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Venture 2 - Auf in die Schlacht

--- Bereitschaftsraum, etwas eine Stunde später

"...einen erfolgreichen Tag noch, Vorsitzender!", wünschte McCarthy dem Führer des Kolonistenrates und deaktivierte mit einem Tippen die Verbindung. Der etwas rundliche Tellarit namens Twinch hatte leider keine positiven Nachrichten gehabt, aber eine Eskalation in den bedrohten Systemen war Gott sei Dank ausgeblieben.

Dennoch hieß es jetzt schnell handeln, da die Konfrontation mit den Romulanern offenbar unmittelbar bevorstand und die Kolonien ohne die Hilfe der Venture verloren wären...

--- Besprechungsraum

Nachdenklich war der Captain zu dem komfortablen Konferenzraum gegangen, der ebenfalls direkt an die Brücke abgrenzte und hatte auf dem Weg alle Senior-Offiziere sofort dorthin beordert.

Als er Catrìona kontaktiert hatte, entschied er aus einem instinktives Gefühl heraus, auch Cailin zu der Besprechung einzuladen. Sein Verhalten war wirklich ungehörig gewesen und ein Teil von ihm hoffte, die Schuld mit der Einladung ausgleichen zu können...

Als er schließlich den Besprechungsraum betrat, traf sein Blick sofort Anjol, der mit einem Polierlappen bewaffnet, die Oberfläche der Tischplatte bearbeitete und auf das Eintreffen McCarthys mit einem schnellen Wegstecken des Tuches reagierte.

'Irgendwas ist hier vorgefallen...', erkannte er, während er die schweigenden Minen der drei anwesenden Offiziere betrachtete. Während der Japaner ruhig wie immer wirkte, sah man dem Bajoraner eine gewisse Nervosität an und Alnak konnte kaum ein breites Grinsen zurückhalten.

'Ja, hier ist eindeutig etwas vorgefallen!', überlegte er kopfschüttelnd und musterte auch weiterhin so streng wie möglich die drei anderen Männer.

--- Schiffsbar

In aller Ruhe sah Catrìona sich in der Bar um. Es waren schon einige Besatzungsmitglieder anwesend, jedoch konnte man nicht wirklich von 'viel Betrieb' sprechen. Die Bar war relativ groß und ansprechend eingerichtet. Viele Grünpflanzen standen zwischen den Tischen, durch die zum einen eine gewisse Abgeschiedenheit der einzelnen Tische und somit ein wenig Privatsphäre ermöglicht wurden, die aber auch den großen Raum weniger wie eine... Bahnhofshalle... wirken ließen.

"Der Tisch da drüben gefällt mir," meinte die Schottin, zeigte auf einen asymmetrischen Tisch für drei Personen, der in einer kleinen Nische stand, welche durch einen großen Ficus vom Rest des Raumes abgeteilt wurde. Noch bevor Cailin nicken konnte, hatte sich die hochgewachsene Frau schon in Bewegung gesetzt.

--- Schiffsbar, Tisch 11

Einige Augenblicke später saßen die beiden Frauen bequem am Tisch. Catrìona überlegte noch, was sie sich bestellen sollte, als ihr Kommunikator zu piepsen begann. "MacLeod," antwortete sie scharf, ein wenig ungehalten über die Störung. "Hier spricht McCarthy. Dr. MacLeod, bitte kommen sie doch in den Besprechungsraum, und informieren Sie bitte Cailin Fakaii, dass sie auch an der Besprechung teilnehmen soll. McCarthy Ende."

Verblüfft blickte die Schottin die ihr gegenübersitzende Purna an. "Was ist denn nun schon wieder los, möchte ich mal wissen!?" fragte sie sich selber. "Immer wenn es gerade gemütlich wird, muss einen so ein Dummkopf stören!" Abrupt stand die Rothaarige auf, schob dabei ihren Stuhl so heftig von sich weg, dass er mit einem Krachen umfiel. Catrìona registrierte dies nur mit einem verärgerten "Ifrinn!" dann wandte sie sich an die Purna: "Kommst Du mit? Der Captain wünscht unsere Anwesenheit in diesem Besprechungsraum..."

Cailin sah zur großen Schottin hoch, machte aber keinerlei Anstalten sich zu erheben und die Bar zu verlassen. "Ich denke nicht, dass meine Anwesenheit bei der Besprechung wirklich erforderlich ist. Wahrscheinlich ist es nur eine gut gemeinte und typisch terranische Geste vom Captain mich nicht übergehen zu wollen, aber das ist in diesem Fall wirklich nicht nötig. Wir Purnas halten nicht viel von solchen Gesten und legen mehr Wert auf Ehrlichkeit. Und davon hatte ich heute schon genug."

Für einen Moment sah sie zu Boden und schwieg betroffen. Dann überlegte sie für einen Augenblick, ob der Captain es ihr übel nehmen würde, wenn sie nicht zur Besprechung erschien, obwohl er sie anwies zu kommen. Aber da er ohnehin dafür war, dass alles über Catrìona geregelt würde, würde es ihn wohl nicht weiter stören und höchstens sein Bild, dass er von ihr hatte trüben, aber das störte die Purna nicht. Sie diente noch immer in erster Linie der Medizin und erst dann dem Captain.

Entschlossen wandte sich Cailin wieder an Catrìona: "Es genügt vollends, wenn du an der Besprechung teilnimmst und mich anschließend informierst. Die Neuen müssen noch untersucht werden, bevor sie ihren Dienst auf den Stationen antreten, außerdem finde ich, einer der Ärzte sollte jederzeit für den Notfall erreichbar sein. Du weißt ja, dass die Bajoranerin bald mit der Entbindung dran ist. Ich rechne eigentlich stündlich mit ihr.

Der Captain wird mein Fehlen sicher verstehen, wenn du es ihm erklärst. Außerdem liegt es mir nicht mich zu verstellen. Das Orakel sagt nichts Gutes für die bevorstehende Mission aus und ich würde damit alle nur unnötig beunruhigen, mich belächeln lassen und muss mir wieder weise aber total unnötige Sprüche von Hisaki anhören. Ich trink hier lieber noch in Ruhe einen Saft und informiere gleich danach die Neuen sich auf der Krankenstation zur Einstandsuntersuchung einzufinden." Nachdenklich sah die Purna sich um.

Die beruhigende und angenehme Wirkung des "Schwarms" war plötzlich verschwunden. Im Gegenteil fühlte sie sich unwohl in der Schiffsbar und sie begann zu frieren. Ihre Kopffedern stellten sich ein wenig auf, als wollte sie sich wärmen und ein leise trauriges Kullern entfuhr ihr. Lanagor hatte sich von ihr abgewandt. Er stand auf dieser Mission nicht an ihrer Seite.

Resignierend erhob sie sich.

"Am Besten ich gehe gleich in die Krankenstation und weise die Leute zur Untersuchung an. Außerdem müssen vor der Untersuchung noch ihre Krankenakte ausreichend studiert werden um nötige Folgeuntersuchungen gleich machen zu können, bzw. die Akte zu vervollständigen."

Ziemlich verstimmt erhob sich die Schottin und verabschiedete sich mit einem "In Ordnung, dann bis später," von der Vogelfrau. Mit energischem Schritt und vor unterdrücktem Zorn innerlich brodelnd, verließ sie die Bar und machte sich auf den Weg zum Besprechungsraum.

---Besprechungsraum

Das Gespräch mit Catrìona lag jetzt schon mehrere Minuten zurück und der Captain geriet langsam in Sorge um sie. Normalerweise verspätete sie sich nicht, zumal diese Besprechung überaus wichtig für die nächste Mission war.

Zum x-ten Mal schaute McCarthy auf seinen Chronometer und trommelte leise mit seinen Fingern auf den frisch polierten Tisch, was erneute Wachsamkeit gegenüber Kuzhumo und Konsorten auslöste...

In diesem Moment öffnete sich zischend das Schott und die Terranerin schritt mit leicht säuerlicher Mine herein. Scheinbar war irgendetwas vorgefallen und angesichts der fehlenden Purna hatte der Captain schon eine gewisse Vorahnung.

Flüchtig blickte Catrìona sich um und stellte fest, dass der Bajoraner, der Japaner, der Romulaner und der Captain anwesend waren. Der Captain blickte sie mit einem irritierten Gesichtsausdruck an, wahrscheinlich fragte er sich, warum die Purna nicht mitgekommen war.

Die Rothaarige schnappte sich einen Stuhl und setzte sich rittlings darauf, die Lehne nach vorne, auf die sie sich mit den Armen abstützte. Dann wartete sie ab, was der Captain zu sagen hatte.

"Nun, jetzt da wir alle", und das letzte Wort sprach Charles besonders betont aus, während er seine Chefärztin fragend fixierte, "anwesend sind, kann ich Sie über die aktuelle Lage aufklären. Mein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Kolonistenrates hat Beunruhigendes ergeben; die Lage hat sich zugespitzt und ein weiterer Angriff hat die beiden Systeme heute morgen getroffen!"

Um seine Worte zu unterstreichen erschien auf einem Wandschirm eine hellblau unterlegte Sternenkarte auf der die beiden Kolonien eingezeichnet waren. Gelblich leuchteten ihre Namen auf, Kital und Nitol, die Namen zweier bajoranischer Geistlicher, die vor mehreren hundert Jahren gelebt hatten und von unglaublichen Sagen umrankt waren.

"Scheinbar befinden sich mindestens drei romulanische Schiffe in der Nähe, wobei eins eindeutig als Kolonieschiff identifiziert wurde. Eine Invasion und Besiedlung der Planeten steht also unmittelbar bevor und was mit den ansässigen Kolonisten dann passiert dürfte ihnen wohl bekannt sein....", setzte er fort und seine Stirn verzog sich, als er an die Bilder einiger romulanischer Massaker dachte,

"Zu unserer Ladung gehören mehrere Erzbohrer, die den Kolonisten eine Handelsgrundlage geben werden und natürlich humanitäre Güter. Wir sind zur Zeit mit maximaler Geschwindigkeit auf dem Weg und werden in vier Stunden dort eintreffen. Bis dahin müssen alle Abteilungen einsatzfähig sein und bereit, sofortige Hilfe zu leisten. Sie Mr. Alnak werden mit einem Team helfen, die Bohrer aufzubauen."

Eine kleine Pause folgte in der jeder sich die Situation vor Augen führte und analysierte, bis Charles abermals die Stille brach: "Doktor MacLeod, bei dem letzten Angriff wurden mehrere Dutzend Kolonisten teils schwer verwundet. Die medizinische Ausstattung dort ist immer noch sehr begrenzt und direkt nach unserer Ankunft werden die ersten Patienten hochgebeamt werden. Falls sie Hilfe benötigen, stelle ich Ihnen weiteres Personal zur Verfügung, das einfache Aufgaben erledigen kann. Haben Sie oder sonst jemand noch eine Frage oder Idee?"

Die Schottin starrte einige Sekunden brütend vor sich hin und meinte dann: "Bei allem nötigen Respekt, Captain McCarthy, ich fände es durchaus angebracht, eine derartige Besprechung das nächste Mal rechtzeitig vorher anzukündigen, denn sicherlich wussten Sie schon vor einiger Zeit, dass Sie nach Abschluss der Gespräche mit den Kolonisten eine solche Besprechung halten würden. Cailin und ich haben in der Krankenstation wirklich genug zu tun und hätten gerne unseren Tagesablauf koordiniert und optimiert, so gut wie es in unserer Situation eben möglich ist. Ich glaube, dass es nicht nötig ist, das Chaos _jetzt_ schon ausbrechen zu lassen!"

