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Crossover 2 - Besuch von Romulus

(Atlantis Chronik 7 - Venture Chronik 31)

--- Schläferkammer

"Das wäre es also im Großen und Ganzen Mr. Sems", erklärte Svaal dem Terraner, "Ich weiß, das ist ein bisschen viel auf einmal. Aber jetzt wissen sie wenigstens grob Bescheid. Jetzt müssen wir handeln. Meine Leute nehmen Stellung an wichtigen Punkten im Asteroiden auf. Zugegeben, kennen wir nicht alle wichtigen Stellen dieser Einrichtung. Wir wollen ja nicht das der Fremde irgendetwas aktiviert, dass uns gefährlich werden könnte, deshalb sollten wir so schnell wie möglich handeln. Was ist mit ihren Freunden, werden sie uns helfen?"

--- - Vor dem Shuttle

'Du bist die geeignetste dafür', zitierte Fanjil im Geiste, 'Blöder Affenarsch' Sie sah das Shuttle der Fremden und beobachtete durch das Aussichtsfenster wie zwei Männer darin kämpften und ein dritter beide erledigte. 'Na toll', seufzte sie, 'Das sind Leute mit denen man bestimmt prima zurechtkommt' Wie es aussah, hatten die da drinnen Streit. Als ob sie nicht genug Probleme hätte. In einem fremden Körper zu stecken war eins davon. Zugegeben, es war ein sehr attraktiver Körper, und sie dankte den Göttern, dem Universum und dem ganzen lächerlichen Rest, dass ihr nicht ein männlicher Körper aufgezwungen wurde. Aber vier Finger an jeder Hand und andere merkwürdige anatomische Details? Nun, sie hatte gelernt damit umzugehen.

Vor dem Schott lag ein Haufen Waffen und das Schott selbst ... war von außen zugeschweißt! Sie duckte sich instinktiv und hielt Ausschau. 'ER muss hier gewesen sein', dachte sie und konzentrierte sich angestrengt auf jene Anzeichen, die die Anwesenheit von IHNEN verrieten. ER würde keine Waffe nehmen. SIE benutzten keine Waffen. Natürlich, SIE sabotierten Warpkerne, stellten Fallen, verließen sich auf parapsychische Fähigkeiten und so was, aber SIE benutzten keine Waffen. Fanjil glaubte, dass dies auf religiösen oder sonstigen kulturellen Überzeugungen beruhte.

Svaal war da anderer Meinung. Aber war Svaal der Xenopsychologe? Nein, sie war es. Vorsichtig näherte sie sich dem Waffenhaufen. Sie nahm eine der handlichen Strahlenpistolen und sah sich um: 'Entweder ER spielt ein dämliches Psychospiel oder ist längst fort' Sie entschied sich für letzteres, behielt aber die erste Möglichkeit im Hinterkopf. Sie trat nun ganz offen vor das vordere Aussichtsfenster des Shuttles und wartete das man ihr Beachtung schenkte. Nichts geschah.

Sie strampelte mit den Armen und rief laut "HaLLOoo...?", bis sie sich zu dämlich vorkam. 'Schallisoliert und von innen verspiegelt oder wie?', überlegte sie verärgert. Womöglich mussten die Leute im Shuttle etwas aktivieren, um das Aussichtsfenster von Innen durchsichtig zu machen. Es gab andere Wege sich bemerkbar zu machen. Sie studierte die Anzeigen der Waffe und wählte die absolute Minimaleinstellung. Dann schoss sie durch das Aussichtsfenster einem der Insassen in den Rücken. Der Strahl war so schwach, dass er unsichtbar blieb. Aber der Fremde zuckte erschrocken zusammen, sah sich ängstlich um, und setzte dann eine Miene auf, die andere Menschen zwanghaft davon überzeugen sollte, dass alles in bester Ordnung war.

'Fantastisch', stöhnte die Xenopsychologin. Der Kerl gehörte wohl zu der Sorte, denen Psyche und Körper öfters Streiche spielten.

--- Schläferkammer

Etwas ratlos schaute Sems Svaal an. Eigentlich konnte er ihm die Frage nicht beantworten. Zum einen kannte er seine 'Freunde' zu wenig und zum anderen traute er ihnen keinen Steinwurf weit über den Weg. Doch was blieb ihnen anderes übrig? Sie konnten hier schlecht weiter versuchen, dass Dilithium abzubauen, wenn irgendein durchgeknalltes Alien hier herum spukte und Unheil stiftete.

"Ich denke, in Anbetracht dieser Situation werden uns die Anderen bestimmt helfen. Schließlich liegt es in deren eigenen Interesse"

Kurz dachte Sems nach und fuhr dann fort:

"Sollen wir dann zu den Anderen rüber gehen? Dann können wir sie fragen."

Der Schläfer zögerte: "Nun wissen sie, jemand muss hier bleiben, und die Anlagen bewachen. Ich will nicht das ER etwas zerstört oder in Gang setzt, oder beides, während wir fort sind. Ich habe Fanjil zu ihren Leuten geschickt. Ihr Verhandlungsgeschick ist sehr ... effektiv. Aber es wäre natürlich eine Hilfe für Fanjil wenn sie auch dabei sind.

Gehen sie ruhig, ich komme hier alleine klar. ER und seine Spezies sind als Kämpfer längst nicht so fürchterlich, sie vermeiden ihn sogar wenn es geht. Viel schlimmer ist das, was sie in aller Heimlichkeit anrichten können"

Dann viel ihm etwas ein und er fragte den Terraner wie nebenbei: "Welche Sternzeit schreiben sie eigentlich gerade?"

Sems sagte es ihm.

"Aber das ist ja heute!", rief Svaal entrüstet aus. Der Terraner sah ihn verständnislos an. "Ach, vergessen sie es", winkte er ab, "Gehen sie! Informieren sie ihre Freunde über die Lage"

Svaal konnte es nicht glauben. Das Datum, auf den Tag genau. Wenn er sich richtig erinnerte, müsste es in ein, zwei Stunden geschehen. Wie konnte er sich nur so verrechnet haben? Nun, wenn man eine fremde Schrift, ohne nennenswerte Hilfsmittel zu entziffern versucht, macht man fast automatisch Fehler. "Dann war die grüne Schlangenlinie doch eine 0, und keine 1", murmelte er, "Warum wird das Ganze nur so verdammt kompliziert?"

Sems hatte von Svaals Gemurmel nichts mehr mitbekommen, denn er war schon in Richtung Shuttle aufgebrochen. Langsam und mit schlurfenden Schritten bewegte er sich fort, denn irgendwie schneller schaffte er es nicht. Zudem hatte er keine Lust, wieder bewusstlos zu werden. Nein, das war heute schon zu oft passiert.

--- - vor dem Shuttle

Leise erreichte er den angrenzenden Raum, wo sich das Shuttle befand. Und Fanjil. Die entdeckte Sems sofort, denn sie stand direkt vor dem Shuttle. Mit einer Waffe in der Hand. Und einem ziemlich genervten Gesichtsausdruck. Vorsichtig ging er auf sie zu, während er seinen eigenen Phaser zog, ihn auf Betäubung stellte und auf die Fremde richtete. Aus den Augenwinkeln erkannte er neben dem Shuttle einen kleinen Berg an verschiedensten Handwaffen, was ihn etwas verwirrte. Außerdem war die Shuttletür von außen verschweißt worden, sodass keiner das Shuttle auf normalem Wege verlassen konnte.

'Seltsam', überlegte Sems. Irgendwie konnte er sich aus der ganzen Situation hier keinen Reim machen. Vor allem, dass das Shuttle hier stand. Egal, vielleicht hatten es die anderen während seiner Bewusstlosigkeit hier hin geflogen. Aber wie? Er konnte kein Tor oder so erkennen.

Immer weiter näherte er sich Fanjil. Jetzt war er nur noch knapp 2 Meter von ihr entfernt, als er einen Blick ins Shuttle werfen konnte. Und was er da sah, brachte ihn vollends aus der Fassung. Fest umklammerte er seinen Phaser und schaute gehetzt von Fanjil zu dem Shuttle.

"Was geht hier vor sich", rief Sems unsicher und versuchte, wenigstens die Hand ruhig zu halten. Ruckartig hatte sich Fanjil nach Sems Ausruf umgedreht und starrte ihn und seine Waffe an, "Na los, reden Sie schon."

"Woher soll ich das wissen?", antwortete Fanjil genervt, "Es sind doch ihre Freunde die sich da drinnen gegenseitig die Köpfe einschlagen. Ich kam hierher, und fand diese Situation vor. Ich nehme an, dass ER das Schott zugeschweißt hat, der Kerl aus Nummer 6, den zu befreien sie so freundlich waren ... nehmen sie das verdammte Ding runter, bevor sie noch jemanden verletzen! Helfen sie mir lieber ihre Leute zu kontaktieren. Haben sie einen Kommunikator oder so etwas?"

Sems nickte stumm und steckte den Phaser weg. Schließlich hatte er wirklich keine Lust, hier wild herum zu ballern. Außerdem hätte er sowieso keine Chance; in seinem Zustand. Und gegen das Wesen aus Kammer 6 würde sowieso der Phaser nicht funktionieren.

"Zum Teil stimme ich Ihnen zu. Da sind wirklich meine Leute drin. Zumindest zum Teil. Den Rest kenne ich nicht. Und ich nehme nicht an, dass sie zu Ihnen gehören, oder?", fragte er und bekam ein Kopfnicken als Antwort.

"Gut, eine Sache ist schon mal geklärt. Jetzt zum Rest."

Er tippte mit seiner Hand auf seinen Kommunikator.

"Sems an Atlantis-Team. Was ist da los bei euch? Macht ihr wieder eine Party ohne mich, oder was?"

--- Raider Pei Mei

Alex hatte schließlich nach kurzem Überlegen bei Veronica einen grünen Tee mit Zitrone geordert. Mittlerweile jedoch konzentrierte er sich wieder auf die Steuerung des Shuttles. Es würde nicht mehr lange dauern bis zum Erreichen des Asteroidenfeldes und dann brauchte er die Hilfe von Aillard. Die kam inzwischen wieder mit den Getränken zurück. Sie reichte ihm die Tasse mit dem Tee und ließ sich dann wieder auf dem Co-Pilotensitz nieder, wo sie damit begann, genüsslich an dem Raktajino zu schlürfen.

Poulsen warf ihr einen beinahe angewiderten Blick zu, als sie nach dem Schlürfen auch noch zu schmatzen anfing, nachdem sie sich mit der Zunge den Kaffeeschaum von der Oberlippe geleckt hatte. Doch Veronica schien das herzlich wenig zu interessieren, denn sie machte munter weiter.

Genervt verdrehte Alex die Augen und versuchte durch den Aufbau eines Gespräches die Kommunikationsoffizierin vom Schmatzen abzuhalten.

