Venture » Chroniken » Venture 24 - Ein Schatz in den Badlands

Venture 24 - Ein Schatz in den Badlands

--- Shuttle

Chi-Lo kam langsam zu sich. Er erinnerte sich nur dunkel an das, was geschehen war, nachdem er sich dieses Alnak entledigt hatte. Er konnte sich noch an einen großen Energieblitz aus einer Waffe, die Alnak in den Händen hielt, erinnern. Danach war es dunkel um ihn herum geworden.

Der Chinese sah sich um. Er war im Shuttle. Im Shuttle war es es zum Bersten eng, da es vollkommen überbelegt war. Er erkannte Gorm, Chedu, den immer noch bewusstlosen Kai Viktor, Anjol, Alnak, die kleine Ärztin und diesen Breen. Diese Belegung des Shuttles konnte unmöglich geplant gewesen sein.

Nun bemerkte der Asiate, dass er fror. Automatisch fing er an, zu bibbern. Und hörte sofort wieder damit auf, um das Bibbern durch einen gellenden Schmerzensschrei zu ersetzen. Sein gesamter Rücken schmerzte so sehr, dass ihm wieder schwarz vor Augen wurde. Er hörte aber immer noch seinen Schrei, woraus er mit ziemlicher Sicherheit zu schließen können glaubte, dass er nicht schon wieder bewusstlos geworden war.

Er konzentrierte sich schwer, um nicht weiterzubibbern. Diese Schmerzen würde er nicht überstehen.

Doch leider war diese Maßnahme nicht von Erfolg gekrönt, denn in diesem Moment ging eine gigantische Erschütterung durch den Shuttle.

"Schilde auf 47 Prozent", rief Alnak verzweifelt. "Wenn uns nicht etwas einfällt, dann werden wir gleich in tausend Stücke gesprengt!"

Die Schmerzen, die der Chinese durch die Erschütterung des Shuttles abermals durchlebte, ließen ihn diese Möglichkeit als reine Erlösung erscheinen. Besser tot, aber nicht mehr diese Schmerzen, als...

Er sammelte sich. Auf dem Bildschirm konnte er erkennen, dass sie von "nur" einem Schiff verfolgt wurden. Leider einer Akira-Class. Es sah mehr als nur schlimm aus. Der Shuttle war gegen so ein Schiff chancenlos.

Er sah eine Anzeige. Schwach flüsterte er der Ärztin zu: "Asteroidenfeld... durchfliegen... Shuttle... kleiner als.. Akira..."

Die Ärztin - hieß sie Jordan? - verstand sofort und rief: "Da ist ein Asteroidenfeld! Chi-Lo meint, wir könnten dort hindurch entkommen, weil die Akira viel größer ist und deshalb mehr als Schwierigkeiten haben dürfte, darin zu navigieren!"

Etwas leiser und auch heiser klingend fragte sie in die Runde: "Haben wir einen Teufelspiloten für diesen Wahnsinnsritt an Bord?"

Nun, Chi-Lo war ein guter Pilot - er fühlte sich gerade aber irgendwie unpässlich...

Seine Finger und Zehen erwachten zum Leben. Zusätzlich zu den unerträglichen Rückenschmerzen brannten jetzt seine Zehen und Finger auch noch wie Feuer.

"Schmerz...", hauchte er.

Schnell klemmte sich Gorm hinter die Konsole des Bordcomputers und der Sensoren und begann die Bewegungsmomente der größeren und kleineren Gesteinsbrocken zu berechnen und daraus ein Modell zu erstellen.

Nach ein paar Sekunden wandte er sich an den Piloten: "Das allgemeine Einverständnis vorausgesetzt könnte ich die Steuerung des Shuttles so anpassen, dass es seinen Kurs selbstständig so korrigiert, dass es nur noch mit Brocken von der Größe eines Kopfes zu tun bekommt. Denn Rest müssten Sie erledigen."

