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Crossover 14 - Shuttle-Snooker

(Atlantis 19, Venture 43)

--- Admirals-Quartier - 6 Stunden, 23 Minuten und 41 Sekunden später

Stationszeit 25:20:38. Es war Nacht eingekehrt auf der Station. Und obwohl sich die zeitgereiste Gruppe noch nicht an den Zeitablauf von DS9 angepasst hatte, war es auch hier ruhig. Eine angenehme Arbeitsumgebung, wie S'Tom befand. Die restlichen Teammitglieder schienen den Schlafmangel der letzten Tage gleich überkompensieren zu wollen.

Selbst der Vulkanier hatte zwischendurch 90 Minuten für einen erholenden Kurzschlaf genutzt. Er hatte zwar dank seiner inneren Ruhe weniger Probleme mit Schlaf an unbequemen Orten; die regenerative Wirkung wurde dennoch von äußerer Ruhe deutlich gefördert.

Den Rest der Zeit hatte S'Tom an der Arbeitsstation verbracht, die er kurz nach der erfrischenden Dusche aus einigen größeren, frisch replizierten PADDs improvisiert hatte. Sein persönliches PADD war zwar vielseitig, für langwierigere wissenschaftliche Arbeit allerdings auf Grund der Größe nicht geeignet.

Analyse von Sensordaten und Studium von Artikeln über temporale Phänomene hatten die Zeit des ehemaligen Borgs in Anspruch genommen. Er hatte zwar nicht viel über die Schockwelle herausgefunden, durch die die Gruppe in diese Zeit gebracht worden war, doch das war auch nicht sein Ziel gewesen. Stattdessen hatte er eine Theorie, wie sie wieder zurückreisen könnten.

Es wurde Zeit, den Rest der Gruppe wieder zu wecken - beginnend mit Ruben.

Dieser hatte gerade einen merkwürdigen Traum:

Seine Fische waren über Nacht im Aquarium mutiert und irgendwann aus dem Becken gestiegen, während Wagenvoort noch schlief. Und dann, als er morgens aufstand, hatte er gerade noch eine lange Wasserspur gesehen, als ihn eine kalte Flosse an der Schulter packte...

"WAAAAHH!", schrie Ruben auf und schreckte auf dem Sofa hoch. Er konnte nichts erkennen, die Welt um ihn herum war vom Schlaf noch zu verschwommen, aber wie im Todeskampf fuchtelte er wild mit den Armen, um den heimtückischen Angreifer zu vertreiben.

"Verschwinde, Du abartige Laune der Natur!"

Ruben hoffte ernsthaft, dass er das Fischwesen erfolgreich vergrault hatte, als seine Umgebung langsam wieder an Schärfe gewann.

S'Tom war schon vieles genannt worden, aber noch nie eine "abartige Laune der Natur". Nach der Aktivität seines Metabolismus zu urteilen war Ruben aus einem sehr unruhigen Schlaf aufgewacht. Der Vulkanier folgerte, dass die Worte und Taten der letzten Sekunden wohl diesem zuzuschreiben wären.

Als erste Reaktion war er aus der Reichweite von Rubens Händen zurückgewichen. Deren Bewegungen wurden aber inzwischen kontrollierter, woraufhin S'Tom auf Ruben zutrat. "Was auch immer Sie soeben zu sehen glaubten, es war mit großer Wahrscheinlichkeit nicht real."

Nach einem kurzen Blick in die Augen des Sicherheitlers, die sich wieder zu fokussieren schienen, fügte er noch hinzu: "Ich habe eine Theorie bezüglich der Rückkehr in unsere Zeit."

Die Worte drangen nur langsam zu Ruben durch: "Wie? Was? Ach so, Sie sind es. Ja, ähh, ich hatte wohl einen Alptraum..."

Mühsam sortierte er seine Gedanken weiter und richtete seinen Oberkörper auf. Mittlerweile konnte er den Vulkanier auch wieder halbwegs deutlich erkennen.

'Hmm, habe ich das eben laut gesagt?', überlegte er kurz, um das Thema dann zu übergehen. Als Vulkanier würde S'Tom damit zurechtkommen und die unpassenden Worte in passende Erklärungsmuster einordnen. Außerdem sparte Wagenvoort sich so die sicher peinliche Erklärung, was er in seinem Traum gesehen hatte...

"Wie sieht denn der Plan aus?"

--- U.S.S. Hope, Deck 5, Frachtraum 2

Fauchend schoss der katzenähnliche Körper in die Höhe, als er wie aus einem Alptraum erwachte. Außer dem Echo blieb eine Reaktion aus. Sternenlicht zu-Srallansre benötigte einige Sekunden, bevor er sich orientiert hatte. Der Raum war dunkel, wenn man mal von einigen Kontrollleuchten absah. Für seine sivaoanischen Augen bedeutete dies aber kein großes Hindernis. Innerhalb kürzester Zeit traten zunächst die Konturen, dann immer mehr Einzelheiten aus der Finsternis hervor.

'Eindeutig ein Frachtraum', schoss es ihm durch den Kopf. 'Was um alles in der Welt ist hier passiert?' Er aktivierte seinen Kommunikator, vielleicht konnte ja jemand anders das Rätsel lüften. Der Kommunikator quittierte diesen Versuch mit einem *düdelblörps*. 'Ganz toll. Ich sollte einfach keinen Urlaub machen... Ich muss unbedingt mal ein ernstes Wort mit dem Transporter-Chief reden.'

Sternenlicht trat an das Kommunikations-Paneel neben der Schleuse des Frachtraumes. Gerade als er den integrierten Kommunikator aktivieren wollte, fiel sein Blick auf die auf dem Panel angegebene Sternzeit. Das konnte nicht sein. Die Uhren dieses Schiffes gingen doch sicher nicht mehrere Jahre falsch. Daneben stand: "U.S.S. Hope".

Nein, das war kein Zufall. Irgendetwas war hier falsch. Sehr falsch.

Noch während diese Erkenntnis in seinen Verstand sickerte, hörte er, wie sich neben Ihm die Schleuse zum Frachtraum öffnete. Mehr instinktiv als bewusst sprang Sternenlicht mehrere Meter in die Deckung einiger Container. Für terranische Ohren fast unhörbar landete er auf allen Vieren und verharrte regungslos. Hatten die Neuankömmlinge ihn bemerkt?

Anscheinend nicht. Es schien sich um zwei Mitglieder der Besatzung zu handeln, deren Gespräch er interessiert verfolgte:

"... Mann, ich hasse es, immer diese Drecksarbeit zu erledigen. Frachtarbeiter sollten das tun."

"Allerdings; lass uns anfangen, damit wir fertig werden. Soweit ich mich erinnere, waren alle Container hier ohnehin leer, da dürften wir nicht lange brauchen. Dann können die Leute aus den Docks die Ladung auffüllen, nachdem wir fast alles gebraucht haben, um die Schäden aus dem Gefecht wenigstens halbwegs wieder in Schuss zu bringen."

"Jau. Nachdem was ich gehört habe, sollen in ein paar Stunden auch die neuen Ersatzteile kommen. Alles in allem haben wir noch einmal Glück gehabt."

Während die Männer weitersprachen, blieb Sternenlicht hinter den Containern verborgen und fasste einen Plan.

--- Im Schlafzimmer nebenan

Langsam wachte Alex aus einem traumlosen und ruhigen Schlaf auf und öffnete die Augen. Auf dem Rücken liegend betrachtete er für eine kurze Zeit die Decke, die vielen kleinen Schatteninseln, die das schummrige Licht im Raum hinterließ und horchte dem leisen Atmen von April neben ihm, während er über die vergangenen Stunden nachdachte.

'Wahnsinn', dachte er und lächelte. Er hatte ja schon ein paar Frauen gehabt, doch April war ... unvergleichlich. Ein anderes Wort fiel ihm dazu nicht ein. Es war beinahe so gewesen, als wären sie eine Einheit gewesen; ein einziges Wesen. Die Gefühle waren derart intensiv gewesen...

Er drehte sich vorsichtig zu ihr um, stützte den Kopf auf seiner Hand ab und beobachtete die junge Bajoranerin beim Schlafen. Wie ein Kind lag sie da; ganz friedlich und mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. Die Decke war ein wenig heruntergerutscht und gab den Blick auf ihre schönen Brüste frei. Ein paar verbliebene Schweißtropfen glitzerten darauf im schwachen Licht, als sich ihr Brustkorb beim Atmen hob und senkte.

Ihre Haare, teilweise noch etwas zerzaust, umrahmten ihren Kopf auf dem Kissen wie bei einem Kunstwerk und Alex hätte gerne eine Holokamera zur Hand gehabt, um diesen faszinierenden und wunderschönen Moment bildlich festzuhalten. Doch stattdessen beobachtete er sie weiter und versuchte, sich das Bild gedanklich einzuprägen.

Langsam zog ein leichtes Frösteln, das sich auf ihrer erhitzen Haut breit gemacht hatte, April wieder zurück in die Wirklichkeit. Die letzten Stunden waren zu wunderschön gewesen, als dass die Halbbajoranerin jetzt die Lust hatte, die Augen zu öffnen und diesen Traum zerplatzen zu lassen...

--- Admirals-Quartier, Couch A

S'Tom setzte sich neben den inzwischen aufrechten Ruben auf die Couch, ein größeres PADD in der Hand. "Wie wir bereits wissen ging die temporale Schockwelle, die uns in dieses Zeit transportierte, vom Wurmloch aus. Der Auslöser war ein kompliziertes Zusammenspiel mehrerer exotischer Partikelarten, besonders hervorzuheben sind die wenig erforschten Antichronitonen. Der Grund dafür ist mir noch immer nicht bekannt, war aber auch nicht zentraler Bestandteil meiner Untersuchungen", begann er seine Erklärung.

"Die beste Möglichkeit zurückzukehren besteht nun nach meinen Erkenntnissen in der Erzeugung einer neuerlichen, kontrollierten, aber entgegengesetzten Schockwelle. Dies kann folgendermaßen erreicht werden."

Hier nahm der Vulkanier das PADD zu Hilfe, auf dem die Vorgänge in vollem Detail, aber dennoch relativ anschaulich dargestellt waren.

"Aus einem Shuttle in fünf Kilometern Entfernung richten wir einen Strahl aus 94,3% Tetryonen und 5,7% Antitachyonen auf das Wurmloch. Die Interaktion dieses Strahls mit den Verteronen des Wurmlochs wird eine temporale Schockwelle erzeugen. Diese wird jede Anhäufung von Chronitonen ab einem Schwellenwert entlang der positiven Zeit-Achse mit sich reißen, inklusive der umliegenden Materie, wozu auch unser Shuttle gehören wird. Die Menge der Chronitonen bestimmt dabei die Größe des Zeitsprungs, für unseren ursprünglichen Zeitrahmen müssen wir somit Chronitonen in einer Dichte von 10^6 Partikeln pro cm² am Shuttle anlagern."

"Um dieses Vorhaben zu verwirklichen benötigen wir offensichtlich ein Shuttle, müssen an diesem aber auch Modifikationen hinsichtlich der Schilde und vor allem des Deflektors vornehmen", brachte der ehemalige Borg seine Erklärung zum Abschluss. Er fügte noch hinzu: "Offensichtlich reicht unser Zeitfenster nur bis zur Aktivierung des Minenfelds vor dem Wurmloch, die zukünftigen Datenbanken zu Folge in 9,73 Stunden erfolgen wird. 41,2 Minuten davor wird die Flotte des Dominion eintreffen. Diese Vorgehensweise hat bei Gelingen der Vorbereitungen eine Erfolgschance von etwa 43%."

Ruben nickt: "Hört sich logisch an"

Er hoffte, durch dieses explizite Kompliment seinen vorherigen Fauxpas ausbügeln zu können. So er das wirklich laut gesagt hatte. Ansonsten galt immer noch die Ferengi-Erwerbsregel Nummer 39: "Lob ist billig, verteile es großzügig"!

"Allerdings müssen wir dann in den nächsten neun Stunden und 12 Sekunden Erfolg haben, was gewiss nicht einfach werden wird, wenn man die gruppeninterne Opposition bedenkt", fügte der Niederländer schnell hinzu, "Können Sie den Rest der Gruppe wecken? Ich bin morgens erst nach fünf Minuten in der Lage aufzustehen - der Kreislauf, Sie verstehen?!"

--- Admirals-Quartier, Couch B

Vage drangen die Stimmen der beiden Männer ans Ohr der Schottin, ohne dass diese auch nur ein Wort wirklich verstand. Kurz noch genoss sie die Wärme unter ihrem wollenen Plaid, dann jedoch beschloss sie, dass sie nun genug geschlafen hatte.

Vielleicht hatte sich ja in der Zwischenzeit etwas Neues ergeben. Immerhin hatte der Vulkanier angestrengt nachgedacht, als Llewella sich auf dem Sofa ausgestreckt hatte.

Die Nase immer noch in ihrem Plaid verborgen, öffnete die Schottin ein Auge. Der Vulkanier schien tatsächlich etwas herausgefunden zu haben, denn er erklärte etwas.

Aber wem?

Die rothaarige Frau riskierte ein zweites Auge. Aha, Wagenvoort weilte also auch schon wieder unter den Lebenden. Obwohl, wenn sie sich seinen Gesichtsausdruck näher ansah, so war auch er schwer damit beschäftigt, wach zu werden.

