Venture » Chroniken » Venture 22 - Evakuierung!

Venture 22 - Evakuierung!

--- Maquisbasis, vor dem Raum zum Computerkern

Kai Viktor ging zum Ziffernfeld neben der Eingangstür und gab den Öffnungscode ein.

Ohne den geringsten Ton von sich zu geben, glitt die Tür zur Seite.

Chi-Lo nahm kurz Anlauf und sprang in den Raum. Mit einer Hechtrolle fing er den Schwung seiner eigenen Bewegung ab und sah sich im Raum um.

Dort stand eine offensichtliche Maquis und hielt einen Breen mit Hilfe eines Phasers in Schach. Die Maquiswissenschaftlerin, von der McCarthy gesprochen hatte, wie Chi-Lo annahm.

'Na also!', dachte er sich. Reden hätte ja eh keinen Sinn gemacht.

Er rannte auf das "Pärchen" zu. Die Maquis drehte ihm den Rücken zu, und hören konnte sie den Chinesen nicht.

Chi-Lo war erleichtert, dass es ihr offensichtlich gelungen war, diesen Breen schon unschädlich zu machen. Denn dass die Breen allesamt böse und Feinde der Menschen waren, wusste schließlich jedes Kind.

Am elektronischen Piepen, dass ein Umstellen der Feuerkraft ihres Phasers bestätigte, erkannte der Chinese, dass er sich in einem Bereich befinden musste, in dem akustische Kommunikation wieder möglich war.

"Mein Name ist Chi-Lo.", stellte er sich vor. "Los, bringen wir den Kerl auf die Venture. Wo sind die anderen? Gibt es Verletzte?"

Er machte sich Sorgen um Gorm und um diesen Mr. Clint, den McCarthy erwähnt hatte. Wo waren die beiden nur?

Bevor Ajdan auf die Idee kommen konnte, jeder Korrektur bezüglich des Irrtums des Asiaten zuvor zu kommen und Clint für immer zum Schweigen zu bringen, handelte dieser schnell und entschlossen. Den Überraschungsmoment nutzend, rammte er die Pseudoterranerin hart von der Seite und stieß sie auf Chi-Lo zu.

Dieser versuchte die Dame vor einem Sturz zu bewahren, wodurch er selbst das Gleichgewicht verlor. Mit einem bemerkenswerten Sprint brachte der Wissenschaftler schnell Distanz zwischen sich und den Beiden. "Ich bin Clint, von der Venture! Sie ist eine Agentin ...", rief er, wurde jedoch von einem fauchenden Phaserstrahl unterbrochen, der seinen Kopf nur knapp verfehlte.

Er wusste zwar nicht wer dieser Chi-Lo war aber er hoffte, dass er schnell hinter die Wahrheit kam bevor ihm Ajdan keine Chance mehr dazu gab. Eine Klappe an der Wand bot sich mit einem mal als Fluchtweg an. Der Schacht dahinter schien zwar eng zu sein aber der Halbbreen war ziemlich schlank. Ein Hechtsprung und schon flog er in absoluter Dunkelheit seinem Ziel entgegen.

--- Müllsammelstelle

Eigentlich hatte Clint erwartet auf hartem Metallboden zu donnern, aber die Landung war sanft. Er war auf etwas relativ weichem gelandet. Er tastete danach und es schien aus Textilien und etwas das sich gummiartig anfühlte zu bestehen. Mit einem Mal fing es an zu Jammern.

--- Zentrum

Entsetzt starrte Yhea den Bajoraner an und dann das zusammengefallene Gerüst. 'Was hat der gesagt?', fragte er sich, während er immer noch ungläubig hin und her schaute.

"Das bekomme ich doch nie da weg. Nicht mit den paar Leuten, die hier herumrennen. Da brauchen wir großes Gerät."

Sofort drehte er sich zu Robsen um und gab ihm ein paar Anweisungen. Dieser nickte nur, tippte auf seinen Kommunikator und schon verschwand er per Transporter.

"Ok Anjol, ich denke, das Problem mit den Streben dürfte gleich gelöst sein. Kann sich nur noch um Stunden handeln", sagte er und grinste, während er wartete.

Unterdessen hatten sich Jordan und Chedu auf den Weg zurück zu dem Unruheherd gemacht.

Gerade wollte er Anjol erklären, was er vorhatte, da schossen blaue Strahlen aus dem Himmel hervor und Yhea und Anjol schauten beide nach oben, wo sie ein Shuttle der Venture entdeckten.

Sie konnten gegen die Sonne nicht erkennen, wer darin saß, doch das war ja sowieso Nebensache. Denn mithilfe des Traktorstrahls gelang es dem Piloten, sämtliche Gerüstteile und Streben zu heben und in sicherer Entfernung abzulegen. Die ganze Aktion dauerte nur ein paar Minuten.

Dann landete der Pilot neben ihnen und schon öffnete sich die Luke. Mit einem Grinsen im Gesicht stieg Robsen aus dem Shuttle und stellte sich neben seinen Chef.

"Was soll den das Grinsen? Noch nie mit einem Shuttle geflogen", fragte Yhea seinen Techniker.

Der antwortete mit einem Lachen. "Doch, aber nicht mit einem Geklauten."

Yhea und Anjol schauten sich verdutzt an.

"Wie, geklaut?", fragten Beide wie aus einem Mund.

"Na, da ja eigentlich alle Shuttles gerade im Rettungseinsatz sind und Ihr Shuttle nicht einsatzfähig ist, musste ich mir ja was überlegen. Und da entdeckte sich ein Shuttle; ich glaube Mister Viktor ist damit unterwegs, welches nutzlos auf dem Planeten herum stand und keiner war weit und breit zu sehen. Und da dachte ich, ich borge es mir grade mal aus."

Alnak klappte beinahe der Kiefer herunter. Wenn das mal nicht dreist war, dann wusste er es auch nicht. Aber nun gut, ungewöhnliche Probleme löste man am besten mit ungewöhnlichen Lösungen.

"Äh, ja. Prima Arbeit", sagte Yhea, während er nach den richtigen Worten suchte.

"Ich würde aber sagen, sie bringen das Shuttle so schnell wie möglich wieder zurück. Sonst beschwert sich Kuzhumo wieder, ich würde seine Leute bei der Arbeit behindern."

"Jawohl Chef", konterte Robsen und verschwand wieder im Shuttle. Wenige Sekunden später wurden die Triebwerke hochgefahren und der Shuttle verschwand wieder.

Immer noch verwirrt drehte sich der Romulaner zu Anjol um.

"Hast du so was schon mal erlebt", fragte er ihn.

