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Crossover 18 - Die Blaster des Friedens

(Atlantis 23, Venture 47)

--- Atlantis, Bar, Theke

Dieses Mal war die Kriegerin besser vorbereitet. Mit einer schnellen Bewegung duckte sie sich unter dem Schlag des Terraners hinweg - konnte aber noch den Luftzug auf ihrer Haut wahrnehmen, den er mit seinem Schlag verursachte, als er ins Leere fuhr.

Heiße Wut breitete sich in Aprils Emotionen aus - was wollte dieser David denn jetzt eigentlich von ihr? Mit einer schnellen Handbewegung schubste sie ihn von sich weg, so dass er ein paar Schritte nach hinten taumelte.

"Moment ... was wollen Sie denn von mir? Stehen Sie jetzt auch auf der Seite dieses Halsabschneiders?"

Die Bewegung der beiden Männer, die an Tisch 1 aufgestanden waren, nahm sie instinktiv aus dem Augenwinkel wahr.

Plötzlich schlossen sich zwei stahlharte Klauen um die Hände Davids. Sternenlicht hatte seinen Platz am Piano aufgegeben, als die Situation zu eskalieren begann. Mit einem weiten Satz war er dabei hinter David aufgetaucht, der ihn in seiner Wut auf April überhaupt nicht beachtet hatte.

Noch während die beiden Sicherheitler hinter April auftauchten, zischte er: "Ich würde vorschlagen, wir lassen diese Schulhofspielereien jetzt. Wenn Ihr Euch prügeln wollt, empfehle ich das Holodeck Programm Sternenlicht-12. Hier in der Bar möchte ich &"%!/)@€þøøđ@ [Alter Sivaoanischer Fluch] noch mal meine Ruhe. Die hat man hier selten genug.

Narbo ist übrigens sehr gut in der Lage, sich zu wehren. Und, wo wir schon dabei sind, normalerweise schlage ich keine Menschen. Lassen wir es also dabei bewenden. Ich hoffe, wir haben uns verstanden."

Mit diesen Worten verstärkte sich der Griff des Katzenwesens, dessen Kräfte die eines Menschen deutlich überstiegen. Er musste aufpassen, dass er dem Neuling keine Knochen brach. Fast erwartete er, dass beide sich jetzt auf ihn zu stürzen versuchten. 'Lass sie kommen...'

Blitzschnell war Carter aufgesprungen, doch das Katzenwesen übertraf ihn bei weitem, was die Gewandtheit anbetraf. Da sich Sternenlicht bereits David geschnappt hatte, galt seine Aufmerksamkeit zuerst Narbo, doch ließ er auch April nicht völlig aus den Augen. Er war angespannt und hochkonzentriert.

"Tun Sie nichts Unüberlegtes!", herrschte er Narbo an, ging er doch davon aus, das der versuchte, eine Waffe in die Finger zu bekommen; dann wäre das Chaos wirklich perfekt. Gleichzeitig bemühte er sich, April abzudrängen, wobei er sich zwischen sie und Narbo begab, damit sie nicht mehr auf den mittlerweile hilflosen David losgehen konnte, oder es sich anders überlegte und erneut versuchte den Ferengi anzugreifen.

"Das reicht jetzt! Beruhigen Sie sich alle wieder!", rief Chris und bezweifelte irgendwie, das er bei dieser Crew damit etwas erreichen würde.

"Ist schon in Ordnung.", sagte Jeffrey. Nach kurzem Zögern ließ Sternenlicht ihn los. Er schüttelte sich einmal, um wieder zur Vernunft zu kommen.

April wich einige Schritte zurück an die Wand der Bar - alle Gegner im Blickfeld - und verschränkte die Arme vor der Brust. Allerdings immer noch aufs höchste angespannt und jederzeit bereit zu agieren.

"Sehr gut ... soll mir auch recht sein. Aber dann bringen Sie diesen Zwerg dazu, mir einfach einen simplen Zugang zu geben - und mich nicht die ganze Zeit über den Tisch zu ziehen ..."

--- am Eingang

"Ifrinn, in was für ein Irrenhaus bin ich denn hier geraten?", fluchte die hochgewachsene Schottin, als sie die Bar betrat. An und für sich hatte sie erwartet, sich zu einem ruhigen Essen hinsetzen zu können und etwas zu trinken. Und vielleicht ein wenig zu plaudern.

Stattdessen sah es danach aus, als könne sie noch Arbeit bekommen. Dieser Sicherheitler, Carter, hatte sich gerade zwischen einem hochrot angelaufenen und sehr erbost wirkenden Narbo und einer nicht minder wutschnaubenden April aufgebaut.

Was da gelaufen war, konnte sich Llewella lebhaft vorstellen....

Warum aber Sternenlicht mittendrin stand und diesen Mann aus der Vergangenheit, Jeffrey, festhielt und warum Trustman abseits des Geschehens stand und nur beobachtete, war ihr zunächst einmal schleierhaft...

Die Rothaarige schüttelte den Kopf und suchte sich einen Tisch, von dem aus sie zwar das Geschehen verfolgen konnte, jedoch keine Gefahr lief, mit hineinverwickelt zu werden. Immerhin war sie Ärztin, kein Boxkämpfer.

--- Theke

Sternenlicht trat einen Schritt zurück, sein deutlich hin und her zuckender Schweif machte keinen Hehl aus seinem momentanen emotionalen Zustand. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er wohl etwas zu deutlich geworden war. Seine rasiermesserscharfen Krallen hatten deutliche Spuren in Davids Kleidung hinterlassen. Und auch in seiner Haut, wie der ganz feine Geruch nach Blut bestätigte.

Er setzte sich auf den Barhocker, neben dem er zu stehen gekommen war und wandte sich an Narbo: "Bring mir bitte einen neuen Drink, das ist doch sicher profitabler, als sich hier herumzuschlägern. Und gib April endlich eines deiner Gästequartiere, ich vermute mal, dass sie deine...", er zögerte einen Moment und suchte nach dem passenden Worten, "knallhart kalkulierten Preise nicht bezahlen wird." Er richtete einen fragenden Blick in Richtung April: "Oder?"

Aprils Gemütszustand hatte sich ein wenig beruhigt - angespannt war sie aber dennoch.

Mit einem leichten Nicken wandte sie sich an Sternenlicht.

"Sehr präzise erkannt - und vor allem zahle ich nicht für einen gekrackten Zugangscode...!"

Die Situation schien sich zu entspannen, doch noch war sie nicht völlig unter Kontrolle. "In Ordnung", meinte Chris beschwichtigend zu April. "Ich bin sicher, dass es auch dafür eine Lösung gibt, mit der alle zurecht kommen."

Er wandte sich zu dem Ferengi: "Da stimmen Sie mir doch zu, Narbo? Sie werden der Dame doch bestimmt mit Freude einen einwandfreien Zugangscode geben, nicht wahr?"

Er machte eine kurze Pause und sah den Barbesitzer dann mit einem Lächeln an. "Natürlich könnte ich Sie auch ein paar Tage in einer Arrestzelle verschwinden lassen, in der Zeit ist Ihre Bar dann geschlossen und Sie machen überhaupt keinen Gewinn."

Einen Moment musterte Narbo den Fremden und wartete, ob da noch eine versteckte Pointe kam, dann fing er laut an zu lachen und zeigte sein gefährlichstes Lächeln.

Seit Jahren wurde er von der halben Föderation wegen diverser Schwerverbrechen gesucht, nebenbei hatte er an Bord von Privateer und Atlantis die haarsträubensten Dinge erlebt und überlebt - und jetzt wollte ihn irgend so ein Depp verhaften.

"Der war gut, Mensch! Kaum drei Haare auf dem Sack und schon im Puff Schlange stehen", antworte er immer noch lachend, fügte dann an Wagenvoort hinzu, "Wo hast Du den Clown denn aufgegabelt, der gehört doch zu deinen Möchtegernsherrifs von der Venture?!"

Ruben wurde schlagartig rot. Alle Leute guckten ihn an, warteten auf seine Antwort, bis er ein interpretierbares "Ähm, ähh, ja, aber... Mr. Trustman?" herausbrachte und darauf hoffte, dass der Afrikaner die Situation klären würde. Er selber hatte diesen Carter doch auch gerade erst kennengelernt.

"Carter gehört zu unseren Sicherheitskräften", bestätigte dieser, machte aber keine Anstalten, in der jetzigen Situation mehr zu sagen. Sein Tonfall machte aber deutlich, dass das nicht mehr so lange so sein würde, wenn Carter sich nicht zurückhielt.

Eric konnte den Ferengi auch nicht leiden, aber an Bord der Venture hatten sie kein Recht, irgendjemanden "verschwinden zu lassen" oder auf andere Art und Weise zu maßregeln.

"Ja ja, es wird immer schwieriger, gutes Personal zu finden", antwortete der Barbesitzer und wischte sich die letzten Tränen aus den Augen, "Und für dich, Katzenvieh: Das sind nicht „meine Quartiere". Würde ich sonst gecrackte Codes anbieten?"

Sternenlicht überging die Beleidigung, mittlerweile war er dann doch zu der Erkenntnis gelangt, dass Ignorieren Narbo weit mehr half, als auf seine Sticheleien anzusprechen...

"Pah, dass ich nicht lache. Punkt eins, der Chef hat dir die Verwaltung der Gästequartiere übertragen. Punkt zwei, seit wann hindern dich Besitzverhältnisse daran, etwas zu verkaufen, das sind ja ganz neue Züge an dir... Wirst du auf dein Alter etwa sentimental?"

"Es hindern mich natürlich nicht die Besitzverhältnisse, aber Vermietung ist heutzutage nicht mehr profitabel: Zuviel Papierkram, miese Zahlungsbereitschaft, ständig notwendige Reparaturarbeiten... Viel zu viel Aufwand! Seit O'Connor mir die Aufgabe übertragen hat, sage ich jedem, dass er sich gefälligst ein leeres Quartier suchen, das Türschloss überlisten und mich anschließend in Ruhe lassen soll. Eine Win-Win-Situation. Und bisher war auch jeder damit zufrieden...", erwiderte Narbo wahrheitsgemäß und funkelte April dabei böse an.

Was dachte sich dieser drittklassige Gauner eigentlich? Chris war wütend und Trustman vergessen. Dachte der Kerl wirklich, er konnte sich erst über ihn lustig machen und dann auch noch einfach stehen lassen, als wäre nichts passiert? Das würde er sich nicht gefallen lassen.

In dem Moment, als Narbo es wohl schon nicht mehr erwartete, war es nun Chris, der ihn am Kragen packte, genau wie April nur kurz zuvor. "Sie", sagte er gefährlich leise, "sollten mich besser nicht unterschätzen. Glauben Sie, man würde Ihnen eine Träne nachweinen? Oder es würde mich stören, dass ich nicht zur Crew der Atlantis gehöre? Auch hier passieren Unfälle, lassen Sie Ihre Finger von dem Messer und überlegen Sie lieber zukünftig, wen Sie auslachen."

Dann ließ er den Ferengi wieder los und wich einen Schritt zurück, ohne Narbo aus den Augen zu lassen.

Die Halbbajoranerin musste unwillkürlich breit grinsen, als sie die Reaktion des Sicherheitlers beobachtete.

Die Arme vor der Brust verschränkt, lehnte sie sich lässig mit dem Rücken an die Wand hinter ihr.

"Wie es scheint, Narbo, haben Sie wohl nicht damit gerechnet, dass nicht jeder Ihre kleinen, miesen Spielchen mitspielt." Eine kurze Pause entstand.

"Ich werde auf jeden Fall nicht auf die Idee kommen, hier ein Quartier aufzubrechen, nur weil Sie so profitgierig sind."

Wütend zog der Ferengi den Anzug wieder zurecht, bevor er der Frau antwortete, wie man sonst nur mit Kleinkindern sprach: "Dann schläfst du halt auf dem Gang. Noch mal zum Mitschreiben: Ich besitze keine regulären Zugangscodes, die ich vergeben könnte. Entweder schaffst du es ohne Hilfe in das Quartier oder du nimmst meine kostenpflichtige Dienstleistung in Anspruch!"

Und Carter würde schon früh genug merken, wen es nicht zu unterschätzen galt. Vor dem Schmalspur-Helden hatte er jedenfalls keine Angst.

David würde auf das Angebot Sternenlichts gern zurückkommen... ein andermal. Jetzt wollte er beim Ferengi erst einmal einen guten Eindruck machen. Einige Gäste hatten während des Zwischenfalls die Bar betreten und die Situation war im Augenblick weit genug geklärt seiner Meinung nach. "Ich kümmere mich mal um die neuen Gäste.", sagte er in die Runde. Trustman nickte ihm zu.

--- Tisch 1

Mit einem enttäuschten Blick schaute die Terranerin noch mal auf den Boden ihres leeren Glases und wandte sich dann an Alex.

"Sagen Sie, Alex - ist April eigentlich immer so .... aufbrausend?"

Der Vulkanier verfolgte das Geschehen an der Bar inzwischen mit mildem Interesse. Das zur Schau gestellte Verhalten der meisten Personen war für ihn nur schwer nachvollziehbar. In seiner Zeit auf der Erde und auf anderen Sternenflottenschiffen hatte er nur selten so gewaltbereite Individuen angetroffen, die keine Klingonen waren. Vermutlich gab es für viele gute, nicht-idealistische Gründe, hier anstatt im Dienste der Föderation zu arbeiten.

--- Tisch 18

So langsam wurde Llewella hungrig. Und wenn sie hungrig war, dann wurde sie ungeduldig.

Man sollte doch meinen, dass in dieser Bar mehr als nur der mickrige Ferengi-Kellner vorhanden wäre, der sich in Luft aufgelöst hatte, nachdem April ihn ein wenig grantig angesehen hatte.

Wenn da nicht bald jemand kam und ihre Bestellung aufnahm, würde _sie_ an die Theke gehen und Stunk machen...

"Hallo. Haben Sie es auch hierher geschafft? Was darf es denn sein?", fragte Jeffrey freundlich. Die Ärztin war ihm auf der Mission angenehm ausgeglichen und irgendwie... normal im Gegensatz zu allen anderen aufgefallen. Da er ja eigentlich auch Arzt werden wollte, war sie ihm sympathisch.

--- Theke

Der Blick der Bajoranerin durchbohrte den Barmann unablässig und für einen kurzen Moment spielte sie mit dem Gedanken, dem Ferengi nachzugeben. Auf der anderen Seite - was hatte sie schon zu verlieren...?

"Narbo - warum vermieten Sie denn dann eigentlich Zimmer, wenn Sie selbst dort keinen regulären Zugang haben ...?"

Resigniert seufzte der Ferengi unmerklich.

Das Weib wollte es wohl einfach nicht kapieren. Jeder weitere Versuch, es ihr noch mal zu erklären, würde nur seine Zeit und seine Nerven verschwenden!

Dann hörte er das untrügerische Zeichen für Pormas' Gegenwart: Das summende Geräusch von zwei sich aufladenden Gigawatt-Blastern.

"Irgendwer irgendwelche Probleme?"

Das Grinsen des Halbgriechen sah aus wie im Gesicht festbetoniert. Fand zumindest Narbo und war froh, dass der Muskelberg ihre kleine Zeitreise versäumt hatte.

"Nein, außer du willst welche machen", grummelte er als Antwort in dem freundlichsten Ton, den er gegenüber dem schießwütigen Kerl aufbringen konnte.

Dieser schaute sich wie zur Antwort im Raum um, musterte jeden herausfordernd, schien aber vorerst keinen Anlass für eine Schiesserei zu finden.

"Tot, groß, fleischig, auf einem Teller, in fünf Minuten!", wies Pormas den Ferengi an, setzte sich an einen freien Tisch und legte die Blaster in Griffreichweite auf der Tischplatte ab.

Der Barbesitzer winkte einen der Kellner zu sich und schickte diesen unter Androhung von Entlassung zum Replikator.

