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Venture 10 - Auf der Suche

--- Büro des Captains, etwas später

Angespannt saß Charles hinter seinem Schreibtisch und starrte auf das Terminal. Wieder und wieder hatte er sich die Nachricht durchgelesen und jedes Mal kamen ihm neue Bedenken. Doch das Problem war, dass sie sich solch eine Chance eigentlich nicht entgehen lassen durften. Schließlich war die Venture hier draußen auf sich alleine gestellt. Immer darauf
bedacht, den Romulanern und der Föderation aus dem Weg zu gehen. Die Romulaner wollten sie schlichtweg vernichten und die Föderation brannte nur darauf, die gesamte Crew vor ein Kriegsgericht zu stellen. Nebenbei bemerkt wollte sie wohl auch die USS Hope zurück.

Doch wenn Charles wieder vor der gleichen Situation stehen würde, er würde wahrscheinlich genauso handeln. Denn was war schon seine Karriere wert im Gegensatz zu dem Leben von Tausenden Kolonisten? Also, das machte die Entscheidung einfacher.

Er schwang sich aus seinem Sessel und bestellte sich am Replikator einen Kaffee. Er vermied es, seinen Chefingenieur ebenfalls nach einem Kaffee zu fragen, denn der hatte in den letzten 2 Stunden, in denen sie jetzt schon hier saßen, schon ganze 5 Tassen getrunken. Wenn Charles nur daran dachte, drehte es ihm schon den Magen um. Na gut, Magengeschwüre waren heilbar, doch bei dem Koffeinkonsum...

Doch er musste sich jetzt wieder auf das Thema konzentrieren. Schließlich ging es um die Zukunft der Venture im Kampf gegen die Unterdrückung.

"Also, ich denke mal, die Fakten stehen fest und wir sind uns einig darüber, dass wir diese Mission durchführen müssen. Oder gibt es von euch noch irgendwelche Einwände?", fragte der Captain, doch er bekam nur ein gemeinsames Kopfschütteln als Antwort. "Gut, dann werden wir in 4 Stunden starten. Bitte bereitet eure Abteilungen vor und macht alles für etwaige Probleme klar."

Mit einem Nicken verabschiedeten sich alle und verließen das Büro.

--- Brücke

"Ok, ich werde hier auf der Brücke bleiben und alles für den Start vorbereiten. Yhea, unterrichtest du die anderen Abteilungen?", fragte Anjol und schaute den Romulaner an.

"Werd ich machen. Und sobald ich im Maschinenraum fertig bin, melde ich mich", sagte Yhea.

"Nun gut, dann mal alle an die Arbeit", rief Anjol und ging zu Brengh, während Kuzhumo sich zur Sicherheitsabteilung aufmachte.

"Ah, Yhea. Kannst du mir einen Gefallen tun?", fragte der Japaner. "Kann ich dir Miss Renault vorbeischicken, damit du sie mit den anderen zusammen einweist?"

"Aber klar doch. Ist ja kein Mehraufwand", antwortete Alnak.

"Danke. Ich schick sie dann sofort zu dir."

Auf dem Weg zum Konferenzraum tippte Yhea auf seinen Communicator. "Alnak an Clint, Cailin und Jefferson. Bitte kommen Sie sofort in den Konferenzraum. Alnak Ende", sagte Alnak und beendete dann die Verbindung.

--- Konferenzraum

"So, dann wollen wir doch mal sehen, wie lange die brauchen, bis sie hier sind", sagte er zu sich und ging zum Replikator.

"Einen Kaffe, schwarz."

--- Deck 3, Ysaras Quartier

Ysara hatte gerade ihre wenigen Mitbringsel in den Schrank geräumt, als die Mitteilung sie erreichte. Mit hochgezogenen Augenbrauen richtete sie sich auf. Alnak? Also würde sie in wenigen Minuten jenen Mann kennen lernen, der das Blut ihres Patienten Calvin regelmäßig in Wallung brachte. Sie erlaubte sich ein kurzes, interessiertes Lächeln.

Eine viel wichtigere Frage war allerdings, was dieser Mann von ihr wollte - immerhin sollte man meinen, mit einem Techniker würde sie nicht allzu viel zu tun haben. Kurzerhand warf sie noch einen Blick in ihre halb ausgeräumte Tasche, legte die letzten Padds auf den Nachttisch und band wie üblich ihre Zöpfe zurück, bevor sie den Raum verließ und sich auf den Weg machte.

--- Krankenstation

Kurz hatte Cailin ihrem Communicator gelauscht, ihre Arbeit dabei aber für keinen einzigen Moment eingestellt. Zu groß war noch immer die Euphorie über das vor kurzem erlebte. Auch wenn sie eine Purna war und kein durch und durch logischer Vulkanier fand sie das Heilungsergebnis und womit sie es bei Peregg erzielt hatten noch immer faszinierend.

Sie konnte sich gar nicht satt sehen an den Ergebnissen, die ihr alle Scans und eingehenden Nachuntersuchungen geliefert hatten. Und inzwischen bereitete ihr auch die Veränderung des zerebralen Nervenslappens ihres Schützlings weitaus weniger Sorgen als gedacht. Das Bild der Hirnströme war klar und deutlich und unterschied sich nicht von dem eines normalen Menschen. Auch reagierte er auf Reize vollkommen normal und in der vorgegebenen Reaktionszeit.

Für die Ärztin stand fest, dass "Ordanamalidan" ein Wirkstoff war, der sich vielseitiger würde einsetzen lassen, als sie bisher angenommen hatte. Wenn sie wieder mal genug Zeit für Forschung haben würde, dann würde sie sich genau dieses Punktes annehmen.

Gerne hätte sie ihr Erlebnis publik gemacht, nicht um Ruhm zu ernten, sondern vielleicht anderen Infizierten helfen zu können, doch durch die Abgeschiedenheit und die Existenz fern jeder Legalität vermerkte sie sich lediglich, heute Abend eine Mitteilung an diesen Dr. Euphal Ursus zu senden und ihm für seinen Bericht zu danken, der einem Menschen das Leben retten konnte. Er konnte und sollte ihr gewonnenes Wissen weitergeben.

Zufrieden lächelte sie Dallas zu, die gerade die Medikamente zu ordnen begann. "Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet mit den Vorbereitungen." Ihr Blick glitt auch zur Norgaard, der immer wieder etwas skeptisch zu Peregg hinüberblickte, da ihm Cailins Erzählung nicht aus dem Kopf gehen wollte. Er war kein Freund von Überraschungen und Dinge, die im Schiffscomputer nicht existierten gehörten eindeutig dazu.

"Sie beide", fügte die Purna hinzu. "Ich bin froh Mitarbeiter zu haben, die rasch handeln ohne zu fragen und auf die ich mich unbesehen verlassen kann. Sie beide haben mein vollstes Vertrauen." Dallas erwiderte ihr Lächeln glücklich und eine leichte Röte überzog ihre Wangen, während sie etwas ungeschickt weiterarbeitete.

Lediglich Norgaard brachte die Sache mal wieder nüchtern auf den Punkt und holte sie in die Wirklichkeit zurück: "Wenn Sie jetzt nicht zur Konferenz losgehen, dann beklagen Sie sich bloß später bei mir nicht, dass Mister Alnak ihretwegen einen Kaffeekollaps erleidet, Doc..." So sachlich er es doch vorgetragen hatte, so bildeten sich doch um seine Augen leichte Lachfältchen.

"Oh, Gott! Die Sitzung! Darauf habe ich glatt schon wieder vergessen." Die Purna sträubte automatisch ihre Kopffedern ein paar Mal und klappte sie wieder zusammen, während sie schon von ihrem Sitz aufstand. Eine Geste, die mit dem terranischen Frisieren gleichzusetzen war. Nur klappte es bei Cailin nicht so ganz, da sie nach dem Vorfall in den Jeffriesröhren die ganze Zeit auf der Krankenstation verbracht hatte, statt sich zu säubern. So wirkten ihre Feder immer noch unordentlich, selbst, als sie mit den Fingern etwas nachhalf.

"Egal, dann mache ich mich mal auf den Weg. Ich bin ungern die Letzte." Was mal wieder typisch für Cailin war, die niemand aufhalten wollte. Hastig verließ sie die Krankenstation Richtung Brücke.

--- Brücke

Auf der Brücke angekommen, sah Ysara sich einen Augenblick lang suchend um, bis eine junge Frau in roter Uniform von ihrer Konsole aufsah und sie anlächelte.

"Sie müssen die neue Psychologin sein! Willkommen an Bord!", begrüßte sie sie herzlich, und Ysara kam gerade zu einem Nicken, bevor sie bereits weiter sprach. "Sie suchen sicher Mr. Alnak; der befindet sich im Konferenzraum, einfach durch die Tür dort."

"Nun, danke schön", erwiderte die Psychologin etwas irritiert von so viel Übermut, lächelte etwas gezwungen und wandte sich in die angewiesene Richtung.

--- Deck 3, Biochemisches Labor

Die Überreste des Perregparasiten schwammen in einem kleinen Tank mit einer bläulichen Lösung. Der Tank befand sich in einer Apparatur, die die Flüssigkeit in Rotation hielt. Seit ein paar Stunden operierte Clint konzentriert an den Kontrollen des Geräts und musterte angestrengt die Anzeigen.

"Meinen Sie nicht, dass es besser wäre, das Ding in die Müllverwertung zu werfen?" Das war Dunlaith. Die junge Terranerin schien Vorbehalte gegen seine Bemühungen wegen den Parasitenüberresten zu haben. "Schließlich ist es nicht ganz ungefährlich. Und Sie wollen es wieder beleben?"