"Frag besser nicht", war die nüchterne Antwort des Bajoraners, "aber mach Dir keine Sorgen, dass Robsen ein Disziplinarverfahren droht. Den Ärger bekommt immer der Abteilungsleiter"

Der Blick des Romulaners sprach Bände und Anjol musste leicht grinsen. Als wenn sich bei dem Durcheinander irgendwer um ein geklautes Shuttle kümmern würde. Abgesehen davon hätte Kai Victor der kleine Fußmarsch sicher gut getan. Seitdem er befördert worden war, hatte er etwas Speck angesetzt...

"Jetzt lass uns aber mal dafür sorgen, dass diese Anlage dort demontiert wird. Unsere Zeit läuft bald ab und es ist gerade einmal ein Drittel der Kolonisten evakuiert worden. Aber immerhin sind scheinbar alle Verletzten fürs Erste stabilisiert", wies Anjol Alnak an, zeigte bei den letzten Worten auf Jordan, die alles im Griff zu haben schien, "In zehn Minuten möchte ich, dass von dem Kraftwerk jede einzelne Schraube im Frachtraum verladen ist. Ich frage derweil Jordan, ob sie Hilfe benötigt"

Zufrieden sah die Ärztin gerade zu, wie ihr letzter kritischer Patient flimmernd dematerialisierte, um auf die Venture gebracht und von Dr. Fakaii behandelt zu werden, nachdem sie ihn so gut es möglich war stabilisiert hatte. Glücklicherweise war jeder von ihnen letztendlich transportfähig gewesen; die Ausmaße des Unfalls hatten sich dank Chedus Hilfe und dem Einsatz des Shuttles in tragbaren Grenzen gehalten.

Zwar konnte sie sich vorstellen, dass ihre Kollegen auf der Venture gerade alle Hände voll zu tun hatten, doch hier sah erst einmal alles gut aus, nachdem sie ja rechtzeitig vor Ort gewesen waren.

Irgendjemand hatte die beiden Toten weggebracht, die vor kurzem noch zu ihrer Rechten gelegen hatten. Einen der Männer war nur nach Sekunden an seinem Schädelbasisbruch - eventuell auch an einer seiner inneren Verletzungen - gestorben, den anderen hatten sie erst gerade unter dem Schutt entdeckt, als Hilfe schon lange zu spät kam.

"Kehren Sie auf die Venture zurück, wenn Sie hier fertig sind", wandte Jordan sich an Norgaard, der aufgeregt von einem zum anderen schritt und die leicht Verletzten, die sie ihm überlassen hatte, behandelte. Ihr kam der Verdacht, dass sie ihm mehr Verantwortung übertragen hatte, als er bislang gewohnt war. Sollte die Purna einen Bericht verlangen, würde sie ihn lobend erwähnen. Jetzt nickte er nur knapp in ihre Richtung und fuhr fort, sich um ein weinendes Mädchen zu kümmern.

Chedu, die sich offensichtlich sehr überflüssig zu fühlen begann, warf dem Kind einen misstrauischen Blick zu und drehte sich um, um zu Alnak zurückzukehren.

Als der Bajoraner sich näherte, richtete sie sich auf und strich unbewusst die verschmutzte Uniformjacke glatt. Sie wollte schon zu einem knappen Bericht ansetzen, bis sie sich darauf besann, dass die Venture zwar sehr einem Sternenflottenschiff ähneln mochte, sich hier aber letztendlich keiner für strenge militärische Strukturen interessierte.

"Alles in Ordnung hier", beschränkte sie sich also darauf zu sagen. "Wir sind jeden Moment fertig."

"Das war gute Arbeit, aber wir sollten weiterhin wachsam sein. So ein Unfall kann jederzeit wieder passieren", antwortete er ernst, "Glücklicherweise existieren ja die Notfallprotokolle für Evakuierungen, auch wenn mich etwas verwundert, dass der Maquis kompatible Praktiken nutzt"

Langsam blickte er sich um. Es war deutlich zu erkennen, dass schon wesentlich weniger Personen übrig waren. Wenn alles reibungslos ging würde die Föderation zu spät kommen. Nu schade um die schöne Saat, die vor kurzem ausgebracht worden war...

--- Computerraum, mittlere Ebene

Chi-Lo wusste gar nicht, wie ihm geschah. Dieser Breen hatte die Maquiswissenschaftlerin mit einem gezielten Tritt auf ihn geschleudert, und sie beide waren zu Boden gegangen.

Dann hörte er den Breen etwas davon rufen, dass er Clint sei, die Frau aber eine Agentin. Letztere zog den Phaser und zielte auf Breen/Clint.

Der Chinese reagierte blitzschnell. Die Situation war ungeklärt. Sowohl Breen/Clint als auch Maquiswissenschaftlerin konnten beide Verbündete oder aber auch Agenten sein.

Er musste mit Kai Viktor beide Verdächtigen festsetzen, um die Wahrheit herauszufinden. Ein toter Breen/Clint würde bei der Wahrheitsfindung allerdings nur sehr begrenzt von Nutzen sein...

In dem Moment, als die Frau abdrückte, schnellte das rechte Bein des Asiaten blitzartig hervor und traf die Schützin mit voller Wucht unter die Schusshand. Ohne dieses Manöver hätte die Frau den Breen glatt in der Mitte durchteilt, so aber verfehlte sie ihn um Haaresbreite, und der Strahl schlug knapp neben seinem Kopf in der Wand ein. "Glück gehabt, ohne mich wärest Du jetzt nur noch ein Halbbreen.", dachte der Chinese trocken. Des Weiteren registrierte er eher beiläufig, wie die Waffe der Frau in einem hohen Bogen durch den Raum flog. Breen/Clint war auf einmal verschwunden.

Die ersten drei Schläge registrierte Chi-Lo erst, als er sie bereits eingesteckt hatte. Eine böse Dreierkombination von Handkantenschlägen gegen den Brustkorb. Die Frau war wahnsinnig schnell. Dann gewannen seine Reflexe überhand, und er blockte die nächste Dreierkombination ab. Die Gegnerin machte eine Hechtrolle vorwärts. Zumindest machte es den Anschein, aber bei der Landung stieß sie mit ihren Händen den Körper in Richtung Ausgangspunkt zurück. Gleichzeitig winkelte sie beide Beine an und trat dann voll zu. Wäre der Chinese zu diesem Zeitpunkt noch an Ort und Stelle gewesen, die Frau hätte ihm glatt den Schädel vom Genick getreten.

