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Venture 29 - Das fremde Schiff

--- Technisches Labor

Ungeduldig schritt Yhea auf und ab und trank seinen Kaffee. So lange konnte es doch nicht dauern, zu Fuß vom Besprechungszimmer bis hier ins Labor zu kommen. Wahrscheinlich war dem Chinesen wieder irgend etwas auf dem Weg hier hin zugestoßen. Vielleicht war er von einem Killerfähnrich erwischt worden, oder er hatte sich beim Gang zur Toilette selber weggespült. Bei Chi-Lo war alles möglich.

Nun gut, er konnte ja schon mal anfangen. Er stellte seine Tasse weg; nicht ohne noch einen großen Schluck zu nehmen, und begann, das Gerät aus der Ecke, in der es stand, hervorzuziehen. Schnell hatte er Schweißperlen auf der Stirn, denn es war nicht gerade das leichteste Teil. Als er es endlich in eine Position gebracht hatte, dass er daran arbeiten konnte, waren schon wieder ein paar Minuten vergangen. Und Chi-Lo war immer noch nicht aufgetaucht.

"Dieser Chinese... ", murmelte er, während er einen kurzen Systemcheck durchführte. Falls man das so nennen konnte. Denn da das Gerät beinahe zu 100 Prozent mechanisch war, konnte er nicht mehr tun als es kurz einzuschalten und alle beweglichen Teile zu überprüfen.

"Scheint ja alles zu funktionieren", sagte er zu sich und nickte zufrieden.

Er schritt zum Computer und beamte das Gerät direkt in die Shuttlerampe. Sollten die sich doch darum streiten, in welchen Raider es sollte. Vor allem konnte dieser nervige Niederländer mal was arbeiten. Schnell leerte er seinen restlichen Kaffee, setzte eine Nachricht an Chi-Lo ab, er solle in die Shuttlerampe kommen, entsorgte seine Tasse im Replikator und beamte sich dann selbst in den Shuttlehangar.

--- Shuttlerampe

Mit seinem Surren erschien er zwischen den beiden Raidern, die startbereit dastanden. Anscheinend war er der Erste, der da war. Wie immer. Leise vor sich hin murrend schritt er zur offenstehenden Ausstiegsluke des einen Schiffes und schaute hinein.

Er entdeckte die beiden Techniker, die anscheinend mit Kartenspielen beschäftigt waren. Deswegen ging er zu den beiden hin und begrüßte sie.

--- Raider Silver Sun

"Hallo ihr Beiden. Na, wer gewinnt?"

--- der andere Raider

Der Befehl von Wagenvoort hatte alle Hoffnungen des Chinesen auf Führerschaft zunichte gemacht.

Das war raffiniert gewesen, von dem Niederländer. Der Befehl hatte rein gar nichts am Ergebnis der Arbeit geändert, aber Wagenvoort hatte klar gestellt, dass der Chinese dort zu arbeiten hatte, wo der Niederländer ihn einteilte.

Mürrisch hatte Chi-Lo im Cockpit eines der beiden Raider gesessen und die Systeme gecheckt, als der Funkspruch von Alnak eingetroffen war. "Chi-Lo, ich erwarte sie in der Shuttlerampe!", hatte Alnak kurz angebunden gesagt.

'Na, dann komm' doch! Deine verdammten Scheißerwartungen werden erfüllt werden, genau wie die von Wagenvoort!', hatte der Chinese mürrisch gedacht. Er hatte keine Lust, Alnak zu antworten - wo stand geschrieben, dass Alnak sein Vorgesetzter war?

Sollte Alnak ihn doch suchen, wenn er ihn so dringend brauchte - und zur Not Wagenvoort fragen, wohin dieser ihn abkommandiert hatte.

Wenn alle hier so viel Wert auf die Befehlskette legten - Bitte sehr, ER konnte sie einhalten. Aber das bedeutete eben auch, dass er nur Wagenvoort Rechenschaft schuldig war.

Aus dem Fenster sah er, wie ein großes, unförmiges Gerät mit allerlei Bohrmeißeln zwischen den beiden Raidern materialisierte. Offensichtlich das Ding, mit dem das Dilithium abgebaut werden sollte.

Kurz darauf erschien ein großes, unförmiges Gerät *ohne* allerlei Bohrmeißel zwischen den Raidern. Offensichtlich Alnak

Dieser ging auf den anderen Raider zu und verschwand im Inneren.

Der Chinese checkte weiter die Systeme. Scheiß Laden hier.

--- Shuttlerampe

Jordan hatte auf der Krankenstation kurz mit Cailin gesprochen und sich über den Zustand des Captains erkundigt, während sie ihrem Notfallkoffer einige Gegenstände hinzufügte, von denen langjährige Erfahrung sie gelehrt hatte, dass sie manchmal fehlten; McCarthy befand sich nun in einem abgeschotteten Teil der Station, wo niemand ihn stören würde, und offensichtlich ging es ihm den Umständen entsprechend gut. Zuletzt hatte sie - weniger lächelnd nun und eher resigniert - erneut an Alnak gedacht und nicht nur einen kleinen Vorrat an starken Beruhigungsmitteln dazu gelegt, sondern auch ein Enzympräparat, das die Wirkung bewusstseinserweiternder Medikamente schnell neutralisierte.

Als sie die Shuttlerampe betrat, fand sie sie zu ihrer Überraschung leer vor.

"Keiner da?", rief sie laut genug, dass es jeder eventuell Anwesende hören würde, und blieb stehen, wo sie war.

--- Büro des Sicherheitschefs, 10 Minuten später

'Geschafft!', dachte Ruben freudig, während sein Gesicht sich in der Oberfläche seines Padds spiegelte. Anhand der eher zufällig gesammelten Daten war es gar nicht so einfach gewesen, eine perfekte Abbauroute zu berechnen. Schließlich hatte er im Computer aber einige interessante Statistiken über die Verteilung von Dilithium gefunden.

Der Rest war ein Kinderspiel gewesen:

Schnell hatte der Niederländer anhand von jener Statistik und den Sensordaten der damaligen Shuttlemission elaboriert, welche Gesteinsbrocken die größten Dilithiumvorkommen enthalten sollten. Anschließend hatte er noch kurz die relativen Bewegung der Asteroiden berechnet und so einen mathematisch-logisch optimalen Abbauplan entwickelt.

'Dumm nur, dass die Realität sich nicht an Wahrscheinlichkeiten hält!', grummelte Wagenvoort seufzend über die Wirklichkeit, als er aus seinem Sessel schnaubend hochkam.

Vielleicht war es doch besser, bereits jetzt die Shuttlerampe aufzusuchen. Nicht dass es hinterher noch hieß, er hätte es sich gemütlich gemacht, während der Rest des Teams hart arbeitete.

--- Gorms Quartier

Gorm hatte den anderen nachgesehen, war dann gemütlich aufgestanden und hatte sich in sein Quartier begeben.

Natürlich hatte er seinen alten Aufzeichnungen über die Geode immer noch und die waren detailliert genug, schon einmal aus eigenem Interesse heraus.

Der Ferengi grübelte aber gerade an einer anderen Idee: Wenn er sich richtig erinnerte war der Apparat, den sie zum Abbau benutzen wollten nicht unbedingt gerade groß.

Was nicht an Power da war musste also durch die Menge wett gemacht werden.

Entschlossen aktivierte der Wissenschaftler seinen Kommunikator: "Gorm an Yhea:

Ich habe eine Idee und hätte gerne Ihre Meinung zur Durchführbarkeit:

Was halten sie davon, wenn wir einen Replikator mit auf die Geode nehmen? Dort unten könnten wir ja dann aus dem Abraum weitere Stücke ihres Gerätes replizieren. Energieprobleme werden wir dort ja wohl kaum haben. Wenn wir die beiden Geräte vielleicht auch noch miteinander kombinieren könnten wir den ganzen Prozess auch noch automatisieren: Das Gerät zerkleinert die Dilithiumkristalle und der Abraum wandert automatisch zum Replikator, der daraus dann wieder ein neues Abbaugerät mit Replikator repliziert. Das ganze wird solange fortgesetzt, bis nur noch Dilithium vorhanden ist oder wir den Ablauf stoppen.

Was halten sie davon?"

--- Shuttlerampe

"Ähh, doch ich", ließ Ruben sich leise vernehmen, nachdem er kurz nach der Ärztin den Hangar betreten hatte. Merkwürdig, normalerweise bemerkte man ihn auf 300 Meter, was wohl an seinem schlurfenden Gang lag. Aber wer hatte schon Lust seine Füße zu heben, wenn das Leben einen von Niederlage zu Niederlage schickte.

Schniefend lugte er vorsichtig hoch, um das Gesicht von Jordan zu betrachten. Hoffentlich hatte sie sein peinliches Verhalten in der Bar schon vergessen...

--- Raider Silver Sun

Etwas überrascht schauten die beiden Techniker von ihrem Kartenspiel auf. Anscheinend waren sie so in das Spiel vertieft gewesen, dass sie Alnak nicht gehört hatten. Doch jetzt grinste ihn Alex breit an und legte seine Karten weg.

"Was denkst du denn?“, fragte er, "Jimmy macht uns beide fertig. Wenn wir noch länger weiter spielen, dann hat die Venture keinen eigenen Computer mehr und ich kein Quartier mehr, wo ich drin schlafen könnte"

"Man tut was man kann", bemerkte Jimmy gut gelaunt und packte die Karten zusammen, "Um Ihrer Frage zuvor zu kommen. Beide Raider sind wie befohlen startbereit. Sie müssen nur noch festlegen, mit welchem Sie starten wollen."

Kurz überlegte Yhea die beiden Möglichkeiten und entschied sich dann für die Bessere der Beiden.

"Wir nehmen diesen hier. Für den Notfall können wir die Tarnvorrichtung nutzen. Trotzdem sollten Sie den anderen startbereit halten. Falls uns was zustoßen sollte, will ich schnellstens Hilfe haben. Verstanden?"

"Kein Problem, Sir", antworteten Jimmy und Alex wie aus einem Munde. "Wir werden ständig einsatzbereit sein", fügte Poulsen noch hinzu.

"Danke", sagte Yhea noch, bevor er wieder aus dem Raider schritt.

--- Shuttlerampe

Sofort entdeckte Yhea die Ärztin und den Niederländer. Er winkte ihnen zu und stellte sich zu ihnen. Er begrüßte sie kurz und wartete dann auf Antwort.

Der Romulaner kam genau zum richtigen Zeitpunkt, befand Ruben erleichtert. Zwar hatte Jordan keinerlei Anstalten gemacht, auf den peinlichen Vorfall in der Bar zu sprechen zu kommen, aber Frauen hatte der Niederländer noch nie gut einschätzen können.

Ihr Verhalten schien meist dem elementaren Verständnis der Logik entgegenzustreben, womit sie zweifelsohne interessante Studienobjekte gewesen wären, wenn Ruben nicht so verdammt schüchtern gewesen wäre.

Allein der Gedanke löste einen kalten Schauer auf seinem Rücken aus und das war noch die harmloseste Form der Nervosität, die sich bei dem Sicherheitschef zeigen konnte...

"Der Abbauplan ist aufgestellt und...naja, von mir aus kann es losgehen! Wo befindet sich denn der Rest von, ähh meinem Außenteam?", antwortete er dem fragendem Blick des Ingenieurs, nachdem dieser die Begrüßung abgeschlossen hatte.

Yhea stoppte mitten in der Bewegung, als ihn der Ruf von Gorm erreichte. Geduldig hörte er den Ausführungen des Wissenschaftlers zu. Zwar dauerte es etwas, bis er verstand, was der Ferengi genau von ihm wollte, doch dann schüttelte er energisch den Kopf:

"Mister Gorm, zwar finde ich Ihre Idee sehr ... wie soll man sagen ... interessant. Doch leider wird das technisch nicht machbar sein. Da das Gerät gänzlich mechanisch funktioniert, ist es nicht kompatibel mit irgendwelcher Replikatortechnologie. Ich würde aber vorschlagen, Sie kommen jetzt zu uns in die Shuttlerampe, dann können wir versuchen, eine Lösung zu finden. Also bis gleich. Alnak Ende."

In diesem Augenblick kam Clint herein, vollständig in ein PADD vertieft, dass er vor sich hertrug. Er war ein wenig außer Atem, was für den Halbbreen ungewöhnlich war. Während er an den Wartenden vorbeiging schaltete er schnell das PADD aus und steckte es in eine Seitentasche. Ohne viele Worte, nur mit einem gemurmelten 'Entschuldigung', stieg er in den zum Abflug bereit stehenden Raider.

Verdutzt hatte Ruben dem Halbbreen nachgeschaut und sich über die Unhöflichkeit gewundert, die sonst so gar nicht die Art des vulkanisch erzogenen Wissenschaftlers war.

Aber jeder konnte sich so verhalten, wie er wollte. Immerhin war der Niederländer wohl kaum Clints Mutter, ganz abgesehen davon, dass Wagenvoort sich nicht viele Wesen vorstellen konnte, die er weniger gerne erzogen hätte.

Unbewusst kratzte er sich seine Nase.

Endlich tauchte auch Gorm im Hangar auf.