"Wir können von dieser Kreatur womöglich viel lernen", antwortete Clint ruhig und ließ sich nicht ablenken, "Außerdem ist jede Information, die wir über den Parasiten sammeln können, für nicht auszuschließende, künftige Begegnungen mit ähnlichen Wesen von Vorteil." Der Großteil der Arbeit war getan, Clint musste nur noch ab und zu eine Veränderung an den Einstellungen des Geräts vornehmen.

Es war ein hartes Stück Arbeit gewesen, aus den verkohlten Überresten brauchbares Material zu bekommen, welches man kultivieren konnte. Von einer richtigen Zellkultur war er zwar weit, aber immerhin gelang es ihm einige DNA Abschnitte zu rekonstruieren. Etwas angenehm Kaltes berührte plötzlich seinen Kopf.

"Hier nehmen Sie das", meinte Dunlaith, die ihre Tatenlosigkeit nicht länger aushalten konnte und dem Halb-Breen eine Eiskompresse repliziert hatte, "Sie sollten sich lieber auf der Krankenstation untersuchen lassen. Die Beule auf ihrem Kopf sieht nicht gut aus. Meine biochemischen Kenntnisse reichen vollkommen aus, um auf die Probe jetzt selbst auf zu passen"

"Wie Sie sich vielleicht entsinnen können wurde ich vor wenigen Minuten in den Konferenzraum gerufen, das hat Priorität. Die Probe ist jetzt soweit stabil, dass sie nicht mehr zerfallen wird. In Ordnung, übernehmen Sie jetzt", sagte der Adoptivvulkanier und machte sich auf den Weg.

--- Renaults Quartier

Eigentlich verspürte Mirabelle nicht die geringste Lust, jetzt auf die Brücke zu gehen und sich irgendeinen Vortrag anzuhören. Ihr Vorgesetzter, dieser Japaner, hatte ihr allerdings klar und deutlich gesagt, dass ihre Anwesenheit vonnöten war.

Seufzend erhob sie sich also vom Bett, auf dem sie gemütlich gelegen hatte, schaltete die klassische Musik ab, die sie gehört hatte und machte sich auf den Weg. Ausnahmsweise einmal ohne ihren "Schatten", den großen Wolfsrüden. Er hatte es sich nämlich ebenfalls in seinem Korb gemütlich gemacht und öffnete nur kurz ein Auge, als Mira zur Türe ging. Selbst er hatte heute zu nichts Lust...

--- Konferenzraum

Am Tisch saß ein einzelner Mann, der demnach Alnak sein musste und zufrieden an einem Kaffee nippte. Erneut stutzte Ysara - ein Romulaner? Irgendetwas in Calvins Ausführungen hatte sie vermuten lassen, dass es sich um einen Terraner handelte. Und was mochte ein Romulaner auf einem Schiff wie der Venture machen?

Sie fing sich schnell wieder und streckte ihm die Hand zur Begrüßung entgegen.

"Mr Alnak? Ich bin Ysara Jefferson, die Schiffspsychologin. Und scheinbar bin ich die erste", fügte sie dann noch trocken hinzu und sah sich kurz um.

Yhea schaute sich um und bemerkte: "Stimmt. Sie sind die Erste." Dann stand er aus dem Stuhl auf und schüttelte die ihm dargebotene Hand. "Und ich bin Yhea Alnak, wie Sie eben richtig erkannt haben. Chefingenieur, falls Sie es interessiert. Ach ja, und der einzige Romulaner an Bord."

Er grinste breit und ließ sich wieder in den Sitz fallen, bevor er wieder nach seiner Kaffeetasse griff.

"Und Sie sind also unsere neue Schiffspsychologin? Was treibt Sie auf so ein Schiff wie die Venture, falls man das fragen darf", fragte der Romulaner.

Als Antwort warf Ysara ihm einen langen, abschätzenden Blick zu und entschloss sich schließlich für die Wahrheit. "Arbeit, ein Bett und kostenlose Getränke in der Mannschaftsmesse", erwiderte sie schließlich lapidar.

Apropos Getränke ... sie ging hinüber zum Replikator und bestellte sich einen Orangensaft. "Ich bin nicht der Mensch, der sich für Ehre und Moral opfert", stellte sie klar, während das Glas materialisierte. "Aber das ist ja ohnehin nicht meine Aufgabe als Psychologin."

Sie nahm Alnak gegenüber platz und trank einen kleinen Schluck. "Mich würde es allerdings viel mehr interessieren, was einen Romulaner auf die Venture verschlägt." Ein wenig neugierig sah sie ihn an.

--- Brücke

Kaum auf der Brücke angekommen, erblickte Cailin auch schon Brengh, der mit Anjol in ein Gespräch vertieft zu sein schien. Sie war etwas enttäuscht, da sie immer gerne ein paar Worte mit dem Caldonier wechselte. Dabei sahen sie sich in letzter Zeit immer weniger.

Aber dafür schien "Smitty" etwas Zeit übrig zu haben. Jedenfalls sah sie sofort von ihrer Konsole auf und lächelte Cailin an, die dieses Lächeln herzlich erwiderte. "Smitty" war die allgemeine Abkürzung hier an Bord für "McSmitterworhty" wie die junge Terranerin hieß. Eine Schottin wie ihre Akte aussagte.

Noch bevor Cailin fragen konnte, erhielt sie auch schon Antwort auf ihre unausgesprochene Frage: "Nein, Sie sind nicht die Letzte, Miss Fakaii. Eine gewisse Miss Renault fehlt auch noch um die Sitzung komplett zu machen."

"Dann werde ich...", setzte die Ärztin nachdenklich an um mit einem schelmischen Grinsen von Smitty unterbrochen zu werden:

"Dann werden Sie sicher hier auf Miss Renault warten, damit sie nicht die Letzte ist, habe ich recht?"

Wieder fühlte sich Cailin ertappt; ihre Angewohnheiten schienen ihr so in Fleisch und Blut übergegangen zu sein, dass es ihr selbst gar nicht mehr auffiel. Beschämt lächelte sie nickend und sah zu Boden, bis ihr etwas einfiel:

"Sagen Sie, Smitty, wie geht es Ihrer Tocher Myra? Klagt sie immer noch über diese mysteriösen Bauchschmerzen immer wenn Sie zum Dienst gehen wollen oder hat sich das gegeben, seit Sie den Tag mit ihr gemeinsam in der Kindergruppe verbracht haben, damit sie näheren Kontakt zu den anderen Kindern erhält?" Der Ärztin ging Betreuung über alles, auch wenn es nicht ganz in den medizinischen Bereich fiel.

--- Konferenzraum

Unterwegs hatte sich Clint über seine bisherigen Ergebnisse Gedanken gemacht. Dieser Parasit hätte als biologische Waffe unglaubliches Potential. Er agierte selbständig, konnte sich dank seiner Formlosigkeit mühelos überall verstecken und zugleich schnell bewegen, hatte eine gewisse Resistenz gegen Phaserstrahlen und konnte seine Opfer suggestiv beeinflussen.

Er nickte den Anwesenden nur zu, setzte sich auf einen freien Stuhl und begann, Daten auf einem PADD zu studieren.

Alnak schaute kurz zu dem Neuankömmling. Mister Clint ermutete er. Dann blickte er wieder zu Ysara und grinste. "Den Spruch mit der Arbeit, dem Bett und den kostenlosen Getränken kann ich jetzt wohl nicht mehr bringen", sagte er.

"Aber nun gut. Also meine Anwesenheit hier hatte mehrere Gründe. Zum einen wohl, dass das, was die Romulaner hier mit den Kolonisten machen, nicht meinen Vorstellungen entspricht. Und zum anderen ..." Yhea stockte. Beinahe hätte er weiter geredet. Nur noch ein Wort und er hätte Ysara alles erzählt.

Aus dem Grund mochte er keine Psychologen. Er hatte nichts Persönliches gegen den Menschen, nur irgendwie mochte er den Beruf halt nicht. Nur wollte er nie einem Psychologen im Krieg begegnen. Es würde wahrscheinlich nicht lange dauern, und er würde jede erdenkliche Information preisgeben.

Er beendete seinen Gedankengang, bevor es zu auffällig wurde und sagte dann: "Na ja, eine Menge Gründe eben." Dann vertiefte er sich wieder in seine Kaffeetasse und hoffte, dass Ysara jetzt nicht weiter fragen würde.

"Das kann ich mir lebhaft vorstellen", erwiderte sie jedoch nur. Im Gegensatz zu anderen Psychologen gehörte sie zu dem Menschenschlag, der das Privatleben anderer sehr hoch schätzte. Schließlich bekam sie in ihrem Beruf mehr davon erzählt, als ihr lieb war.

Ihr Blick schweifte zu dem Halb-Breen, der den Blick nicht mehr von seinen Notizen genommen hatte, seit er den Raum betrat. Allein seine Anwesenheit reizte sie. Einen Augenblick lang beobachtete sie ihn beinahe lauernd, doch er regte sich nicht.

"Das ist übrigens Mr Clint", stellte sie unnötigerweise vor und konnte sich nicht davon abhalten, hinzuzufügen: "Er ist nicht sehr gesprächig" Das 'Glücklicherweise' verhinderte sie im letzten Moment angestrengt und verbarg ihr doch sehr amüsiertes Lächeln hinter einem tiefen Schluck Saft.

--- Brücke

Mirabelle freute sich, die Ärztin zu sehen. "Haben Sie etwa auf mich gewartet, Madame?" fragte sie neugierig.

Die Purna beendete ihr Gespräch mit Smitty, während sie sich im Geiste schon notierte, später wieder auf das Thema zurückzukommen. Denn es war ein Durchbruch in der Behandlung der Kleinen. Und das ganz ohne auf Medizin zurückgreifen zu müssen. Eine alternative Art der Heilung, die wohl eher in den Bereich Psychologie fiel, da Myra wirklich Schmerzen verspürt zu haben schien.