Der Chinese aber hatte dieses Manöver kommen sehen und ließ sich auf den Rücken fallen. Und er trat seinerseits mit voller Wucht zu, als die Frau über ihm in der Luft war.

Augenblicklich schien sie kleiner zu werden, als sie sich mit großer Geschwindigkeit in Richtung Zimmerdecke entfernte.

Chi-Lo sprang augenblicklich auf die Beine und setzte der Frau nach. Diese aber entfernte sich mit drei Radschlägen rückwärts aus seinem unmittelbaren Einflussbereich. Chi-Lo nutzte diese Situation, um eine kurze Zwischenbilanz zu ziehen. Die Frau war eine hervorragende Schützin und eine verteufelt gute Nahkämpferin. Breen/Clint schien recht zu haben. Wissenschaftler, und angeblich war diese Frau ja eine Wissenschaftlerin, verfügten wohl kaum über solche Fähigkeiten. Nein, hier hatte er es mit einer Agentin zu tun - und zwar mit einer verteufelt guten!

--- Müllsammelstelle

Mühsam versuchte der Ferengi seine Schmerzen unter Kontrolle zu bringen. War die Landung nach dem Sturz, den Schacht hinunter schon fürchterlich gewesen, so ging es ihm jetzt auch nicht wesentlich besser, als dieser Idiot ihn als Landekissen benutzt hatte. Dann malträtierte er auch noch seine Ohren.

Gorm war gespannt, wie sein "Gast" reagieren würde, wenn er ihm einmal zwischen die Beine trat.

"Computer, Licht", befahl er mit krächzender Stimme und schloss in Erinnerung an einen ähnlichen Vorfall schnell die Augen. Gerade noch rechtzeitig, als er sogar durch seine geschlossenen Augenlider die plötzliche Helligkeit wahrnahm.

Vorsichtig öffnete er die Augen und betrachtete den Anderen, der zwar geblendet, aber doch sehr gefasst auf ihm saß.

Mühsam beherrscht richtete er seine Worte an den anderen: "Mr. Clint, würden Sie BITTE von mir runtergehen?"

Es war ein Wunder, dass er offenbar keinerlei schwere Verletzungen hatte, aber langsam gewöhnte er sich daran ....

--- Zentrum

Yhea nickte dem Bajoraner zu, während er schnellen Schrittes zum dem kleinen Kraftwerk lief. Auf dem Weg dort hin schnappte er sich Chedu und ein paar "freiwillige" Helfer.

"Ok, da das Gerüst jetzt keine Probleme mehr für uns bereit hat, fangen wir wohl langsam mal an mit der Demontage", sprach er zu der versammelten Mannschaft. "Wie ist die derzeitige Lage? Sind sämtliche Systeme der Anlage abgeschaltet und gesichert worden?"

Ein etwas jüngerer Maquis beantwortete Yheas Frage direkt. "Ja Sir. Alles gesichert. Wir waren gerade dabei gewesen, die Verkleidungsplatten abzuschrauben, als das mit dem Gerüst passiert ist."

"Vergessen Sie die Platten", antwortete Alnak etwas unwirsch. "Dafür haben wir keine Zeit. Es wird nur das abgebaut, was unbedingt gebraucht wird. Und das dürfte ja kein großes Problem sein. Außerdem beamen wir die zerlegte Anlage zur Venture hoch. Das macht die Sache noch einfacher. Also, legen sie los. Wir haben keine Zeit."

--- im Kraftwerk

Sofort stoben die Maquis auseinander und machten sich an die Arbeit. Alnak und Chedu hingegen begaben sich direkt zur Steuerzentrale des Kraftwerks und begannen dort mit der Zerlegung. Die ersten Minuten arbeiteten beide schweigend nebeneinander, bis Yhea die Stille nicht mehr aushielt. Gut, er hätte sich jetzt mit einer schönen Tasse Kaffee ablenken können, doch als er sich wieder an die verrückte Szene im Maschinenraum erinnerte, da verschwand der Wunsch nach Kaffee genauso schnell, wie er gekommen war.

"Miss Chedu, wie weit sind Sie? Können wir das Teil hier schon mal hoch beamen lassen?"

--- Computerraum, mittlere Ebene

Sein Gegenüber schien inzwischen auch bemerkt zu haben, dass ihr ein geübter Nahkämpfer gegenüberstand. Kein Wunder, bei dem gewaltigen Tritt, den sie hatte einstecken müssen. Sie verhielt sich nun deutlich defensiver. Langsam umkreisten sich die beiden Kontrahenten, ohne dass jemand einen Angriff wagte. Jeder schien die Bewegungsabläufe des anderen geradezu lesen zu wollen, Hinweise auf Stärken und Schwächen oder auf die Kampftechnik des Gegners allgemein finden zu wollen.

Der Chinese bedauerte zutiefst, dass die Agentin vorgewarnt war. Das machte sie dreimal so gefährlich.

Er versuchte eine kleine Finte. Die speiende Kobra. Die Bewegung wurde von seiner Gegnerin sofort erkannt und gekontert mit Die Gottesanbeterin bittet zu Tisch, einem Manöver aus dem Tae-Kwon-Do. Oder, nein, war es nicht eher Der Wolf leckt seine Jungen, einer ziemlich sicheren Mikado-Verteidigung?

Der Chinese hatte nicht viel Zeit, darüber nachzudenken, denn die Agentin konterte aus der Bewegung heraus mit einer Mischung aus Der Falke schlägt seine Beute und Die Libelle sucht bei Nacht. Automatisch parierte er mit Der Tintenfisch entkommt, aber er war gehörig verunsichert.

Die Kampftechnik der Agentin war sehr ungewöhnlich und keinem ihm bekannten Stil zuzuordnen. Ihre Figuren waren irgendwie verquert, einfach verbogen und nicht richtig. Ihm fehlten die Worte, das richtig zu beschreiben

Der Chinese stieß innerlich einen ausgesprochen gotteslästerlichen Fluch aus. Er musste den Kampfstil der Gegnerin erkennen, um ihre Finten schon im Ansatz richtig einordnen zu können!

Aber ihre Bewegungen entzogen sich einer genaueren Analyse. Die Figuren, die sie benutzte, hatten durchaus Ähnlichkeit mit ihm bekannten Manövern, aber dann plötzlich kamen immer wieder vollkommen unvorhersehbare Abweichungen.

Die "Wissenschaftlerin" griff mit irgendetwas an, das 'Die Lotusblüte öffnet sich' verteufelt ähnelte.

