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Crossover 28 - Piraten, Nachtelfirokesen und andere Merkwürdigkeiten

(Atlantis 33, Venture 57)

--- Atlantis, Bar, etwa eine halbe Stunde später

"...und dann sag ich zu dem Kerl, dass er sich seinen Haiku in den Arsch schieben kann!", beendete Narbo seine lautstarke Erzählung mit seinem verschlagensten Grinsen.

Zugegeben nicht die Wahrheit, aber wen kümmerte die schon, wenn es eine Geschichte zu erzählen galt!

Einige Gäste an der Theke schauten kurz zu ihm herüber und schüttelten leicht den Kopf, bevor sie sich wieder ihren Spirituosen zuwandten. Wenn diese Maden wüssten, was sie da wirklich tranken...

Der stämmige Kerl, der Narbo seit fünf Minuten mehr oder weniger schweigend gegenübersaß, schien weiterhin ungerührt zu sein. Zuerst hatte der Ferengi gedacht, dass der Typ taub oder blöd war. Oder beides.

Ein Kreuz wie ein Nausicaaner und genauso hässlich.

Allein diese komische Frisur...

'Wie hatte er sich selbst genannt? Nachtelfirokese - was soll das denn sein? Und was war ein Frostsäbler?'

Die wenigen Worte, die der Fremde am Anfang verloren hatte, halfen Narbo nicht weiter. Wie sollte er da eine persönliche Beziehung zu dem Kunden aufbauen und ihn so zum hemmungslosen Konsum von Alkohol, Nutten und Koks verleiten?

Nutten natürlich nur auf dem Holodeck!

"Das war ein anständiges Schiff hier", hatte O'Connor zum Barbesitzer gesagt, "Wir sind schließlich nicht auf der Venture"

--- Llewellas Quartier

'..dein Herz...', hallte es in der Schottin nach. Sie konnte kaum fassen, was hier geschah. Sollte tatsächlich...? Mit einem Blick, in dem sich Unglauben und Hoffnung mischten, betrachtete sie das markante Gesicht des Griechen. "Ich.... du...", stammelte sie verwirrt, brachte keinen sinnvollen Satz zustande.

"Ich kann nicht klar denken, wenn du mich so hältst...", Llewellas Stimme war rau. Widerstrebend löste sie sich aus Pormas' Umarmung, wandte ihm den Rücken zu und versuchte, ihre Sinne zu beruhigen.

Mit geschlossenen Augen atmete sie ein paar Mal tief ein, fuhr sich mit der Hand durch ihre Haare. '... dein Herz...', hörte sie wieder die Stimme des Südländers.

"Pormas, ich...", Llewellas Stimme war belegt. "...ich will dir glauben."

Sie wandte sich um, sah ihm ins Gesicht. Hoffte, dass er verstand. Dass sie ihn nicht von sich stoßen wollte. Sondern ihm erklären wollte, wie es in ihr aussah.

"Nay, ich denke, ich glaube dir...", fuhr sie stockend fort. "Aber ich habe auch Angst...", ihre Stimme war sehr leise.

'Angst vor deiner Vergangenheit. Angst davor, noch einmal so etwas durchmachen zu müssen wie in jenem Quartier... Angst davor, noch einmal eine Enttäuschung zu erleben...'

Die Schottin brachte es nicht fertig, ihre Gedanken auszusprechen. Vor allem wollte sie dem Südländer seine Vergangenheit nicht vorhalten. Sie gehörte zu ihm - wenn sie ihn wollte, musste sie sie akzeptieren.

Mit einem unsicheren Lächeln trat Llewella wieder auf Pormas zu. Langsam legte sie ihre Arme um ihn.

"Halt mich einfach fest..."

Pormas nahm sie in dem Arm und drückte sie sanft an sich. Er küsste sie zärtlich auf den Kopf und hielt sie einfach fest. Mit langsamen Bewegungen streichelte er ihr über den Rücken.

Dem Südländer war egal, wie viel Zeit verging, er genoss es, bei ihr zu sein und wollte den Moment festhalten. Er konnte sich einfach nichts Schöneres vorstellen.

Aber irgendwann siegte bei ihm die Vernunft. Er löste sich widerwillig aus der Umarmung, aber hielt sie weiter an ihren Armen fest. Er lächelte.

"Ich kann verstehen, wenn du etwas Zeit brauchst...", die Sehnsucht in Pormas Augen war fast körperlich zu spüren. Wie gern hätte er sie... würde er sie einfach nicht loslassen.

Mit zitternden Armen löste er sich von ihr. "Ich will dich zu nichts drängen. Du hast in den letzten Stunden genug zum Nachdenken bekommen... ich wollte nur, dass du weißt..."

Der Sicherheitschef versuchte, sich abzuwenden. Irgendetwas blockierte ihn aber. Er kämpfte gegen seine Gefühle an, die ihm entgegen schrien, er solle bei ihr bleiben. Mit einem Ruck wollte er sich von ihr lösen.

Stattdessen beugte er sich vor, bis sich ihre Nasen fast berührten. Leise

raunte er ihr zu:

"Ich liebe dich..."

Neckisch entzog er sich ihren entgegenkommenden Lippen und küsste sie zärtlich auf die Nase. Sie fingen wieder an, sich zu umarmen und Pormas nahm ihre langen roten Haare im Nacken zusammen und drückte ihren Kopf sanft nach hinten.

Seine Lippen erforschten ihren weichen Hals und erkundeten den Weg hoch, bis sich endlich ihre Lippen trafen. Er spürte, wie sie unter seinen Berührungen erbebte. Erst vorsichtig, dann immer fordernder küssten sie sich.

Gerade als es schien, dass ihre Zungen sich nicht mehr trennen wollten zog Pormas seinen Kopf zurück. Als er den verlangenden und enttäuschten Blick Llewellas aufnahm, lächelte er sie an und seine Augen schienen die ihren zu fesseln.

Verspielt küsste er die Oberlippe des leicht geöffneten Mundes der Ärztin, danach die Unterlippe. Als der Südländer das Spiel weiterspielen wollte ergriff Llewella seinen Kopf und drückte seine Lippen auf die ihren. Ohne sich zu wehren gab Pormas sich dem leidenschaftlichen Kuss der Ärztin hin.

Der Sicherheitschef spürte, wie seine Lust immer größer wurde und zog die Notbremse. Mit einem Ruck und schwer atmend setzte er seine ganze Kraft ein um die Schottin auf Armeslänge von sich zu drücken.

Sie wusste gar nicht, wie ihr geschah, als Pormas sie mit glühenden Augen anschaute. Sein Widerwillen war fast greifbar.

"Ich... es... es tut mir leid...", er brachte die Worte nur stoßweise heraus, "Du kannst dir denken, dass ich nichts mehr will... als dich. Aber nicht so, ich will dich nicht überfahren. Ich will nicht... dass etwas passiert, was du später bereust..."

Mit wackeligen Schritten ging er zur Quartiertür. Kurz bevor er die Tür öffnete, wandte er sich noch einmal zu ihr um, traute sich aber nicht, ihr in die Augen zu schauen. Er wollte seine Selbstbeherrschung nicht weiter strapazieren.

"Lass dir Zeit... ich warte auf dich... schon mein ganzes Leben lang..."

Mit diesen Worten verließ er ihr Quartier.

Llewella starrte die Türe an, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Sie fühlte sich, als stünde ihr Körper in Flammen. Jede Faser in ihr vibrierte aufgrund von Pormas‘ Berührungen. Ihr Herz schlug Purzelbäume, und ihr Verstand hatte sich vollständig ausgeklinkt.

Empfindungen dieser Art hatte noch kein Mann in ihr entfacht. Die Küsse des Griechen elektrisierten sie und sie hatte sie auf eine Weise erwidert, die sie bislang nicht für möglich gehalten hatte.

Die Schottin wurde sich plötzlich bewusst, dass sie mehr davon wollte. Sie hatte sich selten so lebendig gefühlt wie in den letzten Minuten. Ihr Quartier kam ihr plötzlich größer, kühler und ... einsamer vor, seitdem sich die Tür hinter Pormas geschlossen hatte.

Mit immer noch beschleunigtem Atem blickte sie auf ihre Hände, wie sie es gerne tat, wenn sie aufgewühlt war. Ihre Gedanken wanderten. Sie dachte daran, wie es sich anfühlte, seinen muskulösen Körper in den Armen zu halten. Stellte sich vor, wie sie sein Hemd aus der Hose ziehen würde und ihre Hände über seinen Rücken gleiten würden. Fragte sich, wie es wohl sein würde, mit ihm...

'... ich liebe dich auch...', wurde der Schottin blitzartig klar. Noch konnte sie es nur vor sich selber eingestehen. Seine Vergangenheit, ihre Angst vor einer Enttäuschung, wie sie sie schon einmal erlebt hatte, waren immer noch vorhanden. Aber Llewella war jetzt überzeugt, dass sie das Risiko eingehen wollte.

Mit sicherem Schritt ging sie auf die Türe zu.

--- Venture, Holodeck 1

Carter blickte sich erneut um, auf dem ganzen Schiff herrschte nun emsiges Treiben, überall waren jetzt Hologramme, die ihrer Arbeit nach gingen. Die Kogge kam, bei dem schwachen Wind, nur sehr langsam voran. Der Kapitän musste kreuzen, was dafür sorgen würde, das sich ihre Reise noch verlängern würde.

Chris hatte den Wind und das Wetter im Allgemeinen so geschrieben, dass es sich per Zufall verändern würde, jede Reise etwas anders verlaufen würde, denn man konnte nicht vorhersagen, ob man in einen Sturm, eine Flaute oder gar ein richtiges Unwetter geraten würde. 'Wo bleibt die Frau?', wunderte sich der Sicherheitler und riss sich von dem Anblick des langsam näher kommenden Schiffes los, um unten nach dem Rechten zu sehen.

--- Holodeck 1, unter Deck

Behände lief er die schmale Stiege hinab und stieß unten auf Aillard und den Matrosen. Er brauchte einen Moment, damit sich seine Augen an das Dämmerlicht gewöhnen konnten. "Sie sollten lieber mit nach oben kommen und sich ansehen, was es dort gibt. Für so einen Unsinn habe ich mir die Arbeit nämlich nicht gemacht", meinte Carter ungehalten und funkelte Veronica in dem Halbdunkel hier unten, nicht gerade freundlich an.

'Hätte ich mir ja gleich denken können, dass die Besatzung dieses Raumschiffes sicher keinen Sinn für so etwas hat.' "Dafür können Sie sich jedes Programm wählen, oder vermutlich die halbe Besatzung der Venture."

Der Matrose sah Chris verwirrt an, drückte sich dann allerdings an ihnen vorbei, um sich wieder seiner Arbeit zu widmen.

"He, hier geblieben!", protestierte Veronica und packte den Matrosen unkompliziert am Kragen. Da auch er eine unkomplizierte Person war, blieb er mit einem erwartungsvollen Grinsen stehen, die Hände in die Hosentaschen vergraben, und musterte sie beide wie einen besonders interessanten Holofilm.

Ärgerlich wandte die Brückenoffizierin sich zu Carter um, die Hände in die Hüften gestemmt. "Das ist aber nicht die feine Art, andere Leute so herumzukommandieren", sagte sie vorwurfsvoll. "Ich kann ja verstehen, dass Sie Ihr Programm testen wollen, aber das ist doch kein Grund, mit mir zu sprechen, als wäre ich ein Kind." Schnippisch warf sie die Haare über die Schulter.

"Außerdem können Sie mir nichts vormachen. Niemand programmiert *zufällig* ein Schiff voller attraktiver leicht bekleideter Männer."

Chris starrte sie einen Moment fassungslos an. 'Ist denn die gesamte Crew der Venture verrückt und ohne jedes Feingefühl?', fragte sich Carter. Auch wenn es ihm nicht leicht fiel, diese Frage musste er wohl mit einem ja beantworten. 'Oder sie versteht einfach nicht, wie viel Mühe ich hier investiert habe und wie schlimm es ist, dass sich mein Szenario irgendwie selbstständig macht.'

