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Crossover 30 - Besuch vom Al'jiman

(Atlantis 35, Venture 59)

--- Atlantis, Quartier 182

Ihren Disruptor im Quartier zurückzulassen, fiel Inara ausgesprochen schwer. Daheim auf den Schiffen des Al'jiman liefen sie immer voll bewaffnet herum, weil sie mehr als einmal überraschend von Trill-Militär angegriffen worden waren und keine Zeit gehabt hatten, sich zu bewaffnen, bevor sie geentert wurden. Und dieser Disruptor war wie ihr verlängerter Arm: keine besondere Waffe, ein ausgedientes klingonisches Modell, aber dafür eine, die sie seit Jahren benutzte und die sie nie im Stich gelassen hatte.

Aber auf ihrem Weg ins Quartier hatte sie niemanden gesehen, der besonders bewaffnet war, also hatte sie eine Ahnung, dass es vielleicht nicht zum guten Ton gehören würde. Also beließ sie es bei einem Phaser und ihren diversen gut sichtbaren Messern am Waffengürtel.

--- Gänge

Dem Computer zufolge befand der Captain sich in der Trainingshalle. Inaras Symbiont hatte sich wieder beruhigt und gab ihr keine Informationen darüber, wo sie die Halle finden würde, also hielt sie sich an die Anweisungen des Computers.

Sie begegnete Crewmitgliedern, die sie mit einem Nicken grüßten. Es war sehr verstörend. Immerhin kannte sie diese Leute nicht.

Es würde Zeit, dass O'Connor ihr ein paar Bäume gab, um die sie sich kümmern konnte. Mit Bäumen kannte sie sich besser aus.

--- Trainingshalle, Ecke

Im Eingang stand ein Kerl und versperrte ihr effektiv den Weg; als Inara ihn passierte, rempelte sie ihn notgedrungen an, ignorierte ihn aber sofort wieder, weil sie O'Connor entdeckt hatte, zu dem sie hinüber ging.

"Capt'n", grüßte sie und kam neben ihm zum Stehen. "Was ist denn hier los?"

Kai wollte sich gerade über die Rempelei beschweren, als er von hinten einen ganzen Trupp Sicherheitler anmarschieren sah. Scheinbar hieß auf diesem Schiff "In 15 Minuten" auch exakt dieses. Nicht ungewöhnlich, aber dass das scheinbar so gründlich von allen eingehalten wurde erstaunte ihn schon, blieb die Traube Sicherheitler doch tatsächlich vor der Tür im Gang stehen.

Leise seufzend gesellte sich Kai einfach zum Captain und der Trill dazu. Wenn hier noch irgendwann Aufstellung bezogen wurde, konnte er sich immer noch einordnen. Solange konnte es nicht schaden sich nah beim Captain zu halten und vor allem nicht im Weg rum zu stehen.

--- Schiffsbar, Nische

"Bei der Vorzimmerdame wird aber vorher Rücksprache gehalten!", ging Llewella auf den Schalk des Griechen ein. "Wenn sie ist wie Schwester Entenburg, kannst Du sie vielleicht haben."

Das Funkeln in den Augen der Schottin wich nicht, als sie etwas weniger schalkhaft meinte: "Schüchter' den armen Burschen nicht gleich zu sehr ein... Hisaki wird schon seine Gründe haben, wie ich ihn einschätze..."

Wieder nippte die Ärztin an ihrem Scotch. Er war wirklich nicht schlecht.

"Auch wenn ich dich jetzt nur ungern gehen lasse..."

Pormas seufzte schwer, "Glaub ja nicht, dass ich gerne gehen will..." Traurig schaute er der Ärztin noch einmal tief in die Augen, bevor er sich zu ihr vorbeugte.

"Hisaki hat leider immer seine Gründe, so verworren sie auch manchmal sind...", flüsterte der Südländer ihr zu, "und ich kann aus Erfahrung sagen, das es keinen Spaß macht, mit jemandem zu diskutieren, der aus Gewohnheit Recht hat... er könnte glatt eine Frau sein..."

Lachend fing er Llewellas Hand ab und zog sie an sich heran, bis ihre Lippen sich trafen. Die Empörung der Ärztin wandelte sich zu einem leidenschaftlichen Kuss, dem sich der Sicherheitschef gerne stellte.

Pormas spürte, wie erneutes Verlangen in ihm aufstieg und seine Hand suchte den Weg unter ihr Shirt.

Llewellas Rücken spannte sich an, als die Hand des Griechen aufwärts zu wandern begann. "Nay ... nicht hier...", stieß sie hervor und hielt Pormas‘ Arm fest.

Enttäuscht blickte er ihr ins Gesicht. "Außerdem solltest du O'Connor nicht warten lassen. Wenn er dich schon endlich zum Sicherheitschef ernennt...", sie küsste ihn kurz auf die Wange. "Ich lauf Dir ja nicht weg", fügte sie mit einem Lächeln hinzu.

"Na gut", brummte der Südländer und stand auf. Noch einmal beugte er sich über die Schottin und küsste sie aufs Haar. Dann wandte er sich um und verließ die Bar.

Mit einem versonnenen Lächeln starrte Llewella noch auf die Türe, die sich hinter Pormas geschlossen hatte. Es war schon merkwürdig, welche Wege das Schicksal manchmal ging. Hätte ihr damals, zu Beginn jener denkwürdigen Rettungsmission auf der Ivory, irgendjemand gesagt, dass sie sich einmal in diesen überheblichen, muskelbepackten Größenwahnsinnigen verlieben würde - sie wäre in schallendes Gelächter ausgebrochen. Oder hätte denjenigen gefragt, ob er etwas geraucht hätte...

Aber im Laufe der Jahre war Freundschaft entstanden und je mehr sie über den Griechen erfuhr, desto mehr hatte sie ihn gemocht. Es schien nur konsequent, dass aus Freundschaft mehr wurde...

Ihr knurrender Magen weckte die Ärztin aus ihren Gedanken. Sie blickte sich in der gut besuchten Bar um. Wie viele der Besucher unterhielten sich wohl über die kleine Szene, derer sie Zeuge geworden waren? Llewella wollte es gar nicht wissen...

Sie rief einen Kellner an ihren Tisch, der mit einem seltsamen Gesichtsausdruck auftauchte. Als fürchtete er sich, ihre Bestellung aufzunehmen. Als er sah, dass die Schottin alleine war, schien er aber aufzuatmen. Wieder einmal fragte sich Llewella schmunzelnd, was Pormas dem Barkeeper angedroht hatte.

Sie gab ihre Bestellung auf. Als der Kellner wieder verschwunden war, nahm die Schottin plötzlich Sternenlichts Stimme wahr, die ein altes terranisches Lied sang. Sie hatte es ihn schon einmal singen hören, erinnerte sich jedoch nicht an den Titel.

Ein paar Augenblicke genoss sie die volltönende Stimme des Sivaoaners. Kurz entschlossen stand sie dann auf und ging ein paar Schritte in die Bar hinein. Sie erblickte einen freien Tisch in der Nähe des Katzenwesens am Piano, schritt dort hin und setzte sich. Vielleicht hätte er ja Lust, sich zu ihr zu setzen, wenn er fertig gesungen hätte...

--- Trainingshalle, Ecke

Julian warf einen kurzen Blick auf die eintreffenden Sicherheitler und auf Kai, bevor er sich Inara zuwandte.

"Es gibt für die Sicherheit ein paar zu berichtende Dinge und ich fand es einfacher und auch besser, sie alle zusammen zu rufen, anstatt das Ganze unpersönlich über die Sprechanlage zu machen. Wenn Sie möchten, können Sie gerne daran teilnehmen, dann kann ich Sie gleich vorstellen."

"Ich? In der Sicherheit?" Überrascht wandte Inara den Kopf von den Sicherheitlern ab und wandte sich zum Captain um. "Natürlich, können wir machen. Ich hatte nur bisher den Eindruck, dass Sie mir Ihr Arboretum überlassen würden, Captain. Unser... gemeinsamer Freund" Sie warf Victor einen kurzen Blick zu. "sagte mir, dass Sie ein Arboretum haben, um das sich niemand kümmert.

Ich kann auch schießen", fügte sie mit einem fiesen Grinsen hinzu. "Ich kann sogar ziemlich gut schießen." Sie zuckte mit den Schultern. "Aber eigentlich bin ich Botanikerin."

Inara war es gewohnt, dass ihre Gesprächspartner sie auf diese Behauptung hin ungläubig ansahen. Sie verstand nicht, warum sie das taten, aber sie schätzte, dass sie vielleicht aus irgendeinem Grund nicht wie eine Botanikerin aussah.