Aber plötzlich schnellte ihr rechts Bein hervor. Chi-Los Hände aber waren nutzlos vor dem Brustkorb gekreuzt, um das letzte sich öffnende Lotusblatt abzuwehren. Hart landete der Chinese auf dem Boden und konnte sich gerade noch wegrollen, bevor der Stiefelabsatz der Wissenschaftlerin seine Kehle eindrückte.

Genau diesen Fuß nahm der Asiate nun in die Beinschere und machte eine Rolle seitwärts. Seine Gegnerin wurde geradezu herumgewirbelt und schlug hart mit der Stirn auf eine Konsole auf.

Chi-Lo hatte sich nicht genug unter Kontrolle, um nicht laut aufzustöhnen.

Die Wissenschaftlerin blutete aus einer Stirnwunde.

Und das Blut war - grün!

--- Müllsammelstelle

Überrascht stand der Halbbreen auf. Langsam gewöhnten sich seine Augen wieder an die vorherrschenden Lichtverhältnisse. Er sah sich in dem kleinen Raum um. Der Ferengi richtete sich inzwischen auf und betastete seine Knochen brummend auf etwaige Brüche.

Die Situation war kompliziert. Der Ferengi hatte mehr mitbekommen als er eigentlich sollte. Nun, schlimmstenfalls war seine Mission an Bord der Venture beendet, aber schließlich hatte er sie nicht aus freien Stücken angenommen. Allerdings wollte der Wahlvulkanier es sich nicht so einfach machen.

Vorerst galt es jedoch sich den dringlichsten Problemen zuzuwenden. "Clint an Venture", sagte er nachdem den Communicator an seiner Brust berührt hatte. Keine Antwort. "Clint an Maquisbasis" Wieder keine Antwort. 'Wir scheinen uns noch immer innerhalb des Abschirmungsbereichs zu befinden der den Kern umgibt', dachte er.

Das führte ihn zur Frage, wer eigentlich eine Müllbeseitigungsanlage in einem so abgesicherten Raum einbaute. 'Vielleicht eine primitive Vorrichtung zum endgültigen Vernichten von Datenträgern?' Der Wissenschaftler schaute sich die seltsamen Projektoren an den Wänden des runden Raums an.

Die Funktionsweise war nicht schwer zu verstehen. Sie war einfach aber effektiv. Extrem starke Gammastrahlung würde alle Datenträger die hier landeten für immer unbrauchbar machen. Clint hoffte nur, dass sich das System nicht automatisch einschaltete, wenn etwas den Schacht hinunter kam.

Das plötzliche Dröhnen und Heulen sich aufladender Energiebänke schien sich aus seinen Hoffnungen nicht viel zu machen ...

--- im Kraftwerk

Die Klingonin schaute unter der Konsole heraus, in der sie gerade gesteckt hatte und nickte kurz. Während sie aufstand, rief Yhea die Venture und richtete den Transport ein. Schon kurze Zeit später verschwand die Konsole.

"Gut, Teil 1 wäre damit geschafft. Jetzt kommt der Energietransformator", meinte Yhea. "Theoretisch müssten wir eigentlich alles davon entfernt haben. Schauen Sie bitte noch mal kurz nach, damit wir damit fertig werden und endlich hier verschwinden können. Ich bringe inzwischen Anjol auf den aktuellen Stand der Dinge.

Wieder nickte die Klingonin und verschwand im hinteren Teil des Raumes.

Kurz tippte Yhea auf seinen Communicator. "Alnak an Anjol. Hier im Kraftwerk sind wir fast fertig. Ich denke, noch 5 Minuten, dann ist alles an Bord der Venture. Wie sieht es bei dir aus? Gibt es noch irgendwas zu tun?"

Mehrere Sekunden vergingen doch er bekam keine Antwort.

"Hallo Anjol, bitte melden!" rief Yhea etwas lauter. Wieder verging etwas Zeit, doch Anjol meldete sich immer noch nicht.

"Verdammt, was ist denn da los", schimpfte der Romulaner und schüttelte den Kopf. Er beendete die Verbindung und schaute sich nach Chedu um.

"Na, wie sieht's aus", rief er der Klingonin zu.

Sofort tauchte ihr Kopf hinter einer Verkleidung heraus. "Alles in Ordnung. Wir können die letzten Teile hoch beamen lassen", antwortete Chedu und schritt auf Yhea zu.

"Ok. Alnak an Venture. Ihr könnt nun die letzten Teile in den Frachtraum beamen. Die Koordinaten habt ihr ja. Also los. Alnak Ende."

Kaum hatte er die Verbindung unterbrochen, da verschwanden auch schon die letzten Teile des Maquis-Kraftwerks.

"Gut", reif Yhea und klatschte in die Hände, so dass ein lautes Echo in dem nun leeren Raum erschallte. "Dann gehen wir jetzt mal Anjol suchen."

Sie packten ihre Werkzeuge ein, schulterten die Taschen und verließen das Gebäude.

--- Zentrum

Auch Jordan sah sich um, etwas gezielter als der Bajoraner. Sie konnte nirgends jemanden erkennen, der ärztliche Hilfe benötigen würde, und überhaupt missfiel es ihr, ziellos über die Basis zu streifen und darauf zu spekulieren, dass etwaige Unglücke schon in ihrer Nähe geschehen würden.

"Gibt es Orte, an denen unsere Hilfe wahrscheinlich nötig sein könnte?", wandte sie sich daher an Anjol. "Die meisten Personen scheinen die Basis bereits verlassen zu haben und ich glaube nicht, dass wir mehr ausrichten können, als tatenlos herumzustehen. Eventuell braucht mich Miss Fakaii. Oder haben Sie etwas Konkretes vor?"

Während sie sprach, packte sie ihren Notfallkoffer wieder zusammen und hackte den Tricorder in ihren Gürtel. Ein Blick sagte ihr, dass Norgaard bereits wieder auf die Venture gebeamt hatte.

"Bis die Evakuierung abgeschlossen ist, sollte ein Team vor Ort sein", hätte der Bajoraner wahrscheinlich geantwortet, aber das Flirren eines Transporters verhinderte es, bevor der Gedanke ausgesprochen war.

Entgeistert nahm er sein Hemd vom Boden auf, welches im natürlichen Licht noch lasziver als sonst wirkte, und musterte es fragend, bis der zirpende Communicator ihn auf die Spur dessen brachte, was jemand auf der Venture ihm wohl sagen wollte:

"Anjol, es gibt Probleme beim Hauptcomputerkern. Kai Victor wurde geschickt, um den Abtransport der Speicher zu regeln, als die Sensoren in dem Gebäude plötzlich nichts mehr registrierten. Scheinbar ist Mr. Clint darin verwickelt - wenn deine Zeit es zulässt unterstütze Victors Team bei der Aufklärung! Und beim nächsten Mal nimm deinen Communicator mit"

Etwas peinlich berührt nahm Anjol schnell seinen Phaser aus dem Gürtel und sah, dass Jordan es ihm gleich tat. Wenigstens würde er vielleicht jemanden zum Ausgleich erschießen können...