Dann fuhr sie fort: "Abgesehen davon ist die Krankenstation inzwischen auf dem bestmöglichen Stand, den ein Schiff wie die Venture erreichen kann. Personal scheinen wir momentan genügend zu haben, allerdings kann ich das zuletzt erst sagen, wenn die neuen Besatzungsmitglieder bewiesen haben, was sie können - oder eben nicht können. Ich werde mich mit Miss Fakaii besprechen und Ihnen dann sagen, ob wir noch jemanden benötigen. Ansonsten können wir sofort loslegen."

--- Währenddessen in der Schiffsbar

Nachdenklich sah die Purna ihrer Chefin nach, die ziemlich schnell zur Besprechung aufgebrochen war. Sie hoffte, nichts Falsches gesagt zu haben, dass Catrìona verstimmt hatte. Den sie hielt große Stücke auf die Schottin, die immer ehrlich zu ihr war. Eigentlich hatte sich Cailin ihr bis zum Turbolift anschließen wollen, doch diese hatte sie einfach stehen gelassen und war gegangen.

Die Vogelfrau fühlte sich fehl am Platze. Noch immer hatte sie es nicht geschafft im Umgang mit Terranern weniger Fehler zu machen. Andere Mentalitäten und Lebensweisen waren ihr noch immer fremd und undurchschaubar. Jedes Mal, wenn sie dachte Fortschritte zu machen und sie zu verstehen, wurde sie wieder zurückgeworfen.

Mit hängenden Schultern kehrte sie der Schiffsbar den Rücken. Das einzige was sie aufmunterte war, dass wenigstens sie in Sachen Medizin allen helfen konnte. Da gab es keine Rassenunterschiede oder religiöse Konflikte.

--- Gänge, Deck 3

Es bestand kein Grund zur Eile, doch plötzlich hatte Cailin ein intuitives Gefühl sich beeilen zu müssen. Als käme es auf jede Sekunde an, die sie früher auf der Krankenstation war. Etwas war nicht in Ordnung und drängte sie dazu ihre Schritte zu beschleunigen.

Ihr Atem ging nur mehr stoßweise, als sie endlich ihr Ziel erreichte.

--- Gang, vor der Krankenstation

Die Türen der Krankenstation gingen zischend auseinander und sie sah gerade noch einen großen dunklen Schatten über die Konsole der Krankenstation gebeugt, bevor er sich ihr zuwandte und alles was ihr in seinem Gesicht auffiel nur seine Augen waren, dessen Blick sie gefangen nahm. Durchbohrende kalte Augen in denen doch ein verheerendes Feuer glomm.

Für einen kurzen Augenblick schien sich ein fremder Geist in ihre Gedanken zu mischen und alles wurde unwirklich und fern jeder Realität. Dann verschwand der Eindruck so schnell wie er gekommen war und sie erhielt einen psychischen Schlag, der sie hart gegen die Wand des Ganges schlagen ließ und ihr kurz das Bewusstsein raubte.

Als sie wieder bei Sinnen war, sah sie nur einen leeren Gang vor sich. Noch am ganzen Körper zitternd, stand sie auf und öffnete die Türen der Krankenstation erneut. Und sie fand sie so vor, wie sie erwartet hatte.

Leer.

Der gesichtslose Fremde war verschwunden...

--- Besprechungsraum

Geduldig hatte der Captain währenddessen den Wortschwall über sich ergehen lassen und die Ärztin fixiert. Ja, sie schien tatsächlich recht angespannt zu sein und Cailins Fehlen ließ mitunter Rückschlüsse auf die Gründe zu.

"Es beruhigt mich, dass das Personal der Krankenstation die Lage so gut im Griff hat und vorbereitet ist. Falls es also doch noch Bedarf an Helfern geben sollte, können Sie sich jederzeit an mich wenden. Die Besprechung konnte nicht früher einberufen werden, da sich nach meinem Gespräch mit dem Ratsvorsitzenden die Situation geändert hatte und eine sofortige Konferenz unabdingbar war.

Hat sonst noch jemand eine Frage?"

Yhea schaute von seinem Kaffee auf und überlegte kurz. "Also eine richtige Frage habe ich eigentlich nicht. Aber hab ich das richtig verstanden, das es gut sein kann, das wir gegen die Romulaner kämpfen müssen?"

Der Captain nickte traurig.

"Um Ihnen ein wenig gute Laune zu verschaffen: Das Schiff ist in einem Top-Zustand. Die Phaser und die Schilde haben volle Stärke. Die Torpedos sind geladen und einsatzbereit. Der Warpantrieb arbeitet innerhalb seiner Parameter und der Impulsantrieb ist auch Ok.

Ansonsten hab ich noch ein paar Überraschungen für unsere Spitzohren parat, falls es zu einem Kampf kommen sollte. Was ich natürlich vermeiden möchte. Doch eins sag ich Ihnen, wir sind bereit."

Mit einem demonstrativen mit-der-Faust-auf-den-Tisch-schlag-Bewegung unterstrich er seine Meinung über die Romulaner.

'Sollen die doch bleiben wo der Pfeffer wächst', dachte er.

Nur nebensächlich hatte Anjol die Neuigkeiten des Captains und die verschiedenen Statusberichte verfolgt, während er heimlich das Poliertuch in seiner Hosentasche verschwinden ließ. Wenigstens war dies der Aufmerksamkeit McCarthys entgangen und der Bajoraner konnte sich die Reaktion des Terraners auf die Beinahe-Zerstörung seines geheiligten Besprechungsraumes kaum vorstellen.

Der Japaner zu seiner Seite war die ganze Zeit über recht ruhig sitzen geblieben und hatte lediglich die Bereitschaft der Waffen mit einem kaum wahrnehmbaren Nicken quittiert.

Auf jeden Fall schien niemand mehr Fragen zu haben und so beendete Charles die Versammlung schließlich, woraufhin nacheinander die Offiziere den Konferenzraum verließen, um ihren Aufgaben nachzugehen.

Anjol schob seinen Sessel an den glänzenden Tisch heran und bewunderte nochmals sein Werk, während McCarthy sich an Doktor MacLeod wandte: "Würden Sie noch kurz hier bleiben, Ms. MacLeod, ich habe noch Einiges mit Ihnen zu besprechen!"

Der Bajoraner stand noch immer an dem ovalen Tisch und betrachtete die Szene neugierig, bis der Captains ihm mit einer knappen Kopfbewegung zu verstehen gab: Er war hier nicht mehr erwünscht und so verließ auch er den Saal.

--- Gang vor der Brücke

Nachdenklich ging Kuzhumo den Gang hinab, als er über die kommende Mission nachdachte. Neue Instruktionen... mehr Material, was geliefert werden soll...

Plötzlich, aber ohne Hast hielt er an, was auch die beiden anderen Senioroffiziere zum stehen bleiben veranlasste. Zu den Beiden gewandt sprach er, "Ich werde mich in mein Büro zurückziehen und dort ein paar neue Einsatzpläne erstellen.

Wenn mein erster Überblick über die Einzelheiten mich nicht in die Irre geleitet hat, wird dies eine verdeckte Operation. Ich werde mich nun daransetzen und in drei Stunden die Vorschläge präsentieren können."

Mit einem allseitigen Nicken verabschiedete sich der Japaner von den Beiden und ging zu seinem Büro...

--- Besprechungsraum

Nach außen hin wirkte Catrìona wieder völlig ruhig, in ihrem Inneren war der Seelenfriede jedoch noch immer nicht wiederhergestellt. Die Schottin blieb auf ihrem Stuhl sitzen und stützte sich schwer auf dessen Lehne. Was der Captain wohl noch mit ihr zu 'Besprechen' hatte? Entweder bekam sie jetzt einen Rüffel für ihr Verhalten oder es war etwas Berufliches. Wie dem auch sei, ihr blieb sowieso nichts anderes übrig, als abzuwarten, dass der Captain anfing zu sprechen...

Schon beinahe mit dem Hauch eines Rituals legte McCarthy seine Handflächen aufeinander und presste sie leicht zusammen. Er schien stark konzentriert zu sein und während ihn die Ärztin wortlos musterte, löste er plötzlich die Handflächen und schaute Catrìona in die Augen.

Er sah dort Skepsis und auch ein wenig Trotz...

"Ms. MacLeod, es würde mich freuen, wenn Sie in Zukunft meine Befehle nicht vor der Crew diskutieren würden. Immerhin trete ich ihrer Fachautorität auch mit Respekt entgegen und zweitens würde mich interessieren, wieso Ms. Fakaii meiner Einladung nicht gefolgt ist",

wandte er sich mit fester Stimme an die Chefmedizinerin und verschränkte seine Arme hinter dem Rücken, wie es viele Befehlshaber machten und gemacht hatten,

"ich weiß, dass ich vorhin etwas ruppig gewesen bin, aber unter dem Druck unserer Aufgabe kann sich niemand solch einen emotionalen Fehler erlauben. Ich genauso wenig wie Sie und aus Ihrer trotzigen Haltung können Fehler entstehen...Ich habe mich bei Ms. Fakaii entschuldigt und wäre froh, wenn die Beziehungen zwischen Ihnen, Ms. Fakaii und mir nicht weiter dadurch getrübt werden würden!"

Diesem 100%ig ernstgemeintem Angebot folgte Stille und er starrte aus dem großen Fenster, dass ihn keinen Meter von dem unwirtlichen All trennte, und betrachtete die schnell vorbeiziehenden Sternenfäden. Langsam drehte er sich wieder zu der etwas hinter ihm stehenden Frau um und wartete auf eine Antwort.

Catrìona, die sich inzwischen von ihrem Stuhl erhoben hatte, holte kurz Luft, bevor sie dem Captain antwortete.

"Aye, das war wohl ein wenig voreilig von mir gewesen, aber ich war etwas in Rage. Immerhin hatten wir auch genug zu tun die vergangenen Tage und wenn Sie wüssten, wie chaotisch die Krankenstation ausgerüstet war, bevor wir neues Material an Bord nehmen konnten, dann wüssten Sie auch, unter was für einem Druck wir gestanden sind.

Was Miss Fakaii angeht, so kann ich Ihnen nicht sagen, aus welchem Grund sie sich entschlossen hat, der Besprechung fernzubleiben. Und wenn Sie sagen, dass sich niemand einen emotionalen Fehler leisten kann, dann gilt das wohl ganz genauso und vielleicht sogar im Besonderen für Sie als Captain des Schiffes, und Miss Fakaii hat ihren Anraunzer wohl nicht sehr gut aufgenommen - was ich auch nicht ganz unverständlich finde, Sir."

Nach einer kurzen Pause, in der sie sich überlegt, was sie nun noch anbringen wollte, fuhr die Schottin fort: "Ich denke nicht, dass sich die... Beziehung... zwischen Ihnen und mir hierdurch besonders verschlechtert. Zumindest nicht was mich angeht. Abgesehen davon bin ich nicht trotzig, ich war nur wütend. Was Miss Fakaii angeht, kann nur sie Ihnen weiterhelfen... War das alles, Sir?" beschloss Catrìona ihre Ausführungen.