Dann setzte er noch nach: "Wenn die Sensorreichweite hier in den Badlands nicht so kurz wäre, hätte ich noch versuchen können mich in den Bordcomputer eines der Schiffe zu hacken und ihnen eines meiner kleinen Geschenke zu hinterlassen. Diesmal müssen wir wohl ohne das auskommen..."

"Sie haben mein Einverständnis", sagte Alnak kurz angebunden, während er immer noch Ausweichmanöver flog und dabei versuchte, seinen verletzten Arm nicht viel zu bewegen.

Er hatte zwar von Jordan ein Schmerzmittel bekommen, doch das hatte nicht gerade lange den Schmerz vertrieben. Anscheinend wirkte es bei Romulanern nicht. Oder er war immun gegen das Medikament.

Egal, jetzt musste er sich auf das Steuern des Shuttles konzentrieren. Inzwischen hatte Gorm die Steuerung angepasst und Yhea war froh darüber. Denn nun konnte er sich voll und ganz darauf konzentrieren, den Phaserstrahlen der feindlichen Schiffe zu entgehen und brauchte sich nicht mehr auf die großen Asteroiden zu konzentrieren.

Doch weiterhin wurde der Shuttle ab und an mal getroffen. Trotz des Energietransfers waren die Schilde inzwischen runter auf 25 Prozent. Ewig würden sie dieses Katz und Mausspiel nicht mehr überleben.

"Mister Gorm", sagte er nun schnell und zog den Shuttle nach rechts. "Finden sie einen Asteroiden, wo wir uns verstecken können. Schnell. Sonst haben uns die Schiffe gleich."

Fieberhaft tippte der Ferengi die erforderlichen Daten in den Computer und wurde gleich mit einem passendem Ergebnis belohnt.

"Auf Position 14 - 3-3.4 befindet sich ein großer Brocken der hohl ist. Mit einem gezielten Phaserstoß könnte die Oberfläche lange genug verflüssigt werden, dass wir in die Höhlung hinein stoßen könnten. Hinter uns würde der Eingang dann wieder verschmelzen und unser Versteck tarnen. Ich weiß allerdings nicht, ob wir dann dort so leicht wieder hinauskommen.

In zwei Minuten kommen wir bei einem anderen Asteroiden vorbei, der ein natürliches Höhlensystem besitzt, dass uns Platz bietet. Kurioserweise sind darin auch Spuren von Atmosphäre vorhanden - atembare. Der hat allerdings auch einen Nachteil: Schaffen wir es überhaupt dorthin?", fragend blickte der Wissenschaftler auf den Romulaner.

Chi-Lo hatte von der Ärztin inzwischen ein starkes Schmerzmittel verabreicht bekommen. Vorsichtig bewegte er sich - und der hatte tatsächlich kaum noch Schmerzen! Schnell riss er Jordan das Hypospray aus der Hand und pumpte sich die ganze Ladung rein. Die wütenden Proteste der Ärztin überhörte er dabei. 'Viel hilft viel', dachte er sich.

Die Wirkung des Sprays setzte unmittelbar ein und war phänomenal. Er hatte überhaupt keine Schmerzen mehr und fühlte sich großartig. 'Pass auf, dass Mittel könnte ungeahnte Nebenwirkungen entfalten!', mahnte ihn eine innere Stimme. Aber diese Stimme hatte er sofort wieder vergessen, denn es gab wichtigeres zu tun, als sich Sorgen zu machen.

Er sprang auf und stürzte an die nächste Konsole. Seine Finger flogen nur so über das LCAR, als er verschiedene Daten abrief. "Gorm, könnten wir vielleicht auch einen Astroiden mit dem Traktorstrahl benutzen? Ich meine, erst einen Asteroiden in unserer Flugrichtung damit packen und somit selbst etwas Beschleunigen. Dann überholen wir das Ding und stoßen es danach mit dem umpolarisierten Traktorstrahl von uns weg. Wir beschleunigen dadurch noch mal, und außerdem können wir den Asteroiden auf einen unserer Verfolger schleudern!" Seine Stimme überschlug sich fast vor Freude. "Ja!", jauchzte er, "Wir bewerfen unsere Gegner mit Steinen, wie einst David den Goliath besiegte!"

