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Venture 21 - Gelber Alarm!

--- Chi-Los Quartier

Das Geräusch weckte Chi-Lo sofort.

Schlaftrunken versuchte er, seine Gedanken zu ordnen. Dennoch brauchte er eine Weile, die er orientierungslos auf der Bettkante saß, bis seine Gehirnwindungen sich auf die Realität eingestellt hatten.

Gelber Alarm!

Das Protokoll eines jeden Schiffes der Galaxis sah in einem solchen Falle vor: Alle Mann auf ihren Posten!

Nur, dass er überhaupt nicht wusste, wo er hin sollte. Es widerstrebte ihm aber, einfach nur tatenlos zuzusehen. Ein Mann wie er konnte aus jeder Niederlage doch noch einen Sieg machen. Wie wichtig er für jede Mannschaft sein konnte, das hatte er mehr als ein mal bewiesen. Er würde die Venture schon raushauen, in welcher Gefahr auch immer sie sich befinden mochte!

Jetzt bemerkte er, dass er noch keinen Kommunikator hatte. Also ging er zur Türkommunikationsanlage, um Anjol zu fragen, wo er sich melden solle.

"Chi-Lo an Anjol!"

Keine Antwort.

"Chi-Lo Anjol, bitte melden!"

Noch immer keine Antwort. Na prima, das Schiff hatte Alarm gelb, und der erste Offizier war unauffindbar. Aber was sollte man von einem Bajoraner auch anderes erwarten. Soviel zum Thema Dienstauffassung.

"Computer, wo ist die Sicherheitsabteilung?"

Die monotone Frauenstimme antwortete: "Die Sicherheitsabteilung befindet sich auf Deck 6."

Schnell streifte sich der Chinese etwas über und stürmte auf den Korridor.

--- Deck 3, Korridor vor Chi-Los Quartier

Schnell fand er einen Turbolift, der kurz darauf die Türen öffnete. Ein blonder Mann, etwa 30 Jahre, Mensch, schlank, in einer gelben Uniform befand sich bereits darin.

Chi-Lo trat ein.

--- Bar, Tisch 8

Gorm amüsierte sich gerade über die kleinen Sticheleien zwischen dem Halbbreen und der Klingonin, als auf einmal die Hölle losbrach: Überall begann plötzlich Gelber Alarm zu schrillen.

Besorgt blickte der kleine Ferengi seinen Vorgesetzten an: "Was ist denn jetzt los? Was soll ich tun?"

Der Wissenschaftler hatte sich nach den Aufregungen der jüngsten Vergangenheit doch ein paar erholsame Tage auf der Venture in langweiliger Routine erhofft, bestenfalls unterbrochen von hochinteressanter wissenschaftlicher Arbeit.

"Ich werde mich vorerst auf die Brücke begeben", antwortete der Wahlvulkanier seelenruhig, während er aufstand und sich mit einem Nicken von der Technikerin verabschiedete. Der gelbe Alarm bedeutete keine unmittelbare Gefahr, aber selbst ein Enterungsalarm hätte den Halbbreen wahrscheinlich nicht aus der Ruhe gebracht.

"Den Rundgang durch die Labore, werden wir wohl auf später verschieben müssen. Mr. Gorm möchten sie sich in ihr Quartier begeben oder begleiten sie mich zur Brücke?"

"Machen sie Witze?", rief der Ferengi aus. Clint hob eine Augenbraue und musste einen Augenblick darüber spekulieren, welchen Informationsgehalt diese Antwort bezüglich seiner Frage hatte, bis er sich schließlich für ein neutrales Vorgehen entschied.

"Also dann", sagte er deshalb und ging mit schnellen, aber nicht hastigen Schritten Richtung Ausgang und dann zur Brücke. Der Ferengi begleitete ihn.

--- Bar, Theke

Yhea wollte gerade aufstehen, damit er die Führung im Maschinenraum endlich hinter sich bekam, als plötzlich gelber Alarm ausgerufen wurde. Sofort ging ein Grummeln durch die Bar und Stühle wurden gerückt, als sich alle Personen zu ihren Stationen aufmachten.

"Ich glaube, unsere Führung muss warten", sagte Yhea zu Jordan und Anjol und schritt zu Tisch 8, an dem auch schon alle aufbruchsbereit waren.

"Miss Chedu", sagte er, wie er am Tisch angekommen war. "Kommen Sie mit in den Maschinenraum?", fragte er, während er auf die Tür zeigte.

Die Klingonin nickte. "Sicher. Wir können sofort los."

"Prima", antwortete er und ging los. Im Gehen tippte er auf seinen Kommunikator und sagte: "Alnak an Robsen und Hedlege. Tut mir leid, dass ihre Freizeit schon wieder rum ist, aber bitte kommen sie sofort in den Maschinenraum. Alnak Ende."

Rasch hatte sich auch Anjol erhoben und musterte Jordan, die durch den plötzlichen Alarm verstummt war, aber sich nach einem Moment der Unsicherheit wieder zu fangen schien.

"Auf dem Planeten können wir sicher ihre Hilfe gebrauchen; eine Massenpanik könnte entstehen", wandte er sich an die Ärztin, während sich vor seinen Augen niedergetrampelte Kinder und blutende Platzwunden manifestierten, "Cailin wird hier an Bord alles für die Ankunft der Verletzten vorbereiten"

"In Ordnung" Jordan nickte, nachdem sich ihre anfängliche Verwirrung gelegt hatte - gelber Alarm, was war das noch mal. Dann erhob sie sich und nahm sich die Zeit, ihre Uniform glatt zu streichen, bevor sie dem Bajoraner zur Tür folgte.

An mehreren Tischen waren Crewmitglieder aufgesprungen und eilten in Richtung ihrer Posten. Sie gab sich Mühe, ihnen auszuweichen, da sie es gewohnt war, aufgrund ihrer Größe übersehen zu werden. Im Gehen aktivierte sie ihren Kommunicator.

"Kincaid an Fakaii. Ich werde Mr. Anjol auf den Planeten begleiten, wenn Sie mich nicht brauchen."

Es dauerte einen Augenblick, bis die bestätigende, knappe Antwort der Ärztin kam, als herrsche bereits reger Betrieb auf der Krankenstation. Jordan würde es nicht wundern, wenn dieser Jones wieder etwas durcheinander gebracht hatte.

Nachdem sie diese Formalität geklärt hatte, schloss sie zu Anjol auf und folgte ihm in Richtung Transporterraum.

--- Transporterraum

Auf dem Weg zum Transporterraum hatte der Bajoraner Kai Victor verständigt und diesem befohlen, mit einem kleinen Sicherheitsteam auf dem Planeten zu ihnen zu stoßen. Wenn eine Menschenmenge in Panik geriet konnte alles passieren. Sie durften auf keinen Fall die Kontrolle verlieren, wenn ihre Hilfe wirkungsvoll sein sollte.

"Hinter der Abdeckung dort sollten sich eigentlich Ersthelfer- Ausrüstungen verbergen", sagte Anjol mehr zu sich, als zu Jordan, als sie schließlich den Transporter erreicht hatten, "Da dürfte alles drin sein, was sie benötigen"

Rasch suchte er einen der besagten Koffer heraus und reichte ihn Miss Kincaid, die mit wenigen Blicken den Inhalt studierte und die Tasche dann wieder verschloss: Zwar nicht üppig, aber immerhin sollte die Hauptversorgung auch an Bord erfolgen.

"Ich wäre froh, wenn Sie einen Phaser bei sich haben würden", wandte er sich nochmals an die Ärztin, "nur für den Fall, dass Sie von uns getrennt werden oder die Lage eskaliert"

Jordan nickte. Der Bajoraner hatte völlig recht - sie erinnerte sich da an einen unangenehmen Zwischenfall während einer Außenmission, als sie einen klingonischen Piraten erst zu betäuben hatte, bevor er sich überzeugen ließ, dass er behandelt werden musste.

Mit drei Schritten war sie bei der jungen Frau, die die Transportkonsole kontrollierte, und streckte ihre Hand aus. "Geben Sie mir Ihren Phaser", verlangte sie knapp. "Und holen Sie sich bei Gelegenheit einen neuen."