Offen erwiderte Cailin das Lächeln der Sicherheitlerin und nickte: "Ich habe wirklich auf Sie gewartet. Niemand geht gerne als Letzter rein. Außerdem hatte ich noch gar keine Zeit Ihnen zu danken, da Sie wirklich gute Arbeit geleistet haben. Ich wäre nie allein mit Peregg fertig geworden."

Sie verstummte kurz, aber die Französin schien in Gedanken schon bei der Besprechung zu sein und stellte keine Fragen mehr. Trotzdem lag es Cailin auf dem Herzen noch etwas zu sagen:

"Es geht ihm übrigens schon wieder den Umständen entsprechend. Peregg meine ich", erwiderte sie auf den irritierten Blick von Miss Renault. "Der Parasit lebt nicht mehr."

Damit waren beide auch schon bei der Tür des Besprechungsraumes angelangt, die sich zischend öffnete.

---- Besprechungsraum

Die drei Anwesenden wandten ihnen die Köpfe zu und Alnak schien zu nicken. Offensichtlich waren sie damit wirklich vollzählig. Rasch nahmen die beiden Frauen ihre Plätze ein.

Cailin fragte sich was das Thema der Besprechung sein würde. Es musste jedenfalls das ganze Schiff betreffen, wenn sie sich so ansah, wer alles hier hatte erscheinen müssen.

Das unbehagliche Gefühl, dass es Ärger mit dem Captain gab, wegen ihres Alleinganges mit Peregg legte sich sofort wieder. Denn sie stand felsenfest hinter ihrem Handeln. Ihre Schultern strafften sich, während ihr Blick nach dem romulanischen Cheftechniker suchte, der anscheinend als einziger Bescheid wusste.

Bevor sich Yhea aus dem Stuhl erhob, trank er noch schnell einen letzten Schluck Kaffee und schaute die einzelnen Anwesenden kurz an. Ja, jetzt waren alle da.

"Ok, zuerst möchte ich mich bedanken, dass Sie alle so schnell hier erschienen sind. Für alle, die es noch nicht wissen, ich bin Yhea Alnak, der Chefingenieur hier. Und es tut mir leid, dass ich Sie, so kurz nach dem letzten Zwischenfall, wieder brauche. Aber das ist halt das Problem der Venture.

Die Venture ist ein Schiff mit einer kleinen Crew, die gegen zwei übermächtige Gegner kämpft. Zum einen die Föderation. Die will natürlich ihr Schiff wieder zurück. Aber ich glaube, die würden es lieber sehen, wenn jeder einzelne der Crew in irgendeinem Gefangenenlager steckt.

Auf der anderen Seite währen da die Romulaner. Tja, was gibt es über die zu sagen. Die versuchen natürlich uns zu vernichten. Und sie versuchen immer noch, die ihnen zugesprochenen Kolonien zu säubern.

Wie man sieht, keine leichte Aufgabe für uns. Bisher hatten wir hauptsächlich Glück. Wenn ich da an die letzte Mission denke...

Na ja egal. Ich hab Sie hierher gebeten, um Sie auf die nächste Mission vorzubereiten. Also, in den letzen Tagen haben wir mehrere Meldungen erhalten, die darauf hinweisen, dass der Maquis noch existiert. Zwar nicht mehr in der Form wie früher, doch einzelne Zellen sollen noch intakt sein. Das Problem ist, dass diese Zellen ziemlich geschwächt sind. Und zudem müssen sie sich total versteckt halten, damit sie nicht entdeckt werden.

Nun hatten wir dazu eine Idee: Warum schließen wir uns nicht mit dem Maquis zusammen? Wir können ihnen beim Wiederaufbau helfen und die hingegen helfen uns mit Informationen, Personal oder sonstiges.

So, das Problem, was wir jetzt nur haben, ist, dass wir nicht wissen, wo sich der Maquis im Moment aufhält. Wir kennen nur ihren letzten Aufenthaltsort, bevor der Maquis von den Cardassianern zerschlagen worden ist. Und zwar ist das ein Klasse M Mond. Er umkreist den Planeten Dozaria, der sich inmitten der Badlands befindet.

Nun gut. Unsere Aufgabe ist nun folgende: Wir fliegen nach Dozaria, versuchen von dort den Maquis zu finden und verhandeln mit ihnen um ein Bündnis.

Ok, jetzt zu den einzelnen Aufgabenbereichen. Cailin, ich bitte Sie, während der ganzen Mission die Krankenstation in Alarmbereitschaft zu halten. Ich weiß nicht, was uns bevorsteht, aber ich will auf Nummer sicher gehen.

Mr. Renault, das gleiche gilt für Sie. Halten Sie Ihre Abteilung auf den Beinen. Seien Sie auf alles gefasst. Ich weiß ja nicht, wie der Maquis auf unsere Anfrage reagiert. Ach, und bitte verteilen Sie Handphaser an alle Crewmitglieder.

Nun zu Ihnen, Mister Clint. Ihre Aufgabe wird es sein, die Sensoren zu steuern. Sobald wir bei den Badlands angekommen sind, ist es Ihr Job, den Maquis zu finden.

Ach ja, und Sie, Miss Ysara, Sie würde ich gerne als Botschafter einsetzen. Das heißt, wenn wir Kontakt mit dem Maquis aufgenommen haben, werden Sie die Verhandlungen führen.

So, ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Ach ja, wir werden in dreieinhalb Stunden aufbrechen. Falls Sie jetzt noch Fragen haben, dann genieren Sie sich nicht, sie zu stellen", sagte der Romulaner abschließend und setzte sich.

Fragen? Ysara zumindest hatte sicher eine Menge Fragen, zum Beispiel, wie der Captain (oder wer auch immer), der sie überhaupt nicht kannte, auf den Gedanken kam, sie mit einer dermaßen wichtigen Aufgabe zu betrauen - ihr Lebenslauf wies sie ja nun sicher nicht als ruhige, diplomatische Person aus.

Vom gesetzlosen Weg der Venture wusste sie freilich, und das Vorhaben, das der Techniker eben dargelegt hatte, klang logisch und überraschte sie daher bei näherem Nachdenken nicht sehr.

Aber sie - als Botschafter? Nun stellte sie doch keine Fragen, sondern lehnte sich eher irritiert auf ihrem Stuhl zurück und versuchte, die Information zu verdauen.

Cailin bemühte sich erst gar nicht ihr Erstaunen vor den anderen zu verbergen. Es war selbst für ein Schiff wie die Venture eigenartig, dass der Cheftechniker die Einweisung für eine bevorstehende Mission gab und bei seinen Worten wirkte es so, als hätte er sogar die Einsatzweisen und Einsatzplätze selbst erarbeitet.

Die Purna legte ihren Kopf schief und stieß ein leichtes Gurren aus. Es war Entrüstung, weil der Captain sich nicht mal blicken ließ, als hätte er es nicht nötig. Dabei war es gerade sein Vorbild, das viele Leute an Bord einfach brauchten. Aber sie war es allmählich gewohnt, dass er sich immer im Hintergrund hielt und viele ihn noch nie zu Gesicht bekommen hatten.

Da plötzlich jeder von ihr erwartete, dass es sich bei ihrer Reaktion um eine Wortmeldung handelte, aber sie die Mission nicht damit beginnen wollte, Kritik am Captain zu üben, sprach sie einfach aus, was ihr sonst durch den Kopf ging:

"Für mich wäre soweit alles klar. Nichts Neues eigentlich. Ich kenne eigentlich keinen Tag auf der Venture, wo man nicht darauf vorbereitet sein sollte, viele Notfälle auf der Krankenstation aufzunehmen. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir doch stetig damit rechnen, angegriffen zu werden und Verluste zu erleiden."

Dann kam sie noch auf einen Punkt zu sprechen, der ihr sehr wichtig war und der dazu führte, dass ihr Blutdruck sich ziemlich erhöhte. "Auch wenn es eine Anweisung sein mag. Vielleicht sogar vom Captain selbst. Aber ich lehne es strikt ab eine Waffe zu tragen, geschweige denn, sie zu benutzen." Bei ihren Worten richtete sich ihr Federkamm beinahe drohend zu seiner vollen Größe auf und es war ihr anzusehen, dass sie in dieser Sache auch nicht nachgeben würde.

Die Purnas waren die geborenen Scharfschützen und Cailin hatte alles getan um diese Tatsache aus ihrem Gedächtnis zu verdrängen und eine friedliche Laufbahn einzuschlagen. Zu helfen statt zu töten war von jeher ihre Devise gewesen.

Bisher erfolgreich. So erfolgreich, dass sie schon fast vergessen hatte, was ihr Onkel als ihre eigentliche Bestimmung ansah, als ihr erster Schuss ein Lebewesen aus 1000 Metern Entfernung mitten ins Herz getroffen hatte. Doch solche Befehle brachten alles wieder in ihr hoch...

Auch die Erinnerung an das was ihre Augen schon in ihrer Kindheit mitansehen mussten.

Interessiert hatte Clint dem Vortrag des Romulaners zugehört. Dabei kamen ihm wieder die Bedenken bezüglich dieser Person in den Sinn. Ein Romulaner, der die Fronten wechselt, es war viel zu trivial um ein Plan des romulanischen Geheimdienstes zu sein. Und gerade wegen dieses Eindrucks konnte doch etwas dahinter stecken. Allerdings war es nicht der Stil der Romulaner, ihre Pläne hinter etwas Offensichtlichem zu verbergen, obwohl man sich in der Spionage natürlich nie auf den Stil des Gegners verlassen konnte ...

