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Crossover 3 - Der unsichtbare Feind

(Atlantis 8, Venture 32)

--- Shuttle Tkr'Ouar

"Vielleicht mit ein paar neuen Seitenstabilisatoren ....", kam die prompte Antwort der jungen Frau auf das Hilfsangebot, doch im nächsten Moment schalt sich April schon für diese freche Antwort. Das war nicht gerade der beste Start für ein Gespräch mit jemanden, den man beinahe über den Haufen geflogen hätte.

Wieder hackte die Halbbajoranerin auf ihrer Konsole herum und versuchte den Sichtschirm zu aktivieren - ohne Erfolg und langsam begann sie wirklich an ihre Unfähigkeit im Umgang mit Technik zu glauben - ihr Bat’leH war ihr doch wesentlich lieber und für einen kurzen Moment gab sie sich der Wehmut hin.

Nach einer kurzen Pause sprach April weiter - erst jetzt wieder daran denkend, dass sie noch einen offenen Kanal hatte.

"Mein Name ist April Schahrein - ähm, mein Shuttle hat ziemliche Schäden erlitten - glauben sie hätten vielleicht einen Techniker und ein paar Ersatzteile für mich?"

Die Halbbajoranerin hatte versucht ihrer Stimme einen professionellen Klang zu verleihen - wirklich sicher, ob das funktioniert hatte war sie sich nicht.

--- Raider Pei Mei

Etwas überrascht schaute Alex Veronica an, die nur kurz mit den Schultern zuckte, doch dann nichts weiter sagte. Langsam kam es ihm so vor, als wäre das ganze hier ein Aprilscherz [NRPG: Was für ein Wortspiel], denn anscheinend wollte sie das Wort nun ihm überlassen.

"Hier spricht Alex Poulsen", antwortete er dann, um das Gespräch nicht abreißen zu lassen, "Ich denke, mit einem Techniker können wir dienen" 'Eigentlich auch mit Zwei', dachte er und schmunzelte, "Nur bei Ersatzteilen wird es etwas kniffliger. Ich weiß nicht, ob wir hier klingonische Teile haben oder ob unser Replikator solche herstellen kann. Aber das werden wir dann ja sehen."

Er überlegte kurz und hakte dann noch etwas nach.

"Aber mal eine andere Frage. Was führt Sie hier her, mitten ins Nirgendwo, direkt zu uns hier in diesem Asteroidenfeld?"

--- Shuttle Tkr'Ouar

Im Magen der jungen Frau krampfe sich etwas zusammen und sie wusste nicht so recht, was sie nun auf die Frage des Fremden antworten sollte. Konnte sie ihm nach einem Gespräch, das noch nicht einmal zwei Minuten gedauert hatte, schon soweit über den Weg trauen, dass sie ihm ihre Geschichte erzählen konnte?

"Hm, sagen wir es mal so - ich hatte einen kleinen Zwist mit ein paar Klingonen und jetzt sind sie hinter meinem Kopf her" Ihre Antwort klang etwas wiederwillig, doch schien ihr die Wahrheit immer noch am geeignetsten - er musste ja nicht gleich die ganze Geschichte erfahren.

"Und warum ich gerade diese Asteroidenfeld gewählt habe - es bot in meiner Flugbahn einen guten Schutz vor Sensoren von denen man nicht entdeckt werden will!"

Ein entschuldigendes Lächeln legte sich auf Aprils Gesicht, doch um nächsten Moment fiel ihr wieder ein, dass Poulsen sie ja gar nicht sehen konnte.

"Dass ich hier auf Sie gestoßen bin würde ich als reinen Zufall sehen - aber einen sehr glücklichen Zufall!"

--- Raider Pei Mei

"Klingonen?!", entfuhr es Alex und er schlug auf die Steuerkonsole. Die hatten jetzt gerade noch gefehlt.

"Yhea, hast du das gehört?", fragte er laut.

"Ja, hab ich", kam die Antwort knackend aus den Lautsprechern, "Und ich bin nicht froh darüber"

Man konnte Yhea die Anspannung direkt anhören. Was aber auch verständlich war. Schließlich hatten sie hier schon genug Probleme und wütende Klingonen konnten sie hier überhaupt nicht gebrauchen.

"Miss April, Sie wollen uns doch nicht etwa sagen, dass Sie mehrere klingonische Kriegsschiffe hier zu uns ins Asteroidenfeld gelockt haben? Verdammt noch mal, das darf doch nicht war sein", tönte Alnak laut durchs Interkom, bevor ein lauter Schlag zu hören war. Anscheinend hatte der Romulaner gerade ebenfalls das Steuerpult malträtiert.

"Sie können von Glück sagen, Miss April, dass die Klingonen wohl nicht mit ihren großen Schiffen hier herein kommen können. Doch selbst gegen klingonische Shuttles wird es schwer für uns werden. Mal davon abgesehen, dass die Venture irgendwo hier draußen herum fliegt und von nichts weiß"

--- Shuttle Tkr'Ouar

Irritiert über den Wutausbruch ihres Gegenübers legte April den Kopf etwas schräg und runzelte die Stirn.

"Ähm, darf ich hier etwas anmerken?", begann sie dann vorsichtig. "Ich kann ihre Aufregung ja verstehen, aber meine Sensoren funktionieren noch. Als ich in diesen ... Steinhaufen ... hier rein flog haben sich meine Verfolger in Richtung 42344,2 beweget - also genau in die Gegenrichtung. Vermutlich sind sie jetzt schon wieder auf dem Weg zurück nach Qo’noS - ich denke, dass keine unmittelbare Gefahr besteht. Wenn ich also in absehbarer Zeit nicht hier rausfliege und ein Leuchtfeuer starte - nach dem Motto "hier bin ich - bringt mich doch um...." sehe ich da keine Probleme."

Innständig hoffte sie Poulsen mit ihrer Aussage beruhigt zu haben - das letzte was sie jetzt brauchen konnte war, dass hier alle in Panik gerieten.

"Und noch etwas - nicht dass ich mich nicht über eine zunehmende Verbrüderung freuen würde, aber wenn sie mich mit Miss anreden wollen, dann wäre es schön, wenn es ein "Miss Schahrein" sein würde - zwar komme ich ursprünglich von Bajor, aber wenn ich mich recht erinnere habe ich mich vorhin ganz "normal" vorgestellt. Mit April als Vornamen und Schahrein als Nachnamen - um einem größeren Durcheinander vorzubeugen" Ein breites Lächeln umspiele ihre Lippen.

--- Raider Pei Mei

"Ok, Miss Schahrein. Oder belassen wir es bei einem einfachen April? Ich heiße jedenfalls Alex. Und der nette Romulaner, den Sie eben gehört haben, ist unser Chefingenieur Yhea Alnak", versuchte Alex die ganze Situation wieder etwas zu beruhigen. Es brachte schließlich nichts, sich hier gegenseitig wegen Kleinigkeiten die Hölle heiß zu machen. Zudem war ja auch jeder Feind der Klingonen ein Freund der Romulaner.

Alex grinste dabei. So wie sich Yhea angehört hatte, würde das mit der Freundschaft nicht so einfach sein. Schnell schüttelte Alex den Gedanken wieder ab.

"Also, vergessen wir das ganze Geplänkel von vorhin und kommen wir zum Punkt. Sie brauchen Hilfe und wir können Sie Ihnen geben. Wie wäre es also, wenn Sie mir Ihre Koordinaten geben und ich beame mich mit einem Werkzeugkoffer zu Ihnen herüber?"

--- Shuttle Tkr'Ouar

"Okay, April ist auch in Ordnung ...." Wieder legte sich ein breites Grinsen auf ihr Gesicht.

Dann begann die Halbbajoranerin wieder einmal auf ihre Konsole ein zu hacken und schickte die Koordinaten auf der Trägerwelle des Kommunikationskanals zur Pei Mei - sichtlich erfreut, dass sie dieses technische Kunststück bewältigt hatte. Auf die Idee die Information mündlich zu übertragen kam sie gar nicht.

"Ich freue mich auf ihre Ankunft, Alex!", plänkelte sie, während sie noch die Schilde senkte, um den Transport zu ermöglichen.

Während sie sich in ihrem Stuhl umdrehte, um ihren Besuch zu empfangen, versuchte sie noch schnell mit dem Fuß die Scherben der Tasse ein wenig auf die Seite zu schieben. Auch griff sie nach dem Phaser, der auf der Steuerkonsole lag und postierte in auf einer kleinen Ablagefläche neben ihrem Sessel - immer noch bei einem Notfall gut erreichbar, aber doch nicht bedrohend wirkend.

Wenige Sekunden später erschien das vertraute Glitzern des Transporters in der Mitte des Raumes.

Alex materealisierte in einer ziemlich dunklen Umgebung. Zumindest kam es ihm so vor, denn an Bord der Pei Mei war es deutlich heller als hier. Aber gut, vielleicht war diese Lichtstärke an Bord eines klingonischen Shuttles normal. Deswegen ignorierte er diesen Umstand und schritt auf die einzig anwesende Person zu, die etwas weiter vorn vor dem Steuerpult stand und ihn abwartend anschaute. Das musste wohl April sein.

Während er langsam auf die Frau zuging, schaute er sich kurz um und versuchte so schon einmal, eventuelle Schäden zu erkennen. Doch soweit er sehen konnte, war das Shuttle in einem relativ guten Zustand. Zumindest auf den ersten Blick.

Bei April angekommen, stellte er seinen Werkzeugkoffer ab, wischte sich noch schnell und unauffällig die Hand an seiner Hose ab und streckte sie dann der Bajoranerin, wie er jetzt erkannte, entgegen.

"Hallo, ich bin Alex. Was fehlt denn dem guten Stück", fragte er und setzte ein Lächeln auf.

Instinktiv erwiderte die junge Frau das Lächeln und setzte zu einer Antwort an.