Denn die Besatzung sollte natürlich keineswegs derart leicht bekleidet sein, das sah seine Programmierung nicht vor, er hatte alles entsprechend der Zeit geschrieben, mit sehr viel Liebe für jede Kleinigkeit. 'Und jetzt passiert so etwas', dachte Chris enttäuscht.

"Ach, lassen Sie mich doch zufrieden", fauchte er Aillard an und stürzte die Treppe hinauf.

--- Holodeck 1, irgendein Hafen

Jean grinste in sich hinein, während sie einige Schritte die hölzerne Promenade hinauf spazierte.

"Das klingt nach einem Abenteuer ...", bemerkte sie träumerisch, während sie den Anblick der Landschaft weiter in sich aufsog.

"Jetzt sollten wir nur noch raus finden, wer denn derjenige ist, in dessen Abenteuer wir gerade hinein geschneit sind!"

Sie hätten natürlich einfach den Computer fragen können, doch wäre das ja langweilig gewesen.

"Wir können ja nach einem Plot suchen. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass wir zuerst in der Hafenkneipe vorbeischauen sollten.

"Einen Plot?", Jean war kurz stehen geblieben und hatte David fragend angesehen. Als sich der Terraner nach ihr umblickte, setze sie sich wieder in Bewegung und setzte zu einer zweiten Frage an.

"Ist das ein Terranischer Begriff?"

David schaute Jean verwundert an. "Irgendjemand wird sich doch eine Geschichte oder Aufgabe für dieses Szenario ausgedacht haben. Da ich nicht weiß, von wem dieses Programm ist, sollten wir uns ein wenig umsehen. Es muss ja nicht unbedingt sein, dass die Handlung uns findet." Er lächelte sie an. In der Umgebung des Hafens an einem wunderschönen Tag wirkte die Technikerin gleich ganz anders. Viel... menschlicher.

"Komm... wir suchen die örtliche Absteige." Mit diesen Worten bot er Jean seine Hand an.

--- Holodeck 1, unter Deck

Fassungslos sah Veronica dem Sicherheitsoffizier nach. Sie hatte natürlich durch ihren Fall gar nicht mitbekommen, dass das Programm nicht so lief, wie es sollte - ihr war nicht einmal aufgefallen, dass Carter einige Minuten zuvor ihr Kostüm modifiziert hatte. Alles, was sie wusste, war, dass der Mann sie im einen Moment eingeladen hatte und im anderen Moment anfuhr, als hätte sie ihn persönlich beleidigt.

Kaum war Carter verschwunden, versperrte der Matrose ihr erwartungsvoll den Weg. Mit einem ungläubigen Blick stieß sie ihn beiseite und stapfte davon. Männer! Homosexuell oder nicht!

"Computer, Ausgang!", befahl sie und marschierte ohne innezuhalten durch die Tür, als sie direkt am Ende des Gangs materialisierte.

--- vor Holodeck 1

Ehe sie sich versah, war das Kostüm verschwunden und hatte wieder ihren Trainingskleidern platz gemacht.

"Computer!", fauchte sie. "Holodeck 1 verriegeln!" So wurde wenigstens kein weiteres Crewmitglied von dem Verrückten belästigt, und... Plötzlich grinste sie und hielt inne, um hinzuzufügen: "Sicherheitsverriegelung Aillard Pi Alpha Drei."

So würde Carter zwar auch nur fünf Sekunden länger brauchen, um die Verriegelung mit seinem eigenen Sicherheitscode zu umgehen, wenn die Tür sich nicht auf seinen Befehl hin öffnete, aber diese fünf zusätzlichen Sekunden des Ärgers hatte er sich auch sauer verdient.

--- Quartier 12

Der plötzliche Themenwechsel ließ Ruben kurz in der Bewegung erstarren, auch wenn er natürlich damit gerechnet hatte. Er hatte sich keine Illusionen gemacht, dass die Frau wegen Hektor oder gar wegen ihm selbst gekommen war.

Ihre Arbeit. Die war ihr am Wichtigsten.

Und deswegen war sie hier: Weil er es bisher nicht geschafft hatte, das Geheimnis dieser lästigen Epidemie einer hauptsächlich durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheit zu ergründen.

"Ähh, ich habe Chi-Lo mit den weiteren Ermittlungen beauftragt, aber trotz seiner Bemühungen vor Ort hat sich noch nichts ergeben. Chi-Lo meint, dass er mehr Zeit für die 'Inaugenscheinnahme' benötigt", berichtete Wagenvoort und vermied zu erwähnen, dass er seit mindestens einem Monat auch gar nicht mehr nachgefragt hatte.

Mit einem Anflug von Sarkasmus dachte Jordan an Chi-Los letzten Besuch der Krankenstation zurück... als er ihr mit dem leidenschaftlichen Pathos eines Sicherheitsoffiziers erklärte, warum es nötig für die Schiffssicherheit war, dass er sich im Laufe seiner "Ermittlungen" wieder und wieder mit Tereon Alpha infizierte.

"Ich glaube", erwiderte sie langsam und vorsichtig. "dass es vielleicht an der Zeit wäre, die Aufgabe in die Hand eines anderen Crewmitglieds zu legen. Ich bin nicht ganz überzeugt davon, dass Chi-Los... Fähigkeiten mit dieser speziellen Aufgabe kompatibel sind." Schamlos benutzte sie den ältesten rhetorischen Trick der Welt und tat einfach so, als hätte Wagenvoort ihr zugestimmt, bevor sie zu Vorschlägen für Crewmen überging, die sich ihrer Meinung nach nicht so schnell ablenken lassen würden. "Was halten Sie von einem anderen Sicherheitsoffizier? Vielleicht nicht gerade Mr. Trustman... aber einer der jüngeren Herren? Mr. Carter oder Mr. Hayburn?" Sie dachte kurz an Kai Victor und strich den Mann sofort wieder. Er hatte eine Freundin. "Vielleicht wäre es auch eine gute Aufgabe für Mr. Jeffrey." Ein leichtes Lächeln strich über ihr Gesicht. Sie wusste noch nicht genau, was sie von David Jeffrey hielt, obwohl sie ihn grundsätzlich mochte - aber sie hatte eine Ahnung, dass der Mann der Jagd nach einer Geschlechtskrankheit etwas Spaß abgewinnen könnte, und Spaß könnte er brauchen.

"Es sei denn", fügte sie gedankenlos hinzu und trank noch einen Schluck. "dass Sie es für angemessen halten, der Sache persönlich nachzugehen."

--- Korridore

Ärgerlich ging Veronica durch die Gänge in Richtung ihres Quartiers. Sie hatte vorgehabt, einen angenehmen freien Tag weit, weit weg von der Brücke zu verbringen, ein wenig Zeit allein auf dem Holodeck, ein paar Freunde treffen, heute Abend die Party... und dann kam so ein Hammel wie Carter daher. Sie schüttelte ungläubig den Kopf.

Innerlich ging sie ihre Verabredungen für den Rest des Tages durch. Ihre Freundin Lisa auf der Krankenstation hatte den ganzen Tag Bereitschaft, das wusste sie. Ihre restlichen Bekannten stammten größtenteils aus der zweiten Schicht und hatten deshalb Dienst. Hm...

Ein junger Mann kam ihr im Gang auf dem Weg zum Turbolift entgegen. Als er sie sah, murmelte er einen Gruß, wurde rot und verschwand so schnell er konnte aus der Sicht. Erkan aus der Ladecrew. Veronica grinste. Zwei Jahre, und er wurde immer noch rot. So süß.

Wieder aufgeheitert, bog sie an der nächsten Wegbiegung zu den Mannschaftsquartieren ab. Wen kümmerte schon Carter. Sie hatte genug Freunde, und manche von denen hatten sogar frei.

"Aillard an Forge. He, Jan. Ich brauch gerade wirklich dringend eine Dusche. Dein Quartier oder meins?"

--- Atlantis, Pormas Quartier

Rastlos war Pormas wieder in sein Quartier geeilt. Angekommen stand er nun unschlüssig mitten in seinem ausgeräumten Gemach herum. Für jeden Anderen wäre eine eiskalte Dusche das Beste gewesen, um sich sprichwörtlich abzukühlen.

Leider lag das außerhalb der Möglichkeiten des Südländers, aufgrund seiner ausgeprägten Wasserphobie. Er bevorzugte stattdessen Sport. Schnell streifte er sich sein Hemd über den Kopf und zog seine Hose und Schuhe aus.

Nachdem der Sicherheitschef festgestellt hatte, dass er genug verwirrt war, dass er in dem leeren Kleiderschrank nach seinem Sportklamotten suchen wollte, wandte er sich den neben der Tür stehenden Taschen zu.

Sein Puls raste immer noch wie verrückt und er konnte sich kaum den Gedanken an Llewellas leidenschaftliche Küsse entziehen.

In hohem Bogen flogen Kleidungsstücke aus seiner Tasche, auf der Suche nach kurzen Hosen. Als er seinen penetrant piependen Türsummer endlich bemerkte, haute er einfach auf den Kontakt, damit sich die Tür öffnete, ohne zu bemerken, dass er es tat.

Starr vor Schreck wandte er sich einen Augenblick später der Tür zu, als ihm bewusst wurde was für einen Anblick er bot. Mit der endlich gefundenen kurzen Hose in der Hand und nur mit einer Boxershorts bekleidet, welche seine Gedanken an Llewella nicht wirklich verheimlichen konnte.

Panisch wurde Pormas erst recht, als die Person seiner Gedanken tatsächlich in der Tür stand. Alle Muskeln seines Körpers spannten sich unwillkürlich an, bei dem Versuch nicht über die Ärztin herzufallen.

"Wenn du rein kommst, kann ich für nichts garantieren...", schnaufte er ihr entgegen.

--- kurz vorher, vor Llewellas Quartier

Zügig marschierte die Schottin den Gang hinunter zu Pormas Quartier und hoffte, ihn dort auch anzutreffen. Ansonsten würde sie eben den Computer befragen, wo er sich hingewandt hatte. Wenn die Schottin erst einmal einen Entschluss gefasst hatte, zog sie ihn auch durch. Sie nannte es Durchsetzungsvermögen - mancher bezeichnete es als "typisch schottische Sturheit".

--- vor Pormas Quartier

Llewella betätigte den Summer. Nichts. Sie drückte noch einmal. Wieder nichts. Enttäuschung überkam sie, als hätte jemand einen Eimer eiskaltes Quellwasser über sie ausgeleert. Also musste sie doch den Computer befragen.... Aus irgendeinem Grund drückte sie den Summer noch ein drittes Mal. Nur um sicherzugehen, wahrscheinlich.

Diesmal öffnete sich die Tür.

Die Schottin hielt mitten im Schritt an. Sie wusste nicht, _was_ sie erwartet hatte - aber sicherlich nicht einen nahezu unbekleideten Pormas.

Sie hatte den Südländer schon so oft in der Krankenstation behandelt, aber dennoch war ihr nie aufgefallen, was für einen prachtvollen Körper er hatte. Das erste Mal, seit sie den Griechen kannte, sah sie ihn nicht als Patienten, sondern als Mann - der Anblick raubte ihr den Atem. Sie verschlang ihn förmlich mit Blicken.

Er warf ihr einen glühenden Blick zu. Llewella trat einen Schritt in das Quartier und die Türe schloss sich hinter ihr. Sie lächelte Pormas beinahe schüchtern an. "Ich brauche auch keine Garantien...", mit heiserer Stimme trat sie einen Schritt näher. "...sondern ... dich..."

--- Shuttlerampe

Mit einem dankbaren Nicken hatte Julian die Ärztin verabschiedet und sich dann wieder zu Inara gewandt. Auf das PADD, welches sie ihm gegeben hatte, hatte er nur einen kurzen Blick geworfen; er würde sich später intensiv damit beschäftigen.