Es war zwecklos. Man konnte solche Gedankengänge ewig weit fortstricken, ohne Fakten konnte man zu keinem eindeutigen Ergebnis gelangen. Gerade wegen dieser Fakten war der Halb-Breen schließlich an Bord der Venture. Er würde weiterhin passiv Informationen sammeln müssen, um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

Die Mission an sich erschien ihm sehr suspekt. Sich Hilfe von einer zerschlagenen Guerillaorganisation zu erhoffen, war seiner Meinung nach wenig aussichtsreich. Der Maquis mochte einer der bemerkenswertesten Rebellentrupps in der Geschichte der Föderation gewesen sein, jedoch hatte das Dominion mit ihm gründlich aufgeräumt, um seine eigene Macht zu demonstrieren.

Der Adoptivvulkanier kam nicht umhin, gewisse Vorbehalte zu äußern: "Mister Alnak, die Badlands sind eine gefährliche Raumregion. Allein die physikalischen Sonderheiten dieses Gebiets haben schon vielen Raumschiffen mit erfahrenen Besatzungen das Leben gekostet"

Das stimmte. Je größer das Raumschiff war, umso gefährlicher wurde es. Die Maquis haben dies ausgenützt und versteckten sich mit ihren kleinen Schiffen innerhalb der Plasmastürme, wo sie vor den großen Kampfschiffen der Cardassianer sicher waren. Erst die kleinen, wendigen Jäger der Jem'Hadar, und vor allem die totale Ersetzbarkeit dieser Kampftruppe machten dem Maquis den Garaus.

"Außerdem sollen sich in dem Gebiet versprengte Cardassiener-, Jem'Hadar- und Breentruppen befinden, die sich seit dem Krieg dort verstecken. Diese Gerüchte haben klingonische Kopfgeldjäger hergelockt, die sich während des Krieges keinen Namen machen konnten, und wie Sie wissen, gilt die Besatzung der Venture als gesetzlos", fuhr der Wissenschaftler fort und kam endlich zum Punkt, "Gibt es angesichts dieser Gefahren irgendwelche konkreten Vorteile, die Sie sich erhoffen?"

"Mister Clint", sagte Yhea. "Ich glaube, ich habe die Gründe für die Mission klar dargelegt. Und ich weiß auch, dass es gefährlich ist. Doch Sie müssen einsehen, dass es für die Venture alleine ziemlich schwer ist, weiter gegen zwei Großmächte zu kämpfen. Und wenn die Möglichkeit besteht, dass irgendetwas vom Maquis übrig ist, dann müssen wir die Chance nutzen und sie aufspüren. Denn wir denken, dass uns der Maquis sehr wohl beim Kampf helfen kann.

Und zu der Sache mit den Badlands. Wir hatten nicht vor gehabt, mit der Venture hinein zu fliegen. Und zwar aus den von Ihnen genannten Gründen. Deswegen werden wir mit einem Raider in die Badlands starten. Er ist wendig und auch klein genug, um den Plasmastürmen auszuweichen. Und außerdem habe ich die Systeme einer der Schiffe in den letzten Monaten
um ein paar nette Optionen erweitert. Also vertrauen Sie mir in diesem Punkt. Wir sind gerüstet für die Badlands und etwaige Gegner.

Ach ja, die Besatzung des Raiders sieht dann wie folgt aus: Renault, Miguel, Cailin, Ysara, Clint und Alnak. Ich werde den Raider fliegen. Mister Clint versucht, den Maquis aufzuspüren. Cailin ist für den medizinischen Notfall dabei. Ysara ist für die Kontaktaufnahme da und Renault und Miguel sind für unsere Sicherheit mit dabei.

Ach ja, Cailin. Die Sache mit den Phaser ist nicht so tragisch. Wenn Sie es strickt ablehnen, eine Waffe zu tragen, dann werde ich Sie nicht dazu zwingen. Ich denke, wenn wir anderen bewaffnet sind, ist das in Ordnung.

So, sind immer noch Unklarheiten, die jetzt geklärt werden müssen?", fragte Alnak.

---Bereitschaftsraum

Unbewegt stand der Captain wie eine Statue an einem der in sich selbst gewölbten Aussichtsfenster, das den Blick auf das unendliche All freigab. Funkelnde Sterne waren zu sehen, aber Charles beachtete sie nicht. Innerlich dachte er abermals über ihre Mission nach.

Doch trotz intensivem Nachdenken kam er zu keiner anderen Schlussfolgerung, als dass ein Bündnis mit dem Maquis ihre einzige Möglichkeit war: die Föderation würde auch weiterhin abweisend bleiben. Allein die Verluste des Dominionkriegs verhinderten, dass eine überlegene Streitmacht nach der Venture suchte. Ebenso war es auch nur eine Frage der Zeit, bis sich die Romulaner der lästigen Fliege in ihren beanspruchten Gebieten annehmen würde. Und mehr war die Venture für die Grünblüter nicht.

Wenn dieser Tag kam, musste das Schiff vorbereitet sein. Das war er ihm und vor allem der Besatzung schuldig. Menschen, für die er die Verantwortung trug!

Die Kolonien selbst verfügten über keinerlei nennenswerte Verteidigungssysteme oder gar Schiffe. Deshalb blieb der Maquis die letzte und einzige Option der Venture. Den Renegaden war es jahrelang gelungen, sich vor einem überlegenen Feind zu verbergen und eine wirksame Partisanenorganisation aufzubauen.

Und egal was man öffentlich behauptete: McCarthy zweifelte keine Sekunde, dass die Frauen und Männer des Maquis nicht ausgelöscht worden waren. Irgendwo musste es Überlebende geben. Diesen Ort würde er finden.

Und vielleicht auch seine seit drei Jahren verschollene Nichte...

--- Konferenzraum

Langsam schaute Yhea durch die Runde. Anscheinend hatten alle noch Fragen, aber wohl keine, die sie jetzt stellen wollten. Na ja, dafür hat es nachher noch ein wenig Zeit.

"Ok, wenn niemand mehr eine Frage hat, dann erkläre ich diese Sitzung für beendet. Bitte unterrichten Sie Ihre Abteilungen und machen Sie sich fertig. Die Venture wird in etwa 3 Stunden in Richtung Badlands aufbrechen. Wir starten dann mit dem Raider morgen um Punkt 8 Uhr. Das heißt, erledigen Sie Ihre noch anstehenden Aufgaben und legen Sie sich dann schlafen oder sonst was. Ich möchte Sie morgen fit sehen. Ist das klar?", fragte Yhea, wobei er von den Anwesenden einstimmiges Kopfnicken erhielt.

"Ok, wegtreten!"

Nach und nach verließen die Crewmitglieder den Raum und Yhea lehnte sich mit einem neuen Kaffee in seinem Stuhl zurück.

Die Besprechung war erfolgreich gewesen. Jetzt musste nur noch die Mission erfolgreich ablaufen.

--- Raider Silver Sun, am Rand der Badlands, am nächsten Morgen

Angespannt saß Yhea hinter dem Steuer der Silver Sun und überprüfte zum x-ten Mal die Systeme. Es ging ihm nicht aus dem Kopf, was gestern Abend passiert war. Er war nur noch kurz zum Raider gegangen, um alle Systeme zu überprüfen, da war ihm eine kleine Abweichung in den Werten des Warpkerns aufgefallen. Zuerst dachte er, es wäre nichts Wichtiges, doch dann hatte er beinahe die ganze Nacht durchgearbeitet, um das Problem zu lösen.

Und jetzt saß er hier, steuerte die Silver Sun und trank einen seiner Kaffee-Spezialmischungen. Er warf einen kurzen Blick über die Schulter zu den anderen, die weiter hinten saßen. Doch allesamt sahen sie fitter aus als er. War ja auch kein wunder. Er hoffte nur, dass keiner was sagen würde. Schließlich hatte er selber den Leuten befohlen, lange zu
schlafen. Nun gut, in dem Bereich war er eben kein Vorbild.

Clint saß neben ihm und überwachte die Sensoren. Der würde erst richtig was zu tun bekommen, wenn sie in die Badlands hinein fliegen würden. Aber das war ja auch seine Aufgabe.

Yhea hingegen würde genug zu tun haben, den einzelnen Plasmastürmen auszuweichen und die Silver Sun sicher da durch zu manövrieren.

"Noch 5 Minuten. Dann fliegen wir in die Badlands hinein. Versuchen Sie sich irgendwo fest zu halten, es könnte ein wenig ruppig werden", rief der Romulaner laut.

Etwas leiser sagte er zu Clint: "Wie sieht's aus. Sind die Sensoren einsatzbereit?"

Clint blickte auf die riesige Wolke aus ionisiertem Wasserstoff, Helium und einigen anderen Elementen, die sich vor ihnen wie eine endlose Wand ausbreitete. Einige Ausläufer des Nebels ragten bereits seitlich von ihnen wie Tentakeln in den Raum. Blitze erleuchteten das Innere des Nebels und Schockwellen gigantischer Explosionen erzeugten seltsame Muster in den Materieansammlungen.

"Badlands" nannten die Terraner diese Region und bezogen sich damit auf eine unwirtliche, gefährliche Gegend auf dem amerikanischen Kontinent ihres Heimatplaneten. Die ersten Siedler konnten in ihren primitiven, von Tieren gezogenen Fahrzeugen nur schwer dieses felsige, unebene Land überqueren. Die Weltraumsiedler mussten sich wohl an die alten Geschichten erinnert haben, als sie diesen Nebel erreichten.

Die Navigation in dem Gebilde war äußerst schwierig. Ohne gutes Equipment und/oder viel Erfahrung waren die Chancen, je wieder aus den Fängen dieser Wolke zu entkommen, verschwindend gering. Das Problem bestand darin, dass sich jedes Raumschiff immer noch hauptsächlich nach den Sternen, vorwiegend dem Leuchtfeuer von Pulsaren orientierte.