"Mannschaft!", brüllte er begeistert, "Die Flucht hat ein Ende! Wir werden kämpfen und wir werden siegen!"

Es waren ja nur zwei Akiras. Wenn sie nur wirklich wollten, dann würden sie auch siegen.

Ah, da war so ein Asteroid! Genau der geeignete Kandidat.

Der Chinese aktivierte den Traktorstrahl.

Das Gebrülle des Chinesen hatte Anjol aus seinem kurzen, aber entspannenden Schlaf gerissen: Wenn der Kerl das Ernst meinte, würden sie der Föderationsgefangenschaft wirklich entgehen.

Weil sie dann alle tot waren.

Probeweise spannte der Bajoraner ein paar Muskeln an, befand die Beweglichkeit für ausreichend und benutzte dann erbarmlungslos die einzige Waffe, die sich in seiner Reichweite befand.

"Plöööööng", hallte es durch das ganze Schiff und Chi-Lo packte sich erstaunt an den Hinterkopf, statt wie erwartet einfach in sich zusammenzusacken. Das Schmerzmittel musste gewaltig gut wirken! Doch statt sich über die geschleuderte Teetasse zu ärgern, die eine hübsche Beule an seinem Schädel hinterlassen hatte, bestaunte Chi-Lo nur seinen Handrücken, der mit rotem Ausschlag bedeckt war und fing an sich wild zu kratzen.

"Jordan, gebe Sie ihm ein Mittel gegen die Allergie!", wies er die Ärztin schnell an, die sich noch immer über die Dreistigkeit ihres Patienten ärgerte, und freute sich, nicht mehr von dem Gesöff getrunken zu haben.

Yhea hatte kur die zwei Möglichkeiten von Gorm abgewogen und sich dann für die Zweite entschieden. Sich selbst in einen Asteroiden einzuschließen hielt er nicht für eine gute Idee. Zwar würde es knapp werden, den Zweiten Felsbrocken zu erreichen, doch das Risiko mussten sie eingehen.

"Mister Gorm, wir nehmen den mit den natürlichen Höhlen. Das ist mir lieber. Aber wir müssen uns was einfallen lassen, um unsere Verfolger etwas zu verwirren. Wir müssen uns unbemerkt in dem Asteroiden verstecken können. Es bringt nichts, wenn wir es da hinein schaffen und dann zerstören sie den Brocken komplett."

Gorm nickte und machte sich an die Arbeit. Yhea flog weiter und versuchte, sie nicht von Chi-Los Gebrüll nicht ablenken zu lassen. Plötzlich überschlugen sich die Ereignisse. Denn als Chi-Lo unkontrolliert den Traktorstrahl aktivierte, da wurde der Shuttle hart aus einer Flugbahn gerissen. Schlagartig machte der Shuttle einen Satz nach vorne auf den Asteroiden zu. Doch da der Traktorstrahl nicht an die Rotation des Felsens angepasst war, wurde der Shuttle herumgerissen. Wie als hätten Sie ein Lasso geworfen wurden sie von dem Felsen hin und her gezogen.

Yhea hatte verdammte Mühe, der Shuttle in einem anständigen Abstand zu halten. "Anjol, schalten sie verdammt noch mal den Traktorstrahl aus. Schnell!"

Wie wild schlingerte der Shuttle weiter. Die Triebwerke heulten laut auf, als Yhea versuchte, irgendwie das Schleudern zu beenden. Doch gegen die Gewalt des Asteroiden hatte der Shuttle keine Chance. Nicht mehr lange und das Schiff würde durch die Kräfte auseinander gerissen werden.