"Ich verstehe, Miss Intash", gab er lächelnd zurück. "Ich denke, dazu kommen wir noch früh genug. Vermutlich wären Sie jetzt aber froh, nach der bestimmt unbequemen Reise sich ein wenig frisch machen zu können. Sternenlicht wird ihnen ein Quartier zuweisen, dort können Sie sich dann erst einmal etwas erholen. Wenn Sie dann soweit sind, rufen Sie einfach nach mir."

Mit einem Nicken bedankte Inara sich für die selbstverständliche Zusage. Das war viel einfacher gewesen, als sie befürchtet hatte. Außerdem fühlten ihre Knie sich immer noch wackelig an, und sie musste zugeben, dass der Captain recht hatte. Erholung war gut. Ein Quartier war gut.

"Vielen Dank", erwiderte sie. "Sie..."

Sie blinzelte. Einen Augenblick lang hatte sich ihre Wahrnehmung verschoben. Sie hatte zwar immer noch in der Shuttlerampe gestanden, aber wenige Sekunden lang hatte es sich angefühlt, als kenne sie dieses Schiff, oder wenigstens Schiffe dieses Typs wie ihre Westentasche - sie hätte blind in Richtung Brücke zeigen können -, und als sei sie nicht der Gast, sondern der Captain. "Sie können wegtreten", hatte sie sagen wollen. In fließendem Standard. Wäre vermutlich keine gute Idee gewesen.

Aber Impuls und Wissen verschwanden so schnell, wie sie gekommen waren.

O'Connor hatte fragend die Augenbrauen gehoben, und sie zwang sich zu einem Lächeln. "Erholung ist eine hervorragende Idee", sagte sie fest. "Danke für alles." Sie wandte sich dem ersten Offizier zu. "Mr. Srallansre..." Sie war sicher, dass ihre Aussprache des Namens einer Hinrichtung gleichkam. "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir ein Quartier zeigen würden."

Wow. Sie war ziemlich sicher, dass sie sich in der letzten Minute öfter bedankt hatte als im gesamten letzten Jahr.

Der Sivaoaner betrachtete den Neuankömmling regungslos, fast so, als würde er auf eine Beute lauern. Die Trill machte einen merkwürdigen Eindruck auf ihn. Eben noch, hatte sich eine Spur Überraschung in ihre Witterung geschlichen, dann machte sie wieder einen verkrampften Eindruck. Als ob etwas mit ihr nicht stimmen würde.

Sivaoaner kannte Sie definitiv nicht - hatte sie doch deutlich gezeigt, dass sie über die Traditionen sivaoanischer Namen nicht Bescheid wusste. Eine absichtliche Beleidigung schloss er aus; dazu müsste Sie schon eine verdammt gute Schauspielerin sein. Er würde mit dem Captain reden müssen, aber nicht jetzt. Gefährlich erschien sie ihm nicht; wer wußte aber, was für Probleme sie anziehen konnte. In dieser Beziehung war der Barde fürs Erste allerdings bedient.

Naja, man musste nicht immer alles gleich negativ sehen, sagte er sich.

"Computer, ich benötige ein freies, funktionstüchtiges und aufgeräumtes Quartier auf Deck 4." Augenblicklich antwortete das System der Atlantis: "Quartier 152 ist verfügbar."

Sternenlichts Schnurrhaare neigten sich nach vorne, als er sich wieder an die Trill wandte: "Wenn Sie mir bitte folgen wollen", er nickte dabei in Richtung des Eingangs.

Er wollte sich gerade in Bewegung setzen, schalt sich aber dann innerlich. 'Habe ich in den letzten Tagen meine Höflichkeit etwa verlernt?' Sein Schweif deutete auf den Seesack: "Darf ich Ihnen beim Tragen helfen? Ihre Reise hier her war sicher anstrengend."

--- Venture, Brücke

"Schade, aber nicht zu ändern", antwortete der Captain und war sich sicher, dass seine Brückencrew ihr Bestes gegeben hatte. Früher oder später würde sich das Geheimnis des unbekannten Passagiers von selbst lüften, da war sich McCarthy sicher.

"Das wäre dann vorerst alles, Poulsen, vielen Dank. Sie können wegtreten"

Alex nickte dem Captain dankend zu, schaltete seine Konsole ab und schritt zurück zum Turbolift. Überrascht blieb er dann jedoch stehen, als er April sah, die an der Wand neben dem Lift lehnte.

"Du bist noch hier?", fragte er sie verwundert, als er nach der kurzen Pause zu ihr weiter ging. "Tut mir leid, ich habe es gar nicht mitbekommen."

Er setzte ein unschuldiges Gesicht auf, während er ihr einen Kuss auf die Stirn drückte und sie unauffällig in den Lift schob.

"Wie kann ich das bloß wieder gut machen?"

--- Deck 5, Quartier 169

Jan war zufrieden. Sein Leben verlief zwar nicht ganz optimal, aber er machte das Beste draus. Genussvoll räkelte er sich im Adamskostüm auf seinem Bett und schaute verträumt aus dem Fenster heraus.

Er hatte ja schon früh die Vorteile des abwechslungsreichen Sternenflottenlebens kennen gelernt, allerdings hatte er mit der Versetzung auf die damalige Hope Schlimmes befürchtet.

Seinem Ziel des vollkommenen Glücks kam er damals nicht gerade näher mit der Versetzung auf ein Kriegsschiff...

Zwar war Jan sich immer noch nicht darüber im Klaren, warum dieser Kahn zum einen eine wissenschaftliche Station besaß und zum anderen diese im Krieg ausgerechnet von IHM besetzt sein musste.

Wenigstens konnte er seinem zweitliebsten Hobby nachgehen und ein bisschen Forschen, wie es ihm passte, da es abgesehen von langweiligen Routineangelegenheiten für Mikrobiologen einfach nicht viel zu tun gab.

Sie hatten schließlich zum Glück keinen von diesen Starfleet-Captains die jeden schrottigen Asteroiden auf Leben untersuchten, oder sonst nach ach so "interessanten" Anomalien untersuchten.

Mit dem Bruch mit der Sternenflotte hatte sich daran auch nichts geändert. Auch wusste er nicht, wo er hätte hingehen sollen. Nach Risa wollte er nicht zurück, bevor er nicht genug Latinum für seinen Ruhesitz hatte. Also entschied er sich erst einmal, auf dem Schiff zu bleiben.

Eigentlich nur für kurze Zeit.

Der gebürtige Risaianer seufzte genussvoll. Wie sich das Blatt doch gewendet hatte, als er Veronica begegnet war. So wie sie sich gegenseitig in der ersten Nacht hingegeben hatten, hatte er fast geglaubt, dass sie auch von seinem Heimatplaneten stammen musste.

So unglaublich begabt...

Er lächelte. Nachdem sich erst einmal zwei gleichen Gemüts getroffen hatten, fiel es ihnen nicht sonderlich schwer den Kreis nach und nach zu erweitern. Mittlerweile war es sogar soweit, dass er aufgrund der regen Nachfrage nicht mehr alleine Holodeckpartys veranstaltete.

Victor Johnson war sicherlich ein fähiger Subunternehmer von ihm, aber an die Qualität seiner eigenen Szenarien kam dieser, zum Glück, nicht heran. Das steigerte wiederum die Nachfrage nach Jans Partys.

Forge stöhnte leise auf. Er kam seinem Traum einer eigenen Villa auf Risa, wenn auch mit kleinen Schritten, immer näher.

Der Gerufene hätte fast gelacht. "Hi Stutchen, ich hätte dich auch gleich gerufen... wie wäre es mit meinem Quartier? Du musst wissen, der Ruf unserer Veranstaltungen hat die Runde bis zur Atlantis gemacht..."

Lächelnd strich Jan der blonden Schönheit zwischen seinen Schenkeln über den blonden Kopf, "Und die erste Bewerberin wollte ich dir gerade vorstellen..."

--- Gänge

"Stutchen?", brach es aus Veronica heraus. Sie lachte so sehr, dass sie sich am Liebsten den Bauch gehalten hätte. "Der war gut, Forge. Ich meine, wer reitet hier schließlich normalerweise wen?" Sie schüttelte grinsend den Kopf. "Ich bin so gut wie da."

Immer noch vor sich hinlachend, legte sie den Rest des Wegs zu Jans Quartier mit weit besserer Laune zurück. 'Stutchen'? Der Mann hatte einen Knall.

Sie hätte Carters Angebot gleich ablehnen und stattdessen ihn besuchen sollen.

Als sie das Quartier erreichte, wunderte sie nicht, dass die Tür sich von alleine öffnete. Gut gelaunt schlenderte sie hinein und verriegelte die Tür hinter sich.

--- Quartier 169

Jan lag im Bett, hatte Besuch und war beschäftigt. Die Arme hinter dem Rücken verschränkt, sah sie ihm einen Moment lang grinsend vom Eingang aus zu. Sie räusperte sich, um auf sich aufmerksam zu machen.

"Wenn ihr mich sucht, ich bin unter der Dusche", sagte sie an niemand bestimmten gerichtet. "Gesellschaft ist willkommen, aber nicht notwendig."

Mit einem Winken drehte sie ab und ging ins Bad.

Jan grinste. Er wartete noch exakt 15 Sekunden, denn das war die Zeit, die Veronica vom Betreten des Bades bis zur völligen Nacktheit im Allgemeinen brauchte. In dem Dress, mit dem sie scheinbar gerade vom Sport kam, brauchte sie sicherlich noch weniger.

Mit einem leichten Unwillen, aber in freudiger Erwartung auf den größeren Spaß, der noch kommen würde, löste der Risaianer die blonde Schönheit von seinem besten Stück.

"Komm Maria, stellen wir dich mal vor...", flüsterte er ihr verheißungsvoll zu. Die Angesprochene schaute ihn lüstern und begierig an. Schnell standen die Beiden vom Bett auf und gingen zum Badezimmer.

In der offenen Tür angekommen stahl sich ein Funkeln sowohl in Jans, wie auch Marias Augen, beim Anblick Veronicas, die sich genüsslich in der Dusche räkelte, während das Wasser ihren makellosen Körper runter lief.

"Da nützt dir auch die Dusche nichts, jetzt wird’s schmutzig...", rief er der Duschenden zu. Dem Lachen Veronicas entnahm er, dass er mal wieder ihren Nerv getroffen hatte. Sie war die erste Frau, der er begegnet war, die seinen frivolen Humor bedingungslos teilte.

Forge spürte, wie sein Glied fast explodierte, als die langhaarige Schönheit an ihm vorbei zu der Rothaarigen unter die Dusche stieg und sie mit einem leidenschaftlichen Zungenkuss und neckischen Berührungen begrüßte.

"Hallo, ich bin Maria Anderström... ich wollte mich bei dir vorstellen...", mit diesem Worten ging die blonde Frau in die Knie und vergrub ihren Kopf in den Schoß Veronicas, welche das sichtlich genoss.

Nach einem kurzen Augenblick hielt Jan es nicht mehr aus und stieg ebenfalls in die Dusche. Veronica lehnte mittlerweile an der Kabinenwand und ließ die Liebkosungen Marias willentlich über sich ergehen. Der Risaianer find sofort an ihre Brust zu liebkosen, während er mit einer Hand die kniende Schönheit anwies auch ihn mit ihren Zungenfertigkeiten zu bedenken.

Forge arbeitete sich mit kleinen Bissen bis zu Aillards Ohr hoch und raunte ihr verspielt ins Ohr:

"Na wie geht’s denn so?"

--- Quartier 12

Der letzte Vorschlag der Ärztin ließ Ruben noch mehr ins Schwitzen kommen als es das Thema schon eh getan hatte, und er versuchte seine Verlegenheit zu kaschieren, indem er schnell ein unglaubliches Interesse an dem Muster des Teppichs entwickelte.

'Der Sache selber nachgehen...'

Der Niederländer konnte schon jetzt die Panik in sich aufsteigen fühlen, wenn er nur daran _dachte_, sich auf so was einlassen zu müssen.