--- Tisch 18

"Hallo, Mr. Jeffrey", begrüßte die Schottin den Zeitreisenden mit einem freundlichen Lächeln. "Hat es Sie jetzt in die Gastronomie verschlagen?"

Dann gab die Schottin ihre Bestellung auf, die aus einem schottischen Eintopfgericht und einem Glas Ale bestand. Whisky trank sie lieber ihren eigenen, als den replizierten Narbos.

Dann wandte sie sich wieder an David Jeffrey. "Sie sehen etwas geschafft aus, als könnten Sie auch mal etwas zu essen gebrauchen. Falls der alte Halsabschneider" - damit schickte sie einen kurzen Blick in Richtung Narbo, der immer noch am Diskutieren war - "Ihnen eine Pause gönnt, setzen Sie sich doch zu mir."

David grinste die Ärztin an. "Sie haben recht. Ich denke, da ich heute sowieso nicht bezahlt werde, dass ich es wenigstens einmal wagen kann, zu fragen." Damit machte er sich wieder auf zur Theke.

--- Theke

Während er den Eintopf replizierte, wandte er sich an Narbo. "Wie sieht's aus?  Hab ich mir inzwischen eine kleine Mahlzeit inklusive Pause verdient?" Unzufrieden konnte Narbo mit Davids Arbeit ja wirklich nicht sein.

---- Tisch 1

"Tja ...", begann Alex, "ich würde sagen, das kommt von der Zeit, als sie auf dem klingonischen Heimatplaneten war. So was geht nicht spurlos an einem vorbei. Jedoch denke ich, dass sie schon immer etwas impulsiv war."

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, während er an zurückliegende Ereignisse mit ihr dachte.

"Wobei ich nicht denke, dass es bei Narbo ne Schande ist, wenn er das Ganze abbekommt", fügte er etwas leiser zu Cheyenne gewandt an.

Die Terranerin musste bei der Antwort des Technikers grinsen. Sie kannte den Ferengi zwar noch nicht sehr lange - aber die Wortwechsel die sie mit ihm geführt hatte, hatten auch sie in Rage versetzt ...

"Ja, das stimmt wohl ... ", pflichtete sie ihm bei.

Wo blieben den eigentlich ihre bestellten Getränke?

Chris war immer noch wütend, hatte sich aber wieder einigermaßen unter Kontrolle. Der Kerl sollte es nicht noch einmal wagen, sich über ihn lustig zu machen.

Und Trustman würde sein Verhalten sicher nicht so einfach hinnehmen, schien der es doch für angebracht zu halten, dass er sich alles gefallen ließ. Carter ging an seinem Vorgesetzten vorbei zu seinem Platz zurück, unterwegs gingen ihm noch einige wüste Beschimpfungen gegen Narbo durch den Kopf, doch die behielt er für sich. Er hatte schon genug gesagt.

Er setzte sich; worüber am Tisch gerade gesprochen wurde, bekam er überhaupt nicht mit.

--- Theke

Was kein Wunder war, schließlich arbeitete Jeffrey erst seit einer viertel Stunde für ihn. Der Ferengi war von dem "Humor" des Menschen irritiert, aber für heute hatte er sich genug aufgeregt:

"Sehr lustig! Bring den Leuten erstmal ihre Bestellungen"

David musste ein wenig grinsen. Narbo hatte relativ gelassen reagiert. Er beschloss, sich in einigen Minuten, sollte nichts los sein, zu der Ärztin zu setzen.

Er lud die Getränke für Tisch 1 und Tisch 18 auf ein Tablett.

--- Tisch 1

David stellte schnell alle Getränke ab, schaute Carter kurz an und musste ein wenig Kichern über seinen Auftritt, doch riss er sich schnell wieder zusammen...

--- Tisch 18

"Wie lautet eigentlich ihr Name?" fragte David die Ärztin, während er den Eintopf nebst Getränk servierte.

--- Theke

April hatte den Terraner der eben die Bar betreten hatte, noch für einen Moment beobachtet. Die pompöse Feuerwaffe würde sie nicht aus den Augen lassen.

Resigniert wandte sie sich wieder an den Barmann.

"Narbo - dann trete ich eben die Tür zu einem der Quartiere ein - aber geben Sie mir das bitte schriftlich - ich möchte hinterher her keinen Ärger bekommen ... "

Innerlich bereitete sie sich schon auf eine weitere Beschimpfung durch den Ferengi vor.

"Mach was Du willst, Weib", gab dieser zurück. Auf eine schriftliche Bestätigung würde sie aber lange warten müssen, er war ja nicht bescheuert.

Nebenbei beobachtete er Jeffrey, wie dieser seiner Arbeit nachging.

Narbo glaubte nicht, dass dessen Engagement hier große Zukunft haben würde. Einzig und allein, weil dieser im Rahmen eines unentgeltlichen Praktikums tätig war, durfte er die Schicht noch beenden.

Innerlich noch immer kochend fixierte die Kriegerin den Barmann für einige Augenblicke noch mit einem durchstechenden Blick. Sie hatte immer noch gute Lust, dem Kerl an die Gurgel zu gehen, und für einen kurzen Moment ballte sich ihre rechte Hand noch einmal zu einer Faust.

Mit einem wütenden Brummen stapfte sie dann jedoch an der Theke vorbei in Richtung Ausgang. Den Barhocker, der sich groteskerweise auf ihrem direkten Weg nach draußen befand, stieß sie mit einer viel zu kraftvollen Bewegung zur Seite. Es würde wohl keinen Sinn machen, weiter mit diesem Kerl zu diskutieren - sie würde das Gespräch an einer passenderen Stelle, vielleicht mit irgend einer Art von Waffe - fortführen.

--- Tisch 1

Erfreut über das Eintreffen der Getränke griff Cheyenne nach ihrem Glas und nahm einen kräftigen Schluck daraus ....

... und zuckte schon im nächsten Moment zusammen als ein Barhocker ca. einen Meter neben ihrem Tisch auf dem Boden aufschlug und in seine Einzelteile zerbrach. Als sei dies noch nicht genug, verschluckte sich die Terranerin auch noch an ihrem Saft und während Cheyenne noch hustend nach Luft schnappte, bemerkte sie aus den Augenwinkeln, wie die Halbbajoranerin stürmisch die Bar verliess.

Helfend schlug Alex der Pilotin auf den Rücken, so dass sie nicht an ihrem Saft erstickte, während er immer noch auf die Tür starrte, durch die April wutschnaubend verschwunden war. Er fragte sich, was da an der Theke vorhin passiert war und warum die Bajoranerin sich jetzt einfach so von Dannen gemacht hatte? Vor allem, da Narbo scheinbar unverletzt zu sein schien ...

"Besser?", fragte er Cheyenne, nachdem sich ihr Husten ein wenig beruhigt hatte und er die leichten Schläge unterbrechen konnte.

"J..a.. ", gluckste die Pilotin als Antwort. Nach ein paar Sekunden hatten sich auch ihre Atemwege wieder beruhigt.

"Mensch, was war denn das?"

"Äh, Sie haben versehentlich flüssige Substanz in die Atemwege inhaliert. Der Fachbegriff dafür ist Aspiration", erklärte Ruben und versuchte Cheyenne zu beruhigen, "Im Regelfall eine harmlose Erscheinung, auch wenn es diverse chronische Varianten gibt, deren äh Auftreten bei Ihnen aber glücklicherweise unwahrscheinlich sind."

Er versuchte sich an einem Lächeln, wandte sich dann an Poulsen:

"Ach ja, Sie sollten das mit dem Schlagen lassen. Das führt eher dazu, dass die Flüssigkeit tiefer in die Lunge abrutscht. Idealerweise sollten Sie den Betroffenen Kopfüber halten, so dass die Flüssigkeit herauslaufen kann."

Cheyenne warf dem Niederländer einen verständnislosen Blick zu und schüttelte dann den Kopf.

"Machen Sie sich um meine Atemwege mal keine Sorgen ...

... eigentlich meinte ich gerade unsere "klingonische Kriegerin"!"

Die Ironie in ihrer Stimme war nicht zu überhören.

--- Tisch 18

Llewella blickte den Mann verwundert an. Sollte sie tatsächlich vergessen haben, sich vorzustellen? Wenn, dann war das im allgemeinen Tohuwabohu nicht verwunderlich gewesen.

"Dr. Campbell, Llewella Campbell", lächelte sie den Mann freundlich an und nippte an ihrem Getränk.

Während sie zu essen begann, fragte sie David: "Was werden Sie jetzt machen? In Ihre Zeit können Sie kaum zurück..."

--- Tisch 1

Chris hatte sich das Treiben um ihn her schweigend mit angesehen. Es war zu keiner weiteren Auseinandersetzung gekommen. Auch wenn es unpassend war, irgendwie bedauerte er, dass der Ferengi so davongekommen war.

Auch an dem Gespräch am Tisch hatte er sich bisher nicht beteiligt, Carter war noch viel zu sehr mit dem beschäftigt, was sich vor ein paar Augenblicken ereignet hatte. Doch bei Wagenvoorts Kommentar starrte er den Chef der Sicherheit fassungslos an.

Nicht nur, dass der zu dem Vorfall anscheinend keine Meinung hatte, es schien ihn auch gar nicht zu kümmern. 'Und vor _dem_ soll ich Respekt haben? Wie ist der Sicherheitschef geworden?'

Chris hatte schon eine unschöne Bemerkung auf den Lippen, schluckte sie allerdings im letzten Moment herunter. Doch man konnte Carter problemlos ansehen, was er von Wagenvoort hielt. Er wandte rasch den Blick ab.

Auf Cheyennes Bemerkung zuckte Chris kurz mit den Schultern. "War doch nur ein Stuhl. Die Situation scheint geklärt und der Ferengi lebt noch", meinte Chris beiläufig, doch wer genau hinhörte, konnte vielleicht einen Hauch von Bedauern in seiner Stimme wahrnehmen. Ihm hätte der Verlust des Ferengis sicher nichts ausgemacht.

Cheyenne schaute den Terraner ein bisschen schief von der Seite an. Seine Reaktion kam ihr komisch vor.

"War doch nur ein Stuhl? Chris, ist das normal bei Ihnen, dass einfach mal so Stühle durch den Raum fliegen und sich zwei Leute an die Gurgel gehen?"

Irgendwie schienen ihre Kollegen alle äußerst teilnahmslos zu sein angesichts der doch sehr turbulenten Ereignisse. Wären sie hier auf einem Sternenflottenschiff gewesen, würden April und Narbo wahrscheinlich schon in einer Arrestzelle sitzen.

--- Turbolift

Wütend schlug die Halbbajoranerin mit der Faust gegen die harte Kabinenwand des Liftes - begleitet von einem leisen Fluchen als sie bemerkte, dass diese keinesfalls nachgab wie sie erwartet hatte.

 Wie konnte dieser Ferengi nur so dreist sein ...?

Das fragende Piepen des Liftes erinnerte April daran, dass sie noch gar nicht angegeben hatte wohin sie überhaupt wollte. Kurz dachte sie über die möglichen Ziele nach.

"Computer, wo befinden sich die Gäste Quartiere?"

--- Tisch 18

David hatte April hinterher geschaut und war für eine kurze Zeit sprach- und fassungslos. So viel Aggression auf einem Haufen hatte er lang nicht gesehen. Er war sich nicht sicher, ob es ihm gefallen oder einfach nur verärgern sollte.

Er richtete seinen Blick wieder auf Campbell und antwortete: "Nun ja. Um ehrlich zu sein gibt es dort auch nicht so sonderlich viel Positives für mich. Ich erhoffe mir ein wenig, hier vielleicht ein neues Leben anzufangen. Aber auf der Atlantis wird einem das wohl nicht ganz so leicht gemacht. Ich hätte gerne die Möglichkeit, mich über die beiden Schiffe und deren Besatzungen zu informieren... Könnten Sie mir da vielleicht behilflich sein? Außerdem benötige ich Geld, um hier zumindest einmal irgendwo leben zu können." Er pausierte kurz. Ganz schön überrumpelnd, was er da gerade gesagt hatte. Aber er musste nun wirklich mal an eine Lösung seines Problems kommen. Zudem war er schon immer ein sehr direkter Mensch gewesen.

"Einen Moment!", sagte er und ging einen anderen Tisch bedienen, um daraufhin direkt wieder herzukommen.

--- Tisch 1

"So habe ich das nun auch nicht gemeint", beeilte Chris sich zu versichern. Und das stimmte sogar. Er sah sie mit einem lächeln an.

"Wissen Sie, ich habe nur den Eindruck gewonnen - in der kurzen Zeit, die ich an Bord bin, meine ich - dass es hier um einiges aggressiver zugeht als anderswo."

Chris streifte mit einem flüchtigen Blick Wagenvoort, doch der schien sich immer noch nicht beteiligen zu wollen. "Oder ist es hier im Algemeinen eigentlich etwas ruhiger?", fragte Carter wieder an Cheyenne gewandt.

--- Theke

Grinsend schaute der Ferengi dem Weibchen noch etwas hinterher: Sie hatte es nicht geschafft, sich durchzusetzen. Trotz ihrer Brutalität war sie ihm letztlich doch geistig einfach weit unterlegen.

Das lag an ihrem minderwertigen bajoranischen Erbgut und natürlich auch an ihrem Geschlecht, analysierte Narbo für sich.

Das Eingreifen von Pormas ignorierte er beflissentlich.

Dieser saß immer noch an dem Tisch und widmete sich ganz seinem 800 Gramm-Steak. Meinte zumindest der Ferengi. Natürlich nahm Pormas alles um sich herum wahr, aber er sah gab keine Notwendigkeit, dies den anderen zu zeigen.

Sternenlicht blickte sich um. Pormas hatte auf seine unnachahmliche Art das ganze entschärft. Nun, besser, als wenn er einige Uniformen in leicht lädiertem Zustand hinterlassen hätte. Sivaoanische Krallen waren, je nach Grad des Ärgers ihres Besitzers, nicht unbedingt ein Präzisionswerkzeug.

Zufrieden neigten sich seine Schnurrhaare nach vorne. Er nahm seinen Drink in die Hand und stand auf.

--- Tisch 18

Sternenlicht kam gerade zusammen mit David Jeffrey an Llewellas Tisch an. "Hallo Llewella, Mr. Jeffrey, ich darf mich doch sicher dazusetzen."

Lächelnd blickte die Schottin zu dem großen Katzenwesen auf. "Selbstverständlich, Sternenlicht!"

Dann wandte sie sich an David Jeffrey, der gerade Anstalten machte, sich ebenfalls zu setzen:

"Ich weiß nicht, ob Sie Sternenlicht zu-Srallansre bereits kennen? Er ist einer der Wissenschaftler der Atlantis."

David nickte dem neuen Besitzer seines Shuttles zu. "Wir hatten schon das Vergnügen." David überlegte kurz, ob er sein Shuttle wieder zurückbekommen konnte. Die Gruppe hatte es mit Sicherheit nur für den Heimflug gebraucht.

Den Gedanken stellte er jetzt jedoch hinten an, er würde ein anderes Mal mit Sternenlicht darüber sprechen. Er schaute Dr. Campbell ein wenig ungeduldig an. "Und? Haben sie vielleicht etwas für mich?"

Die Schottin verzog lächelnd den breiten Mund. "Möglicherweise. Allerdings sollte ich erst einmal wissen, was Ihre Qualifikationen sind, um Ihnen da weiter behilflich zu sein.

Können Sie mit Kranken und Verletzten umgehen? Zumindest bei mir auf der Krankenstation wären einige Plätze vakant - und das wäre ja mal ein Anfang, was das Geld verdienen angeht."

"Nun ja. Ich habe mich an der Akademie nach dem Grundjahr für eine Wissenschaftliche Karriere entschieden. Nach einem kurzen Einsatz habe ich dann das Psychologiestudium absolviert. Also Grundkenntnisse sind auf jeden Fall vorhanden."

David war inzwischen froh, an die Ärztin geraten zu sein. Zufrieden wartete er ihre Antwort ab.

