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Crossover 19 - Die Schlange im Paradies

(Atlantis 24, Venture 48)

--- Atlantis, Quartier 457, Badezimmer, sechs Wochen später

Einen Moment betrachtete der Halbgrieche seinen nackten Körper in dem fast die ganze Wand einnehmenden Spiegel und spannte versuchsweise ein paar Muskelgruppen an.

'Gar nicht schlecht!', befand er grinsend, 'Aber der Quadriceps könnte noch etwas ausgeprägter sein'

Pormas war ganz sicher nicht perfekt. Aber er kam trotz der großen Narbe auf dem rechten Arm ziemlich nah daran.

Er schwelgte noch etwas bei dem Anblick, dann konzentrierte er sich darauf, seine braunen Haare mit einem festigenden Gel zu bändigen.

Als er mit dem Ergebnis zufrieden war, blickte er sich nochmals kurz im Badezimmer um, betrachtete die stilvoll arrangierten Bilder an den Wänden und befand anerkennend: 'Die Kleine hat Geschmack!'

Nebenbei war sie im Bett wie eine Göttin.

'Und auf dem Wohnzimmertisch auch', fügte er in Gedanken grinsend hinzu. Der Tag hatte gut angefangen und nachdem er ein paar Minuten lang die Schalldusche genossen hatte, konnte er sich bald wieder all jenen Gestalten widmen, die dem Gesetz oder Pormas Theocrates in die Quere kamen!

Die Kleine - Pormas war sich nicht sicher, ob er ihren Namen vergessen oder sie sich gar nicht vorgestellt hatte - hatte ihn eben auf eine "erotische Entdeckungsreise" auf dem Holodeck eingeladen.

Hörte sich verführerisch an, aber zunächst würde er für Ordnung sorgen! Heute Abend war immer noch genug Zeit.

Lächelnd schritt der Sicherheitler wieder ins Schlafzimmer.

--- Quartier 457, Schlafzimmer

Das Mädchen räkelte sich gerade lasziv auf dem zerwühlten Doppelbett, ihre makellose Haut schimmerte zart und Pormas erhaschte einen Blick auf ihre rosigen Schamlippen.

Eine Sünde, sie hier so zurücklassen zu müssen.

Aber er würde zurückkehren.

Im gleichen Moment öffnete sie ihre Augen und fixierte ihn mit loderndem Verlangen in den Augen und einem verstehenden Lächeln auf den Lippen.

Er spürte ihren Blick über seinen Körper gleiten, während er seine Sachen von dem Boden aufsuchte, schließlich in den hautengen Stoff seiner Kleidung schlüpfte und sich dann dem Bett näherte.

"Wann sehen wir uns heute Abend?", fragte er, um sie einen Moment später mühelos wie eine Feder aus dem Bett zu heben. Ihr zarter Körper lag auf seinen Armen und er betrachtete einen Moment, wie ihre Brüste sich beim Atmen auf und ab bewegten.

"Um 17 Uhr ist meine Schicht im Maschinenraum zu Ende", meinte sie, "Treffen wir uns direkt auf dem Holodeck?"

Der Halbgrieche bestätigte die Frage und nachdem letzte innige Küsse getauscht waren, verließ er seufzend das Quartier. Aber wenn es nach ihm ging, würde er es noch oft genug betreten.

--- Quartier 29, Wohnraum, acht Stunden später

Soeben hatte Pormas seine Schicht beendet und das Kommando an Natty Connor übergeben. Das Schiff würde wieder etwas ohne ihn auskommen müssen.

'Noch eine Stunde', dachte er mit Vorfreude an seine Verabredung.

Aber bevor er sich wieder in ihre Fänge begab, würde er noch etwas seine Waffen putzen.

Die eine Wand seines Quartiers wirkte eher wie ein gut sortiertes Waffendepot: Vom Miniatur-Phaser über speziell modifizierte Plasmagranaten bis zu einem autonomen Mehrfachraketenwerfer war fast jedes effektive Waffensystem vorhanden.

Pormas überlegte einen Augenblick, dann entschied er sich für einen klingonischen Ionenwerfer und nahm diesen fast so zärtlich von der Wand, wie er am Morgen die Kleine berührt hatte.

Die circa achtzig Zentimeter lange Waffe bestand aus einer speziellen Legierung, welche extrem widerstandsfähig gegen Dämpfe aller Art war, jedoch auch viel Pflege brauchte.

Dafür hatte das Baby ihm aber auch schon oft genug das Leben gerettet.

Er pfiff einen traurigen spanischen Marsch, während er den Werfer routiniert in seine Baugruppen zerlegte und dann mit Spezialwerkzeug zu reinigen begann.

Aber irgendetwas stimmte nicht.

Die Luft...

Der Halbgrieche konnte es nicht genau identifizieren, aber er spürte ein leichtes Kratzen in seinem Hals, das von Sekunde zu Sekunde schlimmer wurde. Seine Lunge fühlte sich an wie verklebt, und mittlerweile musste er seinem Körper geradezu befehlen, nicht bewusstlos zu werden.

Mühsam stand er auf, versuchte den aufkommenden Schwindel zu ignorieren und seine Situation zu analysieren: Er war gefangen in einem Meer von leuchtenden Farben, die Zeit schien sich wie Marmelade zu ziehen und dennoch fühlte er sich trotz der fürchterlichen Atemnot so gut wie selten zuvor.

Er musste das Opfer eines halluzinogenem Nervenkampfstoffes sein. Er erinnerte sich schwach, selbst schon auf solche Waffen zurückgegriffen zu haben. Irgendwann. Vor langer Zeit. An einem fernen Ort.

Langsam schüttelte er seinen Kopf.

Wer immer es wagte, einen solch feigen Anschlag auf Pormas Theocrates zu begehen, würde dies tausendfach vergolten bekommen! Er hatte sich viele Feinde in seinem Leben gemacht, vielleicht sogar mehr als nötig gewesen waren.

Und er war gewappnet: Sein Blut enthielt ein Breitbandmittel gegen fast jede gefährliche atomare, biologische oder chemische Substanz, welches ihm wenigstens ein paar Minuten mehr Zeit verschaffen sollte. Ohne diesen Schutz wäre er mit Sicherheit schon tot gewesen.

Mittlerweile hatte er seinen Blaster gezogen, aber er hatte Mühe, etwas scharf erkennen zu können. Die Welt verschwamm vor seinen Augen, nur schemenhaft nahm er eine Gestalt wahr, die sich ihm langsam näherte.

Eine verzerrte Stimme schien von überall und nirgendwo zu kommen, vielleicht existierte sie auch nur in seinem Kopf: "Der Tag der Abrechnung ist gekommen!"

Ein spöttisches Lächeln legte sich auf die Lippen des Halbgriechen, der oder die Fremde würde schon sehen, wer mit wem abrechnen würde. Er versuchte sich zu konzentrieren und den Lauf gerade zu halten, aber der fremde Schatten schien wie von Zauberhand im Raum verschoben zu werden.

Pormas gab eine komplette Salve ab, die die halbe Einrichtung zerfetzte, aber das schemenhafte Phantom kam unerbittlich weiter auf ihn zu, bis es dem Halbgriechen die Waffe entreißen und auf den Boden fallen lassen konnte.

Ein warmes Gefühl breitete sich an seinem Hals aus, er hatte wohl begonnen aus Ohren und Nase zu bluten. Er hörte das weit entfernt scheinende Piepsen eines medizinischen Tricorders, dann flüsterte ihm eine Stimme genüsslich Worte voller Hass und Genugtuung ein.

In diesem Moment begriff Pormas, wer sein Feind war.

Jemand aus seiner dunklen Vergangenheit. Jemand, der ein ebenbürtiger Gegner gewesen war, von dem niemand mehr als nur ein Pseudonym kannte. Jemand, der sich an dem Anblick eines Sterbenden erfreuen würde.

Gefangen in seinem eigenen Körper versuchte Pormas seine Faust zu ballen, aber die Muskeln verweigerten ihm den Gehorsam. Wie eine wehrlose Puppe sank er auf den Boden.

Schritte entfernten sich und Theocrates meinte ein von einer Schutzmaske verzerrtes Lachen zu hören.

Pormas wusste: Er lag im Sterben.

Mit seiner gesamten verbliebenen Willenskraft schaffte er es seinen Arm doch noch zu bewegen: Wie mit tausend Tonnen beschwert begann er, Buchstabe um Buchstabe mit seinem eigenen Blut auf den hochflorigen Teppich zu schreiben.

Er schaffte fast neun Worte, dann erschlaffte sein Leib in einem letzten Zittern und begrub den Blaster unter sich.

--- Büro des Captains

Ein sphärisches Leuchten füllte Julian O'Connors Büro aus, strich wie mit bunten Fingern an den Wänden entlang und spiegelte sich schwach in der dampfenden Teetasse auf seinem Schreibtisch. Die sonstige Raumbeleuchtung war gänzlich abgeschaltet; einzig das andauernde Leuchten und Pulsieren des Nebels, in den sich die Atlantis zurückgezogen hatte, um sich mit der Venture vor ein paar Stunden zu treffen, erhellte den Raum und ließ ihn beinahe überirdisch, dem Menschlichen gänzlich entrückt erscheinen.

Leise Klaviermusik schwebte durch die Luft. Sie schien wie aus einer anderen Welt; verzaubert, überirdisch. Wie ein Lebewesen aus Licht und Klängen, von geistiger Schönheit beseelt, unsterblich, göttlich; dazu auserkoren, Frieden und Harmonie über dieses chaotische Universum zu bringen, in welchem sich die Menschheit, zumindest nach kosmischen Gesichtspunkten, erst seit einem Wimpernschlag befand.

Wahrscheinlich hätte Julian noch viele Stunden länger einfach nur dagesessen; gefangen in seinen Erinnerungen, gefesselt von der Musik und überwältigt von der Unbeschreibbarkeit des Lichts, jedoch wurde er jäh aus seinem tranceähnlichen Zustand gerissen, als das Terminal auf seinem Schreibtisch ein für diesen Moment viel zu menschliches Piepen von sich gab und das helle Leuchten des Bildschirms alles Überirdische wie mit einem Windstoß aus dem Raum fegte. Wie bei einem umgelegten Schalter war innerhalb eines Augenblickes die ganze Traumwelt verschwunden, zerplatzt wie eine Seifenblase und entrückt, als hätte sie nie existiert. Einzig die harte Realität blieb zurück, überschüttete ihn beinahe wie eine Flutwelle und ließ ihn überrascht nach Luft schnappen.

"Computer, Licht!", befahl er atemlos, während er bei dem Versuch, die auf dem Schreibtisch hochgelegten Beine herunterzuholen beinahe die Teetasse umwarf. Die Beleuchtung flammte auf und ließ Julian vor Helligkeit die Augen zukneifen. Sollte sich bis zu diesem Zeitpunkt noch irgendetwas Überirdisches in einer der Ecken des Büros versteckt haben; nun war es gänzlich verschwunden.

Er genehmigte sich einen großen Schluck von seinem Tee während er die eingegangene Nachricht öffnete und deren Inhalt überflog. Es dauerte eine Weile und ein weiteres Durchlesen, bis Julian die Meldung auch verstanden hatte, dann jedoch traf ihn die Erkenntnis wie ein Schlag und er öffnete mit heiserer Stimme einen Kanal zu Pormas.

"O'Connor an Theocrates."

Ungeduldig tippte er mit den Fingern auf der Tischplatte herum, während er auf eine Antwort wartete.

"Mister Theocrates, melden Sie sich, verdammt noch mal."

Weiteres Warten auf Antwort. Langsam bildeten sich Schweißperlen auf Julians Stirn und das Pochen seines Herzens dröhnte immer lauter in seinen Ohren.

'Was ist da zum Geier bloß los?', dachte er nach weiteren Sekunden des Bangens, bis er es nicht mehr aushielt.

"O'Connor an Sicherheit. Ich habe gerade von den internen Sensoren eine Warnung über Phaser-Feuer in Pormas Theocrates Quartier bekommen, jedoch meldet er sich nicht auf meine Rufe. Bitte schicken Sie sofort ein Sicherheitsteam los zur Überprüfung. Und zwar schleunigst. Ach ja - und informieren Sie die Krankenstation. Wir treffen uns dann beim Quartier. Captain Ende."

Schnell sprang er von seinem Schreibtischstuhl auf, kaum da er den Kanal geschlossen hatte, griff nach dem Phaser in der Schublade seines Schreibtisches, überprüfte ihn und verließ dann im Laufschritt sein Büro.

