ihr Kamm zu seiner Höchstform auf und einige der Klingonen bestaunten sie wie eine Entgleisung der Natur was ihr besonders peinlich war. Hastig drehte sie sich zu der Person um, die sie berührt hatte.

Zu ihrer Erleichterung handelte es sich dabei weder um einen Klingonen noch um einen Cardassianer. Hinter ihr stand ein sehr kleiner, schmächtiger Terraner. Aufgrund der vielen Furchen in seinem Gesicht und seiner beginnenden Glatze schätzte sie ihn auf Mitte vierzig. Fragend blickte sie ihn an und erntete ein verlegenes Lächeln.

Sein Auftritt war ihm offensichtlich peinlich, denn er senkte den Blick und sah ihr nicht ins Gesicht, als er sie ansprach: "Tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt haben sollte. Mein Name ist Prof. Dr. Theodor Irling. Ich bin Arzt und Wissenschaftler dieser... Station. Man hat mich gebeten mich mit Ihnen auszutauschen."

Woher war dieser Mensch plötzlich gekommen? Cailin konnte schwören beim Betreten des Raumes nur Klingonen gesehen zu haben. Und bis auf diese Tür hatte der Raum weder einen weiteren Ausgang noch Eingang.

Hatte er sich bewusst versteckt gehalten oder kannte er eine Möglichkeit der Fortbewegung, die dem Beamen ähnelte, aber absolut geräuschlos vor sich ging?

Da Cailin nicht gerade von sich behaupten konnte viel über den Maquis zu wissen oder ihrem Verhältnis zu Klingonen oder Cardassianern, oder sie besonders mit klingonischen Bräuchen und Sitten bewandert war, gefiel ihr die Idee nicht schlecht, die Gunst des Augenblicks zu nutzen und mit einem Kollegen zu sprechen. Die Medizin war noch immer ihr Gebiet und sie musste sich eingestehen neugierig zu sein, wozu man hier einen Wissenschaftler brauchte.

Möglicherweise konnte man von Dr. Irling mehr erfahren, als von den zwei genusssüchtigen Klingonen.

"Angenehm Sie kennen zu lernen, Prof. Irling. Ich gebe zu neugierig zu sein, was für Arbeiten anfallen und welche Ergebnisses Sie erzielt haben. Wenn Sie möchten, könnten wir gerne unsere Standpunkte und Arbeitsweisen austauchen, vielleicht auch Erkenntnisse..." Sie ließ ihren Blick in die Runde wandern um festzustellen, dass auch sie sich hier unwohl fühlte. "Aber dazu würde ich gerne ungestörter mit Ihnen sprechen. Was halten Sie davon, wenn wir einen stilleren Ort aufsuchen? Haben Sie ein Labor oder eine Krankenstation auf der Sie arbeiten?"

Bei ihren Worten hatte sich die Purna erhoben und folgte dem Mann mit dem weißen Kittel, der sich umgewandt hatte und ihr bereits im Gehen antwortete: "Nun, mein Wirkungsbereich ist eigentlich beides. Labor und Krankenstation. Aber erwarten Sie sich bitte nicht zuviel. Meine Mittel sind hier leider sehr eingeschränkt."

Cailin nickte. Nach ihrer Untersuchung des Blutweins wunderte sie das kein bisschen.

Mirabelle hatte sich in den letzten Minuten ganz darauf konzentriert, die Umgebung und alle Lebensformen mit dem Tricorder zu erfassen. nachdem ja bislang niemand etwas gegen das Scannen einzuwenden gehabt hatte, fuhr sie wie selbstverständlich damit fort und bemühte sich sehr, ein neugieriges und staunendes Gesicht aufzusetzen.

Gelegentlich fing sie einen amüsierten Blick des anführenden Klingonen auf, der sie anscheinend für nicht mehr als ein beeindrucktes Kind hielt. Mira war das ganz recht und sie versuchte, diesen Eindruck zu verstärken, ohne übertrieben zu wirken.

Außerdem versuchte sie, eine Botschaft an den Romulaner im Shuttle einzugeben, kurz und knapp, fast schon kryptisch, dass er sich melden solle, ob er ihre Daten empfangen könne. Ob das bei ihm ankam und wenn ja, ob er es auch begriff, wusste der Geier....

Plötzlich merkte sie, dass sich die Purna vom Tisch entfernte und einem Terraner folgte. Sich immer weiter umblickend stand die Französin auf und folgte den beiden. Immerhin war ja Miguel noch da, der konnte auf die anderen aufpassen.