"Ich weiß nicht genau, wie lange wir brauchen werden, bis wir die Silver Sun erreicht haben, doch es wird bestimmt 10 Minuten dauern. Denn es wird nicht einfach werden, im Asteroidenfeld zu navigieren. Auch wenn wir die genauen Koordinaten kennen. Ach übrigens, da kommen Sie ins Spiel. Während ich steuere, müssen Sie mir den besten Kurs zeigen."

--- Shuttle Reality

Der Moment schien Wochen zu dauern, doch schließlich widersprach niemand dem Holländer, was dieser außerordentlich verblüfft zur Kenntnis nahm. Vielleicht war seine Autorität ja mittlerweile zumindest von der eigenen Mannschaft anerkannt.

"Wenn das geklärt ist, könnten wir vielleicht überlegen, wie wir aus diesem Shuttle rauskommen. Wer immer das da eben war, er hat die Luke verschlossen und uns ohne Möglichkeit das Schott wieder aufzuschweißen zurückgelassen!", brachte er dem Rest die Situation wieder ins Gedächtnis, während er seinen Blick durch die Fenster nach außen schweifen ließ, "Jedenfalls stehen da draußen zwei Personen, kennt die einer ähhh oder können wir die unter "Feind" einstufen?"

"Keine Ahnung, ob die da draußen Feinde sind oder nicht", sagte Chi-Lo, dessen tobendes Steißbein sich dank der Behandlung von Jordan langsam wieder beruhigte. "Aber dieses Shuttle ist doch eh nur noch Schrott. Können wir uns nicht einfach einen eigenen Ausgang sprengen oder mit den Phasern ein Loch in die Hülle schneiden?"

'Autsch', dachte der Wahlvulkanier und holte erst mal tief Atem, was er lieber hätte unterlassen sollen. Denn der Halbbreen fühlte sich, als hätten ihn eintausend südmexikanische Lamas überrannt, was nur eine beliebige aber zutreffende Metapher für einen schmerzhaften Aufwachprozess war. Dann konzentrierte er sich und atmete einige Male tief ein und aus. Vorsichtig, Clint wusste aus Erfahrung, dass man alles vorsichtig machen musste wenn man aus der Bewusstlosigkeit erwachte, öffnete er die Augen.

Und was er sah, war nicht das was er erwartet hatte. Eigentlich dachte er, es würden Verletzte auf dem Boden liegen, nachdem er zum Kampf aufgerufen hatte und Narbo angriff. Aber er und der verrückte Ferengi schienen die einzigen zu sein, die den Fußboden schmückten. Alle Anderen standen mehr oder weniger unbekümmert herum, ohne erkennbare feindliche Absichten.

Dann bemerkte er, dass alle zum Hauptfenster hinaussahen. Es war verdunkelt, sodass man nur Schatten sehen konnte. Aber zwei Personen konnte man recht deutlich ausmachen, da sie direkt davor standen. Eine schwache Erinnerung schweifte Clints Bewusstsein. Als er mit Narbo kämpfte, hatte ihn jemand von hinten niedergeschlagen.

Verwundert zwinkerte Ruben den Chinesen an.

"Ähh, wie ich gerade bemerkte, sind die Phaser leider von der fremden Person entfernt worden und ich denke kaum, dass das Messer des Ferengi uns weiterhelfen wird, außer wir bringen seeeehr viel Zeit mit", antwortete er Chi-Lo, woraufhin dieser sich alarmiert umschaute. Anscheinend hatte das fremde Wesen mit seinen Psycho-Tricks den Sicherheitler länger gebannt.

Der Wahlvulkanier hatte nur einen Schemen wahrgenommen, aber von den Positionen her die jeder im Shuttle einnahm konnte es nur ... Clint blickte Chi-Lo mit zusammengekniffenen Augen an. "Haben sie etwa ...", begann er, wurde aber vom Piepen mehrerer Kommunikatoren unterbrochen. Ein gewisser Sems meldete sich.

Der Funkspruch durchbrach die ratlose Stille, in der alle über ihre skurrile Situation nachgedacht hatten. Fragend schaute der Niederländer auf, während die schwarzhäutige Frau zu ihrem Kommunikator griff.

--- Schläferkammer

Svaal starrte nachdenklich auf das raue Felsgestein der Decke. Die ganze Angelegenheit machte ihm schwer zu schaffen.. Er war Wissenschaftler des romulanischen Sternenimperiums, ein kompetenter Mann von Rang und Namen, der selten den Überblick verlor. Zumindest war er das mal gewesen. Frustriert sah er auf seine Hände, die doch nicht die seinen waren. Vier Finger, eine ungewohnte Pigmentierung der Haut... verdammt, er war nicht einmal mehr Romulaner! Unheimliche Fremde aus tiefster Vergangenheit hatten sein altes Leben zerstört, ihm sogar seinen eigenen Körper gestohlen. Nicht zuletzt hatten sie ihn in eine andere Zeit verfrachtet, isoliert vom Rest des Universums.

Doch nun konnte dies alles ein Ende haben. Die Zeit des Exils war vorbei, die Gegenwart war angebrochen. Immer noch starrte er mit geistesabwesenden Blick zur Decke. Irgendwo dort oben, hinter Tonnen von Gestein dieses verfluchten Asteroiden, schwebte das Raumschiff Telai. Ein stolzes Schiff des Imperiums, dessen Crew aus jungen Wissenschaftlern enthusiastisch auf die bevorstehende Mission blickte, begleitet von einigen grimmigen Militärs. Svaals Hände verkrampften sich zu Fäusten.

'Die meisten von ihnen werden sterben', dachte er bitter.

Es war seltsam, zu wissen das sie alle da draußen waren. Auch er war da draußen, er selbst, sein jüngeres Ich. Svaal wurde unwohl bei diesem Gedanken. Zeitreisen gehörten einfach nicht zum normalen Erfahrungsschatz eines gewöhnlichen Menschen. Vieles war ihm in dieser Hinsicht immer noch unklar. Würden all diese Ereignisse auf eine Zeitschleife hinauslaufen, oder ein Paradoxa? Seine bisherige Theorie war, dass sich alles noch mal genauso wiederholen würde, wie er es in Erinnerung hatte.

Die Telai würde den Asteroiden finden, den sie suchte. Ein Teil der Crew würde ahnungslos hinunterbeamen und von den dort wartenden Aliens überwältigt werden. Diese würden ihre Körper übernehmen und die Telai zerstören, mit allem und jedem der an Bord war. Aber die 'Übernommenen' würden beweisen, der Bezeichnung Romulaner würdig zu sein. Obwohl sie Zivilisten waren, würden sie in den Körpern ihrer Feinde kämpfen und schließlich gewinnen. Svaal ran sich ein stolzes Lächeln ab, als er an jene Ereignisse dachte, die aus seiner Perspektive in der Vergangenheit lagen.

Sein Lächeln erstarb sofort wieder, als er an die traurigen Folgen dachte. Nur zu gut erinnerte sich, wie der letzte der Aliens, den Zeitreisevorgang einleitete. Sie konnten ihn aufhalten, wurden aber dennoch Jahrhunderte in die Vergangenheit zurückgeworfen. Svaal löste seine Augen von der Decke und sah sich in der Schläferkammer um. Jahrhunderte hatte er hier verbracht. Seine Hände streiften über das kalte Metall einer Stasisröhre, ein vertrautes Gefühl. 'Man gewöhnt sich wirklich an vieles', bemerkte er trocken mit einem Blick auf die karge Einrichtung.

Kurze Phasen von beinahe ereignislosem Wachsein, gefolgt von langen Phasen ereignisloser Stasis, und das über eine schier unendlich lang erscheinende Zeitspanne. Aber Trostlosigkeit und Langeweile waren nicht der einzige Tribut, den sie zu zahlen hatten. Der Wissenschaftler sah zu jener Kammer, dessen Anblick er bisher bewusst gemieden hatte. Sie enthielt eine mumifizierte Leiche. Inthood, war einmal der Name eines jungen, etwas zu ernsten Mannes gewesen. Jetzt war er tot, gestorben durch das Versagen der Stasiseinheit. Drei weitere Kameraden hatten auf diese schreckliche Weise ihr Leben gelassen.

Es war nicht leicht, in einen sargähnlichen Behälter zu steigen, und auf eine uralte Alientechnoloigie zu vertrauen. Aber was hätten sie sonst machen können? Die Lebenserhaltungssysteme dieses Asteroiden reichten nicht für lange Wachperioden aus, und wer wollte schon den Rest seines Lebens auf diesem eintönigem Himmelskörper verbringen, auch wenn dieser einen atemberaubenden Dilithiumschatz enthielt. Ihre einzige Hoffnung hatte darin bestanden, in die Gegenwart zurückzufinden. Das Imperium würde nach dem Verschwinden der Telai sicherlich eine Bergungsmission starten und sie finden.

Da war aber noch etwas anderes. Es kam Svaal vor, als versuche man sich an einen Traum zu erinnern, den man letzte Nacht hatte. Irritiert runzelte der Wissenschaftler die Stirn. Er hatte sich doch vorhin noch daran erinnert, gerade als er aufgewacht war und von der Terranerin Campbell begrüßt wurde. Dann viel es ihm wie Schuppen von den Augen. Wie konnte man ein so ungewöhnliches Ereignis denn nur vergessen? Da war doch dieser Zeitreisende gewesen. Er hatte ihn damals, als er auf den Asteroiden runtergebeamt hatte noch vor den Aliens erwartet. Er sagte er sei von der Zeitpatroullie, und er hatte Svaal einiges erzählt, aber der ehemalige Romulaner konnte sich noch nicht an Details erinnern.

Wie aus einem Nebel tauchten jetzt einzelne Erinnerungen auf. Der Zeitreisende musste aus irgendwelchen Gründen für diesen partiellen Gedächtnisverlust gesorgt haben. Wie hatte er sich doch gleich genannt? Charlie, Choli ... Chi-Lo ?

--- Vor dem Shuttle

Fanjil blickte sich nervös um. Der Terraner, der sich selbst Sems nannte, sprach gerade mit den Shuttleinsassen. Die Xenopsychologin hörte jedoch nur mit halbem Ohr zu. Zwar glaubte sie nicht, dass Nummer 6 sie jetzt angreifen würde, aber seine bloße Anwesenheit auf dem Asteroiden bereitete ihr Gänsehaut. ER lungerte hier irgendwo rum, fast unsichtbar. Aber Fanjils Kameraden hatten an den wichtigsten Positionen Stellung bezogen. Das würde ihn davon hoffentlich abhalten, irgendetwas zu sabotieren oder in Gang zu setzten, das ihnen schaden konnte. Fanjil wusste aus Erfahrung, dass es diesen Wesen schwerfiel, ihre parapsychischen Fähigkeiten auf Menschen anzuwenden die sie schon einmal beeinflusst hatten.