Die Schottin atmete tief durch, dann warf sie das Plaid von sich und setzte sich auf.

--- Admirals-Quartier, Couch A

S'Tom nickte kurz und begab sich auf einen Rundweg durch das Quartier. Die Schottin war anscheinend schon wach, Cheyenne und Narbo wurden von ihm durch Rütteln an der Schulter in eben diesen Zustand versetzt. Er merkte jeweils nur kurz an, dass sie zu seiner improvisierten Arbeitsstation kommen sollten.

Den gleichen Vorgang wollte der Vulkanier auch bei April und Alex wiederholen, wurde aber von der verschlossenen Tür aufgehalten. Um die Privatsphäre nicht gänzlich zu missachten klopfte er mehrmals energisch an. Während er auf eine Antwort wartete, machte er sich aber auch gleich daran, die einfache Verriegelung der Tür zu überbrücken.

Cheyenne verharrte währenddessen noch einen Augenblick in ihrer Schlafposition, bevor sie endgültig die Decke zurückwarf und aufstand. Kurz streckte sie sich und musste mit einen leisen Brummen feststellen, dass die eingerollte Position, in der sie die letzten Stunden verbracht hatte, keinesfalls zur Entspannung ihrer Muskeln beigetragen hatte. Für einen Moment zog sie die Möglichkeit in Erwägung, sich von der Ärztin ein Entspannungsmittel geben zu lassen, verwarf den Gedanken jedoch im nächsten Augenblick wieder: Sie würde in den nächsten Stunden fit sein müssen und die Wirkung des Mittels würde vermutlich sehr ermüdend sein.

Nach einem kurzen Abstecher zum Replikator lehnte sich die Pilotin mit einer dampfenden Tasse heißen Kaffees abwartend an die Konsole der Arbeitsstation, von der S'Tom gesprochen hatte.

--- Schlafzimmer

April kam gerade aus dem Badezimmer, als ihr Blick auf das rotblinkende Display neben der Tür fiel.

In der vergangenen halben Stunde hatte sie mit Alex noch eine ausführliche Dusche genommen, die allerdings weniger mit dem Vorhaben zu tun hatte sich zu reinigen. Ihre nassen, langen Haare klebten ihr an den nackten Schultern und dem immer noch leicht geröteten Gesicht.

Sie nestelte kurz noch an dem großen Badehandtuch, welches sie sich umgeschlungen hatte, um ihre Blöße weitestgehend zu bedecken und blickte sich schnell nach einem Gegenstand um, den sie als Waffe verwenden konnte.

Auch wenn sie sich schon denken konnte, wer gerade versuchte, den Sicherheitsmechanismus der Tür zu umgehen, sollte es ihm gehörig leid tun, hier einfach so einzudringen.

Mit einem großen Bild bewaffnet, dessen Motiv April von Anfang an nicht gefallen hatte, stellte sich die Kriegerin neben die Zimmertür und wartete auf den Eindringling.

Alex kam ins Schlafzimmer geschlendert, während er sich mit einem Handtuch die Haare trocken rubbelte, als er April mit dem Bild bewaffnet neben der Tür entdeckte. Überrascht blieb er stehen und ließ das Handtuch sinken.

"Was versuchst du denn da?", fragte er verwirrt und zeigte auf das Bild. "Bist du jetzt unter die Kunstkritiker gegangen?"

Ein Klicken und Piepen ließ seinen Blick zur Tür wechseln, als sie plötzlich aufging und die Sicht auf einen Vulkanier mit einem ziemlich unschuldigen Gesichtsausdruck freigab; der jedoch nur für einen Bruchteil der Sekunde zu sehen war. Denn dann wechselte er, nachdem er Alex' völlig unbekleideten Zustand entdeckte, beinahe ins peinlich berührte, bevor sein Gesicht Kontakt mit Aprils Bild bekam. Ein Grunzen und ein Krachen später und S'Tom schmückte ein schöner Bilderrahmen.

April hatte bei ihrer Attacke auf ein wenig mehr Widerstand bei dem Aufschlag auf ihr Ziel gehofft, was dazu geführt hatte, dass sie nun leicht aus dem Gleichgewicht kam und einen Schritt nach vorne taumelte. Wie es schien waren Bilder, die von Menschen repliziert worden waren, bei weitem nicht so widerstandsfähig wie die Kunstwerke, die sie auf der klingonischen Heimatwelt in die Finger bekommen hatte.

Allerdings war der Anblick des Vulkaniers amüsant genug, um die Enttäuschung über die fehlenden Features des Bildes schließlich hinzunehmen.

"Lassen Sie die Finger von dem Sicherheitsmechanismus, S'Tom. Das bekommt ihnen auf Dauer nicht gut!"

Eine Attacke hatte S'Tom wirklich nicht erwartet. Was ging bloß in dem Kopf dieser Person vor? Er war sich inzwischen sicher, dass mit Abhandlungen und Untersuchungen mehr als ein angehender Psychologe seinen Titel verdienen könnte...

Der Vulkanier hatte nicht sofort reagieren können, weil er auch versuchte, seine aufkommenden Gefühle zu unterdrücken. Währenddessen mühte sich der noch logisch arbeitende Teil seines Gehirns, eine Lösung zu finden. Doch nach der letzten Aussage schien auch diesem Teil eine gewaltsame Lösung zumindest effizient. Offensichtlich war mit Logik wenig zu erreichen...

Während dieser Worte hatte der ehemalige Borg das beschädigte Gemälde abgestreift. Ein ästhetisch sehr ansprechendes Werk, mit einigen vulkanischen Einflüssen, wie er im Zuge dessen bemerkte...

Nach einem kurzen Moment der Ruhe und Stille, nachdem April ihren Satz vollendet hatte, begann S'Tom zu handeln. Die Halbbajoranerin stand sehr nahe, sie war ihm mit dem Gemälde entgegengestolpert. Er hob langsam und möglichst unaufdringlich seine rechte Hand und bewegte sie in Richtung Aprils Schultergegend, um sie dort in direkter Nähe einiger großen Nervenknoten zu platzieren.

Mit einer Stimme, die er nicht mehr komplett gefühlskalt halten konnte, meinte er: "Wir haben inzwischen nur noch weniger als neun Stunden Zeit, unsere Rückreise vorzubereiten. Wenn Sie unbedingt Ihre Kräfte mit den meinen messen müssen, dann verschieben Sie das entweder auf nach unserer Rückkehr, oder es geschieht jetzt gleich. Keinesfalls können ich oder die Gruppe andauernde Ablenkungen in Form von kurzen Gewaltausbrüchen ihrerseits brauchen!"

War ihr der Vulkanier im ersten Moment noch komisch vorgekommen, so entwickelte die Halbbajoranerin nun eine regelrechten Hass auf S'Tom. Bevor er endgültig zudrücken konnte reagierte die Kriegerin instinktiv und schlug den Arm ihres Gegenübers von sich weg. Ihre Wut stieg fast ins Unermessliche und für wenige Augenblicke musste sie sich zusammenreißen, um nicht zum Gegenangriff überzugehen.

Einige Sekunden vergingen, in denen April den Vulkanier wortlos mit einem durchdringenden Blick anstarrte.

"Passen Sie auf, dass Sie nicht irgendwann ein Messer im Rücken haben ... Vulkanier! Und kommen Sie nie wieder auf die Idee, eine Tür zu öffnen, die ich aus Gründen meiner Privatsphäre verschlossen habe! "

Mit einem Ruck drehte sich die Kriegerin um und stapfte wütend an Alex vorbei zurück ins Bad.

Alex stand noch immer mitten im Schlafzimmer, das Handtuch in der Hand und den Blick fest auf den Vulkanier gerichtet. Dieser jedoch rührte sich nicht und er fragte sich schon, ob der Ausbruch von April ihn wohl mehr beeinflusst hatte, als man bei einer Person seiner Spezies vermuten konnte. Doch dann trafen sich ihre Blicke und Alex war sich nicht mehr so wirklich sicher über die Motive von S'Tom. Vor allem nicht, als sein Blick langsam an seinem nackten Körper herunterfuhr und in etwa einem Meter Höhe stoppte.

"Wohl neidisch, wie?", sagte er, drehte sich um und folgte April ins Badezimmer.

April war zu schnell im Badezimmer verschwunden, als dass S'Tom sie auf effiziente Weise tätlich hätte angreifen können. Die Versuchung war nach Ihren letzten Worten sehr groß gewesen. Doch Ihre Abwesenheit und Alex' Worte brachten wieder etwas Ruhe in seinen Gemütszustand.

Dennoch, die Situation war nicht geklärt worden. Eher im Gegenteil. Gerade die Androhung eines hinterhältigen Angriffes... Er hatte April inzwischen als eine Form Kriegerin eingestuft gehabt, und diese hielten in fast allen Fällen sehr viel von "Ehre". Und so unterschiedlich die Auffassungen davon oft sein mochten, hinterhältige Angriffe galten nirgends als ehrenhaft. Ihre Persönlichkeit war somit noch verwirrender als vermutet. Doch hatte er jetzt Zeit und Möglichkeit, über eine logischere und gewaltfreiere Lösungsmöglichkeit des Problems April nachzudenken.

Kurz nach Alex Bemerkung fragte sich der Vulkanier auch, wieso Menschen noch immer ein teilweise undurchschaubares Verhältnis zu Sexualorganen hatten. Er ging nicht verbal darauf ein und meinte nur - mit einer inzwischen wieder ruhigen Stimme: "Finden Sie sich so schnell wie möglich draußen ein." Danach begab er sich zu seiner Arbeitsstation, wo die meisten anderen schon warteten.

--- Badezimmer

April empfing ihren Liebhaber mit einem bitterbösen Blick, der sich allerdings sofort entspannte als sie feststellte, dass es nicht S'Tom war der ihr gefolgt war. Sie hätte es diesem arroganten Kerl zugetraut.

"Sag mal, für was hält sich dieser Typ eigentlich?" Mit einer wütenden Handbewegung warf die Halbbajoranerin ihr Handtuch in die Ecke und griff nach ihren frisch replizierten Klamotten.

--- Wohnraum

Mittlerweile hatte Narbo das giftige Grinsen aus seinem Gesicht entfernt. Sicher, er mochte Vulkanier nicht, und wenn diese eine Abreibung bekamen war er der letzte, der sich nicht freute.

Andererseits war S'Tom seine Fahrkarte in ihre Zeit zurück, während die anderen mehr und mehr nur noch Klötze am Bein waren. Besonders die beiden im Schlafzimmer!

"Wir sollten Sie sofort töten", stellte der Ferengi daher in den Raum, "Bevor sie einen Fehler machen, der uns zuviel kostet. Das Leben zum Beispiel"

Gedanklich stimmte der Niederländer zu. Zumindest aus rationalen Gesichtspunkten wäre es die beste Lösung gewesen, nachdem die Ärztin sich abschließend geweigert hatte, die beiden einfach zu sedieren. Aber sie waren natürlich nach wie vor gewissen ethischen Grundsätzen verpflichtet.

Mühsam richtete er sich daher von dem Sofa auf, um mäßigend einzugreifen, nachdem sein Kreislauf langsam wieder in Schwung gekommen war: "Ähh, das wäre vielleicht etwas verfrüht. Wir sollten sie lieber doch überzeugen, wieder zu kooperieren"

Cheyenne hatte den kleinen Angriff der Kriegerin mit einem amüsierten Lächeln beobachtet und wären sie nicht alle hier in dieser verfahrenen Situation gefangen gewesen, hätte sie es mit Sicherheit sehr erheiternd gefunden, wie die Halbbajoranerin mit dem Vulkanier umgesprungen war.

Die Pilotin versuchte wieder einen professionellen Gesichtsausdruck anzunehmen und wandte sich dann an den Ferengi.

"Ja, das glaube ich auch. Diese "Furie" könnte uns vielleicht noch hilfreich sein, wenn uns wieder ein paar Jem'Hadar über den weg laufen ..."

Inständig hoffte die Terranerin, April würde diesen Spitznamen nie zu Ohren bekommen...

Llewella hatte von ihrer sitzenden Position auf dem Sofa nicht alles verfolgen können, was sich im Nachbarraum abgespielt hatte. Aber dennoch war es genug gewesen.

So langsam hatte sie von der impulsiv-hysterischen April gestrichen die Nase voll. Hoffentlich geriet sie ihr nicht so schnell in die Quere, sonst würde sie sich doch noch versucht fühlen, eine ordentliche Dosis eines Sedativums in ihre Adern zu jagen.

Die Schottin legte ihr Plaid zusammen, steckte es in ihre Tasche und bewegte sich in Richtung des Replikators, um sich einen ordentlich heißen Latte Macchiato zu bestellen...

"Die ähh kämpferischen Qualitäten von April sind unbestritten, aber derzeit würde ich lieber auf Jem'Hadar-Erfahrungen verzichten", gab Ruben wenig euphorisch auf Cheyennes Anmerkung zurück. Es war wahrscheinlicher, dass April die Gruppe in eine solche Lage brachte, statt sie aus ihr zu befreien.

"Jedenfalls ist unser Zeitrahmen begrenzt, daher sollten wir möglichst effizient arbeiten - S'Tom, würden Sie Ihre Ergebnisse vorstellen, wenn die Gruppe vollständig ist?!"

Der Vulkanier nickte nur leicht, was der Niederländer auch nicht anders erwartet hatte.