"Aye, das ist doch schon mal etwas. Sie können also jederzeit als Kranken'schwester' oder Pfleger anfangen, dann sehen wir schon, wie das Ganze aussieht. Ein Quartier kann ich Ihnen dann auch zuweisen, wenn Sie offiziell auf der Besoldungsliste der Atlantis stehen.

Vielleicht ergibt sich dann ja auch noch Arbeit in Ihrem eigentlichen Betätigungsfeld..." meinte die Rothaarige nachdenklich und fügte im Geiste hinzu '...wenn ich es geschafft haben sollte, Deine Angaben nachzukontrollieren...'

--- Tisch 1

"Das ist eine gute Frage ... ich bin auch erst seit heute auf der Atlantis. Eigentlich arbeite ich gerade auf der Venture, aber da hab ich auch noch nicht sonderlich viele Erfahrungen gemacht - der erste Ansatz davon wurde von unserer Zeitreise durcheinander gebracht."

Cheyenne machte eine kurze Pause, in der sie die anderen Personen am Tisch mit einem prüfenden Blick betrachtete.

"Und diese April kenne ich auch erst seit ein paar Tagen..."

Als Alex von Cheyennes Blick getroffen wurde, zuckte er nur mit den Schultern und fügte mit deinem Lächeln hinzu: "Ich kann zu der alltäglichen Situation hier auf der Atlantis auch nicht viel sagen, schließlich bin ich ebenfalls von der Venture. Jedoch nehme ich an, dass es auf einem nicht von der Föderation betriebenem Schiff wohl etwas hektischer oder besser gesagt unorganisierter abläuft. Schließlich ist das auf der Venture in Ansätzen so und wir arbeiten eigentlich nach Möglichkeit weiter auf Sternenflottenstandard."

Er nahm einen großen Schluck von seinem Getränk und musste überrascht feststellen, dass der Barkeeper es bis auf in paar kleine Punkte ganz gut hinbekommen hatte. Natürlich nicht zu vergleichen mit der Bar auf Zirosa 5...

--- Holodeck 1

Ysara schloss die Augen und atmete ruhig. Ihre Umgebung geriet in den Hintergrund. Grilmaks dunkle Abendsonne, die harte Steinterrasse des Tempels, die Brise, die durch ihre Zöpfe strich, verblassten und wurden durch Bilder ersetzt, die an ihrem inneren Auge vorbei strichen: Die Sandstrände Hawaiis. Ihr Quartier in der Sternenflottenakademie. Die Korridore des Schiffs, auf dem sie ihren ersten Einsatz absolvierte...

Das Shuttle, in dem sie wochenlang durch die Badlands flog, auf der Flucht vor Captain McCarthy.

Ihr Atem wurde unregelmäßig.

"Finde deine innere Balance", sagte eine leise Stimme hinter ihr. "Finde zurück in deine innere Heimat... Schritt für Schritt durch deine Vergangen..."

Die Stimme verstummte, obwohl der Sprecher aus seiner Position nicht sehen konnte, dass Ysara abrupt die Augen geöffnet hatte. Einen Moment lang behielt sie die meditative Pose noch bei, Hände auf den Knien, und sah in die Simulation der Sonne von Grilmak. Grilmak gab es jetzt natürlich nicht mehr. Sie hatte es nie besucht, aber sie hielt es für keinen großen Verlust. Solange es sie nicht persönlich betraf, interessierten andere Planeten sie nicht besonders.

Geschmeidig drehte sie sich zu dem einzigen Mann an Bord der Atlantis um, zu dem sie nie etwas Schlechtes über seine Heimatwelt sagen würde. Erstens reagierte Kwinh nicht besonders herzlich, wenn man keinen Respekt vor seinen zehn Milliarden toten Mit-Grilmak besaß – nicht dass sie das normalerweise interessiert hätte. Aber zweitens war er ihr einziger Freund auf der Atlantis. Wenn man Nathalie Connor ausnahm, die mit ihnen Karten spielte.

KWinh sah kritisch zu ihr hinab. "Du findest deine innere Ruhe nicht", sagte er tadelnd. "Du lässt dich von dem ablenken, was ist, anstatt dich dem hinzuwenden, was sein könnte."

Ysara verzog die Lippen. "Ich finde das, was ist, gerade ein wenig erdrückend", erwiderte sie spitz. "Vielleicht, weil es mich ein bisschen zu sehr an das erinnert, was sein könnte." Wie dass McCarthy sie aus einer Luftschleuse warf. Oder dass *O'Connor* sie aus einer Luftschleuse warf. Es war nicht so, als hätte sie dem Mann was getan, aber offenbar war sie ihm suspekt. Seit ihrem "Besuch" bei McCarthy auf der Krankenstation der Venture - die Erinnerung brachte sie immer noch zum Grinsen - hatte er ihr jetzt auch noch geraten, sich von Narbos Bar fernzuhalten. Weil Crewmitglieder der Venture dort herumliefen!

Vielleicht hatte er ein Problem mit Crewmitgliedern, die in ihrer Vergangenheit andere Captains betrogen hatten. Offenbar mangelte es ihm an Selbstbewusstsein.

Vielleicht glaubte er sogar die haarsträubende Geschichte, die McCarthy über sie in die Welt gesetzt hatte. Als ob irgendjemand sich ernsthaft am Bau einer Biowaffe beteiligen würde, um die Welt zu vernichten. Es war nicht so, als möge sie die Welt im Einzelnen, aber sie mochte durchaus sich selbst.

"Meditation liegt mir nicht", schloss sie, entkreuzte die Beine und stand auf. Pikierlich zupfte sie sich holographisches Gras von der Hose.

KWinh sah sie mit noch so einem tadelnden Blick an. "Du bist nur nicht bereit, dich deiner Vergangenheit zu stellen." Die Augenbrauen über seinen roten Augen wanderten nach oben. "Oder vielleicht ist dir innerer Frieden eigentlich zu langweilig. Oder er macht dir Angst."

Ysara verdrehte die Augen. "Ich hätte *nie* mit dir diesen Liter Whiskey trinken dür..."

Gleichzeitig piepten ihre Kommunikatoren los.

Schadenfroh nahm Ysara eine Frage aus der Krankenstation entgegen, in der eine der Hilfskräfte einen Medikamentenvorrat nicht fand, während KWinh zurück in den Maschinenraum gerufen wurde.

"Angst", beschied KWinh mit einem letzten bedeutungsvollen Blick, bevor er ging.

"Whiskey", gab Ysara trocken zurück. "Im Übrigen ist Profiling meine Aufgabe. Aber ich komme gerne bei Gelegenheit vorbei und repariere dir den Warpkern, um mich zu revanchieren."

KWinh lachte sie nur aus.

Unbehaglich sah Ysara ihm einen Augenblick lang nach, bevor sie die Simulation beendete und selbst ging, und verbat sich, wieder an McCarthy zu denken.

Dem Mann mit ihrem Besuch auf der Krankenstation fast einen zweiten Herzanfall zu bescheren hatte Spaß gemacht, zugegeben, aber sie war immer noch so wütend wie am ersten Tag.

--- Bar, Tisch 5

"Ahhhrg"

Der Halbgrieche versuchte erst gar nicht, das Aufstoßen ganz zurückzuhalten. Das war schlecht für den Körper, weil es den Gashaushalt unnatürlich einschränkte.

Und Pormas hielt nichts davon, seinen kraftvollen Körper in irgendeiner Form zu zügeln!

Geräuschvoll schob er den Teller zur Seite, auf dem nur noch winzige Fleischreste und eine ausgeschabte Backkartoffel von dem riesigen Steak zeugten, welches er problemlos in den letzten Minuten verputzt hatte.

'Fleisch gibt ordentlich Tinte auf den Füller!', dachte er grinsend, während er aufstand und sich dann Richtung Tisch 18 in Bewegung setzte.

Er war nicht nur gekommen, um die kleinere Rangelei zu befrieden.

Dafür hätte er irgendeinen Idioten losgeschickt. Zwar war er offiziell noch nicht Sicherheitschef, aber jeder Sicherheitler an Bord, der Wert auf ein geordnetes Gebiss legte, fügte sich seiner fachlichen Kompetenz.

O'Connor ließ ihn gewähren und Theocrates dankte es ihm mit seiner ehrlichen Loyalität.

--- Tisch 18

"Du! Ja, genau du", unterbrach Pormas Jeffrey in dessen Gespräch, nachdem er sich in seiner ganzen Pracht vor dem Tisch aufgebaut hatte, "Der Captain meint, dass man dir trauen kann. Aber sei dir sicher, dass Pormas Theocrates ein Auge auf dich hat!"

--- Tisch 1

Chris trank einen Schluck und lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. 'Das sind ja tolle Aussichten.' Das mit dem Sternenflottenstandard wagte er stark zu bezweifeln. Nach allem, was Chris hier bisher gesehen und erlebt hatte, schienen sie davon meilenweit entfernt zu sein.

Doch das musste ja nicht unbedingt schlecht sein und morgen, wenn sich seine Laune etwas gebessert hatte, würde er das sicher auch schon viel entspannter sehen.

Vorausgesetzt, er würde morgen noch einen Job haben, über den er sich Gedanken machen konnte. Carter warf Trustman einen wütenden Blick zu, der Kerl war mittlerweile ein rotes Tuch für ihn geworden.

Als sich Chris wieder an dem Gespräch beteiligte, ließ er sich nichts anmerken. "Eigentlich interessiert mich ja auch mehr die Venture, Mr. Poulsen. Schließlich werde ich dort meinen Dienst versehen. Wissen Sie nicht noch ein paar Dinge von dort zu berichten, ich hatte noch keine Gelegenheit mir das Schiff genauer an zu sehen, geschweige denn, mich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen."

--- Tisch 18

Beinahe hätte sich Llewella an ihrem Getränk verschluckt. Blickte der Neue doch den Schrank, der sich da soeben vor ihm aufgebaut hatte, reichlich irritiert an.

Lange her war die Zeit, in der die Schottin und der Halbgrieche ständig aneinander geraten waren. Pormas hatte es zwar bislang nicht geschafft, die Rothaarige in die immer länger werdende Liste seiner Eroberungen einzureihen, aber so etwas wie eine Freundschaft war dennoch entstanden.

Wenn sie sich da nur an "Pormas' persönliches Biobett" erinnerte....

Sie unterdrückte ein Kichern, was ihr einen sekundenschnellen, strafenden Seitenblick des Muskelbergs einhandelte. Dann lehnte sie sich zurück, gespannt auf Jeffreys Reaktion wartend.

Sternenlichts Schweif hatte bei Pormas' Auftreten eine ziemlich verwundene Spirale gebildet (ob das wohl weh tat?), zum Glück war selbst nach all der Zeit die Sivaoanische Körpersprache dem Griechen ein Rätsel. Das Katzenwesen war sich so gar nicht sicher, wie Pormas sonst auf das sivaoanische Äquivalent eines lauten Auflachens reagiert hätte.

In guter, alter irdischer Manier zwinkerte er Pormas zu: "Lass ihn doch wenigstens in Ruhe essen bevor du ihn einschüchterst. So was schlägt nur auf den Magen."

David schaute den Riesen einige Sekunden stillschweigend an. Dann stand er auf. "Freut mich auch, Sie kennenzulernen."

--- Tisch 1

Der Vulkanier kümmerte sich mit dem Großteil seiner Aufmerksamkeit gerade weniger um die derzeitige Konversation als um den menschlichen Sicherheitler, der soeben den Streit geschlichtet hatte. Zwar auf sehr eigentümliche Weise, aber zumindest effizient... Insgesamt schien diese Person selbst für einen Menschen sehr eigentümlich.

S'Tom hoffte sehr, dass sich Alex' Aussage über den Versuch des Sternenflottenstandards auf der Venture bewahrheiten würde. In einem Umfeld wie hier auf der Atlantis würde ihm sein Einsatz deutlich schwerer fallen.

Überrascht blickte Alex den jungen Sicherheitler an. Hatte er sich da gerade verhört, oder wollte dieser Carter wirklich Informationen über die Venture? Er rief sich den aktuellen Besatzungsplan der Venture ins Gedächtnis; nur um sicher zu gehen, dass er sich nicht irrte. Doch auch darin meinte er zu sehen, dass Chris vor ein paar Wochen für die Sicherheitsabteilung eingestellt worden war.

Konnte es sein, dass Chris vorhin bei der Rangelei zwischen Narbo und April irgendetwas abbekommen hatte? Vielleicht einen Schlag an den Kopf? Oder hatte Narbo irgendetwas Absonderliches in seinen Drink gemischt? Alex konnte sich nicht wirklich erklären, woher dieses seltsame Verhalten des Mannes herrühren könnte.

"Eine kurze Frage, Mister Carter", sagte er, während er einen Seitenblick zu Wagenvoort und Trustman warf. "WAS haben Sie die letzten paar Wochen eigentlich gemacht?"

Über Cheyennes Gesicht huschte ein leichtes Grinsen bei der durchaus berechtigten Frage des Technikers. Carter war ja schon ein netter Kerl, aber diese Aussage hatte sie auch ein bisschen erstaunt.

Abwartend auf dessen Reaktion lehnte sie sich in ihrem Stuhl zurück.

--- vor Holodeck 1

Kaum dass sie das Holodeck verließ, wurde Ysara beinahe von einer Joggerin umgerannt. Es handelte sich vermutlich um die einzige Person an Bord, der es erfolgreich gelang, tonnenweise Goldschmuck mit einem Trainingsanzug zu kombinieren.

"Whoa, Vorsicht!" Nathalie Connor kam schwer atmend zum Stehen, stützte die Hände auf die Oberschenkel und grinste sie an. Kopfschüttelnd besah Ysara die Sicherheitlerin von oben bis unten und fragte sich, ob es Pormas bisher gelungen war, sein Testosteron auch in Connors Bett zu versprühen. Ysara hatte ein schwieriges Verhältnis zu dem inoffiziellen Sicherheitschef – ein Wahrheitsserum hatte sie einst gezwungen, ihm *genau* zu vermitteln, wie wenig ihr die Vorstellung seines brünftigen Stöhnens beim Orgasmus zusagte. Sie hatten allerdings später Gemeinsamkeiten entdeckt - beide mit Pumpguns bewaffnet, die auf einen gefangenen Romulaner gerichtet waren.

Connor begann auf der Stelle zu joggen. Ysara hob eine Augenbraue. "Was spricht gegen das Holodeck?"

"Energieverschwendung", erwiderte Connor knapp. "Nicht mein Problem, wenn nur Hologramme freiwillig mit dir sprechen." Ysara schnaubte, und sie grinste. "So trifft man mehr Leute. Zum Beispiel dich." Sie nickte fragend den Gang hinab, und Ysara setzte sich wieder in Bewegung, während Connor mit Minischritten neben ihr her joggte. "Schon die Geschichte von der glorreichen Zeitreise in den Dominionkrieg gehört?"

"Ich kann dir versichern, dass sich niemand auf diesem Schiff befindet, der noch nicht mehrere Versionen kennt - ich hatte eine mit den Breen. Glücklicherweise hat mich das Abenteuer der Woche aber diesmal verschont." So würde sie in fünf Minuten, wenn zweifellos wieder das Schiff explodieren oder ein "einfacher" Auftrag sich als Katastrophe entpuppen würde, die einzige Person sein, die vollkommen ausgeschlafen war. "Es ist natürlich jederzeit möglich", fuhr sie fort und verdrehte die Augen. "dass jemand gleich 'April, April!' ruft, weil es nur Narbo war, der allen Beteiligten halluzinogene Drogen verabreicht hat." Andächtig seufzte sie. Das einzig Schöne an ihrem neuen Job als Campbells Handlangerin war der Zugang zum Medikamentenschrank.

"Oh, da wäre ich mir nicht so sicher", widersprach Connor, die jetzt damit anfing, akrobatisch auf der Stelle zu hüpfen. "Sie haben jemanden mitgebracht."