ER konnte sich an Svaals Leuten also nicht unbemerkt, eine Illusion vorgaukelnd, vorbeischleichen. Jedenfalls nicht, wenn sie hochkonzentriert waren und genau dies erwarteten. Die Illusion vorhin in der Schläferkammer konnte nur gelingen, weil sie alle noch vom Stasisschlaf benommen waren. 'Das wird IHM nicht noch einmal gelingen', schwor sie innig.

Svaal hatte die Theorie aufgestellt, dass jene Wesen keine Waffen benutzen. Skeptisch starrte sie auf den aufgetürmten Berg von Waffenarsenal vor dem Schott des Shuttles. Entschieden griff sie sich Sems Kommunikator.

"Hören sie mir jetzt genau zu", schlug sie einen bewusst deutlichen Ton an und schnitt einer der Insassen durch die offene Komverbindung das Wort ab. "Wenn ich mich vorstellen darf, meine Name ist Fanjil, einer von jenen, die sie aus dem Stasisschlaf aufgeweckt haben. Ich nehme an, sie haben gerade mit einer parapsychisch begabten Person Bekanntschaft gemacht, die sie entwaffnete und einschloss. Wie das Schicksal so will, gehört die besagte Person nicht gerade zu meinem Freundeskreis. Es würde mich deshalb freuen wenn sie mir und meinen Kameraden helfen könnten jene Person .. nun ... sagen wir doch 'unschädlich' zu machen.

Die Xenopsychologin machte eine kurze Pause, damit das Gesagte verarbeitet werden konnte. Dann fuhr sie fort: "Ich weiß nicht wer sie sind, aber seien sie versichert das ich ihnen gegenüber keine feindlichen Absichten habe. Wir warten schon sehr lange auf jemanden der uns aus unserer Lage hier befreit, sie sind uns also sogar Willkommen. Aber eins nach dem Anderen, über Details können wir irgendwann noch plaudern. Erst einmal werde ich versuchen sie zu befreien, aber das kann eine Weile dauern. Sie sollten nur vom Schott wegbleiben"

Mit diesen Worten beendete sie ihre Ansprache und ergötzte sich an den verdutzten Gesichtern im Shuttleinneren.

"Mr. Sems, ich bin keine Expertin aber es wird wohl etwas dauern, sich durch das dicke Tritaniumschott mit den Phasern zu brennen. Oder fällt ihnen eine schnellere Möglichkeit ein?"

--- Shuttle

Clints vulkanischer Geist beschäftigte sich mit der derzeitigen Situation und seiner eigenen Rolle darin. Zurückblickend überraschte ihn sein eigenes Verhalten. Er hatte ohne lange zu überlegen einen Kampf begonnen, den er hätte vermeiden können. Es hatten wohl selbst für ihn zu viele bedrohliche und/oder unerklärbare Ereignisse in zu kurzen Zeitintervallen stattgefunden. Immerhin war der Ferengi jetzt ausgeschaltet, wodurch einer wenigstens vorrübergehenden Einigung der beiden Crews hoffentlich nichts im Wege stand. Allerdings war dieser Narbo nicht von ihm bewusstlos geschlagen worden. Wieder sah er den Chinesen an, und sein Gesicht war ein einziges, vulkaniertypisches ich-warte-auf-eine-Erklärung Fragezeichen.

Wenn der Sinoterraner ihn tatsächlich angegriffen hatte, war er entweder sehr klug oder einfach nur gemeingefährlich. Es mochte eine gutdurchdachte und zugleich wirkungsstarke Geste der Verhandlungsbereitschaft sein, wenn er die beiden Hauptkontrahenten des Konflikts gleichermaßen 'zum Schweigen brachte' Andererseits erinnerte sich der Halbbreen an den wahnwitzigen Chi-Lo, der mit einem angeschlagenen Shuttle gegen zwei Akira-Klasse Kreuzer der Föderation kämpfen wollte. Diese Erinnerung ihm Hinterkopf ließen dem Wahlvulkanier keine Zweifel daran, was nun die Motivation des Chinesen gewesen war, bzw. was es nicht war. Er würde bei nächster Gelegenheit mit Captain McCarthy darüber sprechen müssen, wenn sich diese Gelegenheit überhaupt noch bieten würde.

Als Fanjils Stimme erklang, horchte Ahm-tor Clint auf. Einer von jenen die sie aus dem Stasisschlaf aufgeweckt haben? Was hatte das zu bedeuten? Was hatte die Crew dieses Shuttles auf dem Asteroiden getan? Nun, diese Fragen waren nebensächlich. Die wichtigste Information, die Clint dieser Ansprache entnahm war, dass sie scheinbar einen Verbündeten gewonnen hatten, der, und das war das Wichtigste, keinen Unterschied zwischen der Venture-Besatzung und den anderen zu machen schien. Wieder einmal musste sich der Grünhäutige vom Boden aufrappeln. Er hob beschwichtigend die Hand, als dieser Theocrates bei seiner Bewegung leicht vorzuckte.

"Keine Angst, ich werde diesmal niemanden angreifen Mr. Pommes", erklärte er schnell und hoffte den großen Terraner dadurch zu beeindrucken, dass er außer seinem ehemaligen Beruf auch noch seinen Namen kannte. Allerdings schien der Attentäter Clint mit einem mal noch misstrauischer oder verärgerter zu beobachten. Der Adoptivvulkanier besah sich den immer noch am Boden liegenden Ferengi. Offensichtlich hatte Chi-Lo bei ihm etwas härter zugeschlagen. Wenn der großohrige Dieb aufwachte würde es zweifelsohne wieder zu Problemen kommen, aber vielleicht hatte sich die Lage bis dahin weit genug stabilisiert, um auch damit fertig zu werden.

Dann wandte er sich an Ysara.

"Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen da wir in aller Ruhe einige Informationen austauschen. Mich würde vor allem interessieren, in wessen Auftrag sie ihre außerordentlichen Fähigkeiten bei dieser Mission einsetzten", sagte er in einem für ihn typisch neutralem Tonfall, aus dem man nicht entnehmen konnte wie das Gesagte den nun gemeint war.

"Ach, wir haben nur so einen Mondscheinspaziergang gemacht", erwiderte Ysara trocken und sah den Wissenschaftler mit einer Spur von Verachtung an. Sie verschränkte die Hände hinter dem Rücken, verlagerte ihr Gewicht geschmeidig auf das andere Bein und überlegte, ob der Mann, der so stolz darauf war, so viel zu wissen, wohl auch mitbekommen hatte, dass sie ihm in Bezug auf Nahkampftechniken höchstwahrscheinlich überlegen sein würde.

Vielleicht hätte er lieber sie angreifen sollen... Andererseits war sie recht dankbar, dass der Ferengi für einen Augenblick nichts mehr sagte.

Clint sah sie mit seiner üblich unbewegten Mine an, und sie machte eine abwinkende Handbewegung. "Auch egal. Wir kommen von einem Handelsschiff namens Atlantis. Aus geschäftlichen Gründen", fügte sie dann noch nachträglich hinzu, als sei es nicht völlig offensichtlich, aus welchen Gründen man diesen Asteroiden aufsuchen wollte. Obwohl er für den Halbbreen wahrscheinlich tatsächlich die richtige Atmosphäre für einen Mondscheinspaziergang bot. So wie jeder andere Ort auch.

"Also verraten Sie mir, was Ihre Leute hierher treibt, Mr. Clint. Brauchen Sie Dilithium, um Crewmitglieder zu bestechen, damit sie nicht die Flucht ergreifen?" In gewisser Weise kam ihr die Jagd nach Dilithium für McCarthys Verhältnisse beinahe zu... unepisch vor.

Im nächsten Augenblick ärgerte sich Ysara innerlich, dass sie sich ganz untypisch zu dieser offenen Spitze hatte hinreißen lassen. Die Erinnerung an McCarthy, diese Cailin und ihr wahnwitziges Kriegsgericht machte sie noch immer wütend. Sie hoffte, die Anwesenheit dieser Ärztin bedeutete, dass die Vogelfrau mittlerweile bei einer ihrer mildtätigen Taten den Tod gefunden hatte.

Der Halbbreen musste zugeben, dass Ysaras Worte ein bedeutendes Problem der Venture traffen. Zwar lief die Besatzung, außer einigen Ausnahmen, nicht davon, aber es gab auch nicht halb so viele ethisch und moralisch motivierte Menschen, die sich der Crew aus tiefgehender Überzeugung anschlossen, wie Mccarthy vielleicht gehofft hatte. Die meisten verfolgten irgendwelche Eigeninteressen, wobei Clint keine Ausnahme bildete. Jedoch: Es funktionierte sogar.

"Die Venture benötigt bei ihrer sich selbst gestellten Mission immer wieder neue Ressourcen", beantwortete der Wahlvulkanier die Frage der Psychologin. "Es gibt viel Material das wir verschenken, und einiges an Material das ... verlorengeht. Aber das wissen sie ja wahrscheinlich noch. Schließlich waren sie, wie sagt ihr Terraner doch, selbst dabei"

"Nun, deshalb sind wir hier aus ... humanitären Gründen", fügte er noch hinzu.

'Atlantis, ein Händlerschiff ...', dachte Clint skeptisch, als er an die Hintergrundgeschichten von Narbo und Theocrates dachte. Aber selbst der Wahlvulkanier erkannte, dass die Psychologin jetzt nicht bereit sein würde, mehr Informationen preis zu geben. Deshalb beließ er es vorläufig dabei.

"Tja, ich fürchte ...", begann er, wählte aber schnell eine andere Formulierung, "Erfreulicherweise werden wir zusammenarbeiten müssen" Der Halbbreen hatte erst kürzlich ein Buch über Teamdynamik gelesen, um seiner Rolle als Abteilungsleiter besser gerecht zu werden. Tatsächlich glaubte er im Verständnis dieser Thematik schon einige Fortschritte erzielt zu haben.

"So", wandte er sich an alle, wobei er in die Hände klatschte und versuchte, ein entspanntes Lächeln auf zu setzen. "Da wir gerade ein bisschen Zeit haben, sollten wir sie nutzen, um uns gegenseitig besser kennen zu lernen. Es scheinen ja schon einige Bekanntschaften zu existieren, das ist doch ein Anfang. Warum sucht sich jetzt nicht jeder einen Gesprächspartner und unterhält sich ein wenig?"

"Weil vielleicht nicht jeder daran interessiert ist, Leute wie DICH kennenzulernen", antwortete der Ferengi grollend, während er sich den dröhnenden Schädel massierte, "Eigentlich sollte es sogar reichen, wenn wir uns nicht gegenseitig töten!"

Noch etwas benebelt stand er auf und schlug sich den Staub von seiner Kleidung, nachdem dieser die bunten Muster verdeckt hatte. In was für einen Kindergarten war er hier bloß gekommen?

--- Vor dem Shuttle

Sems schaute die Fremde an und zuckte nur mit den Schultern.

"Haben Sie eine Bombe?", fragte er kurz angebunden, doch als er den Blick von Fanjil sah, setzte er ein Lächeln auf und ging zu dem Waffenhaufen.