"Die Rechenzentrale ist gleich dort drüben!", deutete er mit dem freien Arm auf ein etwas weiter entferntes Gebäude, welches nicht im allgemeinen Chaos untergegangen war: Sicher waren die Sicherheitsbestimmungen so hoch, dass kaum jemand Zutritt bekommen würde.

Schnellen Schrittes eilten beide zu dem mehrstöckigen Bau, während Anjol das Hemd überstreifte und so zum Mittelpunkt jeder eventuellen Strandparty mutierte.

Amüsiert warf Jordan einen Blick auf das durchsichtig schimmernde, unzüchtige [*scnr*] Kleidungsstück und folgte dem Bajoraner dann an den vereinzelten Passanten vorbei in Richtung des Gebäudes.

--- Computerraum, mittlere Ebene

Auch das noch! Grünes Blut. Seine Gegnerin war also eine Vulkanierin. Das hatte verschiedene Konsequenzen zur Folge.

Zum ersten bedeutete dies, dass seine Gegnerin über immense Körperkräfte verfügte.

Zum zweiten bedeute dies, dass das alte Sprichwort recht hatte: 'Hüte Dich vor Deinen Wünschen, denn sie könnten in Erfüllung gehen!' Er hatte sich gewünscht, zu erfahren, welcher Kampftechnik sich diese Gegnerin bediente, und nun wusste er es: Koba-mi-toh, eine alte vulkanische Technik. Dieser Technik entstammte auch der berühmte vulkanische Nackengriff. Das wiederum erklärte die seltsamen Figuren der Gegnerin - sie benutzte halt keine irdische Kampftechnik und hielt sich irgendwie immer eine Option für den Nackengriff offen. Chi-Lo war alles andere als begeistert von seiner Erkenntnis.

Zum dritten aber hieß dies auch, dass er hier wahrlich keiner Meisterin des Koba-mi-toh gegenüberstand. Denn sonst wäre er schon längst besiegt worden. Diese Kampftechnik war den irdischen im Prinzip überlegen, und Vulkanier waren überdies wesentlich stärker als Menschen. Eine wirklich gute Vulkanierin hätte Chi-Lo schon längst mühelos besiegt.

Die Frau war also gut - aber durchaus zu besiegen!

--- Rechenzentrum

Schwer atmend schloss die Ärztin am Eingangstor zu Anjol auf. Im Gegensatz zu ihm hatte sie scheinbar ihre körperliche Fitness in letzter Zeit zu sträflich vernachlässigt - ein Wunder eigentlich, wo sie sich doch auf dem bajoranischen Frachter, auf dem sie zuletzt gearbeitet hatte, ständig auf der Flucht vor genetisch aufgewerteten Trill oder Kampfratten befunden hatte.

Sie erholte sich allerdings, während der Bajoraner sich einem misstrauisch wirkenden Wachmann auswies, sich per Communicator die Öffnungscodes zum Computerkern durchgeben ließ und der Ausschilderung in Richtung des Raums folgte.

--- Vor dem Raum zum Computerkern

Kurze Zeit später hatten die beiden die richtige Tür erreicht. Unbehaglich fasste Jordan an ihren Gürtel und nahm den Phaser, den sie sich im Transporterraum der Venture hatte geben lassen. Sie hatte immer recht gut mit den Dingern umgehen können, doch immerhin lag ihre Dienstzeit bei der Föderation schon fast zwei Jahre zurück. Und wann kam eine Ärztin schon dazu, mehr als Schießübungen auf dem Holodeck zu absolvieren?

Sie wollte auch nie in die Situation kommen müssen, jemanden verarzten zu müssen, den sie vorher angeschossen hatte. Aber glücklicherweise war bisher jeder sofort tot gewesen [*gg*].

Nun jedoch warf sie Anjol einen fragenden Blick zu und wartete darauf, dass er die Tür öffnete.

--- Computerraum, mittlere Ebene

Ob sie jetzt bezwingbar war oder nicht - jedenfalls griff die Vulkanierin wieder an. Und sie war nach wie vor eine brandgefährliche Gegnerin!

Chi-Lo hatte jede nur erdenkliche Mühe, sich auch nur halbwegs seiner Haut zu erwehren.

Selbst eine nur mittelmäßige Koba-mi-toh-Kämpferin war eine ernsthafte Bedrohung für den Asiaten.

Fieberhaft überlegte er. Seine Gegnerin war Vulkanierin. Vulkanier dachten immer streng logisch. Er musste etwas finden, mit dem sie nicht rechnen würde. Etwas, das absolut unlogisch...

Der Chinese lächelte leicht. Gleich darauf wirkte sein Lächeln etwas gequält, weil er einen Tritt vor den Brustkorb bekam, der ihn rückwärts quer durch den Raum fliegen ließ. Er nahm den Schwung mit und brachte sich mit einem Salto über die nächste Konsole in Sicherheit. Die Vulkanierin lauerte. Verzweifelt befahl der Chinese seinen Lungen, trotz der schmerzenden Rippen Luft zu holen.

'Die Technik des betrunkenen Mannes!', ging ihm durch den Kopf. Die hatte er mal in einem alten Medium namens "Fernsehen" gesehen, wo sie der Kung-Fu-Meister Jackie Chan vorgeführt hatte. Auch diese Technik wurde während der Ausbildungszeit zu Trainingszwecken geübt, aber er war nie wirklich gut darin gewesen, außer einmal, als er zusammen mit zwei Freunden zwei Flaschen Aldebaran Whiskey geleert hatte - und da war eigentlich auch eine ganz andere Technik dran gewesen... Aber das war ein anderes Thema.

Er musste es wagen, und diese Technik anwenden.

Chi-Lo ging schwer torkelnd auf die Vulkanierin zu. Diese ging zum Angriff über. Aber anstatt eines der üblichen Ausweichmanöver durchzuführen, ließ sich der Chinese einfach wie ein Sack Mehl zur Seite fallen. Und torkelte mit schlackerndem Kopf rückwärts in Sicherheit.

Die Vulkanierin stutzte sichtlich.

