Atlantis » Chroniken » Crossover 1 - Unheimliche Begegnung der dritten Art

Crossover 1 - Unheimliche Begegnung der dritten Art

(Atlantis Chronik 6, Venture Chronik 30)

--- Shuttle Reality

Gerade wollte Yhea aufspringen um diesem verrückten Chinesen höchstpersönlich den Kopf von dessen Schultern zu reißen, als plötzlich der rote Alarm losschlug und etliche Warnlampen auf seiner Konsole ansprangen. Verwirrt über die immense Anzahl von Fehler- und Warnmeldungen, brauchte er erst einmal ein paar Sekunden, um einigermaßen den Überblick wiederzufinden.

Anscheinend hatte irgend etwas oder irgend jemand; und da viel Yhea nur ein Name ein; die backbord Manövrierdüsen des Shuttles aktiviert und jetzt bewegte sich das Shuttle langsam aber sich auf den Asteroiden zu. Und zwar unkontrolliert. Und mit der Silver Sun im Schlepptau. Schnell aktivierte Yhea die Manövriertriebwerke des Raiders und versuchte so, die Schlingerbewegung des Shuttles auszugleichen.

Doch da die Düsen des Shuttles absolut zufällig zündeten, schaffte es Yhea nicht, die beiden Schiffe zu stabilisieren. Stattdessen warnte ihn der Computer davor, dass die Hüllenintegrität sank und es nicht mehr lange dauern würde, bis irgendwo irgendwas zu Schaden kam.

"Verdammt", gab Alnak entsetzt von sich, "Die Luftschleuse!"

Sofort überprüfte er die aktuellen Belastungswerte der Schleuse ... und erbleichte. Laut dem Computer waren alle Werte über der normalerweise zulässigen Grenze.

"WAGENVOORT!!! Schließen Sie sofort die Schleuse", brüllte er lauthals, bevor er selber die Luftschleuse des Raiders schloss. Wieder warf er einen Blick auf die Werte. Eigentlich war es unmöglich. Normalerweise wären die Dockklammern schon längst gebrochen, doch noch hielten sie wie durch ein Wunder. Nur wie lange noch.

"Ruben, haben Sie die Tür zu?", rief er wieder, nachdem er auf seinen Kommunikator getippt hatte. "Ruben? ... Ich kann nicht mehr länger warten. Sonst zerreist es entweder das Shuttle oder den Raider. Ich muss jetzt die Schleuse trennen. Haben Sie mich verstanden? WAGENVOORT!!"

Er bekam keine Antwort. Doch er konnte nicht mehr warten. Mit einem Klick gab er dem Computer den Befehl, die Andockklammern zu lösen. Ein Ruck ging durch die Silver Sun, gefolgt von einem unangenehmen Kreischen, als sich die beiden Schiffe voneinander trennten.

Sofort aktivierte Yhea wieder die Triebwerke, stabilisierte den Raider und drehte ihn herum, damit er aus dem Fenster sehen konnte. Kaum hatte er die Wende vollzogen, da sah er auch schon das Shuttle. Mit wild feuernden Triebwerken trudelte aus von ihnen weg auf den Asteroiden zu, doch Yhea konnte nicht erkennen, ob sie es geschafft hatten, die Schleuse zu schließen.

"Gorm, kommen Sie her und versuchen, den Traktorstrahl zu aktivieren. Oder die Transporter. Wir müssen die irgendwie retten."

--- Shuttel Reality

Die Hölle brach los. Unkontrolliert dreht sich das Shuttle im Kreis. Das wusste Chi-Lo allerdings nicht wegen der Sensoranzeigen, weil diese gar nichts mehr anzeigten. Aber die Sterne, die am Fenster vorbeirasten, regelmäßig abgelöst durch die Silver Sun, zeigten ihm, dass sie sich im Kreis drehen mussten.

Unmittelbar, nachdem er dies realisiert hatte, bekam er eine zweite Bestätigung diese Umstandes: Die Trägheitsdämpfer versagten.

Wie von einer riesigen Faust getroffen, wurden die Insassen des Shuttles von ihren Füßen gerissen und von der ungeheuren Fliehkraft gegen die Wände geschleudert.

Als der Chinese auf der Wand auftraf, knackte irgend etwas in seinem Körper. Er schien sich irgendetwas gebrochen zu haben. Er wusste nicht, was es diesmal war.

"Wagenvoort, erinnern sie mich daran, diesen wahnsinnigen Romulaner zu töten, wenn wir ihn das nächste Mal sehen!", rief er dem Sicherheitschef über den Lärm von sämtlichen Alarmsirenen, über die das Shuttle verfügte, hinweg zu.

"Computer! Sämtliche Manövriertriebwerke abwerfen!" Zu seinem eigenen Erstaunen funktionierte zumindest dieses System noch. Man hörte leichte Detonationen, als die Steuerdüsen abgesprengt wurden.

Augenblicklich beruhigte sich ihre Flugbahn.

"Was zum Teufel...?" Der Chinese verstand nicht, was hier vor sich ging. Dem Trägheitsgesetz zu Folge hätten sie sich weiterhin drehen müssen!

Ächzend rappelte er sich auf und schleppte sich zur Steuerkonsole.

"Verdammt, wir sind in einem Leitstrahltraktorsystem gefangen!", sagte er, nachdem er die Anzeigen gecheckt hatte, "Deshalb haben die Steuerdüsen auch verrückt gespielt. Es war quasi ein Kampf Shuttle gegen Leitstrahlsystem. Das Shuttle wollte gemäß Programmierung die Position halten, das Leitstrahlsystem wollte das Shuttle zum Asteroiden ziehen. Das führte zu einer Situation, dass sich beide Systeme ständig mit überraschenden Manövern austricksen wollten... Und unsere kaputte Mühle verabschiedet sich bei einer so hohen Belastung nach und nach von allen verblieben EPS-Relais.

Wir sinken mit einer Geschwindigkeit von einem halben Meter pro Sekunde auf die Oberfläche zu. Nun, in einer halben Minute werden wir schlicht und ergreifend landen. Ich schlage vor, wir..." Der Chinese verstummte, als er durch ein Fenster sah, wie eine der abgesprengten Manövrierdüsen trudelnd auf die Silver Sun traf und eine riesige Beule in der Hülle erzeugte.

Als der Ball verlosch, war die Silver Sun glücklicherweise noch immer da. Aber dem Chinesen war klar, dass die Silver Sun mit hoher Wahrscheinlichkeit Schäden davongetragen hatte.

"Verdammt...", murmelte er fassungslos.

Keuchend zog Ruben sich an der Armlehne des Pilotensessels hoch, nachdem mehrere Tonnen Fliehkraft wie eine Presse auf seinen Brustkorb gedrückt hatten. Sterne waren vor seinen Augen getanzt, doch glücklicherweise verteilte sich mittlerweile wieder Sauerstoff in seinen Zellen.

Schnaufend und unterdrückt hustend sackte er in den Stuhl und überprüfte rasch die Systeme. Eigentlich war alles ausgefallen, nachdem das Schott sich noch gerade rechtzeitig geschlossen hatte, so als wenn das Schiff nach einer letzten Kraftanstrengung seine Lebenskraft ausgehaucht hatte. Ohne Manövertriebwerke war es nur eine Frage von Sekunden, bis sie auf dem Asteroiden landeten.

Und wer wollte sich schon darauf verlassen, dass der Bediener des ominösen Leitstrahls sie freundlich begrüßte, nachdem sie das Shuttle gekapert hatten wie Piraten?!

"Wenigstens sind die Raumanzüge hinüber, dann müssen wir nicht ausschleusen. Weltraumspaziergänge hasse ich noch mehr als den Tod!", schniefte Ruben vor sich hin, während die Oberfläche immer näher kam.

Dann öffnete sich plötzlich eine Art Tor gerade in der Richtung, in welches das Shuttle sank. Ob hier Schmuggelgut versteckt wurde oder Cardassianer eine neue Super-Waffe entwickelten - der Besitzer war verdammt gut ausgerüstet!

"Wagenvoort an Alnak, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um unseren Streit zu begraben und uns hier rauszubeamen", zog der Niederländer den letzten Strohhalm. Wäre er religiös gewesen, hätte er wohl gebetet, jedoch blieb ihm so nur die Hoffnung, dass der Romulaner den Funkspruch erhielt.

Aber der Kommunikator blieb still.

--- Raider Silver Sun

Gerade als der Wissenschaftler den Traktorstrahl aktivieren wollte, schossen zwei Objekte von der Reality auf die Silver Sun zu.

'Was ist das? Beschießen die uns etwa?', konnte Gorm gerade noch denken, als eines der Objekte auch schon in den Raider krachte und an dessen Außenhaut zerschellte.

Nachdem sich der Ferengi vom Schock erholt hatte, sah er auf die Sensoraufzeichnungen: 'Aha, das waren die Manövriertriebwerke von denen’

Gorm sah aus dem Fenster und bekam gerade noch mit, wie die Reality in das Innere des Asteroiden gezogen wurde. Ratsuchend sah er sich zum Techniker um, der gerade fieberhaft an den vielen Alarmmeldungen arbeitete, die durch den Aufschlag ausgelöst wurden.

--- Shuttle Reality

Die Sekunden vergingen, während der Sicherheitler dann doch ein Gebet Richtung Gott schickte - und sicherheitshalber auch an sämtliche sonstigen Gottheiten, die ihm einfielen - bis ein leichter Ruck durch die Hülle fuhr und sich das große Schott hinter der Reality wieder schloss.

"Chi-Lo, geben Sie mir einen Phaser. Wenn ich schon sterben muss, dann im Kampf und nicht an irgendeiner bronchialen Erkrankung, die mich in ein paar Jahren vielleicht dahinrafft", wandte er sich seufzend an den Chinesen und fand überraschenderweise tatsächlich etwas tröstliches in seinen eigenen Worten, "Viel Glück!"

Clint fühlte sich furchtbar. Im war als sei sein Körper zuerst gebraten und anschließend fein säuberlich plattgehämmert worden. Der Ausfall der Lebenserhaltung war schon schlimm genug gewesen, aber gegen den Schleudergang zum Asteroiden war es fast schon angenehm. Ächzend richtete er sich auf.

Wie durch ein Wunder schien er sich nichts gebrochen zu haben, jedenfalls fühlte er kaum Schmerzen. Also machte er einen Schritt nach vorn, und plötzlich knickte sein Schienbein in der Mitte durch, was ihn vornüber aufs Gesicht fallen lies.

Er betrachtete sein übel aussehendes Bein, aus dem ein blutiger Knochen rausragte. Seltsamerweise fühlte er immer noch kaum Schmerzen. Wahrscheinlich hatte ihm Jordan beim Ausfall der Umweltkontrolle ein Schmerzmittel verpasst.

Er wagte keine vorschnellen Bewegungen mehr zu machen, da er befürchtete weitere Brüche und Verletzungen auf die harte Tour zu entdecken. Schließlich schaffte er es, sich mit dem Oberkörper gegen den Pilotensitz zu lehnen. Jordan schien sich gerade ebenfalls auf zu rappeln.

"Ihre heroische Einstellung in allen Ehren Mister Wagenvoort. Aber ich denke das Abwarten und eine eventuelle Kapitulationserklärung unsere Überlebenswahrscheinlichkeit erhöht. Wir sind für einen Kampf in keiner guten Verfassung. Abgesehen davon wissen wir nicht wer unser Gegner ist, wie stark er ist und ob er überhaupt unser Gegner ist", brachte er schwer atmend hervor.

Der Anblick des gebrochenen Schienbeines von Clint brachte Chi-Lo darauf, nachzuforschen, was denn nun bei ihm genau geknackt hatte, als er gegen die Wand geschleudert worden war.

Im nächsten Moment meldet im sein Hinterteil, dass er sich offenbar in eine glühende Kohlenpfanne gesetzt hatte.

'Sauber, das Steißbein ist hin', dachte er frustriert, aber eingedenk von Clints Verletzung beschloss er, Jordan vorerst nicht mit so einer -vergleichsweise - Lappalie zu belangen.

"Wagenvoort, ich muss Clint zustimmen. Ich bin ebenfalls kampfunfähig. Aber meinen Phaser können sie gerne haben."

Mit den Worten: "Vorsicht, er ist auf Töten eingestellt" warf er dem Niederländer seine Waffe zu.

Mit groß aufgerissenen Augen fing Ruben die Waffe, löste sie zu ihrer aller und besonders seiner eigenen Überraschung nicht aus. Schnaufend und mit trommelndem Puls warf er einen Blick auf die Einstellungen: 'Verdammt, der hat mir wirklich einen geladenen und entsicherten Phaser zugeworfen!'

Für eine Sekunde wurde dem Niederländer schwarz vor Augen und er überlegte einfach bewusstlos zu werden, aber schließlich setzte sich sein Pflichtbewusstsein durch. Abgesehen davon war seine Angst erschossen zu werden viel größer als der Wunsch, niemanden erschießen zu müssen!

Erst dann konzentrierte er sich auf die Verletzungen der Crew...

...und guckte schnell wieder weg. Das Bein von Clint sah ja zum Fürchten aus, vor allem da Wagenvoort kein Blut sehen konnte. Angestrengt unterdrückte er den Würgreiz, bis es ihm wieder halbwegs normal ging.

"Ähhh, Jordan, Sie kümmern sich ja darum?!", warf er der Ärztin einen flehentlichen Blick zu, während er sich selbst aufraffte, "Ich werde dann mal gucken, wer oder was uns hierher geholt hat. Wenn ich in 15 Minuten nicht zurück bin...naja, können sie sich ja denken"

Angespannt wie eine Feder schritt er zu der Ausstiegsluke und betätigte ganz vorsichtig den Öffnungsmechanismus, gerade so als wäre es ein rohes Ei.

Die Tür öffnete sich und Ruben erblickte eine graue, eintönige Duraniumwand, mitten in einem eintönigen, grauen Raum. Doch was zwischen der Einöde hervorstach war ein unscheinbares Tor, welches ihn grimmig anzuschauen schien.

--- Grauer, eintöniger Raum, vielleicht eine Shuttlerampe

Mit weichen Knien und vorgehaltenem Phaser schlich der Niederländer auf das Tor zu, ganz in der Absicht vergraben es möglichst unauffällig zu öffnen, sich schnell hier umzuschauen und weit unter 15 Minuten später wieder sicher im Shuttle zu sitzen.

Aber wider jeder Erwartung glitt die Tür einfach zur Seite und erstaunt sah und hörte er einen einfühlerigen Andorianer sprechen.

