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Crossover 8 - Turbosex im Turbolift

(Atlantis 13, Venture 37)

--- Atlantis, Narbos Quartier

Pfeifend trat Narbo aus der Schalldusche.

Endlich hatte er sich von all dem Staub, Dreck und den Gedärmen ausserirdischer Insekten entledigt, die schon eine dünne Kruste auf seinem Schädel gebildet hatten.

Nachdem sie zu den Schiffen zurückgekehrt waren, hatte O'Connor ihnen drei Tage Urlaub genehmigt und der Barbesitzer hoffte, in dieser Zeit aus der verschlafenen Schiffsmesse endgültig eine verruchte Kneipe zu machen.

Seine Missionskameraden würden jedenfalls durstig sein.

Und ein wenig hoffte Narbo auch, an den geheimnisvollen Gesprächen zwischen O'Connor und McCarthy beteiligt zu werden, bei denen es angeblich um eine gemeinsame Mission ging. In jedem Fall schwebten die beiden Schiffe parallel und ein reger Austausch an Vorräten, Personen und Schmuggelware fand statt.

Ein Blick auf den Chronometer verriet dem Ferengi, dass kaum sechs Stunden seit seiner Ankunft vergangen waren, aber in frischer Kleidung und mit einem Schneckensalat gestärkt, fühlte er sich gleich wie ein neuer Ferengi!

Dann konnte der Spaß ja kommen...

--- Venture, Krankenstation

Das Licht war gedämpft. Es herrschte Stille. Nichts rührte sich.

Der Sichtschutz um die einzelnen Krankenbetten war fast überall zugezogen. Hier und da blinkte eine Kontrolltafel und warf ihr buntes, schimmerndes Licht auf die reglosen Körper.

Die Crew der Krankenstation hatte sich in das benachbarte Ärztebüro zurückgezogen und fachsimpelte über die geleistete Arbeit, die sie in den letzten Stunden vollbracht hatten. Nachdem Alnak und die Anderen direkt nach ihrer Ankunft hier eingeliefert worden waren, hatte Cailin munter losgelegt. Nicht ohne Alnak, nachdem sie von dessen erneutem Kaffeegenuss im Shuttle gehört hatte, mahnend anzuklagen.

Doch das hatte Yhea nicht mehr wirklich gestört. Er hatte sich ganz in die professionellen Hände der Ärztin gegeben und erwartungsvoll die Narkose erwartet. Also sie dann kam, warm und friedlich, hatte er sich fallen gelassen. Die ganzen letzten Stunden im Asteroiden verblassten innerhalb von Sekunden in seiner Erinnerung und das wohlige Gefühl des Tiefschlafs erfasste ihn.

Er bekam noch ein genuscheltes "Gute Nacht" zustande, welches ein Lächeln in Cailins Gesicht zauberte, bevor es um ihn herum schwarz wurde. Diesmal jedoch nicht das Ende, der Tod, sondern nur die Erkenntnis, dass nach dem Aufwachen alles besser sein wird.

--- Venture, irgendein Gang

Schahrein April blickte stumm durch das Panoramafenster, welches eine Seite des Ganges säumte, und verlor sich zwischen den vielen weißen Punkten, die dort immerzu blitzen.

Vor ein paar Stunden hatte man sie - vollständig regeneriert - aus der Krankenstation der Venture entlassen und in ihr vorläufiges Quartier geschickt. April hatte die Gelegenheit genutzt, um sich ein Bad zu gönnen und um sich endlich aus ihren doch ziemlich ramponierten Klamotten zu befreien zu können. Für ein paar Minuten war sie endlich zur Ruhe gekommen, um sich nach den letzten Ereignissen ein wenig zu entspannen.

Doch diese innere Ruhe hielt nicht lange an. Zu viele Sachen waren noch zu erledigen - angefangen bei der Frage, was nun aus ihr werden sollte.

Schnell hatte sie sich zur Tkr' Quar begeben um noch ein paar persönliche Sachen aus dem alten Shuttle zu holen - der mitleidige Blick eines Technikers hatte ihr zu verstehen gegeben, dass diese Shuttle wohl nirgends mehr hin fliegen würde ...

Und nun stand die Halbbajoranerin hier und hing ihren Gedanken nach. Irgendwo um einen dieser so weit entfernten Sterne kreiste die klingonische Heimatwelt - ein Planet, der fast schon ihre eigene Heimat hätte werden können, doch April war sich nicht sicher, ob sie jemals erfahren würde, was wirklich passiert war; warum man ausgerechnet ihr einen Mord hatte anhängen wollen.

Für einen kurzen Moment hielt sie die Luft an und versuchte sich wieder auf die Realität zu konzentrieren. In ein paar Minuten würde sie ein Gespräch mit Captain McCarthy haben, und die Kriegern hatte nicht vor, sich die Chance auf einen guten Job entgehen zu lassen. Ausserdem, wo sollte sie denn hin?

Als sich April auf den Weg zum Turbolift machte, hallten für einen kurzen Augeblick die Emotionen von vielen Menschen durch ihr Innerstes, was April einen eisigen Schauer über den Rücken laufen ließ ...

--- Atlantis, Schiffsmesse

Ein Grölen. Gelächter. Laute Stimmen.

O'Connor schaute von seinem Bier auf und ließ seinen Blick durch die Messe schweifen. Es war ziemlich viel los. Nicht verwunderlich, da er einem Grossteil der Crew drei Tage Urlaub gewährt hatte. Und da war es nicht ungewöhnlich, dass sie in die Messe gingen, um dem Alkohol zu frönen. Und schließlich war er auch hier. Zwar nicht ganz freiwillig, aber trotzdem.

Er griff nach dem halbvollen Glas und kippte den Rest in einem Zug herunter, bevor er aufstand. Eigentlich hatte er hier auf Narbo gewartet. Doch der neue Barchef der Atlantis war nicht gekommen. Das hatte ihn schon ein wenig gewundert. Ein Ferengi, der nicht mit Geldverdienen beschäftigt war, war ein schlechter Ferengi. Aber er hatte Narbo nicht explizit rufen wollen. Eigentlich hatte er vorgehabt, ihm ein wenig unauffällig auf die Finger zu schauen. Na dann eben ein anderes Mal. Er schaute sich noch einmal kurz um und schritt dann zum Ausgang.

Zischend öffnete sich die Tür und ....

RUMMMS

... O'Connor fand sich verdutzt auf dem Boden wieder. Bunte Fragezeichen tanzten vor seinen Augen herum und es dauerte mehrere Sekunden, bis ihm klar wurde, was passiert war. Ein Fluchen brachte ihn auf die Antwort. Narbo. Er hatte Narbo umgerannt.

Er schwang sich wieder auf die Beine und hielt dem Ferengi die Hand hin. "Verzeihen Sie Mister Narbo. Aber vielleicht sollten Sie das nächste mal rufen, bevor sie mit einem solchen Tempo die Bar betreten"

Missmutig wies der Ferengi die Hand von sich und stand unverständliche Flüche um sich werfend auf.

"Vielleicht sollten Sie aber auch einfach mal die Augen aufmachen...", brachte Narbo schließlich heraus, bevor er interessiert die Nase spitzte und ein böses Grinsen auflegte, "Soso, wenn das mal kein Alkohol ist, den ich da rieche. Wenn Sie das Zeug nicht vertragen, einfach mal die Finger von lassen!"

Aus irgendeinem Grund musste er an Slade denken.

Andererseits hatte O'Connor im Vergleich zu dem Anticaner-Captain kaum Haare, die ihm noch ausfallen konnten.

Von dem Zusammenprall immer noch wütend, schaute er sich suchend nach diesem dreisten Kellner um, dessen Name er leider vergessen hatte. Ehrlich gesagt interessierte er Narbo auch gar nicht, solange er seine schlechte Laune bei dem Typen abwälzen konnte!

"Gibt es noch etwas, Mensch?", fügte er von der Seite hinzu, während er weiter seine Bar mit den Augen absuchte.

--- Atlantis, Korridore

Ysara konnte sich nicht helfen. Sie hatte einfach furchtbar gute Laune.

Die Psychologin hielt einen Moment vor einem Kontrollpaneel inne, um sich in der Spiegelung noch einmal ihre Rastazöpfe zu ordnen. Sie hatte sich ausgeruht, geduscht und dann beschlossen, die Haare zur Feier des Tages nicht zurückzubinden. Und jeder Grund zur Feier war ein sehr guter.

Ein Lächeln stahl sich in ihr Gesicht, als sie sich umwandte und ihren Weg zur Mannschaftsmesse mit einem sehr untypischen Hüftschwung fortsetzte. Normalerweise bevorzugte sie ja eine Annäherung an Asexualität, aber heute war eben kein normaler Tag.

Es begann mit dem offensichtlichsten aller Gründe. Als sie wieder an Bord kam, hatte sie Sternenlicht getroffen, der ihr erzählte, dass die Atlantis unter anderem deshalb vor Anker lag, weil sie auf die sich nähernde Ivory wartete. Wie sich herausstellte, hatte Sternenlicht einst ebenso wie sie auf dem alten Frachter gearbeitet, und ein Blick auf die Datenbank hatte ihr verraten, dass der Kahn mittlerweile von Captain Monserats Schwester kommandiert wurde. Der Gedanke daran, dass Gerald am Ende offensichtlich durchgedreht war, wie sie es immer prophezeit hatte, versetzte sie in Hochstimmung. Die korrekte Vorhersage eines Untergangs - oder in anderen Worten, eine bestätigte Diagnose -, hatten immer diese Wirkung.

Der neue Captain verhandelte ihres Wissens gerade mit McCarthy um neue Crewmitglieder, und das war der zweite und ebenso offensichtliche Grund dafür, dass dieser Tag so furchtbar gut lief. McCarthy. Die Venture. Natürlich, sie hatte nicht geplant, die Idealistencrew, der sie einst fahnenflüchtig ein Shuttle gestohlen hatte, jemals wieder zu sehen, aber so war es natürlich auch nicht schlecht. Ganz und gar nicht schlecht. Sie brannte darauf, dem Alten ihr strahlendstes Lächeln zu schenken. Und der Vogelfrau, Fakaii. Sie musste unbedingt der Vogelfrau einen Besuch abstatten, wenn es sich anbot.

Sie fühlte sich fies. Und es überraschte sie selbst, aber es machte Spaß.

Mit einem letzten Tänzeln nahm Ysara die letzte Wegbiegung und betrat die Mannschaftsmesse, nur um vor Narbo und O'Conner zum Stehen zukommen.

--- Atlantis, Schiffsmesse

"Oh, guten Tag, meine Herren", grüßte die Psychologin, scherte sich nicht darum, dass sie ein Gespräch unterbrach, und verschränkte lässig die Arme hinter dem Rücken. Als sie lächelte, sahen die beiden sie deutlich irritiert, oder auch misstrauisch an, "Ist heute nicht einwunderschöner Tag?"

Etwas irritiert starrte O'Connor den Neuankömmling an und wenn er ein Vulkanier gewesen wäre, dann hätte er bestimmt eine Augenbraue hochgezogen. So jedoch beschränkte er sich darauf, grüßend zu nicken und sich zu überlegen, was an Ysaras guter Laune so seltsam war. Nicht das er was gegen gutgelaunte Crewmitglieder hatte, doch bei so übertriebener guter Stimmung wurde er misstrauisch.

Selbst Narbo schien sich etwas zu wundern, doch stattdessen was zu sagen, warf er Julian böse Blicke entgegen und schaute sich dann wieder in der Messe um. 'Vielleicht sind da irgendwelche Drogen im Spiel', überlegte O'Connor.

Prinzipiell hatte er nichts gegen 'weiche' Drogen, wie ein antiquierter Begriff sie beschrieb, doch trotzdem würde er es im Auge behalten. Schließlich war die Arbeit auf einem Raumschiff kein Kinderspiel und jeder musste 100 Prozent Leistung geben, damit alles funktionierte. Da konnte er es sich nicht leisten, ein paar Leute wegen Drogenproblemen zu verlieren. Vielleicht sollte er der Krankenstation mal den Auftrag geben, jedes Crewmitglied nach Drogen zu untersuchen. Unauffällig natürlich.

'Ein anderes Mal vielleicht', dachte Julian, und blickte hinter sich in die Messe und dann zu Ysara.

"Was ist denn bitte so schön an dem Tag?", fragte er die junge Frau.

Mit jovialem Gesicht streckte Ysara die folgende Pause in die Länge. Scheinbar wollte sie die beginnende Neugier des Menschen noch steigern.

Bei Narbo gelang es ihr jedenfalls nicht. Gelangweilt rezitierte er: "Zwischen zwei Zwetschgenzweigen, zwitschern zwei Schwalben"

Sofort starrten die beiden ihn so an, wie man normalerweise einen Irren musterte, der sich gerade die Haare rasiert. Auf den Zähnen.

"Was ist eigentlich eine Zwetschge?", wandte er sich grinsend an den Captain. Der kannte doch scheinbar alles und jeden.

Julian musste die Hand an sein Kinn packen, damit ihm nicht der Unterkiefer vor Überraschung, oder sollte man besser sagen Entsetzen, nicht herunter klappte. Wie durchgeknallt musste man sein, um so zu sein wie Narbo. Außerdem gab es da dieses Sprichwort: Zwischen Genie und Wahnsinn gab es nur einen schmalen Grat. Und Narbo hatte irgendwann einen Schritt zu viel in die falsche Richtung gemacht.