Sie war wohl der Ansicht, Chi-Lo hätte einen gewaltigen Schlag auf den Kopf bekommen. Jedenfalls griff sie um so härter an. Mit scheinbar ungelenken und unkoordinierten Bewegungen wehrte er alle Angriffe ab. Die Vulkanierin wurde zunehmend hektischer. Es war ihr offensichtlich nicht begreiflich, wie ihr Gegner, der offenkundig Koordinationsstörungen hatte, so viel Glück haben und immer wieder im letzten Moment quasi durch eigenes Ungeschick seine Haut retten konnte.

Der Chinese steigerte sich immer mehr in seine Rolle hinein. Er fing an, richtig Spaß an der Sache zu finden. Vage fiel ihm noch die Warnung seines alten Meisters ein, der gesagt hatte, wenn man die Technik zu intensiv einsetze, dann könne man irgendwann einmal selbst nicht mehr entscheiden, ob die Trunkenheit nur vorgespielt sei. Aber dieser Gedanke war schnell verflogen. Anstatt ihr einen Handkantenschlag in die Nieren zu verpassen (den hätte sie auch abgewehrt, weil sie genau damit rechnete), kniff er seiner Kontrahentin augenzwinkernd in den Po. Auf einmal war ihr Kopf vor dem seinen. Mit einem Stoß seiner Stirn vor ihre Nase hätte er ihr einen gewaltigen, wenn auch noch nicht entscheidenden Schlag versetzen können. Indes war inzwischen so sehr der "betrunkene Mann", dass er ihren Kopf in beide Hände nahm und herzhaft auf dem Mund knutschte.

Dann brachte er sich schnell in Sicherheit.

Der eben noch abgeknutschte Mund der Vulkanierin stand weit auf. Sie war wie paralysiert von dem, was eben geschehen war.

Dann veränderten sich ihre Gesichtszüge. Wutentbrannt schrie sie auf.

'Scheiße, sie verliert ihre emotionale Kontrolle!', dachte der Chinese, als die Vulkanierin einen animalischen Schrei ausstieß und mit bloßen Händen einen Stuhl aus seiner Verankerung riss, um ihn auf Chi-Lo zu schleudern.

--- Zentrum

Als Yhea und Chedu ins Freie traten, musste der Romulaner kurz blinzeln, bei der Helligkeit, die ihm entgegenschlug. Langsam schaute er sich um, doch er sah nur noch ein paar vereinzelte Maquis, die für ihn ziellos durch die Gegend liefen. Doch von Anjol keine Spur. Auch die von der Krankenstation waren verschwunden.

'Hmm, wo haben die such bloß verkrochen?', überlegte er und kratzte sich dabei am Kinn. 'Vielleicht sollte ich mal jemanden Fragen, der sich damit auskennt. Er schlug auf seinen Kommunikator und sprach: "Computer, lokalisiere Anjol und Jordan und schicke mir die Daten auf meinen Tricorder."

Während er mit der einen Hand die Verbindung unterbrach, zog er mit der anderen seinen Tricorder hervor und aktivierte ihn. Schon wenige Sekunden später hatte er die gewünschten Daten und Yhea und Chedu schritten zu den angegeben Koordinaten.

"So wie es aussieht, befinden sich die Beiden in dem Gebäude da drüben", sagte Chedu, die ihm über die Schulter gesehen hatte und zeigte auf das Haus.

"Ja, Sie haben Recht. Na dann wollen wir doch mal sehen, was die da so treiben", antwortete er.

--- Rechenzentrum

Ein mürrisch aussehender Wachmann stand vor dem Eingangstor, als sie dort ankamen. Doch nachdem Yhea gesagt hatte, sie hätten die Aufgabe, dort die wichtigen Teile zu demontieren, da öffnete er ihnen die Tür und ließ sie passieren.

Drinnen warteten beide kurz, bis sich ihre Augen an das schummrige Licht gewöhnt hatten und gingen dann anhand der Koordinaten weiter.

"Da hinten müsste es sein", entgegnete Yhea und zeigte noch vorne zum Ende des Flures. Ein Nicken kam von Chedu als Antwort während beide um eine Flurbiegung gingen und plötzlich vor Jordan und Anjol standen. Und beide hatten ihre Phaser auf sie gerichtet.

--- Müllsammelstelle

Die Projektoren luden sich zum feuern auf. Bald würden todbringende Energien durch ihre Zellen jagen und sie langsam aber sicher töten. Clint dachte fieberhaft über einen Ausweg nach. Es gab hier unten keine Konsolen oder sonstige Bedienungselemente. Dann stutzte er: 'Die akustischen Sensoren!'

Natürlich, schließlich hatte der Ferengi das Licht aktiviert. "Computer, Gammaprojektoren ausschalten", befahl er. Eine monotone Computerstimme antwortete unbeeindruckt: "Autorisation erforderlich" Clint überkam fast das Bedürfnis zu fluchen.

"Computer, liste alle Kommandos mit Gast-Autorisation auf", gab er den Befehl, der in modernen Zeiten selten an ein Computersystem verbal gerichtet wurde. Die monotone Stimme tat wie geheißen: "Licht; Helligkeit; Temperatur; Luftfeuchtigkeit; NadjaNotfall1; Musik ..."

"NadjaNotfall1 ?", unterbrach Clint den Computer.

"Programm ausgeführt", antwortete dieser ungerührt.

--- Rechenzentrum, Vor dem Raum zum Computerkern

Missmutig musterte Anjol den Romulaner. Merkwürdig, was wollte er hier? Seit den Ereignissen auf der Ivory misstraute er unvermittelt auftauchenden Personen. Immerhin konnte man in der Nähe des Computerkernes durchaus Holoemitter installiert haben.

Vielleicht ein Sicherheitsprogramm, welches verrückt spielte...

"Welchen Gegenstand beschädigten wir mit Kuzhumo in Charles Büro?", stellte er eine Alnak eine Sicherheitsfrage. Das Ganze war so peinlich gewesen, dass sicher keiner der drei etwas davon weitererzählt hatte.

"Du hast fünfzehn Sekunden Zeit, ansonsten werden wir schießen", fügte er noch etwas grimmiger hinzu, nachdem das Etwas am Ende des Flures nur fragend zu der Klingonin neben ihm schaute.

Yhea merkte direkt, wie sein Gesicht sich etwas ins Rötliche verfärbte. Oh ja, an die Sache erinnerte er sich so genau, als wäre es Gestern gewesen.

Doch bevor er in den Gedanken versank, antwortete er lieber ganz schnell, bevor Anjol auf die Idee kam, ihn zu erschießen.

