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Crossover 10 - Hopeless?

(Atlantis 15, Venture 39)

--- ???, ???

Dunkelheit und absolute Stille empfing Alex, als sich sein Körper vollends materialisiert hatte und das vertraute Kribbeln in den Fingerspitzen nachgelassen hatte. Verwirrt wischte er sich über die Augen, was jedoch nichts daran änderte, dass er weiterhin nichts sehen konnte. Mit dem Fuß suchte er seine unmittelbare Umgebung ab, jedoch fand er nichts außer dem festen und glatten Boden, auf dem er stand.

"Computer, Licht!", befahl er dann, um vielleicht so ein wenig Licht uns Dunkle zu bekommen, doch der Computer reagierte nicht. "Computer? Hallo?" Wieder nichts. Langsam wurde ihm mulmig zu Mute.

"April, bist du vielleicht hier?", rief er jetzt schon mit einer etwas zittrigen Stimme, während er weiterhin still dastand. Wo war er? War er noch an Bord der Venture? War er noch am Leben? Vielleicht war etwas bei dem Transport schiefgelaufen und er steckte irgendwie noch im Transporterpuffer? Nein, das Kribbeln war ja da gewesen ...

Schnell tippte er auf seinen Kommunikator: "Poulsen an Alnak ... Poulsen an Brücke? Hört mich jemand?"

Nichts.

Wie ein Schlafwandler streckte er die Arme aus und schritt Zentimeter für Zentimeter vorwärts. Schließlich musste es ja eine Tür geben oder einen Lichtschalter; irgendwas eben, um die Dunkelheit zumindest für einen Teil zu vertreiben. Doch irgendwie stieß er auf nichts. Immer weiter ging er vorwärts und langsam kam er sich vor, als befände er sich in einem riesigen Laufrad, nur dafür erschaffen, ihn bis zu seinem Lebensende zu quälen.

Gerade als er entmutigt anhalten wollte, stieß er mit der rechten Hand gegen etwas Hartes, eine Wand. Erleichtert lehnte er sich dagegen. Gott sei Dank, es war nur ein großer Raum. Kein endloses Etwas, aus dem es kein Entrinnen gab.

Langsam tastete er sich an der Wand entlang, weiterhin darauf bedacht, nicht gegen irgendetwas zu laufen oder drüber zu fallen. Schon nach kurzer Zeit erfühlte er mit seinen Händen eine kühle und glatte Platte, fast wie eine ...

Erschrocken machte Alex einen Satz zurück, als sich die Platte als Konsole entpuppte und mit einem Piepen zum Leben erwachte. Oder sollte man sagen, teilweise? Denn das unruhige Flackern zeugte nicht wirklich von hundertprozentiger Funktionstüchtigkeit. Schnell trat er näher und tippte ein paar Befehle ein, doch die Konsole reagierte nicht. Gerade, als er es ein weiteres Mal versuchen wollte, sah er plötzlich etwas, was ihn erstarren ließ. Der eingeblendete Name des Schiffes, auf dem er sich befand und die aktuelle Sternzeit.

U.S.S. Hope, Sternzeit 50102.6

Er befand sich im Jahr 2373 ...

--- U.S.S. Hope, irgendwo an Bord

Wenn es nicht schon so dunkel gewesen wäre, dann wäre es Alex mit ziemlicher Sicherheit schwarz vor Augen geworden. Stattdessen wurde ihm nur kurz schwindlig und er stützte sich an der Wand ab.

"2373 ...", stöhnte er.

Wenn das stimmte, dann war er mehrere Jahre in die Vergangenheit gereist. Zwar befand er sich immer noch auf der Venture ... nein, nicht ganz. Das Schiff war dasselbe, nur stand es jetzt immer noch im Dienst der Föderation und hieß U.S.S. Hope. Und wahrscheinlich war es immer noch im Kampf mit den Romulanern.

Zum Glück war er hier in irgendeinem verlassenen Lagerraum materialisiert und nicht im Maschinenraum, wie eigentlich geplant. Es hätte bestimmt ein riesiges Durcheinander gegeben, wenn er einfach so dort aufgetaucht wäre. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er seinem früheren Ich hier begegnet wäre. Fähnrich Alex Poulsen. Er musste sich schütteln, wenn er daran dachte. So Jung und unerfahren ... Zum Glück war das heute anders. Schließlich war er inzwischen Leutnant und das ganze kindliche Getue von damals hatte er endgültig abgelegt.

Gerade als er sich wieder der Wandkonsole zuwenden wollte, hörte er plötzlich hinter sich das vertraute Geräusch eines Transporterstrahls. Schnell stellte er sich an die Wand, weg von dem schwach flackernden Terminal und lauschte in die Dunkelheit.

'Wer konnte das sein? War es vielleicht jemand von der Hope, oder hatte ihn jemand von der Venture verfolgt?'

Er hörte ein verärgertes Fluchen, dann das vorsichtige Kratzen von Schuhen auf dem glatten Boden und ein weiterer Fluch. Er musste daran zurückdenken, wie er hier gelandet war und was er gefühlt hatte. Deswegen räusperte er sich und rief in die Dunkelheit: "Hallo? April, bist du das?"

"Ja, ich bin es ... Wer denn auch sonst!" Die gereizte Stimme der Kriegern hallte durch den dunklen Raum und verschwanden irgendwo im Nichts.

April ging noch ein paar Schritte nach vorne in Richtung des Terminal und zuckte unweigerlich zusammen als Alex aus seiner Deckung hervor kam. Ein zerknirschtes Grinsen kam über ihr Gesicht.

"Das sieht aber nicht unbedingt wie ein Transporterraum aus ... Oder wohin wollte dieser Hedlege uns beamen?"

Alex versuchte, ein optimistisches Lächeln aufzusetzen, bevor er April von der derzeitigen Situation berichtete, doch so ganz überzeugend schien er wohl nicht zu sein.

"Was ist los?", fragte April, die ihn direkt durchschaut hatte.

"Also, wie soll ich es dir erklären", begann Alex unsicher und zeigte auf die Konsole. "Nun, um es direkt heraus zu sagen ... wir sind immer noch auf der Venture, nur mehrere Jahre in der Vergangenheit. Das Schiff heißt U.S.S. Hope, gehört der Sternenflotte an und befindet sich gerade im Kampf gegen das Dominion. Und ich habe keine Ahnung, wie wir hier wieder wegkommen."

Der Halbbajoranerin war der Schock direkt an zu sehen. Für einen kurzen Augenblick hatte sie noch geglaubt, Alex würde sie auf den Arm nehmen, doch die Miene des Technikers versicherte ihr, dass es wohl doch kein Scherz war. Ein eisiger Schauer lief April über den Rücken und sämtliche Muskeln ihres durchtrainierten Körpers begannen sich anzuspannen.

"Erinnere mich daran, eurem Techniker das Fell über die Ohren zu ziehen ... Wie kann man nur so dumm sein, jemanden in die Vergangenheit zu beamen!"

Wütend schlug sie mit ihrer rechten Faust auf die Konsole - jetzt würde ihr Termin mit dem Captain wohl endgültig ausfallen ...

"Wo genau befinden wir uns denn auf der Venture? Oder auf der Hope ...?" Aprils Hirn begann rasend zu arbeiten auf der Suche nach einer Lösung.

"Das habe ich eben versucht herauszufinden", begann Alex und stellte sich wieder vor die Konsole; wohlweißlich so, dass April nicht ein weiteres Mal darauf einschlagen konnte. Nicht dass er selbst nicht ab und an mal etwas Gewalt in Bezug auf den Computer einsetzte, aber in diesem Fall brachte sie eine zerstörte Wandkonsole überhaupt nicht weiter.

"Nur ohne Werkzeug und ein bisschen Licht glaub ich nicht, dass wir hier wirklich weit kommen. Aber einen Versuch ist es zumindest wert."

Langsam begann Alex, in dem schwachen, flackernden Licht die Wandkonsole zu öffnen, um diese irgendwie wieder zum Laufen zu bringen, auch wenn es ziemlich illusorisch war, schließlich hatte er noch nicht einmal einen Tricorder, geschweige denn einfachstes Werkzeug. Einzig und allein seine Hände konnten ihm helfen.

Gerade, als er in das Innere der Konsole greifen wollte, um eine Leitung zu überbrücken, da ging ein Ruck durch das Schiff und dunkel war das Geräusch einer Explosion zu hören. Erschrocken zuckte Alex zusammen und blickte April an.

"Was war das denn?"

Instinktiv hatte sich die Halbbajoranerin an der Konsole festgehalten, die sie nun nur widerwillig losließ.

"Ich habe keine Ahnung - vielleicht eine Explosion oder so etwas." Eine kurze Pause entstand.

"Wenn sich das Schiff im Kampf mit dem Dominion befindet, wird das wohl nichts Unübliches sein ... Ähm ... Was hältst du denn von Licht, Alex?"

Ein bittersüßes Lächeln legte sich auf das Gesicht der Kriegerin - auch wenn ihr im Moment nicht wirklich nach großer Freude war.

--- in irgendeinem Raum

Cheyenne fühlte sich von einem Atemzug auf den andern grausam. In ersten Moment hatte sie noch das zerknirschte Gesicht des Romulaners vor sich - nach dem nächsten Augenschlag wurde sie von gleißendem Licht geblendet und eine unheimliche Druckwelle warf sie durch den Raum. Hart schlug sie auf dem Boden auf und nur die plötzliche Adrenalinausschüttung ihres Körpers bewahrte sie davor, die Schmerzen des Aufpralls all zu sehr wahrzunehmen.

Einige Sekunden vergingen in denen die Pilotin zusammengerollt auf dem Boden liegen blieb und auf eine weitere Erschütterung wartete - die jedoch ausblieb. Langsam öffnete sie ihre Augen und blickte in die Dunkelheit: Grüne Punkte, verursacht durch das helle Licht, tanzten noch auf ihrer Netzhaut und es dauerte ein bisschen, bis die Terranerin etwas erkennen konnte.

Während sie sich langsam aufsetzte, blickte sie sich um: Sie war eindeutig nicht mehr in der Schiffsmesse der Venture ...

Mit knackenden Knochen versuchte Ruben sich aufzurichten. Irgendwie war er von der Erschütterung hinter etwas großes Plüschiges geschleudert worden.

Es dauerte noch einen Moment, bis er seine Umgebung richtig wahrnehmen konnte, dann identifizierte er das flauschige Etwas als rotes Sofa, für den Geschmack des Holländers deutlich zu kitschig, das in einem überschaubaren Quartier stand.

Sternenflottendesign, die Größe war für einen Offizier angemessen und angesichts des Replikatormodells konnte es sich nur um eine neuere Einrichtung handeln. Auf der Atlantis waren sie somit wahrscheinlich nicht.

'Ein neueres Schiff', verbesserte sich Ruben, als er das große Panoramafenster bemerkte. Das Schiff manövrierte sehr schnell und in einiger Entfernung waren winzige Punkte zu sehen, die andere Schiffe darstellen mussten.

Augenscheinlich eine Kampfsituation, das würde jedenfalls auch die Erschütterung erklären, die ihn hinter das Möbel geworfen hatte!

Verunsichert betätigte der Sicherheitschef seinen Kommunikator, doch der Kanal blieb tot. Nach dem dritten Versuch gab er es seufzend auf.

"Hat irgendjemand eine Erklärung hierfür? S'Tom, könnte es mit der Anomalie zusammenhängen?", wandte er sich stattdessen an die beiden anderen, "Und ähh, wo ist Alnak?"

"Verdammt, was ist denn hier nur los? Wo sind wir?" Die Anspannung die von Cheyenne Besitz ergriffen hatte, vibrierte unüberhörbar in ihrer Stimme, als sie Wagenvoort wahrnahm, der hinter einem Sofa hervorgekrochen kam.

Langsam stand die Pilotin endgültig auf und begann sich ihre rechte Schulter zu massieren, aber bis auf eine gehörige Prellung war wohl nichts weiter passiert. Erleichtert über diese Tatsache atmete sie auf. Die Terranerin hatte nicht schon wieder Lust, wie nach ihrem letzten Abenteuer, sich tagelang auf irgendeiner Krankenstation herumzutreiben.

Erst ein paar Augenblicke später registrierte sie, dass Ruben eine Frage gestellt hatte. Die Verwirrungen die sich in ihrem Kopf durch den Transport ausgebreitet hatten, waren immer noch nicht ganz verschwunden und begannen erst langsam, sich wieder zu lichten.

Transport - oder so was ähnliches - was genau war denn passiert?

"Keine Ahnung, wo dieser Mr. Alnak ist - er ist einfach vor meinen Augen verschwunden und dann hab ich mich in dieser ... dieser Explosion wieder gefunden ... " Unbewusst deutete Cheyenne auf das Panoramafenster, wobei sie sich immer noch nicht sicher war, was genau die Ursache für diese besagte Explosion war.

Und wo war eigentlich S'Tom?