"Nein, ich glaube, das ist keine gute Idee!", stieß er in einer ihn  selbst überraschenden Vehemenz heraus und schaute kurz vom Boden auf, "Als Sicherheitschef würde man mir sicher misstrauisch gegenüberstehen und dann vielleicht die Aktivitäten weiter in den Untergrund verlagern und..."

Ruben holte zwischendurch tief Luft.

"...ich habe gar keine Zeit, weil ich noch dem Diebstahl eines Gen-Sequenzer nachgehen muss und außerdem kenne mich mit der Materie auch überhaupt nicht aus!"

'Oh Gott, habe ich das gerade wirklich gesagt?', stellte der Sicherheitschef erschüttert fest. Wenn er in Panik kam sprudelte die Wahrheit manchmal ungefiltert aus ihm heraus.

Schnell schob er noch einen relativierenden Halbsatz hinterher:

"Also nicht überdurchschnittlich."

Mit jedem Nachsatz Wagenvoorts waren Jordans Augenbrauen ein Stückchen höher gewandert und ihre Augen runder geworden. Und ihre Wangen roter, hätte sie vermutet, wenn sie darauf geachtet hätte. Was sie nicht tat.

"Ich verst... ich meine, ich wollte nicht sagen... ich meine, ich denke wirklich nicht...", setzte sie an und stellte den Tee scheppernd auf der Tischkante ab. Die Tasse kippte um. Sie griff im letzten Moment wieder danach und stieß gegen den Tisch. Wagenvoort stand im selben Moment auf und stieß gegen die Couch. Sie wehrte seine Hilfe mit einer Geste ab und sank langsam zurück in die Polster.

Stille.

Jordan riss sich sichtlich zusammen. Sie räusperte sich.

Die unausgesprochene Abmachung hing im Raum, Wagenvoorts letzte Beiträge zu diesem Gespräch bis in alle Ewigkeit zu ignorieren. Nichts, was er je hatte sagen wollen, und nichts, was sie je hatte erfahren wollen.

Zumindest nicht in einem dienstlichen Gespräch.

Die Ärztin ergriff wieder ihre Tasse und hielt sich daran fest, als hinge ihr Leben davon ab. "Außerdem besteht natürlich auch immer die Möglichkeit einer schiffsweiten Impfung", fuhr sie fort, zwang sich, Wagenvoort wieder anzusehen, und lächelte ihn an. Desaster verhindert. "Ich dachte am Anfang nicht, dass es nötig wäre, da es sich ja auch nicht um ein gefährliches Virus handelt, aber wenn Sie sich nicht veranlasst fühlen, der Sache weiter nachzugehen, spricht nichts dagegen. Es ist erforderlich, dass die Crew es schafft, nach der Impfung einige Tage abstinent zu bleiben -" Ihr Augenverdrehen deutete an, dass sie nicht der Meinung war, dass das möglich sei. "Aber vielleicht gelingt es unserem wissenschaftlichen Labor, den Impfstoff zu verbessern."

Einen Moment hatte Ruben sich nicht einmal erlaubt, sein schmerzendes Bein zu massieren. Er war wie zur Salzsäule erstarrt gewesen, so peinlich war die Situation für ihn.

Natürlich wusste er rational, dass es nutzlos und gar lächerlich war, sich nicht zu bewegen, aber selbst seine genetische Aufwertung hatte wohl nicht diese angeborenen Verhaltensweisen überwinden können.

Auch wenn die Ärztin es sicher nicht wollte, fühlte er sich wie ein Kaninchen, das von einem Raubtier fixiert und bei der kleinsten Regung zerfleischt werden würde.

Noch mehr als der Scham nagte aber an ihm, dass Jordan ihm anscheinend nicht zutraute, diese kriminalistische Aufgabe zu lösen.

'Aufgabe... Ich habe cardassianische Spione enttarnt, Flottenbewegungen vorausberechnet, Kriminelle nur mit der Kraft des Verstandes überwunden! _Das_ waren Aufgaben gewesen...'

Sollte er hier tatsächlich scheitern? An einer Krankheit? Bei der sich das gesamte "Tatgeschehen" auf die wenigen Decks der Venture beschränkte? Auf ein geschlossenes System mit kalkulierbaren Variablen?

Bei diesen Gedanken richtete sein Körper unterbewusst langsam wieder auf, aber jedes Wort der Bestärkung erzeugte gleichzeitig Zweifel in seinem Hinterkopf:

Was, wenn er dazu trotz seiner geistigen Überlegenheit nicht fähig war? Sich nicht überwinden konnte? In Befragungen mit diesen "Praktiken" ungeschont konfrontiert wurde? Gar Zeuge wurde?

Seufzend sackte Ruben in sich zusammen.

"Vielleicht sollte Jeffrey es wirklich versuchen", antwortete er zweifelnd und konzentrierte sich abermals mehr auf den Teppich, als auf das Gesicht der Ärztin.

Mutlos sank Jordan in sich zusammen. Sie war nicht ganz sicher, wieso, aber sie spürte, dass sie den Sicherheitsoffizier mit ihrer Geschäftigkeit in noch größere Verlegenheit gebracht hatte als zuvor. Gott, sie war so schlecht mit diesen Dingen.

Einen Moment lang schwiegen die beiden sich unbehaglich an: zwei Häufchen Elend, die um den Status der größten sozialen Inkompetenz an Bord konkurrierten.

Nein. Das ging so nicht. Jordan riss sich zusammen.

"Dann werde ich Mr. Jeffrey bei Gelegenheit darauf ansprechen", sagte sie und räusperte sich. "Sie... ich... - Hätten Sie Lust, mich in die Mannschaftsmesse zu begleiten?" Zögernd musterte sie Wagenvoort und fügte hinzu: "Ruben?"

Zögerlich schaute Ruben auf, während Selbstzweifel an ihm nagten.

Was machte er hier eigentlich an Bord? Wieso reiste er durchs All, statt seine Nerven auf einem überschaubaren Planeten zu schonen? Vielleicht einen langweiligen, eintönigen Bürojob annehmen, abends ein Buch lesen, zwei Gläser Rotwein und dann um neun Uhr ins Bett gehen...

Er wusste es nicht genau, aber irgendetwas hatte ihn in den Weltraum gezogen. Vielleicht hatte ihn sein vorheriges Leben aber auch nur hierhin getrieben.

"Ja, warum nicht..."

Die beiden Angebote der Ärztin vermochte er nicht richtig einzuordnen. Wahrscheinlich war es nur aufrichtiges Mitleid, aber das war mehr, als ihm die meisten Personen an Bord schenkten.

"Darf ich Sie ähh auch Jordan nennen?"

--- Brücke

"Ja natürlich bin ich noch da ... du hast mich ja einfach mit auf die Brücke genommen", antwortete sie etwas schmollend.

Mit einem Grinsen auf dem Gesicht bemerkte die Kriegerin dann plötzlich die Wand des Turboliftes in ihrem Rücken. Während die Tür des Liftes sich hinter dem Techniker schloss, packte April den Hosenbund ihres Liebhabers und zog ihn zu sich heran.

"Ich glaub, ich bin für dein Quartier ...", gurrte sie verführerisch.

--- Holodeck 1, an Deck

Carter hatte vorerst keine Augen mehr für die davon stürmende Frau. Es ärgerte ihn, das sich sein Programm selbstständig gemacht hatte und er wollte das so schnell er konnte beheben. Auch Carter verlangte Zugriff auf die Konsole und begann das Protokoll zu überfliegen, dass er von den Hologrammen an Bord skeptisch gemustert wurde, bemerkte er dabei kaum.

Und es war ihm auch gleich. Schließlich konnte er den Fehler ausmachen und begann einige Veränderungen vorzunehmen, die das Problem zwar nicht dauerhaft lösen würden, aber zumindest vorübergehend. Dass sich noch zwei weitere Personen auf dem Holodeck befanden, hatte der Sicherheitler noch nicht bemerkt.

Chris war es also gelungen, das Programm so weit zu verändern, das es erst einmal fehlerfrei laufen würde. Doch was sollte er jetzt machen? 'Zum Hafen zurückkehren', überlegte der Sicherheitler, dort würde er auch sofort bemerken, wenn etwas noch nicht so richtig lief.

Allerdings hatte Carter keine Lust, so lange zu warten bis das Schiff in den Hafen zurückgekehrt sein würde, bei dem herrschenden Wind würde das nämlich eine Aufgaben von Stunden sein, also erneut ein paar Veränderungen an dem Terminal und schon befand sich Carter auf der Kaimauer eines Hafens.

Auf den ersten Blick sah es hier sehr gelungen aus und er machte sich auf den Weg, um sich etwas genauer um zu sehen.

--- Holodeck 4

Ein Bach floss plätschernd und murmelnd über scharfkantiges, graues Gestein. Gelegentlich hörte man einen Fisch platschend im Wasser landen. Zahlreiche Pappeln und Weiden standen entlang des Bachlaufes und ihre Äste bogen sich leicht im kühlen Abendwind. Im Hintergrund erkannte man ein Felsmassiv, eigentlich wohl von eher grauer Farbe, durch den Sonnenuntergang aber rötlich-golden überhaucht.

Neben dem Bachlauf verlief ein kleiner Trampelpfad, der nicht so aussah, als sei er in den letzten Jahren besonders häufig begangen worden. Wenn man ihm folgte, gelangte man zu einer Stelle, wo der Bach durch einen Biberbau angestaut war. Der Bau konnte noch nicht so lange bestehen, denn es war noch kein See entstanden, eher ein kleiner Tümpel.

Celia saß am Ufer des Tümpels und ließ ihre Füße im kalten Wasser baumeln. Sie hatte ihre Schuhe und Strümpfe abgestreift und die Hosenbeine hochgekrempelt. Sie genoss die Ruhe der Che Sapa, der Black Hills. Das Rauschen der Blätter im Wind und die am Abend verklingenden Stimmen der Vögel waren wie Musik in ihren Ohren.

Sie wusste nicht, wie lange sie hier gesessen hatte, sich kaum bewegt hatte. Die Kühle des Wassers stieg langsam ihre Beine empor, nachdem die Wärme des Sommertages langsam entwich. Celia hatte den Bibern beim Dammbau zugesehen. Zunächst waren sie sehr misstrauisch gewesen, aber nachdem sie nach indianischer Art geduldig und unbeweglich ausgeharrt hatte, hatten die Tiere irgendwann eingesehen, dass dieses Wesen wohl ungefährlich sein musste und waren weiter ihrer Arbeit nachgegangen.

Wenn sie den Hügel hochginge, der in ihrem Rücken zunächst sanft, dann steiler anstieg, würde sie eine Höhle in den Bergen finden, das wusste Celia genau. Kurz überlegte sie, ob sie die Kletterei dorthin heute noch unternehmen wollte, entschied sich dann aber dagegen. Ihr Magen begann langsam zu knurren und außerdem spürte sie, dass ihre Beine wirklich kalt wurden.

Die Lakota erhob sich und nahm Strümpfe und Schuhe auf. Sie ging eine Weile nachdenklich bachaufwärts um ihren Beinen die Möglichkeit zu geben, abzutrocknen. Als sie begann, sich zu bewegen, waren die Vögel schlagartig verstummt und die Biber unter Wasser verschwunden. Lediglich ein Eichelhäher keckerte unwillig.

Lächelnd blickte sich die junge Frau noch einmal um, als wolle sie diese Ecke der Che Sapa noch einmal verinnerlichen. Dann atmete sie tief aus. "Computer, Programm Che Sapa beenden!"

Innerhalb von Sekunden befand sich die Indianerin nicht mehr in der freien Natur, sondern in dem eintönigen Raum des Holodecks. Erst jetzt zog sie sich wieder ihre Schuhe an, um anschließend das Holodeck zu verlassen.

