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Crossover 23 - Schatten der Vergangenheit

(Atlantis 28, Venture 52)

--- Venture, Brücke

Die junge Pilotin hatte den beiden Männern nur mit einem halben Ohr zugehört und sich stattdessen innerhalb der letzten Momente der Werte des Phaserstrahls gewidmet. Cheyenne war erstaunt darüber, wie schnell die Phalanx den umliegenden Weltraum abscannte und doch musste sie feststellen, dass, wenn da draußen wirklich etwas war, sie wahrscheinlich zu langsam sein würden um es zu erfassen.

Aber gut, vielleicht hatten sie ja immer noch den Glücks-Faktor auf ihrer Seite.

Weitere Sekunden vergingen in denen der Piepton weiter pulsierte, dann jedoch von einem Moment auf den Anderen in einen wilden Alarm überging. Der Adrenalinspiegel der Terranerin schnellte abrupt in die Höhe.

"Alnak - ich hab hier was gefunden - könne sie die Sensoren damit abgleichen?"

--- Sicherheitsbüro

"Hmm..."

Der Captain überlegte schweigend, ob der Vorschlag des Japaners realisiert werden konnte. Es war ein großes Wagnis und er konnte sich nicht erinnern, dass jemand dies probiert hatte.

Oder zumindest darüber noch hatte berichten können.

"Den Warpkern ohne Unterstützung des Computers herunterzufahren und gleichzeitig das fragile Stasisfeld in seinem Inneren dennoch aufrechtzuerhalten setzt extrem komplexe, in kürzester Zeit durchzuführende, Berechnungen voraus, zu denen nur zwei Besatzungsmitglieder fähig sein dürften"

An der Stelle brach Charles ab und lenkte seinen Blick auf den Niederländer, der bisher wie Falschgeld dagestanden und geschwiegen hatte.

Wenn dieser eine Meinung zu den vorgetragenen Plänen hatte, zog er es wohl vor, sich nicht zu äußern. Der Captain kannte Rubens Profil: Nervös, nicht belastbar, unsicher...und doch mit dem Intellekt von zehn Mann ausgestattet.

Er zweifelte nicht daran, dass dessen Gehirn die notwendigen Anpassungen in der geforderten Zeit errechnen konnte, wenn er von den ebenso bemerkenswerten Fähigkeiten des deassimiliertem Vulkaniers unterstützt wurde.

Als der Sicherheitschef die Blicke der anderen auf sich ruhen fühlte; verarbeitet hatte, was der Captain da andeutete...

Schwer atmend krallte Wagenvoort sich an seinen eigenen Oberschenkeln fest. Halt suchend, der aber nicht da war. Er war allein, niemand konnte ihm helfen, ihn beruhigen, auch wenn ein entfernter Teil seines Geistes in Millisekunden kalkuliert hatte, dass es möglich war.

"Ich-", der Niederländer musste schlucken, "Captain, wenn ich mich dabei nur um ein Tausendstel verrechne...also..."

Sein Geist verrannte sich in immer weiteren Gedankengängen, seine Augen irrten wie getrieben über den Boden, er konnte hören, wie sein Puls in seinen Ohren pochte.

"Ja, das Schiff könnte explodieren", unterbrach Trustman ihn mit fester Stimme und errang so Rubens Aufmerksamkeit wieder. Der Blick seines Vorgesetzten klarte etwas auf, aber die tonnenschwere Last der potentiellen Aufgabe war immer noch in dessen Augen zu sehen.

"Wenn wir es nicht versuchen, wird es in jedem Fall explodieren. Captain, die Zerstörung des Schiffes kann manuell ausgelöst werden, wenn der Warpkern aus kurzer Entfernung mit hochintensivem Phaserfeuer destabilisiert wird"

Trustman ließ seine Augen durch den Raum wandern, ehe er ohne zu zögern hinzufügte "Sollte dies notwendig werden, melde ich mich für diesen Einsatz freiwillig"

Eine drückende Stille breitete sich in dem Raum aus.

Es waren Sekunden, in denen niemand etwas sagte.

Weil es darauf nichts zu sagen gab.

Ruben räusperte sich verlegen und versuchte nachdenklich, seine Hände wieder von den Oberschenkeln zu lösen. 'Er würde an meiner Stelle im Maschinenraum stehen. Den sicheren Tod wählen, weil ich zu feige bin.'

Der Niederländer fragte sich, ob er lieber mit dieser Gewissheit leben, als unter Umständen im Maschinenraum sterben wollte. Ob er überhaupt damit weiterleben konnte.

"Ich, ich denke, ich werde es versuchen, Captain", durchbrach er schließlich das allgemeine Schweigen. Die Blicke der Anderen lasteten immer noch auf ihm, aber der Stein in seinem Inneren schien leichter geworden zu sein.

Er war nie ein Held gewesen, war nie mutig gewesen, sondern froh, wenn er in keiner Gefahr war. Dennoch schien diese Wahl die richtige Wahl zu sein.

"Ich danke Ihnen. Ich danke Ihnen beiden" McCarthy war in diesem Moment sicherer als zuvor, dass es gar nicht soweit kommen würde: Mit solchen Kameraden an der Seite konnte man nicht verlieren.

"Dennoch: Ein Captain lässt niemanden zurück, wenn das Schiff untergeht. Eric, Ihr Angebot ehrt Sie, aber ich denke, dass dies meine Aufgabe sein würde. Oder die des Ersten Offiziers, falls ich nicht mehr in der Lage dazu sein sollte."

--- Atlantis, Krankenstation, Quarantänesektion

Llewella war erschüttert, dass der Südländer sich als die Ursache für Nathalie Connors Tod zu betrachten schien. Und anscheinend machte er sich noch für viel mehr verantwortlich, wovon die Schottin nichts ahnte.

Zunächst wusste sie nicht, was sie antworten sollte. In ihrem Innersten spürte sie, dass es unendlich wichtig war, das Richtige zu sagen.

Vorsichtig setzte sie zu einer Antwort an, aber es schwang auch eine Frage darin mit: "Ich kann mir nicht vorstellen, warum du für Nattys Tod verantwortlich sein solltest..."

"Sie... sie sind wegen mir hier...", der Verzweiflung nahe wendete Pormas seinen Blick von Nathalie wieder zu Llewella, "Kannst Du dich noch erinnern... damals auf der Privateer? Nach meinem Blackout? Ich dachte, ich wäre noch auf Gontrium VII..."

Der Südländer kämpfte gegen all seine Instinkte an. Er musste sich einfach irgendjemandem anvertrauen. Zu lange hatte er seinen emotionalen Ballast in sich hineingefressen, was ihm letzten Endes fast den Verstand gekostet hätte.

"Ich war auf der Flucht... man wollte mich umbringen... nur deswegen war ich auf die Ivory gegangen."

"Aye, ich erinnere mich...", antwortete die Schottin leise. Bei dem Wenigen, was sie von dem Griechen wusste, wäre dies durchaus im Bereich der Möglichkeit. Es tat Llewella beinahe körperlich weh, den Hünen so zu sehen, aber sie wusste auch, dass es besser war, wenn all das, was er aufgestaut hatte, endlich einmal ausgesprochen wurde.

Sie berührte Pormas leicht an der Schulter, als wäre sie sich nicht sicher, was sie damit bezweckte. "Trotzdem... auch wenn es so sein könnte... versuche nicht..."

Sie brach ab. Es war schwierig, sich zu artikulieren. "Du und Natty, ihr wart immer Menschen, die getan haben, was getan werden musste...", versuchte sie Ordnung in ihre Gedanken und Sätze zu bringen, was ihr nicht so wirklich zu gelingen schien. Sie war zu sehr durcheinander.

"Was getan werden musste...", wie bittere Galle lagen diese Worte auf seiner Zunge. Der Südländer verkrampfte seine Hände am Bett und ließ seinen Kopf sinken. "Weißt du, was ich getan habe? Weißt du, woher ich weiß was ich alles weiß?"

"Ich...", Pormas versagte die Stimme. In seinem Inneren tobte ein Kampf. Konnte er es ihr sagen? Durfte er? Musste er? Der Sicherheitler schüttelte den Kopf.

Er musste es tun. Sein Leben war ihm mittlerweile gleichgültig. Daher konnte er auch das Risiko eingehen die 63 Todesstrafen, und unzählige weitere lebenslängliche Freiheitsstrafen auf sich zu nehmen, wenn die Sache rauskommen sollte.

"Ich glaube nicht, dass du weißt, wer ich wirklich bin. Ich bin ein gefühlloser Killer... ich habe Menschen, Romulaner, Cardassianer... für in Gold gepresstes Latinum getötet...", schockiert, diese Worte nach all den Jahren über seine Lippen kommen zu hören, blickte er in Llewellas entsetztes Gesicht.

"Ich bin kein guter Mensch..."

"Du hast Dich geändert, Pormas", entgegnete die Schottin, immer noch leise, nachdem sie diese Informationen verdaut hatte. Irgendwie hatte sie schon immer geahnt, dass es dunkle Flecken in der Vergangenheit des Südländers geben könnte.

"Ich kenne Dich jetzt schon seit ein paar Jahren.", fuhr sie dann mit festerer Stimme fort. "Alles, was Du in der Zeit tatest, hatte einen Sinn. Vielleicht warst du einmal dieser Killer ... aber ich weiß, dass du es nicht mehr bist."

"Llewella...", Pormas fing an zu schluchzen, "wenn ich wirklich dieser Mensch sein soll, von dem du sprichst... wie kann ich dann so etwas zulassen?", mit Tränen in den Augen zeigte er mit zitternder Hand auf Nathalie.

"Ich musste doch wissen, dass sie mich irgendwann finden würden. In meiner selbstherrlichen Ignoranz habe ich das all die Zeit über einfach verdrängt.", der Südländer rang mit seinem immer noch kurzen Atem, "... ich bin einfach nur feige... und anstatt mich meiner Vergangenheit zu stellen... büßen andere für meine Fehler..."

Die Situation verunsicherte die Schottin. Sie wusste, sie musste etwas finden, um den großen Mann wieder aufzubauen. Sie _wollte_ etwas finden. Wie von selbst glitten ihre Arme um die Schultern des Sicherheitlers und sie versuchte, ihm ein wenig von seiner Kraft wiederzugeben.

"Du bist nicht feige", antwortete sie ihm und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Und Du kannst Dich _jetzt_ Deiner Vergangenheit stellen. Was geschehen ist, können wir nicht ungeschehen machen - aber wir können dafür sorgen, dass es sich nicht noch einmal ereignet..."

"J...ja... du hast recht...", Pormas genoss die Umarmung der Ärztin. Im Gegensatz zu ihm... fühlte sie sich so lebendig an. Er sog die Wärme auf, die sie verströmte und genoss sie. Mit nunmehr warmen Augen blickte er sie an.

"Ich muss sie kriegen. Aber das schiebt den Rest nur auf. Ich habe in meinem Leben viel Unrecht begangen und wenn du mit mir nichts mehr zu tun haben willst, kann ich das gut verstehen.", ängstlich blickte er Llewella an, während er weiter sprach.

"Aber... du bist der einzige Mensch den ich im Universum habe... den ich...noch habe. Ich muss mich Irgendjemanden öffnen... ich bin schon fast dem Wahnsinn nahe...", nur schleppend schaffte es der Südländer die folgende Frage zu formulieren, "...ich würde mir wünschen, du wärest dieser Mensch."

Es machte Llewella ein wenig traurig, zu hören, dass er sonst niemanden mehr hatte. Auch wenn die Schottin schon lange Jahre von der Erde und ihrem geliebten schottischen Hochland fort war, hatte sie doch immer Kontakt zu ihrem Clan gehalten und fühlte sich in dieser archaisch anmutenden Großfamilie geborgen. Eine Geborgenheit, die dem Griechen fehlen musste...

"Dein Vertrauen ehrt mich sehr, und ich hoffe, ich erweise mich seiner würdig." Llewella atmete tief ein. Das Leben schien in den Hünen zurückzukehren und die Schottin freute sich sehr darüber. Auch wenn sie innerlich hin und her gerissen war und sich nicht darüber im Klaren war, ob sie wirklich über Pormas' Vergangenheit Bescheid wissen wollte.

"Ich... ich danke dir. Aber bitte sprich nicht von Würde und mir in einem Satz.", Pormas wandte sich langsam mit seinem Körper zu ihr. "Wenn ich irgendwann in meinem Leben mal was richtig gemacht hätte... dann wäre vielen Menschen viel Leid erspart geblieben... denk allein nur an Helens Kinder, denen ich die Mutter geraubt habe..."