"Wissen Sie was? Sie haben sogar eine ziemliche Ähnlichkeit mit einer Zwetschge. Nein, eigentlich nur Ihr Gehirn. Also da können Sie jeden Arzt fragen. Ihr Gehirn und eine Zwetschge haben eine Menge Gemeinsamkeiten. Gleiche Größe, gleiches Aussehen, ja sogar die gleiche Konsistenz", sagte Julian und schaffte es sogar, das ganze ohne ein Grinsen im Gesicht zu erzählen.

Ysara neben ihm hingegen schien mit der Ernsthaftigkeit mehr Probleme zu haben. Sie grinste breit und gluckste herum, wohl kurz davor in einen Lachkrampf zu verfallen.

Während Julian sprach, hatte sich Narbos Blick immer mehr verfinstert, bis schließlich schwere Gewitterwolken hinter seinen Augen zu blitzen schienen. Die Hochspannung, die sich in dem Ferengi staute, schien der Mensch gar nicht mehr mitzubekommen. Viel eher suchte dieser im Gesicht des Weibchens nach Bestätigung, um seine eigene Unsicherheit zu beruhigen.

In einem plötzlichen Ausbruch, schleuderte Narbo dem Menschen einen gezischten Fluch entgegen, den der Universalübersetzer folgendermaßen ausgab:

"Witzig, witzig...Würde doch verdammt komisch aussehen, Maiskolben zu fressen -- OHNE Zähne"

Anschließend schob er den Captain zur Seite und marschierte ab in die Bar.

Die Preise erhöhen...

Julian schaute dem kleinen wutschnaubenden Ferengi hinterher, wie dieser durch die Bar stapfte und dabei jeden mit bitterbösen Blicken bedachte, der ihm auch nur die Spur zu nahe kam. Die Kellner, die schon die ganze Zeit Narbo beobachtet hatten, schauten ihm beinahe schon ängstlich an, wohl darauf gefasst, gleich als erste die Laune des neuen Barbesitzers zu spüren.

O'Connor hingegen lachte sich immer noch ins Fäustchen und auch Ysaras Grinsen hatte ihr Gesicht noch nicht verlassen.

"Ich glaube fast", kicherte Julian, "unser kleiner Giftzwerg hier versteht keinen Spaß."

Spaß.

Ysaras Augenbraue wanderte in die Höhe. Spaß hatte sie in der Tat, und es war genau ihr Stichwort.

"Ah, Captain, wo Sie das gerade so ansprechen... ich hätte da eine Frage..."

Betont faltete die Psychologin die Hände hinter dem Rücken und wartete, bis O'Conner fragend die Augenbrauen hob, bevor sie fortfuhr.

"Es geht um die Venture. Sehen Sie, die Crew der Venture und ich hatten in der Vergangenheit einige Differenzen" Ein Zucken in ihrem Mundwinkel bewies, dass sie diese Differenzen eindeutig nicht für lustig hielt. Ysara kehrte bei dem Gedanken abrupt ein wenig zu ihrem üblichen Verhalten zurück und suchte nach innerer Ruhe - mehr oder weniger erfolglos.

"Genauer gesagt, und ich will ehrlich zu Ihnen sein, Captain, hält mich dieser McCarthy für eine Art Verräter. Ich würde behaupten, dass er damit falsch liegt, aber wie sich gezeigt hat, war an meiner Meinung niemand interessiert..."

Sie zuckte mit den Achseln.

"Wie auch immer, McCarthy denkt des Weiteren, ich hätte ihm ein Shuttle gestohlen, und ich befürchte, damit hat er recht", Ihr Ton machte deutlich, dass McCarthys Anschuldigungen gegen sie für sie keine Gültigkeit hatten, selbst wenn er Recht hatte, "Ich bezweifle, dass dem Mann meine Anwesenheit auf der Atlantis entgangen ist, und ich frage mich, ob er etwas über mich zu sagen hatte - sagen wir, meine sofortige Auslieferung gefordert hat... Ich wüsste gerne, ob ich mich für den Rest der nächsten Tage in meinem Quartier verstecken muss, bevor irgendein rechtschaffender Klingone auf mich losgeht."

Tatsächlich hatte sie mindestens zwei Klingonen auf der Venture gesehen. Ysara hatte sofort gewusst, dass sie ihnen aus dem Weg gehen sollte, falls McCarthy noch Ressentiments gegen sie hegte. Mit diesen Klingonen war nicht gut Kirschen essen.

Einer von ihnen trug sogar einen Cowboyhut.

Seufzend riss sie sich von der Erinnerung los und sah O'Conner fragend an.

--- Venture, irgendein Gang

In Gedanken versunken spazierte Alex durch die Gänge der Venture, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Hier und da hielt er an, schaute aus dem Fenster oder überflog eine der vielen Terminals, die in regelmäßigen Abständen die Wände zierten. Nachdem er vorhin Alnak auf der Krankenstation besucht hatte und ihm die Ärzte gesagt hatten, dass der Romulaner bald wieder fit sein würde, hatte er seinen Spaziergang begonnen.

Im Maschinenraum war alles in Ordnung. Hedlege hatte es sich dort gemütlich gemacht und überwachte sämtliche Anlagen. Isweda und Robsen hatten sich nach ihrer Ankunft direkt auf die beiden Shuttles gestürzt, um sie wieder auf Vordermann zu bringen, nachdem sie festgestellt hatten, dass das klingonische Shuttle nicht mehr zu retten war.

April ... schoss es ihm durch den Kopf als er an die junge Frau dachte, und an die mehr oder weniger peinliche Situation im Shuttle vorhin. Und doch musste er Lächeln.

Alex erreichte den Turbolift und drückte auf die Ruftaste, als er sah, dass der Lift noch nicht da war. Doch lange musste er nicht warten, denn schon kurze Zeit später hörte er ein Piepsen und zischend öffneten sich die Türen.

--- Turbolift

Er machte einen Schritt in den Turbolift hinein und schaute dann auf. Fast erschreckte er sich, als er sah, dass er nicht alleine war. Und wie der Zufall es so wollte, es war April.

"Oh ... äh ... Hallo", stammelte er zur Begrüßung und versuchte ein etwas verunglücktes Lächeln aufzusetzen.

Ein leichtes Lächeln legte sich auf Aprils Gesicht als sie Alex erblickte. Fast hatte sie den Techniker vergessen ...

"Hallo! Na, wie geht's?", mit diesen Worten schlossen sich die Türen des Liftes, und aus irgendeinem Grund hatte die Halbbajoranerin für einen kurzen Moment das Gefühl, die Liftkabine würde auf einmal an Volumen abnehmen.

Während sie sich mit dem Rücken an die Turboliftwand lehnte, wurde aus dem Lächeln der jungen Frau ein breites Grinsen.

"Eigentlich ganz gut", sagte Alex lächelnd, als er sich endlich von der Überraschung erholt hatte, "Es gibt nicht allzu viel Arbeit, Mister Alnak dürfte auch bald wieder genesen sein und jetzt streife ich so durchs Schiff und genieße meine Freizeit"

Er warf einen kurzen verstohlenen Blick auf die Steuerkonsole des Lifts und atmete beinahe erleichtert auf, als er erkannte, dass sie noch ein bisschen Fahrzeit vor sich hatten. Nicht dass er normalerweise gerne mit Turbolifts durchs Schiff fuhr, doch bei so angenehmer Begleitung konnte er beinahe ewig hier bleiben.

"Und was ist mit Ihnen?", fragte er, während er fieberhaft überlegte, ob sie nicht schon beim 'Du' angelangt waren oder nicht, "Nicht zufällig auf dem Weg in die Mannschaftsmesse? Ich würde Sie gerne zu einem Drink oder so einladen"

"Nun ja, eigentlich habe ich ..."

April wollte gerade ihren Satz vollenden, als eine leichte Erschütterung den Lift auf einmal zum Stillstand brachte. Das Licht flackerte kurz und ging dann - nach ein paar Sekunden - vollständig aus.

Der Halbbajoranerin wäre beinahe ein leichtes Knurren entkommen - warum konnte nicht einfach mal alles funktionieren?

Mit der rechten Hand wischte sie sich einen kleinen Schweißtropfen aus dem Gesicht, und wendete sich in die Richtung in der Poulsen vermutlich noch stand.

"Ha ... und was jetzt?"

'Im Dunkeln ist gut Munkeln', schoss es Alex durch den Kopf, während er sich zu der kleinen Liftkontrolltafel vorantastete. Es wunderte ihn, dass sich die Notbeleuchtung noch nicht eingeschaltet hatte und sogar die Liftkontrollen komplett dunkel waren.

"Tja, ich würde sagen, wenn Sie nicht zufällig irgendwo eine Taschenlampe versteckt haben, dann sitzen wir sprichwörtlich im Dunkeln", witzelte er herum, während er weiter am Suchen war. Dann aber hatte er die Tür erreicht, tastete nach rechts und fand das Paneel. Doch egal wo er auch drauf herum tippte, es passierte nichts und die Anzeigen blieben auch abgeschaltet. Ausserdem war es in absoluter Finsternis sowieso nur ein wildes Herumgetippse.

"Poulsen an Maschinenraum. Hat sich von euch wieder jemand einen Spaß erlaubt oder gibt es einen triftigen Grund für die Liftfehlfunktion?", fragte er, nachdem er auf seinen Kommunikator getippt hatte. Doch selbst nach etlichen Sekunden bekam er keine Antwort.

"Hallo? Maschinenraum? Jemand zu Hause? ... Alex an Isweda, wo treibt ihr euch herum?"

Keine Reaktion.

"Ich glaube April, wir haben ein Problem"

"Ja, das sehe ich!", murmelte die Kriegerin und für einen kurzen Moment war es ihr nur Recht, dass es stockfinster war. So konnte Alex wenigstens nicht das dreckige Grinsen sehen, das sich gerade in ihrem Gesicht breit machte.

Doch im nächsten Moment dachte sie an McCarthy und ihren Termin und ihr wurde schnell klar, dass sie den Captain wohl fürs erste Mal vertrösten musste.

April hob den rechten Arm und trat einen Schritt nach vorne, bis ihre Hand an Poulsens Schulter stieß. Fest schlossen sich ihre Finger um sein Schultergelenk.

"Gibt es so etwas wie manuelle Entriegelung der Tür? Wenn wir Glück haben befinden wir uns gerade auf der Höhe eines Ganges oder einer Jeffriesröhre..."

Alex zuckte beinahe unmerklich zusammen, als April ihn an der Schulter berührte. Nicht weil er sich erschreckt hatte, sondern weil ihn die Berührung dieser faszinierenden Frau innerlich ... er konnte es nicht beschreiben. Es war einfach ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit, wenn sie in der Nähe war und obwohl er sie wegen der Dunkelheit nicht erkennen konnte, so schien sie doch vor seinem inneren Auge zu schweben.

Verwirrt und doch glücklich schüttelte er die Gedanken ab, als er registrierte, dass April eine Frage gestellt hatte und ihn wahrscheinlich in diesem Moment anschaute und auf die Antwort wartete.

"Ähm ... ja ... natürlich. Die manuelle Entriegelung müsste noch funktionieren", sagte Alex und tastete wieder nach dem Paneel. Vorsichtig löste er es aus der Wandverkleidung und griff in die nun entstandene Öffnung. Blind tastete er in dem Hohlraum nach der Notentriegelung herum, bis er sie endlich fand. Ein Klick, ein Griff und die Turbolifttür sprang einen Spalt weit auf und ein schwacher Lichtschein fiel in die kleine Kabine.

"Und, was sehen Sie?", fragte er April, die zur Tür gegangen war und durch den Schlitz luntzte.

Obwohl April nicht gerade klein war, musste sie sich auf die Zehenspitzen stellen, um den Ursprung der Lichtquelle identifizieren zu können. Etwa zehn Zentimeter über ihnen war der untere Rand einer Jeffriesröhre zu sehen und die Kriegern vermutete, dass das Licht wohl von irgendeiner Notbeleuchtung weiter hinten kam. Den genauen Punkt konnte sie jedoch nicht feststellen.

"Eine Jeffriesröhre ...", antwortete sie mit einem kurzen Blick auf Alex, der sie immer noch fragend anstarrte. Ganz schwach konnte April die Gesichtszüge des Terraners erkennen, und für einen kurzen Moment spürte sie in ihrem Magen ein angenehmes Kribbeln ...

"Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten - entweder wir warten bis uns hier jemand raus holt, oder wir quetschen uns durch diesen ..."

Ein lautes Quietschen hallte auf einmal durch den Schacht, was die Halbbajoranerin augenblicklich verstummen ließ. Einige Augenblicke vergingen, in denen sich eine fast unheimliche Stille in der Kabine breit machte.

"Alex, was haben die Magnetspangen für Sicherungen?", ein leichtes vibrieren war in Aprils Stimme zu hören, als das Quietschen erneut ertönte – dieses Mal jedoch um einiges lauter.

Poulsen bekam keine Zeit mehr auf die Frage zu antworten - die Liftkabine setzte sich mit einem ziemlich heftigen Ruck in Bewegung und begann in die Tiefe zu rasen ...

Alex schnappte vor Überraschung nach Luft und klammerte sich krampfhaft an den Haltebügel, der sich neben der Tür befand, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Die Schwerkraftgeneratoren ächzten unter der Belastung, die sie zu absorbieren hatten, als die Kabine in die Tiefe stürzte. Durch die immer noch spaltbreit geöffnete Türe drang blitzend das Licht der zahlreichen Jeffriesröhren herein, an denen sie vorbei rasten.