--- Schiffsbar

Kurze Zeit später betrat Celia die Schiffsbar. Im Moment war noch nicht viel los, aber das würde sich mit Fortschreiten des Nachmittags wohl noch geben. Erstaunt hatte sie auf ihr Chronometer geblickt und festgestellt, dass sie etliche Stunden auf dem Holodeck gewandert war. Kein Wunder, dass sie sich jetzt ausgesprochen hungrig fühlte.  Celia suchte sich einen Tisch, von dem aus sie sowohl Eingang als auch die Bar des Raums gut im Blick hatte. Sie fühlte sich nach Gesellschaft und einer guten Unterhaltung, aber momentan war niemand da, zu dem sie sich setzen mochte. Die wenigen Leute, die an einem Tisch saßen, amüsierten sich offensichtlich wunderbar, auch ohne dass die Leiterin der Wissenschaft sich ihnen aufdrängte.

eCroft, der Androide, kam herbei und fragte sie nach ihrer Bestellung. Celia entschied sich für Wasser und ein Steak mit Salat.

Während sie auf ihre Bestellung wartete, lehnte sie sich zurück und ihre Gedanken schweiften zurück zu den Damm-bauenden Bibern...

--- Atlantis, Pormas Quartier

Der Südländer ließ die Hose, die er in der Hand hielt, einfach fallen und war mit wenigen Schritten bei der Ärztin. Unwillkürlich wich Llewella zurück, als sie die unverhohlene Leidenschaft in seinen Augen sah.

Pormas schloss sie fest in die Arme. "Bist du wirklich sicher?", wollte er schwer atmend wissen. "Aye...", noch bevor das Wort verklungen war, verschlossen die Lippen des Griechen Llewellas Mund.

Sein Kuss war fordernd und leidenschaftlich und Llewella spürte, wie ihre Knie unter ihr nachgeben wollten, als sie den Kuss voller Begehren erwiderte. Pormas' Arme hielten sie fester und die Hitze, die von ihm ausging, schien sie zu verbrennen.

Die Schottin streichelte seinen Rücken und genoss das Spiel seiner Muskeln unter ihren Händen. Wie beiläufig wanderten diese langsam abwärts und ihre Finger schlüpften unter den Saum seiner Boxershorts. Pormas stöhnte auf und presste sie an sich, dass ihr beinahe die Luft wegblieb.

Auf einmal lockerte sich die Umarmung und Llewella spürte, wie ihr das Hemd aus der Hose gezogen wurde. Pormas' Finger glitten über ihre Haut und hinterließen glühende Spuren darauf. Die Ärztin keuchte erschrocken auf, als er mit einem Ruck ihre Bluse öffnete, ohne sich vorher mit den Knöpfen aufzuhalten.

Der Südländer hob sie hoch, als wäre sie federleicht. Ihre langen Beine umfassten seine Hüften und sie spürte, wie erregt er war. Aufstöhnend warf sie den Kopf in den Nacken und vergrub ihre Hände in Pormas' Haar, als er ihren Hals und ihre Schultern mit Küssen bedeckte.

Als Llewella gerade meinte, es nicht mehr aushalten zu können, trug der Grieche sie die wenigen Schritte zu seiner Couch. Den im Weg stehenden Couchtisch stieß Pormas mit einer ungeduldigen Handbewegung zur Seite.

Er genoss die Schenkel der Ärztin um seine Hüfte, aber befreite sich dennoch von ihrer Umklammerung und ließ sie sanft auf die Couch hinab. Ihr Gesicht und ihr Busen gleichermaßen von ihrem wallenden langen Haar umrahmt beugte er sich vor und bedachte ihren Bauch mit leidenschaftlichen Küssen, während seine Hände mit leichten Massagebewegungen zu ihren Brüsten empor wanderten.

Llewella wand sich unter seinen Liebkosungen, während der Südländer versuchte, sie ihrer Hose zu entledigen. Vor Lust und Ungeduld riss er ihr, nach den ersten erfolglosen Versuchen, die Hose auf. Ein paar Sekunden später flog die Hose im hohen Bogen davon.

Ungestüm und doch zärtlich fiel Pormas über die Schottin her, die sich wie er, völlig dem Feuer der Leidenschaft hingab. Ihre Hände umfassten seine Hüften und rissen mit einem Ruck seine Boxershorts herunter.

Ungeduldig öffnete sie sich ihm...

Ganz unbemerkt von dem Paar, lag ein paar Meter weiter das PADD, welches auf dem umgestoßenen Couchtisch gelegen hatte. Durch den Stoß hatte es sich irrtümlich aktiviert, interessierte es doch Niemanden mehr, was darauf stand.

Während Llewella und Pormas sich ihrer Liebe hingaben, erlosch langsam die Schrift auf dem Display, welche noch vor gar nicht langer Zeit unheilsvoll 'Mein letzter Wille' verkündet hatte...

--- Shuttlerampe

Inaras Augenbrauen wanderten ein Stückchen in die Höhe. Sie fand es immer noch ein bisschen surreal, mit einem Alien zu sprechen, der wie eine richtig große trillsche Hauskatze aussah, und nach allem, was sie in den letzten Tagen durchgestanden hatte, war sein Angebot so ungeheuer alltäglich. Einen Moment lang stieg der Drang zu lachen in ihr auf, den sie zwar unterdrücken konnte - was gut war, denn wer wusste schon, wie ein Sivaoaner Lachen als Antwort auf ein Hilfsangebot auffasste! -, aber mit einem Mal glitt die Spannung von ihr ab, und sie fühlte sich fast wieder normal. Sie war auf der Atlantis. Intash war in Sicherheit. Sie konnte aufhören, dauernd nach Verfolgern Ausschau zu halten.

"Vielen Dank, aber lieber nicht", erwiderte sie leichthin, griff selbst nach dem Seesack und schwang ihn mit der Leichtigkeit einer Person um die Schulter, die es gewohnt ist schwere Lasten zu heben. "Da sind Waffen drin - auseinander gebaute, keine Sorge -, und da, wo ich herkomme, trägt man seine Waffen immer bei sich. Captain O'Connor." Sie grüßte noch einmal in Richtung des Captains und folgte Sternenlicht zum Ausgang.

--- Korridore

"Sagen Sie", fuhr sie fort, als die Tür hinter ihnen zu glitt. "Ich habe noch nie einen Sivaoaner getroffen. Merkt man vielleicht", fügte sie mit einem Augenverdrehen hinzu. "Was ist die korrekte Art, Sie anzureden?"

Ihre Erfahrung mit fremden Spezies war jedenfalls, dass fragen nichts kostete. Wenn man sich nicht gerade mit erhobenen Waffen gegenüberstand, und das war jetzt eindeutig nicht der Fall. Ihr erster Impuls, in Richtung von Sternenlichts Krallen zu schielen, hatte sich jedenfalls etwas gelegt.

---  Venture, Holodeck 1, Irgendein Hafen

Mit einem Grinsen im Gesicht hackte sich Jean bei David ein und sie machten sich auf den Weg in Richtung Kneipe - wo auch immer diese zu finden war.

Jean hatte das Erscheinen des Mannes auf der Mauer nur aus den Augenwinkeln wahrgenommen und hatte sich deshalb im ersten Moment keine großen Gedanken darüber gemacht.

Jetzt allerdings, als sie den Mann für einen Augenblick ein wenig eingehender betrachtete, fiel ihr auf, dass er wohl der einzige im ganzen Hafen war, der kein konkretes Ziel vor Augen zu haben schien. Neugierig blickte er sich immer wieder um und hob sich dadurch von dem allgemeinen Gewusel der restlichen Personen eindeutig ab.

Mit einer stummen Bewegung deutete die Trill auf den Terraner und zog David dann in seine Richtung.

Als sie dem Mann näher kamen, erkannte ihn David. "Das ist Carter von der Sicherheit.", sagte er zu Jean gewandt.

Sie stiegen eine steile Treppe die Kaimauer hinauf und gesellten sich zu ihm. "Hey! Ist das ihr Programm?" fragte David begeistert.

Carter blickte die beiden einen Moment fragend an, dann erkannte er sie. Er hatte mit keinem von ihnen bisher viel zu tun gehabt, die Frau kannte er gar nicht, hatte nur ihre Akte gelesen, wie mittlerweile von dem Großteil der Crew.

Auch Jeffrey hatte seit der Begegnung in der Bar nicht mehr gesehen, dessen offensichtliche Begeisterung war Chris etwas unangenehm, was er aber zu überspielen versuchte. "Ja, ist es", gab er lächelnd zu, um fast entschuldigend hinzuzufügen: "Allerdings funktioniert es noch nicht richtig und ich kann nicht sagen, woran es wirklich liegt."

Also auf den ersten Blick finde ich es eigentlich schon richtig ansehnlich ...", antwortete Jean aufmunternd, während sie ihren Blick kurz über den Hafen schweifen ließ.

Der Gedanke an die Seeungeheuer huschte durch ihren Geist, als ihr Blick für einen Augenblick auf dem tiefblauen Meer hängen blieb. Eigentlich war es ja schon fast ein wenig zu perfekt...

"Ich bin übrigens Jean Xen.", setzte die Trill dann nach, wandte sich wieder Carter zu und hielt dem hochgewachsenen Mann ihre Hand hin.

--- Holodeck 1, Irgendein Hafen, etwas abseits

Während die zwei sprachen entfernte David sich einige Schritte und schaute aufs Meer hinaus. Der an einem Kap gelegene Hafen und die dazugehörige Stadt waren relativ klein. Zwei große Handelsschiffe und eine Handvoll kleinerer Fischerboote lagen hier an. Am Horizont konnte man drei Schiffe erkennen die in einigem Abstand zueinander ruhten. Er drehte sich um und schaute wieder auf die Stadt. Überall gab es Aktivität. Diese Simulation war nahezu perfekt.

Zwei kleine Jungen rannten an David vorbei. Sie wirbelten wild mit ihren Holzschwertern herum. Sein Blick wurde durch ein Aufblitzen an einem der Schiffe am Horizont abgelenkt. Einen Augenblick später sah er es auch bei den anderen beiden. Eh er begriff was geschah schlug die erste Kanonenkugel in ein Warenhaus am Ende der Hafenpromenade ein. Eine zweite Kugel zerstörte hinter David einen Teil der Kaimauer und die dritte Kugel schlug direkt vor ihm in die Mauer ein. Genau dort, wo vorher die beiden Kinder spielten. Er wurde stark zurückgeschleudert. Wären die Sicherheitsprotokolle nicht aktiv gewesen, hätte er sich schwer verletzten können.

"Da hätten Sie uns aber warnen können!", rief David schockiert zu den anderen herüber.

--- Quartier 169

Mit einem Seufzen ließ Veronica den Kopf zurückfallen, bis sie an Jans Schulter lehnte. Ihre schlechten Vorerfahrungen heute waren vergessen - und also wirklich, ein Hologramm... was hatte sie sich gedacht?

Sie grinste in sich hinein und versuchte erfolglos, sich zugleich auf Maria und auf die Frage zu konzentrieren. "Großartig", gab sie atemlos zurück. "Genau genommen so großartig..." Blind griff sie nach unten, bekam die andere Frau an der Schulter zu fassen und forderte sie mit einer Geste auf, sich zu erheben. Ah ja - jetzt konnte sie auch wieder denken. "...dass wir dich hier überhaupt nicht brauchen."

Gehässig streckte sie Jan die Zunge heraus, bevor sie Maria gegen die gegenüberliegende Wand zurückdrängte und küsste. Hinter ihr hörte sie Jans empörten Protest. Maria kicherte lautlos; Veronica spürte es am Beben ihrer Lippen. Mühsam unterdrückte sie ein Grinsen und strich der anderen demonstrativ mit der Hand die Schulter und Taille hinab, tiefer... als sie Jans Hand auf dem Rücken spürte, schob sie ihn mit dem freien Ellenbogen resolut weg.

"Nicht fair!" Die Stimme des Mannes war ein Bild der Empörung.

"Willst du was abhaben?", fragte Veronica und sah sich mit unschuldigem Augenaufschlag zu ihm um.