Bevor Llewella etwas entgegnen konnte, zog er sie an sich und umarmte sie. Dabei flüsterte er ihr zu, "Ich danke dir... dafür dass du mich... wenigstens noch nicht jetzt hasst, oder verabscheust. Und ich danke dir, dass du bereit bist dir mein erbärmliches Leben anzuhören."

Der Südländer löste die Umarmung, aber hielt die Schottin noch mit beiden Händen an den Oberarmen fest und schaute ihr tief in die Augen. "Ich weiß nicht wie ich dir danken soll und ich bin nicht sonderlich gut darin..."

Ein Gefühl von Angst um- und Zuneigung zu- der Rothaarigen durchfuhr ihn. "Ich kann es dir nur auf die eine Art danken, die ich kann. Ich werde dich mit meinem Leben beschützen."

Mit diesen Worten wandte sich der Südländer ab und ging an ihr vorbei zu seinem Biobett.

--- Krankenstation

David hatte der Schottin hinterher geblickt, bevor er nun zu Jordan ging, die in der Krankenstation ihre Sachen zusammensuchte. "Hören sie. Wir müssen davon ausgehen dass beide Schiffe komplett überwacht werden. Die Information über den Impfstoff und vor allem die Information, dass Pormas lebt darf nicht über die schiffsinterne Kommunikation weitergegeben werden. Notfalls suchen sie sich irgendeinen Vorwand die Crew in die Krankenstation zu locken."

Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zum Holodeck um O'Connor zu unterrichten.

--- Gänge

David ließ sich an einem Wandpaneel den Aufenthaltsort O'Connors und den Weg dorthin bestätigen. Er ging schnellen Schrittes los. Er war unsicher wie viele Informationen er an 'normale' Crewmitglieder weitergeben durfte.

Er war sich sicher, dass die fremden die Manipulationen niemals ohne Hilfe an Bord der beiden Schiffe hätten durchführen können. Somit musste man nicht nur darauf acht geben welche Information man über die Kommunikatoren weitergab sondern auch noch wie viel an wen. David war nicht lange genug an Bord um einschätzen zu können wer an Bord der Atlantis als möglicher Saboteur einzustufen war. Er brauchte jemanden hier an seiner Seite...

--- Venture, Brücke

Yhea verschluckte sich beinahe an seinem Kaffee, als er Carters unfreundliche Frage hörte. Hatte er wirklich so schlecht seine Idee erklärt? Natürlich war das eine Möglichkeit, jedoch hatte er nicht den Eindruck, dass er sich zu kompliziert ausgedrückt hatte; zumindest als er in Gedanken seinen Vortrag resümierte. Und Renaults Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte sie auch keine Probleme damit gehabt. Vielleicht mangelte es dem jungen Sicherheitler einfach an der nötigen technischen Kompetenz? Wobei ... sollte die Waffenstation und deren Bedienung nicht normalerweise im Bereich der Sicherheit liegen?

Gerade, als er Carter eine scharfe Antwort geben wollte, meldete sich Cheyenne begleitet vom wilden Piepsen des Computers. Schnell kam er der Bitte der Pilotin nach und überprüfte die Sensoren, jedoch war die Systemdiagnose noch nicht abgeschlossen und so konnten sie sich nicht hundertprozentig auf das Ergebnis verlassen. Jedoch war er sich nicht wirklich sicher, was er mit dem Ergebnis überhaupt anfangen sollte.

"Eigenartig", begann er und lupfte eine Augenbraue. "Laut Computer hat der Phaserstrahl ein Objekt getroffen, welches nicht von den Sensoren erfasst worden ist und auch weiterhin nicht erfasst werden kann."

Ratlos rief er die taktische Ansicht auf und nahm Zugriff auf die Phasersteuerung und deren Logs.

"Also jetzt bin ich vollends verwirrt. Die Zielerfassungsscanner zeigen an, dass die Phaserstrahlen bei den Koordinaten 752.8 zu 218.2 auf ein Objekt gestoßen sind, diese aber zu 56,8 Prozent durch das Objekt hindurch gingen. Wir haben es doch nicht etwa zerstört, oder?"

--- Transporterraum 2

Summend war der Psychologe von der Transporterplattform verschwunden und Alex wollte sich schon zufrieden an den Statusbericht für den Chefingenieur machen, dass die Transporter wieder funktionierten und dass sie zumindest ein paar wenige Informationen über den eventuellen Attentäter oder Komplizen hatten, als im Transporterraum die Hölle losbrach.

Krachend explodierten die Musterpuffer unter der milchig schimmernden Transporterplattform. Herumfliegende Teile bohrten sich in die Duraplexverkleidungen und ließen sie zerspringen. Splitter jagten wie Geschosse durch die Luft, die Restenergie des Transportersystems entlud sich mit grell durch den ganzen Raum zuckenden Blitzen und Alex konnte sich nur noch mit einem beherzten Sprung hinter die Konsole vor Treffern retten. Funken stoben überall herum und brannten sich durch die Oberflächen, auf die sie trafen und Alex jaulte laut auf, als sich wohl einer dieser Biester seinen Weg durch seine Uniformjacke bahnte.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht und panischem Jappsen schlug er auf die brennende Stelle ein und schaffte es wohl, den Funken zum Erlischen zu bringen, als die Konsole neben ihm durch eine energetische Feedbackschleife zuerst mystisch Blau aufleuchtete und dann von den elektrischen Kräften zerrissen wurde.

Der entsetzte Schrei von Alex blieb wie einbetoniert in seiner Kehle stecken, als er an die Wand geschleudert wurde und die ganzen Einzelteile der Konsole wie ein Meteoritenschauer auf ihn herunter regneten. Schützend krümmte er sich zusammen und zog den Kopf unter seine Arme, jedoch wurde er von ein paar vereinzelten Bruchstücken getroffen, die schmerzhaft von ihm abprallten.

Es dauerte eine Weile, bis er sich traute, langsam aus seiner fötalen Haltung heraus zu kommen, nachdem es sich im Transporterraum bis auf ein gelegentliches Zischen und Knistern beruhigt hatte. Vorsichtig öffnete er die Augen; jedoch konnte er nicht wirklich viel sehen.

Die Beleuchtung war beinahe komplett ausgefallen und überall waberten Rauchschwaden wie Geister durch die Gegend, gespenstisch beleuchtet vom gelegentlichen Aufflackern von elektrischen Entladungen. Hustend und keuchend kämpfte sich Alex in den Stand hoch und versuchte, den Vulkanier in dem ganzen Chaos zu entdecken.

"S'Tom?", fragte er in die Stille hinein, während er sich seine tränenden Augen rieb. "Sind Sie in Ordnung?"

--- Brücke

Chris hatte den Eindruck gewonnen, dass sich die Ereignisse zu überschlagen begannen. Natürlich wäre für eine Antwort noch Zeit gewesen, doch da er ja schon so seine Erfahrungen mit Alnak hinter sich hatte, wunderte es den Sicherheitler eigentlich nicht besonders.

Er war dem Mann gefolgt, die Erklärung, die Alnak abgeben hatte, erregte seine Aufmerksamkeit. Er trat seitlich an ihn heran um auch einen Blick auf den Schirm zu bekommen. Carter war sofort wieder bei der Sache, die Werte waren tatsächlich eigenartig.

"Verzeihen Sie, doch ich denke nicht, dass das Objekt zerstört wurde", äußerte Chris eine Vermutung, dieses Mal allerdings sehr ruhig. "Ich denke vielmehr an eine neuartige Tarnvorrichtung. Sind Sie sicher, dass die Phaserstrahlen tatsächlich hindurch gegangen sind?"

Chris blickte Alnak fragend an, doch bevor der seine Worte wieder als Angriff werten konnte, entschloss er sich lieber noch etwas hinzu zufügen.

"Ich meine, vielleicht werden die Strahlen eher abgelenkt um die Schiffsensoren zu verwirren, es scheint ja ganz gut zu funktionieren. Jedenfalls würde ich sagen, damit ist das getarnte Schiff gefunden, fragt sich nur, was Sie weiter vorhaben."

"Neuartige Tarnvorrichtung?", fragte Yhea verblüfft und starrte auf die taktischen Sensorwerte, die ihm weiterhin anzeigten, dass die Phaserstrahlen durch etwas hindurch gingen und nicht davon abgelenkt wurden. Hatte Carter das nicht gelesen oder ignorierte er das aus Absicht?

"Wie kommen Sie denn auf diese Idee?", sagte er und schüttelte genervt den Kopf. "Wenn Sie mir jetzt erklären wollen, dass Sie das anhand dieser doch sehr ungenauen und vor allem unbestätigten Daten herausgefunden haben wollen ... oder sind Sie etwas ein Spezialist im Bereich neuartiger Tarnvorrichtungen?"

Er überlegte, ob er dem Sicherheitler sagen sollte, dass die Sternenflotte ja gar keine Tarnvorrichtungen besitzen dürfe und das er als Romulaner, und zudem noch als Techniker, viel mehr Erfahrung in solchen Dingen hatte als ein kleines Licht aus der Sicherheitsabteilung, jedoch wollte er hier keinen Krieg vom Zaun brechen, weshalb er sich den Rest dann lieber verkniff.

Cheyenne war zu den beiden Männern an die technische Konsole gegangen und hatte der Erklärung des Romulaners stumm zugehört. In ihrem Gedächtnis kramte sie nach einem Vorfall, von dem sie bei der Sternenflotte einmal etwas gehört hatte. Carters Argument schien daraufhin gar nicht mehr so abwegig zu sein.

"Hm, also ich finde Carters Idee gar nicht so weit her gegriffen.", warf sie dann, nach einigen Momenten des Überlegens, ein.

"Als ich noch bei der Sternenflotte war, gab es mal Gerüchte über einen Vorfall auf der Enterprise-D. Ich glaube da ging es auch um eine Tarnvorrichtung die auf dem Prinzip der Materieauflösung basierte - oder so etwas in der Art."

Eine kurze Pause entstand in der die beiden Männer sie weiter fragend anblickte. Cheyenne zuckte daraufhin entschuldigend mit den Schultern.

"Ich glaub genauso wenig wie Carter, dass wir das, was da draußen ist zerstört haben. Dafür war die Energie die wir verwendet haben zu niedrig - aber wenn der Phaserstrahl durch das Schiff - oder was auch immer es ist - hindurch gegangen ist, dann würde das auch erklären, warum unsere Sensoren für den Bereich keine Werte erhalten haben."

Chris blickte den Romulaner überrascht an. War der wirklich so sehr von sich überzeugt, dass er nicht ein Mal eine Sekunde bereit dazu war, so eine Möglichkeit in Betracht zu ziehen.

'Sieht wohl so aus.' Dann galt seine Aufmerksamkeit Cheyenne und er nickte ihr zustimmend zu. "Ja, davon habe ich auch gehört, es gab auch Gerüchte, dass die Tarnvorrichtung damals zerstört wurde." Chris wirkte absolut ruhig.

Er zuckte kurz mit den Schultern. "Wer weiß, könnte gut sein, dass es jemandem gelungen ist, diese Tarnvorrichtung weiter zu entwickeln oder zumindest wieder her zu stellen. Natürlich ist das nur eine Vermutung, allerdings...", hier unterbrach Carter und blickte Alnak fest an.

"Falls es Ihnen nicht zu viel Mühe bereitet, von Ihrem hohen Ross herab zu steigen, sollten Sie diese Möglichkeit zumindest in Erwägung ziehen", beendet er seinen Satz, allerdings immer noch vollkommen gelassen.

--- Atlantis, Krankenstation, Quarantänesektion

Llewella fühlte sich, als sei ein Sturmwind über sie hinweggefegt. Sie starrte auf das wächserne Gesicht Nathalie Connors, ohne es wirklich wahrzunehmen. Sie war durcheinander, ihr Innerstes zuoberst gekehrt worden.

Immer noch spürte sie Pormas' bebenden Körper in ihren Armen.

Dieser Mann war so ... widersprüchlich!

Llewella kannte den energischen und kompetenten Sicherheitschef, den treffsicheren Kämpfer, der tatsächlich bisweilen erbarmungslose Tendenzen aufweisen konnte.