"Ist ja schon gut, es war nicht wirklich ein Vorschlag. Gibt es bei Ihnen nichts, wo drüber man Lachen kann?"

Wieder dieser Blick und Sems hielt es für besser, jetzt seine dämliche Klappe zu halten, sonst würde sie ihn wahrscheinlich noch über den Haufen schießen. Einfach so. Nur aus Spaß und weil er zu viel gequatscht hatte.

Als sie bei den Waffen angekommen waren, griff Sems in den Haufen hinein und zog das größte Phasergewehr heraus, welches er bisher gesehen hatte.

"Ui, das ist doch mal was", bemerkte er und wiegte es in seinem unverletzten Arm. Ja, es war nicht zu schwer. Er schwang es sich über seine Schulter und suchte weiter in dem Haufen nach was passendem für Fanjil. Schon kurze Zeit später hatte er ein weiteres Phasergewehr und einen starken Phaser gefunden, den er der Fremden zu warf.

"So, dann wollen wir mal", rief Sems, gab über Interkom den Crews innerhalb des Shuttles noch einmal Bescheid und startete dann den Beschuss auf das zugeschweißte Shuttle.

Langsam, Millimeter für Millimeter schweißten sich die Beiden voran. Zwar würde es noch eine Weile dauern, bis sie das Schott heraus geschweißt hatten, doch es ging vorwärts.

"Fanjil", rief Sems über den Krach der Phaser hinweg, "Glauben Sie nicht, dass der, der dies hier versiegelt hatte, nicht zurück kommt, wenn wir hier sein Werk zerstören?"

"Das ist eine gute Frage", rief Fanjil zurück, während sie versuchte ihre Hand beim Schweißen ruhig zu halten. Der rotglühende Pfad ihres Phaserstrahls verlief in einer unregelmäßigen Schlingerlinie, während der Terraner trotz Verletzungen weit weniger Probleme hatte. Aber schließlich war sie Xenopsychologin und keine Scharfschützin. Das letzte Mal, dass sie eine Strahlenwaffe benutzte war während ihrer obligatorischen Kampfausbildung auf Romulus, dessen praktischen Teil sie nur bestanden hatte, weil sie einflussreiche Verwandte besaß. Bei dem Kampf gegen die Aliens dieses Asteroiden hatte sie sich mit einem Metallrohr begnügt.

"So weit ich die Mentalität dieser Wesen beurteilen kann, würde ich Nein sagen. Wir sind zu zweit, bewaffnet und wissen bereits von seiner Existenz", ihr Blick huschte konzentriert über alle Ecken des Raums. Sie traute sich zu, eine Illusion durchschauen zu können, aber sicher war sie nicht, "Vielleicht beobachtet ER uns. Vor allem dürfte er ihre Freunde beobachten wollen, um sie besser einschätzen zu können. Er wird einfach solange passiv bleiben, bis er eine gute Gelegenheit zu agieren sieht "

Niemand konnte rund um die Uhr hoch konzentriert seine Umgebung beobachten, vor allem nicht in einer so eintönigen wie dem Asteroiden. "Er wird sich einfach solange verstecken, bis wir zermürbt und müde sind. Derweil wird er hier und da auftauchen, eine Explosion verursachen, versuchen uns zu trennen und in Fallen zu locken. Guerillataktiken eben. Ich bin wirklich froh, dass sie zu uns gefunden haben. Mit so vielen Leuten können wir einen Jagdtrupp zusammenstellen, während meine Kameraden wichtige Schlüsselpositionen bewachen"

Sie versuchte ihre Stimme fest und selbstsicher klingen zu lassen, was sie innerlich jedoch nicht war. Ein Frösteln überkam sie. Nur zu gut konnte sie sich an den letzten Kampf mit den Aliens erinnern. Sie hatte dabei mehr als die Hälfte ihrer Leute verloren. Nochmal lies sie ihren Blick über den Raum schweifen, konzentrierte sich dann aber weiter auf ihren Phaser.

Minutenlang arbeiten Sems und Fanjil Seite an Seite, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Und anscheinend war das auch gut so. Denn so lange sich Fanjil auf ihre Arbeit konzentrieren konnte, schaffte sie es, den Phaserstrahl einigermaßen ruhig zu halten. Zwar fabrizierte sie immer noch ganz schöne Wellenlinien, doch so schlimm wie am Anfang war es nicht mehr.

Immer weiter arbeiteten sie sich vor und als nur noch wenige Zentimeter Schott zu durchtrennen war, stoppte Fanjil ihren Beschuss und ließ Sems den Rest machen. Als ein Knistern zu hören war, stellte auch Sems seine Arbeit ein und begutachtete das Ergebnis. Vorsichtig klopfte er an dem Schott herum und machte dann überrascht einen Satz zurück, als es ihm entgegen kam. Mit einem lauten Knall schlug es auf dem Boden auf und wirbelte eine Staubwolke auf, die Sems sofort die Sicht nahm.

Wild gestikulierend und hustend versuchte er, irgendwie dem Staub zu entkommen. Doch es dauerte einige Sekunden, bis man endlich wieder was sehen konnte. Mit tränenden Augen schaute er zu Fanjil, die ebenfalls mit dem Staub zu kämpfen hatte.

"Alles in Ordnung", fragte er und erntete ein wütendes Husten und nicken.

"Ok", bemerkte er und schritt auf die nun offene Shuttletür zu. Mit dem Phaser in der Hand lugte er durch die Öffnung ins Innere und schaute in beinahe verdutzte Gesichter.

--- Shuttle Reality

"Hallo alle zusammen", begrüßte Sems alle Anwesenden, "Der Zimmerservice ist da!"

--- Raider Silver Sun

Seit geraumer Zeit arbeitete Gorm nun an den Kommunikationssystemen, kam jedoch zu keinem Ergebnis. Mit gerunzelter Stirn drehte sich der Ferengi zu dem Techniker um: "Es ist äußerst schwer, ein brauchbares Signal durch dieses Gewirr an Hintergrundstrahlung durchzulotsen, dass von den Badlands und dem Dilithium verursacht wird.

Ich fürchte, außer ein sehr leises Beepen werde ich auch mit dem besten Algorhythmus nicht zu Stande bringen. Vielleicht ist Chedu ja im Stande, das Signal auf ein vernünftiges Maß zu verstärken. Einstweilen .... ja, sehr gut! Also einstweilen ist nur ein Binärcode möglich - zum Beispiel Morsen.

Wenn sie wollen können sie jetzt eine beliebige Nachricht absetzen. Ich sollte Sie allerdings warnen: innerhalb der Reichweite von 1000 km kann die Signale jeder empfangen."

"Morsen?", entgegnete Yhea entsetzt, "Sind Sie sicher, dass das irgend jemand von unserem Team verstehen kann?"

Der Ferengi schaute etwas ratlos aus der Wäsche und auch Yhea wusste sonst keine andere Möglichkeit, wie man das Team erreichen konnte. Außer vielleicht hinzufliegen. Doch das wollte der Romulaner nicht riskieren. Er hatte keine Lust, genau so wie das Shuttle in das Innere des Asteroiden gezogen zu werden.

"Ok, wir werden es versuchen."

Yhea setzte sich an das Kommunikationspult und schrieb eine kurze Nachricht, welche von dem Außenteam verstanden werden konnte und von anderen nicht unbedingt direkt entschlüsselt werden konnte. Als er damit fertig war, ließ er sie vom Computer in einen Morsecode übersetzten und funkte sie hinaus in Richtung des Asteroiden.

"Drücken Sie die Daumen, dass es klappt", sagte Yhea und lehnte sich zurück. Um ehrlich zu sein, glaubte er nicht, dass diese Aktion von Erfolg gekrönt sein würde, doch ein Versuch war es wert. Und verdammt noch mal, wo blieb die Hilfe von der Venture.

-- Shuttle Reality

Fast schon beleidigt zog der Wahlvulkanier eine Augenbraue in die Höhe. Ein Blick in die Runde reichte um festzustellen, was alle anwesenden Personen über seinen dargebrachten Vorschlag dachten. Sie sahen ihn an, als wäre er ein kleines grünes Männchen von einem anderen Stern. Der Halbbreen räusperte sich. Dann geschahen mehrere Dinge auf einmal.

Gerade als der Terraner durch das Schott kam und von irgendwoher ein rhythmisches Piepen zu erklingen passierte etwas sonderbares mit Chi-Lo ... er verschwand. In der einen Sekunde war er noch da, in der anderen war er plötzlich weg. Vorerst bemerkte dies jedoch niemand, da alle Blicke auf den Eingang gerichtet waren.

Alle außer Wagenvoorts, um genauer zu sein. Zwar galt seine Aufmerksamkeit ebenfalls nicht dem verschwindenden Sicherheitler, sondern dem eintreffenden Signal, welches schwach durch die Lautsprecher ertönte. Dem Rhythmus folgend murmelte er vor sich hin:

"...lang, lang, kurz, lang...Scheinbar ein einfacher, binärer Code, welcher durch die herrschende Kommunikationsstörung dringen kann!"

Leider hörte niemand anders zu, da noch immer alle mit den beiden Neuankömmlingen beschäftigt waren. Scheinbar gehörte zumindest der eine zu der fremden Crew.

Apropos!

"Ähh, hat jemand von Ihnen Chi-Lo gesehen - Sie wissen schon, den Asiaten mit dem Handkantenschlag", wandte er sich an die restliche Gruppe, die ins Heck des Shuttles geströmt war, "der muss mir hier vorne mal bei einer Kleinigkeit behilflich sein"

Seine Worte brachten dem Holländer einen skeptischen Vulkanierblick von Clint ein. Der Wahlvulkanier verstand nicht, was der Ex-Maquis meinte, bis er sich umsah. Seelenruhig schritt er zum Bug, sah nach Links, Rechts, Oben und Unten, und schließlich zurück zu dem Menschenauflauf am Schott. Es gab keine Versteckmöglichkeiten, es sei den der Chinese konnte seine Körpergröße beliebig verändern. "Mister Chi-Lo ist spurlos verschwunden", stellte der Wissenschaftler kategorisch fest, als sei das nicht bereits jedem klar geworden.

Für Clints wissenschaftlich geschulten Geist war dieser Umstand kein größeres Hindernis. Er betitelte den Sachverhalt einfach mit 'Spontane Selbstauflösung', stellte ihn in ein geistliches Schränkchen mit ungelösten Fällen und wandte sich dem nächsten Problem zu.: "Kennt jemand diesen Binärcode und kann ihn auch entschlüsseln?"

--- Raider Pei Mei

Der Rest des Flugs war in Schweigen vergangen, nachdem Veronica festgestellt hatte, dass Poulsen offenbar nicht nach Konversation war. Ihre eigene Müdigkeit führte zudem dazu, dass sie sich lieber ausruhte. Erst als das Asteroidenfeld in Sicht kam, stellte sie den inzwischen zweiten Raktajino ab.