Dass die Teetasse, die bei dem überstürzten Aufbruch umgefallen war, ihren Inhalt langsam aber stetig auf dem Teppich verteilte, das bekam er schon gar nicht mehr mit...

--- Maschinenraum

Die alarmierende Stimme des Captains riss die Halbbajoranerin aus ihren Gedanken und beförderte automatisch das so bekannte Adrenalin in ihre Adern. Ihre Schicht hatte gerade erst begonnen und sie hatte ihren Rundgang durchs Schiff noch nicht einmal zu Hälfte beenden können.

Mit einem kurzen Tippen auf ihren Kommunikator bestätigte April den Alarm und ging schnellen Schritts zurück zum Turbolift. Auch wenn sie noch nicht sehr lange auf der Atlantis war, nahm sie ihren Job mittlerweile sehr ernst - er bot neben einem Bett für die Nacht auch durchaus noch ein paar andere Annehmlichkeiten - von der Tatsache, dass es ein Unterschlupf vor den Klingonen war einmal ganz abgesehen.

--- Turbolift

Der Weg, den der Lift nach Deck 4 zurück legen musste, erschien der Kriegerin fast unerträglich lange. Nicht, das sie im Laufe der Jahre nicht gelernt hätte, ihre Nervosität vor einem Einsatz zu kontrollieren, aber sollte es wirklich einen Notfall geben, konnte jede Sekunde, die sie später kam, entscheidend sein.

Mit einer kurzen Handbewegung überprüfte sie, ob ihr Phaser noch an ihrem Gürtel klemmte und ging dann im Geiste noch mal ihre Bewaffnung durch. Sie würde vorbereitet sein.

--- Brücke

Sternenlicht sah irritiert auf die internen Sensoren, als der Sicherheitsalarm eine Prioritätsmeldung auf sein Terminal schaltete. Eben noch hatte er in aller Gemütsruhe diverse Anomalien innerhalb des hiesigen Nebels analysiert. Er war zur Wissenschaftlichen Station auf der Brücke gegangen, um einen besseren Überblick zu erhalten. Die Daten über die Wasserstoffanomalien waren aber seit Sekunden völlig vergessen.

Die Sensordaten über das Phaserfeuer hatte er zeitgleich mit dem Captain erhalten, was ihn aber wesentlich mehr beunruhigte, waren die Daten der Umweltsensoren.

Noch während O'Connor wehenden Schrittes im Turbolift verschwand, ergriff Sternenlicht die ersten weiteren Maßnahmen. Zeit war jetzt wichtig, den Kommandierenden der Schicht überging er deshalb. Er tippte auf eine Taste:

"Sternenlicht an Sicherheit: Theocrates‘ Quartier darf bis auf Weiteres nicht betreten werden, die Sensoren erfassen eine Art Nervengift in der Atmosphäre der Kabine. Ich arbeite daran!"

Noch während er sprach, hatte er das Quartier von der Außenwelt abgeschottet. Zunächst aber war etwas anderes wesentlich wichtiger, erneut aktivierte er den Kommunikator und übernahm kurzerhand die Kontrolle über Transporterraum 1:

"Sternenlicht an Llewella: Pormas wurde vermutlich angegriffen und schwerst verletzt, ich beame ihn in die Quarantäne-Station. Ich vermute ein Nervengift und Phaserwunden. Transport in wenigen Sekunden, über das Gift habe ich noch keine näheren Daten."

Mit diesen Worten trat der Transporter in Aktion. Sternenlichts Schnurrhaare zitterten erregt, während er weiter auf die Sensordaten starrte. Der Kommandierende nickte ihm zufrieden zu: "Sternenlicht, schauen Sie, dass Sie runter in die Krankenstation kommen, wir werden das Gas aus der Kabine absaugen und in die Labore bringen."

Sternenlicht neigte die Schnurrhaare nach vorn: "Aye" und eilte zum Turbolift in Richtung Krankenstation.

--- Venture, Deck 6, Gänge

"Achtung! Pass an der Ecke auf!"

David fragte sich, wie Lester Ingenieur werden konnte bei dem leider wohl nur latent vorhandenen Geschick. Da er nun schon einige Zeit auf der Venture arbeitete und ein festes Einkommen hatte, zog er in ein größeres Zwei-Zimmer Quartier und Lester half ihm beim Schleppen der schweren Teile. David setzte die Glasvitrine... das was von der Glasvitrine noch übrig war ab.

'Ich hätte den Transporter benutzen sollen!', dachte er sich.

"Lass gut sein, Lester. Den Rest schaffe ich allein. Du könntest eben noch unseren Dreck wegmachen. Danke für die Hilfe." "Dann bis heut Abend. Holodeck 1, 21 Uhr?!" David nickte ihm zu. Sie würden mit Sicherheit wieder dieses idiotische Football spielen, wobei David froh um ein wenig Sport war. Bei der Arbeit auf der Krankenstation brauchte er dringend einen Ausgleich.

Er nahm die Vitrine unter den Arm und die letzten paar Meter bis zu seinem Quartier in Angriff.

--- Deck 6, Quartier 632

Glücklicherweise hatte er über zwei Wochen Zeit für den Umzug und somit wurde er beim Betreten seiner neuen Räumlichkeiten nicht gänzlich von Unordnung erschlagen. Viele Kisten hatte er nicht und die meisten waren schon ausgepackt und somit stand nur noch wenig herum. Er hatte sich schon einiges bei der Besatzung der Venture zusammengeschnorrt, doch sah sein Quartier noch immer ziemlich kahl aus. Er musste sich dringend eine gute Einrichtung leisten. David blickte aus dem Fenster und sah die Untertassensektion der Atlantis. Er wurde immer wieder von Raumschiffen in Nebeln fasziniert.

Als David sich umsah, fiel ihm auf, dass er sich zunächst um eine gemütliche Sitzecke kümmern sollte. Er würde da noch mal rumfragen müssen. Im Augenblick befand sich in einer Ecke des Raumes ein kleiner Ecktisch mit zwei Stühlen, einige Regale und Schränke und im zweiten Raum ein großes Bett.

Aber er machte sich erst einmal auf den Weg in die Kantine. Er hatte einen Bärenhunger.

--- Carters Quartier

Sechs Wochen war er nun schon hier an Bord. Chris hatte sich einigermaßen eingelebt und die ganze Zeit darauf geachtet, Trustman und Wagenvoort so weit es möglich war aus dem Weg zu gehen.

Er hatte seine Aufgaben erfüllt und sich bemüht, mit niemandem Streit zu beginnen oder sonst wie aufzufallen, auf der Atlantis war Carter nicht mehr gewesen. Unauffälligkeit war ja nicht gerade seine Stärke, doch bisher war es ihm ganz gut gelungen.

Bis auf eine kleine Auseinandersetzung mit einem anderen Sicherheitler, doch darüber hatte Trustman hinweggesehen und nichts dazu gesagt.

Dass dort drüben gerade die Hölle los war, hatten sie hier noch nicht mit bekommen. Sein Quartier war erstaunlicherweise aufgeräumt und in einem guten Zustand gewesen, das hatte Chris wirklich gewundert. So etwas hätte er auf diesem Schiff nie für möglich gehalten und einbrechen hatte er auch nicht müssen.

Das Quartier bestand aus zwei kleineren Räumen, die allerdings nur mit dem Nötigsten eingerichtet waren. Chris hatte sich bisher nicht die Mühe gemacht, die bereits vorhandene Einrichtung durch  all zu viele persönliche Gegenstände zu ergänzen, er besaß ja auch nicht gerade viel.

Außerdem legte der Sicherheitler auch keinen besonderen Wert auf solche Dinge. Ihm war es viel wichtiger, seine Habe möglichst schnell zusammen packen zu können wenn er das Schiff verließ. Da es Mittagszeit war, entschied sich Carter, etwas essen zu gehen.

Er machte sich also auf den Weg zur Kantine.

--- Atlantis, Krankenstation

"Shìorraidh na sìthe!"

Mit der gälischen Version von "Um Himmels Willen" auf den Lippen brach Hektik in Llewella aus. Dennoch saß jeder Handgriff, den die Schottin vornahm.

Noch während sie den speziellen Overall, der bei Quarantäne-Situationen vorgeschrieben und natürlich auch sinnvoll war, aus dem Schrank nahm, hatte die rothaarige Frau schon die ersten Kommandos gegeben:

"Computer, Kraftfeldschleuse aufbauen und Biobetten im Quarantänesektor aktivieren!"

"Mrs. Raili, wir brauchen einige Beutel der Blutkonserven, die wir von Mr. Theocrates angelegt haben - schnell!"

Glücklicherweise hatte sie tatsächlich zahlreiche Blutkonserven von Pormas. Nachdem er aufgrund seiner Neigung, immer an vorderster Front zu kämpfen, häufiger Gast in der Krankenstation war,  hatte Llewella ihn überzeugen können, dass es sinnvoll war, diese Konserven in der Krankenstation zu lagern.

Gut möglich, dass sie ihm jetzt das Leben retten konnten. Wenn er noch lebte und sie brauchte.

In dem Moment, als Llewella ihren Schutzanzug schloss, erschien Pormas Körper auf einem der drei Biobetten in der Quarantänesektion. Sofort begannen die Sensoren des Biobetts zu arbeiten.

--- Krankenstation, Quarantänesektion

Die Schottin durchquerte eilig das Kraftfeld, das die Quarantänesektion von der restlichen Krankenstation abgrenzte und war mit wenigen Schritten bei ihrem Patienten. Mit sicheren Griffen schaltete sie die noch fehlenden Funktionen des Bettes an, so dass Herz-Kreislauf-Funktion sowie Atmung des Halbgriechen aufrecht erhalten wurden.

Llewella ergriff ihren Tricorder und scannte den reglosen Körper. Pormas war leichenblass unter der sonnengebräunten Haut, ein Blutfaden rann   aus seiner Nase.

Eliza Raili erschien neben Llewella, ebenfalls in einem Schutzanzug. Die Schottin blickte auf den Tricorder. "Aye, wir brauchen die Blutkonserven. Er hat innere Blutungen..."

--- Krankenstation, später

Als die Schottin in die Schleuse trat und wartete, bis der Computer die Dekontamination des Schutzanzuges abgeschlossen hatte, fiel ihr Blick auf Sternenlicht, der inzwischen die Krankenstation erreicht hatte. Er wirkte angespannt, seine Schnurrhaare zitterten und sein Fell machte den Eindruck, leicht gesträubt zu sein.

Wenn Llewella ein Fell gehabt hätte, wäre es wohl mehr als nur leicht gesträubt gewesen. Als der Computer die Schleuse freigab, öffnete die Schottin ihren Schutzanzug und blickte den Sivaoaner müde an.

"Das sieht nicht gut aus, Sternenlicht.... Momentan ist er einigermaßen stabil - es fragt sich nur, wie lange. Was zum Teufel war los?"

"Wenn ich das wüsste", antwortete Sternenlicht. "Die internen Sensoren haben eine mineralische Verunreinigung der Luft in Pormas' Quartier festgestellt. Die Blitz-Analyse des Computers ergab eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Nervenkampfstoff· Dazu kam Phaserfeuer, wenige Sekunden später brachen Pormas Lebenszeichen ein. Ich warte gerade auf Nachricht von der Umweltkontrolle, die Luft im Raum wird gerade in die Labore gebracht. Hast Du schon eine erste Diagnose?"

Llewella schüttelte den Kopf als sie dem Sivaoaner antwortete: "Nay, nicht wirklich. Er hat innere Blutungen, die vermutlich von einem mir unbekannten Toxin verursacht werden. Ich warte auf eine erste Blutanalyse, vielleicht wissen wir dann mehr."

Sternenlicht wollte gerade antworten, als der Interkom mit einem Piepen zum Leben erwachte: "Umweltkontrolle an Sternenlicht: Die Luft aus Pormas' Quartier ist in Stasiskammer 1 transferiert worden."

"Danke. Sternenlicht an Labor 1: Analyse der Luft unter Einhaltung der höchsten Quarantänestufe beginnen. Es befindet sich ein tödlicher Stoff in der Luft, übertragt alle Untersuchungsergebnisse sofort in die Krankenstation. Bei Fragen bin ich hier zu erreichen." Aus den Lautsprechern echote ein kurzes, bestätigendes "Ja", dann war wieder Stille.

"Jetzt heißt es wohl warten" - "Aye", meinte die Schottin, sichtlich unzufrieden mit der Situation.