--- am Rand des Speisesaals

Kurz vor der Wand erreichte sie die beiden. Cailin schenkte ihr erst einen fragenden Blick, dann ein zustimmendes Nicken. Beide blieben leicht befremdet stehen, als der terranische Mann unbeirrt auf die Wand zuschritt. Da war doch nirgends eine Türe?

Auf einmal verschwand der Mann. Es wirkte, als wäre er mittels Magie durch die Wand gegangen. Mira blickte auf den Tricorder und konnte hier noch die Reste eines elektrischen Flimmerns feststellen. "Das ist eine Art Türe, Madame. Scheint ungefährlich zu sein." Mit diesen Worten trat sie 'in' die Wand und nahm gerade noch wahr, dass die Purna ihr folgte.

--- Speisesaal

Nachdem sie zuvor einen Blick auf Cailins Tricorderdaten geworfen hatte, überraschte Ysara das Auftauchen eines reinblütigen Cardassianers nicht mehr so sehr, auch wenn sie ihn, im Gegensatz zu ihren Begleitern, bisher noch nicht bemerkt hatte, dazu war sie zu sehr mit Logi und Ragos beschäftigt gewesen.

Aufmerksam musterte sie ihn, insbesondere seine wirklich hässliche Uniform. Wahrscheinlich produzierten die Replikatoren hier nichts Besseres. Falls es überhaupt Replikatoren gab. Irgendwie bezweifelte die Psychologin das stark.

Vom Blutwein ein wenig gelockert entwich ihr ein belustigtes Grinsen, und sie wurde dafür mit einem scharfen Blick belohnt. Der Cardassianer stand einige Sekunden lang schweigend am Tisch und starrte sie an, bis Ragos ihm auf die Schulter klopfte.

"Setz dich zu uns, alter Freund. Das hier sind Gäste, die den Maquis suchen." In knappen Worten erklärte er ihm, wer sie waren und was sie wollten. Ysara wurde jedoch abgelenkt. Viel interessanter fand sie Logi. Der kleine Kerl hatte zwar einverstanden gewirkt, als sein Bruder nach diesem Gul Kreshnar rief, doch jetzt schien er plötzlich ganz in sein Glas vertieft und noch kleiner als vorher, als sei es ihm unangenehm, den Neuankömmling auch nur anzusehen.

Der hatte mittlerweile Platz genommen. Seine grimmige Miene blieb noch immer dieselbe, als er widerwillig zu sprechen begann. "Natürlich gibt es noch Überreste des Maquis. Bleiben lieber in ihren Verstecken, aber dann und wann handele ich mit ihnen."

Dann griff er erst einmal zu einem Becher, um ihn mit Wein zu füllen.

Das Auftauchen des Cardassianers und des Terraners war für Clint nicht wesentlich überraschend. Klingonen lebten mit anderen Spezies zusammen, auch wenn sie diese meist als Unterlegene behandelten. Allerdings schien dieser Gul mit Respekt behandelt zu werden. Die übliche cardassianische Arroganz stand jedenfalls auch diesem Exemplar im Gesicht geschrieben.

Der Blutwein den der Halb-Breen zu sich genommen hatte, schien noch keine Auswirkungen zu haben, außer dass er das Bedürfnis empfand sich zu übergeben. Zu seinem Bedauern erwiesen sich vulkanische Geistesdisziplinen als nicht sehr Wirksam um dagegen anzukämpfen. "Entschuldigen Sie mich kurz", teilte er deshalb den Anwesenden mit, verließ den Speisesaal und machte sich auf die Suche nach einer Toilette.

--- Gänge beim Zentralraum

Eine Türe gleich gegenüber zum großen Zentralraum schien viel versprechend. Der Geruch, der ihm jedoch aus dieser Richtung entgegenschlug, rief ihm einige schockierende Dinge über klingonische Hygieneeinrichtungen ins Gedächtnis. So beschloss er sich lieber einen abgelegenen Gang für sein Vorhaben zu suchen.

Nach einigen Abzweigungen wurde die Luft kälter und abgestandener, anscheinend wurden Umwelterneuerungssysteme nur in den wichtigsten Regionen verwendet. Ein neuer Übelkeitsanfall ließ ihn innehalten. Er lehnte sich an die Wand und ... fiel durch sie hindurch.

--- ?

Überrascht stand der Wahlvulkanier auf und schaute sich um. Er wusste noch nicht wo genau er gelandet war, aber eins war gewiss: Es war eine Kammer des Schreckens.