Die Offizierin warf Anjol einen fragenden Blick zu und händigte ihr die Waffe aus, als er nickte. Jordan runzelte die Stirn. Bei Gelegenheit sollte sie herausfinden, was eigentlich ihr Rang war.

Sie befestigte den Phaser an ihrem Gürtel neben dem medizinischen Tricorder, so dass sie ihn jederzeit griffbereit hatte, während sie sich zu ihrem Begleiter auf die Transporterplattform begab. Auf seinen Befehl hin betätigte die junge Frau schließlich ihre Kontrollen, und die Welt um sie herum löste sich langsam auf.

--- Turbolift

"Deck 6, Sicherheit!", befahl der Chinese dem Bordcomputer beim Eintreten.

"Warum wollen Sie zur Sicherheit?", fragte der Blondling und schien direkt verwundert.

"Mein Name ist Chi-Lo Hu-Wang", entgegnete der Chinese freundlich. "Ich sollte hier einen Einstellungstest als Mitarbeiter für die Sicherheit machen, aber wie es scheint, kommt die Praxis uns zuvor. Ich möchte mich direkt beim zuständigen Abteilungsleiter zum Dienst melden."

"Können Sie ein Shuttle fliegen?"

"Selbstverständlich!"

"Computer, Deck 6 überspringen", bekam der verdutzte Chi-Lo zur Antwort.

"Mein Name ist Kai Victor. Ich bin stellvertretender Leiter der Sicherheit und habe den Auftrag, mit einem Shuttle auf die Oberfläche zu fliegen, um dort einige wichtige Informationen zu evakuieren. Ich brauche dazu eigentlich einen Assistenten, aber aufgrund der momentanen Situation war niemand abkömmlich - und deshalb sind sie jetzt mein Assistent!"

Das war eine Feststellung, und keine Frage.

"Was genau müssen wir denn abholen? Und warum kann man es nicht beamen? Und warum haben wir eigentlich gelben Alarm?", wollte der Chinese wissen.

Der Sicherheitler zögerte. "Sie sind neu hier und haben noch keinen hohen Vertrauensstatus.", sagte er schließlich. "Ich unterrichte Sie zu jedem Zeitpunkt der Mission über alles, was Sie wissen müssen. An diesem Punkt genügt es, zu wissen, dass ein Verband der Sternenflotte in etwa einer Stunde hier eintreffen und die Marquisbasis dem Erdboden gleich machen wird. Wir evakuieren die Basis und nehmen Reißaus, bevor die Sternenflotte hier ist."

Die Türen zu Deck 7 hatten sich schon längst geöffnet, als Kai Victor und Chi-Lo den Turbolift verließen.

--- Deck 7, Shuttlerampe

Kai Victor ging zielstrebig voraus.

"Chi-Lo, sie steuern das Shuttle, während ich einige Vorbereitungen treffen muss. Wenn ich Sie nicht getroffen hätte, hätte ich das erst auf der Oberfläche machen können, aber nun kann ich Zeit sparen. Wir sind eh knapp genug in der Zeit. Hier sind die Zielkoordinaten."

--- Shuttle 'Utopia'

Kai Victor setzte sich auf den Co-Pilotensessel und begann, einen kleinen Transportbehälter einer genaueren Analyse zu unterziehen. Der Chinese bekam aus den Augenwinkeln nur mit, dass dieses Gerät offensichtlich einen Kraftfeldgenerator enthielt. Es war ihm schleierhaft, was ein Kraftfeldgenerator mit der Sicherung von "Informationen" zu tun haben sollte. Nun, er würde es früh genug erfahren, zumindest hatte Kai Victor ihm dies zugesichert.

Der Pilot dieser Mission setzte sich an seinen Arbeitsplatz und checkte die Instrumente. Chi-Lo war begeistert. So ein Shuttle bekam er selten in die Hände. Alles war relativ neu und tipp - topp gewartet. Selbstregulierende Plasmaspuleninjektoren. Dreifach redundante Phasenabgleicher. AWK (Automatische Wiedereintrittswinkel-Korrektur). Ja, so ein Shuttle eines Föderationsschiffes war schon etwas ganz anderes als die kurz vor dem Auseinanderfallen stehenden Rostkähne, die er sonst fliegen musste.

Versonnen strich er mit seinen Fingern fast zärtlich über das Steuerungs-LCARS.

"Was ist? Können wir bald anfangen?", fragte der stellvertretende Sicherheitler unwirsch.

Der Chinese schrak aus seinen Gedanken auf. Schnell beendete er den Check.

"Ja, Sir. Ich starte die Initiierungssequenz." Die Shuttleantriebssysteme heulten hörbar auf. "Chi-Lo an Brücke. Äääh, ich meine, der Pilot des Stellvertreters der Sicherheit Kai Victor an Brücke. Erbitte Startfreigabe für das Shuttle...", er blickte suchend auf dem LCAR umher und entdeckte den Namen. "Für das Shuttle 'Utopia'."

"Brücke an Utopia. Startfreigabe erteilt.", ertönte es aus den Bordlautsprechern, während sich das Shuttlehangartor öffnete. Oder besser gesagt, der Boden tat sich auf. Der Chinese ließ das Shuttle nach draußen sinken und nahm Kurs auf den Planeten.

--- Brücke

Brengh No´Orba runzelte die Stirn.

"Captain, gehört dieser Chi-Lo zu den Neuankömmlingen? Ich rate zur Vorsicht. Kaum, nachdem diese Gruppe hier eingetroffen ist, haben uns drei Föderationsschiffe entdeckt. Vielleicht ist einer von ihnen ein Spion der Föderation. Sollten diese Leute wirklich mit wichtigen Aufgaben betreut werden?"

--- Gänge

"Jetzt werden Sie auch mal die anderen Mitarbeiter kennen lernen. Ich weiß nicht mehr, ob ich Ihnen schon ein wenig über die erzählt habe?", fragte der Romulaner mehr sich als Chedu. "Na, ist ja egal. Oh, jetzt hätte ich Alex fast vergessen. Alnak an Poulsen. Alex, melde dich."

Doch es kam keine Antwort.

Inzwischen hatten Beide den Maschinenraum erreicht.

--- Maschinenraum

"Also, schauen Sie sich einfach mal etwas um. Wenn Sie was wissen wollen, fragen Sie mich einfach. Ach übrigens, der Replikator ist da vorne", zeigte Yhea. Dann tippte er wieder auf seinen Kommunikator.

"Alex, verdammt. Wo steckst du?", ärgerte er sich.

"Computer, Alex Poulsen lokalisieren."

"Alex Poulsen befindet sich nicht an Bord der Venture", kam prompt die trockene Antwort.

"Der wird doch nicht...", murmelte der Romulaner und drehte sich zu einer Konsole um. Schnell aktivierte er die Sensoren und versuchte, anhand von Alex Kommunikator, seine Position zu ermitteln. Und tatsächlich, er fand ihn auf dem Planeten, irgendwo zentral in der Kolonie.

Gerade wollte er einen Komm-Kanal öffnen, doch dann entschied er sich anders. Er aktivierte den Transporter und beamte Alex mitten in dem Maschinenraum. Er wollte ihn eigentlich direkt fragen, was er da unten gesucht hatte, doch ihm blieben die Worte im Hals stecken. Stattdessen lachte er los, als er das total verdutzte Gesicht sah. In dem Moment hätte Yhea gerne Gedanken lesen können.

"Willkommen zurück", rief Yhea stattdessen und grinste breit. "Ich hoffe, der Urlaub war schön. Wir haben übrigens gelben Alarm. Wie man unweigerlich sehen kann. Achja, und das ist übrigens Miss Chedu. Sie wird uns von nun an unterstützen", stellte er sie beide einander vor.

Ebenso neugierig wie sie ihren Blick durch den Maschinenraum streifen ließ, betrachtete die Klingonin den Mensch namens Poulsen, der über den unerwarteten Ortswechsel immer noch verwirrt zu sein schien. Auf jeden Fall so verwirrt, dass er vergaß, dass man einen Klingonen besser nicht mit Handschlag begrüßen sollte.