'Vulkanier sind so schön...leise', stellte er innerlich nochmals fest und hoffte, dass diese Charaktereigenschaft auf einige andere Wesen überspringen würde. Die Ärztin gehörte sicher nicht dazu. Bisher war sie sehr ruhig gewesen, hatte sich bloß irgendwas Dampfendes repliziert, was auf die Bezeichnung "Latte Macchiato" hörte. Und es roch sehr gut.

"Llewella, was ist das?"

--- Badezimmer

"Wahrscheinlich für das intelligenteste, bestaussehenste und logischste Wesen in der ganzen Galaxie", antwortete Alex und schlang seine Arme von hinten um die junge Frau, während er langsam ihren Nacken küsste.

"Ich gehe mal davon aus, dass er mindestens zwei Punkte davon bejahen würde, wenn du ihn danach fragst", stichelte er weiter und lehnte sich nach vorne, um ihren Gesichtsausdruck zu sehen, der gerade von wütend verzerrt zu entspannt grinsend umschwenkte.

"Oh ja … das glaube ich auch!"

Langsam wand sie sich in seiner Umarmung und küsste den Techniker leidenschaftlich.

Nachdem sie ihre inzwischen trockenen, langen Haare wieder zusammengebunden hatte und die aus braunem Kunstleder bestehenden engen Klamotten zurechtgerückt hatte meinte sie schelmisch: "Na, dann lass uns mal nachsehen, was unser "Vorbildvulkanier" alles herausgefunden hat"

Mit diesen Worten ging sie zurück in den angrenzenden Schlafraum und wandte sich dem Replikator zu.

--- Schlafzimmer

Einige Augenblicke später steckte die Kriegerin zwei kleine Wurfmesser in die dafür vorgesehenen Laschen ihrer kniehohen Stiefel und replizierte sich noch zwei Phaser, die sie an ihrem Gürtel befestigte. Auch wenn April keinesfalls begeistert darüber gewesen war, sich in diesem Quartier zu verstecken, hatte es doch den Vorteil gehabt, uneingeschränkten Zugriff auf den Replikator zu haben.

Zufrieden kehrte sie zusammen mit Alex in den Wohnraum zurück.

--- Wohnraum

S'Tom ließ der Ärztin keine wirkliche Antwortmöglichkeit und begann mit seiner Präsentation, da sich inzwischen sogar April und Alex herbemüht hatten.

Mit einem großen PADD zur Veranschaulichung bewaffnet erklärte der Vulkanier, was er auch schon Wagenvoort erklärt hatte.

Abschließend fügte er schließlich noch hinzu: "Auf Grund des begrenzten Zeitrahmens müssen wir uns in Teams aufteilen. Die effizienteste Vorgehensweise ist, so viel wie möglich noch in diesem Quartier zu erledigen und erst dann den Shuttle zu organisieren. Hier ist eine Liste mit den Dingen, die wir benötigen."

An dieser Stelle verschwand die grafische Darstellung des Wurmlochs und des Shuttles, und stattdessen erschien eine nicht allzu kurze Liste auf dem PADD, die diverse Werkzeuge und Einzelteile umfasste.

Die Pilotin nahm dem Vulkanier das PADD aus der Hand studierte es sorgfältig. Ihre Kaffee-Tasse war mittlerweile leer getrunken, dennoch hielt sich Cheyenne noch einige Augenblicke an ihr fest, bevor sie sie gedankenverloren auf die Konsole stellte.

Den Großteil der Gegenstände, die S'Tom aufgeführt hatte, sollten sich ohne weiteres in dem Quartier replizieren lassen.

"Hm ... wie viel Zeit haben wir für das ganze Unterfangen?" Eine kurze Pause entstand. "Um das Zeug zu replizieren, brauchen wir sicher ein paar Stunden!"

Ihr fragender Blick traf den Vulkanier und wanderte dann zu Ruben, als S'Tom nicht sofort antwortete.

--- Promenadendeck

Ungeduldig hatte der Sivaoaner gewartet, bis um ihn herum Ruhe eingekehrt war.

Nachdem er die beiden Sternenflotten-Offiziere noch eine Weile belauscht hatte, war ihm schnell klar geworden, dass er nicht auf dem Schiff angekommen war, auf dem er sein sollte. Auch wenn er noch immer nicht wusste, wann er genau war - anders konnte er sich das alles nicht erklären - so war ihm doch zumindest klar geworden, dass er von diesem Schiff zunächst einmal wegmusste. Ein Kriegsschiff war kein Ort für ihn, schon gar nicht dann, wenn er wohl als blinder Passagier aufgefasst werden würde.

So hatte er sich also in einen der Frachtcontainer geschlichen und abgewartet, wo er landen würde. Wenigstens hier schien sein Glück ihn nicht verlassen zu haben, kaum zwei Stunden hatte er warten müssen, bis er das vertraute Prickeln eines Transporterstrahls spürte.

Von da an war es, um mal eine alte terranische Redewendung zu gebrauchen, nur noch ein Katzensprung gewesen.

Jetzt stand er auf dem Promenaden-Deck der Raumstation DS9 und beobachtete von der Galerie aus die Leute, die unter ihm vorbeigingen. Er fragte sich, ob ... nein ... wann er seine Gefährten wiedersehen würde.

Hier auf der Station hatten die Anzeigen seine Vermutung bestätigt. Auch wenn es noch so unwahrscheinlich war: Ein Zeitsprung - wie auch immer zustande gekommen - war die einzige Erklärung für das Phänomen.

Das würde ein Lied geben...

--- Wohnraum, noch acht Stunden und 37 Minuten Zeit

"Ähh, das müsste ich mal kurz im Kopf nachrechnen", gab Ruben von der plötzlichen Aufmerksamkeit überrumpelt zurück und ließ sich das PADD reichen.

Zwei bis drei Sekunden überflog er die Liste und entsprechenden Erläuterungen: "Hmm, von den 67 Einzelpositionen lassen sich 48 Gegenstände ohne nennenswerten Aufwand replizieren. Weitere elf Artikel gehören zur Standard-Ausrüstung des Shuttles. Die restlichen Gegenstände, insbesondere die Waffen, können nur nach Freigabe oder Umgehung gesondert gesicherter Replikatorprotokolle erstellt werden...Hmm, wie ich sehe, hat S'Tom die entsprechenden Sperren schon umgangen"

Der Niederländer schaute den Vulkanier kurz mit einem anerkennenden Gesichtsausdruck an.

"Dadurch sollte das Replizieren der Ausrüstung noch vier Stunden und 31 Minuten in Anspruch nehmen. Ein akzeptabler Zeitpuffer bliebe also bestehen, in dem wir nur noch unerkannt einen Shuttle erobern und die Modifikationen durchführen müssen"

'Der sagt das so, als wenn es das einfachste auf der Welt wäre', dachte Alex, der sich bisher dezent im Hintergrund gehalten hatte, nachdem er frisch eingekleidet aus dem Schlafzimmer gekommen war und den Ausführungen der anderen gelauscht hatte.

"Ich muss ja sagen", mischte er sich dann doch in die Diskussionsrunde ein, "dass ich den ganzen Ausführungen soweit ja zustimme, jedoch frage ich mich wirklich allen ernstes, wie wir es schaffen sollen, unbemerkt an ein Shuttle zu kommen und dann noch die Zeit zu haben, es zu modifizieren. Wenn ich das Ganze im Kopf mal kurz durchrechne, dann haben wir am Ende verdammt wenig Zeit."

April bedachte den Techniker mit einem forschenden Blick, während sie sich seitlich an die Konsole lehnte - wie schaffte er es nur, diesen ganzen Plan einfach 'mal schnell durch zu rechnen'? Sie selbst hatte es bei der dritten oder vierten Zeitangabe schon aufgegeben, sich den genauen Ablauf vorzustellen.

Allerdings was sie sich sehr genau vorstellen konnte war die Idee, dass sich die gesamte Gruppe mit EINEM Shuttle zurück in die Zukunft begeben sollte. Der Gedanke, sich mit diesem dreisten Vulkanier auch nur die kürzeste Zeit auf verdammt engen Raum bewegen zu müssen, verursachte in ihrem Magen ein fast grausames Gefühl der Übelkeit. Nicht, dass sie nicht wüsste, wie sie sich wehren konnte ... nur würde es wohl für alle anderen Beteiligten ein durchaus unschönes Schauspiel werden.

"Es ist schön, dass Sie die Notwendigkeit einer gemeinsamen, kooperativen Aktion anerkennen", erwiderte der Niederländer Alex, ohne die aufkommende Abscheu im Gesicht der Halbbajoranerin zu bemerken.

"Und um den Shuttle oder, um korrekt zu sein, das Runabout unbemerkt zu kapern, werden wir wohl auf die äh Fähigkeiten von Narbo zurückgreifen können und müssen."

"Nun, das sollte ja zu machen sein, oder?" Cheyennes Blick wandte sich kurz zu dem angesprochenen Ferengi, der lässig etwas abseits der Gruppe stand. Irgendwie machte er nicht gerade den Eindruck, als ob er von Wagenvoorts Vorschlag überaus begeistert wäre, aber sie könnte sich auch täuschen.

Mit einem kurzen Nicken gab sie S'Tom das PADD zurück und wandte sich dann wieder an Ruben.

"Wir sollten uns in Gruppen aufteilen, um die zu replizierenden Sachen an verschiedenen Replikatoren herstellen zu können. Mit ein bisschen Glück fällt es dann nicht auf, wenn die Dinger auf einmal auf Hochtouren laufen ...“

"Hmm, das Aufteilen der Gruppe erhöht eindeutig das Risiko", gab Ruben zurück, nachdem er seinen Blick von dem Ferengi gelöst hatte. Der schien zu allem und nichts bereit zu sein. Wie üblich.

"Was meinen die anderen dazu? Miss Campbell, Sie haben sich noch gar nicht dazu geäußert"

Etwas ungeduldig betrachtete Alex die Ärztin, die mit ernstem Gesicht und krausgezogener Stirn wohl über die Frage von Ruben nachdachte. Jedoch; so dachte Alex zumindest, sollte sie sich langsam mal mit ihren Überlegungen beeilen, denn bis zur Deadline war nicht mehr unendlich Zeit und sie hatten schließlich noch viel zu erledigen.

Wortlos streckte Llewella die Hand nach dem PADD aus, das inzwischen schon einige andere Mitglieder des Einsatzteams in der Hand gehalten und überflogen hatten. Nachdem sie es erhalten hatte, las sie die Liste der benötigten Dinge gründlich durch, ohne sich weiter um das ungeduldige Gesicht von Alex Poulsen zu kümmern.

Dann reichte sie das PADD zurück und meinte: "Vorräte sollten sich an jedem normalen Replikator erzeugen lassen. Allerdings sehe ich bei einigen Bestandteilen der Notrationen - speziellen Vitamin- und Mineralstoffpräparaten zum Beispiel - relativ schwarz. Diese, ebenso wie ein paar der Notfallmedikamente, die wir vernünftigerweise dabei haben sollten, lassen sich nur an speziellen Replikatoren in der medizinischen Abteilung replizieren. Was die Dinge natürlich wieder verkompliziert.

Aber ich halte es für absolut sinnvoll, uns diesbezüglich gut einzudecken. Die Vorräte in meinem Sporran sind nicht unbegrenzt vorhanden."

Mit Wehmut dachte die Schottin, während sie dies sagte, an ein Wesen, das sie in einem antiken terranischen Comic kennen gelernt hatte und dessen Hosen aus einem "stark verkleinernden Stoff" gewesen seien. So viele Dinge hätte man in so einer Hose dabei haben können...

--- Quark's, Tags davor

David Jeffrey saß im Quark's an der Theke und trank seinen Brandy. Gut, dass dort niemand wusste, dass er keine Credits mehr hatte. Zumindest würde er dann die Nacht in einer Zelle verbringen dürfen. Zu seinem Shuttle würde er es sowieso nicht mehr schaffen und das Bett im selbigen war verdammt hart.

Er seufzte und stand auf. Sein Gleichgewichtssinn blieb allerdings noch eine Weile auf dem Barhocker sitzen und so stürzte David zur Seite. Glücklicherweise bremste eine Tischkante seinen Fall ein wenig.

"In der Krankenstation kann man mit Sicherheit auch gut schlafen...", dachte er sich, bevor er das Bewusstsein verlor.

--- Irgendeine Zelle, am heutigen Morgen

Er wachte in einer Zelle auf.

Neben ihm lag Erbrochenes.

Höchstwahrscheinlich sein eigenes.

"Hallo?!", rief er. Ein bajoranischer Wachmann kam herbei.

"Was ist passiert?", fragte David.

"Sie haben gestern wohl einen zuviel getrunken und sind gestürzt. Sie haben sich den Kopf an einer Tischkante aufgeschlagen” David erinnerte sich wieder und tastete mit einer Hand seinen Hinterkopf ab.

"Die Wunden haben wir gestern direkt behandelt", sagte der Wachmann geduldig.

"Sie haben bei Quark ihre Rechnungen nicht bezahlt. Ich glaube, Sie sollten im Laufe des Tages mal mit ihm reden", fügte er noch hinzu.

David nickte und machte sich auf den Weg. Er blieb noch kurz in der Tür stehen. "Entschuldigen sie die Sauerei", sagte David mit einem schlechten Gewissen.

"Ach. Das passiert hier nicht selten", antwortete der Bajoraner und zwang sich zu einem Lächeln.