"Narbo, wir sollten schleunigst machen, dass wir hier wegkommen. So wie es aussieht, nimmt uns vielleicht gleich wer das Zerkleinern der Kristalle ab und ich möchte das eher nicht aus nächster Nähe miterleben. Lass uns aufs Shuttle zurückkehren und die Vorgänge von dort verfolgen!"

Schluckend antwortete er: "Ähh, ich fürchte der Rückweg zu Ihrem Schiff wird kürzer sein, als Sie sich gedacht haben. Und bitte nicht schießen, so viel Aufregung vertrag ich nicht!"

--- Raider Silver Sun

Konzentriert arbeitete Yhea vor sich hin. Eine Fehlermeldung nach der anderen arbeitete er ab, bis nur noch eine übrig blieb, die er nicht direkt lösen konnte. Die Transporter. Die waren ausgefallen, als das Triebwerk des Shuttles die Silver Sun getroffen hatte. Und nur weil die Schilde nicht aktiviert gewesen waren. Aber das war ja nicht möglich gewesen, weil bis kurz vorher noch das Shuttle angedockt war. Also warum Vorwürfe machen.

Wenigstens war sonst noch alles funktionsfähig. Von der Schleuse mal abgesehen. Beim der schnellen Trennung hatten sich die Andockklammern dermaßen verbogen, dass ohne Austausch kein Andockmanöver mehr möglich war. Wenn sie wenigstens die Transporter hätten.

Als Yhea gemerkt hatte, dass das Shuttle in eine Rampe innerhalb des Asteroiden gezogen worden war, hatte er die Schilde aktiviert und den Raider ein wenig von dem Asteroiden weg gesteuert. Denn er hatte keine Lust, das gleiche Schicksal zu erleiden, wie die Reality. Und sicher war sicher. Jetzt, wo wieder etwas Ruhe im inneren des Raiders eingetreten war, drehte sich Yhea um und sagte zu Gorm: "Alles in Ordnung bei Ihnen?"

Der Ferengi nickte kurz und so fuhr Yhea fort.

"Gut, dann können Sie mir bestimmt bei der Reparatur des Transportersystems helfen?", fragte er den Ferengi.

"Aber natürlich," antwortete der Wissenschaftler, "aber erwarten Sie sich nicht zuviel von mir. Ich hab mein Shuttle zwar am Laufen halten können, bin aber Wissenschaftler und kein Techniker"

Mit einem gewissen Bedauern dachte er an Chedu, die jetzt bei den anderen im Shuttle saß. Die wäre dem Romulaner eine wesentlich größere Hilfe gewesen. Vielleicht war das aber auch ganz gut so. Jetzt konnte sie ein wenig auf das Chaotengespann aufpassen. Chi-Lo alleine war schon schlimm, aber mit Wagenvoort zusammen bildete er eine lethale Mischung.

Entschlossen stellte er sich neben den knienden Techniker um ihm nach seinen Anweisungen bei der Reparatur zu helfen. Die anderen mussten jetzt für sich selbst sorgen.

Yhea nickte Gorm dankbar zu und öffnete dann eine große Bodenplatte, unter der sich die Hauptsysteme des Transporters befanden. Nach einem kurzen Blick hinein schüttelte er jedoch schon den Kopf.

--- Shuttle Reality

Der Wahlvulkanier blickte dem Holländer skeptisch nach. Entweder würde Wagenvoort verletzt werden, einen unnötigen Konflikt verursachen oder beides. Jedenfalls sah so seine momentane Einschätzung aus, den das Verhalten des blassen Terraners während dieser Mission erfüllte ihn nicht gerade mit Zuversicht.

Er beobachtete Chi-Lo, der sich ziemlich merkwürdig bewegte. Immer wieder schoss seine Hand Richtung Rücken, bevor er innehielt und so tat, als fehle ihm nichts. Der Wissenschaftler tastete vorsichtig nach jedem Knochen seines Körpers, aber außer dem Schienbein und einigen Prellungen schien alles in Ordnung zu sein.

Ihm missfiel der Gedanke so bewegungsunfähig zu sein. Er befand sich in einer fremden Umgebung, die ihnen möglicherweise feindlich gesinnt war, zusammen mit einem buntem Haufen irrationaler Terranern.

"Mister Chi-Lo, welche Systeme des Shuttles funktionieren noch?", fragte er, während der bisher leichte Schmerz in seinem Schienbein langsam aber sicher an Intensität gewann.

Sternchen tanzten vor den Augen des Chinesen, als er sich zu einer übriggebliebenen Konsole bewegte. Jede Bewegung bereitete ihm Höllentorturen. Im war noch nie aufgefallen, welch ungeheure Distanz eine Entfernung von zwei Metern darstellte.

Nach mehreren Äonen ungebremsten Schmerzes kam er endlich an der Konsole an. Ihm wurde schwarz vor Augen. Und dann geschah es. Er sackte auf den zu der Konsole gehörigen Sessel. Auf seinen gebrochenen Steiß.

Raum und Zeit verloren ihre Bedeutung. Er fiel in einen tiefen, schwarzen Trichter wallenden Schmerzes. Er hörte nur noch ein leises, hohes zirpen, und sein Blickfeld war ausgefüllt von einem schwarzroten Wabern. Wage bekam er mit, wie er sich vom Sessel herunterrollen ließ, um sich hilflos zusammengekrümmt auf dem Boden zu wälzen.

Tränen tanzten in seinen Augen, als er sich leise wimmernd an der Konsole hochzog. Er stütze sich auf der Arbeitsfläche ab. Weil er sich nicht mehr bewegte, verstummte die Musik in seinem Steiß langsam. Zumindest so weit, dass er wieder klar denken konnte. Unter unsäglichen Torturen machte er sich an die Arbeit.

"Antimaterieein... dämmung sta...bil", presste er angestrengt zwischen seinen zusammengebissenen Zähnen hervor. Sein Atem kam nur stoßweise. "Impulstriebwerke ab...gesprengt. Lebenserhaltung ausgefallen, Senso...ren ausge...brannt. Waffen ausgefall...len. Das einzige, was... noch funktioniert, ist die verd... verdammte Not...beleuchtung. Und der Transporter mit Aus...nahme der Sensoren, weil das System off...line... war"

Schwer keuchend verstummte er. Er lag mehr auf der Konsole, als dass er sich abstützte. Bloß nicht mehr bewegen!

Nachdem Jordan die Situation erfasst hatte, blieb sie einen Augenblick stehen, um vorsichtig ihren Arm zu bewegen, mit dem sie sich beim Sturz abgefangen hatte. Glücklicherweise schien er aber diesmal einigermaßen unversehrt zu sein. Verärgert erinnerte sie sich an die Einstellungen, die sie an der Temperaturkontrolle geändert hatte, war aber sicher, dass nichts auf die Fehlfunktionen hingewiesen hatte.

Mit gehobener Augenbraue sah sie hinüber zu dem ächzenden Chinesen. Sie traute ihm weiterhin zu, dass diese mittelschwere Katastrophe in irgendeiner Weise auf ihn zurückzuführen war. Oder aber Wagenvoort. Eins war sicher, bei der Sternenflotte wäre so etwas nie passiert. Leute wie diese Männer schafften dort selten die Aufnahmeprüfung, und wenn doch, wurden sie vom Feind erschossen, kaum dass sie das erste Mal ihre schicken roten Uniformen übergestreift hatten.

Vielleicht hatte sie ja Glück, und es tauchte doch noch ein Feind auf.

Resigniert sah die Ärztin sich nach ihrem Notfallkoffer um, den sie glücklicherweise nach der letzten Benutzung zugemacht hatte, so dass sich sein Inhalt nicht über das gesamte Shuttle verteilt hatte.

Mit in die Hüften gestützten Händen sah sie nachdenklich von Chi-Lo und Clint. Dann beschloss sie, dass der Wissenschaftler zwar trotz der gefährlich aussehenden Verletzung weniger akut ihre Hilfe benötigte, es allerdings eher verdient hatte.

Seufzend kniete sie neben ihm nieder und begann wortlos, sich sein Bein anzusehen.

--- Im Asteroiden, Kammer

Der Kopf des Andorianers zuckte herum, und instinktiv ging er in eine Abwehrhaltung. Dann allerdings überzog ein breiter Grinser sein blaues Gesicht, als er sah, was da die potentielle Bedrohung darstellte.

"Gut, dann nimm mal die Hände hoch! - Was war das mit unserem Shuttle?", fragte Zirt ziemlich amüsiert - noch.

Wie auch immer der Andorianer seinen Fühler verloren hatte, das Gehirn schien auch in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein: "Ähh, ich werde die Hände sicher nicht hochnehmen. Auch wenn ich mich mit dem Zielen nicht so gut auskenne, könnte ein versehentlicher Treffer an den Dilithiumkristallen da hinten recht verheerend sein"

Verstehend riss sein Gegenüber die Augen auf, nachdem Ruben mit dem Phaser in die Richtung der Kristallformation gestikuliert hatte, also fügte der Niederländer schwitzend hinzu: "Also wäre es am Besten, wenn wir alle mal unsere Waffen wegstecken"

Nachdem sich aber auch noch Pormas zu dem Andorianer dazugesellte und den Holländer von oben herab düster anstarrte, schien dieser noch ein paar Zentimeter zu schrumpfen.

"Ich glaube nicht, dass wir auf Waffen angewiesen sind", erwiederte Zirt lächelnd und sah Wagenvoort auffordernd an.

--- Asteroid, Kammer, etwas entfernt

Der erste Atemzug war schon immer schwer gewesen. Wenn man seine Lungen schon so lange nicht benutzt hat, war es praktisch so, als würde man noch einmal geboren werden, nur das einem diesmal kein großer Mann im weißen Kittel auf den Hintern klopfte.

Zudem war die Luft abgestanden und ziemlich dünn, auch schien sie viel Staub zu enthalten. 'Mist, diese verdammten Ventilationssysteme', dachte er mürrisch, 'Halten keine läppischen zwei Jahrhunderte'

Jedenfalls glaubte er, dass es zwei Jahrhunderte waren. Keiner von ihnen war mit dieser Ausrüstung vertraut gewesen. Ja, verflucht, nicht mal mit diesen Körpern waren sie vertraut. Es waren schließlich nicht ihre eigenen.

Panik stieg in ihm auf, als er daran dachte, dass er in einem fremdartigen Körper steckte. 'Entspann dich', besann er sich zur Ruhe.

Sein eigentlicher Körper war längst zu Staub zerfallen. 'Nein' korrigierte er sich, 'Das stimmt nicht ganz' Es war ein wenig verwirrend, das waren solche Dinge immer. Er fragte sich welche Sternzeit man gerade schrieb. So genau lies sich das nicht feststellen, den sie hatten nur diese unbegreifliche Alientechnologie gehabt, und keinen Weg gefunden, eine genau Übersetzung der Zeiteinheiten zu bewerkstelligen.

Seinem Gefühl nach hatten sie jetzt lange genug geschlafen, es müsste jetzt ungefähr so weit sein und sie konnten sich nach draußen wagen. Die Zeitpatrouille hatte sich sehr deutlich ausgedrückt, was das anging, und was passieren würde, wenn sie vor ihrer eigentlichen Zeit rausgingen.

Es waren vielleicht noch hundert Jahre, also zwei Schlafperioden bis sie zurück in der Gegenwart waren, hundertfünfzig um sicher zu gehen.

Dann hörte er die nicht weit entfernten Stimmen. War er denn nicht als erster aufgewacht? Anscheinend gab es wieder eine Fehlfunktion in der Zeitschaltuhr. Ächzend versuchte er sich zu erheben.

--- Shuttle Reality

"Hhgrml!", machte Clint unbeabsichtigt, als sich die Ärztin an seinem Bein zu schaffen machte. Das Schmerzmittel hatte seine Wirkung vollkommen verloren, und der Wahlvulkanier musste sich nun auf Meditationstechniken und Zähnezusammenbeisen verlassen. Wie er feststellte, hatte Jordan einen etwas rüden Behandlungsstil. Doch schon schob sie eine Ampulle in das Hypospray, und setzte es an seinem Hals an.

Der Halbbreen sog plötzlich mit einem pfeifenden Geräusch, das Ähnlichkeit mit einer sich überladenden Phaserbatterie hatte, die Luft ein. Schüttelkrämpfe gingen durch seinen gesamten Körper. Mit einem Mal hielt er angespannt inne und wurde daraufhin schlaff und leblos. Jordans medizinischer Tricorder gab ein Warnsignal und schließlich einen langen monotonen Piepton von sich.

....

Ein warmer Wind streifte über die Olivenhaine. Es war später Nachmittag und der Duft von Rosmarin und gemähtem Gras war selbst im Anwesen auf dem Hügel zu spüren. Die alten Steinmauern hatten schon viele solcher Sommer gesehen, weit mehr als der alte Mann, der in einem hölzernen Schaukelstuhl auf der Veranda saß. Er nahm einen genüsslichen Schluck Wein und bedachte den neben ihm stehen Bauern mit einer schweifenden Handbewegung.

"Don Amtore!", begrüßte ihn dieser überschwänglich und respektvoll. Er ergriff die vom Alter gekennzeichnete Hand und küsste sie. Der Alte Mann, Don Clint Amtore, zog die Hand zurück und sprach mit heiserer Stimme: "Frederico, mein alter Freund. Kann ich etwas für dich tun? Du brauchst es nur zu sagen" Nach diesen Worten rief er einen Diener herbei und lies sich Wein nachschenken.

"Ich belästige sie nur ungern ehrenwerter Don, aber es geht um meine einzige Tochter. Sie wissen doch Sophie!", ereiferte sich der Besucher. "Aber natürlich, Sophie ein schönes Kind. Sag mir was dich bedrückt Frederico", entgegnete Don Amtore freundlich.

"Es ist dieser Bastard von Antonio Burlamaqui. Er ....", der Besucher hielt inne als der Don krampfhaft zusammenzuckte. "Sprich weiter Frederico. Es ist nur das Alter", beruhigte in Clint Amtore. Aber als der Bauer weitersprechen wollte zuckte der Don noch einmal zusammen, dann noch einmal, und noch einmal ... eine Frau schrie etwas ....

"Schock", stellte Jordan unnötigerweise an den Chinesen gewandt fest. Sie hatte irgendwie das Bedürfnis klarzustellen, dass der Breen nicht wegen dieses Hypospray ohnmächtig geworden war [*SCNR*]. Chi-Lo, der noch immer über seiner Konsole hing, beachtete sie jedoch kaum.

Offenbar war dem Breen der Blutverlust nicht sehr gut bekommen; vielleicht spielte auch der plötzliche Temperaturumschwung zuvor eine Rolle. Der genaue Grund war Jordan allerdings gleichgültig, solange er für ihre Behandlung eine untergeordnete Rolle spielte. Schnell durchsuchte sie ihren Notfallkoffer nach einigen Medikamenten und verabreichte Clint einen weiteren Enzymcocktail, der seinen Zustand stabilisieren würde, ohne ihn aufzuwecken. Wenn sie sich um dieses Bein kümmerte, war es ohnehin nicht schlecht, wenn er sich daran nicht aktiv beteiligte.