Auf seinem Weg hatte der Wissenschaftler noch eifrig an seinem Plan herum getüftelt und sich dabei auch noch prompt verlaufen. Am Ende war er dann auch noch in der Bar angekommen und musste sich wieder neu orientieren.

Aber sein Plan war dafür fertig am PADD ausgearbeitet: Wenn man das Abbaugerät schon nicht mit einem Replikator kombinieren konnte, einen Generator konnte man.

Stolz auf seine Idee, war der Ferengi gespannt, was Yhea zu seinem Plan sagte.

Eine Armee aus selbstfahrenden, mit Sensoren ausgestatteten Abbaugeräten war nach Meinung Gorms einfach genial.

Das Auftauchen des Ferengi unterbrach Ruben, während er ein überaus beängstigendes Bild in seinem Kopf hatte, welches mit Clint und Windelwechseln zu tun hatte. Alnak und Jordan standen immer noch recht regungslos da, während der Sicherheitschef den Verdacht nicht loswurde, dass sie ihn die ganze Zeit gemustert hatten.

Vor Verlegenheit rot werdend wandte er sich an den kleinen Wissenschaftler, welcher keine Sekunde nach Betreten der Shuttlerampe mit einem Vortrag über die Vorteile technischer Modifikationen des Abbaugerätes begonnen hatte und versuchte diesen irgendwie zu unterbrechen, bevor er wirklich in Fahrt kam...

Beinahe belustigt beobachtete Yhea den Niederländer, wie der mit Händen und Füssen dem Ferengi klar zu machen versuchte, er solle doch bitte mit dem Vortrag warten, bis alle anwesend waren und sie im Raider saßen. Doch er vermutete, es würde sowieso an ihm hängen bleiben. Schließlich hatte er Gorm gesagt, er solle es ihm erzählen, wenn er hier war. Und nun war es soweit. Doch noch gab er sich geschlagen.

Bevor Gorm sich von Wagenvoort losreißen konnte, tippte Yhea auf seinen Kommunikator.

"Alnak an Chedu. Wo bleiben Sie? Kommen Sie sofort in die Shuttlerampe. Das ist ein Befehl. Alnak Ende", sagte er, beendete die Verbindung und aktivierte mit der gleichen Handbewegung eine Neue.

"Alnak an Chi-Lo. Bitte sagen Sie mir, dass Sie auf dem Weg hier in die Shuttlerampe sind. Wenn nicht, dann trete ich Ihnen in den Hintern. Verstanden?"

--- der andere Raider

Als der Chinese diese Worte hörte, schlug er vor Zorn und Enttäuschung hart mit der Faust auf das Kontrollpult.

Vor einigen Minuten war er noch der Anführer in spe dieser Gruppe gewesen, und nun hatte nicht nur Wagenvoort die Verhältnisse wieder gerade gerückt, nein, Alnak hörte nicht auf, sich so aufzuführen, als hätte er ihm irgendetwas zu befehlen!

Wie konnte dieser aufgeblasene Wichtigtuer nur... Ein leises Zirpen löste ihn aus seinen Gedanken. Der Chinese blickte auf das Eingabefeld vor ihm.

'Uuups', dachte er. Als er auf das Feld eingeschlagen hatte, hatte er versehentlich die Phasenspulen aus ihrer Synchronisation mit den Feldsequenzern gebracht. Dadurch war das eigentlich unmögliche Geschehen: Die Subraumrelais der Warpplasmainjektoren waren aktiviert worden, obwohl noch kein A/M-Input erfolgte. Dadurch waren sie nun überhitzt worden und hatten sicherlich einen Schaden in ihrer strukturellen Integrität erlitten.

Schnell synchronisierte der Chinese die Systeme wieder, aber der Schaden war da. Allerdings konnte der Asiate aus Erfahrung sagen, dass der Schaden sicherlich nicht sehr groß war.

Er würde die Mission zu Ende führen, und dann später heimlich den Schaden beheben. Das war keine große Sache.

Mehr Sorgen machte ihm da schon der kleine Riss, dem er auf dem Eingabefeld bemerkte. Aber die Eingaben gingen ja alle ganz normal, das war also nichts Schlimmes.

Er erhob sich und verließ den Raider.

--- Shuttlerampe

Wütend blickend ging er auf diesen Alnak zu: "Sir, ich bin schon die ganze Zeit auf der Shuttlerampe und mache den Raider startklar, so wie es MR. WAGENVOORT befohlen hat. Wenn sie also jemand in den Hintern treten wollen, dann schlage ich ihn vor!"

Der Ausbruch des Chinesen brachte den Wissenschaftler etwas aus dem Konzept: Eigentlich hatte er seinen Plan nochmals mit Alnak erörtern wollen. Mit Chi-Lo hatte er jetzt überhaupt nicht gerechnet.

Eigentlich ein Fehler - schließlich ließ der Terraner keine Gelegenheit für eine Katastrophe aus.

Schadenfroh hielt sich der Ferengi zurück und wartete auf das beginnende Chaos...

'Warum kann ich nicht einfach vor Scham im Boden versinken?', waren die letzten Gedanken bevor Ruben hyperventilierend anfing die Fassung zu verlieren. Wie von der Tarantel gestochen suchte er in den Taschen seiner Uniform das verdammte Bronchialspray.

Als der Niederländer es endlich gefunden hatte, setzte er es panisch an den Mund und ein Zischen kündigte die kommende Erleichterung an. Verdammt, dabei hatte er doch seit Monaten keinen Anfall mehr gehabt!

Aber der Ausdruck in Alnaks Augen, als Chi-Lo diesen Vorschlag gemacht hatte. Für einen Moment hatte Wagenvoort wirklich geglaubt, der Romulaner würde ihn treten wollen. Noch schlimmer war allerdings, dass der Chinese Recht gehabt hatte bezüglich des Befehls.

Wobei...

"Mr. Hu-Wang, ähhh, ich ging davon aus, dass Sie nach Beendigung der Arbeit wieder aus dem Raider kommen würden. Immerhin kann es wohl nicht solange dauern, ein Schiff vorzubereiten", antwortete er noch leicht röchelnd und schickte einen fragenden Blick hinterher.

Der Chinese gab sich alle Mühe, sich zu beherrschen. Dieses nervliche Wrack, das während des Dienstes Medikamente konsumierte, war tatsächlich sein Vorgesetzter! Ach ja, und er war der geistige Urheber einer Massenvernichtungswaffe. Ganz klar, für Wagenvoort musste noch eine Endlösung her...

So unbeteiligt wie möglich sagte er dann: "Oh, tut mir leid, Sir. Da sie mich ja für andere Teile der Missionsvorbereitung als entbehrlich einstuften, ging ich davon aus, dass ich im Shuttle auf den Beginn der Mission warten sollte. Zumal sie mir ja auch kein neues Aufgabengebiet zugewiesen hatten. Mir war nicht bewusst, dass ich meinen Posten verlassen sollte, um mich hier einzufinden. Wissen sie, Sir, ich bin nicht telepathisch veranlagt."

Nun gut, der Tonfall war vielleicht ein wenig gallig geraten. Aber er hatte es ja auch so unbeteiligt wie möglich gesagt. Und mehr war eben nicht möglich gewesen.

Der Trotz stand dem Chinesen ins Gesicht geschrieben und vorerst würde Ruben auf jede Reaktion verzichten. Immerhin hatte Chi-Lo vor kaum zwei Stunden kurz vor einem Selbstmord gestanden. Da mochte es besser sein, jede zusätzliche Belastung von ihm abzuwenden...

"Natürlich sind Sie das nicht. Ich bitte Sie, das Missverständnis zu entschuldigen, aber wenn es keine zu großen Umstände macht, sollten wir es vielleicht vergessen", versuchte Ruben folglich den Sicherheitler zu beruhigen und legte beschwichtigend eine Hand auf dessen Unterarm, um sie rotanlaufend sofort wieder zurückzuziehen.

Vorsichtig in die Runde guckend, musterte er das Außenteam. Alles Spezialisten, aber soweit Wagenvoort das bisher beurteilen konnte, hatte mindestens die Hälfte mehr Macken, als die Crew eines Raumflottenschiffes der Galaxy-Klasse.

Abgesehen von den noch nicht aufgeklärten sexuellen Verflechtungen dieser Mannschaft! Ruben wollte gar nicht wissen, welche Anwesenden an diesem Netzwerk beteiligt waren!

Naja, eigentlich war er schon etwas neugierig...

Während er Gorms Gesicht nach Hinweisen absuchte, öffnete sich zischend die Tür und Chedu kam herein. Das letzte Mal hatte er sie gesehen, als sie weggetreten im Besprechungsraum gesessen hatte.

Jetzt steuerte sie direkt auf die Gruppe zu und reihte sich neben dem Ferengi ein, ohne ein Wort der Entschuldigung für das Zuspätkommen von sich zu geben.

"Ähh, dann sind wir ja vollzählig und können abfliegen!", wandte sich Ruben schnell an die Gruppe, bevor irgendeine neue Verzögerung eintreten konnte.

Fragend schaute die Klingonin Gorm an. Es schien ihr, als hätte sie einen Zwischenfall verpasst, der sicher lustig war, wenn sie sich den Sicherheitschef so betrachtete.

Sie fragte sich immer noch, wie dieser Schwächling so lange überleben konnte. Obwohl wenn er sich solche interessanten Waffen einfallen lassen konnte...

Dieser Aspekt der doch sehr chaotischen Konferenz war ja noch faszinierend gewesen, aber als dieser nervtötende Chinese auch noch meinte, dass er herumkommandieren müsse und die Memme von Sicherheitschef sich dagegen nicht einmal durchsetzen konnte, erwies es sich auch im Nachhinein noch als gut, dass sich Chedu lieber ersprießlicheren Gedanken zuwendete, anstatt auf die beiden zu hören.

Eventuell wäre sie sonst vielleicht auf die Idee gekommen, die Kommandostruktur so zu verändern, wie es auf einem klingonischen Schiff üblich gewesen wäre (*eg*)

Nun wartete die Technikerin teils gelangweilt, teils interessiert wie lang es wohl dauern würde, bis Wagenvoorts "Befehl" zum Abflug ausgeführt werden würde.

"Nun, also auf zu neuen Taten!", sagte der Chinese in Richtung Wagenvoort. "Mein Raider ist jedenfalls startklar." Niemand musste von den beschädigten Subraumrelais und dem Riss auf dem Eingabefeld wissen. Das konnte er locker und unauffällig wieder richten, wenn sie zurück waren.

"In welchen Raider soll das Abbaugerät verbracht werden?"

Gorm begrüßte seine Lieblingsklingonin mit einem vergnügtem Augenzwinkern und deutete dann unauffällig mit einem Kopfnicken erst auf Wagenvoort und dann auf Chi-Lo.

An dem belustigtem Aufblitzen Chedus Augen erkannte er, dass die Technikerin verstanden hatte.

Ob die beiden eine Ahnung hatten, dass sie von den anderen nicht nur bewundernd, sondern vor allem abwartend angestarrt wurden, in eifriger Erwartung des Zusammenstosses, der unweigerlich kommen musste?

Wenn jedenfalls nicht bald etwas geschah, so beschloss der Wissenschaftler, würde er die Initiative ergreifen.

Leicht verärgert über die verspätete Ankunft von Chedu wandte sich Yhea an Chi-Lo.

"Zu Ihrer Frage: Wir werden den Raider Silver Sun nehmen. Wenn Sie nicht wissen, welcher es ist ... es ist von hier aus gesehen der Linke."

Sofort warf ihm der Chinese wieder böse Blicke zu, doch Yhea ignorierte sie und setzte die Erklärung fort.

"Die Silver Sun hat eine Tarnvorrichtung. Falls wir also in Schwierigkeiten kommen sollten, können wir uns so vielleicht unbemerkt aus dem Staub machen. Der andere Raider wird startbereit hier warten und uns in einem Notfall zur Hilfe kommen.

Also Mister Chi-Lo. Dann legen Sie mal los."

Erleichtert nahm Ruben die Antwort des Romulaners auf: Er hatte sich die Namen der Raider nie merken können oder vielmehr wollen, zumal diese beinahe antiken Schiffe ihm sehr unsicher vorkamen. Kein Transportmittel sollte älter als man selbst sein, so fand der Niederländer zumindest, wenn er die verbeulten Hüllen betrachtete.

Allerdings hatte Alnak eine Schärfe in seinen Befehl gelegt, die den Chinesen wieder in eine depressive Phase oder gar ein Schwert stürzen konnte, wurde Wagenvoort sich eine Sekunde später andererseits bewusst.

"Natürlich werden wir alle mitanfassen, immerhin sind wir ja ein Team!", fügte er deshalb rasch hinzu, nicht ohne den missbilligenden Blick des Romulaners auf sich zu spüren.

Aber immer noch besser als der Angstschweiß, wenn er dem Captain einen Selbstmord auf der Außenmission würde erklären müssen!

Yhea verschränkte die Arme und schaute Chi-Lo und Wagenvoort hinterher, wie sie auf das Abbaugerät zugingen. Sollten die sich doch die Finger schmutzig machen. Er hatte das Gerät schon bis hier hin gebracht. Und außerdem ließ es sich mit Hilfe von Antigravbahren gut bewegen.