Chedu ergriff seine ausgestreckte Hand und drückte sie, wie sie die Geste bei Terranern beobachtet hatte. "Schön, Ihre Bekanntschaft zu machen", fügte sie eine bei solchen Begebenheiten übliche Floskel hinzu.

Alex' Augen weiteten sich. Hastig zog er seine Hand zurück und legte seine andere Hand schützend um sie. Gepresst war ein "Die Freude ist ganz meinerseits" von ihm zu hören. Sein Gesichtsausdruck schien aber das Gegenteil zu meinen.

Die Klingonin erinnerte sich wieder, dass ihr mal erzählt wurde, dass dieses Handschütteln, das die Menschen praktizierten, im Gegensatz zum äußeren Anschein doch kein richtiges Kräftemessen war.

Solche Missverständnisse konnten halt mal passieren. Es war ja auch nichts passiert. Poulsens Knochen waren ja immer noch heil. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte Chedu zudem den Schmerz verzerrten Gesichtsausdruck des Menschen genossen.

Sie vergrub diesen Gedanken aber schnell wieder tief in ihrem Inneren. Stattdessen wand sie sich an die zusammen geströmten Mitglieder des technischen Stabes und begrüßte diese lieber mit einem knappen Kopfnicken, worüber sie ziemlich erleichtert zu sein schienen.

Als die Begrüßung endlich abgeschlossen war, drehte sich die Klingonin wieder dem leitenden Chefingenieur zu und sah ihn erwartungsvoll an.

"Was sehen die Protokolle dieses Schiffs für uns hier im Falle eines gelben Alarms vor? Oder gibt es schon direkte Order? Müssen wir das Schiff etwa auf einen Kampf vorbereiten?" In ihren Augen blitze es unternehmungslustig.

Immer noch leicht belustigt von der klingonischen Begrüßung nickte er bei der Frage der Klingonin.

"Ja, Sie haben Recht. Wir müssen uns auf einen eventuellen Kampf vorbereiten. Alex, schaffst du das zusammen mit Hedlege?", fragte er den Techniker, der immer noch ein wenig damit am kämpfen war, den Schmerz aus seinem Gesicht zu verbannen.

"Ja, wir bekommen das hin", antwortete er dann. "Aber was macht ihr stattdessen?"

Yhea drehte sich um, öffnete einen Schrank und holte zwei Werkzeugkoffer heraus. Einen davon drückte er Robsen in die Hand, den anderen bekam Chedu.

"Wir werden uns auf den Planeten begeben und dort schauen, ob wir irgendwie helfen können. Ich gehe jede Wette ein, dass die dort unten technische Hilfe beim zerlegen der Maschinen brauchen. Oder bei was auch immer. Es wäre auf jeden Fall verschenkte Arbeitskraft, wenn wir hier oben mit 5 Leuten herumsitzen würden. Hat übrigens jeder einen Phaser dabei?", fragte er und schaute Robsen und Chedu an.

Robsen schüttelte den Kopf und verschwand. Währenddessen schüttelte Yhea den Kopf. Er hatte es sich angewöhnt, immer seinen Disruptor bei sich zu haben. Denn hier auf der Venture konnte man nie wissen, wann man ihn mal wieder brauchte.

Gerade wollte Chedu antworten, da kam auch schon Robsen mit 2 Phasern zurück und warf der Klingonin einen zu.

"Na, dann sind wir ja komplett", bemerkte Yhea und drehte sich zur kleinen Transporterkontrolle um. Die hatte er sich vor einiger Zeit mal eingebaut, damit er nicht immer zum nächstgelegenen Transporter rennen musste. So hatte er immer die Kontrolle über die Transportersysteme und konnte im Notfall auch von hier helfend eingreifen.

Ein paar Befehle später und schon dematerialisierten sich Chedu, Robsen und Alnak.

Kaum waren die drei verschwunden, da machten sich Poulsen und Hedlege an die Arbeit. Nacheinander überprüften sie die einzelnen Systeme. Doch alles arbeitete zu ihrer vollsten Zufriedenheit. Ihre Reparaturen waren also doch von Erfolg gekrönt gewesen.

Tja, was sollten sie jetzt machen? Eigentlich konnten sie nur noch warten. Warten darauf, dass die Räumung der Maquisbasis fertig war, bis die Flotte der Föderation eintraf. Angespannt verfolgte Alex die Flotte mit den Sensoren. Und sofort stellte sich ein mulmiges Gefühl in seiner Magengegend ein. Denn allzu viel Zeit blieb ihnen nicht mehr.

Er wusste ja nicht, was dort unten auf dem Planeten alles vor sich ging. Auf jeden Fall war es eine Menge Material und eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Personen, die zu evakuieren waren.

'Hoffentlich reichen die ganzen Schiffe', überlegte er. Er wusste, dass der Maquis selten große Schiffe besaß. Meistens kleinere Raider und wenn es hoch kam ein paar altersschwache Transporter. Doch bei so einer großen Basis konnte man nie wissen.

"Mich würde interessieren, wie die Sternenflotte hiervon Wind bekommen hat", fragte Alex den neben ihm arbeitenden Hedlege. Doch der zuckte nur mit den Schultern und vertiefte sich dann wieder in die Arbeit.

"Glauben Sie, es hat mit der Venture zu tun, dass die so einen großen Verband an Schiffen hier hinschicken? Es würde mich nicht wundern", bemerkte er. "Irgendwie kommt es mir so vor, als hätte es in letzter Zeit jeder auf uns abgesehen. Die Föderation, die Romulaner..., wenn ich es mir so überlege, ist doch inzwischen fast jeder hinter uns her.

Ich glaube fast, wir hätten damals bei der Föderation bleiben sollen. Vor allem hätte ich dann wenigstens die Chance, mal wieder nach Hause zu meinen Eltern zu kommen. Doch leider geht das ja nicht. Ich würde sofort verhaftet werden, sollte ich auch nur einen Fuß auf die Erde setzten."

Deprimiert lehnte er sich im Stuhl zurück und dachte an vergangene Tage. An Zeiten, wo er noch daheim war.

--- Brücke, Eingang

Als die beiden Wissenschaftler die Brücke betraten, konnte selbst der Halbbreen die Spannung im Raum fühlen. Der Captain erteilte knappe Befehle und nahm Meldungen von der Venture, der Basis und dem Planeten entgegen. Aus seinen Worten entnahm der Wahlvulkanier was vorgefallen war. Da McCarthy gerade beschäftigt war, und momentan scheinbar keine expliziten Order für den Wissenschaftler hatte, wandte er sich den wissenschaftlichen Konsolen zu.

--- Brücke, WS

Der Ferengi studierte wortlos die Anzeigen des Schiffes. Nach ein paar Versuchen hatte er ein Programm entwickelt, das die Effizienz der Schiffsensoren auf 200% des Ausgangswerts erhöhte - was hier in den Badlands allerdings nicht wirklich viel war.

Gorm wurde bei der Programmierung der notwendigen Routinen ganz ruhig. Ruhiger, als für ihn, bei gelbem Alarm üblich gewesen wäre. Aber hier kannte der Wissenschaftler sich aus: während das Schiff um ihn in ein kontrolliertes Chaos versank, klammerte er sich an die ruhige Logik der Zahlen.

Entsprechend ruhig war seine Stimme als er den Halbbreen ansprach: "Ich konnte unsere Reichweite etwas verbessern, wie sie sehen. Die Föderationsschiffe dürften aber weit weniger Probleme bei der Ortung haben, wenn deren Spezialisten nicht auf den Kopf gefallen sind: durch die Evakuierung leuchtet die Station förmlich - im übertragenem Sinn natürlich."

"Das dürfte unsere Lage nicht beeinflussen, da die Sternenflottenschiffe scheinbar wissen wohin sie wollen", antwortete Clint. Er hatte parallel zum Ferengi gearbeitet und integrierte gerade die letzten Daten der Fusionsanomalien, die er heute untersucht hatte, in die Computermatrix. Eigentlich sollten sie nur eine Verbesserung von maximal 80% ergeben, aber plötzlich tauchten auf dem Display 3 Starfleetsignaturen auf, die sich mit konstanter Geschwindigkeit auf die Venture zu bewegten.