"Nun, wie sie vorhin sicherlich bemerkt haben sind die Seitenstabilisatoren im Eimer. Des weiteren ist es mir öfters passiert, dass der Warpantrieb nicht so ganz funktioniert hat. Immer wenn ich längere Zeit Warp 3 geflogen bin, bin ich nach einer halben Stunde wieder aus dem Kanal heraus gefallen und auf Impuls gegangen. Dabei war der Autopilot aktiv - ich hab da überhaupt nichts dran gemacht. Und auch die Replikatoren funktionieren nicht ganz so wie sie sollten"

Als April diesen kleinen Statusbericht ablieferte musste sie sich eingestehen, dass sie obwohl das Shuttle doch einiges an Phaserfeuer abbekommen hatte, sie im allgemeinen noch sehr viel Glück gehabt hatte, mit heiler Haut davon gekommen zu sein.

Erwartungsvoll betrachtet sie ihr Gegenüber - in der Hoffnung er habe etwas mehr Ahnung von Technik als sie selbst.

Während sie Alex einen Augenblick beobachtete kam der jungen Frau ein nicht zu verachtender Gedanke. Die Frau mit der April zu Anfang geredet hatte, hatte etwas von einem "freien" Schiff erzählt ... vielleicht würde sie hier wieder einen neuen Job finden?

--- Shuttle Reality

Sems verdrehte genervt die Augen und hätte beinahe eine spitze Bemerkung an den Ferengi abgelassen. Schnell hatte er sich das jedoch verkniffen, weil er absolut keine Lust hatte, diesen verrückten Spinner und Speichellecker wieder am Backen zu haben. Denn sobald man was sagte, ging dieser Zwerg ja sofort in die Luft.

Stattdessen versuchte er sich zu beruhigen und tief durchzuatmen. Es brachte ja auch absolut nichts, die ganze Energie hier schon los zu werden. Mal davon abgesehen, dass er im Moment nicht allzu viel davon besaß. Er schaute auf seine verletzte Schulter hinunter und warf dann Pormas einen bösen Blick zu, der ihn mit einem Grinsen kommentierte.

'Schlappschwanz', dachte Sems und drehte sich zurück zu Fanjil um. Die hatte sich die ganze Sache angeschaut und zwischendurch kurz genickt. Doch gesagt hatte sie bisher nichts.

"Also Fanjil, geht’s los?", fragte er die Alienfrau.

"Ja", antwortete Fanjil schlicht und wandte sich an Wagenvoort, "Hat jemand von ihnen etwas womit ich ihnen das Gängesystem skizzieren kann?", fragte sie, woraufhin ihr Clint ein PADD reichte. Sie begann darauf rumzukritzeln. Anscheinend bereitete es ihr keine Schwierigkeiten das System aus dem Gedächtnis hervorzuzaubern. Schließlich schritt sie auf Wagenvoort und Clint zu und drehte sich um, damit die Beiden ihre Skizze sehen konnten: "Hier sind wir gerade", sie deutete auf einen durchgestrichenen Kreis, in einer mit etwas krakeligen Linien angedeuteten Kammer.

"Dieser Gang führt zur Schläferkammer, da ist einer der Eingänge zur Kristallgrotte. Die Türen zu Nebenschächten sind kaum sichtbar, man kann sie aber anhand einer grob bogenförmigen Aderstruktur im Fels erkennen. Drücken sie einfach leicht dagegen, um den Öffnungsmechanismus aus zu lösen. Ich habe die Kammern in denen sich meine Leute befinden mit einem X markiert. Noch Fragen?"

Leise zischte der Ferengi vor sich hin.

"Zwar traue ich Euch immer noch nicht und man sollte Euch keinen Moment aus den Augen lassen, aber lieber gehe ich das Risiko ein, bevor ich mit dem da", Narbos Blick war eindeutig an Wagenvoort adressiert, "mitgehen muss!"

Und der Barbesitzer hatte das Gefühl, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte.

"Also los!"

Die Mannschaften brauchten einige wenige Augenblicke, um ihre Teams zu bilden. Sie hatten sich schließlich auf zwei Gruppen geeinigt. Zum einen Narbo, Ysara und Sems, geführt von der Alienfrau, zum anderen Wagenvoort, Clint und Jordan, ausgerüstet mit Fanjils Skizze. Der Halbbreen hatte das PADD wieder an ich genommen, und studierte dessen Inhalt intensiv. Der Rest sollte im Shuttle bleiben, was vor allem von Chedu und Pormas mit Missfallen quittiert wurde.

Die Alienfrau ging aus dem Shuttle und wartete am Waffenhaufen vor dem Eingang. Die Tatsache das diese Frau romulanisch sprach erschien dem Wahlvulkanier immer noch merkwürdig. Es gab im Gebiet des romulanischen Imperiums natürlich eine Vielzahl von Völkern, die sich der Kultur ihrer Besatzer angepasst haben, und somit auch ihre Sprache übernahmen. Aber auf der Venture lernte man gegenüber allem Romulanischem misstrauisch zu sein ... es sei denn, man hatte es mit Chefingenieuren zu tun.

--- Vor der Reality

Achtsam folgte er Fanjil nach draußen. Er hoffte, dass es jetzt zu keinem erneuten Zwischenfall kam. Sicherheitshalber beeilte er sich, ohne dabei den Eindruck von Hastigkeit zu erwecken, zum Waffenhaufen zu gelangen. Er musste unbedingt eine Waffe haben, bevor diesem Ferengi irgendwelche Ideen kamen.

Missbilligend nahm Jordan die Eile des Wahlvulkaniers zur Kenntnis. Das Verschwinden der Waffen hatte einen Vorteil gehabt, nämlich, dass die gegenseitigen Bedrohungen aufhörten und endlich eine Art Dialog zustande kam. Da sich ihre Teams jetzt trennen würden, würde es vielleicht nicht zu erneuten Scherereien kommen; andererseits konnte die Trennung aber genauso zur Folge haben, dass das gegenseitige Misstrauen, das zurzeit überhaupt niemandem half, wieder anstieg.

Mit ihrem eigenen Anteil dieses Misstrauens beobachtete sie, wie die hochgewachsene Afroamerikanerin, die ihre Nase Jordans Meinung nach sehr hoch in der Luft trug, den Waffenstapel ebenso schnell wie der Breen erreichte und gleich eine Reihe größerer Waffen aufhob. Sie schien sie allerdings nicht für sich behalten zu wollen, sondern ging damit zurück ins Shuttle.

--- Shuttle Reality

"Ich dachte, Sie fühlen sich vielleicht etwas nackt", auf Ysaras Gesicht erschien ein Grinsen, und sie reichte dem etwas verblüfften Pormas seinen Disruptor. Dessen Verwirrung lichtete sich aber schnell und er erwiderte ihr Grinsen wortlos. Ein kurzer Blick auf Chedu teilte der Afroamerikanerin jedoch auch ohne größeren Monolog mit, dass dem Griechen eine Waffe in Anwesenheit der sicher gleichberechtigt starken Klingonin nur recht war. Nur um die Sache zu verkürzen, im Zweifelsfall, verstand sich.

Sein Grinsen wich einer gewissen Resignation, als jemand am Eingang Chedus Namen rief und ihr einen der Handphaser zuwarf, den sie mit einem Knurren fing, bevor sie Pormas klingonisch anfunkelte.

Ysaras Grinsen wuchs daraufhin in die Breite. "Viel Spaß", wünschte sie dem Griechen vergnügt und schritt mit ihrem Phasergewehr, das vorher irgend jemand anderem gehört hatte, nach draußen. Komisch, aber sie fühlte sich immer gleich viel entspannter, wenn die Welt um sie herum im Stress versank. Musste wohl an ihrem Job liegen.

Ein wenig angespannt hatte Clint Ysara dabei beobachtet, wie sie sich eine Waffe schnappte. Erst als sie das schwere Kaliber dem Exkiller übergab, lockerte er den Griff um seines eigenes Gewehr. Mit aller Zufriedenheit, die ein Vulkanier oder Halbbreen empfinden konnte, steckte Clint seinen Handphaser ein. Mit der gleichen Zufriedenheit stellte er fest, dass niemand versuchte, sich mit Hilfe der Waffen einen Vorteil zu verschaffen. Die Lage schien stabil, wenn alles gut ging würden alle diese Mission überleben.

Erst jetzt schaute er sich im Raum um, den er zum ersten Mal sah. Nicht das es da Viel zu sehen gab. Ein exakt quaderförmiger Raum, indirekt ausgeleuchtet, aus grauen Asteroidengestein mit einem schrottreifen Föderationsshuttle voller zwielichtiger Gestalten in seiner Mitte. Nur beim näheren Hinsehen erkannte man die leicht funkelten Erzadern, die laut Fanjil geheime Zugänge markierten.

--- Raider Pei Mei

Veronica sah dem Techniker nach, während er dematerialisierte, bis alle seine Einzelteile drüben waren. Als sie noch jünger war, hatte sie sich immer gefragt, was passierte, wenn der Transporter... nun ja, was vergaß.

Dann warf sie einen nachdenklichen Blick aus dem Fenster, wo nach wie vor das klingonische Shuttle und die Silver Sun bewegungslos schwebten, und öffnete schließlich erneut einen Kanal zum Schiff ihrer Kollegen.

"Mr. Alnak, wollen Sie immer noch runterbeamen? Mein Vorschlag wäre, dass wir warten, bis Poulsen zurück ist. Diese Schahrein scheint ja nichts Böses im Sinn zu haben, aber ich würde Alex oder auch ein unbewachtes Shuttle nur ungern hier oben zurück lassen, solange sich ein klingonisches Schiff in der Nähe befindet"

Während sie auf die Antwort des Technikers wartete, erhob sie sich und schlenderte erneut hinüber zu Replikator. Auch wenn sie heute Nacht nicht schlafen konnte, der Anblick der Tkr'Ouar erweckte in ihr einfach das Verlangen nach Raktajino.

