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Venture 13 - Das grosse Sterben

--- Kühlkammer

Kreshnars Wache fackelte nicht lange. Sofort riss der Klingone seine Waffe herum und feuerte in Richtung Tür.

Miguel spürte den stechend heißen Disruptorstrahl an seiner Schulter, als er sich reaktionsschnell fallen ließ und damit wahrscheinlich sein Leben rettete. Als er ächzend zu Boden fiel, war das letzte, was er vernahm, weitere Schüsse, bevor er endgültig das Bewusstsein verlor.

Ysara verstand im ersten Moment nicht, was geschehen war, als nahezu im selben Moment der Klingone einen Schrei ausstieß und wie ein Klumpen toter Materie in sich zusammenfiel. Und tatsächlich, ging ihr daraufhin auf, WAR er jetzt auch ein Klumpen toter Materie.

Dann jedoch schweifte ihr Blick hinüber zu Renault, und sie verstand. Die junge Frau kniete noch am Boden neben einem der Leichname. Erst jetzt ließ sie den hastig ergriffenen schweren Disruptor sinken und atmete auf.

Einen Augenblick lang herrschte Stille, während die Anwesenden realisierten, dass sowohl der Cardassianer verschwunden, als auch seine Lakaien eliminiert waren. Dann eilte Cailin hinüber zu dem verwundeten Sicherheitler und beugte sich über ihn, um seine Wunde zu untersuchen.

Ysara überlegte nicht lange - es galt, von hier zu verschwinden, und zwar dringend. Sie aktivierte ihren Communicator.

"Jefferson an Silver Sun" Sie wartete einen Augenblick, doch es kam keine Antwort. "Jefferson an Silver Sun!" Fluchend resignierte sie.

"Vielleicht wird unser Signal gestört, oder etwas in der Art. Wir müssen so schnell wie möglich von hier weg", wandte sie sich an ihre Begleiter. "Miss Fakaii, während Sie sich um Mr Miguel kümmern, werde ich mich nach einer Com-Anlage umsehen und versuchen, Mr Alnak auf diese Weise zu erreichen. Er wird uns dann hoffentlich so schnell wie möglich hochbeamen. Miss Renault, bleiben Sie hier? Gut, wollen Sie mich begleiten?" Ihre letzten Worte richtete sie an den Breen, der seit so langer Zeit so hartnäckig geschwiegen hatte.

Der Mann nickte nur, und die Psychologin ließ nicht lange bitten. Sie grüßte in Richtung der Sicherheitlerin und der Ärztin, die wahrscheinlich jeden Moment ihr Interesse von Miguel auf die Kühltanks ausweiten würde, griff sich einen der herrenlosen Disruptoren und verließ mit großen Schritten den Raum.

"Versuchen Sie auch Professor zu finden!", rief die Französin den beiden nach. "Er 'at die fertige Biowaffe nicht eingesetzt und wollte sich gegen diesen Wahnsinn auflehnen. Wir sollten versuchen ihm zu 'elfen und ihm unseren Schutz anbieten!"

Dann wandte sie ihr Interesse sofort den Beschädigungen zu, die vielleicht entstanden waren.

Cailin war bei der Hinrichtung, dem Beschuss und dem anschließenden "sinnlosen" Kampf, den sich Sicherheitler und Klingonen geliefert hatten. Jeder Kampf hatte für sie etwas Sinnloses. Nahm er doch das Leben von jenen die oft nur einer Macht folgten, die sie hinters Licht geführt hatte und sie mit Falschheit geblendet hatten.

Doch jetzt wo langsam wieder Mut in ihr aufflammte dieser Hölle doch noch zu entkommen und sie Hoffnung schöpfte, dass Lanagor ihren Weg nicht hier beenden wollte um sie bei sich aufzunehmen, versuchten die Auswirkungen sich sehr schmerzhaft in ihr Bewusstsein zu drängen.

Tod und Schmerz. Verzweiflung und Lügen.

Unbemerkt von der Französin, die mit ihrem Tricorder Messungen anstellte, ob fremde Substanzen aus den Zellen oder den Bereich mit dem Labor ausgetreten waren oder ob die Kühltanks beschädigt wären, holte die Purna hinter ihrem Rücken wieder das Sedativum aus ihrer Tasche und setzte es an sich selbst an. Zischend entleerte es sich.

Erst als seine beruhigende Wirkung sich auf ihren ganzen Körper ausdehnt hatte, war die Ärztin wieder in der Lage ruhig und präzise zu funktionieren, wie ein MHN.

Die Ärztin untersuchte den noch immer bewusstlosen Miguel und tat dann alles was sie in dieser Situation für ihn tun konnte. Sie verabreichte ihm ein starkes schmerzstillendes Mittel, da jede Bewegung seines zerfaserten Schultergelenks ihm sonst unsagbare Schmerzen kosten würde. Um mehr zu tun, dafür fehlten ihr hier unten die Geräte.

"Wir müssen dafür sorgen, dass er bald die Krankenstation der Venture erreicht, damit ich dort mehr für ihn tun kann. Wenn wir es nicht rechtzeitig schaffen, dann werden dauerhafte Schäden zurückbleiben", meinte sie zur Französin, die mit ihren Scans jetzt ebenfalls fertig war.

"Sie können sicher sein, dass ich auch nicht länger als nötig 'ier bleiben möchte. Aber die Funkverbindung zum Shuttle lässt sich nicht herstellen. Auch Miss Jeffersons Versuche blieben ohne jeden Erfolg." Unwillig schüttelte die Sicherheitlerin den Kopf. Sie begriff nicht, wieso das Shuttle sich nicht meldete. Alnak musste ihre verschlüsselte Nachricht erhalten haben, ebenso wie alle Umgebungsdaten zuvor.

Und woher kam der scheinbare Angriff, der die Station erschüttert hatte und den Cardassianer zum Rückzug bewogen hatte?

"Könnte es sein, dass die Venture es geschafft hat einen Weg hierher in die Badlands zu finden um uns zu helfen?", fragte Cailin hoffnungsvoll und unterbrach die Gedanken der Sicherheitlerin, doch es klang selbst in ihren Ohren unglaubwürdig. Als Shuttle hatten sie es schon schwer gehabt bis hierher zu gelangen. Ein Schiff in der Größe der Venture würde unmöglich in die Badlands kommen.

"Tut mir leid, aber ich weiß es nicht", meinte Mirabelle beschämt und versuchte den Raum vor der Tür zu sichern, damit sie nicht überrascht wurden, auch wenn die Gefahr im Moment nicht allzu groß zu sein schien. Ihre "Bewacher" schienen zurzeit andere Probleme zu haben um sich auch noch mit ihnen beschäftigen zu können.

"Die Waffe des Klingonen hat die Ränder der Wunde versiegelt und taub gemacht. Also verliert Miguel zurzeit kein Blut und wir könnten hier weg, wenn wir ihn stützen und es wirklich erforderlich sein sollte." Cailins Blick fiel auf die hier Gefangenen und es drückte ihr das Herz ab, hier nicht helfen zu können, aber ihr waren die Hände gebunden. Es gab kein Gegenmittel gegen diese Krankheiten und allein das Öffnen der Zellen würde sie selbst infizieren.

Und in die Augen der Kreaturen, die irgendwo Verwandte, Familien vielleicht sogar Kinder hatten, war in den letzten Minuten eine eigenartige Ruhe und zufriedenes Glänzen eingekehrt.

Aber es war nicht die Hoffnung gerettet zu werden, sondern die Aussicht auf einen baldigen raschen Tod und Frieden, der ihnen Auftrieb zu geben schien. Die, die es noch konnten und so etwas wie einen Gott kannten, beteten ihn an.