Der Wahlvulkanier hob eine Augenbraue. 'Zeit bis zur Ankunft: 51 Minuten und 47 Sekunden', teilte im die Anzeige mit. Was hatte der Ferengiwissenschaftler gemacht? Er untersuchte die Scannerdaten, ob sich noch weitere Details über die Schiffe erfahren ließen, jedoch ohne Erfolg. Es war ein Wunder dass sie überhaupt erfasst wurden.

"Ein unerwarteter Synergieeffekt", teilte er Gorm mit, so begeistert wie ein Vulkanier nur sein kann. "Die Programmalgorithmen die sie eingegeben haben bewirken zusammen mit meinen Daten und Analyseergebnissen eine exponentielle Leistungssteigerung. Dies dürfte für unsere Flucht von Vorteil sein"

Gorm nahm das vulkanische Lob befriedigt aber ruhig entgegen. Sein Vorgesetzter durfte einiges auf dem Kasten haben - was man von einem Absolventen der Vulkan Akademie auch erwarten konnte.

Er fragte den Halbbreen: "Sind eigentlich schon genauere Daten darüber bekannt, wie viele der Kolonialisten an Bord kommen? Ich könnte mathematische Modelle erstellen, wie sich die zusätzlichen Personen auf die Schiffsysteme auswirken. Das könnte vielleicht auch den anderen Stationen helfen, sich auf die kommende Situation einzustellen.

Wenn die Flüchtlinge beim Anbordkommen auch noch ihre Ausbildung angeben würden, könnte ich diese Daten auch noch hinzufügen und das würde wahrscheinlich wieder einen positiven Effizienzschub bringen. Das ist doch eine Marquis - Basis, die haben doch sicher den einen oder anderen Fachmann hier. Die sind doch Überlebenskünstler, oder?"

Der Halbbreen überlegte kurz. Die Besatzung der Venture und die Maquis waren sicher sehr erfahren was Evakuierungen und deren Organisation anging. Allerdings hatten sie derartige Vorgänge wahrscheinlich nie auf die abstrakte Weise betrachtet, die Wissenschaftlern vergönnt war. Womöglich konnten sie tatsächlich etwas bewirken.

"Sie haben Recht. Wir sollten davor aber mit den zuständigen Personen auf der Station reden. Ich denke diese Dr. Nadjeschda wäre der richtige Ansprechpartner. Sie ist Wissenschaftlerin und Marquis, demnach wird sie uns am ehesten helfen können", entgegnete Clint und ging zur Kommkonsole. Ihm missfiel die Sache und er hoffte, dass seine Befürchtungen bezüglich dieser Doktorandin nicht zutrafen.

Er gab eine entsprechende Botschaft ein und schickte sie an die Station.

Nach erstaunlich kurzer Zeit kam eine Antwort: 'Bin bei den Vorbereitungen. Kommen sie zum Assistieren auf die Station, Deck 8, Computerkern'

Nach dessen Aufforderung sah Gorm an Clint vorbei und las die Nachricht. Danach sah er seinen Vorgesetzten an: "Hm, dann sollten wir uns wahrscheinlich zu ihr hinunter begeben. Was meinen Sie? Sollten wir jetzt den Captain oder Anjol darüber benachrichtigen?"

Insgeheim befürchtete der Ferengi für Logistikaufgaben eingeteilt zu werden. Er war zwar gut darin, Probleme auf mathematischem Weg zu lösen, aber was das Organisieren anging, war das nicht gerade seine starke Seite.

Gerne stellte er fähigen Leuten seine Wissenschaft zur Unterstützung zur Verfügung, aber mit den unvorhergesehenen Pannen sollte sich wer anderer auseinandersetzen.

Der Wahlvulkanier hob eine Augenbraue. "Natürlich", antwortete er bereits im Gang zum Turbolift, "Ich habe eine Nachricht für den Captain hinterlassen, er wird uns über COMM jederzeit erreichen können"

Es hatte Clint immer gewundert, wie auf diesem Schiff mit der Kommandostruktur umgegangen wurde. Sie basierte offenbar nicht auf der strikten Befehlshierarchie der Sternenflotte, sondern zum größten Teil auf Eigeninitiative. Der Captain schien von allen zu erwarten dass sie gefälligst selbst tun, was in ihrem Ermessen lag, natürlich im vollem Maße verantwortlich für ihr Handeln.

---Marquisbasis, Zentrum

Mit einem Kopfschütteln wischte Anjol den verwirrenden Moment des Transportes weg, der durch die Badlands weitaus größer schien als im freien Weltraum.

"Außer ein paar Farmern leben beinahe alle 900 Kolonisten in dieser Siedlung, die als strategische Basis und Nachschublager dient. Zusammen mit den kleinen Marquisschiffen sollten wir alle Bewohner sowie ihr wichtigstes Habe retten können", wies er die Ärztin ein, während diese ihren Blick nach eventuellen Verletzten schweifen ließ.

Doch zunächst sah alles chaotisch, aber ungefährlich aus.

Und das würde hoffentlich auch so bleiben, zumindest bis das Shuttle mit den Sicherheitlern und ihrer speziellen Ladung eintraf.

'Hoffentlich bekommt Victor das hin, sonst muss ich im bei Gelegenheit in den Hintern treten', notierte Anjol sich grummelnd, als ein gellender Schrei hinter ihm ausgestoßen wurde...

"Mein Finger Du verdammter Idiot, er tut so weh!", schrie ein extrem bulliger Mann, während er seinen gequetscht wirkenden Finger hielt und die Stimme langsam weinerlich wurde, "Ich werde nie wieder...na Du weißt schon!"

Mittlerweile war der Kerl auf die Knie gesunken und schluchzend drückte er den Finger an sich, welcher jetzt langsam in bunten Farben zu leuchten begann.

"Kannst Du dem Mann da noch helfen?", fragte er Jordan besorgt, als die letzte Farbe aus dem Gesicht des Hünen wich und der andere Typ neben ihm nur betreten hinab schauen konnte.

"Nein, kann ich nicht", erwiderte die Ärztin trocken, während sie zu dem 'Verletzten' hinüber schritten und sie schon im Gehen den Tricorder zückte. Auf die besorgte Miene des Bajoraners hin spöttelte sie weiter: "Genetische Aufwertung ist in dem Alter nicht mehr möglich."

Anjol bekam keine Möglichkeit mehr, auf ihren schlechten Humor einzugehen, denn sie hatten die kleine Gruppe, die sich bereits bildete, schon erreicht, und Jordan packte ohne viel Mitgefühl die Hand des Mannes, der daraufhin einen schmerzverzerrten Schrei ausstieß, dann aber wimmernd und mit Blick auf ihren Notfallkoffer still hielt.

"Ist nichts gebrochen", stellte sie nach einem kurzen Moment fest und befestigte den Tricorder wieder an ihrem Gürtel, ohne ihn auch nur benutzt zu haben. Sie ließ die Hand wieder los und kniete sich nieder, um ihr Medikit zu öffnen. "Das haben wir gleich... was haben Sie gemacht, in der Nase gebohrt?"

"Einen Koffer wollte er öffnen, einen Waffenkoffer", knurrte einer der Umstehenden nur halb schuldbewusst. "Ich hab ihn ihm vor der Nase zugeknallt, und der Finger war dazwischen. Er glaubt, dass die Borg angreifen, und wollte sich verteidigen. Ist eben noch schreiend überall herumgerannt und hat die Leute aufgescheucht."

Jordan warf dem Bajoraner einen besorgten Blick zu. Wenn solche Gerüchte sich herumsprachen, lösten sie nur allzu schnell eine Panik aus. Auch wenn sie keine Ahnung hatte, was die Borg ausgerechnet in den Badlands zu suchen haben sollten. "Wenn ich's mir recht überlege, ist er vielleicht doch so schwer verletzt, dass ich ihn auf die Venture schicken muss...", bemerkte sie beiläufig und leise genug, dass es keiner der Männer im Lärm des geschäftigen Treibens um sie herum hören konnte.

Fragend sah sie Anjol an.