Es hatte S'Tom Mühe bereitet, sich aufzurichten. Währenddessen hatte er versuchte, seine Gedanken wieder zu ordnen. Es war ein Blackout bei seinen Erinnerungen vorhanden, anscheinend waren einige Implantate angesichts der Informationsflut in einen Fail-Safe-Modus gewechselt.

Der Vulkanier nahm jetzt seine Umgebung wieder klar war und ging zum Panoramafenster zu Mr. Wagenvoort. Die Sternkonstellationen... Dort erkannte er Alpha-879. Die Venture hatte sich Lichtjahre davon entfernt befunden. Erst jetzt beantwortete er die Frage, die an ihn gerichtet worden war:

"Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei etwa 98 Prozent" Am anderen Ende des Blickwinkels, das musste Gamme-189 sein. Die Entfernung und der Winkel waren aber auch hier nur schwer abzuschätzen. "Ich vermute, wir wurden von einer temporalen Schockwelle mitgerissen und hierher geschleudert. Darauf deuten zumindest die Daten von den beiden ersten Wellenfronten hin, die die Venture zuvor erschüttert hatten.

Ich habe aber erst unzureichende Daten über unseren derzeitigen räumlichen oder zeitlichen Aufenthalt. Bis jetzt kann ich nur sagen, dass dieses Schiff mehrere Lichtjahre von der vorherigen Position der Venture entfernt ist und der zeitliche Unterschied auf Grund der Quartiersausstattung nicht viel größer ist als plus oder minus zehn Jahre."

"So was ähnliches hatte ich schon befürchtet", ließ Ruben sich vernehmen, während er weiter das Quartier musterte: Der Bewohner hatte einen recht eigenwilligen Geschmack.

"Computer, nenne Sternzeit und unsere derzeitige Position!", wies der Niederländer schulterzuckend an. Diese Informationen sollten in jedem Fall frei zur Verfügung stehen.

"Sternzeit 50984.2, derzeitig befindet sich die U.S.S. Hope in der Nähe des Delcron-Agri-Systems", reagierte der Schiffsrechner wie erwartet.

Die Daten waren besorgniserregend.

"Das ist drei Wochen nach Beginn des Dominion-Krieges und entspricht dem 13.11.2373", kalkulierte Ruben augenblicklich, "Ein Dienstag Vormittag. Und wenn ich mich richtig erinnere, wird dieses System gerade von Jem'Hadar-Truppen überrannt!"

Sichtlich irritiert starrte die Pilotin immer noch den Vulkanier an, der für ihre Bedürfnisse doch zu plötzlich in ihr Sichtfeld getreten war. Als Cheyenne jetzt Rubens Worte hörte und langsam begann, die Situation zu realisieren, beschloss die Terranerin dieses offensichtliche Durcheinander in ihrem Kopf auf ihre kleine Zeitreise zu schieben, in die sie wohl alle nun gestolpert waren.

Der zerknirsche Gesichtausdruck, der sich in diesen Momente auf das Gesicht der Pilotin legte, spiegelte ziemlich gut die Gefühle wieder, welche über Cheyenne hereinbrachen: Verwirrtheit, Ironie, Angst ...

Mit dem Versuch wieder einen neutralen Blick zu bekommen, wandte sie sich an Wagenvoort.

"Was hat uns denn überhaupt hier her gebracht?"

"Ähh, die Anomalie, die wir kurz vor der Verschiebung bemerkten. Eine natürliche Ursache, nehme ich an. Temporale Mechanik und Vorhersehungsparadoxien sind zwar nicht mein Spezialgebiet, aber vorläufig würde ich es unter 'Zufall, schlechtes Timing, Pech' verbuchen. Auch wenn wir uns gegenwärtig an einem historischen Zeitpunkt und Ort befinden...", versuchte dieser Cheyenne und sich selbst zu beruhigen.

Wenn schon Zeitreise, dann wenigstens kein "Wir müssen eine Aufgabe erfüllen, um die Zukunft zu retten"-Paradoxon! Das Weltall konnte es nicht wagen, dies Rubens Nerven anzutun.

"Was meinen Sie, S'Tom?", reichte er vorsorglich die Frage weiter. Als Ingenieur war der Vulkanier vielleicht bewanderter auf dem Gebiet.

"Ich befürchte, dass Ihre Annahme nicht zutreffend ist. Auch wenn ich ebenso kein Spezialist auf dem Gebiet der Temporaldynamik bin, meine ich, dass die Anomalie, die uns hierher befördert hat, mit einundneunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht natürlichen Ursprungs war. Ich habe aber noch zu wenig Daten, um eine fundierte Aussage über die wahre Ursache zu treffen. Unsere Hauptpriorität sollte sein, die Zeitlinie unangetastet zu lassen, und in unsere Zeit zurückzukehren."

Eine Zeitreise... Es war das erste Mal, dass S'Tom so etwas am eigenen Leib miterlebte. Weder die Borg noch die Föderation hatten seines Wissens nach allzu gute Erfahrungen mit solchen. Es könnte fatal sein, auch nur das kleinste Detail hier zu verändern... Oder auch nicht? Er sprach den Gedanken vorerst jedenfalls nicht laut aus...

"Da stimme ich Ihnen vorbehaltlos zu. Allerdings müssen wir vorerst davon ausgehen, dass weitere Personen unsere Situation teilen. Die Kontaktaufnahme dürfte sich schwierig gestalten, da während der Kampfhandlungen erhöhte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden und Ihr Äußeres uns augenblicklich verraten dürfte", ließ Ruben seinen Gedanken freien Lauf.

"Sollten weitere Besatzungsmitglieder der Venture betroffen sein, können wir sie anhand geringfügiger Modifikationen an deren Kommunikatoren orten. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass abweichende Komm-Signale einen internen Alarm auslösen, weshalb wir von einer direkten Kontaktaufnahme absehen sollten. Vielmehr sollten wir einen Ort aufsuchen, von dem aus wir einen passiven Scan durchführen können"

Zufrieden beendete er seine Instruktionen und merkte augenblicklich, wie stotterfrei und selbstsicher er gesprochen hatte. Ein leichtes Kribbeln erfasste seine Hände, leichte Panik stieg auf und die Nackenhärchen reagierten entsprechend.

'Das, das hatte sich gut angefühlt', dachte der Niederländer zufrieden, auch wenn er nicht ein gewisses Unbehagen vertreiben konnte. Nicht, dass diese Zeitreise ihn irgendwie verändert hatte...!

Interessiert hatte die Pilotin versucht, dem Gespräch der beiden Männer zu folgen - jedoch nur mit reichlich wenig Erfolg. Temporale Paradoxien verursachten eindeutig Kopfschmerzen.

Mit einem leichten Seufzen strich sich die Pilotin durch ihr zerzaustes Haar - einige Locken schienen jedoch ihren eigenen Willen zu haben und fielen ihr zurück ins Gesicht. Sie musste wohl einen ziemlich chaotischen Eindruck machen ...

Ein lautes Pochen an der Stelle, wo Cheyenne den Gang vermutete, ließ die Terranerin zusammen zucken.

"Ich, glaube wir bekommen Besuch ...", ihre Stimme vibrierte leicht.

--- irgendwo an Bord

"Im Kampf mit dem Dominion?", stieß Alex überrascht aus. Fieberhaft kramte er in seinen Erinnerungen der vergangenen Zeit nach dieser Sternzeit, in der sie sich nun befanden und dann fiel es ihm plötzlich wie Schuppen aus den Haaren.

"Natürlich, Dominion. Wenn ich mich recht erinnere, dann befinden wir uns ... wie hieß dieses System doch gleich noch mal ...?"

Nachdenklich schritt er hin und her, bis er nach ein paar Metern endlich die Lösung hatte.

"Delcron-Agri-System, genau so hieß es", sagte er lächelnd und war froh darüber, dass es ihm noch eingefallen war. Doch schon wenige Sekunden später wich dieses einer ernsten Grimasse.

"Verdammt, wieso muss es ausgerechnet dieser eine Tag sein?", stöhnte er, während eine weitere Explosion zu hören war und seine düstere Stimme beinahe untermauerte.

"Ich glaube, wir sollten jetzt wirklich versuchen, hier heraus zu kommen. Ich habe keine Lust, dass sich hier vielleicht irgendein Jem'Hadar hin verirrt", sagte er ängstlich und griff wieder in die Konsole, um endlich die Überbrückung zustande zu bekommen.

Einige Augenblicke vergingen, in denen April ihren Blick auf dem Techniker ruhen ließ. Ein erregtes Kribbeln machte sich in ihrem Magen breit und für einige Sekunden vergaß sie, wo sie beide waren - bzw. wann ...

Ein kurzes Knacken hallte durch den Raum und mit einem mal schaltete sich die Notbeleuchtung an.

Geblendet von dem plötzlichen und überraschenden Licht hielt sich Alex die Hand über die Augen. Blinzelnd blickte er sich um, nachdem sich seine Augen einigermaßen an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatte.

Er und April standen am Rand eines großen, aber ziemlich leeren Lagerraums, der sich irgendwo auf Deck 5 befand, wie er den Wandmarkierungen entnehmen konnte. Alex überlegte kurz und entschied sich dann dafür, dass sie sich in Frachtraum 2 befanden.

"Gut", sagte er, "Zwar hatte ich was Anderes im Sinn gehabt, aber so wissen wir nun wenigstens, wo wir uns befinden und ich kann endlich im Hellen arbeiten. Obwohl ..."

Sein Blick war auf eine Jeffriesröhre gerichtet, die wenige Meter neben ihnen in einer Wand begann.

"Hättest du Lust auf eine kleine Krabbelpartie?"

April schlenderte interessiert zwischen den Containern hin und her und überflog die Etiketten: Isoliniare Chips ... Titaniumplatten ... irgendwo mussten doch auch ein paar Waffen zu finden sein.

"Hast du einen Plan? Wo führt diese Jeffriesröhre denn hin?" Ein kurzer Augenblick verging, in dem die Halbbajoranerin kurz seufzte und mit beiden Händen auf die vor ihr stehende Truhe haute.

"Verdammt ... Wie sieht’s mit einer Waffenkammer aus?"

Skeptisch blickte Alex die junge Bajoranerin an und schüttelte den Kopf.

"Du glaubst doch nicht wirklich, dass wir jetzt, wo sich das Schiff im Kampf mit den Jem'Hadar befindet, in irgendeine Waffenkammer kommen. Und an die Sicherheitscodes von früher kann ich mich nun wirklich nicht mehr erinnern. Und selbst wenn ich es versuchen würde, man würde uns wahrscheinlich direkt entdecken."

Inzwischen hatte sich April vor die Truhe gekniet und fummelte verbissen am Schloss herum.

"Sag mal, was versuchst du denn da?", fragte er.

Wie eine Wildkatze blickte sich die Halbbajoranerin kurz um und erspähte am anderen Ende des kleinen Ganges ein abgebrochenes Abdeckungsblech, das sich fast perfekt für ihr Vorhaben eignete.

"Nach was sieht es denn aus?" Ein herausfordernder Blick lag im Gesicht der Kriegerin als sie sich das 'Werkzeug' schnappte und mit zwei gezielten Schlägen das kleine Sicherungsgerät zertrümmerte.

Noch bevor Alex irgendwelche Einwände erheben konnte gab das Schloss mit einem Knacken der rabiaten Aufforderung der jungen Frau nach und fiel zerbrochen auf den harten Boden. Triumphierend blickte April wieder zu Alex und begann zu grinsen.

„Na und?", feixte Alex und grinste zurück. "Mit roher Gewalt bekommt das jeder auf."

Schnell schob er sie lachend von der Truhe weg und öffnete schwungvoll den Deckel. Mit einem lauten Knall schlug dieser auf dem Boden auf und gab den Blick in das Innere der Kiste frei. Fast hätte er erwartet, dass das Grinsen der Bajoranerin noch breiter würde, als er den Inhalt erkannte, doch stattdessen fror ihr Lächeln blitzartig ein.

"Was denn?", fragte Alex verwundert und nahm ein großes und schweres Bat'leth aus der Truhe und wiegte es in der Hand.

Die Gedanken der Halbbajoranerin begannen für einen Augeblick zu rasen; bis sie den irritierten Blick des Technikers realisierte. Kurz blickte sie auf und versuchte wieder ihren Mund zu einem Lächeln zu bewegen, was aber wohl in einer eher eigenwilligen Grimasse endete.

Kurz schüttelte sie den Kopf und versuchte Alex Frage mit einem abfälligen Wink abzuwehren.

"Ach nichts ...", antwortete sie monoton und nahm dem Terraner das klingonische Schwert ab. Für ein paar Sekunden wiegte sie es in den Händen und betrachtete verträumt die scharfen Klingen. Ein leichtes, fast unschuldiges Grinsen legte sich auf Aprils Gesicht.

"Kannst du mit so was umgehen, Alex?"

"Machst du Witze?", entfuhr es Alex, der einen Schritt zurück getreten war, als April das Bat'leth in die Hände genommen hatte und es beinahe andächtig hin und her wiegte.