Es war ein Schauspiel, dass der Purna durch und durch ging und das sie sicher nie vergessen würde. Auch wenn man ihnen alles genommen hatte, so war ihnen ihre Würde geblieben.

"Es geht auch nicht anders. Ein erneuter Treffer könnte die Kraftfelder dieser Gefängnisse deaktivieren..."

Cailin erschrak, als die Französin sie aus ihrer Trance erweckte und doch offen ließ, was in diesem Fall mit ihnen geschehen würde.

Leider wusste die Purna, dass ein Ortswechsel ihnen nur auf kurze Dauer helfen würde den Erregern zu widerstehen. Die Umwälzung der Luft würde sehr rasch die Erreger auf dem ganzen Asteroiden verbreiten, bis kein Leben mehr existierte.

Ein Mann wie der Cardassianer wollte eine ultimative Waffe schaffen und würde sicher seine Zeit nicht auf die Erforschung eines Gegenmittels verwenden. Dabei wusste er gar nicht, dass diese Waffe bereits existierte und jeden Moment durch ein Unglück freigesetzt werden konnte.

Wer auch immer diesen Asteroiden beschoss. Er musste verrückt sein dieses hohe Risiko einzugehen oder durfte nicht wissen, was hier lagerte.

Nach einigen Versuchen zu dritt den Raum zu verlassen senkten die beiden Frauen bedrückt die Köpfe. Es schien keine Möglichkeit zu geben, Miguel mit ihren Kräften nach draußen zu schleppen ohne dabei seine Schulter unnötig zu belasten und ein Aufbrechen der Wunde zu provozieren. Um ihn zu schultern, waren beide zu schwach.

Gerade als Miguels Augenlider zu flattern begannen, da ihm die Ärztin notgedrungen ein Mittel verabreicht hatte um sein Erwachen zu beschleunigen - nur zu dritt hatten sie eine Chance ihn hier herauszubekommen - hörten sie plötzlich ein polterndes Geräusch an der
Tür.

Die Französin wirbelte herum, doch es war bereits zu spät und sie hatte nicht den Hauch einer Chance noch den schweren Disruptor in Anschlag zu bringen. So unterließ sie nicht nur jede Anstrengung ihn zu heben, sondern ließ ihn auch noch fallen.

"Ihr beiden kommt mit!", knurrte einer der beiden Klingonen böse und er klang nicht so, als ob er seinen Befehl noch einmal wiederholen würde.

--- Venture, Brücke

Innerlich kochte Anjol, als er das Ausmaß der Situation sah, und dass die Venture sich zurzeit eindeutig im Nachteil befand. Wäre er doch auf der Brücke gewesen, statt sich mit diesem Schnösel rumzuärgern.

Doch am meisten ärgerte ihn, dass niemand von der Besatzung ihn in den letzten beiden Tagen vermisst hatte! Seit der Missionsbesprechung war gewiss nicht viel passiert und so hatte er sich abermals zu Clancys Quartier begeben, um die Angelegenheit ein für alle mal zu klären.

Aber dieser Idiot...

Murrend fasste er sich unwillkürlich an den Unterkiefer und dachte an die starke Rechte seines Kontrahenten. Aber der Bajoraner war nicht nur im Nehmen hart!

Fast eineinhalb Tage mussten sie nach ihrem Kampf rumgelegen haben, bis sie durch den Angriff aus der Bewusstlosigkeit geweckt wurden. Verwirrt hatten beide Männer ihren Konflikt - zunächst - begraben und sich dann auf ihre Gefechtsstationen begeben.

Und zu allem Überfluss hatte dieser Japaner ihn auch noch auf dem Gang wissend angrinsen müssen, nachdem er das leichte Hämatom um sein rechtes Auge entdeckte. Anjol wollte sich gar nicht ausmalen, wann die gesamte Besatzung von der Auseinandersetzung wusste. Aber zunächst hatte er mit anderen Problemen zu kämpfen!

"Auf den Schirm!", befahl er knapp, fasste sich endgültig, um der Situation Herr zu werden. Zu seiner Überraschung erwiderte der Kommunikationsoffizier recht schnell: "Negativ, nur Audio."

Murrend nickte Anjol und keine Sekunde später erklang eine verzerrte Stimme durch den Äther: "Föderationsschiff, senken Sie ihre Schilde und deaktivieren Sie die Waffensysteme. Bereiten Sie sich auf die Enterung vor oder sterben Sie unwissend. Sie haben eine Minute
Bedenkzeit."

Ein Knacken deutete an, dass die Verbindung unterbrochen war. Anjol fluchte laut und einige der Anwesenden schauten kurz schockiert auf. Dabei hatte der Communicator noch nicht mal alles übersetzen können...

"Was sagen Sie dazu, Mister Hisaki, Mister Alnak?", wandte er sich an die beiden Offiziere, die ebenso starr wie er die Nachricht aufgenommen hatten.

"Die Art der Psychologie deutet auf Romulaner oder Cardassianer hin. Klingonen oder andere aggressive Völker hätten sich...", Kuzhumo suchte nach einem passenden Wort, "...pompöser ausgedrückt. Andererseits könnte die Siegessicherheit nur ein Bluff sein"

Der Romulaner begann zu nicken: "Ja, vielleicht benötigt ihre Waffe eine längere Regenerierungsphase. Historisch gesehen wissen wir, dass Waffeneinsatz und gleichzeitige Tarnung enorm viel Energie verbrauchen. Die Nachricht könnte der Versuch sein, Zeit zu gewinnen!"

"Zudem zeigen die Sensoraufzeichnungen, dass der zweite Feuerstoß der Fremden nach einem unserer Ausweichmanöver den Asteroiden getroffen hat. Die Zielsensorik muss bei so einem Missgeschick bedeutende Schwächen haben!", fügte Hisaki in seinem ruhigen Ton hinzu.

"Ich tendiere auch zu ihrer Ansicht - Zeit, den Gegner an den Hörnern zu packen! Brengh, bereiten Sie sich auf die wildeste Verfolgungsjagd vor, die es je gab. Hisaki, schicken Sie einige ihrer Männer zu den Raidern. Durch die zusätzlichen Schiffe können wir versuchen, den Feind in die Enge zu treiben. Yhea, Sie arbeiten an einer Möglichkeit das Außenteam zurückzubeamen. Passen Sie gleichzeitig auch auf die Maschinen auf - wir brauchen volle Energie!", befahl Anjol nach einer weiteren Sekunde des Überlegens.

Der lange Wortschwall brachte ihm leichte Kopfschmerzen und er spielte mit dem Gedanken, sich von dem Sanitäter ein Schmerzmittel geben zu lassen, verwarf es aber sogleich wieder. Ein Blick auf den Captain, der noch immer bewusstlos am Boden lag, war Beweis genug, dass es dringendere Fälle an Bord gab...

"Ausführen!", fügte er hinzu, aber die Mannschaft war schon auseinander gestoben, um alles Mögliche und Unmögliche zu versuchen.

Gespannt hatte Yhea dem Bajoraner zugehört, und nun stand er von der Waffenkonsole auf und schritt schnell zu seiner Technikstation. Von hier konnte er mehr tun, um das Außenteam zu retten. Aus den Augenwinkeln sah er bereits, wie sich Hisaki anstelle seiner an die Waffen setzte.

'Nun gut, dann wollen wir doch mal sehen, ob wir da nicht irgendwo eine Schwachstelle finden können', dachte er und überflog die Sensorenaufzeichnungen des Asteroiden.

'Hmm, die Schildgeneratoren können wir nicht einfach zerstören, die sind zu stark geschützt. Aber vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die Schilde an einer Stelle etwas zu destabilisieren, damit ich das Team herausbeamen kann.'