Ein Blick auf ihren Tricorder sagte ihr, dass Clint zumindest zum jetzigen Zeitpunkt in keiner akuten Lebensgefahr schwebte. Daher wandte sie sich seinen Bein zu, um zunächst die Blutung notdürftig zu stoppen.

Glücklicherweise sorgte Cailin dafür, dass jedes Shuttle bestens ausgerüstet war - wahrscheinlich aus reichhaltiger Vorerfahrung heraus. Jordan erhob sich also und eilte zu einem der Schränke im hinteren Teil des Shuttles, wo sie nach kurzem Suchen fündig wurde und mit ein wenig zusätzlichem medizinischen Gerät wiederkehrte.

"Mr. Hu-Wang, bewegen Sie sich am besten nicht, bis ich für Sie Zeit habe", wandte sie sich derweil im Plauderton an den ächzenden Chinesen. Wieder neben Clint niederknienden, programmierte sie mit geübten Griffen eine Beinschiene auf die notwendigen Spezifikationen. Zwischendurch hielt sie inne, um das verwundete Bein erneut zu scannen. Dabei handelte sie rasch, ohne Zeit zu verlieren, aber ruhig. Irgendwie fühlte sie sich resigniert.

"Wenn Ihr Steißbein wirklich gebrochen ist", fuhr sie fort und klappte das Kontrollkästchen zu, nachdem sie die Einstellungen beendet hatte, "könnte es zu inneren Blutungen kommen. Sie sind ja mittlerweile vertraut mit derartigem - spüren Sie schon etwas?

Allerdings - Machen Sie sich am besten schon mal frei" Die Ärztin unterbrach sich, um sachte Clints Unterschenkel in die richtige Position zu bringen und vorsichtig die Schiene umzulegen, "Der Protoplaser hat manchmal Fehlfunktionen aufgrund von herkömmlichem synthetischen Stoff."

Dann runzelte sie die Stirn, als die Schiene mit einem Knacken um das Bein ihres Patienten schloss, und konzentrierte sich auf seine Behandlung.

--- Raider Silver Sun

"Sieht auf den ersten Blick nicht gut aus", sagte Yhea und rümpfte die Nase, als ihm der Geruch von verbrannten Materialien entgegen wehte. Er griff an seinen Gürtel und zog seinen Tricorder hervor. Ein Bauteil nach dem anderen scannte er, machte sich ein paar Notizen und klappte das Gerät dann wieder zu. Während er sich vom Boden erhob, schloss er wieder die Bodenplatte und schaute Gorm ernst an.

"Also der Transporter ist nicht mehr zu retten. Der Einschlag des Reality-Triebwerks hat so viele Komponenten zerstört, dass es Wochen dauern würde, sie zu reparieren. Mal davon abgesehen, dass wir hier keine Ersatzteile haben. Zwar funktioniert noch der Notfalltransporter, doch der hilft uns hier auch nicht weiter. Erstens ist der nur für Ein-Personen-Transporte gebaut und zum anderen nur auf kurze Entfernungen. Zudem funktionieren hier ja nicht die Sensoren. Das heißt, hier in diesem Asteroidenfeld wird er uns absolut nichts nützen"

Frustriert ließ sich Yhea wieder in den Pilotensitz fallen. Was konnten sie bloß tun? Warten, bis irgend etwas passierte? Direkt handeln? Aber wie? Und vor allem was.

"Gorm, haben Sie eine Idee, was wir jetzt tun können?"

--- Im Asteroiden, Kammer

"Wenn Sie ohne Grund Ihr Leben bei dem Versuch mich zu überwältigen, bevor ich auf sie oder die Kristalle feuere, aufs Spiel setzen wollen, so ist das denke ich Ihre Sache", gab Ruben zurück und versuchte ein Pokerface aufzusetzen, auch wenn Bluffen ihm so sehr im Blut lag wie Toastbrot.

"Aber um meine freundschaftlichen Absichten zu beweisen nehme ich den Phaser mal herunter", fügte er einige Sekunden später hinzu, nachdem der Terraner wirklich gewillt zu sein schien, die Probe zu wagen, "Und was Ihr Shuttle angeht - das steht hinter diesem Tor da und wird wohl auch die nächste Zeit da bleiben..."

--- Asteroid, Kammer, etwas entfernt

Fasziniert betrachtete die Schottin die Anzeigen ihres Tricorders und bemerkte nur ganz am Rande, was sich sonst noch in der Kammer tat [hihi]. Innerhalb der letzten Minuten hatte sich das Lebenserhaltungssystem der Kammer geändert. Ihr Insasse schien aufzuwachen.

Als der Mann begann, sich zu bewegen, untersuchte sie die Kammer nach einem Öffnungsmechanismus, fand aber keinen. Die Kammer zischte leise und gab Geräusche von sich, als würde ein Druckausgleich stattfinden - oder so etwas ähnliches.

Nach ein paar Minuten klickte es kaum wahrnehmbar, dann schwang der Deckel der Kammer langsam und lautlos nach oben.

In der Kammer lag ein humanoider Mann, der ungefähr vierzig sein mochte. Der Himmel allein wusste, wie alt er tatsächlich war! Unauffällig scannte sie ihn. Sein Ursprung war eindeutig menschenähnlich.

Llewella fand das sehr merkwürdig. Immerhin war ihr nicht bekannt, dass die terranische oder föderative Kultur diese Art von Lebenserhaltungskammern verwendete, sie hätte sie eher einer ihr völlig fremden Art zugeordnet.

Sie beugte sich über den Mann, der sie irritiert musterte:

"Willkommen unter den Lebenden, oder sollte ich eher sagen, den Wachen? Mein Name ist Llewella Campbell und ich gehöre zu dem Haufen dort hinten. Wie fühlen Sie sich?"

Der Mann öffnete ein paar Mal den Mund, als wollte er etwas sagen, aber es kam kein Ton heraus. Schließlich konnte man so etwas wie "...rostet" verstehen.

Die Schottin verzog grinsend den breiten Mund. "Aye, ich verstehe, die Stimme ist ein wenig eingerostet. Kann ich verstehen, Sie werden ja auch eine Weile nicht geübt haben. Wollen Sie aufstehen?"

Als der Mann nickte, reichte sie ihm ihre Hand. Er ergriff sie mit einer Mischung aus Schwäche und Stärke, die die Schottin faszinierte. Dann richtete er sich auf und stieg aus der "Schläferkammer", wie Llewella das Gerät insgeheim nannte.

Wackelig stand er nun auf seinen Beinen und blickte sich um. Dann begann er langsam zu sprechen, ungeübt, aber verständlich, mit einer angenehmen Stimme.

"Ich bin Svaal und dies hier war meine Basis. Eine friedliche, wissenschaftliche Basis" betonte er, als sein Blick auf die drei Männer fiel, die inzwischen zwar mit gesenktem Phaser dastanden, sich aber immer noch feindselig anblickten...

Das war nicht einmal direkt gelogen. Eigentlich war ja hier seine Basis, oder war es zumindest mal gewesen ... oder würde es mal werden. Zeitsprünge konnten wirklich jeden durcheinander bringen, man musste vor allem auf seine Grammatik achten. Aber zuerst musste er sich mit der Tatsache auseinander setzen, dass jemand sie gefunden hatte.

'Terraner', dachte er währenddessen innerlich schockiert, 'Auch das noch' Sie waren sich sicher gewesen, dass dieser Asteroid bis in ihre Gegenwart unentdeckt geblieben ist. Dies konnte man aus der einfachen Tatsache ableiten, dass niemand die großen Dilithiumvorkommen abgebaut hatte, die hier zu finden waren.

Er würde jetzt sehr vorsichtig sein müssen, mit allem was er sagte und tat. Die Zeitlinie dürfte nicht gestört werden, der seltsame Mann von der Zeitpatrouille hatte sie sehr ausdrücklich gewarnt. Er fasste sich an die Beule auf seiner Stirn, die er sich vorhin zugezogen hatte, als er bei geschlossenem Deckel auf zu stehen versuchte.

Svaal sah derzeit zwei Möglichkeiten: Entweder hatten er und die restlichen Zeitschläfer durch ihr Tun und Dasein auf dem Asteroiden die Fremden hergelockt. Oder etwas das sie ab jetzt tun werden würde verhindern, dass die Fremden von der Entdeckung des Asteroiden berichteten und seine Schätze abbauten.

Beide Möglichkeiten würden von ihm auf jeden Fall ein aktives Handeln vordern. Er hoffte nur, dass er bezüglich der Fremden zu keinen Dingen gezwungen sein würde, die er später sein Leben lang bereuen müsste.

Langsam aber sicher kehrte wieder Leben in Sems zurück. Mit dröhnenden Kopfschmerzen, als hätte er sich mit Thors Hammer angelegt, öffnete er vorsichtig die Augen und schaute sich um. Er lag immer noch auf dem Boden neben der Kammer und zuerst sah vier Beine, die er zuerst nicht zuordnen konnte. Erst als er hoch sah, erkannte er Llewella und einen für ihn unbekannten Humanoiden. Beide waren sich am unterhalten und schienen Sems Aufwachen nicht mit zu bekommen.

Egal, er konnte auf Hilfe verzichten. Mit dem gesunden Arm versuchte er sich hochzuziehen, was jedoch am schwammigen Griff und fehlender Stärke scheiterte. Nach kurzer Verschnaufpause versuchte er es erneut, doch wieder schaffte er es nicht. Ärgerlich rutschte Sems auf dem Boden herum und überlegte, was er als nächstes tun sollte. Da entdeckte er seinen Phaser, den er vorhin verloren hatte. Er griff nach ihm und hängte ihn an seinen Gürtel. Es war schon schlimm genug, dass er hier hilflos am Boden lag, doch ohne eine Waffe fühlte er sich immer irgendwie nackt.

Was das Problem mit dem Aufstehen leider immer noch nicht löste. Er konnte sich ja schlecht in eine stehende Position schießen. Also hob er seinen Arm, um sich bei der Ärztin irgendwie bemerkbar zu machen. Doch die ignorierte ihn immer noch. Also räusperte er sich kurz und sagte dann:

"Hallo? Kann mir mal jemand hoch helfen?"

--- Shuttle Reality

"Don Amtore! Capo! Hören sie mich?", rief der Bauer verzweifelt und mit einem Anflug von Panik. Diener eilten herbei und brachten dem alten Mann seine Medizin. Dieser winkte aber brüsk ab, mit einer Handbewegung wies er alle Hilfe von sich.

"Warum nur machen alle immer diesen Aufstand", brachte er hustend hervor, "Mir geht es prächtig wie eh und je" Der Anfall hatte an Heftigkeit nachgelassen, und war bald vorüber. Als wäre nichts gewesen, wandte sich Don Amtore wieder seinem Gast zu.

"Du sagtest, du hast Probleme mit Burlamaqui? Er ist ein guter und aufrichtiger Mensch ... und ein guter Freund", bemerkte der Don mit seiner heiseren Stimme. Der Bauer wurde blas, fand seinen Mut aber schnell wieder:

"Ich weis ehrenwerter Don. Aber es geht um seinen Sohn Antonio. Er trifft sich mit meiner Tochter ..."

"Und sie lieben sich?", unterbrach ihn Amtore.

"Er ist ein Bastard! Nie lasse ich zu, dass sich mein Kind mit ihm einlässt!", brauste Frederico auf.

"Aber Frederico. Deshalb kommst du zu mir? Wegen zwei Jungen Menschen die sich lieben?", fragte Amtore lächelnd.

"Bitte Don Amtore! Ich kann nachts nicht schlafen wenn ich daran denke, dass meine einzige Tochter mit diesem Hund verkehrt. Mein verehrter Don, bitte helft mir. Ich kann gegen Antonio nichts tun, den ich bin nur ein einfacher Bauer, und er ist der Sohn von Burlamaqui. Aber wenn ihr ...", er machte ein flehentliches Gesicht.

...

"Keine Sorge, wenn es wirklich notwendig wird, verarbeiten wir ihn zu Pasta!", teilte Clint Jordan mit. Der Traum und die Erinnerung daran verflogen so schnell wie ein letzter Schwall Kerzenrauch. Die Ärztin schaute den Wissenschaftler mit gerunzelter Stirn an. 'Was habe ich gerade gesagt?', fragte sich Clint, konnte sich aber nicht einmal daran erinnern.

--- Im Asteroiden, Kammer

Erfreut nahm der Niederländer zur Kenntnis, dass die Fremden scheinbar sein Angebot angenommen hatten und nicht angriffen, nachdem er seine Waffe gesenkt hatte. Jetzt galt es sie nur noch zu überzeugen, dass ihnen die Sache mit dem Shuttle furchtbar leid tat...

Nervös ging er zurück Richtung Schiff, nicht ohne die Blicke des Andorianers in seinem Rücken zu spüren. Hoffentlich überlegte der Kerl es sich nicht anders und erschoss Ruben von hinten!

Mit einer Schweißperle auf der Stirn erreichte er die Reality und drehte sich langsam zu seinen Begleitern um. Außer dem anderen Terraner, sowie dem blauhäutigen Typen war ihm auch ein Ferengi gefolgt, der ein wahnsinniges Glitzern in den Augen hatte.

"Da wären wir, ähh, vielleicht wollen Sie ja meine Crew kennenlernen", lud er die Gruppe hüstelnd ein das Shuttle zu betreten.

"Vielen Dank, aber nach Ihnen", lud Pormas den Menschen vor sich ein. 'Wo zum Geier sind die Impulsantriebe und warum sieht dieses Schiff wie durch eine Schrottpresse geschickt aus?', überlegt Pormas krampfhaft. Ein Enterkommando konnten sie nicht sein, wenn auch schon schlimm genug, dass man überhaupt entdeckt wurde. Abgesehen davon sollten man das Shuttle doch etwas besser sichern...

Verärgert trieb der Sicherheitler den Mann vor sich, während er in dessen Rücken neben seinem Phasergewehr noch seinen Blaster zog. Das schien sein Vordermann irgendwie zu merken, denn er wollte sich gerade umdrehen, als Pormas ihn einen gewaltigen Tritt in den Rücken gab und sein Opfer kopfüber in das Shuttle flog.

Mit zwei schnellen Schritten eilte der Südländer hinterher und stellte sich breitbeinig in die Schleuse des Shuttles, wo ihm mehr oder weniger erschrockene Gesichter anblickten. Einschließlich einer hübschen Frau, wie er erkannte.