--- Raider Silver Sun

Yhea dachte kurz nach und wägte alle Möglichkeiten ab. Nein, Aillard hatte Recht. Ausnahmsweise mal. Es wäre ziemlich unsinnig, jetzt hinunter zu beamen. Zwar würde es das Außenteam wohl begrüßen, wenn endlich Hilfe käme, doch Alnak glaubte, dass die es wohl noch eine halbe Stunde aushalten würden.

"Nein, wir bleiben hier und warten. Ich denke, es wird wohl nicht allzu lange dauern, bis Alex fertig ist. Und dann können wir uns immer noch zum Außenteam beamen. Aber zumindest sollten wir versuchen, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Ich habe da auch schon eine Idee. Warten Sie mal kurz"

Er stand auf und ging in den Laderaum des Schiffes. Er öffnete eine große Wandverkleidung, hinter der sich die Lager- und Abschussvorrichtung für die Sonden befand. Mit Hilfe der Schnellverschlüsse öffnete er die erste Sonde, baute die Hauptsensorkomponenten aus und ersetzte sie durch ein Kommunikationsmodul, welches er routiniert einbaute und aktivierte. Damit fertig verschloss er alles wieder, aktivierte die Sonde und verriegelte wieder die Wandverkleidung.

Auf dem Weg zurück zum Cockpit, kontaktierte er wieder Veronica.

"Miss Aillard, ich habe gerade eine Sonde modifiziert, sodass sie als Relaisstation für unsere Kommunikation funktioniert. Da aber unsere Transporter nicht funktionieren, werde ich die Sonde etwa 10 Meter neben die Pei Mei schicken und Sie beamen sie dann zu den Koordinaten, die Alex eben innerhalb des Asteroiden festgelegt hat. Dann müssten wir in der Lage sein, mit dem Außenteam zu reden"

Endlich war Yhea im Cockpit angekommen. Er ließ sich wieder in den Sitz fallen und bereitete den Abschuss der Sonde vor. Obwohl, Abschuss konnte man das ja nicht nennen. Eher ein sanftes Anschuppsen.

"Ok, Sonde ist unterwegs", sagte Yhea und startete sie. Als er aus dem Fenster schaute, konnte er die Sonde erkennen, wie sie langsam auf die Pei Mei zuflog und dann an Steuerbordseite in Parkposition ging.

"Miss Aillard. Sie können loslegen"

--- Shuttle Tkr'Ouar

Alex zog die nicht erwiderte Hand wieder zurück, lächelte aber trotzdem weiter. Dann ging er an April vorbei an die technische Konsole, zumindest glaubte er, dass sie es war und stellte sich davor.

"Hmm", machte er und kratzte sich am Kinn. Vorsichtig drückte er auf ein paar Knöpfen herum, betätigte hier und da ein paar Schalter und schüttelte dann den Kopf.

"So wird das nichts", bemerkte er und drehte sich zu der jungen Frau um, "Können Sie vielleicht die Sprache umstellen? Zwar komme ich mit den meisten Schriften zurecht, doch beim Klingonischen muss ich passen"

Zuerst schaute ihn April etwas verdutzt an, doch nach ein paar Sekunden verstand sie, was er meinte.

"Oh, tut mir leid. Sie müssen wissen, wenn man längere Zeit auf Qo'noS verbringt, dann kommt einem die klingonische Sprache wie selbstverständlich vor"

Sie stellte sich neben Alex und beugte sich vor, um ein paar Befehle einzugeben. Dabei streifte sie seinen Arm und Alex zuckte beinahe überrascht zurück. Doch sie schien davon gar nichts mitbekommen zu haben. Verstohlen blickte Poulsen zu der Bajoranerin hinunter und musste feststellen, dass sie gar nicht mal unattraktiv war. Nein, unattraktiv war das falsche Wort. Eigentlich sah sie richtig ...

"So, bitte schön", unterbrach sie Alex Gedankengang und er war schwer damit am kämpfen, nicht rot wie eine Tomate anzulaufen.

"Äh, ja ... prima ... Danke schön", stammelte er und fummelte nervös an seinem Jackett herum. Eine beinahe peinliche Stille breitete sich aus und füllte das kleine Shuttle. Schnell frischte Alex sein eingefrorenes Lächeln auf und drehte sich zurück zur Technikkonsole um.

'Ruhig bleiben', ermahnte er sich in Gedanken und versuchte sich auf die Darstellung der Schiffssysteme zu konzentrieren. Doch die verschwammen nur so vor seinen Augen und er zwinkerte wie verrückt, um wieder klar zu sehen. Aber er merkte, dass in den nächsten Minuten hier nichts zu machen war. Stattdessen ging er zum Replikator.

"Mal sehen, was hiermit nicht stimmt", sagte er mehr zu sich als zu April, während er irgend etwas aus der internen Datenbank bestellte.

Summend erschien etwas im Ausgabefach und er holte es heraus. Überrascht starrte er auf den Teller. Gagh? Er hatte doch was ganz anderes bestellt. Egal. Nächster Versuch. Er drückte April den gefüllten Teller in die Hand und suchte etwas Neues aus der Liste heraus.

Wieder summte es und Poulsen holte den zweiten Teller Gagh aus dem Replikator. Beinahe amüsiert drehte er sich zu April um und sagte: "Lassen Sie mich raten. Er macht nur Gagh?"

Ein breites Grinsen legte sich auf April Gesicht.

"So ungefähr - ich habe ihn auch schon dazu überredet mit eine Tasse Raktajino zu machen, aber da habe ich dann schon einige Tricks anwenden müssen - ja, im großen und ganze gibt es seit Tagen nur Gagh!"

Mit sehr kritischem Blick stellte sie den Teller neben sich auf den Sessel - zwar hatte sie grundsätzlich nichts gegen klingonische Küche, doch Wochen lang immer nur das selbe Zeug zu essen war doch nicht unbedingt das Wahre.

Einige Sekunden beobachtete April den jungen Mann vor sich, der mittlerweile begonnen hatte den Replikator auseinander zu nehmen und für ein paar Augenblicke driftete die junge Frau mit ihren Gedanken ab.

Nach kurzer Zeit hatte Alex sämtliche unnützen Verkleidungsteile demontiert und starrte nun auf das nackte Innenleben des Replikators. Nach einem kurzen Blick zu April, die in Gedanken versunken zu sein schien und der kurzen Überlegung, dass es nicht schlecht wäre, April auch mal wie den Replikator entkleiden zu können, zog er aus dem Werkzeugkasten einen technischen Scanner hervor und untersuchte den Replikator.

Schon nach wenigen Minuten hatte er das Problem entdeckt. Er steckte den Arm in das Innere des Replikators, suchte und wühlte etwas herum und zog dann ein kleines, blinkendes Gerät heraus. Interessiert begutachtete er es, warf es dann April zu und baute den Replikator wieder zusammen.

Kaum fertig damit, bestellte er zwei Raktajino und reichte den Einen dann weiter.

"Prost", sagte er scherzhaft und trank einen großen Schluck, "Zu dem Teil, was Sie da in Ihren Händen halten ..., es ist ferengisch. Ein kleines Überbleibsel des früheren Besitzers nehme ich an. Wohl dazu gedacht, denn neuen Besitzer in den Wahnsinn zu treiben. Verständlich, wenn es nur Gagh gibt"

Er schmunzelte kurz, bevor er weiter redete.

"Sie haben doch wohl nicht das Shuttle hier von einem dieser geldgierigen Ferengihändler abgekauft oder?"

Irritiert blickte April von dem kleinen Gerät in der einen Hand zu der Tasse die ihr Alex in die andere Hand gedrückt hatte. Als sie dann nach ein paar Sekunden aufschaute begann es in ihrem Kopf leise zu hallen und für wenige Augenblicke rasten verschwommene Bilder vor ihrem inneren Augen vorbei. Auf einem dieser Bilder glaubte April doch fast sich selbst - spärlich bekleidet - gesehen zu haben.

Schnell schüttelte sie den Kopf um die unerwünschten Bilder aus ihrem Geist zu verbannen und um sich wieder ihrem Gegenüber zu widmen - der anscheinend seiner Phantasie freien Lauf ließ...

"Ähm, ja also um ehrlich zu sein ist "abgekauft" wohl der falsche Begriff. Ich würde sagen eher um meine Haut zu retten "entwendet"" Immer noch ein bisschen durcheinander versuchte April ihre Fassung wieder zu erlangen.

Mit fester Stimme fügte sie dann hinzu: "Wo das Shuttle aber ursprünglich hergekommen ist, weiß ich nicht - ich habe es aus einer Werft auf Qo'noS. Irgendwie witzig, dass sich da wohl ein Klingone von einem Ferengi übers Ohr hat hauen lassen!"

Vorsichtig nahm sie einen Schluck ihres Raktajino und ließ über den Tassenrand hinweg ihre dunklen Augen über Alex Gesichts schweifen.

--- Gänge zur anderen Seite des Shuttles

Stumm folgte die Gruppe Fanjil durch die Gänge. Konzentriert versuchte Sems sich den Weg, den sie gingen zu merken, doch nach wenigen Minuten gab er es auf. Alles sah irgendwie gleich aus. Rohe Wände aus Stein, ab und zu mal durchzogen von einer Dilitium-Ader oder sonstigen Mineralien. Und immer nur spärlich beleuchtet. Obwohl spärlich schon übertrieben war. Eigentlich konnten sie auch im Dunkeln gehen. Die wenigen Taschenlampen, die sie dabei hatten, erleuchteten den Gang nur knapp 2 Meter vor ihnen, danach war absolute Schwärze.

Nachdem sie so mehrere Minuten herumgelaufen waren, blieb Fanjil plötzlich stehen. Überrascht durch den Halt brauchte Sems jedoch noch einen Schritt um anzuhalten ... und zwar genau einen Schritt zuviel. Mehr oder weniger mit vollem Tempo lief er in den Ferengi hinein, der anscheinend schneller stehen geblieben war als Sems; was wohl an dessen kurzen Stummelbeinen lag, überlegte Sems noch, bevor er den kleinen Ferengi umschmiss.