War diese Möglichkeit nicht mehr gegeben, wenn sich das Raumschiff z.B. in einem stellaren Nebel Befand, gab es immer noch die Subraumfunkbojen. Der Subraumfunk durchdrang normalerweise jegliche Materie mühelos, aber im Falle der Badlands kamen noch die Störungen der Aktivitäten dieses speziellen Nebels hinzu. Abgesehen davon, waren Subraumbojen in diesem nicht sehr dicht besiedeltem Raumsektor äußerst rar.

Um Position und Kurs innerhalb des Nebels zu bestimmen, musste man Berechnungen anhand der eigenen Beschleunigung und Fahrtwechsel vornehmen. Das war außerordentlich schwierig, da Störfaktoren wie Strahlendruck, Dichtewiderstand und gravimetrische Anziehung versteckter Himmelskörper hinzukamen.

"Ich habe meine Vorbereitungen abgeschlossen", erwiderte der Halb-Breen nüchtern auf die Frage des Romulaners hin, "Mithilfe der letzten Sensorendaten, die wir jetzt noch bekommen, habe ich einen geeigneten Kurs nach Dozaria berechnet. Sobald wir in den Nebel eindringen, wird die Reichweite und Zuverlässigkeit der Sensoren stark abnehmen"

Natürlich war dies dem Techniker klar, aber wichtige Tatsachen sollte man besser artikulieren, wenn das eigene Leben von ihnen abhing. Der Adoptivvulkanier wandte sich nun den spezifischeren Dingen zu:

"Ich habe ein Programm geschrieben, mit dem ich Daten direkt auf Ihre Konsole projeziere. Anhand der Reaktionsgeschwindigkeit, die wir an den Tag legen müssen, halte ich diese Maßnahme für sinnvoll", bei diesen Worten musterte er den scheinbar etwas müden Romulaner durchdringend. Angeblich besaß seine Spezies die gleiche Geistesgegenwart wie die Vulkanier. Er hoffte, dass dies auch auf dieses Exemplar zutraf.

"Zu meidende Gebiete werde ich durch rote Kreuze markieren, unsichere Passagen gelb und mögliche Wege blau. Mit einem grünen Kreis symbolisiere ich den ungefähren Kurs, den wir generell einhalten müssen. Versuchen Sie nach Möglichkeit keine schnellen Bewegungen zu machen, da es mir die Navigation stark erschweren wird. Der Schutzschild sollte auch nur im Notfall eingeschaltet werden, da die Staubpartikel, die er ionisiert, nur unnötige Störungen verursachen und zudem selbst den umgebenden Wasserstoff entzünden können", schloss Clint und fügte hinzu: "Bereit?"

"Ja, ich bin soweit", antwortete Yhea und steuerte die Silver Sun langsam in die Badlands hinein. Kaum waren sie in den Nebel geflogen, da sah Yhea auch schon die unzähligen Plasmastürme.

"Ok, ich versuche mich an Ihre Kursvorgaben zu halten, aber bitte blenden Sie mir immer eine Ausweichmöglichkeit ein, falls ich mal dringend irgendwohin ausweichen muss", rief der Romulaner.

Doch jetzt musste er sich auf das Steuer konzentrieren. Seine Blicke glitten immer zwischen der Außenansicht und den Vorgaben von Clint hin und her und er musste schon sagen, die Badlands waren ein ziemlich beeindruckender Anblick. Es sah fast so aus, als würde der ganze Nebel von innen her glühen; und die Plasmastürme machten alles noch aufregender. Aber leider auch gefährlicher.

Wenn ein Schiff von so einem Sturm auch nur gestreift werden würde, wären ziemliche Schäden das Ergebnis. Aber Yhea hoffte, dass die Kursangaben von Clint stimmten.

Und so flogen sie ein paar Minuten umher, weichten den Stürmen aus und kamen ihrem Ziel, Dozaria immer näher.

--- ein paar Minuten später

"Ich muss schon sagen, das klappt bisher ganz gut", sagte Yhea zu Clint und wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht. Bisher konnten sie zwar allen Stürmen ausweichen, doch Yhea beschlich das Gefühl, dass es von Minute zu Minute knapper wurde.

"Wie sieht's aus Clint. Schaffen wir es?", fragte der Romulaner den Wissenschaftler, der nicht sofort antwortete, sondern sich zunächst in die Daten auf seiner Konsole vertiefte.

Cailin hatte keine Augen für die gefährliche Schönheit, die das Shuttle umgab, obwohl sie so etwas normalerweise immer gerne beobachtete. Denn im Gegensatz zu den anderen lag ihr Leben in Lanagors Hand und sie fürchtete keine Gefahr.

Besorgt musterte sie die ganze Zeit über die Angaben, die ihr medizinischer Tricorder über den Gesundheitszustand von Alnak anzeigte, der sich genau vor ihr befand. Sicher waren sie bei dem Romulaner in den besten Händen, was seine Flugkünste betraf, aber der Tricorder zeigte immer deutlichere Anzeigen von Erschöpfung an. Kein Wunder. War es doch noch gar nicht so lange her, dass er knapp dem Tode entronnen war und stand er hier ständig unter voller Konzentration.

Insgeheim verdächtige die Purna den Cheftechniker ja schon lange, dass er die seinen Kreislauf stärkenden Mittel nicht nahm, die seinerzeit schon Catriona ihm verschrieben hatte. Er gab immer mehr auf die Sicherheit des Schiffes, als auf seine eigene.

Kurzerhand zückte Cailin einen Hypospray aus ihrem übervollen Medikit und füllte ihn mit einem stärkenden Mittel. Dann sprach sie Alnak ruhig an um ihn nicht von seiner eigentlichen Arbeit abzulenken, aber ihn doch auf ihr Vorhaben aufmerksam zu machen. "Alnak, ich gebe dir zur Sicherheit etwas für den Kreislauf, also bitte nicht erschrecken. Du wirst dich danach wie nach einem guten schwarzen Kaffee fühlen."

Da er ohnehin keine Chance hatte, einen Einwand gegen den "Befehl" der Chefärztin einzubringen, ließ der Romulaner es sich gefallen, dass sich der Inhalt des Hyposprays zischend in seinen Körper entlud, während Cailin sich das erste Mal wieder ihrer Umgebung bewusst wurde.

Fasziniert beobachtete sie das Naturschauspiel, bei dem sie sich fühlte, als wäre das Shuttle nur ein kleiner Spielball im Universum, während sie ihr Medikit wieder schloss.

Worauf immer sie auch treffen würden. Sie war bereit für jeden medizinischen Notfall.

Nachdenklich schweifte ihr Blick zu den beiden anderen Frauen, die sich ziemlich still verhielten. Die Mine der Psychologin wirkte wie immer gefasst, als könnte sie nichts erschüttern, während Renault sich sehr neugierig umblickte. Vielleicht kannte sie solche Naturgewalten ja gar nicht. Irgendwie hatte Cailin sie noch nie gefragt, ob sie schon viel in ihrem Leben mit Raumfahrt zu tun gehabt hatte.

"Keine Sorge, bei Alnak sind wir in den besten Händen", versicherte die Ärztin ihr lächelnd. "Er ist nicht nur ein erfahrener Pilot, sondern kann auch jederzeit ein Shuttle während der Fahrt wieder zusammenflicken."

Währenddessen hatte Clint nach einer Antwort auf die Frage des Technikers gesucht. Es gab zu viele wenig oder völlig unbekannte Faktoren, um eine verlässliche Wahrscheinlichkeitsrechnung durchzuführen. Und sich auf grobe Schätzungen zu stützen war nicht seine Art. Einen Kompromiss eingehend überschlug er einige Zahlen im Kopf und sagte:

"Bisher sind wir fünf Plasmafäden ausgewichen, haben 2 Hartstrahlungszonen umflogen und sind einer thermonuklearen Wasserstoffexplosion ausgewichen. Die Wahrscheinlichkeit, solche Ereignisse in Anbetracht der Manövrierfähigkeit und Belastbarkeit dieses Schiffes zu überleben, beträgt nach meinen Berechnungen etwa 93,2%. Wenn wir annehmen, dass der restliche Weg ähnlich verläuft, wird unsere Überlebenswahrscheinlichkeit nicht unter 90,1% fallen"

Der Adoptivvulkanier fing einen seltsamen Blick des Romulaners auf. Womöglich hatte der Techniker eine andere Antwort erwartet. Ein aus dem Dunst auftauchender Plasmafaden ließ beide Männer konzentriert auf ihre Konsolen tippen. Nachdem das Manöver beendet war, merkte der Halb-Breen an:

"Allerdings muss ich gestehen, dass weitere Probleme zu erwarten sind. Wir sind bisher nur 3 von 147 verzeichneten gefährlichen Phänomenen der Badlands begegnet, ganz zu schweigen von der möglichen Bedrohung durch Feindschiffe"

Die Gerüchte um versprengte Einheiten aus dem Dominionkrieg innerhalb der Badlands und den klingonischen Kopfgeldjägern mochten nun zutreffen oder auch nicht. Auf jeden Fall war es nicht ratsam, solche Gefahren völlig zu ignorieren. Ein plötzliches Aufflimmern einer Anzeige fesselte die Aufmerksamkeit des Wissenschaftlers. Nach einigen Untersuchungen sprach er:

"Interessant. 47° Backbord befindet sich in einiger Entfernung eine Leerraumblase. Sie erstreckt sich über mehrere astronomische Einheiten. Es wäre natürlich ein gewisser Umweg, allerdings wäre dieser Weg viel sicherer und wir könnten unsere Geschwindigkeit innerhalb der Blase weit erhöhen. Was meinen Sie?"

Atemlos verfolgte Mira die merkwürdige Umgebung, durch die der Halb-Breen den Raider erfolgreich lotste. Die Französin wusste kaum etwas vom Maquis und noch weniger von diesem Furcht erregenden Gebiet, durch das sie in diesem Moment flogen. Sie hoffte nur, dass Pilot und Cheftechniker wussten, was sie taten.