Aber dafür hatte er jetzt keine Zeit.

"Guten Tag meine Damen und Herren. Sie befinden sich auf der Reality, einem Shuttle des freien Handelsschiffes Atlantis. Mein Name lautet Pormas Theocrates. Wie schön, dass Sie den Weg auf unser Shuttle gefunden haben", eröffnete der Grieche seinem verdatterten Publikum, "Wenn Sie nichts dagegen haben hätte ich da ein paar Fragen, wie 'Was machen Sie hier', 'Warum hat unser Shuttle nur noch Schrottwert?' und zuletzt 'Wer sind Sie eigentlich?'"

Zufrieden blickte Pormas durch das Shuttle. Ein Kampftrupp schienen die Leute wirklich nicht zu sein. Auch wenn die Besatzung teilweise noch schlimmer aussah, als das Shuttle, wollte der Sicherheitler kein Risiko eingehen und ging ein paar Schritte weiter hinein, damit Zirt und Narbo auch etwas Platz hatten.

"Übrigens, wer sich bewegt wird erschossen. Ich sehe das jetzt mal als Hausrecht an", fügte der Südländer hinzu.

"Ich würde Ihrer Aufforderung gerne nachkommen, Mr.", erwiderte Jordan, nachdem sie sich gefangen hatte und sah zu dem hochgewachsenen Mann auf, der gerade ins Shuttle gestürmt war. Dann wies sie mit der Hand, in der sie noch das gerade vorbereitete Hypospray hielt, auf ihren Patienten. "Allerdings könnte es sein, dass mein Patient dann stirbt. Wenn ich also bitten dürfte..."

Fragend sah sie auf und wartete, bis Theocrates widerstrebend nickte. Lapidar beugte sie sich darauf vor und gab Clint das Medikament, das ihn je nachdem, wie gut es auf seine Breenphysiologie wirkte, bald wecken würde.

"Mein Name ist Jordan Kincaid", fuhr sie fort und rappelte sich auf. "Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, wenn ich die Erklärungen Mr. Wagenvoort überlasse, aber ich muss erst einmal meinen ärztlichen Pflichten nachkommen. Befindet sich ein Arzt bei Ihrer Crew? Wenn ja, wäre ich um Hilfe dankbar"

Dann nahm sie ihren Notfallkoffer und ging vorsichtig, den Griechen nicht aus dem Auge lassend, hinüber zu Chi-Lo, der sich entgegen ihrer Aufforderung leider noch nicht frei gemacht hatte.

Drei Fremde befanden sich im Shuttle, alle bewaffnet und wie es schien angriffsbereit. Wie durch einen Dunstschleier bekam Clint die Geschehnisse mit. Seit er aus seinem Traum erwacht war, befand er sich in einer Art Dämmerzustand. Erst nachdem Jordan ihn mit dem Hypospray behandelte, fing seine Wahrnehmung an klarer zu werden.

Das erste was er erblickte, war ein Ferengi, der mit fanatischem Blick um sich sah. Der Wahlvulkanier erkannte ihn. Als Sohn eines vulkanischen Geheimdienstagenten beschäftigte er sich mit vulkanischen Sicherheitsfragen, und dieses Gesicht war in jenen Kreisen gut bekannt. 'Narbo der Entwender', erinnerte er sich, 'Interessant' Der Mann war steckbrieflich gesucht, mit einer hohen Belohnung auf seinem Kopf.

Als zweites fiel ihm der hochgewachsene, muskulöse Terraner in schwarzer Kleidung auf. Auch dessen Gesicht kam ihm bekannt vor, allerdings wusste er nicht mehr genau in welchem Zusammenhang. Er assoziierte ihn aber mit dem Obsidianischen Orden, womöglich hatte er sein Foto einmal auf einer Liste von 'Spezialisten' gesehen, derer sich der cardassianische Geheimdienst oft bediente.

Der Andorianer, der trotz seines einzelnen Fühlers unauffällig wirkte, war dem Halbbreen völlig unbekannt. Allerdings zweifelte er nicht daran, dass auch dieser nicht in die Kategorie 'Braver Bürger der Föderation" fiel. Als Einziger trug der blauhäutige Humanoide auch einen Raumanzug, dessen Zweck in dieser Umgebung Clint Kopfzerbrechen bereitete. Somit hatte sich Jordans DNA-Scan bestätigt. Die anderen drei des Teams mussten demnach Terraner sein.

Die Bewaffneten sahen nicht wie Individuen aus, die für eine friedliche Diskussion mit vernünftigen Argumenten offen waren. Deshalb beschloss der Wahlvulkanier das Wort zu ergreifen und eine klare Sprache zu wählen, bevor sich Wagenvoort oder Chi-Lo zu heroischen Taten hinreisen ließen. Er hoffte nur, dass der Holländer nicht zu viel verraten hatte.

"Ich schlage vor, dass sie ihre Waffen fallen lassen. Falls sie es noch nicht bemerkt haben sollten, ist ihr Shuttle fluguntauglich, während wir über ein vollfunktionstüchtiges Schiff verfügen. Sie sollten auch nicht darauf hoffen, uns als Geiseln nehmen zu können. Unsere restliche Crew würden nicht um ein paar Leute weniger trauern, mit denen sie den Dilitiumschatz teilen muss. Ja, wir wissen darüber Bescheid.

Ich kann ihnen auch versichern, dass es nicht in unserer Absicht lag, Ihr Shuttle zu zerstören. Verantwortlich dafür ist eine Macht, die von diesem Asteroiden ausging, vielleicht wissen sie mehr darüber. Wenn wir zusammenarbeiten, könnten wir alle davon profitieren", schloss er mit einer Anspielung auf den mehr als großen Dilithiumschatz.

Mit gerunzelter Stirn hatte der Andorianer dem Halbbreen zugehört und sich dann in dem zerstörten Shuttle umgesehen : 'Interessant, nicht nur Sems verursacht Chaos. Haben hier Klingonen gewütet?' - noch lebhaft konnte sich Zirt an die von zwei Klingonen verursachten Zerstörungen auf der Ivory erinnern.

Sein Blick fiel auf die Klingonin, die sich im Shuttle befand: 'Ach ja, da ist ja eine'

Als sein Blick auf die Ärztin fiel, zog sich ein amüsiertes Lächeln über sein Gesicht und er öffnete seinen Helm: "Hallo Jordan!", begrüßte er seine frühere Bekanntschaft fröhlich.

--- Raider Silver Sun

Die Arbeit an den Schäden des Schiffes gingen nur langsam voran, und Gorm sah den Chefingenieur schließlich grübelnd an: "Nun, wir sollten vielleicht unseren zweiten Raider auf der Venture benachrichtigen, der nur darauf wartet, uns aus der Patsche helfen zu dürfen", schlug der Ferengi dann vor.

"Die Kommunikation ist ja noch in Ordnung, oder?", schloss er dann.

Yhea überlegte kurz und dachte kurz nach.

"Sicher funktioniert die Kommunikation noch. Doch das wird uns nicht helfen. Durch die ganzen Verzerrungsfelder hier werden wir kein Signal an die Venture schicken können. Aber wir haben ja immer noch unsere Sonde"

Schnell drehte sich Alnak zur Hauptkonsole um und startete das Diagnoseprogramm für die Sonde. Nach kurzer Zeit gab der Computer zurück, dass alles in Ordnung sei, und die Sonde startklar sei.

"Ok, ich schicke eine Nachricht an McCarthy, dass er sofort den zweiten Raider hier hin schicken soll. Ich werde denen noch unsere Position geben, damit sie uns hier drin finden"

Gerade wollte er die Sonde abschießen, da viel ihm noch was ein.

"Gorm, was denken Sie, sollten die noch irgend etwas Spezielles mitbringen?"

Der Ferengi schüttelte nur stumm den Kopf und da auch Yhea nichts mehr einfiel, schickte er die Sonde los, damit die Hilfe von der Venture kam.

"So, die Sonde ist unterwegs. Ich denke, es wird ein paar Minuten dauern, bis sie bei der Venture eintrifft. Und dann noch mal eine Weile, bis die Hilfe hier ist", sagte Yhea, während er sich am Replikator eine neue Tasse Kaffee holen ging. Nach ein paar kleinen Schlucken ging er zurück zum Pilotensitz und lehnte sich dagegen.

"Jetzt heißt es abwarten", bemerkte Yhea und tippte mit den Fingern auf der Rückenlehne herum.

Nach ein paar weiteren Kaffeeschlucken jedoch kam ihm eine neue Idee: "Gorm, denken Sie, wir bekommen es hin, eine Funkverbindung zum Außenteam aufzubauen? Dann könnten wir sie und uns auf den neuesten Stand bringen."

--- Shuttle Reality

Verdattert blickte Pormas erst zu Zirt und dann zu Jordan, bevor er wieder seinen Blick auf die Fremden festigte. Dann musste er erst einmal nachdenken, wie er weiter vorgehen sollte. Im Prinzip war es taktisch unklug, einen strategischen Vorteil aufzugeben, wenn auch die Shuttlebesetzer zu stark angeschlagen für ein Gefecht schienen.

Kurzentschlossen tippte er mit seiner Blasterhand auf seinen Kommunikator, "Pormas an Llewella. Weiter in der Höhle werden Sie ein Tor finden, durch das Sie gefahrlos hindurchtreten können. Dahinter findet sich sage und schreibe unser Shuttle. Auf diesem finden sich allerdings ein paar teilweise sehr zerschundene Personen", er hielt kurz inne und schaute durch die Reihen, "Selbst für meine Verhältnisse. Aber ich war es nicht, bitte kommen Sie so schnell wie möglich, Pormas Ende."

Jetzt da sich so etwas wie eine richtige Freundschaft zwischen ihm und der Ärztin anzubahnen schien wollte er sie nicht verärgern. Zumal in ihrer eigenen Truppe genug Labile unterwegs waren. Gebannt wartete er nun auf die Entgegnung Jordans auf Zirt, während er das Photonengewehr auf den vorwitzigen, namenlosen Sprecher richtete der meinte PORMAS THEOCRATES sollte angesichts der klaren Überlegenheit seine Waffen FALLEN LASSEN.

Verlegen rieb sich Ruben den Rücken, während er sich langsam wieder aufrappelte, nicht ohne dass der verrückte Typ mit dem Waffenarsenal einer halben Armee ihn aus den Augenwinkeln musterte, auch wenn er offenkundig eher an Clint interessiert war.

Gleichzeitig inspizierte Narbo das Schiff genauer und schüttelte angesichts der Schäden zischend den Kopf. Außer der fahlen Beleuchtung schien kaum noch etwas verwendbar zu sein, ohne lange Reparaturzeiten in Kauf zu nehmen.

O'Connor würde sich sicher freuen!

Dann erinnerte der Ferengi sich an die Worte des grün schimmernden Kerls, der halbtot Pormas Befehle gegeben hatte. Irgendwie gefiel das dem Barbesitzer und so sprach er ihn drohend an: "Du, ja genau Du! Was weißt Du über das Geheimnis dieses Asteroiden und was für eine Kraft hat das Shuttle so zugerichtet?! Antworte, oder wir überlassen Dich Theocrates als Zielscheibe!"

Der Ferengi war sich beinahe sicher, dass von diesem Ort eine viel größere Gefahr ausging, als diese Jammertruppe es jemals sein konnte. Was allerdings auch nicht weiter schwer war...

Ein schlaksiger Idiot, zwei halbtote Schwächlinge und ein Weibchen würden wohl kaum in der Lage sein sie zu überrumpeln, auch wenn Theo schon ganz andere Dinger verbockt hatte.

'Theocrates', das war also der Name. Clint erinnerte sich jetzt diesen Namen auch im Zusammenhang mit der Ermordung eines berühmten bajoranischen Industriellen gehört zu haben. 'Pommes Theocrates', oder so ähnlich war sein voller Name.

Wie Clint schon befürchtet hatte, reagierten die Bewaffneten irrational. Es kam jetzt alles auf Verhandlungsgeschick an, sonst würde die Situation eskalieren. Aus den Akten wusste der Halbbreen nicht viel über Narbos Persönlichkeit, aber als Ferengi war er rationalen Überlegungen vielleicht zugeneigt, wenn dabei ein Vorteil für ihn heraussprang. Und schließlich sah es so aus, als würde der gesuchte Dieb die Gruppe anführen.

Der Wahlvulkanier zeigte sich durch die gesagten und ungesagten Drohungen unbeeindruckt: "Ich glaube sie haben mich nicht richtig verstanden. SIE sind gestrandet, und WIR besitzen das einzige funktionierende Schiff, zu welchem sie durch Gewalt uns gegenüber nicht gelangen werden. Denn wie ich bereits gesagt habe sind wir als Geiseln für sie wertlos"

Clint war sich selbst nicht sicher, ob er bei diesem Punkt bluffte. Möglicherweise würden Gorm und Alnak sie tatsächlich aufgeben, um nicht zu riskieren, den Raider an die wahnsinnigen Schatzsuchern zu verlieren. Er hoffen nur, dass keiner im Shuttle jetzt die Nerven verlor.

"Ich weiß über die Kräfte, die über diesen Asteroiden Kontrolle ausüben wahrscheinlich ebenso wenig wie sie. Wenn wir UNSERE Kräfte jedoch vereinen, können wir mehr darüber in Erfahrung bringen bzw. etwas dagegen unternehmen. Wir jedoch nur unter der Bedingung kooperieren, wen sie ihre Waffen wegstecken. Wie sie sehen können, sind wir momentan nicht in der Lage sie zu überwältigen"

'Blitzmerker!', ging es dem Ferengi nur durch den Kopf, 'Den Ansatz von Respekt hat der Typ jedenfalls schon wieder verspielt...'

Statt offen zu antworten, drehte er sich dramatisch zu Zirt um und sah diesen auffordernd an. Doch der Blaue war mit allen Sinnen immer noch mit der Terranerin beschäftigt, die er länger zu kennen schien. Grummelnd wandte sich Narbo also wieder zu dem Halbbreen, der immer noch auf eine Reaktion wartete.

"'UNSERE Kräfte'?", spottete der Barbesitzer, "Drei Krüppel und eine Ärztin bringen uns wohl kaum weiter. Einzig die Klingonin könnte nützlich sein. Aber selbst wenn: Ein Schiff zu kapern war noch nie ein unüberwindbares Hindernis. Euch wird man vielleicht verrotten lassen, aber die Dilithiumkristalle werden Eure Crew früher oder später hierher locken!"