Einen Moment ließ sich der Bajoraner Jordans Worte durch den Kopf gehen, bis er ihre eigentliche Bedeutung verstand: "Ja, das wäre besser, bevor er noch jemanden ansteckt mit seiner Krankheit"

Zufrieden nickte die Ärztin und aktivierte ihren Kommunikator, um eine Verbindung zur Krankenstation herzustellen: "Kincaid an Cailin, wir schicken Ihnen einen Patienten hoch, der einen Fingerverband und ein starkes, ein sehr starkes Beruhigungsmittel benötigt. Anschließend soll er sich irgendwo ausschlafen!"

Gurrend nahm die Purna seine Worte auf, kommentierte sie aber nicht weiter. Zweifellos gefiel ihr die angeordnete Sedierung eines gesunden Mannes nicht besonders, aber im Moment behielt sie ihre Bedenken für sich.

Flirrend entmaterialisierte der Hüne und Anjol fühlte sich etwas erleichtert. Zum Teufel auch, wieso waren die Maquisarden immer so paranoid? Immerhin waren sie nicht die einzigen, die vom halben Universum verfolgt wurden...

"Wir sollten jetzt zu den zentralen Gebäuden dort gehen, bestimmt ist das Gewühl dort am größten!", wandte er sich an Ms Kincaid, die ihre Ausrüstung mittlerweile wieder gut verstaut hatte.

Die Ärztin nickte und schloss sich ihm an. Das Gedränge hatte in den wenigen Minuten, seit sie hier waren, bereits zugenommen und sie hatte Mühe, dem Mann zu folgen, ohne von jemandem übersehen und umgerannt zu werden, obwohl man noch immer gut vorwärts kam.

Sie ließ ihre Blicke suchend über den Platz schweifen, sah aber weder jemanden, der ihre Hilfe benötigen könnte, noch hörte sie, dass ein anderer eine Borginvasion ankündigte. Jeder schien zu wissen, was er zu tun hatte oder zumindest, wohin er sich begeben musste, um sich und sein wichtigstes Habe zu retten.

Schließlich schloss sie zu Anjol auf. "Sagen Sie“, Es war ihr durchaus aufgefallen, dass der Bajoraner vor einiger Zeit zum Du übergegangen war, doch die vertraute Anrede erschien ihr derart ungewohnt, dass sie angesichts der Situation ohne groß nachzudenken beim Sie blieb. "Was genau haben wir hier unten denn nun vor und wo wollen wir hin? Ich glaube nicht, dass hier gerade jemand unsere Hilfe benötigt. Alles scheint nach Plan zu verlaufen."

"Wenn so viele Leute unter Zeitdruck stehen, wird zwangsläufig etwas passieren", antwortete Anjol mit einer grundlegenden Erkenntnis, die er in seinem Leben gewonnen hatte. Schon ohne Evakuierung war in solchen kleinen Kolonien oft die Hölle los, vor allem wenn Frischgebrannter ausgeschenkt wurde...

Scheinbar verkniff sich Jordan eine Antwort, vielleicht war es ihr auch einfach egal, auf jeden Fall gingen sie schweigend ein Stück weiter Richtung der Hauptgebäude, wo Dutzende von Technikern an der Demontage der wichtigsten Anlagen beschäftigt waren: Die Aggregate und die Trinkwasserreinigung waren enorm wichtig für jede Behausung, aber leider bestand der Maquis nicht nur aus hochgebildeten Spezialisten, sondern hauptsächlich aus Idealisten, die von allem etwas verstanden.

Und so beobachtete der Bajoraner stirnrunzelnd, wie ein metallener Stützbalken des Kraftwerkes bedrohlich zur Seite kippte, als ein provisorisches Trageseil riss. Wenn Sie nicht schnell handelten würde hier ein Unglück passieren!

"Der Balken wird Euch zerschmettern!", schrie er den immer noch beschäftigten Arbeitern zu, die die Gefahr noch nicht erkannt hatten, "Schnell weg da!"

Es dauerte einen Moment bis alle die Bedrohung begriffen hatten und die Augen sich weiteten, aber nun war es schon zu spät. Krachend glitt der Balken hinunter und ließ die Erde beben. Das mitgezogene Arbeitsgerüst verwandelte sich in ein Wirrwarr aus Metallstützen und Gliedmassen, die überall zwischen den Streben zu sehen waren.

Im Entsetzen versunken hieb er sich gegen die Brust, doch kein Ton ließ sich dem Kommunikator entlocken, als sich ihm eine Frage aufdrängte: 'Moment, wo ist das Teil überhaupt?!'

Verärgert dachte er an das liebevoll in die Ecke seines Quartiers gepfefferte Hemd, welches ohne Zweifel genau jenen gesuchten Kommunikator hielt.

"Wenn ich dürfte...", entschuldigte sich der Bajoraner peinlich berührt, hoffte, dass er nicht rot anlief, und zeigte auf Jordans Brust [*scnr*]. Glücklicherweise verstand die Ärztin, verkniff sich jeden Kommentar, der ihr wohl auf der Zunge liegen musste und reichte ihm das Gerät.

"Anjol an Alnak, in einer Minute will ich dich mit einem Team bei meinen Koordinaten sehen, also beeil dich!", raunzte er den Chefingenieur per Kommunikator an, während Jordan schon zu dem Chaos losrannte. Auf halbem Wege warf er ihr noch ihren Kommunikator zu, welchen sie geschickt auffing.

Sicherlich würde sie das Gerät bald brauchen.

--- Marquisbasis, Computerkern

Der zylindrische Raum war 3 Decks hoch. Er wurde fast vollständig von einer gigantischen Säule ausgefüllt, die vom Boden zur Decke reichte. Sie wurde von 3 geländergesicherten Gitterrost-Bühnen umrundet, welche durch jeweils um 120° versetzte Treppen verbunden wurden. Der ganze Raum erstrahlte in einer klinischen Sauberkeit, was sicherlich in einem Gegensatz zum Rest der Station lag, getaucht in ein allgegenwärtiges weißes Licht und einem kaum wahrnehmbarem, hochfrequenten Summen.

Auf der mittleren Bühne erschienen zwei Lichtgestalten. Ihre Konturen wurden von umherwirbelnden Partikeln umflossen, bis sie sich zu einem kleinen Ferengi und einem grünhäutigen Humanoiden verfestigten.

"Da wären wir", meinte Clint, nicht der terranischen Neigung zu überflüssigen Kommentaren willen, sondern um eventuelle Personen im Raum auf sich Aufmerksam zu machen. Von der gegenüberliegenden Seite der Säule ertönte eine Frauenstimme, in der ein ständig zynisch-spöttischer Unterton zu liegen schien.

"In der Tat, da wären wir ... schön das du dich beeilt hast. Schließlich habe ich meine erste, wie ich hoffe sehr direkte, Einladung erst vor 3 Stunden abgeschickt. Aber ich nehme an du hattest deine Gründe erst jetzt zu kommen. Da wir zwei nun alleine ..." In diesem Augenblick kam sie um die Kurve und erblickte Gorm."... sind?!", schloss sie mit einem vernichtenden Blick an Clint.

Dieser musste sich allerdings erst von einem kleinen Schock erholen. Es war einer der Augenblicke in denen er sich über seine vulkanische Disziplin, nun, freute. Er hatte erwartet, oder befürchtet, dass ihn hier an Bord ein Agent oder Informant des vulkanischen Geheimdienstes erwarten würde. Aber mit ihr hatte er nicht gerechnet.

Die Terranerin die vor ihm stand war hochgewachsen und von zierlichem Körperbau, braunen Augen und schulterlangen dunklen Haaren. Ihre Bekleidung schien ein Minimalist entworfen zu haben. Sie hatte in ihrer Nachricht behauptet, er würde sie von der Universität her kennen, nun soweit stimmte dies. Allerdings hatte sie damals noch spitze Ohren und alle anderen Merkmale, die eine Vulkanierin ausmachen.

Außerdem hieß sie natürlich Ajdan ... Clint stockte in seinen Überlegungen. 'Nadjeschda, Nadja ... Ajdan. Wie einfallsreich', dachte er spöttisch. Wann war sie dem Geheimdienst beigetreten, oder war sie schon während ihrer gemeinsamen Zeit auf der Universität dabei gewesen? Das warf ein ganz neues Licht auf ihre damalige Beziehung.