Eigentlich war sie halb erstarrt vor Furcht, gestand sie sich selber ein, aber erstaunlicherweise schaffte sie es, nach außen ein gelassenes Gesicht zu machen und ihren Körper zu entspannen. Wie sie das schaffte, war ihr allerdings selbst ein Rätsel.

Auf die Frage von Clint hin blickte sie von einem zum anderen. Scheinbar konnte sich jeder von ihnen vorstellen, was eine Leerraumblase sein sollte. Mira hatte nur eine vage Idee. Irgendwann einmal musste sie sich mit jemanden darüber unterhalten, der ihr Vertrauen hatte. Zum Beispiel die Ärztin.

Ansonsten konnte sie erst mal nur hier sitzen und abwarten, was die anderen für eine Flugrichtung beschlossen...

Schnell überflog Alnak seine eigenen Sensordaten. Ja, Clint hatte recht. Es wäre viel sicherer, innerhalb der Blase weiterzufliegen. So konnten sie das Problem mit den Plasmafäden schon mal außer Acht lassen.

"Ich stimme Ihnen da zu", sagte Yhea deswegen zu Clint. "Ich werde in die Blase hinein fliegen. Sie schicken mir weiterhin bitte Ihre Kursvorschläge."

Ein paar Eingaben später, und die Silver Sun glitt in die Blase hinein. Dabei ging ein kleiner Ruck durchs Shuttle, doch dass war kein Problem.

"So, das hat ja ganz gut geklappt", sagte Yhea und schaute wieder auf seine Konsole. "Ich hoffe nur, dass es auch so bleibt."

Ysara warf ihm einen misstrauischen Blick zu, doch obwohl der Techniker müde wirkte, machte er nicht den Eindruck, als sei seine Konzentration beeinträchtigt. Dann warf sie einen nachdenklichen Blick hinaus.

Von ihrem Zielort war noch nichts zu sehen, obwohl das Shuttle jetzt beschleunigte. Nur die riesenhaften Nebelschwaden, die so typisch für die Badlands waren, zogen an ihnen vorbei. Sie hatte dieses Gebiet schon früher durchflogen, als sie noch Mitglied der Sternenflotte war, ohne jemals mit dem Maquis zu tun gehabt zu haben.

Mittlerweile war sie froh, sich nach ihrem ruhmlosen Rücktritt ihr Geld als Vermittlerin bei kleinen Geschäften und Verhandlungen verdient zu haben. Wahrscheinlich würde sie ihre Fähigkeiten bald brauchen.

Eine Flut von neuen Informationen glitt nun über Clints Konsole, als das kleine Schiff die Nebelschwaden hinter sich ließ. Im Zentrum der Blase befand sich ein grellweißer Stern, dessen Strahlungsdruck die Ursache für "das Loch" in der Wolke zu sein schien. Die Sensoren waren immer noch nicht voll funktionsfähig, aber immerhin zuverlässiger als außerhalb der Blase.

Der Wissenschaftler machte zwei Planten der Klasse A aus, sowie einen Asteroidengürtel. Humanoides Leben war aufgrund ihrer Zusammensetzung nicht möglich, auch lieferte die kleine weiße Sonne nicht genügend Wärmeenergie. Es waren 2 kalte, riesige Bälle aus Gas, umgeben von einem Haufen karger Felsbrocken.

Das System war nicht in der Datenbank verzeichnet, kein Wunder wenn man die Größe der Badlands im Vergleich zu der "Sichtweite" innerhalb dieser Region betrachtete. Es war reiner Zufall, dass sie darüber gestolpert waren. Wäre er Mitglied einer regulären Sternenflottenbesatzung gewesen, hätte er nach alter Tradition das Recht, dieses System auf einen Namen zu taufen.

Natürlich lagen dem Adoptivvulkanier Überlegungen wie die Verewigung seines eigenen Namens fern, wahrscheinlich hätte er den Stern einfach HD0298479 getauft, wie der Sternenkatalog es vorschrieb. Gerade als er die Neigung der Terraner, auf diese Weise Unsterblichkeit zu erlangen, in Bezug zu ihrer relativ kurzen Lebenspanne setzte und diesem Gedankengang weiter nachging, wurde seine volle Aufmerksamkeit von einer blinkenden Anzeige der Sensoren in Anspruch genommen.

Das aus zwei Dreierfolgen bestehende Piepsignal der Sensorbank war selten ein Geräusch, dass Gutes verhieß. Alnak warf dem grünhäutigen Halb-Breen einen fragenden Blick zu, auch die Aufmerksamkeit der anderen schien sich auf ihn zu richten. Der Wahlvulkanier überprüfte seine Anzeigen nochmals genau und sprach ruhig:

"Ich orte eine Energiesignatur künstlichen Ursprungs. Sie scheint von einem Asteroiden in der Nähe zu kommen. Es mag ein Risiko darstellen dem nachzugehen, aber wer immer sich auch in den Badlands aufhält, könnte etwas über den Maquis wissen. Soll ich Ihnen den Kurs einblenden?"

"Ja, tun Sie das. Wir werden uns das ganze mal aus der Nähe ansehen", sagte Yhea und programmierte einen Kurs zu dem Asteroiden. "Aber wir müssen gut aufpassen. Mich wundert es, dass wir so eine klare Energiesignatur erhalten. Normalerweise würde ich versuchen, diese zu verstecken.

Schließlich würde ich es vermeiden wollen, entdeckt zu werden. Also, scannen Sie den ganzen Bereich um und auf dem Asteroiden. Ich will sofort gewarnt werden, falls sich ein Schiff nähert oder wir von dem Asteroiden beschossen werden sollten."

Clint nickte und konzentrierte sich wieder auf seine Scans, während Yhea langsam den Raider auf den Steinbrocken zulenkte.

"Wir werden in etwa 1 Minute in deren Scannerreichweite sein, falls dort jemand sein sollte", sagte Clint kurz.

"Ich verstehe", antwortete Alnak. "Na gut, dann würde ich sagen, wir lassen es nicht so weit kommen. Computer, Tarnvorrichtung aktivieren."

Mit einem Schlag wurde es im Raider dunkler und der Computer meldete, dass die Tarnvorrichtung aktiviert sei.

"Eine Tarnvorrichtung?", fragte Clint und ließ eine Spur Überraschung durchblicken. "Wo haben Sie die denn her?"

Der Umstand, dass das Föderationsschiff eine Tarnvorrichtung besaß, überraschte Clint tatsächlich. Es war undenkbar, was die Föderation damit anfangen könnte. Jedoch war die Föderation weit entfernt und die Situation nicht für solche Gedankengänge geeignet.

Ein Lächeln huschte über das Gesicht des Romulaners, bevor er antwortete. "Die habe ich aus meinem Shuttle ausgebaut, mit welchem ich damals vor den Romulanern geflohen bin. Leider war sie nicht leistungsfähig genug, um die Venture zu tarnen, und da dachte ich, sie würde in so einem Raider ganz praktisch sein. Ich hoffe nur, die Interferenzen der Badlands stören sie nicht zu viel."

Doch darüber konnte sich Yhea jetzt keine Gedanken machen. Er war erst einmal damit beschäftigt, den Raider über dem Asteroiden in Position zu bringen. Angestrengt schaute er aus dem Fenster und versuchte, irgendetwas auf der Oberfläche zu entdecken.

"Nichts zu sehen, was irgendwie darauf hindeuten könnte, dass hier jemand wohnt", bemerkte Yhea trocken. "Wie sieht's mit den Sensoren aus? Erkennen Sie damit irgendwas Mister Clint?"

Gespannt wartete Mira auf die antwort des Halb-Breen. Gleichzeitig starrte sie intensiv aus dem Fenster, fasziniert von der Umgebung, in der sie sich befanden.

Hier, wo das Shuttle schwebte, sah der Raum aus wie der, durch den die Venture bislang geflogen war. Leer und schwarz. In einiger Entfernung jedoch erkannte man das merkwürdige Wabern des Gebietes, durch das sie gekommen waren - die Badlands. Mirabelle konnte sich keinen passenderen Ausdruck vorstellen.

Jetzt heftete sie ihre Aufmerksamkeit auf das kleine System, das vor ihnen in der Blase hing. Die Sonne brannte in einem grellweißen Farbton, der unangenehm in den Augen blendete und man konnte sich gelegentlich ein Changieren ins bläuliche Spektrum einbilden.

Die Französin wandte ihren Blick ab und rieb sich die schmerzenden Augen. Eigentlich hätte gerade sie als halbe Wüstenbewohnerin ja wissen sollen, dass man niemals in eine Sonne blicken sollte - schon gar nicht in so eine. Und wenn diese auch noch so weit entfernt schien.

Die Purna, die den Vorfall beobachtete hatte, machte sich Vorwürfe, dass sie Renault nicht vor den Folgen gewarnt hatte, wenn man ohne Schutz direkt in das gleißende Licht der Sonne blickte. Sofort öffnete sie ihr Medikit und entnahm ihm ein kleines Fläschchen mit einem Sprayverschluss.

"Miss Renault, Sie sollten Ihre Augen jetzt auf keinen Fall reiben, dadurch wird es nur noch schlimmer. Ich habe hier eine Flüssigkeit ähnlich der Zusammensetzung von Tränen. Sie wird das beißende Gefühl sofort vertreiben. Halten Sie still und öffnen Sie bitte weit Ihre Augen. Sie werden es gar nicht spüren...."

Gekonnt schnell und professionell sprühte die Ärztin die Flüssigkeit in die Augen der Französin, die sich sofort an die Anweisung hielt. Diese blinzelte unwillkürlich.