Scharf sah sich Ysara zu ihr um. "Sie haben was?"

"Jemanden mitgebracht", erwiderte Connor. "Wundert mich, dass sie dich nicht gerufen haben, als Counselor und alles. Der Mann muss doch vollkommen traumatisiert sein."

Ysara verzog die Lippen. "Wenn McCarthys Crew in irgendeiner Weise damit zu tun hatte, stellt sich die Frage gar nicht erst." Aber sie signalisierte Connor, dass sie sich wieder in Bewegung setzen sollte - sah ganz danach aus, als müsste sie sich am nächsten Terminal über ein paar Aspekte dieser Zeitreise informieren, die ihr bisher entgangen waren. "Erzähl mir mehr."

--- Bar, Türbereich

Fünf Minuten nach ihrem Gespräch mit Connor stand Ysara in der Tür zu dem Ort, den sie dem Captain zufolge um des Friedens willen zu meiden hatte.

Sie hatte beschlossen, diese Empfehlung zu ignorieren und stattdessen Narbo den Tag mit etwas Profit zu versüßen.

Entzückt sah sie sich im Raum um, bis sie an einem voll besetzten Tisch den Mann erkannte, der David Jeffrey sein musste. Er war einfach zu erkennen. Den mit dem Borgimplantat - was machte jemand mit Borgimplantat auf diesem Schiff? - konnte sie beispielsweise sofort ausschließen.

Ein leichtes Grinsen glitt über Ysaras Gesicht. Sie zückte ihren medizinischen Tricorder und setzte sich in Bewegung.

Schließlich sollte O'Connor ihr nicht vorwerfen, dass sie sich nicht engagierte. Nicht, dass er sie wieder auf der Venture aussetzte, auf der mittlerweile vielleicht sogar der Shuttlehangar bewacht wurde.

--- Tisch 18

"Hallo Llewella, hallo Pormas, hallo Sternenlicht", sagte Ysara fröhlich und kam schwungvoll zum Stehen. Sie visierte das Ziel ihrer Suche an. "Mr. Jeffrey? Mein Name ist Ysara Jefferson. Ich bin der Schiffs-Counselor und mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie eine traumatisierende Zeitreise hinter sich haben."

Ohne auf eine Antwort zu warten, hob sie den Tricorder und begann den Mann zu scannen. Er öffnete den Mund. Sie schnitt ihm das Wort ab. "Ich entnehme unserer historischen Datenbank, dass Sie bereits früher auf psychologische Hilfe angewiesen gewesen sind." Interessiert hob sie eine Augenbraue und sah auf das Display des Tricorders hinab - Leberwerte. Altmodische, hohe Leberwerte. Das hier versprach sogar mehr Spaß, als sie sich erhofft hatte. "Waren Sie wegen Ihres Alkoholproblems schon einmal in Behandlung, Mr. Jeffrey?"

Mit diesen Worten klappte sie ihren Tricorder zu und warf dem Mann eines ihrer seltenen strahlenden Lächeln zu.

--- Turbolift

"Die Gästequartiere befinden sich auf Deck 5.", antwortete die blecherne Stimme des Computers April nach ein paar Augenblicken. Etwas irritiert über die verhältnismäßig lange Reaktionszeit des Bordcomputers befahl die Kriegerin dem Lift, dieses Deck aufzusuchen.

--- Deck 5, Holodeck 1

Mit einem leisen Zischen öffneten sich die Türen des Liftes und April machte etwas gedankenverloren einen Schritt nach vorne - und stieß schon im nächsten Augenblick mit einer, ebenso wie sie, hochgewachsenen Frau zusammen, die wohl gerade - ihrem Outfit nach zu urteilen - von einer ausgedehnten Joggingrunde kam.

"Verdammt ... darf ich zuerst aus dem Lift raus?", die Halbbajoranerin versuchte, ihrer Stimme einen neutralen Ton zu verleihen, um nicht gleich zu Anfang bei ihrem Gegenüber anzuecken.

--- Bar, Tisch 18

Irritiert blickte die Schottin Ysara an. Sie war ziemlich überfahren von deren Art, einfach mit der Tür ins Haus zu fallen.

Noch bevor Jeffrey antworten konnte, wandte sich Llewella mit höflichem, aber etwas scharfen Ton an die Counselor. Ihr belustigter Gesichtsausdruck war verschwunden.

"Ysara, ich halte es nicht gerade für den richtigen Ort, ein derartiges Gespräch mitten in einer voll besetzten Bar zu beginnen. Vielleicht steckst Du Deinen Tricorder weg, setzt Dich hin und beginnst erst einmal ein vernünftiges Gespräch mit Mr. Jeffrey."

Ysara lächelte Campbell einen Moment lang höflich, aber verständnislos an.

Dann zog sie einen Stuhl näher, setzte sich, verkreuzte die Beine und legte den Tricorder betont auf den Tisch.

"Entschuldigung. Wo bleiben meine Manieren", erwiderte sie fast gar nicht ironisch und wandte sich wieder David Jeffrey zu. "Also. Ich habe gesehen, dass die Sternenflotte Sie auch degradiert hat. Mich haben sie glücklicherweise gleich entlassen, so dass ich Gelegenheit hatte, auf diesem wunderbaren Schiff anzuheuern."

Flüchtig sah Ysara auf das Barchronometer und fragte sich, was wohl zuerst geschah: Schlägerei, Tränen oder Entlassung.

--- Deck 5, Gänge

"Huh. Klar. Tut mir leid", Rasch trat Nathalie einen Schritt zurück, um der fremden Frau Platz zu machen, und verbat sich, zu starren - immer dieser Drang, herauszufinden, wo nicht ganz menschlich aussehende Crewmen herkamen.

Immer noch schwer atmend nutzte sie Gelegenheit, um sich mit dem Handtuch, das um ihre Schultern lag, Schweiß aus der Stirn zu wischen. Was sie jetzt vor allem brauchte, war eine Schalldusche.

"Ach ja", fügte sie hinzu. "Sie müssen von der Venture sein, was? Suchen Sie Narbos Bar?"

Ein leicht gequältes Grinsen legte sich auf Aprils Gesicht, als sie antwortete.

"Nein, ich bin gerade dabei, hier auf der Atlantis anzuheuern." Und mit einem verächtlichen Unterton fügte sie hinzu: "Aus der Bar dieses Halsabschneiders komme ich gerade ... eigentlich suche ich die Gästequartiere."

"Gästequartiere?" Verblüfft hob Natty die Augenbrauen. Dann legte sich ein breites Grinsen auf ihr Gesicht. "Sie meinen die Zellenbereiche? Ich glaube nämlich nicht, dass wir auf der Atlantis je freiwillige Gäste hatten, wenn Sie verstehen."

Jetzt musterte sie die Frau aber erst recht neugierig. Sie hatte was Bajoranisches an sich, okay, und Bajoraner waren Nathalies Erfahrung nach meistens friedliebende Menschen. Aber wenn sie sich nicht irrte, besaß diese hier eine gewisse Grundwachsamkeit - nicht die Sorte, die, sagen wir mal, als Krankenschwester anheuerte oder dem Captain Tee kochen wollte.

"Wir teilen Ihnen einfach eines der leeren Quartiere zu", fuhr Natty erst mal fort und erinnerte sich daran, dass sie eigentlich einen Job hatte und den auch ab und zu erledigen sollte. Auch wenn sie von Pormas normalerweise nur für Deckwache und andere überflüssige Pflichten eingesetzt wurde. Sie tippte ihren Kommunikator an. "Computer, welches ist das nahste unbenutzte Standardquartier?"

Der Computer dudelte. "Das nächste unbenutzte Quartier ist Quartier 412 auf diesem Deck."

Natty grinste die Frau an. "Da, schon erledigt." Sie streckte ihr die Hand entgegen. "Ich bin übrigens Nathalie Connor, Sicherheit."

April grinste ihr Gegenüber schief an - die Spontaneität der Terranerin gefiel ihr.

"Mein Name ist Schahrein April – erfreut, Sie kennen zu lernen." Eine kurze Pause entstand, in der sich die Halbbajoranerin überlegte, ob sie Connor darauf hinweisen sollte, dass es eine bajoranische Namenskombination war - entschied sich dann jedoch dagegen. Sie sollte nicht zu Anfang gleich wieder alles zu kompliziert machen.

"Nennen Sie mich einfach April - das ist am einfachsten ...", beendete sie ihre Vorstellung.

"Dann war es wohl ein schlechter Scherz des Captains, dass er mich nach Gästequartieren suchen hat lassen ... wenn es nur Arrestzellen gibt."

Im Geiste machte sie sich eine Notiz, auch dem Ferengi noch einmal extra die Nase zu brechen, weil er sie nicht drauf hingewiesen hatte. Es würde sich mit Sicherheit eine passende Gelegenheit bieten...

"Sagen Sie, wenn Sie von der Sicherheit sind, können Sie mir doch sicherlich auch Zugang zu dem Quartier geben. Narbo hätte mir eigentlich Zugangscodes geben sollen, aber er war hier nicht sonderlich ... sagen wir ... kommunikativ." Ein breites Grinsen legte sich auf Aprils Gesicht als sie sich an das dumme Gesicht des Ferengis erinnerte, nachdem sie ihn halb über den Tresen gezogen hatte.

Natty spürte, wie sie bei jedem von Aprils Worten kleiner wurde. Okay. Offensichtlich gab es doch Gästequartiere. In die der Captain diese Frau geschickt hatte. Mit dem an manchen Tagen ganz gut Kirschen essen war – und an anderen so was von nicht.

Rasch beeilte sie sich, zurückzulächeln. Kein Grund, eine zukünftige Kollegin wissen zu lassen, dass sie eigentlich inkompetent war.

"Sicher." Sie räusperte sich. "Kommen Sie."

Ihre vielen goldenen Ohrringe klimperten, als sie sich in Bewegung setzte und auf das nächste Terminal zuhielt. Kein Grund, Zugangscodes über den Schiffslautsprecher herauszupausen. Wer wusste schon, wer alles mithörte, vor allem auf einem Schiff, auf dem es so kleine Leute wie Narbo gab.

"Narbo ist nicht gerade die einfachste Person auf dem Schiff", schloss sie an Aprils Bemerkung an. "Aber dann wiederum gibt es schlimmere." Sie grinste und rief gleichzeitig das Quartier im Terminal auf. "Haben Sie schon Theocrates getroffen? Mit oder ohne seinen Lieblingsflammenwerfer?"

Während sie sprach, huschte ihr Blick kurz über den Eintrag des Quartiers. Aber sie konzentrierte sich eigentlich auf April und übersah den Eintrag unter "Schäden" völlig.

Egal, wie lang er war.

"Und hier", fügte sie noch hinzu, als die Anzeige wechselte und den zufällig generierten Zugangscode zeigte. "Ihr Code."

"Danke schön!", erwiderte April sichtlich erfreut über die Hilfsbereitschaft ihres Gegenübers. Dann dachte Sie kurz über Nathalies Frage bezüglich dieses Theocrates und seines Feuerwerfers nach und musste unweigerlich an den protzigen Terraner aus Narbos Bar denken - ja dieser Blaster, den er dabei hatte, hätte durchaus ein Flammenwerfer sein können.

"Theocrates - hm, ich glaube, ich habe ihn vielleicht in der Bar gesehen ... zumindestens dieser Blaster ist mir aufgefallen." Ihr Blick wanderte für einen Moment in die Ferne.

"Was hat es mit dem Kerl auf sich?", fragte April dann neugierig.

Natty legte die Miene einer Person auf, die in den Genuss kommt, etwas zu erzählen, dass sie wirklich schon immer mal jemandem hatte erzählten wollen. Nur dass sie nicht gekonnt hatte, weil jeder es schon wusste.

Mit einem Grinsen lehnte sie sich gegen das Terminal und sah sinnierend in die Ferne.

"Also mit Theocrates hat es nicht viel auf sich. Das ist irgendwie das Problem", sagte sie dann. "Er hat diesen riesigen Flammenwerfer. Und er weiß auch verdammt gut, wie man mit dem Ding umgeht, so ist das nicht. Aber er denkt vor allem, dass er mit seinem *anderen* Flammenwerfer genauso gut umgehen kann." Sie verdrehte bedeutungsvoll die Augen. "Er rennt allem nach, was weiblich und hübsch ist. Oder na ja. Allem, was weiblich ist. Ich glaube, er hat schon die gesamte Sicherheit durch. Es gibt kaum jemanden, der mit ihm in der Trainingshalle mithalten kann, aber ich glaube, wenn ich ernsthaft gegen ihn kämpfen müsste, würde ich mich einfach ausziehen. Dann könnte ich mit ihm machen, was auch immer ich wollte, während er einfriert und sabbert."

Zugegebenermaßen, dachte Natty, besaß Theocrates auch eher beunruhigende Seiten. In der alten Privateer-Crew hatte es einen Techniker gegeben, der immer wieder behauptet hatte, er erkenne Theocrates als den Mörder irgendeines hohen bajoranischen Offiziellen, und sie munkelten, dass er mal Kontakte zum Obsidianischen Orden genutzt hätte, um dem Schiff aus der Klemme zu helfen. Angeblich hatte er in seinem Quartier auf dem alten Schiff diese Kiste besessen, in der er Erinnerungsstücke an sein altes Leben aufbewahrte. Und Natty hatte mal aus reiner Neugierde die Sternenflottendatenbank nach ihm durchsucht und herausgefunden, dass er unehrenhaft entlassen worden war - wegen unverhältnismäßiger Brutalität.

Allerdings musste man das ja nicht gleich dem einzigen Bewerber erzählen, den die Atlantis in mehreren Monaten gesehen hatte.

Und dass sie in denselben Mann mal Hals über Kopf verliebt gewesen war,

ging April ebenfalls rein gar nichts an.

--- Bar, Tisch 18

David blickte zwischen den beiden hin und her. Er war ein wenig verwirrt. Auf was für einem Schiff war er bitte hier gelandet. Er blickte die neue an. "Was geht Sie das bitte an? Wer sind Sie überhaupt?"

--- Tisch 1

Chris wäre am liebsten aufgesprungen und hätte Poulsen am Kragen gepackt, nur mühsam konnte er sich beherrschen. Doch einen weiteren Ausbruch würde wohl selbst Wagenvoort nicht tolerieren, wenn der bisher auch recht unbeteiligt wirkte.

"Wie kommen Sie denn auf Wochen?" Chris blickte ihn fest an. "Alles was ich bisher von der Venture zu sehen bekam sind der Maschinenraum und die dortige Bar. Ich war gerade wenige Tage an Bord bis zu diesem Zwischenfall."

--- Tisch 18

Für einen Moment war der Halbgrieche wütend gewesen, weil Ysara so rücksichtslos seine Einschüchterungsversuche unterbrochen hatte. Dabei hatte er Jeffrey gerade endgültig an die Wand nageln wollen.

Vorerst natürlich nur verbal.

Jetzt kam Pormas allerdings eine viel bessere Idee, wie er den Fremden kontrollieren konnte:

"Sie ist die Schiffspsychologin, hat sie doch schon gesagt. Und du wirst mit ihr reden, oder hast du etwas zu verbergen? Das mag der Captain gar nicht und er schickt vielleicht mich, um deine Geheimnisse zu ergründen"

Pormas Gesichtsausdruck machte deutlich, dass er sich dann anderer Mittel als Ysara bedienen würde.

David blickte Pormas kurzzeitig verwirrt in die Augen. Musste er Angst haben oder versuchte der Typ gerade nur ... irgendetwas zu kompensieren? Nun ja. "Ich weiß was ihr Beruf ist. Allerdings würde mich interessieren wieso sie hier mit einer so unqualifizierten Masche auftritt. So wird sie mir mit Sicherheit keineswegs in irgendeiner Form helfen und es kam mir ehrlich gesagt auch nicht so vor, als wenn das ihre Absicht gewesen ist." Er pausierte kurz und schaute in die Runde. Alle Blicke waren nun auf ihn gerichtet. "Wenn der Captain sich ein Gespräch zwischen einer Psychologin und mir wünscht, hätte er mir das vor einigen Minuten selbst sagen können."