Sie kannte den charmanten Mann, dem die Frauen reihenweise zu Füßen lagen, weil er ihnen das Gefühl geben konnte, begehrenswert zu sein. Tatsächlich hatte sie selber des Öfteren in der Vergangenheit befürchtet, er wolle seinen gefährlichen Charme auch bei ihr anwenden. Glücklicherweise hatte sie sich immer problemlos aus der Affäre ziehen können...

Nun hatte sie eine weitere Seite an ihm entdeckt, ausgerechnet jetzt, nachdem sie ihn doch schon so viele Jahre zu kennen glaubte. Eine ausgesprochen sensible, verletzliche Seite. Die ihn obendrein sehr sympathisch machte...

Er verwirrte sie. Sie, die immer so stolz darauf gewesen war, mit beiden Beinen sicher im Leben zu stehen. Die beinahe jede Situation mit ihrem burschikosen, nie versagenden Humor hatte meistern können.

Aber hier und heute war alles anders.

Langsam drehte sich die Schottin um und blickte mit Augen, die nichts sahen, in den Raum. Erst etliche tiefe Atemzüge später klärte sich ihr Blick und sie fühlte sich imstande, dem Leben auf der Atlantis wieder gegenüberzutreten.

Llewella versuchte, sich wieder auf die vor ihr liegenden Aufgaben zu konzentrieren. Und dazu brauchte sie ihr seelisches Gleichgewicht. Niemandem war gedient, wenn sie herumstand, als brauche sie... Was? Einen Psychiater?

Die Rothaarige unterdrückte ein Auflachen. So langsam schien sie zu ihrem Humor zurückzufinden...

Noch einmal atmete sie tief durch, dann löste sie sich von dem Biobett, auf dem der Körper Nathalies lag. Ein kurzer Blick zu Pormas zeigte ihr, dass er sich auf seinem Biobett niedergelassen hatte und überlegend in Richtung des PADD blickte, dass die Bajoranerin dort hintransferiert hatte. Auch er schien sich noch nicht wieder ganz gefangen zu haben, jedoch strahlte er wieder einen Großteil seiner altbekannten Stärke aus.

Llewella beschloss, dass es jetzt wohl an der Zeit war, sich um die Immunisierung der restlichen Besatzungsmitglieder zu kümmern, angefangen mit den Mitgliedern der Krankenstation und des Befehlsstabes.

Sie ging zum Replikator und begann ihre Arbeit, stellte sich dabei jedoch so hin, dass sie den Südländer nicht aus dem Blickfeld verlor.

--- Krankenstation

"Ich war davon ausgegangen, dass Dein hervorragender Intellekt nicht direkt auf dieses Detail hingewiesen werden muss", antwortete Sternenlicht amüsiert. Sein Schweif dokumentierte seine Stimmung mit einigen Korkenzieherspiralen, die nicht gerade gesund aussahen. "Wenn Du interessante Ergebnisse hast, rufe Dir einfach einen meiner Leute aus den Labors, der soll die Daten dann zu mir schaffen. Sternenlicht, Ende."

Mit diesen Worten lehnte Sternenlicht sich zurück und betrachtete nachdenklich den Überblick über die Sensordaten und wartete auf eine zündende Idee...

--- Krankenstation, Quarantänesektion

Die Leere schwand langsam von Pormas. Er saß auf seinem Biobett und starrte das PADD an, was dort für ihn lag. Die Kleinigkeit, dass es sich um ein PADD handelte und nicht um die geforderte Arbeitsstation, hätte ihn eine halbe Stunde vorher sicherlich maßlos aufgeregt.

Jetzt aber bemerkte er es nicht mal. Er war mit seinen Gedanken bei Llewella.

Und er hatte Angst.

Angst davor, dass auch ihr was passieren würde. Angst davor, dass er seinen einzigen Bezugspunkt zum einem Leben, in dem er nicht nur einfach gefühllos existierte, verlor.

'Das wird nicht geschehen!', diesen Satz meißelte der Südländer in seinen Kopf ein. Aber damit das nicht geschah, musste er sich endlich auf seine Arbeit konzentrieren.

Denn diese Leute waren das, was er hätte werden können. Nicht nur Killer. Sondern auch bar jedes Gerechtigkeitsempfindens. Der Gedanke an die rothaarige Ärztin gab ihm die Kraft weiter zu kämpfen. Sie verkörperte für ihn Alles, für was es sich zu leben lohnte.

Pormas streckte seinen Schultern durch und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Er musste klar bleiben und sich konzentrieren. Er durfte nicht auf dem Bett wieder eindösen. Nachdenklich strich er sich die getrockneten Tränen aus dem Gesicht, als der Südländer zufällig in die Richtung der Ärztin schaute.

Als er bemerkte, dass sie ihn stetig im Auge behielt, lächelte er ihr zu. Es war ein warmes Lächeln. Es war ein menschliches Lächeln.

Dann wandte er sich seinen Aufzeichnungen zu.

Stirnrunzelnd betrachtete der Sicherheitschef die von ihm geforderten Daten. Mit geübtem Blick erkannte er schnell die wichtigsten Punkte und versuchte sie genauer zu analysieren und zu interpretieren.

Zwar hatte Pormas noch einen leicht matten Kopf, aber irgendetwas klingelte bei ihm an. Er kannte dieses Tatprofil... aber woher... Angestrengt zermarterte der Südländer sich den Kopf, bis er aufstöhnte, als er einsehen musste, dass es nichts nutzte.

Die Schottin hatte, während der Südländer sein PADD studierte, etliche Ampullen des antibiotischen Impfstoffs repliziert. Seine lächelnden Blicke hatte sie aus den Augenwinkeln bemerkt, hatte aber beschlossen, nicht darauf einzugehen. Sie hatte sich gerade wieder gefangen und wollte sich nicht wieder durcheinanderbringen lassen.

Immerhin hatte sie ihre Arbeit zu tun. Und es schien dem Sicherheitschef ja zurzeit gut genug zu gehen, dass ein beobachtendes Auge ausreichte.

Eine Weile gingen beide schweigend ihren Aufgaben nach, bis das Aufstöhnen die Ärztin alarmierte.

Mit schnellem Schritt erreichte die Schottin das Biobett.

"Was ist?", fragte sie besorgt.

"Ich...", Pormas massierte sich die Schläfen während er der Ärztin antwortete, "Ich hab noch leichte Kopfschmerzen..." Diese offensichtliche Lüge wurde von der Schottin dadurch quittiert, dass sie den Sicherheitschef wieder auf die Liege bugsierte.

"Llewella... ich brauche etwas aus meinem Zimmer...", ihr konnte nicht entgehen, dass ihm das Folgende ähnlich, wenn auch nicht ganz so arg, schwer fiel auszusprechen, wie seine vorherige Beichte, "Ich habe in meinem Zimmer einen silbernen Koffer. Dieser enthält mein ganzes Leben..."

Der Südländer seufzte schwer, bevor er weiter sprach, "...insbesondere den Teil, auf den ich am wenigsten Stolz bin. Aber er könnte jetzt nützlich sein.", er schaute der Rothaarigen eindringlich in die Augen, "Ich nehme an, dass ich hier nicht raus darf, aber ich brauche den Koffer... unbedingt!"

"Hm", brummte die Schottin, als sie über Pormas' Aussage nachdachte. "In einem hast du absolut Recht", nachdenklich blickte sie dem Südländer ins Gesicht, wobei sie ein erstes Gähnen unterdrücken musste.

Es war ja auch kein Wunder, dass sie müde wurde. Immerhin hatte sie ihr ganz normales Tagespensum auf der Krankenstation schon beinahe hinter sich gehabt, als sie Sternenlichts Comm-Spruch über das erfolgte Attentat erhielt.

Und seitdem war wieder einige Zeit vergangen. Zeit, deren Vergehen Llewella nicht wirklich bemerkt hatte, da sie einfach zu stark von ihrer Arbeit gefangen wurde, von der Aufgabe, den Sicherheitschef am Leben zu erhalten und herauszufinden, was ihn in diesen Zustand versetzt hatte.

Nachdem dies gelungen war, kamen dann die aufwühlenden Enthüllungen des Griechen. Jetzt baute sich ihr Adrenalinspiegel jedoch so langsam ab und die Schottin merkte, dass sie normalerweise um diese Zeit mit einem guten Buch auf ihrem Bett lag und zumindest einmal ein ordentliches Abendessen gehabt hatte.

Es war kein Wunder, dass sie durcheinander war. Was sollte es auch für einen anderen Grund dafür geben?

"... ich halte es absolut für zu früh, dass du die Krankenstation verlässt. Abgesehen mal davon, dass dich dein kurzer Ausflug von vorhin schon viel Kraft gekostet hat, wäre es völliger Unsinn, dich durchs Schiff laufen zu lassen, nachdem wir uns so große Mühe gegeben haben, dein Überleben zu verschleiern!"

Irritiert erinnerte sich die Schottin daran, wie sie die Bajoranerin beinahe angefahren hatte, um ihr klar zu machen, dass Pormas' Befehle offiziell vom Captain kämen. Sie fürchtete, dass sie sich dadurch bei der Frau nicht gerade beliebt gemacht hatte.

"Aber möglicherweise können wir jemanden bitten, den Koffer zu holen, wenn Du ihn so dringend benötigst...", überlegte sie dann weiter. Ihr Blick wurde nachdenklich und hellte sich dann auf.

"Da kommt mir ein Gedanke", erklärte sie. "Ruh' Dich ein wenig aus, ich werde sehen, dass Du Deinen Koffer bekommst!"

--- Krankenstation

Wenige Schritte brachten die Ärztin aus der Quarantänesektion. Ruhig ging sie zu Sternenlicht hinüber, dessen Schweif ein paar seltsame Verwindungen zeigte. Anscheinend hatte er ein paar erfreuliche Gedanken gehabt.

Leise sprach sie den Sivaoaner an. "Sternenlicht, wie kommst Du mit Deiner Arbeit voran? Ich ... bzw. unser Sicherheitschef ... hätte nämlich eine Bitte. Er braucht einen Koffer aus seinem Quartier. Er meint, er würde ihm bei den Ermittlungen helfen.

Ich will nicht irgendjemanden bitten, ihn zu holen, von dem ich nicht weiß, inwieweit man ihm vertrauen kann, dass er niemandem gegenüber erwähnt, dass Pormas nicht nur überlebt ist, sondern auch wach genug ist, um in die Ermittlungen einzugreifen." Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.

"Könntest Du vielleicht gehen, wenn Du hier abkömmlich bist?", formulierte sie dann ihre Frage.

--- Holodeck 1

Der Ferengi zischte noch etwas vor sich hin. War er hier eigentlich Mädchen für Alles und für jedes kleine Problem verantwortlich, nur weil er nun mal der Intelligenteste war?

'Unfähiges Pack!', resümierte er innerlich. Und mit dem Sensor-Scan würde er sich ganz sicher nicht beeilen. Außerdem musste er ja eh erstmal das ursprüngliche Problem lösen.

'Eins nach dem Anderen!' Zwar keine Erwerbsregel, aber doch ein Grundsatz, an den man sich halten sollte. Laut Computer brauchte die Analyse noch zwei Minuten...

Weiteres Warten.

Aber das war egal, denn Narbo war auch im Warten der Beste.

Der Schiffsrechner war fast fertig gewesen, als die drei anderen das Holodeck betreten hatten: Noch dreißig Sekunden...

"Sicher, Pormas ist durch die Auswirkungen eines schwarzen Loches zusammengebrochen, welches sich in deinem verkümmerten Schädel gebildet hat und das Gekritzel auf dem Boden bedeutet: 'Stört die arbeitende Bevölkerung nicht ständig mit dummen Fragen!'"

Bevor die Sicherheitlerin etwas erwidern konnte, piepte es und die Computerstimme verkündete: "Analyse beendet, die Ausgabe erfolgt auf Terminal 3"

Wie zur Bestätigung formte sich ein Bildschirm mit Konsole in einer Wand des simulierten Quartiers. Das ganze Terminal war natürlich selbst nur eine computergenerierte Projektion, aber innerhalb des Holodecks machte das keinen Unterschied.

Neugierig schritt Narbo zu dem Bildschirm und überflog die Ergebnisse...

"Ich krümme dir gleich noch den Schädel - Ferengi!", giftete April etwas versetzt zurück und ärgerte sich im selben Moment darüber, dass sich Narbo so schnell aus ihre Handreichweite entfernt hatte. Würde sie jetzt versuchen ihn am Kragen zu packen, hätte er genügend Zeit sich zu wehren.