"Also gut, dann wollen wir mal", eröffnete sie und tippte auf die Konsole vor sich, um sich das Asteroidenfeld anzeigen zu lassen. Mit kritischem Blick konzentrierte sie sich darauf und vertrieb die Müdigkeit gewaltsam, während sie den richtigen Kurs eingab und an Poulsen übermittelte.

"Ich kann die Silver Sun noch nicht lokalisieren, aber das muss in einem so engen Asteroidenfeld nichts heißen, zumal sie eine Tarnvorrichtung besitzt, wenn ich mich nicht irre. Ich lege einen Kurs auf den Dilithiumasteroiden."

Dann verstummte sie wieder und konzentrierte sich auf den Flug. Das Asteroidenfeld war nicht so schlimm wie die Badlands, aber wenn sie genau überlegte, hatte sie keine Ahnung, ob Poulsen ein guter Pilot war.

Stumm und konzentriert folgte Alex dem Kurs, den Veronica ihm vorgab. Immer wieder wechselten sie die Richtung, um den verschieden großen Asteroiden auszuweichen und ein paar mal war es ziemlich knapp. Doch jedes mal kamen sie heil aus der Sache raus. Nur wenn Alex darüber nachdachte, dann wusste er nicht, ob Veronica eine gute Navigatorin war.

Da sie aber bisher ohne Probleme voran gekommen waren und sie den Zielkoordinaten immer näher kamen, verwarf Alex diesen Gedanken wieder. Stattdessen erhöhte er etwas die Geschwindigkeit und schaute aus dem Fenster.

"Eigentlich müssten Sie jetzt in unser Blickfeld kommen", sagte Poulsen und schwenkte in einen hohen Orbit um den großen Zielasteroiden ein. Da die Sensoren nur sehr eingeschränkt funktionierten, konnte er auch mit deren Hilfe den anderen Raider nicht finden. Vor allem wäre es sowieso unmöglich, wenn sie getarnt waren.

"Na los, zeigt euch endlich", sagte Alex leise zu sich, während er gebannt nach draußen schaute.

Nach ein paar Minuten gebannten-ins-All-schauen hielt es Poulsen nicht mehr aus.

"Wir werden jetzt diesen Asteroiden umrunden, um zu sehen, ob sie sich vielleicht dahinter verstecken. Wenn sie da nicht sind, werden wir sie anfunken. Ok?", fragte er Veronica, während er den Raider langsam beschleunigte.

--- Shuttle Reality

Sems, der inzwischen das Shuttle betreten hatte und immer noch den Phaser in der Hand hielt, schaute sich etwas verwirrt um und versuchte, das Chaos, welches sich ihm bot, irgendwie zu durchschauen.

Die Atlantis-Crew hatte sich etwas im Shuttle zurückgezogen und beäugte vorsichtig die Venture-Mitglieder, die wie wild damit beschäftigt waren, diesen Binärcode zu entschlüsseln. Doch das war alles andere als einfach. Da das Shuttle weitgehend zerstört war und der Computer eigentlich nicht mehr funktionierte, versuchten sie anscheinend, mit Hilfe von ein paar Tricordern, das Signal zu entschlüsseln.

Leise raunte Sems Pormas zu, er solle unauffällig versuchen, ebenfalls das Signal zu entschlüsseln. Danach winkte er Fanjil zu sich und wandte sich dann wieder an die Atlantis-Crew.

"Wie sieht es aus. Sind alle einsatzbereit? Irgendwelche Probleme?"

Von dem Signal dieser verschlüsselten Nachricht wie magisch gefesselt, ignorierte Ruben den Tumult am Eingang des Shuttles, der in diesem Moment eine Million Lichtjahre entfernt zu sein schien.

"-.-- .... . .-", murmelte er leise das Signal vor sich hin, während er es schniefend mit dem als Dechiffrierschlüssel abglich, den sie in der Datenbank gefunden hatten, "Y...H...E...A - Yhea! Die Nachricht ist von der Silver Sun"

Erfreut richtete er einen Blick auf den Halbbreen, der aber emotional gleichgültig blieb, wie es einem Wahlvulkanier gebührte. Von dieser Reaktion gehemmt, programmiert er nur noch dem Tricorder ein, den restlichen Code zu übersetzen. Der Moment des Erfolgs war vorbei und zusätzlich hatte der Wissenschaftler ihn gehörig verdorben.

Seufzend guckte Wagenvoort kurz in Richtung Atlantiscrew, die immer noch die zwei Neuen musterte, bis ein leuchtendes Lämpchen ihn einen Sekundenbruchteil später auf die vollendete Translation aufmerksam machte:

"Hier Silver Sun: Befinden uns in hoher Umlaufbahn um den Asteroiden. Unser Raider ist stark beschädigt, aber Bergung ist möglich. Die Venture ist benachrichtigt und Hilfe hoffentlich schon unterwegs. Jedenfalls seid ihr vorerst auf Euch selbst gestellt. Yhea, Ende!"

Grummelnd tauschte er einen Blick mit Clint, der die Nachricht ebenfalls gelesen hatte. Die Nachricht hatte dem Sicherheitler endgültig die Laune verdorben.

Ein leichtes Jucken auf seinem Rücken setzte ein.

--- Raider Pei Mei

Langsam umrundete der Raider den Asteroiden und Alex schaute durch das große Frontfenster hinunter auf den großen, leeren Felsbrocken. Eigentlich konnte er nichts besonderes entdecken. Ihm war nämlich gerade eben der erschreckende Gedanke gekommen, dass die Silver Sun ja auch gut abgestürzt sein konnte. Doch Gott sei Dank sah er sie nicht. Das schloss zwar nicht aus, dass sie doch irgendwo da unten waren, aber wenigstens fühlte er sich so ein wenig sicherer.

Plötzlich blinkte ein Lämpchen auf der Kommunikationskonsole auf und Alex schaute interessiert zu Veronica, die es ebenfalls entdeckt hatte.

"Ich empfange ein Signal", bemerkte die Frau unnützerweise. "Ich lege es auf die Lautsprecher."

Ein paar Handbewegungen später und ein rhythmisches Piepsen erschallte in der Kabine. Etwas überrascht über die unerwartete Art der Nachricht, horchte Alex auf.

"Klingt irgendwie vertraut", sagte Poulsen mehr zu sich selbst als zu Veronica. "Hmm ..."

Während er den Raider mit einer Hand steuerte, kratzte er sich nachdenklich am Kinn. "Moment ..."

Er rief ein Menü an seiner Konsole auf und ließ das Signal vom Computer überprüfen. Schon Sekunden später hatte er das Ergebnis. Und zwar genau das, welches er erwartet hatte. Es war ein Morsesignal. Schnell ließ er die Nachricht vom Computer übersetzten und überflog sie dann.

"Es ist eine Nachricht von Yhea", sagte er freudestrahlend und beschleunigte den Raider weiter. "Sie befinden sich irgendwo hier in der Umlaufbahn um den ... ah, da sind sie ja."

Er hatte den Raider von Alnak entdeckt. Er flog mit geringem Tempo in einem hohen Orbit.

"Veronica, besteht irgendwie die Möglichkeit, hier durch diese ganzen Interferenzen eine Nachricht an Alnak zu schicken oder soll ich mich einfach vor ihn setzen und winken?"

"Natürlich, ich versuche die Störungen auszufiltern. Aber wenn Sie wollen, können Sie natürlich trotzdem winken", erwiderte Veronica grinsend und begann mit der Arbeit, die ihr mittlerweile schneller von der Hand ging. Der starke klingonische Kaffee hatte ihre Müdigkeit weitestgehend vertrieben. Anscheinend war ihr Körper mittlerweile an ihren inadäquaten Schlafrhythmus gewöhnt.

Sie konzentrierte sich auf ihre Aufgabe, während Poulsen frontal vor der Silver Sun in Position ging. Als er tatsächlich zu winken begann, sah sie auf. "Jetzt müsste es gehen..."

Stutzend unterbrach sie sich, als Alnak sich von selbst meldete.

--- Raider Silver Sun

Ungeduldig saß Yhea in seinem Sitz, trank einen neuen Kaffee und wartete darauf, dass sich das Außenteam endlich meldete. Auch Gorm rutschte in seinem Stuhl herum und wusste wohl nicht genau, was er im Moment tun sollte. Sie waren eben zum Nichtstun verdammt. Und so etwas hasste Yhea. Es gab nichts schlimmeres, als Langeweile. Und um ehrlich zu sein, hatte er im Moment auch absolut keine Lust auf Smalltalk.

Deswegen trank er genüsslich seinen Kaffee, warf ab und an einen Blick aus dem Fenster und kontrollierte die Systeme. Auch wenn das ziemlich sinnlos war. Hier in diesem Asteroidenfeld funktionierten die meisten Systeme eh nicht.

Gerade hatte er einen weiteren Schluck des köstlichen Gebräus zu sich genommen, da hätte er sich auch beinahe daran verschluckt. Hustend stoppte er sofort die Silver Sun, aktivierte die Waffen und die Schilde, und versuchte irgendwie seine Tasse abzustellen. Doch er fand keinen Platz und so drückte er sie dem verdutzten Gorm in die Hand.

Jetzt hatte er endlich beide Hände frei und versuchte dann, mit Hilfe der vielleicht noch funktionierenden Nahbereichssensoren das andere Schiff, welches sich einfach vor sie gesetzt hatte, zu scannen.

"Wo kam der denn her?", fragte er sich beinahe selber, während er gebannt aus dem Fenster schaute. Inzwischen hatte sich das fremde Schiff direkt vor ihnen positioniert und kam langsam näher. Noch ein paar Meter und er würde den anderen Piloten sehen können.

"Moment", entgegnete Gorm plötzlich und lehnte sich vor. Er kniff die Augen etwas zusammen und starrte zu dem anderen Schiff rüber.

"Täusche ich mich, oder sitzen da Poulsen und Aillard?", fragte der Ferengi und schaute Yhea an.

"Wie bitte?", entgegnete der Romulaner verdutzt und rieb sich die Augen, "Sie haben Recht. Es ist Alex."

Kaum hatte er das ausgesprochen, da winkte ihnen auch schon der Techniker zu und grinste breit.

"So ein Witzbold", sagte Yhea und deaktivierte die Schilde und die Waffen, "Erschreckt uns einfach zu Tode."

Mit einem Kopfschütteln tippte er auf seinen Kommunikator: "Alex, das fand ich jetzt wirklich nicht lustig. Ich hätte beinahe auf dich geschossen. Du hättest dich ruhig vorher melden können."

"Mr. Alnak, wir sind erleichtert, Sie zu sehen und zu hören. Was zum Teufel ist bei Ihnen passiert?", erwiderte Aillard über Komm.