Mit beinahe schwerster Kraftanstrengung tippte Alex auf seinen Kommunikator und brüllte über das andauernde Quietschen hinweg: "COMPUTER: Notfallprogramm 17 ..."

Weiter kam er nicht, als der Lift urplötzlich stoppte und Alex und April mit ziemlicher Wucht auf den Kabinenboden geschleudert wurden. Mit einem Pfeifen entwich sämtliche Luft aus Poulsens Lungen und Tausende Sternchen funkelten vor seinen Augen herum. Mit einem Mal war es ganz still geworden, nur ein leises Stöhnen kam von April, als sie sich vom Boden aufrappelte.

Alex drehte sich auf den Rücken und schaute zu April rüber.

"Alles in Ordnung? Sind Sie verletzt?"

Frustriert über die aktuelle Situation rieb sich die Halbbajoranerin den rechten Ellbogen. So wie sie es einschätzte, hatten sie beide nur ein paar blaue Flecken abbekommen, was April durchaus begrüßte - sie verspürte nämlich keine große Lust, schon wieder die Krankenstation zu besuchen.

"Nein es geht schon!", April schenke Alex ein liebevolles Lächeln – irgendwie war der Kerl ziemlich süß ...

Schnell versuchte sich die Kriegern wieder auf ihre aktuelle - doch rechtmissliche - Lage zu konzentrieren.

Sich an der Wand des Liftes festhaltend, blickte April durch den Türspalt - und konnte nur das dunkle Grau der Schachtwand sehen. Verdammt!

Alex stand auf und klopfte sich ab. Die letzten Sterne verblassten vor seinen Augen und auch das Dröhnen in seinem Kopf ließ nach. Vorsichtig tastete er sich wieder zur Liftwand, nachdem die Dunkelheit wieder Einzug gehalten hatte. Zwar war sie nicht so absolut schwarz wie vorhin, doch viel Licht fiel durch den schmalen Spalt nicht herein.

"Normalerweise habe ich nichts gegen die Dunkelheit, doch jetzt geht sie mir gehörig auf den Zeiger", beschwerte sich Alex und versuchte wieder, mit Hilfe der Steuerkontrolle den Lift zu bewegen. Doch wieder tat sich nichts. Frustriert gab er es auf und drehte sich zu April um.

"Na, Lust auf eine kleine Kletterpartie?", fragte er und lehnte sich an die Kabinenwand.

"Eigentlich nicht!", blaffte die Halbbajoranerin, "Aber ich fürchte uns wird wohl nichts anderes übrig bleiben ... Wenn wir nicht endgültig nach unten rauschen wollen!"

April drehte sich zu Alex und deute nach oben.

"Ist da oben eine Luke? Nach unten rauszuklettern behagt mir nämlich überhaupt nicht ... " Die Kriegerin grinste unwillkürlich als sie erkannte, dass ihr Rumgefuchtel in der Dunkelheit völlig nutzlos war.

Aus Alex Richtung kam ein undefiniertes Brummen, dass April als ja interpretierte. Soweit so gut ...

"Alex, können sie das Ding öffnen?" Ihre Frage klang etwas hilflos.

"Prinzipiell schon", antwortete Alex und zog die Stirn in Falten, "Es muss nur genug Restenergie in den magnetischen Verschlüssen sein, damit wir die Luke öffnen können. Aber ich denke, dass wir in diesem Fall Glück haben"

Er versuchte gegenüber April positiv zu klingen, auch wenn ihm das nur stimmlich gelang. Sein Gesichtsausdruck hätte ihn sofort verraten, wenn es nicht zufällig so dunkel wäre, dass er nicht zu erkennen war.

"Also", begann er und stellte sich in die Mitte der kleinen Liftkabine, "Kommen Sie zu mir. Sie werden auf meine Schultern klettern und versuchen, die Luke zu öffnen"

Er machte mit seinen Händen eine Räuberleiter und ging etwas in die Hocke.

"Na dann los", sagte er in die Dunkelheit hinein, und wartete auf April.

--- Ivory, Brücke

Ein greller Blitz und die Ivory schoss aus dem Warptransit heraus.

Nur ein paar hunderttausend Kilometer entfernt erkannte man zwei Schiffe, die aneinander angedockt hatten. Die große, muskulös gebaute Venture und die beinahe klein erscheinende, schon etwas ergraute Atlantis. Und für Peter Tarson war es beinahe der schönste Anblick der Welt.

Gerade wollte er Francine mitteilen, dass sie am Zielort ihrer Reise angekommen waren, da hatte sie auch schon das Stricken unterbrochen und auf den Bildschirm gestarrt. Beinahe hätte Peter Francine gesagt, sie solle weiter stricken, denn das plötzliche Verstummen der klappernden Nadeln brachte eine dermaßen unheimliche Stille auf die Brücke, dass Peter sie gegen fast alles getauscht hätte.

"Captain", unterbrach Cheyenne die Ruhe und drehte sich zu ihr herum, "Wir haben gerade den Epsilon-Cluster erreicht und wie erwartet befindet sich die Venture und die Atlantis direkt vor uns"

"Rufen Sie sie", kam nach ein paar Sekunden Ruhe die Antwort.

Tarson überlegte kurz, welches der beiden Schiffe er rufen sollte und entschied sich dann für die Venture. 'Mal sehen, ob der Captain zuhause ist', dachte er, doch da erschien auch schon das Gesicht irgend eines ihm unbekannten Crewmitgliedes auf dem Schirm mit einer Begrüßung auf den Lippen.

Kurz zuvor blickte die Pilotin von ihrer Konsole auf und betrachtete die beiden Schiffe, die auf dem Hauptschirm zu sehen waren. Irgendwie anmutig und sicher interessant zu fliegen...

Seit ihrer Rückkehr zur Ivory waren einige Tage vergangen, die Cheyenne die Möglichkeit gegeben hatten, wieder einmal über ihr Leben nachzudenken. Doch schnell hatte die Terranerin festgestellt, dass ihre früheren Probleme im Gegensatz zu dem, was auf Omicron passiert war, eigentlich fast lächerlich klein geworden waren. Sie hatte sich Hals über Kopf in ein gefährliches Abenteuer gestürzt und auch wenn sie dabei beinahe getötet worden wäre, musste Cheyenne sich eingestehen, dass es sie befriedigt hatte, ihre Mission erfolgreich beendet zu haben.

Einstimmig mit ihrem Gewissen hatte Cheyenne beschlossen, ihrer Familie eine kurze Nachricht zu senden - wobei sie allerdings keinerlei Angaben über ihren derzeitigen Aufenthaltsort machte; geschweige denn erzählte sie etwas über ihre aktuelle Tätigkeit. Ihre Eltern würden damit leben müssen, dass dies wohl vorerst die einzige Nachricht sein würde die sie von ihrer Tochter bekommen würden ...

Ein leichter Seufzer kam über die Lippen der Pilotin.

Was würde wohl aus den andern werden? Classic, Tarson, Rekelen. Und dann war ja da auch noch dieser Daniel - wenn sie sich es genau überlegte, wusste sie im Moment noch nicht einmal, wo er auf dem Schiff arbeitete.

Hatten Megan und Lestat eigentlich eine Familie?

Das Bild auf dem Schirm verzerrte sich kurz und dann erschien das Bild der Brücke der Venture, worauf die Pilotin sich wieder zu konzentrieren versuchte.

--- Ivory, Quartier 13 auf Deck 3

Die Freizeit, die S'Tom in den Tagen der langen Reise zum Epsilon-Cluster gehabt hatte, hatte er großteils mit Kohl-tor und abschließenden Berichten über Mission und Planet für den Geheimdienst verbracht. Die verschlüsselten Berichte hatte er in kleinen Stücken in diverse andere Verbindungen eingeschleust, um möglichst keine Aufmerksamkeit zu erregen - und anscheinend hatte es auch funktioniert. Wahrscheinlich musste sich der Großteil der Crew noch immer von der Mission erholen...

Der Vulkanier beendete seine Meditation und sah aus der kleinen Luke in seinem Quartier. In weiter Entfernung, aber immer näher kommend, konnte er zwei kleine, graue Punkte erblicken. Einer der beiden Punkte müsste dann wohl die Venture sein, das abtrünnige Schiff... Über den anderen Punkt ließ sich noch keine genauere Aussage treffen, als dass es auch ein Schiff sein müsste.

Nach kurzer Überlegung beschloss die ehemalige Drohne, sich auf die Brücke zu begeben. Ihre Schicht fing sowieso in 24 Minuten (und 16 Sekunden) an. Die Kommunikation mit den anderen Schiffen zu verfolgen müsste aufschlussreich sein...

--- Ivory, Brücke

Aus den Augenwinkeln sah S'Tom auf dem Weg zu seiner Konsole, wie auf dem großen Bildschirm das Gesicht eines männlichen Menschen erschien, welches ihm absolut nicht bekannt vorkam. Bei seiner Konsole angekommen, warf er einen kurzen Blick auf die Daten, begann eine Routinediagnose des Warpkerns und verfolgte währenddessen interessiert die Unterhaltung.

--- Atlantis, Schiffsmesse, bei der Theke

Es hatte keine zehn Sekunden gedauert, bis der Ferengi diesen Kellner in die Finger bekommen hatte. Jetzt sah dieser sichtlich geknickt aus, nachdem er auch die Freitagabendschicht übernehmen musste. Und alle anderen Schichten bis dann auch.

Narbo ging es jedenfalls besser. Auch ohne Preiserhöhung.

Und spätestens am Samstag würde er klarstellen können, dass er keinesfalls diesen Freitag gemeint hatte...

In freudiger Erwartung grinste er und schaute zurück zur Tür.

Die beiden Menschen standen immer noch mitten im Eingang und blockierten den Türsensor, während seine Kunden vom Luftzug einen steifen Nacken bekommen würden!

"Hey, entweder rein oder raus!", rief der Barkeeper halb durch den Raum, woraufhin mehrere Gäste, einige schon mit sehr leeren Blicken, von ihren Gläsern hoch schauten und bestätigende Worte murmelten.

--- Schiffsmesse, vor der Tür

Etwas verwirrt über Ysaras Frage und über Narbos Gebrüll, schritt Julian aus dem Sensorbereich der Tür, welche sich dann auch sofort mit einem Zischen schloss. Kaum war sie zu, da schwappte eine unangenehme Stille über Beide herein.

"Ähäm", räusperte sich der Captain und dachte kurz nach. 'Hatte er das Ysara nicht schon gesagt? Nein, sonst würde sie bestimmt nicht fragen'

"Also, so wie ich Captain McCarthy verstanden habe, ignoriert er im Moment die Tatsache, dass Sie hier an Bord sind. Das heisst für Sie, wenn Sie auf der Atlantis bleiben und keine Dummheiten anstellen, wird Ihnen nichts passieren. Sollte er Sie aber dabei erwischen, dass Sie noch ein Shuttle entwenden, dann ... "

Er ließ das Ende des Satzes mit Absicht offen, dass sich Ysara noch ein paar Gedanken darüber machen konnte, was sie erwartete, wenn sie nicht spurte.

"Haben wir uns da verstanden?"

Ysara hob eine Augenbraue.

Föderationstonfall - nie ein guter Ton, um mit ihr zu sprechen. Vor allem, wenn er sich mit der Information verband, dass der Captain diesen McCarthy implizit unterstützte...

'Macht', sann die Psychologin einen Moment lang nach, 'führt immer und überall zu Opportunismus'

Es war ein Jammer, dass es kein Verfahren gab, das sicherstellte, dass nur Personen mit dem richtigen Charakter in Führungspositionen gelangten. Personen, ungefähr, wie sie.

Ihre Lippen verzogen sich zu einem leichten Lächeln. "Verstanden, Captain", erwiderte sie und fügte ironisch hinzu: "Dann werde ich jetzt meiner Arbeit nachgehen und versuchen, Narbo zu therapieren. Wer weiß, vielleicht ist er ja so freundlich und zeigt mir die Shuttlerampe der Atlantis, ich habe sie noch gar nicht gesehen..."

Die Augen verdrehend wandte sie sich ab, ohne auf eine Antwort zu warten, und betrat wieder die Bar.

Sie fragte sich, ob jemand McCarthy gesagt hatte, dass sein kostbares Shuttle von O'Conner demoliert worden war.

--- Venture, Büro der Sicherheit

Angestrengt beäugte Ruben seinen Schreibtisch, stand schließlich auf und wanderte unentschlossen um die Tischplatte.

"Vielleicht noch ein bisschen weiter nach rechts...", murmelte er vor sich hin, als er mit schweißnassen Händen das 153 Millimeter lange Padd vorsichtig zu bewegen versuchte. Sein Herz hatte einen ruhigen Rhythmus angenommen, während sein Verstand die Lage der sorgsam arrangierten Arbeitsmittel analysierte.

'Du musst eins werden mit dem Padd', fokussierte er seine Gedanken, schloss die Augen und versuchte sich jedes Detail dieses Meisterwerks aus geometrischen Formen und feinsäuberlich bedachten Winkeln vorzustellen, 'Ja, ich denke wie ein Digitalschreiber...'