Jan öffnete und schloss den Mund. "Ja!", stieß er aus.

Veronica grinste. Kurzerhand schaltete sie die Dusche ab. "Na gut", flötete sie und trat aus dem Alkoven. "Wer zuerst im Bett ist, darf zuerst."

Sie hielt nicht inne, um nachzusehen, ob Jan die Augen verdrehte oder nicht. Sie hätte bezweifelt, dass er noch Gehirnzellen dafür übrig hatte... aber gedanklich war sie bereits selbst vollauf mit der Planung des restlichen Nachmittags beschäftigt.

Der erste im Bett war Jan - gleich nach ihr.

--- Schiffsbar

Nachdem S'Tom sich 3,5 Stunden "snagel fi' yon-eiktra" hingegeben hatte, hatte er beschlossen, sein Essen nicht im Quartier einzunehmen. Die Türen glitten auf und gewährten ihm einen Blick in die derzeit offensichtlich unterdurchschnittlich besuchte Schiffsbar. 9 Leute, das Barpersonal und ihn nicht mitgezählt.

An einem strategisch günstig gelegenen Tisch sitzend entdeckte der Vulkanier die Leiterin der Wissenschaft, die sich gerade mit einem Steak beschäftigte. Nach kurzer Überlegung bewegte er sich zu ihr hin. Er kannte sie zwar nicht so gut wie einige andere Crewmitglieder, hatte aber doch gelegentlich mit ihr zusammengearbeitet. Sie schien eine ruhige und auch intelligente Person zu sein, womit sie zumindest zwei von ihm geschätzte Charakterzüge besaß.

Der ehemalige Borg entschied sich auf Grund der beschränkten bisherigen Bekanntschaft, seine Ankunft beim Tisch mit dem von menschlichen Höflichkeitsregeln vorgesehenen "Darf ich mich zu Ihnen setzen?" zu kommentieren.

Celia blickte von ihrem Teller auf. S'Tom, der vulkanische Techniker. Sie erinnerte sich an ein paar Einsätze, wo sie mit ihm zusammengearbeitet hatte und ihn als ruhigen, kompetenten Arbeiter kennengelernt hatte.

"Selbstverständlich, S'Tom!“, beantwortete sie die Frage des Vulkaniers und deutete mit der Hand vage in Richtung der freien Stühle.

Der Vulkanier nahm Celia gegenüber Platz und bestellte sich eine andorianische Salatvariation mit Fleisch nebst einem Glas kaltem Wasser. Er konnte andere Spezies nicht verstehen, die Lebewesen als Nahrungsquelle verwendeten - barbarisches Verhalten... Er konnte aber auch das Verhalten vieler seiner Mitvulkanier nicht nachvollziehen, die sich weigerten, repliziertes Fleisch zu essen. Für eine ausgewogene Ernährung war es durchaus nützlich.

Aus der Nähe nahm S'Toms empfindliche Nase den der Wissenschaftlerin anhaftenden Geruch von Natur wahr, auf Raumschiffen meist eine Seltenheit. Sie verbrachte anscheinend viel Zeit im Arboretum oder in passenden Szenarien auf Holodecks. Interessanter Aspekt, dass sie, obwohl offensichtlich sehr hingezogen zur Natur, auf einem Raumschiff arbeitete.

Nach 17 Sekunden der Stille, in denen die Gedanken des Agenten wieder einmal bei seinem Missionsbericht weilten, wandte er sich an Celia: "Wird auch in Ihrer Abteilung die Arbeit noch von den Ereignissen vor fünf Tagen beeinflusst?" Es schadete nie, über die anderen Abteilungen informiert zu sein, und in den letzten Tagen hatte er keine Zeit gehabt, auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Celia dachte kurz über die Frage des vulkanischen Technikers nach.

"Nun, bis gestern hat der Sheffield-Analysator noch ziemlich verrückt gespielt. Im Augenblick scheint er sich wieder beruhigt zu haben, allerdings sind meine Mitarbeiter und ich dabei, die gelagerten, bereits bestimmten Analysate erneut einzulesen, damit wir auch sicher sind, dass er wieder richtig funktioniert.", gab sie ihm dann ihre Antwort.

"Es wäre ziemlich fatal, wenn wir mal wieder auf einen Planeten stoßen und der Sheffield uns vollkommen falsche Analysen ausspuckt..."

Sie blickte ihrem Gegenüber ins Gesicht. Unbeweglicher und schwerer zu lesen als das Gesicht eines Lakota. Und die waren auch schon schwer zu lesen...

"Ansonsten habe ich durchaus den Eindruck, dass alles so funktioniert, wie es soll..."

"Zufriedenstellend", antwortete S'Tom knapp. Die Effizienz der Venture war gelegentlich faszinierend, wenn man bedachte, dass sie nicht Teil einer größeren Organisationsstruktur war. Offensichtlich waren in den vergangenen fünf Tagen die meisten Auswirkungen der vorangegangenen Ereignisse kompensiert worden - auf einem vergleichbaren Sternenflottenschiff wäre das mit großer Wahrscheinlichkeit nur 13% schneller vonstatten gegangen.

Bevor er fortsetzen konnte, brachte eCroft seine Bestellung vorbei, was er mit einem Nicken bestätigte. Für eine künstliche Lebensform war der Android beunruhigend menschlich, aber er schien Vulkanier besser zu verstehen als die meisten Terraner.

Die kurze Pause, die jedenfalls entstanden wäre, war somit gefüllt worden - inzwischen hatte der ehemalige Borg entschieden, dass es nur logisch war, den Informationsaustausch reziprok zu halten. "Auch in der Technik arbeiten alle Systeme wieder innerhalb normaler Parameter."

Wobei natürlich "normale Parameter" bei weitem nicht die optimale Leistung spezifizierte... Der Techniker spießte mit der Gabel einen Fleischwürfel auf und führte diesen seinem Verdauungssystem zu.

--- Turbolift

Ein Schauer lief Alex den Rücken herunter, als April sich mit ihrer Zunge an seinem Hals zu schaffen machte und er musste sich zusammenreißen, dass er nicht aufstöhnte.

"Die Idee hört sich gut an", hauchte er ihr zitternd ins Ohr. "Da ist die Gefahr nicht so groß, von irgendwelchen Vulkaniern beobachtet zu werden."

Aprils Kichern hallte durch den kleinen Raum, während Alex den Computer anwies, zu seinem Quartier zu fahren. Die Zeit bis zum Erreichen des richtigen Decks verging unter den ganzen Küssen natürlich wie im Fluge und es dauerte eine Weile, bis sie dann merkten, dass sie am Ziel angekommen waren. Nicht das typische Zischen der Turbolifttüren hatte sie darauf aufmerksam gemacht, sondern ein irgendwie bekanntes Räuspern. Mit einer schlechten Vorahnung im Kopf stoppte er den Kussmarathon und drehte sich langsam um. Stück für Stück kam die Person in sein Blickfeld und als er die spitzen Ohren eines Vulkaniers entdeckte, da wusste er auch schon direkt, wer es war.

"Das darf ja nicht wahr sein", entfuhr es Alex, während er sich etwas von April löste. "Sie spionieren uns doch nicht etwa hinterher, oder?"

April hatte sich wie beim ersten Mal langsam aus der Umarmung des Technikers gelöst und starrte den unliebsamen Störenfried nun wütend für einige Augenblicke an. Sie bedauerte zutiefst, dass sie in diesem Moment keinerlei Messer oder ähnliches zur Hand hatte.

Die rechte Augenbraue des Vulkaniers hatte sich in einem Ausdruck von Skepsis nach oben gehoben, während seine Finger sich fast schon ein wenig selbstgefällig vor seiner Brust aneinander lehnten.

"Darf ich vorschlagen, dass Sie ... ", begann er seine förmliche Erklärung, verstummte jedoch im nächsten Augenblick, als April ihn am Arm packte und unsanft an die Wand des Ganges drängte.

"Nein, Sie dürfen nicht!", zischte die Kriegerin wütend.

--- Gänge

Überrascht sog Alex die Luft zwischen den Zähnen ein und sprang zu April und dem Vulkanier, um die Beiden zu trennen; schließlich wollte er nicht, dass hier mitten auf dem Flur eine Schlägerei los ging und bei dem Blick, den der Vulkanier auf April richtete, konnte es sich quasi nur noch um Sekunden handeln.

"Okay, okay", versuchte er, die Wogen zu glätten, während er die Finger der Bajoranerin von dem Uniformkragen des Vulkaniers löste. "Ich würde sagen, wir vergessen die ganze Sache hier und gehen alle wieder unserer Arbeit nach."

Mit Nachdruck schob er den Vulkanier von April weg in Richtung Turbolift, in der Hoffnung, dass dieser nicht wieder mit seiner unfehlbaren Logik prahlte, und hakte sich dann bei ihr ein.

"Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag", rief er dem Vulkanier über die Schulter hinweg zu und stapfte mit April im Schlepptau in Richtung seines Quartiers.

"Was sollte das denn?", fragte er dann, nachdem sie außer Hörweite zum Turbolift waren.

"Ich habe dem Kerl nur gesagt, dass sein Vorschlag mich nicht interessiert!", antwortete die Kriegerin gespielt erstaunt und grinste Alex dabei herausfordernd an.

'... außerdem werde ich ungern gestört ...', fügte sie im Geiste ihrer Erklärung hinzu. Inständig hoffte sie - für den Vulkanier - dass er ihr nicht noch einmal über den Weg laufen würde.

--- Quartier 12

Ein uncharakteristisches breites Lächeln brach auf Jordans Gesicht aus.

"Ja", erwiderte sie fest. "Dürfen Sie."

Mit einem Blick auf Phaser und Tricorder, die noch immer vorschriftsgemäß an ihrem Gürtel befestigt hatte, erhob sie sich, ließ sich von Wagenvoort umständlich die Tür aufhalten und trat in den Korridor.

--- Gänge

"Also", sagte sie und suchte frenetisch nach einem Gesprächsthema, das nichts mit der Arbeit zu tun hatte. Sie war fest entschlossen. Nicht zu arbeiten. Jeffrey würde warten müssen.

"Also", wiederholte sie. "Erzählen Sie mir mehr von Ihren Hobbys."

"Uff"

Die Frage hatte Ruben überrascht und er suchte nach einer aufrichtigen, aber dennoch nicht zu lahm klingenden Antwort.

"Nun ja, Sie wissen schon - Dies und Das...", antwortete er einige Sekunden später, um etwas Zeit zu gewinnen. Jordan blickte ihn weiterhin neugierig und aufmunternd an.

Langsam entspannte er sich und gab den Versuch auf, wohlfeile Worthülsen für sein nicht vorhandenes Privatleben zu finden.

"Bücher lesen, Kal-toh gegen den Schiffscomputer, ab und an mal in der Bar sitzen und anderen Menschen zuschauen...Sie wissen schon..."

'...25, 26, 27'

Wagenvoort blieb stehen, als sie die Tür des Aufzuges erreichten. Er zählte meistens unterbewusst die Zahl seiner Schritte zwischen Quartier und Turbolift.

Und er war positiv überrascht: Bei seinen bisherigen 1029 Zählungen hatte er für die Strecke durchschnittlich 28,74332 Schritte gebraucht, wobei die Anzahl zwischen 25 und 37 Schritten schwankte.

Ob er der Ärztin davon berichten sollte?

--- Holodeck, irgendein Hafen

Ein zustimmendes Brummen kam über die Lippen der jungen Trill, während sie sich vom Boden aufraffte und ihre Hose von Holzsplittern befreite. Der Aufprall hatte sich angefühlt, als wäre sie in ein weiches Wasserbett gefallen - in der Realität hätte sie sich wahrscheinlich einige Knochen gebrochen.

Jean warf Carter einen entgeisterten Blick zu, doch noch bevor sie eine Frage stellen konnte, hörte sie das fast schon schrille Summen einer weiteren Kanonenkugel.

"Computer - Programm Pause!", rief sie mit belegter Stimme und stellte zufrieden fest, dass das die Welt um sie herum sofort erstarrte.