Vielleicht sollte sie sich einen terranischen Strohhut zulegen.

--- Venture, Holodeck 1, irgendein Hafen

Wäre die Situation für Chris nicht schon schlimm, der plötzliche Ausbruch der Frau hätte ihn schon verärgert. Aber in diesem Moment nahm er es einfach gelassen hin, etwas stimmte hier nicht und egal was sie dachte, es hatte eindeutig nichts mit seinem Programm zu tun, er wusste was er tat.

Und in solchen Dingen war Carter äußerst geschickt und es gab kaum jemanden, der ihm darin etwas vormachen konnte. Aber so wie es sich jetzt darstellte, konnte er wirklich jede Hilfe gebrauchen. Bereitwillig händigte er das PADD aus.

"Sie werden keinen Fehler in meiner Arbeit finden", versicherte nachdrücklich. "Ich habe alles bis ins Kleinste kontrolliert und ausgearbeitet, das hier..." Chris machte eine alles umfassende Handbewegung: "Kann ich mir wirklich nicht erklären."

Neugierig ließ die junge Technikerin ihren Geist in den Code des Programms eintauchen.

Immer wieder fand sie es faszinierend zu sehen, wie die Programmierung eines Holoromans sich doch von der unterschied, die direkt einen Vorgang steuern sollte. Der Code für ein Holoprogramm war dazu gemacht ansehnlich zu sein. Schön, geradlinig, leicht zu bearbeiten und zu merken. Nicht, dass es nicht eine Herausforderung wäre ihn zu lernen und mit ihm zurecht zu kommen, aber mit der Programmierung für beispielsweise einen Replikator war es nicht zu vergleichen. Hier zählte nur die Funktion - es würde sich im Nachhinein niemand mehr Gedanken darüber machen ob der Code "schön" geformt war.

Und noch etwas fiel Jean nach einigen Augenblicken auf. Es gab zahlreiche Möglichkeiten, auf bequeme Art und Weise ein Holoprogramm zusammen zu bauen - eine davon war, den Computer schlichtweg zu sagen, wie man seine Welt denn gerne hätte. 'Ein bisschen mehr Gelb für die Sonne; das Wasser soll ein wenig blauer sein ...'

Der Terraner schien diese Art nicht verwendet zu haben. Die Technikerin glaubte zu sehen, dass er sich wirklich mit dem Programmcode auseinander gesetzt hatte - eindeutig mit Erfolg, was sich in der Qualität des Ergebnisses zeigte.

"Moment mal ...", murmelte Jean nach einigen Minuten. Mit einer nachdenklichen Bewegung fuhr sie sich durch ihr kurzes Haar und legte den Kopf leicht auf die Seite.

Sie hatte einen Absatz erreicht der so gar nicht in den Programmfluss passen wollte. Es war nur eine kleine Veränderung, die aber nicht den Anschein machte, als würde sie zu dem Holoroman gehören. Und irgendwo hatte die Trill diesen Code auch schon mal gesehen.

"Sagen Sie - wann haben Sie dieses Programm geschrieben?"

--- Holodeck 1, Kaimauer

Da David keine Ahnung vom Programmieren eines Holoromans hatte, wurde ihm bei dem Gespräch schnell langweilig. Er ging einen Schritt zur erstarrten Kanonenkugel und betrachtete diese. Ihm kam eine Idee, bei welcher er unweigerlich grinsen musste. Mit beiden Händen umfasste er die Kugel und drehte sie um genau 180° um ihre eigene Achse, so dass sie im Wasser landen musste, sobald das Programm weiterlief.

Er sah noch eine Kugel in der Luft und machte sich auf den Weg, sie auch abzulenken. Als er einige Schritte die Mauer entlang gegangen war erkannte er einige Beiboote mit bewaffneten Männern im Wasser. Schnell schritt er zur nächsten Kugel und klemmte sie sich unter den Arm.

"Computer! Wasser begehbar machen." Trotz der akustischen Bestätigung seines Befehls tastete er sich mit seinem linken Fuß erst vorsichtig ans Wasser heran, bevor er all seinen Mut zusammennahm und aufs Wasser sprang. Natürlich versank er nicht.

Er ging zu dem Vordersten der Boote und platzierte die Kanonenkugel daneben, so dass sie es einmal durchdringen würde.

Gemütlich joggte er zurück zu Xen und Carter. "Von mir aus können wir!" sagte er über beide Ohren grinsend.

--- Holodeck 1, irgend ein Hafen

Jean blickte von Chris zu David hinüber, der sie gerade angrinste wie ein Honigkuchenpferd. Erst jetzt bemerkte sie, dass die Kanonenkugel, die sie vorher beinahe getroffen hätte nun auf seltsame Weise verschwunden war. Wohin konnte sie all dem Durcheinander nicht sagen.

"David, gerne - aber an dem Programm hier ist was faul.", antwortete sie dem Terraner. "Ich hab das Gefühl, dass sich hier ein Code eingeschlichen hat, der vielleicht noch von unseren Attentäter stammen könnte, die es auf Theocrates abgesehen hatten."

Eine kurze Pause entstand, in der David sie weiter mit seinem fragenden Blick fixierte, als würde er noch eine weitere Erklärung erwarten.

"Ich hab das beim Wiederherstellen der Daten auf der Atlantis schon mal gesehen ..."

Chris wurde sofort aufmerksam, das gefiel dem Sicherheitler nicht und er konnte es sich auch nicht erklären. Er trat näher an Xen heran, so dass er ebenfalls auf das PADD sehen konnte. Der Code stammte eindeutig nicht von ihm, so viel stand fest.

Nicht dass es Carters Situation verbessert hätte, wenn dieser Code etwas mit den Geschehnissen auf der Venture zu tun hatte und vielleicht auch noch auf der Atlantis, dann würde es bedeuten 'Dass ich verdächtig bin', schoss es dem Mann durch den Kopf und er fühlte, wie sich sein Magen zusammen zog. Das konnte ihm eine Menge Probleme bereiten.

Ungläubig betrachtete er den unbekannten Code, David war für den Moment vergessen. 'Wie konnte das denn nur passieren?', darauf fand Chris keine Antwort, außerdem war es auch nicht logisch, er trug das PADD eigentlich ständig bei sich, nutzte es nur für seine Romane und er übertrug auch keine Dateien, außer wenn es darum ging die Holomatrix zu füttern.

'Und wenn das PADD infiziert war und ich es jetzt in den Computer der Venture habe gelangen lassen?', überlegte Chris fieberhaft und bekam es langsam mit der Angst zu tun, das konnte eine Katastrophe werden. Und er war irgendwie dafür verantwortlich, wenn Carter auch keine Ahnung hatte wie.

"Der ist nicht von mir", brachte er schließlich mühsam hervor und schwieg dann erneut, holte tief Luft. 'Ich sollte ihnen meine Befürchtungen mitteilen‘, doch er brachte kein weiteres Wort heraus, zu sehr hatten ihn seine eigenen Gedanken aus der Ruhe gebracht.

Jean und Carters Unruhe übertrug sich direkt auch auf David.

"Computer. Konsole."

Sofort erschien neben der Gruppe ein Teil der Wand mit der Computerkonsole.

"Finden wir es heraus.", sagte David und machte eine einladende Geste. "Aber warum zum Teufel sollten die Attentäter einen Holoroman umschreiben. Wenn sie das System mit einen Virus hätten infizieren wollen, hätten sie den Code auch so integrieren können, dass wir gar nichts merken, oder?"

--- "zum tanzenden Liebesdiener", Tisch 12

Gelassen ließ die Lakota sich einen dieser hawaiianischen Blumenkränze umhängen. Es gefiel ihr zwar nicht, aber dennoch war es das kleinere von zwei Übeln. Auf Diskussionen mit dem Mann hatte sie nämlich keine Lust.

Auch Forge bekam einen Kranz ungehängt, was er mit einem Lächeln quittierte. Dann zogen der Kellner und sein "Aloha" weiter.

Mit einem leisen Lächeln dachte Celia an die Abhandlungen, die sie über Hawaii und seine Bevölkerung gelesen hatte. Hochinteressant war die Sprache der Hawaiianer. Vor allem die Bezeichnung eines hawaiianischen Fisches regte sie immer wieder zum Lachen an. Er war ziemlich klein - aber trug den hochtrabenden Namen "Humuhumunukunukuapua'a"... Da musste man ziemlich lange üben, bis man ihn fehlerfrei über die Lippen brachte...