Gerade wollte er Hisaki eine entsprechende Anweisung geben, da wurde die Venture erneut getroffen.

"Ich vermute mal, die Minute ist um", rief Anjol und schaute zu Brengh. "Mister Brengh, dann zeigen Sie mal, was Sie so drauf haben. Ausweichmanöver!"

Sofort beschleunigte die Venture und man sah auf dem Bildschirm, wie sie in einem engen Kreis um den Asteroiden herumflog. Und im gleichen Moment wurde die Venture wieder beschossen. Doch diesmal vom Asteroiden.

"Verdammt noch mal, hat es hier jeder auf uns abgesehen", fluchte Anjol und klammerte sich an seinen Sitz.

"Hisaki, schießen sie sofort zurück. Auf alles was sich bewegt. Verstanden?"

Als Antwort begann die Venture, den Asteroiden mit Phaserfeuer einzudecken.

Währenddessen versuchte Yhea weiterhin, eine Lücke im Schildgitter zu finden und es sah danach aus, als hätte er Glück. An einigen Stellen sank durch den Beschuss die Integrität um fast 50 Prozent. Leider war das immer nur an den falschen Stellen.

Deswegen schickte er die Koordinaten des Außenteams an Hisakis Station, damit er das Feuer auf diese Stellen fokussieren sollte.

"Captain,... ich meine Anjol, ich bin fast so weit, dass ich das Außenteam hochbeamen kann. Aber dafür müssten wir die Schilde senken und ich glaube nicht, dass das in dieser Situation so gut ist", sagte der Romulaner und schaute Anjol an.

Brengh war einerseits froh, endlich einmal wieder gefordert zu werden, andererseits stellte Anjol ihn mit seinem Befehl vor eine fast unlösbare Aufgabe, zumal Hisaki wieder an der Feuerleitkontrolle stand.

Wie immer.

Der Navigator versuchte, aus den beiden aufgezeichneten Feuerstößen die ungefähre Position des fremden Schiffes zu ermitteln. Leider schien es sich zwischen den beiden Schüssen bewegt zu haben, so dass lediglich zwei Punkte auf seiner Flugbahn in einem 3D-Raum bekannt waren, und das aufgrund mangelhafter Sensordaten - Brengh verfluchte zum wiederholten Male die Badlands - auch nur auf etwa einen Kilometer genau.

Fazit: Der Fremde konnte theoretisch fast überall sein.

Also brauchten sie mehr Informationen, um nicht beim ersten Ausweichmanöver mit dem fremden Schiff zu kollidieren - für einen Moment flogen Brengh düstere Visionen von getarnten Minen durch den Kopf, aber auf so eine Idee würde wohl nur sein Bruder kommen, und er traute ihm nicht zu, ein getarntes Schiff zu besitzen.

Andererseits - warum nicht? Man sollte seine Feinde niemals unterschätzen.

Um wen konnte es sich sonst handeln? Erst einmal um jede Rasse, die Tarntechnologie besaß, also Romulaner oder Klingonen.

Bei Klingonen war die Sache recht einfach - sie waren Jäger und pirschten sich fast immer von hinten an die Beute heran. Aber laut Kuzhumo schieden die ja aus, und Brengh musste ihm da zustimmen.

Romulaner und Cardassianer pflegten den dreidimensionalen Raum immer gut auszunutzen, und wollten immer die volle Kontrolle über die Situation behalten, was bedeutete, dass sie sich meist genau 'oben' oder 'unten' zu finden waren - von dort aus konnte man mit einem Minimum an Steuerungsleistung eine Verfolgung starten.

Und Martengh? Wo würde sich dieser verräterische Feigling aufhalten? Hm - schwer zu sagen, Brengh hatte noch nie die verworrenen Gedankengänge seines Bruders nachvollziehen können, also blieb zu hoffen, dass er die Standardtaktiken der Rasse benutzen würde, aus denen seine Besatzung bestand.

Das bedeutete, dass der Feind sich entweder über oder unter der Venture befand - oder irgendwo dazwischen. Brengh hasste seinen Beruf manchmal. Wo konnte man sich hier doch gleich umschulen lassen? Eine Schafzucht auf Gerion 5 wäre jetzt prima...

Aber gut, Traumtanzen würde ihn nicht weiter bringen. Brengh legte einen Kurs fest, der sie zunächst weg vom Asteroiden brachte, damit man sicher sein konnte, dass der Verfolger wirklich mehr oder weniger hinter der Venture stand. Danach ging es in einer Schleife wieder sehr nahe an ihn heran. Bei größter Annäherung würden sie den Asteroiden umkreisen, um ihn zwischen sich und die potentiellen Verfolger zu bringen. Wenn das geschafft war, konnten die Schilde gesenkt und das Außenteam problemlos an Bord geholt werden - nur für den Fall, dass Yhea mit einem Koffeinschock zusammenbrechen würde...

Gleichzeitig bereitete er ein paar seiner speziellen Ausweichmanöver vor - ein erfahrener Taktiker auf der anderen Seite würde vielleicht aus Anfangsmustern ein komplettes Manöver voraussehen können, weil er es einfach schon kannte. Wenn man allerdings die Anfangssequenzen vertauschte - etwa in der Art, dass ein Omega 3-Manöver nun wie ein Antares-Mahlstrom begann, dann wurde es für die Gegenseite schon wesentlich schwerer...

Darüber hinaus hatte Brengh ja schon einige Erfahrung mit diesem trägen Kahn sammeln können. Bei vollem Impuls waren sie zwar am schnellsten, aber dafür auch ziemlich unbeweglich, weil Wendekreise bei dieser Geschwindigkeit extrem groß wurden - und die würden sie brauchen.

"Captain, ich empfehle, das Schiff auf Zwei Komma Fünf Fünf Prozent Impuls zu bringen, bei dieser Geschwindigkeit sind Ausweichmanöver am effektivsten. Ich habe einen Kurs festgelegt, der mit etwas Glück den Asteroiden zwischen uns und den Gegner bringt." Mit diesen Worten brachte Brengh seinen Kurs auf den Hauptschirm und wartete auf Anjols Bestätigung.

Anerkennend sah Anjol, wie gut die Führungscrew trotz der schwierigen Situation zusammenarbeitete. Wie Brengh auf Alnaks Hinweis eingegangen war...

"Bringen Sie uns in diese Position, Mr. Brengh!", antwortete er dem Navigator und wandte sich dann zur taktischen Konsole, "Hisaki, konzentrieren Sie auch weiterhin auf die von Alnak ermittelten Koordinaten das Feuer. Und was machen die Raider?"

Der Japaner ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, bediente seine Kontrollen diszipliniert und ohne Fehler. Trotzdem befand sich der Feind in einer besseren Position und wenn nicht bald das getarnte Schiff lokalisiert wurde...

"Die Raider haben damit begonnen, den Weltraum mit Phaserbeschuss abzutasten. Der Computer hat ermittelt, dass in 7-26 Minuten mit einem Treffer zu rechnen ist. Der Zeitpunkt ist größtenteils rein vom Glück bestimmt", verschaffte Kuzhumo dem Bajoraner einen Überblick.

'Glück ist nicht unbedingt der zuverlässigste Partner!', kam es Anjol in den Sinn, aber scheinbar gab es aufgrund der Sensorstörungen keine andere Möglichkeit den Gegner aufzuspüren.

Sie konnten nur hoffen, dass das Außenteam eine Möglichkeit fand, sich so lange selbst zu beschützen...