Und dann schlug die Situation um. Anjol hatte es anscheinend geschafft und den Traktorstrahl deaktiviert. Kaum war das Shuttle frei, da wurde es durch die Rotationskräfte durch den Raum geschleudert. Die Geschwindigkeit lag ein vielfaches über der normalen Impulsgeschwindigkeit.

Fluchend hämmerte Yhea auf die Kontrollen ein. Durch die plötzliche Abschaltung des Traktorstrahls waren mehrere Systeme kollabiert und der Impulsantrieb hatte sich abgeschaltet. Nur noch die Manövriertriebwerke standen ihm zur Verfügung, doch sie bremsten den Shuttle nur sehr langsam ab.

Plötzlich ertönte ein Warnton und Yhea starrte aus dem Frontfenster. Unkontrolliert flog das Shuttle durch Asteroidenfeld. Genau auf einen großen Felsen zu, der immer näher kam. Es würde nur noch Sekunden dauern, bis sie auf die Oberfläche aufschlagen würden.

Der Felsen wurde immer größer. Er füllte inzwischen das komplette Fenster aus.

"ACHTUNG!", brüllte Yhea los. "Alle festhalten!"

Verzweifelt versuchte er noch, irgendwie weiter das Schiff abzubremsen, doch viel brachte es nicht mehr. Hart schlug das Shuttle auf der Oberfläche des Asteroiden auf....

... und brach durch.

Der Chinese hatte interessiert die roten Pusteln auf seiner Hand betrachtet. Die Umrisse formten tolle Bilder. Da hinten war ein takarianischer Säbelzahntiger. Und dort einer Raumbasis. Der takarianische Säbelzahntiger hatte nun doch mehr Ähnlichkeit mit einem Babyschnuller. Das war alles sehr interessant und spannend.

Der Asiat war noch immer von der Formgebung seines Ausschlages fasziniert, als das Shuttle auf dem Asteroiden aufschlug.

Der Aufprall war unbeschreiblich. Chi-Lo wurde, wie von einer gigantischen Faust getroffen, quer durch das Shuttle katapultiert. Er traf auf ein LCAR und löste einen Funkenregen aus. Irgendwo roch es nach gebratenem Fleisch. Er nahm es kaum wahr.

Überall im Shuttle überluden sich Konsolen und spuckten Feuer und Blitze. Wild durcheinandergewürfelt lag die Crew in den unmöglichsten Verrenkungen auf dem Boden.

Ein Blick auf seinen rechten Unterarm offenbarte, dass wohl sein Fleisch war, dessen Duft so aromatisch durch den Raum zog. Der Chinese bekam plötzlich Hunger. Nun, er würde seinen Arm später immer noch essen können. Jetzt war die Zeit des Kampfes!

Das Licht flackerte und ging aus.

"Hauptenergieversorgung ausgefallen!", hörte er Clint rufen, "Ich schalte um auf Notenergie." Der in vulkanischer Disziplin erzogene Clint war naturgemäß am schnellsten wieder auf den Beinen gewesen und machte sich bereits an einer Konsole zu schaffen.

Die Notbeleuchtung ging an und tauchte den Shuttle in ein diffuses Licht.

"Ich kann es nicht sicher sagen, da alle Antriebe ausgefallen sind.", meldete sich Alnak zu Wort. Auch er hatte inzwischen seinen Pilotenplatz wieder erreicht. "Aber ich glaube, wir sind hier festgekeilt. Wir kommen nicht weg!"

"Verdammt, alle Sensoren sind ausgefallen!", rief Gorm verzweifelt. "Wir sind blind!"

"Haah, wir werden diesen Brocken einfach in tausend Stücke sprengen!", rief der Chinese heldenhaft. "Ich mache die Photonentorpedos klar. Feuer!"

Ein Blick auf eine Konsole offenbarte ihm jedoch eine weitere böse Wahrheit: "Verdammt, die Waffen sind auch offline!"