Solcherart in bessere Laune versetzt, schaffte es Celia, ihr Gespräch mit Forge ruhig fortzusetzen.

"Eine kleine Aufmerksamkeit wäre bestimmt nicht verwerflich. Ich habe nur leider das Gefühl, dass Sie etwas anderes im Sinn haben...."

Erfreut, dass die Stimmung der Lakota scheinbar wieder besser zu werden schien (wer würde das nicht mit einem Blumenkranz?), antwortete Jan ihr mit einem ehrlichen Lächeln, "Wissen Sie, es ist ja nicht so, als ob ich Jemandem zu seinem Glück zwingen würde. Eine Aufmerksamkeit ist die eine Sache, aber ob etwas 'mehr' daraus wird liegt ja nicht allein in meiner Hand, oder?"

Freudig sah er, wie Renold den Mai Tai zu Jordan brachte, als er fortfuhr zu Celia zu sprechen, bewusst nicht zum Tisch der Ärztin blickend, "Man kann es auch als Aufmerksamkeit betrachten, wenn ich ihnen sage, dass der Blütenkranz ganz bezaubernd zu ihrem sympathischen Lächeln passt...", 'Wenn sie mir eins zuwirft, was leider selten genug ist', ergänzte er für sich, "aber deswegen sind Sie mir in keinster Weise verpflichtet, so wahr es auch ist, was ich sage..."

'Süßholzraspler', dachte Celia. Natürlich hörte auch die Lakota gerne Komplimente, aber bei Forge hörten sie sich einfach oft  abgedroschen an, als würde er sie wahllos zu jeder Frau sagen.

Aber, um fair zu bleiben - es lag durchaus Wahrheit in seinen Worten. Wenn die Ärztin nicht auf die Nachricht eingehen würde, wäre ja kein Schaden angerichtet.

Wobei natürlich die Frage war, ob ihr klar war, wer der Absender der Nachricht war...

"Da haben Sie auch wieder Recht", sprach Celia ihre Gedanken laut aus.

Freundlich lächelte Jan seiner Chefin zu. Die Lakota schien zwar ihre Vorbehalte gegen seine Person weiter aufrecht zu halten, aber der erste Riss im Panzer war zu sehen.

Genüsslich trank er von seinem eintreffenden Cocktail und beobachtete aus den Augenwinkeln die sichtlich verunsicherte Chefärztin. In Sachen Schüchternheit schien sie im Augenblick selbst dem Holländer neben ihr etwas vorzumachen.

--- "zum tanzenden Liebesdiener", Tisch 14

"Oh"

Ruben wusste einen Moment nicht genau, was er sagen sollte. Der Frau schien der Zettel sichtlich unangenehm zu sein. Ihre Augen blieben auf den Niederländer fixiert, die Lippen waren fest zusammengepresst, als ob sie innerlich mit sich selbst kämpfte.

"Aber das ist doch schön, wenn man gelobt wird. Ihre Heilkünste sind ja keine Selbstverständlichkeit", meinte er noch und versuchte, etwas aufmunternd zu klingen.

"Haben Sie sich schon etwas zu trinken ausgesucht? Diese Cocktails sollen ja hervorragend schmecken, leider bin ich gegen ähh Ananas und Kokos allergisch. Aber das wissen Sie ja."

Jordan versuchte noch, sich wieder zusammenzureißen, als der Kellner wieder auftauchte und einen reich mit Schirmchen geschmückten Cocktail vor ihr abstellte. Das Glas schillerte in verschiedenen Farben und war mit allerlei Früchten behängt. Dieses Getränk und Jordan Kincaid hatten noch nie zuvor im selben Satz existiert.

Die Ärztin lächelte gezwungen. "Sieht danach aus, als sei mir die Entscheidung abgenommen worden", erwiderte sie angespannt und schob den Cocktail mit spitzen Fingern näher. Sie räusperte sich. "Es war eine wirklich schwere Krankheit", murmelte sie. Sie traute sich nicht, den Niederländer anzusehen.

Zaghaft nippte sie an ihrem Cocktail. Als sie eine Sekunde später wider Erwarten nicht tot umgefallen war, trank sie noch einen Schluck. Er schmeckte zugegebenermaßen nicht schlecht.

Leider hatte sie seit ihrer Zeit auf der Akademie keinen Alkohol getrunken.

Allerdings konnte sie ihn gerade jetzt wirklich brauchen. Ein angenehmes nebliges Gefühl machte sich fast sofort in ihrem Kopf breit, und ihre Nerven entspannten sich wieder etwas.

"Sagen Sie", wandte sie sich wieder an Wagenvoort, der mittlerweile seine Bestellung aufgegeben hatte. "Sind Ihre Allergien je behandelt worden? Ihre genetische Prädisposition macht es ja leider unmöglich, sie alle zu behandeln, doch es wäre einen Versuch wert, selektiv mit einer Immunbehandlung gegen einige Gruppen von Allergien vorzugehen. Wenn Sie das interessiert, können wir vielleicht etwas entwickeln."

Was interessierte es sie, ob ihr ein Crewmitglied einen albernen Streich gespielt hatte? Also saß hier irgendwo jemand und lachte über ihre schockierte Reaktion. Na und? Es war nur ein harmloser Witz. Sie würde gute Miene zum bösen Spiel machen.

Außerdem schmeckte ihr der Mai Tai mit jedem Schluck besser.

Die Ärztin entspannte sich sichtlich, was den Niederländer beruhigte.

Er selbst war fast immer verspannt und vorsichtig, seine psychologische Akte sprach gar vom Vorliegen der Teilsymptomatik einer "ängstlichen Persönlichkeitsstörung".

Aber er beschäftigte sich auch viel lieber mit seinen umfangreichen körperlichen Leiden, was die Ärztin zu einer idealen Gesprächspartnerin machte.

"Oh, das hört sich sehr interessant an!"

Dann überlegte er einen Moment, fügte dann ratlos hinzu:

"Ähh, bloß müsste ich mich dann für eine Gruppe von Allergien entscheiden. Gar nicht so einfach, es sind so viele. Und sie sind so launisch"

Was noch untertrieben war: Mal waren sie da, mal nicht, aber zu packen waren sie nie. Wie diese frechen Nachbarskinder, die ihn in seiner Jugend ständig verprügelt und gehänselt hatten.

Wegen seinen Haaren, seiner blassen Haut, seiner unreinen Haut, den ständig geröteten Augen, der krummen Körperhaltung, den eingefallenen Wangen...

Die Liste war endlos.

Irgendwann hatte er es nach außen hin akzeptiert.

Und dann in einem Anfall von brennender Wut heimlich Geld von den prall gefüllten Konten seiner Eltern abgehoben, damit ein paar willige Schläger engagiert, die den Quälgeistern in einem dunklen Keller genüsslich mit Duraniumstangen jeden verdammten Knochen in ihren Körpern zertrümmert hatten, bis diese Maden nur noch Blut erbrechen konnten...

Naja, zumindest hatte er sich das manchmal nachts im Bett vorgestellt, wenn er kurz vorm Heulen war. Wut war besser als Verzweiflung.

Und es hatte geholfen.

Davon stand glücklicherweise nichts in seiner psychologischen Akte.

"Wie schmeckt denn eigentlich Ihr Cocktail?"

Jordan war ziemlich sicher, dass Ethanol nicht so furchtbar bei ihr einschlagen sollte, wie dieser Mai Tai es tat. Das Glas war noch dreiviertelvoll, aber bereits jetzt lag ihr Kopf in einem angenehmen Nebel. Das war bestimmt nicht normal.

Geistesabwesend trank sie noch einen Schluck.

"Er schmeckt sehr gut", erwiderte sie mit Grabesmiene. "Ich habe noch nie einen Mai Tai getrunken, und er schmeckt sehr gut. Ich sollte öfter einen trinken. Und was Ihre Allergien angeht" Sie winkte fahrig mit einem grünen Schirmchen, das in ihrem Glas gesteckt hatte. "würde ich erst analysieren müssen, welche Methoden infrage kommen und auf welche Allergien wir sie anwenden können. Von da aus sehen wir weiter. Aber ich bin sicher, dass es funktioniert. Fast all meine Ideen funktionieren."

Sie blinzelte ein paar Mal. Irgendwie schwankte die Bar. "Früher in der Sternenflotte", fügte sie hinzu. "war ich eine angesehene medizinische Forscherin. Nicht so wie hier. Hier weiß niemand meine Arbeit zu schätzen." Düster schaute sie den Mai Tai an. "Ich bekomme nicht einmal Mai Tais spendiert, wenn ich jemanden rette. Nur dumme Streiche."