--- Asteroid, Gänge

Die Kühlkammer schien vom Rest der Anlage abgeschottet zu sein, denn erst, als Ysara und Clint den Raum verließen, vernahmen sie die Sirenen des Roten Alarms, die durch die Gänge hallten.

"Ich nehme an, der Alarm wurde als Folge des Aufschlags ausgelöst.", bemerkte der Breen. "Ein Leck der Erregertanks scheint nicht entstanden zu sein, da der Alarm sonst auch im Labor zu hören gewesen wäre. Daher erscheint es mir logisch anzunehmen, dass die Basis von außen angegriffen wird. Mit etwas ... Glück" Er verzog abwertend die Lippen. "Bedeutet das einen Vorteil für uns."

"Zumindest bedeutet es, dass sich alle Wachen auf ihren Stationen zu befinden scheinen", bestätigte Ysara frohlockend und sah sich in den verlassenen Gängen um, während sie weiter ausschritt und möglichst beiläufig herauszufinden versuchte, wie ein klingonischer Disruptor wohl funktionieren mochte. Es störte sie nur ein klein wenig, dass der Breen sie musterte, als
würde er es ihr gleich sagen. Dabei, erinnerte sie sich voller Ironie, hatte sie mal Spaß an Rätseln gehabt.

Was auch immer die Aufmerksamkeit der Klingonen beanspruchte, sie hoffte, es würde noch länger dauern.

Sie hatten sich wortlos auf die beiden Seitenwände des Korridors verteilt und suchten sie im Gehen systematisch nach Öffnungen ab. Es dauerte nicht lange, bis der Breen fündig wurde.

"Hier", meinte er und durchstieß die scheinbar solide Mauer mit einer Hand. "Hier scheint sich ein weiterer Durchgang zu befinden. Ich schlage vor, wir gehen das Risiko ein, auf weitere Klingonen zu stoßen. Es ist zu gefährlich, wenn wir uns lange auf den Gängen aufhalten."

Ysara nickte nur und bedeutete ihm, vorzugehen. Als er durch die Wand trat und verschwand, ohne dass sie kurz darauf Schreie hörte, folgte sie ihm.

--- Kontrollraum

Der kleine Raum, in dem sie herauskam, lag verlassen da, wie die Psychologin zufrieden feststellte, zumindest, wenn man von dem betäubten Klingonen zu Clints Füßen absah. Schnell sah sie sich um, wenngleich es nicht viel zu entdecken gab.

Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich ein größerer Monitor, der ein Versuchslabor zu überwachen schien, das momentan jedoch ebenfalls leer war. Auf sterilen Biobetten reihten sich vier oder fünf reglose klingonische Körper aneinander. Ob tot oder bewusstlos, vermochte Ysara nicht einzuschätzen. Die Längsseite wurde beherrscht von einer größeren Computeranlage, an der diverse Lämpchen blinkten und leuchteten. Clint stand bereits davor und untersuchte sie gründlich.

"Es scheint sich um eine Kontrolleinheit dieses Labors zu handeln", erklärte er - nun wieder überraschend redselig -, nickte kurz in Richtung des Monitors und vertiefte sich dann sofort wieder in die Anlage. "Ich versuche eine Verbindung zum Hauptcomputer herzustellen und so eine abhörsichere Verbindung zu Alnak herzustellen."

Die Psychologin gesellte sich zu ihm an einen zweiten Arbeitsplatz. Ein klein wenig war sie mit klingonischer Technik vertraut, weshalb sie beschloss, ihr Glück zu versuchen. Vielleicht gelang es ihr ja, ein paar Informationen über den Erreger aufzurufen. Probehalber rief sie die wissenschaftlichen Protokolle der letzten Tage auf.

Interessiert warf sie einen Blick darauf, stellte jedoch sofort fest, dass mit diesen Daten nur ein Mediziner etwas würde anfangen können. Ein Jammer, dass Miss Fakaii mit diesem unvorsichtigen Sicherheitler verhindert war.

"Ich werde versuchen, ein paar Informationen über die Arbeit hier auf eins dieser Padds zu übertragen", wandte sie sich an den Wissenschaftler. "Vielleicht kann man sie später auf der Venture auswerten."

Einen Augenblick lang arbeiteten die beiden schweigend, als geschah, was Ysara befürchtet hätte, bevor die Datenübertragung begann. "Zugangsberechtigung der Stufe drei erforderlich!", forderte der Computer mit einem melodischen Piepsen.

Enttäuscht brach sie den Vorgang ab. Fast hatte sie gehofft, dass es klappen würde. Doch der Computer reagierte nicht wie erwartet. "Abbruch nur nach Identifizierung möglich. Identifizieren Sie sich!"

Nun sah auch Clint von seiner Arbeit auf. Er runzelte die Stirn und schob sie beiseite. In Gedanken zählte er sich alles auf, was er über klingonische Technik wusste. Die Sicherheitsvorkehrungen hier schienen extrem streng zu sein, doch es sollte ihm möglich sein, sie zu umgehen. Er ahnte, dass die Alternative keine sehr erfreuliche sein würde.

Er hatte Recht.

Der Computer wartete exakt eine Minute auf seine Identifizierung. Dann hätte er Roten Alarm ausgelöst, wenn der nicht ohnehin schon aktiviert wäre. So beschränkte er sich auf die Ausführung der Protokolle des wahnsinnigen Cardassianers.

"Sicherheitsalarm auf Ebene zwei! Initiiere Sicherheitsprotokoll Drei Fünf für den Fall der feindlichen Übernahme! Interne Verteidigung einleiten... Öffnung der Kühltanks erfolgt in zehn Minuten!"

"Ups", entfuhr es Ysara, einfach weil ihr wirklich nichts Besseres mehr einfiel. Es gab eigentlich nur eine Möglichkeit, was sich in den Tanks befinden konnte: die Erreger der Biowaffe Kreshnars...

"Sie sollten jetzt wirklich eine Verbindung zu Alnak herstellen" Sie wischte sich den Schweiß von der Stirn. "So innerhalb von 10 Minuten, wäre das möglich?"

--- Kühlkammer

Furchtsam war die Ärztin mitten in der Bewegung erstarrt, lediglich ihr Federkamm stellte sich langsam auf. Die Klingonen würden sie zu ihrem Anführer bringen und der Cardassianer würde vielleicht doch Mittel und Wege finden sie zu einer Mitarbeit zu zwingen. Schließlich gab eine beachtliche Reihe an Drogen, die ihren Willen brechen konnten, wenn sie ihr auch auf lange Zeit schaden würden.

Aber was interessierte einen harten Mann, der vorhatte eine ganze Bewegung einfach auszulöschen, ein Stein auf seinem Weg?

Die Sekunden schienen plötzlich unendlich langsam zu vergehen, als Cailin in dieser auswegslosen Situation einen schrecklichen Plan ins Auge fasste um sich vor weiteren Angriffen zu schützen.

Plötzlich stand die Zeit fast still.

Die Gedanken der Purna überschlugen sich, als sie sich langsam herumdrehte und in den Augenwinkeln das Gesicht der Französin sah, die durch Cailins unerwartete Reaktion erschrocken die Augen aufriss, eine abwehrende Bewegung mit den Händen machte und etwas wie "Neeeeeiiin..." zu schreien schien.

Doch Cailin konnte nicht mehr zurück. Sie war jetzt bereit sich auf die am Boden liegende Waffe zu werfen nur um eine überstürzte Reaktion der Klingonen zu provozieren. Diese würden erst begreifen, dass sie den Plan des Cardassianers vereitelt hatten und ihr in die Hände gespielt hatten, wenn sie Cailin getötet hatten.

Doch dann würde sie keine Gefahr mehr darstellen. Weder für die Klingonen noch für den Maquis.