--- Mittlerweile in der Krankenstation

Cailins Kopffedern lagen dicht an ihrem Kopf an, weil sie eine tief in sich verwurzelte Angst empfand. Schatten, die aus der Tiefe zu kommen schienen, waren das Unheiligste und Böseste, dass es in der Religion der Purna gab. Es war ein schlimmes Gefühl für die Purna jetzt in die Krankenstation gehen zu müssen. Denn sie suchte immer die Nähe eines Schwarms, da sein Zusammenhalt jeden einzelnen die Kraft und Stärke von vielen gab.

Doch hier war sie ganz allein.

Dazu noch das eben erlebte, dass ihr plötzlich wie ein böser Traum vorkam, eine unheilvolle Vision, ein Vorbote kommender Ereignisse, wären da nicht diese Augen gewesen, die sich tief in ihre Seele gebrannt hatten und die sie nicht vergessen konnte.

"Computer, befindet sich noch jemand auf der Krankenstation?", fragte sie vorsichtig und ihre Stimme hörte sich sehr brüchig an.

"Außer Ihnen nur ein einzige Person", antwortete der Computer und Cailin wurde anders ums Herz. "Techniker Poulsen."

Für einen Moment war die Vogelfrau erleichtert. An den Techniker mit den Plasmaverbrennungen hatte sie nicht mehr gedacht. Er lag im künstlichen Koma um seine schweren Verbrennungen auszuheilen. So kam es ihre fast vor, als wäre er nicht da.

Aber trotzdem konnte die Purna immer noch nicht aufatmen. Vielleicht handelte es sich bei diesem fremden Wesen um etwas, dass kein Computer orten konnte, dann war es vielleicht noch immer da.

Sie schlich mehr als sie ging und vergewisserte sich, dass wirklich niemand mehr auf der Krankenstation war. Die regelmäßigen Atemzügen von Poulsen wirkten dabei unwirklich und befremdend. So als wäre etwas anwesend. Etwas Unsichtbares, Unangreifbares, dass doch überall im Raum schwebte.

Um sich zu vergewissern, dass sie wirklich nur mit dem einzigen Kranken alleine war, setzte sie ihren besonders ausgeprägten Sehsinn ein. Da sie keine weiteren Anzeichen einer fremden Gegenwart erkennen konnte, setzte sie sich anschließend zum Terminal und versuchte herauszufinden, ob in den letzten Minuten jemand hier etwas geändert hatte. Etwas das ihr bestätigte, dass sie nicht nur geträumt hatte.

Eigentlich sollte sie bei so einem Vorfall Hisaki verständigen, doch er würde nur lachen und es für eine Ausgeburt ihrer ausgeprägten Phantasie halten. So wie er nichts auf die Weissagungen ihres Orakels gab. Sie hatte keinen Beweis für das was sie gesehen hatte und noch schlimmer war, dass sie nicht wusste, was sie gesehen hatte. So würde ihr niemand glauben.

Schließlich fand sie auch etwas. Eine Datei schien in den letzten Minuten gelöscht oder geändert worden zu sein. Sie versuchte die betreffende Datei bzw. die Änderung aufzurufen um zu sehen worum es ging, bevor vielleicht jemand diese Spur verwischen konnte.

"Zugriff verweigert", prangte ihr blinkend auf ihrem Terminal entgegen. Etwas das eigentlich unmöglich war. Den Cailin konnte in alle Krankenakten Einsicht nehmen. Noch einmal versuchte sie in die entsprechende Datei einzudringen, erlebte jedoch eine neue herbe Enttäuschung.

"Es wurde keinerlei Änderung in der letzten halben Stunde verzeichnet", kam die Meldung. Mit großen Augen vergewisserte sich die Purna, dass ihr kein Fehler unterlaufen war und erhielt die gleiche Meldung.

Ein Schauer lief über ihren Rücken.

Plötzlich hörte sie ein Zischen und fuhr erschrocken in sich zusammen...

--- Brenghs Quartier

Brengh schlug die Augen auf.

Niemand zu sehen. Und doch hätte er schwören können, nicht alleine in seiner Kabine zu sein.

Der immer griffbereite Tricorder überzeugte ihn davon, dass er sich keine Sorgen zu machen brauchte - jedenfalls nicht mehr als sonst.

Räkelnd erhob sich der Caldonier von seinem Bett. Wie spät es wohl war? Nach knapp zwei Wochen ohne Dienst hatte er komplett jegliches Zeitgefühl verloren.

Im Bad erwachten seine Lebensgeister wieder, auch wenn er wegen seiner Körpergröße wie üblich nur gebückt unter der Schalldusche stehen konnte.

Mit geschlossenen Augen drehte er sich und fragte sich zum tausendsten Mal, wer ihn mit dem zaldianischen Grippevirus angesteckt hatte.

Wahrscheinlich steckte sein Bruder dahinter, obwohl sich Brengh nicht erklären konnte, wie dieser hinterhältige Feigling, der seine gesamte Familie und beinahe auch ihn ermordet hatte, es geschafft hatte, sein Essen zu infizieren.

Dr. MacLeod hatte ihm erklärt, dass dieser Virus sich lediglich durch die Nahrung verbreiten konnte - weshalb es an und für sich absolut unmöglich war, dass er sich angesteckt hatte.

Schließlich pflegte er nur etwas zu essen, wenn er sicher war, dass es aus den Replikatoren in seiner Kabine stammte. Hier hatte er mühevoll zusätzliche Filter eingebaut, die genau das verhindern sollten, was nun passiert war.

Seit er vor einer Woche aus der Krankenstation entlassen wurde, hatte er seine Kabine nicht mehr verlassen, denn wer es einmal versuchte, der lauerte sicher auf eine weitere Gelegenheit...

Brengh fand, dass der Plan seines Bruders klug eingefädelt worden war: Entweder er begab sich in geschwächtem Zustand wieder unter Leute, was ihn zu einem leichten Angriffsziel gemacht hätte, oder er verkroch sich wie eine centaurianische Springmaus in seiner Kabine.

Nach langem Überlegen hatte er sich für die letzte Variante entschieden. Der Knackpunkt war einfach der, dass ihm sein Leben einfach zuviel wert war, als dass er es wegen einer dummen Mutprobe leichtfertig aufs Spiel setzen wollte.

Deshalb war er nun schon seit einer Woche nicht mehr aus seinem Quartier gekommen.

Nun war allerdings der Zeitpunkt erreicht, an dem ihm die Decke endgültig auf den Kopf fiel - nachdem er sie sowieso ständig beinahe streifte, war das auch kein Wunder.

Als er sich anzog, stand sein Entschluss fest: Er würde zur Krankenstation gehen, und verlangen, dass er wieder arbeiten dürfte.

Hm - und wenn diese Dr. MacLeod mit seinem Bruder unter einer Decke steckte? Wie hatte die es eigentlich geschafft, Leiterin der Krankenstation zu werden, wo sie doch erst ganz kurze Zeit an Bord gewesen war, als Dr. Belafonte das Schiff verlassen hatte?

Hatte es keine geeigneteren Kandidaten gegeben, die länger an Bord waren?

Brengh zügelte diesen Gedanken. Es gab eigentlich nur zwei Leute auf diesem Schiff, denen er vollkommen vertraute, und der Captain und alle seine Entscheidungen gehörten dazu. Wäre es anders gewesen, hätte der Caldonier, wie viele andere Besatzungsmitglieder zuvor, dieses Schiff schon lange verlassen.

MacLeod gehörte leider nicht dazu, sie war einfach noch nicht lange genug an Bord.

Eine schnelle Anfrage an den Computer später wusste Brengh, dass die Chefmedizinerin zur Zeit nicht an ihrem Arbeitsplatz war.

Der Caldonier beeilte sich, so schnell wie möglich die Krankenstation zu erreichen.

--- Krankenstation

Die Tür öffnete sich und Brenghs langer Schatten fiel in den Raum hinein.

Der Federkamm der Vogelfrau blähte sich augenblicklich zu seiner vollen Größe auf. Ein Reflex, der sie durch seine Wirkung schon mehr als einmal vor Schaden bewahrt hatte. Sie fuhr herum und entdeckte die riesige Gestalt im Türrahmen. Ihr Herz schien einen Moment zu schlagen aufzuhören.

Es dauerte einen weiteren Moment bis sie die Gestalt erkannte.

"Brengh, Mann, hast du mich erschreckt", keuchte die Purna atemlos und merkte erst jetzt, dass sie die ganze Zeit über den Atem angehalten hatte und sie leicht zitterte. Ihr Kamm war noch immer aufgestellt, da sie nervös war, so dass er sich auch nicht wie sonst zusammenlegte, sobald keine Gefahr mehr drohte. Ihre Finger waren eiskalt und sie bemerkte, wie sie fror.

Sie wollte Brengh ordnungsgemäß fragen, wie sie ihm helfen konnte, doch sie konnte es einfach nicht. Statt dessen begrub sie ihr Gesicht in den Händen und ein Weinkrampf ließ ihre Schultern unkontrolliert zucken. Es dauerte einen Moment, bis sie sich wieder im Griff hatte, sich die Tränen wegwischte und ein missglücktes Lächeln aufsetzte.

"Tut mir leid, ich bin heute mit den Nerven etwas fertig", murmelte sie tonlos und versuchte wieder routiniert zu wirken, was ihr aber nicht gelang. Wieder einmal machte sie sich klar, dass sie Ärztin war und keine Schwächen zeigen durfte. Ein Arzt musste stark sein um helfen und heilen zu können, denn er hatte auch die Schwäche seiner Patienten zu tragen und ihnen eine Stütze zu sein.

Ihre Gestalt straffte sich augenblicklich, als sie ihn erneut ansah. "Kann ich dir irgendwie behilflich sein? Falls du Dr. MacLeod suchst, die ist leider nicht hier, sondern bei einer Besprechung mit dem Captain."

Abwartend sah sie den großen Caldonier an.

--- Maschinenraum

Nachdem sich die 3 Senioroffiziere im Gang vor dem Besprechungsraum getrennt hatten, war Yhea zum direkt zum Maschinenraum gegangen. Bis zum Eintreffen auf dem Planeten waren es nur noch 4 Stunden. Und es war noch eine Menge zu erledigen.

"Alnak an Robsen und Hedlege. Bitte melden Sie sich sofort im Maschinenraum", rief er. 'Tja, dann haben die zwei eben Pech gehabt. Aber was sein muss muss sein', dachte er und rief sich im Kopf noch ein mal die Spezifikationen der Bohrer auf. Hatte er an alles gedacht? Ja eigentlich schon. Das einzige, was er noch zu tun hatte, war die zwei Neuen mit den Eigenschaften der Bohrer vertraut zu machen. Schließlich musste beim Aufbau alles glatt gehen.

Erstens musste es schnell gehen und zweitens ohne Fehler. Denn die Kolonisten waren drauf angewiesen. Das einzige, was ihm Kopfschmerzen bereitete, waren die Romulaner. Die kamen nämlich immer, wenn man sie am wenigsten gebrauchen konnte. Und am wenigsten konnte er welche gebrauchen, wenn er gerade dabei war, die Bohrer zu kalibrieren.

'Hey, das Problem lässt sich doch zu einem gewissen Grad lösen', überlegte er und aktivierte seinen Kommunikator. "Alnak an Hisaki."

"Hisaki hier", kam prompt die Antwort des Sicherheitschefs.

"Ich hätte da eine Anfrage, bezüglich der Mission. Und zwar soll ein Techniker-Team die Bohrer auf dem Planeten installieren. Das Problem ist aber, das wir solange ungeschützt sind. Wäre es möglich, das ein Sicherheitsmann zu unserem Technikerteam hinzu kommt? Dann haben wir wenigstens ein wenig Rückendeckung", sagte Yhea.