--- Shuttle Reality

Skeptisch sah Ysara dem Niederländer über die Schulter und wechselte dann einen Blick mit Pormas, der jedoch nur mit den Schultern zuckte. Sie war noch nicht sicher, wie sie Wagenvoort einschätzen sollte, auch wenn die zur Auswahl stehenden Möglichkeiten nicht gerade im oberen Bereich ihrer Wertschätzung standen - aber wenn sie es recht überlegte, war das ohnehin selten der Fall.

"Wie schön für Sie", kommentierte sie die Nachricht in Richtung der Venture-Crew, richtete sich auf und verschränkte die Hände locker hinter dem Rücken. "Dann können wir ja noch eine Weile unsere Kennenlerngespräche fortsetzen, bevor Ihr Romulaner Sie heldenhaft rettet oder aber wir sie töten oder Sie uns oder die Fremden uns alle oder wer auch immer zuerst eine Waffe in die Hand bekommt."

Sie seufzte und verdrehte ohne bestimmten Adressaten die Augen zum Himmel, unsicher darüber, was genau sie hier eigentlich zu suchen hatte. Wenigstens gehörte sie diesmal zur nahkampftechnisch überlegenen Crew, und vor ein Kriegsgericht würde die sie sicher auch nicht stellen.

"Und falls die Technik es zulässt, Alnak eine Antwort zu senden, schicken Sie McCarthy doch einen schönen Gruß. Angesichts des örtlichen Chaos finde ich seine Privatdiktatur beinahe verlockend."

Im hinteren Teil des Shuttles rieb sich Jordan mit einer Grimasse die Stirn. Sie hatte nur einen geringen Teil der letzten Geschehnisse mitbekommen: Als Chi-Lo mit einem hörbaren Plopp neben ihr verschwand, hatte ein abrupter Kopfschmerz sie attackiert und schwindeln lassen, so dass sie zunächst damit beschäftigt war, irgendwo einen Halt zu suchen und dann, als der Schmerz nicht nachlassen wollte, nach einem Mittel in ihrem Notfallkoffer.

Wenigstens hatte sie Chedu einige Minuten zuvor notdürftig, aber für eine Klingonin absolut ausreichend, wieder zusammengeflickt.

Jetzt erst konnte sie sich wieder auf die Situation konzentrieren und versuchen, einen neuen Überblick zu bekommen. Nachdem die Hälfte der Anwesenden interessierter an der Nachricht Alnaks war - es wunderte Jordan nicht, dass der Techniker eine Kommunikationsmöglichkeit gefunden hatte -, griff sie kopfschüttelnd ihren Tricorder und begann die Umgebung zu scannen. Anzunehmen war, dass ihre Kopfschmerzen mit Chi-Los Verschwinden zusammenhingen, da sie sich sehr nah bei ihm befunden hatte. Ein Blick auf die anderen bestätigte ihr, dass niemand sonst mit derartigen Symptomen zu kämpfen hatte.

"Ich entdecke keine Hinweise darauf, dass hier ein Beamvorgang stattgefunden hat", bekannte sie und kramte ihr technisches Wissen hervor. Auf Sems irritierten Blick erklärte sie: "Eines unserer Crewmitglieder ist gerade verschwunden, und zumindest mich interessiert es, wo genau er sich jetzt befindet. Allerdings kann mein medizinischer Tricorder neurale Restspuren nachweisen, wie sie manche telepathische Spezies bei telepathischen Kontakten ausstoßen..."

Während sie sprach, verfolgte sie das Streufeld der neurobiologischen Fragmente ein paar Zentimeter durch das Shuttle und blieb dann stehen. Als sie aufsah, stand sie Sems Begleiterin gegenüber. "... Sie standen zum Beispiel mit Telepathen in Kontakt - oder sind selbst einer. Was wissen Sie über Chi-Los Verschwinden?" Stirnrunzelnd sah sie sie an.

Clint, der die Antwort der Fremden nicht verpassen wollte, begab sich zum Eingang und nahm sich nun die Zeit, diese Fanjil eingehend zu mustern. Sie gehörte eindeutig zur selben Spezies wie ihr Entwaffner. Aber etwas an der Art, wie sie sprach, sich bewegte, auch ihre Mimik erschienen dem Wissenschaftler merkwürdig unpassend.

Dann erst fiel es ihm auf. Als ihr Artgenosse die Shuttleinsassen entwaffnete, hatte er in einer fremden Sprache gesprochen, die Clints Translator nicht übersetzen konnte. Bei Fanjil war die Translation jedoch perfekt, selbst die Lippenbewegungen wurden von der Sprachmatrix recht gut berücksichtigt(*lol*).

Mit einer schnellen Tastbewegung hinter seine rechte Ohrmuschel schaltete der Halbbreen seinen implantierten Translator ab. In diesem Augenblick setzte Fanjil zu ihrer Antwort an, und der Wahlvulkanier hob überrascht eine Augenbraue.

"Eneh hwau' kllhwnia na imirrhlhhse ..."

Zwar kannte Clint nur einige Wörter dieser Sprache, aber es war eindeutig romulanisch. Alarmiert zog er sich zu Wagenvoort zurück. "Schalten sie ihren Translator ab", flüsterte er dem Holländer zu.

Schließlich schaltete er seinen eigenen Translator wieder an, und bekam gerade noch die letzten Sätze Fanjils mit:"... soweit meine Theorie. Aber abgesehen davon glaube ich, dass es jetzt das Beste wäre, wenn sie kleinere Jagdteams bilden und die Gänge nach ihrem Angreifer durchsuchen"

Zunächst hatte Ruben den Halbbreen nur fragend angeschaut, aber dann doch den Universalübersetzer abgeschaltet, um verblüfft den Worten der Fremden zu lauschen. Zwar beherrschte er kein Romulanisch, aber den Klang dieser Sprache hatte er schon öfters gehört. Vor allem wenn irgendein romulanischer Kommandant der Venture die baldige Vernichtung über Subraum ankündigte...

Eine Schweißperle bildete sich, als völlig neue Möglichkeiten in seinem Geist aufstiegen. Vielleicht waren sie auf eine geheime Basis ihrer Feinde getroffen und jetzt warteten diese wohl nur darauf, dass das Außenteam die Venture herlockte!

Während sein Unterkiefer heruntergeklappt wie festgefroren wirken musste, starrte Fanjil Wagenvoort plötzlich an und unterbrach ihre weitere Erläuterungen, als sie sein zweifellos total panisches Gesicht musterte.

Stattdessen wandte sie sich direkt an den Niederländer, woraufhin alle Anwesenden ihre Blicke wie Pfeile auf ihn hageln ließen: "Sie scheinen nicht ganz einverstanden mit meinen Vorschlägen zu sein?!"

Jetzt rot wie eine Tomate angelaufen und schwer schluckend stammelte Ruben nervös vor sich hin: "Ähh, nunja, eigentlich bin ich der gleichen Ansicht. Immerhin, ähh, haben Sie sicher viel Erfahrung in sowas"

Sems, der sich gerade zu Wagenvoort und Fanjil gesellt hatte, betrachtete den Niederländer ziemlich verwundert. Er wollte auch schon wieder einen Schritt zurück machen, damit er nicht in der Schusslinie stand, wenn Wagenvoort explodierte. Denn die Gesichtsfarbe deutete das ziemlich massiv an.

Er fragte sich, welche Position dieser Kerl bloß auf der Venture hatte. Barkeeper vielleicht? Nein, so wie der zitterte, würde der sämtliche Getränke verschütten. Friseur? Er schaute die anderen Venture-Mitglieder an. Nein, deren Haarschnitt war in Ordnung. Also auch das nicht. Ok, vielleicht war es ja die Putzfrau. Ja genau, da konnte er nichts falsch machen.

Er vertrieb die Gedanken aus seinem Kopf und konzentrierte sich wieder auf das Gespräch der Beiden. Fanjil sah ziemlich genervt aus. Verständlich, bei den ganzen Fragen, die hier auftraten. Doch irgendwie mussten sie ja hier wieder auf einen grünen Zweig kommen.

"Entschuldigung, wenn ich Fanjil hier das Wort wegnehme, doch sollten wir nicht endlich irgendetwas tun? Dieser Yhea, der sich eben gemeldet hat ... verlangt der keine Antwort auf seinen Ruf? Und was das Wichtigste ist: Eines ihrer Teammitglieder ist verschwunden oder haben Sie das immer noch nicht mitbekommen? Ich denke, dass sollten Sie zuerst bedenken, bevor Sie auf die Jagd nach dem Fremden gehen."

"Ähh, Ihr Einwurf hat sicher seine Vorteile, doch wird Yhea sicher noch weitere zehn Minuten ohne Antwort ausharren können, zumal der Sender in diesem Shuttle beschädigt sein wird. Und was das verschwundene Teammitglied angeht, wird sich die Suche nach dem Angreifer mit der Suche nach Chi-Lo verbinden lassen", erklärte er dem Menschen möglichst ruhig, während er Fanjil nicht aus den Augen ließ, "Chedu, Sie sind für die Kommunikation zuständig: Wenn der Sender repariert ist, setzen Sie eine kurze Meldung ab. Fanjil, da Sie ortskundig sind, sollten Sie uns führen!"

Was nebenbei auch den Vorteil hatte, dass diese keinem mit einem Disruptor in den Rücken schießen konnte.

Sicher ist sicher.

Ysaras Augenbraue wanderte in der Höhe. Das kleine Zwischenspiel zwischen Clint und Wagenvoort war ihr nicht entgangen, befand sie sich doch unmittelbar neben den beiden Chao... Männern. Fanjils Herkunft war ihr allerdings zur Zeit relativ gleichgültig; im Gegensatz zu vielen anderen Leuten benötigte die Psychologin keine Rassenvorurteile, um ihre Mitmenschen abzuqualifizieren - es fanden sich wirklich genug triftigere Gründe.

Und wenn überhaupt, waren nicht Romulaner die bedenklichste Spezies in diesem Quadranten, sondern eindeutig Klingonen-Cardassianer-Mischlinge, wenn sie sich an ihre unselige Mission auf der Venture erinnerte. Oder Halbbreen...

Daher hatte sie Fanjil nur mäßig interessiert gemustert und wandte sich nun, nachdem der Niederländer gesprochen hatte, an ihn. "Wo soll es denn ihrer Meinung nach hingehen? Davon abgesehen, dass ich keine Indizien für den Aufenthaltsort dieses ... naja, Kerls feststellen kann, halte ich es auch nicht besonders klug, das Shuttle unbewacht zurückzulassen."

"Davon abgesehen", mischte die kleinwüchsige Ärztin sich ein, die sich bisher im hinteren Teil des Shuttles aufgehalten hatte und nun, ihren Tricorder noch in der Hand, näher kam, "muss keineswegs eine zwingende Verbindung zwischen Chi-Los Verschwinden und jenem Angreifer bestehen; falls man überhaupt bei jemandem von einem Angreifer sprechen kann, der nichts tut, als alle zu entwaffnen, und dann wieder zu verschwinden. Die enzymatischen Rückstände können ebenso gut von der telepathischen Aktivität zu diesem Zeitpunkt stammen; wären wir den Protokollen gefolgt, wüssten wir es jetzt definitiv"

Jordan kam nicht umhin, Mr. Clint einen etwas tadelnden Blick zuzuwerfen. Immerhin war er hier der Wissenschaftler. Sie hingegen sollte nur Verwundete versorgen, sofern sie nicht vorher verschwanden.