Die Bar drehte sich zunehmend schneller. So ähnlich wie ein Schiff. Aber he, sie war ja auch auf einem Schiff, oder nicht? Vielleicht drehten sie sich um eine Sonne. Oder sie drehten sich um die Sonne, und es war eine Sinnestäuschung der... der...

Ruckartig stand Jordan auf. Sie taumelte. Sie hatte das dumpfe Gefühl, dass sie sich schnurstracks auf den Weg in die Krankenstation machen sollte.

"Entschuldigen Sie mich", murmelte sie. "Ich sollte..."

Dann wurde alles schwarz.

Ruben hatte lieber geschwiegen, als der Alkohol die Bitterkeit in Jordans Worten freigelegt hatte. Er wusste, dass ihre Vergangenheit ebenso wie seine eigene teils grotesk verfremdet Gesprächsthema auf den unteren Decks war.

Aber ihr Wissen war trotz dieser Vergangenheit notwendig und selbst diejenigen, die sie hinter vorgehaltener Hand ein "eiskaltes Monster" nannten, griffen im Notfall murrend darauf zurück.

'Vielleicht sollten wir besser gehen und sie sich etwas Ruhe gönnen', überlegte der Niederländer noch, als Jordan genauso schnell zusammenbrach, wie sie einen Augenblick vorher aufgestanden war.

Einen quälenden Moment zögerte Ruben, doch dann sprang er von seinem Stuhl auf und kniete sich neben der Ärztin nieder.

"Jordan, können Sie mich hören?!", fragte er so laut wie sein Selbstbewusstsein hergab, aber selbst jetzt, wo er versuchte souverän zu bleiben, bemerkte er wie sich Panik in seine Stimme schlich.

'Mach was!' Innerlich herrschte er sich selbst an, als die Ärztin wie zu erwarten nicht antwortete. Dann fiel ihm Zeile für Zeile wieder ein, was er bei seinen nächtelangen Recherchen in der medizinischen Datenbank aufgesogen hatte wie ein Schwamm.

"Bewusstsein, Atmung, Kreislauf...", murmelte er zur eigenen Beruhigung vor sich hin. Es war gut, den Ablauf vor Augen zu behalten, während er ihren Hals vorsichtig überstreckte und seine Hand auf ihren Brustkorb legte.

Erleichtert merkte er, wie sich dieser langsam auf und ab bewegte.

Im selben Moment traf Jan Forge neben ihm ein.

Forge war sofort aufgesprungen, als er sah, wie Jordan fiel. Seine vorigen Gedanken waren wie fortgespült, sein Grundkurs Medizin schlug durch. Hatte sie etwa eine Allergie gegen echten Alkohol? Die Gedanken des Risianers rasten, als er mit schnellen Schritten zur Ärztin geeilt war.

Der Risianer kniete sich auf die andere Seite der Ärztin und begann mit einer Hand nach dem Puls der Ärztin an ihrem Hals zu tasten. Da zahlte es sich wenigstens aus, dass er manchmal kontrollierte wie sehr es den Frauen mit ihm gefiel. Der Herzschlag log schließlich nicht.

Leider war der Pulsschlag erschreckend niedrig und unregelmäßig, trotz der regelmäßigen Atmung.

Vorsichtig umfasste er ihren Hinterkopf und fühlte Feuchtigkeit. "Verdammt!", entfuhr es ihm, "Forge an Krankensta...", mit einem leicht bestürzten Blick stellte er fest, dass die medizinische Kompetenz des Schiffes in seinen Armen lag.

"Forge an Transporterraum eins. Medizinischer Notfalltransport auf die Krankenstation der Atlantis. Zwei Personen zum Beamen auf mein Kommunikatorsignal.", rief er den bis jetzt zweifelsfrei arbeitlosen Chief an, während er mit einer Hand den Holländer zur Seite stupste.

Mit einem schnellen Blick zu Celia rief er ihr noch zu, "Sagen sie dort, wem auch immer Bescheid, wir brauchen einen richtigen Arzt!", bevor er sich mit einem entschuldigendem Blick Ruben zuwandte:

"Wenn hier was faul an der Sache ist brauchen wir Sie hier...", mit diesen Worten entmaterialisierte er sich zusammen mit Jordan.

--- Holodeck 1, irgendein Hafen

Jean blickte kurz von Carters PADD auf und betrachtete das Profil des Terraners. Er schien sich das Ganze ziemlich zu Herzen zu nehmen und für einen Augenblick überlegte die Trill, ob sie den Menschen noch ein bisschen zappeln lassen sollte. Vielleicht konnte sie ihm ja ein bisschen was von seinem Perfektionismus austreiben.

Doch andererseits kannte sie den Mann erst seit ein paar Minuten...

Die Technikerin überflog kurz das Programm, das in den Puffern des Holoemitters geladen war.

"Ich glaube Ihnen, dass der Code nicht von Ihnen war.", meinte sie nach einigen Momenten und dem Gesicht des Sicherheitlers war eindeutig so etwas wie Erleichterung anzusehen.

"Ich kann den Code soweit entfernen, dass wir den Roman weiter laufen lassen können ohne von irgendwelchen Kugeln erschlagen zu werden."

Mit einigen flinken Eingaben modifizierte Jean das Programm, allerdings ohne weiter darauf einzugehen, wie sie den weiterführenden, definitiv schadhaften Code aus dem Kern der Venture entfernte. Die Tatsache, dass sie auf das Computersystem eigentlich keine Zugriffsrechte hatte, mussten die beiden Männer ja nicht erfahren.

"Sie können ja Ihr Programm bei Gelegenheit noch mal überarbeiten, wenn Ihnen die kleine Schlacht hier nicht gefällt ...", sagte sie dann schelmisch und drückte dem Sicherheitler sein PADD wieder in die Hand.

"Computer - Programm fortsetzen."

--- Holodeck 1, ein Beiboot

Wichmann stieß sich aus der Räuberleiter des Bootsmanns ab, als er die Oberkante der Kaimauer mit seinen Händen erreicht hatte und zog sich mühelos ein Stück hoch.

Er war Freibeuter, durch besten Rum und russisches Bärenfleisch gestärkt, ein kleiner Wall wie dieser konnte ihn nicht schrecken!

Im selben Moment hörte er einen schmerzverzerrten Schrei hinter sich und das Knacken zerberstenden Planken. Entsetzt schaute er zurück, um gerade noch mitzubekommen, wie ein junger Maat sich die Reste seines zerfetzten Beines hielt.

Von dem Beiboot war nicht viel übrig geblieben, ein riesiges Loch zog sich von einer Seite zur anderen und das einströmende Wasser ließ das Wrack wie einen alten Seelenverkäufer im stürmischen Skagerrak untergehen.

Schnell blickte er sich um, doch er konnte nirgends eine Kanone entdecken. Und von der "Stolz von Vivesholm" hatte die Kugel nicht kommen können.

Welch düsteren Mächte hatten hier ihre Hände im Spiel?

--- Holodeck 1, irgendein Hafen

Chris hatte das PADD in Empfang genommen und blickte es immer noch ungläubig an. Wenigstens hielt man ihn nicht für schuldig, jedenfalls Xen schien es nicht zu tun, wie es weiter gehen würde, vermochte er im Moment nicht zu sagen. Gut möglich, dass der Captain seine Schuld ganz anders beurteilen würde.

Chris wandte sich um, betrachtete das Treiben um ihn her. Das Programm war immer noch nicht so, wie er es gerne hätte. Er hatte eine ruhige Szene geschaffen, ihm ging es um das Leben der damaligen Zeit, nun fand er sich in einem Angriff wieder, das gefiel dem Sicherheitler überhaupt nicht. Doch im Augenblick konnte er auch nichts dagegen unternehmen.

Dann krachte es plötzlich hinter ihnen, es klang wie splitterndes Holz. Carter zuckte zusammen, wirbelte dann herum und machte ein paar hastige Schritte Richtung Kante, konnte aber noch nichts erkennen, nur den schmerzerfüllten Schrei eines Menschen hören.

'Die Kugel!', schoss es Carter erschrocken durch den Kopf, so weit er sich erinnerte, hatte Jeffrey die Position einer Kanonenkugel verändert und die hatte nun anscheinend etwas getroffen. Er wagte sich noch etwas vor und erblickte nun das sinkende Beiboot in der Nähe der Kaimauer.