Jordan seufzte und blinzelte leicht in Reaktion auf die unangenehm laute Stimme des Ferengi, die sie sofort mit mangelnder Selbstkontrolle assoziierte - der Mann war ihr von vorneherein unsympathisch. Kopfschüttelnd beendete sie endlich auch die Behandlung Chi-Los und gab ihm einen aufmunternden Klaps auf den Hintern - was er mit einem Ächzen quittierte -, bevor sie ein "Fertig!" von sich gab. Angesichts der vielen Besucher hatte sie die möglichen Fehlfunktionen des Protoplasers lieber einkalkuliert, als den Chinesen wirklich zu zwingen, sich zu entkleiden [NRPG: Schade eigentlich *fg*].

Erst jetzt realisierte sie nachträglich, dass irgendjemand sie doch vorhin angesprochen hatte, und sah sich um, bis sie Zirt entdeckte. "Zirt", staunte sie. "Was treibt Sie denn ausgerechnet in diese Gegend? Ich dachte, Monserat hätte Sie auf irgendeinem Hinterwäldlerplaneten ausgesetzt."

In diesem Moment betraten endlich auch Llewella, die Pormas gerufen hatte, und Ysara das Shuttle. Auch die Psychologin hatte ihren Phaser gezückt und sah sich aufmerksam um. Als sie Clint erblickte, hob sie erstaunt die Augenbrauen. Reflexartig umfasste sie ihre Waffe etwas fester, aber leider waren sonst keine bekannten Gesichter zu sehen..

"Mr. Clint, das ist ja eine Überraschung", stellte sie ohne jede Wärme fest. Wenigstens hatte der Wissenschaftler nicht diese Vogelfrau, die sich Ärztin nannte, mitgebracht, falls er noch im Auftrag der Venture unterwegs war, "Und ich dachte, McCarthy hätte Sie aus reiner menschlicher Wärme hinrichten lassen - für diesen unangenehmen Zwischenfall mit dem klingonischen Asylanten. Oder hat Cailin sie unter dem Deckmantel der Fürsorge einer Gehirnwäsche unterzogen?"

Interessiert trat Ysara ein paar Schritte näher, nicht ohne den wie stets quakenden Narbo dabei mit ihrer Hüfte ein Stück zur Seite zu befördern. Clint hier - in der Tat hochinteressant. Die Anwesenheit der Venture, des Schiffes, dem sie dereinst ein Shuttle gestohlen hatte, offenbarte eine Vielzahl abwechslungsreicher Möglichkeiten.

Davon abgesehen hatte die Psychologin mit einem Mal einen Grund, ein gewisses Maß an Teamgeist zu entwickeln. Solidarisch positionierte sie sich neben Pormas, um ihm im Zweifelsfall Rückendeckung zu geben.

Irgendwie war es dann doch schade, dass die Purna sich nicht bei der Gruppe befand. Immerhin hatte sie wochenlang auf ihrer Reise durch die Badlands für den Ernstfall geprobt, sie mit einem Dartpfeil zu erschießen.

--- im Asteroiden, bei der Schläferkammer

Gerade als Sems um Hilfe gebeten hatte, wurde Llewella zum Shuttle gerufen. Die folgte auch direkt dem Ruf, nickte dem fremden Mann zu, mit welchem sie sich die ganze Zeit unterhalten hatte und verschwand.

Und Sems lag immer noch auf dem Boden, den Arm in die Höhe gestreckt und guckte verdutzt der Ärztin hinterher. Was war denn los? War er plötzlich unsichtbar geworden? Oder in ein Paralleluniversum gerutscht? Wieso ignorierte ihn jeder? Hier war doch etwas oberfaul.

Da kam ihm plötzlich ein furchterregender Gedanke. Vielleicht war er tot. Sofort verlor sein Gesicht an Farbe. Vorsichtig schaute er an sich herunter und tastete sich ab. Nein, ein Geist war er nicht. Und außerdem hatte er immer noch Schmerzen in seiner Schulter. Also konnte er nicht tot sein. Oder doch? Niemand wusste, ob man im Leben nach dem Tod Schmerzen verspürte oder nicht. Verdammt, dann war er doch tot. Er hatte die Welt, so wie er sie kannte verlassen. Ganz plötzlich. Einfach so. Nur wo war ...

Verwirrt hatte Svaal den Fremden nachgesehen, als sie plötzlich alle in eine Nachbarkammer eilten. Die Ärztin hatte noch "Ich bin gleich wieder da" gesagt, und nun war er allein. 'Was geht da eigentlich vor sich', dachte er verärgert.

Jahrhunderte lang war es in diesem Asteroiden langweilig zugegangen. Er und seine Kollegen hatten geschlafen, Reparaturen durchgeführt (so gut es ging), und sich auf die nächste Schlafphase vorbereitet. Er musste sich erst mal an einen beschleunigten Lauf der Dinge gewöhnen.

'Ich muss nachdenken was zu tun ist', sinnierte er, 'Die Anderen müssen ebenfalls davon erfahren, ich muss sie wecken' Mühsam schwang er seine Beine über den Rand seines Ruhelagers. Der Boden unter seinen Füßen war ziemlich unregelmäßig, und weich und ...

"Entschuldigung!", entfuhr es ihm und trat schnell von dem am Boden liegenden Terraner runter.

Sein Gedankengang wurde jäh unterbrochen, als jemand seinen immer noch ausgestreckten Arm ergriff und ihn samt anhängenden Körper empor zog. Kaum oben angekommen, starrte Sems entsetzt in ein unbekanntes männliches Gesicht. Erst nach ein paar Sekunden, in denen er sich ein wenig gesammelt hatte, erkannte er den Fremden. Es war der Schläfer. Überrascht trat er einen Schritt zurück und wäre beinahe wieder hingefallen, hätte ihn der Schläfer nicht wieder festgehalten.

Langsam versuchte sich Sems wieder zu beruhigen. Es brachte nichts, wenn er hier hysterisch herum hantierte.

"Danke", sagte Sems dann endlich zu dem Fremden, "Vielen Dank. Ach ja, mein Name ist übrigens Sems. Und Ihrer?"

--- Shuttle Reality

"Miss Jefferson ...", entgegnete der Wahlvulkanier etwas verdutzt und hob eine Augenbraue. Er dachte an den armen Mr. Calvin zurück. Der Mann wurde vor ein paar Wochen in einer Yeffriesröhre direkt über Alnaks Quartier gefunden. Er hatte versucht, eine Plasamaleitung zu entfernen, die sich zwischen der Röhre und der Quartierdecke des Romulaners befand. Seine verkohlten Überreste waren ein grausiger Anblick gewesen.

Er hätte laut Dienstplan eigentlich nicht dort sein müssen und niemand wusste warum er eine voll funktionsfähige Plasmaleitung ausbauen wollte. Aber jeder wusste, dass er sich zuvor in Ysaras Behandlung befunden hatte. Zirt und Jordan, die beide Monserat kannten und jetzt auch noch Ysara Jefferson. Wieder einmal fiel ihm ein Sprichwort seines Vaters ein, nämlich dass die statistische Häufigkeit individueller Begegnungen in einem faszinierendem Gegensatz zur mathematischen Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses liegt. Die terranische Metapher 'Die Welt ist ein Dorf' war etwas ungenau, traf aber den Kern der Sache auch gut.

"Soweit ich mich erinnern kann, starb unser klingonischer ... Freund durch die Hand seines cardassianischen Verbündeten", entgegnete er kühl und sachlich, "Mir ist bewusst, welche Sympathien Sie für Mccarthy und die Venture hegen, aber bedauerlicherweise haben wir jetzt keine Zeit unserer Wiedersehensfreude freien Lauf zu lassen" Angeblich 'lockerte' Humor eine angespannte Situation, aber in diesem Falle schien der Halbbreen nicht viel zu erreichen. Vielleicht lag es daran, dass er gar nicht komisch war, eine Sache, deren Beurteilung ihm schon immer schwerfiel.

"Wussten sie, dass Ihre neuen Begleiter ein gesuchter Dieb und ein Auftragsmörder sind?", fuhr er fort, "Ich habe versucht, den Gentlemen zu erklären, dass eine friedliche Zusammenarbeit für Alle von uns das Beste wäre. Jedoch waren die Herren zu sehr damit beschäftigt, mir mit Drohgebärden ihren männlichen Dominanzanspruch zu bekunden. Dies ist jedenfalls meine Interpretation, aber eigentlich gehört dies ja in ihren Fachbereich. Wenn Sie so freundlich wären, ihnen zu erklären, dass ..."

Weiter kam er nicht, den ein wütender klingonischer Fluch erklang, zusammen mit dem Aufprall zweier Körper. Chedu war unbemerkt von allen, die ganze Zeit über still gewesen. Langsam wurde es ihr jedoch zuviel. Ihr klingonisches Blut pochte immer lauter in ihren Schläfen. Bis sie sich schließlich, die allgemeine Verwirrung über die unerwarteten Bekanntschaften nutzend, auf Pormas warf. Unterwegs schleuderte sie Narbo einfach gegen den Andorianer in seinem sperrigen Raumanzug. Beide fielen zu Boden und bildeten einen verknäulten Haufen.

"Verdammtes Geschwätz!", knurrte sie und bohrte dem Griechen einen Ellbogen in die Brust.

"Uff", entfuhr es Pormas, der damit den Schlag der Klingonin kommentierte. Ihrer Meinung zu dieser ganzen Quatscherei teilte er zwar, aber dieser Angriff war doch sehr irrational. Aber halt klingonisch. "Raushalten!", fuhr er die Umstehenden an. Wenn man schon einen Zweikampf einging musste er auch fair sein.

Fair nach Kapitän Flussdampfers Regeln halt.

Das dieser grünliche Typ etwas über seine Vergangenheit wusste hatte ihn dermaßen schockiert, dass dadurch seine Konzentration stark erschüttert wurde, hatte er doch gehofft seine Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben.

Den Schwung des eingesteckten Schlages nutzte Pormas dazu sich über die Klingonin zu rollen und ihr eine Kopfnuss zu geben, die auch ein Krieger nicht ignorieren konnte. Darauf rollte er sich vorwärts über Chedu ab und sprang aus der Rolle wieder auf. Dummerweise war die Klingonin genauso schnell und sandte ihm einen Tritt gegen die Brust, gerade in dem Augenblick wo sich der Südländer wieder zu ihr gewandt hatte.

Zwar stolperte der ehemalige Sicherheitsmann zurück, setzte aber, sich an seine Ausbildung erinnernd, direkt nach und verpasste seiner Kontrahentin einen starken rechten Schwinger, den sie zwar größtenteils abwehren konnte, dafür aber das linke Knie des Griechen in der Magengrube hinnehmen musste.

Jetzt packte Pormas sich die krümmende Chedu an den Haaren und schmetterte ihr dreimal sein Knie ins Gesicht, bevor er sie losließ und zu Boden glitt. Teils schockierte Gesichter starrten ihn an, während die Klingonin neben ihm Blut spuckte. Schwer atmend nahm der Südländer seine Waffen wieder an sich, die er aber wegsteckte, während er sich beim Bücken kurz ein schmerzverzerrtes Gesicht gönnte.

Er hatte ganz vergessen, wie hart Klingonen treten konnten. Aber ohne Zweifel wäre dieser Kampf länger, schwieriger und schmerzhafter gewesen, wenn seine Gegnerin nicht in einem halbzerstörten Shuttle gesessen hätte.

Ohne Kommentar suchte er die Fremden nach Waffen, wie Phasern oder Messern ab, die er allesamt aus der Shuttletür warf. Schließlich wollte er kein Risiko eingehen, das noch irgendein anderer auf die Idee eines Kampfes mit Phasern kam. Demonstrativ zog er nun sein Katana und ließ es scheinbar locker in seiner rechten Hand liegen.

Jetzt richtete Pormas sich wieder zur vollen Größe auf und blickte durch die Runde, nicht ohne einen größeren Abstand zwischen sich und der Klingonin zu wahren, "So... da das nun erledigt ist, würde ich gerne ein paar Sachen klarstellen!"

Wütend schaute er zuerst zur grünlichen Gestalt, "Was Sie über meine Vergangenheit zu wissen glauben vergessen Sie am besten ganz schnell, oder ich werde SIE vergessen machen. Wenn Sie tatsächlich soviel wissen, werden Sie meinen Rat befolgen", schnaufend wandte er sich von dem Angesprochenen ab.

Der Schmerz in den Rippen ließ langsam nach, auch wenn Pormas sich sicher war, dass ein oder zwei vielleicht gebrochen waren. Weiter wandte er sich wieder den Shuttlebesatzern zu. "Warum glauben Sie eigentlich, dass wir ihre Hilfe bräuchten? Auch wir können unser Schiff rufen, oder glauben Sie wir wären eine lustige Shuttlereisegruppe? Abgesehen davon haben Sie uns immer noch nicht erklärt, warum Sie UNSER Shuttle schrottreif geflogen habt. Bevor hier weiter irgendwelche Forderungen gestellt werden, wird diese Frage erst mal geklärt, oder Sie werden als Shuttlediebe hier und jetzt verurteilt"

Der Südländer brauchte nicht über die Schulter zu schauen um das Grinsen des Ferengi zu sehen.

Was vor allem daran lag, dass Narbo direkt vor dem Griechen stand. [*scnr*]

Der Ferengi hatte das Geplauder langsam auch satt und seine Zähne rieben sich knirschend aneinander, jedoch brachte die ruppige Methode sie auch nicht viel weiter:

"Pah, immer die gleichen Argumente, immer die gleichen leeren Worthülsen: 'Ihr braucht uns' und 'Wir schaffen das auch alleine'. Dieser Asteroid enthält ein dunkles Geheimnis, aber auch viel Reichtum. Langsam sollten wir uns entscheiden, ob wir die anderen beteiligen oder beseitigen wollen!"

"Ich interpretiere das als eine Einladung", kommentierte der Wahlvulkanier und richtete sich möglichst elegant auf. Die moderne Medizin war etwas wunderbares. Zwar war das Knochengewebe seines Schienbeins durch Zellteilungsstimulanzien wieder verwachsen, aber allzu große Belastungen sollte er vermeiden. Er dankte seiner vulkanischen Ausbildung die ihm half, den Schmerz äußerlich mühelos zu ertragen.

Durchdringend sah er den Ferengi an und reichte ihm die Hand, wie um ein Geschäft zu besiegeln. "Lassen sie uns zuerst das Geheimnis des Asteroiden lüften. Wir können uns später immer noch mit dem Geschäftlichen befassen"

Wütend schlug Narbo die Hand des Fremden weg, woraufhin dieser ein verdutztes Gesicht machte, aber nichts sagte. Stattdessen funkelte der Ferengi den Fremden grimmig an, um seine folgenden Worte zu untermalen:

"Erstens wurde noch nicht entschieden, ob Dein Körper bald entsorgt wird, oder nicht. Zweitens: Selbst wenn ihr am Leben bleibt, dann ganz sicher nicht um mit mir zu kuscheln. Also lass Deine Finger bei Dir, oder sie werden gebrochen!"