Also gingen er und der Rest der Gruppe zur Silver Sun und betraten sie.

--- Raider Silver Sun

Die beiden anwesenden Techniker hatten inzwischen alles zum Abflug bereit gemacht und waren gerade dabei, den Raider zu verlassen. Yhea nickte ihnen zu und sagte zu Poulsen, er solle im anderen Raider alles bereit halten, falls was passieren sollte. Dann schritten Beide heraus und rannten beinahe den Chinesen und den Niederländer um, die sich mit dem Abbaugerät abmühten.

"Wagenvoort, soll ich Ihnen anpacken oder schaffen Sie es alleine mit Chi-Lo?", rief er und verkniff sich ein Lächeln. Es sah auch zu lustig aus, wie der Niederländer mit hochrotem Kopf das Gerät vor sich hin schob.

Völlig aus der Puste schaute der Niederländer einen Moment hoch, um den ersten wirklich bösen Blick seines Lebens zustande zu bekommen, der nicht eher zum Lachen aussah.

"Vielen Dank, aber wir schaffen das schon. Wir Menschen haben die Erde besiedelt, das Weltall erobert, also werden wir auch dieses Gerät in den Raider bekommen! Gehen Sie schon einmal in den Raider und bereiten Sie alles vor", warf er dem Romulaner weiterschiebend entgegen, allerdings gingen die letzten Worte halb in lautem Japsen unter.

"Zugleich, zugleich!", fügte er hechelnd an den Chinesen gewandt hinzu, der sich wirklich Mühe gab die Kiste zu bewegen. Irgendwie hatte Ruben sogar das Gefühl, dass Chi-Lo eigentlich die Kiste ganz alleine bewegte, während er sich nur vergeblich abmühte.

--- Raider Silver Sun, sieben Minuten später

Durchgeschwitzt wie ein nasser Pudel kam Wagenvoort auf schwachen Beinen in den Kontrollraum getapst. Nachdem das restliche Außenteam wirklich im Raider verschwunden war, hatte er weitaus erleichterter zusammenbrechen können, während der Chinese zuerst das Gerät und dann seinen Sicherheitschef in die Silver Sun geschafft hatte.

Das Versagen vor allen wäre ihm ansonsten zu peinlich gewesen und auch jetzt hoffte er inständig, dass Hu-Wang den Befehl zum absoluten Schweigen über die Ereignisse sehr ernst nehmen würde.

"Alnak, wir fliegen ab, wenn Sie bereit sind. Ich werde mal nach Hinten gehen und erstmal duschen", erklärte er mit gebrochener Stimme, während seine Bronchien langsam wieder begannen Luft aufzunehmen.

Wortlos verschwand er schlurfend im hinteren Bereich des Schiffes.

"Wir fliegen was?", murmelte Yhea überrascht, doch der Niederländer war schon in der Nasszelle verschwunden. Fragend schaute er sich um, doch auch von den Anderen bekam er nur ein wortloses Schulterzucken. Hatte er etwa bei der Besprechung irgendwas verschlafen? Er konnte sich klar und deutlich daran erinnern, wie Wagenvoort gesagt hatte, er würde den Raider fliegen. Ja genau. So war es gewesen. Oder doch nicht? Verdammt, er brauchte einen Kaffee. Aber ganz dringend.

Aber egal, wenn der Niederländer andauernd solche ungenaue Dinge von sich gab, dann war es eben so. Auch wenn Yhea so etwas zum Tod nicht ausstehen konnte. Er hasste es, wenn jemand so unzuverlässig und unverlässlich war. Da konnte er sein Leben auch gleich einem wildgewordenen Klingonen anvertrauen.

Grummelnd ging er deswegen zur Steuerkonsole; nach einem kurzen Zwischenstopp beim Replikator und ließ sich dann in den Pilotensitz fallen und aktivierte die Hauptsysteme. Sofort erschien der Bericht des Technikers auf dem Bildschirm, der ihm sagte, dass alle Systeme einwandfrei funktionierten. Prima, dann konnte es ja los gehen.

Er rief sich Chedu auf den Co-Pilotensitz, damit sie ihm beim Flug unterstützen konnte. Nachdem sie die Starterlaubnis bekommen hatten und sich die Hangartore geöffnet hatten, startete Yhea die Triebwerke und steuerte den Raider hinaus ins All.

Unwillkürlich musste der Ferengi grinsen: Dass Yhea sich auch ausgerechnet Chedu als Co-Pilotin ausgesucht hatte!

Zugegeben, die Klingonin hatte unter der Anleitung Gorms große Fortschritte in der Shuttlesteuerung gemacht.

Trotzdem: Zu sagen, Chedu fühle sich hinter der Steuerung wohl, wäre eine glatte Übertreibung.

Voller Vorfreude wandte sich der Mineralologe in Richtung Shuttle-Fenster und starrte in den Weltraum - endlich wieder bei dem Schatz, den sie vor einiger Zeit gefunden hatten.

Entspannt und mit dem Gefühl von Leichtigkeit kam Ruben zurück in das Cockpit. Die Dusche hatte wirklich gut getan und die neue Kleidung saß locker auf seiner Haut. Zu schade, dass er seinen Bademantel nicht mitgenommen hatte...

Aber sie waren nicht zum Vergnügen hier, rief er sich in Erinnerung. Genauer gesagt wollte McCarthy sie alle über die Planke schicken, falls ihre Außenmission erfolglos blieb! Grübelnd kratzte er sich im Nacken, nachdem die anderen ihn mehr oder weniger lustlos empfangen hatten.

Aber wenigstens waren sie schon im freien Raum und die ersten Ausläufer des Asteroidenfeld hatte der Raider schon passiert. In wenigen Minuten würde die Dichte erheblich zugenommen haben, was die ruhige Hand eines erfahrenen Pilotens, sowie genaue Berechnungen des Kurses erforderte.

Beim zweiten Punkt würde er ins Spiel kommen, aber zunächst würde er abwarten. Außerdem war er viel zu schüchtern, um sich ohne weiteres irgendjemandem aufzudrängen. Sicher würde Alnak sich schon melden, aber derzeit sah der Romulaner noch sehr sicher aus.

Die Klingonin dagegen schien sich nicht ganz wohlzufühlen. So verspannt, wie sie an der Konsole des Co-Piloten hockte, wäre ihr ein Kampf mit zehn Gorn lieber gewesen.

"Ähh Chedu, wenn sie wollen übernehme ich ihre Arbeit?!", sprach er sie vorsichtig an. Hoffentlich verletzte er damit nicht irgendwie ihre klingonische Ehre.

Jordan, die ruhig auf einem der hinteren Sessel Platz genommen hatte, hatte Wagenvoort interessiert beobachtet, als er zurück nach vorne kam. Ihre Vermutung, dass dieser Mann von seiner physischen Konstitution her absolut ungeeignet war, in seiner Position zu arbeiten, hatte sich gerade stark verdichtet.

Wenn sie ihn nur einmal auf die Krankenstation bekommen und einen kompletten Check durchführen könnte! Ruben war bisher Cailins Patient gewesen, aber sich würde die Purna mit sich reden lassen. Über genetische Aufwertung und ihre Nebenwirkungen war viel zu wenig bekannt, als dass die Ärztin fähig wäre, ihre Finger davon zu lassen.

Ihr Blick schweifte hinüber zu Gorm, der sehnsüchtig aus dem Fenster schaute. Sich ebenfalls an die Anhäufungen von Dilithium erinnernd, grinste sie ein wenig. Sie konnte den kleinen Ferengi schon ganz gut verstehen.

Nachdem ein weiterer Blick ihr bestätigt hatte, dass scheinbar niemand für ein Gespräch zu haben war, zuckte sie für sich mit den Schultern und sah ebenfalls aus dem Fenster.

Der Chinese schaute auch gelangweilt aus dem Fenster.

Er wusste nicht, ob er sich über den Holländer ärgern oder ob er sich über ihn lustig machen sollte. Erst ließ Wagenvoort ihn dieses sauschwere Gerät fast alleine in den Raider schleppen. Tatsächlich fragte sicher der Chinese sogar, ob das Gerät ohne Wagenvoorts "Hilfe" nicht gar leichter gewesen wäre. Aber egal. Was dem Fass jedoch den Boden ausschlug, war die Tatsache, dass diese mickrige Männchen sich anschließend quasi dienstunfähig meldete. Wovon war der Kerl so fertig gewesen? Er hatte doch gar nichts gemacht!

Dass dieser Alnak dann ausgerechnet Chedu, die in Sachen Raumflug mehr als unerfahrene Klingonin, zu seinem Co-Piloten bestimmt hatte, trübte die Stimmung des Asiaten noch mehr. Eine blutige Anfängerin wurde hier ihm, dem erfahrenen Shuttleführer, vorgezogen! So tief war er also gesunken. Er war ein Lastenträger geworden. Verdammt, für den Job, den er jetzt machen musste, hatte er früher versklavte Bajoraner abkommandiert!

Plötzlich wurde Chi-Lo hellhörig.

Hatte dieser hypochondrische Psychopath, dieser Wagenvoort, gerade Chedu recht schüchtern mitgeteilt, dass er es eventuell in Erwägung zöge, ihre Aufgaben zu übernehmen?

Der Chinese hätte fast laut aufgelacht. Dieser dumme Käsefresser hatte offensichtlich nicht einen Funken Ahnung von Exopsychologie. Schüchtern anzudeuten, dass man vielleicht nicht ganz zufrieden mit der Leistung eines seiner Untergebenen sei - genauso gut konnte man einen Klingonen direkt bitten, dass er einen selbst wegen erwiesener Führungsschwäche umbrachte.

Der Tag würde sich vielleicht ja doch noch gut entwickeln. Wenn Chedu diesen Wagenvoort kalt machte, dann war die Gefahr durch die Superwaffe beseitigt, ohne dass er selbst, Chi-Lo, etwas tun musste.

Yhea schaute kurz zu Wagenvoort auf, bevor er sich wieder auf die Instrumente konzentrierte. Kurz hatte er überlegt, Einspruch dazu einzulegen, dass der Niederländer Chedus Aufgabe übernahm. Er hatte nämlich absolut keine Lust dazu, dann nach dem seiner Pfeife zu tanzen. Aber dann hatte er aus dem Fenster gesehen und festgestellt, dass sie gleich das Asteroidenfeld erreicht hatten. Und darin zu navigieren war überhaupt nicht einfach. Er würde also zwangsweise die guten Navigationskenntnisse des Sicherheitlers in Anspruch nehmen müssen.

Chedu hatte irgend etwas auf die Anfrage von Wagenvoort erwidert und dann Platz gemacht. Sie nickte Yhea zu und verschwand dann im hinteren Teil des Schiffes. Während sich der Niederländer in den Co-Pilotensitz fallen ließ, überprüfte Yhea noch einmal den Kurs, trank einen Schluck von seinem Kaffee und wartete dann auf die Kommentare von seinem Nebenmann. Doch der beschäftigte sich erst einmal mit der Konsole und tippte wild drauf herum.

'Na gut, dann eben nicht', dachte er und schaute dann wieder nach vorne. Es waren jetzt nur noch wenige hundert Meter und deswegen senkte Yhea die Geschwindigkeit des Raiders. Am Rand des Asteroidenfeldes stoppte er dann komplett.

"So Mister Wagenvoort. Sie sind mein Navigationssystem. Dann legen Sie mal los."

Irgendwie fand Ruben, dass der Romulaner ihn wie einen Zauberer anstarrte und auf das legendäre weiße Karnickel aus dem Hut wartete.

'Immer noch besser, als wenn sie mich für einen neurotischen Schwächling halten, der seine Position nicht verdient hat!', zerstreute er seine Sorgen dann aber mit einem leichten Lächeln.

Aber trotzdem lastete noch immer alle Aufmerksamkeit auf ihm.

"Ähh, eben habe ich meinen Abbauplan in den Navigationscomputer eingegeben, damit wir die effizienteste Route ansatzweise einhalten können. Na ja, soweit den Sensoren der Venture zu trauen ist. Jedenfalls sollten Sie", Ruben sprach jetzt direkt zu dem Piloten, "erstmal den Antrieb wieder starten und dann mit halber Impulskraft in Richtung 17 zu 57 beschleunigen"

Während er mit Yhea sprach, konzentrierte er sich weiter auf die Konsole, bekam so leider die Reaktion des Romulaners nicht mit. Was für seine Selbstbewertung sicher auch besser war.

Genau 27 Sekunden später tauchte der Raider in den peripheren Bereich des Asteroidenfeldes ein und wie nach Murphys Gesetz zu erwarten fielen beinahe synchron sämtliche Sensoren aus. So nahm Wagenvoort seine Arbeit auf und dirigierte Alnak durch das immer dichter werdende Asteroidenfeld.

Abgesehen von den gelegentlichen Kursangaben, die der Niederländer konzentriert berechnete und dem Piloten dann mitteilte, war es still geworden in der Passagierkabine. Was vielleicht auch daran lag, dass riesige Brocken nur wenige Meter an der hauchdünnen Schiffshülle vorbeizogen.