--- Gang

Die Ärztin hatte die letzten Worte der Französin nicht gehört, da Schall diese Art von Tür und ihre Sicherheitssperren nicht durchbrechen konnte. Deshalb sah sie etwas irritiert auf, als der Arzt und Wissenschaftler plötzlich auf Renault Feststellung antwortete:

"Aber das ist noch gar nichts. Interessant sind noch ganz andere Dinge. Folgen Sie mir bitte." Damit machte der Arzt auf dem Absatz kehrt und schlug den rechten Weg des Ganges ein, dessen Ende sich noch in Dunkelheit verlief. Doch jeder Sektor, den er betrat, wurde automatisch hell, auch wenn man keine erkennbare Lichtquelle ausmachen konnte.

Die Purna wechselte einen fragenden Blick mit der Französin, ob sie dem Arzt weiter folgen sollten, diese jedoch schien keine Bedenken zu haben und zuckte leicht mit den Schultern. So schritten die beiden Frauen nebeneinander hinter dem Wissenschaftler her. Teils weil die
Sicherheitlerin Cailin vor einem Angriff von vorne wie von hinten schützen wollte, teils weil der Ärztin das alles hier nicht geheuer war und sie auf keinen Fall neben Prof. Irling gehen wollte, um nicht von der Französin getrennt zu werden.

Als sie den Asteroiden betreten hatten, waren sie in einem Raum gelandet, der bis auf beinahe antik anmutende Technik fast den Anschein einer sehr primitiven Kolonie vermittelte, zumindest was die Bearbeitung der Wände und sonstigen Raumschmuck betraf. Dann der schwebende Raum, den zu betreten Cailin schon leichte Übelkeit verursacht hatte. War doch Technik für sie etwas wie Zauberei und deshalb nicht verlässlich.

Doch nun wo sogar Türen im Nichts existierten, bereute die Ärztin schon fast der Bitte des Mannes gefolgt zu sein, der nun zwei Schritte vor ihnen herging und sie durch zwei weitere solcher "Türen" führte. Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass sie neugierig war, was er hier in den Badlands wohl forschte und wie sein Arbeitsbereich aussehen mochte.

Primitiv und einfach wie der Transporterraum oder hoch technisch wie in dem Raum ohne Halt?

--- Labor

Es dauerte nicht lange und die kleine Gruppe stand in einem Labor, das nichts Primitives an sich hatte und Cailins erste Vermutung gleich zerstreute. Die Geräte schienen alle neuwertig zu sein und die Ausstattung war zumindest für die Purna, die Verhältnisse wie auf der Venture gewöhnt war, erstklassig.

In stiller Ehrfurcht blickten ihre runden Augen über diese Vielfalt an Gerätschaften hinweg bis sie an einem Schrank hängen blieben. Erst jetzt fiel ihr auf, wie wenig Medikamente es hier zu geben schien.

Was auch immer dieser Prof. Irling hier trieb, sein Schwerpunkt schien eindeutig in der Forschung und nicht der Medizin zu liegen.

Der Professor hatte seine Finger ineinander geschränkt und geduldig gewartet bis die beiden Frauen sich einen Eindruck von seiner Umgebung machen konnten, trotzdem wirkte er erstaunlich unruhig. Jedenfalls merkte man das deutlich an den hektischen Bewegungen seiner Augen, die ständig damit zu rechnen schienen, dass sie Besuch bekamen. Eigenartigerweise fehlte auch an seinem Labor jegliche Tür, die man hätte verschließen können.

"Eindrucksvoll, Prof. Irling", meinte Cailin abschließend und hatte nicht den Eindruck, dass er mit seinem Labor hatte protzen wollen oder sie an den Ergebnissen seiner Forschung teilhaben lassen wollte. Schließlich stand er einfach nur da, während jeder andere bereits Verschiedenes erläutert oder erklärt hätte. Deshalb eröffnete sie das Gespräch:

"Ich werde Sie gerne an meinen Forschungsergebnissen teilhaben lassen, aber ich kann jetzt schon sagen, dass ich nicht alles ohne Zustimmung weitergehen darf und wir hier zu weit von unserem Schiff entfernt sind um eine dahingehende Erlaubnis beim Captain einzuholen. Außerdem...", noch immer von ihrer Umgebung gefangen, schüttelte sie leicht den Kopf
und seufzte, "stehen mir weitaus weniger Mittel zu Verfügung als Ihnen. Sie dürften deshalb recht enttäuscht..."

Der Arzt schüttelte entschieden den Kopf und unwillkürlich verstummte die Purna mitten im Satz. "Machen Sie sich keine Sorgen um Ihre Forschungsergebnisse, ich will sie gar nicht. Ich möchte etwas ganz anderes von Ihnen." Als er sich der ungeteilten Aufmerksamkeit beider Frauen versichert hatte, ließ er die Bombe platzen:

"Ich will von hier weg.