--- Quark's

David war das alles unangenehm. Er ging direkt zu Quark und handelte mit dem alten Ferengi aus, dort einige Tage als Tellerwäscher seine Schulden abzuarbeiten. Seine erste Schicht begann sofort und ging zehn Stunden.

In der Mittagspause, welche 10 Minuten ging, setzte er sich an die Theke und beobachtete die Leute beim Essen. Ihm knurrte der Magen, doch hatte er keinen einzigen Credit mehr. "Quark!", rief er. Brummend kam dieser zu ihm.

"Wie lange müsste ich für eine kleine Mahlzeit arbeiten?", fragte er ihn. Quark lachte und holte ihm einen Korb voll Brot. "Das kriegen sie vielleicht, wenn sie ihre Schulden abgearbeitet haben", sagte der Ferengi und klopfte ihm auf die Schulter.

Ein anderer Ferengi kam auf ihn zu und sagte: "Hier ist eine Nachricht für Sie"

Er führte ihn zu einem Computerterminal.

David wusste nicht, ob er sich freuen oder verstecken sollte. Es war Julia. Sie hatten zusammen auf der USS Thunderchild gedient.

"Du siehst nicht gut aus, David", sagte sie besorgt.

"Mir geht’s auch nicht gut", fing er an und erzählte seine Geschichte:

Nachdem er auf der Thunderchild wegen Befehlsverweigerung unehrenhaft aus der Sternenflotte entlassen worden war, hatte er sich vorgenommen, ein Leben als freischaffender Händler im Gamma Quadranten zu führen. Er hatte all sein Geld ausgegeben, um ein altes Föderationsshuttle vom Typ 8 zu erstehen. Nun, da er nicht auf die andere Seite des Wurmlochs konnte, musste er ohne Hab und Gut irgendwohin.

Julia senkte den Kopf. "Tut mir leid David. Die Thunderchild ist gerade weit außerhalb. Wir haben zwar gerade Befehle bekommen umzukehren, doch brauchen wir noch einige Tage, bis wir wieder im Föderationsraum sind."

David musste lachen. "Ach. Ich komm hier auch ohne deine Hilfe raus."

--- Promenadendeck

Sternenlichts Stimmung hatte sich in den letzten Stunden merklich verschlechtert. Er wusste mittlerweile, wann er angekommen war, und dieses Wissen behagte ihm gar nicht. Bald würde diese Station angegriffen werden, und wenn es soweit war, war es gut, irgendwo anders zu sein. Für eine annähernd beliebige, Definition von "irgendwo".

Über das "irgendwann" konnte man sich dann danach Gedanken machen.

Nur, wie kam man von der Station herunter. Schon einmal davon abgesehen, dass er außer ein paar Streifen Latinum in seinem Beutel nichts dabei hatte, noch nicht mal einen ID-Chip. Vielleicht, so kam es ihm, sollte er zunächst einmal versuchen, dieses Problem zu lösen.

Mit dieser Erkenntnis lenkte er seine Schritte zum Quark's, der hiesigen Bar. Warum eigentlich mussten Bars immer von Ferengis geführt werden?

--- Quark's, später

Nach Feierabend fand David einige Sternenflottenoffiziere, welche mit ihm eine runde Snooker spielten. Ohne Einsatz versteht sich. David gewann jedes Spiel.

Plötzlich fiel ihm ein sehr "haariges" Wesen einer Spezies auf, welche er noch nie gesehen hatte. Es stellte sich an den Tisch und beobachtete das Spiel interessiert eine Weile.

Als David sich relativ sicher war, eine Glückssträhne zu haben, entschloss er sich, alles auf eine Karte zu setzen. Dadurch hätte er all seine Probleme lösen können.

"Wer traut sich, gegen mich anzutreten und auch etwas zu setzen?", rief er in die Runde. "Aber du hast doch gar kein Geld", sagte einer seiner Gegner.

"Zu Anfang setze ich mein Shuttle als Sicherheit ein."

Er war sich so sicher, das Richtige zu tun.

"Ich!", sagte das Katzenwesen. David schaute ihn verwundert an. "Ich setze einen Streifen goldgepresstes Latinum", fügte es hinzu.

"In Ordnung!", lachte David.

'Dieses "Vieh" hat doch keine Chance', dachte er sich...

--- Quark's, noch später

Um den Billard-Tisch hatte sich mittlerweile eine kleine Menschenansammlung gebildet. Angefangen hatte alles mit einer harmlosen Runde Snooker, zu der sich Sternenlicht hatte "herausfordern" lassen. Der Einsatz war nicht sehr hoch gewesen, ein Streifen Latinum.

Was der Terraner, er nannte sich David Jeffrey, nicht wusste, war, dass Sternenlicht seit Jahren ein Experte in diesem Spiel war. Seine - dem durchschnittlichen Menschen - überlegene Präzision machten ihn zu einem nicht zu unterschätzenden Gegner. Auch heute wieder hatte er damit das Überraschungsmoment auf seiner Seite. Letztlich, wer traut schon einer Katze die perfekte Beherrschung des Queues und der Kunst des Snookers zu. Um die Sache spannender (und lukrativer) zu machen, war Sternenlicht mittlerweile vom klassischen Snooker abgerückt und es ging nur noch um möglichst wagemutige Trickstöße, aufgebaut mit dem Kugelset des Snookers.

Erneut legte Sternenlicht an, die Queue schoss mit einer blitzartigen Bewegung nach vorne und versenkte zunächst eine pinkfarbene Kugel, gefolgt von einer weiteren roten in der mittleren Tasche der gegenüberliegenden, langen Seite. Ein einfacher Stoss. Nicht zu vergleichen mit dem, was jetzt einmal mehr notwendig war. Einige der Schaulustigen klatschen wieder Beifall.

Drei Kugeln waren noch übrig, die Grüne, ein weiterer roter Ball und natürlich die weiße Kugel. Dummerweise waren die beiden zu spielenden Kugeln auf der jeweils gegenüberliegenden Seite des Tisches, scheinbar unerreichbar Fern von der ungefähr in der Mitte des Tisches liegenden, weißen Kugel.

Wie so oft in den vergangenen acht Spielen entschloss sich Sternenlicht einmal mehr für das Risiko. Mister Jeffrey war anscheinend keine große Spielernatur, aber irgendetwas schien ihn getrieben zu haben, sein Shuttle als Sicherheit einzusetzen.

Das Katzenwesen blickte lässig mit leicht vibrierenden Schnurrhaaren zu ihm hinüber: "Die grüne Kugel hier, danach die Rote dort hinein, die Weiße wird noch vor der Baulk-Line zum stehen kommen. Doppelt oder nichts, wie sieht es aus?"

Der lässig in der einen Pfote Sternenlichts liegende Queue deutete dabei auf die verschiedenen Punkte die er anzuspielen gedachte. Jeffreys Blick wurde dabei immer ungläubiger. Seine Nerven schienen ohnehin dem Ende nahe zu sein, einige riskante Stöße des Sivaoaners hatten ihn in finanzielle Bedrängnis gebracht - aufhören konnte er aber nicht mehr. Nicht, seit Sternenlicht immer wieder alles auf eine Karte setzte. David hoffte, dadurch sein Shuttle, welches er schon seit ein paar Spielen als Sicherheit hinterlegt hatte, wieder zu bekommen.

"Ha! Du hast ja schon einige Stunts abgezogen, aber das hab ich noch nie gesehen. Die Wette gilt!" - 'Danach bin ich entweder pleite, oder hab noch einmal Glück gehabt’, setzte er in Gedanken hinzu.

Die Schnurrhaare des Barden schossen in Zustimmung nach vorne, danach konzentrierte er sich wieder auf den Tisch und prägte sich die Linien ein, die die Kugeln zu nehmen hatten. Die verblüfften Blicke der Zuschauer nahm er schon gar nicht mehr wahr.

--- Wohnraum

"Eine medizinische Notfallausstattung sollten wir uns besorgen, ob wir allerdings bei dieser ähh Himmelfahrtsmission eine vollwertige Ernährung sicherstellen müssen, glaube ich nicht", antworte Ruben nickend und legte das PADD unbewusst von einer Hand in die andere. "Ich schlage vor, dass Sie sich persönlich um die Besorgungen kümmern. Narbo sollte Ihnen Zugang verschaffen und April die nötige Rückendeckung gewähren können"

Diese Aufteilung hatte den netten Nebeneffekt, dass die "Störfaktoren" getrennt wurden und somit hoffentlich leichter zu kontrollieren waren. Der Ferengi war im Übrigen leicht für fremde Zwecke einzuspannen, wenn man ihm das Gefühl des Gebrauchtwerdens vermittelte. In der bajoranischen Technikeruniform hatte er zudem eine akzeptable Tarnung, vor allem im Vergleich zu dem Vulkanier.

Dessen Gesicht sah immer noch...gewöhnungsbedürftig aus.

Der Blick, den Ruben sich in diesem Moment von der Halbbajoranerin einfing, durchstach ihn wie ein scharfes Messer. Der Gedanke, dem kleinen Ferengi Rückendeckung geben zu müssen, gefiel der Kriegerin ganz und gar nicht ... Zu groß war die Versuchung, diese Nervensäge loszuwerden.

Allerdings - wenn sie sich das Ganze genauer überlegte, war es immer noch besser, als mit dem Vulkanier zusammen arbeiten zu müssen. Bei ihm würde sie auf jeden Fall Gefahr laufen, ihre Aufgaben zu vergessen.

Ein kurzer abschätzender und prüfender Blick traf Narbo - dann wandte sie sich wieder Ruben zu.

"Wie sieht es mit Waffen aus? Ein paar grundlegende Sachen bekommen wir hier in dem Zimmer ... aber ich fürchte, die werden wohl nicht ausreichen, sollte es zu einer Konfrontation kommen!"

"Wir befinden uns auf einer Raumstation mit 300 Soldaten. Mit was für Waffen willst Du da eine Konfrontation gewinnen, Weib?!", keifte der Ferengi aus dem Hintergrund. Er war immer noch wütend, weil Ruben eine Beschützerin für notwendig hielt. Er konnte gut auf sich selbst aufpassen...

Narbo grummelte noch weiter, aber Ruben bemühte sich ihn zu übertönen: "Ähh, wir können hier alle Handfeuerwaffen replizieren, die die Sternenflotte derzeit kennt, nachdem S'Tom wie erwähnt den Replikator manipuliert hat"

Inständig hoffte der Niederländer, dass Ihr Burgfrieden nicht wieder sofort zerbröselte.

--- Wohnraum, leicht abseits der Gruppe

Da diese Diskussion offensichtlich das Potential hatte, noch etwas länger zu dauern, wandte sich S'Tom in der Zwischenzeit an die eher unbeteiligte Cheyenne: "Auf diesem PADD finden Sie einen Teil der Posten von der Liste, angeordnet in der relevanten Reihenfolge. Wenn Sie bitte die Zeit sinnvoll nutzen und mit der Replikation im Schlafraum beginnen würden. Als Zwischenlager für fertige Gegenstände bietet sich dieser Teil des Wohnraumes an."

Der Vulkanier begab sich anschließend zum Replikator des Wohnraums, um dort mit einem anderen Teil der Liste zu beginnen. Posten 1: Ein Werkzeugkoffer, Klasse IV...

Cheyenne hatte dem Vulkanier ein wenig geistesabwesend zugenickt und dann das PADD an sich genommen. Für einen Moment ließ sie ihren Blick noch auf der Halbbajoranerin ruhen und wandte sich dann der Tür des Schlafzimmers zu. Wie es schien, würde diese dem Ferengi wohl doch nicht sofort ins Gesicht springen.

--- Schlafzimmer

Mit einem leisen Zischen schlossen sich die Türen des Raumes hinter der Pilotin. Cheyenne steuerte auf den Replikator zu, während sie mit einem Grinsen im Gesicht das sichtlich durchgewühlte Bett zur Kenntnis nahm, das Alex und April hinterlassen hatten.

"War wohl eine heiße Nacht ...", murmelte sie in sich hinein, als sie anfing, auf die Konsole des Replikators einzuhämmern.

--- Wohnraum

Etwas irritiert schaute sich Alex im Zimmer um und überschlug im Kopf die zusammengestellten Gruppen und ihre Aufgaben. Narbo, Llewella und April kümmerten sich um die nicht replizierbare Ausrüstung. Cheyenne und S'Tom befassten sich mit den Replikatoren. Und Ruben und er ... ?

Ja, was blieb denn noch übrig? Eigentlich nur noch die schwerste Aufgaben von allen. Die "Organisation" eines passenden Transportmittels. Alex zog die Stirn kraus, ging zu Ruben und tippte ihm auf die Schulter.

"Mr. Wagenvoort, sollten wir beide dann nicht auch bald aufbrechen, um das Shuttle zu besorgen, oder haben Sie uns beiden eine andere Aufgabe zugedacht?"

Nun, eigentlich hatte dieser ja dem Ferengi die Aufgabe des Eroberns und Eindringens überlassen wollen. Aber zerstreut wie er war, hatte er diesem jetzt schon für den anderen "Raubzug" abgestellt.