"Was haben Sie da nur angerichtet?", rief er Jeffrey fassungslos zu, auch wenn es sich hier nur um ein Holoszenario handelte, hatte der Mann denn nicht die Konsequenzen für sein Herumgespiele bedenken können? "Helfen Sie wenigstens!", forderte er die beiden auf, wer die Schiffbrüchigen dort im Wasser waren, hatte Chris noch nicht erkannt. Allerdings hätte das für ihn auch keinen Unterschied gemacht, hier brauchte jemand Hilfe und da das Programm wieder lief, gehörte das mit dazu.

--- Quartier 84

"Ich konnte noch nie Stricken", antwortete Alex mit brüchiger Stimme und streckte April das geleerte Wasserglas entgegen, während er einen wehleidigen Blick aufsetzte. Dieser brachte ihm einen spielerischen Schlag an die Schulter ein, bevor die junge Bajoranerin erneut aufstand, um ihm ein neues Glas Wasser zu holen. Gerade als sie die Bestellung aufgegeben hatte, tönte plötzlich eine Nachricht von Captain O'Connor aus ihrem Kommunikator und ließ sie innehalten.

"In 15 Minuten?", entfuhr es Alex, der jetzt ein noch wenig bedröppelter drein schaute. "Kannst du nicht einfach so tun, als hättest du ihn hier auf der Venture nicht gehört?"

"... das könnte ich mit Sicherheit, aber ich wollte meinen Job eigentlich behalten.", antwortete April mit einem entschuldigenden Lächeln. Das schmollende Gesicht des Technikers teilte ihr allerdings sofort mit, dass ihm diese Erklärung so gar nicht gefallen wollte.

Die Kriegerin setzte sich noch einmal kurz neben Alex auf das Sofa, stellte das Glas Wasser auf dem kleinen Coachtisch ab und gab ihrem Liebhaber einen leidenschaftlichen Kuss.

"Ruh dich ein bisschen aus - ich werde sehen, dass ich so schnell wie möglich wieder hier bin.", flüsterte sie zwischen zwei leidenschaftlichen Küssen. Widerstrebend riss sie sich dann nach einigen Augenblicken los und wandte sich zu Tür.

Kurz bevor sich diese allerdings hinter ihr schließen konnte drehte April sich noch einmal um.

"Und merk dir, wo wir stehen geblieben sind ..."

Sehnsüchtig blickte Alex der Bajoranerin hinterher, während er gedankenverloren nach dem Glas Wasser griff, um seine weiterhin trockene Kehle zu befeuchten. Da sein Blick jedoch immer noch auf der geschlossenen Quartiertür verharrte und nicht bei dem, was er machte, verfehlte er das Glas knapp, schreckte überraschend auf, als er seinen Fehler bemerkte und kam ins Straucheln, als er von der Couch-Kante abrutschte, auf der er gesessen hatte. Mit einem erschrockenen Aufschrei und wild rudernden Armen landete er auf dem Boden, schlug dabei mit dem Ellbogen auf den Rand der Glasplatte des kleinen Couchtischs, die wie eine Wippe herum schlug und das Glas, welches sich noch darauf befand wie mit Hilfe eines Katapults quer durch das Quartier feuerte. Der Aufschlag dessen und der damit einhergehende Knall drang aber schon nicht mehr an sein Ohr, denn die Schmerzwellen, die durch seinen Arm rasten, waren das Einzige, womit sich sein Gehirn in dem Moment beschäftigen konnte.

"AAAAHHHHH!", hallte es laut durchs Quartier, als Alex nach ein paar Sekunden endlich wieder genug Luft zum Schreien zur Verfügung hatte.

Wild vor sich hin fluchend versuchte er, sich wieder auf die Couch zu hieven, jedoch machte das Zittern in seinem Arm und die weiterhin vorhandenen Schmerzen ihm einen Strich durch die Rechnung. Frustriert lehnte er sich gegen das Sitzmöbel und wartete, bis sich sein Körper langsam wieder erholt hatte; zumindest soweit, dass er einen neuen Versuch starten konnte.

Diesmal hatte er mehr Glück, denn er schaffte es schon nach kurzer Zeit, sich endlich in eine mehr oder weniger bequeme Liegeposition AUF der Couch zu bringen. Außer Atem lag er dann da, alle Beine und einen Arm von sich gestreckt, sich mit der Zunge über die trockenen Lippen fahrend und nur eine Frage im Kopf: 'Wie kam er jetzt an ein neues Glas Wasser?'

--- Atlantis, vor der Trainingshalle

April war auf dem Weg zur Trainingshalle noch einmal kurz in ihrem Quartier gewesen und hatte sich praktischere und bequemere Klamotten angezogen. Zwar wusste sie nicht, was der Captain genau vor hatte, aber dass sie sich in der Trainingshalle treffen sollten, hatte mit Sicherheit nichts mit einem vornehmen Dinner zu tun...

Mit einem leichten Seufzer stand sie nun für einen Moment noch vor der großen Tür der Halle und sammelte sich. Ihr hatte es genauso wenig wie Alex gefallen, einfach zu verschwinden, aber da sie noch im Dienst war und sich wirklich nicht nach einer neuen Stelle umsehen wollte, fügte sie sich widerwillig ihrer Situation.

--- Trainingshalle

Mit dem so vertrauten Zischen öffneten sich die Türen der Trainingshalle und die Kriegerin betrat selbstbewusst den Raum.

"Captain ...", grüßte sie den Terraner, der in einer Ecke der Halle stand und sich gerade mit einer Trill unterhielt, die April noch nicht kannte. Den restlichen Anwesenden schenkte sie ein reserviertes Nicken zur Begrüßung.

--- Trainingshalle, Eingang

Mit einem leichten Lächeln betrat Pormas die Trainingshalle. Trotz all der Wirrungen und emotionalen Auf und Abs versprach es einer der besten Tage seines Lebens zu werden.

Eigentlich war er es schon, denn Llewella und er hatten zueinander gefunden und scheinbar konnte kein Aspekt seiner Vergangenheit dieses Glück zerrütten. Die folgende offizielle Ernennung zum Sicherheitschef war eine nette Beigabe, wenn auch mit einem kleinen Schuss Schadenfreude.

Obwohl er im Laufe der letzten Zeit den Respekt der ganzen Abteilung gewonnen hatte, gab es immer noch ein paar Ausnahmen, welche ihn entweder explizit als Person nicht zu mögen schienen, oder aber im Anfall geistiger Umnachtung seine Kompetenz in Frage stellten.

Insbesondere die Bajoranerin April machte scheinbar nichts lieber, als seine Anweisungen in Frage zu stellen. Pormas vermutete, das nun Kommende würde weniger Ehrung für ihn sein, als Ärger für seine zukünftige Untergebene.

Darauf freute der Grieche sich, abgesehen davon sah das Temperamentbündel außerordentlich liebreizend aus, wenn sie sich aufregte...

'Moment, Junge...', maßregelte der Sicherheitschef sich schnell, 'gewöhne dir deine Angewohnheiten schnell ab, bevor sie dir zum Verhängnis werden...'

Egal wie bedingungslos ergeben der Südländer der Ärztin, die er liebte, war, jahrelang eingefahrene Verhaltensweisen konnten scheinbar nicht auf die Schnelle abgelegt werden.

Pormas hoffte, dass es innerhalb des nächsten Augenblicks passieren würde. Schließlich war es nun auch in seinem Kopf angekommen. Sein Herz wusste es sowieso.

Ein Blick in Richtung des Captains und dem Südländer wurde klar, dass weder sein Herz, noch sein Gehirn in diesen Fällen das Denken übernahm, fiel doch sein Blick automatisch auf die überraschend unzierliche Trill mit ihrem festen...

Der Südländer brach den Gedanken ab, in der Hoffnung sein Gehirn würde beim nächsten Mal schneller reagieren. Die Schmetterlinge in seinem Bauch, die nichts anderes zu tun schienen als an Llewella zu denken, schienen gerade mit vereinigten Kräften an seinen Eingeweiden zu ziehen.

Nach bußeträchtigen Gedanken, was er der Schottin Schönes tun könnte flatterten sie aber wieder herum.

All die Gedanken waren innerhalb von Sekunden vorüber gezogen, während der baldige offizielle Sicherheitschef immer noch im Eingang stand. Aus irgendeinem Grund schien das der Großteil der Sicherheitler als Kommando zum Aufstellen und Stillsein aufgefasst zu haben.

Selbst die üblichen Quertreiber schienen ruhig, oder unterhielten sich zumindest nur flüsternd. Als Pormas sich dessen überrascht bewusst wurde, ging er gewohnt selbstbeherrscht zum Captain rüber.