Und ich will es nicht umsonst... ich biete Ihnen Forschungsergebnisse an von denen Sie nicht einmal geträumt hätten und die Ihnen von größter Nützlichkeit sein werden..."

--- Raider Silver Sun

Wütend sprang Yhea von dem Pilotensitz auf und schritt durch das Shuttle. Er hatte jetzt schon seid fast 30 Minuten versucht, die Boje zu finden. Erfolglos. Er verstand es nicht, warum die Venture nicht schon längst eine neue Signalboje gestartet hatte. Es war doch nur eine Sache von ein paar Minuten.

Doch genauso hatte er sich an den Datenpaketen die Zähne ausgebissen. Er wurde einfach nicht schlau daraus. Ohne die Hilfe von Renault würde er nie die Informationen verstehen. Und er hätte es gerne ohne ihre Hilfe geschafft. Doch fragen konnte er sie ja nicht. Doch was sollte er tun? Einfach hoch beamen? Nein, da würden die Gastgeber wohl was dagegen haben. Und einen Funkkanal öffnen ging dadurch auch nicht.

Aber er ertrug es einfach nicht mehr, untätig hier herum zu sitzen. Er hatte schon eindeutig zu viel Kaffee getrunken und war dadurch so aufgedreht und nervös, dass er schon nicht mehr ruhig sitzen konnte. Also drehte er ein paar Runden in der beengten Kabine und versuchte, den Kopf wieder frei zu bekommen.

"Computer", rief er, während er weiterlief. "Drei Sandwichs, ein Glas romulanisches Ale und Musikprogramm 12 aus der privaten Datenbank von mir."

Sofort erschall eine romulanische Oper und im Replikator erschien das Gewünschte. Schnell schnappte er sich die Bestellung, ließ sich in einen der Sessel fallen und begann genüsslich zu essen. Vielleicht schaffte er es dadurch, den Koffeingehalt in seinem Blut ein wenig zu senken. Zwar konnte er sich das mahnende Gesicht der Ärztin gut vorstellen, wenn die das ganze mitbekommen hätte, aber das war ihm egal. Schließlich war die da unten auf dem Felsbrocken und er hier im Weltall.

Hungrig verschlang er ein Sandwich nach dem anderen und selbst nach der zweiten Portion knurrte sein Magen noch. Da kam ihm erst der Gedanke, dass er ja schon seid längerem nichts mehr gegessen hatte.

"Wie konnte ich das bloß vergessen", sagte er zu sich und bestellte beim Computer die dritte Portion. "Na ja, wenigstens verhungere ich hier im Shuttle nicht", bemerkte er und schob sich ein neues Sandwich in den Mund.

--- Speisesaal

Resigniert folgte Ysaras Blick dem Wahlvulkanier. Na wunderbar, jetzt war sie allein mit einer Horde Klingonen und einem übel gelaunten cardassianischen Händler. Das heißt, natürlich war Miguel noch da. Sie sah zu dem jungen Sicherheitler hinüber, der stumm und deplaziert dasaß und nicht die Absicht zu haben schien, sich irgendwann in das Gespräch
einzumischen. Also eigentlich doch allein.

Sie seufzte und wandte sich wieder ihren Gesprächspartnern zu. "Können Sie uns sagen, wo wir den Maquis finden können, oder könnten Sie uns hinführen?"

Wieder runzelte der Mann die Stirn. Offensichtlich gefiel es ihm nicht, mit Menschen zu tun zu haben. Wer wusste schon, was er mit ihnen zu tun gehabt hatte, bevor es ihn in die Badlands verschlug. Und überhaupt, was trieb einen Cardassianer dazu, mit dem Maquis zu handeln, ausgerechnet? Nicht zu reden von diesem Halbcardassianer. Vielleicht waren Logi und Kreshnar ja verwandt.

"Natürlich könnte ich das", antwortete er schließlich knapp und fügte hinzu: "Was bekommen wir dafür?"

Das klang allerdings schon bedeutend besser. Mit dieser Verhandlungsbasis konnte Ysara arbeiten. Sie breitete die Arme aus. "Miss Fakaii ist eine ausgezeichnete Ärztin, und wir haben einen ebenso guten Techniker, sowie einen Wissenschaftler dabei. Wir können Ihnen also technische und medizinische Unterstützung anbieten. Ressourcen jeder Art sind bei uns aber immer knapp. Wir müssten uns dann mit der Venture in Verbindung setzen, was natürlich seine Zeit dauern würde."