Plötzlich kniff Ruben überrascht seine Augen zusammen und rieb sich ungläubig die Augäpfel. Wider erwarten entpuppte es sich nicht als Trugbild seiner Phantasie und so flüsterte er dem Romulaner zu: "Drosseln Sie den Antrieb. Bei 141 zu 75, sehen Sie da auch ein Shuttle?!"

Ziemlich überrascht nickte der Romulaner stumm, bevor er den Raider schnell hinter einen größeren Asteroiden steuerte, damit sie nicht entdeckt wurden. Zumindest hoffte er, dass sie nicht gesehen wurden. Zwar war es ziemlich unwahrscheinlich, denn die Fremden hatten bestimmt die gleichen Probleme mit den Sensoren wie sie. Doch man konnte ja nie wissen.

Yhea warf einen kurzen Blick auf die Steuerung der Tarnvorrichtung, doch wie erwartet, ließ sie sich hier nicht aktivieren. Nun gut, dann mussten sie sich noch ein wenig zurück halten.

"Wagenvoort, habe ich das richtig gesehen oder war das Shuttle dort ein Shuttle der Föderation? Zwar habe ich jetzt keine genaueren Markierungen erkennen können, doch die Bauart war auf jeden Fall Starfleet."

Er stabilisierte kurz die Lage des Raiders und fluchte dann leise.

"Verdammt, ich gehe jede Wette ein, dass sich hier irgendwo außerhalb des Asteroidenfeldes mindestens ein Föderationsschiff befindet. Wenn doch nur die Sensoren funktionieren würden ... Wagenvoort, tun Sie was."

Fieberhaft überlegte Ruben. Warum musste ausgerechnet er der Kommandant sein, wenn eine unberechenbare Situation sich anschickte, sie alle zu töten?!

'Unberechenbar?', rezierte er seine eigenen Gedanken und wurde sich wieder seiner Stärken bewusst, 'Natürlich ist nichts unberechenbar! Mit genug Fakten lässt sich für jede Ausgangslage ein Szenario kalkulieren! Man muss nur genug Daten sammeln...'

Die Stirn runzelnd wurde er sich einiger Details bewusst, die er im Anflug einer Panik gar nicht richtig bemerkt hatte. Dem Shuttle fehlten tatsächlich die Hoheitsabzeichen und außerdem war die Modellreihe schon etwas älter, als Starfleet sie bei allen neueren Schiffsklassen einsetzte.

"Wenn da draußen ein Föderationsschiff lauert, dann ist es der Venture zu 83.29%iger Wahrscheinlichkeit unterlegen. Abgesehen davon erklärt dies immer noch nicht, wieso unser Gegenüber keine Markierungen auf der Hülle hat. Vielleicht ähh, begegnen wir gerade nur einem anderen freien Schiff mit Föderationsbauart", fasste der Niederländer seine ersten Gedanken zusammen, "so ein abschirmendes Asteroidenfeld eignet sich bestimmt sehr gut, um Schmuggelware oder ähnliches zu verstecken. Jedenfalls sollten wir aufklären, was hier vor sich geht!"

Yhea dachte kurz über das Gesprochene nach und drehte sich dann komplett zu Wagenvoort um.

"Dass die Venture überlegen ist, ist ja wohl logisch. Und die Silver Sun ist stärker als das Shuttle. Darüber mache ich mir keine Sorgen. Doch ich kann Ihrer Aussage bezüglich der Schmuggelware nicht zustimmen. Überlegen Sie doch mal. Schmugglerware in einem Asteroidenfeld verstecken, welches voll von Dilithium ist? Sehr unwahrscheinlich. Und dann nicht mit so einem kleinen Shuttle. Das Schiff hat doch absolut keine Frachtkapazitäten. Nein, ich denke, die sind aus dem gleichen Grund hier wie wir. Zum Abbau des Dilithiums."

Alnak aktivierte wieder den Antrieb und steuerte den Raider vorsichtig an dem Asteroiden vorbei, hinter dem sie sich versteckt gehalten hatten. Wenn die eigenen Sensoren nicht funktionierten, dann waren deren Sensoren ebenfalls außer Betrieb. Hing also alles davon ab, das niemand aus dem Shuttlefenster schaute. Außerdem hielt sich Yhea immer schön hinter dem Shuttle.

"Wenn wir nahe genug heran kommen, ohne dass sie uns bemerken", begann Yhea, "dann können wir mit Hilfe der Nahbereichssensoren feststellen, ob sich jemand an Bord befindet. Wagenvoort, dass ist Ihre Aufgabe."

Nur noch wenige Meter trennten die beiden Schiffe. Man konnte fast die Hand nach dem Shuttle ausstrecken.

"Ok, was sehen Sie?", fragte er den Niederländer.

Jordan hatte sich mittlerweile von hinten genähert und stützte nun ihre Hand auf der Lehne des Romulaners ab, um durch das Frontfenster einen Blick auf das Shuttle werfen zu können. Natürlich ließ sie es sich auch nicht nehmen, gleichzeitig die Kontrollanzeigen der Silver Sun im Auge zu behalten. Die Anwesenheit eines Föderationsschiffes versetzte sie kurzzeitig in Panik.

Nun fielen ihr jedoch ebenso wie Wagenvoort die fehlenden Insignien und das Alter des Schiffes auf. "Kein Sternenflottenschiff...", murmelte sie und spürte erleichtert, wie sich ein kleiner Knoten in ihrer Brust löste. Ihr ... nun, ehemaliger Arbeitgeber und all die Erinnerungen, die sie mit der Sternenflotte, dem kläglichen Ende ihrer Karriere verband, machten sie stets im ersten Moment nervös.

Schaudernd dachte sie an ihre letzte Begegnung mit der Sternenflotte und den kurzen Dialog mit ihrem Bruder Julian, dessen Karriere sie so leichtfertig riskiert hatte. In diesem Moment war es natürlich die logische Möglichkeit gewesen. Aber auch ihre eigene Entlassung und die Zerstörung aller Ordnung in ihrem Leben beruhte immerhin auf zwingender Logik, erinnerte sie sich etwas sarkastisch.

Ein wenig den Kopf schüttelnd erinnerte sie sich an Realität. "Vielleicht sollten wir sie rufen", schlug sie pragmatisch vor, "Vielleicht sagen sie uns ja von alleine, was sie hier wollen. Wenn jemand an Bord ist, haben sie uns ohnehin schon bemerkt"

Hin- und hergerissen zwischen den beiden Meinungen schüttelte Ruben ablehnend den Kopf und wandte sich hüstelnd an Alnak: "Da im Asteroidenfeld eine Suche nach Bodenschätzen aufgrund der Sensorstreuung unmöglich ist, müsste die Shuttlecrew wissen, dass es hier etwas zu schürfen gibt. Wenn Sie sich erinnern, wie zufällig sie selbst damals auf das Dilithium stießen, halte ich diese Möglichkeit für abwegig..."

Kopfkratzend brach er seine Erklärung ab, nachdem der Romulaner ihn mit einem ärgerlichen Blick bedacht hatte. Wahrscheinlich witterte Yhea überall Gefahr...

"Wenn wir sie rufen, machen wir sie nur auf uns aufmerksam. Besser wäre es direkt runterzubeamen und zu gucken, was die Fremden machen. Denn eine ernsthafte Antwort werden wir garantiert nicht bekommen, oder?", setzte Wagenvoort nach und hoffte, dass wenigstens Jordan ihm beipflichten würde.

Chi-Lo erhob sich und ging auch nach vorne, um durch die Frontscheibe mehr sehen zu können.

Nun, die Situation, die sich ihm hier darbot, war ja wohl eindeutig. Nur würden die fröhlichen Blumenkinder um ihn herum wohl kaum von selbst auf die naheliegendste Erklärung kommen.

"Wenn die Insassen dieses Shuttles tatsächlich Waren abladen", sagte er daher bedächtig, "so wird es sich aller Voraussicht nach um 'heiße Ware' handeln." Ansonsten würden sie ihre Ware nämlich in einem offiziell betriebenen Warenlager ablegen. Das hätte den Vorteil, dass der Besitzer der Ware den Warenlagerbetreiber regresspflichtig machen könnte, wenn der Ware etwas zustößt. Wenn der Ware hier etwas passiert, ist sie einfach futsch...

Zudem ist der Weiterverkauf aus einem Lager heraus, dass ich an einer Handelsroute befindet, wesentlich einfacher, als wenn sich das Zeug irgendwo im Niemandsland befindet.

Wer auf den Vorteil eines offiziellen Lagers verzichtet, kann eigentlich nur zwei Gründe dafür haben:

Entweder muss er - auf Kosten der Sicherheit - wirklich dringend sparen, oder aber diese spezielle Ware kann aus irgendwelchen Gründen unmöglich in einem offiziellen Lager untergestellt werden. Üblicherweise, weil sie illegal ist. Für Illegalität spricht auch, dass man hier im Asteroidenfeld praktisch nicht scannen kann. Ein sauberes Versteck, das wir uns vielleicht merken sollten"

Der Chinese wusste, wovon er sprach: Bajoraner zum Beispiel konnte man unmöglich offiziell einlagern...

"Ich schlage vor, uns unsererseits zu verstecken, bis diese Burschen wieder weg sind. Danach können wir uns in aller Ruhe ansehen, was diese Leute freundlicher Weise für uns zurückgelassen haben. Dem Maquis mangelt es doch immer an allem, oder?

Ansonsten kenne ich aber auch ein paar gute Abnehmer, die auch - ungewöhnliche - Ware abnehmen und nicht nach der Herkunft fragen."

Er machte eine kurze Pause und sagte dann weiter: "Wenn die Burschen hier wirklich was ausbaldowern, dann werden sie an Mitwissern nicht sonderlich interessiert sein. Sie anzufunken könnte also leicht zu... Gesundheitsschäden... führen..."

Der Ferengi musste den Kopf schütteln. Was war das nur für ein komischer Haufen?

Endlich meldete er sich auch zu Wort:

"Im Gegensatz zu Ihnen bin ich nicht der Meinung, dass es sich hier um normale Schmuggler handelt.

Diese hätten nämlich auf ihr risikoreiches Geschäft mit der Schmuggelei verzichtet und langsam aber sicher auf relativ bequeme Art begonnen, dieses Dilithiumfeld auszubeuten und den Ertrag langsam aber sicher unter die Leute zu bringen.

Der plötzliche Anstieg an Dilithium wäre nämlich registriert worden

- Sie können sicher sein, dass alle Bewegungen auf dem Dilithiummarkt sehr genau von den verschiedenen Großmächten in diesem Quadranten beobachtet werden - und man wäre der Sache nachgegangen.

Dann hätten wir hier nicht nur ein Shuttle sondern eine ganze Bergbaukolonie vorgefunden. Natürlich schwer bewacht.

Ich halte hier eher zwei Möglichkeiten für wahrscheinlich:

Entweder es handelt sich hier ebenfalls um einen Zufallsfinder wie bei uns - dann befinden sie sich vermutlich gerade unten auf dem Asteroiden und kommen aus dem Staunen nicht heraus"

Gorm musste einmal schlucken. Als er nämlich wieder an den Reichtum dort "unten" dachte (selbstverständlich gab es kein "unten" im Weltraum), war ihm wieder das Wasser im Mund zusammengelaufen.

Eilig, bevor ihn die anderen unterbrachen, setzte der Mineralologe seine Ansprache fort:

"Die andere Möglichkeit wäre, dass es sich bei den anderen um eine kleine Gruppe handelt, die schon länger von diesem Vorkommen weiß und sich durch langsamen, unheimlich geschickten Verkauf allmählich daran bereichert, ohne dabei von jemanden bemerkt worden zu sein."

Der Chinese verdrehte die Augen. Typisch Ferengi! Nichts als Rohstoffmärkte im vierkammerigen Hirn!

"Gorm, deine erste Theorie weist einen kleinen Haken auf. Durch nichts, aber auch rein gar nichts, ist bewiesen, dass alle Asteroiden eine Mineralienzusammensetzung aufweisen, wie der, zu dem ich uns geführt habe"

Wurde ja wohl mal Zeit, klarzustellen, wem der Fund zu verdanken gewesen war.

"Reiß Dich mal aus Deinen Träumen der himmlischen Schatzkammer im Diesseits heraus und betrachte die Situation realistisch! Das könnte auch der einzige Dilithiumasteroid im gesamten Feld gewesen sein. Wer in dieses Feld fliegt, braucht erst einmal ein Motiv. Und da das Dilithium selbst aus nächster Nähe hier nicht scanbar ist, entfällt ein gewichtiger Grund: Dilithiumsuche. Wer sollte schon in ein nichtscanbares Asteroidenfeld fliegen wollen? Am ehesten jemand, der dort etwas verstecken will."

Er wandte sein Gesicht vom Fenster ab und schaute nun den Ferengi an.

"Und wenn die Burschen hier schon seit einer Weile Dilithium abbauen würden, dann hätten sie garantiert besseres Equipment bei sich als diese betagte Föderationsausschussware. Also: Entweder sind diese Burschen, deiner zweiten Theorie folgend, tatsächlich zufällig auf einen Dilithiumasteroiden gestoßen und staunen sich gerade die Augen aus dem Schädel, oder aber sie verstecken Schmuggelgut - oder noch kostbareres.