"Kein Problem, ich werde sofort Jemanden zu dir in den Maschinenraum schicken", kam es als Antwort von dem Japaner.

"Vielen Dank. Ich werde dann hier auf ihn warten. Alnak Ende"

Nervös trommelte er mit den Fingern auf der Konsole herum. Irgendwas wollte er doch noch machen? Aber was war das bloß? Fieberhaft kramte er in seinem Gehirn doch irgendwie war der Gedanke verschwunden.

'Meine Güte, ich werd doch nicht etwa vergesslich in meinen Jungen Tagen' dachte er verschmitzt grinsend und holte sich erst einmal einen Kaffee aus dem Replikator. Gerade wollte er sich wieder setzten, als die Tür auf ging und Robsen und Hedlege gleichzeitig den Maschinenraum betraten.

--- Deck 6, Sicherheitsbüro

"Hisaki an Combatch. Melden Sie sich bei Chefingenieur Alnak. Hisaki Ende.", mit diesen Worten schickte der Asiate einen seiner besten Leute ins Feld.

Henry Combatch war auf dem ersten Blick ein grobschlächtiger Mann, der aber große Geschicklichkeit im Umgang mit allen Arten von Waffen hatte. Außerdem besaß er ein ziemlich gutes (für einen Sicherheitsmann) Technikverständnis und Wissen.

Das er außerhalb seines Dienstes eine absolute Tratschtante war, war dem Japaner egal. Allerdings bildete er damit die Ausnahme.

Nun wandte er sich wieder dem Missionsplan zu, der schon gute Fortschritte machte. Auch die Personen, die er dafür vorsah, seine Ivory-Rekruten, waren schon fest eingeplant.

Andere Leute hätten sich die Arbeit mit auf ihr Quartier genommen, aber der Japaner erledigte diese stets an Ort und Stelle. 'Die Regel der Weisen sagt: Das Bett ist zum Schlafen da. Der Tisch zum Arbeiten. Vertauschst du das Eine, so wird das Andere folgen.'

Diese Mahnung, überlegte sich Kuzhumo, müsste er bei Gelegenheit mal anbringen. Denn schließlich war es ein weiser Spruch. Und verschlafene Offiziere konnte man nicht gebrauchen.

Nun setzte er noch einen zweiten Funkspruch ab, welcher an seine geplante Einsatztruppe ging. Diese bekamen Hintergrunddaten und die Anweisungen sich in dreieinhalb Stunden bei ihm zu melden.

Jetzt ging Kuzhumo wieder zur Planung über.....

--- Nebenbei im Besprechungsraum

Während Catrìonas Ausführungen war McCarthy immer mehr in Gedanken versunken und hatte nach einer endgültigen Lösung für das Problem gesucht; aber die gab es wohl leider nicht...

"Danke Ms. MacLeod für Ihre ehrlichen Antworten, das schätze ich sehr. Um ihre Kollegin werde ich mich persönlich kümmern und ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie unsere Unterhaltung diskret behandeln würden", antwortete er schließlich und nickte der Ärztin aufmunternd zu.

Als sich diese umdrehte und auf den Ausgang des Raumes zuging, fiel dem Captain plötzlich doch noch etwas ein, worum er bitten konnte und in dieser Situation auch musste:

"Eins noch, könnten Sie bitte meinen Navigator wieder dienstfähig schreiben?! In unserer Lage gehört Brengh an die Steuerkonsole und nicht in die Krankenstation oder gar in sein Quartier, zumal ich eher Paranoia hinter seiner Abwesenheit vermute!"

Catrìona hielt in der Bewegung inne, drehte sich zu McCarthy um und gab ein Schnauben von sich, das alles und nichts bedeuten konnte.

"In Ordnung, ich werde ihn wieder an die Arbeit schicken, falls er sich noch einmal bei mir blicken lässt. Ich vermute nämlich eher, dass er sich in Zukunft an meine Kollegin halten wird, anscheinend hat er eine ziemlich tiefe Abneigung zu mir gefasst.

Aber wo Sie gerade von Paranoia sprechen: Ich würde sagen, dass das in diesem speziellen Fall in der Familie liegen muss, wenn ich mich an verschiedene Ereignisse an Bord der Ivory erinnere... Na egal, Sie bekommen Ihren Navigator wieder.

Und natürlich werde ich unser Gespräch nicht in alle Winde streuen!" Insgeheim war Catrìona ein wenig entrüstet über diese implizite Unterstellung, sie könne nicht schweigen. Iren... Das war das einzige, was ihr dazu einfiel.

Nachdem der Captain nicht mehr antwortete und bereits wieder in Gedanken versunken schien, verließ Catrìona den Besprechungsraum und machte sich auf den Weg zur Krankenstation.

Einen Moment schaute der Captain seiner Chefärztin noch hinterher, bis ihn seine Gedanken schließlich wieder völlig vereinnahmten: 'Die Aufgaben sind vorerst verteilt und jetzt heißt es 'Warten'...'

Die Sterne glitten mit atemberaubender Geschwindigkeit an der Venture vorbei und wurden zu bunten Streifen, die sich durch die große Leere zogen. Den Anblick hatte Charles schon sehr oft genossen, aber jedes Mal gab es ihm wieder Kraft; das Weltall war seine Heimat und seine Mission sein einziges Ziel.

Und bis zum Tag seines Todes würde er jeden Tag an einem Fenster stehen, um das beeindruckende Schauspiel zu sehen, das sie alle und auch ihre nichtigen und kleinen Konflikte überdauern würde...

--Brücke, 10 Minuten später

Frisch gestärkt betrat McCarthy die Brücke und die Crew der Gamma-Schicht guckte ihn erwartungsvoll an. Seine eigentlichen Brückenoffiziere waren immer noch mit der Planung beschäftigt und so konnten diese meist sehr jungen Mannschaftsmitglieder Erfahrungen sammeln, die ihr Leben bereichern würden.

Lächelnd und mit etwas Stolz erinnerte er sich an die Zeit, in der er noch selbst Navigator gewesen war. An das erste Mal in diesem Sessel. Die erste Kurskorrektur. Das erste Ausweichmanöver.

Momente die man nur einmal erlebte und nie wieder vergaß.

Charles Hand fuhr über das dunkle Leder des Kommandosessels und die Oberfläche wirkte warm und einladend. Schließlich setzte er sich und die anwesenden Brückenoffiziere wandten sich wieder ihrer Arbeit zu. Ihre Schicht war beinahe vorbei und man sah die Vorfreude in ihren Gesichtern. Die meisten würden ihre Freizeit wohl in der Schiffsbar oder auf dem Holodeck verbringen .

An seiner Kommandokonsole überprüfte er Kurs und Geschwindigkeit und es gab keine Zweifel: Bald würden sie von einem heftigen Sturm empfangen werden...

--- Krankenstation

Brengh war konsterniert. Das letzte, was er gewollt hatte, war der kleinen Purna einen Schrecken einzujagen. Schließlich war Cailin eine der ganz wenigen Leute an Bord, denen er nicht nur bedingungslos vertraute. Nein, sie weckte einen längst verloren geglaubten Beschützerinstinkt in ihm.

Ihn hielten nur zwei Gründe davon ab, die Vogelfrau in die Arme zu nehmen und zu trösten: Zum Einen fürchtete er, ihr Selbstwertgefühl zu untergraben, wenn jemand, den sie nur flüchtig kannte, sie plötzlich beschützen wollte. Zum Anderen verbot die Disziplin an Bord, dass ein Patient den Arzt umarmte.

Nein, er war sicher nicht schüchtern!!!

Deshalb gestattete er sich nur, ein wenig Mitgefühl in seine Stimme zu legen, als er antwortete: "Nein, ich suche nur jemanden, der mich wieder gesund schreibt. In meinem Quartier kann ich höchstens Fliegen zählen, und das ist etwas unbefriedigend."

Der Caldonier verschwieg, dass es in seinem Quartier gar keine Fliegen zu zählen gab. Schließlich hatte er persönlich den Kammerjäger gespielt, nachdem er einen Artikel über die technologische Entwicklung von Minibomben und Minikameras gelesen hatte.

Dem Navigator fiel auf, dass Cailin kaum auf seine Frage geachtet hatte und irgendwie abwesend, unbehaglich wirkte. Ihre Körpersprache erinnerte Brengh an ein unangenehmes Erlebnis, das er selber als Kind gehabt hatte:

Im dunklen Keller ihres Hauses auf Caldonia sollte er einmal eingelagerte Jobafru-Knollen holen. Es war dunkel dort, weil die Beleuchtung ausgefallen war. Schon auf dem Weg zu dem Regal hatte er den Eindruck gehabt, verfolgt zu werden. Als er es erreicht hatte, spürte er den Atem eines riesigen, wahrscheinlich schleimigen Monsters in seinem Nacken. Schnell hatte er sich umgedreht - nichts. Nur der Atem war wieder da, diesmal allerdings aus der anderen Richtung.

Eiskalt lief es ihm den Rücken herunter, und so schnell ihn seine recht schwere Last voran kommen ließ, rannte er aus dem Keller hinaus.

Nun konnte man von den Gesten eines fremden Volkes nicht unbedingt auf die ausgedrückten Gefühle schließen, aber Brengh kannte Cailin mittlerweile recht gut. Und er hatte den Eindruck, als hätte sie ein Gespenst gesehen. Ein riesiges, schleimiges Gespenst.

Wie sollte er reagieren? Eine entsprechende Frage könnte von ihr als Beleidigung aufgefasst werden. Natürlich könnte es auf der anderen Seite sein, dass sie ein Schweigen seinerseits als Desinteresse auslegen würde.

Schließlich traf er eine Entscheidung, und er hoffte, sie wäre richtig.

"...", war, wie weit er kam. Die Tür der Krankenstation öffnete sich und Dr. MacLeod trat ein. War sie der Grund für Cailins momentanen Zustand? Abschätzend schaute er sie an.

Ruhigen Schrittes betrat die Schottin die Krankenstation und blickte sich um. Im Raum standen Fakaii und das lange Etwas von einem Caldonier, beide unterhielten sich. Cailin wirkte ein wenig abwesend und der Caldonier warf einen Blick auf Catrìona, der Misstrauen und Abschätzung gleichzeitig enthielt. Sollte er doch. 'Hoffentlich habe ich mit diesem Zeitgenossen nicht allzu viel zu tun, einer aus der Sippschaft hätte mir eigentlich gereicht,' dachte die Rothaarige halb angesäuert, halb amüsiert.

Laut sagte sie dann: "Cailin, ist alles in Ordnung?" Und ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr sie dann fort: "Der Captain hätte gerne seinen Navigator wieder, meinst Du, wir können ihn wieder an die Arbeit schicken?"

Cailin schluckte noch einmal, bevor sie sich wieder völlig in der Gewalt hatte um ihrer Arbeit nachzugehen. Für einen Moment dachte sie daran Catrìona von dem Vorfall zu erzählen, doch dann besann sie sich anders und ging erst mal auf ihre Frage ein. Das Problem, ob und wem sie etwas sagen würde, musste sie später in Ruhe lösen.