"Verdammt", entfuhr es ihm, als er merkte, was passiert war. Sofort entschuldigte er sich bei Narbo und bot ihm die Hand zum Aufstehen an.

Ysara warf den beiden Männern einen kurzen Blick zu und hob die Augenbraue. Dann schloss sie zu Fanjil auf. Ähnlich wie Jordan traute die Psychologin der Frau nicht. Im Gegensatz zu Jordan traute sie allerdings ohnehin niemals einer Person. Jemanden gut genug zu durchschauen, dass sie seine nächsten Schritte vorausahnen konnte, kam ihrer Version von Vertrauen wahrscheinlich am nächsten. Möglicherweise hatte sie deshalb Clint und Narbo gegenüber eine so geringe Toleranzgrenze - sie waren so durchschaubar. So langweilig...

"Und was, glauben Sie, werden wir finden?", fragte sie im Plauderton und musterte ihr Gegenüber scharf. Profilanalyse hatte sie schon immer milde interessiert. Die Antwort würde sicher aufschlussreich sein - es gab ja sonst nichts, womit man sich hier beschäftigen konnte.

Ysara vergaß es allerdings derweil nicht, ihre Umgebung im Auge zu behalten.

Sicher war sicher.

--- Raider Pei Mei

"Aye, Sir", erwiderte Veronica, während sie etwas genervt einen Fleck von ihrer Uniform zu entfernen versuchte, nachdem sie beim Setzen etwas von ihrem Raktajino verschüttet hatte und nicht so recht bei der Sache war. Jetzt stellte sie seufzend fest, dass auch die Sitzfläche jetzt feucht war, und rutschte hinüber auf den anderen Sitz.

"Moment mal...", murmelte sie in den offenen Komm-Kanal und schaute etwas irritiert auf die Schaltfläche hinab. Sie saß nun an der dritten Konsole des kleinen Raiders, die weder Poulsen noch sie auf ihrem Flug bedient hatten, und bemerkte das erste Mal den kleinen Riss, der sich quer über das Eingabefeld zog, seit Chi-Lo einige Stunden zuvor bei seinem Systemcheck ein kleiner Fehler unterlaufen war.

Stirnrunzelnd fuhr sie mit dem Finger darüber. Sie musste den Chefingenieur nicht fragen um sich bestätigen zu lassen, dass er einen dermaßenen Schönheitsfehler in einem seiner Raider niemals geduldet hätte. Der Schaden musste nach dem letzten Sicherheitscheck entstanden sein.

Unruhe kam in Veronica auf, während sie den Computer flink einen eigenen lokalen Check durchführen ließ. Immerhin schien die Konsole zu funktionieren.

"Miss Aillard, nun machen Sie schon", ertönte Alnaks Stimme Sekunden später über Komm. Zweifelsohne kannte er Hisakis schlechte Meinung über sie und reimte sich seinen eigenen Teil zusammen, "So eine Sonde bleibt nicht da stehen, wo ich sie hinschicke, oder wollen Sie, dass sie mit dem Asteroiden kollidiert?"

Verärgert grummelte Veronica in sich hinein. Da sah man es ja. Hisaki hatte es also so weit gebracht, dass sie logischerweise an allem Schuld sein musste.

Sie hatte die Sonde jetzt auf dem Konsolenschirm und beschloss, erst den Transport durchzuführen, obwohl der Check bereits in roten Buchstaben die erste Warnmeldung ausgab. Bei Poulsen hatte ja auch alles geklappt, und es war nur eine Sonde.

Trotzdem atmete sie erleichtert auf, als der Vorgang erfolgreich beendet war. "Transport durchgeführt", meldete sie Alnak, "Hören Sie, Alnak, ich habe hier gerade einen kleinen Schaden an einer Konsole bemerkt, der aussieht, als sei etwas durchgebrannt. Kontaktieren Sie unsere Crew? Ich starte derweil einen Systemscheck und finde heraus, ob es sich um ein ernstes Problem handelt"

Nachdem der Romulaner bestätigt hatte, begann sie wie angekündigt einen tieferen Blick auf die Systeme zu werfen. Sie war entschieden herauszufinden, was da passiert war, bevor Poulsen zurückkehrte. Immerhin würde man ihr sonst am Ende noch anhängen, sie sei schuld. Ihr kam es langsam vor, als stünde sie auf der Beliebtheitsliste der Senioroffiziere mittlerweile ganz unten - oder zumindest nur noch knapp über diesem Hu-Wang.

--- Gänge

Die Gruppe im Auge behaltend war Ruben dem Wissenschaftler gefolgt und beobachtete stirnrunzelnd, wie alle sich daran machten, schwer bewaffnet auf die Jagd zu gehen. Er selbst verzichtete auf einen Phaser, denn erstens war die Gefahr sich selbst aus Versehen zu erschießen viel größer, als dem Fremden zum Opfer zu fallen. Und zweitens, was zugegebenermaßen stark mit Punkt 1 zusammenhängen mochte, ermittelte er zumeist ausschließlich mit dem Gehirn.

Stattdessen konzentrierte er sich einige Sekunden innerlich auf die recht aufschlussreiche Skizze, die ihre vorläufige Alliierte vor wenigen Augenblicken in Clints Padd eingegeben hatte.

Es würde wohl keine Probleme bereiten, den Weg zu finden, daher schritt er zielsicher in die korrekte Richtung voran und forderte Clint und Jordan winkend auf, sich ihm anzuschließen. Gleichzeitig kratzte er sich nochmals ausgiebig an der Nase, bevor sie den scheinbar sicheren Hafen verlassen würden.

--- Schläferkammer

Jordan folgte ihren Begleitern, bis sie kurz darauf einen hohen Raum erreichten, in dem sich die Kammern befanden, von denen zuvor mehrfach die Rede gewesen war und aus denen scheinbar auch diese Fanjil zu stammen schien, der Jordan nach wie vor absolut nicht vertrauen wollte.

Neugierig sah sie sich um. Es drängte sie, die Kammern näher zu untersuchen, und sie schalt sich selbst, dass das nun wirklich nicht ihre Aufgabe war im Moment. Vielleicht würde sich dafür später noch Gelegenheit ergeben.

"Auch hier ist es zu starker telepathischer Aktivität gekommen", stellte sie mit einem Blick auf ihren Tricorder fest und schwenkte ihn durch die Höhle. "Allerdings deckt sich das wohl mit Fanjils Angaben", fügte sie widerstrebend hinzu, "Immerhin kam dieser Fremde hierher"

Stirnrunzelnd beugte sie sich über ihren Tricorder. Die so auffälligen enzymatischen Rückstände waren hier überall feststellbar und führten natürlich auch in die Richtung zurück, aus der sie kamen. Als Clint hinter ihr zu sprechen begann, hob sie allerdings die Hand, um ihn davon abzuhalten, und wies auf einen Gang, der im hinteren Teil des Raums begann.

"Ich glaube, wir sollten uns diesen Gang ansehen", wandte sie sich zu Ruben und ihm um, "Ganz eindeutig ist hier kürzlich ein Telepath durchgegangen. Wirklich, diese Restspuren sind ganz erstaunlich" Sie schüttelte den Kopf. "Vermutlich würde er jedem Betazoiden in der Umgebung von dreißig Meter Kopfschmerzen bereiten. Daher würde ich vorschlagen, wir gehen hier durch"

Sie wartete nicht auf die Antwort der beiden Männer, sondern ging vor. Der Gang war dunkler als die anderen, und ihre Hand tastete vorsichtig zu ihrem Phaser.

"Was ist, kommen Sie?", rief sie den beiden Männern hinter sich zu und sprang elegant über einen kleinen Felsvorsprung.

In diesem Moment geschah es.

Ein Transporterstrahl erfasste Jordan. Bevor die beiden Männer sehen konnten, was geschah, war sie verschwunden.

--- Shuttle Tkr'Ouar

"Dann möchte ich nicht der Ferengi sein. Denn einen Klingonen übers Ohr zu hauen kann verdammt schmerzhaft enden", meinte Alex amüsiert, während er an seinem Raktajino nippte, "Aber damit müssten Sie ja die meiste Erfahrung haben. Ich denke, wer längere Zeit auf Qo'noS gelebt hat, der bekommt ein Gefühl für solche Dinge."

Wieder lief es auf diese unangenehme Stille hinaus und deswegen stellte Alex schnell die Tasse ab und schritt zurück zur Technikstation. Vielleicht konnte er sich jetzt darauf konzentrieren.

Er überflog kurz die einzelnen Diagramme und Anzeigen und sagte dann zu April: "Zu der Sache, dass das Shuttle immer von Warp 3 auf Impuls zurück gefallen ist ... Eigentlich ganz einfach zu erklären. Dieses Shuttle hier hat eine Höchstgeschwindigkeit von Warp 3,2. Doch dieses Tempo kann nur für 20 Minuten aufrecht gehalten werden, sonst würde nämlich der Warpantrieb explodieren. Es lag also nicht am Piloten", zwinkerte er der Bajoranerin zu.

"Obwohl ich sagen muss, Warp 3 für ein Shuttle ... Hut ab, das ist schnell. Also unsere Shuttles schaffen grad mal Warp 2. Falls Sie noch mal weiter fliegen sollten, dann fliegen Sie mit Warp 2,5. Diese Geschwindigkeit kann das Shuttle dauerhaft halten. Und dann müsste es auch mit dem Autopiloten klappen."

Alex trank schnell einen Schluck von seinem eben abgestellten Raktajino und schaute dann wieder April an.

"Was war sonst noch zu reparieren?", fragte er, während er April anschaute.