"Und von Ihnen", wandte sie sich in etwas schärferem Ton an Fanjil, "wünsche ich mir immer noch eine Erklärung dafür, warum und wie sie in der letzten Stunde mit Telepathie in Berührung gekommen sind, bevor ich mich für ihre Vorschläge zu interessieren beginne. Immerhin könnte es sein, dass Sie der Eindringling von vorhin sind. Bei einem Wesen mit so mächtigen telepathischen Fähigkeiten liegt das im Bereich des Möglichen. Ich warte also."

Ungeduldig sah sie die Fremde an.

--- Klingonisches Shuttle Tkr'Ouar

Eine unermessbare Wut kochte in ihrem Inneren, hinzu kamen Trauer und auch ein bisschen Wehmut. Immer wieder fragte sie sich, was sie wohl in den letzten Wochen und Monaten falsch gemacht hatte, dass ihr Leben nun so eine radikale Wendung nehmen musste. Immer wieder spielten sich vor ihrem inneren Augen diese einschneidenden Szenen ab, die sie dazu veranlasst hatten, das wenige, das sie sich hart auf Qo’noS aufgebaut hatte, hinter sich zu lassen.

Nur ein paar Gegenständen konnte April Schahrein in der Eile mitnehmen können – die Gefahr drohte plötzlich an jeder Straßenkreuzung und der jungen Frau war nicht viel Zeit geblieben um groß zu packen. Hastig hatte sie einige Klamotten zusammen gesucht, ein paar persönliche Gegenstände aus einer kleine Vitrine gezogen, drei ihrer besten Messer und Phaser heraus gekruscht – alles war ungeordnet in einer kleinen, praktischen Umhängetasche verstaut worden. Ihr Bat’leH hatte sie einfach in die Hand genommen – um auch hierfür noch eine Tasche oder einen Koffer zu suchen hatte die Zeit wahrlich nicht mehr gereicht. Und dann hatte sie sich aufgemacht um zur Shuttlebase der Stadt zu kommen. Bei dem Gedanken, wie sie an das Shuttle gekommen war, drehte sich der jungen Halbbajoranerin immer noch der Magen um – es war wohl die einzige „Straftat“ für die man sie wirklich zur Verantwortung ziehen konnte.

Ein paar Tage zuvor hatte es eigentlich noch recht gut im Leben der jungen Frau ausgesehen. Ihre Arbeit bei einem Sicherheitsdienst der planetaren Hauptstadt war gut gelaufen, hatte auch einen guten Lohn abgeworfen und war zur Abwechslung etwas, dass der jungen Frau mittlerweile richtig Spaß gemacht hatte. Selbst mit dem rauen Umgang ihrer klingonischen Kollegen war sie mit der Zeit zu recht gekommen – auch wenn es zeitweise mit einigen Besuchen in der Krankenstation verbunden war.

Und dann eines Tages, als sie gerade dabei war ihre Abrechnung für den letzten Monat zu machen, war dieser wütende Klingone in der Tür gestanden und hatte sie beschuldigt an dem Mord seines Bruders beteiligt zu sein. Irritiert versuchte sich April zu rechtfertigen und beteuerte ihre Unschuld – jedoch vergebens. Ein Zeuge behauptete sie am Tatort gesehen zu haben und im Laufe der Zeit kam die junge Frau immer mehr zu der Überzeugung, dass ihre Zeit auf Qo’noS wohl hier ein Ende haben würde.

Als sie eines Abends aus einem Hinterhalt von vier Klingonen angegriffen wurde und nur knapp mit dem Leben davon kam, beschloss sie endgültig den klingonischen Heimatplaneten zu verlassen – auch wenn es ihr noch sehr widerstrebte einfach zu fliehen, musste sie sich doch eingestehen, dass der Gegner in der Übermacht war und sie keine reellen Chancen hatte, diesen Konflikt lebend zu überstehen. Zum ersten Mal in ihrem Leben machte sich Angst in ihrem Unterbewusstsein breit.

Und nun saß sie hier und grübelte. Was hatte sie falsch gemacht? Wem war sie nur auf den Fuß getreten? Ihre Finger umklammerten immer noch die Tasse Raktajino die sie sich vor fast zwei Stunden repliziert hatte und langsam begannen ihre Fingergelenke, weiß unter ihrer Haut hervor zu schimmern. Bewusst entspannte sie ihre Hände, ließ die Tasse los und schob sie ein paar Zentimeter von sich weg auf die Steuerkonsole vor ihr.

Minuten lang starrte die junge Frau mit einem griesgrämigen Blick vor sich hin.

„Verdammt...!“ In einem plötzlichen Wutausbruch schlug sie nun mit dem Handrücken gegen das leblose Trinkgefäß und beförderte somit selbiges in ein einem hohen Bogen in Richtung Wand. Mit einem lauten Klirren zerschellte die Tasse an der Plastikverkleidung und ihre Scherben fanden sich in einer zähen Soße am Boden wieder.

Frustriert und genervt ließ sich April in ihren Sessel fallen und schloss für ein paar Sekunden die Augen um wieder zur Ruhe zu kommen. In den meisten Fällen hatte dies bis jetzt auch immer funktioniert – doch nicht heute. Der Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte, schien immer größer zu werden und die Mimik der Halbbajoranerin verriet, wie schwer sie sich tat, sich zu kontrollieren, um nicht alles kurz und klein zu schlagen.

Stille – und das schon seit Tagen. Auf der einen Seite hatte es enorme Vorteile keiner Menschenseele über den Weg zu laufen. Keine wütenden Klingonen, die ihr an den Kragen wollten, wegen einer Sache, für die sich überhaupt nichts konnte, niemand, der auf sie einredete und versuchte sie nach seinen Vorstellungen zu formen, niemand der in ihrem Geist herum tanzte und ihr Kopfschmerzen bereitete.

Tanzen war eigentlich genau der richtige Ausdruck dafür. Fremde Emotionen, die wie vorlaute, kleine Kinder in ihrem Kopf herum hüpften und sich nicht überzeugen lassen wollten, zu verschwinden. Zwar hatte April im Laufe ihres bisherigen Lebens gelernt mit diese sporadisch auftretenden Emotionsfetzen, die sie von anderen Personen empfing, zu leben, doch gab es Zeiten an denen sie ihr väterliches Erbe geradezu verfluchte.

Nicht so heute. Im Moment war es seit Tagen ruhig um sie herum – kein Wunder auch, wenn sie alleine in einem gestohlenem Shuttle durch den Quadranten raste, um ihre Haut zu retten. Und dass sie sich jetzt am Rande eines Asteroidenfeld versteckte änderte auch nichts daran.

Ein schrilles Piepen holte April wieder in die Realität zurück. Mit einem Ruck zog sie sich an die Konsole heran und begann ungeschickt darauf einzutippen. Ein leiser Fluch kam über ihre Lippen, als die Technik nicht sofort so funktionierte, wie sie sollte. Schnell verstummte er jedoch, als sie die Information der Anzeige las, die sich aktiviert hatte und verwandelte sich ein triumphierendes Grinsen als sie sah, dass ihre klingonischen Verfolger wohl ihre Jagd aufgegeben hatten und den Rückzug antraten.

„Na, wenigsten ein mal Glück gehabt!“

Wenige Sekunden später waren die bedrohenden roten Punkte auf der Anzeige verschwunden.

Erleichtert viel die Halbbajoranerin wieder zurück in ihren Stuhl und lehnte erschöpft ihren Kopf an die Lehne.

--- Raider Silver Sun

Yhea winkte ab: "Eigentlich nicht viel, Miss Aillard. Außer dass wir ein fremdes Shuttle gefunden haben, welches wir untersucht haben. Dann wurde dieses Shuttle mitsamt unserer Crew, außer Gorm und mir, mit einem Traktorstrahl in den Asteroiden gezogen. Dabei haben wir leider ein paar unbedeutende Schäden erlitten"

Bei dem Wort unbedeutend warf ihm Gorm einen vielsagenden Blick zu, doch Yhea ließ sich davon nicht beeindrucken.

"Bisher haben wir vom Außenteam noch keine Antwort erhalten, doch wir haben versucht, sie mithilfe eines Morsecodes zu erreichen. Aber entweder empfangen sie ihn nicht, oder sie können ihn nicht entschlüsseln"

Er stockte kurz und musste erst einmal schlucken.

"Oder ... Sie können einfach nicht antworten. Weil ... weil ... vielleicht sind sie tot? Nein, das glaube ich nicht", versuchte Yhea sich wieder zu beruhigen.

"Alex, hast du eine Idee, wie wir runter auf den Planeten kommen? Unsere Transporter sind zerstört, aber mit euren schaffen wir das vielleicht."

Es entstand eine kurze Pause. Anscheinend überlegte Alex, was für Möglichkeiten ihnen blieben. "Also", begann Poulsen, "wenn wir eine Sonde runterschießen, dann dürfte es möglich sein, mit ihrer Hilfe einen sicheren Transportpunkt zu finden. Ich werde das direkt in die Wege leiten. Jetzt ist nur die Frage, wo wir suchen sollen. Wo genau ist denn das Shuttle reingezogen worden?"

Yhea übermittelte ihm die Koordinaten. "Aber pass auf, dass du nicht auch reingezogen wirst. Wir werden dir in einem geringen Abstand folgen"

"Ok", antwortete Alex direkt, "Dann legen wir mal los."

Die Pei Mei beschleunigte und verschwand aus dem Sichtfeld von Alnak. Er aktivierte den Antrieb und folgte Alex wie besprochen. Kurze Zeit später erreichten sie die Koordinaten und Alnak ging mit der Silver Sun in Warteposition. Er konnte erkennen, wie die Pei Mei eine Sonde abschoss, die auf den Asteroiden zuflog und auf die Oberfläche aufschlug, oder besser gesagt, durch sie hindurch ging.

"Ich empfange eine schwache Telemetrie", sagte Alex kurze Zeit später, "Von mir aus können wir uns runter beamen. Wer will?"

Veronica seufzte innerlich, während sie durch eines der Fenster nach unten auf den leblosen Asteroiden schielte. Runterbeamen. Da runter. Wo es mit absoluter Sicherheit keinen Kaffee gab. Na klasse.

"Sie sollten gehen, Alex", wandte sie sich an den Techniker und suchte nach einer Ausrede, "Wenn die da unten Hilfe bei Reparaturen brauchen, können Sie eher helfen als... Was ist das denn?"