"Ich muss ja schon aufpassen, dass ich mir beim Kochen in der Kombüse nicht die Finger abschneide. Und da sind die Messer eindeutig kleiner als dieses Gerät hier. Ich überlasse das Metzeln also dir."

Schnell warf er noch einen letzten Blick in die Truhe, um festzustellen, ob noch etwas Brauchbares darin war, doch bis auf ein zweites Schwert war dort nichts. Leider, denn er hätte nichts gegen einen klingonischen Disruptor gehabt. Damit konnte er ja wenigstens umgehen.

"Sag mal, du willst jetzt aber nicht mit diesem Trümmer von Gerät durch die Jeffries-Röhren kriechen, oder etwa doch?"

Einen Augenblick betrachtete April den Techniker ob er nicht vielleicht doch einen Scherz gemacht hatte.

"Nein, ich stelle es in die Ecke und beame es bei Bedarf einfach aus meiner Schuhsole heraus ..."

Ihr herausfordernder Blick schien Alex wohl ein wenig zu irritieren.

"Das ist nicht witzig", antwortete Alex trocken und wandte sich von ihr ab. Schnellen Schrittes begab er sich zu der Wandverkleidung, hinter der die Jeffries-Röhre begann und kniete sich davor. Mit zusammengekniffenen Lippen betrachtete er kurz den Verschlussmechanismus und versuchte dann, die Verkleidung zu öffnen.

"Gehst du wohl ab", fluchte er angestrengt, während er weiter an dem Paneel zog und zerrte. April ignorierte er zuerst, die sich hinter ihn gestellt hatte und ihm beim Kampf mit der Verkleidung beobachtete.

Doch so schnell wollte sich Alex nicht geschlagen geben. Noch verbissener versuchte er, die Jeffries-Röhre zu öffnen, bis er nach ein paar weiteren Minuten entnervt aufgab.

"April, wärst du so freundlich und versuchst es mal mit deinem überdimensionalen Zahnstocher?"

Alex hatte seinen Satz kaum beendet als auch schon das Bat'leth auf den Verschlussmechanismus herab rauschte und es in tausend Teile zerspringen ließ.

"Aber gerne doch ..." Das triumphierend Grinsen in Aprils Gesicht schien fast kein Ende zu haben. Irgendwie machte es sogar Spaß ihren Liebhaber etwas aus der Reserve zu locken - auch wenn es wohl einer der ungünstigsten Momente an diesem Tag war.

"Vielen Dank", entgegnete Alex beinahe schnippisch und öffnete dann die Verkleidung. Warme Luft schlug ihm entgegen und ein seltsamer Geruch zog an seiner Nase vorbei. Irgendwie kam ihm dieser bekannt vor, doch er konnte ihn nicht wirklich einordnen. Da er jedoch nicht so schlimm war, ignorierte er ihn und kroch in die Jeffries-Röhre hinein.

--- ein Quartier, Wohnraum

"Also ich habe niemand eingeladen", murmelte Ruben vor sich hin, während er überlegte, wer so unbedacht sein konnte, in einer Kampfsituation sein Quartier aufzusuchen.

Allerdings...

"Ich glaube nicht, dass dieses Geräusch aus dem Gang kommt. Vielmehr scheint die Quelle sich ähh in der Wand zu befinden", stellte er verblüfft und etwas ängstlich fest. Jem'Hadar waren nicht dafür bekannt, dass ihre Entertrupps in Jeffriesröhren beamten, aber wissen konnte man ja nie.

"Vielleicht sollten wir in Deckung gehen und warten", schlug er schließlich vor, nachdem das Pochen unmittelbar hinter einer Luke angekommen war. Augenblick hockte er sich hinter dem scheußlichen Sofa ab, was ein dumpfes Rumpeln durch seine Kniegelenke jagte.

Sich ein "Aua" verkneifend horchte er, was kommen möge.

--- in der Wand

Grummelnd warf sich der Ferengi gegen die Deckplatte über der Luke. Er irrte jetzt schon fünf Minuten durch die Jeffriesröhren! Wenn er den erwischte, der das halbe Schiff umgebaut hatte.

Wütend trat er nochmals zu, woraufhin die Luke aufsprang und er das Licht eines Quartiers sehen konnte. Vorsichtig robbte er weiter und ließ sich aus der Röhre gleiten.

--- ein Quartier, Wohnraum

Alles sah normal aus. Bis auf ein hässliches rotes Sofa.

Grübelnd überprüfte er seine Möglichkeiten. Seit er rüber gebeamt war, wurde das Schiff regelmäßig erschüttert. Vielleicht hatte sich O'Connor mit diesem McCarthy überworfen. Narbo mochte gar nicht daran denken, dass sein geliebtes Shuttle auf der Atlantis schutzlos der Inkompetenz der Crew ausgeliefert war.

Andererseits.

Wenn er hier das Dilithium fand, konnte er sich ein hundertmal so großes Schiff leisten! Der Gedanke stimmte ihn versöhnlich.

Gerade noch rechtzeitig waren Mr. Wagenvoort, Ms. Morgan und S'Tom hinter dem Sofa verschwunden, 1.56 Sekunden bevor die Luke aufgegangen war. Anscheinend war der Eindringling kein Jem'Hadar, aber wohl auch kein Sternenflottenoffizier...

Der Vulkanier bedauerte kurzzeitig, dass er keinen Phaser dabei hatte - er hatte ja nur einen kurzen Barbesuch vorgehabt, keine Zeitreise... Da er einen "Randplatz" hatte, legte er kurz einmal den Kopf auf den Boden und versuchte, unauffällig am Sofa vorbei zu schauen.

Zum Glück für S'Tom hatte der Ferengi, den er nun erblickte, den Kopf gerade in die andere Richtung gedreht. Er schien nachdenklich und etwas verwirrt zu sein. Was hatte eigentlich ein Ferengi in der Jeffries-Röhre eines Sternenflottenschiffes im Kriegseinsatz zu suchen? War der Ferengi womöglich auch durch die temporale Schockwelle mitgerissen worden?

Nach einem PADD im Umhang suchend zog der Techniker den Kopf wieder zurück und hielt Mr. Wagenvoort Augenblicke später ein PADD mit der Aufschrift "Ferengi, dzt. unbewaffnet. Festnehmen & Verhören?" unter die Nase.

Irritiert nahm Ruben dem Vulkanier das PADD aus den Händen.

'Ein Ferengi auf einem Sternenflottenschiff, der dazu noch aus einer Jeffriesröhre kroch...seltsam!', dachte er noch, als eine Ahnung in seinem Hinterkopf langsam Form annahm.

Schnell tippte er seine Antwort ein und reichte das PADD zurück.

Im Gesicht des Vulkaniers zeigte sich eine Mischung aus Überraschung und Anerkennung, die den Niederländer erkennen ließ, dass er richtig gelegen hatte.

"Männlicher Ferengi, circa 160 Zentimeter Körpergröße, mittleren Alters, mit grünlichem Oberteil und hohen Stiefeln? Kein Zugriff, da wahnsinnig und potentiell gefährlich! Abwarten auf mein Vorgehen", hatte er eingegeben.

Und jetzt war der richtige Zeitpunkt, um sich zu zeigen. Ein letztes Mal zog er mit flatterndem Atem Luft tief in die Lungen ein, konzentrierte sich auf das rasselnde Geräusch der Lungenflügel und schnellte dann mit knackenden Knien auf:

"Narbo, ähh Hallo, wie geht es Ihnen?"

Dem Ferengi stand kurz das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Nicht, weil er Angst vor diesem Typen hätte. Aber in Hinblick auf das Sofa erschreckte ihn dann doch der Geschmack des Sicherheitschefs.

"Gut, allerdings muss ich wohl irgendwo im Gang falsch abgebogen und dann in Deinem Quartier gelandet sein. Zeig mir den Weg zur Bar!!", bleckte er die spitzen Zähne und legte sein unschuldigstes Lächeln auf.

Dann bemerkte er ein leises Rascheln hinter dem Sofa, was nicht von dem Niederländer stammen konnte. "Ach, und Deine Begleitung kann jetzt auch aufstehen...Schließlich hat hier ja niemand etwas zu verbergen"

Als sich auf die Aufforderung hin Ms. Morgan neben S'Tom erhob, schloss sich auch dieser an. Sicherheitshalber nahm er eine Position auf der Seite des Sofas ein, wo sich noch niemand befand - falls dieser Narbo irgendwas im Schilde führte, sollte es nach Möglichkeit nicht alle gleichzeitig treffen...

"Und wieso verwenden Sie dann die Jeffries-Röhren statt den Gängen?", gab der Vulkanier auf die Frage des Ferengi zurück. Menschen waren oft schwierig genug zu verstehen, aber Ferengi... Man konnte nur sicher sein, dass Sie immer auf den höchsten persönlichen Profit auswaren. S'Tom erinnerte sich, dass nicht einmal die Borg die Eigenheiten der Ferengi als wirklich "assimilationswert" ansahen ...

Die Pilotin ließ ihren Blick misstrauisch und prüfend über den Ferengi schweifen. Was hatte dieser Kerl nur vor?

Offensichtlich war er ein Crewmitglied der Venture und es hatte ihn genauso wie sie in die Vergangenheit verschlagen. Aber was machte der Kerl in den Jeffries-Röhren? Auch wenn Cheyenne nicht immer mit dem eigenartigen S'Tom einer Meinung war - dieses Mal jedoch war sie an der Antwort eben so interessiert wie der Rest ihrer neuen Kollegen.

Mit einem skeptischen Blick entfernte sie sich ein paar Schritte von Ruben und stellte sich mit verschränkten Armen abwartenden etwa drei Meter von Narbo auf. Wehe der Typ kam auf dumme Ideen.

"Hey, ich habe doch gesagt, dass ich falsch abgebogen bin. Und wenn ich falsch sage, meine ich auch richtig falsch!", gab der Ferengi grinsend zurück und wischte das leidige Thema mit einer unwirschen Bewegung weg.

Dem Sicherheitschef war dies recht. Er hatte in der Situation so gar keine Lust, sich mit der wahren Motivation des Ferengi auseinander zusetzen. Es war schon jetzt absehbar, dass dieser ihn unter einem Haufen Lügen begraben würde, der nur schwer zu durchdringen sein würde.

Sehr viel Aufwand, um eine Wahrheit wie "Ich wollte stehlen!" oder "Ich wollte die Bar des verdammten Androiden mit fünf Kilo feinstem Stoff in eine parallele Wirklichkeit bomben!" zu erfahren.

Bevor Ruben seine Zeit darauf, oder auf das Thema, woher diese ansteckende vulkanische Geschlechtskrankheit kam, verschwenden konnte, mussten sie erst in ihre Zeit zurückkehren.

"Na, ähh, dann ist ja alles geklärt. Ach, falls Sie sich fragen, wieso das Röhrensystem von ihren Plänen abweicht: Wir befinden uns in der Vergangenheit. Aber nur ein paar Jahre"

Dem Ferengi fiel das Grinsen aus dem Gesicht.

"Da dieser Punkt also geklärt ist, sollten wir wieder unserem Plan, der Kontaktaufnahme mit mutmaßlich weiteren zurückgereisten Personen, die volle Aufmerksamkeit schenken ..."

S'Tom war die Anwesenheit dieses komischen Ferengi ganz und gar nicht recht. Er konnte keine guten Absichten haben, sonst wäre er der Frage vorhin nicht so ausgewichen... Er wandte sich jetzt aber wieder aktuelleren Vorkommnissen zu.

"Da stimme ich zu. Aber um nicht so aufzufallen, sollten wir uns zuerst die passende Kleidung besorgen. Als unbekannte Zivilisten fallen wir auf einem Schiff im Kampfeinsatz um Vieles mehr auf als Sternenflottenmitglieder. Nur der Ferengi macht in dieser Hinsicht Probleme. Hier einsperren ist bedauerlicher Weise auch keine Lösung für Ihn, irgendjemand wird das Quartier wahrscheinlich aufsuchen."

"Gute Idee, allerdings sollten wir ihre Implantate auch verbergen, was schwierig werden dürfte", fügte der Niederländer kritisch hinzu. Ein Vulkanier mit falschen Augen dürfte selbst während der Kampfsituation jedem auffallen.

"Außerdem glaube ich, dass Narbo generell besser mit uns kommen sollte, seine ähh Fähigkeiten könnten von Nutzen sein"

Zu erwähnen, dass das explosive Temperament des Ferengi die Situation eskalieren lassen könnte, wenn hier tatsächlich jemand hinzu kam, ließ er lieber bleiben.

"Haben Sie nicht eine Idee, wie man die beiden vor neugierigen Blicken schützen könnte?", wandte der Sicherheitler sich an Cheyenne. Als Frau wusste sie hoffentlich, wie man unerwünschte Details wie Okularimplantate, Ferengiohren oder breite Hüften verschwinden lassen konnte.