Verzweifelt schlug er auf das Display ein, aber die Waffen blieben deaktiviert.

Er wandte sich flehentlich Anjol zu, der noch immer in der Ecke lag, in die ihn der Aufprall geschleudert hatte.

"Gebt mir einen Phaser und einen Raumanzug!"

Ohne auf eine Antwort zu warten riss er Türen und Laden auf und suchte fieberhaft.

"Ich werde sie von draußen bekämpfen! Die erste Runde ging an die, aber mit einem guten Phaser sind zwei Akiras keine Gegner. Wo ist der verdammte Raumanzug?"

Die Akiras waren so gut wie erledigt.

Mit hämmernden Kopfschmerzen versuchte sich Yhea auf die flackernde Konsole zu konzentrieren, welche eigentlich die zurzeit noch funktionierenden Systeme anzeigen sollte. Doch in der Liste waren nur zwei Punkte aufgeführt. Notenergie und Lebenserhaltung. Alles andere war ausgefallen. Er schaute aus dem Fenster, doch er sah nichts außer großen Felsbrocken.

Langsam drehte er sich um und beobachtete den Chinesen dabei, wie dieser fieberhaft nach einem Raumanzug suchte. Was war bloß passiert? Hatte Chi-Lo etwa einen etwas zu starken Schlag auf den Kopf bekommen oder weswegen führte er sich auf wie ein Spinner? Es war schon schlimm genug gewesen, dass der den Traktorstrahl aktiviert hatte. Doch jetzt wollte er da raus? Alleine mit einem Phaser auf seine Kampfschiffe losgehen?

Yhea tippte sich an die Stirn. Irre. Das war das einzige Wort, was ihm einfiel. Doch er würde diesem Wahnsinn jetzt mal einen Riegel vorschieben. Denn in der jetzigen Situation konnten sie so einen wie Chi-Lo überhaupt nicht gebrauchen. Deswegen zückte er seinen Phaser, stellte ihn auf "Betäubung", zielte und feuerte einen kurzen Schuss ab auf Chi-Lo. Dieser guckte nur verdutzt, stammelte irgendwas und klappte dann in sich zusammen.

"Jordan, kümmern Sie sich um ihn. Und um die anderen Verletzten", rief er dann und delegierte dann weiter. "Clint, bringen Sie die Sensoren wieder in Ordnung. Ich muss wissen, wie unsere derzeitige Situation aussieht. Ich kümmere mich um die Hauptenergie. Der Rest macht sich sonst irgendwie nützlich", fügte er dann noch hinzu und blickte Anjol ernst an.

"Anjol, kannst du mir bitte behilflich sein?", fragte er den Bajoraner.

"Aber gerne doch", antwortete dieser dem Romulaner, nachdem Alnak den Terraner ausgeschaltet hatte, Ruhe einkehrte und Anjol sich der Konsole neben der er gestrandet war widmen konnte, "Der Warpkern scheint noch intakt, ebenso die Fusionskammer, aber die Backbord-EPS-Leitung hat bei ihrem Durchschmoren ein paar wichtige Prozessoren geschmolzen"

Schnell kämpfte sich Yhea durch die Ansammlung von Gliedmassen, die immer noch den Boden bedeckten. Scheinbar hatte zu mindestens Chedu einen harten Schlag bei dem Aufprall abbekommen und lag in einer ansehnlichen Blutlache.

Endlich erreichte der Romulaner die Wandverkleidung, hinter der ein Geruch von durchgebrannten Kabeln hervorkroch und begann zusammen mit Anjol die Verdeckung abzuschrauben.

Gemeinsam hoben Yhea und Anjol die abgeschraubte Abdeckung ab und schauten hinein.

"Du meine Güte", entfuhr es dem Romulaner und zückte seinen Tricorder. Nach einigen Messungen schüttelte er den Kopf und reichte das Gerät zu Anjol.