Mit ein paar Schritten wandte sie sich deshalb auch der Konsole zu – blieb aber bewusst auf der gegenüber liegenden Seite stehen und blickte nun von oben auf die Anzeige.

"Und?"

"Kannst du nicht selbst lesen?", erwiderte Narbo, wohlwissend, dass die Ergebnisse in Ferengi aufgelistet waren, was kaum ein Mensch beherrschte.

"Egal. Der Computer meint, dass vermutlich eine der obersten zwei Deutungsmöglichkeiten zutreffend sein wird, beide aber eine vergleichbare Trefferwahrscheinlichkeit haben"

Der Teppich hatte das Blut wohl ziemlich gierig aufgesogen, sodass man das ursprünglich Niedergeschriebene nur noch erahnen konnte. Narbo wartete noch einen Moment bevor er anfing, die erste Übersetzung laut vorzulesen:

"'Rote Sonne sengt

Andorias Gärten brennen

unter Iasons Zorn'"

Der Ferengi stutzte. Was sollte das denn für ein Mist sein?!

"Hmm, wohl irgendso eine komische Form von menschlicher Lyrik – Der Rechner nennt es einen 'misslungenen Haiku'. Was immer das auch ist..."

Einen Moment schaute er auf, aber die Weibchen sahen genauso ahnungslos aus, wie er sich fühlte. Andererseits hätte er vor allem bei der schwertschwingenden Amazone auch nicht damit gerechnet, dass sie sich mit Lyrik auskannte.

Weder mit guter, noch mit schlechter.

"Weiter. Der andere Vorschlag lautet 'Ladet die Software-Backups und hütet Euch vor Andorianern'. Aha, klingt doch schon viel besser für meinen Geschmack!"

--- Venture, Brücke

"Was ich hier in Erwägung ziehe, ist immer noch meine Sache", gab Yhea kühl zur Antwort, während er über die Informationen von Cheyenne nachdachte. Ja, auch er hatte von dieser Geschichte im Devolin-System gehört; damals, als er noch Techniker im romulanischen Imperium gewesen war. Wenn ihn sein Gedächtnis nicht trübte, dann war die IRW Terix das Schiff gewesen, welches die Interphasen-Tarnvorrichtung der Föderation gefunden hatte.

Dieser Vorfall hatte einen ganz schönen Wirbel im Imperium ausgelöst, schließlich war zum Einen der Vertrag von Algeron verletzt worden und zum Zweiten hatten die Romulaner überhaupt nichts Vergleichbares an Technik entgegen zu setzen, weswegen eine Welle der Angst umging, dass die Föderation nun mit einer ganzen Flotte von getarnten Schiffen über das romulanische Imperium herfallen könnte.

Doch nichts dergleichen geschah. Die Föderation entschuldigte sich für den Vorfall, zog das daran beteiligte Personal zur Rechenschaft und zerstörte öffentlich die Tarnvorrichtung. Natürlich glaubte Niemand daran, dass damit die Sache erledigt war, schließlich wurden große Errungenschaften der Technik nicht einfach "vergessen", selbst wenn der Prototyp zerstört worden war. Doch selbst nach jahrelangen Versuchen und Tests, schafften es die Romulaner nicht, auch nur ansatzweise eine ähnliche Tarnvorrichtung zu entwickeln.

Doch was war, wenn dieses Wissen nun in die falschen Hände geraten war? Yhea bezweifelte, dass sie es hier mit der Sternenflotte zu tun hatten; die wären nicht so hinterhältig und würden feige mit irgendwelchen biologischen Kampfstoffen angreifen; auch nicht bei der Atlantis und der Venture. Nein, hier hatten sie einen viel gefährlicheren Gegner vor sich.

"Lassen wir Carters Pferd mal außen vor", wandte er sich an die anwesende Brückencrew. "Welche Möglichkeiten hätten wir, um ein Schiff mit einer solchen Tarnvorrichtung aufzuhalten?"

--- Sicherheitsbüro

Der Japaner nickte bestätigend, "Ihr Angebot ehrt Sie, Sie Beide", Kuzhumo bezog die beiden Männer in seine Blicke ein, "Aber wir würden nie etwas von Ihnen verlangen, was wir nicht selber machen würden, oder müssen. Und manche Aufgaben sind uns vorbehalten..."

Der 1. Offizier schaute zum Captain, der wissend und dankend zurückblickte. Ihnen war Beiden klar, dass sie Niemanden mit dieser Verantwortung belasten wollten. Es war ihre Pflicht das zu tun, was getan werden musste.

"Da wir uns jetzt im Klaren darüber sind, was wir im Ernstfall tun müssen, müssen wir nun unsere gesamte Kraft darauf verwenden diesen Fall abzuwenden. Mr Wagenvoort...", der Asiate blickte den Holländer direkt an, "wir brauchen eine abhörsichere Verbindung zur Atlantis, damit uns Mr Jeffrey, nachdem er die Information gesammelt hat, uns diese auch zukommen lassen kann."

Zwar war sich Hisaki bewusst über die Tatsache darüber, dass er den Sicherheitschef mit dieser Frage beauftragte, aber er hielt es im Augenblick für angebracht diesen beschäftigt zu halten, bevor er sich zu viele Gedanken über seine womöglich letzte Aufgabe auf diesem Schiff zu machen.

"Captain, wenn Sie keine Einwände haben, würde ich jetzt in den Maschinenraum gehen...", die ohnehin gerade Haltung des 1. Offiziers versteifte sich, "...um Stellung zu beziehen."

--- Atlantis, Holodeck 1

Die starken Servomotoren der Holodecktüren surrten laut als sich die Tür hinter David wieder Schloss, kurz darauf verschwand und durch die Abbildung des Eingangs zum Quartier von Pormas Theocrates ersetzt wurde. David ging direkt zu Captain O'Connor der etwas abseits stand und die Situation zu beobachten schien.

"Entschuldigen sie bitte. Kann ich einen Moment unter vier Augen mit ihnen sprechen?", fragte er leise.

--- Krankenstation

Sternenlichts Schnurrhaare neigten sich nach vorne, während er antwortete: "Ja, das kann ich eben machen. Ich warte ohnehin darauf, dass irgendwelche Sensoren etwas finden. Bis gleich."

Mit diesen Worten machte sich das Katzenwesen auf den Weg ins Quartier von Pormas.

--- Gänge

Auf dem Weg durch das Schiff nahm Sternenlicht wieder Kontakt mit der Venture auf, "Sternenlicht an Venture, in Kürze werden wir mit einem autarken Shuttle versuchen, einige konkretere Sensorscans zu bekommen. Haben Sie in der Zwischenzeit schon etwas gefunden?"

--- Holodeck 1, bei der Tür

"Natürlich", antwortete der Captain mit einem Lächeln, nachdem er einen Blick zu Narbo und den Anderen geworfen hatte, die gebeugt über der Konsole standen und über die Ergebnisse diskutierten, die der Computer ausgespuckt hatte. Anscheinend waren sie ein wenig missverständlich oder die Meinungen von Ferengi und Frauen gingen meilenweit auseinander.

"Was kann ich für Sie tun Mister Jeffrey", fragte er den jungen Psychologen, der ihn mit einem ernsten Gesichtsausdruck ansah und wohl nach den passenden Worten suchte, um den Anfang hinzubekommen.

Erschwert wurde das Ganze jedoch durch den immer weiter ansteigenden Geräuschpegel der Truppe an der Konsole, der inzwischen eindeutig über das normale Stadium einer vernünftigen Konversation hinausgegangen war.

Kaum da er sich umgedreht hatte, um dem ganzen Geschrei Einhalt zu bieten, da sprangen ihm schon direkt die hochroten Ohren der Bajoranerin ins Auge; wie er inzwischen wusste, ein schlechtes Zeichen. Genauso wie der rote Kopf des Ferengi, der zusätzlich noch diesen typischen Blick im Gesicht hatte. Schnellen Schrittes eilte er zur Konsole und postierte sich zwischen den beiden Streithähnen, gleichsam darauf bedacht, dass nicht auch noch die sonst so ruhige Jacobsen mitmischen wollte.

--- Holodeck 1, bei der Konsole

"Ich weiß ja nicht was Sie Beide hier versuchen", zischte er zwischen den zusammengepressten Lippen hervor, "aber es hört jetzt sofort auf."

Er wollte den Beiden schon vorschlagen, ihre privaten Probleme miteinander nach der Arbeit in ihrer Freizeit zu lösen, jedoch würde dann Llewella ganz schnell zwei neue Patienten bekommen oder das Sterberegister zwei neue Einträge. Deswegen warf er ihnen nur noch einen bitterbösen Blick zu und wandte sich dann wieder zu David.

--- Holodeck 1, bei der Tür

"So, auf ein Neues", grummelte er dem Psychologen entgegen, als er wieder bei ihm stand. "Auf das die mit ihrem Gemetzel warten, bis wir hier fertig sind."

--- Krankenstation

Zufrieden blickte die Schottin dem Sivaoaner nach. Sie war froh, in ihm so einen zuverlässigen und freundlichen Kollegen gefunden zu haben.

Llewella nahm sich vor, das Katzenwesen bei seiner Rückkehr zu befragen, ob er wusste, wie der sivaoanische Organismus auf Bacillus anthracis reagierte. Soweit sie informiert war, waren irdische Katzen kaum empfindlich, aber Sivaoaner waren eben doch nicht ganz identisch mit terranischen Katzen. Obwohl sie sich aufgrund des Wissens, das sie hatte, kaum Sorgen darüber machte, dass Sternenlicht Probleme mit dem Erreger bekommen könnte.

Die Ärztin griff sich die von ihr vorher replizierten Impfdosen, die sie während des kurzen Gesprächs mit Sternenlicht auf einem Tisch abgelegt hatte. Es war an der Zeit, ihre Arbeit zu tun.

--- medizinisches Labor

"Mr. Hayward, das war wirklich gute Arbeit!", lobte die Schottin ihren Mitarbeiter. Der Mann strahlte über das ganze Gesicht. Er war nicht gerade groß, aber Llewella hatte ihn immer als recht gutaussehend empfunden.

Sie winkte mit den Hyposprays. "Und hier haben wir auch schon das Ergebnis Ihrer Arbeit! Freiwillige vor, dann wird geimpft!"

Adrian Hayward trat vor und rollte seinen Ärmel hoch. Er reichte der hochgewachsenen Schottin gerade einmal bis zum Kinn. Llewella schmunzelte. Da war der Südländer im Nebenraum doch eine andere Größenordnung.

Ihr Lächeln gefror. Konnte sie nicht einmal ihre Arbeit tun, ohne dass ihr ihr Patient im Kopf herumspukte?

Als Hayward sie irritiert anblickte, entspannte sich ihr Gesicht wieder. "Haben Sie Sorgen, dass es nicht funktioniert? Ich kann Sie beruhigen - ich habe es auch überlebt..."

Nachdem Llewella den Laborleiter und seine sechs Mitarbeiter ihre Impfdosis verpasst hatte, bat sie ihn:

"Würden Sie bitte ausschwärmen, jeder mit ausreichend Impf-Hyposprays bewaffnet, und die Besatzung versorgen? Jeder von Ihnen hat eine medizinische Grundausbildung beziehungsweise ein abgeschlossenes Studium, so dass das kein Problem sein sollte.

Dr. Kincaid von der Venture hat sich zwar bereit erklärt, uns zu unterstützen, aber ich möchte das nicht überstrapazieren. Abgesehen mal davon, dass sie als einzelne Person gar nicht in der Lage sein kann, die gesamte Besatzung der Atlantis zu versorgen.

Und ich selbst sollte die Krankenstation nicht verlassen, für den Fall, dass noch ein Anschlag passiert. Denn dann zählt jede Sekunde.

Und bitte bedenken Sie alle eines: Kein Wort vom Überleben Mr. Theocrates' sollte aus dieser Krankenstation dringen."

Adrian Hayward nickte, ebenso wie die anderen Männer und Frauen. Zufrieden kehrte die Schottin wieder in die Krankenstation zurück.

--- Venture, Brücke

Cheyennes Antwort auf Yheas Frage blieb der jungen Pilotin sprichwörtlich im Hals stecken, als sich die Atlantis wieder über Funk meldete und Veronica den Ruf direkt auf die Lautsprecher schaltete. Stumm hörten sie sich alle die Nachricht über das Shuttle an, während Yhea den letzten Rest Kaffee aus seiner Tasse herunter spülte und zu spät merkte, dass die darin herum schwappende Flüssigkeit schon längst erkaltet war; und dabei hasste er kalten Kaffee. Angewidert drückte er Carter die Tasse in die Hand und gab Veronica ein Zeichen den Kanal zu Sternenlicht zu öffnen.