Die Offizierin unterbrach sich, und Poulsen folgte ihrem Blick, als sie aus dem Seitenfenster hinaus sah. Ein Shuttle hatte gerade den nächsten Asteroiden umrundet und hielt direkt auf sie zu. Veronica hatte bereits die Hände auf den Konsolen, im aussichtslosen Versuch, das fremde Schiff rechtzeitig auf sie aufmerksam zu machen, bevor sie kollidierten, als es jedoch bereits selbst abbremste.

Etwas irritiert sah sie den Kapriolen zu, die das Shuttle oder sein Pilot da schlug - war das ein klingonisches Begrüßungsritual, von dem sie nichts wusste? - und wechselte einen verwunderten Blick mit Alex. Schließlich kam es zum Stillstand, und bevor einer von ihnen etwas erwidern konnte, wurden sie gerufen.

--- Tkr'Ouar

Nach ein paar Minuten seufzte April Schahrein leise und aktivierte die Langstreckensensoren, um das Asteroidenfeld noch einmal genau unter die Lupe zu nehmen - jedoch mit leidigem Erfolg. Aus einem merkwürdigen Grund war es dem Computer nicht möglich, das Feld vollkommen zu scannen - zu viele Interferenzen beeinflussten das System und nach wenigen Sekunden drohten die Sensoren ganz abzustürzen.

Irritiert überlegte April, was sie nun anstellen würde. Das Feld zu verlassen war ihr eindeutig noch zu gefährlich, aber blind in diesen 'Steinhaufen' rein zu fliegen war auch nicht gerade ansprechend.

'Aber immer noch besser als wieder auf die Klingonen zu stoßen...'

Kurz entschlossen deaktivierte April den leichten Panzer um das Shuttle, um freie Sicht ins All zu haben. Ein leises Surren war zu hören, als die Impulstriebwerke wieder zu arbeiten begannen.

Wenige Sekunden später stand Schweiß auf der Stirn der Halbbajoranerin. Das Fliegen eines Schiffes gehörte absolut nicht zu ihren Qualifikationen und April war eigentlich fast schon damit überfordert einen Autopiloten zu bedienen - mit der Tatsache, dass sie das Shuttle jetzt von Hand steuern musste konnte sie sich nur schwer anfreunden.

Minute um Minute wich sie etlichen Asteroiden aus und hoffte inständig, dass sie diesen konfusen Ort so schnell wie möglich wieder verlassen konnte.

Als sie gerade um einen der Asteroiden herum flog, zuckte sie plötzlich zusammen, als sich dahinter zwei Shuttles zeigten, auf die sie nun schnell zu steuerte. Aus Angst mit ihnen zusammenzustoßen bremste April abrupt ab - was zu ihrem Missfallen zur Folge hatte, dass die seitlichen Stabilisatoren ausfielen, was das Shuttle ins Trudeln geraten ließ und selbiges nun begann sich langsam um die eigene Achse zu drehen.

Fluchend schlug April auf die Navigation ein - von Außen musste sie wohl einen sehr komischen Anblick abliefern.

Nach ein paar Sekunden, in denen sie es zumindest geschafft hatte das Shuttle auf der Stelle zu halten, um nicht einen der fremden Raider zu rammen, aktivierte sich zu Aprils Erleichterung endlich das Notsystem, die Stabilisatoren heulten auf und das Shuttle wurde wieder in seine ursprüngliche Richtung gedreht.

Die Hände der jungen Frau zitterten leicht als sie sämtliche Maschinen abschaltete um jede weiter Bewegung des Schiffes zu vermeiden. Auch wenn sie nicht wusste, was sie von den fremden Shuttles zu erwarten hatte - ein wütender Gegner war ihr im Moment lieber, als noch ein weiteres Trudeln des Schiffes.

"Na, zumindest sind es keine Klingonen...", brummte sie, als sie aus dem Fenster schaute und die beiden Raider betrachtete. Vielleicht funktionierte ja die Kommunikation.

"Das Shuttle Tkr'Ouar ruft einen der beiden Raider! Ich kommen in friedlicher Absicht"

'Mann, hörte sich dass dumm an...', schoss es ihr durch den Kopf.

--- Shuttle Reality

Die Fremde hob abwehrend die Hände: "Warum sollte ich sie dann wieder befreien, das wäre doch ... Nun gut, hören sie: Ich weiß es ist etwas viel verlangt mir jetzt zu vertrauen. Wir kennen uns nicht, sie haben ihr eigenen Probleme und wurden gerade Zeuge wie jemand, zu deren Spezies ich scheinbar gehöre, angegriffen hat. Was ihren verschwundenen Freund angeht bleibe ich bei meiner Behauptung, dass ihr Angreifer dafür verantwortlich ist. Ich versichere ihnen, dass er gefährlich ist, für meine wie für ihre Leute. Der telepathische Kontakt von dem sie sprechen, ist das beste Beispiel dafür, er ist meinen Leuten durch einen Psi-Trick entkommen, und vermutlich hat er ihren Freund auf ähnliche Weise verschwinden lassen"

Sie sah die Menschen nacheinander an. Scheinbar wusste sie nicht, an wen sie sich direkt wenden solle, da sich keiner bisher als Anführer der ganzen Gruppe zu erkennen gegeben hatte.

"Also entweder diskutieren wir hier weiter, oder wir untenehmen etwas. Ich weiß nicht, was Nummer 6, so nennen wir ihn, mit ihrem Kameraden vorhat, aber es wird wohl nichts angenehmes sein. Wenn wir Nummer 6 finden, finden wir auch ihren Vermissten. Es wäre jedoch besser wenn sie sich in kleinere Gruppen aufteilen. Die Gänge sind sowieso zu eng, um mehr als zwei oder drei Leute nebeneinander laufen zu lassen. Ich kann ihnen detaillierte Wegbeschreibungen geben, während ich eine der Gruppen persönlich führen kann. Also was ist?"

Was nun folgte war ersteinmal Stille. Clint vermutete, dass derjenige der die Initiative ergriff, vorerst zum Anführer aller werden könnte. Da er selbst nicht die Ambition hatte dies zu tun, und auf jeden Fall vermeiden wollte, dass der Ferengi, oder noch schlimmer Ysara, die Führung übernahm, gab er dem neben ihm stehen Holländer unauffällig einen Ellbogenstoß in die Rippen.

"Ähh, das entspricht recht genau meiner vorherigen Äußerung", antwortete Ruben schnell, um weiteren Stößen des Wissenschaftlers zu entgehen. Gleichzeitig starrte er Clint von der Seite mit einem Blick an, der diesem hoffentlich klarmachte, dass er sich sowas in Zukunft sparen konnte.

Wie zu erwarten reagierte der Halbbreen nicht und tat im Gegenteil so, als bestehe der Niederländer nur aus Luft, durch die er hindurchsehen konnte. Mit kribbelndem Händen winkte Ruben ab, es hatte wahrscheinlich eh keinen Sinn.

"Dann werde ich wohl die andere Gruppe führen", fügte der Sicherheitler noch hinzu, auch wenn er eigentlich keinen der Anwesenden gerne hinter seinem Rücken haben wollte, "Chedu, Sie haben ja Ihre Befehle"

Grimmig bestätigte die Klingonin dies mit einem durchdringenden Blick, ließ sich aber nicht zu einer verbalen Äußerung hinab. Vielleicht missfiel ihr die Vorstellung, dass die anderen Spaß, denn nichts anderes würde eine Treibjagd für Klingonen wohl sein, hatten, während sie im Shuttle einen kaputten Sender reparieren durfte.

Sems nickte stumm und schaute sich dann um. Wen konnte er denn mitholen? Narbo, Ysara, ... tja und er selbst. Der Rest würde hier im Shuttle bleiben, um zum einen einen sicheren Rückkehrpunkt zu gewährleisten und zum anderen konnten sie dann dieser Klingonin auf die Finger schauen. Zwar konnte sie nicht mehr viel kaputt machen, bei den Schäden, doch man sollte immer auf Nummer sicher gehen. Und vielleicht versuchte sie ja sogar, eine Bombe hier einzubauen? Nein, das wahrscheinlich nicht. Trotzdem, Vertrauen ist gut, doch Kontrolle war schon immer besser. Apropos Kontrolle ... Wie sollte er bloß O'Connor diese Sache hier mit seinem Shuttle erklären? Schnell wischte Sems diesen Gedanken wieder weg. Er hatte jetzt keine Zeit, um sich um solche unwichtigen Dinge zu kümmern. Stattdessen flüsterte er Pormas seine Befehle zu, die dieser diesmal sogar anzunehmen schien, sagte ihm noch, er solle auf den Rest aufpassen und schritt dann mit Narbo und Ysara im Schlepptau zu Fanjil.

"So, unser Team ist auch bereit", sagte Sems zu Fanjil gerichtet, während er den immer noch sehr nervösen Wagenvoort beobachtete. "Jetzt geht es nur darum, wo wir anfangen zu suchen und vor allem, wonach wir suchen."

Aufmerksam hatte Narbo das Gespräch beobachtet. Diese andere Crew bestand nur aus Luschen und hätte er die Möglichkeit gehabt, würde zumindest dieser Wissenschaftler jetzt auf dem Boden liegen und verblutet sein. Aber dummerweise hatte der schlitzäugige Terraner kurz vor seinem Verschwinden noch eingegriffen.

"Klären und Säubern der ganzen Basis. Jeden, den wir nicht kennen, müssen wir für einen Feind halten, außer Fanjil gibt uns eine Beschreibung ihrer Kollegen, damit wir nicht - zufällig - den falschen Alien töten", griff er mit ferengischem Grinsen in das Gespräch ein und der Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass es ihm im Grunde egal war, wie viele Leichen die Gänge verzieren würden, solange sie eine Möglichkeit zur Flucht fanden.

Und er war sich ziemlich sicher, dass zumindest Ysara dies genauso sah.

--- Raider Pei Mei

Veronica grinste ein wenig ob der merkwürdigen Begrüßung. Ein Blick auf die Konsole vor ihr verriet, dass die Übertragung nicht übersetzt wurde, also nicht auf klingonisch durchkam. Offenbar hatten sie einen eher ungewöhnlichen Gast.

Auf der Venture meist an der Kommunikation im Einsatz, kam die junge Frau nicht auf die Idee, auf eine Reaktion Yheas zu warten, und antwortete selbst. Ohnehin fiel ihr gerade auf, dass sie theoretisch die einzige Kommandooffizierin hier und somit am ranghöchsten war. Die Freude über diese Entdeckung verging ihr allerdings, als sie sich daran erinnerte, dass Ränge auf der Venture eigentlich niemanden interessierten.

Sie dachte noch daran, einen Kanal an die Silver Sun zu öffnen, damit Yhea das Gespräch mithören konnte.

"Hier ist die Pei Mei, Raider des freien Schiffes Venture. Womit können wir Ihnen helfen?", konnte sie sich nicht verkneifen, etwas salopp auf die Anfrage zu antworten. Wenn es Klingonen waren, würden sie so oder so unfreundlich reagieren.


Stardust Atlantis