--- Im Asteroiden, bei der Schläferkammer

"Oh, mein eigentlicher Name ist Svaaljindrizan, aber sagen sie ruhig Svaal zu mir", antwortete der Angesprochene. Langsam wurde es kompliziert. Alle Fremden außer diesem einen waren in eine benachbarte Kammer verschwunden. Svaal musste etwas unternehmen, und zwar schnell. Schockiert bemerkte er, das eine der Kammern halb geöffnet war. Eine knochige Hand hing über die Kante.

"Verdammt", fluchte er betroffen, "Das war Inthood. Wir haben schon drei unserer Leute auf diese Weise verloren" Diese verteufelte Alientechnologie! Sie war uralt, und keiner von ihnen hatte sie richtig verstanden, geschweige den reparieren können. "Helfen sie mir bitte, meine restlichen Freunde auf zu wecken", bat er freundlich und machte sich an der Konsole der nächsten Röhre zu schaffen.

"Jeweils das Symbolpanel oben links. Tippen sie grüne Schlangenlinie, Doppelkreuz, fünfzackiger Stern, das, was wie eine Mondsichel aussieht und schließlich den großen blauen Punkt ein. Dies löst eine Wecksequenz aus, die sanfter wird als diejenige die mir zuteil wurde. Aber halten sie sich von der zweiten Röhre von links fern. Berühren sie keine Schalter, was da drinnen ist soll auch drinnen bleiben, wenn sie verstehen was ich meine"

Sems nickte stumm und warf einen verstohlenen Blick auf die eben angesprochene Kammer. Um ehrlich zu sein hatte er absolut keine Lust, zu wissen, was dort drin war. Und nach Svaals Blick zu urteilen, in dem die Angst zu sehen war, war es wohl besser so. Und schließlich war er ein Sicherheitler und kein Wissenschaftler, der hinter jeden Stein gucken musste, ob sich da irgend etwas Interessantes zum untersuchen befand.

Also drehte er sich um, schritt zur nächstbesten Kammer und starrte auf das von Svaal beschriebene Bedienfeld. 'So viele Symbole', schoss es durch seinen Kopf und Sems versuchte sich an die Reihenfolge zu erinnern, die Svaal ihm gesagt hatte.

'Also', ging er in Gedanken durch. 'Grüne Schlange, dann dieses Doppelkreuz und dann den grünen Punkt. Nein, halt. Erst die Mondsichel.'

Unsicher tippte er auf dem Bedienfeld herum. Verdammt, er hatte die Reihenfolge vergessen. Er schaute zu Svaal rüber, der an einer anderen Kammer mit der Wecksequenz beschäftigt war. Sollte er ihn fragen? Nein, bestimmt nicht. Was würde der bloß dann von ihm halten. Also weiter im Text.

Er konzentrierte sich wieder auf das Bedienfeld. Schlange, Kreuz, Sichel und dann der Punkt. Schnell tippte er die Symbole ein und wartete dann auf den Beginn des Weckvorgangs. Doch zuerst passierte gar nichts. Dann plötzlich begann eine rote Lampe an wild zu blinken.

'Ist das jetzt ein gutes Zeichen', überlegte Sems noch, als das Licht erlosch und ein nervtötender Piepton erschall. Sofort war Sems einen Schritt weit weg gegangen von der Konsole und schaute sich nach Svaal um. Der kam auch schon angerannt und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf das Bedienfeld.

Mit unschuldigem Blick und abwehrender Haltung sagte Sems: "Was ist los? Ist irgend etwas schlimmes passiert?"

"Oh Verdammt!", war das einzige das der Schläfer rausbrachte. Sein Puls begann zu rasen und er musste sich ermahnen, nicht die Luft an zu halten. Das war schlimm, sehr schlimm. Er versuchte es dem Terraner zu erklären:

"Das wird ...", er stockte. "Sie haben ...", wieder stockte er. "Oh verdammt", brachte er schließlich hervor. Statt sich mit Erklärungen aufzuhalten, versuchte er etwas zu unternehmen. Energisch trat er an die Konsole, sah auf die Zeichen und versuchte den Vorgang aufzuhalten.

Es war schwer, eine Maschinerie zu bedienen deren Funktionsweise man nicht genau kannte und dessen Bedienungssprache man, außer einigen Sequenzen, nicht verstand. 'Keine Chance', dachte er. Es war besser jetzt nicht rum zu experimentieren. Sie hatten negative Erfahrungen damit gemacht.

"Also ...", wandte er sich an den Mann Namens Sems, "Es ist eine komplizierte Geschichte, aber ich kürze es mal ab. In dieser Stasiseinheit befindet sich ein Humanoide, der genauso aussieht wie ich und die anderen hier. Aber er ist nicht wie wir, oder besser gesagt, sein Geist ist ein Alien, während sein Körper wie der unsere ist. Nein, eigentlich ist es umgekehrt, WIR sind fremde Geister in Alienkörpern und er ist normal ..."

Svaal unterbrach sich als er Sems Gesicht betrachtete. Ein Fisch in einem Aquarium konnte einen Beobachter mit einem verständnisvollerem Blick begegnen. Zugegeben die Geschichte war kompliziert, viel komplizierter als er bisher offenbart hatte.

"Nun gut. Sie zielen mit ihrem Gewehr einfach auf den Mann in der Kammer. Stellen sie ihre Waffe auf betäuben. Sie dürfen ihn nicht töten, haben sie verstanden? NICHT töten. Er ist sehr wichtig für uns"

Sorgenvoll betrachtete er die Stasiseinheiten, deren Deckel sich nacheinander alle öffneten. Der Terraner hatte die Sequenz für ALLE Einheiten ausgelöst. Bald würden die Insassen aufwachen.

"Nur zur Warnung, dieser Kerl hat jede Menge parapsychischer Tricks drauf. Er kann sie Dinge sehen lassen, die es gar nicht gibt. Und hören sie nicht auf seine Worte. Wenn er anfängt zu sprechen, verbieten sie ihm den Mund. Hören sie ihm nicht zu wenn er redet. Denken sie dabei an irgendetwas, dass sie ablenkt"

Svaal ging durch die Reihen und überprüfte den Zustand seiner Kollegen, wobei er immer wieder einen Blick auf Einheit 6 warf, in dem ER noch schlief. Einer seiner Leute wachte auf. Svaal lief zu ihr. Es war Fanjil. "Nur ruhig Fanjil. Es ist alles in Ordnung", redete er auf sie ein.

Sie schien schnell zu sich zu kommen, also konnte er sie gleich mit der Wahrheit konfrontieren. "ALLE Stasiseinheiten sind gerade im Aufweckmodus", teilte er ihr mit. Sie war noch etwas konfus, aber dann machte sie ein entsetztes Gesicht: "ALLE!?"

"Ja, ich kümmere mich darum. Ruhe dich erst mal aus", versuchte er sieh zu beruhigen. Misstrauisch schaute er zu Einheit 6. Der Mann darin schien zu schlafen. Andere aus seiner Gruppe wachten jetzt auf. Er lief umher und kümmerte sich um sie. Als schließlich alle außer dem Mann in Einheit 6 aufwachten, näherte er sich ihr vorsichtig.

Der Mann schien immer noch zu Schlafen. Svaal kniff die Augen zusammen. Mit einem Mal holte er aus. Seine Faust bewegte sich auf das Gesicht des Schlafenden zu ... und ging durch den Kopf hindurch. Die Illusion verschwand augenblicklich, übrig blieb eine leere Stasiskammer.

Wie ein gehetztes Tier schwenkte Svaal seinen Kopf nach allen Seiten. "Oh verdammt .... ohhhh veeerdaaamt!", brachte er hervor.

--- Shuttle Reality

'Das wird nicht einfach', dachte Clint, einen mentalen Seufzer von sich gebend. Andererseits war es das nie. Friedensverhandlungen beruhten auf dem gutem Glauben, dass beide Parteien genug von einem bestehenden Streit hatten, oder aus Erfahrung von früheren Konflikten her, einen vertraglich gesicherten Frieden mit beidseitigem Vorteil einer gewaltsamen Auseinandersetzung vorzogen. Davon waren jedenfalls Vulkanier überzeugt. Ferengi waren, soweit Clint wusste, davon überzeugt, dass ein gewaltsamer Konflikt, bei dem sie einen strategischen Vorteil hatten, zugunsten eines Friedens, bei dem sie viel Profit machten, aufgegeben werden sollte.

Ferengi waren also im Grunde sehr zivilisierte Leute. Allerdings gehörte dieser Narbo offensichtlich nicht zu den zivilisierten Ferengi. Ansonsten hätte er statt selbst jenen Einbruch auf Vulkan selbst durchzuführen, nur um sich zu beweisen, einen jungen talentierten Dieb gefunden, der sich beweisen will, und ihn die ganze Arbeit machen lassen. Trotzdem hoffte der Wahlvulkanier sich mit dem Ferengi auf eine beiderseitig produktive Lösung einigen zu können. Erstens weil Narbo mehr oder weniger der Anführer dieser Gruppe zu sein schien und zweitens, weil die alternativen Verhandlungspartner noch ungeeigneter waren.

Der Terraner, Theocrates, schien der Typ Mensch von großer Kraft und beschränkter Intelligenz zu sein. Clint leitete dies aus dem Fakt heraus, dass dieser Mann tatsächlich glaubte, trotz der offensichtlichen Störungen jederzeit eine Verbindung zu ihrem Mutterschiff bekommen zu können, und außerdem Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis hatte. Warum sonst sollte er nochmals gefragt haben, warum sie das Shuttle zerstört haben, obwohl er bereits erklärt hatte, dass dies von einer unbekannten Macht auf dem Asteroiden verursacht worden war? Solche Charaktere neigten dazu, an physischer Gewalt Vergnügen zu empfinden, was Friedensverhandlungen von vorn herein erschwerte.

Ysara kannte er bereits von der Ivory her. Soweit er sie einschätzte, beurteilte sie die meisten Situationen nach dem Unterhaltungswert, den sie ihr boten. Und irgendwie hatte Clint das Gefühl, dass sie Situationen, in denen er selbst leiden oder sterben (oder beides in der entsprechenden Reihenfolge) musste, als durchaus unterhaltenswert empfinden könnte. Das war eindeutig eine schlechte Verhandlungsbasis. Den Andorianer Zirt und die terranische Ärztin konnte er noch nicht richtig einschätzen, aber im Falle des Falles konnte er von ihnen wahrscheinlich keinen Beistand erwarten.

"Ich bin mit der zweiten Bedingung voll und ganz einverstanden", erwiderte er schließlich, "Was Erstens betrifft, möchte ich sie auf folgendes Aufmerksam machen. Angenommen sie töten uns. Sie nehmen an, dass unsere restliche Crew hier früher oder später erscheint, allein wegen dem Schatz. Das ist richtig, allerdings sollten sie folgendes bedenken: Dünne Atmosphäre, keine Nahrung, kein Wasser, kein Replikator, kein Transporter, keine Verbindung zu ihrem Mutterschiff und kein Shuttle. Wie lange glauben sie, wird dieses früher oder später unter diesen Umständen für sie dauern? Meine Schätzung liegt bei weniger als drei Tagen, dann werden sie aufgrund der geringen Luftfeuchtigkeit ausgetrocknet sein. Allerdings werden sie wegen der Atmosphäre schon zuvor die Besinnung verlieren"

Einen Augenblick lies er die Worte auf Narbo wirken.

"Stellen sie dem eine Kooperation gegenüber. Unsere Crew besteht aus Experten, die für diese Bergbaumission ausgebildet ist", log er, oder besser gesagt er übertrieb ... ein wenig. "Wir haben eine Transportmöglichkeit, die einzige um genau zu sein. Wir sind momentan wahrscheinlich auch die einzigen mit einer kompletten Ausrüstung. Wenn man wissenschaftliche Dienstleistung im Bezug auf 'Ergründung der Geheimnisse des Asteroiden', kriminalistische Untersuchung im Falle 'Zerstörung ihres Shuttles', Unterhaltungskosten für ihre Crew und die Pacht für unsere Abbaugeräte sowie Waren- und Personentransport zusammenzählt, geben wir uns mit 80% des Dilithiumschatzes zufrieden. Das sind für sie 20% einer sehr großen Summe von der sie ohne unsere Hilfe GARNICHTS zu sehen bekommen würden"

Narbo wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Das Angebot des Fremden war sicher rein rechnerisch akzeptabel, auch wenn er den Preis selbstverständlich noch höher getrieben hätte, aber alleine die Situation und die Art, in welcher _nach_ der Kapitulation Bedingungen gestellt wurden, ließen den Ferengi langsam am Selbsterhaltungstrieb von Clint zweifeln.

Ruhig hatte Jordan die Worte des Wissenschaftlers mitangehört. Was er sagte, klang vernünftig, und sie hoffte, zumindest der Ferengi würde darauf eingehen.

Dennoch hielt die Ärztin sich vorsichtig im Hintergrund und ließ ihren Blick über die Anwesenden schweifen. Mit ihren Nahkampffähigkeiten war es nicht weit her, Clint befand sich in keiner Kampfposition, ebenso wenig wie Chi-Lo, dem der Einsatz jedweder Muskulatur in den nächsten Stunden einige Schmerzen bereiten würde.

Ihr Blick schweifte zu Chedu. Instinktiv hatte sie sich die verletzte Klingonin ansehen wollen, es dann aber gelassen. Chedu hatte in der Vergangenheit bereits ihre außerordentliche Widerstandsfähigkeit gegenüber Verletzungen unter Beweis gestellt und würde es überleben, nicht sofort behandelt zu werden.

Gemeinsam mit Chi-Lo befand Jordan sich seit geraumer Zeit mehr oder weniger im Rücken der Fremden, in einer dunklen Ecke des Shuttles, und bisher hatte ihr außer Zirt niemand größere Beachtung geschenkt. Zurzeit lauschte der Andorianer Clints Worten und hatte sie ebenfalls vergessen. Völlig offensichtlich war sie kein attraktives Ziel.

Derweil waren Ysaras Augen in die Höhe gewandert. Von dem kleinen Zwischenspiel hatte sie nichts mitbekommen, obwohl sie sich in einem Zustand höchster Aufmerksamkeit befand und sich wieder einmal innerlich bestätigte, dass ihr regelmäßiges Nahkampftraining auf gar keinen Fall eine schlechte Idee gewesen sein konnte.