"Ich bin für Vorschläge offen, aber ich habe selbst auch eine Idee... Kümmern Sie sich zuerst um den Ferengi", meinte S'Tom noch bevor Cheyenne eine Chance hatte, zu antworten.

Danach ging der Vulkanier zum Replikator und verlangte von diesem eine Sternenflottenuniform (Technik), passende Rangabzeichen (Fähnrich) und einen Kommunikator. Sofort darauf materialisierte sich das Gewünschte.

Gleich darauf bestellte der Techniker auch noch einen zur Uniform passenden Handschuh und einen Hautregenerator. Er war sich nicht sicher, ob sein Vorhaben funktionieren würde, aber es war den Versuch wert.

Mit einem sehr skeptischen Blick hatte die Pilotin immer wieder zwischen dem Ferengi und dem Vulkanier hin und her geblickt und blieb dann endgültig bei S'Toms Bemühungen um den Hautgenerator hängen. Ein paar Augenblicke sah sich Cheyenne die Situation an, dann schob sie sich an ihrem Teamkollegen vorbei zum Replikator.

Ein paar Mal fiepte es kurz und dann materialisierten drei weitere Kommunikatoren von denen sich die Terranerin einen an ihren eigen Overall steckte. Narbo und Wagenvoort warf sie jeweils einen der andern beiden Geräte zu.

"Also, ich mache ja viel mit, aber ich werde mit Sicherheit keine Sternenflottenuniform an ziehen!" Ihr resoluter Gesichtsaudruck ließ darauf schließen, dass sie keinerlei Widerrede dulden würde.

S'Tom sah von seinen Bemühungen um die passende Modifikation des Hautregenerators auf. "Die Wahrscheinlichkeit, auf der Suche nach anderen in die Vergangenheit versetzten Crewmitgliedern und bei den darauf folgenden Bemühungen um Heimkehr in unsere Zeit auch nicht für Zivilisten zugängliche Bereiche betreten zu müssen, ist sehr groß. Ich würde vorschlagen, dass Sie Ihre Meinung vielleicht nochmals überdenken sollten."

Wäre S'Tom ein Mensch gewesen, hätte er sich sicherlich durch den wütenden Blick der Terranerin beleidigt gefühlt, der ihn jetzt traf.

"Ich habe nicht die Sternenflotte verlassen, um dann wieder in diesem komischen Schlafanzug rumzuhüpfen ...!" Wütend stapfte Cheyenne an dem Vulkanier vorbei und steuerte auf die Tür der Raumes zu.

Jetzt reichte es Narbo aber!

Er hatte lange genug mit angesehen, wie diese Hobby-Helden ihn in Gefahr brachten. Falscher Stolz war noch nie gesund gewesen.

"Stehen bleiben verdammt!", zischte er durch den Raum und erlangte so die allgemeine Aufmerksamkeit, nachdem er die letzten Minuten ruhig gewesen war, "Wir werden alle ruhig bleiben! Ich habe keine Lust, wegen einem bockigen Weibchen von irgendeinem Sternenflotten-Sicherheitler verhört zu werden, was ich auf diesem Schiff mache. Also...Vulkanier, was treibst Du da?"

Cheyenne war sich nicht sicher, was sie in diesem Moment dazu veranlasste, sich so ihren Emotionen hin zu geben. Die Wut über den Ferengi, der sich erlaubte, sie einfach so "Weibchen" zu nennen, schien fast bis ins Unermessliche zu steigen. Wer war dieser Kerl eigentlich?

Mit einem giftigen Blick im Gesicht drehte sich die Terranerin wütend um und blaffte zurück.

"Und ich hab keine Lust mich von so einem Zwerg anmaulen zu lassen ..."

S'Tom hatte gerade von seiner Arbeit aufgeschaut, um dem Ferengi zu antworten, als ihm Cheyenne zuvorkam. Das konnte eine lange Diskussion werden...

Vorerst wollte sich der Vulkanier jedoch nicht damit beschäftigen und wandte sich stattdessen wieder dem Hautregenerator zu. Er musste diesen nur modifizieren, um sein ganzes Gesicht etwas angeschwollener erscheinen zu lassen, im speziellen die Region um das Okularimplantat...

"Zwerg? Heute schon mal in den Spiegel geguckt?!", zischte Narbo zurück und ließ seine Finger Richtung Stiefelschaft greifen, "Wer ist denn hier für seine Spezies klein?"

Nach Rubens Einschätzung würde die Situation in Kürze eskalieren, was zwangsläufig zu Gewalt, wahrscheinlich ihrer aller Entdeckung und Verurteilung vor einem Kriegsgericht führen würde. Leider hatte der Niederländer weder Zeit noch Lust, diesen Prozess abzuwarten:

"Ähh, beruhigen sie sich doch bitte beide! Cheyenne, unsere Tarnung ist wichtig, um in dieser Umgebung unauffällig operieren zu können. Oder ziehen Sie es vor, in dieser Zeitebene zu verweilen? Narbo, Sie lassen von dem Messer ab!"

Die Frau guckte erst erzürnt, nachdem Ruben dann auf den Themenkomplex "Messer" hingewiesen hatte etwas versöhnlicher. Zumindest interpretierte er ihre Miene so.

"Ach, S'Tom, würden Sie die Frage des Ferengi bitte beantworten. Ich bin nämlich auch schon gespannt ..."

Einen kurzen Blick auf Wagenvoort werfend blickte die Terranerin wieder mit bösen Blick auf den Ferengi und beobachtete, wie er langsam seine Hand von seinem Stiefel zurückzog. Innerlich machte sie sich eine kleine Notiz, den Kerl gut im Auge zu behalten.

Cheyenne wartete mit ihrer Aussage nicht die Antwort des Vulkaniers ab.

"Hören Sie, ich habe mit Sicherheit nicht vor hier zu bleiben - ich denke mir aber auch, dass wir uns nicht lächerlich machen müssen. Vor allem weil ich davon ausgehe, dass die Crew der Venture bzw. der Hope uns auch als Eindringlinge identifizieren wird, wenn wir Uniformen anhaben. Die kennen sich doch untereinander ...!"

Die Pilotin legte eine kurze Pause ein, in der sie Narbo weiter misstrauisch beäugte.

"Außerdem würde es sowieso Sinn machen, wenn wir erst einmal versuchen, uns nicht der Öffentlichkeit zu zeigen!"

"Ich versuche derzeit, diesen Hautregenerator so zu programmieren, dass durch eine kurze Gesichtsbehandlung mein Okularimplantat nicht mehr sichtbar ist", richtete sich S'Tom zuerst an Ruben, eher unbeeindruckt von Cheyennes Zwischenrufen.

Dann wandte sich der Vulkanier an die Pilotin: "Zum einen befinden sich auf diesem Schiff schätzungsweise 150 Personen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mitglied dieser Besatzung alle anderen nach dem Aussehen genau kennt, ist verschwindend gering."

Gleich darauf setzte er fort: "Zum anderen haben wir, so wie ich die Situation einschätze, kaum Chancen, wieder in unsere Zeit zu kommen, wenn wir uns dauerhaft in diesem Raum aufhalten. Vorerst hier zu bleiben und sich vorzubereiten ist allerdings durchaus sinnvoll - genau das tue ich auch gerade."

Cheyenne verschränkte mit finsterem Blick die Arme vor ihrer Brust und beobachtete den Vulkanier ein paar Augenblicke. In ihrem Hals hatte sich ein undefinierter Kloß gebildet ....

"Müssen sie eigentlich immer widersprechen, S'Tom?" Angriffslustig beobachtete sie seine Reaktion.

"Ms. Morgan, gerade Ihnen müsste inzwischen klar sein, dass mir solche Verhaltensweisen fremd sind. Ich bringe lediglich das Ergebnis meiner persönlichen Situationsanalyse vor und handle vorerst auch danach", antwortete S'Tom ruhig. Wieso musste diese menschliche Frau manchmal so streitlustig sein?

"Meiner Einschätzung nach sollten sie ihre Meinungsverschiedenheit auf einen späteren Zeitpunkt vertagen. S'Tom, setzten Sie ihre Bemühungen fort. Und Miss Morgan, Mister Narbo, sie beide kümmern sich bitte um etwas unauffälligere Bekleidung", unterbrach der Niederländer die beiden Streithähne.

Mit Vulkaniern zu diskutieren war seinen Erfahrungen nach eh fruchtlos. Fehler oder Fehleinschätzungen gaben sie fast nie zu, viel eher konstruierten sie nicht zu widerlegende Argumente, die ihre Sichtweise plausibel werden ließ.

Aber dabei totaler Nonsens waren.

Der Ferengi brodelte dagegen während Rubens Überlegungen vor sich hin:

"Ich soll meinen neuen grün-violetten Anzug einfach so hier lassen? Weißt Du, wie lange man nach so einem Exemplar suchen muss?! Du wirst den Schaden ersetzen! MENSCH!"

Anschließend verschwand Narbo in dem angrenzenden Nebenraum und replizierte sich eine passende Sternenflottenuniform, sowie die Abzeichen eines Commanders...

Ein freches Lachen kam über die Lippen der Terranerin. als sie dem Ferengi nach blickte.

"Selbst Zicken machen wegen den Klamotten ... Aber mich anmaulen!" Mit diesen Worten stapfte Cheyenne noch einmal zum Replikator, tippte ein paar Sachen ein und verschwand dann mit einem missmutigen Gesicht im Bad des kleinen Wohnbereichs.

--- ein Quartier, Badezimmer

Mit einem vertrauten Zischen schlossen sich die Türen hinter ihr und für einen kurzen Augenblick bedauerte die junge Frau, dass sie nicht eine anständige Tür hinter sich zuschlagen konnte, um ihren Frust los zu werden.

Ein paar Augenblicke vergingen, in denen die Pilotin grimmig in den Spiegel starrte und dann ihre replizierte Uniform in die Ecke pfefferte. Ihr letzter Job hatte ihr eindeutig besser gefallen!

--- Jeffries-Röhre

Auf allen Vieren krabbelte Alex langsam durch die lange und schummrig beleuchtete Röhre, immer direkt verfolgt von April und ihrem übergroßen Messer, welches klappernd und klingend ständig irgendwo gegenstieß.

"Pssst", flüsterte er ihr zu und stoppte. "Wenn du weiter solch einen Krach machst ...", sagte er in einem warnenden Ton, während er über seine Schulter zurück zu ihr sah. "... dann wird uns gleich an der nächsten Kreuzung ein Sicherheitstrupp in Empfang nehmen."

April machte einen zerknirschten Gesichtsausdruck und musste Alex fast Recht geben. Die Schiffe der Sternenflotte waren wesentlich hellhöriger als sämtliche klingonischen Nussschalen, auf denen sie die letzten Jahre ihre Zeit verbracht hatte. Dazu kam noch, dass auf diesen Schiffe immer so viel Krach herrschte, dass ein bisschen Geklapper von Titan auf Stahl nicht wirklich ins Gewicht fiel.

Mit einem leisen Murren versuchte die Halbbajoranerin, sich vorsichtiger zu bewegen, was ihr auch nach einigen Augenblicken gelang.

Ein paar Minuten krochen sie stumm hintereinander durch die Röhre, bis sie an eine Wegkreuzung kamen. Von oben nach unten führte eine Leiter, die wohl die einzelnen Decks miteinander verband. Ausserdem teilte sich ihr Weg.

"Und wohin nun?", fragte die junge Frau den Terraner skeptisch, der sich ein bisschen irritiert umblickte.

Alex kramte währenddessen in seinem Gedächtnis nach einem Lageplan des Schiffes. Doch das ganze war aber nicht wirklich von Erfolg gekrönt. Außerdem erinnerte er sich daran, dass die Hope nach dieser Mission grundlegend überholt worden war und so konnte er mit seinem jetzigen Plan nicht mehr viel anfangen. Zuviel hatte sich einfach geändert.

"Ich denke ...", begann er grübelnd, "dass wir uns irgendwo ... also wahrscheinlich ... es kann eigentlich nur ..."

Er stockte, kratzte sich nachdenklich am Kopf und zeigte dann die Leiter nach unten.

"Da geht's lang", sagte er dann und nickte. "Genau, da runter müssen wir."

Unbewusst hob sich Aprils rechte Augenbraue etwas nach oben, als sie mit skeptischen Blick wartete, bis der Techniker die ersten Sprossen der Leiter nach unten geklettert war. Leicht schüttelte sie den Kopf und folgte ihm.

Der unangenehme Geruch wurde immer durchdringender und die Halbbajoranerin hatte auch das Gefühl, dass es mit jeder Stufe, die sie weiter nach unten kamen, eindeutig heißer wurde.

"Wie weit noch Alex?"

'Woher soll ich das wissen, verdammt noch mal?!', fluchte Alex stumm vor sich hin, während er zu April lächelte und rief: "Nur noch ein paar Meter, dann haben wir es bestimmt geschafft."