--- vor Quartier 457

April hatte während der letzten Schritte zu Pormas Quartier ihren Phaser gezogen und lehnte nun schussbereit an der Wand neben der Zimmertür.

"April an Umweltkontrolle - ich bin jetzt vor dem Quartier. Was ist mit dem Nervengift?"

Gespannt wartete sie auf eine Reaktion.

Mit angestrengtem Atem kam Julian aus dem Lift gestürmt; den Phaser schussbereit in der Hand, um jedweden Feind direkt zu erwischen, der sich ihm eventuell schon im Flur in den Weg stellen sollte. Jedoch musste er feststellen, dass einzig und alleine April im Gang zu sehen war, angelehnt an die Quartierswand, ebenfalls bewaffnet mit ihrem Phaser.

"Wo ist denn der Rest des Sicherheitsteams?", fragte er die junge Sicherheitlerin ärgerlich und bezog auf der anderen Seite der Zimmertür Stellung. "Die sollten doch eigentlich schneller hier sein als der Captain aus seinem Büro."

Er warf einen Blick auf den Zeitmesser und fluchte: "Verdammt, das Notfallteam ist auch noch nicht hier ..."

Im Geiste machte er sich eine Notiz, direkt die beiden Abteilungen zu einem Extra-Notfall-Training zu verdonnern, sobald das hier vorbei war.

--- Venture, Bar

David verschlang gerade den letzten Rest des Wargheintopfes. Eigentlich war Wargh ekelhaft wenn es nicht mehr lebte allerdings war die Auswahl an Speisen sehr begrenzt gewesen und er war froh über etwas Warmes.

Seine Armbanduhr verriet ihm, dass er noch knapp eine Stunde Zeit hatte. Er seufzte und stand auf. Davids Meinung über die Atlantis war nicht gerade positiv, doch wollte er sich unbedingt noch einmal bei Dr. Campbell für ihre Unterstützung bedanken und vielleicht auch ein kleines Pläuschen mit Sternenlicht führen. Vielleicht brauchte er sein Shuttle ja nun nicht mehr...

--- Atlantis, Luftschleuse, Gänge

Als sich die Luftschleuse mit einem leichten Zischen öffnete bekam David eine leichte Gänsehaut. Er war fasziniert von dem Gedanken jetzt mit nur einem Schritt ein anderes, völlig autonomes Schiff zu betreten.

Auf den Gängen hoffte David inständig, April über den Weg zu laufen. Inzwischen konnte er über ihr Verhalten grinsen.

David Jeffrey erreichte die Krankenstation und betrat sie.

--- Krankenstation

Er schaute ziemlich verwirrt als er die Ärztin in ihrem Anzug sah.

"Hallo!" rief er trotzdem gut gelaunt.

--- vor Quartier 457

Nur Sekunden, nachdem O'Connor den Turbolift verlassen hatte, öffneten sich dessen Türen wieder. Heraus stürmten, ähnlich außer Atem wie der Captain, Annika Jacobsen und noch vier weitere Mitglieder des Sicherheitsteams, drei Männer und eine Frau.

Annikas Schicht hatte gerade erst begonnen, als der Notruf durchs Schiff schallte - bzw. sollte in zehn Minuten beginnen, so dass sie noch nicht ganz fertig gewesen war.

Sonst wäre sie sicherlich schon früher am "Tatort" eingetroffen.

Keuchend wandte sie sich an O'Connor:

"Weiß man schon etwas Genaueres über die Natur des Giftstoffes? Können wir da schon rein oder sollten wir eine Kraftfeldschleuse aktivieren und uns unsere Sicherheitsanzüge holen?"

Irgendwie war es wirklich problematisch, wenn ausgerechnet der Sicherheitschef angegriffen wurde...

"Ich warte gerade auf eine Rückmeldung der Umweltkontrolle.", antwortete April ihrer Kollegin.

Ihr Blick wanderte dann von Jacobsen zu O'Connor, dem sichtlich die Unruhe anzumerken war. Was würde Sie wohl hinter dieser Tür erwarten?

Das knackende Geräusch der Komm-Verbindung schnitt durch die kurze Stille und eine männliche Stimme war nun zu hören. April überlegte für einen Moment, wer sich hinter der Person wohl verbergen mochte - die Stimme hatte sie schon einmal gehört, konnte nur leider kein Gesicht mehr dazu ordnen.

"Wir haben das Nervengift durch das separate Lüftungssystem abgeleitet - die internen Sensoren zeigen an, dass keine Gefahr mehr bestehen sollte..."

Die Verbindung brach abrupt ab und April hoffte innerlich, dass das "sollte" auch Wirklichkeit war.

Kurz nickte sie O'Connor und Jacobsen zu: "Wir können rein."

Julian vergewisserte sich mit einem Blick zu den beiden Frauen, dass sie bereit waren und betätigte dann den Türöffner. Kaum dass sich die Tür richtig geöffnet hatte, waren April und Jacobsen auch schon in dem Quartier verschwunden, während O'Connor sich beeilte, ihnen nachzufolgen.

--- Quartier 457

Sprachlos blieb Julian knapp hinter der Türschwelle stehen, während die beiden Sicherheitlerinnen schnell das Quartier nach etwaigen Feinden oder sonstigen unbemerkten Gästen durchsuchten.

Es herrschte ein ziemliches Chaos. Die Beleuchtung funktionierte nur teilweise, aus mehreren Löchern in den Wänden und Einrichtungsgegenständen rauchte es noch schwach und über allem lag der penetrante Geruch von Feuer und Blut. Anscheinend hatte Pormas beim Kampf ganz schön gewütet mit seinen Blastern.

Langsam machte er ein paar Schritte in das Quartier hinein, während April und Jacobsen sich wieder zu ihm gesellten. Vorsichtig näherten sie sich gemeinsam einem großen Blutfleck mitten im Raum, der in der flackernden Beleuchtung fast lebendig aussah. Als sie jedoch näher kamen und die Einzelheiten erkannten, da stockte Julian der Atem.

"Was zur Hölle ...", entfuhr es ihm, während er auf die blutigen Buchstaben im Teppich zeigte. Gleichzeitig schoss ihm ein entsetzter Gedanke durch den Kopf. "Wo zum Geier ist denn Pormas ..."

"Der wurde schon auf die Krankenstation gebeamt", beantwortete Narbo die Frage und nahm grinsend zur Kenntnis, wie die beiden Sicherheitlerinnen sich überrascht zu ihm umdrehten.

Er hatte immer noch nichts von seiner Fähigkeit, sich unbemerkt und leise zu bewegen eingebüßt. Auch wenn er derzeit selten Gelegenheit hatte, seine Talente im vollen Umfang abzurufen.

"Man munkelt so einiges...", fügte er dann auf die ungestellte Frage hinzu, wieso er besser informiert war als der Captain des Schiffes.

"Höre alles, glaube nichts!" lautete eine Erwerbsregel und angesichts des menschlichen Drangs einiger seiner Kunden, mehr Geld auszugeben als sie besaßen, hatte der Ferengi ein Netzwerk von Informanten, welches ihn auf dem Laufenden hielt.

Und er hatte es sich nicht nehmen lassen, direkt am Tatort vorbeizusehen. Das Leid anderer zu beobachten, war doch immer wieder eine Freude.

--- Venture, Bar

Dort angekommen, besorgte Chris sich erst ein Mal etwas zu Essen. Noch immer hatte Carter überhaupt keine Ahnung, was auf der Atlantis vorgefallen war und so gab es für ihn auch keinen Grund zur Eile.

In aller Ruhe suchte er sich einen ruhigen Platz und begann zu Essen. Was sollte er nach dem Essen unternehmen? Gute Frage. Schließlich war seine Schicht beendet und in den vergangenen Wochen hatte er mit niemandem engeren Kontakt bekommen.

'Ich könnte mich mal auf der Atlantis umsehen. Mal sehen, was dort so los ist', überlegte Carter, während sich der Teller vor ihm langsam leerte.

--- Krankenstation

"Es tut mir wirklich sehr leid, dass ich dich alleine mit der Krankenstation zurücklassen musste", sagte Cailin und plusterte entschuldigend ihren Federkamm auf. "Ich war lange genug die einzige Ärztin auf dem Schiff und weiß, wie schwierig es ist, der Aufgabe alleine nachzukommen. Aber die Rituale meines Volkes gehen vor. Es war notwendig, dass ich mich dreißig Tage lang völlig ungestört in mein Quartier zurückziehe."

Als Antwort lächelte Jordan Kincaid ihr schmales Lächeln, während sie daran dachte, dass der dicke Kokon, in den ihre Chefin sich im letzten Monat eingewickelt hatte, es auch nicht gerade möglich gemacht hatte, sie zu stören. Sie lehnte an einem Biobett - ausnahmsweise unbesetzt -, spielte geistesabwesend mit einem Tricorder und sah zu, während die Purna rastlos durch die Krankenstation strich, hier etwas zurechtrückte und da über ein Gerät strich, als begrüße sie einen alten Freund.

"Ich bin durchaus fähig, mich alleine um eine Krankenstation zu kümmern", erinnerte sie Cailin sacht. "Außerdem hast du deine Assistenten gut ausgebildet. Sogar Jones." Ihr Lächeln verflog, als sie sich an den unzuverlässigen Pfleger erinnerte, der ihnen am Anfang nur Schwierigkeiten gemacht hatte. "Und David Jeffrey macht sich sehr gut."

Die Purna sah sie mit ihren runden Vogelaugen an. "Richtig", erwiderte sie nach einem Moment. "Du warst bei der Sternenflotte ein Commander und hattest deine eigene Krankenstation." Okay... Jordan konnte nicht sagen, dass es ihr gefiel, dass ihr alter hoher Rang ihr offenbar nicht mehr ins Gesicht geschrieben war. Natürlich war es ihr eigener Fehler gewesen, dass sie ihn verloren hatte - auch wenn sie bis heute nicht ganz verstand, wie es hatte passieren können, was sie falsch gemacht hatte.

Unbehaglich sah sie auf den Tricorder in ihrer Hand ab, wurde sich bewusst, dass sie ihn hielt, und befestigte ihn wieder neben dem Phaser an ihrem Gürtel. Sie hatte angefangen, immer einen bei sich zu tragen, nach dem sie und Wagenvoort auf einer Außenmission von Romulanern entführt und auf brutale Weise verhört worden waren. Auch etwas, an das sie nicht besonders gerne dachte.

Jedenfalls, dachte sie trocken, hatte es sich auf der Venture schon wiederholt ausgezahlt, den Phaser bei sich zu tragen.

"Also", sagte sie, um das Thema zu wechseln, und räusperte sich. "Jetzt, wo du wieder da bist, hatte ich gehofft, dass du Zeit hast, dich mit Jeffrey zusammenzusetzen. Ich habe nicht oft mit ihm gesprochen -" Sie hatte dreißig Tage lang entweder gearbeitet oder geschlafen. "- aber von dem, was die Pfleger sagen, ist er auf der Krankenstation ziemlich verschwendet. Ich war skeptisch, ja, aber ich denke, mittlerweile hat er sich zur Genüge bewiesen." Als Jeffrey auf ihrem Schiff auftauchte, war innerhalb kurzer Zeit etwas von einem Vorfall in der Bar dieses Ferengi gemunkelt worden, das die Kompetenz Jeffreys als Counselor in Frage stellte.

"Ich sagte von Anfang an, dass du nichts auf ein Gerücht geben sollst, das von der Atlantis stammt", erwiderte Cailin mit einem scharfen Zischlaut. "Wahrscheinlich kam es direkt von dieser Jefferson."

Jordan zuckte mit den Schultern. Sie war nach Jeffersons Flucht auf der Venture eingetroffen und teilte die Abneigung der Leute gegen die Frau nicht - auch wenn sie wusste, wann man vorsichtig sein sollte. In Ysara Jeffersons Augen schimmerte immer etwas leicht Psychopathisches, Jordans Meinung nach. Aber dann wiederum traf das wohl auf die gesamte Atlantis-Crew zu. "Wie gesagt", wiederholte sie. "Er scheint kompetent zu sein."

Cailin stellte die Federn auf und ließ sie sanft wieder fallen - eine Geste, die Jordan mittlerweile als Zustimmung kennengelernt hatte. "Sprich du mit ihm. Ich muss mich zunächst wieder einarbeiten."

Jordan seufzte. "Ich wusste, dass du das sagen würdest."

Unbegeistert dachte sie an ihre letzten paar Versuche, mit anderen Menschen zu reden, ohne dass es direkt um Arbeit ging. Sie war darin immer noch so schlecht wie am ersten Tag.