"Sternenlicht, hier ist Alnak. Das sind eigentlich gute Neuigkeiten, jedoch würde ich mich zurzeit hüten, ein kleines Shuttle hinaus in den Nebel zu schicken. Wir haben nämlich eben wahrscheinlich ein mit einer Interphasen-Tarnvorrichtung bestücktes Schiff entdeckt; zumindest wenn man unseren Daten hier soweit Glauben schenken kann."

Er konnte den ärgerlichen Blick, den Carter nach seinem Satz mit ziemlicher Sicherheit aufgesetzt hatte beinahe in seinem Rücken spüren, als er mit dem Bericht fortfuhr.

"Wäre es denn nicht möglich, die Sensoren des Shuttles zu nutzen, ohne es starten zu müssen? Weil bis unsere und wahrscheinlich auch die Systeme der Atlantis wieder einwandfrei funktionieren bestimmt noch ein bisschen Zeit ins Land geht. Zumindest kämpft unser System hier gerade mit einer intensiven Diagnose und ich habe wenig Lust darauf, mit einem unbekannten Schiff vor uns, welches uns vielleicht ohne Probleme vernichten kann, lange auf das Ergebnis zu warten. Schließlich wissen wir nicht, was für Absichten sie letztendlich haben."

--- Sicherheitsbüro

"Seien Sie vorsichtig", erwiderte McCarthy. Als die Worte seinen Mund schon verlassen hatten wurde ihm klar, wie ironisch sie klingen mussten, wenn man auf eine Kamikaze-Mission ging.

Aber er wusste, dass der Japaner trotzdem die in den Worten verborgene Wertschätzung als Ausdruck ihrer Freundschaft erkennen würde.

Hisaki nickte leicht und ein feines Lächeln umschmiegte seine Lippen.

Dann wandte er sich ohne ein weiteres Wort um und ging.

Es fiel Charles schwer, den Blick von der Tür zu lösen, durch die Hisaki gerade verschwunden war. Sein Gehen wirkte so endgültig, aber ihm selben Moment wusste der Captain, dass sie sich wiedersehen würden.

Spätestens wenn der große Knall bevorstand...

Er wiegte das PADD des Fremden, welches er immer noch in den Händen hielt, hin und her, während er beschloss aufs Kommandodeck zurückzukehren:

"Wir müssen zur Brücke"

McCarthy hatte noch nicht aufgegeben. Sie fanden einen Ausweg, ob mit der Atlantis oder ohne sie. Vielleicht hatte Alnak ja schon etwas erreicht.

Das Sicherheitsbüro blieb verwaist zurück.

--- Atlantis, Holodeck 1

"Die erste Version muss nicht unbedingt menschlich sein bzw. nicht ganz ...", meinte April aufgeregt nach einigen Momenten des Schweigens und ignorierte dabei voll die Aussage des Ferengis. Die Worte kamen ihr auf sonderbare Weise bekannt vor, sie hatte nur ein bisschen gebraucht um sie richtig zuzuordnen - dann war sie sich allerdings sicher, dass sie sie schon mal gehört hatte. Vor sehr langer Zeit.

Das Einzige was ihr komisch vor kam waren die Gärten Andorias - diese hätten eigentlich Ilvias Gärten heißen müssen. Sie hatte diese Zeilen so oft gehört, dass sie sich nun fast wieder sicher war, dass es Ilvias Gärten heißen musste.

Als April noch klein war, hatte sie oft gehört wie ihre Mutter dieses Gebet über die Lippen gekommen war - Abends, zu später Stunde, wenn sie glaubte ungestört zu sein.

"Das Erste ist ein bajoranisches Klagegebet an die Propheten. Es ist sehr neu und wurde, glaube ich, von einer terranischen Sage inspiriert." Für einen Moment blickte April in das erstaunte Gesicht des Barmannes - hatte er ihr nicht zugetraut so etwas zu wissen? April war darüber erstaunt und sichtlich amüsiert.

Mit einer kurzen Handbewegung griff sie über die Konsole, tippte auf einen kleinen Knopf und drehte sie damit auf den Kopf, damit sie nun auch einen Blick darauf werden konnte ohne sich den Hals zu verrenken. Gott sei Dank hatte Narbo auf der Konsole die Leiste mit den Standardeingabefelder gelassen wodurch es ihr leicht viel die Sprache von Ferengi auf Bajoranisch um zu stellen.

"Lassen Sie mal sehen ...!", ihre Stimme war dabei eindeutig herausfordernd und aggressiv.

Narbo wollte schon zu eine wütenden Antwort ansetzen, als April plötzlich O'Connor neben sich stehen sah, den sie im Eifer des Gefechtes beinahe vergessen hatte. Und auch ihren "alten" Bekannten Jeffrey nahm die Kriegerin erst jetzt war. Innerlich verdrehte sie die Augen bei dem Gedanken an ihre letzte Begegnung mit dem Terraner.

--- Venture, Brücke

Cheyenne hatte sich gerade wieder gesammelt, nachdem sie so plötzlich Sternenlichts Stimme über die Brücke hallen gehört hatte.

Mit wachsender Neugierde hörte sie das Gespräch der beiden Männer – ihre Aufmerksamkeit wurde aber nach einigen Momenten wieder auf die Anzeigetafel vor ihr gelenkt, auf der noch immer die Auswertungen des Phaserstrahls zu sehen war. Automatisch hatte der Computer das Suchmuster ein zweites Mal gestartet - dieses Mal jedoch ohne den vorherigen lauten Piepton. Im ersten Augenblick war der Pilotin die Veränderung gar nicht aufgefallen, doch als sie genau hin sah und die Daten verglichen hatte, machte sie eine seltsame Entdeckung.

"Ich unterbreche ja nur ungern aber das sollten Sie sich ansehen, Alnak: wenn die Daten hier stimmen, dann hat sich unser fremdes "Schiff" gerade um einige hundert Kilometer auf uns zu bewegt..."

Dieses Mal nahm Chris die Tasse kommentarlos in Empfang, es gab sehr viel wichtigere Dinge, als sich wegen so einer Kleinigkeit aufzuregen. Dafür war es einfach nicht der richtige Zeitpunkt.

So ging Carter die wenigen Schritte zu dem Replikator um die Tasse zu entsorgen, dann kehrte er zu Cheyenne zurück, um auch einen Blick auf die Konsole zu erhaschen. Es würde überhaupt nicht zu ihm passen, sich in dieser Situation zu vergessen und einen Streit zu beginnen.

Carter wusste sehr genau, um was es hier ging. Ihn störte nur die arrogante und selbstgerechte Art des Romulaners, der nicht bereit war eine andere Meinung als die eigene zu akzeptieren oder auch nur in Betracht zu ziehen.

"Könnte man nicht einfach versuchen Energie von der Venture umzuleiten und so die Sensoren des Shuttles aktivieren?", erkundigte sich Chris so leise bei Cheyenne, dass nur sie es hören konnte.

--- Deck 6 Gänge

Ruhig und gelassen ging der Japaner durch die Gänge, der ihm so vertrauten Venture. Knapp, aber respektvoll wurde er von zwei vorbeikommenden Sicherheitlern gegrüßt. 'Alicia Janet und Dorren Scott... seit Anfang an dabei...', rief er sich die Namen in sein Gedächtnis.

Er kannte jedes Crewmitglied, ausnahmslos. Das war er diesen Menschen schuldig. Denn sie riskierten ihr Leben für andere, ohne Aussicht auf Ruhm, Belohnung oder Anderem. Im Gegenteil, sie waren geächtet.

Der 1. Offizier war verunsichert. Dieser Gedanken war er sich zwar bewusst, aber es war eigentlich gar nicht seine Art in Erinnerungen zu schwelgen. Dem Asiat deute es mal wieder, dass auch er älter wurde.

Seit Jahren hatte er sich nicht mehr wirklich entspannen können. Ein persönlicher Kontakt mit seinen Töchtern war für sie einfach zu gefährlich. Er konnte sie nicht dem Risiko aussetzen. Auch so schon wurden sie alleine von Starfleet zu oft behelligt. Nicht auszudenken, wenn die Romulaner oder irgendwelche Piraten auch auf den Gedanken kommen würden.

Wie oft hatten Alice und Francine ihn in ihren Botschaften darum gebeten nach Hause zu kommen und sein Leben auf der Venture hinter sich zu lassen.

Hisaki hatte sich zum ersten Mal in seinem Leben gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Kinder gerichtet, mit der Entscheidung auf der Venture zu bleiben. Er wusste es war eigensinnig, aber sie waren alt genug gewesen und hatten im Dominionkrieg selbst gesehen, was für Gräuel geschahen und auch weiter passieren könnten. Also hatten sie seine  Entscheidung, wenn auch widerstrebend, respektiert.

Aber jetzt war es ein bisschen anders. Etwas was dem sonst so umsichtigen und im Allgemeinen als "weise" titulierten Mann bei seiner Entscheidung damals völlig entgangen war.

Das stimmte ihn traurig, als er den Turbolift betrat und den Computer den Maschinenraum als Ziel anwies.

--- Maschinenraum

Nachdenklich schritt Kuzhumo auf den Warpkern zu. Den Phaser hatte er im Turbolift schon auf Maximalleistung gestellt und wieder an seinem Gürtel befestigt.

Der 1. Offizier stellte ein paar Fragen zum generellen Befinden der Crew, und beruhigte ein paar der jüngeren Crewmitglieder mit seiner ausstrahlenden Ruhe und Zuversicht.

Dies tat er oft in Krisensituationen. Aber zum ersten Mal war seine Gefühlswelt hinter dem lächelnden Gesicht, nicht eins mit seiner Ausstrahlung. Selbst McCarthy hätte es sehr schwer gehabt das innere Ungleichgewicht seines Freundes zu erkennen.

Denn seine Stimmung hatte sich im Turbolift nicht gebessert. Er hatte sich immer als Mann gesehen, der in seinem Leben alles erreicht hat. 'Ich höre auf zu leben, aber ich habe gelebt...', fiel ihm einer seiner vielen Weisheiten ein.

Nach dieser Lebensweisheit hatte er sein Leben aufgebaut und hatte sich auch an immer Neues gewagt... mit seiner Sportlerkarriere, als mehrmaliger Karate-Weltmeister... sein abgeschlossenes Medizinstudium... das viel zu kurze Glück mit seiner Frau... die Möglichkeit seine Töchter aufwachsen zu sehen, wie sie zu reifen und verantwortungsbewussten Frauen wurden... eine neue Karriere in der Sicherheit... und zum Schluss sogar Kommandooffizier...

Somit dachte er, er könne ruhigen Gewissens seiner Berufung folgen und mit der Venture reisen, bis diese Reise ein Ende finden würde.

Seit der Lossagung von der Sternenflotte hatte er ein asketisches Leben geführt und ist voll in seinen Aufgaben aufgegangen. Wenn Replikatorenergie reduziert wurde, hatte er seine Rationen nochmals halbiert. Wenn es zu kämpfen kam stellte er sich trotz seinem hohen Alter bei Bedarf immer noch in die erste Reihe.

Und auch jetzt würde er notfalls seine Pflicht erfüllen. Seine Schwerste...

Aber die letzte Nachricht seiner Tochter Francine hatte etwas in ihm verändert. Etwas was er nicht Bedacht hatte und seine Entscheidung bis zum Ende der Reise der Venture auf dieser zu bleiben tief erschütterte.

Er wollte so gerne wenigstens einmal in seinem Leben seinen Enkel im Arm halten...

--- Atlantis, Holodeck 1, bei der Tür

David hatte das treiben mit einem Schmunzeln beobachtet. Typisch für den Ferengi und vor allem für April.

"Ich wurde direkt von Captain McCarthy geschickt, um die Arbeit der beiden Crews ein wenig zu Koordinieren und Sie über die neusten Geschehnisse zu informieren", begann er. "Wir hatten vor einigen Minuten einen Besucher auf der Venture der, uns so etwas wie Forderungen hinterlassen hat, bevor er sich wieder fortgebeamt hat.