Ysara hob milde bedauernd die Augenbraue. Sie war wirklich vor den Kopf gestoßen und lehnte sich eine Sekunde lang zurück, um das zu bedauern. Dieser Mann hatte ja...

...überhaupt keinen Stil.

Damit hatte sie, das musste sie zugeben, nicht gerechnet.

Aber die gute Nachricht war, dass Jeffrey hervorragend auf die Venture passen würde.

Mit einer sachten Bewegung ergriff sie Jeffreys Kinn mit zwei Fingern und drehte es, bis er sie ansah. Entrüstet schüttelte er sie ab. Sie lächelte.

"'Wenn der Captain sich ein Gespräch zwischen *Ihnen* und mir wünscht'", korrigierte sie geduldig und fast gar nicht spöttisch. "Selbstverständlich habe ich nicht vor, Ihnen zu helfen." Was glaubte der Mann, was sie war? Die intergalaktische Außenstelle der Anonymen Alkoholiker? 'Atlantis, stets zu Diensten'? Er war eindeutig auf dem falschen Schiff. "Ich interessiere mich jedoch sehr dafür, ob eine weitere instabile Person an Bord kommt, die gerne Zugang auf sensible Systeme hätte. Wir haben bereits zu viele von ihnen an Bord."

Sie sah bei diesem Worten nicht in Pormas Theocrates‘ Richtung. Sie war vieles, jedoch nicht verrückt.

Meistens.

--- Deck 5, Gänge

April musste bei der Erzählung der Terranerin einige Male ziemlich breit grinsen. Und auch ein leichtes Kichern konnte sie sich zwischendurch nicht verkneifen.

"Na, das klingt ja fast so, als könnte man mit ihm richtig Spaß haben.", meinte sie dann, nachdem Nathalie ihre Ausführung beendet hatte.

"Ich habe mich übrigens auch für einen Posten bei der Sicherheit beworben ... ", stellte sie dann in den Raum.

"Dachte ich mir schon", erwiderte Natty fröhlich. "Sie sehen nicht aus, als würden Sie mit dem Gefiddel in der Krankenstation und im Maschinenraum besser auskommen als ich. Ich würde mich jedenfalls freuen, Sie dabei zu haben."

Sie warf einen Blick auf das Chronometer des Terminals und sah April entschuldigend an. Sie war über eine Stunde lang durchs Schiff gejoggt, und sie brauchte vor allem dringend eine Schalldusche, bevor sie sich wieder zum Dienst meldete. Bei Theocrates wusste man immerhin nie, ob er einen unflätigen Witz über die Verspätung reißen oder sie zum Deckschrubben schicken würde.

"Ich muss los", sagte sie bedauernd. "Aber ich wünsch Ihnen viel Glück bei der Bewerbung. Wir laufen uns bestimmt mal wieder über den Weg."

Schließlich hatte O'Conner auch so interessante Leute wie Ysara, Narbo und eben Theocrates an Bord geholt, also wirklich, wie schwer konnte eine Bewerbung sein?

"Ich hoffe es!", antwortete die Kriegerin erfreut. Sie war sichtlich erstaunt hier - außer Alex - auf eine doch sehr nette Person getroffen zu sein, die ihr keine Steine in den Weg gelegt hatte.

"Man sieht sich!", mit diesen Worten und einem kurzen Anheben der Hand wandte sich April ab und begab sich in Richtung ihres "neuen" Quartiers. Mal sehen, was sie dort erwartete.

--- Bar, Tisch 18

Sternenlichts flach angelegte Ohren ließen keinen Zweifel daran, was er mittlerweile von den Manieren der beiden Neuankömmlinge hielt; sein anfängliches Amüsement war so schnell verflogen, wie es gekommen war. Mit schneidender, leicht fauchender Stimme fuhr er die beiden an:

"Pormas, ich glaube, du willst an die Bar und dort was trinken. Am besten nimmst du Ysara mit, dann könnt Ihr in Ruhe untereinander diskutieren, warum sie bei der Sternenflotte gefeuert wurde. An diesem Tisch würden wir aber jetzt gerne eine gepflegte und, vor allem, höfliche Unterhaltung führen. Ihr dürft wiederkommen, wenn ihr dazu in der Lage seid!"

Die letzten Worte wurden von einem steil in die Höhe stehenden Nackenfell begleitet.

Ysara wartete mit höflich interessierter Miene ab, ob Sternenlicht fertig war. Offenbar, dachte sie trocken, war es nach wie vor auf diesem Schiff unmöglich, eine Unterhaltung zu führen - egal ob es sich um eine produktive handelte oder nicht -, ohne dass die restlichen Anwesenden alle Kommentare dazu abgaben, die zur Verfügung standen.

Aber offenbar war es das für den Moment gewesen. Sie drehte sich wieder zu Jeffrey um, der sicherlich auch irgendetwas beisteuern wollte, auch wenn er dazu zugegebenermaßen selten Gelegenheit erhielt.

Mit einem Ohr wartete sie auf das Geräusch einer entsichernden Waffe aus Richtung Theocrates. Es konnte nur eine Frage von Sekunden sein.

Mit einem inneren Aufseufzen lehnte sich die Schottin zurück. Ihre Blicke huschten zwischen dem Katzenwesen, das inzwischen deutliche Anzeichen schlechtester Laune zeigte - wenn man sie denn lesen konnte -, dem Halbgriechen und der verrücktesten Psychologin, die jemals ein Raumschiff gesehen hatte, hin und her.

Was dachte sich Ysara eigentlich? Kam einfach daher und machte die Leute fertig. Der arme Jeffrey wusste ja schon gar nicht mehr, was er sagen sollte. Und Llewella konnte das absolut nachvollziehen.

Jetzt hoffte sie allerdings nur, das Pormas nicht die Sicherungen durchbrennen würden. Momentan sah er zwar stinkwütend aus, aber immerhin noch so, als würde er sich unter Kontrolle haben...

David fühlte sich zunehmend unwohl und fehl am Platz.

"Wenn Sie mich entschuldigen würden", sagte er gezielt zu Campbell und Sternenlicht und stand auf.

Er ging an der Theke vorbei und rief Narbo zu, er könne sich den Job sonstwohin stecken und verließ die Bar.

--- Korridore

David begab sich zum nächsten Terminal, um das nächste freie Quartier abzufragen.

David bekam einen Grundrissplan angezeigt, der ihm bedeutete, sich mit dem Turbolift auf Deck 5 und dann zum Quartier 413 zu begeben.

--- Deck 5, Korridore

Die Turbolifttüren sprangen auf und er wurde beinahe von einer doch recht ulkig wirkenden Joggerin umgerannt.

Er nickte ihr flüchtig zu und begab sich in Richtung des freien Quartiers.

Als er um eine Ecke bog, sah er April und machte auf seinem Absatz kehrt.

Auf diese neurotische und manisch aggressive Person hatte er nun wirklich keinen Nerv. Er wartete einige Sekunden, bis sie sich entfernt hatte und ging dann weiter.

In den wenigen Wochen auf DS9 hatte er genug gelernt um sich einen nicht ganz legalen Zugang zu einem Quartier zu verschaffen; worüber er in diesem Augenblick doch sehr froh war.

Er brauchte nur wenige Sekunden, um die Sicherheitssperre zu umgehen.

--- Deck 5, Quartier 413

Die Tür öffnete sich und im Dämmerlicht konnte man schon eine gewisse Unordnung erkennen.

"Licht!" rief David und 2 der 4 Lampen wurden sofort aktiviert. Eine explodierte und die vierte reagierte gar nicht.

Auf dem Boden lag sehr viel Krempel. Dieses Quartier schien vor Jahren jemandem gehört zu haben und wurde seitdem wohl nicht mehr angerührt. Durch Erschütterungen oder ähnlich unangenehme Dinge waren Schränke umgefallen und andere Dinge zerbrochen. Abgesehen davon war es aber ein geräumiges Zwei-Zimmer Quartier. Er begab sich kurz ins Bad. Die Schalldusche funktionierte.

Als nächstes ging er zum Objekt seiner Begierde. Dem Replikator. Er öffnete die Abdeckung, um die Sicherheitssperre für Alkoholische Getränke zu umgehen... Es gab jedoch keine.

'Was für ein Schiff...', dachte er sich resignierend und replizierte sich eine Flasche Gin.

--- Bar, Tisch 18

"Na, das hast Du aber wirklich hervorragend hinbekommen, Ysara", meinte Llewella mit deutlich sarkastischem Unterton.

"Vielleicht solltest Du einmal darüber nachdenken, was für eine Profession Du hast und wie man in einem solchen Falle mit Menschen umgeht. Zumal mit Menschen, die Du nicht einmal kennst und die sich bislang vor Dir durch ihr Verhalten nicht disqualifiziert haben."

Die Schottin hätte liebend gerne noch mehr gesagt, aber zumindest _sie_ war dazu erzogen, jemanden nicht vor anderen Menschen abzukanzeln. Sie hätte es wirklich vorgezogen, mit Ysara darüber in aller Ruhe zu sprechen, denn an und für sich waren sie in der letzten Zeit relativ gut miteinander ausgekommen.

--- Tisch 1

"Äh, ich glaube, das können wir bestätigen", pflichtete Ruben bei, versicherte sich dann aber doch noch bei Trustman, "Können wir doch, oder?"

Die ganze Zeitreise hatte sich wohl negativ auf ihre Zeitwahrnehmung ausgewirkt. Der Effekt war zwar eher selten, aber doch schon öfters beobachtet worden.

Hoffentlich gab es keine Langzeitschäden!

Ein leichter Schweißfilm legte sich über die Hände des Niederländers und er spielte mit dem Gedanken, die ein paar Tische weiter sitzende Ärztin zu konsultieren. Allerdings bezweifelte er, dass Llewella Fachärztin für die neurologischen Auswirkungen von temporalen Anomalien war.

Falls es so was überhaupt gab.

"Mister Carter ist seit dreieinhalb Tagen an Bord und war angesichts des schiffsweiten Erholungsurlaubs bisher nur damit beauftragt, sich mit den Systemen der Venture vertraut zu machen", antwortete Eric und fixierte den Neuling.

--- Tisch 18

Der Halbgrieche ignorierte das aufkommende Konfliktgespräch und starrte noch einen Augenblick die Tür an, durch die Jeffrey gerade geflüchtet war.

'Also hatte er doch etwas zu verbergen!', dachte Pormas zufrieden. Er mochte es, wenn er selbst Recht behielt. Und weil er so gut war, konnte er sich auch oft freuen.

Für den Moment nahm er den Zeigefinger von der Flügelsicherung des Blasters und betätigte lieber seinen Kommunikator:

"Pormas an Connor. Da ist ein Irrer auf dem Schiff unterwegs. Wahrscheinlich harmlos, aber man weiß ja nie. Es soll immer ein Sicherheitler an seinen Fersen kleben, also beweg deinen Hintern oder such nen anderen für die Aufgabe!"

Detailliert beschrieb er ihr Jeffreys Aussehen.

--- Deck 5, Gänge

Annika Jacobsen hatte gerade ihre Schicht beendet und war auf dem Weg in ihr Quartier, um sich umzuziehen und sich eine Mütze voll Schlaf zu genehmigen. Viel passiert war nicht in der letzten Zeit, so dass ihre Schicht recht langweilig gewesen war. Der Sicherheitschef war auch nicht in der Nähe gewesen, so dass sie auch nicht aufpassen musste, dass sie ihm nicht zu oft in die Quere geriet.

Moment.... Was war denn das?

Die Türe des Quartiers, an dem sie gerade vorbei gekommen war, war nicht sicher verschlossen. Ein kleiner Spalt war übrig geblieben - warum auch immer. Eigentlich hätte die Türe sicher schließen müssen.

Annika war sich außerdem sicher, dass die Tür zu Beginn ihrer Schicht verschlossen gewesen war.

Sie lockerte ihren Phaser, den sie wie immer in normalen Situationen auf leichte Betäubung eingestellt hatte. Dann schob sie sich vorsichtig auf die "angelehnte" Schiebetür zu.

Ein Hauch von Licht drang durch den Spalt. Das irritierte sie. Ihres Wissens war dieses Quartier schon etliche Monate nicht mehr belegt. Der Vormieter, Jack T. Smythe, hatte es, wenn sie sich richtig erinnerte, auch ziemlich chaotisch zurückgelassen.

Vielleicht hatte sich die Putzkolonne inzwischen des Quartiers angenommen?

Eine innere Stimme sagte Annika, dass das so einfach nicht stimmte. Sie zog ihren Phaser, trat auf die Türe zu und schob sie beiseite.

--- Deck 5, Quartier 413

Völlig entgeistert blickte sie den Mann an, der gerade am Replikator stand.

"Wer sind denn Sie?", fragte sie argwöhnisch, den Phaser immer noch erhoben.

David drehte sich verwirrt um. Er hob die Hände. In der Linken hielt er die Flasche Gin. "Ich ... äh ... Ich dachte es würde niemanden stören, wenn ich hier...", er zuckte mit den Achseln.

"Ich wollte nur irgendwo unterkommen und meine Ruhe haben. Mein Name ist David Jeffrey. Meine Geschichte haben Sie mit Sicherheit schon gehört."

Annikas Miene veränderte sich nicht. Sie ließ jedoch den Phaser ein wenig sinken und fuhr sich mit der Linken durch ihr kurzgeschnittenes weißblondes Haar, das immer ziemlich verstrubbelt aussah.

"Ja, das habe ich tatsächlich", antwortete sie dem Mann. "Abgesehen mal von der Geschichte an sich geht gerade in unserer Abteilung eine Suchmeldung für Ihre Person durch. Anscheinend sind Sie unserem Chef ein wenig verdächtig vorgekommen.

Und ich muss ehrlich sagen, wenn Sie einfach ein Quartier knacken, kann ich dem Ganzen nur zustimmen."

Annika trat ganz in das Quartier hinein, als ihr Gegenüber keine Anstalten machte, sie anzuspringen, sondern sie eher ein klein wenig hilflos anblickte. Dann schloss sie die Schiebetür hinter sich. Und zwar ganz.

"Vielleicht wäre es ein wenig besser, wir unterhielten uns darüber, als dass Sie sich vollaufen lassen?"

David blickte von der Sicherheitlerin zur Flasche und stellte sie dann auf ein Regal.

Er machte eine ahnungslose Geste. "Was möchten Sie denn wissen? Ich habe es nicht geschafft, mir so eine Unterkunft zu organisieren. Ich war auch schon beim Captain. Er gab mir den Rat mich an Narbo zu wenden. War ne tolle Idee", sagte er leicht sarkastisch.

'Das war ja wirklich ne Meisterleistung', dachte die Dänin, zeigte aber keineswegs, was sie dachte. Ihr Gesicht blieb freundlich, aber unbewegt.

"Was haben Sie denn in punkto Quartier bisher unternommen? Sind sie schon bei jemandem bezüglich einer Arbeit vorstellig geworden oder haben Sie vor, bei unserem nächsten Halt auf einer Station das Schiff zu verlassen?"

"Nun ja. Ich habe versucht bei Narbo in der Bar anzufangen." David begab sich zu einem Sessel und beförderte alles, was darauf lag, auf den Boden und setzte sich.

"Der Typ ist jedoch ein echter Ferengi. Ich kann nicht davon ausgehen, dass ich für die Arbeit fair entlohnt werde. Bezüglich der Quartiere wollte er mir nicht helfen." David merkte langsam die Erschöpfung durch die Anstrengungen der letzten Stunden.

"Ich hatte allerdings ein interessantes Gespräch mit Dr. Campbell. Sie hat mir eine Stelle in der Krankenstation angeboten. Mal abwarten. Aus welchen Grunde wird nach mir gefahndet und wie soll ich mich nun verhalten?"