"Nun, ich denke das müsste im Bereich des Möglichen liegen. Brengh hat in letzter Zeit schon große Fortschritte in der Gesundung gemacht und zuviel Arbeitsentzug kann sich auch schlecht auf die Psyche und somit auch den Krankheitsverlauf auswirken. Aber sicherheitshalber werde ich noch mal seine Daten nehmen." Noch immer nachdenklich nahm sie ihren medizinischen Tricorder, der immer an ihrem Gürtel befestigt war und trat auf Brengh zu. "Es wird nicht lange dauern", meinte sie entschuldigend zu ihm." Sein Gesicht zeigte keine Regung, als sie ihn mit dem Tricorder "durchleuchtete".

Mit einem weiteren Blick auf ihr Gerät stellte sie fest, dass er wirklich schon völlig gesund war, soweit es die medizinischen Daten eines Caldoniers zuließen. So gesehen hatte er wieder die Verfassung eines terranischen Bullen. Ein Vergleich auf den sie mal ein ziemlich derber Techniker gebracht hatte.

"Brengh, dein Wunsch wird erfüllt und du darfst dir wieder mit dem Captain die Brücke teilen." Die Vogelfrau verkniff sich den Nachsatz, dass es sich dabei um ein sehr zweifelhaftes Vergnügen handelte. Besonders, wenn sie Catrìonas Gesichtsausdruck richtig deutete. Insgeheim hoffte die Purna, dass ihre Chefin nicht vergessen hatte sie beim Captain zu entschuldigen.

Sonst würde es nicht lange dauern und Cailin würde ihre medizinischen Kenntnisse wieder direkt unten auf den Planeten bei den Bedürftigen selbst anwenden ohne einem Mittelsmann Rede und Antwort stehen zu müssen. Es gab soviel Notstand auf den Planeten, dass ein Arzt ohnehin viel zu wenig war. --- Maschinenraum

Schnell stellte Yhea seinen noch nicht angerührten Kaffee ab und schritt auf die Zwei zu. "Danke das Sie so schnell gekommen sind. Und es tut mir leid, das ich Ihre Freizeit etwas kürzen muss, aber es handelt sich um einen Notfall."

Schnell unterrichtete er Beide darüber, was es alles zu tun gab. Und da fiel es ihm plötzlich auch wieder ein, was er noch machen wollte. Er wollte doch zwei PADD's mit den genauen Spezifikationen der Bohrer füllen. Dann konnten sich Robsen und Hedlege nämlich schon mal mit der Materie vertraut machen.

'Na ja, dann werde ich das eben jetzt machen', überlegte er, schnappte sich 2 PADD's und programmierte sie mit allem, was er über die Bohrer und ihre Spezifikationen wusste.

"Hier bitte", sagte er und reichte den beiden Technikern jeweils eins der PADD's. "Hier sind alle Spezifikationen über die Bohrer drin enthalten. Ich bitte Sie, sich alles genau anzuschauen. Nämlich das große Problem da unten auf dem Planeten wird sein, die Bohrer schnell genug aufzubauen. Uns sitzen die Romulaner kräftig im Nacken; und damit meine ich nicht mich", bemerkte er und grinste.

"So, ich glaube, das wäre soweit alles. Ich bitte Sie, sich in zweieinhalb Stunden wieder hier einzufinden. Falls Sie zu Übungszwecken das Holodeck benutzen wollen, dann nehmen Sie Nummer 1. Das habe ich für die nächsten 4 Stunden für den Maschinenraum reservieren lassen. Also, dann viel Erfolg. Und bis nachher", verabschiedete er die Zwei und begab sich dann wieder zu seinem Kaffee.

Gerade wollte er einen Schluck; eigentlich den ersten dieser Tasse; zu sich nehmen, als er schon wieder hörte, wie die Tür sich öffnete. Interessiert schaute er auf und entdeckte einen großen Typen in einer goldenen Uniform. Aber von seinem Technikerteam war das keiner. Blieb also nur eine Möglichkeit.

"Hallo, Sie müssen wohl von Hisaki geschickt worden sein, vermute ich mal", rief Yhea quer durch den Raum, als er bemerkte, das der Sicherheitstyp nicht genau wusste, wo er hin gehen sollte. Als er jedoch den Romulaner bemerkte, erhellte sich sein Gesicht und er marschierte schnur stracks auf Yhea zu.

"Hallo, mein Name ist Henry Combatch. Aber Sie dürfen mich Henry nennen", sagte dieser laut und streckte dem Romulaner freundlich die Hand hin.

"Und ich bin Yhea Alnak. Freut mich Sie kennen zu lernen." Schnell ergriff er die dargebotene Hand Henrys und schüttelte sie kräftig. "Hat Sie Mister Hisaki schon eingewiesen?"

"Nein, hat er nicht. Er hat nur gesagt, ich soll mich bei Ihnen im Maschinenraum melden. Um was geht es denn?", fragte er gut gelaunt.

"Das ist schnell erklärt", antwortete Alnak und trank jetzt endlich einen Schluck von seinem Kaffee. Angewidert verzog er das Gesicht, als er einen großen Schluck kalten Kaffees herunterwürgte. Schnell stellte er den Kaffee zurück und schaute dann wieder zu Combatch zurück.

"Also, 2 Techniker und ich werden mit mehreren großen Industriebohrern auf den Planeten gebeamt. Unsere Aufgabe soll es sein, dort diese Bohrer zu installieren. Das Problem wird sein, dass die Romulaner das nicht gern sehen. Ihre Aufgabe wird also sein, uns 3 ein wenig Rückendeckung zu geben. Wie werden zwar auch mit Phasern bewaffnet sein, aber wir können halt nicht die ganze Zeit aufpassen, was um uns passiert. Dafür werden Sie also Zuständig sein. Haben Sie das soweit verstanden?", fragte Yhea und schaute den Hünen ernst an.

--- Gang vor der Brücke

Es war passiert: Anjol war wieder allein...

Seit Enehys Tod war er es oft gewesen und er hatte meistens seine Empfindungen verdrängen können, aber jetzt stand er auf diesem leeren Gang und das einzige Geräusch lieferten die pulsierenden Warp-Reaktoren.

Das ganze Leben hatte vor ihnen gelegen, aber dann...

Dann...

Dann war es passiert; dieser wahnsinnige Kahn hatte sie ihm weggenommen, das einzige was ihm etwas bedeutet hatte... Jetzt war er hier; allein und sein Herz pochte so laut wie ein Schmiedehammer der unablässig auf einen Amboss geschlagen wurde, während sein Blut durch die Venen schoss und Zorn in ihm weckte.

Zorn, wie er ihn noch nie empfunden hatte, selbst als ihm seine Heimat zweimal entrissen wurde. Aber ein Planet konnte wiedererobert werden. Enehy war für immer fort.

Für immer....

immer...

imm..

i.

Ein stechender Schmerz durchfuhr zuerst die Hand des Bajoraners und dann seinen ganzen Leib. Vom Schmerz benommen sackte er auf die Knie zusammen und Blut lief aus den zerrissenen Handknöcheln, während sich in der Wandkonsole eine deutliche Beule zeigte und Funken aus dem zerstörten Display flogen.

Der Schmerz hatte sich bis in sein Herz gebohrt und nährte ihn mit...

Gefühl!

Er spürte etwas, während die Welt um ihn im Dunkeln verschwand.

Auch wenn es nur der Schmerz angebrochener Knochen und das warme Blut war, das an seinem Arm entlang lief und auf den grauen Teppichboden tropfte...

Plötzlich hasste der Bajoraner sich selbst für die Schwäche die er zeigte und er zog sich an der zerdrückt aussehenden Hand wieder hoch. Er kroch wie ein Wurm auf dem Boden. Wie ein winselndes Nichts, dass es nicht verdient hatte zu leben.

Und alles nur wegen...

...Enehy...

Der Name brannte sich tief in seinem Gehirn ein und auch als Anjol schon längst den Gang verlassen hatte und auf dem Weg zum Holodeck war, sah er ihr Bild genau vor sich.

--- Krankenstation

'Na schön, wenigstens etwas,' dachte die Schottin erleichtert, als der große Caldonier die mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck die Krankenstation verlassen hatte. "Hoffentlich wird der Captain jetzt wieder etwas freundlicher, ich habe nämlich keine Lust, dass sich dieses Theater wiederholt, bloß weil er schlechte Laune hat und Dinge erfahren hat, die ihm nicht gefallen..."

Dann wandte sie sich an die Purna: "Cailin, ich fürchte, dass der Captain nicht sehr erfreut war, dass Du nicht mit zur Besprechung gekommen willst. Ich hatte das Gefühl, er wollte sein unfreundliches Benehmen von vorher wieder gut machen. Statt dessen bin ich ihm auch noch in Quere gekommen und habe ihm vor den anderen meine Gedanken offen dargelegt. Darüber war er auch nicht sonderlich begeistert..."

Noch während sie sprach, wandte sich die hochgewachsene Schottin von der Vogelfrau ab hin zu dem Techniker, der bewegungslos auf seinem Biobett lag. Schnell kontrollierte sie die Anzeigen, ergriff dann einen Tricorder und scannte den Körper des Regungslosen. "Hmmm.... scheint ganz gute Fortschritte zu machen.." murmelte sie dabei vor sich hin. "Nicht mehr lange, dann können wir ihn aus diesem Koma rausholen..."

Dann drehte sie sich wieder um... und brach ihre Drehung verblüfft ab, als sie sah, dass ihre Kollegin immer noch an der Stelle stand, an welcher sie wenige Minuten vorher den Caldonier untersucht hatte. Cailin zeigte einen Gesichtsausdruck, der aus einer Mischung von Sorge, Unbehagen und Abschätzung bestand. Eine merkwürdige Mischung, fand die Rothaarige.

"Hast Du ein Gespenst gesehen oder was ist los, Cailin?" wunderte sie sich.

"Was?", fragte die Purna verwirrt und schrak ein wenig zusammen bei den Worten der Schottin. Diese hatte sie ganz aus den Gedanken hochgeschreckt, die noch einmal den Vorfall vor wenigen Minuten durchlebten. Dadurch war ihr sogar entgangen, dass der Captain nicht besonders gut auf sie zu sprechen war. So hatte ihre Unaufmerksamkeit wenigstens etwas Gutes.

"Ich fragte, ob du ein Gespenst gesehen hast oder was sonst los ist", erinnerte die Rothaarige ihre Kollegin, die noch immer einen ziemlich entgeisterten Eindruck auf sie machte.

"Ach so", sagte Cailin in dem Ton, wie man immer etwas sagte, wenn man vorgab etwas zu verstehen, aber mit den Gedanken noch immer woanders war. Dennoch schien der Sinn der Worte langsam bis zu ihrem Geist durchzudringen. Nach kurzem Überlegen gab die Purna sich einen innerlichen Ruck.

"Es geht etwas Seltsames an Bord vor und ich habe Angst mit dem Cap.. mit Kuzhumo darüber zu sprechen", gerade noch rechtzeitig hatte Cailin sich daran erinnert, dass der Captain für Privataudienzen nichts übrig hatte und der Dienstweg ihr vorschrieb sich damit an den Sicherheitschef zu wenden, "da ich denke, dass mir niemand glauben wird. Sie belächeln mich ohnehin, wenn ich von den weisen Kräften des Orakels von Lanagor spreche. Niemand glaubt auch nur im geringsten an die Wahrheit dieser Zukunftsvisionen. Da käme Ihnen doch so eine Geschichte grade recht. Ich könnte mich nie wieder außerhalb der Krankenstation blicken lassen ohne zum Gespött der ganzen Mannschaft zu werden."