"Hmmm, ähh, ein guter Einwurf - der Zeitrahmen gebietet wohl schnelles Handeln. Können Sie denn die nötigen Modifikationen allein durchführen? Ich bin ähh handwerklich etwas unbegabt. Aber ich könnte dafür die Programmierung erledigen. Dann müssten wir nur noch das Vehikel besorgen, was in der derzeitigen Situation nicht einfach sein sollte"

April drehte sich ein wenig zur Seite und bekam nur noch am Rande Rubens Antwort mit. Den dreisten Ferengi versuchte sie zu ignorieren, während sie sich an die Ärztin wandte.

"So, an welchem Replikator bekommen wir Ihre Sachen?" Die Frage kam ein wenig ruppiger als sie eigentlich vor gehabt hatte, aber die Schottin würde damit leben müssen.

"Also die Modifikationen an sich sind eigentlich weniger das Problem", bemerkte Alex nachdenklich, während er im Kopf alles durchging. "Jedoch wird es zeitlich sehr knapp werden, da es doch relativ viel zu tun gibt. Aber ich denke, wir sollten uns darüber erst Gedanken machen, wenn es soweit ist. Ändern können wir vorerst jedenfalls nichts"

Kurz wandte er sich vom Niederländer ab, um einen Werkzeugkoffer zu holen und strich dann seine neureplizierte Technikeruniform glatt.

"Bereit für sämtliche Schandtaten, Sir", sagte Alex dann mit einem breiten Grinsen und einem angedeuteten Salutieren zu Ruben.

'So weit wird es hoffentlich nicht kommen', dachte Ruben seufzend, während er Alex Bemerkung mit einem schiefen Lächeln quittierte. Irgendwie hatte er ein ganz mieses Gefühl bei der ganzen Sache, aber das war wohl unvermeidlich angesichts ihrer Lage.

"Auf dem Weg zum Andockbereich kommen wir an der medizinischen Abteilung vorbei", fügte der Niederländer dann an April adressiert hinzu, "Ich schlage vor, dass Sie drei uns bis dahin begleiten. S'Tom, ich gehe ohne Zweifel davon aus, dass Sie hier vorerst zurecht kommen. Sobald wir bezüglich des Transportsmittels weitergekommen sind, werden wir uns auf einer verschlüsselten Frequenz bei Ihnen melden"

April wandte sich von der Ärztin ab und nickte Ruben zu.

"Na, dann mal los ...", murmelte die Kriegerin vor sich hin und begab sich zur Tür, wo sie den Öffner betätigte und einen vorsichtigen Blick in den Gang warf: Zumindest hier war alles ruhig.

Mit zwei langen Schritten ging sie zur gegenüberliegenden Seite des Ganges und winkte den Rest der Gruppe nach draußen.

--- Gang

Möglichst normal wirkend und mit seinem Werkzeugkoffer bewaffnet trat Alex hinaus auf den Gang, blickte sich kurz um und stellte sich dann neben April, die immer noch nach dem Rest der Truppe winkte.

Er war froh, dass er und Ruben noch eine Weile zusammen mit Aprils Gruppe unterwegs waren, so konnte er noch ein bisschen länger in ihrer Nähe sein und ihr notfalls zur Hilfe kommen, sollte sie in irgend eine brenzlige Situation geraten. Außerdem hatte er dann noch Narbo im Blick; ein weiterer positiver Nebeneffekt, denn er traute dem Ferengi nicht wirklich all zu weit.

Nachdem nach kurzer Zeit alle erforderlichen Personen im Gang standen, setzte sich die kleine Gruppe in Richtung Andockbereich in Bewegung.

Etwa zehn Minuten waren vergangen in denen Ruben sie durch eine beträchtliche Anzahl von Gängen geführt hatte, ohne dass sie auf nennenswerte Hindernisse gestoßen waren. Fast schon hatte die Kriegerin das Gefühl, der Niederländer würde sie bewusst durch nicht sehr hoch frequentierte Bereiche der Station führen, denn dafür, dass sie mitten in einen Krieg hineingestolpert waren, begegneten ihnen erstaunlich wenig Leute.

"Wie lange brauchen wir noch?", raunte sie Alex ins Ohr, der genau vor ihr ging.

Derweil ging Ruben um eine weitere Biegung.

Die Station war jetzt fast verwaist, lediglich die Militärangehörigen waren zurückgeblieben. Während ihres Schlafes war die verbliebene zivile Bevölkerung nach Bajor evakuiert worden.

Übrig waren sonst nur noch jene Unerschrockene, die bewusst die Gefahr suchten oder auf eine gute Gelegenheit zum Plündern hofften. Dergleichen Gesindel wartete meist mit einem Drink in der Hand und einem Lachen im Gesicht auf die ersten Kampfhandlungen.

Widerlich.

Noch eine weitere Weggabelung passierend, trafen sie endlich auf das Promenadendeck. Nur 50 Meter weiter war die Krankenstation: Sicherlich bereitete sich das medizinische Personal auf Verwundete vor...

--- Promenadendeck

Wie, als hätte Ruben Aprils geflüsterte Frage gehört, eröffnete sich vor ihnen das weite Promenadendeck der Station. Auch hier war es im Vergleich zu ihrem letzten Besuch relativ still geworden, auch wenn sich hier doch noch die meisten Menschen tummelten.

Kurz verlangsamte die Kriegerin ihren Gang und blickte sich prüfend um. In Anbetracht des nahenden Kampfes würde sie sich wohl keine Sorgen machen müssen, dass sie jemand für verdächtigt halten würde, wenn sie bis an die Zähne bewaffnet über einen öffentlichen Platz schlenderte. Kaum eine der anwesenden Personen gab sich die Blöße, unbewaffnet aus ihrem Quartier gekommen zu...

Mit ein paar langen Schritten schloss sie wieder zu Alex auf, der kurz stehengeblieben war, um auf sie zu warten. Im Vorbeigehen hauchte sie ihm einen Kuss auf die Wange und wandte sich dann an Ruben.

"Ich denke sie haben sicher schon eine Idee, wie wir unbemerkt auf die Krankenstation kommen ... oder?"

"Äh, eigentlich nicht. Aber vielleicht könnten Sie sich ja als Feldsanitäter freiwillig melden und dann die Vorräte unauffällig verschwinden lassen?", gab der Niederländer nach einigem Überlegen zurück, "Jedenfalls sollten wir erst dann auf Narbos Fähigkeiten zurückgreifen, wenn weniger aufwändige Strategien gescheitert sind - wie auch immer: Poulsen und ich müssen jetzt ein Vehikel besorgen..."

"Als was sollen wir uns ausgeben?" April war sich nicht ganz sicher ob sie den Niederländer richtig verstanden hatte bzw. ihn auch richtig verstehen wollte. Für einen kurzen Moment dachte sie über Rubens Vorschlag nach. Nun, die Ärztin würde ja vielleicht noch als Sanitäter durchgehen - bei Narbo und sich selbst war sich die Kriegerin da nicht so sicher.

Skeptisch blickte sie zu Campbell hinüber und warte auf deren Reaktion.

"Feldsanitäter", wiederholte die Schottin geistesabwesend, womit sie sich einen verärgerten Blick von April einhandelte.

Llewella warf einen prüfenden Blick über das Promenadendeck. Sie hatte, bevor die Gruppe das Admiralsquartier verlassen hatte, versucht, sich die Raumstation - oder zumindest die Bereiche davon, die sie nun besuchen würden - einzuprägen. Was aber angesichts der schieren Größe der Station nicht ganz einfach gewesen war und sie war sich auch nicht ganz sicher, ob sie ihr neu erworbenes Wissen zuverlässig würde einsetzen können.

Daher versuchte sie sich nun zu orientieren: Sie befanden sich auf dem unterem Teil des Promenadendecks, auf dem sich die Krankenstation befand.

Allerdings auch das Büro der Sicherheitsabteilung, wie Llewella nun wusste. Dieses Wissen lag ihr schwer im Magen, das musste sie zugeben. Irgendwie waren sie doch eine nicht ganz unauffällige Gruppe. Sie konnte daher nur hoffen, dass die Sicherheit momentan mit anderen, wichtigeren Dingen beschäftigt sein würde.

"Ich sehe ein kleines Problem bei unserem Unterfangen", wandte sich die hochgewachsene Frau dann an Wagenvoort. "Wir wissen nicht, ob der Stationsarzt, ich meine der Chefarzt, in der Krankenstation ist. Wenn das der Fall ist, kann ich nicht einfach an den medizinischen Replikator spazieren, selbst wenn S'Tom und Narbo mir zehn Mal durch Manipulationen Zugriff verschafft haben. Der Mediziner wird sein Team kennen und genau wissen, wer an die Replikatoren darf und wer nicht. "

Betretenes Schweigen folgte. Die Schottin fuhr fort: "Wir müssen also herausfinden, ob er dort ist oder nicht. Weiß jemand, wie der Doc heißt und wie er aussieht? Wer weiß, vielleicht befindet er sich ja gerade auf einem Ausflug ins Quark's - liegt ja immerhin genau gegenüber und außerdem" - leicht amüsiert blickte sie zu einer der offen stehenden Türen des Etablissements - "scheint da drin gerade einiges los zu sein, wenn man nach der Geräuschkulisse geht..."

"Der Chefmediziner heißt Bashir, soweit ich mich erinnere", antwortete Ruben und sparte sich den Hinweis, dass sein Erinnerungsvermögen sehr ausgeprägt war, "und Ihr Einwand ist berechtigt. Allerdings halte ich die Möglichkeit seiner Abwesenheit leider für gering, aber ein Versuch wird sicher nicht schaden. Andernfalls müssen wir uns eine ähh andere Strategie überlegen..."

--- Wohnraum

S'Tom hatte Rubens Worte mit einem kurzen Nicken zur Kenntnis genommen, sonst aber keine Reaktionen auf den Aufbruch der Gruppe gezeigt. Als diese den Raum verlassen hatte, atmete S'Tom innerlich kurz auf. Die Arbeitsatmosphäre hatte sich sprunghaft verbessert. Selbst mit vulkanischer Disziplin war es schwierig, speziell April zu ignorieren...

Während der Replikator mit einem etwas aufwändigeren Bauteil beschäftigt war, wandte sich der ehemalige Borg seinem Terminal zu, das inzwischen durch mehrere deplazierte PADDs deutlich kleiner wirkte. Die Gruppenmitglieder waren zwar aus seiner direkten Umgebung verschwunden, aber sie würden auf andere Bewohner der Station treffen. Vorsorglich baute er eine Verbindung mit der internen Stationsüberwachung auf, um über außergewöhnliche Vorkommnisse schnell informiert zu sein. Derzeit schien außer kleinerer Unruhe im Quark's alles relativ ruhig zu sein.

Danach gab der Techniker dem Replikator wieder einen neuen Auftrag, allerdings diese Mal nicht von der Liste. Kurz darauf materialisierten zwei Phaser Typ I.

Cheyenne betrat mit einer Tasse Kaffee in der Hand wieder den Wohnraum des Quartiers und beobachtete den Vulkanier für einige Augenblicke, wie er am Replikator stand. Auch wenn sie leise den Raum betreten hatte gab sich die Pilotin keineswegs der Illusion hin, dass er sie nicht bemerkt hatte.

"Was glauben Sie, S'Tom, wie groß ist unsere Chance wieder in unsere Zeit zu kommen?" Ihre unvermittelte Frage hallte fast hohl durch den stillen Raum.

"43% aus rein wissenschaftlicher Sicht. Allgemein betrachtet sind die Chancen durch verschiedenste mögliche Störfaktoren bis zum Aktivieren des Strahls im Shuttle allerdings deutlich geringer", antwortete S'Tom vom Replikator aus.

Cheyenne nickte langsam. Eigentlich hätte sie die Einschätzung des Vulkaniers erschrecken müssen, doch irgendwie hatte sie schon damit gerechnet. S'Tom war auch nicht unbedingt der Typ, so ein heikles Thema herunterzuspielen.

Mit einem kurzen Brummen wandte sich die Pilotin der Tür des Schlafzimmers zu und begab sich wieder an die Arbeit.

--- Promenadendeck

Aprils Blick wanderte zwischen Wagenvoort und Campbell hin und her.

"Also, was sollen wir machen? Einfach in die Krankenstation spazieren und gucken, ob jemand zu Hause ist? Ich glaube nämlich nicht, dass wir in dem Gewühl, das da hinten im Quark's gerade ist so schnell und unauffällig einen Chefarzt finden werden ..."

Abwartend musterte sie ihre beiden Gegenüber.

"Ähh, da muss ich widersprechen", gab Ruben sofort zurück, "Wir suchen eine männliche Person jüngeren Alters und arabischem Ethnotypes, die höchstwahrscheinlich die blaue Uniform eines Mediziners trägt"

Alles Daten, die man Dienstgrad und Namen entnehmen konnte.

"Und Sie sollten sich beeilen!", erinnerte er die anderen nochmals.

Für einen kurzen Moment musterte die Halbbajoranerin den Niederländer eingehend. Warum wusste dieser Kerl immer auf jeden Mist eine passende Antwort...?

"Verstehe ... ", bemerkte sie dann etwas genervt und steuerte auf die Bar zu. Der Rest würde ihr schon folgen wenn sie es für sinnvoll erachten würden.

"Hättest du Dir auch gleich denken können, Weib!", grummelte der Ferengi gerade so laut, dass April ihn mit Sicherheit hörte, stutzte dann aber innerlich und fügte beiläufig hinzu, "Aber was ist noch mal ein Arabidingsda? Nicht, dass Du es übersiehst?!"