--- Gänge vor der Krankenstation

Einen Augenblick lang blieb Jordan unschlüssig vor der Krankenstation stehen, die sie gerade verlassen hatte.

Freizeit.

Was tat man in seiner Freizeit? Sie konnte sich nicht erinnern.

"Computer", sagte sie unentschlossen. "Wo befindet sich Crewman David Jeffrey?"

Der Computer düddelte. "David Jeffrey befindet sich nicht auf dem Schiff."

Jordan verdrehte die Augen. Es sah ganz danach aus, als müsste sie sich eine richtige Freizeitbeschäftigung suchen. Kurzerhand setzte sie sich in Richtung Bar in Bewegung.

--- Bar „zum Tanzenden Liebesdiener“

"Mr. Carter", grüßte Jordan mit einem Nicken, als sie den Tisch des Mannes passierte. Wie jede Ärztin auf der Welt kannte sie die Namen und Krankenakten sämtlicher Sicherheitsoffiziere auswendig.

Dann ließ sie sich einen Tisch weiter am Panoramafenster nieder und bestellte einen Tee.

--- Atlantis, Krankenstation

Llewella kam nicht zu einer Antwort, weil sich die Tür unmittelbar noch einmal öffnete und eine Pflegerin hereinkam, die einen Beutel mit unreplizierbaren Hyposprays in der Hand hielt und offenbar aus dem Lager kam.

"Mr. Jeffrey", sagte Ysara und hielt den Beutel hoch, damit Llewella ihn sah, bevor sie den Inhalt auf einem Tablett auszubreiten begann. "Was für eine unerwartete Freude." Sie verschwendete kaum einen Blick auf den Besucher, doch in ihrer Stimme schwang der übliche Hauch von Ironie mit. Im Gegensatz dazu quittierte sie Sternenlichts Anwesenheit mit einem ernsten, gänzlich unironischen Nicken.

Flüchtig warf die ehemalige Psychologin einen Blick in Richtung des Quarantänebereichs. Sie musste zugeben, sie hatte sich nie vorstellen können, dass irgendjemand Pormas überwältigen könnte.

Aber dann wiederum hatte sie sich auch nie vorstellen können, dass die Evolution irgendetwas wie Pormas je zulassen würde, daher glich sich das wohl wieder aus.

--- Quartier 457

April verdrehte genervt die Augen und wandte sich wieder zurück zu dem Blutfleck auf dem Boden. Seit ihrer letzten Auseinandersetzung mit Narbo wegen des Quartierkeys hatte die Kriegerin die Bar des Ferengis weitestgehend gemieden, was auch durchaus gut war. Schon jetzt verspürte sie wieder den fast unwiderstehlichen Drang, Narbo mit seiner Dreistigkeit zum Schweigen zu bringen.

"Wenn die Protokolle eingehalten wurden, dann muss er jetzt auf der Krankenstation sein.", bemerkte April während sie ihren Phaser zurück an den Gürtel schnallte. Sie wandte sich an den Captain und meinte dann: "Was soll das Gekrakel heißen?"

--- Krankenstation, einige Minuten später

Sternenlicht lief seit einigen Minuten wie ein eingesperrter Löwe vor einem Terminal auf und ab. Genau wie die Ärztin war er zum Warten verurteilt, bis die Routinearbeiten der Labore die ersten Ergebnisse lieferten. Es machte wenig Sinn, die eingespielten Hilfskräfte bei diesen ersten Analysen zu stören - sie würden nur im Weg herum stehen und zusätzliche Nervosität verbreiten.

Die Schottin wandte sich an David Jeffrey. "Hallo Mr Jeffrey! Schön, Sie zu sehen. Allerdings haben wir gerade einen Notfall, insofern bin ich wohl nicht gerade der beste Gesprächspartner."

Mit einem flüchtigen Lächeln wandte sie sich dann an die Afroamerikanerin. "Ysara..." begann sie, kam jedoch nicht mehr dazu, den Satz zu Ende zu formulieren. Sternenlicht unterbrach die Schottin:

"Llewella, Sieh Dir das hier an: Die erste Auswertung der internen Sensoren war falsch! In der Luft befand sich kein Gas, sondern etwas wesentlich größeres, lediglich die Dichteänderung der Luft hatte per Zufall der eines Nervengases entsprochen. Die mikroskopische Untersuchung zeigt ein mal zehn Mikrometer große Körper in der Luft. Schau her:"

Auf den Bildschirm erschien eine Aufnahme eines scharf umrissenen Körpers mit mehreren Einschnürungen. Auf dem Farbbild waren feine Strukturen ähnlich einer Haarschicht zu sehen, die die Oberfläche bedeckten. Die eingeblendeten Messwerte zeigten hier eine mittlere Länge von vier Nanometern. Auffällig war die ansonsten absolut makellose, leicht glänzende Oberfläche.

Eine kurzer Gedanke durchzuckte Llewella, zu schnell, um festgehalten zu werden. Sie hatte das Gefühl, dass ... etwas.... knapp außerhalb ihrer Wahrnehmung verblieb, dass sie eigentlich wissen müsste, was dieses... Ding ... sein konnte. Irritiert betrachtete Sie das Bild für einige weitere Sekunden, bevor Sie fragte: "Was zur Hölle ist das?"

"Wenn ich das wüsste," meinte Sternenlicht, der etwas ratlos seinen Schweif festhielt.

David hatte das rege treiben nach seiner Ankunft still beobachtet. Alle schienen aufgeregt.

Er begab sich hinter Llewella und Sternenlicht welcher ihn anschaute. Mit einem Nicken begrüßte er ihn nun auch. David schaute interessiert auf das Display.

"Was ist denn hier passiert?" fragte er in die Runde.

--- Venture, Quartier 71

Durch die Fenster drang das violette Leuchten des Nebels, der die beiden Schiffe umgab. Selbst S'Tom konnte die ästhetische Qualität dieses Naturphänomens nicht leugnen. Dass er wusste, dass die Farbe durch ein kompliziertes Wechselspiel der Materie mit der durch Reibung erzeugten Energie entstand, änderte nichts daran.

Das Licht bot eine ausgezeichnete Atmosphäre für Kohl-tor, das der Vulkanier seit der Ankunft im Nebel praktiziert hatte. Schlaf benötigte er zur Zeit angenehmerweise keinen - der letzte lag erst 25 Stunden zurück. Somit konnte er dieses Mal die Zeit zwischen seinen Schichten sinnvolleren Tätigkeiten wie eben der Meditation widmen.

S'Toms innere Uhr sagte ihm schließlich, dass seine nächste Schicht in einer Stunde beginnen würde. Daraufhin löste er sich aus seinem meditativen Zustand, sein Geist nun erfrischt und gestärkt. Er begab sich zu seinem Schrank, wobei sein Blick durch das Quartier schweifte. Inzwischen entsprach es seinen Vorstellungen - nur wenige Ablenkungen und nutzlose Objekte waren darin zu finden. Die wenigen waren Sinnbilder von Logik und Ordnung, vulkanische Kunst.

Aus dem Geheimfach, das er im Schrank installiert hatte, entnahm der Agent einen kleinen Subraum-Receiver. Er bezweifelte zwar, dass Nachrichten durch die Interferenzen im Nebel dringen konnten, aber es bestand eine 7%ige Chance, und sein Kontakt-Protokoll mit dem Sternenflotten-Geheimdienst schrieb es vor.

In den letzten 6 Wochen hatte S'Tom bereits viele Informationen sammeln können. Informationen über Unterschlüpfe und Schiffe von Händlern, bei denen die Venture Vorräte aufstocken konnte. Informationen über Lücken in der Sensorüberwachung der Grenze, die die Venture ausnutzte. Informationen, wenn auch sehr lückenhafte, über Sympathisanten in der Sternenflotte.

Und das, obwohl die Venture bis jetzt nur wenige kleine Missionen zur Hilfe der Menschen im romulanischen Territorium erledigt hatte. Rückblickend war es noch immer etwas verwunderlich, dass es nur einmal zu einer nennenswerten Konfrontation mit Romulanern gekommen war - die Wahrscheinlichkeit hatte S'Tom immer höher als 50% eingeschätzt.

Natürlich hatte er inzwischen auch viele Informationen über die Venture selbst. Er kannte die Schiffssysteme, und er kannte die Crew. In einigen hatte er auch angenehme Bekannte gefunden. Selbst seinen Vorgesetzten Yhea Alnak, mit dem er vor der Zeitreise ja einen schlechten Start gehabt hatte, stufte er inzwischen als sympathisch ein - man musste nur das ignorieren, was dieser anscheinend unter Humor verstand.

Wie erwartet empfing der Receiver nur Rauschen und kein für die Schiffssensoren nicht aufspürbares Subraum-Modulationssignal. Sorgsam verstaute er diesen wieder und begab sich dann in die Schalldusche, nach der sich sein Körper genauso frisch fühlte wie sein Geist.

S'Tom entschloss sich, sein Frühstück im "Tanzenden Liebesdiener" einzunehmen - eCroft servierte höherwertige Produkte als der Replikator in seinem Quartier, selbst nach manuellen Modifikationsversuchen.

--- Bar zum tanzenden Liebesdiener

Der Vulkanier betrat die Bar, die durch die großen Fenster eindrucksvoll erleuchtet war. An einem Tisch in Fenster-Nähe erblickte er Jordan, eine, wie er inzwischen gefunden hatte, interessante und angenehme Person. Zwar gab es - so konnte er den Hintergrund-Informationen, die ihm der Geheimdienst anhand der Crewliste zusammengestellt hatte, entnehmen - in ihrer Vergangenheit ein sehr dunkles Kapitel. Doch das betraf eine Extremsituation, die nicht relevant negativen Einfluss auf das Verhalten im alltäglichen Leben auf einem Raumschiff hatte.

Mit einem "Guten Morgen" setzte er sich zu ihr und bestellte Theris-masu und eine terranische Salatvariante.

--- Atlantis, Quartier 457

"Ich habe nicht die geringste Ahnung", antwortete Julian wahrheitsgemäß, während er sich bückte, um die Buchstaben genauer zu untersuchen. Vorsichtig strich er mit einem Finger über die Schrift und betrachtete die rote Farbe, die daran haften blieb.

"Hmm ...", sagte er, während er das Ganze nachdenklich betrachtete. "Hat irgend Jemand einen Tricorder dabei?", fragte er die Anwesenden, nachdem er einen Verdacht hatte, was es sein könnte. April nahm ihren Tricorder vom Gürtel und reichte ihn dem Captain.

"Vielen Dank", antwortete er und begann, den Teppich genauer zu scannen. Schon nach wenigen Sekunden hatte er das Ergebnis, welches leider seinen Verdacht bestätigte. Kopfschüttelnd stand er auf und betrachtete den kleinen Bildschirm des Gerätes.

"Wie ich vermutet habe, sind die Buchstaben mit Blut auf den Teppich geschrieben worden. Laut Tricorder ist es menschliches Blut, was die Vermutung nahe legt, dass Theocrates es mithilfe seines eigenen Blutes geschrieben hat. Wahrscheinlich wollte er uns irgend etwas mitteilen ..."

"Na dann hätte er vielleicht leserlich schreiben sollen!", meinte der Ferengi zischend. Er selbst beherrschte die menschliche Schrift nicht gänzlich; wer machte sich schon die Mühe, primitive Sprachen zu ergründen, wenn es doch Universaltranslatoren gab.

Narbo ließ seinen Blick im Quartier schweifen.

Der Waffenfetisch von Pormas war unübersehbar, fast eine komplette Wand war dieser Thematik gewidmet und der Barbesitzer musste anerkennend feststellen, dass der Halbgrieche sich sehr gut auskannte.

Die gegenüberliegende Wand war dagegen fast völlig zerfetzt. Tiefe Krater hatten sich in das Material gefressen, an den Rändern der Löcher war das Metall leicht angeschmolzen.

Einen Moment suchte er den Boden ab, konnte aber nichts weiter erkennen.

"Unser Muskelberg hat den Angreifer jedenfalls nicht getroffen", teilte er seine Beobachtung den Sicherheitlern mit, "Kein Blut, keine Körperteile. Ungewöhnlich!"

Ungewöhnlich fand der Ferengi auch, dass der Angreifer sich überhaupt in den Raum bemüht hatte. Eine Attacke mit Gas erforderte kaum seine Anwesenheit, zumal Pormas, wie man eindrucksvoll sehen konnte, nichts vom leisen, unauffälligen Abkratzen hielt.

Wieso sich also der Gefahr aussetzen...?