Normalerweise hätte die Psychologin sich nicht an dem Gespräch beteiligt. Sie fand es bewundernswert, wie ruhig Llewella zuhörte; auch ihre Art war es, jedweder Situation mit einer gewissen Distanz zu begegnen. Zudem fühlte sie sich einer ordinären Verhandlung überlegen; sie hatte in der Vergangenheit ausschließlich auf der Metaebene an ihnen teilgenommen. In gewisser Weise könnte sie sich als Spezialistin für Verhandlungen bezeichnen; allerdings lag es nicht in Ysaras Wesen, sich in Relation zu anderen zu setzen, weil das auf gewisser Ebene eine Gleichartigkeit vorausgesetzt hätte.

In diesem Fall war die Lage natürlich anders. Auf Narbos Verhandlungsgeschick gab sie nichts. Seine Worte hatten sich in der Tat in derselben Art auf ihre Augenbrauen ausgewirkt wie nun die Clints. Pormas hingegen, so hatte sie beschlossen, würde sie in diesem Fall unterstützen, auch wenn sie vermutete, dass die - insbesondere horizontalen - Hobbys des Griechen ihn bisher davon abgehalten hatten, ein größeres Geschick in jeder Art von Denkaktivität zu entwickeln.

"Mr. Clint, ich zweifle nicht daran, dass Sie an jedweder Methode, Ihre Lebensqualität zu verbessern, kein Interesse haben", erwiderte sie schließlich, nur ein wenig trocken. "Allerdings sollten wir bei unserer Unterhaltung auch jene Möglichkeiten in Betracht ziehen, die Sie jetzt vernachlässigen.

Mein Vorschlag wäre, dass Sie für uns die anfallenden Arbeiten erledigen -- eine Ärztin, drei - wo auch immer - geschädigte Offiziere" Sie dachte an diesen stotternden Sicherheitsoffizier, "Und ein verletzter Wissenschaftler geben, davon bin ich überzeugt, ein hervorragendes Spezialteam ab"

Auch hier: Nur eine Spur von Ironie. Ysara verfügte seit sie sprechen konnte über ein breites Spektrum ironischer Nuancen. "Je nachdem, wie gut Sie Ihre Arbeit machen, können wir dann darüber verhandeln, in welchem Zustand wir Sie zu Ihrem Shuttle zurück schicken. Ich bezweifle, dass Ihre Kollegen über den Kom-Kanal unterscheiden könnten, ob Ihnen gerade jemand einen Phaser in den Rücken hält oder nicht - bei Ihrer Eloquenz. Also beenden wir diese Farce."

Für die Psychologin war das eine erstaunliche Menge Text gewesen. Beinahe gemütlich justierte sie ihre Waffe auf "tödlich" und sah den Wissenschaftler abwartend an.

--- Im Asteroiden, bei der Schläferkammer

"Ok, ok", redete Svaal beruhigend auf sich selbst ein, "Er hat keine Waffen, also ist es nicht ganz so schlimm" Die anderen Schläfer richteten sich nach und nach auf und erfassten die Lage. "So eine Scheiße aber auch!", kam es von einem von ihnen, "Wie konnte das geschehen?"

Svaal sah vielsagend zu Sems. Dann wandte er sich an seine Kameraden. "In Kürze: Leute von Außerhalb sind bei uns gelandet. Sie haben die Wecksequenz für alle Stasiseinheiten gestartet, ansonsten sind sie wahrscheinlich friedlich. Fanjil, gehe in Raum 21a, dort sind die Fremden hin. Kümmere dich um sie, du bist die geeignetste dafür. Ok, jeder andere weis was er zu tun hat"

Nach diesen Worten stoben alle auseinander. Geheime Türen öffneten sich zu geheimen Korridoren. Übrig blieben Sems und Svaal.

"Was? Was ist los?", fragte Sems unsicher und schaute sich wie Svaal um. Immer noch hielt er den Phaser in der Hand, doch so langsam wusste er nicht mehr, was er tun sollte. Irgendwie überstieg das ganze hier seine Vorstellungskraft. Diese ganzen Dinge, die Svaal über diesen Typ ... dieses Etwas ... egal, was es auch immer war, klang für Sems ziemlich unrealistisch. Ein Mensch, der aussah wie ein Geist, aber ein Alien war. Nein, ein Alien, der ein Mensch war und aussah wie ein Geist. Verdammt, auch nicht.

Sems hatte den Überblick verloren. Einzig und allein eine Sache wusste er noch. Das dieser Jemand gefährlich war. Wenn selbst Svaal und seine Truppe eine riesige Angst davor hatten, dass der Typ aus Nummer 6 frei herum lief. Obwohl, vielleicht war der Kerl ja inzwischen Tod. Wovon sollte der sich auch hier ernährt haben, falls er früher als die Anderen aufgewacht war. Hier gab es nichts außer Fels und Dilithium. Und bekanntlich war Geld nicht zum Essen da. Und Dilithium gehörte eindeutig dazu. Aber vielleicht musste dieses Alien nichts Essen.

Er wusste es nicht. Also musste er sich Gewissheit verschaffen.

"Svaal, was ist hier los? Erklären Sie mir endlich, was das mit Kammer 6 und ihrem früheren Inhalt auf sich hat"

"Also die Geschichte ist wirklich ein wenig kompliziert", begann er dem Terraner zu erklären, "Deshalb muss ich recht weit ausholen: Vor etwa zweihunderttausend Jahren gab es in dieser Gegend ein mächtiges Volk. Sie besaßen parapsychische Fähigkeiten. Wir wissen, dass sie Leuten Dinge, die es

gar nicht gibt, vorgaukeln können. Sie können genauso Dinge die da sind unsichtbar machen oder anders aussehen lassen.

Das ganze hängt mit ihrer Fähigkeit zusammen, die Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft von bewussten Lebewesen zu steuern. Der Mann in Kammer 6 schlief bis vor kurzem wirklich. Aber als Sie ihn weckten, hat er uns glauben lassen, dass er immer noch schläft und in der Kammer liegt.

In Wirklichkeit ist er wahrscheinlich an uns vorbeispaziert, ohne das wir es bemerkt haben. Auch können sie mit ihrer Stimme die Menschen wortwörtlich fesseln. Wir wissen nicht genau, ob das ein telepathischer oder psychologischer Trick oder beides oder etwas völlig anderes ist. Fakt ist, dass man Handlungsunfähig wird, wenn man ihnen zuhört.

Es ist nicht so schlimm wenn man darauf vorbereitet ist, dann kann man sich auch dagegen wehren. Aber trifft es einen zum ersten mal, ist man total paralysiert, egal was man von seiner eigenen Willensstärke hält, glauben sie mir. Selbst wenn man es weiß, ist es bei Gott nicht einfach, davon unbeeinflusst zu bleiben.

Eine weitere ihrer Fähigkeiten ist noch sonderbarer und unheimlicher. Sie können Körper 'tauschen'. Dabei berühren sie ihr Opfer und tauschen ihren Geist gegen den des Opfers. Das Opfer ist dann im Körper des Fremden gefangen, in einer Art Komazustand.

Genau das ist mir und meinen Kollegen passiert. Wir waren ein Forschungsteam, dass den Asteroiden untersucht hat. Dabei stießen wir auf die Stasiskammern, und öffneten sozusagen die Büchse der Pandora. Die Aliens nahmen unsere Körper, und konnten auf diese Weise unser Mutterschiff zerstören. Sie wollten nicht das jemand vom Asteroiden erfährt.

Der Grund dafür ist folgender: Außer ihrer erstaunlichen parapsychischen Fähigkeiten besaßen diese Leute noch eine Technologie, mit der man Zeitreisen konnte. Nur in die Vergangenheit wohl gemerkt. Aber darauf kommt es ja auch an, in die Zukunft gelangt man von selbst, wenn man dafür sorgt, dass man nicht altert.

Die Swinger, so nennen wir sie, hatten das uralte Problem gelöst, wie man künstlich Dilithium herstellen kann. Wie sie vielleicht wissen ist Dilithium

relativ leicht herzustellen. Nur braucht es Jahrzehntausende, um die Kristalle wachsen zu lassen. Also haben sie genau das getan.

Sie nahmen einen abgelegenen Ort, wie zum Beispiel ein gefährliches Asteroidenfeld in einer gefährlichen Raumregion wie den Badlands. Sie pflanzten die Kristalle, sorgten dafür, dass eine Umgebung vorhanden ist, die

sie wachsen lies, und versetzten sich in Stasis. Nach einer langen Zeit wachten sie auf, und brachten alles zurück in die Vergangenheit, bzw. ihre Gegenwart.

Die Gefahr war natürlich, dass jemand den Asteroiden in der langen Zeitspanne entdeckte und selbst die Kristalle abbaute. Deshalb haben die Swinger jeden Eindringling vernichtet.

Wir überlebten aufgrund eines glücklichen Zufalls. Einer von uns erwachte unerklärlicherweise aus dem Koma, im Gefängnis des Alienkörpers. Das war ich, um genau zu sein. Ich fand eine Methode, die anderen mit Medikamenten auf zu wecken. Die Swinger behalten ihre Fähigkeiten, auch wenn sie in anderen Körpern waren, es war also ein harter Kampf. Wir konnten sie nur überwältigen, weil wir sie überraschten, sie rechneten nicht damit, dass wir wach waren.

Trotzdem gelang es einem von ihnen, die Maschinerie zu starten, die den gesamten Asteroiden in die Vergangenheit versetzt. Er hatte seinen Körper zurückgetauscht und unseren Kollegen, den er 'besessen' hatte, getötet, so das wir Anfangs gar nicht merkten, dass er nicht einer von uns war. Das ist irgendwie ironisch. Er tarnte sich, indem er seinen eigenen Körper wieder annahm.

Wir konnten den Zeitreisevorgang jedoch aufhalten. Dabei wurden die Fremden in unseren Körpern vernichtet. Es gelang uns aber, den Fremden festzusetzen der seinen eigenen Körper hatte und ihn in eine Stasiskammer zu sperren. Dann setzten wir uns selbst in die Kammern und warteten auf Hilfe"

Svaal beendete sine Erzählung hier. Der letzte Teil war nicht ganz wahr, bzw. hatte er einige wichtige Details ausgelassen, aber das musste der Terraner nicht wissen. Oder besser gesagt: Er sollte es nicht wissen.

--- Venture, Shuttlerampe, Raider Pei Mei

Veronica unterdrückte ein Gähnen, während sie den Raider betrat und nachdrücklich beschloss, sich auf jeden Fall als erstes einen Raktajino zu replizieren, sobald sie in die Nähe des Replikators kam. Erst vor weniger als einer Stunde hatte Hisaki sie für seine Verhältnisse beinahe wütend über Kom gerufen, weil sie peinlicherweise ihren Dienstantritt verschlafen hatte. Glücklicherweise hatte das Standardgemurmel über "krank" und "Frauenprobleme" wie üblich seinen Dienst getan, aber sie nahm sich trotzdem vor, sich zukünftig nicht mehr die Nacht um die Ohren zu schlagen. Auch nicht mit Parties bei Victor. Vor allem nicht mit Parties bei Victor...

Poulsen sah fragend auf, als sie den vorderen Teil des Raiders betrat und zum Replikator wankte. Sekunden später schlossen sich ihre Hände um eine Tasse, aus der der köstliche Duft nach Koffein aufstieg. Dann erst ließ sie sich neben dem Techniker nieder. Im hinteren Teil hörte sie Geräusche, also hielt sich wohl irgendwer zusätzliches dort auf.

"Ich soll mitfliegen", bekannte sie wenig zeremoniell. Immerhin kannte sie Poulsen schon eine Weile "Hisaki hält das wohl für eine angemessene Strafe für müde Offiziere" Innerlich wurmte sie ihre eigene Zuverlässigkeit trotz ihres flapsigen Kommentars weiter. Vielleicht gab es ja auf dieser Mission einen spannenden Job zu tun. Vielleicht begegneten sie irgendwo unbekannten Aliens. Seit der Begegnung mit dem Maquis hatte sie jedenfalls ihre Kenntnisse der Exopolitik nicht mehr anwenden können.

Seufzend übernahm sie den Copilotenplatz.

"Wohin geht es überhaupt?", fragte sie dann, während sie sich in das System einloggte und Poulsen bei der Startsequenz beobachtete.

Poulsen zuckte mit der Schulter und sagte kurz: "Keine Ahnung. Wenn wir irgendwann vielleicht gebraucht werden, dann denke ich, werden wir ins Asteroidenfeld fliegen."

"Aha", entgegnete Aillard verstehend.

"Ja", antwortete Alex. Irgendwie fühlte er sich in Anwesenheit dieser Frau fürchterlich unwohl. Nicht wie sonst, wenn schöne Frauen da waren. Nein, das war was anderes. Bei dieser Frau waren es die Geschichten, die über sie an Bord der Venture erzählt wurden. Geschichten, die Alex zwar nicht wirklich glaubte, doch ein wenig beeinflussten sie ihn schon.

Nervös rutschte er deswegen auf dem Pilotensitz hin und her. Richtig beschäftigen konnte er sich auch nicht, da er sämtliche Systeme schon ein paar mal überprüft hatte. Das schien bei Veronica anders zu sein. Die begutachtete interessiert die Daten, die der Computer über den Systemstatus ausgab.

"Hören Sie", wollte Alex fragen, als ihn der Ruf des Ersten Offiziers unterbrach.

"Hisaki an Poulsen. Wir haben gerade eine Nachricht von der Silver Sun bekommen. Sie erbitten um schnelle Hilfe. Zwar haben Sie nicht gesagt, um was für ein Problem es sich handelt, doch ich denke, es ist wichtig. Starten Sie also direkt. Die genauen Koordinaten sind bereits in Ihren Computer überspielt worden"

"Alles klar, wir haben verstanden. Wir sind startbereit. Sie können also die Shuttlerampe öffnen", entgegnete Poulsen und aktivierte alle Systeme der Pei Mei.

Nach ein paar Sekunden antwortete der Japaner wieder: "Die Rampe wird jetzt geöffnet. Viel Erfolg. Hisaki Ende"

Alex nickte kurz und konzentrierte sich dann wieder auf die Kontrollen. Schließlich war es schon ein wenig her, dass er das letzte mal einen Raider gesteuert hatte. Doch so was verlernte man nie. Nachdem sämtliche Systeme online waren, der Antrieb auf Betriebstemperatur war und das Tor offen war, steuerte Alex den Raider langsam aus der Halle.

"Miss Aillard, haben Sie eigentlich Erfahrung mit den Shuttlesystemen?"

"Ja, ich habe das Steuern von Shuttles auf der Akademie gelernt und später, als die Venture noch... Ich meine, früher, habe ich ein oder zwei Mal eines geflogen" Wie viele ehemalige Sternenflottenoffiziere der Venture vermied Veronica es, die ja doch nicht ganz ruhmreiche Desertation des Schiffes anzusprechen. Alex schien sich daran jedoch nicht zu stören.