„Na, so lange die nur solche Probleme haben, könnten wir überleben", lachte die Schottin innerlich, als sie den letzten Kommentar des Ferengis hörte. Während sie in Richtung der Bar schritten, meinte sie leise, an niemanden im Besonderen gewandt:

"Dunkle Haare, braune Augen, dunkle, jedoch nicht schwarze Haut. - wahrscheinlich suchen wir so was, das dann auch noch in einer medizinischen Uniform steckt..."

Wobei die Uniform wohl das Auffälligste sein dürfte, vermutete Llewella.

Vorsichtig betrat die Gruppe das Quark's. Hier war eine Stimmung wie auf einer großen Party, kaum zu glauben, dass ein großer Angriff bevorstand - und die meisten Menschen, die hier weilten, darüber Bescheid wussten. Wahrscheinlich war das mal wieder so eine Situation, wie sie für die gestresste menschliche Psyche so typisch war. Nun, Llewella war schließlich keine Psychologin, aber Ysara hätte es vermutlich irgendwie so beschrieben...

Niemand schien die Gruppe zu beachten. Vorsichtig, aber nicht zu auffällig vorsichtig - das hoffte sie zumindest - schob sich die hochgewachsene Schottin in den Raum hinein. Ihre Größe erlaubte ihr, über zahlreiche Köpfe hinüberblicken zu können.

--- Quark's

Dort drüben - da stand eine medizinische Uniform. Leider mit dem Rücken zu ihr. Dunkle Haare hatte ihr Träger, mehr konnte die Schottin beim besten Willen nicht erkennen.

Gemütlich trat sie ein wenig näher an den Menschenauflauf heran, konnte jedoch immer noch nicht mehr erkennen. Dafür erhaschte sie einen Blick auf die Ursache des Trubels. Ein Billardtisch, ein ziemlich großer Billardtisch, meinte sie. Ein Mann, der ziemlich blassgesichtig mit seinem Stock in der Hand daneben stand. Ob er wohl gerade verlor?

Die Rothaarige verhielt überrascht ihren Schritt, als sie feststellte, gegen wen der Mann zu spielen schien. Sie hatte zwar nur einen kurzen Blick auf das Katzenwesen werfen können - aber... war das tatsächlich Sternenlicht?

Und wenn ja, aus welcher Zeit war der Sivaoaner? Kannte er sie schon - oder würde er sie erst in etlichen Jahren kennenlernen? Llewella hatte keine klare Vorstellung, wie alt Sivaoaner werden konnten.

Da gab es nur eines - in seine Nähe gelangen und warten, ob er reagierte. Es war sehr gefährlich, dessen war sich die Rothaarige bewusst. Aber auf der anderen Seite starrten alle in diesem Raum anwesenden Menschen, die Sicherheitler eingeschlossen, gebannt auf das Billardspiel. Wenn sie die Fähigkeiten der Katzenwesen richtig einschätzte, musste sie gar nicht so sehr nahe an ihn heran...

Vorsichtig bahnte sie sich ihren Weg - die restliche Gruppe hatte sie beinahe vergessen...

Wenn Sternenlicht eines hatte, dann war es Geduld. Zumindest behauptete das der durchschnittliche Mensch von ihm. Wenn man einen Sivaoaner fragen würde, könnte die Antwort aber durchaus auch anders ausfallen. Die Figur, die er zu spielen gedachte, war auch für ihn an der Grenze dessen, was er überhaupt für machbar hielt. Physikalisch machbar zumindest.

Über eine Minute konzentrierte Sternenlicht sich, ohne auch nur einen Millimeter der Bewegung. Seine Natur ermöglichte es ihm, die Umgebung völlig auszublenden und sich nur noch auf die vor ihm liegende Aufgabe zu konzentrieren - wie auf einer Jagd. Um den Tisch herum war Stille eingekehrt von einem gelegentlichen Murren unterbrochen, als eine hochgewachsene Frau ihren Weg durch die Schaulustigen bahnte.

Das Unterbewusstsein des Sivaoaners nahm diese Bewegungen wahr, stufte sie als unbedeutend ein. Später würde er sich genau daran erinnern können, würde Llewella in der Erinnerung auf Anhieb erkennen und würde auch ihr überraschtes Gesicht einordnen können. Jetzt aber hielt das Unterbewusstsein eben jenes Jägers genau diese Informationen von ihm fern.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel zuckte das Queue nach vorne. Mehr ein weißer Streifen für das menschliche Auge jagte die weiße Kugel quer über den Tisch und traf die grüne Kugel mit einem markerschütternden Krachen. Noch während Weiß in einem weiten Bogen über den Tisch glitt, hörte man bereits das charakteristische Geräusch einer Kugel, die in eine Tasche fällt. Nur Augenblicke später prallte der Spielball auf die einzige, noch verbliebene Kugel. Diese begann jetzt nervenaufreibend langsam auf die angesagte Tasche zuzurollen. Für einen unendlichen Moment schien es, als ob Sternenlicht zum ersten Mal einen Stoß verlieren würde. Doch dann entschloss sich die rote Kugel doch noch, mit der verbliebenen kinetischen Energie in die Tasche zu rollen.

Ein Rumoren ging im gleichen Moment durch die Menge, teils begeistertes, teils aggressives - je nachdem, ob die betreffende Person für oder gegen Sternenlicht gewettet hatte. Das traf insbesondere für David Jeffrey zu. Noch während sich Sternenlichts Schnurrhaare zufrieden nach vorne neigten, verfinsterte sich dessen Miene zusehends.

"Katzenmensch! Ich weiß nicht, wie Du diesen Stunt abgezogen hast, aber Gnade Dir Gott, wenn ich es herausfinde!" Mit einem Seitenblick auf die anwesenden Sicherheitler schnippte er Sternenlicht den Zugangschip für sein Shuttle zu und verschwand wutschnaubend auf dem direktesten Weg aus der Bar, ohne auf das Fluchen der Angerempelten Rücksicht zu nehmen.

Sternenlicht reagierte nicht darauf, warum sollte er auch. Natürlich kribbelte es unter seinem Fell, aber was nützte es, hier auf der Station einen Streit anzufangen. Er würde sie ohnehin schnellstmöglich verlassen. Erst in diesem Moment schaffte es ein Bild zurück an die Oberfläche seines Bewusstseins. Konnte das sein? Sternenlicht wusste nicht, ob Llewella jemals auf DS9 war, an Zufälle allerdings, glaubte er schon seit längerer Zeit nicht mehr. Er blickte direkt in die Augen Llewellas.

Die Rothaarige starrte ungläubig über die Köpfe der Menge.

Narbo dagegen starrte ungeduldig an die Köpfe der Menge.

Sein sehr ökonomischer Körperbau ließ keinen Blick in die Richtung zu, so sehr er sich auch streckte. Was ihm sein Gehör verraten hatte, war für eine Bar nicht ungewöhnlich. Klirrende Gläser im Hintergrund, aber eine bedeutungsschwangere Ruhe in Richtung der Billardtische. Dann das Klacken von Kugeln – ein Mehrbandenstoß - und das Fallen in die Taschen.

Am Ende die Beschwerde eines Mannes über das Katzenwesen...

'Katzenwesen?', wiederholte der Ferengi innerlich, 'Doch wohl hoffentlich nicht dieses räudige Ding!'

"Sag mir, dass das nicht wahr ist!", zischte er dann Richtung Llewella.

April hatte sich in der Zwischenzeit unter die Menge der Schaulustigen gemischt und es geschafft, sich in die Mitte der Personenmenge vorzuarbeiten. Auch wenn sie nicht ganz so groß wie die Schottin war, konnte sie doch soweit über die Menge blicken, um einen Teil der Gesichter erkennen zu können.

Für einen kurzen Augenblick verweilte ihr suchender Blick auf dem Katzenwesen, das sich am Billardtisch befand und sich nun eingehender mit Campbell zu beschäftigen schien. Innerlich veranlasste es April zum Schmunzeln - wenigstens würde nicht nur sie die Zeitlinie ein wenig durcheinanderbringen.

--- Altes Sternenflottenshuttle, Stunden später

Am Abend machte David sich auf den Weg, sein letztes Hab und Gut aus seinem...nein, Sternenlichts Shuttle zu holen. Beim Durchsuchen seiner Taschen an Bord fand er eine Flasche Whiskey. Er setzte sich in dem viel zu kleinen Schlafquartier mit dem viel zu hartem Bett auf den Boden und trank frustriert.

'Ich hab ihm noch nicht mal einen Namen gegeben', dachte er sich noch...

--- Promenadendeck, wieder im Jetzt

Einen Moment hatte der Niederländer April nachgeschaut.

'Na endlich, die ist aber auch nicht schnell von Kapee', dachte er kopfschüttelnd, behielt aber seine Feststellung für sich. Alex hätte sicherlich eine andere Einschätzung abgegeben, die aber gewiss durch seine Beziehungsebene subjektiv eingefärbt gewesen wäre.

Und sie hatten ja wichtigeres zu tun, als über Nebensächliches zu diskutieren:

"Dann wollen wir mal los!"

Alex nickte stumm, blickte noch einmal kurz zum Quark's und schritt dann zum nächstgelegenen Lift, der zum inneren Ring der Station führte, wo seines Wissens nach die Shuttles - besser gesagt die Runabouts -untergebracht waren. Etwas nervös betrachtete er seinen Werkzeugkoffer, während Ruben und er auf das Eintreffen der Liftkabine warteten.

"Ob die Anderen den Arzt wohl finden werden, ohne all zuviel Aufsehen zu erregen?", fragte Alex den Niederländer leise, während er versuchte, die Besorgnis für April aus seiner Stimme zu verbannen.

"Ähh, gewiss"

Der Niederländer legte sein zuversichtlichstes Gesicht auf. Allemal besser, als eine realistische Einschätzung zu geben: 'Nein, wahrscheinlich werden sie wie wir auch gefangengenommen und verhört werden'

Er spürte Poulsens Blick auf sich verharren. Der Techniker hatte offensichtlich etwas mehr erwartet. Ruben fluchte innerlich 'Verdammt, warum kommt der Lift nie schnell, wenn man ihn braucht?'

'Ähh, gewiss'? Eigentlich hatte Alex etwas mehr erwartet, jedoch wurde der Niederländer durch die Ankunft des Liftes erlöst und so blieb es bei einem beinahe entschuldigenden Blick, bevor die Beiden den Lift betraten.

Natürlich waren sie nicht alleine. Zwei Offiziere mit blauen Uniformen der medizinischen bzw. wissenschaftlichen Abteilung nickten ihnen freundlich entgegen, bevor sie sich leise wieder ihrem Gesprächsthema widmeten. Notfallprotokolle der Krankenstation.

Alex stupste Ruben unauffällig an und nickte kurz in Richtung der beiden Mediziner. Passte der eine nicht zu der Beschreibung des Arztes, den die andere Gruppe im Quark's suchte?

--- Quark's

Die Schottin bemerkte, dass der Sivaoaner auf sie aufmerksam geworden war. Sie hatte den Eindruck, als würde Erkennen in seinen Augen aufblitzen - aber so genau konnte sie das nicht beurteilen, denn immerhin war er eine Katze.

Kurz blickte sie sich im Raum um, ob bereits jemand auf sie aufmerksam geworden sei. Jedoch begann die Menge, die sich um den Billard-Tisch versammelt gehabt hatte, sich langsam aufzulösen. Die hochgewachsene Frau trat unschlüssig von einem Fuß auf den anderen. Dann beschloss sie, ein gewisses Risiko einzugehen. Sie trat auf den Sivaoaner zu und meinte leise: "Ich grüße Dich, Sternenlicht zu-Srallansre. Du weißt nicht zufällig, ob sich der Arzt der Station hier irgendwo befindet und kannst ihn mir unauffällig zeigen?

Sternenlicht war sich sicher: Die Llewella, die auf ihn zutrat, war eindeutig die Llewella aus der Zukunft. Wäre sie fünf Jahre jünger, wäre das leicht zu erkennen gewesen. Die Frage, wie sie hierher gekommen war, würde er allerdings zu einem anderen Zeitpunkt klären.

Während er seinen Queue und die Billard-Kreide verräumte, antwortete er: "Hallo Llewella Campbell. Diese Frage kann ich Dir nicht beantworten, da ich den Arzt hier nicht kenne. Bist Du krank?" Sternenlichts Sinne nahmen dabei Llewellas Körper in genaueren Augenschein, krank schien sie nicht zu sein, soweit man es im Dunst dieser Kaschemme beurteilen konnte.

--- Turbolift

Zuerst hatte Ruben Alex Signale nicht richtig verstanden. Diese offene Lift-Bauweise hatte ihn zunächst etwas irritiert, obwohl es bestimmt irgendwelche Sicherheitsmechanismen gab.

'Bestimmt', versicherte er sich nochmals in Gedanken, bevor er dann die beiden Fremden musterte. Sie sahen für Sternenflottenoffiziere eigentlich nicht ungewöhnlich aus, auch wenn die Frau eine atemberaubende Mischung aus Intelligenz und Sex-Appeal ausstrahlte - und dann noch diese süßen Punkte...

Der Mann dagegen: Um die 30 Jahre, arabischer Herkunft, aalglattes Gehabe - Moment, das musste Bashir sein! Vor Aufregung begann der Sicherheitler in der Uniform eines Technikers schneller zu atmen.