"Hallo Nadja, ich freue mich dich wieder zu sehen", eröffnete er mit einer typisch terranischen Floskel als Anspielung auf ihr momentanes Erscheinungsbild. Sie ging darauf ein und erwiderte: "Ja, es ist die reinste Freude ... Wenden wir uns der Arbeit zu. Ich hatte nicht erwartet das du in Begleitung kommst" An Gorm gewandt: "Mr.?"

"Mein Name ist Gorm, meine Dame", stellte sich der Ferengi der Terranerin vor.

Nur jemandem, der Vulkanier gut genug kannte, oder eben selber einer war, wäre es aufgefallen, dass Clint nicht gerade eben begeistert vom Auftauchen dieser Frau war. Diese schien allerdings bei seinem Anblick auch nicht gerade erfreut, was den kleinen Wissenschaftler sehr verunsicherte.

Schüchtern klammerte er sich an sein PADD, als würde er sich dahinter verstecken wollen und harrte der Dinge die da kommen würden.

Ajdan, oder Nadja, konnte mit ihrer Art sogar den selbstsichersten Vulkanier einschüchtern, erinnerte sich Clint. Sie ging beim Erreichen ihrer Ziele immer sehr direkt vor, ohne Rücksicht auf Andere. Tatsächlich waren es diese Eigenschaften an ihr, die ihn damals so fasziniert hatten.

"Mr. Gorm ...", überlegte sie gerade laut, "Sie haben 'Die endogene Dynamik heterogener kristalliner Aggregate in Bezug auf ihre Anisotropie in lateralen Zonen' geschrieben. Ein sehr interessanter Artikel. Könnten sie bitte diese Personaldaten der Kolonisten in eine Energie- und Materialaufwandsmatrix für die Venture fassen? Sie können an dieser Konsole arbeiten"

Ohne eine Antwort abzuwarten drückte sie Gorm ein PADD in dir Hand und wandte sich, in einem weit kühlerem Tonfall, an Clint: "Inzwischen werden ich und Mr. Clint uns um ein Datenbackup kümmern." Die Aufforderung in ihrer Stimme war nicht zu missverstehen. Clint folgte ihr zur anderen Seite der Computersäule.

Dort schien sich die Hauptkonsole zu befinden, es gab wesentlich mehr Bildschirme und Schaltkonsolen. Der Halbbreen beobachtete wie die Frau ein paar Einstellungen vornahm, woraufhin Gorm auf einem der Bildschirme erschien. Dann berührte sie ein Armband an ihrer linken Hand, und alle Geräusche im Raum verstummten.

'Nicht im gesamten Raum, sondern in einem bestimmten Radius um uns herum', korrigierte sich der Halbbreen. Wahrscheinlich handelte es sich um ein schalenförmiges, schalldämmendes Feld. 'Sie geht sehr plump vor', dachte er dabei daran wie sie den Ferengi abserviert hatte, 'Anscheinend hat sie nicht mehr lange vor ihre Maskerade aufrecht zu erhalten'

Ihre nächsten Worte bestätigten seinen Verdacht: "Vergessen wir unsere Wiedersehensfreude und kommen zur Sache. Die Marquis haben etwas und ich beabsichtige es der Föderation in die Hände zu spielen" Das war es also. Wahrscheinlich hatte sie die Flotte alarmiert und herbeordert. Plötzlich kam in ein beunruhigender Gedanke.

"Wenn du daran denkst, meine Dienste für einen Diebstahl in Anspruch zu nehmen muss ich dich enttäuschen. Ich habe lediglich einen Beobachterauftrag übernommen, und das nur weil ich die Wünsche meines Vaters respektiere. Abgesehen davon kann ich mir nicht sicher sein für wen du arbeitest"

"Asha chameto", antwortete sie schlicht. Es war eins der Codewörter die man ihm mitgegeben hatte. "Hör auf Ausflüchte zu erfinden. Es muss dir doch klar gewesen sein, dass du dich nicht nur zu einem Protokollantenjob gemeldet hast. Du wirst ..." Sie schaute auf den Bildschirm und zischte scharf:

"Wo ist der Ferengi!"

--- Shuttle "Utopia"

Langsam sank das Shuttle auf die Marquisbasis zu, während sich Kai nach wie vor mit dem Kraftfeldgenerator zu beschäftigen schien.

"Sir, ich erbitte Informationen über die Landekoordinaten.", meldete sich der Asiate zu Wort.

Scheinbar in seine eigenen Gedanken versunken gewesen, schrak Kai auf.

"Landen sie neben dem Informationszentrum, Koordinaten 345,233 zu 343,234."

Chi-Lo leitete den Landevorgang ein.

Währenddessen gab in ihm der stellvertretende Leiter der Sicherheit ein Briefing:

"Wir müssen den Computerkern der Marquisbasis bergen. Wir könnten einfach nur seine Informationen sichern. Das ist das wichtigste. Wenn die Föderation die Daten des Computerkerns in die Finger bekommt, kann der Marquis einpacken. Die Lage von Basen, geheime Kommandocodes, Dechiffrierungscodes - auf diesem Computerkern ist der ganze verdammte Marquis verewigt! Deswegen können wir unter Umständen nur die Daten auf die Venture überspielen und den Computerkern hier unten auf der Basis zerstören, damit er nicht der Föderation in die Hände fällt. Aber der Marquis kann sich nicht ständig neue Computerkerne leisten. Unsere Ressourcen sind begrenzt. Deshalb werden wir den Computerkern mit dem Traktorstrahl an dem Shuttle andocken, wenn das möglich ist. Wenn das nicht geht, zerstören wir den Kern. Das ist aber nur die zweite Option. Noch intelligente Fragen?"

"Ja, Sir. Wozu der Behälter mit dem Kraftfeldgenerator?"

"Um den Kern mit einem Kraftfeld zu schützen. Mit dem Shuttle können wir quasi nur den "nackten" Kern transportieren. Die Strahlung in den Badlands würde ihn augenblicklich zerstören. Und wir haben keine mechanische Abschirmung, die groß genug für den Kern wäre. Daher der Generator."

Chi-Los Anerkennung für diese Crew begann zu wachsen. So eine Aktion wurde nicht mal kurz erdacht, sondern sie musste Teil eines schon lange ausgearbeiteten Rettungsplanes für den Fall der Fälle sein. Die Sicherheitsabteilung leistete offensichtlich sehr gute Arbeit.

Die Türen des inzwischen gelandeten Shuttles öffneten sich.

"Nehmen sie sich diesen Werkzeugkasten und folgen sie mir!", wies Kai Chi-Lo an.

Der Chinese schnappte sich die Kiste. Das Werkzeug war erstaunlich schwer. Der Asiat wuchtete die Kiste hoch und eilte vor Anstrengung schnaufend aus dem Shuttle hinaus, um Kai einzuholen.

--- Marquisbasis, vor dem Raum zum Computerkern

Er wusste nicht, wie es geschah.

Aber es geschah.

War er zu schnell gewesen? Oder die Kiste zu schwer?

Jedenfalls stolperte der Chinese über seine eigenen Füße und schlug der Länge nach hin.

Die Werkzeugkiste entglitt ihm und prallte mit voller Wucht gegen die Eingangstür zum Computerkern.

Der Aufprall war ohrenbetäub...

Nein.

Der Aufprall war ABSOLUT LAUTLOS!

Kai und Chi-Lo schauten sich verdutzt an.

"Irgend etwas stimmt hier nicht!", flüsterte Kai und reichte Chi-Lo einen Phaser, während er seinen eigenen zückte.

--- Marquisbasis, irgendwo

Kaum hatten sich die drei auf dem Planeten materialisiert; Yhea hatte noch nicht mal die Zeit, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen, da kam auch schon der Notruf des Bajoraners. Genervt schaute er Robsen und Chedu an. "Das darf ja wohl nicht wahr sein", stöhnte er und tippte auf seinen Kommunikator. "Alnak an Venture. Sofortiger Transport von Drei Personen zum Aufenthaltsort von Anjol. Das ist ein Notfall", rief er noch und beendete dann die Verbindung.