"So, schon fertig. Ich hoffe, Sie nehmen sich das nächste Mal etwas in Acht. So etwas kann ganz schön... ins Auge gehen, wie die Terraner sprichwörtlich zu sagen pflegen", bemerkte die Cailin und freute sich, dass die Kleinigkeiten der eigenen Sprache die Menschen immer wieder lösten und von Anspannung befreite. Jedenfalls lächelte die Französin schon wieder.

Dann ließ sie ihren Blick schweifen und meinte zu ihren beiden Mitfahrerinnen - Miguel schien zum Zuhören zu angespannt zu sein und die beiden anderen hatten etwas anderes zu tun:

"Ich verstehe leider nichts von Technik und ich kann sie auch nicht gutheißen, auch wenn ich jetzt hier in einem Haufen Technik sitze...", sie war sich durchaus der Absurdität ihrer eigenen Worte bewusst, konnte aber nicht aus ihrer Haut, "aber kann es nicht sein, dass es sich um ein
Notrufsignal handelt oder wir gezielt in eine Falle gelockt werden?" Der Gedanke gefiel ihr nicht besonders.

Sicher hatte Cailin vor ihrem Abflug das Orakel nach ihrer Zukunft befragt, wie sie es eigentlich immer zu tun pflegte, doch diesmal hatten die Steine geschwiegen.

Was vor ihnen lag, schien selbst für Lanagor nicht ersichtlich zu sein.

Erleichtert bemerkte Mira, wie das Brennen in ihren Augen schnell nachließ. Beinahe hätte sie zu der Ärztin etwas wie 'ich hätte es eigentlich ja wissen müssen' gesagt, aber irgendetwas in ihrem Inneren hatte sie davon abgehalten. Hatte ihr gesagt, dass sie sich lieber keine Blöße geben sollte.

Der Ärztin brachte sie volles Vertrauen entgegen, aber was war mit den anderen Insassen des Raiders, in erster Linie diesem Breen?

Sie ließ sich die Worte der Purna durch den Kopf gehen. Möglicherweise hatte sie Recht. Aber eigentlich sollte ihr Schiffchen ja durch die Tarnvorrichtung ausreichend geschützt sein.

"Das könnte ich mir schon vorstellen", antwortete sie daher. "Allerdings haben wir den Vorteil einer Tarnvorrichtung, denke ich. Trotzdem wäre es sinnvoll, aufzupassen. Manchmal sieht man nur das, was man sehen will, und rennt blindlings in sein Unglück..." schloss sie mit leiser Stimme, als sich der Breen auch schon wieder zu Wort meldete.

Die Anzeigen der Scanner gaben auch aus der Nähe keine wirklich neuen Erkenntnisse. "Ich Orte mehrere Energiequellen aus dem Inneren des Himmelskörpers. Aus dem ungefähren Zentrum erhalte ich sehr starke Werte, es muss sich um einen gewaltigen Reaktor handeln. Ansonsten kann ich die Gesteinkruste des Asteroiden nicht durchdringen, da erstens die Störungen aus den Plasmafeldern der Badlands immer noch recht stark sind und zweitens ist das Gestein mit schweren Mineralien durchsetzt"

Die Purna war wie immer allein um die Sicherheit der Leute mit denen sie flog besorgt, die nicht nur von Krankheiten beeinträchtigt werden konnte. Und diese Sicherheit schien zurzeit sichtlich beeinträchtigt zu sein.

Natürlich suchten sie die Maquis, was allein schon kein risikoloses Unterfangen war, aber nun stießen sie auf etwas, dass sich nicht einordnen ließ. Hier draußen in den Badlands, durch die keine gewöhnliche Reiseroute führen würde.

Freund oder Feind, hieß die Frage auf die sie eine Antwort finden mußten.

Doch war das überhaupt möglich?

"Ich halte es für sehr gefährlich uns erkennen zu geben, ohne genau zu wissen womit wir es zu tun bekommen. Sicherlich kann - wer immer da unten seinen Sitz hat - feststellen, dass wir keine nennenswerte Bedrohung darstellen und auch nicht über eine starke Waffenkraft verfügen, aber wer immer sich hier draußen in den Badlands aufhält, tut das sicher aus einem guten Grund", gab die Ärztin ihren Bedenken Ausdruck.

"Eine Kolonie von Aussätzigen wäre ebenso möglich wie der Maquis, ein Sklavenarbeitslager oder auch Piraten, die gestrandete Schiffe überfallen und plündern. Nur um einige der Möglichkeiten aufzuzählen, die mir in den Sinn kommen. Wir sollten nicht aus den Augen lassen, dass wir Teil eines großen Ganzen sind.

Mit unserer Gefangennahme könnte man den Weg zur Venture binnen kurzem finden und mit uns als Geiseln versuchen, Güter, Waffen, Technologie oder dergleichen von Captain McCarthy im Ausgleich für unsere Leben zu verlangen." Sie machte eine kurze bedeutsame Pause, bevor sie weiter sprach und sich weiterhin der Aufmerksamkeit aller bewusst war. "Und ich weiß nicht, ob es gut wäre, wie auch immer er auf diesen Erpressungsversuch reagieren würde..."

Da sie in dieser Situation nicht mehr helfen konnte, als ihre Bedenken zu äußern und ihre Gedanken mit den anderen zu teilen, lehnte sie sich wieder zurück. Doch die Anspannung ließ sie nicht mehr los.

"Ich stimme Doktor Fakaii zu; wir müssen vorsichtig sein", mischte sich Ysara ein. "Offensichtlich haben wir jemanden gefunden, aber wir dürfen auf keinen Fall annehmen, dass es sich um den Maquis handelt - wie wissen ja nicht einmal mit Sicherheit, ob er noch existiert.

Dennoch denke ich, dass ein gewisses Risiko auf dieser Mission vertretbar ist. Auch wenn wir Dozaria erreichen, können wir dort allen möglichen Wesen begegnen, die nicht notgedrungen mit dem Maquis zu tun haben müssen. Wenn wir uns verstecken, werden wir niemals Unterstützung bekommen."

Sie wandte sich direkt an Alnak. "Mein Rat wäre also, Kontakt mit den Bewohnern des Asteroiden herzustellen. Wenn sie feindselig reagieren, haben wir noch immer die Möglichkeit eines sicheren Rückzugs, mithilfe der Tarnvorrichtung."

Ihr Blick schweifte hinüber zu Miguel, dem ihr unbekannten Sicherheitler, der sich noch immer still verhielt, obwohl seine Augen angespannt hin und her wanderten und das Geschehen genau beobachteten. Die Psychologen hoffte, sein Schweigen sei normal und resultiere nicht aus Nervosität - einen nervösen Sicherheitsoffizier konnten sie wirklich nicht brauchen.

Yhea steuerte der Raider von dem großen Asteroiden weg, direkt hinter einen viel Kleineren. Dann drehte er sich zu der Psychologin um.

"Ich muss Ihnen da voll und ganz zustimmen, Miss Ysara. Es wird uns nicht viel bringen, einfach direkt nach Dozaria zu fliegen und alle anderen Planetoiden links liegen zu lassen. Vielleicht ist es ja so, das hier der Maquis ist und nicht auf Dozaria. Also, mein Vorschlag, wir schalten die Tarnung ab, begeben uns in Umlaufbahn zu dem Asteroiden und senden eine Begrüßungsbotschaft. Wenn man uns freundlich antwortet... prima. Wenn aber nicht, dann tarnen wir uns direkt und hauen hier ab", sagte der Romulaner und schaute sich in der Kabine um.

"Was denken Sie? Hat jemand eine bessere Idee?", fragte er und blickte in jedes der hier anwesenden Gesichter. Doch anscheinend hatte keiner einen Vorschlag zu machen und so schaltete Yhea die Tarnvorrichtung ab und schwenkte in eine hohe Umlaufbahn ein.

"Miss Ysara, würden Sie bitte nach vorne kommen? Ich glaube, Sie sind besser dazu geeignet, die Begrüßung zu übernehmen. Ich glaube nicht, dass ein Romulaner sehr willkommen wäre."

"Aber natürlich.", erwiderte die Psychologin, während sie sich erhob und sich an den engen Sitzen vorbei nach vorne manövrierte. "Ich schlage vor, wir versuchen es einfach mit Ehrlichkeit. Etwas anderes bleibt uns auch kaum übrig."

Sie kam hinter dem Sitz des Romulaners zum Stehen und wartete, bis er eine Kommunikationsverbindung hergestellt hatte. Dann beugte sie sich etwas vor und begann zu sprechen.

"Hier spricht der Raider Silver Sun. Wir sind im Auftrag der Venture unterwegs, die im Dienst jener Föderationskolonien steht, die jetzt von den Romulanern kontrolliert werden. Momentan sind wir auf der Suche nach dem Maquis und hoffen, von ihm Unterstützung zu bekommen. Wir haben nur friedliche Absichten und wollen niemandem schaden. Wenn Sie uns weiterhelfen können, wären wir Ihnen sehr dankbar."

Sie nickte Alnak zu, der daraufhin die Verbindung unterbrach. Gespannt lehnte sie mit einem Arm sich auf die Sitzlehne und wartete mit den anderen auf die Antwort.

Die Purna betrachtete den Rücken der Afroamerikanerin ohne ihn wirklich wahrzunehmen. Die Worte Ysaras klangen in ihrem Kopf nach, wobei sie sich vorzustellen versuchte, wie jemand auf diese Wahrheit reagieren würde, der sich hier in der Einsamkeit von Funkstörungen und eigenartigen Wetterphänomenen verzog um anscheinend nicht gefunden zu werden.

Als Wesen, das immer das Gute in allem sehen wollte, musste sie zugeben, dass die Offenheit der Psychologin sie beeindruckt hatte und auch die Ruhe, mit der sie ihrer Situation Ausdruck verliehen hatte. Kein Zögern, nicht der geringste Ansatz, der negativ aufgefasst werden konnte, trotzdem... Die Ärztin fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut.