Der Anmut der Situation paarte sich mit Ruhe und der erhabenen Ästhetik, die sonst nur kunstvollen Origami-Figuren eigen war.

Nach all dem Stress der Mission schien sich auf wundersame Weise der Frieden um Ruben zu formieren...

"PIEP-PIEP!" - das Padd aktivierte sich wie ein geradezu infernalischer Donnerschlag und Ruben riss erschrocken die Augen auf, während sein Herz zuspringen begann, als würde eine drei Zentner schwere Frau auf seiner Brust sitzen. Der Blutdruck schoss in die Höhe und ein Schwindelgefühl legte sich über den Niederländer.

Torkelnd schlug er um sich, sein Fall schien nahe, doch im letzten Moment konnte er sich an der Tischkante festkrallen.

Mit ohrenbetäubendem Quietschen verschob sich der Tisch und entsetzte Verzweiflung sprach aus Rubens Blick: Der Stift im Neunzig-Grad-Winkel zu dem Padd hatte sich bewegt!

Seufzend wollte er auf die Tischplatte hauen, machte es dann aber doch nicht und warf sich schließlich resigniert in seinen Sessel. Wenn die Nachricht jetzt nicht wichtig war...

Ohne Kraft, die Unterbrechung hatte ihm jede Energie geraubt, wählte er die eingetroffene Nachricht an und überflog in Sekundenbruchteilen den kurzen, unwichtigen Text: Es war eine Standardsicherheitswarnung. Irgendwo war ein Turbolift steckengeblieben und die internen Sensoren warnten davor, dass die Insassen begannen, an den magnetischen Verschlüssen rumzuspielen.

Dabei stand doch in der § 14a der Benutzungsordnung von Turboliften, dass nur fachkundiges Personal dazu autorisiert war!

Genervt wies er den Computer an, den Maschinenraum zu benachrichtigen und legte anschließend ein Kraftfeld der Prioritätsstufe 8 um die Kabine. Wer auch immer in dem Lift war, er würde sich gedulden müssen bis jemand aus der Technik eintraf, und Alnak das Kraftfeld deaktivierte.

Nun schon etwas ruhiger, konzentrierte sich Ruben wieder auf seine Aufgabe, korrigierte die Lage des Stiftes und vergaß Zeit und Raum. Sogar, dass Mittagspause war und folglich in den nächsten dreißig Minuten niemand im Maschinenraum sein würde...

--- Turbolift

Die Halbbajoranerin hatte es befürchtet - jetzt musste sie sich schon wieder mit Technik auseinander setzten! Warum? Warum konnten denn nicht einfach ein paar wilde Cardassianer das Problem darstellen ... ?

April seufzte und tastete nach dem Techniker und seiner Räuberleiter. Mit einem kurzen Ruck zog sie sich nach oben und kletterte nach kurzem Hin- und Herschwanken auf Alex Schultern. Soviel zum einfachen Teil der Aufgabe.

Mit der einen Hand hielt sich die junge Frau nun an einem kleinen Plastikvorsprung fest, mit der anderen suchte sie nach der Luke.

Nach einigen Sekunden hatte Aprils Hand ihr Ziel erreicht. Etwas ungeschickt fingerte sie an dem Verschluss herum, was sie nach kurzer Zeit dazu brachte leise zu fluchen.

"Na, wenn das Ding nicht ..." Ein lautes Krachen war zu hören, als die Halbbajoranerin am Lukendeckel zog und ihn aus der Decke riss.

Als Alex über sich das Knirschen und Krachen hörte, war es auch schon zu spät. Der Deckel, den April so schwungvoll aus seiner Halterung gerissen hatte, sauste nach unten in die Tiefe und traf den Techniker an der linken Schulter. Sofort schoss ein stechender Schmerz durch seinen Körper, der zusätzlich noch durch das Gewicht von April verstärkt wurde, die auf seinen Schultern stand.

Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte er das Gleichgewicht zu halten, doch schon nach wenigen Sekunden brannte seine Schulter wie Feuer und er merkte, dass er April nicht mehr lange halten konnte.

"Schnell, kommen Sie ... da ... runter", stöhnte er unter Anstrengung und ignorierte das Zittern, welches sich in seinen Beinen breit machte. Er vernahm ein undeutliches Japsen von oben, als sein Körper nachgab und er zusammenbrach. Schmerzerfüllt schlug er auf dem Kabinenboden auf und sofort waren die vorher verschwundenen Sterne wieder da.

April konnte nicht mehr wirklich unterscheiden, ob das Dunkle vor ihren Augen von der allgemeinen Dunkelheit her stammte, oder ob es die Benommenheit war, die der Halbbajoranerin auf einmal zu schaffen machte. Auf jeden Fall fing es hinter ihrer Stirn leicht an zu pochen, und das war eindeutig der harten Liftwand zuzuschreiben, gegen die sie gerade gerumpelt war ...

"Alex, sie können doch nicht so einfach unter mir weg gehen!", fluchte sie. Langsam begann die Situation sie sichtlich zu nerven - und immerhin - wenn sie schon die Luke aufbrach, dann musst dieser Techniker doch ein bisschen was aushalten!

--- Ivory, Raum des Captains

Stille war auf der Brücke der Ivory eingekehrt, nachdem Monserat sich in ihr Büro verzogen hatte, um den Offizieren der Atlantis und Venture über die Crewmen zu informieren, die sie anzubieten hatte. Schließlich durfte man einen ohnehin schon zweifelhaften Charakter nicht ruinieren, indem man die Crew mithören ließ, wie man sie über den grünen Klee lobte, nicht wahr? Vor allem, wenn das Lob ohnehin völlig übertrieben war, denn man wollte die Crew ja so vollständig wie möglich loswerden, um die Ivory endlich wieder bei Gerald auf Risa abliefern zu können.

Francine Monserat hatte es eilig. Niemanden, der den Captain in den letzten Tagen erlebt hatte, wunderte es, als Tarsons Stimme wenig später durch das Schiff halte und die Namen derer verlas, die die Ivory nun verlassen würden - mit dem kleinen Nachsatz, dass sie sich so schnell wie möglich im Transporterraum melden und verschwinden sollten, bevor sie weiter kostbare Ivory-Luft atmeten.

Francine lauschte der Stimme ihres Butlers, wie sie in dem kleinen Raum verklang, und wandte sich schließlich wieder der steinernen Miene Kuzumo Hisakis auf ihrem Bildschirm zu.

"Also, Kuzumo, mein Lieber", sagte sie und lächelte. "Haben Sie heute Abend schon was vor...?"

--- Brücke, kurze Zeit später

Mit einem Zischen schloss sich die Turbolifttür hinter dem letzten Brücken-Crewman und ließ Tarson mitsamt einem Haufen leerer Stühle alleine zurück. Bis auf das allgegenwärtige Summen des Warpantriebes und das gelegentliche Piepsen einer Konsole herrschte absolute Stille auf der Brücke. Als sich Peter Tarson in dem lederbezogenen Kommandosessel zurücklehnte, schallte das Geräusch beinahe unmenschlich laut durch den Raum und ließ den Menschen in seiner Bewegung innehalten.

Allein.

Zwar hatte er über diese Crewabgabe Bescheid gewusst, doch hätte er sich nicht träumen gelassen, dass es so leer und einsam sein konnte. Nicht, dass er ein sehr geselliger Mensch war, nein. Aber trotzdem vermisste er die Crew jetzt schon ein wenig. Weniger wegen der Personen selbst, sondern aus dem einfachen Grund, dass er jetzt wieder die uneingeschränkte Aufmerksamkeit von Francine hatte. Noch hatten er und Francine genug zu tun, als dass sie die ganze Zeit aufeinander trafen, doch sobald sie auf Risa waren und die Ivory wieder an Gerald übergeben worden war ...

Peter dachte den Gedanken nicht zu Ende. Man musste sich ja nicht schon Wochen vorher die Laune verderben. Nein, man sollte das Beste daraus machen. Er warf einen letzten Blick auf den Bildschirm, auf dem immer noch die Atlantis und die Venture zu sehen waren und stand dann auf. Gemächlich schritt er zum Turbolift und beorderte auf dem Weg dort hin Charly auf die Brücke. Schließlich brauchte man während seiner Abwesenheit auf der Brücke einen Anrufbeantworter. Mit einem Lächeln auf den Lippen betrat er den Lift.

"Computer, in die Mannschaftsmesse bitte"

--- Atlantis, Schiffsmesse

Ein paar Sekunden später ließ Ysara sich auf einen Barhocker in der Nähe von Narbo fallen, der den üblichen Beschäftigungen von Barmännern nichts abzugewinnen schien - Gläser polieren in etwa -, sondern den Laden mitscharfen Ferengiaugen überwachte.

"Bringen Sie mir einen Synthenol-Whiskey?", fragte sie und stützte etwas gelangweilt das Kinn auf einen Handballen. Absolut niemand von Interesse war anwesend - wenn man nicht einen sadistischen kleinen Ferengi mit merkwürdigem Humor dazu zählen wollte -, Campbell lag noch auf der Krankenstation und ließ sich von dieser Schwester versorgen, Sternenlicht war in einem Labor verschollen...

"Was meinen Sie, wie stehen die Chancen, dass sich jemand von der Venture-Crew auf die Atlantis verirrt?", fügte sie hinzu, nicht im Geringsten beabsichtigend, irgendjemanden zu therapieren, und versuchte ihr Glück in Small Talk.

Mehr als nur angedeutet runzelte der Ferengi die Stirn. Die Anwesenheit des anderen Schiffes bedeutete natürlich auch Konkurrenz zu seiner Bar, auch wenn Narbo von der Überlegenheit seiner betriebswirtschaftlichen Kenntnisse überzeugt war. Trotzdem gab es nichts besseres, als eine gesunde Monopolstellung.

"Hoffentlich möglichst gut. Nicht, dass ich diesen Haufen von Deppen wieder sehen möchte, aber zusätzliche Kundschaft könnte meinen Profit steigern", antwortete er, während er der Menschen-Frau den replizierten Whiskey in Rechnung stellte. Selbstverständlich hätte sie, zu einem entsprechenden Preis, auch einen echten Laphroaig bekommen können, aber derlei Luxus könnte sich nicht mal der Captain leisten.

Argwöhnisch betrachtete er die Psychologin: "Gibt es einen bestimmten Grund für Deine Frage?"

"Wenn Small Talk oder der generelle Drang, ein paar alten... Freunden die Hand zu schütteln als Grund nicht ausreicht, nein, dann habe ich keinen Grund."

Die Psychologin zuckte mit den Schultern und nahm einen vorsichtigen Schluck von ihrem Drink. Wie immer schmeckte er genau wie echter Whiskey, und wie immer traute sie dem Eindruck nicht, aber Ysara sah sich über Banalitäten wie die Inhalte ihrer Getränke ohnehin erhaben, solange sie schmeckte. Den Rest überließ sie dem medizinischen Personal, zu dem sie sich ungeachtet ihrer zeitweisen Arbeit mit Campbell unter gar keinen Umständen zählte.

"Aber da ich sozusagen auf die Atlantis beschränkt bin, solange McCarthy bei uns vor Anker liegt", bei diesen Worten zog sie eine knappe Grimasse, "hatte ich gehofft, wenigstens auf der Atlantis etwas Abwechslung zubekommen." Nachdenklich spielte sie mit ihrem Glas und ging bei den nächsten Worten Narbos automatisch auf sein Du ein "Also, wenn du eine Werbeaktion planst, um ein paar auswärtige Gäste anzulocken, bin ich dabei. Sagen wir, gegen ein paar Freidrinks?"

Erwartungsvoll sah sie den Ferengi an, während sie überlegte, welche Überzeugungsarbeit es wohl brauchen würde, um Cailin Fakaii in Narbos Bar zu locken.

"Werbung ist teuer!", stellte Narbo kategorisch fest, "Aber etwas Sabotage am Energienetz der Venture wirkt wahre Wunder und ist wesentlich preisgünstiger. Man muss nur Kontakte zu Leuten haben, die gerne Glücksspiel betreiben"

Als Ferengi wusste Narbo, dass für viele Casinos die verlorenen Einsätze nur ein Zubrot waren. Der wahre Profit entstand daraus, dass man die Schuldner zu so ziemlich allem "überreden" konnte, was im eigenen Interesse lag. Dem Barbesitzer hatte nie viel an dieser Branche gelegen - zu viele Nausicaaner mischten sich im Inkasso-Bereich ein.

"Natürlich muss der Saboteur geschickt vorgehen, vielleicht ein abgenutztes Relais einsetzen, sodass es nach kurzer Zeit wie von selbst ausfällt, ohne vitale Systeme zu beeinträchtigen. Ein kurzer Ausfall einzelner Turbolifte wäre allerdings akzeptabel...", fuhr er grinsend fort.

Aber er machte selbstverständlich nur Spaß:

"Ernsthaft: Eine kurze Werbebotschaft, vorgetragen von einer abgebrühten Person, angereichert mit suggestiven Manipulationen und falschen Versprechen, schließlich ins Com-System der Venture eingespeist, könnte einige Unzufriedene herlocken"

Ysara dachte einen Augenblick darüber nach. Die Vorstellung war verlockend, wirklich verlockend.

Sie bezweifelte stark, dass die Stimme einer schiffsweiten Staatsfeindin irgendjemanden auf der Venture dazu bringen würde, die Atlantis zu besuchen - höchstens, um sie zu jagen -, aber McCarthys Gesichtsausdruck war verlockend, in der Tat.