'Hoffentlich ist zurzeit ein Transporter frei', dachte er noch, als er auch schon das bekannte Kribbeln des Transportvorgangs bemerkte, welches aber schon nach ein paar Sekunden wieder vorbei war.

--- Marquisbasis, Zentrum

Es dauerte nicht lange, bis Anjol sich einen Überblick über die hier vorliegende Situation verschafft hatte. Besorgt glitt sein Blick über das heillose Durcheinander von Metall, welches wohl mal ein Gerüst oder ähnliches dargestellt hatte. Doch dann erkannte er Jordan, die schon damit beschäftigt war, nach Verletzten zu suchen. Aber bei diesem Chaos würde es schwer werden. Nun gut, damit musste sich Jordan auseinander setzten. Yhea hingegen versuchte, in diesem Gewusel den Bajoraner zu entdecken.

Er fand Anjol etwas Abseits stehend. Fast gelangweilt schaute dieser sich das ganze an und Yhea überlegte schon, ihm irgendwas an den Kopf zu werfen, um Anjol aus seinem tranceähnlichen Zustand zu befreien.

"Na, gefällt dir die Vorstellung?", fragte Alnak den Bajoraner, als er ihn erreichte.

"Sag mir lieber, ob wir den großen H-Träger dort lange genug anheben können, um einen Weg freizuhalten!", antwortete der Bajoraner noch immer konzentriert auf das komplexe Wirrwarr starrend.

Räumliche Vorstellung war nie eine seiner Stärken gewesen, aber mit Statik kannte er sich gut genug aus, um sich eben jenen Balken ausgesucht zu haben. Quer feststeckend lagerten viele kleinere Streben auf seinem Gewicht und ließen sich sicher mit jenem anheben.

Andererseits würden sicher 10 Bajoraner oder 50 Romulaner notwenig sein, um das Metall auch nur einen Millimeter zu bewegen, vermutete Anjol innerlich murrend, bevor Alnak zu seiner Antwort ansetzte.

Jordan hatte es bereits aufgegeben, nach einzelnen Verletzten Ausschau zu halten. Lange Jahre Arbeit als leitende Offizierin schlugen durch, und so war sie gerade auf eine Kiste geklettert, um das Geschehen überschauen zu können, und delegierte eine Handvoll junge Männer hier oder dorthin.

"Bringt jeden, der noch laufen kann oder nur leicht verletzt ist dort hinüber!", schallte ihre Stimme über das Chaos aus umgestürzten Balken hinweg, während sie gestikulierte und versuchte, trotz des aufgewirbelten Staubs nicht zu husten. "Alle Schwerverletzten hier herüber zu mir! Sie da, stehen Sie nicht im Weg, helfen Sie lieber!"

In unmittelbarer Nähe hatte sich eine Gruppe verwirrter, am Boden sitzender oder liegender Maquis angesammelt, und Norgaard, den Cailin zur Unterstützung geschickt hatte, schritt mit einem Tricorder von einem zum anderen. Die meisten ließ er, wo sie waren, während er dann und wann seinen Kommunicator antippte und einen von ihnen auf die Krankenstation der Venture schickte.

Jordan war bewusst, dass Dr. Fakaii zwar teure Ausrüstung, aber ebenfalls nur zwei Hände zur Verfügung hatte, und sie gab sich Mühe, so ausführlich Erste Hilfe zu leisten wie es möglich war. Sie vermied es, zu einem anderen Platz zu sehen, wo ein einsamer Toter lag und auf Gesellschaft wartete, die er sicher noch bekommen würde.

Etwas unbeholfen sprang die Ärztin von ihrem provisorischen Podest, als zwei junge Bajoraner eine bewusstlose Frau näher trugen und sie vorsichtig auf den Boden legten. Eine unscheinbare Wunde auf der Stirn ließ darauf schließen, dass sie einen Schlag auf den Kopf abbekommen hatte. Jordan verzog unwillig das Gesicht, als sie die Tricorderanzeige studierte, bezweifelnd, dass Cailin noch viel würde tun können, und leitete kurzerhand einen Notfalltransport ein.

Einen kurzen Augenblick hatte sie Zeit, sich umzusehen und den Schweiß von der Stirn zu wischen, während die beiden Männer wieder verschwanden und kurzfristig nichts zu tun war. Kritisch musterte sie das zusammengefallene Gerüst und bemerkte erst jetzt die Techniker, die bei Anjol standen. Schnell schritt sie hinüber.

Der Romulaner schien gerade mit Anjol beschäftigt zu sein, und so wandte Jordan sich an die Klingonin, die sie schon zuvor in der Mannschaftsmesser gesehen hatte. Jordan mochte Klingonen sehr, seit sie Tex kennen gelernt hatte. Sie waren so herrlich unkompliziert.

"Unter einigen dieser Träger sind immer noch Leute eingeklemmt", erklärte sie und wies hinüber. "Allerdings weiß ich nicht, wen man davon beamen kann, ohne dass sie ihren Halt verlieren und jemanden erdrücken, der an einer anderen Stelle liegt. Können Sie sich das ansehen?"

--- Computerkern, Konsole

'Nein! Nicht schon wieder!', dachte Gorm panikerfüllt.

Bei seiner Eingabe der Daten war er auf die Idee gekommen, die Eingabesubroutinen etwas zu verbessern, wozu auch die Sensoren und ihre Daten gehörten, auch die, die sich innerhalb des Schalldämmungsfeld befanden, von dem der Ferengi noch nichts bemerkt hatte. Dabei hatte er einen Teil des Gesprächs zwischen Nadja und Clint mitbekommen, genau den, den die beiden vermutlich vor ihm verbergen hatten wollen.

Das war auch der Zeitpunkt gewesen, an den ihm sein überentwickelter Überlebensinstinkt unterzutauchen nahe gelegt hatte. Schnell versteckte er sich in einem nahe gelegenem Müllschlucker - hin und wieder hatte sein Zwergenwuchs auch Vorteile.

Was sollte er nur tun? Vielleicht sollte er den Sicherheitsdienst der Venture rufen? Ja genau das würde er tun.

"Gorm an die Sicherheit der Venture: Ich beobachte gerade Clint der sich mit einer Agentin der Föderation trifft und er scheint sie sehr gut zu kennen!", flüsterte Gorm aufgeregt. Wieder einmal wollte ihm irgendwer an seinen kostbarsten Besitz: sein Leben.

Irrtümlich hatte Gorm allerdings den Spezialkommunikator benutzt, den er auf der Ivory bekommen hatte, der aber immer noch in seinem Ohr steckte. Sich dieses Fehlers nicht bewusst harrte er auf seine Rettung...

--- Computerkern, mittlere Bühne

Clint erwartete jeden Augenblick, dass der Ferengi um die Kurve kommen würde um eine Frage zu stellen oder zu sagen, dass er fertig sei. Seiner Meinung nach reagierte die Vulkanierin über, aber das war in ihrer Situation nicht verwunderlich. Sie arbeitete wie wild an der Konsole und stieß plötzlich einen Zischlaut aus.

"Verdammt! Er hat uns belauscht. Wer ist dieser Kerl? Du unvorsichtiger Narr, warum hast du ihn mitgebracht?", fuhr sie den Halbbreen an. Clint schwieg einen Augenblick ob ihres Ausbruchs. Sie hatte schon immer ein ungewöhnliches Temperament an den Tag gelegt, aber seit ihrer gemeinsamen Zeit schien sich das noch intensiviert zu haben.

Oder lag es an ihrer terranischen Maske, die sie etwas zu beherzt eingespielt hatte? Die Situation war zu Ernst um sich jetzt damit auseinander zu setzen. "Ich glaube nicht das Gorm in irgendeinem Auftrag arbeitete, er war wahrscheinlich nur neugierig", entgegnete er ruhig. 'Und höchstwahrscheinlich zu neugierig', fügte er ihn Gedanken hinzu.

"Wir müssen ihn beseitigen", sagte Ajdan ohne mit der Wimper zu zucken, "Es sind noch 30 Minuten bis die Schiffe eintreffen, bis dahin wird ihn niemand vermissen. Danach ist es sowieso gleichgültig" Sie hantierte weiter an der Konsole rum und las einige Werte ab. "Die Kommunikation im Raum ist abgeschaltet, er konnte darüber noch keine Nachricht abschicken. Allerdings hat er eine Kommnachricht gesendet" Sie lächelte kalt.