Auf unser weiteres Vorgehen sollte dies alles jedoch keinen Einfluss haben. Wir sollten Mäuschen spielen"

Verwirrt schaute Wagenvoort den Chinesen an: 'Mäuschen spielen - vielleicht irgendeine asiatische Strategie, die dem Anschleichen im Stil einer Maus diente? Oder Chi-Lo hat sich eine kindliche Ader bewahrt...'

Andererseits: Ruben hatte Angst vor Mäusen. Diesen großen finsteren Augen, die eine dämonische Aura ausstrahlten. In dunklen Ecken versteckten die Bestien sich und warteten bestimmt nur auf die nächstbeste Gelegenheit über ahnungslose Menschen herzufallen!

"Ähm, besser nicht, würde ich sagen. Immerhin haben wir ein Ultimatum von McCarthy und ich will nicht im Vakuum enden, weil wir einen unterlegenen Fremden belauern", antworte der Niederländer und öffnete in einer seltenen autoritären Phase den Kom-Kanal, "Hier spricht die Silver Sun. Identifizieren Sie sich und ähh, nennen Sie Ihre Absichten, sonst...hmmm...na, werden Sie schon sehen!"

Zweifelnd blickte der Rest ihn an, bis Ruben schließlich wegschaute.

Aber irgendwer würde schon antworten.

"Sie werden schon sehen?", äffte Yhea den Niederländer nach und schaute ihn dann giftig an, "Sind Sie Wahnsinnig?"

Schnell aktivierte Yhea die Schilde und die Waffen und brachte etwas Abstand zwischen sich und das Shuttle. Schließlich konnte man ja nie wissen, was passierte. Doch ehrlich gesagt, passierte gar nichts. Das Shuttle schwebte immer noch regungslos über dem Asteroiden und eine Antwort war auch noch nicht gekommen.

"Sehen Sie", sagte er zu Wagenvoort, "das hätten Sie sich auch sparen können. Es scheint keiner da zu sein. Zu Ihrem Glück. Oder denken Sie, dass irgend jemand Respekt vor uns gehabt hätte, nach Ihrem Ruf? Jeder Klingone wäre in tosendes Gelächter ausgebrochen."

Kurz warf Yhea einen Blick zu Chedu, doch die verzog keine Miene. Ok, dann eben nicht jeder Klingone.

"Aber egal. Jetzt müssen wir überlegen, was wir machen. Sollen wir rüber beamen ins Shuttle? Vielleicht können wir so feststellen, wo sich die Crew befindet und was sie vor haben."

Chi-Lo wusste nicht, wie gut Alnak als Pilot war.

Wenn er beim Fliegen aber genau so leichtfertig große Risiken einging wie beim Beamen, dann war er jedenfalls als geradezu tollkühn zu bezeichnen.

"Wenn Sie mir sagen, wie man in diesem Verzerrungsfeld ohne Musterverstärker am Zielort einen sicheren Beamvorgang hinbekommt, dann können wir das von mir aus gerne machen", sagte er betont trocken, "Aber ohne Musterverstärker halte ich das Risiko für zu groß. Weil das Scannen hier nur eingeschränkt möglich ist, könnte der Eindämmungsstrahl seine Kohärenz verlieren, was einen Datenverlust mit sich führen würde" Der Chinese machte eine Kunstpause. "Und was das bedeuten würde, brauche ich hier niemanden zu erklären."

Wieder machte er eine rhetorische Pause.

"Wenn also niemand eine Idee hat, wie wir dort Musterverstärker hinbekommen", sagte er weiter, "dann schlage ich vor, doch lieber anzudocken. Glücklicherweise haben der Raider und das Shuttle Föderationsluftschleusen, sind also miteinander kompatibel. Alternativ könnten wir natürlich auch Raumanzüge anziehen und ein Loch in die Wand des Shuttles schneiden, aber das scheint mir denn doch unnötig zu sein. Jedenfalls werde ich unter diesen Umständen nicht beamen. Ich bin nicht lebensmüde."

'Seid wann?', dachte Gorm genervt, als er sich an seine vergangenen Abenteuer mit dem Chinesen erinnerte.

Ein bisschen war der Ferengi allerdings beleidigt, weil man seine Bedenken einfach so fortgewischt hatte.

Außerdem mangelte es den drei Streithähnen anscheinend an Logik.

"So gefährlich sollte der Beamvorgang eigentlich nicht sein. Immerhin hat das die Besatzung des anderen Shuttles ja auch getan. Wenn die einen Musterverstärker aufgebaut haben, dann können wir den doch auch benutzen. Der müsste doch recht einfach anzupeilen sein.

Ich glaube nicht, dass sie so einen Verstärker aufbauen und dann sicherheitshalber gleich wieder abbauen. Das wäre ja unnötige Mehrarbeit. Mit unserem Auftauchen konnten sie ja schließlich nicht rechnen."

"Ihr macht euch vielleicht unsinnige Gedanken", bemerkte Yhea trocken und schüttelte den Kopf. "Keine Ahnung von der Materie aber hier große Sprüche kloppen. Wenn ich sage, wir können uns rüber beamen, dann können wir das auch. Also stellt die Diskussion ein und entscheidet lieber, wer da rüber will."

'Die tun grad so, als wollte ich sie in ein schwarzes Loch beamen', dachte Yhea und rief die Transporterkontrollen auf. Zwar war es in dieser Situation nicht einfach zu beamen, doch unmöglich war es nicht. Außerdem mussten sie ja nur ein paar Meter überbrücken. Und dass konnte er auch blind und ohne Sensoren. Obwohl es ihm schon etwas in den Fingern juckte, einen der anwesenden Deppen in eine Wand hinein zu beamen.

"Also, wie sieht es aus? Wer will noch mal wer hat noch nicht?"

Schwitzend schluckte Ruben den Kloß runter. Warum musste sich eigentlich immer der Romulaner durchsetzen? Und wieso lief es immer darauf hinaus, sein Leben zu riskieren. Andererseits hatte er vielleicht wirklich Recht und es bestand keine Gefahr beim Beamen über vergleichsweise kurze Strecken.

Doch wer wollte schon seine wertvolle Existenz von dem Wörtchen "vielleicht" abhängig machen?! Am Besten war es wohl, wenn Yhea als Versuchskaninchen seine eigene Theorie bestätigte:

"Mister Alnak, da Sie so großes Vertrauen in den Transporter setzen, haben Sie ja sicher nichts dagegen, wenn Sie als erster herüberbeamen und die Vorhut bilden!"

So langsam zweifelte Yhea wirklich an Wagenvoort. War der Typ einfach nur total bekloppt und durchgedreht oder tat der nur so.

"Eine Frage. Haben Sie ihr Gehirn etwa auf der Venture vergessen oder wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Wie soll das Ihrer Meinung denn funktionieren? Ich bin mehr oder weniger der Einzige hier an Bord, der den Transporter relativ sicher bedienen kann. Und dann soll ich mich als Erster selber rüber beamen? Und dann? Ich kann die nachfolgenden Personen dann doch schlecht von drüben beamen? Oder warten Sie. Klar, ich beame mich rüber und lasse meine Hände hier. Das könnte funktionieren."

Yhea tippte sich mit dem Finger an die Stirn und schüttelte den Kopf. Das einzige Wort, was ihm zu Wagenvoort einfiel, war Krank. Sehr Krank. Wenn das so weiter ging, dann würde er den Niederländer höchst persönlich zur Krankenstation schleifen, damit er endlich behandelt werden konnte.

"Und außerdem sind Sie der Sicherheitschef. Es ist Ihre Aufgabe, sich zuerst in die Gefahrensituationen zu stürzen. Ich bin Techniker und kein Spähtrupp."

Die Heftigkeit der Reaktion Alnaks überraschte Chi-Lo. Alnak schien geradezu Panik zu verspüren, wenn er schon einen Vorgesetzten derart vor der ganzen Mannschaft zusammenstauchte.

Folglich war der Beamvorgang mitnichten so ungefährlich, wie er allen weisszumachen versuchte.

Als der Begriff "Sicherheitschef" fiel, zuckte Chi-Lo unwillkürlich zusammen. Dieser wahnsinnige Niederländer kam gleich mit 'Sicherheit' auf den Gedanken, seinen Untergebenen, also Chi-Lo selbst, loszuschicken.

Aber da hatte er sich geschnitten! Gefährliche Einsätze waren eine Sache, klare Selbstmordmissionen aber etwas ganz anderes!

Er würde sich nicht beamen lassen, fertig!

"Mr. Alnak", flötete er, "da ich einen Beamvorgang unter diesen Umständen für Selbstmord halte, werde ich ganz sicher nicht beamen. Selbstmordmissionen können mir auch nicht befohlen werden!", fuhr er mit einem scharfen Blick in Richtung Wagenvoort fort.

"Aber ich habe schon öfters mal gebeamt. Wenn das Beamen so ungefährlich ist, wie sie ja der Überzeugung sind, werde ich sie gerne herüberbeamen!"

'Kindergarten', das war das erste, was Yhea dazu einfiel. Aber jetzt war genug. Es reichte, wenn Wagenvoort die ganze Zeit unsinnige Dinge von sich gab, aber jetzt auch noch Chi-Lo? Nein, das war genug.

Er drehte sich wieder um zur Steuerkonsole, deaktivierte die Schilde und die Waffen und steuerte auf das Shuttle zu. Wenn sich keiner beamen lassen wollte, dann bitte. Er hatte kein Problem damit. Aber er hatte keine Lust, sich von diesem Chinesen beamen zu lassen. Dafür hatte dieser schon genug Mist gebaut.

Vorsichtig drehte Yhea den Raider herum, aktivierte die Andockklammern, als er sich nahe genug am Shuttle befand und verriegelte beide Schiffe miteinander. Nachdem er in der Luftschleuse den Druckausgleich abgeschlossen hatte und der Computer ihm grünes Licht angezeigt hatte, drehte er sich wieder zu den Angsthasen um.

"So, jetzt will ich aber kein Wort mehr hören. Wagenvoort und Chi-Lo, gehen Sie rüber und klären endlich, was hier abgeht."

'Soso. Auf einmal ist Beamen also doch keine gute Idee, und man kann andocken. Interessant!', dachte sich der Chinese, verkniff sich aber jeden Kommentar. Schließlich wusste er, wann es besser war, zu schweigen.

"Ich gehe zuerst!", sagte er und nahm sich einen Phaser aus dem Waffenschrank.

"Wagenvoort, ich schlage vor, wir halten über den Kommunikator Kontakt. Wenn die Lage geklärt ist, rufe ich sie nach."

Von allen Dingen auf dieser Welt, die er nie erleben wollte stand 'diesen verrückten Holländer mit einem Phaser in der Hand im Rücken haben' ganz weit oben auf der Liste...

Inständig hoffte er, dass der hasenfüßige Holländer seinen Vorschlag dankbar annehmen würde, als er den Knopf betätigte, der die Trennwand zwischen den beiden Raumgleitern entfernte. Der Holländer würde in seiner angeborenen Panik vermutlich in den harmlosesten Situationen schießen - und versehentlich einen gewissen Chinesen dabei in zwei Teile zerlegen. Oder aber er würde versuchen, auf einen reellen Gegner zu feuern. Und ebenfalls den Asiaten filetieren.

Chi-Lo war klar, dass Wagenvoort niemals in der Sternenflotte gedient haben konnte, bevor er auf die Venture kam. Leute wie er pflegten bereits als Fähnrich von tausend Feinden umringt aus reiner Nervosität zu feuern, was natürlich immer einen tödlichen Gegenschlag aus 999 Phasern zur Folge hatte. Das hatte in der Sternenflotte lange Tradition. Sicherheitsfähnriche mit dem Charakter von Wagenvoort wurden in der Sternenflotte nie alt. Meist schafften sie es nicht einmal, ein Wort mit dem Captain zu wechseln, bevor sie starben.

"Ähh, einen Moment noch Chi-Lo!", winkte Ruben den Chinesen zurück, woraufhin dieser grummelnd zu ihm zurückkam, "ich gehe doch recht in der Annahme, dass der Phaser hier auf Betäubung gestellt ist und absolut keine Gefahr für den Getroffenen besteht?"

Sein Untergebener schaute ihn augenrollend an und in seinen Augen schien sich ein leichtes Zucken zu manifestieren, aber schließlich nickte Hu-Wang nur und guckte verwirrt zu Boden.

"Vielen Dank, weil ich möchte Mister Alnak ja nicht ernsthaft verletzten", fügte er ehrlich dankbar hinzu und wandte sich nervös lächelnd zu dem Ingenieur, der ihn seit Monaten wie einen Idioten behandelte, vor Untergebenen bloßstellte und sich bei jeder Gelegenheit über sein Kommando hinwegsetzte, "Aber Strafe muss sein, ob Sternenflotte oder Maquis!"

In einer Sache war Wagenvoort sich wenige Sekunden später sicher: Er würde niemals den dämlichen Gesichtsausdruck des Romulaners vergessen, kurz bevor dieser auf dem mit grauen Teppich ausgelegten Boden aufschlug.