Ganz so falsch war die Angabe ja nicht. Schließlich war die Venture .. äh also die Hope nicht so hoch wie andere Schiffe und hatte dementsprechend eine nicht sehr große Anzahl an Decks, was die Dauer des nach unten Kletterns erheblich verkürzen konnte. Wenn er doch nur wüsste, wo sie waren. Alles sah hier so anders aus ... so ungewohnt und beinahe fremd.

Mit einem Zischen öffnete sich ein Verriegelungsschott zur nächsten Jeffries-Röhren-Kreuzung, als Alex in dessen Nähe geklettert war und sofort schlug ihm glühende Hitze und ein bestialischer Geruch entgegen.

"Wow!", entfuhr es Alex und schnell versuchte er, wieder nach oben zu klettern, was jedoch zuerst nicht möglich war, weil April, nachdem er gestoppt hatte, auf ihn aufgelaufen war.

Nach wenigen Sekunden des Chaos und vor allem, nachdem sich die Luke wieder geschlossen hatte, beruhigte sich die Situation wieder.

"Meine Güte", ächzte Alex und wischte sich die Schweißperlen von der Stirn. "Das da gerade sah nach einem ziemlich üblen Plasmabrand aus."

April kletterte wieder ein paar Sprossen nach oben und lehnte sich dann an die gegenüberliegenden Wand des engen Schachtes. Suchend blickte sich nach oben und versuchte sich zu erinnern, ob sie auf ihrem Weg einen Feuerlöscher gesehen hatte.

"Gibt es noch einen zweiten Weg?"

"Bestimmt gibt’s da noch einen", entgegnete Alex und blickte April an. "Doch das da unten sah ziemlich übel aus. Ich denke nicht, dass es so einfach sein wird, drumherum zu kommen."

Mit einem nachdenklichen Blick schaute Alex zurück zu der Luke, die sie von der Hitze in der unterhalb liegenden Jeffries-Röhre trennte.

"Eigentlich müsste direkt in der nächsten Röhren-Kreuzung der Ausgang kommen", sagte er wieder zu April gewandt. "Es ist nur die Frage, wie weit sich das Plasmafeuer ausgebreitet hat."

Für einen kurzen Augenblick schloss die Halbbajoranerin die Augen und versuchte die Situation taktisch zu analysieren. Mit einem Mal verfluchte sie die Tatsache, dass sie mal wieder auf andere Personen angewiesen war. Nicht dass sie Alex nicht vertraute, aber die Tatsache, dass sie kaum einen Einfluss darauf hatte, ob er den richtigen Weg fand und sie sich für den Moment blind darauf verlassen musste, löste in ihrem Magen ein ungutes Gefühl aus.

Ein leises Seufzen kam über ihre Lippen.

Während sie den Techniker mit wachsamen Augen fixierte meinte sie:

"Eigentlich ...? Oder bist du dir sicher?"

"Es hat sich soviel geändert seit damals ...", gab Alex entschuldigend zurück, während er wieder etwas weiter herunter kletterte und die Hand auf das Schott legte. Kurz verharrte er in dieser Position, bevor er dann das Schott öffnete.

Wieder schlug ihm die Hitze entgegen, doch diesmal war er darauf vorbereitet und so stellte er fest, dass sie gar nicht so unerträglich war wie vorhin angenommen. Es war zwar heiß, doch er vermutete, dass selbst eine standardmäßige Sauna eine höhere Temperatur hatte. Deswegen warf er April noch einmal einen kurzen Blick zu und kletterte dann weiter die Leiter runter.

"Sag mal", rief Alex zu ihr hoch. "Haben Bajoraner irgendwelche Probleme mit Hitze?"

April biss sich kurz auf die Lippen bevor sie antwortete.

"Hm ... Keine Ahnung ..."

Eine kurze Pause entstand.

"Also, ich habe ein Problem mit Kälte - von dem her ist mir das hier schon ein bisschen lieber!"

Die junge Frau versuchte ein zuversichtliches Lächeln auf ihre Lippen zu zwingen und verfluchte sich schon im nächsten Moment für ihre Aussage, als ihr eine heißer Luftschwall ins Gesicht schlug. Ihre Augen fingen leicht an zu tränen und sie hatte das Gefühl, als hätte sich mit einem Mal eine mächtiger Schraubstock um ihre Brust gelegt, der mit unerbärmlicher Kraft begann zuzudrücken.

"Klettern wir weiter, Alex!", gluckste die Halbbajoranerin und schluckte heftig.

Alex brummte zustimmend und setzte seinen Abstieg fort. Gleich hatten sie die von Alex lang ersehnte Kreuzung erreicht und von dort konnte es nicht mehr weit sein bis zum Ausgang aus den Jeffries-Röhren. Hoffentlich ...

Angestrengt wischte er sich den Schweiß von der Stirn, der in großen Perlen dort stand. Vermutlich sah er, wenn sie hier raus kamen, wie eine welke Frucht aus. So ganz ohne Wasser ... er lachte kurz auf und griff dann nach der nächsten Sprosse.

"Oha", rief er plötzlich aus, als seine schweißnasse Hand von der Leiter abrutschte und die zweite Hand zu langsam war, um das unvermeidliche aufzuhalten. Mit entsetztem Gesichtsausdruck kippte er nach hinten, schlug mit dem Kopf gegen die Wandverkleidung auf und sauste dann in die Tiefe

--- ein Quartier, Wohnraum

Nachdenklich schaute der Niederländer Cheyenne nach und wandte sich dann zu dem Vulkanier, der seine Bemühungen wohl gerade beendete. Sein Gesicht wirkte jetzt in der Tat "anders", ob diese Schwellung unbedingt unauffälliger war, wollte Ruben nicht beurteilen.

Wichtig war jetzt, den Zusammenhalt der sehr heterogenen Gruppe zu fördern und keine unnötigen Verstimmungen zu provozieren. Das hatte er zumindest mal in dem Buch "Der gute Vorgesetzte" gelesen, welches ihm irgendein anonymer Scherzkeks auf den Schreibtisch gelegt hatte. Rubens Analyse nach sollte dies wohl eine versteckte Spitze gegen seine Führungsqualitäten sein...

Jedenfalls durfte er es sich mit niemandem verderben, wenn sie hier rauskommen wollten. Da der Ferengi und die Terranerin impulsiv und unberechenbar waren, lagen seine ganzen Hoffnungen folglich bei S'Tom:

"Sieht akzeptabel aus. Haben Sie eine Idee, wie wir uns verhalten sollen, wenn die Sicherheitskräfte uns entdecken? Ethisch wäre es nicht vertretbar, diese in Ausübung ihrer Pflicht zu schädigen..."

S'Tom betrachtete die Reflexion seines Gesichtes an einem schwarzen Wandpaneel. Er war nicht überzeugt von dem Ergebnis seiner Arbeit mit dem Hautregenerator, auch die Aussage des Sicherheitschefs änderte nichts daran. Aber ein besseres würde sich wohl innerhalb kurzer Zeit mit der verfügbaren Ausrüstung nicht erzielen lassen. Zumindest war das Okularimplantat völlig abgedeckt.

Der Vulkanier lenkte seine Gedanken wieder auf konstruktivere Bahnen und wandte sich Ruben zu: "Sollte unsere Deckung sich trotz der derzeit herrschenden Hektik als nutzlos erweisen haben wir meiner Ansicht nach nur zwei *logische* Optionen. Erstens: Wir können versuchen, den Sicherheitskräften zu entkommen und uns danach versteckt zu bewegen. Laut Ihrer Aussage wäre das aber ethisch nicht vertretbar."

"Daher zweitens: Wir können versuchen dem Captain, sobald wir durch Bluttests als Nicht-Formwandler bestätigt wurden, unsere Situation zu erklären versuchen, unter Berufung auf die Erste Temporale Direktive mit möglichst wenigen Informationen."

"Allerdings ist keine der beiden Optionen erstrebenswert, wenn sie auch allen anderen Möglichkeiten im Entdeckungsfall vorzuziehen sind. Ich bin ein Befürworter der zweiten Alternative, da sie bei Gelingen unseren Handlungsfreiraum nicht allzu sehr einschränkt. Der optimale Missionsverlauf kann aber nur durch Aufrechterhalten der Deckung als Crewmitglieder gewährleistet werden."

--- ein Quartier, Badezimmer

Einige Augenblicke betrachtete sich Cheyenne stumm in einem Spiegel, der gerade groß genug war, um ein Portrait ihres Gesichtes wiederzugeben.

Die schwarzen, lockigen Haare hingen ihr etwas durcheinander ins Gesicht und auf ihrer rechten Wange war noch Schmutz zu sehen, der von der vorherigen Explosion stammte.

Kurz blickte sich die Terranerin um und griff dann zielsicher in ein Regal neben dem Waschbecken und durchwühlte noch ein paar Schubladen. In diesem Quartier wohnte eindeutig eine Frau und nach ein paar Sekunden hielt Cheyenne auch schon das Gesuchte in der Hand - eine unauffällige dunkle Haarspange.

Mit flinken Fingern band die Pilotin ihre Haare im Nacken zu einem praktischen Zopf zusammen, was ihrem Aussehen einen nicht mehr ganz so chaotischen Ausdruck verlieh.

Immer noch ziemlich missmutig fischte Cheyenne die Uniform wieder aus der Ecke und zog sie an - um kurz danach skeptisch an sich herabzublicken: Ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken, als die Terranerin an ihre Zeit bei der Sternenflotte zurückdachte.

--- U.S.S. Hope, ein Gang

Ihr war kalt. Ihr Schädel brummte. Kühles, glattes Metall berührte ihre Wange. Ein unangenehm-süßlicher Geruch drang ihr in die Nase. 'Blut,' konstatierte ihr medizinisch geschultes Hirn.

'Blut?'

Ihr Gehirn begann nur langsam wieder zu arbeiten. Warum Blut?

Mühsam schlug sie die Augen auf. Zuerst war ihre Sicht verschwommen, doch ihr Blick klärte sich schnell. Ein Gang, minimal beleuchtet. Völlig normal für ein Raumschiff. Unauffällig. Sozusagen 'ohne besonderen Befund'.

Raumschiff? Welches Raumschiff? Sie hob den Kopf, richtete sich mühsam in sitzende Haltung auf und lehnte ihren Oberkörper an die kühle Wand des Ganges.

Venture.

Erholungsurlaub.

Ha.

Vage stieg eine Erinnerung in ihr auf. Sie war gerade auf dem Weg in die Bordkneipe mit dem seltsamen Namen "Zum tanzenden Liebesdiener" gewesen, als sie plötzlich von Übelkeit befallen wurde. Übelkeit und Benommenheit, Gummi in den Beinen.

Ihre Erinnerung setzte erst mit ihrem Erwachen in diesem leeren Gang wieder ein. Seltsam. Sie war noch nie jemand gewesen, der zu Übelkeit geneigt hatte....

Sie kramte in ihrem Sporran und förderte ein Tuch zu Tage, mit dem sie sich ihre blutende Nase abwischte. 'Ein Spiegel wäre nicht schlecht,' dachte sie. Wahrscheinlich verschmierte sie sich das Blut mehr im Gesicht, als dass sie es sauber bekam.

Egal. Was auch immer diese seltsame Ohnmacht verursacht hatte, jetzt fühlte sie sich bestens. Also sprach nichts dagegen, dass sie sich auf den Weg in diese Kneipe machte. Hoffentlich bekam man da auch einen guten schottischen Whisky.

Den Geschmack von Ardbeg bereits auf den Lippen, erhob sich die Schottin und setzte ihren Weg fort.

In gemütlichem Tempo setzte die hochgewachsene Schottin ihren Weg in Richtung der Kneipe fort. Gelegentlich kreuzte sie einen anderen Gang und meinte auch einmal, Stimmen zu hören.

Ansonsten wirkte das Schiff jedoch wie ausgestorben, was Llewella ziemlich überraschte. Immerhin hatte es "Urlaub" für beide Mannschaften, die der Atlantis und die der Venture, gegeben. Waren die alle zur Atlantis gebeamt, so wie sie zur Venture? Eigentlich müssten hier doch wesentlich mehr Menschen umherlaufen.

Aber hier schien alles wie leergefegt zu sein.

Nun ja, vielleicht fand sie die Lösung des Problems im "tanzenden Liebesdiener".

--- Jeffries-Röhre

April hielt den Atem an und blickte entsetzt auf ihre leere rechte Hand, die noch versucht hatte, nach dem Kragen des Technikers zu greifen, um seinen Sturz zu verhindern.

"Alex ...!"

Schweißperlen rannen unentwegt über das Gesicht der Halbbajoranerin. Wäre Aprils Overall nicht schon von vornherein dunkel gewesen, so hätte man sicherlich jetzt die ersten Schweißflecken auf Brust und Rücken gesehen.

Einigen Augenblicke vergingen, bis die Kriegerin die letzten zwei Stockwerke nach unten geklettert war, um zu dem Techniker zu gelangen, der in einer äußerst unbequemen Stellung auf dem untersten Deck lag und sich nicht bewegte.