"Die Seitenstabilisatoren ...", half die Halbbajoranerin ihrem Gegenüber mit einem zuckersüßen Lächeln auf die Sprünge - er schien doch sichtlich verwirrt zu sein.

Nachdem April ihre Tasse gelehrt hatte stellte sie sie wieder in den Replikator - zu ihrem eigenen Erstaunen löste sich der Gegenstand ohne Probleme auf.

Mit Schwung drehte sie sich wieder um, stieß jedoch im nächsten Moment mit Alex zusammen der plötzlich genau hinter ihr gestanden hatte. Die junge Frau hatte seinen Positionswechseln wohl nicht bemerkt.

Für einige Sekunden legte April den Kopf in den Nacken und blickte an dem hochgewachsenen Mann empor. Ein bewundernswertes "Wow..." kam über ihre Lippen - eigentlich hätte dieser Kommentar der Reparatur des Replikators gelten sollen, doch etwas amüsiert stellte die Halbbajoranerin fest, wie schnell sie doch die Situation ändern konnte.

April begann Gefallen an diesem Spiel mit dem Feuer zu bekommen.

Da war es wieder. Dieses Gefühl. Und der hochrote Kopf. Beinahe kam es Alex so vor, als würde er jeden Moment explodieren. Und dann war da noch der schwache, aber überaus wohlduftende Körpergeruch von April, der ihm in die Nase stieg. Tausende Gedanken rasten durch seinen Kopf. Und er stand da. Wie zur Salzsäule erstarrt, den Blick auf April gerichtet und absolut nicht in der Lage, auch nur irgendeine Bewegung zu machen, geschweige denn, nur einen Ton zu sagen.

Die heiße Tasse Raktajino in seiner Hand dampfte vor sich hin und Alex kam es so vor, als wäre die Zeit stehen geblieben. Nicht das es ihn störte. Nein. Er könnte so bis in alle Ewigkeit stehen bleiben und den Augenblick genießen. Ja genau. Bis an das Ende seiner Tage.

Und wahrscheinlich wäre es auch so passiert, wenn da nicht der Raktajino gewesen wäre. Dieser hatte sich nämlich beim Zusammenstoß selbstständig gemacht und war auf die Hand von Alex gelaufen. Und jetzt erst, nach vielen Sekunden, hatte sich der Schmerz bis in sein Gehirn vorgearbeitet.

Vor Schreck starrte Alex auf seine Hand, sah das Dilemma und hätte beinahe aus Reflex die Tasse losgelassen, doch dann schaltete er noch richtig und stellte schnell die Tasse ab. Ein kurzes "Aua" erschall im Shuttle und Poulsen rieb sich den Handrücken, während er wieder April anschaute.

--- Gänge, weiter vorne

Die helfende Hand des Menschen hatte Narbo zischend ausgeschlagen, nachdem sie wahrscheinlich nur ein weiterer Versuch eines Angriffs war - warum konnte der Mensch auch nicht stehen bleiben, hatte er keine Augen im Kopf?!

Wütend erhob er sich und merkte im nächsten Moment, dass dies keine besonders gute Idee gewesen war. Von seinem Knöchel ging ein pochender Schmerz aus, der ihm das Blut ins Gesicht schießen ließ. Langsam rotierte er sein Fußgelenk, bis der Schmerz weitestgehend vertrieben war und er leicht humpelnd weitergehen konnte.

Mühsam schloss er zu Ysara auf, während er Sems keines Blickes mehr würdigte. Viel mehr interessierte den Ferengi, was die beiden Weibchen besprachen...

Leicht amüsiert beobachtete Sems Narbo dabei, wie er humpelnd zu den beiden Frauen aufschloss. Was war dieser Ferengi auch einfach stehen geblieben. Selber schuld.

Er strich seine Kleidung wieder glatt und ging in einem Abstand von etwa zwei Metern hinter den Anderen her. Er wollte Narbo im Moment nicht zu nahe kommen. Sollte der sich erst mal wieder beruhigen, denn in seinem jetzigen Zustand, würde er ihm wahrscheinlich direkt an die Gurgel gehen. Auch wenn er keine Chance hatte. Dafür war Sems viel zu gut. Obwohl, bei Narbos Größe würde er ihm wahrscheinlich in die Wade beißen, wenn er könnte. Wie so ein Teppichfeger, wie Sems diese kleinen, behaarten Hunderassen nannte, die es heutzutage immer noch gab.

Er fragte sich, wie man sich so etwas noch halten konnte. Zu Zeiten, wo man die größte Zeit seines Lebens an Bord irgend eines Raumschiffes verbrachte. Und wo es keine Möglichkeit gab, die Tiere irgendwo mal laufen zu lassen. Außer vielleicht mal im Holodeck. Na ja, es war ja nicht sein Problem. Er hätte wahrscheinlich Zielübungen damit gemacht, wenn er so etwas besessen hätte.

Er vertrieb die verrückten Gedanken aus seinem Kopf und konzentrierte sich wieder auf das Hier und Jetzt. Immer noch gingen sie durch irgendwelche Gänge, die Sems nicht kannte und auch nicht kennenlernen mochte. Deswegen schloss er jetzt doch zu Fanjil auf und fragte: "Wie sieht's aus? Sollen wir noch lange hier sinnlos herum laufen?"

Mit gehobener Augenbraue warf die Psychologin Narbo einen Blick zu. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie nichts von dem Ferengi hielt, der in ihren Augen trotz einer gewissen Intelligenz nicht fähig war, die ihm eigene Plumpheit unter Kontrolle zu halten. Wie es nun einmal so wahr, schätzte sie die Repräsentation des eigenen Selbst nach außen hin nun mal als eine der obersten Tugenden dar.

Fanjil hatte ihr Gesicht abgewandt und sämtliche Fragen entweder vergessen oder sie wollte so tun. Interessiert musterte Ysara sie unverhohlen. Auch eine verweigerte Antwort war schließlich eine Antwort.

Sie wollte gerade zu einem diesbezüglichen Kommentar ansetzen, als vor ihnen ein Geräusch erklang. Beinahe gleichzeitig umfassten sie und ihre Begleiter ihre Waffen, gingen an der Wand in Deckung und spähten angestrengt nach vorn, wo der zurzeit enge Gang in einen größeren Raum mündete.

--- Schläferkammer

"Verflucht!", spuckte der Niederländer aus, bevor er sich an seine gute Kinderstube zurückerinnern konnte. Fluchen war von seinen Eltern nicht toleriert worden, weshalb er sich früh auf inneres Grummeln verlegt hatte, was allerdings bekanntermaßen Magengeschwüre verursachte.

Aber im Moment hatte er größere Sorgen als seine Manieren.

Fragend wandte er sich zu Clint, der ohne jeden Anschein von Nervosität den Tricorder aufgeklappt und gescannt hatte, während Ruben schon der kalte Schweiß den Rücken hinunterfloss: "Konnten Sie noch eine Quelle ausmachen?"

Clints Gesichtsausdruck, wenn auch vulkanisch gleichgültig, sagte ihm bereits jetzt, dass dieser nicht schnell genug gewesen war. Die Jahre, welche der Niederländer auf Vulkan verbracht hatte, ließen ihn winzige Regungen interpretieren, die auf starkes Missfallen hindeuteten, soweit es derartige Gefühle bei Vulkanoiden gab.

"Nein, wir haben Miss Kincaid verloren", stellte der Wissenschaftler sodann auch sachlich fest und schaute Ruben in die Augen. Scheinbar erwartete er von dem Sicherheitler einen Vorschlag, wie weiter vorzugehen war.

Immerhin war Ruben ja auch der Teamführer.

Aber wie sollte man sich gegen einen Feind verteidigen, der technologisch im Vorteil war und jederzeit zuschlagen konnte?

"Gibt es eine Möglichkeit, wie wir uns gegen weitere Teleportationsversuche abschirmen können?", gab er lahm zurück und hoffte, dass dem Wissenschaftler eine Möglichkeit einfallen würde, die ihm bisher nicht bekannt war.

"Der Tricorder", merkte der Halbbreen an. Erst erntete er einen verständnislosen Blick des Niederländers, dann aber schien dieser zu begreifen, "So wurde Miss Kincaid wahrscheinlich angepeilt. Ein Lebenssignal bei der Streustrahlung des Dilithiums auszumachen dürfte schwer sein, aber die Emissionen eines medizinischen Tricorders der gerade einen intensiven Aktivscan durchführt kann man relativ exakt orten. Wenn wir derartige Emissionen vermeiden, können wir wahrscheinlich auch nicht gebeamt werden"

Offensichtlich betrieb hier jemand ein psychologisches Kriegsspiel. Erst Chi-Lo, jetzt Jordan. Ihr Gegner wollte bei ihnen den Eindruck erwecken, dass er sie vollkommen in der Macht hatte. Den Wahlvulkanier ließ das natürlich kalt.

Von den Worten des Halbbreen abgeschreckt, hatte Ruben seinen Tricorder nicht berührt und stattdessen den Raum nur mit den Augen gemustert. Doch selbst als er die Augen zu kleinen Schlitzen verengte, sah er keinen Fremden. Zu dumm, dass sein aufgewerteter Verstand ihn nicht gegen derartige Psi-Taschenspielertricks immun machte!

Hustend trat er an eine der leeren Kammern heran, in denen er zunächst beinahe Spinnweben und eine dicke Staubschicht erwartete. Aber natürlich gab es hier keine Spinnen. Was auch ganz gut war, wurde er sich schwitzend bewusst. Immerhin hatte er eine Heidenangst vor diesen bösartigen Tieren.

Plötzlich entdeckte er etwas hinter der letzten Kammer, halb vom Schatten verdeckt, aber dennoch erkannte er die Form sofort: "Clint, ich habe soeben ein romulanisches Disruptorgewehr entdeckt. Die Oberfläche ist leicht verfärbt, was auf ein hohes Alter hindeutet..."