"Hmm, wohl was Persönliches", murmelte Narbo vor sich hin.

"Meine Sie ...?"

April umrundete den "Tatort" mit ein paar langen Schritten ohne das Bildnis aus den Augen zu lassen.

"Hm ... ", brummte sie leise vor sich hin. Die Gedanken in ihrem Kopf begannen langsam in Bewegung zu kommen.

"O ... R ... das in der Mitte könnte ein I sein." Gegenüber von O'Connor und Narbo blieb sie stehen und starrte für einige Augenblicke ins Leere. "Das erste Wort hier könnte ein Wort 5 Zeichen sein ... ", ergänzte sie, während sie mit dem Finger auf den Boden deutete.

--- Venture, Bar zum Tanzenden Liebesdiener, Tisch am Fenster

Flüchtig sah Jordan von dem PADD auf, das sie gerade neben ihren Tee gelegt hatte, um es zu lesen, und amüsierte sich insgeheim ein wenig über die unkomplizierte Art des ehemaligen Borg. Wann man guten Morgen sagte, war ihm offenbar klar, aber dass man normalerweise fragte, ob man sich setzen konnte, musste ihm entgangen sein. Nicht dass sie ein Problem damit hatte - sie fand S'Toms Anwesenheit immer angenehm und merkwürdig beruhigend.

Im Übrigen schien er die einzige Person an Bord außer den Wissenschaftlern zu sein, die nachvollziehen konnte, warum man in seiner Freizeit versuchte, mit dem neusten Stand der Forschung auf dem Laufenden zu bleiben.

"Ich lese gerade einen Artikel, der Sie interessieren könnte", bemerkte sie und nickte in Richtung ihres PADDs. "Ein Forschungsteam auf Deep Space Four hat angefangen, sich mit den Auswirkungen interner Borgimplantate auf die Hormonproduktion zu befassen. Ich würde zu gerne bei Gelegenheit einige Tests durchführen. Hier." Sie schob das PADD in S'Toms Richtung. "Offenbar enthalten Nanosonden einen bisher unbekannten Mechanismus, der die hormonale Ausschüttung reguliert, so dass alle Drohnen sich gleich ruhig fühlen, obwohl sie je nach Spezies unterschiedliche Hormone produzieren."

Es ergab Sinn, nahm Jordan an. Klingonen produzierten mehr Adrenalin als Vulkanier. Wenn ihr Amygdalaimplantat sie beide anwies, eine gleich große Menge davon auszuschütten, würde der Klingone kaum mit den Schultern zucken und der Vulkanier in Schweiß ausbrechen. Sie wäre nur nie auf die Idee gekommen, Nanosonden zu benutzen, um den Unterschied auszugleichen.

S'Tom besaß noch sein Amygdalaimplantat. Sie würde ihm zu gerne eine Dosis umprogrammierter Nanosonden spritzen und sehen, was geschah. Aber das war ohne die kontrollierten Bedingungen eines modernen Sternenflottenlabors vollkommen unethisch und hatte auf der Venture nichts zu suchen. Ihr Lächeln verflog.

eCroft platzierte die Bestellung auf dem Tisch, während S'Tom die wissenschaftliche Arbeit auf Jordans PADD durchsah. Wenn auch für einen Techniker überdurchschnittlich, und besonders Borg-spezifisch durch den persönlichen Bezug relativ ausgeprägt, hatte sein medizinisches Wissen einen deutlich zu geringen Umfang zum durchgängigen Verständnis der Arbeit. Sie - zumindest der für den ehemaligen Borg einfacher nachvollziehbare Teil - stellte dennoch anregende Lektüre während des Frühstückes dar, das er nun auch während des Lesens einnahm.

Nach 4 Minuten 16 Sekunden schob er das PADD mit einem "Danke" zurück in Jordans Richtung. Diese hatte sich währenddessen ihrem Tee gewidmet. Das war eine der Eigenschaften, die S'Tom an der Ärztin zu schätzen wusste - im Gegensatz zu den meisten Menschen schien ihr Stille weniger unangenehm zu sein. Wie ihm ein Crewmitglied der USS Thunderbird in seiner Deassimilationsphase erzählt hatte, gab es auf der Erde das allgemein bekannte Sprichwort 'Narratio argentea, Silentium vero aureum est'. Nur schienen 94% der Menschen dieses irrationalerweise zu ignorieren.

Nach einem weiteren Bissen Salat wandte sich der Vulkanier bezüglich der Forschungsarbeit an Jordan: "Faszinierend. Die Vermutung der Forscher, dass der Mechanismus auf hochselektiver Inhibition beruht, scheint mir schlüssig. Denn die Programmierung von Nanosonden zur Inaktivierung eines Ziels ist im Allgemeinen effizienter als jene zur Adaption, sofern natürlich beide Optionen gegeben sind."

Wieder wanderte Salat in S'Toms Mund. Er musste erneut feststellen, dass dieser von höherer Qualität war als alles, was der Replikator in seinem Quartier produzieren konnte, obwohl kein Zweifel bestand, dass auch dieses Gericht aus einem Replikator stammte. Kurz musste er an die angedockte Atlantis denken - dort hätte der Techniker anhand seiner letzten Erfahrungen in einem solchen Fall Narbo der Sabotage verdächtigt.

"Bezüglich Tests stehe ich Ihrer wissenschaftlichen Forschung wie immer zur Verfügung. Ich muss allerdings darauf hinweisen, dass mein Amygdalaimplantat zwar nicht entfernt wurde, aber dennoch an Funktionalität eingebüßt hat. Ansonsten wäre ich mit 72%iger Wahrscheinlichkeit immer noch bei der Sternenflotte."

--- Atlantis, Quartier 457

"ORI?", fasste Julian die drei Buchstaben fragend zusammen, die April herausgelesen hatte, während er sich etwas näher über die blutroten Wörter beugte, um das Gekrakel vielleicht besser lesen zu können. Jedoch schien man dadurch noch weniger zu erkennen und deswegen stellte er sich wieder hin.

"Also ich bekomme da nicht wirklich was Verständliches zusammen", sagte er und blickte die Anderen an. "Ich bezweifle jedoch, dass es sich um einen Namen oder so handelt. Denn ich kenne Niemanden, dessen Name sich aus so vielen Wörtern zusammensetzt."

Er erntete einen amüsierten Blick von Jacobsen, bevor sie sich wieder dem Teppich zuwandte.

"Vielleicht ist es auch eine Ortsbeschreibung?", knüpfte April an die Bemerkung des Captains an.

Mit verschränkten Armen fixierte sie weiter das Bildnis am Boden. Irgendwo in ihren Gedanken formte sich eine Lösung des Rätsels, doch schien die Information fast unerreichbar entfernt zu sein.

"Was gibt es denn für Orte die mit "ori" beginnen?", fragte sie dann ziellos in die Runde.

Die Hilflosigkeit der anderen machte Narbo ärgerlich und er zischte leicht vor sich hin, bevor er in einem übertrieben höflichen Ton fragte: "Schon mal was vom Orion Syndikat gehört, ihr Aushilfsdetektive?!"

Das Syndikat hatte jedenfalls die Mittel für einen solchen Anschlag. Allerdings hatte Narbo noch nie gehört, dass sie auf solche Mittel zurückgegriffen hatten.

Nein, das Syndikat ging plakativer vor, wenn es jemanden beseitigen wollte: Die Reste der Leichen wurden meist als Warnung für andere dekorativ zur Schau gestellt.

--- Krankenstation

"Das sollte Ihnen besser Sternenlicht erklären", meinte die Schottin ruhig. 'Das gibt Sternenlicht zumindest etwas zu tun, bis er die nächsten Ergebnisse erhält', fügte sie in Gedanken hinzu. "Ich würde mich jetzt gerne wieder um meinen Patienten kümmern."

Llewella wandte sich ab und schickte sich an, ihren Schutzanzug wieder zu verschließen. Im Umdrehen fiel ihr jedoch noch etwas ein und sie wandte sich wieder um.

"Ysara, wenn Du schon hier bist, vielleicht könntest Du ein wenig behilflich sein und die Erstversorgung etwaiger Patienten übernehmen, es sei denn, sie wären schwerwiegend verletzt. Dann kann ich mich weiterhin um Pormas kümmern..."

Ohne eine Antwort Ysaras abzuwarten, schloss die Schottin abschließend ihren Schutzanzug und schritt in Richtung der Schleuse. Sie hoffte, dass Ysara nicht zu viel Durcheinander anrichtete, aber immerhin hatte sie ja ein ordentliches medizinisches Grundwissen, allein schon aufgrund ihrer Ausbildungen...

--- Krankenstation, Quarantänestation

Zunächst suchte Llewellas Blick den ihrer Mitarbeiterin. Diese nickte ihr ruhig zu und signalisierte damit, dass keine Änderung des Zustands des Patienten eingetreten war.

Llewella trat neben das Biobett. Der Halbgrieche hatte sich nicht gerührt. Er lag da, als weilte er schon nicht mehr unter den Lebenden, lediglich das leichte Heben und Senken seiner Brust deutete an, dass er noch nicht gestorben war.

Die Schottin blickte konzentriert auf ihren Tricorder. Die Blutwerte waren ziemlich schlecht, der Hämatokrit bis in den kritischen Bereich abgesackt, was bei den inneren Blutungen auch zu erwarten gewesen war. Wichtig war jetzt, auch diese zu stillen. Der Tricorder zeigte bislang nur eine geringfügige Erfolgsrate an. Was auch immer dieses ... Ding ..., das Sternenlichts Labors gefunden hatten, war, es verursachte nicht nur Blutungen, sondern verzögerte auch die Blutgerinnung.

Llewella wandte sich um, ging an einen Schrank und öffnete ihn. Mit ein paar kurzen Blicken fand sie, was sie gesucht hatte und ergriff ein paar Hyposprays. Dann ging sie wieder an Pormas' Biobett und applizierte ihm eine Dosis eines Vitamin-K-haltigen Präparates, das mit einer hohen Anzahl von Gerinnungsfaktoren und ähnlichen Stoffen kombiniert war.

Ungeduldig wartete sie, bis sich das Medikament im Blutkreislauf verteilt hatte. Dann befragte sie wieder ihren Tricorder. Das Ergebnis war zufriedenstellend und Llewella hoffte, die Blutungen in der nächsten Zeit stoppen zu können.

Welche Schäden der hohe Blutverlust bereits angerichtet hatte, stand auf einem anderen Blatt. Das würde sich erst in den nächsten Stunden zeigen...

--- Krankenstation

"Aye", ahmte Sternenlicht Llewellas Dialekt nach und wandte sich an Jeffrey: "Wenn Sie bitte noch einen Moment Geduld haben..." Jeffrey nickte und lehnte sich abwartend an die Wand. Sein Blick lag noch immer auf den Anzeigen vor dem Katzenwesen. Dieses blickte noch einen Moment nachdenklich auf die Vergrößerung und aktivierte dann den Interkom:

"Sternenlicht an O'Connor: Bitte gehen Sie in dem Quartier sehr vorsichtig vor. Der Kampfstoff hat die Größe eines Bakteriums und ich bin mir nicht sicher, ob das Austauschen der Luft alle Partikel eliminiert hat. Ich kann bisher nicht sagen, wie ansteckend dieser Stoff ist. Sie finden mich in der Krankenstation, wenn Sie Fragen oder erwähnenswerte Messergebnisse haben. Sternenlicht Ende."

Unschlüssig stand der Sivaoaner auf und trat ein paar Schritt vom Terminal weg und wandte sich wieder Jeffrey zu: "Was los ist, ist sehr schwer zu sagen. Phaserfeuer in einer Kabine, in der wir", sein Schweif deutete auf die Photographie, "zudem einen unbekannten Stoff gefunden haben. Mehr kann ich nicht sagen, die Sicherheit ist gerade in besagtem Quartier und untersucht es. Momentan können wir hier nur warten, der Stoff läuft gerade durch die grundlegendsten Analysen. Bei all der Technik sind das noch immer Dinge, die ihre Zeit brauchen. Die Labore der Atlantis hier sind auch nicht schneller, als die traditionelle sivaoanische Wissenschaft..."

Unwillkürlich fragte sich Sternenlicht, ob Jeffrey mit der Sache was zu tun hatte. Er war kaum wenige Minuten an Bord gewesen, als das Unheil seinen Lauf nahm. War das Zufall?

"Wurde die Venture schon informiert?", fragte David den Sivaoaner nach dessen Erläuterungen.