Ihr Federkamm plusterte sich einmal leicht entrüstet und zum Teil auch unbehaglich auf, während sie nervös gluckste und ihr Blick immer wieder zur Tür schweifte, als würde der Schatten noch einmal auftauchen. Doch er kam nicht. Trotzdem fühlte sie ihn beinahe körperlich. In ihren Gedanken war er allgegenwärtig.

Seufzend nahm Cailin hinter dem Terminal Platz, bevor sie sich aufraffte Catrìona alles zu erzählen. "Ich kam vorhin auf die Krankenstation. Als die Tür sich automatisch öffnete, war ein dunkler Schatten über den Terminal gebeugt. Alles woran ich mich erinnern kann, waren seine Augen. Fürchterlich kalte Augen." Sie erschauerte und sammelte erst kurze Kraft, bevor sie mit ihrer Erzählung fortfahren konnte.

"Ohne körperliche Kraft anzuwenden, schleuderte er mich zurück und war plötzlich verschwunden." Bewusst verschwieg sie, dass sie den Eindruck hatte, dass der fremde Geist für einen Moment fast suchend in den ihren gedrungen war und auch, dass sie für einen Moment das Bewusstsein verloren hatte, als sie gegen die Wand geschleudert wurde. Wer weiß, ob Catrìona ihrer Beobachtung dann noch den geringsten Glauben geschenkt hätte.

Unglücklich sah die Vogelfrau zu Catrìona, die sie kein einziges Mal unterbrochen hatte, aber sie seltsamerweise sehr gebannt und gespannt musterte. Sie schien sich bereits eine Meinung über den Vorfall gebildet zu haben und Cailin hoffte, dass es keine schlechte über ihre eigene überreizte Phantasie war. Doch zum Glück wirkte die Schottin keineswegs skeptisch. Im Gegenteil.

"Aber das war nicht alles", beeilte sie sich hinzuzufügen und das Eisen zu schmieden so lange es noch heiß war. "Ich hab ehrlich geglaubt nur eine Vision zu haben, also hab ich versucht mit dem Terminal mehr Beweise oder Spuren für das eben Erlebte zu finden. Laut Computer wurde eine Datei gelöscht oder geändert. Aber ich konnte diese Änderung nicht einsehen, weil mir der Zugriff verweigert wurde. Kurz darauf wusste der Computer nicht einmal mehr, dass je etwas verändert wurde.

Aber glaub mir. Ich spinne nicht. Ich hab es wirklich erlebt. Bitte glaub mir..." Hoffnungsvoll wartete Cailin auf die Antwort ihrer Chefin von der sie hoffte, dass sie eine der wenigen war, die ihren Worten Glauben schenken würde.

Nachdenklich nahm die Schottin auf eine leeren Biobett Platz und ließ die Beine baumeln. "Hmmm..." machte sie, während sie über das Gehörte nachdachte.

"Mit einem hast Du auf jeden Fall Recht, Cailin," begann sie dann. "Es wird Dir zunächst kaum jemand auch nur einen Teil dieser Geschichte glauben. Dazu sind sie alle viel zu sehr in ihrer streng technisch-wissenschaftlich orientierten Welt verwurzelt...

Wenn der Computer dir diesen Unsinn erzählt, dann muss da jemand dran gewesen sein, der sich verdammt gut mit so etwas auskennt... und davon dürften wir nicht gerade viele an Bord haben..."

Die Rothaarige hielt inne und blickte zu ihrer Kollegin, die sie ihrerseits gleichzeitig hoffnungsvoll als auch verwirrt ansah. 'Wieso denn verwirrt?' fragte sich Catrìona, als ihr auch sofort der Grund dafür klar wurde.

"Du hast nicht gedacht, dass ich Dir glauben würde, oder? Das tue ich aber - die meisten Hochlandschotten täten das!" Der verwirrte Gesichtsausdruck der Vogelfrau schwand und wurde durch die Andeutung eines Lächelns ersetzt.

"Die Frage ist nur... Wer könnte das noch glauben? Irgendjemand von der Sicherheit sollte informiert werden, aber wer? Kuzhumo kenne ich nicht genug, ich habe keine Ahnung, ob seine fernöstlichen Weisheiten 'Schatten' beinhalten... Vielleicht könnte aber auch Brengh helfen, da wäre sein verdammtes Misstrauen endlich einmal zu etwas nutze... Obwohl ich diesen Mann entschieden nicht leiden mag...

Hast Du irgendeine Idee, wer uns da helfen könnte?" wandte sie sich dann an Cailin.

Dankbar strahlte die Purna noch immer ihre Kollegin und Vorgesetzte MacLeod an. Zwar kannte sie diese nun doch schon einige Zeit, wobei ihre harte Arbeit sie ziemlich zusammengeschweißt hatte, aber dass die rothaarige Frau aufgrund ihrer Abstammung an unerklärliche Dinge glaubte, die andere eher als übersteigerte Phantasie oder schlimmeres abgetan hätten, darüber hatten sie nie gesprochen.

"Ich bin mir auch nicht sicher, wer meinen Worten Glauben schenken würde. Brengh möglicherweise, da hast du schon recht, er ist immer sehr nett und zuvorkommend zu mir. Fast wie ein große Bruder.

Aber wenn ich jetzt wieder mit dem Navigator rede anstatt Kuzhumo einzuweihen, dann kann ich mir sicher wieder eine Litanei über den Dienstweg anhören. Vorenthaltene Beweise, unterlassene Berichterstattung, Verschleierung von wichtigen Beobachtungen, etc." Die Vogelfrau sträubte vereinzelt Federn, was ein sehr angenehmes Gefühl bei ihr hinterließ. Fast wie eine Massage der Kopfhaut. Dabei fiel ihr auch etwas ein.

"Anjol! Was hältst du davon, Catrìona, wenn wir Anjol in die Sache einweihen? Er gehört zur Brücke, aber er ist doch fürs Volk. Brengh können wir es ja noch immer sagen. Es ist vielleicht sogar besser, wenn es mehr Leute wissen. Irgendwer wird mir dann sicher Glauben und wer weiß, was es mit dieser Beobachtung auf sich hat..." Noch immer in Gedanken nickte Cailin entschlossen vor sich hin. Je mehr sie darüber nachdachte, desto besser gefiel ihr der Gedanke.

Ihre Hand schwebte über ihren Communikator, hielt jedoch dann inne, statt ihn zu aktivieren: "Soll ich? Was meinst du?"

Obwohl sie noch nicht sehr lange hier an Bord zusammen dienten, so hatte die Purna doch Vertrauen zu Catrìona gefasst und hielt sehr viel auf ihre Meinung. Als Ärztin und vor allem als Mensch.

--- Holodeck 1; eine halbe Stunde nach dem Vorfall im Gang

Klatschend schmetterten die Fäuste des Bajoraners auf den arg abgenutzten Sandsack ein, der von der schäbigen Zimmerdecke herabhing und ihn beinahe verhöhnend anschaute.

Energisch prasselten die Schläge auf das aufgeriebene Leder und die Zeit zwischen ihnen wurde immer kürzer, bis man Anjols Hände nur noch schemenhaft wahrnehmen konnte.

'Enehy!', schrie er innerlich auf und die ganze Wut sammelte sich in seinen Armen, die trotz der viel zu langen Überlastung nicht aufhören wollten. Irgendwie erschien es ihm logisch, hier auf der Holodeck nach Rache zu suchen. Nachdem was ihm auf einem anderen Holodeck widerfahren war...

"Eneeeeeeeehy!", brüllte er schließlich und brach mitten im Ausholen erschöpft zusammen. Seine Beine wollten ihm nicht mehr gehorchen und der ermüdende Kampf forderte seinen Tribut: Anjol hatte keine Kraft mehr und sein Kopf lag in einer stinkenden Schweißlache eingehüllt auf dem Boden der Sporthalle, die er hatte nachbilden lassen...

Aus den Augenwinkeln sah er bunte Muster, die um ihn kreisten und die ein Arzt wahrscheinlich auf zu niedrigen Blutdruck in den Augen zurückgeführt hätte; für Anjol waren es aber Dämonen, die lachend um ihn tanzten und sein Ende hämisch feierten.

Verzweifelt reckte er einen Arm um sie erreichen, aber seine Muskeln schmerzten von der Anstrengung und so blieb der Arm auf dem schmutzigen Flur liegen, während Anjol die abgewetzte Tapete an der Wand stumm betrachtete. Schweiß lief im langsam in die Augen und der beißende Saft ließ im Tränen in die Augen steigen.

Aber es gab noch einen anderen Grund....

--- Maschinenraum

Genüsslich hatte Yhea seinen Kaffe ausgetrunken und sich noch ein paar Gedanken über die bevorstehende Mission gemacht. Aber er war zu dem Entschluss gekommen, alle Eventualitäten bedacht zu haben. Also machte er sich auf den Weg zu seinem Quartier.

--- Yheas Quartier

Vor sich hinpfeifend schlenderte Yhea in sein Quartier, verriegelte die Tür und machte sich dann auf den Weg ins Badezimmer. Dabei fiel sein Blick auf die Uhr und er blieb überrascht stehen.

'Was, schon so spät?', dachte er und fing an, sich seiner Klamotten zu entledigen. 'Das wird aber knapp. Schließlich sind Robsen und Hedlege bald im Maschinenraum. Und ich wollte noch was essen.'

Schnell spurtete er unter die Schalldusche und stellte sie an.

"Ah, so eine Schalldusche ist doch was feines", rief er und fing wieder an zu pfeifen. Irgendwie ging ihm eine bestimmte Melodie nicht mehr aus dem Kopf. Schon seit Tagen pfiff oder summte er sie vor sich hin. Doch er kam einfach nicht drauf, woher er sie hatte.

--- Yheas Quartier, 5 Minuten später

Schnell ging er zum Kleiderschrank und öffnete ihn. 'Jetzt mal überlegen. Was ziehe ich am besten an für die Mission? Ich denke mal, die Offroad-Uniform ist da gut für geeignet. Die hat viele Taschen, hält warm und sieht dazu auch noch gut aus.'

Vorsichtig nahm er den Anzug aus dem Schrank und schlüpfte hinein. 'Hey, passt ja immer noch wie angegossen', überlegte er und posierte vor dem Spiegel. Doch als ihm wieder in Erinnerung kam, wie spät es schon war, beendete er das Schauspiel vor dem Spiegel und flitze zum Replikator.

"Computer, irgend ein romulanisches Hauptgericht aus deiner Datenbank."

Surrend erschien ein Teller im Ausgabefach. Grinsend nahm er ihn heraus und trug ihn zu seinem Schreibtisch. Es konnte schon praktisch sein, wenn man Techniker war. So konnte man nämlich den Replikator umprogrammieren. Früher hätte er Computer ihn höflichst darauf hingewiesen, das er sich doch verdammt noch mal entscheiden sollte. Jetzt suchte der Replikator selber irgendwas aus seiner Datenbank raus. Ohne groß zu meckern.

Genüsslich fing Yhea an, das romulanische Gericht zu vertilgen.

--- Gänge, Deck 3

Einerseits war Brengh froh, wieder diensttauglich zu sein, andererseits jedoch machte er sich Sorgen um Cailin. So hatte er die kleine Vogelfrau noch nie gesehen. Er nahm sich vor, nach seiner Schicht mit ihr zu reden.

Als er deswegen auf die Uhr sah, wurde ihm klar, dass er einen günstigen Zeitpunkt für sein Diensttauglichkeitsansuchen gewählt hatte: Die aktuelle Schicht würde gleich beendet sein, und er könnte planmäßig seinen Platz wieder einnehmen.