Bellende Befehle ertönten hinter ihrem Rücken.

'Der Schwarm geht vor den einzelnen...'

--- Venture, Brücke

Der Romulaner hatte sich kurz zu Hisaki umgedreht, als dieser von den Raidern berichtete. '7-26 Minuten? Tolle Auskunft', dachte er und konzentrierte sich wieder auf seine eigene Arbeit.

Bisher war er noch überhaupt nicht weiter gekommen. Die Venture feuerte zwar immer wieder auf das Schildgitter des Asteroiden, doch außer ein paar geringfügigen Schwankungen passierte gar nichts. Anscheinend hatten sich dessen Bewohner darauf geeinigt, lieber in die Defensive zu gehen, als zu kämpfen. Und wie es aussah, schienen sie damit Erfolg zu haben. Denn deren Schilde waren verdammt stark.

Aber es musste doch irgend... Wieder konnte er den Gedanken nicht zu Ende denken, da die Venture erneut von dem unbekannten Schiff getroffen wurde.

"Anjol, unsere Schilde sind gerade um 13 Prozent gesunken. Wenn wir es nicht bald schaffen, das Schiff zu finden, sehe ich schwarz für uns", rief er, während er versuchte, die Schilde wieder auf 100 Prozent zu bekommen.

"Ich glaube, da kann ich helfen", sagte Hisaki plötzlich. Sofort drehte sich Anjol um und starrte den Sicherheitschef an.

"Beim letzten Schuss des feindlichen Schiffes hab ich sie kurz mit den Sensoren erfassen können. Es scheint, als hätten sie ziemliche Probleme damit, die Tarnung aufrecht zu erhalten, während sie schießen. Ich habe sofort den Raidern die entsprechenden Koordinaten gegeben. Es kann sich also nur noch um Sekunden handeln, bis wir sie entdeckt haben."

Kaum hatte der Japaner geendet, da schlugen die Sensoren Alarm. "Na bitte", jubelte Kuzhumo. "Wir haben gerade das Schiff entdeckt. Es wird von den Raidern beschossen. Wir dürften also gleich wissen, wer sich dahinter versteckt."

Gespannt blickte der Bajoraner zu dem Bildschirm, der die immer wieder flackernde Tarnung des fremden Schiffes zeigte. Langsam aber sicher fiel in immer mehr Bereichen der Tarnschirm und bereits nach wenigen Sekunden konnte es keine Zweifel mehr über die Konfiguration ihres Feindes geben:

Ein altes, verrottetes Maquisschiff hing wenige Kilometer entfernt im All, während im Hintergrund Plasmastürme abstrakte Bilder zeichneten.

--- Kontrollraum

Ysara, die den stoisch gelassenen Breen unruhig bei seinen Versuchen beobachtete, eine Verbindung zum Raider herzustellen, realisierte die Bewegung im Augenwinkel zunächst gar nicht. Als sie endlich bemerkte, dass sich da am Boden etwas krümmte, fuhr sie angespannt herum.

Der betäubte Klingone war nicht mehr ganz betäubt, sondern begann sich schnaubend zu regen. Auch wenn er ein Wissenschaftler, kein Krieger zu sein schien, richtete sie vorsorglich den Disruptor auf ihn. Er schlug die Augen auf und visierte sie sofort grimmig an.

"Keine Bewegung", befahl sie und korrigierte sich gleich. "Außer, Sie wollen uns an diesem Computer helfen..."

Sein Knurren veranlasste sie, ein paar Schritte zurückzutreten. Das hieß wohl Nein.

-- Venture, Brücke

"Das glaube ich jetzt aber echt nicht!", murmelte Anjol vor sich hin, während er sich der paradoxen Situation bewusst wurde: Da suchte sie eben jenen Maquis, der sie nun von der Vernichtung des Asteroiden abhielt.

"Öffnen Sie sofort einen Kanal!", befahl er dem Kommunikationsoffizier und nach einigen Sekunden erschien ein dunkelhäutiger Mann auf dem Display, der grimmig guckte, aber dennoch nach wenigen Sekunden mit gepresster Stimme von sich gab:

"Dass die Föderation nicht auf unserer Seite steht, war uns bewusst, aber dass sie Fremden hilft, Massenvernichtungswaffen zu entwickeln?!" Angeekelt spuckte der Maquis-Kommandant auf den Boden und schaute den Bajoraner wieder an: "Trotzdem ergebe ich mich; liefere mich in ihre Gewalt aus, unter der Bedingung, dass meiner Crew freier Abzug gewehrt wird."

Anjol konnte nicht anders, fing an zu lächeln, was sein Gegenüber nur mit funkelnden Augen quittierte. Um Klärung bemüht, setzte Anjol hinzu: "Wir vertreten nicht die Föderation oder Starfleet. Sie sprechen mit der 'Venture', einem fahnenflüchtigen Schiff, welches die Interessen der Kolonien in der Puffer-Zone vertritt. Zurzeit versuchen wir ein Außenteam zu retten und danach eben jene Biowaffen zu zerstören."

Er wusste, den nächsten Worten kam erhebliche Bedeutung zu: "Unterstützen Sie uns?"

Der Fremde nickte nur knapp, gab einige Befehle an die hinter ihm stehende Crew, während Anjol das gleiche tat:

"Brengh, verständigen Sie sich mit dem Maquis-Navigator auf eine gemeinsame Taktik und leiten Sie anschließend ein Angriffsmanöver ein. Hisaki, unser Ziel sind die feindlichen Schilde; Alnak, arbeiten Sie weiter am Transporter!"

'Arbeiten Sie weiter am Transporter', äffte Yhea den Bajoraner in Gedanken nach. Was dachte der sich, was er hier überhaupt tat? Er war die ganze Zeit nur damit beschäftigt, die Energieverteilung zu regulieren. Für die Schilde, die Triebwerke, die Waffen.. ach ja, und natürlich die Transporter.

Doch nun schien endlich Licht am Ende des Tunnels zu sein. Jetzt brauchte Yhea sich wenigstens weniger Gedanken über die Schilde zu machen. Deswegen transferierte er mehr Energie von den Schildsystemen zu den Waffen, damit Hisaki jetzt mit voller Kraft den Asteroiden beschießen konnte.

Und prompt zeigte es Wirkung. Für ein paar Millisekunden brach an einer Stelle das Schildgitter zusammen. Doch anscheinend saßen an den Schildkontrollen keine Idioten. Denn schnell hatten sie das Loch gestopft und so war es Yhea wieder nicht möglich, das Außenteam zu erfassen.

Da kam ihm plötzlich eine Idee. Sofort setzt er eine Nachricht an alle Raider ab, die noch da draußen herumflogen und schickte denen dieselben Schildkoordinaten wie zuvor Hisaki. Es war doch gelacht, wenn sie es mit so einer geballten Ladung an Schiffen nicht schaffen sollten, die Schilde zu zerstören.

--- Asteroid, Kommandozentrum

Für eine Millisekunde hatte Kreshnar überlegt, dass automatische Sicherheitsprogramm zu deaktivieren, aber dann kam ihm eine diabolische Idee: Wieso sollten nicht die Erreger alle Feinde vernichten. Ein paar Klingonen würden ebenso sterben, aber hatten sie nicht schließlich versagt, als es den Fremden gelang, den Kontrollraum zu erreichen?

Mit einem Lächeln lehnte sich Kreshnar in seinem Kommandosessel zurück und befahl dem Computer, alle Schotten, die die entsprechende Sektion umgaben, zu schließen. Kurze Zeit später war das Labor eine riesige Falle für alle, die sich im Bereich befanden. In wenigen Minuten würden sie sterben...