Sie bezweifelte auch, dass Narbo nicht selbst wusste, dass sie für diese Sorte Job vielleicht die falsche war. Sie wollte es sich ja auch schließlich nicht noch mehr mit O'Conner verderben; immerhin war sie sicher, dass das über kurz oder lang noch folgen würde, und man musste es nicht provozieren.

"Es ist natürlich schwierig, der Venture etwas zu bieten...", antwortete sie stattdessen. Wenn sie schon in einer Bar saß, konnte sie auch ihrer Aufgabe als Barbesucherin nachkommen und dem Barmann die unappetitlichen Gerüchte erzählen, die sie kannte. "Wie man so hört, gibt es dort einkleines, inoffizielles 'Partyunternehmen'. Eines von der Sorte, das Mr. Theocrates anziehen könnte"

Einen Augenblick lang schwelgte sie in der Vorstellung eines Theocrates, der bei einer Eskapade auf der Venture dort vergessen wurde. Sie hielt nicht mal ihn für so dumm, aber man konnte ja träumen.

--- Schiffsmesse, vor der Tür

Nachdem Ysara Julian alleine vor der Bar zurück gelassen hatte, war dieser zuerst in Gedanken versunken dagestanden. Erst als er sich der Lächerlichkeit dieser Situation bewusst wurde, setzte er sich mit Ziel Transporterraum 2 in Bewegung.

--- Gänge

Langsamen Schrittes, mit einem PADD in der Hand, ging Julian in Richtung Transporterraum 2, in den die neuen Crewmitglieder von der Ivory herüber gebeamt werden sollten. Laut der Crewliste von Monserat handelte es sich zwar hauptsächlich um Lagerarbeiter, doch bei einem Schiff dieser Größe konnte man immer Leute gebrauchen, die anpacken konnten. Er warf einen Blick auf die Uhr. Noch ein paar Minuten Zeit. Zufrieden nickte er und betrat den Transporterraum. Er liebte es, immer und überall ein wenig zu früh zu erscheinen. Bei Verhandlungen war ihm das stets eine gute Hilfe gewesen.

--- Atlantis, Transporterraum 2

Mit einem Lächeln im Gesicht trat er ein und überraschte damit wohl die junge Frau, die hinter der Transporterkonsole stand. Denn sie zuckte merklich zusammen und verlor einiges an ihrer Gesichtsfarbe, als sie den Captain bemerkte.

Äh ... Guten Tag ... äh Sir ... ich meine Captain", stotterte sie sich zusammen und wurde noch weisser im Gesicht. Noch ein bisschen mehr und man hätte sie für einen Zirilianer halten können. Fehlten nur die Tentakel und das zweite Paar Arme.

"Guten Tag Miss Kenzo", grüßte Julian zurück, während er durch den Raum ging und sich neben der Transporterkonsole positionierte, von wo man am Besten die Neuankömmlinge begrüßen konnte.

Verstohlen warf er einen Blick zu Kenzo, die weiterhin mit blassem Gesicht geschäftig auf der Konsole herum tippte und versuchte, den Captain zu ignorieren. Zum Smalltalk war sie wohl nicht in der Stimmung, vermutete Julian. Nun gut, dann eben nicht. Dann wartete er eben. Gelangweilt wippte er mit den Füßen und schaute sich währenddessen im Raum um.

Ja, nicht schlecht. Alles blitze und blinkte vor Sauberkeit. Nirgends war ein Fleck zu erkennen und selbst die Transporterplattform glänzte, als wäre sie eben erst frisch eingebaut worden. Hut ab. Er musste der Transportercrew wohl mal ein Lob aussprechen.

Wieder blickte er zu Kenzo. Nein, jetzt war eindeutig der falsche Zeitpunkt dazu. Er hatte keine Lust, dass die junge Frau dann endgültig einen Nervenzusammenbruch bekam. Es langte ihr anscheinend schon, dass der Captain anwesend war. Na ja.

"Sagen Sie Miss Kenzo", begann er dann doch, "Wann genau trifft die Crew der Ivory hier ein?"

--- Venture, Transporterraum

Andächtig hatte Kuzhumo Francines Worten gelauscht, und dabei keine Miene verzogen.

Etwas Crew zu übernehmen und der folgende Papierkram war eine kleine Abwechslung zum üblichen Abenteuerersein, das McCarthy für sie alle gewählt hatte. Allerdings wäre es dem Japaner durchaus entgegengekommen, wenn Charles selbst das Gespräch geführt hätte.

Nicht, dass die Sache ihn fachlich überfordert hatte.

Vielmehr brauchte er all seine Selbstdisziplin, um Captain Monserat auch nur zehn Minuten ebenso höflich wie gleichgültig auf dem Bildschirm zu ertragen. Nachdem der offizielle Teil fünf Minuten gedauert hatte, war er eine gute halbe Stunde damit beschäftigt gewesen, die Frau von ihrem persönlichen Anliegen abzubringen.

Abendessen. Bei Kerzenschein. Mit IHM. Tsts...

Erst die wahrheitsgetreue Anmerkung, dass er absolut kein Geld besaß, brachte beiläufig eingeworfen wahre Wunder. Bis dahin hatte sie ihn immer weiter in die Ecke gedrängt, zum zehnten Mal erwähnt, wie wundervoll doch die Namen seiner Töchter seien...

"Sir, die Ivory ist jetzt bereit für den Transport. Und ich soll Ihnen von Captain Monserat ausrichten, dass...", meldete der Transportertechniker, aber Kuzhumo unterbrach ihn sofort mit einer Handbewegung. Er hatte genug Schmerzen für heute ertragen.

Stattdessen antwortete er: "Dann beamen Sie die Crew jetzt herüber..."

--- Krankenstation

Alnak war wach. Und das schon seit mehreren Minuten. Zwar fühlte er sich immer noch etwas schwach, doch sein Geist arbeitete schon wieder zu 100 Prozent. Und auch sein Magen. Denn der forderte schon wieder seinen Kaffee ein, der zeitlich gesehen schon längst wieder fällig war. Doch Cailins Gesichtsausdruck nach zu urteilen, musste der noch ein wenig warten.

Schließlich hatte sie ihm direkt nach dem Aufwachen eingetrichtert - da hatte er schon zwei Mal gefragt - dass er die nächsten acht Stunden keinen Kaffee zu sich nehmen dürfe. Es könnte zu unvorhersehbaren Wechselwirkungen mit den verabreichten Medikamenten kommen, hatte sie gesagt. Was für ein Unsinn. Als würde replizierter Kaffee irgend einen Einfluss auf seinen Körper haben. Da könnte man auch gleich behaupten, Synthehol wurde betrunken machen.

Er schüttelte den Kopf und begann sich umzuziehen. Raus aus dem Krankenkittel und rein in die frisch replizierten Maschinenraumklamotten. Hah, da fühlte man sich doch gleich viel besser. Yhea schob den Vorhang, der das Bett umgab, beiseite und trat zu Cailin, die an einer Konsole stand und vertieft arbeitete. Als sie den Romulaner bemerkte, schaute sie auf.

"Sie sind unverbesserlich", sagte die Vogelfrau und schüttelte den Kopf, "Ich hätte Sie doch noch etwas länger schlafen lassen sollen"

"Ach quatsch", winkte Yhea mit einem Lächeln ab, "Mir geht es gut. Und nach einer leckeren Mahlzeit und nach ihrer verordneten Ruhepause wird es mir noch besser gehen"

Cailin reagierte darauf schon gar nicht mehr, sondern wandte sich wieder ihrer Arbeit zu und Yhea hatte nun wirklich soviel Hunger, dass es Zeit wurde, endlich was zu essen. Deswegen verabschiedete er sich, dankte noch mal für die Behandlung und verließ dann die Krankenstation.

--- Turbolift

"Glauben Sie etwa, ich bin freiwillig zusammengebrochen und habe mich der Gefahr ausgesetzt, dass Sie auf mich drauf fallen und sich verletzten? Bestimmt nicht", versuchte Alex entschuldigend entgegen zu bringen, während er vom Boden aufstand und die Sterne vertrieb, die um ihn herum tanzten.

"Aber nachdem Sie den Lukendeckel auf mich geschmissen haben, blieb mir einfach keine andere Möglichkeit. Schließlich ist der Deckel nicht gerade leicht gewesen und meine Schulter ist nun mal nicht unverwüstlich"

Er versuchte tief durch zu atmen, um die ein wenig angespannte Situation zu entschärfen.

"April, hören Sie. Es tut mir leid. Aber bitte bewerfen Sie mich nicht wieder mit irgendetwas, wenn wir es noch einmal versuchen, ok?"

Ein breites Grinsen legte sich auf das Gesicht der Kriegerin, das Alex Dank der Dunkelheit nicht sehen konnte. Die Schlagkräftigkeit des Technikers gefiel der Halbbajoranerin und sie beschoss noch ein bisschen in die Offensive zu gehen.

Wieder tastete sie nach Alex Schulter, der sich schon gebückt hatte, um ihr wieder nach oben zu helfen. Doch entgegen seinen Erwartungen setzte die Halbbajoranerin ihren Fuß nicht in die Leiter, sondern packte ihr Gegenüber auch an der andern Schulter, um ihn mit einem Ruck fest an die nahe Wand der Kabine zu drücken.

Für einen kurzen Moment herrschte eine undefinierte Stille.

"Sind sie da vollkommen sicher ...?", flötete April während sie langsam ihren warmen Atem neben seinem Ohr entweichen lies.

Ein wohliger Schauer lief über Alex Rücken, als April ihm ins Ohr hauchte und gegen die Kabinenwand drückte. Der Schmerz in seiner Schulter war auf einmal wie weggeblasen und die Sterne, die vorhin noch munter um seinen Kopf geflogen waren, hatten sich jetzt seinen Bauch als neues Ziel ausgesucht und tanzten nun mit den Schmetterlingen um die Wette.

"Vollkommen sicher", antwortete Alex nach einer für ihn halben Ewigkeit und schluckte trocken, "Sie müssen wissen, ich bin nicht so der harte Typ Mann, der auf Schmerzen und sowas steht. Alles was übers Knabbern hinaus geht, bereitet mir Unbehagen" Er stoppte in der Hoffnung, dass April seine unsichere und zitternde Stimme nicht bemerkte, mit der er versuchte, die Situation für sich einigermaßen schonend zu retten.

Ein leichtes, zustimmendes Raunen kam über die Lippen der Halbbajoranerin. Ihre Abenteuerlust war nun endgültig geweckt. Für einen kurzen Augeblick haderte sie noch mit ihrem Gewissen, doch die Versuchung die ihr gegenüber stand war einfach zu groß. Wann hatte sie eigentlich das letzte Mal geliebt?

"So, Knabbern..." E in lange vermisstes Kribbeln machte sich in Aprils Körper breit, als ihre Lippen begannen, unschuldig über Alex rechtes Ohr zu streichen.

Alex Sterne und Schmetterlinge im Bauch explodierten. Ein Hitzeschwall überflutete seinen Körper und jagte ein Kribbeln bis in alle Nervenenden. Erregt schloss er die Augen und hielt die Luft an, als sich die Zähne von April sanft in sein Ohrläppchen bohrten. Vorsichtig versuchte er, sich aus Aprils Griff zu befreien, doch sie drückte ihn weiterhin fest gegen die Turboliftwand. Er war ihr wohl ausgeliefert.

Langsam wanderten Aprils Zähne und Lippen seinen Hals herunter, ließen keinen Fleck der Haut aus und näherten sich dann seinem Mund. Alex drehte etwas den Kopf und empfing ihren Mund mit dem seinen. Fest pressten sie die Lippen aufeinander und seine Hände, die bisher untätig herum gehangen hatten, ergriffen die Taille von April und zogen sie zu sich heran.

Ein heißer Adrenalinstoß wanderte durch den Körper der Halbbajoranerin, ließ ihr ein weiteres Seufzen entlocken und für einen kurzen Augenblick hatte April das Gefühl, Alex Hände würden sich förmlich in ihre Hüften einbrennen. Ihr Brustkorb begann sich schneller zu bewegen und die junge Frau begann, die wohlige Wärme, die von dem Körper des Terraners ausging, sichtlich zu genießen.

Langsam löste sich April rechte Hand von Alex Schulter und suchte sich einen neuen Platz in seinem Nacken. Gleichzeitig drückte sich die Taille der Kriegerin noch ein wenig fester gegen sein Becken, was das erregte Kribbeln in ihrem Magen eindeutig verstärkte. Die Welt um sie herum schien in diesen Minuten um einige Grad wärmer.

Wie ein Meteroid beim Eintritt in die Erdatmosphäre fühlte sich Alex bei der innigen Umarmung von April und den wilden Küssen, die Beide austeilten. Wahrscheinlich würde es wirklich nicht mehr lange dauern, bis er zu einem Häufchen Asche verglühte, auch wenn er dabei nicht so hell leuchten würde.

Alex Hände hatten sich inzwischen von der Hüfte gelöst und strichen zärtlich über den starken Rücken der Bajoranerin, immer entlang der athletischen Muskelstränge, die sich schwach unter der eng anliegenden Uniformjacke abzeichneten. Wie gerne nur würde er ihr jetzt diese Jacke vom Leib reissen, nur um ihre Haut zu spüren, die unbändige Wärme, die von ihr ausging, den Geruch ...