Die leichte Ungeduld in ihrer Stimme ließ alle Anwesenden darauf aufmerksam werden, dass es völlig ungünstig wäre, wenn viel Zeit verging. Das All war groß und das Reisen dauerte ewig, aber meistens hatten es trotzdem immer alle eilig.

Die beiden Klingonen und der Cardassianer sahen sich an und tauschten sich wortlos aus. Insbesondere Logi tat das unwillig, als sei er mit dem Gul nur sehr ungern einer Meinung.

"Also gut", erwiderte Ragos schließlich. "Ihr könnt da schon etwas für uns tun. Natürlich sollten weder das klingonische Imperium, noch die Föderation davon erfahren."

"Ich bezweifle stark, dass unser Captain mit einem von beiden in Kontakt steht", erwiderte die Psychologin trocken. "Um was geht es?"

Ein Augenblick kalkulierten Schweigens entstand, bis der Cardassianer nickte und Ragos weiter sprach. "Helfen Sie uns, eine biologische Waffe herzustellen, an der wir seit einigen Jahren arbeiten."

Erstaunt sah Ysara vom einen zum anderen, doch sie schienen das tatsächlich ernst zu meinen. Die Frage war nur, warum sie ihr das so sorglos erzählten, ohne wirklich zu wissen, ob man ihnen vertrauen konnte, aber eigentlich lag die Antwort ja auf der Hand: sie würden sie andernfalls einfach töten.

Zufrieden lächelte der Gul in sich hinein: Natürlich hatten sie gewusst, dass die Menschen, von diesem ekligen Mitgefühl was den meisten Angehörigen dieser schwachen Spezies innewohnte gegenüber allem Leben befangen, niemals an ihrem Vorhaben beteiligen würden.

Zumindest nicht freiwillig.

Er konnte es in den Augen der Frau lesen, die für einige Sekunden Ungläubigkeit und tiefe Verwirrung gezeigt hatten, bis sie sich der Situation bewusst wurde und wieder eine neutrale Mine aufsetzte.

Sicherlich war es zunächst Zufall gewesen, dass das fremde Schiff überhaupt ihren Stützpunkt gefunden hatte, aber innerhalb kurzer Zeit hatten sie einen Plan entwickelt, wie man die Menschen zu ihren Zwecken manipulieren konnte.

Das anfängliche Gelage war hierbei nur der erste Schritt gewesen, hatte seinen Sinn aber hervorragend erfüllt. Mit dem Ergebnis, dass die Gruppe ihre übergroße Vorsicht rasch aufgegeben hatte; jetzt verstreut leichte Beute für die Allianz war...

Das Schicksal war wieder voller Ironie: Würde doch letztlich die Kooperation der Menschen dafür sorgen, dass der von ihnen gesuchte Maquis für immer ausgelöscht werden wurde.

"Über die Details muss man sich natürlich noch einig werden", fügte er hinzu, erfreut, dass ein interessantes Spiel begann.

--- Labor

Ziemlich überrascht blickte Mirabelle zunächst zu Professor Irling, dann auf die Purna. Auch diese hatte anscheinend etwas völlig Anderes erwartet.

Doch: Konnten sie dem Mann trauen? Vielleicht handelte es sich auch um einen Spion, der ihre genauen Absichten und Möglichkeiten herausbekommen sollte...

Mirabelle beschloss, sich bedeckt zu halten. Anscheinend zögernd und verblüfft antwortete sie daher: "Aber warum denn? Sie haben hier doch alle Möglichkeiten, die einem Forscher nur gegeben sein können! Ich bin zwar selbst nicht sehr bewandert in dieser Sparte..." - dabei blickte sie sich mit einem betont bewundernden Blick im Labor um - "aber selbst ich kann erkennen, dass dieses Labor hier vom Feinsten ist..."

Irritiert blickte der Professor sie an. Innerlich amüsierte sich die Französin. Sollte er sie doch für ein wenig dumm und leicht beeindruckbar halten. Falls er ein Spion wäre, würde das wenigstens den Eindruck bestätigen, den die Klingonen schon in dem schwebenden Raum von ihr erhalten hatten: Neugierig, aber ungefährlich.

Sie konnte sich ein Grinsen nur schwer verkneifen. Immerhin maß ihr Tricorder immer noch alles, was sich in seiner Umgebung befand. Alnak würde sich über die Datenflut freuen, hätte er dann doch wenigstens Beschäftigung da oben in seinem einsamen Shuttle...

"Ich habe die Nase voll!" entgegnete der Forscher heftig. "Ich mag nicht mehr in diesem Asteroiden sitzen, ich will endlich mal wieder richtige Erde unter den Füßen haben, richtige Luft atmen und mir einen Sonnenbrand holen!"