"Kann ich Ihnen helfen, Lieutenant?", sprach ihn unvermittelt der Arzt an. Er musste diesen unbewusst angestarrt haben.

"Ähh, ich habe schon den ganzen Tag diese bronchialen Beschwerden. Kann ich deswegen wohl noch die Krankenstation aufsuchen, oder sind dort alle schon im Stress. Sie erwähnten gerade das Eintreten der Notfallprotokolle, Doktor"

Ruben war sich nicht sicher, ob er mit dieser Antwort einen Blumentopf gewinnen konnte, aber etwas Besseres war ihm eh nicht eingefallen.

Außerdem war das mit den Beschwerden nicht gelogen gewesen.

"Derzeit sollten sich nur zwei Pfleger auf der Krankenstation befinden, der Rest rüstet die medizinische Abteilung der Defiant auf. Also kommen Sie besser nach dem Gefecht"

Bei dem überlegenen Getue des Arztes wurde Wagenvoort anders, dennoch hatte er eine wichtige Information erhalten - die jetzt nur noch weitergegeben werden musste.

Kurzentschlossen wies Ruben den Lift an, bei dem nächsten Deck zu halten. Hoffentlich war dort niemand in der Nähe.

Beinahe hätte sich Alex die Hand vor die Stirn geschlagen, als Ruben mehr oder weniger Hals über Kopf den Lift zum Anhalten befohlen hatte. Noch auffälliger konnte man sich ja fast nicht verhalten und ihm kam es fast so vor, als würden Bashir und seine Kollegin sie beide nun etwas intensiver anschauen.

Alex versuchte einen entschuldigenden Gesichtsausdruck zur Schau zu geben, bevor sie den Lift verließen, um die Offiziere nicht zu irgendeiner dummen Idee bezüglich Meldung machen oder so zu ermuntern.

--- irgendein Deck

Alex funkelte den Niederländer böse an, als der Lift verschwunden war und wenn sie sich nicht in einer so schwierigen Situation befunden hätten, dann hätte er Ruben einen Schlag auf den Hinterkopf verpasst.

"Schon mal was von Unauffälligkeit gehört?", entgegnete er ärgerlich und verschränkte die Arme vor der Brust.

"Das Konzept des bedächtigen Handelns mit der Absicht, möglichst wenige als negativ empfundene Reize und Reaktionen bei bestimmten Personen auszulösen, ist mir bekannt", stellte Ruben klar.

Er war sich auch nicht ganz sicher, was der Techniker hatte sagen wollen.

Vielleicht war es als Kritik gemeint, dafür sprach zumindest das offensive Verhalten des Technikers. Ob die Kritik begründet war, wusste der Niederländer nicht - er selbst konnte nur sehr eingeschränkt die Reaktionen auf sein Handeln einschätzen.

Nervös tippte er währenddessen auf einem öffentlichen Terminal herum. Er hatte leider keine Zeit, ein privateres Umfeld zu suchen. Dann, einige Sekunden später, erschien endlich das Bild von S'Tom auf dem Display:

"S'Tom, könnten Sie irgendwie eine Verbindung mit der zweiten Gruppe herstellen? Wie wir gerade herausgefunden haben, ist die Krankenstation derzeit nur minimal besetzt"

--- Wohnraum

Der Vulkanier war leicht überrascht gewesen, bereits so früh eine Nachricht zu erhalten. Die Gruppe wäre deutlich erfolgreicher gewesen als erwartet. Dass dies dann nicht der Fall war passte wieder besser zu den Projektionen.

S'Tom bestätigte Wagenvoorts Anfrage mit einem "Wird gemacht", und beendete nach einer kurzen Pause für mögliche weitere Anfragen - die nicht kamen - die Verbindung.

Nachdem er ein gerade fertiges Bauteil wieder gelagert und dem Replikator ein neues einprogrammiert hatte, begab er sich zu seiner Arbeitsstation. Der ehemalige Borg musste sich eingestehen, dass es ein Fehler gewesen war, nicht vor Verlassen der Gruppe die Kommunikationsprotokolle genauer zu regeln. Es würde sich jedoch leicht korrigieren lassen.

Einige Minuten später hatte er die Kommunikatoren, die die Gruppenmitglieder an ihren Uniformen trugen, unter falschen Identifikationen in das interne Kommunikationsnetzwerk eingebunden.

Als er die Sicherheit der Verbindungen nochmals überprüft hatte, öffnete S'Tom einen Comlink zu Llewella und April und wartete auf eine Bestätigung.

--- irgendein Deck

Alex hatte bei der von Ruben an den Haaren herbeigezogenen Erklärung über sein "ungünstiges" Verhalten nur entsetzt die Augenbrauen in die Höhe gezogen, denn was anderes fiel ihm dabei wirklich nicht ein. Wie zum Geier hatte es Rubens Erbmaterial überhaupt geschafft, sich zu etwas anderem zu entwickeln, als einer winzigen Mikrobe? Oder einem Fusseltierchen? Oder allerhöchstens zu einer Qualle.

Er wusste schon, warum er Techniker geworden war. Da gab es selten irgendwelche sonderbaren Dinge, die nicht mit einer guten Portion Logik und Phantasie gelöst werden konnten. Jedoch bei Wesen der Natur? Hoffnungslos...

"Nachdem das mit dem Verständigen der anderen nun erledigt ist ... wo geht es nun lang?"

"Wir folgen dem Weg geradeaus für 57,21 Meter, biegen dann nach halbrechts ab, legen weitere 9,45 Meter zurück, um dann den Aufzug 49 zu wählen: Dieser bringt uns drei Decks nach oben...", führte Ruben so präzise wie möglich aus und unterlegte seine Erläuterung mit den jeweils passenden Gesten.

Nur dass diese Gesten bei dem Niederländer mit seinen langen, schlaksigen Armen einfach nicht passend wirken wollten.

"...und sollten dann das Ziel erreicht haben"

--- Quark's

"Also, ich kann hier niemanden sehen, der auf Rubens Beschreibung passt!" April hatte sich entgegen dem Menschenstrom zum Billardtisch vorgearbeitet und tauchte nun direkt neben der Ärztin und dem eigenartigen Katzenwesen auf.

Einige Augenblicke wartete die Halbbajoranerin auf eine Reaktion seitens Llewella, die allerdings ausblieb, was sie dazu veranlasste, einige Male abwartend zwischen ihr und ihrem Gesprächspartner hin- und herzublicken.

"Miss Campbell, wollen sie mich vielleicht ihrem neuen Freund vorstellen?"

Die Ärztin wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als die Kommunikatoren der beiden Frauen leise zu piepen begannen. April bedachte Llewella mit einem kurzen fragenden Blick, den diese nur mit einem Schultzerzucken kommentierte.

Kurzerhand drehte sich die Kriegerin um und tippte auf das Kommunikationsgerät.

"Ja, was gibt’s?"

Während sich April ihrem Kommunikator zugewandt hatte, setzte Llewella zum dritten Mal dazu an, Sternenlicht seine Frage zu beantworten. "Nein, Sternenlicht, ich bin nicht krank, aber wir versuchen herauszufinden, ob die Krankenstation besetzt ist oder nicht"

Dann lächelte sie das Katzenwesen freundlich an. "Schön, dass es Dich auch in diese Zeit verschlagen hat. Wollen wir gemeinsam den Rückweg suchen? Deine Hilfe wäre sehr willkommen!"

--- irgendein Deck

Alex ignorierte das wilde Herumgerudere von Rubens Armen und setzte sich in die zuerst angezeigte Richtung in Bewegung. Im Flur war es ziemlich ruhig, keiner kam ihnen entgegen und die Beleuchtung war anscheinend auch nicht hundertprozentig aktiv, denn lange Schatten hingen im Gang und ließen ihn beinahe bedrohlich aussehen.

Zum Glück jedoch war es ja nicht wirklich weit bis zum nächsten Lift und schon nach kurzer Zeit hatten sie ihn erreicht. Diesmal mussten sie sogar nicht lange warten, bis die Liftkabine auf ihrem Deck hielt und die beiden auf das gewünschte Zieldeck brachte.

--- drei Decks höher

Vorsichtig traten Ruben und Alex aus der Liftkabine und schauten sich um: Wieder ein Deck, wieder schummrige Beleuchtung und keiner zu sehen.

"Sind wir hier richtig?", fragte Alex und machte einen Schritt hinaus auf den Flur. "Irgendwie sieht's hier genauso aus wie eben."

Der Niederländer musste sich wirklich fragen, ob Poulsen das ernst meinte. Er war doch sicher schon auf mehreren Einrichtungen im Weltall gewesen und hatte dabei bemerken müssen, dass eine einheitliche Bauweise bei den meisten Spezies verbreitet war.

Dadurch war es möglich, viele identische Bauelemente zu fertigen.

"Das sollte uns nicht beunruhigen" Der vorherige offensive Tonfall veranlasste Ruben, die Erklärung des Ganzen nicht laut auszusprechen. Alex hätte sich mit ziemlicher Sicherheit angegriffen gefühlt.

"Noch ein paar Mal abbiegen, und wir haben unser Ziel erreicht!"

Fast kam es Alex so vor, als klinge Ruben wie ein antiquierter Navigationscomputer. 'In zwei Lichtjahren haben Sie ihren Bestimmungsort erreicht!', hallte es gedanklich durch seinen Kopf, während er hinter dem Niederländer hertrottete und versuchte, sich irgendwie in den düsteren Gängen zu orientieren. Was nicht wirklich einfach war.

Kurz schlich sich der ängstliche Gedanke ein, er könnte Ruben verlieren und sich in der riesigen Station verlaufen, um dann in ein paar Tagen irgendwo auf einem Flur zu verhungern, nachdem er aus dem Labyrinth nicht mehr heraus gefunden hatte.

Wie auf Befehl knurrte sein Magen so laut, dass er schon dachte, Ruben würde es hören, doch der lief unbeirrt weiter und Alex schloss schnell einen Schritt auf, um nicht wirklich Gefahr zu laufen, den Sicherheitler zu verlieren.

Der Niederländer spürte, wie Alex sich ihm näherte.

Fast konnte er den unruhigen Atem in seinem eigenen Nacken fühlen, aber das war sicher nur Einbildung. Dennoch reagierten dort feine Härchen und richteten sich alarmiert auf!

Und dann noch diese Verdauungsgeräusche, in einer geradezu obszönen Lautstärke!

Zwar gab es wenige Dinge, für die Ruben mehr Verständnis hatte, als für körperliche Unzulänglichkeiten, aber wenn Poulsen jetzt Hunger hatte, dann war es seine eigene Schuld:

Dieser hätte ja nicht die kompletten letzten Tage mit April rummachen müssen - Wagenvoort hatte die Zeit besser genutzt und das ein oder andere Sandwich gegessen! Freilich schien das Essen bei ihm irgendwo zu verschwinden.

Dauerhaft angesetzt hatte er noch nie, vielleicht eine Störung in seinem Stoffwechselsystem. Rubens Ärzte beharrten darauf, dass es nicht krankhaft bedingt war. Er selbst war sich da nicht so sicher.

Vielleicht dachten Sie, dass er die Wahrheit nicht vertragen würde...

Unterbewusst war er die ganze Zeit weitergegangen und kam schließlich vor einem großen Schott zu stehen:

"Dahinter sollte sich unser Ziel befinden! Haben Sie schon eine ähh Idee, wie wir höchstwahrscheinlich vorhandene Wachleute überlisten können?"

"Ich dachte mir", begann Alex, während er ein breites Grinsen zu unterdrücken versuchte, "Sie ziehen sich nackt aus, stürmen wie ein Irrer in die Shuttlerampe, faseln irgendetwas über die Wiederauferstehung der Propheten oder so und lenken damit die eventuell vorhandenen Wachen ab. Währenddessen werde ich versuchen, mich unbemerkt an die Kontrollen zu begeben, um irgendwie die Wachen außer Gefecht zu setzen."

Er warf einen vorsichtigen Blick zu Ruben, um seine Reaktion abzulesen und um frühzeitig in Deckung zu gehen, bevor der Niederländer explodierte und den Flur und ihn besudelte.

--- Wohnraum

Aus den relativ lauten Hintergrundgeräuschen schloss S'Tom, dass sich April derzeit offensichtlich im Quark's aufhielt - aus welchen Gründen auch immer. Es war zwar nicht der perfekte ruhige Platz für den Empfang einer Nachricht, aber durch die besonders vielen lauten Leute war die Wahrscheinlichkeit eines "feindlichen Mithörens" der Nachricht im Verhältnis zu manch anderen Orten begrenzt.

Diese Überlegungen fanden noch während dem "Was gibt's?" statt, woraufhin der Vulkanier mit seiner Antwort begann: "Die Krankenstation ist derzeit nur minimal besetzt. Außerdem können Sie ab sofort die anderen Gruppenmitglieder mit Ihren Kommunikatoren erreichen."

In Folge zählte S'Tom die Kennungen der Kommunikatoren auf.

--- Quark's

April verdrehte die Augen, als der Vulkanier anfing die Zahlenkombinationen runterzurattern. Wie konnte er nur davon ausgehen, dass sie sich das alles merken würde?

"S'Tom, ich hoffe es reicht auch, wenn ich nur die Person angebe, mit der ich reden möchte!" Das zornige Zischen, das die Halbbajoranerin in ihre Worte legen wollte, ging fast im Lärm der Kneipe unter.