Jacobsen bemerkte, dass der Mann ziemlich fertig aussah. Was ein Wunder nach der Odyssee, die er hinter sich hatte. Sie verbarg ihr aufkeimendes Mitgefühl jedoch. Die Blöße, dass man ihr ansah, wie sie empfand, gab sie sich nur selten, dafür musste dann schon etwas Gravierendes passiert sein.

"Gefahndet wird nicht gerade nach Ihnen. Aber es kam die Anweisung, Sie im Auge zu behalten."

Annika überlegte kurz. "Was halten Sie davon, wenn Sie dieses Quartier zunächst behalten, ein wenig klar Schiff machen und sich ein wenig Schlaf gönnen? Sie sehen zum Fürchten aus. Anschließend können Sie dann ja wieder mit Dr. Campbell Kontakt aufnehmen. Sie finden sie entweder in der Krankenstation - meist sogar - oder in Quartier 330."

Davids Laune wurde schlagartig besser. Sollten doch nicht alle Menschen hier verrückt sein? "Das klingt vernünftig. Danke sehr." David stand auf und begleitete die Sicherheitlerin zur Tür. "Und wie war ihr Name noch gleich?", fragte er sie auf der Türschwelle. "Jacobsen... Annika Jacobsen."

David schloss die Tür hinter sich. Er räumte grob auf und entsorgte Müll und  unbrauchbare Gegenstände. Nach einigen Minuten war der Raum leer. An einer Wand stand eine Vitrine. Unter dem Fenster das Sofa und der Sessel und davor ein Glastisch.

David schaute einmal kurz in den Schlafraum und beschloss sich ein andermal darum zu kümmern. Er legte sich aufs Sofa und schlief ein.

--- Deck 5, Gänge

Annika war zufrieden. Jetzt blieb nur noch eines zu tun, bevor auch sie sich schlafen legen konnte.

"Jacobsen an Theocrates", rief sie nach dem inoffiziellen Sicherheitschef.

"Mr. Jeffrey befindet sich in Quartier 413 und hat sich schlafen gelegt. Danach wird er sich wahrscheinlich auf der Krankenstation melden."

--- Bar, Tisch 18

Das war nicht ganz die Auslegung von "an die Fersen hängen", die Pormas gemeint hatte. Aber für den Moment sollte es okay sein. Er war es leid, sich mit dem Irren zu beschäftigen. Der Typ würde schon früh genug einen Fehler machen.

Und dann würde Pormas da sein, um ihm auf die Finger zu schlagen.

--- Deck 5, Gänge

Nachdem April den Sicherheitscode eingegeben hatte öffneten sich mit einem leisen Zischen die Türen ihres neuen Quartiers. Mit zwei kurzen Schritten trat sie über die Türschwelle, damit sich die Tür hinter ihr schließen konnte.

--- Deck 5, 412

In der Dunkelheit konnte die Kriegerin schemenhaft die Umrisse des Raumes erkennen - und das, was sie sah, machte ihr Sorgen.

"Computer, Licht!" Eine Reaktion blieb aus. "Na, toll ... ", murmelte sie in sich hinein, machte ein paar Schritte nach vorne und stieß prompt mit dem Fuß gegen einen harten Gegenstand, der sich nicht von der Stelle bewegen wollte. Leicht mit den Armen nach ihrem Gleichgewicht rudernd, blickte sie nach unten - konnte aber nicht genau erkennen, um was für einen Gegenstand es sich gehandelt hatte.

Immer noch fluchend drehte April sich nach einigen Sekunden zurück zur Tür und erblickte dort einen zwei Meter langen Deckenträger, dessen Metall im spärlichen Licht nicht weit von ihr entfernt matt funkelte. Für einen Moment überlegte sie noch, ob sie das Teil heben konnte - entschied sich jedoch dann dafür es einfach zu versuchen - einen Augenblick später bereute sie diese Entscheidung schon wieder, als sie fast all ihre Kraft aufbringen musste, um den Deckenträger hochzustemmen.

Mit ein paar wackeligen Schritten bewegte sich April nun in den Reaktionsbereich des Türöffners zurück, der zu ihrer Freude sofort die Quartiertür öffnete.

Die Frau, der April auf einmal im Gang gegenüberstand, nahm sie wegen der Anstrengung, die sie das Tragen des Balken kostete, nur am Rande ihres Bewusstseins wahr. Mit einem sichtlich angestrengten Stöhnen wuchtete die Halbbajoranerin den Deckenträger quer in die offene Tür, um zu verhindern, dass sich diese sofort wieder schloss - das leise Aufheulen der Türmotoren, als diese auf einmal gegen hartes Metall ankämpfen mussten, ignorierte April geflissentlich.

Während sich ein zufriedenes Grinsen über ihre Arbeit auf das Gesicht der Kriegerin legte, schüttelte sie sich kurz die Arme aus und wandte sich dann an die etwas verdutzt drein blickende Terranerin.

"Hallo...!"

"Hallo", antwortete die Dänin freundlich. Noch ein neues Gesicht auf diesem Korridor. "Und was machen Sie da? Wer hat Ihnen dieses Quartier zugeteilt?"

--- Bar, Tisch 1

Die Pilotin konnte die Schärfe die mit einem Mal in der Luft lag förmlich spüren. Was hatte dieser Chris nur angestellt, dass Trustman so überhaupt nicht gut auf ihn zu sprechen war?

"Na, dann haben wir das ja nun geklärt!", warf sie flapsig in die Runde um das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken.

"Chris, was haben Sie denn gemacht bevor sie auf die Venture gekommen sind?" Den abschätzenden Blick den Trustman ihr zuwarf, hatte sie durchaus aus den Augenwinkeln wahrgenommen - ignorierte ihn aber stur.

--- Tisch 18

Ysara verkniff es sich, eine Grimasse zu schneiden, und griff stattdessen nach dem Tricorder, der immer noch auf dem Tisch lag, um ihn ordnungsgemäß an ihrem Gürtel zu befestigen. Dann schlug sie die Beine übereinander und sah sich flüchtig in der Bar um - wo steckte eigentlich Narbo? Sonst war der immer sofort da, wenn Profit in Form eines Kunden in Sicht war. Oder Ärger.

"Du hast vollkommen recht, Llewella", stimmte sie ironisch zu. "Immerhin gehen wir auf der Atlantis auch sonst freundlich, kollegial und respektvoll miteinander um. Was sind wir doch für Helden." Am besten rief sie gleich die Wartungscrew und schickte jemanden los, damit er den Schriftzug des Schiffes mit "Venture" überpinselte. Es würde dem Captain die Arbeit ersparen.

Sie machte Anstalten, sich zu erheben. "Wenn du mich entschuldigen würdest", bat sie, als sitze Sternenlicht gar nicht am Tisch. "Ich muss fliehen. Wenn mich ein Sicherheitler in der Bar erwischt, der nicht Pormas ist, habe ich bald zwei Captains am Hals anstatt einem, die mich an die Sternenflotte ausliefern wollen."

Ihre Mission war immerhin abgeschlossen. Sie bezweifelte, dass der Captain jetzt noch eine Empfehlung von Pormas erhalten würde, den 'Psychologen' einzustellen. Es mochte wie ein mittelalterliches Mannbarkeitsritual anmuten, aber es war reiner Pragmatismus.

Schließlich war sie ziemlich sicher, dass O'Connor seine Shuttlerampe besser bewachte als McCarthy.

"Nein, Ysara, ich weiß sehr wohl, dass wir meist _nicht_ so miteinander umgehen. Aber es spricht trotzdem nichts dagegen, es zumindest zu versuchen", entgegnete Llewella beinahe sanft.

Ysara war wohl wirklich nicht optimal beim Personal der Krankenstation aufgehoben. Dazu steckte einfach zu viel Aggressivität in ihr. Auch wenn Llewella inzwischen durchaus wusste, dass sie auch anders sein konnte.

"Ysara, warum hast Du kein Getränk?"

Der Ferengi war wie aus dem Nichts aufgetaucht, selbst Pormas hatte ihn nicht wirklich kommen sehen. Der Halbgrieche mochte es nicht, wenn man sich anschlich.

Währenddessen setzte sich Narbo auf den freigewordenen Stuhl.

"Ach ja, dieser Nichtsnutz von Kellner hat ja eben hingeworfen. Gut, dass ich ihn eh nicht bezahlt hätte!", beantwortete er seine eigene Frage, ohne auf Ysaras Reaktion zu warten und winkte gleichzeitig einen anderen Kellner heran.

--- Tisch 1

Alex wurde ein wenig rot, als ihm sein Irrtum bezüglich der Aufenthaltsdauer von Carter bewusst wurde. Wie hatte er sich nur dermaßen falsch erinnern können? Es war ihm ein Rätsel. Wobei, vielleicht lag es ja an der kürzlich erlebten Zeitreise. Hatte die eventuell sein Zeitgefühl durcheinander gebracht? Oder hatte er womöglich noch irgendwelche Auswirkungen davongetragen?

Wenn er Ruben gewesen wäre, dann wäre er jetzt bestimmt direkt zum nächsten Arzt gerannt, um irgendwelchen absonderlichen Krankheiten diagnostizieren zu lassen, die damit in Zusammenhang stehen konnten. Schließlich war der Sicherheitschef inzwischen auf der Venture dafür bekannt, gerne mal ein wenig überempfindlich; oder sollte man sagen, übervorsichtig zu sein. Man konnte es auch zwanghaft neurotisch nennen.

Er lehnte sich zu Carter rüber und flüsterte schuldbewusst: "Es tut mir leid. Ich habe mich da wohl vertan. Vergessen Sie einfach, was ich vorhin gesagt habe. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil."

Chris lächelte und meinte dann ebenso leise: "Kein Problem, Sie haben ja auch eine Menge hinter sich, da kann so etwas schon vorkommen. Ich bin nicht nachtragend."

Carter zuckte leicht zusammen und wurde schlagartig ernst. Irgendwann hatte diese Frage nach seiner Vergangenheit ja kommen müssen, aber schon so früh? Er warf einen raschen Blick in die Runde. Nein, zuviel würde er sicher nicht verraten, besonders Trustman und Wagenvoort ging es nichts an, die wussten schon durch seine Akte genug.

Eigentlich würde er die Antwort lieber schuldig bleiben und so erwiderte er so kurz und oberflächlich wie es nur möglich war: "Nachdem ich die Sternenflotte verlassen hatte, habe ich mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten und bin dann hier gelandet."

Er hoffte, sie würde nicht weiter nachfragen, würde nicht fragen, warum er die Sternenflotte hatte verlassen müssen. Denn freiwillig war er ja nicht gegangen, auch wenn es sich jetzt so angehört hatte. Doch vermutlich hatte Chris eher ihre Neugier angestachelt. Carter versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie unwohl er sich im Augenblick in seiner Haut fühlte.

Für einen kurzen Moment lies die Pilotin ihren Blick auf Chris leicht verspannter Miene ruhen. 'Eine Penny für seine Gedanken ...', schoss es ihr durch den Kopf und sie bereute wohl nun zum ersten Mal in ihrem Leben, dass sie auf der Akademie im Fach "Grundlagen der Psychologie" nicht aufgepasst hatte.

"Sie waren bei der Sternenflotte? Das ist ja interessant - ich hab meine "Karriere" auch mal bei den Jungs begonnen ... aber das ist etwas nach hinten los gegangen ...", sie zwinkerte dem Terraner frech zu, in der Hoffnung ,er würde sich etwas entspannen.

"Auf welchen Schiffen waren Sie denn?"

--- Deck 5, Gänge

Immer noch stolz auf ihren Einfall tauchte April unter dem Balken hindurch in den Gang hinaus.

"Das Quartier hat mir eine Frau namens Nathalie Connor zugeteilt", antwortete sie knapp. Und mit einem Seitenblick auf den Deckenträger in der Tür fügte sie dann hinzu: "Und irgendwie funktioniert da drinnen das Licht nicht -  ich war so frei und habe mir selbst geholfen, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen!"

Wie als wollte die Mechanik der Quartiertür zu diesem Satz lauthals protestieren hallte mit einem Mal ein lautes Quietschen durch den Gang. Der Balken bewegte sich einige Zentimeter nach oben und rieb dabei über das harte Metall der Türen.

--- Deck 5, Quartier 413

Kaum lag David auf dem Sofa hörte er ein lautes Quietschen. Das Gepolter vorher hatte ihn schon madig gemacht.

Er stand auf. 'Ein wenig Ruhe ist doch wohl nicht zuviel verlangt', dachte er sich entnervt und ging hinaus in den Korridor.

"Was zur Hölle...", David brach mitten im Satz ab und schaute April erstaunt an. "Was machen Sie denn hier?"

--- Deck 5, Gänge

April kniff die Augen zusammen und musterte David von oben bis unten. Eigentlich hatte sie ihn noch in der Bar vermutet und nicht damit gerechnet, dass er ihr so schnell wieder über den Weg laufen würde. Dass er wohl nun auch noch das Quartier ihr gegenüber bezogen hatte ließ eine gewisse Wut in ihrem Magen aufkochen.

Einige Augenblicke vergingen, in der die Kriegerin kurz darüber sinnierte ob sie dieser Wut nun sofort freien Lauf lassen sollte - für ihren Magen schien es auf jeden Fall der angenehmste Weg zu sein - oder es doch mit einer andern Taktik versuche sollte. Als sie mit ihrem Blick ihr Gegenüber genügend inspiziert hatte - und sich auch wieder der Anwesenheit einer dritten Person bewusst wurde - entschied sie sich für die ironische Variante ihrer Antwort.

"Ihre Frisur hat mir aber vorhin besser gefallen, David ... hat Narbo Ihnen den Kopf gewaschen?", warf sie dem Terraner dann an den Kopf. Auch wenn die Behauptung durchaus aus dem Zusammenhang gerissen war - sie würde die Provokation dahinter genießen...

David schaute April verdutzt an... und musste dann laut loslachen. Er war ernsthaft amüsiert über Aprils Bemerkung. Sie war zwar eine Geistesgestörte ... aber wohl durchaus eine Geistesgestörte mit Humor.

Obwohl sie ihren Gesichtsausdruck nicht veränderte, verdrehte Annika innerlich die Augen. Sollte Theocrates doch Recht haben mit der Einschätzung des Neuen?

Wenn ja, dann war diese bajoranisch wirkende Frau auch nicht viel besser.

Bevor die Bajoranerin antworten konnte, wandte sich Annika an sie.

"Miss Connor hat Ihnen dieses Quartier zugewiesen? Wenn Sie es wirklich behalten wollen, sollten Sie einen Trupp Roboter antreten lassen."

'Es sei denn, Sie haben es nötig, überschüssige Kräfte abzureagieren', fügte sie in Gedanken hinzu.

--- Bar, Tisch 1

Chris entspannte sich keineswegs, das Gegenteil traf eher zu. Ihre Frage, auf welchem Schiff er gedient hatte, würde Carter nicht beantworten, so viel stand fest. Er hatte nicht vor, seine Geschichte hier vor allen auszubreiten, besonders nicht vor beiden Vorgesetzten.

Außerdem hätte er die Zeit lieber vergessen, vor allem wie sie geendet hatte. Ein Schatten huschte über sein Gesicht und er verkrampfte sich noch etwas mehr, falls das überhaupt noch möglich war, ohne sich dessen bewusst zu sein.

"Das ist lange her", meinte er ausweichend, was natürlich nicht stimmte, etwas mehr als zwei Jahre waren vergangen, seit ihm nahe gelegt worden war, den Dienst zu quittieren, das konnte man sicher nicht lange her nennen.

Er blickte sie plötzlich lächelnd an und versuchte das Thema zu wechseln, so weit von sich weg wie nur möglich. "Warum haben Sie die Sternenflotte verlassen? Ihre Geschichte ist bestimmt interessanter als meine."

--- Tisch 18

"Wohl gesprochen" stimmte Sternenlicht der Ärztin zu. "Und ich, für meinen Teil, werde mir jetzt eine Mütze voll Schlaf genehmigen. Ich habe seit ein paar Jahren nicht mehr geschlafen...