Wie als hätte sie seine Gedanken gelesen, begann April, sich an seiner Jacke zu schaffen zu machen, unterbrach dabei jedoch nicht die vielen Küsse und die Nackenmassage, sodass es beinahe schon grotesk aussehen musste, wie die junge Frau mit einer Hand Alex ausziehen wollte. Doch da es dunkel war und auch keiner zusah, war es egal, zumal Alex angefangen hatte, ihr zu helfen.

Langsam aber sicher arbeiteten sich die Hände tiefer und als April mit ihrer Hand über seine nackte Brust strich, erstarrte Alex wie elektrisiert. 'Ja, jaaaa', geisterte es durch seinen Kopf und ließ ihn innerlich jubeln, während er sie erneut küsste.

Lust ... Das war genau der richtige Begriff um diese Situation zu beschreiben. Heiße, brennende Lust - ein Gefühl das die Halbbajoranerin sichtlich gierig machte.

Nach ein paar Augeblicken lösten sich Aprils Lippen von denen des Terraners und begannen langsam an seinem Hals hinunter zu gleiten. Eine feuchte Spur hinterlassend bahnten sie sich ihren Weg zu seiner Schulter und verharrten dort. April genoss Alex warme Hände auf ihrem Rücken und ließ dann während einer Sekunde, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam, langsam ihren Kopf in den Nacken gleiten.

Ein genießerisches Seufzen verließ ihre Lippen, und verlor sich in der Dunkelheit der Kabine.

Aprils Seufzen schallte wie ein Echo durch den Turbolift und ließ die Luft um sie herum beinahe erbeben. In einer fließenden Bewegung senkte Alex den Kopf und küsste den zarten Hals der Bajoranerin, während er ihr langsam das Oberteil auszog. Ihr Atem rauschte in seinen Ohren und ihre Körperwärme, die ihm entgegen wallte, ließ in beinahe erzittern.

Seine Hände strichen über ihren glatten Bauch, während seine Lippen den Platz an ihrem Hals verlassen hatten und ihren Weg weiter nach unten nachgingen. Er spürte, wie sich ihr Brustkorb bei jedem Atemzug hob und sank. Auf seinen Lippen hatte er den leicht salzigen Geschmack von Aprils Haut und ihr Körpergeruch hing wie eine Droge in seiner Nase.

Während er ihr Dekollete mit Küssen eindeckte, glitten seine Hände höher und höher, strichen über ihre Seiten und erreichten dann ihre wohlgeformten Brüste. Wie als wären sie aus Glas und würden sofort zerbrechen, streichelte er über sie, fuhr ihre Konturen ab, berührte die Brustwarzen ... es war als wäre er in einem Traum und die einzige Hoffnung die er hatte war, dass der Traum nicht zerplatzte wie eine Seifenblase.

Aprils Hände wanderten langsam und vorsichtig über Alex Schultern, an seinem Hals entlang und vergruben sich dann in seinen Haaren. Seine Berührungen taten so unheimlich gut, dass die Halbbajoranerin fast versucht war diese ganze Situation für einen irrwitzigen Traum zu halten. Und vor allem: Wie lange würde es noch dauern, bis der Turbolift endgültig in die Tiefe rauschte? Oder viel schlimmer - wann würde man sie hier heraus holen. Ein breites Grinsen legte sich auf Aprils Gesicht - hoffentlich würde es noch sehr lange dauern ...

Aprils Finger wurschtelten in Alex Haaren, brachten seine Frisur durcheinander und zogen ihn dann zu sich hoch. Wieder versanken sie in einen intensiven und langen Kuss und ihre Zungen verdrehten sich in einem komplizierten Muster.

Langsam setzte April das Entkleiden des Techniker fort, öffnete vorsichtig den Gürtel und danach einen Knopf nach dem anderen an der Hose. Alex streichelte weiter ihre Brüste, küsste sie leidenschaftlich und genoss ihre absolute Nähe. Also endlich sämtliche Hindernisse gelöst waren und die Hose der Schwerkraft nach zu Boden gefallen war, drückte Alex die junge Bajoranerin fest an sich.

Er spürte ihre steifen Brustwarzen auf seiner Brust, bemerkte ihren Atem und die Brustkorbbewegungen, die Hitze, die von ihr ausging. Seine Hände gruben sich in ihre Pobacken, drückten seine und ihre Hüften noch näher zusammen, als wären sie Eins.

Mit einem leichten Lächeln nahm die Halbbajoranerin Alex enorme Erregung war, die sich (leider) noch unter einer dünnen Boxershorts verbarg. Aprils Hände legten sich auf seiner Brust ab und verweilten für ein paar Augenblicke dort - dann begann ihre rechte Hand sich langsam und genüsslich ihren Weg wieder nach unten zu bahnen, bis sie den Saum seiner Unterwäsche erreicht hatte.

Bei dem Gedanken an das, was nun wohl als nächstes passieren würde, rann April ein heißer Schauer über den Rücken. Die Lust, die in diesem Momenten ihr loderte, war kaum zu beschreiben. Ein Gefühl, dass sie fast süchtig werden ließ.

Ein leichtes Stöhnen kam über Alex Lippen, als Aprils Hüfte der Hand ein klein wenig Platz machte, um nun endgültig in den Shorts zu verschwinden.

Sanft, aber bestimmend, begann die Kriegerin langsam das Glied des Technikers zu massieren ...

Alex hielt die Luft an, während das Blut in seinen Ohren rauschte. Das Blut pochte in seinem besten Stück, angeheizt durch die wohlige Massage von Aprils Hand. Sie verstand es, die richtige Abwechslung zwischen zärtlichem Streicheln und festem Zupacken zu finden und trieben den Techniker beinahe in die Bewusstlosigkeit.

Wirre Gedankenfetzen durchzogen seinen Kopf, doch Alex konnte sie nicht fassen. Stattdessen gab er sich ganz der Ekstase hin, den Gerüchen und Geräuschen die ihn umgaben.

Während April weiterhin sein Glied bearbeitete, fielen die letzen Kleidungsstücke, die Beide noch an ihrem Leib getragen hatten. Kurz öffnete Alex seine Augen, doch das fehlende Licht in der kleinen Kabine verhinderte, dass er Aprils nackten Körper sehen konnte. Stattdessen zauberte seine Phantasie die eventuell passenden Bilder hervor. Doch jetzt im Moment war das Aussehen nicht wichtig. Nein, es gab andere Dinge, auf die es sich zu konzentrieren galt.

Seine Hände begannen wieder mit ihrer Entdeckungsreise, strichen über ihre Hüfte, ihren Po. Ihre Schenkel zerflossen beinahe unter seinen Berührungen und er spürte, wie sich die feinen Härchen durch eine Gänsehaut aufrichteten, als er die Innenseiten erreichte.

--- Venture, Transporterraum

Das gewohnte Prickeln des Transporters ließ langsam nach, und mit einem Mal nahm die Welt um sie herum wieder Konturen an. Vorsichtig lies die Pilotin ihren Atem entweichen, ein Shuttleflug wäre ihr doch um einiges lieber gewesen, und ein leiser Seufzer kam über ihre Lippen.

Kurz blickte Cheyenne sich um. Der Transporterraum der Venture war ein wenig größer als der der Ivory, und auch das modernere Föderationsdesign machte sofort den Unterschied zu einem bajoranischem Frachter klar ersichtlich. Ein leichtes Lächeln legte sich auf das Gesicht der Terranerin - schon wieder hatte sie sich dabei erwischt, ein wenig sentimental zu werden.

Cheyenne schulterte ihre Reisetasche und trat neben dem Vulkanier von der Plattform herunter. Sie richtete einen erwartungsvollen Blick in Richtung des Japaners, der hinter der Transporterkonsole stand, und für einen kurzen Moment war die Pilotin versucht, in allgemeiner Sternenflottenmanier zu salutieren.

Doch sie entschied sich dagegen und beließ es bei einem schlichten Kopfnicken.

"Hallo! Wir sind die neuen Besatzungsmitglieder. Das ist S'Tom ... und ich bin Cheyenne Morgan."

S'Tom war neben der Pilotin auf der Plattform materialisiert. Auch er machte einen schnellen Blick durch den Raum, während er sein - weniges - Gepäck aus der Mitte der Plattform holte. Standard-Sternenflotten-Layout... Ein Mensch mittleren Alters, dessen Phänotyp wohl auf die japanischen Inseln auf der Erde zurückzuführen war, hinter der Konsole, als einzige andere Person im Raum.

Er hatte es geschafft. 'An Bord der Venture... Damit geht mein Auftrag in die 2. Phase...' Francine Monserat hatte die Crew anscheinend nicht schnell genug versetzen können, das war dem Agenten aber nur recht.

Gemeinsam mit Cheyenne schritt der Vulkanier von der Plattform herunter.

Glaubte sie, er könnte nicht für sich selber sprechen?

"Dif-tor heh smusma", sprach S'Tom den Menschen an, während er seine Hand zum Vulkanischen Gruß hob.

"Ich begrüße Sie an Bord der Venture", wandte dieser sich zunächst an die Terranerin, um dann die traditionelle Grußformel des Vulkaniers zu erwidern, "Sochya eh dif - mein Name ist Kuzhumo Hisaki und ich bin der Erste Offizier"

Nur mit Mühe konnte der Japaner sich zügeln, den vor ihm stehenden Mann unfreundlich zu mustern: Francine hatte nicht übertrieben; der Vulkanier überragte den Asiaten um Haupteslänge, zudem deutete ein Okularimplantat auf eine, gelinde gesagt, bewegte Vergangenheit hin.

Gegenüber dem Vulkanier verblasste die Frau merklich, aber aus den Erzählungen von Monserat wusste Kuzhumo, dass sie eine ebenso fähige Pilotin war, wie S'Tom ein hervorragender Ingenieur.

Allerdings hatte ihr Bruder Ähnliches auch von Jones Abraham behauptet...

Gelassen löste er sich von jeder Erwartungshaltung, die sein Geist unterbewusst aufgebaut hatte: McCarthy bestand darauf, dass jedes Mannschaftsmitglied sich täglich neu bewähren musste. Ein Festhalten an erreichten Zielen konnten sie sich auch nicht leisten.

"Der Captain ist leider verhindert, aber Captain Monserat hat mich umfassend informiert", fuhr er fort, nicht ohne genau zu wissen, dass Kommandanten der Ivory negative Vorfälle grundsätzlich verschwiegen, "Sie werden durch die Fachvorgesetzten in Ihre Aufgaben eingewiesen werden; bei Miss Morgan werde ich diese Aufgabe übernehmen. Allgemein ist anzumerken, dass an Bord der Venture..."

Pflichtbewusst klärte der Japaner sämtliche Fragen bezüglich des fehlenden Uniformzwangs, der üblichen Arbeitsweise, der Quartiervergabe etc., die üblicherweise von Neuankömmlingen nach der Begrüßung gestellt wurden.

Und ebenso war Hisaki sich sicher, dass zumindest die Terranerin in wenigen Tagen alle genannten Antworten ignorieren würde, wie es jungen Leuten eigen war.

"...haben Sie noch Fragen? Ansonsten zeige ich Ihnen Ihre Quartiere", schloss der Erste Offizier seinen viertelstündigen Monolog, währenddessen der Vulkanier, so der Eindruck des Japaners, kein einziges Mal gezwinkert hatte.

Nun gut - einen positiven Punkt hatte die Sternenflottenausbildung doch gehabt! Cheyenne hatte im Laufe der Zeit gelernt, geduldig auf das Ende eines langweiligen Vortrags zu warten. Zwar waren die Informationen die sie bekamen durchaus wichtig, nur war die Pilotin der Ansicht, dass sich solche Sachen doch immer noch besser bei einer Tasse Tee bereden ließen ...

--- Gänge

Zügigen Schritts folgten die beiden Neulinge dem 1. Offizier durch die Gänge des Schiffes, und für ein paar Minuten herrschte Stille - eine Stille, die die Pilotin schon fast als unangenehm empfand.

Doch ein skeptischer Blick zu S'Tom machte der jungen Frau klar, dass dieser wohl keine Probleme hatte, sich von der kommunikative Seite so effizient fortzubewegen. Innerlich schüttelte Cheyenne den Kopf.

Mit ein paar schnellen Schritten holte sie zu Hisaki auf.

"Mr. Hisaki, ich habe noch eine Frage - was genau hat die Venture für eine Mission? Das ist bei ihrem Vortrag vorhin leider nicht so ganz rüberkommen!" Erwartungsvoll blickte Cheyenne zu dem Japaner auf.

Eigentlich wunderte es Hisaki kaum, dass Francine diesen Teil der Geschichte ausgespart hatte - immerhin neigte sie zu einer sehr mangelhaften Informationspolitik an Bord der Ivory.

"Bis zum Ende der romulanischen Besatzung der föderierten Gebiete werden wir für deren Rückgabe kämpfen und den Zivilisten gegen die Okkupatoren beistehen. Aber ein großer Teil unserer Mission ist auch technische Hilfe und die Beschaffung der notwendigen Ressourcen", fasste der Japaner die Situation der Venture zusammen, "Natürlich werden wir von der Sternenflotte als abtrünnige Rebellen gejagt, aber da sie beide ihre Offizierspatente niedergelegt haben, droht ihnen keine Anklage vor einem Kriegsgericht"

Freilich konnte ein Zivilgericht der Förderation sie immer noch wegen Verrat, Gewalttaten oder Verstöße gegen Waffengesetze verurteilen; von den Folgen eines romulanischen Tribunals ganz zu schweigen, auch wenn die Romulaner sehr selten Gefangene nach der Folter an ordentliche Gerichte übergaben...