Sein Mitteilungsbedürfnis zwang ihn jedoch, seinen Opfern auf grausamste Weise ihre Situation zu offenbaren, um sie nicht nur zu töten, sondern wirklich zu besiegen.

Vielleicht würden sie ja noch betteln...

'Eine geniale Idee!', befand Kreshnar und ließ einen internen Komm-Kanal öffnen: "Eindringlinge, der Laborbereich wird in Kürze von den Erregern kontaminiert werden. Die Sektion ist abgeschottet, eine Flucht ist unmöglich. Aus ausführlichen Versuchen wissen wir, dass der Tod schmerzhaft und langsam kommen wird. Die gerechte Strafe für jeden, der sich mit mir messen will."

Mit einem Grinsen deaktivierte er die Verbindung und gratulierte sich geistig zu seinem Sieg: Wenn das Labor danach gesäubert werden würde, stand nichts mehr zwischen ihm und der Herrschaft über diesen Raumbereich. Und das war erst der Anfang...

--- Kühlkammer

Plötzlich ging alles so schnell, dass die Purna nicht mehr erfassen konnte, was um sie herum vorging. Da war diese Durchsage die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ, ihr kurzes Zögern, dann ihr beherzter Hechtsprung zu der Waffe und die Waffe, die sich mit einem Mal nicht mehr an ihrem Platz befand.

Das Krachen von Schüssen durchbrach dann die Stille nach der Ankündigung und danach folgte nur... Stille.

Sie musste jetzt tot sein.

Aber fühlte sich der Tod wirklich so an? So ganz ohne Schmerz?

Langsam öffnete die Ärztin wieder die Augen und erblickte in das schwach lächelnde Gesicht von Miguel, dem jungen Sicherheitler. Er war blass und wirkte, als würde sein Oberkörper jeden Moment wieder auf den Boden zurücksinken. In seinem unverletzten Arm lag der Disruptor.

Fast automatisch erwiderte Cailin sein Lächeln und drehte sich fragend um. Einer der Klingonen lag wie erwartet leblos am Boden. Von dem anderen war keine Spur zu entdecken.

Entweder holte er Verstärkung oder die Durchsage hatte ihn dazu bewogen sein eigenes Leben zu retten.

"Wir können nur 'offen, dass uns jemand zu 'ilfe kommt", meinte die Französin und wollte damit dem peinlichen Schweigen, das herrschte, durchbrechen. "Mon dieu, wir stecken tief in der... Patsche."

Noch immer konnte Cailin nicht fassen, dass sie ein zweites Mal buchstäblich im letzten Moment gerettet worden war. Anscheinend wollte Lanagor ihr Opfer nicht. Ihre Zeit war also noch nicht gekommen.

Vielleicht hatte sie ja noch eine ganz bestimmte Aufgabe...

"Wenn mir jetzt eine von euch beiden Hübschen beim Aufstehen behilflich sein könnte...", gestand Miguel sich ein und beide Frauen eilten ihm zu Hilfe. Als er stand, genügt es ihm sich mit dem gesunden Arm auf die Französin zustützen um sein Gleichgewicht nicht zu verlieren. Gehen konnte er ohne Probleme alleine.

"Das war knapp. Sie sollten so etwas künftig unterlassen. Wir haben auf der Venture ohnehin außer Ihnen keinen Arzt..." Miguels Worte lenkten Cailins Gedanken wieder in eine bestimmte Richtung.

"Jetzt wo wir Gefangene sind und ohnehin nichts ausrichten können, sollten wir versuchen Professor Irling zu finden. Möglicherweise hat er nicht nur die Biowaffe fertig entwickelt, sondern er hat auch ein Gegenmittel entwickelt. - Wenn uns jetzt noch jemand helfen kann, dann er." Die Worte der Purna klangen überzeugend, doch sie hegte selbst die meisten Zweifel, dass alles so leicht gehen sollte. Ein Gegenmittel herzustellen würde mehr Zeit in Anspruch nehmen, als Erreger mutieren zu lassen.

Trotzdem schien sie die anderen überzeugt zu haben. Lediglich die Französin wandte ein, dass sich wohl schon die Psychologin und der Wissenschaftler auf die Suche nach Irling gemacht hätten.

Cailin schwieg und teilte den anderen nicht ihre Vermutung mit, dass diese Jefferson wahrscheinlich alles tun würde um ihr eigenes Leben zu retten und ihr das vom Professor dabei sicher egal war. So war auch nicht anzunehmen, dass sie auch nur einen Gedanken an ihn verschwendet hatte.

--- Kontrollraum

Schweigend hatten Ysara und Clint, aber auch ebenso der gefangene Klingone zu jenem Monitor hinauf gesehen, bis das schmierige Grinsen des siegessicheren Cardassianers wieder durch das Stillleben des Labors ersetzt wurde.

Erst die Flüche ihrer Geisel rissen sie aus ihrer Starre. "P'tagh!", knurrte er. Die zweifelhafte Bedrohung durch Ysaras Waffe vergessend, baute er sich vor dem Schirm auf und hob wütend die Faust, als könne Kreshnar ihn sehen. "Ehrenloser Bastard! Er hat uns verraten! Er will uns alle hier sterben lassen! Hund!"

Außer sich vor klingonischer Rage griff er einen Stuhl und schleuderte ihn mit aller Wucht gegen die Wand. Das Dröhnen seiner Stimme ließ den kleinen Raum schier erbeben.

"Ich bin hierher gekommen, um Ruhm und Ehre für mich und mein Haus zu sammeln, nicht um weichlich durch einen Virus zu sterben! Das ist kein guter Tag zum Sterben!", verstand Ysara dank der Brocken Klingonisch, die sie beherrschte. Die Lautstärke des Tobenden übertönte die Übersetzung des Communicators.

Schwer atmend hielt er inne und nahm in einem Blick Ysara und den Breen auf, der noch immer an der Konsole stand. Ein einzelner Schweißtropfen stand ihm auf der Stirn.

"Was machst du da?!", forderte er zu erfahren.

"Ich versuche eine Verbindung zu unserem Schiff herzustellen", erwiderte der Breen ruhig. "Es wartet dort draußen auf uns und kann uns möglicherweise herausbeamen."

Der Klingone schüttelte den Kopf und stieß ihn kurzerhand beiseite. "Definitiv kein guter Tag zum Sterben", brummte er, als er mit geübten Bewegungen eine Verbindung zum Hauptcomputer aufbaute. "Vergiss die Com-Anlage, Junge. Ich versuche, durch eine Energieentladung die Schilde zu schwächen. Und ich hoffe, deine Freunde da oben reagieren schnell..."

--- Gänge

Miguel mochte zwar ziemlich angeschlagen sein, aber zumindest wusste er genau den Weg, den er genommen hatte bis er auf die beiden Frauen getroffen war und sie befreit hatte. Den Weg zurück zum Labor zu finden, gestaltete sich also sehr einfach.

Zum Glück funktionierten noch alle Zugänge, wenn sie sich auch versicherten, dass der Weg zurück in den Speisesaal auch wirklich durch ein Kraftfeld versiegelt war.

--- Labor

Die kleine Gruppe trat ein und entgegen ihrer Vermutung nach all der Anstrengung doch nur ein leeres Labor vorzufinden, fiel ihr Blick auf Professor Irling, der an seinem Forschungstisch saß. Die Schultern nach vorn gebeugt das Gesicht in den Händen.

Er war seltsam ruhig und gelassen, saß einfach nur da und ein beunruhigendes Lächeln umspielte seine Lippen. Hätte Cailin sich nicht sein Gesicht eingeprägt, hätte sie nicht den Mann in ihm erkannt, der sie kurz zuvor noch nervös darum angefleht hatte ihn von hier wegzubringen.