"Ich weiß ja nicht, was dieses Spielchen hier soll, aber ich denke nicht, dass das dein As im Ärmel ist. Oder denkst du etwa, wir alle haben den Kaffeefleck im Besprechungsraum vergessen? Oder die hübsche Gravur im Konferenztisch?"

Jordan und Chedu beobachteten das Spielchen zwischen dem Romulaner und dem Bajoraner etwas verwirrt, doch wahrscheinlich würde Anjol die richtigen Schlüsse aus seiner Antwort ziehen.

"War einen Versuch wert", gab der Bajoraner trocken zurück und senkte die Waffe, "Aber vielleicht gibt es ja noch jemanden da drin, der nicht die richtigen Antworten auf unsere Fragen kennt!"

Zweifellos wäre Anjol erstaunt gewesen, dass diese Person auch grünes Blut in den Adern hatte, aber noch floss gar nichts außer der letzteAngstschweiß auf Alnaks Stirn.

"Seid Ihr bewaffnet?", fragte er die beiden Techniker, die sicher nicht mit derartigen Problemen gerechnet hatten

--- Computerraum, mittlere Ebene

Der Stuhl bohrte sich in die Konsole, hinter der der Chinese in Deckung gegangen war.

Nun war deutlich das Geräusch eines sich rapide überladenden EPS-Relais zu hören. Offensichtlich befand es sich innerhalb dieser Konsole und war durch den Stuhl beschädigt worden.

Das Geräusch brachte die Vulkanierin augenblicklich wieder zur Vernunft. Jedenfalls tat sie das einzig logische: Sie sprang ihrerseits hinter eine andere Konsole in Deckung. In wilder Panik machte der Asiat einen Überschlag rückwärts, wollte sich in Sicherheit bringen, denn die Konsole, hinter der er hockte, war nun eine Todesfalle. Doch da erfasste ihn bereits die Wucht der detonierenden EPS-Leitung. Als hilfloses Spielzeug der Elementargewalt wirbelte er durch die Luft. Genau auf ein Geländer zu! Panisch schrie er auf, er konnte die Flugbahn nicht ändern, würde förmlich um die dünnen Stangen des Geländers umwickelt werden. In einem fruchtlosen Manöver versuchte er, mit seinen Armen sein Gesicht zu schützen.

Das letzte, was er bewusst spürte, war der Aufschlag auf das Geländer.

Doch nach diesem Aufprall flog er weiter. Der Chinese war verwirrt, nahm aber war, dass Kai Viktor in letzter Sekunde hervorgesprungen war und den Asiaten im Flug über das Geländer gestoßen hatte. Offensichtlich hatte er sich während des Kampfes angeschlichen, um eine optimale Schussposition zu bekommen. Und es war mehr als fraglich, ob man bei zwei Nahkämpfern beim ersten Schuss den richtigen treffen würde, deshalb hatte er wohl gewartet.

Jedenfalls hatte er dem Chinesen soeben das Leben gerettet.

Hinter dem Geländer ging es fünf Meter in die Tiefe, und Chi-Lo flog noch immer unkontrolliert.

'Scheeeeeeeeeiße!', dachte er.

--- Vor dem Raum zum Computerkern

Yhea und Chedu zückten beinahe gleichzeitig ihre Phaser und überprüften deren Einstellung. Die Frage von Anjol wunderte den Romulaner, da dieser doch wissen musste, dass Yhea das Schiff nie ohne seinen Disruptor verließ. Und unbewaffnete Klingonen gab es auch nicht. Oder sollte man besser sagen, fast nicht.

Dann stellte er sich seitlich der Tür auf, legte die Hand über den Türöffner und blickte den Bajoraner fragen an. "Alle bereit? Sobald ich die Tür aufmache, geht ihr rein und geht direkt in Deckung. Da wir ja nicht wissen, was uns darin erwartet."

Er wartete ab, bis alle fertig waren und tippte dann auf den Türöffner. Sofort stürmte Anjol los, doch die Tür öffnete sich nicht und der Bajoraner konnte gerade noch stoppen, bevor er mit dem Gesicht auf der Tür aufschlug.

Als er sich gefangen hatte, warf der Anjol böse Blicke zu und wollte anscheinend schon losmeckern, doch Yhea hob nur die Hand, unterbrach den Bajoraner bevor dieser auch nur einen Ton sagen konnte und konzentrierte sich auf die Türsteuerung. Er überprüfte ein paar Einstellungen und schüttelte dann den Kopf.

"Die Tür ist verriegelt und mit irgendeinem Code versehen den ich nicht überbrücken kann. Zumindest würde es eine Weile dauern, bis ich ihn geknackt habe. Also falls jemand eine andere Idee...." Weiter kam Yhea nicht denn Chedu schob sich an ihm vorbei, hob den Phaser und gab ein paar gezielte Schüsse auf verschiedene Stellen der Tür ab. Und der letzte Schuss zerstörte in einem Funkenregen die Konsole der Türsteuerung.

"Na prima", beschwerte sich Yhea. "Jetzt kommen wir gar nicht mehr rein"

Doch Chedu ließ sich von ihm gar nicht ablenken. Langsam schob sie mit aller Kraft die Türflügel von Hand auseinander und ging dann, als der Spalt groß genug war, sofort in Deckung. Währenddessen hatten sich die Drei verwundert angeschaut.

"Na los", zischte Chedu aus ihrer Deckung heraus. "Kommt endlich."

Das löste den Bann und Anjol, Jordan und Yhea betraten den Raum.

--- Computerraum, untere Ebene

Es gibt Stellen, da ist es ein Segen zu landen, wenn man 5 Meter in die Tiefe fällt. Ein Matratzenstapel zum Beispiel. Oder ein Swimmingpool. Ein Wagen, auf dem sechs Gasflaschen hochkant nebeneinander stehen, gehört jedoch definitiv nicht zu dieser erlesenen Gruppe von Landeplätzen.

Leider endete die Flugbahn des Chinesen genau auf einem solchen Einrichtungsgegenstand.

Abermals bekam der Asiate keine Luft. Und was schlimmer war, er war hilflos zwischen den Flaschen eingeklemmt. Verzweifelt versuchte der, die Schmerzen und die Atemnot zu ignorieren, um sich irgendwie darauf konzentrieren zu können, freizukommen.

Es ging nur langsam voran. Der Asiate war nun völlig hilflos, eine leichte Beute für die vulkanische Agentin.

Er blickte nach oben. Dort lag noch immer Kai Viktor, der durch den Aufprall bei seiner heldenhaften Aktion offensichtlich am Kopf etwas abbekommen haben musste. Jedenfalls versuchte er aufzustehen, aber die Glieder versagten ihm augenscheinlich den Dienst.