Bei diesem Ausbruch schnappte seine Stimme leicht über. 'Entweder das ist echt oder er ist ein verdammt guter Schauspieler', dachte die Sicherheitlerin und warf einen fragenden und zugleich aufmunternden Blick auf ihre Begleiterin.

Während die Purna scheinbar nur aufmerksam den Worten des Professors gefolgt war, beobachtete sie ihn sorgfältig und versuchte sich ein Bild von seinem Charakter zu machen. Sein Verhalten war ungewöhnlich und sie fragte sich schon die ganze Zeit über was er zu verbergen hatte.

Sicher war es ein Grund nicht groß bei seinen klingonischen "Vorgesetzten" aufzufallen, wenn er von hier weg wollte, aber nicht das allein war es, was Cailin an dem Mann störte.

Obwohl er nach außen hin den Anschein erwecken wollte, als wollte er einfach nur von hier weg, weil es ihm hier nicht mehr gefiel und er anderes vermisste, sprach seine Körpersprache etwas anderes. Der Arzt und Wissenschaftler zeigte alle Anzeichen von Furcht. Ja, geradezu von Panik.

Cailin las es an der Größe seiner Pupillen, ihren unruhigen Bewegungen, den Gebaren seiner Hände und auch an seiner gesamten verkrampften Körperhaltung. Ohne lange darüber nachzudenken, was er von ihrer Reaktion halten mochte, ließ sie seine Körperwerte von ihrem Tricorder messen und kam zu dem gleichen Ergebnis:

Prof. Irlings Puls raste und sein Blutdruck war trotz seiner blassen Hautfarbe viel höher als normal.

Da der Blick beider Personen auf sie gerichtet war, sagte die Ärztin einfach, was ihr durch den Kopf ging, ohne sich darum zu kümmern, ob nicht ein anderes Vorgehen vielleicht diplomatischer wäre:

"Wir sind hier um den Maquis zu finden, besser gesagt eine Spur zu finden, die uns zum Maquis oder dem was von ihm übrig ist führt. Aber wir sind nicht hier jemand zur Flucht zu verhelfen, der allem Anschein nach gar nicht gefangen gehalten wird und der auch nicht gegen seinen Willen hier ist."

Der Professor schien zu überlegen, was er antworten wollte, doch Cailin gab ihm erst gar nicht die Gelegenheit sich jetzt eine abenteuerliche Geschichte auszudenken, die seinem Zweck dienlich war, sondern trieb ihn gleich in die Enge und stellte ihn vor die Wahl die Wahrheit zu sagen oder weiter zu lügen und nichts zu erreichen.

Ihr Kamm blähte sich auf und fiel wieder in sich zusammen. Es war eine Geste des sich Streckens und Entspannens. Sie wollten nicht den Anschein erwecken, dass sie etwas anderes anerkennen würde als die reine Wahrheit.

"Professor Irling, wir sind sicher nicht hier draußen gelandet, wo niemand mit klarem Verstand einfach einen Ausflug ins Blaue macht, wenn wir nicht ein Ziel hätten und eine Aufgabe. Genauso erkenne ich, dass Sie ein Ziel verfolgen. Wir versuchen zu helfen, aber genauso versuchen wir selbst zu überleben und Wagnisse gut abzuwägen um keine unnötigen Risiken einzugehen."

Die Ärztin fixierte den Arzt mit ihren ungewöhnlichen Augen, konnte aber außer Angst nichts erkennen, was ihm durch den Kopf ging. Trotzdem machte sie weiter und strebte auf ihr Ziel zu so lange ihr Gegenüber noch unter Druck stand, um ihm keine Zeit lange zu überlegen zu geben.

"Aber wir werden beide keine gemeinsame Basis für einen Handel finden, wenn Sie uns weiter verschweigen, was Ihnen Angst macht und wovor Sie mit aller Macht fliehen möchten. Und ich weiß, was ich sehe, schließlich kenne ich mein Handwerk. Also sprechen Sie offen oder wir können uns gleich umdrehen und nach der Besichtigung Ihres Labors wieder verschwinden wie wir gekommen sind. Sie haben die Wahl."

Der Mann rang innerlich mit sich und sie sah wie schwer es ihm fiel eine Entscheidung zu treffen. Die Wahrheit konnte für ihn anscheinend ebenso fatale Folgen nach sich ziehen wie das, vor dem er davon lief. Und angesichts der beiden eigenartigen Klingonen wunderte sie das nicht im Geringsten.