Für einen kurzen Augeblick dacht die Pilotin über Hisakis Worte nach. Warum wunderte sie sich nicht sonderlich darüber, dass sie wohl schon wieder in ein zwielichtiges Abenteuer hineingezogen wurde?

Nun, wenigstens konnte sie sich ja immer noch dem Idealismus hin geben!

S'Tom ließ sich den 13,9-minütigen Vortrag des ersten Offiziers von vorhin nochmals genau durch den Kopf gehen - es befanden sich einige durchaus auch für die Berichte relevanten Informationen darin - während er im Gehen die Umgebung genau betrachtete. Abgesehen davon, dass sich die Crew ohne Uniform durch die Gänge bewegte, bemerkte er vorerst nur wenige Unterschiede zu einem normalen Sternenflottenschiff.

Für die Erklärung der Mission des Schiffs unterbrach die ehemalige Drohne aber diesen Gedankengang.

"Dann bin ich ja genau auf das richtige Schiff gekommen. Ich empfinde es als irrational und unlogisch, dass die Föderation diese unrechtmäßige Besetzung einfach hinnimmt."

Zum Glück hatte sein Geheimdiensttraining und auch seine Borg-Zeit seinen vulkanischen Drang zur Wahrheit stark abgeschwächt, wenn auch nicht ganz beseitigt. Es war ihm immer etwas... unwohl? Er fand die Wortwahl zwar sehr unpassend.

Die Beschreibung der Mission wurde ja durchaus großteils friedfertig dargestellt. 'Mal sehen, ob das auch in der Praxis zutrifft. Auch wenn sie Verräter sind, "humanitäre" Hilfe ist kein Verbrechen.'

Anerkennend musterte Hisaki den Vulkanier. Mannschaftsmitglieder mit derlei Idealismus brauchte die Venture. Und nicht irgendwelche Abenteurer, Kriminelle oder Taugenichtse, die den ganzen Tag nur an sexuelle Orgien dachten, wie es anscheinend in Mode gekommen war.

"Vielleicht wird auch der Rat der Föderation irgendwann diese Einstellung teilen. Bis dahin sind wir wohl auf uns allein gestellt", antwortete der Japaner, während sie vor einem Turbolift warteten, "Nun, wollen sie zunächst die Abteilungen oder ihre Quartiere sehen?"

"Ich denke es macht Sinn, wenn wir zuerst die Quartiere aufsuchen. Dann können wir beide unsere Taschen los werden und müssen sie nicht unnütz in der Gegend rum tragen" Mit einer wagen Handbewegung deutete Cheyenne in die Richtung der beiden Reisetaschen, die S'Tom und sie dabei hatten.

Das stumme Nicken des Japaners fasste die Pilotin als ja auf.

--- Gänge, Deck 3

Wenige Minuten später erreichte die kleine Gruppe unter Führung des Japaners den Flur des Hauptmannschaftsdecks. Die einzelnen Quartiere wiesen kaum Unterschiede in der Ausstattung auf, lediglich die Grundfläche schwankte geringfügig. "Cheyenne, Ihr Quartier ist Nummer 47", kam er schließlich zum Stoppen und deutete auf eine entsprechend beschriftete Tür, "S'Tom, Sie beziehen Nummer 71 direkt gegenüber"

Tatsächlich waren die Türen kaum fünf Meter voneinander entfernt und lediglich durch den Gang getrennt, was den großen numerischen Unterschied erklärte.

"Es ist wohl besser, wenn Sie sich zunächst etwas von dem Transfer ausruhen und Ihre neuen Räumlichkeiten beziehen. Der Arbeitsantritt wird Ihnen dann sicher einfacher fallen. Die Mannschaft hat vom Captain einen allgemeinen Erholungsurlaub genehmigt bekommen, dementsprechend ist nur eine Grundcrew im Dienst. Die Führungsoffiziere werden Sie wohl eher in der Schiffsmesse als auf den Stationen antreffen", fügte Kuzhumo in einer spontanen Laune hinzu, die sonst so gar nicht seinem Naturell entsprach, "Falls Sie Fragen haben, stehe ich per Kommunikator zur Verfügung. Ein Exemplar sollte sich jeweils in den Quartieren befinden"

Nachdem beide Neuankömmlinge damit einverstanden zu sein schienen und Ihre neuen Gemächer betraten, machte sich der Japaner auf den Weg zur Brücke. Ein Personalbericht musste noch gemacht werden...

--- Gänge, Deck 5

Mit knurrendem Bauch marschierte Yhea durchs Schiff, geradewegs auf die Schiffsbar zu. Im Geiste war er schon damit beschäftigt, was er essen sollte. Was herzhaftes? Was Süßes? Oder vielleicht Beides in einem? Kandarianische Waffeln, bajoranischer Pilzauflauf oder wie wäre es mit was Romulanischem? Noch besser, er ließ eCroft was aussuchen. Dann konnte er sich in einem noch überraschen lassen. Genau, so ...

Er wurde jäh in seinem Gedankengang unterbrochen, als er mit Wagenvoort zusammenstieß, der überraschend um die Ecke gebogen kam und wohl genauso wenig aufgepasst hatte wo er hinlief, wie Alnak. Wagenvoort, aus dem Gleichgewicht gebracht durch Alnaks Schwung, ruderte wild mit den Armen, bis er sich wieder gefangen hatte und sich an die Wand stützte.

"Verzeihen Sie", entschuldigte sich Yhea, "Ich war etwas in Gedanken. Ich hoffe, Ihnen ist nichts passiert?"

"Grundgütiger!", entfuhr es Ruben nur, als er sich zitternd an die Kante einer Verkleidung klammerte. Wie bei einem in einen Hinterhalt getriebenem Tier rasten seine Augen durch die Gänge, ehe er den Romulaner vollends bemerkte und sich wieder entspannte.

Zunächst diese nervenzerreißende Störung vor zehn Minuten und nun der Zusammenstoß mit dem Cheftechniker! Der Niederländer wagte nicht sich auszumalen, was hätte passieren können. Wie fraktale Puzzle tauchten vor seinem inneren Auge Bilder von Trümmerbrüchen und schlimmerem auf.

"Ähh, ich war wohl auch noch in Gedanken", entschuldigte er sich schließlich auch, nicht ohne erklärend anzumerken, "Bemerkten Sie schon mal dass, nun, wenn man diese Kreise da auf dem Teppich verbindet - also mit ein paar Geraden - jedenfalls ergibt sich ein invers dargestelltes Zeichen, welches von Mönchen in Tibet verwendet wurden, um das Prinzip der Enthaltsamkeit zu verdeutlichen? Ob das wohl Absicht der Sternenflotte ist?!"

Fragend schaute Yhea den Niederländer an und folgte dann seinem Blick zum Teppich und dessen Muster. Mehrere Sekunden starrte er zu Boden, versuchte das zu finden, von dem Ruben sprach und schüttelte dann den Kopf.

Ja, war er denn total irre? Jetzt machte er sich schon Gedanken über das Teppichmuster. Wobei er es sowieso total hässlich fand. Das war ihm damals schon am ersten Tag aufgefallen, als er auf die Venture gekommen war, doch das war nun mal nebensächlich. Es gab viele Dinge, die er unschön fand, oder besser gesagt, die er nicht ausstehen konnte, worüber er sich aber mitnichten drüber auslassen wollte. Und am wenigsten mit diesem bekloppten Sicherheitschef.

"Ganz bestimmt", sagte Yhea trocken und riss seinen Blick von dem Muster im Teppich los, "Oder haben Sie schon mal was gesehen, welches den Ursprung in der Sternenflotte hat und keine sinnvolle Aufgabe besitzt?"

"In der Tat, in der Tat", murmelte der Niederländer, nachdem er der Antwort so gut wie gar nicht zugehört hatte. Stattdessen hatte er sich leicht gebückt, was angesichts seiner schlaksigen Statur und der mangelnden Motorik höchst unpassend wirkte, um das Muster ganz genau zu betrachten.

So starrte er einige Sekunden, bis er sich schließlich wiederaufrichtete, nicht ohne ein unangenehmes Knacken in den Knien zuhören. Unbewusst wischte er sich durch die Augen, die durch die Anstrengung errötet waren und tränten.

"Wahrscheinlich soll es unterbewusst zur Moral beitragen", fasste er seine Erkenntnisse vorerst zusammen, "Ähh, wohin wollten Sie eigentlich gerade?"

"Ich bin gerade von der Krankenstation entlassen worden und war eigentlich auf dem Weg zum Tanzenden Liebesdiener, um da mein nicht kuriertes Hungergefühl zu heilen", sagte Yhea, und sein Bauch knurrte zur Bestätigung.

"Normalerweise habe ich ja kein Problem mit dem auf der Krankenstation servierten Essen, doch dieses Mal ...", er unterbrach kurz und ließ das Ende des Satzes unheilvoll im Raum schweben, oder besser gesagt durch die Gänge wehen.

"Was würden Sie denn sagen, wenn sie etliche Stunden im Koma gehalten werden und noch nicht mal etwas zum Essen bekommen würden?"

"Ähh, ich wäre wahrscheinlich froh, überlebt zu haben", antwortete der Niederländer wahrheitsgemäß und war dabei unbewusst losgegangen. Die Worte des Ingenieurs hatten ihn hungrig gemacht und nach diesem aufregenden Tag hatte er sich eine Stärkung verdient!

Vielleicht eine frische Portion Spargel mit Sauce Hollondaise oder ein deftiger Brokkoliauflauf, wie ihn seine Mutter manchmal gemacht hatte...

Eh er sich versah, waren sie vor der Schiffsmesse angekommen.

Der Romulaner war ihm unauffällig gefolgt, aber in dessen Augen war einunbändiges Bedürfnis nach Nahrung zu erkennen. Ruben hatte einmal gelesen, dass man nie zwischen Raubtiere und ihre Beute kommen sollte, wenn man nicht selber angefallen werden wollte.

Nun...sicherheitshalber drückte er sich näher an die Wand und löste in jenem Moment den Türsensor aus - "Der Tanzende Liebesdiener" lag direkt vor ihnen.

--- Atlantis, Transporterraum 2

Das Summen des Transporters nahm der jungen Frau die Antwort ab und Julian drehte sich zu der Transporterplattform um, auf der im Eindämmungsstrahl schon die Umrisse von mehreren Personen zu erkennen waren. Sekunden später war der Transport abgeschlossen und O'Connor stand fünf Personen gegenüber, die ihn ein wenig nervös anschauten.

"Willkommen an Bord der Atlantis", begrüßte er die Neuankömmlinge mit einem breiten Lächeln, "Ich bin Julian O'Connor, der Captain dieses Schiffes und ..."

Sein Kommunikator zirpte und unterbrach ihn mitten in seiner Begrüßungsrede. Etwas angesäuert entschuldigte er sich bei den Neuen und öffnete den Kanal.

"O'Connor hier, wer stört?", fragte er.

"Hier ist die Brücke, Sir. Wir haben gerade eine Nachricht von Tau Alpha 7 bekommen. Sie ist an Sie adressiert und wohl sehr dringend"

Julian überlegte kurz, doch ihm viel kein Grund ein, wieso Tau Alpha sich melden sollte. Doch ohne bestimmten Grund meldeten die sich nie.

"Ich werde die Nachricht in meinem Büro entgegen nehmen. Leiten Sie sie dort hin. O'Connor Ende."

"Verzeihen Sie", wandte er sich dann wieder an die neuen Crewmitglieder, "Wichtige Geschäfte dulden keinen Aufschub. Miss Kenzo wird Ihnen Ihre Quartiere zuweisen und alle Ihre Fragen beantworten. Wenn Sie mich also entschuldigen würden ..."

Er nickte Kenzo noch kurz zu und verschwand dann in Richtung Büro.

--- Atlantis, Schiffsmesse

Unwirsch schnaubte der Ferengi. Er war froh, wenn er sich Pormas Freizeitgestaltung gar nicht erst ausmalen musste. Dann noch an eine ganze Gemeinde solch ekelerregender Wesen zu denken, die kopulierend vor sich hinvegetierten. Aber letztlich blieb nur eins zu sagen:

"Solange die hier gut zahlen würden, können die woanders machen, was sie wollen. Das Neupolstern besudelter Sessel ist jedenfalls zu teuer!", gab er funkelnd zurück, "Andererseits kann dies als Köder nicht schaden - haben Sie Kontakte zu dieser Szene?"

Die Psychologin dachte einen Augenblick lang nach, bevor sie bedauernd mit den Schultern zuckte. "Der einzige Kontakt, der mir auf der Venture verbleibt, ist ein verheirateter Ladearbeiter mit unterdrücktem homosexuellem Fetisch. Und selbst in diesem Fall könnte es sein, dass er sich ein wenig ärgert, weil er mir versehentlich geholfen hat, ein Shuttle zu stehlen", antwortete sie schließlich trocken und ein wenig missmutig.

Nachdenklich schwenkte sie ihr Whiskeyglas. Es war langweilig hier. Die Venture war da und sie durfte sie nicht betreten - oder das zumindest sagte O'Conner. Leider hatte es wenig Sinn, auf dem anderen Schiff herum zuspazieren, wenn sie keinen offiziellen Schutz im Rücken hatte...