Sie wollen die Venture. Wie ihre Crew mit Sicherheit auch schon herausgefunden hat, wurden die Computerkerne beider Schiff massiv manipuliert. Allerdings scheinen die Fremden einige Lücken in ihrer Überwachung zu haben. Sie gehen davon aus, dass Theocrates, laut ihrer Aussage die einzige Person, die uns noch retten kann, getötet wurde. Zudem wird es ihnen an Feuerkraft fehlen, um die Atlantis und die Venture überwältigen zu können"

David pausierte und atmete einmal tief durch. Er war zugegebenerweise ziemlich aufgeregt und unsicher in seiner jetzigen Situation. Seine Darstellung der Dinge würde das handeln O'Connors wesentlich beeinflussen und deshalb gab er sich größte Mühe alle wichtigen Informationen weiterzugeben.

"Wir müssen unter allen Umständen verhindern, dass unsere Gegner erfahren dass Theocrates lebt und wie viel wir über sie wissen." Er blickte kurz rüber zu den Blutflecken am Boden und räusperte sich.

"Ich weiß nicht inwieweit sie ihre Crew einweihen möchten. Die Manipulation der Schiffssysteme ist nun mal nicht ohne Hilfe an Bord möglich. Ich jedenfalls benötige eine Möglichkeit eine sichere Verbindung zur Venture aufzunehmen um sie von hier auf den laufenden zu halten. Im Augenblick hat wohl die Übermittlung der Information über den Impfstoff hohe Priorität."

--- Holodeck 1, bei der Konsole

"'...aber es hört jetzt auf!'", äffte Narbo den Captain leise, aber nicht so leise, dass dieser es nicht mit ein bisschen Glück hören konnte, nach.

Der Mann hatte eindeutig größere Probleme, als der Ferengi geahnt hatte.   Erst flennte er im Quartier wie ein hysterisches Weib, um keine Stunde später wieder den autoritären Leitwolf rauszukehren, für den er sich wohl hielt.

'Genau richtig, dass diese Blockflöte von Psychologe mit ihm spricht!', stellte er für sich fest, während er Jeffrey beim Sprechen beobachtete.

Sollte er ruhig versuchen, den Captain zu "heilen", vielleicht brachte es ja was. Genauso wie es half, sich eine juckende Stelle am Arm zu kratzen.

Und wenn Kratzen nichts mehr bringt, wird der Arm halt abgehackt!

Bei O'Connor saß der Juckreiz aber eher im Kopf.

'Hmmm, den krieg ich aber mit meinem Messer nicht ab!', stellte er etwas bedauernd fest, bevor er anfing, das Bat'leth der Fast-Bajoranerin verstohlen zu mustern...

--- Holodeck 1, bei der Tür

Kurz dachte O'Connor über die Informationen nach, die Jeffrey ihm gegeben hatte, wägte verschiedene Möglichkeiten ab, wie das Problem zu lösen war und kam dann zu einer Entscheidung. Schließlich musste ja endlich mal etwas passieren, was sie auch nur irgendwie bei der ganzen Attentäterei weiter brachte.

"Hören Sie Mister Jeffrey", raunte er dem Menschen zu und bedachte ihn mit einem beinahe prüfenden Blick. "Ich denke, wir sollten nach Möglichkeit nicht zu viele Personen in den wissenden Kreis aufnehmen; also keine schiffsweite Ansprache, die dem Attentäter mehr hilft als uns. Solange es geht, möchte ich den Deckmantel des Schweigens über der ganzen Sache wissen, haben wir uns da verstanden?"

Ein stummes Nicken kam als Antwort und so fuhr Julian fort mit seinen Anweisungen.

"Begeben Sie sich in den Maschinenraum und teilen Sie den dortigen Technikern in meinem Auftrag mit, dass sie sich um das Problem mit dem Computerkern kümmern sollen. Und zwar mit höchster Priorität. Sollten die damit Probleme haben, dann sollen sie sich umgehend bei mir persönlich melden, sagen Sie das.

Und bezüglich der sicheren Leitung zur Venture ... da wird Ihnen Jean Xen behilflich sein können. Übrigens können Sie sich dort auch gleich einen Kommunikator geben lassen, damit Sie mich über Neuigkeiten von dort auf dem Laufenden halten können, ok?"

David schaute den Captain einen Moment lang ein wenig unverständlich an. Hatte er nicht gerade gesagt, dass man von einer massiven Überwachung ausgehen kann? "Bei allem nötigen Respekt Sir... Ich halte es für keine gute Idee Sie mit Hilfe eines Kommunikators zu informieren wenn wir von einer Überwachung der selbigen ausgehen können."

David blieb ruhig. Er war eigentlich sicher, dass der Captain ihn verstanden hatte nur war ihm der Grund für diese Anweisung doch sehr Schleierhaft.

--- Krankenstation

Als Llewella die Krankenstation betrat, prallte sie beinahe mit einem Mann zusammen, der scheinbar in ihrer Abwesenheit eingetreten war

"Hoppla, Entschuldigung!", ein wenig überrascht betrachtete die Ärztin den Mann. Er war einen guten Kopf kleiner als sie, hatte dunkle Haare und ebensolche Augen, die einen abschätzenden Blick aufwiesen. Er trug Freizeitkleidung und hielt seinen Arm irgendwie seltsam.

"Lassen Sie mich das mal ansehen!", resolut schob die Rothaarige den Neuankömmling auf einen Stuhl zu und nötigte ihn, sich hinzusetzen. Vorsichtig entfernte sie den zerschnittenen Stoff des Ärmels und legte eine unangenehm aussehende Schnittwunde frei.

"Was haben Sie denn da angestellt?", wunderte sich die Schottin.

Der Mann blickte sie durchdringend an. "Ich war auf dem Holodeck und habe einen Degenkampf ausgefochten. War wohl ein wenig unvorsichtig dabei..."

Llewella war überrascht, schaffte es aber, ihren Blick weiterhin auf die Wunde zu richten. Bei der Aussage des Dunkelhaarigen stellten sich ihr alle Nackenhärchen auf.

Sie wünschte sich, sie hätte in den gerichtsmedizinischen Vorlesungen an der Universität besser aufgemerkt. Dennoch war sie sich ziemlich sicher, dass dies hier keinesfalls eine Wunde war, die von einer schmalen Klinge wie der eines Degens verursacht worden war.

Aber warum log der Mann?

Die Schottin war sich außerdem sicher, dass sie diesen Menschen noch nicht gesehen hatte. Und warum hatte er die Sicherheitsprotokolle des Holodecks ausgeschaltet? Während sie die Wunde reinigte und mit ihrem Verschluss begann, fragte sie in Plauderton:

"Sie haben mich bislang noch nicht auf der Krankenstation besucht. Sind Sie schon länger an Bord der Atlantis?"

Die stechenden Augen des Unbekannten richteten sich auf das Gesicht der Schottin, als suchten sie Argwohn. Er fand anscheinend keinen Grund, die Frage nicht zu beantworten.

"Ja, Doktor, ich bin noch nicht lange an Bord. Ein paar Monate. Bislang ging es mir auch immer gut, so dass ich keinen Grund hatte, die Krankenstation aufzusuchen."

"Aye, verstehe", lächelte die Ärztin und schloss ihre Behandlung ab. "So, wenn Sie den Arm noch ein paar Tage schonen, ist er wie neu. Und keine unvorsichtigen Holodeck-Ausflüge mehr!"

Der Mann erhob sich von seinem Stuhl und lächelte ebenfalls, aber das Lächeln erreichte seine Augen nicht. "Ich danke Ihnen, Doktor." Er wandte sich zum Gehen. Wie zufällig hielt er jedoch vor der Ausgangstüre inne und fragte:

"Wie geht es eigentlich unserem Sicherheitschef? Ich hörte von dem Anschlag...", er ließ die Frage im Raum verklingen.

Llewella fühlte sämtliche Alarmglocken in sich aufschrillen. Ein besorgter Blick in Richtung der Quarantänesektion zeigte ihr glücklicherweise, dass Pormas immer noch auf seinem Biobett lag. Nicht auszudenken, wenn er ausgerechnet jetzt auf die Idee gekommen wäre, aufzustehen.

"Hm....", mit einem unzufriedenen Brummen reagierte Llewella auf die Frage. "Wenn er endlich sein Bewusstsein zurückerlangen würde, wäre ich glücklicher..."

Der Unbekannte nickte kurz, verabschiedete sich dann von der Ärztin und verließ die Krankenstation.

Llewella atmete tief durch. Was war das gewesen? Oder besser: Wer war das gewesen? Und was hatte er mit seiner Frage bezweckt?

Die Rothaarige trat auf die Türe zu, welche sich leise öffnete. Sie ließ ihren Blick vorsichtig nach rechts und links den Gang hinunter schweifen. Niemand war zu sehen...

Kopfschüttelnd trat die hochgewachsene Frau wieder in ihre Krankenstation. Machte die Situation und die Sorge um den Sicherheitschef sie wirklich schon paranoid?

Nein, mit ihrer Einschätzung der Verletzung des Mannes war sie sich absolut sicher. Er hatte ihr glatt ins Gesicht gelogen.

Llewella beschloss, mit Pormas darüber zu sprechen. Vielleicht hatte er eine Idee. Sie lenkte ihre Schritte in Richtung der Quarantänesektion.

--- Krankenstation, Quarantänesektion

Der Sicherheitschef lag mit geschlossenen Augen auf seinem Biobett. Llewella trat neben ihn und berührte ihn leicht an der Schulter.

"Pormas?"

Müde schlug der angesprochene seine Augen auf. "Hallo meine Schöne", murmelte der Südländer, "Ich halte mich gerade an die Anweisungen meiner dominanten Ärztin und schone mich solange ich kann..."

Pormas verschmitztes Lächeln verschwand, als er den besorgten Blick der Schottin bemerkte. "Ist was passiert?"

Llewella setzte sich auf die Kante des Biobettes und blickte den Südländer an. "Aye, es ist etwas passiert. Entweder bekomme ich jetzt einen Verfolgungswahn - oder es gefällt mir überhaupt nicht."

Sie berichtete ihm von dem Unbekannten, der gerade die Krankenstation besucht hatte.

"Er hat mir einfach ins Gesicht gelogen. Und dann, auf dem Gang, war er plötzlich nicht mehr da. Als hätte er sich in Luft aufgelöst. Oder wäre fortgebeamt.

Aber am wenigsten gefallen hat mir, dass er sich nach dir erkundigt hat!"

Pormas schluckte. Sie waren nahe. In seiner jetzigen Lage war er verwundbar. Er hatte keine Waffe und musste sich so zwangsweise gedulden, bis Sternenlicht mit seinem Koffer antanzte.

"Llewella du hast dich absolut richtig verhalten", wieder war der Südländer von dem makellosen blau der Augen seines Gegenübers fasziniert, "Hättest du dich anders verhalten hätte er dich womöglich..."

Der Sicherheitschef schluckte. Ein eiskaltes Gefühl machte sich in seinem Inneren breit, als er an die möglichen Folgen dachte. Er ergriff die Hand der Schottin. "Ich bringe dich nur unnötig in Gefahr. Sobald Sternenlicht wieder da ist, muss ich die Krankenstation verlassen."

Immer noch hielt er ihre Hand fest, als er seinen Blick von ihrem Gesicht abwendete und mehr zu sich selbst als zu ihr murmelte, "Dir darf nichts passieren..."

Als der Südländer Llewellas Hand berührte, durchfuhr es sie, als hätte sie einen elektrischen Schlag bekommen. Wie hypnotisiert sah sie dem Hünen ins Gesicht, völlig irritiert von dem ungewohnten Gefühl der Wärme, das sie durchflutete.

Seine Stimme drang wie aus der Ferne an ihr Ohr, nur seine warme Hand in der ihren schien Bedeutung zu haben. Die Zeit stand still.

Erst als Pormas den Blickkontakt abbrach, erwachte die Schottin aus ihrer inneren Erstarrung. Für einen Sekundenbruchteil schloss sie ihre Augen und erinnerte sich, was er ihr gesagt hatte.

"Ich ... glaube nicht, dass ich in Gefahr bin.", antwortete sie mit einem leichten Lächeln. "Ich bin nur ein kleines Licht in diesem ... Theater!"

Ein unsicheres Auflachen entfloh ihr, als sie über ihre Formulierung nachdachte. "Du bist es, der in Gefahr ist. Und das überall auf dem Schiff. Wir wissen nicht, wo sie ihre Hände überall drin haben.