Langsam drehte Jean ihren Kopf nach rechts und musste mit Schrecken fest stellen, dass die Kanonenkugel nur ein paar Zentimeter vor ihrem Kopf eingefroren war.

Mit einem verzerrten Grinsen im Gesicht - die in der Luft schwebende Kugel fest im Auge behaltend - machte die Technikerin einen großen Schritt zurück.

"Ich glaub wir sollten uns kurz unterhalten, bevor ich das Programm weiter laufen lasse ...", genauso fragend blickend wie David wartete sie auf eine Reaktion des Terraners.

--- Atlantis, Pormas Quartier, etwas später

Llewella fühlte sich großartig. Zufrieden. Und ... glücklich.

Mit geschlossenen Augen schmiegte sie sich an Pormas und hielt ihn fest, als wolle sie ihn nie wieder loslassen. Es fühlte sich einfach gut an, ihn zu umarmen. Irgendwie ... richtig.

In den letzten Tagen hatte die Schottin wahrlich ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Sorge. Mitgefühl. Unsicherheit. Angst. All dies nur wegen des hünenhaften Mannes in ihren Armen.

Aber er hatte ihr mehr gezeigt. Er hatte Gefühle in ihr entfacht, die sie nie für möglich gehalten hatte. Hatte ihr gezeigt, was Leidenschaft bedeutete.

Bereute sie es?

Niemals.

Es war Jahre her, seitdem sie das letzte Mal ihr Herz verschenkt hatte. Aber Seumas war nur noch eine verschwommene Erinnerung. Vergangen und .. . vergessen. Eines nur wollte sie ihm zu Gute halten. Er hatte ihr den Weg ins All gezeigt.

Die Ärztin war sich darüber im Klaren, auf was sie sich eingelassen hatte. Dass es nicht einfach sein würde mit Pormas. Dass sie sein Bett geteilt hatte, änderte nichts daran, dass er ein Mann mit einer gefährlichen Vergangenheit war. Dass sie sich in ihn verliebt hatte, änderte nichts daran, dass er Schwierigkeiten anzog.

Was er ihr bedeutete, stand außer Frage.

Llewella wurde langsam kühl und sie kuschelte sich noch enger an den Südländer. Spürte seinen warmen Atem an ihrem Hals. Sie öffnete ihre Augen und bedachte ihn mit einem zärtlichen Blick, hauchte einen Kuss auf seine Nasenspitze. "Ich liebe Dich...", flüsterte sie.

--- Bar

Zwischenzeitlich hatte der Ferengi mit fast allen Tricks, die er kannte, versucht, den Fremden zum Reden zu bewegen. Erfolglos! Der Typ blieb stumm wie ein Fels. Sein massiger Körper hatte sich, seit er sich gesetzt hatte, keinen Millimeter bewegt, aber seine Augen wanderten wachsam hin und her.

Narbo wusste natürlich, dass hinter der Theke ein Spiegel hing und man aus der Position hervorragend den Raum einsehen konnte, ohne selbst verdächtig zu wirken.

'Vielleicht ein weiterer 'alter Freund' von Pormas', überlegte der Barbesitzer kurz, schüttelte dann aber den Kopf. Der Halbgrieche besuchte die Bar zu selten, als dass man ihm hier hätte auflauern können.

In dem Augenblick kam ein Kellner aufgeregt zu Narbo gelaufen und flüsterte diesem verschwörerisch eine Nachricht ein, wurde dabei immer wieder von dem Ferengi unterbrochen:

"Bist du sicher?"

"Hmm, mit einer Sonde, ja?"

"Quartier 152 also..."

"Okay, ich kümmere mich darum - du bleibst hier!"

Noch ehe der unterbezahlte Knecht eine schmeichlerische Antwort hatte heucheln können, war Narbo auch schon davon geeilt.

Es gehörte schließlich zu seinem Job, über alles an Bord Bescheid zu wissen. Am besten noch vor den Betroffenen selbst. Und ab und an konnte man auch ruhig zeigen, dass man nicht unterschätzt werden sollte...

Er musste das Quartier vor Sternenlicht und der Unbekannten erreichen!

--- Korridore

Überrascht waren Sternenlichts Ohren angesichts dieser Frage nach hinten geruckt. War O'Connors durchschnittliches Publikum doch eher etwas grobschlächtiger. Es war schon eine ganze Weile her, seit sich ein Gast um seine Umgangsformen gesorgt hatte.

"Nun", begann er, "korrekt wäre auf Sivao der volle Name, 'Sternenlicht zu-Srallansre'. 'zu-Srallansre' ist dabei nicht das, was Sie als Nachnamen bezeichnen. Üblicherweise handelt es sich dabei um das Lager, zu dem wir eine gewisse Verbindung haben. Das ist aber nicht notwendigerweise so.

Wenn wir gewandert sind, entscheiden wir uns für unseren eigenen Namen. Ich beispielsweise wurde als 'Schneesturm zu-Ennien' in eben diesem Lager geboren." Bei der Erwähnung seines Geburtsnamens deutete er auf die weißen Tupfer in seinem Nacken.

"Namen bedeuten auf Sivao sehr viel, einen Namen zu verunglimpfen ist eine der schlimmsten Beleidigungen, die man auf Sivao machen kann. Aber keine Angst", beruhigte er sie sofort wieder. Er hatte sofort gespürt, wie sie sich angespannt hatte. "Ich bin schon eine Weile unter Menschen und hege schon lange keinen Groll über die hiesigen Sitten."

Die beiden hatten inzwischen den Turbolift erreicht. Beinahe automatisch berührte der Schweif des Sivaoaners die Ruftaste des Turbolifts. "Nennen Sie mich doch der Einfachheit halber wie alle nur Sternenlicht, Inara Intash."

--- Pormas Quartier

Pormas Augen weiteten sich vor... ja vor was? "Du... du liebst mich?", stotterte der Sicherheitler vor sich hin. Das Lächeln der Ärztin wurde breiter, als sie seinen ungläubigen Blick sah.

Unvermittelt umfasste der Grieche den Oberkörper der Schottin und richtete sich im Bett auf. Er fühlte ihren warmen Busen an seiner Brust, während er zärtlich mit der Hand eine verirrte Strähne aus dem Gesicht der Frau strich.

"Ich...", Pormas versuchte sein Glück in Worte zu fassen, während sein Gesicht immer strahlender wurde. Auch Llewellas Gesicht begann zu strahlen, als der Südländer sie mit einer kurzen Drehung unter sich brachte.

Der Grieche war verzaubert von ihren Augen, die für ihn das Tor zu einer neuen Welt waren, "Ich liebe dich auch...", brachte er endlich hervor, "und ich werde dich nie wieder gehen lassen!"

Mit diesen Worten versiegelte er ihren Mund mit seinen Lippen und hoffte, dass dieser Augenblick nie vorüber gehen würde.

Llewella erwiderte den Kuss, der diesmal weniger leidenschaftlich als vielmehr zärtlich und verheißungsvoll war. Der nicht von Lust sprach, sondern von Liebe, Hoffnung und Zuversicht.

"Aye, ich liebe Dich!", bestätigte die Schottin noch einmal und strich Pormas mit sanften Fingern über die Wange. "Sonst wäre ich jetzt nicht hier bei Dir."

Die Finger der Ärztin wanderten weiter und erforschten die Konturen von Pormas' Gesicht. Gleichzeitig blickte sie ihn intensiv an, als wolle sie sich seine markanten Züge für immer einprägen.

Ein halb amüsiertes, halb nachdenkliches Lächeln huschte über Llewellas Gesicht, als ihr Blick auf den Bluterguss an Pormas' linkem Auge fiel. Sie hätte ja schon zu gerne gewusst, wobei er sich dieses wunderbare Veilchen nun wieder zugezogen hatte. Vielleicht würde sie ihn später fragen...

Spontan überkam es die Schottin und sie schlang ihre Arme um den Südländer, drückte ihn an sich, so fest sie konnte. Sie genoss es, einen richtigen Kerl im Arm zu halten, einen, der groß und kräftig war. Der tatsächlich größer war als sie selber. Davon hatte sie immer schon geträumt...

Dann brach der Schalk in Llewellas Augen durch. Mit humorvoller Stimme meinte sie: "Ich verstehe nur nicht, warum ich dich all die Jahre nicht wirklich wahrgenommen habe...", immer noch neckend, aber mit einem gewissen ernsten Unterton fuhr sie fort: "Glaube nicht, dass _ich_ _dich_ wieder gehen lasse.", wieder küsste sie den Griechen.

"Und Du weißt ja, wie stur ein Schotte sein kann..."

Lachend spielte Pormas mit einer widerspenstigen Haarsträhne der Ärztin. Er genoss sein Glück in vollen Zügen wie auch die kräftige Umarmung Llewellas. Ja, sie war seine Traumfrau. Eine richtige Frau, die auch zuzupacken wusste. In allen Lebenslagen... die ihn kannte... die ihn liebte, so wie er war.

Grinsend ging er auf ihr Spiel ein. "Dann hoffe ich, dass du mehr Erfolg hast, mich in deinem Bett zu halten, als auf der Krankenstation im Biobett..."

Mit einer Hand fing der Südländer den auf ihn gerichteten Schlag ab und erfasste im einen mit der Rechten auch ihr anderes Handgelenk. Schelmisch lächelnd hielt er ihre Arme über ihren Kopf fest und beobachtete ihr Gesicht, welches zwischen gespielter Entrüstung und Neugier zu schwanken schien.

Mit unverhohlenem Interesse beobachtete Pormas, wie sich die vollen Brüste der Schottin unter ihren Atemzügen hoben und senkten. "Um auf deine Frage zurückzukommen... ich weiß auch nicht, wie du mich solange übersehen konntest... aber _ich_ habe dich schon das ein oder andere Mal ins Auge gefasst..."

"Aye, ich erinnere mich", antwortete die Schottin trocken, während sie versuchte, ihre Handgelenke zu befreien. Was natürlich ein hoffnungsloses Unterfangen war angesichts der Kräfte des Südländers. Vor allem, wenn diese Gelenke auch noch über dem eigenen Kopf festgehalten wurden.

Da half wohl nur brachiale Gewalt. Llewella setzte ihren ganzen Körper ein, um Pormas aus seiner halb sitzenden Haltung umzuwerfen. Im Umfallen ließ er ihre Handgelenke tatsächlich los.

"Unmöglicher Kerl", schalt sie ihn scherzhaft, als sie auf ihm landete. "Und in einem meiner Biobetten möchte ich Dich möglichst nicht sehen!"

Gespielt entrüstet blickte ihr Pormas in die Augen, "Wie, soll ich dich etwa durchbringen? Dann wärst du ja arbeitslos..." Bevor Llewella darauf etwas entgegnen konnte umarmte er diese, presste sie fest an sich und drehte sich wieder auf sie.

Amüsiert lächelnd stützte er sein Kinn auf seine Handballen, während die Ärztin unter ihm schmollte. Es war das schönste Schmollen, was er je gesehen hatte und er genoss es.

Der Südländer betrachtete die Schottin so verträumt, dass er gar nicht mitbekam, wie diese versuchte mit Knuffen und Körperdrehungen unter ihm hervorzukommen.

Plötzlich wurde ihm gewahr, was sie vorhatte. Diesmal ließ er sich aber nicht umwerfen und rutschte stattdessen etwas herunter, um seinen Kopf auf ihre Brust zu legen. Ein leises Seufzen entfuhr ihm, als er sich entspannte.

Zum ersten Mal seit Jahren entspannte er sich wirklich. Eigentlich zum ersten Mal vollkommen seit dem Vorfall mit seinen Eltern. Seine sonst so stahlharten Muskeln wurden ungewohnt weich. Um Llewella mit seiner Masse nicht zu erdrücken glitt er seitlich von ihr herunter und kuschelte sich in ihren Arm.