Sternenlicht blickte gerade wieder auf das Display, auf dem gerade eben wieder weitere Messwerte erschienen. Etwas abwesend antwortete er "Nein, zum einen geht es hier ohnehin gerade drunter und drüber, zum anderen sehe ich das Risiko für die Venture bisher als gering. Das Leben von Pormas war mir daher im ersten Moment wichtiger."

David war kurz ein wenig verwirrt. Weshalb hatten sie die Sensoren der Venture nicht zur Hilfe genommen? "Das LCARS-System der Venture ist über 11 Jahre jünger als das der Atlantis. Vielleicht kann der Venture-Computer mehr mit den Proben anfangen. Zudem wäre vielleicht ein aktiver Systemscan der besseren Venture Sensoren ergiebiger als euer Scan." David pausierte kurz... "Nichts für ungut.", fügte er dann lächelnd hinzu.

Der Sivaoaner hielt bei diesen Worten inne, und wandte sich mit leicht zitternder Schweifspitze dem Terraner zu:

"Mit Verlaub, unterschätzen Sie die Sensorsysteme der Atlantis nicht, in einer Kampfsituation mögen Ihre Sensoren bei weitem effizienter sein, als unsere, aber in wissenschaftlichen Belangen sind sie uns unterlegen. Davon abgesehen ist das wissenschaftliche Problem derzeit nicht mit Rechenleistung zu erschlagen, sondern leider nur mit einem gewissen Arbeits- und Zeitaufwand. Ich möchte Sie bitten, in dieser Beziehung auf meine Erfahrung als Wissenschaftler zu ..."

--- Quartier 457

'Das Orion-Syndikat?', überlegte Julian angestrengt, während er weiter versuchte, die mysteriöse Blutnachricht zu entschlüsseln. Natürlich konnten die Orions dahinterstecken, doch normalerweise gingen sie nicht so verdeckt vor. Meistens hinterließ deren Aktion eine erkenntliche Botschaft, etwas, was man verstehen konnte. Doch hier ... nichts. Selbst die Botschaft auf dem Teppich stammte wohl von Pormas. Gerade wollte er auf Narbos Einwurf reagieren, da tönte die Stimme von Sternenlicht aus seinem Kommunikator.

"Sternenlicht an O'Connor: Bitte gehen Sie in dem Quartier sehr vorsichtig vor. Der Kampfstoff hat die Größe eines Bakteriums und ich bin mir nicht sicher, ob das Austauschen der Luft alle Partikel eliminiert hat. Ich kann bisher nicht sagen, wie ansteckend dieser Stoff ist. Sie finden mich in der Krankenstation, wenn Sie Fragen oder erwähnenswerte Messergebnisse haben. Sternenlicht Ende."

Unsichere Blicke wurden untereinander gewechselt, während April den von Julian zurückbekommenen Tricorder zückte und begann, den Captain zu scannen. Mehrere Sekunden vergingen, bis das kleine Gerät ein bestimmendes Piepsen von sich gab.

"Und, was zeigt er an?", fragte er ziemlich ungeduldig, denn er hatte überhaupt keine Lust, nun von irgendeinem unbekannten Kampf-Bakterium befallen zu sein.

April zögerte die Antwort noch einen Moment hinaus, bevor sie eine Aussage traf. Die Anzeigen auf ihrem Tricorder glichen alle mehr einer einzigen großen Fehlermeldung, als aussagekräftigen Resultaten.

"Ich bin kein Wissenschaftler ...", begann sie dann zögerlich mit einer Antwort, während sie weiter skeptisch auf den Scanner blickte.

"Der Tricorder zeigt etwas Ungewöhnliches in ihrem Organismus an, kann es aber nicht genau definieren."

Kurz blickte die Halbbajoranerin zu O'Connor auf und wandte sich dann an Narbo und Jacobsen - zum Schluss hielt sie den Tricorder noch auf ihren eigenen Körper. Alle vier Ergebnisse zeigten dasselbe eigenartige Ergebnis.

"Wir sollten ganz sicher gehen und uns auf der Krankenstation untersuchen lassen!", meinte April abschließend zu ihrer Diagnose, die sie doch als fraglich einstufte.

"Schutzanzüge wären wohl doch angeraten gewesen", meinte Annika trocken, ohne eine Miene zu verziehen.

"Abgesehen mal davon ist es sicherlich sinnvoll, wenn wir das Quartier nicht verlassen, sonst tragen wir was-auch-immer in der ganzen Atlantis herum, was sicher nicht im Sinne des Erfinders ist."

O'Connor war sich nicht wirklich sicher, ob er Jacobsens Meinung zustimmen sollte. Vielleicht war es genau die Absicht des unbekannten Attentäters gewesen, das komplette Schiff mit irgendwelchen gefährlichen Bakterien zu überfluten und Pormas war nur das Ablenkungsmanöver, um die Übertragung perfekt zu machen.

Was ihn aber eindeutig mehr beunruhigte war, dass nun etwas in seinem Körper war, was er nicht kannte und wovon er nicht wusste, was es bewirkte. Wobei er es vielleicht auch gar nicht wissen wollte...

"O'Connor an Sternenlicht", sagte Julian laut, nachdem er auf seinen Kommunikator getippt hatte. "Vielen Dank für diese Informationen. Jedoch denke ich, dass Sie damit ein wenig spät dran sind. Zumindest sagt uns das unser Tricorder, wenn wir ihn denn richtig interpretieren."

Er blickte April kurz an, bevor er fortfuhr.

"Leider ist hier zurzeit keiner mit ausreichenden Kenntnissen der Materie vor Ort, deswegen wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn Sie Jemanden vorbei schicken könnten, der sich mit so etwas auskennt. Ach ja, und dieser Jemand sollte vielleicht nicht ohne Schutzanzug und Schleuse hier ins Quartier kommen ..."

--- Krankenstation

Sternenlicht wurde erneut vom Piepen des Interkoms unterbrochen:

"Verstanden. Bitte übertragen Sie zunächst Ihre Tricorder-Messwerte in das Computernetz der Atlantis, damit ich es von hier aus abrufen und mit unseren bisherigen Ergebnissen verknüpfen kann. Ich möchte mir diese erst ansehen, bevor wir weitere Schritte einleiten. Ich würde vorschlagen, auf der Atlantis Kontaminationalarm der Stufe eins auszulösen, alle Räume müssen vollständig versiegelt werden und auf autonomen Betrieb gehen. Ich schlage vor, hier bis auf weiteres eher übervorsichtig zu sein."

--- Quartier 457

Aprils Magen begann sich langsam zu verkrampfen, als sie anfing zu realisieren, was so ein Kampfstoff alles anrichten konnte. Unwillkürlich breitete sich eine sagenhafte Wut in ihrem Magen aus - sie war sich sicher, dass, wenn sie den Verantwortlichen für das hier in die Finger bekam, dieser mit Sicherheit nichts mehr zu lachen haben würde.

"Was sollte denn das Orion Syndikat gegen uns haben? Bzw. gegen Theocrates?", griff sie nun Narbos Aussage auf.

--- Venture, Brücke

Die Ruhe der Nachtschicht hatte sich mittlerweile auch auf der Brücke der Venture ausgebreitet und die Pilotin genoss die Tatsache, dass sie nun endlich alleine war. Vor ein paar Minuten hatte das letzte Mitglied der Tagesschicht seinen Posten verlassen um in den wohl verdienten Feierabend zu gehen - zurück blieb nur das dumpfe "Stand-by" Brummen des Antriebes, ebenso wie das Blinken von Cheyenne Konsole, auf welcher der all abendliche Test für die Bordsysteme lief.

Mit einer raschen Handbewegung aktivierte die Terranerin den großen Hauptschirm vor ihrer Station und betrachtete für einige Minuten verträumt das imposante Bild des Nebels. Für die nächsten Stunden würden sie hier neben den Atlantis verweilen - vermutlich würde es wieder eine der ereignislosesten Schichten werden, die Cheyenne in ihrer Piloten Karriere erlebt hatte.

"Computer - Lichtstärke auf 40% reduzieren.", wies sie den Computer an. So würde sich ihr Organismus wenigstens ein bisschen auf die Nacht einstellen.

--- Gänge

Im letzten Moment überlegte es sich Carter allerdings anders. Vielleicht sollte doch lieber gleich zur Atlantis hinüber gehen. Doch ohne Erlaubnis?

'Keine gute Idee.' Das würde sicher wieder Ärger geben, also würde er lieber vorher um Erlaubnis bitten. Carter machte sich also auf den Weg zu Trustmans Quartier, ging er doch davon auch, den um diese Zeit eher dort anzutreffen als in seinem Bereitschaftsraum.

Vor der verschlossenen Tür angekommen, betätigte Chris den Türsummer und wartete.

Überrascht schaute Trustman von seinem PADD hoch. Er hatte sich gerade die Berichte einiger wohlgesonnener Händler durchgelesen, denen die Venture in den letzten Wochen begegnet war.

Die übliche Mischung aus Übertreibung und Hörensagen.

Dennoch schien alles darauf hinzudeuten, dass die Romulaner eine neue Offensive planten, um die umstrittenen Territorien endgültig unter ihre Kontrolle zu bringen. Zusätzlich sollte eine Kolonisierungskampagne diesen Status zementieren.

Eric war nicht wohl bei dieser Vorstellung: Bisher hatten die Romulaner mit Rücksicht auf die Wünsche der Föderation auf eine Konsolidierung verzichtet.

Bisher...

"Ja, herein!", ließ er dann die Tür öffnen und stand aus dem Sessel auf. Er war privaten Besuch kaum gewöhnt. Dafür hielt er sich auch entschieden zu wenig in einem Quartier auf.

--- Atlantis, Quartier 457

"Wenn man im Untergrund arbeitet und gut ist, kommt man früher oder später mit den Orions in Kontakt. Ob man will oder nicht", antwortete der Ferengi, war in Gedanken aber eher bei der tödlichen Gefahr, die sie alle umgab, "Entweder kooperiert man und ist am Arsch oder man tritt denen auf die Füße und ist am Arsch"

Narbo selbst hatte sich vom Syndikat so gut es ging ferngehalten. Er teilte nicht gern seine Beute und hatte auch keine Lust, irgendwann mit einer Axt im Rücken aufzuwachen.

Er zischte noch ein wenig vor sich hin, während er sich weiter im Quartier umsah. Aber er entdeckte nichts, was ihnen jetzt helfen konnte.

April dachte für einen Moment über Narbos Aussage nach. Während der Zeit, die sie auf der klingonischen Heimatwelt verbracht hatte, waren ihr das eine oder andere Mal ein paar haarsträubende Geschichten über das Syndikat zu Ohren bekommen - selbst wenn man davon ausging, dass Klingonen die Angewohnheit hatten, alles immer aufzubauschen, war es doch so, dass sollte nur die Hälfte von dem stimmten was sie gehört hatte, sie alle ein mächtiges Problem am Hals hatten.

Ihr Blick wanderte zu der besorgten Miene des Captains, der noch auf eine Reaktion von Sternenlicht wartete. Abwartend liess sie ihren Blick auf ihm ruhen.

--- Venture, Quartier 19

'Ich hätte nicht herkommen sollen.' Für solche Überlegungen dürfte es wohl etwas spät sein. Chris zögerte noch einen Moment, atmete tief durch und trat dann ein.

"Verzeihen Sie, bitte, die Störung, Mr. Trustman. Doch ich wollte nicht ohne Erlaubnis das Schiff verlassen. Sollten Sie also keine Einwände haben, würde ich gerne der Atlantis einen Besuch abstatten."

Carter war nahe der Eingangstür stehen geblieben, hatte kaum einen Schritt in das Quartier hinein getan.

"Kommen Sie doch herein", bat Eric den unerwarteten Besucher, während er näher zum Eingang schritt. Er war ziemlich überrascht, ließ sich dies aber nicht anmerken.

Als Sicherheitler musste man gegen Überraschungen imprägniert sein.

Chris folgte zögerlich der Einladung und entfernte sich vielleicht zwei Meter von der Tür, was diese zum Anlass nahm, sich zu schließen.

"Ihre nächste Schicht beginnt in neun Stunden", stellte Trustman fest. Er behielt stets einen groben Überblick über die Dienstpläne.

"Bis dahin können Sie gerne die Atlantis besuchen. Aber halten Sie sich von Ärger fern. Einige Besatzungsmitglieder der Atlantis ziehen Streit an wie Magnete Eisen!"

--- Atlantis, Krankenstation

David seufzte. Er würde wohl vorerst auf der Atlantis festsitzen. Sternenlicht wartete auf O'Connors Daten.