--- ein Quartier, Wohnraum

Ruben rollte angesichts der sturen, wortgenauen Auslegung seiner Frage mit den tränenden Augen:

"Mit dem Wort Schädigung bezog ich mich lediglich auf eine gesundheitliche Schädigung im Sinne eines Dauerschadens. Dies halte ich für unangemessen. Eine Vereitelung der Befehlserfüllung stellt für meine moralische Bewertung keine Sorgen dar. Und übrigens: Ich ähh kenne den Captain; ohne stichhaltige Beweise wird er uns nicht glauben. Bedenkt man dann noch die derzeitige Krisenlage, wird man auch nicht die Ressourcen aufbringen können, um uns zu überprüfen"

In diesem Moment betrat Cheyenne wieder den Wohnraum.

Der Niederländer konnte ihre Abneigung gegen die Uniform nicht verstehen.

Sie sah für den Sicherheitschef fantastisch aus. Trotz des eher konventionellen Schnittes der Sternenflottenschneider betonte der Stoff aufreizend die körperlichen Attribute der Pilotin.

'Ooohh, nein, wie peinlich!', schoss es Ruben durch den Kopf, als er die beginnende Erektion bemerkte, die sich zunächst unbewusst seiner bemächtigte. Und der Holländer bestach nicht nur durch die "normale" Körpergröße - nicht, dass er sonderlich viele Gelegenheiten gehabt hätte, diese Gabe einzusetzen, aber...

Die warmen Gedanken waren kontraproduktiv, bemerkte er den Bruchteil einer Sekunde später.

Mit ausgebeulter Hose eilte er an der Frau vorbei und entschuldigte sich im Vorbeigehen vor Scham errötet: "Dann werde ich mich wohl als nächster umziehen. Halten Sie die Stellung"

Die Pilotin musste sich fest auf die Unterlippe beißen, um das Entgleiten ihrer Gesichtszüge zu verhindern. Hätte sie in diesen Augenblicken nicht versucht ihre professionelle Mine zu bewahren, hätte sich mit Sicherheit ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht nicht vermeiden lassen. So wenig Körperbeherrschung hatte sie ihrem neuem Kollegen nun auch nicht zugetraut...

Aber Wagenvoorts Reaktion auf ihr Äußeres hatte auch etwas Gutes: Cheyenne hatte nicht mehr ein ganz so albernes Gefühl, wenn sie an ihr Outfit dachte - so schlimm war es dann wohl doch nicht.

Mit dem Versuch, halbwegs gelassen zu wirken, nahm die Terranerin in einem kleinen Sessel Platz, von dem aus sie den Raum genau im Blickfeld hatte. Vermutlich gehörte er zu diesem komischen roten Sofa, hinter dem sie sich noch vor einer viertel Stunde versteckt hatten. Die Angriffe, denen das Schiff hatte standhalten müssen waren wohl die Ursache dafür, dass die Einrichtung jetzt nicht mehr wirklich da stand, wo sie der Bewohner - oder auch die Bewohnerin - des Zimmers ursprünglich hingestellt hatte.

Interessiert beobachtete Cheyenne den Vulkanier, der noch prüfend an seinen Implantaten rumfingerte. Ach ... und was machte eigentlich Narbo die ganze Zeit im Nebenraum ...?

--- ein Quartier, Schlafzimmer

Es war gar nicht so einfach gewesen, sich eine passende Uniform auszusuchen: Natürlich hatte Narbo sich sofort dem Kommandobereich zugeordnet gefühlt, so weit ganz einfach. Aber die Wahl des richtigen Dienstgrades hatte ihm doch Sorgen bereitet. Immerhin durfte dieser nicht zu hoch sein, sonst würde er unweigerlich zu viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Schweren Herzens hatte sich der Ferengi so nur die Rangpins eines Commanders ans Revers der roten Uniform gesteckt, die ihm sehr gut stand, wie er befand. Normalerweise war er ja eher der Typ für grün und gelb.

Nachdem er auch in passende Stiefel geschlüpft war, faltete er sorgsam seine Kleidung und schob sie vorsichtig unter das Bett. Mit etwas Glück würde er Zeit finden, sie vor ihrer Abreise zu holen...

--- ein Quartier, Wohnraum

Frohen Mutes und festen Schrittes betrat der Ferengi wieder den Wohnraum.

"Steht mir doch gut, Spitzohr, oder?", wandte Narbo sich grinsend an den Vulkanier.

Aufmerksam und misstrauisch beobachtete Cheyenne den Ferengi, wie er durch den Raum spazierte und die Pilotin war kurz davor, wieder in einen Wutausbruch zu verfallen. Irgendetwas hatte Narbo an sich, was die Pilotin nicht leiden konnte.

Das Messer, das wohl auch in den neuen Stiefel steckte, würde sich die Terranerin merken ...

Endlich kam auch Ruben wieder aus dem Badezimmer zurück. Er war in eine gelbe Uniform gekleidet und trug die Abzeichen eines Lieutenant.

Abgesehen davon hatte er keine Erektion mehr.

Er hatte sich helfen können, sehr effektiv.

Immerhin beherrschte er vulkanische Meditationstechniken.

So konnte er der Frau gelassener entgegentreten, ohne vor Scham wegen des Erlebten im Erdboden zu versinken. Seine Grundnervosität war allerdings noch immer präsent. Unsicher schaute er sich um, wo der Vulkanier geblieben war.

Die Tatsache, dass er sich nicht im Wohnraum befand, deutete zu 97,5%iger Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass er sich ebenfalls zum Umziehen zurückgezogen hatte. Die restlichen 2,5% verteilten sich auf Kuriositäten wie Spontane Selbstauflösung, Entführung durch Außerirdische und geheime Tätigkeiten für feindliche Geheimdienste.

Über der Absurdität der Möglichkeiten versank er so in innerem Kopfschütteln, dass er erst Sekunden später bemerkte, wie sich der Ferengi und die Frau gegenseitig musterten:

Von Cheyenne ging eine unterschwellige Feindschaft aus, während der Ferengi wie immer überheblich wie eine aufgeblasene Milchtüte grinste.

In einem ungewöhnlichen Anfall an Spontanität unterbrach Ruben die Situation, um eine Ankündigung zu machen:

"Tja, bis S'Tom sich umgezogen hat, werde ich kurz die Lage auf dem Gang überprüfen. Sollte ich in ähh fünf Minuten nicht zurück sein...dann hab ich wohl ein Problem gehabt. Vielleicht könnte einer von Ihnen dann kommen, um mich zu retten?"

'Merkwürdig', fand der Niederländer, die beiden anderen waren so unterschiedlich, aber in diesem Moment hatte ihr Mienenspiel die gleiche augenrollende Aussage.

Eine Reaktion nicht mehr abwartend - entweder würden sie kommen oder nicht; wen kümmerte es? Ruben würde bei seinen Blutwerten wahrscheinlich eh früh sterben - öffnete er den Eingang zu dem Quartier.

--- Gang auf Deck 5

Vorsichtig lugte er heraus, blickte verstohlen in beide Richtungen.

Alles frei. Sehr gut.

Millimeter für Millimeter verließ er das Quartier, bis der Sensor hinter ihm die Tür automatisch schloss. Jetzt war er auf sich alleine gestellt.

Augenblicklich bemerkte er Schritte, die sich ihm näherten. Die Quelle musste jenseits der nächsten Biegung liegen, die der Gang in diesem Teil des Schiffes nahm.

Nebensächlich identifizierte er seine Position: Deck 5, in der Nähe der Bar. In der Zukunft würde einer von Rubens Sicherheitsmännern, ein gewisser Joe, ein paar Quartiere weiter wohnen. Und direkt unter ihnen musste sich das Sicherheitsbüro und der Zellentrakt befinden.

Ein Schatten näherte sich und Ruben versuchte, möglichst unauffällig auf ein Terminal zu starren, das eigentlich nichts anzeigte.

Llewella schritt um die Ecke. Immer noch war der Gang leer bis auf einen Mann in der Uniform der Sternenflotte, der gerade ein Terminal bediente. Die Schottin überlegte zunächst, ob sie den Mann ansprechen sollte, entschied sich dann aber dagegen.

Einige Schritte weiter blieb sie abrupt stehen, das vorschwingende Bein in der Luft, was ziemlich grotesk aussehen musste.

Sternenflottenuniform?

Jetzt ging's aber wirklich los.

Was wurde hier eigentlich gespielt?

Die Rothaarige beschloss, den Mann nun doch anzusprechen. Sie wandte sich um und musterte den schmalen Rücken des Mannes, der annähernd ebenso groß war wie sie selbst.

'Untergewichtig,' diagnostizierte ihr geschultes Hirn beinahe selbständig.

--- ein Quartier, Wohnraum

Die Pilotin schluckte den Kommentar, den sie auf der Zunge hatte als Ruben den Raum verließ, herunter, machte sich jedoch innerlich eine Notiz, ihn bei passender Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass sein Verhalten nicht gerade vorsichtiger war als das Ihrige vor ein paar Minuten.

Narbo nicht aus den Augen lassend, erhob sich Cheyenne noch einmal und steuerte auf den Replikator zu.

Ein paar Fieptöne später erschienen im Ausgabefach ein Tricorder und ein Phaser, welche sich die Terranerin an die Uniform klippste und dann wieder in ihrem Sessel Platz nahm.

Resigniert stellte Cheyenne fest, dass die Anzeige des Chronometers, welches neben der Tür an der Wand angebracht war, sich seit ihrer Ankunft nicht wirklich verändert hatte. Im Stillen begann die Terranerin daher fünfmal bis 60 zu zählen.

Doch Cheyenne kam nicht weit. Sie hatte nicht einmal die ersten zehn abgezählt, da meldete sich schon voll Schadenfreude grinsend der Ferengi:

"Den Phaser kannst Du gleich in den Recycler werfen, Sternenflottenreplikatoren stellen Waffen nur mit leerer Energiezelle her. Aber Messer funktionieren immer!"

Narbos Gesichtsausdruck hatte sich bei den letzten Wochen bedrohlich verzogen. Seit der Vulkanier so manierlos auf seine Frage reagiert hatte, nämlich ohne zu antworten und stattdessen sofort zu gehen, hatte er vorsorglich begonnen, die restliche Gruppe aus seiner Planung zu entfernen: Zur Not konnte er auch ohne Hilfe in die Gegenwart zurückkehren.

Um die Farce aufrecht zu erhalten, legte er wieder eine breit grinsende Mine auf.

--- ein Quartier, Schlafzimmer

S'Tom schlüpfte aus seiner Freizeitkleidung raus und in die neue Sternenflottenuniform hinein. Es war das erste Mal seit längem, dass er wieder eine von diesen tragen konnte. Die Kombination des einfachen, funktionellen Designs mit Tragekomfort war durchaus gelungen.

Seinen persönlichen Tricorder halfterte der Techniker an den Gürtel; zum Abschluss fixierte er noch Kommunikator und Rangabzeichen. Seine Freizeitkleidung faltete er und verließ mit dieser unterm Arm wieder den Schlafraum.

--- ein Quartier, Wohnraum

Anscheinend war Mr. Wagenvoort noch immer nicht fertig umgezogen, aber der Rest des Teams war schon fertig uns anwesend. S'Tom begab sich nochmals zum Replikator und legte seine eigene Kleidung und den Hautregenerator hinein, welche sich kurz darauf in ihre Moleküle auflösten.

Als er sich umdrehte, begutachtete er erstmals richtig die Aufmachung des Ferengi, ebenso wie dessen Rangabzeichen. In der gesamten Sternenflotte gab es nur ein oder zwei Ferengi, keiner davon auf diesem Schiff geschweige denn Commander. So hatten sie überhaupt keine Chance, unentdeckt zu bleiben...

Die Pilotin hatte gerade damit anfangen wollen, den Ferengi über sein Teilwissen zu informieren, entschied sich jedoch als S'Tom zurück kam dagegen. Es würde sich noch früh genug eine Gelegenheit ergeben, Narbo zu verklickern, dass ihr Phaser auch funktionieren würde, obwohl er frisch aus dem Replikator kam ...

Angestrengt versuchte sie sich daran zu erinnern, wieviel Zeit wohl vergangen war, seit Narbo sie beim Zählen unterbrochen hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie gerade die ersten 60 Zahlen hinter sich gebracht und war nun bei 24 angelangt. Innerlich schüttelte Cheyenne den Kopf - nachdem sie die Sternenflotte verlassen hatte, hatte sie nie gedacht, noch einmal auf ihr dort Gelerntes zurückgreifen zu müssen.

--- Jeffries-Röhre

Dunkelheit umgab Alex, nur unterbrochen von bunten Sternen, die umhertanzten wie ein wilder Reigen aus Galaxien und Planeten. Fast war es ein schöner Anblick, doch als wenige Sekunden später fürchterliche Schmerzen zu dem Schauspiel dazu kamen, da fand er es gar nicht mehr so schön. Er öffnete die Augen und nachdem sich sein Blick geklärt hatte, schaute er in das vertraute Gesicht von April.