"Du hattest Recht. Die EPS-Leitung ist hin und sage und schreibe 5 Prozessoren. Das Problem ist nur, wir haben nicht so viele Ersatzteile hier", sagte Yhea. "Und replizieren können wir sie nicht, solange die Hauptenergie nicht wieder da ist. Ein Teufelskreis also."

Angestrengt versuchte er, einen Ausweg aus der Situation zu finden.

"Können wir nicht irgendwo anders die Teile ausbauen?", fragte ihn jetzt der Bajoraner.

Yhea nickte in Gedanken und überlegte, aus welchen Systemen sie was ausbauen konnten. Nach kurzer Überlegung blieben nur die Transporter.

"Anjol, gute Idee. Die passenden Teile finden wir im Transportersystem. Jetzt müssen wir nur Glück haben, dass die Transporter wenigstens noch ganz sind. Kannst du hier schon mal die defekten Teile ausbauen, während ich die Ersatzteile besorge?", fragte er.

"Mal schauen, wie kooperativ sich der durchgebrannte Schrott verhält", antwortete Anjol düster, während er die teilweise gänzlich verschmolzenen Steckverbindungen musterte.

Aus einem Werkzeugkoffer suchte er ein Plasmaschweissgerät, nachdem er den Versuch mit dem eigentlich vorgesehen, bestimmt hochkomplizierten Phaseninduktionsmenstruations-Dingens - der Bajoraner konnte den Namen auf dem abgegriffenen Typenschild nicht genau lesen - gleich verwarf. Stattdessen begann er mühsam in der kleinen Öffnung hockend eine verschmorte Verbindung nach der anderen zu lösen.

Nach einer Zeit stapelte sich so der freigesetzte Schrott auf einem kleinen Haufen neben ihm in die Höhe....

Yhea hatte eine Klappe im Boden des kleinen Transporters geöffnet und hineingeschaut. So wie es aussah, schien alles in Ordnung zu sein. Er warf einen Blick über die Schulter und beobachtete Anjol beim Ausbau.

'So, was brauchen wir?', überlegte er und schaute wieder vor sich. "Hmm, das, das und das. Ach ja, und ein Stück von dem hier und einen anderen Teil von diesem da", murmelte er vor sich hin.

Ein Teil nach dem anderen löste Yhea mit Hilfe von verschiedenen Werkzeugen von ihren angestammten Plätzen im Transportersystem. Nachdem er einen beachtlichen Teil ausgebaut hatte, schaute er noch mal sämtliche Teile durch und nickt dann. Ja, er hatte alles was sie brauchten.

Er verschloss die Abdeckung wieder, sammelte die Werkzeuge und die Ersatzteile ein und ging zurück zu Anjol.

"Na, wie weit bist du?", fragte er den Bajoraner.

"Fast fertig!", grummelte der Bajoraner und musterte den sich hartnäckig haltenden Chip mit tödlichem Blick. Dieser ließ sich davon aber kein bisschen beeindrucken und verblieb störrisch an seinem Platz, egal wie hartnäckig Anjol mit dem Plasmaschweisser die Verbindungen zu lösen versuchte.

"Na dann", murmelte er finster und wühlte einen Moment in dem Werkzeugkoffer, bis er ein längliches metallenes Hilfsmittel in Form eines Ls hervorholte. Am kurzen Ende des Konstruktes war eine Kerbe eingebracht, um die physischen Effekte zu optimieren.

Das Gerät nannte sich Brechstange.

Wütend platzierte Anjol es an der richtigen Stelle und riss mit einem Rück an dem Hebel. Augenblicklich löste sich der Chip und schleuderte in hohem Bogen aus den Eingeweiden der Konsole in den Innenraum des Shuttles.

"Jetzt bin ich fertig", rief er zufrieden in Alnaks Richtung.