"Ich wollte Sie nicht kritisieren.", sagte David beschwichtigend. "Nur für den Fall, dass sich ein getarntes Schiff in diesem Nebel befindet, sind die Sensoren der Venture eher in die Lage es aufzuspüren. Von irgendwoher musste der Angreifer ja agieren und je mehr Zeit wir verstreichen lassen desto unwahrscheinlicher ist es, ihn zu finden." '... vorausgesetzt, der Täter befand sich weder auf der Atlantis noch auf der Venture...'

David wartete Sternenlichts Reaktion nicht ab da es nun um jede Sekunde ging und tippte auf seinen Kommunikator. "Jeffrey an Venture..."

--- Quartier 457

Julian nickte der Bajoranerin zu, die sogleich die Tricorderdaten übertrug, während er dem Wissenschaftler antwortete.

"In Ordnung, die Daten sind unterwegs. Ich hoffe, Sie können daraus etwas Positives für uns ableiten. Ich habe nämlich keine Lust, für eine längere Zeit hier in diesem blutbesudelten Quartier ausharren zu müssen. Sie sollten also schnellstens ein Team zu uns schicken, was sich unserer annimmt."

Dass es hauptsächlich an der Anwesenheit des Ferengis lag, dass er hier raus wollte, musste er ja Keinem sagen. Jedenfalls hätte er sich mehr gewünscht, mit den beiden Damen alleine hier zu sein...

Nachdem er seine Befehle an Sternenlicht gegeben und den Kanal geschlossen hatte, wandte er sich zu dem Terminal an Pormas Schreibtisch.

"Computer. Quarantäne-Alarm geben und sämtliche erforderlichen Protokolle ausführen. Venture benachrichtigen und Andockschleusen bis auf Weiteres verriegeln und sperren. Genehmigung O'Connor, Captain, Alpha eins, acht, zwei, Blau."

"Befehl bestätigt", antwortete der Computer prompt, während die entsprechenden Warnmeldungen schon über die Lautsprecher tönten.

"Tja, nun sitzen wir wohl eine Weile hier fest", bemerkte Julian säuerlich und ließ sich auf einen Bürostuhl fallen.

Die Kriegerin konnte den Frust nachvollziehen, den O'Connor begann aufzubauen. Untätig herum zu sitzen war auch eine der schwersten Übungen, die man der Halbbajoranerin auflasten konnte. Mit einem leisen Fluchen wandte sie sich wieder dem Bildnis am Boden zu.

"Wenn wir gerade schon nichts unternehmen können, können wir ja versuchen, das Rätsel hier zu lösen!" Ein herausfordernder Seitenblick traf den Captain, der im Moment keinerlei Anstalten machte, sich mit der Nachricht zu beschäftigen.

--- Krankenstation, Quarantänesektion

Llewella war ein paar Minuten ruhig neben Pormas gestanden und hatte abwechselnd ihren Tricorder und das Gesicht des Griechen studiert. Seine Atmung sowie sein Herzschlag waren stabil und gleichmäßig, vermutlich dank der Funktionen des Biobettes. Zumindest vorläufig traute sich die schottische Ärztin nicht, diese Lebenserhaltungssysteme abzuschalten. Vorher musste sie sich sicher sein, dass der Sicherheitschef auch aus eigener Kraft zu atmen vermochte.

Ihre Gedanken wandten sich wieder dem seltsamen Gebilde zu, was Sternenlichts Labors isoliert hatten. Nach wie vor gewann sie den Eindruck, dass sie dieses Gebilde schon einmal gesehen hatte – oder zumindest etwas Ähnliches...

Während die Rothaarige noch ihren Gedanken nachhing, piepste ihr Kommunikator. Geistesabwesend tippte sie ihn an und meldete sich. "Dr. Campbell hier."

"Hier Adrian Hayward, medizinisches Labor, Dr. Campbell. Wir haben ein paar Analysen angestellt. Ich habe die Ergebnisse auf Ihr Terminal transferiert."

Schlagartig fiel die Geistesabwesenheit von Llewella ab. "Danke, Mr. Hayward!", bedankte sie sich bei ihrem Mitarbeiter und schloss den Kanal. Mit einem letzten Blick auf den still daliegenden Pormas verließ sie die Quarantänesektion.

--- Krankenstation

Ein kurzer Blick nach dem Ablegen ihres Schutzanzuges, den die Schottin zu Sternenlicht und Jeffrey warf, zeigte ihr, dass die beiden ein Gespräch führten. Ysara beschäftigte sich im Hintergrund der Krankenstation an ein paar Schränken.

Mit langen Schritten eilte Llewella zu ihrem Büro und schaltete ihr Terminal an. Anschließend setzte sie sich hin und begann zu lesen, was das medizinische Labor ihr transferiert hatte. Den Quarantäne-Alarm für das gesamte Schiff, den jemand ausgelöst hatte, nahm sie nur am Rande wahr.

--- Venture, Brücke

Cheyenne hatte die letzten Minuten damit verbracht, verträumt auf den imposanten Bildausschnitt des Nebels zu blicken und hatte ihre Gedanken schweifen lassen. Die Stimme des Terraners holte die Pilotin zurück aus ihrer Traumwelt und veranlasste sie, sich wieder ihrer Konsole zu zuwenden.

Gerade als Cheyenne zu einer Antwort ansetzen wollte, ertönte eine allgemeine Warnmeldung der Atlantis, die Cheyennes ganze Aufmerksam auf sich zog.

"Bitte warten ... ", hielt sie Jeffrey hin und schloss den Kanal. Kurz überflog sie die Nachricht, bestätigte sie und entschloss sich dann McCarthy zu informieren - auch auf die Gefahr hin diesen wegen der Störung seines Feierabends zu verärgern.

"Brücke an McCarthy - es gibt einen Quarantäne-Alarm auf der Atlantis – ich denke, das sollten Sie sich ansehen."

--- Quartier 19

Chris schluckte, hatte er doch schon eine passende Antwort parat, doch das war natürlich ein ungünstiger Zeitpunkt. War er seinem Vorgesetzten doch während der vergangenen Zeit so gut es ging aus dem Weg gegangen und der hatte ihn auch nicht zur Rede gestellt, da war es sicher unklug, schlafende Hunde zu wecken.

"Natürlich, Mr. Trustman. Und haben Sie vielen Dank für die Warnung." Die Worte waren vielleicht höflich gewählt, doch Carters Stimme hatte einen ironischen Unterton angenommen, so ganz vermochte der Sicherheitler eben doch nicht, über seinen Schatten zu springen, jedenfalls nicht wenn es sich um Trustman handelte.

"Einen schönen Abend noch", das klang jetzt allerdings sehr freundlich und Carter wandte sich auch schon Richtung Tür um das Quartier zu verlassen und dem anderen Schiff einen Besuch ab zu statten.

Einen Moment lang überlegte der Afrikaner, ob er noch etwas sagen sollte, entschied sich dann aber lediglich den Gruß zu erwidern und blickte das Schott an, durch das Carter keine Sekunde später verschwunden war.

In den letzten Wochen hatte Eric den Neuen intensiv beobachtet, auch wenn Carter sich offenkundig von ihm ferngehalten hatte, war bis jetzt aber zu keiner wirklichen Erkenntnis gekommen:

Chris schien ihm als Person nicht grundsätzlich abgeneigt zu sein, seine oftmals renitenten Verhaltensweisen wirkte nicht bewusst offensiv, sondern eher wie unkontrollierte Reaktionen, die durch Trustmans hierarchische Stellung provoziert wurden.

Sein Problem mit Autoritäten umzugehen war offensichtlich, doch eine Lösung war dem stellvertrenden Sicherheitschef noch nicht eingefallen.

Auf Wagenvoort konnte er jedenfalls nur schwer zählen, dieser war stetig damit beschäftigt, seine eigenen Verhaltensauffälligkeiten zu kontrollieren.

Der Erste Offizier würde mit seiner Lebenserfahrung sicher neue Sichtweisen aufzeigen können, allerdings zögerte Trustman, die Befehlskette zu brechen und sich nicht zunächst an seinen direkten Vorgesetzten zu wenden.

Zweifelsohne hätte Ruben dagegen nichts einzuwenden gehabt, aber Erics jahrelanges militärisches Training und seine soldatische Grundeinstellung übten starken Zwang auf ihn aus, das Protokoll einzuhalten.

'Wir alle sind wohl in dem Vergangenen gefangen', stellte er fest, die Erkenntnis ließ aber einen unbefriedigenden Beigeschmack zurück.

--- Atlantis, Quartier 457

"Wie soll man denn bei dem Lärm klar denken können, Weib?!", antwortete statt des Captains der Ferengi und hielt sich wie zur Bestätigung die Hände auf die Ohren.

Die Lautstärke war definitiv auf diese ganzen schwerhörigen Spezies ausgelegt, die das Weltall in seiner Weisheit hervorgebracht hatte, damit die große Ferengi-Allianz endlos expandieren konnte!

Vor allem die Tonhöhe war grausig.

Kurzentschlossen ging Narbo zu Pormas Waffenarsenal, griff sich eine x-beliebige Strahlenwaffe, stellte sie auf zwei Drittel Feuerkraft, visierte den Lautsprecher in der Wand der Form halber an - bei der Intensität war Zielen fast nicht mehr notwendig - und drückte ab.

Mit einem ohrenbetäubenden Lärm explodierte der Lautsprecher mitsamt der halben Wand, die sich um ihn herum befand und gab den Blick frei auf ein benachbartes Quartier, welches hell erleuchtet war und wohl auch bewohnt, denn es war gleich ein entsetztes Fluchen zu hören. Grünliche Flammen züngelten an den geschmolzenen Rändern des Loches, bis die Schiffssysteme sie mithilfe des automatischen Feuerlöschsystems bekämpften. Dichter, beißender Rauch zog an Julians Nase vorbei, der von dem Knall überrascht nach hinten gefallen war und nun hustend und keuchend wieder auf die Beine kam.

"Verdammt noch mal, Narbo!", spuckte O'Connor, während er versuchte, sich aus den dicksten Schwaden zu befreien. "Sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Sie können doch nicht einfach so hier rumballern. Vor allem nicht mit irgendwelchen Waffen von Theocrates, von denen Sie keine Ahnung haben, was sie bewirken. Sie hätten das ganze Schiff zerstören können."

Weitere Flüche waren aus dem angrenzenden Quartier zu hören, gefolgt von einem beherzten " ... ODER AUCH MICH SIE IDIOT!"

Mit einem beherzten Griff entwendete er Narbo den Blaster und hängte ihn wieder zurück an seinem Platz im Regal.

"Sie sind sich ja im Klaren darüber, dass Sie den Schaden auf jeden Fall bezahlen werden", sagte er bestimmend zu dem Ferengi, während der zu dem Loch schritt und hindurch sah.

"Und Sie da drinnen bleiben wo Sie sind. Verlassen Sie nicht ihr Quartier und lassen Sie Niemanden herein. Wir haben hier ein Quarantäne-Problem und Sie gehören nun leider dazu."

April hustete noch fluchend vor sich hin, während sie sich den gröbsten Staub aus den Klamotten klopfte. Sie war der Explosion am weitesten entfernt gestanden und hatte sich dadurch auf den Beinen halten können.

"Das kann doch nicht wahr sein ...!", schimpfte sie vor sich hin während sie sich im Raum umblickte. Der ganze Boden war nun mit Staub bedeckt - die Blutspur am Boden konnte man nur noch erahnen.

"Narbo - sehen sie was sie angerichtet haben - das war unser einziger Hinweis!" Mit einer fahrigen Handbewegung deute April auf den Boden.

--- Venture, Bar zum Tanzenden Liebesdiener

Für einen ehemaligen Borg war das fast so etwas wie Selbstironie, und Jordan belohnte ihn mit einem ihrer schmalen Lächeln. Flüchtig überflog sie noch einmal das PADD und verstaute es wieder am Klipp an ihrem Gürtel. Neben dem medizinischen Tricorder. Und dem Phaser. Der sich immer noch unvertraut anfühlte, außer zu den Gelegenheiten, wenn sie sich plötzlich und ohne Vorwarnung vorkam, als gehöre er genau nach dort - zweifellos eine Folge ihrer letzten Sternenflottenmission, die so spektakulär schiefgegangen war.

Rasch verscheuchte Jordan den Gedanken, sah stattdessen auf ihren Tee hinab und stellte fest, dass sie ihn ausgetrunken hatte, während S'Tom las und sie aus dem Fenster sah.