"In ein paar Stunden wird er wohl wieder aufwachen", war der einzige Kommentar des Niederländers, während ihm für das Blitzen eines Momentes die stille Befriedigung und der Triumph ins Gesicht geschrieben war, "Na ja, wenigstens hoffe ich das - Chi-Lo, da wartet glaube ich ein Shuttle auf uns!"

Der Ferengi-Wissenschaftler starte noch auf den bewusstlosen Körper.

Gorm konnte nicht glauben, was der komplexbehaftete Sicherheitler da gerade getan hatte. Er war sich sogar sicher, auch auf Chi-Los Gesicht so etwas wie Überraschung gesehen zu haben und das sollte schon einiges bedeuten!

Der Mineraloge wandte sich an die verbliebenen Mitglieder der Crew, insbesondere an seine klingonische Freundin: "Ich hoffe, jemand von euch kann halbwegs mit den notwendigen Systemen hier auf den Shuttle umgehen. In einer Gefahrensituation bin ich außer als Navigator oder Pilot nicht wirklich zu etwas zu gebrauchen."

Nervös begann der Ferengi an seinen Ohren zu zupfen: "Das ist nicht gut .... das ist gar nicht gut ...."

Die Nervosität ihres kleinen Freundes riss Chedu aus der Verblüffung über Wagenvoorts Tat.

"Durch die Kurzschlussreaktion dieses P'tachs haben wir auf jeden Fall den fähigsten Techniker an Bord für eine Weile verloren.

Wo war da ihr Superhirn?" Die Klingonin packte wütend knurrend den plötzlich paralysierten Mensch am Kragen und schüttelte ihn heftig.

Beim Anblick des verängstigt zitternden Mannes der gerade noch den starken Macker heraushängen lassen wollte verursachte in ihr Übelkeit. Sie entriss ihm seinen Phaser und ließ Wagenvoort angewidert fallen.

Nach Beherrschung ringend ging sie zu Gorm rüber und versuchte einen halbwegs ruhigen Tonfall zu finden.

"Solange niemand beamen will, oder plötzlich Warp 10 verlangt, habe ich alles unter Kontrolle.

... Bis auf Chi-Lo" murmelte sie noch unverständlich.

Das Geschehen nicht beachten, schob sich Jordan nach vorne, nachdem sie ihr Medikit ergriffen hatte. Leise Flüche und etwas von "...Narr... aufgeblasene Romulaner... Einer nicht besser als der andere" vor sich hinmurmelnd und mit verärgert gerunzelter Stirn kniete sie neben dem Romulaner nieder, öffnete den Koffer und suchte nach den richtigen Hyposprays.

"... bei der Sternenflotte nie passiert...", war noch zu hören, während sie einen kurzen Blick auf ihre Tricorderanzeigen warf, und: "...Ego zu gründlich genetisch aufgewertet...", der Rest ging in unartikulierte, leise Flüche unter. Die Ärztin fühlte sich mit einem Mal wie die Amme in einem Kindergarten voller psychisch Beeinträchtigter. Und ihrer Meinung nach hinkte der Vergleich nicht mal nach gründlicher Prüfung. Dass sie beinahe den Finger einklemmte, als der Kofferdeckel aufgrund eines ausgeleierten Verschlusses plötzlich zu fiel, verbesserte die Situation nicht gerade.

Sie hoffte wirklich, auf dem anderen Shuttle würden sich ein paar *fähige* Leute befinden. Wenig mitfühlend drückte sie Alnak eine gute Dosis Diazradol in den Hals.

Kopfschüttelnd wartete sie ab, dass der Romulaner wieder erwachte.

'Autsch!', dachte Ruben, während sein Selbstbewusstsein sich wieder in der Höhle verkroch, wo es seit Jahren versteckt lebte, 'Die Klingonin hat mir irgendeinen Nerv im Rücken abgeklemmt, ich kann meine Füße nicht mehr spüren!'

Panik kroch seinen Körper hoch und er stand kurz vor einem Schreikampf, als ein Zwicken in seinem linken großen Zeh das Aufwachen seiner Beine wieder ankündigte. Vorsichtig bewegte er sich und atmete erleichtert auf, als Chi-Lo sich meldete.

Seufzend nahm Chi-Lo der Klingonin den ihm zustehenden Phaser aus der Hand.

"Nun, dann will ich mal mit der Mission fortfahren", sagte er trocken.

Im Stillen dankte er Chedu dafür, dass sie den immer noch vor Angst schlotternden Sicherheitschef dermaßen eingeschüchtert hatte, dass er nun vollkommen paralysiert dastand - und das vermutlich auch für die nächsten drei Stunden bleiben würde. Jedenfalls würde er nicht versuchen wollen, dem Chinesen bei der Außenmission zu helfen, was das Leben erst einmal bedeutend sicherer erscheinen ließ.

Mit erhobenem Phaser betrat er das unbekannte Shuttle.

--- Shuttle

Hier drinnen schien alles ruhig zu sein. Viele Verstecke gab es nicht, und so war die Inspektion recht schnell beendet.

Er checkte die Computeranzeigen und pfiff durch die Zähne. Die Crew dieses Shuttles schien vom Wahnsinn ummantelt zu sein. Die hatten sich doch tatsächlich durch das Streuungsfeld gebeamt! 'Nun, korrigierte er sich in Gedanken, 'wenn sie denn überhaupt dort angekommen sind...'

"Chi-Lo an Silver Sun", sagte er, indem er seinen Kommunikator betätigte.

"Dies ein Typ C6 Shuttle. Maximalgeschwindigkeit Warp 1, sie müssen also ein Mutterschiff in der Nähe haben. Besatzung: maximal 8 Passagiere. Die Vögel sind ausgeflogen. Wie es scheint, wollten sie sich auf den Asteroiden vor uns beamen. Ob sie es geschafft haben, oder ob sie sich im Subraum in eine Dunstwolke verwandelt haben, vermag ich aber nicht zu sagen. Schließlich kann man den Zielort nicht scannen. Der Entmaterialisierungsvorgang erfolgte vor ca. 30 Minuten. Wie kann man nur so dämlich sein und niemanden als Notfallwache zurücklassen? Ich denke, es werden weit weniger als acht Passagiere gewesen sein. Sie müssen alle Mitglieder auf dem Asteroiden benötigt haben, sonst wäre eine Wache zurückgelassen worden. Keine Kampfspuren erkennbar. Erbitte weitere Instruktionen."

Im Stillen freute er sich schon über das nun zweifellos ausbrechende Chaos auf der Silver Sun. Wagenvoort war handlungsunfähig, Alnak bewusstlos - wer sollte da Instruktionen erteilen, und mit welcher Berechtigung? Vielleicht würden ja doch noch alle einsehen, dass einzig und allen Chi-Lo Hu-Wang der geborene Anführer war.

"Hier Wagenvoort, sichern Sie das Shuttle und finden Sie heraus, zu welchen Koordinaten sich die fremde Crew gebeamt hat. Bevor wir keine Klarheit haben, können wir mit der Mission nicht begingen!", antwortete der Niederländer dem Chinesen, wandte sich aber auch an die ganze Mannschaft.

Ihr Götter! Wie der Chinese diese Stimme hasste! Musste dieser retardierte Käsefresser so schnell wieder zu sich finden? Jedes Mal, wenn Chi-Lo Führungsqualitäten hätte beweisen können, kam dieser Hollände und machte alles zunichte! Und was seine 'weiteren Instruktionen' anging, die waren ja wohl ein Witz.

"Sir, das Sichern des Shuttles war meine eigentliche Aufgabe, wie sich erinnern. Deswegen bin ich hier. Und das sich die Crew auf den Asteroiden vor uns beamen wollte, habe ich doch schon gesagt. Wo genau auf diesem Asteroiden, ist inzwischen unmöglich zu sagen, weil inzwischen etwas Zeit vergangen ist und die Bewegungsmuster in einem Asteroidenfeld chaotisch sind, also nicht linearer Mathematik folgen.

Mit anderen Worten: Auftrag ausgeführt, erbitte weitere Instruktionen."

--- Raider Silver Sun

Gorm hörte den verhinderten Anführer an: "Wenn ich richtig verstanden habe, dann sitzen die dort unten fest, solange wir ihr Shuttle in der Hand haben.

Den Computer umzuprogrammieren sollte für mich kein Problem sein.

Ich würde dringend raten, das Shuttle auf eventuelle Fallen zu durchsuchen, die gegen fremden Zugriff sichern sollen.

Im günstigsten Fall haben wir dann sogar drei Schiffe zum Abbau zur Verfügung.

Außerdem wäre ich auch dafür, die Venture zu verständigen, falls sich denen ihr Mutterschiff noch irgendwo hier herumtreibt."

Langsam aber sicher kam Yhea wieder zu sich. Und das erste, was er wahrnahm, waren dröhnenden Kopfschmerzen. Vorsichtig erhob er sich und rieb sich dann seinen Kopf. Verdammt, er würde eine ganz schön große Beule bekommen. Und zwar an der Stelle, wo er beim Umfallen mit dem Kopf gegen die Konsole geknallt war.

Wütend blickte er sich im Raider nach Wagenvoort um: Dieser Wicht wird leiden müssen. Ja, auf jeden Fall. Betäubt einfach so den Chefingenieur. Das konnte er nicht tun. Er würde sich beim Captain beschweren. Garantiert. Und er selbst würde sich auch noch eine passende Strafe für den Niederländer ausdenken. Irgend etwas, wo drauf niemand kam. Das klang gut. Ja, so würde er es machen. Doch jetzt musste er sich erst mal zurück halten. Er würde so lange warten, bis Wagenvoort nicht damit rechnete.

Er setzte sich wieder und griff nach seiner Kaffeetasse. Während er von seinem Kaffee trank, warf er dem Sicherheitschef böse Blicke zu. Der würde noch sein blaues Wunder erleben.

Als Gorm mit der Idee kam, die Venture zu verständigen, nickte Yhea stumm. Ja, McCarthy musste wissen, was hier vorging.

"Gorm, kommen Sie her. Leider können wir die Venture nicht auf dem direkten Weg erreichen. Deswegen werde ich eine Sonde schicken. Also speichern Sie ihre Nachricht und ich werde Sie dann abschicken."

"Machen Sie es so, gute Idee, und fügen Sie gleich Ihre offizielle Beschwerde an den Captain hinzu, falls Sie nicht bis zur Rückkehr warten können", segnete Ruben den neuerlichen Plan ab, während er an die Reaktion von McCarthy dachte.

Mit 73.24%iger Wahrscheinlichkeit würde dieser abwinken und Alnak die Problemlösung überlassen. Und falls es doch zu einer Verhandlung kam, konnte der Niederländer immer noch Subordination sowie unehrenhaftes Verhalten anführen - und der Captain hasste so was! [*gg*]

"Ach, ähhh, Chi-Lo, aber es ist Ihnen doch sicher bewusst, dass man trotz der dynamischen Gravitationsbewegungen eine relative Position des Zielpunkts dem Transporterlogbuch entnehmen könnte?", wandte er sich dann per Kommunikator an den Chinesen, auch wenn ein Anheben der Stimme den gleichen Effekt gehabt hätte. Aber den Niederländer schreien zu hören war so wahrscheinlich wie ein Klingone der mit einem Teddy spielte...

"Jedenfalls halten Sie die Stellung, ich bin in Kürze bei Ihnen - vielleicht lassen sich dem Shuttlecomputer ein paar wertvolle Hinweise entlocken", fügte er hinzu und machte sich gleichzeitig auf den Weg. Als er das Schott passierte, kamen ihm kurz sämtliche Gefahren in den Sinn, die aus der gegenwärtigen Situation entwachsen könnten:

Das Shuttle gehörte einer Horde Nausicaaner.

Die Luft war mit einem tödlichen Virus infiziert.

Fremde Subraumwesen hatten die fremde Crew getötet.

Ein filikiaaanischer Offizier betrieb hier ein geheimes Wettbüro.

Eine Gruppe Cardassianer entwickelte in dem Asteroiden biogene Waffen, die der Vernichtung aller fremden Großmächte und der anschließenden Beherrschung der Galaxie dienen sollte.

Im Inneren des Asteroiden lagerten Menschen aus der Vergangenheit in Kryostase-Behältern und warteten darauf, von irgendjemandem wiederbelebt zu werden, um-

Beim Anblick des Chinesen unterbrach er sich mental. Manche Dinge waren einfach zu absurd, als dass sie jemals eintreffen würden.

"Dann werde ich mal sehen...", murmelte der Sicherheitschef noch leise, während er sich voll auf das Terminal zu konzentrieren begann und in eine andere Welt abtauchte.

Clint hatte das Geplänkel zwischen den Crewmitgliedern wortlos beobachtet. Er war den Umgang mit allzu emotionalen, und damit irrationalen, Wesen gewöhnt, weshalb ihn das merkwürdige Verhalten nicht weiter alarmierte. Schließlich beschloss er selbst nach dem Rechten zu sehen und ging durch die Schleuse in das fremde Shuttle.

--- Shuttle Reality

Während Wagenvoort versuchte, Informationen aus dem Computer zu extrahieren schaute sich der Wissenschaftler im Shuttle um. Dieser Chi-Lo schien sich nur oberflächlich umgesehen zu haben, ansonsten wäre ihm wohl etwas Offensichtliches nicht entgangen. Im dem Spind für Raumanzüge war eine der Verankerungen leer.