--- Shuttle, weiter hinten

Vorsichtig hatte Jordan Chedus Kopfverletzung mit einem Dermalstimulator behandelt und ihr ein Medikament verabreicht, das sie hauptsächlich ruhig stellen sollte; es war keine großartige Verletzung, aber die Ärztin hatte so eine Ahnung, dass die Klingonin aufspringen und weiterarbeiten würde, wenn sie aufwachte und sie vorher nichts dagegen tat.

Chi-Lo hatte sie liegen lassen, wo er war, nachdem Alnak ihn niedergeschossen hatte. Jordan wusste nicht, was sie mehr aufregte - dass der Chinese sich ein Mittel injizierte, das in diesen Mengen einen Ochsen zum Singen gebracht hätte, oder dass der Romulaner einfach Crewmitglieder niederschoss und der Meinung war, dass sie sie dann schon wieder zusammenflicken würde.

Als Kompromiss hatte sie Chi-Lo ignoriert, bis sie sonst nichts mehr zu tun hatte, und dem Romulaner den einen oder anderen verärgerten Blick zugeworfen, was er jedoch nicht zu merken schien.

Jedenfalls hatte sie weder vor, einen halluzinierenden Piloten frei im Shuttle herumlaufen zu lassen, noch ihn erneut zu betäuben, sollte er wieder aufwachen.

Chi-Lo saß daher mittlerweile dank Mr. Clints Mithilfe ein Stückchen von ihr entfernt in einem der Sitze.

Gut verschnürt.

Sobald die Wirkung des Schmerzmittels nachließ, konnte sie ihn ja wieder losbinden, falls sie Zeit dafür hatte. Zufrieden warf ihm Jordan einen letzten Blick zu und wandte sich dann an die beiden den Shuttle wieder in Stand setzenden Männer.

--- Shuttle

"Miss Chedu und Mr. Chi-Lo sind versorgt", meldete sie und musterte den mit der Brechstange werkelnden Bajoraner interessiert. "Braucht einer von Ihnen medizinische Versorgung oder kann ich mich sonst wie nützlich machen?"

Triumphierend legte der erste Offizier sein Werkzeug weg und überblickte den leergeräumten Innenraum der Konsole: Weit wie die Branai-Provinz und ebenso überschaubar, ein Hort der technischen Friedlichkeit!

Und Anjol sah, dass es gut war.

"Nein, mir geht es gut, aber wenn der Chinese wieder aufwacht, könnte sich das ändern", prophezeite Anjol zwinkernd. Seit sie in dem Gesteinsbrocken aufgeschlagen waren und wider jedes Naturgesetzes auch noch überlebt hatten, hatte sich seine Laune stetig verbessert und seit Chi-Lo lautlos vor sich hin schlief fühlte er sich sogar von wager Hoffnung beseelt.

Während er geantwortet hatte, war Alnak mit den nötigen Ersatzteilen herübergekommen und hatte begonnen sie einzusetzen. Wie üblich stellte er sich sehr geschickt dabei an und so entschied Anjol, Yhea nicht weiter im Weg zu stehen.

Stattdessen stand er auf und wischte sich nebenbei etwas Dreck von seinem dünnen Outfit, welches seit seiner Ankunft auf dem Maquisplaneten sichtlich gelitten hatte.

"Da wir bald wieder Energie haben werden", in seiner Stimme lag immer noch ein zweifelnder Unterton, "sollten wir anfangen zu überlegen, was wir dann mit dieser tun werden. Vorschläge?!"

Yhea schaute kurz von seiner Arbeit auf. "Also ich werde mir als aller erstes einen Kaffee replizieren", grummelte er und machte dann mit dem Einbau der Teile weiter. Angestrengt werkelte er herum und er musste zugeben, es war mit einer Hand gar nicht so einfach. Moment, hatte Jordan nicht eben gefragt, wer noch Hilfe bräuchte?

"Äh Miss Jordan?" rief er und wartete bis die Ärztin zu ihm gekommen war.