"Au", stöhnte er auf und versuchte sich zu bewegen, was in seiner jetzigen Lage ziemlich schmerzhaft war. Doch er biss die Zähne zusammen und raffte sich in eine sitzende Position auf. Ein paar Sterne flogen immer noch um seinen Kopf, gefolgt von einem leichten Schwindelgefühl, doch nichts, was man nicht ertragen konnte; nach ein paar großen Bechern Blutwein oder so.

Dankbar ergriff er die helfende Hand, die April ihm entgegen streckte und zog sich endgültig an ihr hoch.

"Uiuiui", sagte er, als er wackelnd zum Stehen kam und sich schnell an der Leiter festhielt. "Ich glaube fast, das nächste Mal sollte ich es vermeiden, dermaßen schnell die Jeffries-Röhren herunterzuklettern", sagte er und überprüfte mit schmerzverzerrtem Gesicht die ganzen Prellungen, die er sich zugezogen hatte. Zumindest hatte er sich wohl nichts gebrochen. Doch trotzdem würde er die nächsten Tage sehr viel Spaß mit den blauen Flecken haben.

"Das könnte nicht schaden, ja!" Mit einem erleichtertem Lächeln strich April dem Techniker sanft über die Wange. Ein leichtes Kribbeln machte sich wie schon einmal an diesem Tag in ihrem Magen bemerkbar - wären sie nicht hier in einer wirklich unangenehmen Situation, hätte sie sich gerne diesem Gefühl noch einmal hingegeben ...

Heißer Schweiß rann der Halbbajoranerin über die Stirn. Mit ihrer Hand versuchte sie dem Einhalt zu gebieten, hatte aber reichlich wenig Erfolg.

"Kannst du laufen?" Ihr fragender Blick legte sich auf Alex Gesicht. "Mir wird es hier zu heiß!"

"Ich glaube schon", beantwortete Alex die Frage und machte einen unsicheren Schritt nach vorne, wobei er sich weiterhin an April abstützte. "Außerdem müssen wir jetzt nur noch ein paar Meter kriechen und das schaffe ich bestimmt."

Ein Lächeln setzte sich auf sein verschwitztes Gesicht, während er sich wieder auf alle Viere herunterließ und in die angrenzende Jeffries-Röhre kroch; genau dem Plasmafeuer entgegen. Die vorhin schon beinahe unerträglich gewordene Hitze erhöhte sich jetzt noch um ein paar weitere Grad, jedoch bekam Alex davon fast nichts mit, denn seine Prellungen und die darauf resultierenden Schmerzen beschäftigten eher seinen Geist.

Nach ein paar Metern kriechen stoppte Alex dann plötzlich und stieß einen leisen Jubel aus. Sie hatten es geschafft. Sie hatten den Ausgang aus diesem Tunnellabyrinth gefunden. Kurz horchte er in den dahinter liegenden Gang hinaus, setzte dann den Fuß an und drückte das Gitter, welches die Röhre verschloss, mit aller Kraft aus dessen Verankerungen hinaus.

--- Gang auf Deck 5

Polternd blieb es auf dem Gangboden liegen, direkt vor den Füßen eines Lieutnants. Geschockt blickte Alex an dem Uniformkragen hoch ... und erkannte das Gesicht von Ruben.

"Verdammt", entfuhr es ihm. "Was machen Sie denn hier?"

April wäre beinahe ein lauter Fluch entkommen, als sie Alex sprechen hörte. Irgendetwas musste ja schief gehen ...

Aus ihrer jetzigen Position, etwa einen Meter hinter dem Techniker, konnte die junge Halbbajoranerin nicht ganz verstehen, was der Terraner gesagt hatte. Ihr Adrenalinspiegel stieg wieder einmal nach oben und für einen kurzen Augenblick spielte April mit dem Gedanken sich schnellstmöglich zurückzuziehen - für den Fall, dass sie erwischt worden waren, hätte sie so wenigstens noch Einfluss auf ihre Situation gehabt - entschied sich jedoch dann doch ein paar Momente zu warten, um Alex weitere Reaktion abzuwarten.

Vor lauter Schreck hatte Ruben die sich ihm nähernden Schritte ganz vergessen; die Ärztin hinter ihm hätte wahrscheinlich unbemerkt ein Messer an seinen Hals legen können, so war er durch das plötzliche Auftauchen des Technikers aus dieser Welt gerissen worden.

"Ähh, das könnte ich Sie auch fragen!" Leicht verwirrt wich der Niederländer zwei Schritte zurück, um etwas Platz zwischen sich und den aus der Wand krabbelnden Poulsen zu bringen. Erst jetzt bemerkte er die Frau, die sich bei Alex befand.

Sein Zurückweichen wurde jäh beendet, als er auf etwas Festes trat...

Leicht irritiert hatte die Schottin die Reaktion des Lieutenants bemerkt. Sie konnte nicht mehr rechtzeitig ausweichen, als der Mann rückwärts trat, so dass er ihr mit gewissem Schwung auf die Zehen trat.

"If..." verschluckte sie gerade noch einen gälischen Fluch. Der Lieutenant drehte sich um, um zu sehen, auf wen er da getreten war und blickte sie einigermaßen entgeistert an.

Da erkannte die Ärztin den Mann. Spöttisch warf sie einen kurzen Blick auf seine Uniform und meinte dann: "Haben wir Karneval, Mr. Wagenvoort?"

Während April aus der Röhre gekrochen kam, musterte sie die beiden Leute skeptisch. Beide hatte die Kriegern auf ihrem eigentlich unfreiwilligem Aufenthalt auf dem Asteroiden schon einmal kennengelernt und sie war sichtlich überrascht, hier noch jemanden aus der Zukunft wiederzutreffen.

Dr. Campbell hatte sie etwas kleiner in Erinnerung, was aber wohl darauf zurück zu führen war, dass die Halbbajoranerin selten in die Bedrängnis kam zu anderen Frauen aufsehen zu müssen. April konnte nicht sagen warum, aber diese Situation beunruhigte sie.

Wagenvoort hätte die Halbbajoranerin wohl ohne zu zögern überwältigt, hätte Alex ihn nicht auch als einen "aus der Zukunft" identifiziert. Die Uniform passte perfekt zu ihm.

Die junge Frau musterte ihn skeptisch - seine furchtbar blasse Haut und die leicht geröteten Augen machten nicht unbedingt einen gesunden Eindruck - für einen Menschen.

Unruhig lugte sie den Gang auf und ab und postierte vorsichtshalber ihre rechte Hand an ihrem Bat'leth, das immer noch auf ihren Rücken geschnallt war. Sie wollte nicht in die Verlegenheit gebracht werden, von einer Person aus dieser Zeit in Bedrängnis gebracht zu werden ...

Der Niederländer stand kurz vor der Ohnmacht.

Innerhalb von 27 Sekunden waren drei Personen aufgetaucht, die offenkundig nicht in diese Zeit passten. Die Wahrscheinlichkeit für solch eine zufällige Häufung war sehr gering. Oder es waren erheblich mehr Zeitreisende hier als angenommen.

Unbewusst hatte Ruben angefangen zu hyperventilieren.

Sterne blühten vor seinen Augen auf, das verdammte Kohlendioxid entwich aus seinem Körper.

'Konzentriere Dich auf die Übungen!', forderte er sich selbst innerlich auf. Die Ärztin schaute einigermaßen besorgt, wahrscheinlich wirkte er etwas weggetreten. Dann begann seine kontrollierte Atmung zu wirken, der CO2-Gehalt in seinem Blut schien sich zu normalisieren.

Ein Lächeln huschte über Alex Gesicht, als ihm die genauen Worte der Ärztin klar wurden. Irgendwie hatte es ziemlich lange gedauert, bis bei ihm der Groschen gefallen war. Obwohl, wenn er sich so umsah, dann wirkten sie alle nicht gerade unauffällig. Campbells Kleidung ... na ja, irgendwie viel ihm dazu kein passendes Wort ein.

Er selbst war an sich ja normal gekleidet, doch das Gekrabbel durch die Jeffries-Röhren und das Plasmafeuer hatten ihr Übriges getan. Er war total verschwitzt, überall waren Schmutzflecken zu sehen und auf seinem Gesicht hatte sich ein leichter Rußfilm abgelegt. Bei April war es ähnlich. Nur kam dazu noch ein fast anderthalb Meter langes Bat'leth, welches sie hinter ihrem Rücken versteckt hielt.

Er wollte sich nicht vorstellen, was jemand dachte; und vor allem tat, der sie jetzt in diesem Moment sah. Deswegen schritt er auf Ruben zu und sagte in einem beinahe flehenden Ton: "Sollten wir unseren Kostümball hier auf dem Gang nicht langsam beenden und versuchen, uns irgendwo zu verstecken? Ich glaube nämlich nicht, dass wir hier noch lange alleine sind."

"Ja, ich glaube Sie haben Recht. Um Miss Campbells Frage zu klären, sollten wir vielleicht alle zunächst in dieses Quartier gehen", beantwortete Ruben die Frage des Technikers.

Rasch trat er an die Tür heran und betätigte den Summer.

Hoffentlich machte bald einer auf...

Irritiert hatte die Schottin der Antwort des Niederländers zugehört. Irgendetwas war hier faul im Busch, dachte sie mit aufkeimendem Argwohn. Auch die beiden verrußten Menschen aus der Jeffries-Röhre passten nicht in das Bild einer Schiffsbesatzung auf Erholungsurlaub.

Nun ja. Ging sie eben mit in das Quartier, sie würde schon ihre Antworten bekommen.

--- ein Quartier, Wohnraum

Die Terranerin zog scharf die Luft zwischen ihren Zähnen ein. Der Türmelder hallte durch das Quartier und erschien ihr fast lauter, als sie es in Erinnerung hatte.

Schnell stand Cheyenne auf und ging zur anderen Seite des Raumes, von wo aus nicht gleich zu sehen war. Abwartend legte sie ihre rechte Hand auf den Phaser, um ihn sofort griffbereit zu haben - für den Fall des Auftauchens eines ungebetenen Gastes.

S'Tom nickte ihr kurz zu und betätigte dann den manuellen Türöffner.

--- Gang auf Deck 5

Nach ein paar Sekunden Verzögerung öffnete sich die Tür des Quartiers. Ein kurzer Blick über die Schulter des öffnenden Vulkaniers zeigte der Rothaarigen eine seltsame Ansammlung von Starfleet-Offizieren, die sie das letzte Mal in einer ganz anderen Aufmachung gesehen hatte.

Llewella betrat den Raum, schenkte den Anwesenden ein grüßendes Nicken und wandte sich dann an den Holländer:

"Könnten Sie mir bitte erklären, was hier gespielt wird? Was sollen die Uniformen?"

--- ein Quartier, Wohnraum

S'Tom war ziemlich überrascht gewesen, als mit Ruben gleich drei andere Personen in das Quartier gekommen waren. Sie schienen alle nicht in diese Zeitlinie zu gehören, jedenfalls nach ihrem Aussehen und ihrer Aufmachung zu urteilen.

So viele Personen... Das konnte nichts Gutes bedeuten. Die temporale Schockwelle musste größere Ausmaße gehabt haben, als er für den schlimmsten Fall aus den Daten vorhergesagt hatte.

Als alle im Wohnraum waren versperrte der Techniker noch die Tür, um sich dann in die Nähe von Ruben zu begeben, um dessen Unterhaltung mit der menschlichen Frau, die frisch angekommen war, beizuwohnen.

Die Halbbajoranerin hatte noch einen prüfende Blick den Gang entlang geworfen, bevor sie das Quartier betreten hatte. Misstrauisch musterte sie die Anwesenden.

Der Vulkanier wirkte außerordentlich befremdlich und sie hatte zweimal hingucken müssen, um ihn als solchen zu erkennen.

Aprils Blick wanderte weiter zu der Terranerin, die zu ihrer Linken in der Ecke des Raumes stand und ihre Hand bedrohlich auf ihrem Phaser ruhen ließ. Ihr mürrischer Gesichtausdruck vermittelte nicht gerade einen freundlichen Eindruck was die Kriegerin dazu veranlasste, sich eine innerliche Notiz zu machen, dieser Frau auf keinen Fall den Rücken zuzukehren.

Ein paar Augenblicke vergingen, bis Schahrein auch den kleinen Ferengi wahrnahm, der ebenfalls etwas abseits stand. Auch er machte einen ziemlich giftigen Eindruck, was in ihrem Magen ein flaues Gefühl auslöste.

Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Nicht dass sie alle schon in eine Zeitschleife verwickelt waren - jetzt hatte sie auch noch einen Haufen eigenartiger Personen um sich herum, bei denen sie nicht einschätzen konnte, was für ein Gefahrenpotential sie entwickeln konnten. Einzelkämpfer zu sein hatte doch eindeutig seine Vorteile ...

Mit skeptischem Gesichtsausdruck suchte die Halbbajoranerin Alex Blick.