An den Chinesen gewandt sagte er: "Wenn sie bitte kurz herschauen könnten. Wie sie sehen fehlt einer der Raumanzüge. Das legt die Vermutung nahe, dass das Shuttle von nur einem Mann besetzt war, der sich in eine lebensfeindliche Umgebung gebeamt hat. Jetzt wissen wir warum es keine Wache gibt. Jedenfalls ist das die logischste Schlussfolgerung"

Der Chinese konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er auf die Anzeigen der Transporterkonsole wies.

"Vor 33 Minuten beamten sechs Personen auf den Asteroiden. Ich bezweifele mal, dass sie nur einen Raumanzug mitgenommen haben. Ach ja, Mr. Wagenvoort, sie beamten auf die Koordinaten 127,967 zu 345,738. 28 Meter vom Shuttle entfernt. Sicher ist, dass sich zu dieser der Asteroid auf diesen Koordinaten befand. Nur leider ist aufgrund der chaotischen Bewegungen nicht zu sagen, in welcher exakten Lage sich der Asteroid befand."

Er erhob kurz die Stimme: "Gorm, wir könnten ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten hier gebrauchen. Es geht um die Entwicklung eines Algorhythmus zur Rückverfolgung von an sich chaotischen Bewegungsprozessen. Wir müssen wissen, an welche Position sich die Unbekannten am Wahrscheinlichsten gebeamt haben"

Dann wandte er sich wieder an den Breen: "Dies hier ist ein sehr altes Shuttle, das zudem seit längerer Zeit nicht mehr im Sternenflottendienst zu stehen scheint. Wir können nicht erwarten, hier alles vollzählig und im besten Wartungszustand anzutreffen. Weder Raumanzüge, noch sonst irgendetwas."

Einer plötzlichen Eingebung folgend, drehte er sich um und bediente eine weitere Konsole.

"Bingo!", rief er erfreut. "Warum bin ich nicht gleich auf die naheliegendste Idee gekommen? Hier sind ja die Shuttledaten. Das Shuttle gehörte zu einem Schiff namens "Last Hero". Schulschiff der Föderation. Mehr kann ich aber nicht sagen, weil offensichtlich seit Jahren keine Logbücher mehr geführt werden. Das spricht dafür, dass schon seit einiger Zeit nicht mehr die Föderation dieses Shuttle nutzt. Es könnte sogar sein, das dieses Shuttle schon seit längerer Zeit gar nicht mehr zum Mutterschiff gehört. Gorm? Wo bleiben Sie? Wir müssen den Punkt, auf dem die Crew gebeamt ist, herausfinden. Außerdem sollten sie mal schauen, was sie dem Shuttelcomputerkern an weiteren Informationen entlocken können."

"Ich glaube nicht, dass Letzteres nötig sein wird", antwortete Ruben ungefragt dem Chinesen, während er die Datensätze auf dem Terminal las, "die Datenbank war nur minimal verschlüsselt, was angesichts des betagten Computerkerns wohl keine Überraschung ist. Jedenfalls hat dieses Shuttle vor wenigen Stunden den Leitstrahl der "Last Hero" empfangen, folglich befindet sich das Mutterschiff wahrscheinlich in Wartestellung außerhalb des Asteroidenfeldes. Das Schiff verfügt über keine besonderen Umbauten und ist in einem durchschnittlichen Wartungszustand..."

Nuschelnd übersprang der Niederländer einen Datenblock, der lediglich eine Übersicht der letzten Reparaturen, hauptsächlich Kleinigkeiten, enthielt, als er plötzlich in der System-Ereignisanzeige auf eine interessante Eingabe traf:

"Vor dem Abflug hat irgendjemand den internen Alarm für Sprengstoffe aller Art deaktiviert - und zwar mit Kommandopriorität! Die Fremden müssen also definitiv Bergbau betreiben wollen"

"Last Hero?", überlegte Clint laut, "Der Name klingt vertraut. Wenn mich nicht alles täuscht war dies ein ausrangiertes Föderationsschiff, welches auf seinem Weg zur Demontierung von Klingonen gekapert wurde. Ich habe diese Geschichte vor einigen Jahren in den Nachrichten gehört"

"Wenn wir es hier mit klingonischen Piraten zu tun haben, sollten wir uns bewaffnen und auf einen Kampf vorbereiten. Es könnte natürlich sein das sie das Schiff in Einzelteilen weiterverkauft haben, z.B. dieses Shuttle. Wir sollten jedenfalls sicher gehen", fuhr er fort und berührte seinen Kommunikator, "Miss Jordan, könnten sie hier nach DNA Spuren scannen, damit wir wissen mit wem wir es zu tun haben?"

Unwillkürlich begann Chi-Lo mit Lockerungsübungen, noch während Clint sprach. Klingonen waren verdammt harte Gegner, da galt es, geschmeidige Muskeln zu haben.

Über Chedu machte er sich keine Sorgen. Sie würde wohl kaum zu ihren Artgenossen überlaufen. Nein, sie würde mit Haut und Haaren Gorm verteidigen.

Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Er ging an die Kontrollkonsole des Transporters und gab ein paar Befehle ein. Der typische Computerton quittierte seine Eingabe.

"So, wer immer auch dort unten ist, er wird sich nicht unbemerkt zu uns beamen können.", sagte der Chinese. "Ich habe den Transporter von der Energieversorgung abgekoppelt."

"Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist. Wenn die Fremden dort unten jetzt den Transporterbefehl geben, wissen sie das etwas nicht in Ordnung ist, und wir müssen uns auf einen entsprechenden Empfang vorbereiten, wenn wir die Koordinaten herauskriegen und hinunterbeamen. Bis jetzt wissen wir mehr als sie, das ist ein Vorteil, den wir nicht aufgeben sollten", gab der Halbbreen zu bedenken.

"Die Kontrolle des Shuttles ist ein größerer Vorteil, der selbst eine Veränderung des Informationsgefälles aufwiegt. Selbst die Erkenntnis über kein Schiff mehr zu verfügen hilft der fremden Crew nicht von dem Asteroiden, was sie in eine eindeutig schlechtere Verhandlungslage bringt", warf der Niederländer schwitzend ein und wischte sich eine Schweißperle von der Stirn, "Jedoch sollten wir uns fragen, ob eine derart offensive Strategie in unserem Sinne ist. Denn ich sehe keine Notwendigkeit ein Shuttle zu kapern!"

Schwer atmend leckte er sich einen weiteren salzigen Tropfen von der Lippe, der sich während des Nachsatzes seinen Weg durch das Gesicht gebahnt hatte. Irrte Ruben sich oder war es gerade um mindestens fünf Grad wärmer geworden?!

Der Halbbreen schien nichts zu bemerken, aber immerhin war er als Wahlvulkanier ganz andere Temparaturen gewöhnt. Schließlich beschlich Wagenvoort ein spezieller Verdacht:

"Chi-Lo, könnte es sein, dass Sie aus Versehen die Umweltkontrollsysteme beeinflusst haben?"

Während die Männer sich unterhielten, war Jordan Clints Aufforderung gefolgt, hatte das Shuttle betreten und dem Halbbreen leicht zugenickt, während sie einen Tricorder zückte und ihre Umgebung scannte. Schlimm genug, dass man auf solche Detailarbeit zurückgreifen musste, weil eine Crew nicht fähig war, einfach ein Logbuch zu führen.

"Ich scanne hauptsächlich menschliche DNA-Spuren", wandte sie sich an den Wissenschaftler und unterbrach so den zur Antwort ansetzenden Chinesen. "Es scheinen sich auch ein Andorianer und ein... " Sie stutzte erstaunt. "Ein Ferengi an Bord befunden zu haben."

Nachdem sie sich kurz, einer Eingebung folgend, umgesehen hatte, fügte sie hinzu: "Der medizinische Notfallkoffer fehlt. Vielleicht ist er zu einer früheren Gelegenheit nicht ersetzt worden, aber möglicherweise bedeutet es auch, dass sich in der Gruppe ein Arzt befindet."

Ein Mediziner wäre gar nicht schlecht - Jordan sehnte sich nach kompetenter Gesellschaft. So recht konnte sie den Finger nicht darauf legen, aber aus irgendeinem Grund erschienen ihre Begleiter ihr zunehmend sträflich inkompetent, und sie wünschte sich sehnlichst ein wenig mehr Ordnung und Disziplin.

"Eine seltsame Mischung", kommentierte der Wahlvulkanier, "Allerdings könnte man dies auch von uns sagen. Es könnte eine Söldnertruppe, Schatzsucher oder Abenteurer sein, jedenfalls nicht die reguläre Besatzung eines Handels- oder Militärschiffes"

Irritiert betrachtete er Wagenvoort, der heftig zu schwitzen und zu keuchen begann. Auch bei Chi-Lo begannen sich langsam vereinzelte Schweißtropfen auf dem Gesicht abzubilden, während Jordan sich mit der Hand über die Stirn fuhr. Er selbst begann zu hohe Temperaturen erst dann zu spüren, wenn sein Körper Ausfallerscheinungen zeigte. Für seine Breenvorfahren hatte die Evolution scheinbar keinen Sinn in Temperaturfühligkeit gesehen.

Auch konnte er nicht schwitzen, und ohne eine aktive Körperkühlung konnte er schnell Schaden erleiden. Tatsächlich erfassten in plötzlich Schwindel. Schwankend machte er ein paar Schritte vorwärts und stützte er sich auf eine Konsole.

Jordan hatte bereits einen Schritt auf den Halbbreen zugetan, als sie es sich anders überlegte.

Mit zwei Schritten war sie an der nächsten Konsole und schaltete sich zum entsprechenden Menü durch, während ihr der Schweiß über die Stirn lief und sie leicht zu schwindeln begann. Schnell hatte sie die richtige Einstellung gefunden und die Temperatureinstellungen reguliert. Eine angenehm kühle Brise kam aus den Lüftungsschächten.

"Narren", knurrte sie und fuhr herum. Ihre ärztlichen Pflichten einen Augenblick lang vergessend, stemmte sie die Hände in die Hüften und sah von einem der anwesenden Männer zum anderen. Mit ein paar tiefen Atemzügen beruhigte sie sich selbst, bevor sie weiter sprach.

"Ich schlage vor, Sie beginnen jetzt, sich wie erwachsene Männer zu benehmen, Ihre kindischen Diskussionen zu vergessen und vor allem nicht an den Shuttlesystemen herum zu spielen, wenn Sie keine Ahnung davon haben", fuhr sie mit mehr als gereizter Tonlage fort. Ihr Ärger war daran ersichtlich, dass ihr britischer Akzent mehr als sonst durchzuschlagen begann.

"Chi-Lo, Sie stellen jetzt den Urzustand dieses Shuttles wieder her, Mr. Clint hat mit seinem Einwand völlig recht. Mr. Gorm, sind Sie mit Ihren Berechnungen bezüglich dem Standort dieses Außenteams weitergekommen? Mr. Wagenvoort, Chedu, sichern Sie verdammt noch mal dieses Shuttle und behalten Sie den Transporter im Auge, damit wir nicht unversehens überrascht werden."

Mit einem geknurrten "Gah!" schloss Jordan ihre Rede ab und klappte in einer heftigen Bewegung ihren Tricorder auf, um sich Mr. Clint anzusehen, bevor irgendjemand Einwände erheben konnte.

"Holla, da hat wohl jemand seine Tage!", murmelte der Niederländer kopfschüttelnd, bevor er mit hochrotem Kopf der Ärztin laut antwortete, "Ähh, also eigentlich ist das Shuttle schon sehr gesichert. Aber eigentlich ist mir eh nicht so gut, da könnte ich auch mal eine Pause machen..."

Ohne jeden weiteren Kommentar legte er seine Füße auf die Konsole, zwanghaft bemüht lässig zu wirken wie in jenen alten Filmen, die er damals in Amsterdam gesehen hatte. Doch irgendwie wirkte er eher wie ein verkrampfter nekrophiler Inder, der an Durchfall litt.

Daher nahm er die Stiefel kurze Zeit später langsam wieder von dem Terminal, während seine Nase ganz besonders heftig zu jucken begann.

Vielleicht sollte er die Ärztin nach einer salbe fragen?

"Das ist überhaupt keine schlechte Idee, Mr. Wagenvoort", erwiderte Jordan knapp und recht trocken. Das Gemurmel des Holländers war ihr nicht entgangen. Mehr sagte sie nicht dazu.

Sie klappte jetzt ihren Tricorder wieder zu und half Clint auf die Beine. Dem Wissenschaftler ging es nach dem Schwindelanfall scheinbar schon wieder gut.

Jordan hatte nicht gerade das Verlangen, einen Trupp von Chaoten irgendwohin zu kommandieren, immerhin bedeutete das auch ein Maß an Verantwortung, das sie gerne ihren Vorgesetzten - beispielsweise dem Sicherheitschef - überließ. Andererseits wollte sie auch gerne noch ein paar Jahre leben.

Daher verschränkte sie ruhig die Hände hinter dem Rücken, ignorierte Wagenvoort, sah sich um und wartete darauf, dass man ihre Befehle ausführte.