Falls der Captain nicht beschloss, ihn zu 'wichtigeren' Dingen abzukommandieren.

--- Brücke

Auf der Brücke angekommen, sah er sich nach dem Captain um. "Melde mich zum Dienst, Sir", grollte der Caldonier.

Die kerzengerade Sitzhaltung des Captains hatte sich in der vergangenen Stunde kaum verändert und so blickte er erfreut zu dem ankommenden Caldonier auf, dessen Stimme wie immer tief und mächtig klang. Einem Riesen wie Brengh hatte der Mensch anfangs nicht die filigrane Arbeit eines Navigators zugetraut, doch hatte Brengh seine Fähigkeiten in vielen Einsätzen eindrucksvoll demonstriert.

Er war eine Bereicherung; erst recht in ihrer derzeitigen Situation.

--- Brücke, zwei Stunden später

Es war soweit: Die Sterne längs der Venture nahmen wieder ihre "richtige" Form an und erinnerten nicht mehr an die eben noch langgezogen Streifen, die das Reisen mit Warpgeschwindigkeit so faszinierend machten. Sie hatten tatsächlich das erste Ziel erreicht und wie durch ein Wunder waren sie noch keinem der romulanischen Schiffe begegnet.

Was aber nicht bedeutete, dass diese nicht getarnt im Orbit hingen und nur auf den Moment warteten zuzuschlagen. Den Augenblick, in dem die Venture ihre Schilde senkte um Crew und Material auf den Planeten zu beamen.

Die ständige Gefahr getarnter Romulaner gehörte zu ihrem Geschäft, aber jedes Mal war es aufs neue ein riskantes Pokerspiel. Brengh saß inzwischen wieder an dem Navigationspult und tat seine Arbeit so routiniert und stumm wie immer.

Aber im Inneren des Caldoniers sah es sicher anders aus. McCarthy kannte die Paranoia des Hünen und konnte sich lebhaft dessen Empfindungen vorstellen; die Vorsicht von Brengh war aber schon oft ein großer Vorteil gewesen. Kein anderer Steuermann würde immer drei Schritte im voraus planen...

"McCarthy an die Mannschaft: Wir haben unser Ziel erreicht. Alle Senioroffiziere auf die Brücke. Wir gehen von Alarmstufe Gelb auf Stufe Rot! McCarthy Ende!", durchbrach er die unheilvolle Stille, nachdem er sich aus dem Kommandosessel erhoben hatte.

--- Maschinenraum

Überrascht schaute Yhea von seinem Kaffee auf, als die Meldung des Captains ihn erreichte. 'Was wir sind schon da? Das ging aber verdammt schnell', überlegte er und schaute auf die Uhr.

"Meine Güte, schon so spät?"

Schnell sprang er von seinem Stuhl auf, schüttete den halben Kaffee über die Konsole und erntete verdutze Gesichter von den anderen Anwesenden. Oder besser gesagt von Zwei. Henry Combatch, der Sicherheitsmann der ihm für die Mission unterstellt war, versuchte ziemlich erfolglos ein Grinsen zu unterdrücken.

Doch bevor er was sagen konnte rief Yhea: "Ok, dann wollen wir mal nicht weiter trödeln. Sie wissen alle was zu tun ist?" Einstimmiges nicken kam als Antwort.

"Gut, dann mal los. Wie gesagt, die Bohrer sind in Frachtraum 3. Warten Sie da auf mich. Sobald ich auf der Brücke nicht mehr gebraucht werde, komme ich zu Ihnen runter."

Zusammen verließen die 4 den Maschinenraum und machten sich dann getrennt auf zu ihren jeweiligen Zielen. "Ach bevor ich es vergesse, Mister Robsen und Mister Hedlege, vergessen Sie ihre Phaser nicht. Die Romulaner können ziemlich unfreundlich sein."

Nachdem der Romulaner aus dem Sichtfeld der anderen gekommen war, machte er sich auf den Weg zur Brücke.

--- Turbolift

"Computer, zur Brücke", sagte er laut und lehnte sich gegen die Kabinenwand. Langsam beschlich ihn das Gefühl, irgendwas ganz wichtiges vergessen zu haben. Mit den Augen verfolgte er die einzelnen Ziffern auf der Kontrolltafel, und das waren ja nicht viele bis zur Brücke, als ihm plötzlich siedensheiß einfiel, was er in seinem Quartier vergessen hatte.

"Computer halt", rief er schnell und korrigierte dann das Ziel des Turboliftes auf Deck 3.

'Und du Idiot sagst den anderen noch, sie sollen ihre Phaser nicht vergessen, obwohl dein eigener noch seelenruhig im Quartier liegt', schimpfte er mit sich selbst.

--- Deck 3

Kaum auf Deck 3 angekommen, stürmte er zu seinem Quartier, tippte seinen Berechtigungscode ein und marschierte ins Zimmer. Natürlich fand er auch sofort seinen romulanischen Disruptor, schließlich hatte er ihn extra auf den Schreibtisch neben seine Tür gelegt, um ihn auch ja nicht zu vergessen, wenn er das Quartier verlassen sollte.

Schnell schnappte er ihn sich, hängte ihn an seinen Gürtel und rannte zurück zum Turbolift. Er hasste es zu spät irgendwo zu erscheinen. Und diesmal war es wohl eindeutig, das er als letzter der Senioroffiziere die Brücke betrat. Normalerweise kam er immer zu früh irgend wo hin, doch diesmal hatte sich alles gegen ihn gestellt.

Zu erst hatte er im Maschinenraum die Zeit vergessen und nun das. Na ja, so konnte er wenigstens ein wenig Sport treiben auf dem Weg zur Brücke.

--- Turbolift

"Computer, noch mal die Brücke", schnaufte er und lehnte sich wieder gegen die Wand. Doch diesmal nicht aus Gemütlichkeit; nein, er war einfach aus der Puste. So schnell konnte man also seine Kondition verlieren. Also wusste er schon gleich, was er in den nächsten Wochen in seiner Freizeit tun würde. SPORT. Er wollte schon überlegen, was er alles machen konnte, als der Lift mit einem Ruck stehen blieb und die Türen sich öffneten.

--- Brücke

Langsam schritt Yhea aus dem Lift heraus und schaute sich um. 'Hey, es geschehen doch noch Zeichen und Wunder.' Überrascht stellte er fest, dass er doch nicht der Letzte war. Weder der Japaner noch einer aus der Krankenstation war zu sehen.

Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht schritt er am Captain vorbei und ließ sich mit einem Schnaufen in seinen Sessel vor der Technik-Konsole nieder. Mit dem Ärmel wischte er sich den Schweiß von der Stirn und meldete: "Captain, ich bin soweit mit allem fertig. Die Bohrer sind einsatzbereit. Mein Team, damit meine ich Robsen, Hedlege und mich, haben alle Vorbereitungen abgeschlossen. Sobald Sie das Signal geben, werden wir uns mit dem Frachttransporter im Frachtraum drei auf den Planeten beamen. Zur Absicherung habe ich beschlossen, Mister Combatch aus der Sicherheit mitzunehmen. Der deckt uns den Rücken, falls die Romulaner kommen."

Zufrieden schaute er den Captain an.

--- Deck 6, Sicherheitsbüro

Verblüfft schaute Kuzhumo von seinem PADD auf. 'Nanu? Wir sind schon da?', fragte sich der Japaner. Nicht das er nicht mit seinen Vorbereitungen fertig war, aber ein gewisser Feinschliff fehlte ihnen noch.

Aber voll durchdachte Pläne brachten auch nichts, wenn etwas Unvorhergesehenes passierte. Allerdings waren da noch ein paar andere Sachen, die nun schnell nachgeholt werden mussten.

"Hisaki an Janet, Havburn und Kister. Melden sie sich sofort im Sicherheitsbüro. Unser Zeitplan hat sich verkürzt. Ich hoffe sie haben ihre Vorbereitungen abgeschlossen. Kuzhumo Ende."

Ruhig lehnte sich der Sicherheitschef wieder zurück und schickte eine Nachricht an den Captain, dass er nicht sofort mit ihm rechnen konnte.

Dann stand er auf und schulterte sein Phasergewehr und überprüfte den Sitz seines zweiten Phasers, den er am Gürtel trug, wie auch den Tricorder.

Und schon öffnete sich die Tür und ein schnaufender Renold Kister kam herein. Dieser fühlte sich hoch geehrt als er auf der Ivory von Kuzhumo und Anjol das Angebot bekam auf der Venture zu dienen.

Der gebürtige Australier war mit seinen 42 Jahren noch sehr fit und attraktiv. Dieser Umstand und seine lebenslustige Art brachten ihn viele Sympathien bei den übrigen Crewman ein.

"Fähnrich Kister meldet sich wie befohlen zur Stelle Sir", mit diesen Worten salutierte dieser. Es schien dem Sicherheitschef, dass er nur auf diesen Ruf gewartet hatte, denn tatsächlich war er schon fix und fertig.

Nach einem kurzen Gespräch und der Bestätigung, dass Kister alle Missionsbeschreibungen durchgelesen und verstanden hatte, kamen auch Janet und Havburn herein.

Beide hatten auch schon eine Uniform besorgt, wobei Clance Havburn diese noch unter dem Arm trug. Nun ging Kuzhumo zu Waffenschrank und teilte Phaser und Tricorder aus, während er die Mission noch einmal durchging und auf eventuelle Schwierigkeiten aufmerksam machte.

"Das wäre es bis jetzt. Ich gehe nun zum Briefing. Ich wünsche das Sie sich alles einprägen und vorbereitet sind auf eventuelle Planänderungen", verabschiedete sich der Asiate von der Gruppe die sich schon erregt am unterhalten war.

--- Turbolift

Amüsiert dachte Kuzhumo an sein Einsatzteam. Alicia hatte mit Sicherheit den Einsatzbefehl nur überflogen und Clance hatte bestimmt Mühe sein Messerset an der Starfleetuniform anzubringen.

Aber der Japaner hatte keine Zweifel daran, dass sie ihre Aufgaben gut meistern würden.

--- Brücke

Gemäßigten Schrittes ging Kuzhumo auf den Kommandosessel zu und verbeugte sich leicht vor Captain McCarthy. "Entschuldigen Sie bitte die Verspätung, aber unsere verfrühte Ankunft hat meinen Zeitplan durcheinander geworfen."

Mit einer erneuten Verbeugung wandte sich der Asiate nach einem Nicken vom Captain seiner Sicherheitsstation zu und setzte sich.

--- Krankenstation

Cailin wischte noch einmal über ihre Stirn und verbannte eine zu vorlaute Feder wieder an ihren Platz. Wäre sie keine Purna wären wohl Schweißperlen der Anstrengung auf ihrer Stirn gestanden. Wer sie kannte würde sich darüber wundern wie zerzaust und unordentlich sie im Moment herumlief. Doch wer die letzten Stunden auf der Krankenstation dabei gewesen war, der begriff, dass Wunder eben ihren Tribut forderten.

Und selbst jetzt, als der Blick der Vogelfrau auf dem winzigen Kind lag, das schlafend in den Armen der Bajoranerin lag, die von ihrem Mann gestützt wurde, die beide selig lächelten, lag immer ein Hauch des großen Zaubers von Lanagor auf ihnen. Dem Herrscher über alles Leben.