Llewella, ich werde morgen mal bei Dir vorbeischauen, ich möchte ein paar Gedanken über den Einfluss von Zeitreisen auf das Nervensystem diskutieren. Meine Damen, ich wünsche noch einen angenehmen Abend."

Sternenlicht stand auf, und verließ die Bar. Es war wirklich Zeit, dass er sich mal wieder ein paar Stunden Ruhe gönnte.

Ysara sah dem Katzenwesen einen Moment lang skeptisch nach. Sie war sich einen Moment lang nicht sicher gewesen, ob er sich noch dazu herablassen würde, sie überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Sie schnaubte leise. Offenbar fühlte er sich gestört.

"Versuchen", beantwortete sie ungewohnt nachdenklich und kam auf Llewellas Ratschlag zurück. "Weißt du, was das letzte Mal passiert ist, als ich versucht habe, nett zu sein? Ich wurde vor ein Kriegsgericht gestellt."

Cailin Fakaii hatte sie bei ihrem Besuch auf der Venture nicht getroffen. Sie war noch nicht sicher, ob sie das bedauerte.

"Na ja." Sie seufzte und wandte sich wieder Narbo zu. "So leid es mir tut, deine Gastfreundlichkeit ausschlagen zu müssen und dich, Llewella, hier alleine sitzen zu lassen, nachdem ich deinen Tischnachbarn vertrieben habe - ich muss, wie gesagt, los." Sie nickte dem herbeigewinkten Kellner noch zu, der gerade eingetroffen war und nervöse Blicke in Richtung Narbo warf. "Tut mir leid. Vielleicht ein ander Mal."

Entschuldigend verzog sie die Lippen zu einer Art Lächeln und wandte sich ab.

--- Tisch 1

Der Widerwille, über seine Vergangenheit zu berichten, war Chris‘ Stimme deutlich anzuhören. Aber Cheyenne hatte keinerlei Grund, ihn zu einer Story zu drängen, die er nicht erzählen wollte.

"Eigentlich war es sehr unspektakulär ...", fing sie nun mit ihrer Erzählung an. "Mich hat der Job gelangweilt und darauf hin hab ich mir was Neues gesucht. Dann bin ich auf der Ivory gelandet und danach schließlich auf der Venture ... wie gesagt: alles andere als aufregend!"

Unterm Strich war es nicht ganz so unspektakulär wie sie behauptet hatte, aber Familienprobleme musste man ja nicht sofort ausplaudern.

--- Deck 5, Gänge

April fixierte immer noch David, der die Situation wohl auf wundersame Weise urkomisch fand. Für einen kurzen Moment malte sich die Halbbajoranerin ein Bild seines Gesichtes vor ihrem geistigen Auge mit einer gebrochenen Nase aus. Er würde fabelhaft damit aussehen...

Dann wandte sie sich an Jacobsen.

"Was für einen Trupp soll ich los schicken? Ich bin doch noch nicht mal angestellt hier." Langsam ließ sie ihre Atemluft durch die geschlossenen Zähne entweichen.

"Eigentlich würde mir ja eine Taschenlampe schon reichen, um in diesem Durcheinander etwas zu erkennen ..."

"Ich habe eben beim Aufräumen einen Strahler gefunden, der noch funktioniert... Allerdings wirst du ihn von mir mit Sicherheit nicht annehmen, was?"

David grinste April an. Er war viel zu gut drauf, um sich auf eine Streiterei einzulassen.

Die Kriegerin sah den Terraner misstrauisch an und versuchte in seinem Gesicht ein Zeichen dafür zu erkennen, dass er sie mit seinem Angebot auf den Arm  nehmen wollte. Irgendwie wurde sie aus diesem Kerl nicht wirklich schlau.

"Seit wann sind Sie denn auf einmal so freundlich zu mir?" Herausfordernd wartete April auf eine Reaktion.

--- Bar, Tisch 1

Alex bezweifelte, dass Cheyennes Zeit an Bord der Ivory als "unspektakulär" zu bezeichnen war. Sie hielt bestimmt was zurück, denn was er über diesen alten bajoranischen Frachter schon alles gehört hatte, das war mitnichten etwas, was man als normalen Ablauf auf einem Schiff sehen konnte. Er brauchte nur an das eine Mal zurück zu denken, als die Ivory an der Venture angedockt hatte, um neues Personal zu übernehmen. Er war damals mit dem Sicherheitschef aneinander geraten und das war definitiv eine Erfahrung, die er kein zweites Mal erleben wollte.

Er versuchte, die unangenehme Erinnerung zu ignorieren, während er das stumme Sicherheits-Duo ihm gegenüber ansah. Die Beiden waren schon ein seltsames Team. Der Niederländer, ein kleiner, verweichlichter Typ, bei dem man immer dachte, er würde sich sofort bei der kleinsten Gefahr ins nächste Mauseloch verkriechen. Und dann Trustman. Alleine der Name sprach Bände. Bei ihm hatte man gleich das Gefühl, er würde einen mit den Augen ausziehen; nur um zu sehen, ob man bewaffnet war oder nicht. Jedenfalls war sich Alex sicher, dass er ihm nicht mal in irgendeiner dunklen, unbeobachteten Ecke begegnen wollte. Zumindest unbewaffnet ...

"Ich glaube", sagte er zu Chris gewandt, "dass jeder an Bord der Venture schon mal irgendwie mit der Sternenflotte in Kontakt gekommen ist. Und sei es nur, dass die Geschwister dabei waren."

Chris entspannte sich sichtlich. Das Thema war in eine andere Richtung gelenkt worden, weit weg von ihm, jedenfalls vorerst. Doch er glaubte Cheyenne nicht so ganz, dass es wirklich so einfach gewesen war.

Sollte er nachhaken? Besser nicht, immerhin war sie so fair gewesen, es bei ihm auch nicht zu tun und er wollte sie nicht in die Ecke drängen. Vielleicht würde sich ja auch irgendwann die Gelegenheit bieten, mit ihr allein zu sprechen. Chris wirkte jetzt wieder gelassen und um einiges selbstbewusster. "Klingt wirklich nicht besonders aufregend, doch wenn es Ihnen hier gefällt, ist das doch mehr als genug."

Dann galt seine Aufmerksamkeit für einen Moment Poulsen.

Chris zuckte kurz mit den Schultern. "Das bleibt wohl nicht aus. Und wie war es bei Ihnen? Wie hat es Sie hier her verschlagen?"

Er zögerte einen Moment und fügte dann scherzhaft hinzu: "Es dürfte wohl kaum an den freundlichen Vorgesetzten liegen. Oder reden Sie genauso ungern über die Vergangenheit wie ich?"

Auch wenn es natürlich wieder vollkommen unangebracht war, konnte sich Carter diese kleine Spitze in Richtung Trustman nicht verkneifen, warf diesem auch einen flüchtigen Blick zu.

"Also ich habe absolut keine Probleme mit meiner Vergangenheit", begann Alex und blickte in die Runde. "Ist ja nicht so, dass die Sternenflotte mich rausgeschmissen hätte. Schließlich habe ich selbst damals die Entscheidung für mich getroffen, zusammen mit McCarthy die Flotte zu verlassen, um mit der Hope, also nun der Venture, für die Menschen in der neutralen Zone einzutreten."

Seine Gedanken drifteten ab in die Zeit, als die Venture gerade ganz frisch gemeutert hatte. Es war eine schwere Zeit gewesen, immer auf der Flucht vor der Föderation und den Romulanern, mit zu wenig Leuten und noch viel weniger Ressourcen ... Aber bisher hatten sie überlebt und außerdem viel Hilfe gebracht. Einzig die Frage, wann sie wieder in die neutrale Zone fliegen würden, nagte etwas an Alex. Aber vermutlich wusste der Captain am Besten, wann sie wieder helfend einspringen mussten.

"Ach ja und übrigens lass ich an meinen Chef nichts kommen. Ich könnte mir keinen Besseren vorstellen als Alnak. Für ihn würde ich wahrscheinlich durchs Feuer gehen ..."

Cheyenne war beeindruckt von so viel Loyalität, die Alex gegenüber seinen Vorgesetzten hatte. Eine Eigenschaft, die die Pilotin nicht immer ganz nachvollziehen konnte. Zwar hatte sie den Romulaner auch schon kennen gelernt - sie konnte aber nicht genau einschätzen, ob er diese Loyalität verdient hatte.

"Na, Sie sind ja recht schnell dabei, wenn es darum geht sich die Finger zu verbrennen!", antwortete die Terranerin scherzhaft auf Poulsens Aussage.

"Was zeichnet denn diesen Romulaner so aus ...?"

"Hmm, das ist schwer zu erklären", antwortete Alex, wobei er sich ein Lächeln nicht verkneifen konnte. "Aber wenn Sie diesen spitzohrigen, kaffeesüchtigen und meistens überlustigen Kerl mal länger um sich haben, dann erübrigt sich diese Frage von ganz alleine.

Ich weiß ja nicht, wie es bei Ihnen auf der Brücke normalerweise so abläuft, aber da wird doch bestimmt auch ein bisschen Zusammengehörigkeit im Spiel sein, oder? Oder rennt da jeder mit einem Messer im Stiefel herum, mit der Angst oder Misstrauen den Anderen gegenüber?"

Chris blickte Poulsen ungläubig an. War das etwa dessen Ernst? Er hatte den Romulaner schließlich auch kennengelernt und daran hatte er nun wirklich keine guten Erinnerungen und von lustig konnte auch nicht die Rede sein.

Ganz im Gegenteil, noch immer hatte er den Wunsch, den Kerl zu erwürgen, so wie der mit ihm umgegangen war. "Zusammengehörigkeit?", hakte Carter nach. "Nun das sollte doch auf Gegenseitigkeit beruhen, meinen Sie nicht? Glauben Sie wirklich, der würde sich im Zweifelsfall vor Sie stellen?"

Carter schüttelte kurz den Kopf: "Ich wage zu bezweifeln, das er Ihre Loyalität verdient, jeder ist ersetzbar." Es hörte sich bitter an, doch Carter war davon überzeugt, das auch seine Vorgesetzten mit ihnen am Tisch saßen, war in diesem Augenblick vergessen.

Bevor Poulsen oder jemand anders etwas sagen konnte, antwortete Trustman auf diese bittere Unterstellung:

"Wenn Sie Ihren Kameraden nicht bedingungslos vertrauen, wenn Sie nicht als Team arbeiten, dann stehen Sie allein da und das wird Ihnen früher oder später zum Verhängnis werden. Und das glaube ich, obwohl ich mir bewusst bin, dass die Venture wahrscheinlich von der Sternenflotte infiltriert wurde und wir diese Spione vielleicht nie finden werden"

An Bord der Atlantis war für Einzelkämpfer wie Pormas Theocrates vielleicht Platz, aber auf der Venture würde Trustman dies unter seinem Kommando nicht dulden. Und der Afrikaner wusste, dass McCarthy genauso dachte.

--- Deck 5, Gänge

"Ohne beleidigend wirken zu wollen... ich habe immer nur reagiert. Sie sind mir gegenüber von Anfang an aggressiv gegenüber getreten. Es lag mit Sicherheit nie in meinem Interesse mir irgendjemanden von Ihnen zum Feind zu machen."

David zögerte kurz. Er hatte Angst, irgendetwas falsches zu sagen, was April einen Grund gab ihn zu erstechen.

Während sich die Bajoranerin und der Terraner unterhielten, hatte sich Annika ein wenig in den Hintergrund zurückgezogen. Die Frau hatte, zwar nicht unbedingt mit Worten, aber deutlich mit ihrer Körpersprache, signalisiert, dass sie keinen Wert auf die Hilfe eines Robotertrupps legte.

Gut, sollte sie sich ausarbeiten. Annika hatte das unbestimmte Gefühl, dass ihr das gut tun würde.

Interessiert lauschte sie dem Gespräch der beiden. Half es ihr doch, die Neuankömmlinge etwas besser einzuschätzen. Und außerdem würde Theocrates dies vermutlich unter "an die Fersen heften" verstehen. Wobei es ihn herzlich wenig interessieren würde, ob ihr Dienst zufällig gerade beendet war...

April traute ihren Ohren nicht. Das, was Jeffrey da erzählte, war einfach nicht zu glauben.

"Darf ich Sie daran erinnern, dass Sie sich auf einem Schiff befunden haben, dass Ihnen nicht gehört hat? Und dass Sie noch dazu, so betrunken wie Sie waren, auch ein Sicherheitsrisiko darstellten ...?"

Zornig verschränkte sie die Arme vor der Brust.

"Dass Sie sich dagegen gewehrt haben, als ich Sie festnehmen wollte, mal ganz abgesehen!"

--- Bar, Tisch 1

Cheyenne betrachtete Trustman für einen Moment prüfend und setzte dann zu einer Antwort an.

"Also, ich weiss nicht ... nichts gegen Sie persönlich alle hier, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich jedem von Ihnen gleich mein Leben anvertrauen würde, wenn man sich noch nicht einmal ein paar Monate kennt."

Eine kurze Pause entstand.

"Und was die Sternenflottenspitzel angeht - wie kommen Sie darauf? Bzw. was hat denn die Venture, dass es sich für die lohnen würde, uns auszuspionieren?"

Das Gespräch war in den letzten Minuten immer interessanter geworden. Zuerst sein neuer Vorgesetzter, und nun Sternenflotten-Spione auf der Venture. Wenn Trustman wüsste, dass sich zumindest einer von diesen - und S'Toms Wissen nach, das allerdings in dieser Hinsicht keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit hatte, auch der einzige - direkt vor ihm saß...

Als Mensch wäre an diesem Punkt für S'Tom vermutlich die beste Ablenkung gewesen, sich als Spion erkennen zu geben und dies sofort ins Lächerliche zu ziehen. Als Vulkanier konnte er diese Vorgehensweise nicht einmal nachvollziehen und wählte daher eine andere Taktik.

"Meinen Sie nicht, dass es die Sternenflotte interessiert, wo sich ihre abhanden gekommenen Ressourcen befinden und wie diese eingesetzt werden?", schaltete sich der Agent des Sternenflotten-Geheimdienstes schließlich ins Gespräch ein.

"Da haben Sie wohl recht ... aber dass man deswegen so einen Aufwand betreibt? Ein einfacher Suchtrupp würde doch auch reichen oder?"

Arglos dachte die Pilotin noch einen Moment über S'Toms Aussage nach. Dann kam ihr eine andere Idee - sehr viel hatte sie ja bis jetzt nicht über die Venture und ihre Geschichte erfahren.

"Wie ist es denn dazu gekommen, dass die Venture ... sagen wir ... privatisiert wurde?"

"Die Venture ist eine der modernsten Einheiten der Flotte gewesen: Überdurchschnittlich stark bewaffnet, überdurchschnittlich motorisiert und mit den neuesten Computersystemen ausgestattet. Der Gegenwert in Latinum dürfte sich auf mindestens drei Milliarden Barren belaufen, zumal derartig hochentwickelte Technologie käuflich nicht erwerblich ist", warf Eric zu Cheyennes erster Frage ein und geriet dabei fast ins Schwärmen.

"Außerdem kann es aus Sicht der Föderation nicht akzeptabel sein, dass ihr staatliches Gewaltmonopol von uns unterminiert wird und wir das zerbrechliche temporäre Bündnis mit den Romulanern gefährden"

Carter war dem Gespräch nur mit halben Ohr gefolgt, war eigentlich noch mit dem beschäftigt, was Trustman zuvor über Vertrauen unter Kameraden gesagt hatte.

Was dachte sich der eigentlich? Dass er wütend war und nur allzugerne etwas gesagt hätte, war Carter deutlich anzusehen, doch vorerst beherrschte er sich. Hier vor allen eine Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten zu suchen, ging selbst für ihn zu weit.