Oder auch nicht.

Eine plötzlich funken stiebende Konsole lenkte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich.

Chi-Lo eilte augenblicklich zu einer anderen Kontrollkonsole. "Mr. Wagenvoort, am Lebenserhaltungssystem war ich gar nicht. Das ist von der Transporterkonsole aus sowieso vollkommen unmöglich. Zumindest mir...", sagte er. Sternenflotteningenieure konnten ja bekanntlich jedes Gerät zu jedem möglichen und auch unmöglichen Anwendungsgebiet überreden, aber zu dieser erlesen Gruppe zählte er selbst ganz sicher nicht.

"Oh, verdammt!", fluchte der Asiat herzhaft, als ihm die Konsolenanzeigen die Wahrheit offenbarten.

"Diese verdammten Idioten! Es sieht so aus, als wären beim Transportversuch der anderen Crew auf den Asteroiden die Scanner überlastet worden. Das führte zu einer Überlastung der Sensorkühler. Das Schiff hat dann automatisch die Sensorverkleidungsklappen geöffnet. Dadurch soll normalerweise eine bessere Wärmeabstrahlung erreicht werden. Ich weiß nicht genau, aber ich vermute, dass... nun, es könnte ein Dilithiumkörnchen gewesen sein..., dabei in die Sensorsphalanx geraten ist. Das führte zu einer nochmals ungleich höheren Strahlenbelastung. Die abermalige Überlastung der Sensoren führte zu einer Feedbackschleife, die sich bis zum Lebenserhaltungssystem vorgearbeitet. Das Ergebnis war eine langsam ansteigende Temperatur."

Nun wandte er sich der Ärztin zu. "Sie haben eben die Temperaturregler heruntergestellt. Das führte zu einer doppelten Überlastung des Systems. Feedbackschleife zu Erwärmung auf der einen, Kühlung auf der anderen Seite. Das brannte den Controller aus. Mit anderen Worten: Die Raumtemperatur hier wird sich recht bald der des umgebenden Weltraumes anpassen. Ich bezweifle, dass die Silver Sun dieses Shuttle über die Schleuse mit regulieren kann"

Er erhob seine Stimme in Richtung Silver Sun. "Also, entweder fällt einem einer unserer Ingenieure ein, wie man ein Lebenserhaltungssystem ohne Controller regulieren kann, oder aber ich schlage vor, dieses Shuttle sofort zu evakuieren. In ein paar Minuten wird man hier nur noch im Raumanzug operieren können."

--- Raider Silver Sun

Gorm, der die ganze Zeit an der Nachricht an die Venture geschrieben hatte, die er in einem gebündelten Übertragungsimpuls an den Captain übermitteln wollte, hatte die ganze Zeit über Funk mitgehört.

Gereizt öffnete er die Verbindung: "Moment, Moment, ... Wunder dauern etwas länger!"

Kurz sah er auf die beiden Programme, die er vor dem Beginn der Nachricht gestartet hatte. Dann übermittelte er die Fortschritte an das andere Shuttle: "Also: erstens: nach den Berechnungen der damaligen Position des Asteroiden müsste das Außenteam genau in den Asteroiden gebeamt sein.

Zweitens: Ich habe natürlich ein zwei Programmchen, die den Computer des Shuttles etwas durch die Mangel gedreht haben.

Mit einem Passwort ist es jetzt bei geöffneter Funkverbindung möglich, alle Funktionen auf Stand-by zu schalten. Na ja, nicht alle: die grundlegensten Funktionen konnte ich nicht manipulieren - nicht so schnell. Die dürften aber trotzdem ziemliche Probleme haben, wenn sie zum Beispiel die Schilde hochfahren wollen.

Achja: Das Passwort ist "Nagus"

Drittens: Ich habe meinen Bericht an den Captain fertig. Will noch jemand etwas hinzufügen, oder soll ich ihn abschicken?

Viertens: Ich würde mal sagen; sie sollten den Transporter vielleicht doch deaktivieren. Ich glaube nicht, dass die andere Besatzung so begeistert von einer Innentemperatur von Null Grad Kelvin wären – nicht einmal der Andorianer

Fünftens: Ist das der Augenblick, wo ich in Panik ausbrechen soll?"

--- Shuttle Reality

Der Halbbreen atmete einige Male tief durch und fühlte sich nun wesentlich besser. Er dankte der Ärztin mit einem Kopfnicken. Die Aussicht, dass es im Shuttle bald wesentlich kühler werden könnte rief in ihm eher Gelassenheit als Besorgnis hervor. Natürlich waren Tiefsttemperaturen betreffend auch ihm Grenzen gesetzt, aber er würde es recht lang aushalten können.

"Ist es möglich die Transporterkontrolle zu übernehmen und die fremde Crew in unseren Raider zu beamen, wenn sie den Teleportationsbefehl auslösen? Wir könnten sie im Beamcache halten und eventuelle Waffen deaktivieren, außerdem könnten wir bestimmen wo sie rauskommen, z.B. im hinteren Teil des Raiders, abgeschirmt durch ein Kraftfeld", schlug er vor.

Seit Chi-Lo seinen Monolog beendet hatte, war Ruben in ein leises Wimmern versunken, während seine Stirn sich immer weiter der Konsole näherte.

'Verdammt, warum wird geht immer alles schief, wenn ich mal Verantwortung trage?', klagte er sich innerlich selbst an, erkannte aber eine Sekunde später, dass meistens inkompetente Mitarbeiter daran Schuld waren.

Aber verdammt, selbst das wurde ihm angekreidet!

Das Gefühlschaos verdichtete sich weiter bis er nur noch undeutliche Satzfetzen des großen Wissenschaftlers aufgreifen konnte.

Zitternd und leise röchelnd raffte er sich etwas weiter auf und überlegte, eine Niripsa beim Replikator zu ordern, dann entschied er sich aber dagegen. Sollte der bohrende Kopfschmerz doch zum Donnergrummel gehen:

"Bevor irgendwas sonst gemacht wird, beseitigen Sie bitte den Defekt. Wir lassen definitiv hier nicht das Shuttle zerstört zurück, um dann sechs Fremde an Bord zu beamen, die mit hartem Sprengstoff ausgerüstet sind und der sich auch vom Transporter nicht deaktivieren lässt!"

--- Raider Silver Sun

Yhea war kurz davor, die Verbindung zwischen dem Raider und dem Shuttle zu trennen. Gorm und er waren die Einzigen, die noch im Raider waren. Und Beide versuchten krampfhaft, die Systeme des Shuttles irgendwie am Leben zu halten. Aber Chi-Lo hatte es mal wieder geschafft, alles zu verkomplizieren. Zuerst hatte er die Transporterkontrollen verpfuscht, sodass Alnak nicht mehr die Möglichkeit hatte, von hier irgend etwas zu erreichen.

Und dann hatte Chi-Lo die Umweltkontrollen zerstört. Selbst mit Hilfe der Silver Sun konnte die Temperatur im inneren des Shuttles nur noch für zirka 30 Minuten aufrecht erhalten werden. Dann würde sie schlagartig absinken und niemand ohne Raumanzug würde da drin arbeiten können.

Also wie gesagt, es sah nicht gut aus. Wie immer. Die Anderen hatten wieder Spaß und er, Yhea Alnak, durfte wieder hinter her räumen. Wenigstens war Gorm bei ihm und unterstützte ihn bei der aufkommenden Arbeit. So hatten sie endlich die Nachricht fertig, die an die Venture geschickt werden sollte. Und ein paar Befehle später war sie auch schon auf dem Weg zum Captain.

"So, das hätten wir schon mal", sagte Yhea leise und aktivierte wieder die Verbindung zum Shuttle.

"Wagenvoort, Sie haben 30 Minuten, alles im Shuttle wieder in Ordnung zu bringen. Denn spätestens dann wird die Temperatur unerträglich niedrig sein. Länger hält das Lebenserhaltungssystem der Silver Sun nicht. Also beeilen Sie sich. Und wenn möglich, vergessen Sie Chi-Lo. Dann kann er bei uns nicht weiter machen mit seiner Zerstörungsorgie."

--- Shuttle Reality

Da war es wieder. Dieses leider nur zu wohl bekannte Phänomen. Alle beschuldigten immer den armen, unschuldigen Chi-Lo, an sämtlichen Katastrophen dieser Welt allein schuldig zu sein. Er hatte es gründlich satt.

Wer hatte die vulkanische Superagentin ausgeschaltet? Wer hatte das Dilithiumvorkommen entdeckt? Wer hatte durch seine Weigerung, sich beamen zu lassen, einen Totalausfall der Lebenserhaltungssystems verhindert?

Und dann musste er sich von einem zweitklassigen Piloten abkanzeln lassen, der es noch nicht einmal fertig brachte, seinem Vorgesetzten die Meinung zu sagen, ohne das dies gleich in einer Schiesserei ausartete!

'Wenn dieser Möchtegerningenieur nicht augenblicklich sein Klappe hält, dann bringe ich ihn um!', schwor sich der Asiat feierlich.

"Hu-Wang an Alnak!", knurrte der angegriffene Chinese in seinen Kommunikator. "Wie es scheint, wollen sie noch einmal eine Phasersalve von Wagenvoort abbekommen, so wie sie ihn wieder herumkommandieren. Aber ihre fetischistischen Vorlieben sollen mir egal sein. Dieses mal werde ich ihm den Phaser sogar persönlich überreichen!" Alnak konnte über den Kommunikator den typischen Quittungston eines Phasers, der verstellt wird, hören. "So", flötete Chi-Lo zuckersüß in den Kommunikator, "jetzt ist er auf Töten eingestellt."

Er deaktivierte den Kommunikator und brüllte nun Alnak durch die Luftschleuse an: "Hör mir mal zu, Du grünblütiges, romulanisches Spitzohr! Das Schiff wurde von der vorherigen Crew geschrottet. Das gleiche wäre auch mit unserem Schiff passiert, wenn wir deinem Rat gefolgt wären und gebeamt hätten!

Schiffsreparatur ist Ingenieurssache, Du misslungene Kreuzung aus einem Vulkanier und einem Mistkäfer! Schwing also mal Deinen Breitarsch vom Pilotensitz und mache Deinen Job, bevor Du andere Leute bezichtigst, Fehler gemacht zu haben!"

Der Ferengi war nur noch schockiert.

Diesen offenen Angriff hätte er nicht einmal Chi-Lo zugetraut.

Zugegeben, Alnak hätte sich erst nach den näheren Umständen des Unfalls erkundigen müssen, aber trotzdem war die Reaktion einfach nur unhöflich.

Außerdem war auch Gorm dazu geneigt gewesen, Chi-Lo als den Schuldigen anzusehen. Weniger aus dessen Inkompetenz - wer so viele Katastrophen er- und überlebte musste einfach gut sein, sondern rein aus dem besonderen Talent des Asiaten, Katastrophen durch seine Gegenwart anzuziehen. Wer immer auch das Pech hatte, in Chi-Los Nähe zu sein (meistens Gorm), musste mit einer ernsthaften Gefährdung seines Lebens rechnen.

Erneut sah der Mathematiker auf die, von seinem Programm produzierten Daten. Dann wandte er sich an den Chinesen: "Gorm an Chi-Lo: Da Sie erwiesenermaßen ein guter Pilot sind: Trauen sie sich zu, dieses Wrack von einem Shuttle auf dem Asteroiden zu landen, wenn ich ihnen die notwendigen Kursdaten schicke? Dort könnten wir den Transporter dann immerhin so zu reparieren versuchen, dass wir ihn als Relais zu unserem eigenen benutzen können. So müsste ein Transport von und in den Asteroiden ungefährlich sein."

Fragend sah der Ferengi den Chefingenieur an, ob dieser seine Vermutungen bestätigen würde.

"Entschuldigen sie", mischte sich der Halbbreen trotz besseren Wissens ein. "Wir sind doch alle vernünftige Individuen und sollten uns lieber auf die gegenwärtigen Probleme konzentrieren", appellierte er. Er ging zum Spind für Raumanzüge und kontrollierte sie.

"Wir haben hier noch drei funktionstüchtige Raumanzüge, ganz zu schweigen von unseren eigenen im Raider. Notfalls können wir die Reparaturen darin fortsetzen", schlug er vor, als plötzlich ein erneuter Funkenregen aus einer Wandkonsole austrat und energetische Entladungen auf die Raumanzüge übersprangen.

"Nun, jedenfalls haben wir noch die Anzüge im Raider", kommentierte er. Ein Ruck ging durch das Shuttle. Erneut stoben Funken, diesmal aus allen Richtungen. Mit zusammengekniffenen Augen schaute Clint aus dem Aussichtsfenster. Der Asteroid bewegte sich.

Dann korrigierte er sich: SIE bewegten sich, und zwar ziemlich schnell und direkt auf den Asteroiden zu. Der Wissenschaftler konnte sich nicht erklären, wie das von einer Fehlfunktion im Shuttle verursacht werden konnte. Eher wahrscheinlich wäre gewesen, dass die gekoppelten Schiffe zu trudeln anfingen.

ETWAS schien beide Schiffe auf die Kraterlandschaft des toten Himmelskörpers zu ziehen.

Stardust Venture