Sie wartete, bis das Shuttle die Venture verlassen hatte. Dann gähnte sie herzhaft und erinnerte sich an den Raktajino. Seufzend erhob sie sich und ging zum Replikator. "Ich hätte nicht so lange auf dieser Party bleiben sollen", murmelte sie vor sich hin und wandte sich beiläufig an ihren Begleiter, "Victor Johnson hat gestern eine Party auf dem Holodeck gegeben. Wundert mich, dass ich Sie nicht gesehen habe, das halbe Schiff war da"

Vage erinnerte sie sich daran, dass während eines waghalsigen Umprogrammierungsversuchs eines Technikers aus dem Wartungsteam eine Kontrolle durchgebrannt war. Er hatte im Vollrausch versucht, die Codes zu Hisakis Privatprogrammen auf recht brachiale Weise zu knacken. Danach hatte sich der Bestand der Techniker auf der Party rapide aufgelöst, weil sie das Eintreffen Alnaks befürchteten. Die Erinnerung verschwamm allerdings in einem Meer aus echtem Alkohol und seinen bösen Folgen. Eigentlich wusste sie gar nicht so genau, wie sie in ihr Quartier zurückgekommen war. Jedenfalls war sie sicher, dass sie zwischendurch in mindestens einem anderen Quartier haltgemacht hatte.

"Möchten Sie auch etwas?", fragte sie schließlich, nachdem ihre Tasse materialisiert hatte, "Und wie lange werden wir eigentlich unterwegs sein?"

--- Shuttle Reality

Die Antwort der Terranerin machte jede Antwort des Barbesitzers überflüssig. Erstaunlich wahr, wie sehr sie in diesem Moment einem Ferengi ähnelte.

"Ja, Zwangsarbeiter sind sehr günstig - vor allem, wenn man sie nicht unbedingt sehr lange braucht!", stimmte er Ysara grinsend zu, "Außerdem ist das eigene Leben doch genug Bezahlung..."

Mit glänzenden Augen wartete er auf eine Reaktion des Halbbreens.

Doch statt ihm meldete sich Ruben hüstelnd zu Wort, nachdem er sich aus seiner Starre befreit hatte: "Auch wenn ich keinem von ihnen vertraue, haben wir wohl keine Wahl. Wir werden für sie unter der Bedingung arbeiten, dass uns die Rückkehr auf unser Schiff garantiert wird"

Einen Moment starrte er in die Augen des Ferengi und fügte dann schluckend hinzu: "Ähh, ich meine lebend und unversehrt..."

Clint schaute den Niederländer alarmiert an, aber ihnen blieb kein anderer Ausweg. Die Verhandlungen des Wissenschaftlers waren gescheitert und es war nur logisch einzulenken, solange man noch minimale Forderungen stellen konnte.

Abgesehen davon wurden nach der Rückkehr auf die Schiffe die Karten neu gemischt - die Venture würde sich jederzeit das Dilithium wiederholen können.

Das hatte Clint die ganze Zeit über befürchtet. Jemand aus der Crew würde die Nerven verlieren und den Bluff platzen lassen. Natürlich befand Clint sein eigenes Leben als wertvoll, aber es war eine andere Sache, dies einen Geiselnehmer merken zu lassen. 'Diese überemotionalen Narren', dachte er mit einem Anflug von Zorn.

Warum war er bloß nicht auf Vulkan geblieben? Er hatte durch seinen Vater gute Verbindungen in hohen Positionen, eine steile Karriere im Geheimdienst oder einer wissenschaftlichen Institution machen können und wäre von rationalen, stets logisch handelnden Personen umgeben.

Andererseits fand er tatsächlich Gefallen an Neuem und Gefährlichem, etwas das er sich nur ungern eingestand. Gefährlich war seine Position nun allemal. Jetzt galt es eine günstige Gelegenheit ab zu warten, um die andere Crew möglicherweise zu überwältigen.

Er hielt es nämlich für nicht allzu wahrscheinlich, dass man sie am Leben lassen würde wenn sie ihre Arbeit erledigt hatten. Nicht nach allem was er bisher von Narbo, Theocrates und Ysara gesehen hatte. Und schließlich besaßen sie die Venture, ein modernes, schnelles und kampferprobtes Schiff. Sie entkommen zu lassen, wäre aus Sicht ihrer Geiselnehmer ein zu großes Risiko.

"Da sie mir ihren Standpunkt nun deutlich genug dargelegt haben, und ich keine Möglichkeit sehe ..."

Der Fremde sagte etwas. Er war plötzlich mitten unter ihnen da, als sei er schon die ganze Zeit im Shuttle gewesen. Clint, Narbo und alle Insassen des Shuttles sahen ihn irritiert an. Der Fremde redete. Clint konnte nicht verstehen was der Mann sagte, aber eins wusste er genau: ES WAR WICHTIG!

So wichtig, dass man ihn nicht unterbrechen durfte. Gebannt hingen alle Blicke auf den Lippenbewegungen des Fremden. Er redete unverständliche Worte, aber darauf kam es nicht an. Es war, als würde man einer bedeutungsvollen Persönlichkeit lauschen, die man nicht mal mit zu lautem Atmen unterbrechen wollte.

Alarmsirenen heulten irgendwo in Clints Unterbewusstsein. Eine innere Stimme schien ihm mitteilen zu wollen, dass etwas nicht stimmte. Aber er konnte sich jetzt damit nicht beschäftigen, erst musste der Fremde zu Ende sprechen.

Der fremde Mann ging zu Narbo und nahm ihm seine Waffe ab. Aber das war in Ordnung. Der Mann wusste was er tat, man musste ihm nur zuhören. Alles was die Shuttleinsassen taten, war gebannt auf den Fremden zu starren und seinem unaufhörlichen Redeschwall zu zuhören. Einige hatten sogar den Mund weit offen, während Speichel über ihre Lippen tropfte.

Dann ging der Mann zu Ysara und entwaffnete sie ebenfalls. Auch das war in Ordnung. Es war, als würde ein Zauberkünstler einen Freiwilligen aus dem Publikum ausrufen und anfangen, Dinge mit ihm anzustellen wie seine Hosentaschen zu durchsuchen oder ihm den Hut ab zu nehmen. Es war ja alles nur eine Darbietung, und am Ende war alles wie es vorher war und man bekam mit ziemlicher Sicherheit seinen Hut unbeschadet wieder zurück.

Nacheinander durchsuchte und entwaffnete der Fremde alle Anwesenden. Bei Theocrates kam dabei ein beachtliches Arsenal zutage. Der Fremde warf alle Waffen aus der Einstiegsluke und sah sich noch ein letztes Mal um. Dann verlies er das Shuttle, und von Draußen war ein Geräusch zu hören, das verdächtig nach einem Phaser klang, der gerade eine Einstiegsluke zuschweißte.

Die Menschen im Shuttle standen noch immer unter dem Eindruck des Fremden. Dann schien es, als würde ein Vorhang fallen. Clint sah Narbo an und blinzelte irritiert. Narbo sah zu Clint, und blinzelte irritiert zurück. Beide sahen in einer ruckhaften Kopfbewegung zur Einstiegsluke. Dann sahen sie sich wieder gegenseitig an.

Blitzschnell wurde Clint die Lage klar. Die beiden Crews waren waffenlos, zusammen eingesperrt und gemeinsam einem neuen, unheimlichen Feind ausgesetzt.

...

Hart landete Clints Faust auf Narbos Nase. "Jetzt oder nie", rief er seinen Teamkameraden zu und stürzte sich auf den Ferengi.

Laut quickte der Ferengi auf, nachdem er von der Wucht des Aufpralls nach hinten geschleudert wurde. Doch ebenso so schnell wie die Attacke des Halbbreens gewesen war, fing Narbo sich mit den Händen am Boden ab, um sich flink einen Meter zur Seite zu stoßen.

Was ihm die nötige Sekunde brachte, um sein Messer aus dem Stiefel zu ziehen und die Klinge in einer tiefen runden Bewegung über den Unterschenkel des Angreifers gleiten zu lassen.

Rasch brachte Narbo etwas Abstand zwischen sich und dem Kerl, da ihm noch immer Tränen in die Augen schossen und er kaum etwas sehen konnte. Stattdessen lauschte er konzentriert in das Kampfgetümmel, um wenigstens jeden weiteren Angriff vorhersehen bzw. vorherhören zu können.

Die Wunde war nur oberflächlich, aber sie diente Clint zur Warnung. Mit einer schnellen Bewegung riss der Halbbreen seinen Tricorder vom Gürtel und warf ihn wie einen Shuriken gegen Narbos Gesicht. Der Ferengi wich aus. Aber der kurze Augenblick Ablenkung reichte Clint aus. Sein Verstand war klar und voll konzentriert: 'Zu Boden fallen lassen, seitlicher Tritt gegen das dem Waffenarm gegenüberliegende Kniegelenk' Der Ferngi sackte in eine halbknieende Lage ein, die rechte Körperseite mit dem Waffenarm von Clint weggedreht.

'Tritt in die linkseitigen Weichteile. Beine anziehen, Messerhieb ausweichen' Der Ferengi machte nicht den Fehler, einen langen Stich nach Clints angezogenen Beinen zu machen, sodass sein gesamtes Gewicht nach Vorne verlagert wäre und er vornüber kippen oder Clint seinen ausgestreckten Waffenarm ergreifen könnte. 'Schwung der angezogenen Beine nutzen. Rolle rückwärts in den Stand'

In der nun stehenden Position machte sich Clint auf den nächsten Angriff bereit.

Der Chinese verstand die Welt nicht mehr. Warum um alles in der Welt griff dieser hirnlose Breen die andere Crew an?

Sie hatten da draußen noch einen Raider im All, der darüber hinaus auch noch das Mutterschiff zur Hilfe rufen würde.

Ihre Gegner hatten diesen Vorteil nicht.

Sicher, er wusste nicht, ob Alnak sie nicht als taktisches Opfer betrachten würde. Aber Gorm würde wohl kaum zulassen, das Chedu etwas zustieß.

Eigentlich hatte er ja nichts dagegen, wenn sich zwei Männer im ehrlichen Kampf miteinander maßen. Männer wollten halt wissen, wo sie in einer Hierarchie standen, und ein guter Kampf war ein probates Mittel, diesbezügliche Unsicherheiten auszuräumen.

Hier aber lag der Fall anders. Die beiden wollten sich schlicht umbringen.

Wenn aber das geschah, dann würden sich beide Crews gegenseitig abschlachten. Der Asiat verspürte nicht die geringste Lust dazu, im Zentrum einer solchen Schlacht zu stehen.

Der Breen drehte ihm den Rücken zu und war voll auf den Ferengi fixiert. Es bereitete den geübten Nahkämpfer daher überhaupt keine Mühe, Clint mit einem gezielten Handkantenschlag außer Gefecht zu setzen. Augenblicklich sackte dieser in sich zusammen. Der Ferengi schien einen Augenblick verwirrt über die unerwartete Wende, aber dann stürzte er sich mit einem Urschrei auf den Breen. Kein Zweifel, der Ferengi wollte Clint zerfleischen. Aber auch ihm wurde die völlige Fixierung auf seinen nunmehr wehrlosen Gegner zum Verhängnis. Der Tritt des Chinesen traf den Ferengi voll an der Halsschlagader, und der Zwerg war schon bewusstlos, noch während er durch die Luft flog. Als regellose Masse traf er auf die Shuttlewand auf und sackte langsam herunter.

"So", sagte der Chinese und blickte alle im Shuttle an. "Wollen wir nun die beiden Hitzköpfe hier fesseln, bis sie sich beruhigt haben, und endlich miteinander kooperieren, oder wollen wir dort weitermachen, wo diese Hirnamputierten aufgehört haben, und uns gegenseitig umbringen? Wählen sie, denn ich bin für beide Alternativen offen!"

"Nun ja, da der Streit ja geklärt wäre, würde ich vorschlagen, dass wir endlich mit der Zusammenarbeit beginnen, aber", setzte Ruben erleichtert an, nachdem die beiden Kontrahenten zu Boden gegangen waren, als er _etwas_ bemerkte, "ähh, ich denke das Fesseln sollte nicht nötig sein"

Seltsam, für einen Augenblick hatte der Niederländer geglaubt, eine Präsenz wahrzunehmen, aber nun konnte er weder benennen, was oder wie er es gespürt zu haben glaubte. Er wusste nur, dass ein kalter Schauer seinen Rücken herunterlief und die Nackenhaare sich elektrisiert aufgestellt hatten!

Vorsichtig blickte er in alle Gesichter, aber alle anderen schienen noch immer mit den beiden Bewusstlosen und dem weiteren Vorgehen beschäftigt zu sein.

'Dieser Asteroid ist aber auch zum paranoid werden!', beruhigte er sich kopfschüttelnd selbst und wartete, ob noch irgendjemand nicht einverstanden war.

--- Imperiales Forschungsschiff Telai, Brücke

Zahllose Asteroiden trieben auf dem großen Frontschirm dahin, manche gemächlich andere so schnell, dass sie in Sekundenbruchteilen aus der Aufnahmeoptik verschwanden. Subcommander Galhan wandte seinen Blick gelangweilt von diesem Naturschauspiel ab. Seine v-förmige romulanische Stirn runzelte sich zornig.

'Zivilisten!', dachte er und konnte seine Abscheu kaum verbergen, als er die Gruppe Wissenschaftler betrachtete. Sie verließen ihre Posten, nur um gebannt auf ein paar im Nichts treibende Felsbrocken zu starren.

"Gelehrter Svaaljindrizan", sprach er den Anführer dieser Leute, der immer darauf bestand Svaal genannt zu werden, mit militärisch scharfem Ton an. "Ich hoffe ihre Gruppe ist auf die Mission vorbereitet. Wir beginnen um null-dreihundert. Treffen sie alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen"

Svaal nickte freundlich. 'Alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen', wiederholte er im Geiste amüsiert, 'Diese Militärs ...' Das sollte eine Forschungsmission werden, von denen die Wissenschaft auf Romulus sicher profitieren würde. Svaal ging den Spuren einer uralten Kultur nach. Gewisse Informationen, die er kürzlich erhalten hatte, deuteten darauf hin, dass er in diesem Asteroidenfeld fündig werden konnte.

Die Anwesenheit des Militärs bei dieser Mission war in der Besatzungszone leider unumgänglich. Aber was konnte in dieser entlegenden Gegend schon passieren. 'Höchstens ...', der Romulaner lächelte bei dem Gedanken an die alten Archäologengeschichten: Ein Forscher öffnet eine Jahrtausende alte Kammer und entlies das darin gefangene Unheil ...


Stardust Atlantis