--- Trainingshalle, Ecke

"Captain...", begrüßte Pormas O'Connor. Mit einem leicht taxierenden Blick musterte der Südländer Inara und Kai. Beim näheren Hinsehen wurde ihm bewusst, dass er Beide nicht kannte.

"Ich dachte wir hätten nur einen Neuzugang an Bord...", sprach er mit leicht gerunzelter Stirn, "mit Mr Victor hatte ich gerechnet, aber an so eine bezaubernde Frau hätte ich mich erinnert..."

'Scheiße, Llewella erschießt mich...'

Inaras Augenbrauen wanderten nach oben. So unverschämte Kommentare kannte sie nur von sehr dummen oder sehr selbstmordgefährdeten Personen. Oder Klingonen, aber die fielen sowieso automatisch in beide Kategorien.

"Die bezaubernde Frau schießt Männern, die sie nicht mag, was ab", bemerkte sie unfreundlich und deutete bestärkend in Richtung von Pormas' Hüften, um klarzustellen, dass sie nicht von seinen Ohren sprach. "Und sie mag es vor allem nicht, wenn man über sie redet, als sei sie nicht da."

Fragend sah sie O'Connor an. "Brauchen Sie ihn noch, Captain? Ich könnte ihn erschießen."

Ihre Körperhaltung machte klar, dass sie nicht vorhatte, irgendwen anzugreifen. Jedenfalls nicht gerade jetzt. Aber ihr düsterer Blick sagte dafür deutlich aus, dass der Mann, wer auch immer er war, es sich gerade mit ihr verdorben hatte. Amnesie oder nicht, sie war Intash. Und sie war Trill. Wer etwas von ihr wollte, hatte sie direkt anzusprechen.

Nun war es an Pormas, die Augenbrauen zu heben. So eine reizbare Person hatte er selten getroffen. Von ihrem Auftreten und Körperhaltung schien sie wirklich in der Lage zu sein, Jemanden zu erschießen, was nicht unbedingt auf jedes Mitglied seiner Truppe zutraf.

Unter normalen Umständen hätte er ihr den Marsch geblasen, was sie sich heraus nahm, aber er hatte einfach einen guten Tag, daher wollte er ihre Selbstüberschätzung mal durchgehen lassen.

"Falls ich einen wunden Punkt getroffen habe, tut es mir sehr leid.", erwiderte er freundlich auf ihren Ausbruch, "Sicher war es nicht höflich über, anstatt mit ihnen zu reden, lassen sie mich das korrigieren."

Mit ausgestreckter Hand stellte der Südländer sich vor, "Mein Name lautet Pormas Theocrates, ich bin der Sicherheitschef dieses Schiffes. Wie gesagt, ich kann mich nur entschuldigen für mein 'Vergehen', aber immerhin habe ich Niemandem angedroht jemandem etwas abzuschießen..."

Innerlich vermerkte der Grieche diese Person vor ihm als potenziell gefährlich. Sicherlich herrschte auf diesem Schiff ein rauerer Ton als auf einem Sternenflottenschiff, aber bei einer Höflichkeitsverfehlung so in die Luft zu gehen...

Gespannt wartete Pormas darauf, ob die Trill seine Hand ergreifen würde. Innerlich war er auf alle möglichen Szenarien eingestellt, wer konnte ermessen wie verrückt diese Person war.

Inara sah Pormas noch mal von oben bis unten an und überdachte sein Angebot. Dann warf sie dem Captain einen fragenden Blick zu. Er sah mit der leicht tadelnden Miene eines Grundschullehrers zurück.

"Entschuldigung angenommen", sagte sie und ergriff die Hand des Griechen. Erwartungsgemäß war sein Griff ebenso kompakt wie ihrer. "Inara Intash. Vereinigte Trill."

Aber was sie anging, blieb die Atmosphäre frostig. Sie hatte eine instinktive Abneigung gegen diesen Mann. Alles, was er bisher von sich gegeben hatte, fühlte sich schal an, als spreche er es aus, bevor er darüber nachdachte, ob er es meinte. Sie hatte gesehen, wie er auf ihre Brust starrte. Sie hatte erst nicht darauf geachtet, aber sie wettete, dass er ihr kein einziges Mal ins Gesicht gesehen hatte bevor er sie ansprach.

Im Al'jiman machten Männer wie er keine Karriere. Egal, wie viel man von Schiffssicherheit verstand - bei ihnen zählten Treue, Respekt und Loyalität, und das alles verdiente man sich nicht, indem man mit offenen Augen darüber phantasierte, wie jemand nackt aussah.

Sie war zwar ziemlich sicher, dass es sich lohnen würde, Pormas Theocrates nackt zu sehen, aber darum ging es hier ja gerade nicht.

Etwas verwirrt über die seltsame Begrüßungs- bzw. Kennenlernzeremonie zwischen Inara und Pormas, blickte Julian dem Griechen hinterher, der sich nun vor die angetretene Sicherheitsmannschaft stellte. Inara, die sich schon dazu stellen wollte, hielt er am Arm zurück.

"Ich glaube, Sie haben mich da vorhin missverstanden. Es ging nicht darum, dass Sie zukünftig in der Sicherheit arbeiten sollen, auch wenn Sie das bestimmt könnten, sondern dass ich Sie nur hier schon mal vorstellen wollte. Natürlich werden Sie für das Arboretum zuständig sein, schließlich ist das Ihr Fachgebiet und wir wollen doch nicht, dass Ihre Talente irgendwo verschwendet werden."

Er lächelte die junge Trill an und führte sie dann zusammen mit Kai, den er aus der Reihe der Sicherheitler heraus gewunken hatte, zu Pormas vor die Gruppe, die nach einem kurzen Satz vom Griechen Haltung angenommen hatten.

--- Trainingshalle

"Hallo meine lieben Freunde", begann der Captain mit ruhiger Stimme zu erzählen, während er mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor den Männern und Frauen der Sicherheit auf und ab schritt. "Wir haben uns heute hier versammelt, um einem großen Mann die letzte Ehre zu erweisen."

Unauffällig hatte der Captain die anwesenden Leute während seiner geschwollenen Rede beobachtet, jedoch konnte er sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, als er ihre verwunderten und überraschten Gesichter sah. Manchmal hatte es auch Vorteile, wenn man der Captain war und sich solche Scherze erlauben konnte.

"Okay, ich denke, den großen Redenschwinger kauft mir sowieso niemand ab, deswegen kommen wir nun zum Kern dieser Zusammenkunft. Zu allererst möchte ich Ihnen allen zwei neue Besatzungsmitglieder vorstellen." Er zeigte auf den jungen Sicherheitler, der unter den ganzen Blicken der Anwesenden keinen wirklich glücklichen Eindruck machte.

"Mister Kai Victor wechselt von der Venture zu uns in die Sicherheitsabteilung und wird diese hoffentlich mit seinem Können und der gesammelten Erfahrung hilfreich unterstützen. Ich hoffe, Sie werden ihn mit offenen Armen Willkommen heißen."

Ein leises aber doch hörbares Raunen ging durch den großen Raum und Julian konnte sich gut vorstellen, was die Anderen jetzt darüber dachten. Beirren ließ er sich deswegen nicht und so fuhr er fort mit seiner Vorstellung.

"Und das ist Miss Inara Intash. Sie wird sich von jetzt an um das sträflich vernachlässigte Arboretum und die dazugehörige Abteilung kümmern. Auf dass es wieder grünt und blüht an Bord der Atlantis."

Ein abgehacktes Lachen war zu hören, jedoch konnte der Captain den Urheber zu dessen Glück nicht ausmachen. Der oder die hätte sich die nächsten Tage mit einer Zahnbürste bewaffnet in irgendwelchen Jeffries-Röhren wiedergefunden.

"Abschließend dann noch eine Verkündung, die für Jeden, der ein bisschen Grips in der Birne hat, sowieso schon klar war. Mister Theocrates ist von nun an offiziell Chef der Sicherheit auf der Atlantis, mit allen dazugehörigen Rechten und Pflichten."

Er drehte sich zu dem Griechen um und streckte ihm die Hand entgegen. "Herzlichen Glückwunsch."

Mit einem ehrlichen Lächeln ergriff Pormas die Hand des Captains und drückte sie fest, "Vielen Dank Captain...", danach wandte er sich der sich wieder den versammelten Sicherheitlern zu.