"Ich...", begann der Wissenschaftler stockend und sein Lidschlag wurde schneller, als würde er mit Mühe Tränen unterdrücken, "habe eine biologische Waffe entwickelt, die alles Leben auf einem Planeten innerhalb von Minuten auslöschen kann... Der schnelle Tod..."

Schockiert blickte die Purna auf die Französin, der scheinbar auch die Worte fehlten um diese Nachricht zu verdauen. Es war zu unglaublich, zu grauenhaft um auch nur im Entferntesten daran zu denken was für eine verheerende Waffe so etwas in den Händen der falschen Leute sein konnte.

Der Federkamm legte sich ganz eng an ihren Kopf und sie konnte einige schnarrende Geräusche nicht vermeiden, die wie von selbst aus ihrer Kehle kamen und nirgends eine Übersetzung fanden. Laute die Trauer, Angst und Fassungslosigkeit ausdrückten.

Die Stimme des Forschers klang erstickt und leise, als er sagte: "Noch konnte ich die Klingonen täuschen und sie in dem Glauben lassen, dass ich noch vor dem entscheidenden Durchbruch stehe. Aber sie sind nicht dumm. Sie werden es mir nicht mehr lange glauben. Und wenn Sie mich zwingen es einzusetzen...." Er weinte erstickt, ohne dass eine Träne zu sehen war. Trotzdem schüttelten Krämpfe seinen Körper.

"Sorgen Sie sich nicht. Wir werden sehen was wir für Sie tun können", meinte die Purna und wünschte sich wieder einmal, dass sie die Venture direkt im Rücken hätten und hier in den Badlands nicht so hilflos wären. So konnte sie nur zur Französin sehen und auf eine gute Antworte auf ihre Frage hoffen:

"Können wir es irgendwie schaffen mit unserem Shuttle direkten Kontakt aufzunehmen, ohne Gefahr zu laufen, dass wir abgehört werden?"

Fieberhaft überlegte die Französin, dann begann sie den Tricorder zu manipulieren. Mit ein wenig Glück schaffte sie es, eine Frage an den Romulaner in der übrigen Datenflut zu verpacken.

Eilig huschten ihre Finger über den Tricorder, Schweißperlen traten ihr auf die Stirn, so angestrengt überlegte sie. Nach und nach kam die Erinnerung an die Lektionen ihres Vaters wieder... Er war ein guter Sicherheitler gewesen, und vielleicht konnte sie auch so effektiv arbeiten wie er.

Nur am Rande nahm sie wahr, dass die Purna wieder ein paar Worte mit Professor Irling wechselte. Mirabelle war in ihrer eigenen kleinen Welt versunken, die aus einem Tricorder, verschachtelten Daten und extremer Konzentration bestand.

Nach etlichen Minuten atmete sie tief auf. Jetzt hatte sie eine Möglichkeit geschaffen, eine getippte Frage an den Romulaner loswerden zu können, die obendrein so in Codes verpackt war, dass sie hoffte, die Klingonen würden sie nicht so schnell knacken können. Dass der Romulaner die Codes verstand, musste sie einfach hoffen...

Schnell tippte sie ein "Stellen Sie Ihre Frage an Alnak schriftlich, falls wir abgehört werden!" Dann wandte sie sich an Cailin, reichte ihr mit beeindrucktem Gesichtsausdruck das Gerät und meinte: "Miss Fakaii, schauen Sie sich mal an, was ich gefunden habe..."

--- Speisesaal

Ysara lehnte sich ruhig zurück und überdachte die Angelegenheit sehr gründlich. Ihre vorherige Ungeduld war erst einmal vergessen. Es störte sie nicht, dass die Blicke der Anwesenden abwartend auf ihr ruhten. Auch wenn der Blick dieses Gul entschieden zu berechnend war, für ihren Geschmack.

Was sie schon eher störte, war die Situation, in der sie sich befand, und die sie bestenfalls ungünstig nennen würde. Wie es aussah, hatten sie kaum eine Wahl, als auf den Handel einzugehen, wenn sie nicht von einem Bat'leth zerstückelt in irgendeiner Trainingshalle enden wollten. Ihr einziger Trost war, dass sie daran nicht wirklich Schuld haben würde - immerhin war es der Captain gewesen, der einen unfähigen Counselor wie sie eingestellt hatte.

Die Psychologin ahnte, dass es ihr nicht möglich sein würde, das Shuttle zu kontaktieren. Die beiden Klingonen und ihr Gefährte würden sie nicht aus den Augen lassen.

"Sie verstehen natürlich, dass ich mich erst mit Mr Clint und Dr Fakaii absprechen muss", begann sie schließlich bedacht. "Denn ich für meinen Teil verfüge nur über ein sehr geringes Wissen auf diesem Gebiet."