Leise aufatmend verließ sie das Behandlungszimmer und ging in einen kleinen Nebenraum um ihre Hände gründlich zu säubern und einige Geräte zu sterilisieren. Das war wesentlich energiesparender, als sie ständig neu zu replizieren. Und wenn Cailin etwas in letzter Zeit gelernt hatte, dann, dass alles etwas kostete und man mit dem Notdürftigsten auszukommen hatte.

--- MacLeods Quartier

Catrìona trat gerade aus der Dusche, als sie die Stimme des Captains vernahm. "Ifrinn," fluchte sie, dann begann sie sich eilends umzuziehen, damit sie nicht als allerletzte auf der Brücke eintraf.

Nachdem sie sich eine Hose und Pullover übergezogen hatte, griff sie zu einem Plaid mit dem Tartan der MacLeods, den sie sich anstelle eines Gürtels um die Hüften schlang. Ein kurzer Blick in ihren Spiegel zeigte ihr, dass ihre langen roten Haare noch in tropfnassen Strähnen auf ihre Schultern hingen, es zeigten sich bereits die ersten feuchten Stellen im Stoff ihres Pullovers.

"Ach, was soll's!" beschloss die Schottin mit einem Schulterzucken, ergriff eine Spange und band sich damit die Haare aus dem Gesicht. Dann verließ sie ihr Quartier und machte sich auf dem Weg zur Brücke.

--- Brücke, kurze Zeit später

Noch während sie die Brücke betrat, registrierte die Schottin, dass Kuzhumo und der Romulaner kurz vor ihr eingetroffen waren. Catrìona strich sich eine nasse Strähne, die ihr ins Gesicht gefallen war, aus der Stirn und wandte sich an den Captain:

"Entschuldigen Sie meinen Aufzug, Sir, aber wir hatten eine Situation auf der Krankenstation, die eine Dusche erforderlich machte..."

--- Krankenstation, Nebenraum

Die Purna war routiniert im Beseitigen von Spuren und so dauerte es nicht lange, bis sie fertig war. Catrìona hatte es bevorzugt gleich nach der gelungenen Entbindung ihr Quartier aufzusuchen. Was auch kein Wunder war, da bei ihr wohl eine ganze Ultraschalldusche nötig war, bevor sie neue Kleidung anlegen konnte.

Nachdenklich betrachtete Cailin ihr Spiegelbild und bei einem Blick auf den Communikator kam ihr in den Sinn, dass sie noch immer nicht wusste, was Catrìona von ihrer Idee hielt, Anjol zu informieren. Die Geburt hatte plötzlich alles zweitrangig gemacht, was nicht zuletzt an den Komplikationen lag.

Wären Catrìona und Cailin nicht bereits so ein gut eingespieltes Team, dass sie sich per Augenkontakt und kleinen Gesten verständigen konnten, hätten auch die werdende Mutter und der Vater mitbekommen, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war und Mutter wie Kind in Lebensgefahr schwebten.

Aber doch hatten sie es geschafft. Wieder einmal.

Stolz mit hoch erhobenen Kopf und normal aufgestellten Federkamm, sah die Purna ihrem Spiegelbild entgegen und war einmal mehr froh ihr Leben in den Dienst von Lanagor gestellt zu haben, indem sie anderen half und alles in ihrer Kraft stehende für sie tat. Es war ihr Schicksal.

Für eine Weile sah sie nur ihr Spiegelbild an und dachte an den jungen Purna, der ihr soviel bedeutet hatte. Sie vermisste ihn. Zwar war ihre Liebe im Laufe der Zeit etwas verblasst, vielleicht leugnete sie nur vor sich selbst, aber ihre innige Freundschaft fehlte ihr sehr. Ebenso wie die Geborgenheit und Gemeinschaft ihres Schwarms.

Nur langsam glitt sie wieder in die Realität zurück und damit auch zu dem Vorfall mit dem unheilvollen Schatten.

Einen Moment spielte Cailin mit dem Gedanken, Catrìona ihre Frage erneut zu stellen und diesmal sicher eine Antwort zu erhalten, doch dann entschied sie sich dagegen. Denn Catrìona hatte sich zum einen eine Ruhepause verdient und zum anderen war ihre Beobachtung ihr eigenes Problem. Und die Entscheidung was sie tun sollte, würde ihr niemand abnehmen können.

Seufzend betätigte die Vogelfrau ihren Communikator: "Cailin an Anjol. Ich habe... eine Beobachtung gemacht und muss mit jemand darüber sprechen. Hast du Zeit?"

--- Holodeck

Eine Stimme.

'Enehy?', flüsterte Anjols Seele fragend und konzentrierte sich.

Nein...

Nein, es war nicht die Xenexianerin.

Ein Teil des Bajoraners starb wieder und sein Bewusstsein vergrub sich wieder in der Besinnungslosigkeit, in der er die letzten Stunden - oder waren es Tage gewesen? - geflüchtet war.

Ein schmerzendes Brummen bohrte sich tief in seinen Verstand und überdeckte all seine Vorstellungen immer weiter. Der Bajoraner seufzte leicht und gab sich seinem Leid hin.

Begrüßte den Schmerz wie einen Heiligen.

Machte sich frei von aller Kraft.

Sein Körper klebte an dem staubigen Hallenboden fest und der kalte Schweiß bedeckte Anjols Körper wie der Speichel eines riesigen Käfers, der ihn als Vorspeise aussaugen wollte.

Dann war da wieder die Stimme; und wie ein rettendes Seil legte es sich um Anjols Verstand und zog ihn aus seiner Agonie heraus. Erschreckt schlug der Bajoraner die Augen weit auf und seine Ohren verarbeiteten die Worte, die von weit her zu kommen schienen.

Dann begriff Anjol: 'Der Kommunikator, richtig.'

"Anjol, geht es dir gut? Melde dich doch!", erklang eine leicht vor Furcht gurrende Stimme und er fragte sich, wie lange Cailin schon auf eine Antwort wartetet.

"Ja Cailin, mir geht es gut. Ich war nur etwas eingenickt", antwortete er immer noch etwas geistesabwesend und versuchte sich an den Grund ihres Anrufes zu erinnern...

"Sicher kannst du mit mir reden. Ich bin in 15 Minuten in der Krankenstation!", beendete er schließlich die Verbindung und ließ eine wohl reichlich verwirrte Purna am anderen Ende der Leitung zurück.

Zunächst würde er sich waschen müssen, hatte aber keine Zeit sich noch in sein Quartier zu begeben. Dann besann er sich auf seinen Aufenthaltsort und daran, dass jede Sporthalle immer auch eine Dusche hatte. Suchend blickte er sich um und entdeckte ein Hinweisschild, dass einen vereinfachten Menschen unter rieselnden Wasser darstellte...

---Krankenstation; 14 Minuten und 50 Sekunden später

Zischend schloss sich die große Tür der Krankenstation und Anjol versuchte auch den letzten Rest seines Schmerzes wieder zu verdrängen. Es war nicht die Zeit um Privates zu wälzen. Egal wie schlimm es war, die Mission war wichtiger!

Dann entdeckte er Cailin, die schon fragend auf ihn zu warten schien...

Die Vogelfrau bemerkte gleich, dass mit Anjol etwas nicht stimmte. Er wirkte ausgepowerthelp und müde, aber auch bis zu ihr war inzwischen das Gerücht gedrungen, dass Anjol in seiner Abwesenheit einen geliebten Menschen verloren hatte, was ihn nachhaltig verändert hatte. Also versuchte sie seine Verfassung zu übergehen und erst später darauf zurückzukommen.

Sie wusste aus Erfahrung, dass er es nicht mochte, wenn man sich zuviel um ihn sorgte.

"Nimm Platz, du wirst ihn brauchen", sagte sie und beobachtete, wie er ihr gegenüber Platz nahm. Seit sie ihn kannte hatte er nie so abgekämpft ausgesehen. Nicht mal die schlimmsten Kämpfe mit den Romulanern oder mit seinem Captain hatten ihn ähnlich hergenommen. Rasch schüttelte sie ihre Gedanken ab, bevor er ungeduldig wurde.

"Ich habe etwas gesehen...", begann sie vorsichtig, wusste aber nicht wirklich so recht, wie sie das Gespräch fortführen sollte, da sie sich schlecht fühlte Anjol in seiner Verfassung auch noch mit ihren Problemen zu belästigen. "Eigentlich sollte ich Meldung erstatten, aber den Captain möchte ich aus einem bestimmten Grund nicht belästigen und Kuzhumo... du weißt ja wie er ist..."

Sie verstummte abermals und kämpfte mit sich. Fast war es ihr peinlich von dem Vorfall zu berichten, der ihr bei genauer Betrachtung und nach den letzten beiden Stunden inzwischen selbst wie ein Tagtraum vorkam, aber sie wusste auch wie wichtig es war, jemand davon zu erzählen für den Fall, dass ihre Beobachtung stimmte und sie jemand oder etwas an Bord hatten, dass ihnen entweder etwas verheimlichte oder etwas vorhatte.

"Kurz und gut: Vor etwa zwei Stunden machte ich eine sehr eigenartige Beobachtung. Ich kam von der Bar hierher zurück. Die Türen gingen auf und ich sah eine Gestalt über diesen Terminal gebeugt", sie deutete auf den Bildschirm, "eine Gestalt wie einen Schatten. Es wird jetzt sicher verrückt für dich klingen, aber alles woran ich mich erinnern kann sind diese schrecklichen kalten bösen Augen mit denen er mich angestarrt hat." Sie atmete tief ein um auch den Rest loszuwerden, nachdem sie schon so weit gekommen war.

"Dann erhielt ich plötzlich eine Art physischen Schlag, der mich gegen die Wand des Ganges prallen ließ, dass ich fast das Bewusstsein verlor und leicht betäubt war, ohne das dieses Etwas mich auch nur im Entferntesten berührt hat. Danach war es spurlos verschwunden." Hoffnungsvoll sah sie den Bajoraner an, der bisher geschwiegen und aufmerksam gelauscht hatte. "Fast hätte ich danach gedacht nur eine Vision gehabt zu haben, also durchsuchte ich den Terminal, um einen Hinweis darauf zu finden, dass ich wirklich etwas gesehen hatte und tatsächlich fand ich einen.

Eine Datei wurde geändert oder gelöscht. Ich versuchte Zugriff darauf zu erhalten, aber trotz meiner Autorisation wurde er mir einfach verweigert. Also versuchte ich es erneut und plötzlich hatte der Computer vergessen, dass in der letzten halben Stunde je etwas geändert worden war. - Was immer es war, es hat seine Spur verwischt." Cailin wirkte zerknirscht, während sie ihre kalten Hände rieb und Anjol bittend ansah. "Sag bitte, dass du mir glaubst... Ich weiß nicht, zu wem ich sonst gehen sollte..."

--- Brücke

Zufrieden schaute McCarthy seine versammelte Führungselite an und lächelte leicht im Angesicht der pflichtbewussten Ärztin. "Danke, dass Sie sich so sehr beeilt haben!", lobte er Miss MacLeod nickend und sah an ihrer Mine, dass Sie nicht genau wusste, wie sie darauf reagieren sollte.

Währenddessen wandte er sich wieder an die ganze Mannschaft und deutete mit einer einladenden Handbewegung auf den Hauptschirm, der immer noch den Planeten in all seiner Pracht abbildete. Durch ein seltenes Gas war die Atmosphäre grünlich gefärbt und die starken Strahlen der Sonne ließen die Kolonie beinahe leuchten.

Und mit einem leichten Funkeln in den Augen fügte er zu der Geste hinzu: "Gut, dass wir bereit sind! Die Romulaner werden was erleben können!"


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