Die empfindlichen Ohren des Sivaoaners hatten kein Problem damit, das Kommunikator-Gespräch von April mitzuverfolgen. Sollte es nötig sein, war es sicher praktisch, die verschiedenen Kommunikatorkennungen im Gedächtnis zu haben. Innerlich musste Sternenlicht April allerdings Recht geben - mit wem auch immer sie sprach, er hatte recht wenig Verständnis von den engen Möglichkeiten eines humanoiden Gedächtnisses.

"Über das 'schön' ließe sich sicherlich trefflich streiten, Llewella, aber dafür ist jetzt keine Zeit. In einer Beziehung hast Du allerdings sicherlich recht: Es wird auf jeden Fall ein atemberaubendes Lied geben. Bis dahin warten aber noch ein paar unmittelbarere Probleme auf uns"

Die Schottin nickte bei diesen Worten.

"In Anbetracht der Zustände hier auf der Station würde ich gerne so wenig Zeit wie möglich verschwenden: Ich werde im Laufe der nächsten halben Stunde mit einem Shuttle hier ablegen, Du und Deine Freunde sind natürlich herzlich eingeladen, das Shuttle dürfte groß genug für ein dutzend Leute sein, wenn wir nicht gerade nach Sivao fliegen wollen. Apropos: Mit wem spricht Deine Kollegin da gerade?"

Llewella konnte ein breites Grinsen nicht unterdrücken. "Das ist S'Tom, unser vulkanischer - hm - Computerknacker. Zumindest ist dies derzeit sein Aufgabengebiet"

Dann wandte sich die Schottin an April, die mit gerötetem Gesicht nahe bei ihr stand: "Habe ich da etwas von 'Krankenstation' aufgeschnappt?"

Einige Augenblicke lauschte die Kriegerin auf die Stille, die durch den Kommunikator drang - dann kappte sie wütend die Verbindung zu S'Tom. Sie hatte nicht vor, ewig auf eine Antwort zu warten. Der Vulkanier konnte froh sein, dass er sich gerade nicht in Reichweite befand.

Etwas steif und sichtlich darum bemüht, ihrer Wut nicht freien Lauf zu lassen, drehte sie sich wieder zu der Ärztin um.

"Mister Vulkanier meinte gerade, dass die Krankenstation nur minimal besetzt sei - ich geh mal davon aus, dass das so viel heißen soll wie, dass er weiß, wo sich dieser Arzt aufhält und wir da ohne Bedenken erstmal rein können."

Eine kurze Pause entstand in der sich die Halbbajoranerin zu dem Katzenwesen wandte.

"Mein Name ist April und wie heißen Sie?"

"Ich bin Sternenlicht zu-Srallansre, Wissenschaftler auf der Atlantis."

April musterte das Katzenwesen noch einmal von oben bis unten.

"Atlantis - die konnte ich bis jetzt noch nicht so wirklich kennenlernen. Ich gehe davon aus, dass Sie auch aus der Zukunft hierher gepurzelt sind, wenn Sie beide sich so gut auf Anhieb verstehen ..."

Sternenlichts Schnurrhaare ruckten nach vorne, als er Aprils Frage mit einem kurzen, seltsam akzentuierten "Yeah" bestätigte. Einen Moment lang noch ruhte der Blick der Frau auf seinem Gesicht, ehe sie weitersprach:

"Hab ich das richtig mit bekommen: Wir haben ein Schiff? Das sollten wir vielleicht Ruben und Alex sagen - damit sie sich nicht zu Tode suchen ...“

Bei dem Gedanken an den Techniker machte das Herz der Kriegerin einen kleinen Satz in die Luft...

"Zunächst einmal, für das Protokoll, es ist mein Schiff. Zumindest seit ungefähr fünf Minuten, und fragt mich bitte nicht, in welchem Zustand es ist. Es fliegt, soviel weiß ich schon mal. Platz sollten wir für rund ein dutzend Leute haben, auch wenn es sicherlich für einige etwas unbequem wird. Es ist ein Shuttle, was für den Frachttransport ausgelegt ist.

Ruft Ihr mal Eure Leute zusammen, ich werde eben noch ein paar Schulden des ehemaligen Shuttle-Besitzers begleichen müssen, sammelt mich einfach an der Bar wieder ein."

Mit diesen Worten verschwand Sternenlicht in Richtung Bar, wo er nach kurzen, aber nicht weniger heftigen Verhandlungen einige Streifen Latinum an Quark überreichte.

--- Wohnraum

S'Tom hatte April noch erklären wollen, dass die Kommunikatoren aus Sicherheitsgründen nur mit Kennungen, nicht allerdings mit dauerhaft gleichbleibenden Namen - und schon gar nicht den echten - in das Stationsnetzwerk eingebunden waren.

Doch es war etwas Dringlicheres dazwischen gekommen: Der noch unfertige Tachyon-Inverter, mit dem der Replikator beschäftigt war, zeigte deutliche Anzeichen einer Überlastung. Vermutlich war eine Energiezelle während des Konstruktionsprozesses aktiviert worden, was frühestens nach der Fertigstellung hätte geschehen sollen. Und da der Replikator diese ständig regenerierte, würde die Aktivität aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von selbst erlöschen.

Der Vulkanier begab sich schnell zum Replikator, in dessen Nähe die Wärmeabstrahlung bereits spürbar war. Er hatte keine Zeit zu verlieren - eine komplette Überlastung oder auch nur eine allzu starke weitere Erhitzung würden unweigerlich einen Alarm auslösen. Es fehlte ihm geeignetes Werkzeug, daher riss er schnell zwei Stoffstreifen von seiner Uniform ab, wickelte diese um seine Hände und griff dann zu.

S'Tom musste einiges an Willenskraft aufwenden, um die Schmerzen und den Geruch seiner eigenen verbrannten Haut zu unterdrücken.

Er hatte es geschafft, den sich überladenden Tachyon-Inverter aus dem Replikator auf den Boden zu befördern. Das Gerät war heiß genug gewesen, in den 730 Millisekunden des Kontaktes selbst durch den Stoff der Uniform an seinen Händen Verbrennungen (Schmerz und Geruch nach zu urteilen dritten Grades) zu verursachen, seine Temperatur hatte aber glücklicherweise nicht die Zündtemperatur des Bodenbelags überschritten.

"Ich bin soweit fertig!" Mit diesen Worten spazierte die Pilotin zur Tür des Wohnraums herein und wurde von dem stechenden Geruch verbrannten Fleisches empfangen. Ihr Adrenalinspiegel schnellte mit einem Mal nach oben und mit drei weiteren Schritten war sie auch schon neben S'Tom, um sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen.

"Verdammt, was machen Sie denn da?"

Als Cheyenne das Zimmer betrat, war der Vulkanier gerade mit der Erstinspektion seiner Hände beschäftigt. Der Stoff der Uniform ließ sich leicht ablösen, das eigentliche Fleisch seiner Hände war anscheinend nicht allzu stark geschädigt, und die Borg-Technologie schien gänzlich unbeschadet zu sein. Dass man Teile der letzteren mangels Haut an manchen Stellen sah, war natürlich kein gänzlich positives Zeichen.

Während im Hintergrund der Tachyon-Konverter langsam abkühlte, schilderte S'Tom kurz die Ereignisse und bat Cheyenne um die Replikation eines Haut-Regenerators.

Der skeptische Blick der Pilotin haftete für einige Momente auf dem Gesicht des Vulkaniers, der keinerlei Miene verzogen hatte. Sie an seiner Stelle hätte wohl in Anbetracht der doch ziemlich unangenehm aussehenden Verletzung nicht ein so entspanntes Gesicht aufsetzen können.

Mit einem Kopfschütteln begab sich Cheyenne zum Replikator, und brachte S'Tom dann den gewünschten Generator.

"Sind Sie dann auch fertig mit dem Replizieren, S'Tom?"

Während Cheyenne begann, mit dem Hautregenerator seine Hände zu behandeln, antwortete der Vulkanier: "Es sind noch 4 aufwändige Bauteile ausständig, den Tachyon-Inverter eingeschlossen", wobei er einen kurzen Blick auf das noch immer heiße defekte Bauteil am Boden warf. Diese würde wieder in seine Bestandteile zerlegt werden müssen, sobald es ausgekühlt war.

Die Haut an seiner rechten Hand war inzwischen ausreichend verheilt, sodass S'Tom nun selbst den Regenerator übernehmen konnte. "Danke. Wenn Sie die restlichen Teile hier replizieren, kann ich währenddessen bereits die bestehenden teilweise zusammenbauen", wandte er sich an die Pilotin.

--- Quark's

Die Kriegerin blickte dem Katzenwesen für einen Moment irritiert nach. So abrupt hätte er sich doch auch nicht verdrücken müssen. Da aber die Ärztin nicht darauf reagierte zuckte April nur mit den Schultern und wandte sich dann ihrem Kommunikator zu.

Mit einer kurzen Handbewegung zog sie das kleine Gerät von ihrem Shirt und drückte ein paar Mal hilflos darauf herum.

"Verdammt, es gibt da eine Möglichkeit, den letzten Gesprächspartner zu rufen ... wissen Sie wie das geht?" Einen fragenden Blick im Gesicht habend wandte sie sich an Campbell.

Die Schottin zog amüsiert die Augenbrauen hoch. "Ich bin Ärztin, kein Techniker!", meinte sie mit einem Grinsen, ließ sich dann jedoch von April den Kommunikator reichen. Ein paar Handgriffe später konnte die hochgewachsene Frau damit S'Tom erreichen.

Sie gab April den Kommunikator zurück und meinte: "Reden Sie mit dem Vulkanier, ich frage Sternenlicht, wo sich die Gruppe denn am besten hinbegeben sollte...."

Mit diesen Worten ließ auch sie die temperamentvolle Frau stehen, die sich anscheinend schon wieder auf dem besten Weg in einen Anfall von Ärger befand, und folgte dem Sivaoaner. In vernünftigem Abstand blieb sie stehen, um ihn nicht in seinen Geschäften zu stören, jedoch so, dass er sie wahrnahm und bemerken konnte, dass sie mit ihm sprechen wollte.

Langsam zog die Halbbajoranerin die Luft zwischen den Zähnen ein und biss sich dann kurz auf die Unterlippe. Machte sie heute etwas falsch, dass sie alle einfach stehen ließen?

April seufzte kurz und ging dann ein paar Schritte weiter nach hinten in den Raum, wo es etwas leiser war.

"S'Tom, können Sie mich hören?"

Während der letzten Minuten hatte Narbo nur grummelnd den Kopf geschüttelt: Das Weib war sogar noch nicht mal in der Lage, die Grundfunktionen eines Standard-Kommunikator zu nutzen.

Aber sie hatte ja auch bei den rückständigen Klingonen gelebt.

Glaubte der Ferengi jedenfalls, sich erinnern zu können.

Ohne größere Probleme lauschte er ihrem Gespräch...

--- Wohnraum

Der Ruf kam unerwartet. Noch immer mit dem Hautregenerator arbeitend begab sich S'Tom zu der improvisierten Arbeitsstation, ohne auf eine Antwort von Cheyenne zu warten. Inzwischen war auch die Haut der linken Hand wieder zu 91% verheilt.

"Ja?", bestätigte der ehemalige Borg.

--- Quark's

April war überrascht, doch so schnell von dem Vulkanier zu hören.

"Llewella hat hier jemanden von der Atlantis getroffen, der anscheinend auch aus unserer Zukunft kommt. Sein Name ist Sternenlicht."

Eine kurze Pause entstand, in der die Halbbajoranerin eigentlich davon ausgegangen war, dass S'Tom zumindest ein bestätigendes "Ja" von sich gab, doch eine Reaktion seinerseits blieb aus.

"Ähm, sagen Sie Ruben und Alex Bescheid, dass wir kein Schiff mehr brauchen ... Sternenlicht hat eins, das wir verwenden können." Der schroffe Unterton der Kriegerin war nicht zu überhören.

"Ich meld mich bei Ihnen, wenn wir aus der Krankenstation zurück sind." Mit diesem Satz beendete April die Verbindung zu dem Vulkanier.

--- Quark's, Theke

Mit zufrieden nach vorne geneigten Schnurrhaaren wandte der Sivaoaner sich ab. Genauso wie Quark war er der Ansicht, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. In Anbetracht der Handelspartner würde das wirkliche Geschäft vermutlich trotz allem beim Ferengi sein, aber das störte Sternenlicht wenig. Er hatte sein Ziel erreicht, er stand nicht ohne Bargeld da.

Ein wenig irritiert erblickte er Campbell, die einige Meter entfernt auf ihn zu warten schien. Er ging auf sie zu und fragte: "Brauchst Du noch etwas?" - "Ja, wo können wir uns am Besten mit dem Rest der Gruppe treffen?"

Sternenlicht überlegte einen Moment, er kannte sich an Bord dieser Station auch nur in einem gewissen Maße aus. "Gute Frage. Ich denke, dass in Anbetracht des Zeitdrucks der beste Treffpunkt direkt beim Shuttle sein wird." Er blickte kurz auf den Codegeber mit dem er den Shuttle öffnen konnte. Dort war auf dem eingelassenen Display die aktuelle Parkposition des Shuttles vermerkt. "Der Shuttle steht momentan in Shuttlehangar 3, Liegebucht 1, das ist nicht allzu weit von hier." Sein Schweif deutete dabei über seine rechte Schulter hinweg eine Richtung an.


Stardust Atlantis