Und vor allem wollte sie fähigere Kameraden bei sich wissen als diesen Miguel. Ihr Blick schweifte zu ihm. Sie bezweifelte, dass er überhaupt verstanden hatte, worum es gerade ging.

Freilich könnte sie Cailin auch einfach mit dem Kommunikator rufen, aber es erschien ihr doch als eine Frage der Höflichkeit, sich an den Cardassianer zu wenden. "Wo befindet sich Miss Fakaii momentan? Ich schlage vor, wir gehen zu ihr und sehen uns gemeinsam diese Waffe an."

Der Gul überlegte einen Moment; entschied dann aber, dass dieses Treffen in keinster Weise seine Pläne behindern konnte. Solange sich die Gruppe auf diesem Stück Fels befand und das getarnte klingonische Schiff jede Verbindung zu ihrem Mutterschiff unterband [NRPG: ui, ein Reim!] gab es für die Eindringlinge keine andere Alternative zur bedingungslosen Kooperation.

Kreshnar hatte es schon öfters verstanden, zufällige Ereignisse für seine Ziele auszunutzen. In letzter Zeit war dieser Irling schwächlich geworden und bald würde seine Arbeit nur noch wertlose Ergebnisse liefern. Wenn das Projekt nicht gefährdet werden sollte, musste der Cardassianer dringend gleichwertigen Ersatz finden.

Und was war besser geeignet als ein Schiff voller Menschen?!

Wenn die Allianz erst die Badlands mit der Waffe beherrschte, konnte sie gefahrlos alle Schiffe mit ihr aufrüsten, um dieses fremde Universum bald gänzlich zu unterjochen...

"Warum eigentlich nicht?", antworte Kreshnar mit einer Prise Demütigkeit in der Stimme, die auf Frauen egal welcher Spezies immer manipulierend wirkte.

Ein kurzer Blick auf sein Info-PADD sagte ihm, dass sich die Gruppe bereits in Prof. Irlings Labor befand. Bestimmt hatte er die Fremden schon panisch in ihre Pläne eingeweiht - eine Auswertung der Abhörprotokolle würde dies sicherlich später bestätigen.

"Hier entlang", bat er die Terranerin mit einer charmanten Handbewegung, worauf sie bereitwillig einging und ebenso wie Prof. Irling durch die Wand trat, nachdem sie Miguel angewiesen hatte, nach dem Breen zu suchen. Er würde im Zweifelsfall eher Schutz benötigen.

---Venture, Brücke

"Verdammt!", knurrte McCarthy, während seine Faust geräuschvoll auf die nächst beste Konsole knallte, "das war jetzt genug: Brengh, ist das Schiff auf einen Flug in die Badlands vorbereitet?!"

Mittlerweile war über eine halbe Stunde vergangen, seit die erste von ihnen ausgesetzte Sonde verstummt war. Die letzten Werte waren relativ eindeutig gewesen. Irgendetwas hatte die Sonde vernichtet. Die Perfektion des Ganzen deutete unmissverständlich auf absichtliche Zerstörung hin.

Eine nachgeschickte Sonde hatte noch nicht einmal Gelegenheit bekommen, von der eigenen Auslöschung zu berichten. Die Signale hatten einfach aufgehört...

Gleichzeitig war die Venture auf den Flug in die Plasmastürme eingestellt worden. Leistungsfähigere Sensoren und widerstandsfähigere Schilde waren das Ergebnis dieser Modifikationen; sollten es ihrem Schiff erlauben, den Badlands unbeschadet zu trotzen.

'Und außerdem wird es der Unbekannte viel schwerer haben...!', dachte der Captain grimmig, während sein Navigator mit einem Nicken auf seine Frage antwortete.

"Kurs auf die letzte bekannte Position der Signalboje, bei halber Impulsgeschwindigkeit aufnehmen. Energie!", befahl er sogleich, während in seinem Kopf Gedanken kreisten:

Es war offensichtlich eine Falle, aber er sah keine Möglichkeit das Außenteam zu beschützen, ohne selbst ein Risiko einzugehen. Am wichtigsten war zunächst, die Gründe des Feindes zu erkunden. Und wenn tatsächlich jemand mit ihnen ein Spiel austragen wollte, musste er sich darauf gefasst machen, dass Charles die Regeln änderte...

"Senden Sie ein Peilsignal für die Silver Sun, sobald wir in die Badlands eingetaucht sind. Mal schauen, wie lange wir auf Besuch warten müssen!"

Stardust Venture