Arbeit. Sie brauchte Arbeit. Sie war es nicht mehr gewohnt, herumzusitzen und nichts mit sich anzufangen. Sie hatte seit ungefähr hundert Jahren nicht mehr das Holodeck besucht, aber wirklich, wie konnte eine Holosimulation mit einem Forschungsprojekt mithalten?

"Hervorragend. Erscheinen Sie, wann auch immer Sie Zeit haben", erwiderte sie. "Ich bin in den nächsten zwei Schichten nur auf Bereitschaft. Genau genommen mache ich mich gleich auf den Weg in das Wissenschaftslabor." Gorm hatte ihr sein Nebenlabor zur Verfügung gestellt. Er teste zurzeit ohnehin die Enzymvarietäten von K'Nagh Würmern, die er alle der Strahlung wegen neben dem Warpkern aufbewahrte.

Ob Alnak darüber informiert worden war, hatte sie allerdings nie erfahren.

--- Gänge

Chris ließ sich Zeit auf dem Weg zum Transporterraum, er hatte es schließlich nicht eilig. Auch auf der Atlantis hatte er noch keine engeren Kontakte geknüpft, es war einfach Neugier, die ihn dazu veranlasste, sich da drüben einmal umzusehen.

Hier war es ausgesprochen ruhig gewesen und so langweilig waren auch seine Schichten verlaufen. Es passierte einfach nichts. Und auch wenn Trustman ihm geraten hatte, sich von Ärger fern zu halten, daran hatte er sich ja noch nie gehalten.

Es war ausgesprochen ruhig auf dem Schiff, klar um diese Zeit hatten natürlich nur sehr wenige Dienst. 'Mal abwarten, was mich drüben erwartet.' Carter betrat den Transporterraum.

--- Quartier 1

Brummend schlug der Captain die Bettdecke zurück, richtete sich in seinem Bett auf und befahl dem Computer das Licht zu aktivieren.

'Was in Gottes Namen...?', dachte McCarthy bei sich, während er versuchte den letzten Schlaf abzuschütteln, der ihn noch umfasste.

"Wieso sollte ich mir das mitten in der Nacht ansehen müssen oder wollen?", wandte er sich streng an die Pilotin, die derzeit die Brücke hatte.

Die Purna hatte ihm jeglichen Stress und vor allem zusätzliche Schichten ärztlich untersagt. Der Reiz war groß, auf die Brücke zu gehen und sich des Problems anzunehmen. Andererseits war der Herzanfall ein Schuss vor den Bug gewesen und Charles hatte sich vorgenommen, sich etwas zu schonen.

Vorerst.

"Wie dem auch sei: Isolieren Sie uns vorerst von der Atlantis, finden anschließend heraus was dort vor sich geht und lösen dann das Problem", wies er Cheyenne an und fügte dann hinzu, "Falls es größere Schwierigkeiten gibt, stehe ich natürlich zur Verfügung, McCarthy Ende"

--- Atlantis, Quartier 457

"Bist Du blind, Weib?!", wies Narbo den Vorwurf kategorisch zurück, "Also ich kann da noch genauso viel erkennen wie vorher. Das bisschen Staub, der Großteil ist doch eh in das andere Quartier geflogen"

Wie zur Bestätigung hörte man weitere lautstarke Beschwerden aus dem Nachbarraum. Die Person hatte sich noch immer nicht gezeigt, zog es anscheinend vor aus dem Hintergrund destruktiv rumzumosern. Aber als Ferengi konnte er natürlich die Person problemlos an der Stimme erkennen.

"Klappe da drüben. Sonst könnte mir aus Versehen wieder einfallen, dass du keine Zugangscodes für das Quartier besitzt und dir einfach illegal Zutritt verschafft hast. Und Einbrecher werden auf diesem Schiff aus der Luftschleuse geworfen", giftete der Ferengi zurück und konnte sich ein schelmisches Grinsen in Richtung von April nicht verkneifen.

Wenigstens schien seine Drohung Wirkung zu zeigen, die Stimme aus dem Nichts war verstummt. Der Alarm in diesem Quartier nebenbei auch, allerdings konnte man nun das Gequäke aus dem Nachbarquartier hören.

Immerhin wesentlich leiser.

"O'Connor, schon drüber nachgedacht, dass der oder die Attentäter noch an Bord sein könnte? Oder vielleicht auf die Venture gebeamt wurde? Das Katzenvieh sollte besser nach Transporterspuren scannen, als seine Zeit mit den Resten von Pormas zu vergeuden!"

Julian war sich sicher, dass wenn der Ferengi noch ein bisschen weiter so machte, er ihn dann höchst persönlich aus der nächsten Luftschleuse werfen würde. Zusammen mit dem nun verstummten Nachbarn. Und Pormas. Und dem Attentäter. Und dem ...

Nun gut, er konnte natürlich nicht die komplette Besatzung rausschmeißen, auch wenn es dann wohl schön ruhig und gemütlich an Bord wäre, aber ein bisschen Spaß sollte doch Jedem gegönnt sein. Vor allem, da der Ferengi ihm langsam aber sicher Kopfschmerzen bereitete. Ein leichtes Pochen spürte er schon zwischen den Schläfen und er war sich sicher, dass es nicht von den beiden gutaussehenden Frauen herrührte.

Wobei, konnte es vielleicht an diesem "Etwas" liegen, was sie mit dem Tricorder gefunden hatten? Waren es womöglich die ersten Anzeichen des Todes? Würde er sich schon in wenigen Minuten vor Schmerzen wimmernd auf dem Boden herumwälzen? Angst stieg in ihm hoch und die Gedanken über Ferengis, die aus Luftschleusen geworfen wurden oder Frauen oder Sonstiges waren wie weggeblasen. Panisch schlug er auf seinen Kommunikator und rief mit schriller Stimme:

"O'Connor an Sternen ..."

Seine Stimme überschlug sich und er musste sich erst räuspern und etwas sammeln, bevor er weiterreden konnte.

"O'Connor an Sternenlicht. Wo bleibt dieses verdammte Quarantäne-Team? Hier wird's langsam etwas ... nun ja ... bewegen Sie endlich ihren Arsch hier hin. Und informieren Sie die Venture und unsere Sicherheitsabteilung darüber, dass sich entweder auf der Atlantis oder der Venture ein Attentäter befindet und die sich gefälligst darum kümmern sollen."

--- Krankenstation

"Verstanden", hatte Sternenlicht dem Captain geantwortet und die Verbindung unterbrochen. Er wollte sich gerade mit dem Problem an Llewella wenden, als er verdutzt auf die eingehenden Messergebnisse blickte. Die Daten stimmten nicht wie erwartet mit denen aus den Labors überein.

Es war eindeutig ein vergleichbarer Stoff, chemisch betrachtet, aber nur knapp ein Zehntel so groß wie die Partikel, die sie in den Proben der Luft gefunden hatten. Seltsam...

Er betrachtete die Daten noch kurze zeit, entsann sich dann aber seiner Order und aktivierte den Interkom: "Sternenlicht an Labors, schickt bitte ein Quarantäne Team zu Quartier 457, Pormas Theocrates. Dort sind weitere unbekannte Stoffe gefunden worden, die schnellstmöglich analysiert werden müssen. Auch hier bitte zunächst das Standard..."

Ein Prioritätssignal unterbrach unsanft das Gespräch, erneut drang die Stimme des Captains aus den Lautsprechern.

Ein fauchender Laut drang aus Sternenlichts Kehle, bevor er leicht gereizt antwortete: "Wenn Sie mich hier in Ruhe arbeiten lassen würden und mir nicht auch noch die Pflichten der Sicherheitszentrale aufbürdeten, wäre bereits ein Team unterwegs zu ihnen. David Jeffrey benachrichtigt bereits die Venture, er ist zufällig hier in der Krankenstation und ich hoffe doch, dass die Sicherheit hier im Schiff bereits tätig geworden ist, ohne dass man einen schriftlichen Antrag stellen müsste..."

Begleitet von einem heftigen Schlagen seines Schweifes wechselte er wieder auf den Kanal der Labors. Warum mussten Menschen immer so panisch reagieren wenn mal etwas Unvorhergesehenes passierte. Das so fremdartige Wesen bezweifelte stark, das das durchschnittliche Besatzungsmitglied dieses Kahns auch nur zwei Tage einer Wanderung überleben würde.

"Labors, hier wieder Sternenlicht, also: Bitte zunächst auch hier die Standard-Analysen durchführen. Ich schicke Ihnen noch ein medizinisches Team mit, es sind noch mehrere Menschen in diesem Quartier. Und beeilt Euch, der Chef wird langsam ungnädig..."

Das Katzenwesen wandte sich an Ysara um, die noch immer hinter ihm tätig war: "Ysara, treffen Sie bitte das Quarantäne-Team vor dem Quartier und führen Sie eine vollständige Standarduntersuchung an allen Personen im Quartier durch und melden Sie jegliche Unregelmäßigkeit sofort."

Zum dritten Mal wartete Sternenlicht gar nicht erst eine Antwort ab sondern wandte sich wieder dem Interkom zu: "Sternenlicht an Brücke, keine Ahnung was die Sicherheitler in 457 euch bereits gesagt haben. Wir scheinen einen Attentäter an Bord zu haben, der Mr. Theocrates überfallen hat. Ich empfehle Sicherheitsalarm, schließt Euch mit der Venture kurz. Wenn es ein getarntes Schiff hier gibt, sollte die es eher finden, als wir. Näheres erfahrt Ihr beim Chef, ich habe derzeit auch keine näheren Infos über die Situation in 457. Dort müsste sich aber bereits ein Sicherheitsteam zusammen mit dem Chef befinden. Sternenlicht Ende."

Manchmal hasste der Sivaoaner die ständige Erreichbarkeit via Interkom. Er war doch keine Telefonzentrale. Vielleicht konnte er sich ja jetzt länger als eine halbe Minute den Daten auf seinem Terminal widmen.

--- Quartier 457

April war durch Julians plötzlichen Wutanfall kurz abgelenkt gewesen - wandte sich jedoch dann wieder dem Ferengi zu. Für einen kurzen Moment überlegte sie sich, ob sie nicht vielleicht ihren Phaser ziehen sollte um den Barmann zum Schweigen zu bringen - entschied sich jedoch dagegen. In Anwesenheit des Captains würde das kein gutes Bild auf sie werfen.

"Gut, wenn Sie das lesen können - Ferengi - dann lösen Sie jetzt mal das Rätsel ...!", blaffte sie giftig.

"Ich schau mal, wer da drüben in dem anderen Zimmer ist." Ohne eine Antwort abzuwarten wandte sich die Sicherheitlerin in Richtung des Loches in der Wand.

--- Venture, Brücke

Cheyenne wollte gerade noch ein "Verstanden." an McCarthys Anweisung hängen, beließ es aber dann dabei, nachdem dieser so schnell den Kanal geschlossen hatte.

Während die Pilotin auf der Venture einen gelben Alarm auslöste, wies sie gleichzeitig den Computer an, die Andockschleusen zur Atlantis zu verschließen und das Schiff abzukoppeln. Gott sei Dank hatte man sich in der Vergangenheit darüber Gedanken gemacht, wie man in Notsituationen das kleine Schiff auch nur mit Hilfe des Computers steuern konnte - bei einem ständigen Personalmangel war das äußerst hilfreich.

Ein kurzer Ruck ging durch das Schiff als sich die Venture von der Atlantis löste. Cheyenne lies das Raumschiff einige hundert Meter 'nach hinten' fallen und parkte die Venture dann in gebührenden Abstand etwas unterhalb des Bauches der Atlantis.

Keine halbe Minute später blinkte auf der Konsole der Pilotin eine Warnmeldung auf, die sie darauf hin wies, dass jemand gerade einen Transport einleitete. Ohne lange zu überlegen sperrte sie den Zugriff auf die Transporterpuffer und öffnete einen Kanal:

"Brücke an Transporterraum. Alle Transporte zur Atlantis müssen bis auf weiteres warten!" Kurz atmete sie durch und schloss wieder den Kanal, ohne auf eine Antwort zu warten. Für lange Erklärungen hatte sie keine Zeit.

Die flinken Finger der Terranerin huschten weiter über das Kontrollfeld vor ihr - während sie an die Atlantis eine Nachricht mit der Bitte um weitere Informationen schickte öffnete sie noch einmal das Interkom.

"Morgan an Jeffrey - tut mir leid, dass ich Sie warten hab lassen. Was kann ich für Sie tun?"

Stardust Atlantis