Versonnen streichelte er mit einer Hand ihre Wange. Er hatte gar nicht gemerkt, wann die Schottin aufgehört hatte ihn zu traktieren, oder es zumindest zu versuchen, er spürte nur noch ihre sanften, streichelnden Bewegungen.

"Wenn es nach mir ginge würden wir nie mehr aufstehen...", säuselte er versonnen in ihren Busen.

--- Turbolift

Inara grinste. "Und ich bin Inara." Mit einer schwungvollen Geste bedeutete sie Sternenlicht voranzugehen und folgte ihm in den Turbolift. Ha. Schon eine Möglichkeit gefunden, ihren Nachnamen zu vermeiden. Sie wusste bisher nicht, was sie nervöser machte - wenn Leute sie mit "Intash" ansprachen und sie nicht reagierte, oder wenn Leute sie ansprachen und sie ganz selbstverständlich reagierte, weil der Symbiont sich regte.

Und wieder was gelernt. Sie war bei der Erklärung des Katers zwar auf halbem Weg ins Schwimmen geraten, aber "Sternenlicht" war einfach genug für ihren Geschmack.

"Und ich weiß genau, was Sie meinen", fügte sie mit einem Augenverdrehen hinzu. "Entweder halten die Leute mich im ersten Moment für einen Mensch", sie verzog die Lippen, "oder sie machen Witze über meine Flecken."

Ein leichtes Grollen schlich sich in ihre Stimme. Wenn es in ihrem Leben noch jemand wagte, über ihre Flecken zu frotzeln, dann würde sie denjenigen eigenhändig aus der Luftschleuse werfen.

--- Venture, Quartier 25

"Isabelle... es tut mir leid...", traurig schaute Kai auf die schluchzende blonde Frau in seinen Armen hinunter. Auch ihm liefen Tränen die Wangen herunter, konnte er sein Schicksal noch gar nicht fassen.

'Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.', dieser Satz echote immer und immer wieder durch den Kopf des jungen Mannes.

Zum ersten Mal in seinem Leben war der Sicherheitler sauer auf seinen Mentor. Abwesend streichelte er seiner Freundin den Rücken während er im Geiste das Gespräch mit Hisaki vorüberziehen ließ...

--- Venture, Büro des 1. Offiziers, einige Zeit vorher

"MICH VERSETZEN?!??", schallte es dem Japaner entgegen. Er hatte mit einer heftigen Reaktion gerechnet, aber den sonst so bemüht kontrollierten Nordamerikaner so explodieren zu sehen war trotzdem etwas anderes.

Er wusste, dass es ihm wehtat.

Er wusste, er würde ihn entwurzeln.

Er wusste, Kai würde vollkommen auf sich allein gestellt sein.

Und genau deswegen musste es geschehen.

"Mein Schüler, es fällt mir nicht leicht...", es fiel dem 1. Offizier wahrlich nicht leicht. Kai war mit seiner unbekümmerten Art zu einem Ersatzkind für ihn geworden er und hatte ihn mit viel Hingabe unterrichtet und gelehrt.

Aber es ging nicht anders.

"... aber bei mir kannst du nichts mehr lernen..."

"Aber Hisaki-san, ich kann noch so vieles bei Euch lernen... oft genug komme ich zu Euch, um Euch um Rat zu bitten...", der blonde Mann war der Verzweiflung nahe. Passierte das hier gerade wirklich? Die Erfüllung seiner schlimmsten Träume?

Mit einer herrischen Geste unterbrach Kuzhumo den sich ereifernden Sicherheitler vor ihm. "Gerade deshalb. Du musst lernen, eigene Entscheidungen zu treffen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Denn nur wer sich der Verantwortung stellt, wird an ihr wachsen..."

Der Japaner seufzte. Ihm wurde schwer ums Herz, als er in die treuen, aber auch verzweifelten Augen Victors blickte, "Ich sehe keine andere Wahl, als dich zur Atlantis zu schicken. Ich wünschte es gäbe eine andere Wahl, aber ein Sternenflottenschiff kommt für uns ja nicht in Frage..."

"DIE ATLANTIS??? Ein Schiff voller Irrer, Schläger, Säufer und weiß Gott noch alles?", Kai war kurz vorm Hyperventilieren. Das konnte doch nur ein Scherz sein!

"Selbst Ysara hat dort nicht überlebt und die war irre genug für das Schiff!", ohne es richtig mitzubekommen wurde er von Hisaki auf einen Stuhl gesetzt, während sich seine Gedanken überschlugen.

Der Japaner ließ beruhigend seine Hand auf der Schulter des Amerikaners liegen, während dieser sich noch eine Weile ereiferte. "... die haben doch gar keine Moral, die sind doch nur auf Profit aus! Allen voran dieser Ferengi... und außerdem soll der Sicherheitschef ein skrupelloser Killer sein, der mit dem obsidianischen Orden unter einer Decke steckt! Und wenn er die Leute nicht selber klein kriegt, setzt er seine Killer-Katze an, die drei Menschen auf einmal zerfetzen kann und sich danach in deren Blut genussvoll wälzt..."

Hier unterbrach Kuzhumo den jungen Mann, "Wo du gerade von deinen zukünftigen Vorgesetzen sprichst...", wo vorher Verzweiflung in Kais Gesicht stand kam nun schierer Unglauben zum Tragen, "Du solltest zum einen nichts und zum anderen alles glauben, was dort gesagt wird.

Du wirst Pormas Theocrates direkt unterstellt sein. Ich kann zwar nicht für seine Methoden einstehen, aber er hat nach Captain O'Connor immer das Wohl seiner Untergebenen im Sinn und stellt sich stets vor sie."

Natürlich hatte der 1. Offizier der Venture auch nicht so schmeichelhafte Details über den Sicherheitschef der Atlantis zu hören bekommen, aber alle Gerüchte stimmten darüber überein: Theocrates war zehnmal so oft in der Krankenstation als die gesamte Sicherheit zusammen, aber nur, weil er stets in vorderster Front stand und sich immer vor seine Kameraden in den Strahl oder die Klinge warf.

"Kai...", Kuzhumo wechselte in die ungewohnt vertraute Anrede. Zwar duzte er seinen Schüler, wie er es mit allen machte außerhalb des Dienstes, aber den Vornamen benutzte er in der Regel nie, "Wenn du werden willst, was du willst und was du kannst, musst du lernen ohne Hilfe zurecht zu kommen. Ich werde nicht ewig an deiner Seite sein..."

Dem Japaner wurde es schwer ums Herz. Erst jetzt wurde ihm gewahr, wie viel ihm an dem jungen Mann lag. Aber er war sich im Klaren darüber, dass er gehen musste, sollten dessen Talente nicht verkümmern und er ewig nur ein Schüler sein.

"Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.

Der letztere ist dein Weg..."

--- Venture, Quartier 25, wieder in der Gegenwart

Seufzend fasste Kai Isabelle an den Schultern und blickte in ihr tränennasses Gesicht. "Es tut mir leid...", brachte er unter stummen Tränen heraus.

"Wenn Meister Hisaki meint es wäre das Beste für mich, dann wird er seine Gründe haben...", 'Hinter die ich hoffentlich kommen werde', fügte er in Gedanken hinzu, "... außerdem ist es ja nicht für lange und beim nächsten Schiffsrendezvous sehen wir uns wieder und vielleicht komm ich da auch schon wieder ganz zurück..."

Hysterisch fuhr seine Freundin ihn an, "Was glaubst du, sollst du da machen? Immer 'Hisaki dies', 'Meister das'! Willst du auch so ein einsamer Mann werden wie er? Ist es das, was er will? Ist es das ,was du willst? Kai, denk doch einmal selber nach, bevor du einfach machst was er will!"

Schluchzend fiel Isabelle wieder in sich zusammen. Wie betäubt hielt der Amerikaner sie weiter in seinen Armen. Sie hatte Recht. Nicht den Teil mit dem einsamen Mann. Nein.

Aber er machte wirklich nur was Hisaki ihm sagte.

Die Worte seines Meisters in all den Lektionen schienen nun unter einem anderen Licht. Eigeninitiative, Verantwortung, Entscheidungswille... dies alles war fremd für ihn.

Er musste weg. Sein Lehrer hatte mal wieder Recht. Auch Isabelle hatte Recht, wenn auch anders, als sie dachte.

Er musste weg. Auch wenn dies hieß, auf ein Schiff mit völlig Irren zu gehen und sich in die Obhut, wenn man den Gerüchten Glauben schenkte, eines der größten Killer des Quadranten zu geben.

Er musste weg, auch wenn das hieß, die Frau alleine zu lassen, die er liebte.

Er musste weg. Sich selbst finden.

Er zog seine Freundin auf die Beine und küsste sie ein letztes Mal mit aller Liebe. "Sei nicht traurig. Ich bin bald wieder da." Kai nahm seine Tasche und ging zur Quartiertür. Im Türrahmen drehte er sich noch einmal um und blickte Isabelle mit einem stummen Blick der Trauer an.

"Ich warte auf dich...", flüsterte die blonde Frau ihrem Freund hinterher. Sie wusste, dass sie verloren hatte. Sie konnte nur noch hoffen, dass er gesund wiederkam.

"In meinem Herzen bist du immer bei mir...", hauchte Kai ihr noch mit einem Luftkuss zu und machte sich auf den Weg zum Transporterraum.

--- Venture, Transporterraum 1

Stumm betrachtete Hisaki den Transporterchief bei dessen Arbeit. Insgeheim hatte er sich immer gefragt, was ein Transporteroffizier den ganzen Tag machte. Schließlich wurde insbesondere auf langen Reisen eher selten bei Warp gebeamt. Er nahm sich vor, den Dienstplan mal genauer zu studieren.

Zischend öffnete sich die Transporterraumtür und Kai trat ein. Ein bisschen überrascht schien er schon zu sein, seinen Mentor hier zu erblicken. Worte zu wechseln gab es nicht mehr viele. Es war fast alles gesagt.

Schweigend standen sie sich gegenüber, als Kai sich plötzlich vor Kuzhumo verneigte. Dieser erwiderte die Respektsbezeugung ebenso tief und streckte danach die Hand aus.

Irritiert ergriff der Sicherheitler diese, war es sonst gar nicht die Art des Japaners. "Ich wünsche dir viel Glück... mein Sohn..."

Victor schwankte leicht bei den Worten seines Mentors, hatte er sich diese Worte doch so oft erwünscht. Aber ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt, an dem er weggeschickt wurde... Einem Instinkt nachgebend überrumpelte er den 1. Offizier, als er ihn umarmte. Hilflos rührte dieser sich nicht, bis er wieder frei gelassen wurde.

Der junge Mann blickte den älteren schüchtern an wegen seines Gefühlsausbruchs, erntete aber nur ein freundliches und typisch hintergründiges Lächeln des Japaners.

"Der Captain der Atlantis wird dich in Empfang nehmen und über alles Wissenswerte unterrichten. Du wirst deinen Weg gehen. Denn...", bei den letzten Worten wurde sein Lächeln breiter, "... du musst nur umsetzen, was du schon längst weißt. Dann wird auch ein Schiff voller 'Irrer, Schläger und Säufer' kein Problem für dich sein."

Mit diesen Worten gab er dem Transporterchief das Zeichen zum Beamen. Langsam entmaterialisierte sich der junge Amerikaner vor den Augen des 1. Offiziers.

Ein Unwohlsein machte sich in ihm breit. Es war ein ähnliches Gefühl wie damals, als er seine Töchter in die Sternenflottenakademie entließ.

Nur dass auf der Akademie die guten Jungs in der Überzahl waren.

Und Kuzhumo hatte irgendwie die leise Befürchtung, den einzig guten Jungen in die Höhle des Löwen geschickt zu haben.

Aber er musste irgendwann erwachsen werden. Und zwar schnell.

Er hatte es ihm nicht, wie auch Niemandem sonst, gesagt.

Aber die Tage des Japaners auf der Venture neigten sich dem Ende zu.

Und er wollte Nichts unerledigt zurücklassen.

Stardust Atlantis