Gerade wollte er sich umdrehen, um nachzuschauen, warum der Wissenschaftler nicht antwortete, als ein kribbelndes Gefühl ihn übermannte und er sich panisch bewusst wurde, dass er wohl doch besser eine Waffe eingesteckt hätte.

--- Shuttle Tkr'Ouar

Ein breites Grinsen legte sich auf das Gesicht der Halbbajoranerin während sie Alex beobachtet hatte. Nach ein paar Sekunden, in denen sich einen merkwürdige Stille zwischen den Beiden gebildet hatte ergriff April das Wort.

"Sagen Sie, was machen Sie eigentlich hier in diesem .... Steinhaufen?"

Irritiert über den Zusammenhang ihrer eigenen Worte mit dem aktuellen Thema lehnte sich die junge Frau zurück bis sie in ihrem Rücken die kühle Wand und den Replikator spürte. Kurz biss sie sich auf die Lippen und blickte ihr Gegenüber mit ihren dunklen Augen treuherzig an. Eigentlich gehörten solche Situation ja gar nicht zu ihrem normalen Verhaltensmuster, aber wieder prickelte in April ein noch undefinierbares kleines Feuer auf, das Aufmerksamkeit haben wollte.

Nervös spielte Alex mit den Fingern herum.

"Wie hier?", sagte er fasst schrill, "Tja .. Puh .. also, eigentlich nichts Wichtiges", versuchte er der Frage zu entgehen während er wieder nach seiner Tasse griff, um die Nervosität irgendwie zu verstecken. Doch er vermutete, dass er damit nicht sehr erfolgreich war.

Stattdessen meinte er: "Also ich denke ... wir sind ebenso aus Zufall hier her gekommen. Zwar sind wir nicht auf der Flucht vor irgend jemanden", 'höchstens vielleicht vor den Romulanern', dachte er den Satz weiter.

"Aber genaueres weiß ich nicht. Das werden wir erst erfahren, wenn wir es geschafft haben, unsere Leute da unten in diesem großen Stein da zu kontaktieren"

"Aber jetzt versuche ich erst einmal, diese Stabilisatoren zu reparieren", sagte er, griff sich seinen Werkzeugkoffer und ging zu einer Seitenwand, hinter der er die Seitenstabilisatoren vermutete.

Mit Schwung zog er die Verkleidung ab und stockte.

"Oh, das sieht nicht gut aus"

April hatte bei den letzten Worten des Menschen im Pilotensessel Platz genommen und beobachtet nun von hier aus den Techniker. Ihre Ellbogen hatte die junge Frau locker auf die Knie gestützt; die Hände ineinander gefaltet.

Die Unsicherheit, die Alex an den Tag legte, nahm die Halbbajoranerin nun für den Moment so hin.

"Ist es wirklich so schlimm?"

Wenn es nicht gerade um Handwaffen oder Gewehre ging, hatte April absolut kein technisches Verständnis und im Umgang mit größeren technischen Geräten war sie eine absolute Niete. Und in den meisten Fällen hatte die junge Frau auch nicht die Motivation und die Ausdauer um sich ein großes technisches System vorzustellen oder sich damit zu befassen.

Hier favorisierte sie doch lieber ihre Phaser - zwar auch viel mit Technik behaftet - aber in den meisten Fällen bei fast jeder Rasse immer nach dem selben Prinzip gebaut. Bei großen Schiffen war sich April über eventuelle Parallelen nicht so sicher.

"Na ja", begann Alex, während er beinahe verzweifelt die zerstörten Stabilisatoren anschaute, "Wenn Sie noch was dekoratives für Ihr Quartier brauchen ... ich hätte da ein paar Teile."

Er drehte sich um zu April, die im Pilotensessel saß und ihn anschaute.

"Also, um es klar und deutlich zu sagen, die Stabilisatoren sind hin. Und ich werde sie nicht mehr reparieren können. Das Problem wird sein, dass ich keine Ersatzteile replizieren kann. Diese klingonischen Komponenten sind da sehr eigenwillig. Die einzige Chance, die ich sehe ist, dass wir auf der Venture vielleicht ihr Problem lösen können. Doch hier, im Asteroidenfeld ... nein, das funktioniert nicht."

Er versuchte, einen entschuldigenden Blick aufzusetzen. Er hätte April jetzt gerne geholfen, doch das hier überstieg seine Möglichkeiten um ein Vielfaches. Er hoffte nur, dass sie an Bord der Venture helfen konnten.

"Bis dahin können Sie aber fliegen. Es ist zwar nicht einfach, so mit dem Shuttle zu fliegen, doch wenn man sich langsam bewegt, klappt es."

Ein leises Seufzen kam bei Alex Worten über Aprils Lippen und sie begann leicht den Kopf zu schütteln. Bei dieser Bewegung fielen ihre langen, roten Haare, die von mehreren dunklen Bändern zusammen gehalten wurden, schwer über ihre linke Schulter.

"Na, ich bin mir da nicht so sicher, ob ich das hin bekomme - bei meinem Geschick zu fliegen!" Der skeptische Blick der Halbbajoranerin sprach für sich.

--- Imperiales Forschungsschiff Telai, Verhörraum

Jordan kam blinzelnd zu sich. Sofort kam die noch dunkle Erinnerung daran zurück, wie ein Transporterstrahl sie erfasste und kurz darauf ein betäubender Schuss sie traf, während verschwommene Konturen um sie herum wieder Form annahmen. Die Umgebung war fremdartig, in gedeckten Grautönen gehalten. Gestalten standen um sie herum.

Sie stöhnte ein wenig und versuchte sich aufzusetzen. Ihr drang ins Bewusstsein, dass sie an einen Stuhl gefesselt war.

Das erste, was sie klar erkannte, als sie gänzlich in die Realität zurückgekehrt war, war Chi-Lo, und sein Anblick regte ihre Lebensgeister wieder an. Der Chinese hing, den Kopf leblos zur Seite gebeugt, in den Fesseln seines Stuhls. Offenbar war er ohnmächtig. Fahle Haut und Ringe unter den Augen zeigten an, dass ihm irgendeine Form von Gewalt angetan worden war; in seinem Mundwinkel war ein Blutrinnsal getrocknet.

"Was...", murmelte sie, versuchte wieder sich aufzurichten und scheiterte. Irritiert sah sie sich um. Sie befand sich in einem Raum, in dem neben einer Reihe von Konsolen und Vorrichtungen eindeutig nicht föderativer Herkunft nichts als ein paar Stühle standen. Ihr gegenüber saß ein hochgewachsener Mann, der sie mit dank dunkler Augenbrauen düster erscheinendem Blick musterte, die Beine übergeschlagen und offenbar äußerst entspannt. Hinter ihm waren ein paar Wachen postiert.

Romulaner.

'Warum wollen mich Romulaner verhören?', schoss es der Ärztin durch den Kopf, und erst im Nachhinein begriff sie, dass ihr Unterbewusstsein schneller einige Zusammenhänge kombiniert hatte als ihr Bewusstsein.

Sie sah den Romulaner vor ihr an, der - so viel verstand sie immerhin von dem Volk - die Rangabzeichen eines Subcommander trug, und da er keine Anstalten machte, zu sprechen, sah sie sich weiter um. Ihr Phaser befand sich, natürlich, nicht mehr an ihrem Gürtel. Gegen die fünf Wachmänner und -frauen sollten sie nicht einmal ankommen können, wenn Chi-Lo in Topform wäre. Erst recht nicht, wenn sie sich auf einem Schiff befanden. Und natürlich waren sie auf einem Schiff.

Alarmiert schluckte sie. Ein romulanisches Schiff flog, höchstwahrscheinlich getarnt oder doch zumindest durch die Indifferenzen geschützt, im Asteroidenfeld herum. Im Gegensatz zu Alnak kannte es höchstwahrscheinlich ihre Position, oder zumindest hatte es das Außenteam bemerkt. Gar keine gute Situation.

Erst jetzt bemerkte sie, dass sich zu ihrer anderen Seite ein anderer Mann befand. Auch er war auf seinen Stuhl gefesselt und regte sich nicht. Man hatte ihn wohl, ebenso wie sie, betäubt, denn im Gegensatz zu Chi-Lo wirkte er unverletzt. Seine Spezies kannte sie nicht. Da sie nicht mit Sems oder einem anderen aus der Atlantis-Crew darüber gesprochen hatte, konnte sie nicht wissen, dass es sich um Svaal handelte, den man Minuten, bevor sie und ihre Begleiter die Schläferkammer entdeckten, durch einen Spähtrupp entdeckt hatte.

Zurzeit wusste sie nur, dass etwas nicht stimmte, und dass es absolut nicht gut war.

Subcommander Galhan schaute sie noch immer an, und als sie seinen Blick erneut erwiderte, lächelte er. "Dann fangen wir an", sagte er, und sie spürte, wie sich ihr Magen in aufkeimender Furcht verkrampfte.

"Ihr Freund Chi-Lo war, wenn zunächst auch eher widerwillig, sehr kooperativ, was Auskünfte über Ihre Anwesenheit im Asteroidenfeld betrifft", fügte er nach einer langen qualvollen Sekunde des Schweigens hinzu, ohne den geschundenen Chinesen nur eines Blickes zu würdigen, "Sicherlich werden Sie verstehen, wenn wir aber dennoch einige weitere Fragen haben, die nicht beantwortet werden konnten"

Der Tonfall ließ seine Worte wie ein freundliches Angebot klingen, aber nur zu gut wusste er, dass in seinen Augen etwas zu lesen war, was jeden Gefangenen verunsicherte oder gar bis auf die Knochen ängstigte.

Die Informationen der Ärztin konnten sich als sehr wichtig erweisen, nachdem jener Fremde, den sie bisher keiner bekannten Spezies zuordnen konnten, durch seine starken telepathischen Fähigkeiten als Quelle ausschied: Jemanden zu verhören, der gleichzeitig die Gedanken des Fragenden lesen konnte, war sehr unproduktiv.