Als er sie kommen hörte, blickte er gar nicht erst auf. "Wir werden alle zahlen für das was wir getan haben. Es gibt kein Zurück mehr. Wie konnte ich nur glauben, dass Forschung reine Wissenschaft ist und keine Waffe sein kann? Wir konnte ich nur so blind sein?"

Sie waren gekommen um seine Hilfe zu erbitten und doch hielt sie etwas davon ab ihn jetzt zu unterbrechen.

"Kreshnar hat mich belogen und betrogen. Er hat mich um den Erfolg meiner Forschung gebracht und es geschafft, dass ich mir nicht im Spiegel in die Augen sehen kann aus Angst was ich darin lese... Dafür soll auch er büssen. Er soll seine Waffe haben..."

Noch bevor einer der drei die Situation richtig erfassen konnte, tippte der Professor etwas in seinen Computer ein, woraufhin dieser meldete: "Automatische Kühlung der Behälter Omega 3.1, Omega 3.2, Omega 3.3 und Omega 3.4 deaktiviert. Inhalt entleert sich in genau 15 Sekunden... 14 Sekunden... 13 Sekunden..." erklang der Countdown.

"Sie töten uns, Sie Wahnsinn...!", schrie Miguel und bereute gleich darauf mit seinem freien Arm eine drohende Geste geben zu wollen. Der Schmerz zog direkt in sein Gehirn ohne sich um das Schmerzmittel zu kümmern. Ein Schmerzensschrei ließ ihn verstummen.

Müde drehte sich der Arzt zu ihnen um, während der Countdown sich dem Ende näherte. "Ich töte nicht Sie, ich tue nur das was ich schon vor langer Zeit hätte tun sollen. Alle auf dieser Station sind mit einem Erreger infiziert. Dieser ist allein harmlos fehlt ihm doch eine Art Gegenstück zur Teilung um eine Kettenreaktion auszulösen und seinen Angriff zu starten."

"2 Sekunden... 1 Sekunde... Inhalt entleert", meldete der Computer emotionslos.

"Omega 3 ist auf dem Weg. Er lässt sich nicht mehr aufhalten." Die Augen des Professors glänzten irre und leicht verzückt. "Die Behälter sind winzig und gut versteckt. Sie stehen in allen Sektionen auch in Kreshnars Kommandozentrale. Alle Sektionen sind jetzt kontaminiert. Omega 3 hat seinen Vernichtungsfeldzug gestartet und wird diese Station auslöschen..." Der Professor vergrub sein Gesicht abermals in seinen Händen.

Omega 3. Die perfekte Biowaffe von deren Existenz der Cardassianer noch nicht wusste und die er sich über alles gewünscht hatte, brach über die Station ein und wandte sich gegen ihn.

Cailin konnte nicht glauben, was sie gehört hatte, auch wenn sie spürte, dass es die Wahrheit war und dennoch war es die Ärztin in ihr, die sich zu Wort meldete und um das Wohl ihrer eigenen Leute besorgt war. "Aber werden wir nicht auch...?"

"Omega 3 ist harmlos. Ihre Leute können sich auch nicht mit Omega 2 angesteckt haben. Er ist hygromalin und kann nur auf künstlichem Wege in einen Organismus eingesetzt... werden. Der neu entstandene Virus... Omega 4 ist ebenfalls hygromalin... und wird... in 24 Stunden... aufhören... zu... existieren..."

In 24 Stunden, wenn sein Werk vollendet war und er alle die vernichtet hatten, die nach ihm gesucht hatten und jene die ihn geschaffen hatten.

Noch immer lagen der Purna Fragen auf der Seele, doch als der Professor seinen Kopf hob und die Arme senkte, wichen alle unwillkürlich einen Schritt zurück. Geschüttelt von Entsetzen, das sie wie eine kalte Hand am Genick packte.

Irlings Gesicht war bereits von der Zerstörungskraft von Omega 4 entstellt. Das Fleisch begann sich schwarz zu verfärben und langsam von den Knochen zu lösen.

Die Qual in seinen Zügen, war zuviel für die Sicherheitlerin. Entsetzt wandte sich die Französin ab. Auch Miguel drehte sich weg. Lediglich Cailin murmelte noch verzeihend: "Es ist nicht Ihre Schuld."

Sie vermeinte ein Lächeln auf den Zügen des Professors zu erkennen, auch wenn sein Gesicht nur mehr eine Fratze Fleisch auf toten Knochen zu sein schien. Nicht mehr als die Maske des Todes.

Schließlich wendete sich auch Cailin ab und sie verließen gemeinsam das Labor, doch es gab keinen Weg wohin sie noch konnten...

--- Asteroid, Kommandozentrum

Anfangs bemerkte der Cardassianer nur ein leichtes Kribbeln, aber schon nach Sekunden wurde ein Zerren und Reißen aus dem Gefühl. Entsetzt betrachtete er seine Hände, deren Farbe sich vom gesunden Grau in ein glänzendes Schwarz verwandelte.

'Ja, schwarz wie die Banner des Obsidianischen Ordens', dachte er schmerzverzerrt, als die Haut verdorrt, welken Blättern gleich von seinem Fleisch abblätterte und eine Erkenntnis in ihm reifte, 'Irling wird dafür büßen...!'

Langsam quälte er sich zur technischen Konsole, angetrieben von einem Feuer in seinem Inneren, das noch heißer brannte als die Höhle: Grenzenlosem Hass.

"Warnung!", ertönte die monotone Stimme eines cardassianischen Mannes, "Reaktorauslastung bei 107% steigend, Kerntemperatur erreicht kritisches Niveau in drei Minuten und 47 Sekunden."

Sein schwarzes Fleisch löste sich auf, Zentimeter für Zentimeter, während die aus tiefen Löchern starrenden Augen sich trübten, schließlich den Blick auf das zu kochen scheinende Hirn freigaben. Nach weiteren dreißig Sekunden existierte nur noch ein Skelett, das in den Fängen eines cardassianischen Brustpanzers auf die Ewigkeit wartete...

Eins jedoch war Kreshnar bis zur letzten Sekunde bewusst gewesen: Wenn der Reaktor überhitzte, die Schilde aus Energiemangel ausfielen würde der Energiekern einer Elektrode gleich eine gewaltige Plasmafackel anziehen, die den Asteroiden und alles in seiner Nähe innerhalb von Nanosekunden verbrennen ließ.

Dann würden sie alle bis zum Ende des Universums im ewigen Feuer schmoren. Und er freute sich darauf, Professor Irling dort zu begegnen...

--- Venture, Brücke

Gespannt beobachtete Yhea die gegnerischen Schildwerte. Alle Schiffe feuerten gemeinsam und doch sank die Schildstärke schleppend langsam. Am liebsten hätte er sich ja einen Kaffee geholt, um diese Warterei etwas zu überbrücken, doch er durfte jetzt seinen Posten nicht verlassen.

Es konnte sich ja eigentlich nur noch um Minuten handeln, bis das Schildgitter des Asteroiden nachgab. Und dann konnte er das Außenteam heraufbeamen.

Unruhig trommelte er mit den Fingern auf der Konsole herum, als plötzlich Anjol neben ihm stand.

"Und, wie sieht es aus?", fragte dieser und zeigte auf den Monitor.

Yhea schnaufte. "Eigentlich ganz gut. Ich denke, in ein paar Minuten werde ich das Auß...."

Mit einem Schlag waren plötzlich die Schilde des Asteroiden deaktiviert. Beinahe hätte sich Yhea vor Schreck auf die Zunge gebissen und er verschwendete weitere kostbare Sekunden, um wie ein Idiot auf den Bildschirm zu starren.