"Dieser Raum schirmt den Kern nicht nur vor jeglicher Strahlung ab sondern lässt auch nichts nach draußen. Der einzige Ausgang ist verriegelt, es ist nur eine Frage der Zeit bis ich ihn mit den Sensoren finde" Konzentriert arbeitete sie an der Konsole weiter. Clint hatte, wie es seine Art war, schnell eine Entscheidung gefällt.

Ajdan hatte einen Phaserhalfter um die Hüfte. Mit einer schnellen Bewegung nahm er die Waffe an sich und zielte auf die Pseudoterranerin. "Ich fürchte, das kann ich nicht zulassen", teilte er ihr in einem bestimmten Tonfall mit. Sie sah ihn wütend an und erfasste blitzschnell die Situation. Plötzlich wurde ihr Blick sanft, ihre Stimme fast flehentlich: "Clint wir beide ..."

"Nein", unterbrach er sie ruhig, "Du kannst mich auf diese Weise nicht manipulieren. Die Gefahr enttarnt zu werden ist mir immer noch lieber als für den Tod eines Unschuldigen verantwortlich zu sein" Sie ließ ihre Maske fallen und sah ihn spöttisch an. "Und du würdest mich dafür umbringen? Dieser Phaser ist auf töten gestellt"

"Wie ich dich kenne wirst du es nicht riskieren wollen das heraus zu finden", entgegnete er mit starrem Gesichtsausdruck. Sie lächelte ihm auf undeutbare Weise zu und im nächsten Augenblick spürte er einen heftigen Tritt gegen seinen Arm, einen gezielten Faustschlag in den Magen und durch einen flüssigen Fußfeger verlor er in der selben Sekunde den Halt.

'Sie ist unglaublich schnell!', schoss ihm in den Kopf, 'Und trotz ihrer zierlichen Figur mindestens doppelt so stark wie ich. Die Chirurgen haben ihr nicht alles vulkanische genommen' Er lag auf dem Boden, der Phaser war über die geländerlose Bühne nach unten gefallen. In einer Reflexhaften Bewegung zog er die Beine hoch.

Sie sah das Manöver allerdings kommen und trat einen Schritt zurück, trotzdem erwischte er sie noch und erreichte immerhin, dass sie ein wenig zurückgestoßen wurde. Den eigenen Rückstoss nutzte er für eine Felgrolle nach hinten und fiel einige Meter von der Gitterrostbühne.

--- Computerkern, Boden

Der Wahlvulkanier dämpfte den Sturz mit einer Rolle ab und ergriff den auf dem Boden liegenden Phaser. Er riss ihn hoch und schoss nach oben. Der orange Strahl fraß sich in die Hauptkonsole. Bildschirme explodierten und Funken stoben, aber die Vulkanierin war nicht mehr an dieser Stelle.

Im nächsten Augenblick flog etwas von oben auf Clint zu. Er wich im letzten Moment aus und ein Verkleidungsblechstück polterte auf den Boden. Als er den Blick von dem Geschoss abwandte und wieder noch oben sah, bekam er nur noch einen auf ihn zukommenden Schatten mit, welcher ihm einen brutalen Tritt verpasste, der ihn zu Boden warf.

Für einige Augenblicke verlor er das Bewusstsein, und als die Schwärze aus seinem Gesichtsfeld wich, spürte er eine Phasermündung an seinem Hinterkopf. Ajdans spöttische Stimme hallte durch seinen dröhnenden Schädel. "Vielleicht kennst du mich nicht mehr ganz so gut wie du dachtest. Allerdings: du kanntest mich noch nie richtig."

"Was hast du jetzt vor?", fragte Clint um Zeit zu schinden.

"Ts, ts, ts. Was für eine überflüssige Frage, du solltest wieder mehr Zeit mit Vulkaniern verbringen. Logik Clint, schon vergessen?", spöttelte sie auf eine ganz und gar unvulkanische Weise. Dann wurde ihre Stimme eiskalt: "Ich töte dich, pulverisiere deine Leiche, suche den Ferengi und mache dasselbe mit ihm"

--- Computerkern, Müllschlucker

Ängstlich spähte der Wissenschaftler durch einen Schlitz der Müllklappe. Wo blieb bloß die Verstärkung?

Leider konnte Gorm nicht hören, was draußen vor sich ging. Als plötzlich ein Phaserschuß knapp neben der Luke eingeschlagen war, war der Ferengi ängstlich zurückgewichen und dabei fast nach hinten in den Schacht abgestürzt.

Mit sehr gemischten Gefühlen erinnerte er sich an eine ähnliche Situation, die ihn auch an Bord dieses Schiffs gebracht hatte. Wo blieb bloß die Sicherheit?

Auf einmal sah er diese Nadja im Sichtbereich der Klappe auftauchen und sich suchend umsehen. Voller Panik warf er sich nach hinten und ... kippte lautlos nach hinten in den Schacht.

--- Müllschacht, irgendwo unter dem Computerkern

Wieder einmal fiel der kleine Ferengi durch den Schacht einer Müllsammelstelle entgegen. Ergeben verdrehte er die Augen und machte sich auf den Aufprall bereit.

Diesmal konnte er nichteinmal Chi-Lo die Schuld in die Schuhe schieben. Obwohl, eigentlich war der Kerl ohnehin Schuld daran, dass er sich hier befand. Mit ihm hatte alles angefangen.

--- vor dem Raum zum Computerkern

Leise flüsterte Kai dem Chinesen das Offensichtliche zu: "Hier ist offensichtlich im Computerraum ein Schallisolierungsfeld etabliert, das bis zur Tür heranreicht."

Dann fuhr er leise fort: "Der Computerraum ist natürlich gesichert. Aber ich kenne die Zugangssequenz. Wenn ich von der Brücke grünes Licht bekomme, werde ich die Tür gleich öffnen. Im Inneren gibt es nur eine Devise: Erst schießen - und hinterher Fragen stellen, wenn das noch möglich ist." Dann tippte er kurz seinen Kommunikator an. "Kai Victor an Brücke. Seltsames geht hier vor. Offensichtlich wurde ein Schallisolierungsfeld im Computerraum errichtet. Ist Ihnen derartiges bekannt? Das zählt nicht zu den Prozeduren des Notfallrettungsprotokolls MB-CK 23. Ich habe hier einen Helfer, mit dem könnte ich versuchen den Raum einzunehmen und zu ergründen, warum dieses Feld installiert wurde. Ist irgendetwas darüber bekannt, wer sich in diesem Raum gerade aufhält - oder zumindest aufhalten sollte?"

--- Venture, Brücke

Die Pflichtversessenheit des Lieutenants erfreute McCarthy, auch wenn sein Angebot der gewaltsamen Einnahme des Raumes etwas übertrieben war; als nächstes forderte er wahrscheinlich ein Flächenbombardement des Planeten zur Unterstützung an. Und das alles nur, weil Clint ohne Genehmigung irgendwelche Leute treffen wollte...

"Offensichtlich versuchen Mr. Clint und Mr. Gorm die Effizienz der Evakuierung zu steigern und beratschlagen sich deshalb mit einer Marquiswissenschaftlerin. Von einem Schallisolierungsfeld ist uns nichts bekannt", instruierte der Captain, geriet beim Anblick der Ergebnisse des Sensorscans jedoch ins Stocken, "Ein Sensorscan dieses Raumes ist im Moment nicht möglich. Finden Sie heraus, was da vor sich geht. Sobald wir jemanden entbehren können, erhalten Sie Verstärkung. Und vermeiden Sie unnötige Risiken, Venture Ende!"

Knackend schloss sich der Com-Kanal und Charles drehte sich in seinem Sessel zu Kuzhumo um, der an der taktischen Konsole saß: "Wir müssen uns beeilen, bevor uns die Kontrolle aus den Händen genommen wird"

Zustimmend nickte der Japaner und führte einen weiteren Tiefenscan nach Föderationsschiffen durch...

Stardust Venture