"Ich weiß nicht, ob das hier im Shuttle möglich ist, aber könnten Sie sich vielleicht mal meinen Arm ansehen? Ich glaube, ich habe ihn mir auf dem Planeten gebrochen."

Vorsichtig krempelte er den Ärmel hoch und zeigte auf eine inzwischen ziemlich blau schimmernde Stelle.

"Zwar sind die Schmerzen einigermaßen ertragbar, doch nur mit einer Hand lässt es sich schlecht arbeiten."

Er stand auf, streckte Jordan den Arm entgegen und sagte dann zu Anjol: "Anjol, kannst du grad für mich weiter machen?"

Mühsam klaubte sich der ferengische Wissenschaftler aus der Shuttleecke zusammen, in die er während der "Landung" geschleudert worden war.

'Ich bring ihn um! Ich weiß zwar noch nicht wie, aber da wird mir schon etwas einfallen.', dachte Gorm und warf dem träumenden Chinesen einen mörderischen Blick zu.

Nur die Gebote der Höflichkeit hielten ihn von irgendwelchen spontanen Aktionen zurück.

Nun, einen Vorteil hatte die wiederholte Folter durch den Chinesen wenigstens: Er hatte sich bei dem Absturz tatsächlich nicht verletzt. Wenn er sich den Rest der Besatzung ansah, so war er sogar außer der Ärztin als einziger voll funktionsfähig.

Er beschloss die erfreulichen Gedanken an den Tod des Terraners einmal beiseite zu schieben und sich an seine Arbeit zu machen. Schnell stand er auf und begab sich zur Sensorkontrolle.

Missmutig stellte er fest, dass die Kontrollen tot waren, wie auch der Großteil des restlichen Schiffes. Er sah sich um und schlurfte schlecht gelaunt zu einem der in der Shuttlewand eingebauten Stauräume und schnappte sich einen Tricorder.

Gelangweilt scannte er die Umgebung und murmelte vor sich hin: " Also scannen können die uns da draußen sicher nicht. Wir produzieren so wenig Emissionen, dass sie gänzlich von der Hintergrundstrahlung dieses Felsbrockens geschluckt wird. Moment mal.... das kann doch nicht sein..."

Aufs äußerste aufgewühlt vor Überraschung schoss der Mineralologe wie ein Blitz zur Pilotenkanzel, nur um durch die Transplexscheibe ins äußere Dunkel zu starren.

"Verflixt, ich brauche Licht", fluchte Gorm und aktivierte die Außenbeleuchtung - oder versuchte es zu mindestens, da natürlich auch diese nicht funktionierten.

"Wo, bei den tiefen Abgründen der ewigen Armut krieg ich jetzt Licht her?!", aufgeregt schaut sich der ungeduldige Wissenschaftler im Shuttle um, die verdutzen Gesichter der anderen ignorierend", Ha, eine Taschenlampe!"

Planlos wühlte er der Ferengi in der Pilotenkanzel herum, bis ihm endlich irgendwer die gewünschte Lampe in die Hand drückte. In der Hektik fand Gorm den Schalter der Lampe nicht und so dauerte es noch ein paar Augenblicke, bis er es schaffte, sie einzuschalten.

Endlich richtete er den strahl der Lampe aus dem Fenster und schloss gleich darauf geblendet die Augen.

Der Strahl wurde in tausenden und abertausenden Facetten gebrochen und systematisch verstärkt. Diese physikalische Abnormität wurde erklärt, als endlich eine gigantische Höhle erleuchtet wurde, deren Wände über und über mit Kristallen bewachsen waren, die diesen Effekt hervorriefen. Der Asteroid war eine riesige Geode.

Überwältigt flüsterte Gorm den anderen zu: "Betet, das hier niemand einen Phaser abfeuert .... das wäre eine Katastrophe: die Wände dieser Geode bestehen aus reinem Dillithium."

Stardust Venture