Bis die Tür sich wieder geschlossen hatte, war Ruben still gewesen. Sicher war sicher. Beunruhigt schaute er in die Runde, bemerkte unsicher, wie die beiden Grüppchen sich belauerten.

Zeit etwas zu sagen:

"Ähhh, Miss Campbell, was ich jetzt sagen werde, ist kein Scherz, keine Fehleinschätzung unsererseits, noch haben wir derzeit eine hinreichende Erklärung. Tja, wir befinden uns in der Vergangenheit. Genauer gesagt bei Sternzeit 50984.2. Wir sind an Bord der U.S.S. Hope, der späteren Venture. Und unglücklicherweise wird da draußen gerade ein Gefecht gegen das Dominion ausgetragen..."

Wie zur Bestätigung deutete der Niederländer zu dem Fenster, aus dem man aber derzeit wenig erkennen konnte. Lediglich die Schwärze des Weltalls war zu sehen. Ehrlich gesagt war das Ruben lieber, als Jem'Hadar Angriffsschiffe.

Alex war Rubens Fingerdeutung nicht gefolgt und hatte stattdessen den Blick von April stumm beantwortet, den sie ihm zugeworfen hatte. Sie traute dem ganzen Frieden hier in dem Quartier nicht und das konnte er ihr absolut nicht verübeln. Er selbst fühlte sich ziemlich unwohl dabei, hier zu stehen und von verschiedenen, seltsam verkleideten Gestalten angeschaut zu werden. Ok, vielleicht lag es an seinem etwas verdreckten Overall oder an den großen Schweißflecken. Jedenfalls schaute er wieder April an und nickte in Richtung Badezimmer.

Wieder kommunizierten sie stumm, ohne dass ein Wort fallen musste und gingen dann in die angrenzende Nasszelle.

--- ein Quartier, Badezimmer

"Puh", stöhnte Alex auf, nachdem sich die Tür hinter ihnen geschlossen hatte. "Da drinnen knistert die Spannung ja regelrecht. Ich warte nur darauf, dass gleich irgend wer jemanden an die Gurgel springt."

Ein leicht heiser wirkendes Lachen kam über die Lippen der Kriegerin, während sie sich ein Handtuch schnappte, es kurz unter das laufende Wasser hielt und sich dann damit das Gesicht sauber wusch. Ein paar Strähnen ihrer roten Haare klebten noch an ihren Wangen - jetzt jedoch wurden sie wieder sorgsam in die Frisur eingegliedert.

Kurz blickte sie zu Alex auf, der sie stumm beobachtete, und schüttelte resigniert den Kopf.

"In den letzten Stunden habe ich mich immer wieder gefragt, warum es in meinem Leben keinen Tag gibt, an dem nicht irgendeine Katastrophe passiert ..."

--- ein Quartier, Wohnraum

Etwas unsicher biss sich Cheyenne auf die Lippen. Ihr Blick wanderte kurz zu dem Punkt an den Ruben gezeigt hatte, fixierte dann wieder Campbell und wartete auf deren Reaktion.

Aus dem Augenwinkel hatte sie schon vor ein paar Minuten die rothaarige Frau gesehen, die sie misstrauisch gemustert hatte - mit eigenartigem Gefühl im Magen hatte sie wahrgenommen, wie die Bajoranerin und der Terraner im Bad verschwunden waren. Irgendwie kam ihr das ziemlich ... eigenartig vor.

Kurz seufzte die Pilotin und wandte sich dann an den Niederländer, ohne auf die Antwort der Ärztin zu warten.

"Bei der ganzen Aufregung sollten wir vielleicht erst mal eine kleine Vorstellungsrunde machen ... um Missverständnisse zu vermeiden. Und dann sollten wir so schnell wie möglich herausfinden, wie wir wieder in unsere Zeit kommen - ich will wieder aus dieser Uniform raus!"

"Aye, das kann ich mir vorstellen," grinste die Schottin, obwohl ihr keineswegs fröhlich zu Mute war. Eigentlich breitete sich eher ein ungutes Gefühl in ihrer Magengegend aus.

"Ich bin Dr. Campbell, Ärztin auf der Atlantis - Haben Sie irgendeine Erklärung für dieses Zeitsprung-Phänomen?"

Cheyenne zwang ein Lächeln auf ihre Lippen ... das war ja schon mal ein Anfang.

"Mein Name ist Cheyenne Morgan und das da drüben ist S'Tom. Wir sind erst seit heute auf der Venture und sollen morgen unseren Dienst antreten."

Eine kurze Pause entstand.

"Was aber daraus wird sehen wir noch ... wenn wir jemals in unsere Zeit zurückkommen ..."

Die Pilotin trat ein paar Schritte auf die Ärztin zu.

"Was die technischen Details angeht, sollte sich S'Tom äußern ... ich bin nur Pilotin und habe das Technogebabbel über Temporalparadoxien vorhin auch nicht wirklich verstanden."

Ein verschwörerisches Grinsen legte sich auf das Gesicht der Terranerin.

--- ein Quartier, Badezimmer

"Na du wirst mich doch hoffentlich nicht als Katastrophe bezeichnen", sagte Alex mit einem neckischen Grinsen im Gesicht und zog April das Handtuch weg. "Sonst müsste ich dich nämlich gleich hier auf der Stelle im Waschbecken ertränken."

Lachend warf er ihr das Handtuch ins Gesicht und beugte sich über das Waschbecken, um sich unter dem angenehm kühlen Wasser zu waschen. Mit beiden Händen schöpfte er das Wasser aus dem Becken, ließ es sich durchs Gesicht laufen und genoss das Gefühl der Kälte und Nässe.

Doch er wurde jäh unterbrochen, als April ihm mit dem Handtuch auf den Hintern schlug.

"Hey, Auszeit!", rief Alex lachend. "Beim Waschen darf der Chef nicht gestört werden."

"... der Chef ...?"

Die Kriegerin musste sich stark zurückhalten, um nicht lauthals loszulachen. Alex Gesichtsausdruck war einfach zu reizend. Und dieser Irrtum um den Posten des Bosses musste sofort aus der Welt geschafft werden...

Mit spielerischer, drohender Miene legt April dem Techniker das feuchte Handtuch von hinten um den Hals und zog ihn langsam, aber bestimmend in eine aufrechte Position. Ein paar Augenblicke später befand sich ihr Kopf genau neben dem seinen. Das weiße Trockentuch übte einen nachhaltigen Druck auf Alex Halsschlagader aus und die Zunahme seiner Atmenfrequenz war der deutliche Hinweis darauf, dass April die richte Stelle erwischt hatte.

Sekunden vergingen in denen die Halbbajoranerin den angenehmen Duft ihres Liebhabers fast inhalierte.

"Vergiss es ..." Das verführerische Zischen fand mit einem sanften Hauch ihren Weg in Alex Ohrmuschel.

'Da war es wieder!', schoss es Alex durch den Kopf, während er eigentlich nur halbherzig versuchte, sich aus der Umklammerung von April zu lösen. Stattdessen genoss er viel mehr ihre Nähe, den Geruch, den sie ausstrahlte; selbst jetzt, nachdem sie durch nicht gerade saubere Jeffries-Röhren geklettert waren. Ihre Wange schmiegte sich an die seine und er versuchte, trotz des Handtuchs, welches sich um seinen Hals schlang, seinen Kopf zu drehen, um ihr einen Kuss auf die Wange zu drücken.

"Ich hoffe, das reicht als Auslösepfand", krächzte er theatralisch und zwinkerte ihr zu. "Sonst glaube ich nämlich nicht, dass uns eine lange und glückliche Beziehung bevorsteht. Mit mir als ersticktem Liebhaber."

--- ein Quartier, Wohnraum

Der Vulkanier hatte bei der Ersterwähnung seines Namens gegenüber der Ärztin dieser zugenickt. Das war nun schon das zweite Mal, dass er durch Cheyenne vorgestellt wurde... Er wusste nicht, wie er diese Verhaltensweise interpretieren sollte. War das vielleicht eine Reaktion auf seine allgemeine Verschwiegenheit?

Als dann schließlich die Frage nach den technischen Einzelheiten weitergegeben wurde, meldete sich der ehemalige Borg zu Wort: "Wenn es Ihnen weiterhilft: Über die Ursache kann ich bis jetzt noch keine klare Aussage treffen, außer dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit kein natürliches Phänomen war. Es muss an irgendeinem Punkt der Raumzeit in unserem Universum ein Ereignis stattgefunden haben, das eine große temporale Schockwelle auslöste. Die Wellenfronten erfassten schließlich die Atlantis und die Venture in der Zukunft und beförderten einige Crewmitglieder hierher."

S'Tom beobachtete während seines kurzen Vortrags das Gesicht des Neuankömmlings. Verständnis schien nicht unbedingt der vorherrschende Ausdruck zu sein...

"Temporale Schockwelle?", wunderte sich die Schottin. "Das klingt mir, als wollten Sie mir etwas über das Kleine Volk erzählen..."

Nachdenklich runzelte sie leicht die Stirn.

"Und was machen wir jetzt? Ich würde doch ganz gerne in meine eigene Zeit zurück...."

Bevor noch jemand antworten konnte wollte Llewella noch wissen: "Ist irgendjemand von uns schon bemerkt worden? Ich denke, ich kann für mich sagen, dass mich keiner entdeckt hat, sonst hätte mich jemand auf die Krankenstation verfrachtet - oder in die Arrestzelle, was das angeht..." meinte sie abschließend mit einem nachdenklichen Blick auf ihre schottische Kleidung...

"Wir glauben, bisher unentdeckt geblieben zu sein. Allerdings sind wir bisher auch sehr vorsichtig vorgegangen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit müssen wir diese Strategie aufgeben, wenn wir in unsere ähh Zeit zurück wollen", gab Ruben zurück, während er ebenfalls die komische Kleidung musterte. So etwas hatte er, Llewella selbst ausgeschlossen, bei noch niemandem gesehen.

Und was hatte sie mit "dem kleinen Volk" gemeint?

"Jedenfalls wäre es besser, wenn auch sie in eine Uniform wechseln. Die zusätzliche Bewegungsfreiheit erhöht unseren Aktionsspielraum. Und ich wollte die Nacht nicht hier verbringen - mein Rücken ist sehr empfindlich, was unpassende Schlafplätze angeht!"

Llewella konnte sich gerade noch davon abhalten, genervt die Augen zu verdrehen. Die gesamte Klaviatur von Wagenvoorts "Empfindlichkeiten" hatte sie bereits kennen gelernt.

Ein wenig verärgert blickte sie den Niederländer dann an. Eigentlich hatte sie keine Lust, in so eine Uniform zu schlüpfen und auf ihre bequeme und vor allem praktische Bekleidung zu verzichten. Aber wahrscheinlich hatte der Mann nicht ganz Unrecht.

"Und wie lange wollen Sie das Versteckspiel durchziehen, Wagenvoort?" fragte sie mit einem leicht sarkastischen Unterton. "Bis einer von uns geschnappt wird? Sie mögen sich ja vielleicht noch halbwegs unauffällig verhalten können, aber glauben Sie ernsthaft, dass eine rothaarige, 1,90m lange Frau mit schottischem Akzent, die außer Biochemie und Medizin von nichts etwas versteht, sehr lange unentdeckt bleiben wird?

Meinen Sie nicht, es wäre sinnvoller, uns an den Captain zu wenden?"

"Nun, wir befinden uns in einer Kampfsituation gegen das Dominion. Aufgrund der Tatsache, dass wir Formwandler sein könnten und zu diesem Zeitpunkt noch kein wirksamer Test vorliegt, sowie der äußerst misstrauischen Art des Captains würde ich dringend von dieser Idee abraten. Glauben Sie mir, der Mann würde uns für die nächsten 20 Jahre ins Gefängnis werfen lassen", berichtete der Niederländer von seinen Eindrücken.

Ehrlich gesagt war er immer froh gewesen, wenn er die Präsenz des Kommandierenden meiden konnte. So war Ruben nicht unrecht, dass derzeit - also in ihrer eigentlichen Zeit - Hisaki das Schiff befehligte...

"Wenn wir uns alle umgekleidet haben, können wir einen genauen Plan entwickeln. Bisher gehen wir davon aus, dass sich noch weitere Crewmitglieder aus der Zukunft an Bord befinden. Mit Zugriff auf die internen Sensoren könnten wir diese unter Umständen an diversen Faktoren erkennen"

Die Pilotin hatte mit verschränkten Armen Wagenvoort und Campbell zugehört. Kurz biss sie sich auf die Lippe und meinte dann mit ziemlich ironischer Stimme:

"Na, das wird noch ein Spaß werden ..."

Eine kurze Pause entstand in der die beiden sie stumm anblickten - so als warteten sie noch auf eine weitere Aussage.

Kurz zuckte Cheyenne mit den Schultern

"Wenn ich das richtig sehe sind wir jetzt sieben Personen - wir sollten uns aufteilen. Wenn wir so als kompletter Haufen durchs Schiff spazieren fallen wir, auch mit Uniformen, erst recht auf."


Stardust Atlantis