"Da Sie mich ja alle kennen, brauche ich keine großartige Vorstellung zu geben.", kurz blickte er über die Schulter zu Kai, den er mit einer knappen Geste in die Reihen der Sicherheitler zurückorderte, "Mr Victor wurde von Mr Hisaki persönlich zu uns überstellt, mit den besten Empfehlungen. Er hat eine umfassende Ausbildung bei einem der besten Sicherheitsoffiziere und Zweikämpfer der Sternenflotte genossen und ist hier auf einer Art 'Fortbildung'. Allerdings...", dabei fixierte der Hüne den vergleichsweise schmächtigen Amerikaner, "wird er sich wie jeder hier seine Anerkennung erarbeiten müssen."

Pormas fing an, vor seiner Truppe hoch und runter zu gehen, wie O'Connor kurz zuvor. "Er wird mich zunächst als... Assistent, oder wie auch immer begleiten, bevor ich mir sicher bin wo er eingesetzt wird. Daher wundert euch nicht, wenn er mit direkten Befehlen von mir auftaucht und befolgt diese, als ob ich sie gegeben hätte.", der Südländer hielt vor der Trill an, bevor er weiter sprach, "Ms Intash hat mich schon von ihren hervorragenden Zweikampfkünsten unterrichtet und ich hoffe, dass sie Zeit und Gelegenheit hat zu unseren Trainingsstunden dazu zu stoßen."

Der Sicherheitschef wusste nicht, ob ihr das gefallen würde, aber so streitlustig wie sie war, und augenscheinlich kampferprobt, wollte er ihr zumindest diese Tür offen halten. Er hoffte, dass das die Wogen ein bisschen glätten würde, die er unabsichtlich geschlagen hatte. Außerdem schien sie eine Person zu sein, die gerne ein bisschen Dampf abließ.

"Dabei fällt mir ein, als ich das letzte Mal das Arboretum betreten habe kam ich gerade zwei Meter weit. Scheinbar wurde dieser Ort von unseren Reparaturteams leider nicht nur gemieden, sondern als Abstellort für allerlei Schrott benutzt, wahrscheinlich um die Lagerräume freizuhalten. Daher werden", sein suchender Blick ging durch die Runde, "Miles, Victor, April und Summers, Ms Intash helfen die Räume wieder flott zu kriegen. Wenn die Techs sagen, sie haben damit nichts zu tun, stellt den Schrott meinetwegen vor dem Warpkern ab. Es waren deren Reparaturteams, also ist es deren Müll."

Pormas war sicher, das Summers derjenige war, der eben aufgelacht hatte. Leider konnte er nur die Ecke feststellen und nicht die Person, weswegen er einfach die beiden neben ihn stehenden mit nominiert hatte. Victor war sowieso gesetzt. Schaden konnte es Keinem von ihnen. Wieder wandte sich der Südländer dem Captain und der Trill zu.

"Das wäre es soweit mit dem offiziellen Teil. Ich möchte Sie beide nicht aufhalten, wenn mein Team und ich die Einzelheiten besprechen. Ms Intash, das Aufräumteam wird sich bei Ihnen melden. Captain...", verabschiedete der Sicherheitschef so unauffällig wie möglich seinen Vorgesetzten. Wenn er jetzt mit seinem Team ins Gericht ging, musste weder O'Connor, noch eine Außenstehende dabei sein. Sowas ging nur sein Team und ihn was an.

"Beeindruckend", sagte Inara ungerührt und laut genug, dass es in der Halle zu hören war - automatische Reaktion auf Pormas, der natürlich während seiner schicken sternenflottigen Ansprache laut genug gesprochen hatte, um von allen gehört zu werden. "Sie haben es schon wieder geschafft, mich direkt anzureden. Das muss Ihnen sehr schwer gefallen sein."

Sie konnte nicht glauben, dass der Mensch, der ihr gerade noch eine Entschuldigung angeboten hatte, sich im nächsten Moment über ihre Reaktion auf seine Unhöflichkeiten lustig machte, indem er über ihre 'Zweikampfkünste' sprach ('Schusswaffen sind keine Zweikampfwaffen, du Trottel', dachte sie abfällig, 'auch wenn es dir vielleicht zu schwierig ist, nacheinander auf mehrere Gegner zu zielen'), und dann schon wieder über sie sprach, als sei sie überhaupt nicht im Raum.

Im Übrigen trainierte man im Al'jiman nicht. Sie waren schließlich Soldaten im Krieg, keine Möchtegerns auf einem Händlerschiff.

Ohne auf Theocrates Antwort zu warten, nickte sie dem Captain einen Gruß zu.

"Ich seh mir dann dieses Arboretum mal an, Captain", sagte sie und wandte sich ab, um zu gehen.

--- Schiffsbar, Tisch 6

Die Schottin setzte sich gemütlich zurecht und streckte ihre langen Beine vor sich aus. Während ihre wandernden Gedanken immer wieder zu Pormas drifteten, hörte sie dem Sivaoaner zu, der offensichtlich noch ein paar Lieder auf Lager hatte.

Aus den Augenwinkeln erblickte sie den Kellner, der in Richtung der Nische eilte, wo sie vorher gesessen hatte. Mit einem "Halt, hierher!", mit dem sie natürlich wieder etliche Blicke auf sich zog, bremste sie den Mann, bevor er in der Nische verschwand. Er sah sich suchend um und machte kehrt, um ihre Mahlzeit vor der Ärztin abzustellen.

Mit gutem Appetit machte sich diese darüber her. Das Frühstück war nun doch schon eine ganze Weile her und ihr Hunger nach den Ereignissen des Tages recht ordentlich. Zwischendrin genehmigte sie sich immer wieder einen Schluck Single Malt.

"Brücke an Dr. Campbell!", erklang plötzlich ihr Kommunikator. Llewella legte ihre Gabel beiseite und verdrehte die Augen. Nie hatte man seine Ruhe, irgendein Irrer kam immer dazwischen. "Campbell hier, was gibt es?", erwiderte sie, nachdem sie den letzten Bissen geschluckt hatte. Die Stimme des Kommunikationsmenschen - John Smith, meinte sich die Schottin an seinen Namen zu erinnern - fuhr fort. "Jemand beamt von der Venture auf die Krankenstation und bittet um Ihr Erscheinen. Anscheinend ist etwas mit der Ärztin der Venture..."

"Aye, ich bin in ein paar Minuten dort", die Ärztin wischte sich den Mund mit der Serviette ab und nahm einen letzten Schluck Whisky. Dann schob sie ihren Stuhl nach hinten und erhob sich.

Während sie zum Ausgang marschierte, fielen ihr die seltsamen Blicke etlicher Besatzungsmitglieder auf. Weiblicher Besatzungsmitglieder. Abschätzend ein paar, amüsiert einige andere. Und einige unverkennbar unfreundlich. Llewella zuckte mit den Schultern. In der Regel hatte sie ein dickes Fell...

--- Schiffsbar, Hinter der Theke

Natürlich hatte Narbo mitbekommen, wie zunächst Pormas und dann die Ärztin verschwunden war. Und wie sie die gute Flasche Whisky zurückließen, die nicht mal zur Hälfte geleert war.

Er war gerade dabei, die übliche Entlohnung für den kleinen "Hinweis" auf das Konto des Transporter-Chiefs zu überweisen. Kaum jemand fragte sich, warum dieser ohne sichtbare Notwendigkeit ständig auf seiner Konsole herumtippte.

Nun, Narbo wusste warum.

Es war wichtig, seine Quellen überall zu haben. Oft überstieg der Wert der Information das Honorar an den Informanten um das Tausendfache!

Abgesehen davon gab es an Bord dieses Schiffes eh nur eine Möglichkeit, sein hart erarbeitetes Zubrot auszugeben: Hier, in Narbos Bar.

--- Krankenstation, einige Minuten später

Llewella betrat die Krankenstation. Nachdem sie nicht wusste, wie ernst der Zustand ihrer Kollegin war, war sie auf direktem Weg in die Krankenstation geeilt und kassierte demzufolge jetzt aufgrund ihres Outfits etliche verblüffte Blicke ihrer Mitarbeiter. Offensichtlich hatte die Schicht von Susan Linton noch nicht wieder begonnen, dass die Krankenstation noch nicht vom neuesten Klatsch informiert war. Die Schottin unterdrückte ein ätzendes Lächeln.

Auf einem der Biobetten erblickte sie die schmale Gestalt der Ärztin, daneben stand ein blondhaariger Mann, den sie bislang noch nicht kannte. Ein wenig ratlos sah er auf Jordan Kincaid herab.