Und so sehr es Chris auch gegen den Strich ging, zum Teil hatte Trustman natürlich Recht. 'Den Crewmitgliedern vertrauen?' Nun, vielleicht, doch seinen Vorgesetzten sicher nicht. Den Fehler würde er kein zweites Mal begehen.

Er blinzelte überrascht und kehrte zum Geschehen zurück. "Moment", fragte er erstaunt: "Soll das heißen, Sie haben das Schiff tatsächlich gestohlen?"

"Nun ja, gestohlen kann man das glaub ich nicht nennen", bemerkte Alex mit einem Lächeln. "Eher als Aneignung fremden Eigentums zur nicht vorausgesehenen Benutzung in politisch nicht gefestigten Breitengraden der Galaxie.

Wobei, wenn ich so drüber nachdenke ... gestohlen passt doch."

Cheyenne musste bei der Erklärung des Technikers über das ganze Gesicht schmunzeln. Seine Umschreibung für das Thema Diebstahl hatte durchaus etwas Amüsantes.

"Na, dann sind wir mal froh, dass wir hier wohl alle keinen so guten Draht zur Sternenflotte haben ... nicht dass einer Gewissenbisse bekommt", warf sie dann ein.

--- Deck 5, Gänge

David schaute April ein wenig verwirrt an. "Ich habe doch schon eingestanden, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich würde mir wünschen eine Chance zu bekommen, mich zu beweisen... Ich hege keine Feindschaft gegen irgendeinen von euch. Es sei denn, an Bord dient ein Klingone." David grinste April schief an und versuchte, zwanghaft sympathisch zu wirken.

April blickte ihn weiterhin mit verschränkten Armen an, woraufhin David Annika fast schon hilfesuchend anschaute und seufzte.

Annika hatte Jeffreys fast schon verzweifelt wirkenden Blick bemerkt, war jedoch momentan noch nicht der Auffassung, dass ein Einschreiten sinnvoll wäre. Die beiden mussten sich einmal aussprechen, hatte sie den Eindruck.

Sie warf lediglich der bajoranischen Frau, deren Namen sie noch nicht einmal wusste, einen vorsichtig-warnenden Blick zu. Wenn es hier zu einer Eskalation kommen sollte, wäre sie jedenfalls bereit.

April ignorierte den warnenden Blick der Terranerin für einen Augenblick und trat einen Schritt auf David zu, während sie angefressen ihre Hände in die Hüften stemmte.

"Na gut ... dann belassen wir es fürs erste dabei.", antwortete die Kriegerin mit angespannter Stimme. Ihre Emotionen diktierten ihr im Moment einen eindeutig anderen Weg, mit dem Zeitreisenden umzugehen - in ihrem Kopf  meldete sich jedoch eine leise Stimme der Vernunft, die ihr für einen kurzen Moment aufzeigte, dass es wohl keinen guten Eindruck machen würde, wenn sie den Job auf diesem Schiff noch nicht einmal hatte, aber schon handgreiflich geworden war.

"Sie sagten, Sie haben einen Strahler den Sie nicht brauchen?"

--- Bar, Tisch 18

Ein wenig nachdenklich blickte die hochgewachsene Schottin Ysara nach. Ziemlich schnell und nachhaltig hatte die Afroamerikanerin dafür gesorgt, dass, was als nettes Gespräch begonnen hatte, zu einer kopflosen Flucht von Tisch 18 geführt hatte. Lediglich Pormas, der aber sowieso manchmal die Sensibilität eines Rhinozeros' zeigte, war noch am Tisch. Und natürlich Narbo, der leicht verärgert von der davoneilenden Ysara zu dem nervösen Kellner blickte.

Llewella beschloss, dass es wohl auch für sie Zeit war, diesen Tisch zu verlassen. Vor allem, bevor hier ein Streit zwischen dem nachlässigen Kellner und seinem profitgierigen Chef begann. Außerdem, so erinnerte sie sich, hatte sie noch etwas zu erledigen.

"Pormas", nickte sie verabschiedend in dessen Richtung, gönnte ebenfalls dem Ferengi ein kurzes Nicken und erhob sich. Dann ging sie gemächlichen Schrittes weiter in den Raum.

--- Tisch 1

Auch Carter musste grinsen, so eine nette Umschreibung für einfachen Diebstahl hatte er bisher selten zu hören bekommen. Er entspannte sich wieder und wurde merklich ruhiger.

"Gewissensbisse? Damit dürfte auf diesem Schiff wohl kaum zu rechnen sein", warf er gut gelaunt in die Runde.

Chris hatte die Schottin bemerkt und beobachtete sie beim näherkommen. Hier war wohl immer irgendetwas los.

Llewella begab sich direkt neben Tisch 1 und hörte noch die letzten Fetzen eines Gespräches. "Entschuldigen Sie die Störung", begann die Schottin. Daraufhin wandte sie sich an Alex Poulsen. "Mr. Poulsen, wenn Sie hier fertig sind, würde ich Sie bitten, noch einmal bei mir auf der Krankenstation vorbeizusehen. Ich hätte da noch ein paar Dinge, die ich gerne mit Ihnen besprechen würde."

Carter wartete nicht auf Poulsens Antwort sondern fragte seinerseits: "Und wie wird es in Zukunft weiter gehen? Hat jemand eine Idee?"

Alex rechte Augenbraue schnellte bei der Frage von Carter in die Höhe, während er von seinem Getränk hoch zu Llewella blickte, die abwartend hinter ihm stand. Gleichzeitig wurde es um ihn herum auf einmal verdächtig ruhig. Die Neugierde über die ziemlich eindeutig zweideutige Frage der Ärztin knisterte förmlich im Raum und ein beunruhigendes Gefühl beschlich ihn. Alle Blicke ruhten auf ihm und Llewella; jedoch schien ihm das mehr auszumachen als ihr, denn sie schaute ihn immer noch mit einem freundlichen Lächeln an und wartete anscheinend auf eine Antwort seinerseits.

Schnell griff er deswegen nach seinem Glas, kippte den Rest seines Getränkes mit einem Zug herunter und stand dann auf.

"Also von mir aus können wir direkt", antwortete er und klopfte auf den Tisch. "Meine Damen und Herren, ich verabschiede mich. Sollten Sie noch über irgendwelche Fragen bezüglich der Zukunft stolpern, fragen Sie um himmelswillen nicht mich."

--- Tisch 18

"Na los, Bewegung!", grummelte der Ferengi den Kellner an, nachdem dieser immer noch wie Falschgeld am Tisch stand und scheinbar auf besseres Wetter wartete.

Ysaras plötzlicher Abgang hatte Narbo überrascht und er wäre ernsthaft sauer gewesen, wenn sie ihm nicht bezüglich der Werbebotschaft auf der Venture geholfen hätte. Soweit er wusste, war diese immer noch nicht restlos aus den Computersystemen entfernt.

Der Halbgrieche sah auch nicht so aus, als wenn er noch mehr Fleisch bestellen wollte.

Einen Moment schaute er sich in der Bar um, auf der Suche nach besseren Kunden. Personen, die ihr letztes Hemd verspielen würden, die an exklusivem Amüsement interessiert waren oder die einfach nur Weibchen mit zur Schau gestelltem Luxus beeindrucken wollten.

Nach ein paar Sekunden bemerkte er einen Kerl, den er nicht genau einordnen konnte, der aber schon bedenklich schwankte und von zwei jungen Frauen eingerahmt wurde.

'Muss wohl von der Venture kommen', dachte Narbo, während er sein Opfer fixierte und in Gedanken schon mal den teuersten Champagner vormerkte.

"Bis dann!", verabschiedete er sich lapidar von Pormas, der ihn nicht mal eines Blickes würdigte. Theocrates beschloss, noch etwas sitzen zu bleiben.

Dann würde er sich vor dem Training noch drei oder vier Stunden Schlaf gönnen...

--- Tisch 1

Cheyenne musste über Poulsens Reaktion schmunzeln und wandte sich dann an Chris, um auf seine Frage einzugehen.

"Das ist eine sehr gute Frage - da müsste man wohl mit dem Captain reden, was er als nächstes vor hat." Kurz überlegte die Pilotin.

"Ruben, wissen Sie was Genaueres?"

"Äh, ich vermute, dass wir uns nach Beendigung der derzeitigen Wartungsarbeiten zurück in die okkupierten Gebiete begeben. Gegebenenfalls werden wir vorher noch Vorräte und Ausrüstung im Randgebiet des Föderationsterritoriums ergänzen", fasste Ruben grob zusammen, vermied aber die Nennung von Einzelheiten.

Durch sein eidetisches Gedächtnis kannte er die Namen aller Händler, die trotz des verhängten Handelsembargos noch mit der Venture Geschäfte machten. Nicht aus Idealismus, sondern reiner Profitgier, aber die Venture konnte sich ihre Partner nun mal nicht aussuchen.

Und er kannte auch die Treffpunkte, an denen man sie antraf.

Natürlich war er diesen zwielichtigen Gestalten nie selbst begegnet. Die meisten waren von Natur aus misstrauisch und Anhänger der Devise "Erst schießen, dann fragen!"

Daher drückte Wagenvoort sich lieber vor den Treffen. Sein Leben und seine Arbeit waren schon so aufregend genug, außerdem war er eh kein guter Handelspartner.

Auch wenn Ruben sich sehr allgemein ausgedrückt hatte, die Pläne für die nächste Zeit hörten sich dennoch vielversprechend an - S'Tom würde die Venture bei einer ihrer eigentlichen Missionen miterleben. Berichte darüber würden seine Vorgesetzten sicherlich mehr interessieren als solche über DS9 während des Dominionkrieges.

Dennoch würde auch über die Zeitreise ein Bericht verfasst werden müssen - dieser würde dann vor allem in anderen Abteilungen bearbeitet werden. Speziell der Transport von David Jeffrey durch die Zeit würde dort wohl für einige Aufregung sorgen... Während des Fluges zu den romulanischen Gebieten würde sich sicherlich die Zeit finden, das zu erledigen.

"Der Gedanke an eine Mission zur Hilfe der okkupierten Planeten ist sehr zufriedenstellend", merkte der Agent an, um seinem angeblich idealistischen Charakterprofil zu entsprechen. "Hat jemand die Hilfe der Venture speziell angefordert, oder halten wir dort dann Ausschau, wer diese benötigt?"

Chris war dem Wortwechsel aufmerksam gefolgt. 'Nicht nur ein gestohlenes Schiff, sondern womöglich auch noch Hehlerei und Schmuggel.' Möglich war es durchaus und Chris bezweifelte keinen Moment, das Wagenvoort alle kannte, Hehler, Schmuggler, Händler und was einem sonst noch so einfiel.

'Aber er wird sich mit denen sicher nicht abgeben, wird ihm zu gefährlich sein.'

Doch laut sagte er: "Ja, das würde mich allerdings auch interessieren."

"Meinem Kenntnisstand nach liegt keine spezifische Anforderung vor, allerdings meiden unsere Kontaktpersonen angesichts der Abhöranlagen der Romulaner auch interstellare Kommunikation", meinte Ruben nur und erwähnte nicht, dass er derartig sensible Informationen hier auch nicht preisgegeben hätte.

"Aber in 87% aller bisherigen Fälle ergab sich in den ersten 48 Stunden unserer Anwesenheit die ähh Notwendigkeit einzugreifen"

Er war sich nicht ganz sicher, ob er sich darüber freuen sollte. Eigentlich hasste er jede Form von Aufregung, aber aus irgendeinem innerlichen Zwang hatte er sich doch zunächst für den Maquis und jetzt auf der Venture engagiert.

Vielleicht steckte irgendwo in ihm doch ein bisschen Heldenmut.

Vielleicht war es aber auch nur das Gefühl, als Ausgestoßener nur unter anderen Ausgestoßenen leben zu können, welches ihn hierher gebracht hatte.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Ruben detailliertere Informationen als Antwort auf seine Frage preisgegeben hätte, hatte S'Tom schon im Voraus als gering eingeschätzt, aber der Versuch hatte zu diesem Zeitpunkt auch nicht schaden können.

"Ich hatte nicht vermutet, dass der Bedarf nach Hilfe in den besetzten Gebieten so groß ist. Gut, dass auch jemand da ist, um diesen Bedarf zu decken...", merkte der Vulkanier als Antwort an, woraufhin eine kleine Pause im Gespräch entstand.

Die Pilotin ließ ihren Blick über die noch anwesenden Personen schweifen. Die Zukunft konnte durchaus interessant werden - auch wenn sie wohl nicht ganz so legal werden würde, wie sie ursprünglich gedacht hatte. Für einen Moment dachte sie an ihre Familie und der verständnislose Blick ihrer Eltern über die Abenteuer ihrer Tochter schob sich unweigerlich in ihrer Erinnerung. Mit einem kurzen Kopfschütteln warf Cheyenne allerdings diesen Gedanken schnell ab - sie würde sich keine Sorgen mehr über die Erwartungshaltung anderer ihr gegenüber machen.

"So, ich werde mich dann auch mal fürs Erste verabschieden. In ein paar

Stunden fängt meine reguläre Schicht an und ich möchte mich davor noch etwas ausruhen.", warf sie in die Runde. Mit einem allgemeinen Nicken verabschiedete sich Cheyenne und wandte sich dann in Richtung Ausgang.

S'Tom beschloss, sich anzuschließen und sich ebenfalls in sein Quartier auf der Venture zu begeben. Mit einer kurzen dahingehenden Bemerkung und einem Nicken verabschiedete er sich. Schlaf konnte auch ihm nicht schaden, und er hatte auch schon längere Zeit keine Gelegenheit für Kohl-tor gehabt.

Mit den Gedanken war Chris noch bei Wagenvoorts Aussage. Er glaubte ihm sofort, dass dieses Schiff nicht lange unbemerkt bleiben würde. Er hatte auch keine große Lust, noch länger hier zu bleiben. Schließlich hatte Carter gerade erst ein eigenes Quartier zugewiesen bekommen und das wollte er sich unbedingt ansehen.

Denn auf diesem Schiff würde es ihn überhaupt nicht wundern, wenn es noch genau so aussehen würde, wie an dem Tag, als sein Vorbesitzer es verlassen hatte. Und da Trustman vermutlich vergessen hatte, dass er ihm noch eine Unterhaltung nach ihrer Rückkehr angedroht hatte, war es jetzt wohl der richtige Zeitpunkt um von hier zu verschwinden.

Nicht, dass der sich am Ende doch noch an die Beurteilung erinnerte, darauf konnte Chris wirklich gut verzichten. Schnell trank er den letzten Rest aus seinem Becher und stand auf. "Einen schönen Abend noch, die Herren", verabschiedete er sich schnell.

Dann wandte er sich Richtung Ausgang.

Einen Moment schaute Ruben dem neuen Sicherheitler noch nach, dann gähnte er breit und langgezogen. Dass Trustman ihm bis zu den Mandeln sehen konnte interessierte ihn nicht mehr.

'Dieses ganze Zeitgereise machte furchtbar müde', befand der Niederländer und streckte seine Glieder etwas. Durch die Bewegung merkte er, dass sein linkes Bein dabei war einzuschlafen. Das Kribbeln zog sich langsam Richtung Hüfte hoch.

'Wie unangenehm!'

"Ähh, sollen wir auch auf die Venture zurückkehren? Hier passiert heute wohl nichts mehr", prophezeite er noch immer leicht räkelnd.

Eric Trustman quittierte die Frage mit einem Nicken.

Der Afrikaner zog sein Bett der Anwesenheit seines Vorgesetzten vor. Dieser lebte in seiner eigenen kleinen Welt und bis auf wenige Situationen hatte er nie Einsicht in diese bekommen können. Gespräche waren daher, soweit es nicht um dienstliche Fragen ging, meist sinnlos und kräftezehrend.

Während Ruben noch seine Rechnung bezahlte, war Eric schon einige Meter Richtung Ausgang gegangen. Dann schloss sich Wagenvoort ihm endlich an und sie begaben sich gemeinsam Richtung Transporterraum...


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