Ihre Federn begannen sich plötzlich zu sträuben und sie hatte das Gefühl, dass sie mit irgendwelchen Strahlen in Berührung kam, vielleicht gescannt wurden oder dergleichen. Doch der Breen blieb still, also war nichts davon festzustellen. Jedenfalls wenn diese Strahlungen messbar waren.

"Ich hoffe, in diesem Sektor hält sich nur ein getarntes Schiff auf", meinte sie leise mehr zu sich selbst, als zu den anderen, als plötzlich die Verbindung wieder hergestellt wurde.

"Raider Silver Sun, hier spricht Ragos, Sohn des Bragal, Leiter dieser... Station." Geistig sahen bei diesen Worten, bellend ausgestoßen, wohl alle einen Klingonen vor sich. "Wir waren erstaunt, hier draußen unerwartet Besuch zu erhalten, da der letzte schon einige Monate zurückliegt..."

Die Stimme schien noch etwas zu diesem Thema sagen zu wollen, aber ihr Besitzer schien sich im letzten Augenblick dann doch dagegen entschieden zu haben. "Wir haben Ihr Anliegen vernommen und denken ein für beide Seiten annehmbares Geschäft vorschlagen zu können. Allerdings wird dazu eine Besprechung nötig sein und ich halte es für unumgänglich sie hier unten abzuhalten. Seien Sie meine Gäste.

Falls Sie wirklich an Hilfe interessiert sind, wird es Sie sicher nicht stören ebenfalls Hilfe zu leisten. Sollten Ihre Absichten aber anderer Natur sein, als Sie uns weismachen möchten, werden Sie allerdings die Konsequenzen für Ihre Lüge tragen müssen." Die Stimme war nicht drohend oder irgendwie anders geworden, dennoch schwang ein Unterton mit, der ihnen zu verstehen gab, dass die Gastfreundlichkeit ein jähes Ende haben würde, wenn etwas schief ging.

--- Raider Silver Sun, vorderer Bereich

Yhea war erstaunt. Er hätte zum einen nicht gedacht, hier irgendjemand zu finden, und zum zweiten wäre er niemals auf die Idee gekommen, dass sie hier so freundlich empfangen worden wären. Aber nun gut, es war nun mal so und schließlich hatten sie alle eine Aufgabe zu erledigen.

Deswegen beugte er sich zu Ysara rüber und flüsterte ihr ins Ohr: "Sagen Sie denen, dass wir uns über die Einladung freuen und dass wir in Kürze hinunter beamen werden, wenn Sie uns die Koordinaten geschickt haben. Ich werde hier oben bleiben und sie runterbeamen. So haben wir die Chance, wenn das ein Hinterhalt ist, dass ich Sie schnell da raus holen kann.

Ok, alles verstanden?", fragte er.

"Natürlich", erwiderte sie nur - was sollte sie nicht verstehen - und beugte sich erneut nach vorne, um die Nachricht weiterzugeben.

Die Antwort kam knapp: "Verstanden. Wir übermitteln Ihnen die Transporterdaten und erwarten Sie." Dann unterbrach die Verbindung.

Die Psychologin warf einen zweifelnden Blick auf den Schirm, der den verlassen wirkenden, öden Asteroiden zeigte. Ihrem ersten spontanen Gefühl nach klang der Mann, der ihnen geantwortet hatte, wie einer, mit dem nur schwer zu verhandeln war. Wenn die Personen dort unten ihnen jedoch tatsächlich helfen konnten und sie ihnen eine Gegenleistung erbringen
könnten, mochte das ein entscheidender Vorteil sein.

Sie nickte zufrieden. Es sah bisher zumindest so aus, als hätten sie Glück gehabt. Trotzdem hatte sie ein unruhiges Gefühl bei der Angelegenheit. Überrascht stellte sie fest, dass sie ihre Objektivität gegenüber der Venture bereits verloren hatte, und sie konnte nicht sagen, dass ihr das gefiel. Sich niemandem angehörig zu fühlen verschaffte ihr stets ein Gefühl von Sicherheit. Unwillig strich sie einen Zopf aus der Stirn und vertrieb den Gedanken.

Während Alnak den Beamvorgang vorbereitete, wandte sie sich zu Clint und ihren drei Begleitern im hinteren Bereich des Shuttles um. "Möchte einer von Ihnen noch etwas anmerken? Ansonsten schlage ich vor, dass wir keine Zeit verschwenden", fragte sie anstelle des Romulaners, der gerade recht beschäftigt war.

"Ich habe keine Ahnung, wie man sich auf eine solche Situation wie diese hier vorbereiten sollte", meinte Cailin mit einem sorgenvollen Blick auf ihr Ziel, "aber vielleicht sollten wir versuchen allen Eventualitäten vorzubeugen.

Wir scheinen zwar freundlich aufgenommen zu werden, was aber wenn es sich um eine Falle handelt? Gäbe es eine Möglichkeit, dass Yhea hier oben mitbekommt, was unten geschieht? Eine Stimmübertragung, die nicht erfasst wird? Könnten wir Entwarnung geben, wenn sich alles zu unserer Zufriedenheit entwickelt? Oder könnten wir ein Wort vereinbaren, damit er weiß, dass es sich um eine Falle handelt, wenn wir ihn ersuchen auch runterzukommen bzw. jemand versuchen wird, das Shuttle mit Traktorstrahl festzuhalten oder anzugreifen?"

Unsicher sah die Ärztin die anderen an und zuckte dann entschuldigend mit den Schultern. "Wahrscheinlich ist das alles reichlich albern, aber Yhea wäre unsere einzige Chance, wenn man uns da unten nicht mehr weglässt. Wir könnten weder die Venture verständigen wo wir uns aufhalten, noch sonst auf Hilfe von außen hoffen."

Sie schwieg bedrückt und Schamröte stieg ihr ins Gesicht. Wären sie eine Gruppe Abenteurer auf Venderat gewesen, zu Fuß mit minimaler Lebensausrüstung, die sich aufgemacht hätten die Wüste zu ergründen, dann hätte sie mitreden können und aus ihrem Erfahrungsschatz schöpfen können, doch so war alles worüber sie so richtig Bescheid wusste, der Inhalt ihres Medikoffers und wie man alles sinnvoll einsetzte.

Beinahe sehnsuchtsvoll dachte sie an die Weiten von Venderat bis ihr Bild von dem scharfen Schuss ihres Onkels in tausend Stücke zerrissen wurde...

--- Raider Silver Sun, vorderer Berreich

Es kam Clint seltsam vor, dass Klingonen, falls es wirklich Klingonen waren, sich so hilfsbereit benahmen. In den meisten Fällen stellte diese Spezies einfach nur Forderungen. 'Hüte dich vor Klingonen, wenn sie Kompromisse machen' war eine bekannte Redewendung, die sich oft genug bestätigt hatte.

War es möglich, dass dies eine Spionagestation des Klingonischen Reiches war? Die Kriegerrasse würde mit ziemlicher Sicherheit den neuen romulanischen Sektor nicht unbeaufsichtigt lassen. Sorgsam überprüfte er die ferengische Plasmapeitsche unter seiner Robe. Die komplizierte Waffe konnte von den meisten Scannern nicht aufgedeckt werden, auf solche Dinge legten ihre Hersteller großen Wert.

Ysara nickte nachdenklich in Richtung der Ärztin. "Das halte ich für einen sehr vernünftigen Vorschlag ...?"

Halb fragend wandte sie sich an Alnak, der in technischen Fragen das letzte Wort haben sollte und bestätigend nickte. "Wenn die Leute da unten über keine bessere Ausrüstung verfügen als wir, sollte es kein Problem sein, über den Computer des Shuttles eine abhörsichere Verbindung aufzubauen.

Ich werde Ihre Bewegungen von hier oben verfolgen und Sie im Zweifelsfall so schnell wie nur möglich raufbeamen, auch wenn ich Sie alle nicht die ganze Zeit über mit dem Transporter erfassen kann. Wenn Sie keine Fragen mehr haben, schlage ich vor, dass wir anfangen."

Er warf einen fragenden Blick in die Runde. Als die drei Frauen sich einige Sekunden ausgeschwiegen hatten, war es ausgerechnet Miguel, der schweigsame, sehr jung wirkende Sicherheitler, der sich erhob und mit durchdringendem Blick in die Runde sah.

"Wir sollten unsere Zeit nicht mit Reden verschwenden!", verkündete er theatralisch. Erwartungsvoll sah er zu Alnak hinüber. "Ich schätze, bevor wir auf dem Planeten sind, können wir sowieso nichts richtig planen."

Die Psychologin musterte den Mann erstaunt und warf Alnak einen bezeichnenden Blick zu. "Wo er recht hat ...", kommentierte sie vielsagend und zuckte mit den Achseln. "Wir werden Weiteres auf der Oberfläche besprechen können. Wenn Sie also bereit sind ...?"

Sie wartete ab, bis sich alle erhoben hatten und auf den Beamvorgang vorbereiteten. Nun schon ein wenig neugierig fragte auch sie sich inzwischen, was sie wohl auf dem Planeten erwarten würde. Ihr war nur zu klar, dass nahezu alles auf sie zukommen konnte ...

Der Romulaner bereitete derweil den Transporter vor und wandte sich schließlich zu seinem kleinen, wartenden Team um. "Ich wünsche Ihnen viel Glück", sagte er und nickte ihnen ernst zu. Dann startete er den Beamvorgang.

Ysara schloss kurz die Augen, als ihre Umgebung verschwamm und ihr sekundenlang der Blick schwand, auf dem kurzen Weg in ein Abenteuer, das hoffentlich nicht so aufreibend werden würde, wie sie vermutete...

Stardust Venture