So hatten sie ihn bis auf weiteres sediert.

"Wie viele Personen befinden ich Ihres Wissens nach auf dem Asteroiden", stellte Galhan die erste Frage.

Jordan schluckte und presste gleichzeitig ihre Lippen aufeinander. In ihrem Kopf spulten sich rasch lange zurückliegende Akademielektionen ab: Die halbe Wahrheit ist die beste Lüge; die erste Antwort ist der erste Schritt für alle Antworten, und andere ganz ähnliche Merksätze. Natürlich hatte sie sich im Laufe ihrer Karriere bei der Sternenflotte einige Male in der Hand des Feindes befunden; allerdings noch in keiner, die eine Reputation wie die romulanische mitbrachte.

"Ich kann Ihnen dazu nichts sagen", erwiderte sie schließlich und zwang sich, dem Mann in die Augen zu sehen. Wie schon oft zuvor war sie froh, von Natur aus über ein Minenspiel zu verfügen, das nicht sehr viele Informationen über ihren Zustand preisgab - zumindest, wenn es um solche Situationen ging. Sie konnte nicht umhin sich an den klingonischen Sicherheitsoffizier Tex zu erinnern, der sie stets erstaunlich leicht durchschaute.

"Ich will wissen, wie viele Personen sich Ihrer Beobachtung nach auf dem Asteroiden befinden", wiederholte Galhan geduldig und lehnte sich bequemer in seinem Stuhl zurück.

Mehrere mögliche Antworten lagen der Ärztin auf der Zunge, inklusive der Möglichkeit, die angesichts der Stasiskammern, Fanjils und anderer Einzelheiten recht harmlose Frage einfach zu beantworten. Noch war es allerdings nicht allzu schwierig. "Und ich kann Ihnen dazu nichts sagen"

Galhans Lippen kräuselten sich in leichter Ungeduld. Sie unterdrückte nur mühsam ein Zusammenzucken, als er sich abrupt erhob und einer Wache winkte. "Ich habe keine Zeit für so etwas", murrte er und wandte sich um, um sich die Tür öffnen zu lassen, "Kümmern Sie sich darum, und bringt mir einer diesen Svaal in meinen Raum..."

Die Stimme des Mannes verhallte bereits draußen im Gang. Ehe Jordan versuchen konnte sich zu wehren, verabreichte einer der verbliebenen Romulaner ihr ein Mittel, und ein anderer heftete eine Art Neurostimulator an ihre Schläfe. Sie spürte gerade noch einsetzendes Nasenbluten, bevor sie in einen angenehmen Dämmerzustand fiel, in dem es auf einer bestimmten Ebene ganz natürlich erschien, dass man alle Fragen beantwortete...

--- Shuttle Tkr'Ouar

Es vergingen einige Minuten in denen April stumm den Techniker beobachtete, wie er noch etwas an den kaputten Teilen herumfingerte, doch dann resigniert aufgab.

Mit einem entschuldigendem Blick nahm Alex dann im Copilotensessel Platz.

"Ich glaube das Beste wird wohl sein, wenn wir zur Venture fliegen - da können wir reparaturtechnisch etwas erreichen" Die Stimme des Terraners wirkte wieder ein bisschen gelassener - wie es schien hatte er sich von der plötzlichen Spannung, die noch vor ein paar Minuten geherrscht hatte, etwas erholt.

Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Lippen der Halbbajoranerin. In ihrem Inneren fühlte sie auf einmal eine eigenartige Leere, die sie noch nicht so richtig deuten konnte.

"Hm, das wird wohl das Sinnvollste sein!", meinte sie und drehte sich zur Steuerkonsole um, um die Triebwerke neu zu starten.

Ein paar Sekunden später setzte sich das kleine Schiff durch die ungeschickten Hände der jungen Frau langsam in Bewegung - geradeaus, genau in Richtung der Pei Mei. Aprils Gesichtsausdruck verhärtete sich unwillkürlich, als sie auf die Abstandsmessung blickte.

Mit klammen Fingern tippte sie auf die Konsole ein - zwar reagierte die Steuerung, doch die Verzögerung der Triebwerke machte die ganze Situation nicht gerade leichter.

"Vielleicht hätten sie vorher noch etwas zurück fliegen sollen - dann würden wir da etwas leichter um das Shuttle herumgekommen ... ?"

Der Kommentar den Alex von sich gab war wohl mit Sicherheit nicht böse gemeint, doch für die Halbbajoranerin kam er eindeutig im falschen Moment. Ein giftiger Blick traf den Techniker - der sie verständnislos anblickte - doch schon im nächsten Moment bereute April es, von ihren Anzeigen weggeschaut zu haben.

Ein Ruck erschütterte das Schiff, als die Tkr'Ouar die Schilde des Raiders berührten und selbigen etwas anstupste. Für ein voll funktionstüchtiges Schiff wäre dies wohl nicht schlimm gewesen, jedoch die Angeschlagenheit des klingonischen Shuttles hatte ihre Tücken.

Von einer Sekunde auf die Andere fing die Konsole vor April an wild zu blinken und es gelang ihr gerade noch die Triebwerke wieder auszuschalten, bevor die Anzeigen erloschen.

"Ich glaube, ich fliege ohne die Stabilisatoren nirgends mehr hin!" Mit diesen resoluten Worten stand April auf und lehnte sich über Alex Schulter, um auf seiner Konsole die Kommunikation zur Pei Mei zu öffnen.

Der Techniker nickte leicht, während er langsam die Lehnen seines Sessels wieder los ließ, an die er sich vor Schreck festgehalten hatte.

--- Raider Pei Mei

Stirnrunzelnd hatte Veronica sich zurückgelehnt und ein paar Minuten lang die Ergebnisse des beendeten Scans betrachtet. Bei irgendeiner Art von Zwischenfall, der in keinem Log verzeichnet war, hatten sich die Warpplasmainjektoren überhitzt, so dass ihre Energie sich in eine Reihe von Subsystemen entlud, wie auch scheinbar direkt in diese Konsole. Ein Fehler, der mit Sicherheit nicht hätte passieren dürfen.

Gerade als die Kommunikationsoffizierin schließlich ansetzte, um Alnak über ihre Entdeckung in Kenntnis zu setzen, erschütterte ein Beben das kleine Schiff. Erschrocken sah sie auf und zuckte zusammen, als sie der nur Meter entfernten Tkr'Ouar durch ein Seitenfenster gewahr wurde.

Veronica brauchte einen kurzen Augenblick, um sich von dem Schreck zu erholen. Wenigstens hatte die Pei Mei ihre Schilde aktiviert, sonst hätte das böse enden können...

Noch von ihrer vorherigen Verärgerung infiziert, aktivierte sie die Kommunikation: "Pei Mei an Tkr'Ouar. Was machen Sie da drüben in aller Welt? Wenn Sie nicht fliegen können, lassen Sie Alex ans Steuer!"

--- Shuttle Tkr'Ouar

Der Blick der Halbbajoranerin verfinsterte sich schlagartig, als sie Aillards Stimme hörte. Aprils linke Hand ballte sich zu einer Faust und obwohl die Frau auf der Pei Mei Recht hatte, fiel es Schahrein schwer bei dieser Rüge nicht sofort auszuflippen. Ein tiefes Grummeln kam über ihre Lippen.

"Ich glaube nicht, dass ich mich da ans Steuer setzten werden!", sagte Alex flink, bevor April zu einer bissigen Antwort ansetzen konnte, "Wie es scheint haben die fehlenden Seitenstabilisatoren doch eine größere Auswirkung auf das Steuerungssystem als ich dachte"

Für einen kurzen Moment beobachtete April den Terraner - sie war sich nicht sicher, ob er sie nun in Schutz nahm, oder ob seine Aussage auf Tatsachen beruhte. Als Alex verstummte, beschloss die Halbbajoranerin von ihrer zweiten Annahme auszugehen.

"Miss Aillard, haben Sie einen Piloten der vielleicht Lust hat ein demoliertes Shuttle zu fliegen?" Bei diesen Worten richtete sich die Halbbajoranerin wieder auf - ihre Stimme klang ein bisschen spitz.

--- Imperiales Forschungsschiff Telai, Vor dem Verhörraum

Svaal strich betont gelassen seine romulanische Gelehrtenkutte zurecht. Er tat das immer, wenn er wütend war. Es lenkte ihn für einen Augenblick ab, um seine Gefühle in den Griff zu kriegen. Es klappte jedoch seltener, als gut für ihn war.

"Was soll das heißen, ich bin nicht befugt diesen Raum zu betreten?", fuhr er den stramm stehenden Wächter scharf an, "Dies ist ein Forschungsschiff, und als Leiter dieser Mission habe ich Zugang zu ALLEN Schiffsbereichen" Der Wächter stand wie eine Salzsäule da und ließ sich von Svaals Angriffen nicht beeindrucken, jedenfalls gab er sich Mühe.

"Ausdrücklicher Befehl von Subcommander Galhan. Das Schiff steht aufgrund einer externen Bedrohung der Sicherheit unter vollem militärischen Oberbefehl", erwiderte der Wachmann, ganz der Soldat, laut und direkt. Für ihn schien die Sache damit erledigt zu sein. Svaal vertrat da jedoch offenbar einen anderen Standpunkt.

"Was?!", schrie der Wissenschaftler, seine Selbstkontrolle entglitt ihm einen Augenblick, "Externe Bedrohung der Sicherheit?" Der Wächter ignorierte die Frage einfach.

"Welche Bedrohung, verdammt noch mal?", wiederholte er seine Frage.

"Ich bin nicht autorisiert darüber Auskunft zu erteilen", erwiderte der Wächter stur.

"Das ist doch kompletter Unsinn", erboste sich Svaal. Er war mit dem Subcommander bisher immer gut zurechtgekommen, jedenfalls nach den Maßstäben des normalen Verhältnisses zwischen Forschern und Militärs im romulanischem Imperium.