Chi-Lo konnte sich endlich drehen, und dabei bekam der den rechten Arm frei. Immerhin ein Anfang. Unter sich hörte er ein metallisches Klirren.

Wieder ein Blick nach oben. Die Vulkanierin sprintete zu Kai Viktor und ein Tritt unter dessen Kinn schickte den stellvertretenden Leiter der Sicherheit endgültig ins Reich der Träume.

Chi-Lo war eingeklemmt und der Vulkanierin schutzlos ausgeliefert. Diese sah das offensichtlich genauso. "Das ist dein Ende, Terraner!", rief sie. Mit einem gewaltigen Satz sprang sie über das Geländer und somit 5 Meter in die Tiefe.

Die Gedanken des Chinesen überschlugen sich. Er musste einen Ausweg finden! Das metallische Klirren. Natürlich, er hatte seinen Phaser eingesteckt gehabt, und dieser war bei der Drehung seines Körpers herausgefallen. Der Phaser! Verdammt, dieser verfluchte Phaser! Warum hatte er nicht früher daran gedacht? Der Kampf wäre schon längst zu seinen Gunsten entschieden gewesen. Der Phaser lag etwa 50 cm von ihm entfernt. Der Chinese streckte seinen rechten Arm, so weit er konnte. Die dazu erforderliche Verrenkung war unmenschlich. Die Vulkanierin kam auf dem Boden auf und rollte sich ab. Chi-Los Fingerspitzen erreichten seinen eigenen Phaser.

Er hatte keine Zeit zum Zielen. Er riss einfach den Phaser in die ungefähre Richtung der Vulkanierin und schoss. Der Phaserstrahl fraß sich kreuz und quer als langer dunkler Streifen durch die Inneneinrichtung des Computerraums. Weit von der Vulkanierin entfernt. Diese erkannte die neue Lage sofort und hechtete hinter die nächste Konsole in Deckung.

Der Mut des Chinesen sank. Es gab zig Richtungen, in die er eingedenk seiner momentanen Verrenkungen nicht zielen konnte. In dieser Lage konnte sich die Vulkanierin ihren nächsten Angriff in aller Ruhe überlegen, und dann würde sie gewinnen.

Und er, Chi-Lo, konnte rein gar nichts dagegen machen.

--- Computerraum, mittlere Ebene

Wobei betreten sicher nicht der richtige Ausdruck war. Kaum hatte sich die Klingonin in Deckung gebracht, schon zerbarst ein Phaserstrahl an einem nahen Terminal.

Grummelnd entschied sich Anjol also für eine weite Hechtrolle, die ihn hinter einer bereits ausgebrannten Konsole auf der anderen Seite des Raumes brachte. Beim Aufprall bohrten sich dabei einige auf dem Gitterboden liegende Splitter in seinen Rücken, was er lautstark fluchend würdigte.

Aber immerhin hatten sie den Gegner jetzt unter Umständen von zwei Seiten in der Zange. Vorsichtig spähte er über die Konsole und hoffte, nicht allzu viele Kontrahenten zählen zu müssen...

Während Chedu und Anjol direkt neben der Tür in Deckung gegangen waren, war Yhea ein Stück weiter gelaufen und hatte in einem Treppenaufstieg Schutz gefunden. Wenn er Glück hatte, dann hatten die Gegner ihn nicht gesehen. Doch ehrlich gesagt vertraute er nicht darauf. Vorsichtig betrat er die Leiter und kletterte leise nach oben. Dabei warf er immer wieder Blicke nach oben und unten, ob sich ihm jemand vielleicht genähert hatte, doch er kam ungehindert auf die oberste Ebene.

--- Computerraum, obere Ebene

Wie auf der Jagd schlich der Romulaner auf der oberen Ebene herum, lugte hier und da mal in die Tiefe, doch er erkannte nichts Besonderes. Außer vielleicht, dass es verdammt tief war.

'Mist", fluchte er. 'Wo haben die sich bloß versteckt!'

Wieder schaute er nach unten und da erkannte er plötzlich eine Gestalt, die auf der untersten Ebene auf irgendwas Rundem lag. 'Ein Gegner; einer von uns?', überlegte er, doch von der Höhe war das schwer auszumachen. Vor allem, da es unten nicht besonders hell war.

Fieberhaft überlegte er, was er machen könnte, als plötzlich ein Phaserstrahl einen Teil der Gitterrost-Bühne vor ihm wegschnitt. Schnell machte der Romulaner einen Schritt zurück, doch wieder zuckte ein Energiestrahl durch die Luft und versperrte ihm den Fluchtweg.

Erst jetzt erkannte er, dass er hier oben wie auf einem Präsentierteller stand. Von unten gut sichtbar, doch von hier sah er nichts. Die einzige Möglichkeit, die er hatte war, von hier oben zu verschwinden. Doch dafür musste er über den eben entstandenen Abgrund springen. Bevor er wieder Opfer einer Phaserattacke wurde, nahm er allen Mut zusammen, nahm kurz Anlauf und sprang.

Es kam ihm so vor, als wäre er ewig in der Luft, doch plötzlich bemerkte er, dass er es nicht schaffen würde. Zumindest nicht so, wie er es sich gedacht hatte. Schnell, nein viel zu schnell kam das andere Ende auf ihn zu und das einzige, was er noch machen konnte, damit er nicht in den Abgrund stürzte war, sich mit den Händen an der entgegenkommenden Kante festzuhalten. Schmerzhaft schnitten sich die scharfen Kanten in seine Hand und nur mit Mühe konnte er es verhindern, dass er in die Tiefe stürzte.

Doch in Sicherheit war er trotzdem nicht. Er hing da wie ein nasser Sack in der Luft, ideal als Zielscheibe geeignet und schaffte es nicht, sich hochzuziehen. Langsam merkte er, wie ihm die Kraft ausging. Jetzt konnte er nur noch auf Hilfe warten.

---Computerraum, untere Ebene

Die Vulkanierin hatte offensichtlich ihre Überlegungen, wie sie den Terraner töten konnte zu einem Ende gebracht. Sie hatte inzwischen ausgerechnet, wohin der Chinese zielen konnte und wohin nicht.

Ohne jede Eile stand sie hinter der Konsole auf und ging - auf ihren Phaser zu! Dort lag er auf dem Boden. Hier war er hingeflogen, nachdem der Asiate der Agentin den Phaser aus der Hand getreten hatte. Und er konnte nicht auf sie zielen.

Ein Seufzer entfuhr ihm, als er sich seinem Schicksal ergab.

Er hatte verloren.

Stardust Venture