Doch dann gewann seine Professionalität wieder die Oberhand. Schnell schob er den im Wegstehenden Bajoraner aus dem Weg und scannte nach dem Außenteam.

"Nun mach schon verdammt noch mal", fluchte Yhea und hämmerte auf die Konsole ein. "Schneller... Ah, na bitte. Alnak an Außenteam. Ist alles in Ordnung bei euch? Soll ich euch hochbeamen?"

--- Asteroid, Gänge

Ohne ein Wort zu sprechen schritten Cailin, Mirabelle und Miguel neben einander her.

In die drei Personen war eine seltsame Stille und Trauer eingekehrt, während sie auf den Gängen in Bewegung blieben ohne wirklich Hoffnung zu haben einen Ausweg zu finden.

Irgendwie wollte niemand von ihnen sich eingestehen, dass sie hier vollkommen hilflos waren und auf der Verliererseite standen, wenn nicht noch ein Wunder passierte.

Sicher, sie waren hier um eine Spur vom Maquis zu finden oder wenigstens Hilfe und alles was sie vorgefunden hatten, war eine Art Militärbasis, die sie gegen ihren Willen hier gefangen hielt.

Und doch.

Hatte überhaupt jemand ein solches Schicksal verdient?

Cailin stieg wieder über eine der vom Virus zerfressenen Leichen hinweg, ohne sie überhaupt richtig wahrzunehmen. Ihnen konnte niemand mehr helfen. Hier hatte sich die Natur an denen gerächt, die sie hatten manipulieren und zu kriegerischen Zwecken einsetzten wollen.

Gerade als die Ärztin darüber nachdachte offen über ihre aussichtslose Lage zu sprechen, meldeten sich plötzlich die Communicatoren der drei zu Wort:

"Alnak an Außenteam. Ist alles in Ordnung bei euch? Soll ich euch hochbeamen?"

Es war als würde ihnen jemand in der größten Not die Hand reichen um sie einfach aus der Tiefe der Hoffnungslosigkeit zu ziehen und ihnen wieder eine Zukunft zu geben.

Noch bevor es die Sicherheitlerin schaffte ihren Communicator zu betätigen um das Angebot anzunehmen, meldete sich Cailin, die nach anfänglicher Freude und Unglauben schon wieder an ihre Pflichten als Ärztin erinnert wurde.

"Cailin an Alnak: Du glaubst nicht wie froh wir sind deine Stimme zu hören. Ja, beam uns hoch. Miguel und Renault sind bei mir. Und dann lass uns mit dem Shuttle schnell von hier verschwinden. Einen Moment noch..."

Erst jetzt zog Cailin ihren medizinischen Tricorder und nahm eine eingehende Prüfung ihrer eigenen Körperdaten und die der beiden anderen vor. Vielleicht hatte der Professor gelogen oder sich geirrt.

Ihre Nerven waren bis aufs Äußere gespannt auch, wenn sie nach Außen hin den Eindruck erwecken wollte, dass ihre Untersuchung reine Routine war. Wenn sie jetzt eine Verseuchung entdeckte, dann würde sie hier bleiben müssen. Doch sie würden kein sonderlich langes Leben haben wie der Cardassianer ihnen angedroht hatte.

Aber zum Glück war nichts Außergewöhnliches an den Messdaten zu erkennen, außer dem was wohl Omega 3 sein sollte, aber inaktiv war. Damit würde sie sich wohl oder übel beschäftigen müssen, wenn sie wieder an Bord der Venture waren. Nach ihrer Einschätzung bestand keine Gefahr.

Trotzdem würde sie verlangen sicherheitshalber gleich in die Krankenstation gebeamt zu werden und auch die anderen der Mission sollten sich unter Quarantäne begeben oder zumindest ihre Quartiere nicht verlassen, bevor sie nicht ganz sicher war, dass nichts Bekanntes Omega 3 zu seinem künstlichen Leben erwecken konnte.

"Ist in Ordnung. Du kannst uns hochbeamen", schloss Cailin ihre Worte und alle drei sahen sich an, als hätte heute ihr neues Leben begonnen.

--- Kontrollraum

Noch nie war Ysara so froh gewesen, von einem Mann angesprochen zu werden. Eilig aktivierte sie ihren Communicator.

"Hier Jefferson und Clint. Wie schön, Sie zu hören! Wir wollen möglichst schnell weg von hier!"

Ihr Blick schweifte hinüber zu ihrem unverhofften klingonischen Verbündeten. Etwas angewidert trat sie automatisch einen Schritt zurück, während ihr Blick über den Mann schweifte, der halb ohnmächtig und mit wirrem Blick die letzten Einstellungen in die Konsole eingegeben hatte, bevor er stöhnend in sich zusammensank.

Das Etwas, das nun zu ihren Füßen kauerte, tat röchelnd seine letzten Atemzüge. Schwärzlich verfaulend hatte sich die Haut über seinem Gesicht zu einer grässlichen Maske zusammengezogen. Mit einem letzten hektischen Zucken fiel er endgültig in sich zusammen.

Wohl doch kein Asylant heute...

--- Venture, Brücke

Zufrieden klopfte der Bajoraner Alnak auf die Schulter, nachdem die Meldung von Mrs. Jefferson verklungen war und fügte in anerkennendem Ton hinzu: "Ich weiß nicht, was Sie getan haben, aber es war gut!"

Lächelnd machte Anjol kehrt und kniete sich neben dem immer noch daliegenden Captain nieder, der grummelnd aufzuwachen schien und zwischen seinen leisen Flüchen immer wieder hustete. So bekam er auch nicht mit, wie der Romulaner erleichtert seufzend in seinem Sessel einsank...

Möglichst würdevoll versuchte sich Charles aufzurichten, aber der dröhnende Kopf ließ ihn zweimal wieder bedenklich einknicken, so dass Anjol ihn stützen musste.

"Was habe ich verpasst?", war die schlichte Frage, die er seinem ersten Offizier sich streckend stellte, bevor er seine Uniform glatt zog.

Der Gesichtsausdruck des Bajoraners sprach Bände und so beschloss der Captain, die Berichte später ganz genau zu lesen...

"Captain, ich messe ungewöhnliche Werte vom Energiekern der Station: Die Temperatur steigt gefährlich an; wenn nicht unverzüglich jemand da unten was unternimmt, dürfte der Reaktor dies nicht mehr lange verkraften, was die Badlands wie ein Magnet anziehen wird. Der ganze Bereich wird dann von ihnen verschluckt werden!", meldete Alnak plötzlich, richtete sich augenblicklich an seiner Konsole wieder auf.

"Irgendwelche Möglichkeiten?", gab Anjol zurück, noch bevor Charles seine noch schwankenden Gedanken sortieren konnte, worauf der Romulaner den Kopf schüttelte, "dann geben Sie die Informationen an den Maquis weiter und sorgen dafür, dass die Raider wieder zurückkehren. Brengh, programmieren Sie einen Fluchtkurs, der uns hier möglichst schnell wegbringt!"

"Machen Sie es so", fügte McCarthy leise hinzu und ließ sich in seinen Kommandosessel fallen. Das Leder fühlte sich gut an und noch einigen Sekunden kehrte auch wieder Ordnung in seinem Kopf ein, "Beordern Sie das Außenteam in den Konferenzraum, nachdem sie medizinisch betreut wurden."

Eine Minute später starteten die beiden nun vereinten Schiffe, während hinter ihnen ein Asteroid zurückblieb, der wenig später in einer enormen Plasmafackel verglühte und eine weitere Hölle schuf...

Stardust Venture