Mit anderen Worten: Sie hatten es bisher so gut es ging gemieden, mehr als notwendig miteinander zu tun zu haben. Aber mit einem Mal hatte der Subcommander das volle Kommando an sich gerissen und Svaals Forschungsarbeit unterbrochen. Sein Team war aufgefordert worden, bis auf weiteres in ihren Quartieren zu bleiben.

Es musste eine Schikane sein. Militärs, die auf derartige Missionen abkommandiert wurden, konnten schnell launisch werden. Aber Svaal hatte nicht vor, klein beizugeben. Seine Mission war bedeutend, und er konnte auf den Subcommander damit Druck ausüben. Es würde sich nicht gut in dessen Akte machen, wenn er den Fortschritt von Romulus behinderte.

"Ich möchte mit dem Subcommander reden", verlangte er, "Subcommander Gahlan hat ausdrücklich befohlen, das er nicht gestört werden möchte"

"Warum, was macht er den gerade?"

"Ich bin nicht autorisiert ..."

"Und wann ist der Subcommander wieder ansprechbar?" "Ich bin nicht au..."

"Richten sie Galhan aus, dass ich mir das nicht gefallen lasse!", zischte Svaal ungehalten, "Glaubt er etwa, ich kaufe im die externe-Bedrohung-Geschichte ab? Wir sind in einem gottverdammten Asteroidenfeld in den Badlands, hier verirrt sich niemand hin, und ganz bestimmt niemand der für uns eine Gefahr darstellt. Ich werde jetzt eine offizielle Beschwerde verfassen. Sagen sie ihm, dass dies ein schlechtes Ende für ihn nehmen wird, wenn er diese Spielchen nicht unterlässt"

Svaal hatte gesagt, was er zu sagen hatte und wollte sich nun erbost abwenden, aber in diesem Augenblick öffnete sich die Tür und der Subcommander persönlich erschien vor ihm. Ihre Blicke trafen sich, und die Raumtemperatur schien um mehrere Grad zu sinken.

"Ah, Gelehrter", begrüßte er den Wissenschaftler, wobei er das Wort Gelehrter wie etwas aussprach, das in Kanalisationen lebte und einen nuklearen Krieg überleben konnte, "Ich nehme an, sie sind über die Lage informiert"

"Einen Dreck...", der Wissenschaftler riss sich zusammen, "Ich würde gerne wissen was hier gespielt wird, Galhan" Der Subcommander überging die Tatsache, dass Svaal seinen Rang ausgelassen hatte. Er hatte die Selbstsicherheit eines Mannes, der alle Trümpfe in der Hand hielt und sich von einem aufgeblasenen Zivilisten nichts mehr gefallen lassen musste.

"Wir haben Spione der Föderation aufgegriffen. Ein Raider der Sternenflotte befindet sich in der Umlaufbahn eines Asteroiden" Er genoss das schockierte Gesicht seines Gegenübers. Svaal erkannte, das der Subcommander in diese Hinsicht unmöglich lügen konnte. Es war also ein Föderationsschiff hier, in der romulanischen Besatzungszone. Und das ließ nicht viele andere Schlüsse zu, als das es tatsächlich Spione waren, trotzdem...

"Ein Horchposten lässt sich aufgrund der lokalen Strahlung kaum einrichten. Was um Himmelswillen wollen sie ausgerechnet hier?", machte er seinen Zweifeln Luft.

"Das werden wir bald feststellen", erwiderte der Subcommander kühl. In diesem Augenblick erklang der Schrei einer Frau. Svaal zuckte zusammen. Man musste kein Genie sein, um zu erkennen was hinter der Tür vor sich ging. Synaptische Sonden waren ein ideales Werkzeug zur Wahrheitsfindung, allerdings gab es unangenehme Nebenwirkungen. Svaal verabscheute solche Maßnahmen, aber wenn man im romulanischen Imperium aufwuchs, lernte man seine Meinung bezüglich solchen Dingen für sich zu behalten.

Die Tür öffnete sich und einer von Galhans Untergebenen trat vor.

"Subcommander, der Fremde ist wieder aufgewacht", berichtete er. Svaal konnte einen Blick in den Raum erhaschen. Er sah eine an einen Stuhl gefesselte Frau, offenbar Terranerin, mit einem Sondeninjektor an einer Schläfe. Sie faselte wie in Trance vor sich her. Auf dem Stuhl daneben lag ein fremdartiger Humanoide.

Der Fremde sah in Svaals Augen, und Svaal blickte zurück. Ihm wurde schwindlig, es war als würde sich plötzlich ein Strudel im Raum bilden. Etwas schien zu implodieren und der romulanische Wissenschaftler sackte zusammen. Subcommander Galhan wollte ihn instinktiv stützen, aber Svaal richtete sich schnell wieder auf, und winkte ab.

"Geht schon wieder...ähem...Subcommander Galhan", sprach er etwas benommen.

--- Gänge, weiter vorne

Sems lauschte gespannt den Gang entlang, während er sich weiterhin an die Wand drückte. Zwar war er der Letzte der Gruppe und stand somit ganz hinten, doch das Geräusch von eben hatte auch er mitbekommen. Und irgendwie klang es vertraut. Als hätte er es irgendwo schon vorher mal gehört. Fieberhaft kramte er in seinem Gedächtnis und es kam ihm so vor, als bräuchte er nur den Gedankengang fertig zu bringen, um sich wieder zu erinnern, doch er schaffte es nicht. Die Erinnerung blieb verborgen.

Stattdessen wartete er darauf, dass das Geräusch ein weiteres mal zu hören war. Mehr konnte er auch nicht machen. Er stand ganz hinten. Vor ihm auf seiner Seite der Wand standen Narbo und Fanjil. Ok, über den abgebissenen Gartenzwerg namens Narbo konnte er noch drüber sehen, doch Fanjil blockierte ihm die Sicht in die Nachbarhöhle, welche sich an dem Gang anschloss. Ungeduldig wartete er noch ein wenig, doch als immer noch nichts zu hören war, flüsterte er leise:

"Was seht ihr? Irgend etwas Wichtiges?"

"Wenn wir hier was sehen, erfährst Du es als Erster", zischte Narbo angespannt zurück, während er Augen und Ohren weiter offen hielt.

"Zu sehen ist jedenfalls nichts, aber das Geräusch wurde eindeutig vom Schließmechanismus eines kleinen Schotts verursacht, etwa sieben Meter von hier entfernt - aber man kann an der Stelle nichts erkennen. Vielleicht eine dieser Psi-Illusionen", fügte er flüsternd hinzu, nicht ohne einen leichten Schauer zu spüren.

Der Ferengi hasste Telepathen!

"Da unsere Wachphasen recht kurz waren und Sensoren die massiven Wände nicht durchdringen, kann es durchaus sein, dass diese Einrichtung bisher unentdeckte Tunnel oder Räume beinhaltet, die jetzt gegen uns eingesetzt werden", erläuterte Fanjil sofort Narbo eindeutig mit etwas zu gleichgültiger Stimme.

Und eindeutig auch etwas spät.

"Na fein, da bin ich ja mal gespannt, was noch für Überraschungen auf uns zukommen. Jedenfalls sollten wir jetzt weitergehen, bevor wir hier wie eine Maus in der Falle erscheinen", wandte er sich an die Gruppe.

Mit betont starrem Schritt ging er in den Raum voran.

--- Imperiales Forschungsschiff Telai, vor dem Verhörraum

Der Subcommander glaubte Svaal kein Wort.

Noch immer war der Blick des Wissenschaftlers unscharf und ein leichtes Zittern beherrschte seine Hände, bis er sich sichtlich unter Kontrolle bringen konnte.

Trotzdem nickte Galhan leicht und überging den Vorfall:

"Sind Sie eigentlich mit der Technik synaptischer Sonden vertraut? Die Physiologie des Fremden deutet auf starke telepathische Fähigkeiten hin, die jede Sondierung unmöglich machen. Und die Terraner", Galhan räusperte sich kurz, "verfügen nur über spärliche Informationen"

Nicht gerade mit Bedauern in der Stimme verneinte Svaal die Frage und vermied es weiter, dem Blick der Gefangenen zu begegnen: Er war eine Schande für das Imperium, befand Galhan, zu weich um einen leidenden Feind zu sehen und zu schwach, um dies zu verbergen.

"Dann werden wir weitere Informationsquellen finden müssen", reagierte er kühl auf den Wissenschaftler, nicht ohne unterschwelligem Triumph in der Stimme - Svaal sollte spüren, dass noch mehr Leid durch seine Unfähigkeit verursacht wurde, "Rhonan, erfassen Sie den Rest der Gruppe und beamen Sie ihn in die Auffangsektion. Sofort!"

Eifrig nickte der Zenturio.

--- Gänge, weiter vorn

Seufzend sah Ysara dem Ferengi einen Moment lang nach. Dann zuckte sie mit den Achseln, suchte sich einen bequemeren Griff für die Waffe und ging ihm hinterher. Über seinen Kopf hinweg konnte sie ebenso gut sehen wie er.

--- Großer Raum

Die Lippen leicht abschätzend verziehend, sah sie sich um und rief dann den anderen zu: "Hier ist nichts, ihr könnt kommen"

Die Höhle lag völlig verlassen da. Sie zweifelte nicht daran, dass sie irgendetwas gehört hatten - aber entweder war es nur ein Stein gewesen, der sich von der Decke löste, oder der oder das andere hatte sich mittlerweile entfernt.

Vorsichtig ging sie ein paar Meter weiter ins Innere und sah sich um. Dann blieb sie stehen. "Hier ist jemand gewesen", bemerkte sie und wies nach unten. Das schimmernde Gewächs, das Llewella vor einigen Stunden so sehr fasziniert hatte, bedeckte hier den gesamten Boden wie Gras. Deutlich war ein Gewirr an Fußabdrücken von drei oder vier Personen zu sehen.


Stardust Atlantis