Ein paar Sekunden vergingen, bis sie schließlich zu einem neuen Thema anhob. "Sagen Sie, Mr. Narbo. Was halten Sie bisher vom Führungsstil des Captains?"

"Wenn ich welchen bemerkt habe, sage ich Bescheid", gab der Ferengi nur grinsend zurück. Der Mensch kümmerte ihn kaum, er war schließlich Besitzer der Bar und selbst wenn O'Connor das Schiff um sein Etablissement herum befehligte, war er für Narbo nicht besser als jeder andere Kunde auch.

Der Captain bekam genauso verdünnte Drinks und zu trockene Salzstangen. Seit dem Ende der Privateer hatte die Welt sich aber auch geändert:

Keine Silvana, die einem ohne zu Zucken das Rückrat rausgeschnitten hätte, niemand vor dem man Angst und Respekt haben konnte...

"Er ist ein verdammter Demokrat und irgendwann werden sie ihm deshalb die Kehle aufschneiden", fügte er dann nach einigen Sekunden ernster hinzu, nicht ohne zu bemerken, dass Bedauern in den Worten mitschwang...

Ysara warf dem Ferengi einen ungläubigen Blick zu, als sie seinen Tonfall bemerkte. Großartig. Ganz großartig. Ein nur scheinbarskrupelloser Ferengi mit semi-bewussten Sympathiegefühlen für den inkompetenten Captain...

"Dann hoffe ich, dass wer auch immer "sie" sind, sie sich damit beeilen", brachte sie gequält hervor und winkte mit ihrem Glas in der Hoffnung, dass Narbo der Aufforderung nach einem neuen Drink rasch nachkäme. Was er in der Tat tat. Die Psychologin lehnte sich missmutig mit dem Kinn auf den Handballen, während er ihn eingoss.

Auf der Venture hatte es nicht geklappt. Hier klappte es auch nicht. Wo auch immer sie hinging, sie stieß auf diese Captains...

Dann stellte Narbo das Glas vor ihr ab, und Ysara nahm einen großen Schluck.

"Sagen Sie", fragte sie plötzlich und fuhr nachdenklich mit einem Finger die Ränder des Glases nach, "Auf welchem Deck ist eigentlich die Shuttlerampe?"

Die Stirn in Falten schlagend murmelte der Ferengi die Antwort. Irgendwas ging in der Frau vor sich und darüber machte Narbo sich Sorgen.

Immerhin stand sein Shuttle auch auf Deck 13!

"Egal was Du vorhast und was für ein Idiot O'Connor auch sein mag – um ihn zu hintergehen, solltest Du vorsichtig sein, er würde keine Gnade kennen", warnte er die Terranerin, "Und vor allem solltest Du nichts machen, was mein Shuttle auch nur tangiert"

Aus den Augenwinkeln wartete er auf die Reaktion, während er lustlos mit einem alten Lappen über die Theke wischte, was seit jeher eine typische Barkeeper-Geste war - auch wenn es der Hygiene rein gar nichts brachte...

Ysara lächelte kurz. "Ich bin nicht im Geringsten interessiert an deinem Shuttle", teilte sie Narbo mit. Einen Augenblick lang hielt sie inne, um sich selbst zu analysieren, und stellte dann fest, dass die Antwort sogar der Wahrheit entsprach. "Wenn ich schon ein Shuttle brauchen würde", fuhr sie fort. "dann wäre es eines, das anstatt eines Kühlfachs für eingefrorene Dinge, die lebend gegessen werden, einen Replikator mit Menschengerichten enthält"

Narbo schnaubte, eine Antwort wie es schien weit unter seiner Würde. Erneut fror das Gespräch für eine paar Minuten ein. Offenbar, stellte die Psychologin fest, hatten sie und der Barmann sich einfach nicht sehr viel zu sagen, auch wenn die Unterhaltung sich bisher relativ interessant entwickelt hatte, in den Maßstäben von Smalltalk.

Ihre Gedanken schweiften zurück zur Shuttlerampe und verharrten dort eine Weile.

Sie könnte mal wieder für Klingonen arbeiten... Klingonen waren gute Arbeitgeber. Vor allem, wenn man sie ausreichend betrunken machte.

"Und die Gnade O'Connors ist mein geringstes Problem. Insbesondere, wenn ich in einem Shuttle sitze und über alle sprichwörtlichen Berge bin. "Sie zuckte mit den Achseln und machte klar, dass hier keine konkreten Pläne geschmiedet wurden.

Immerhin, sie hätte diesmal einen Vorteil: Sie war mit dem Chefingenieur befreundet.

"Die Atlantis besitzt nur noch ein Shuttle und dieses ist zu langsam, als dass man sich so einfach absetzen könnte", zischte Narbo der Terranerin zu. Scheinbar meinte sie es wirklich ernst. Aber bei ihrem technischen Sachverstand würde sie nicht weit kommen, erst recht nicht durch das Asteroidenfeld.

"Allerdings...", dem Ferengi kam jetzt ein neuer Gedanke in den Sinn, "Weißt Du noch, wie ich auf dem Asteroiden den Zugang zu der Kühlkammer frei gesprengt hatte. Das bis dahin abgebaute Dilithium...es war später nicht mehr da. Bestimmt haben die Typen von der Venture sich das unter den Nagel gerissen!"

Er ließ die Worte etwas im Raum hängen.

Selbst mit der minimalen Menge, die in den wenigen Minuten abgetragen worden war, konnte man sich mindestens ein Shuttle kaufen. Wahrscheinlich schon eher einen leichten Kreuzer oder einen von Primaten bewohnten Mond.

"McCarthy hat ja nichts gegen einen kleinen 'Besuch'", fügte er grinsend hinzu, und die aufkeimende Gier war in seinen Augen abzulesen, "Bei dem Sicherheitschef dürfte ein kleiner Einkaufsbummel kein Problem werden, vor allem bei meinen Fähigkeiten. Und Deine Anwesenheit auf der Venture wäre die perfekte Ablenkung"

Vor seinem inneren Auge malte er sich schon genüsslich aus, wie er an sämtlichen Sicherheitsvorkehrungen vorbeiglitt wie heiße Butter.

--- Venture, Quartier 47

Die Pilotin hatte sich schwer in einen kleinen Sessel fallen lassen, der in einer Ecke ihres neuen Quartiers stand, und für einige Minuten betrachtete sie skeptisch ihr neues Zuhause. Der Raum war etwas kleiner als das Quartier, das sie auf der Ivory hatte, doch man konnte sofort erkennen, dass es sich hierbei um ein terranisches Schiff handelte. Die Inneneinrichtung war zwar nicht luxuriös, aber immerhin nicht ganz so spartanisch wie auf dem Frachter, von dem sie gerade gekommen war.

Gedankenverloren strich sich Cheyenne durch die schulterlangen, gelockten Haare und stand dann auf und setzte sich an den Computerterminal, der in der anderen Ecke des Raumes stand. Der dunkle Bildschirm spiegelte die Umrisse ihres Gesichtes wieder - ein Umriss der sich in den letzten Wochen deutlich verändert hatte. Nicht nur die Tatsache, dass sie sich äußerlich verändert hatte - auch innerlich war sie ein anderer Mensch geworden. Zumindest der Teil von ihr, in dem es um ihr Selbstvertrauen und ihr Ego ging.

Ein triumphierendes Lächeln legte sich auf ihr Gesicht, als sie den Power-Knopf drückte und eine schematische Darstellung der Venture aufflackerte.

--- Quartier 71

S'Tom betrat sein Quartier und identifizierte es als ein standardisiertes Sternenflotten-Mannschaftsquartier. Es waren für seinen Geschmack noch zu viele irrelevante Ablenkungen in diesem Raum, aber das konnte man ja ändern. Vermutlich würde er längere Zeit dieses Quartier bewohnen.

Der Vulkanier stellte seine Taschen ab und begann, alles fein säuberlich geordnet in die Laden und Kästen einzuordnen. Anschließend nahm er seinen persönlichen Scanner zur Hand und suchte den Raum kurz nach Überwachungsgerätschaften ab. Es fanden sich in dem für ihn interessanten Bereich um den Kasten keine.

Daraufhin nahm der Techniker seinen Werkzeugkoffer zur Hand, und begann, im Kasten ein Geheimfach zu installieren...

Nach kurzer Zeit (5,74 Minuten) war die Arbeit beendet und ein für jemand anderen als S'Tom kaum zu erkennendes oder gar zu öffnendes Geheimfach installiert. Dort hinein packte er fast seine gesamte Spezialausrüstung, wobei das meiste platzsparend in einem stabilen Transporterpuffer untergebracht war. Nur sein ganz persönliches PADD behielt er wie fast immer am Körper.

Danach packte der Vulkanier auch noch den Rest der Taschen aus. Er würde hier wirklich umdekorieren müssen... Schließlich setzte er sich an das Computerterminal und legte das unscheinbare PADD daneben ab. Er sah sich mehrere Pläne, Mannschaftslisten, Logbücher und ähnliches durch, in einer Menge, die nicht allzu verdacht erweckend wirken sollte. Interessante Informationen, die das PADD automatisch mitlas und speicherte.

--- Quartier 47 und 71

Ein wirklich freundliches Piepen erklang in den Quartieren der beiden Neuankömmlinge.

Kurz darauf meldete sich eine nicht weniger freundliche, als auch künstliche Stimme:

"Hier spricht Ihr automatischer Anrufbeantworter. Sie haben eine neue Nachricht. Empfangen vor vier Minuten und sieben Sekunden: 'Herzlich Willkommen an Bord! Erschöpft von der Reise? Dann besuchen Sie die legendäre Schiffsbar "Zum tanzenden Liebesdiener" auf Deck 5! Neben einer lockeren Atmosphäre finden Sie alles, was Ihr Herz begehrt. Und bei Ihrem ersten Besuch, erhalten Sie ein Gratisgetränk Ihrer Wahl...Ich freue mich schon auf Ihr Kommen!'"

Nachdem die Ansage beendet war, materialisierte sich der Gutschein im Ausgabefach des Replikators.

--- Quartier 47

Für einige Augenblicke blickte Cheyenne stumm zum Replikator. Irgendwie kam ihr das schon irgendwie seltsam vor, aber vielleicht lag es daran, dass sie noch nie auf einem Föderationsschiff war, dass nicht in der Hand eben dieser Gesellschaft war. An Bord eines Sternenflottenschiffes hätte es so eine Werbung wohl nie gegeben.

Nun gut - aber vielleicht war es auch ein guter Anfang sich das Schiff einmal im "Real Life" an zu sehen; ganz so schlimm würde diese Bar wohl schon nicht sein - sonst hätte der Captain es wohl nicht genehmigt.

Außerdem begann ihr offizieller Dienst (laut einer Mail des 1. Offiziers, die vor ein paar Minuten eingetrudelt war) erst morgen früh und bis dahin – mal sehen, was dieses Schiff so alles bot.

--- vor Quartier 71

Cheyenne betätigte zum wiederholten Male den Türmelder an S'Toms Quartier - irgendwann musste dieser Kerl doch aufmachen - solange konnte man gar nicht im Bad sein ...

--- Quartier 71

S'Tom nahm die Nachricht durchaus wahr, ignorierte sie aber vorerst. Sicher, es würde eine gute Gelegenheit bieten, die Crew persönlich kennen zu lernen. Doch zuerst wollte er noch sein Kal-toh-Puzzle fertigstellen, das er nach dem Abschluss der Anfangsrecherchen angefangen hatte. Er war nicht mehr weit von der Lösung entfernt, das wusste er. Wenn er das nächste T'An dort setzte...

Das erste Summen schaffte es nicht, die Konzentration des Vulkaniers zu durchbrechen, doch das zweite schaffte es. Er stellte die noch immer chaotische Sphärenform auf dem niedrigen Couchtisch ab und ging auf die Tür zu. "Herein..."

Die Tür glitt mit dem standardisierten Sternenflotten-Quartiertüren-Zischen (Geräusch MQ-749-B war laut der Datenbank die korrekte Bezeichnung) auf, und Cheyenne Morgan trat in die Tür.

Der Techniker schätzte sie als eine kompetente Pilotin und angenehme Person, auch wenn ihre gelegentlichen emotionalen Ausbrüche immer wieder verwirrend waren (zugleich aber auch fast faszinierende Beispiele für Menschlichkeit). Zusätzlich war sie die einzige Person an Bord, die er schon genauer kannte. Das alles konnte man aber S'Tom als Aussenstehender (und Nicht-Telepath) in keiner Weise anmerken.

Für einen kurzen Augenblick blickte sich die Pilotin neugierig in S'Toms Quartier um, und stellte beruhigt fest, dass seines auch nicht viel größer war als ihres.

"Sagen sie S'Tom, Sie haben doch sicher auch diesen Bar-Gutschein bekommen - gehen Sie mit, diese Kneipe zu testen?"

Cheyenne war sich nicht sicher, ob sie mit dieser Aufforderung an die richtige Person gelangt war. In den vergangen Wochen auf der Ivory war der Vulkanier nicht unbedingt gesprächig gewesen - geschweige denn hatte er seine soziale Ader sonderlich gepflegt ... Allerdings war er die einzige Person, die sie hier kannte und vielleicht würde der Kerl ja noch ein bisschen "auftauen".

Erwartungsvoll wartete die Terranerin auf S'Toms Antwort.

Stardust Atlantis