Wir sollten eher darüber nachdenken, wie wir die Krankenstation sicherer machen können..."

Grübelnd dachte der Südländer darüber nach, welche Möglichkeiten sie hatten die Station sicherer zu machen. "Wir können die Tür sichern, die autarken Lebenserhaltungssysteme aktivieren und die Jeffries Röhren versiegeln..."

Mit ernstem Blick wandte er sich wieder Llewella zu, deren Hand er nachdrücklich ein wenig fester hielt, "Aber das ist nicht der Punkt. Sie wollen mich. Und es ihnen egal, wer ihnen dabei im Wege steht."

Als er das Aufbegehren gegen die Bedeutung seiner Worte sah, umfasste er auch mit seiner freien Hand die Ihre und schaute ihr flehend in die Augen, "Ich habe über die Jahre alle Menschen verloren die mir in meinem Leben etwas bedeutet haben.

Bitte du nicht auch noch..."

--- Gänge

"Ich werde das so weitergeben", antwortete das Katzenwesen dem Romulaner. "Ich melde mich wieder, wenn sich etwas ergibt. Sternenlicht, Ende."

"Sternenlicht an Narbo. Was ich noch vergaß: Versuche doch erst einmal, ob Du aus dem Hangar Ergebnisse bekommst. Nicht, dass es später Streit um eventuelle Reparaturrechnungen gibt und wir dies vermeiden könnten."

Ohne seinen Schritt zu verlangsamen betrat der Sivaoaner Quartier 457.

---Quartier 457

"Sternenlicht an O'Connor. Ich ..."

Er hielt mitten im Satz inne. Es roch falsch, es roch nach frischen Medikamenten, nach ionisierter Luft und nach Schweiß? Wie konnte das sein. Er hörte ein Knirschen schräg hinter ihm. Er fuhr herum.

Ein Mann, dunkle Haare, eine Lederjacke, ein unbekanntes Gerät und ein Phaser waren das, was er erblickte. Er drückte auf einen Knopf an dem Gerät und der Sivaoaner wurde von einem feinen Nebel eingehüllt.

"Wer ssssind Sssie?" fragte Sternenlicht fauchend. Irritiert blickte der Unbekannte kurz zwischen dem Gerät und seinem Gegenüber hin und her. "Was zum..." Von da an geschah alles in Sekundenbruchteilen.

Die Stimme von Silbermond zu-Vensre schoss durch seinen Kopf: 'Im Kampf gibt es keine Gnade. Wenn Du überleben willst, musst Du handeln.' Und er handelte.

Krallen gruben sich in den Teppich, als das Katzenwesen mit atemberaubender Geschwindigkeit zur Seite schnellte. Keiner, der noch nie einen Sivaoaner gesehen hatte, würde je mit einer derartigen Geschwindigkeit rechnen. Aber die Katzenwesen von Sivao waren und blieben Jäger wie nur Katzen sie sein konnten. Ein Phaserstrahl fauchte an der Stelle vorbei, an der eben noch sein Kopf gewesen war.

Jahrtausendealte Instinkte hatten die Kontrolle über Sternenlicht übernommen. Aus einer Welt, in der es hieß Fressen, oder gefressen werden. Waffen brauchte er nicht, er hatte sie immer dabei.

Kaum das er mit einem Fuß wieder Bodenkontakt hatte, schnellte er sich mit aller Kraft nach vorne. Ein kehliges Knurren hallte durch den Raum, als ein weiterer Phaserschuss die Luft im Zimmer durchschnitt. Da war Sternenlicht heran.

Pranken mit zehn Zentimeter langen, rasiermesserscharfen Krallen schlugen gezielt auf den Unbekannten ein. Zuerst auf die Hand mit dem Phaser. Ein hässliches Krachen ertönte, Blut, Hautfetzen ein Phaser und - wie sich später herausstellte - eine Art Kommunikator flogen durch den Raum.

Gleichzeitig schlugen sich seine Reißzähne in die Kehle seines Opfers. Der Schwung, mit dem Sternenlicht in den Unbekannten Attentäter gekracht war, brachte beide zu Boden. Das Katzenwesen rollte sich dabei instinktiv ab und riss dabei die Kehle seines Opfers auseinander.

Sternenlicht wirbelte mit einem Satz herum und suchte mit den Blicken seinen Gegner. Der lag blutend am Boden und gab einige letzte, röchelnde Geräusche von sich, bevor er regungslos liegenblieb.

So wurde der Jäger zum Gejagten.

Sternenlicht blieb fast eine halbe Minute regungslos stehen. Die Stimme des Captains, die über den Kommunikator zu hören war, drang nicht zu ihm heran. Dann begann er wieder zu handeln. Er schnappte sich den gesuchten Koffer, während er in den Kommunikator sprach:

"Chef, ich melde mich in einigen Minuten wieder bei Ihnen, hoffentlich.

Sternenlicht an Llewella: Ich hatte eben Feindkontakt: Beame mich und die Leiche neben mir umgehend in die Quarantäne, ich vermute Kontakt mit dem Kampfstoff. Löse danach erneut das Quarantäneprotokoll für Quartier 457 aus."

--- Krankenstation, Quarantänesektion

"Oh, aye.", machte die Schottin tonlos, als sie erkannte, dass mit dem Griechen wohl über dieses Thema nicht sinnvoll zu reden war. Nachdenklich blickte sie auf ihre Hand, die in Pormas kräftigen Händen beinahe verschwand. Dabei überlegte sie, wie sie ihm wohl am besten antworten sollte.

Das seltsame Gefühl der Wärme war verschwunden, als sie sich der Situation wieder bewusst wurde. Dennoch entzog sie ihm ihre Finger nicht.

"Wahrscheinlich hast du Recht, dass diese Leute über Leichen gehen, um ihr Ziel zu erreichen... aber als deine...", sie schaute ihn mit einem ironischen Blick an, "dominante Ärztin glaube ich auf der anderen Seite nicht, dass du schon in der Verfassung bist, die Krankenstation zu verlassen. Abgesehen mal davon..."

Die Schottin unterbrach sich und erstarrte.

"Ifrinn!", fluchte sie, als sie aufsprang und ihren Tricorder ergriff. Mit langen Schritten eilte sie zu den Kontrollen des Transporters, die sie für ihren Geschmack in den letzten Stunden schon zu oft benutzt hatte.

Schnell initiierte sie den Transport und schrak zurück, als das Katzenwesen, eine übel zugerichtete Leiche ... und ein Koffer materialisierten. Dem Sivaoaner sträubte sich das Fell, das obendrein auch in alle Himmelsrichtungen abstand. Sein Schweif war doppelt so dick wie normal und seine Spitze peitschte aufgebracht hin und her.

Llewella hatte Sternenlicht noch nicht oft in dieser Verfassung gesehen, aber sie hielt es absolut für angeraten, sich langsam zu bewegen und dem Sivaoaner nur so gegenüberzutreten, dass er sie nicht im Rücken hatte.

Sie hob ihren Tricorder und scannte das Katzenwesen. Er hatte nicht nur einen unschönen Streifschuss abbekommen, der ganz nach Phaser aussah, sondern hatte auch mit seiner Vermutung über den Kampfstoff vollkommen Recht.

"Aye, das ist wieder einmal Bacillus anthracis", bestätigte die Schottin. "Ansonsten..."

Llewella schritt wieder einmal zu ihrem Replikator und entnahm ihm nach ein paar Sekunden ein Hypospray, mit dem sie wieder zu Sternenlicht zurückging. Sie stellte fest, dass sich sein gesträubtes Fell schon wieder ein wenig gelegt hatte, aber seinem aufgeregt peitschenden Schweif wollte sie doch lieber aus dem Weg gehen.

Nicht, dass er sie noch von den Füßen fegte.

"Laut Tricorderdaten haben die Milzbrandbakterien keine Auswirkung auf Deinen Organismus", wandte sie sich an den Sivaoaner. "Was ich mir schon fast gedacht hatte...

Dennoch bekommst Du jetzt erst einmal eine Dosis des Antibiotikums, nur um sicher zu gehen."

Anschließend versorgte die Ärztin die Phaserverletzung. Dann meinte sie: "Es wäre ganz gut, wenn Du einen Besuch in der Hygienezelle machtest. Nicht, dass sich noch ein paar von diesen Bakterien oder gar Sporen in Deinem Fell verfangen und Du sie im Schiff verteilst..."

Zischend und mit angelegten Ohren fragte der Sivaoaner "Du schickst mich ... duschen?"

Die Schottin kannte die Abneigung des Katzenwesens gegenüber Wasser. Sie hob eine Augenbraue und meinte trocken: "Wasser oder nicht ist mir egal. Die Hygieneprotokolle der "Dusche" sind so programmiert, dass eine Eliminierung der Erreger in jedem Modus stattfindet."

Nachdem Sternenlicht in der Hygienezelle verschwunden war, veranlasste die Schottin noch die erneute Anwendung der Desinfektionsprotokolle auf Pormas Quartier.

Dann wandte sie sich wieder dem Sicherheitschef zu.

"Da hast du deinen Koffer... Und wie es aussieht, noch ein kleines Überraschungspaket."

Pormas kniete sich neben die Leiche und betrachtete das Gesicht genau. "Mmmh...", murmelte der Südländer, während er die Hand der Leiche nahm und untersuchte, "...er wusste von meinem Koffer und hat sich daran versucht, so wie seine Hand aussieht..."

Achtlos ließ er den Arm mit der leicht verbrannten Hand fallen. Die schon beinahe paranoiden Sicherheitsvorkehrungen seines Koffers schienen sich doch endlich bezahlt zu machen.

Mit sicherem Griff stellte er mit neuer Kraft seinen Koffer auf sein Biobett und öffnete ihn. Normalerweise tat er das nie unter Zeugen, aber auch wenn sie nun wussten in welcher Reihenfolge Retina, Stimmmuster, Fingerabdruck, Passwort und die zwanzigstellige Zahlenkombination eingegeben werden mussten, würde ihnen das auch nicht viel weiterhelfen.

Denn beim nächsten Öffnen würde das interne Sicherheitssystem seines Gepäcks eine andere Reihenfolge verlangen.

Als Pormas sah, dass sich die Ärztin gerade über den Toten beugen wollte, bedeutete er ihr fern zu bleiben. "Fass ihn lieber nicht an, er könnte verdrahtet sein...", einen fragenden Blick der Ärztin später, "Viele Leute aus meinem ehemaligen Gewerbe, oder einfach Fanatiker, haben einen kleinen Sprengsatz in sich, welcher registriert, wenn der Körper tot ist und sich dann aktiviert."

Der Südländer kramte aus einer Seitentasche seines Koffers ein kleines Gerät cardassianischer Bauart raus, "Die Cardis, welche bisweilen noch paranoider sein können als der gute Martengh seiner Zeit, haben für solche Fälle extra einen Scanner entwickelt, welcher nur mit passiver Strahlung arbeitet."

Mit sicheren Bewegungen aktivierte er es und machte sich an die Arbeit. Nach kurzer Zeit fing das Gerät auch an zu piepen. "Tja, hättest du ihn mit den Tricorder untersucht, wären wir jetzt tot..."

Auf Magenhöhe schien eine zehn Kubikzentimeter große Kapsel zu sein, welche laut der cardassianischen Norm 7 von 10 möglichen Punkte auf dem Explosivkraft-Rating hatte.

"Leider können wir mit keinem Laserskalpell rangehen, da es auf energetische Strahlung reagieren kann. Ein Glück das Sternenlicht ihn erwischt hat, ein Phasertreffer hätte fatale Folgen gehabt...", emotionslos verwies der Sicherheitler mit einer Handbewegung auf die zerfetzte Kehle.

"Beim Transport muss er gerade noch gelebt haben...", sprach er mehr zu sich selbst, "... das muss ein absoluter Fanatiker sein, wenn der so irre ist, sich selbst ein Überraschungsbonbon der Stufe C zu implantieren..."

Im Laufe seiner dunklen Karriere war Pormas öfter solchen Leuten begegnet, aber hatte nie einen Auftrag von ihnen angenommen. Ein Waisenhaus in die Luft zu sprengen war nicht seine Art.

Der Sicherheitschef schnappte sich sein duraniumverstärktes Klappmesser aus seinem Koffer und riss die Kleidung des Mannes auf. Ohne zu Zögern schlitzte er den Bauch auf und griff in die Eingeweide. Einen kurzen Ruck später hielt er die handtellergroße Bombe in der blutigen Hand. Sie hatte sogar ein Display.

"Ah... es wäre nicht verkehrt, wenn jemand in der nächsten Viertelstunde Zeit hätte, zur Luftschleuse zu gehen... und das Ding rausschmeißt, bevor es uns um die Ohren fliegt."

Teils fasziniert, teils angewidert hatte die Schottin beobachtet, wie Pormas die Sauerei in ihrer Krankenstation noch vergrößerte.

"So langsam brauchen wir hier mal einen Reinigungsdienst...", meinte sie mit ironischem Tonfall. "Wie wäre es, wenn du dir mal die Hände säuberst, bevor du alles auf meinen Biobetten verteilst?" Mit diesen Worten reichte sie dem Südländer, der sie bei ihren Worten ein wenig seltsam ansah, ein Tuch.

'Männer', dachte Llewella, bevor sie sich wieder dem Mann am Boden zuwandte.

Sie hatte ihn sich vorher schon genau ansehen wollen, bevor der Sicherheitschef sie daran gehindert hatte. Nun warf sie einen gründlichen Blick in sein Gesicht.

"Das ist übrigens der Mann, der mich vorhin besucht hat und sich nach dir erkundigt hatte...", sie ließ ihre Worte im Raum ausklingen.

Dann erinnerte sie sich wieder an Pormas' letzte Bemerkung. Nachdenklich blickte sie ihn an. Sie selber verspürte nicht die geringste Lust, mit diesem widerlich blutigen... Ding die nächste Luftschleuse aufzusuchen. Und sie wollte auch immer noch nicht, dass Pormas wieder anfing, durch das Schiff zu laufen. Auch wenn er das anders sah. Auch wenn sie zugeben musste, dass seine Argumente zumindest nicht ganz falsch waren...

'Goldsmyth....', ging es ihr durch den Kopf. Laut sagte sie: "Wir könnten Jerry Goldsmyth das Ding in die Hand drücken. Er ist einer der Mitarbeiter im Labor und ziemlich verrückt auf alle Dinge, die mit der Sicherheit zusammenhängen." In der Tat hatte sie sich schon manches Mal gefragt, warum Goldsmyth im Labor arbeitete und nicht bei der Sicherheit. "Zu ihm hätte ich jedenfalls genug Vertrauen."

Nachdenklich rieb Pormas sich die Hände und das kleine Gerät an dem Tuch ab. 'Frauen... immer alles sauber halten wollen. Auf einer Krankenstation!', seufzend dachte er über die Worte der Ärztin nach, bevor er einen Entschluss fasste.

"Dann hol ihn mal her. Er hat Glück, dass ich erst noch ein paar Sachen in meiner Datenbank nachgucken muss, sonst würde ich es selber machen...", auf den missmutigen Blick der darauf folgte ging der Südländer lieber nicht ein. Das würde ihm schon früh genug blühen.

Während Llewella den Labormitarbeiter holte, gab der Sicherheitschef alle Sensordaten, wie auch seine vorläufige Analyse in die Datenbank in seinem Koffer ein. Zusätzlich machte er noch ein Bild der Leiche und speiste dies auch ein.

Danach startete er sein Suchprogramm. Dieses verglich das Täter-, wie auch das Tatprofil mit allen ihm bekannten Personen. Die meisten davon ehemalige "Kollegen", oder andere Irre. Pormas erhoffte sich davon eine Liste der möglichen Komplizen, bzw. vielleicht auch die Identität des Toten.

Immer noch grübelnd, ob er diesen nicht doch von irgendwoher kannte, legte er seine beiden Blaster an, welche er in seinem Koffer deponiert hatte und steckte das gesäuberte Messer in seinen Stiefelschaft.

Ein Räuspern von Llewella ließ ihn aufhorchen. Sie hatte einen jungen, rothaarigen Laborassistenten im Schlepptau. "Ah, Mr Goldsmyth...", er reichte dem Kanadier die Hand, "Hat Dr. Campbell ihnen schon gesagt, worum es geht?"

"Nein, Sir", erwiderte dieser. Leicht nervös stand Jerry vor dem Sicherheitschef. Dieser war in der Krankenstation nicht nur sehr gut bekannt, sondern unter den jungen Kollegen schon fast eine Legende. Nicht nur auf Grund seiner Statur und dem Ruf als kompetenten Sicherheitschef, sondern auch weil Niemandem jemand bekannt war, der so viele, eigentlich zwangsweise, tödliche Verletzungen überlebt hatte.

"Ah gut. Mr Goldsmyth. Da meine Ärztin", dabei blickte Pormas kurz zu der Schottin, "mir bis auf weiteres Spaziergänge verboten hat, liegt die Sicherheit des Schiffes nun allein in ihren Händen."

Der Südländer musste sich ein Grinsen verkneifen und er sah, dass es Llewella, die im Rücken des Laboranten stand, ähnlich erging. Der Grieche kannte den jungen Kanadier schon vom sehen, da er in seiner Freizeit oft seine Kollegen in der Sicherheitsstation besuchte. Somit war ihm seine Affinität zur Sicherheit schon bekannt, genauso wie seine fast naive Begeisterungsfähigkeit.

Tatsächlich schien Goldsmyth um ein paar Zentimeter zu wachsen ob des Vertrauens, welches ihm entgegengebracht wurde. "Hier", damit reichte Pormas ihm den kleinen Sprengkörper, "Dieses Gerät wird innerhalb von 10 Minuten explodieren. Lassen sie sich von der Größe nicht täuschen, die Sprengkraft ist enorm."

Auf dem Gesicht des Sicherheitschefs zeigte sich keine Regung, als er den leicht panischen Blick des Laboranten registrierte. Innerlich macht sich ein breites Grinsen breit. So waren sie die jungen, enthusiastischen Möchtegern-Sicherheitler.

"Wir können die Bombe leider nicht beamen, da sie auf GAR KEINEN FALL irgendeiner energetischer Strahlung ausgesetzt werden darf! Angefangen beim Tricorder, über Phaserstrahlen bis zum Beamen! Sollten sie entgegen diesem Ratschlag handeln, dürfte es ihr letzter Fehler gewesen sein. Haben sie das verstanden?", eindringlich schaute er dem Kanadier in die Augen.

Dieser nickte heftig, schien aber ratlos, was er mit der Bombe in der Hand machen sollte. Pormas half ihm gerne dabei. "Schmeißen Sie sie daher bitte einfach aus der nächsten Luftschleuse.", da dem verstehenden und lächelndem Blick keine Bewegung folgte fügte er hinzu: "Und jetzt hopp, manchmal explodieren sie auch früher..."

Goldsmyth machte auf dem Absatz kehrt und war wenige Augenblicke später aus der Krankenstation verschwunden. Lächelnd drehte der Südländer sich zu Llewella um, als er deren strafenden Blick bemerkte.

"Was denn?", fragte er unschuldig.

--- Holodeck 1, bei der Tür

Julian war im ersten Moment ein wenig verwirrt, bis er verstand, was David eigentlich so richtig gemeint hatte.

"Nein, nein", korrigierte er seine Aussage von vorhin. "Natürlich sollen Sie nicht per Interkomm irgendwelche wichtigen Informationen preisgeben. Es ging um das Allgemeine, verstehen Sie? Dass Sie mich oder ich Sie im Notfall direkt erreichen können bzw. kann."

Er bekam ein verstehendes Nicken zur Antwort und deswegen entließ er den Psychologen dann auch mit einem Wink und gesellte sich zu den Anderen bei der Konsole.

--- Holodeck 1, bei der Konsole

Gerade bekam er noch den Ruf von Sternenlicht an Narbo mit, wo er überrascht nachfragen wollte, was sie denn da im Hangar machen wollten, als dieser sich schon an ihn wandte. Auf den Ruf konzentriert blieb er stehen, zuckte jedoch erschrocken zusammen, als das Katzenwesen mitten im Satz stoppte und danach seltsame Geräusche über die offene Komm-Verbindung zu hören waren.

Gerade als er nachfragen wollte, ob alles in Ordnung war, da überschlugen sich wohl die Ereignisse auf Sternenlichts Seite, denn man hörte wildes Gemetzel, Krachen und Phaserfeuer. Kurz bevor es für eine beinahe unendlich lange Zeit absolut still war, vernahm man leise ein Röcheln und Julian hoffte, dass es nicht von Sternenlicht war.

"Hallo, Sternenlicht? Ist alles in Ordnung bei Ihnen?", rief er verkniffen, während in seinem Kopf alle möglichen Bilder abliefen, was passiert sein könnte, jedoch wischte er sie schnell beiseite. "Sternenlicht, melden Sie sich verdammt noch mal!"

Immer noch kam keine Antwort, bis dann plötzlich nach einem kurzen und nicht wirklich hilfreichen Satz seitens des Katzenwesens die Verbindung unterbrochen wurde.

"Was war denn da los?", fragte er entsetzt die Anderen, die wie er einen verwunderten Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte.

--- Gänge

Als erstes erkundigte sich David beim Computer nach dem Aufenthaltsort von Jean Xen. "Offiziersmesse..." murmelte er. Vor nicht einmal einer Viertelstunde war er selbst ja auch noch dort. Er machte sich zügig auf den Weg.

--- Narbos Bar

David schlenderte direkt zum Tisch an dem Jean in ein PADD vertieft saß und setzte sich. "Hi!", sagte er grinsend. "Es tut mir leid, dass ich eben so plötzlich verschwand. Ich benötige ihre Hilfe bei einigen Dingen. 1. benötige ich einen Kommunikator und 2. ein Technikerteam welches mit uns zum Computerkern geht."

--- Krankenstation, Quarantänesektion

Llewella musste sich alle Mühe geben, nicht laut herauszuprusten und ihr mühsam aufgesetzter, strafender Blick verwandelte sich in einen Ausdruck großer Erheiterung.

Mit einem Lachen in der Stimme meinte sie: "A chiall, du hast eine Art, mit Menschen umzugehen, die ist wirklich unvergleichlich! Wahrscheinlich wird unser Jerry Goldsmyth nie wieder derselbe sein, weil der Sicherheitschef ihm eine solche Aufgabe anvertraut hat!"

Die Ärztin konnte sich beinahe plastisch vorstellen, wie Goldsmyth zukünftig seine Labor-Kollegen mit der Geschichte nerven würde. Auf der einen Seite war sie wirklich froh, dass sie mit dem jungen Mann jemanden gefunden hatte, der diese Bombe 'entsorgen' konnte, aber sie war auch nicht ganz unglücklich darüber, kein Teil der regulären Besatzung des mikrobiologischen Labors zu sein.

Sie warf Pormas noch ein strahlendes Lächeln zu und blickte dann wieder zu dem Leichnam auf dem Boden. "Bist du mit deinen kriminalistischen Erhebungen schon so weit fertig? Dann würde ich diesen Herrn hier nämlich gerne entfernen..."

Verwirrt konzentrierte sich der Sicherheitschef wieder auf den Toten. Llewellas freundliche und ehrliche Art ihm gegenüber hatte eine Saite in ihm zum Klingen gebracht, die er verschwunden glaubte. Schnell unterdrückte er das aufkommende Gefühl der Wärme die sich breitmachen wollte, als er die Schottin betrachtete.

So etwas durfte und sollte es für ihn nicht mehr geben. Nicht für Jemandem, der Menschen die ihm nahe standen nur den Tod brachte. Bevor er den Gedanken zu Ende führen konnte unterbrach ihn ein Piepsen.

Schnell drehte er sich um und vertiefte sich in die Kontrollen seines Koffer-Displays. Tiefe Sorgenfalten durchfuhren seine Stirn. 'Das kann doch nicht sein...', fuhr es ihm immer wieder durch den Kopf, während er den mehrere Seiten umfassenden Bericht studierte.

Pormas spürte Llewellas Anwesenheit im Hintergrund. Diese wagte sich scheinbar nicht zu rühren, oder wartete einfach nur ab, was der Südländer verkünden würde.

Nachdem der Sicherheitschef den Text noch ein zweites Mal überflog, wandte er sich langsam der Leiche zu und kniete sich neben sie. Mit einer Hand drehte er sie auf den Bauch, ohne sich um die entstehende Sauerei zu kümmern.

Der Grieche riss dem Fremden die Kleidung vom Rücken und offenbarte eine Tätowierung. Diese zeigte deutlich einen Reiter, der einen Planeten in der Hand hielt und auf einem Flammenross saß.

"Oh Scheiße...."

Stardust Atlantis