Llewella trat an die andere Seite des Biobettes und begann schnell mit der Untersuchung ihrer Kollegin, die offensichtlich bewusstlos war. Eliza Raili stand plötzlich neben der Schottin und unterrichtete sie, dass Doktor Kincaid am Vormittag hatte Kontakt mit Llewella aufnehmen wollen.   "Hat sie gesagt, warum sie mich sprechen wollte?", fragte die Rothaarige mit hochgezogenen Augenbrauen. Raili schüttelte den Kopf.

Schnell stellte Llewella fest, dass sich die Kollegin eine Platzwunde am Hinterkopf zugezogen hatte. Ein Sturz? War die Bewusstlosigkeit eine Folge des Sturzes - oder dessen Ursache? Der verlangsamte Herzschlag Jordans gefiel der Schottin nicht wirklich. Nach den ersten palpatorischen Untersuchungen griff sie nun doch zum Tricorder. "AV-Block... eventuell Adams-Stokes-Syndrom..." murmelte sie vor sich hin. Sie schaltete einige Kontrollen des Biobettes und injizierte der Frau ein Hypospray. Während sie den Blick auf ihren Tricorder gesenkt hielt und auf die Reaktionen von Jordans Körper wartete, wandte sie sich an den Blonden, der immer noch neben dem Biobett stand und Llewellas Handeln beobachtete.

"Können Sie mir erzählen, was passiert ist?"

'Holla...', Jan musste sich zusammenreißen, um nicht weiter in den gewaltigen Ausschnitt des scheinbar viel zu großen Shirts zu starren. Scheinbar war die große Rothaarige genau so, wie man es ihnen nachsagte, 'Rotes Dach, feuchter Keller...'

Er bemühte sich um eine professionelle Miene, während er mit seinem Blick die bewusstlose Jordan fixierte. "Wir saßen im Tanzenden Liebesdiener... sie hatte etwas gegessen und einen Mai Tai getrunken. Als sie Aufstehen wollte, brach sie zusammen. Ich bin sofort zu ihr geeilt, hab ihren Puls und ihre Atmung überprüft und habe uns direkt zu Ihnen beamen lassen... denn wenn jemand herausfindet, was mit ihr ist, sind Sie es!"

Der Risaianer ließ sein charmantestes Lächeln spielen und fixierte die blauen Augen der Schottin. "Entschuldigen Sie bitte... in der ganzen Aufregung und Ihrem bezaubernden Anblick habe ich ganz versäumt mich vorzustellen...", lächelnd streckte er seine Hand aus, "Mein Name ist Forge, Jan Forge. Ich bin Wissenschaftler auf der Venture..."

Llewella warf einen sekundenlangen Blick auf die ausgestreckte Hand, als betrachte sie ein besonders unappetitliches Insekt. Sie hatte genau mitbekommen, wie die Augen des Wissenschaftlers förmlich in ihrem Ausschnitt versanken. Solcherart aufdringliche Blicke hatte sie ja noch nicht einmal von Pormas aufgefangen...

Schließlich, nach nur kurzem Zögern, ergriff sie dennoch die Hand des Blonden. Man sollte ihr schließlich keine Unhöflichkeit nachsagen können. "Dr. Campbell", antwortete sie.

Ein kurzer Blick auf den Tricorder sagte ihr, dass sich Jordans Zustand verbesserte und sie sich zunächst keine Sorgen um sie zu machen brauchte.

"Ihren übertriebenen Charme können Sie übrigens stecken lassen, Mr. Forge. Und ich wäre Ihnen dankbar, wenn sie Ihre Augen auch bei sich behielten.", ein leichtes Lächeln milderte die Schärfe der Worte, auch wenn ihre Körpersprache deutlich machte, dass sie sie durchaus ernst meinte. "Unter diesen Umständen könnten wir prächtig miteinander auskommen."

--- Trainingshalle

Unschlüssig überlegte der Captain, ob er wieder auf die Brücke gehen sollte, nachdem ihn hier ja Niemand mehr brauchte, jedoch erinnerte ihn das Knurren seines Magens unauffällig daran, dass er schon länger nichts mehr gegessen hatte. Deswegen entschied er sich dann auch dazu, einen Abstecher in die Bar zu machen; schließlich gab es nichts Langweiligeres, als alleine irgendwo in seinem Quartier zu essen. Da war in der Schiffsbar die Chance eindeutig größer, Jemanden zu treffen, mit dem man sich unterhalten konnte.

Er verabschiedete sich bei Inara und Pormas mit einem Nicken und verließ dann gut gelaunt die Trainingshalle.

--- Schiffsbar

Wunderschöne Klänge schallten O'Connor entgegen, als er die Bar betrat und es dauerte nicht lange, da machte er den Ursprung des Ganzen aus. Es war Sternenlicht, der an dem unscheinbaren Klavier saß und die Pfoten über die Tasten fliegen ließ, während sein Schweif sich rhythmisch zu der Musik bewegte. Lächelnd schritt Julian zu dem Katzenwesen rüber und lehnte sich an die Wand neben ihm.

--- Schiffsbar, Piano

"Wenn ich singen könnte, dann würde ich jetzt einsteigen", begrüßte er seinen ersten Offizier mit einem Lachen, während er einen Kellner heran winkte. "Jedoch könnte es jetzt, wenn ich es drauf anlegen würde, die Bar wohl schneller leer räumen als eine Horde Nausicaaner."

"Ja, das könnte ich mir vorstellen", antwortete Sternenlicht, während er ein wenig zu improvisieren begann. Singen und Konversation passte einfach nicht zusammen. Seine rockigen Melodien würden die Stimmung in der Bar aber auch so in Schwung halten.

"Auch wenn ich glaube", fuhr er fort, "dass Sie bei Ihnen als Captain vielleicht nicht ganz so stürmisch das Lokal verlassen würden. Kann ich Ihnen denn einen Wunsch erfüllen?"

Der Captain musste über Sternenlichts Versuch schmunzeln, ihn in einem nicht ganz so schlechten Licht erscheinen zu lassen, während er sich von der Wand abstieß und neben dem Katzenwesen stehen blieb.

"Balsam für meine Seele, mein lieber Sternenlicht", sagte er lächelnd und legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Ich glaube, ich lass mich bezüglich der Musikauswahl einfach vom großen Musiker überraschen."

Inzwischen war der vorhin herbeigerufene Kellner bei Julian angekommen und so bestellte er sich leise einen deftigen Nudelauflauf, bevor er am nächstgelegenen Tisch Platz nahm und den Klängen des Klaviers lauschte.

Sternenlicht setzte sich auf den freien Platz gegenüber des Captains. "Einen guten Appetit" wünschte er. "Darf ich fragen, was Sie für die Atlantis als nächstes geplant haben?"

"Erlangung von Profit, mein lieber Sternenlicht", antwortete der Captain nickend zwischen zwei Bissen, während er seinen ersten Offizier vergnüglich betrachtete.

"Ich habe gehört, im Celdara-Sektor würde sich eventuell eine Möglichkeit für uns auftun, ein wenig vom großen Kuchen des galaktischen Geldhandels für uns abzuzweigen, jedoch muss ich da vorher noch etwas recherchieren."

--- Trainingshalle

Die Kriegerin, die bis jetzt etwas abseits ihrer Kollegen an der Wand der Halle gelehnt hatte, ballte wütend die Fäuste. Was bildete sich dieser Kerl eigentlich ein? Nie im Leben würde sie auf die Idee kommen, einem solchen Befehl folge zu leisten.

Die Lippen fest aufeinander gepresst, stieß sie sich ab, trat einige Schritte nach vorne...

Auf Aprils Gesicht legte sich ein breites Grinsen. Eigentlich hatte sie gerade zu einer giftigen Antwort ansetzen wollen, aber die schlagfertige Trill war ihr zuvor gekommen. Und sie war ihr sympathisch.

Mit verschränkten Armen trat die Halbbajoranerin neben den neuen Sicherheitschef und setzte eines ihrer herausfordernsten Lächeln auf. Fast schon zuckersüß flötete sie ihrer Antwort.

"Ich bin mir nicht sicher, ob Sie wissen, welche Pflichten Ihr Job beinhaltet, aber Ihnen sollte klar sein, dass es nicht zu unserem Job gehört, den Putzdienst zu spielen ... ich finde, das sollten Sie als unser neuer Chef wissen."

Summers, der sich in die erste Reihe der Sicherheitler geschoben hatte, nickte zustimmend und April musste innerlich über den jungen Mann lächeln.

Auch Pormas setzte ein herzallerliebstes Lächeln auf. "Ach wirklich?", entgegnete er ihr so freundlich, dass es fasst schmerzte, "Also Sie haben mit dem Captain in den letzten Tagen über meine Rechte und Pflichten als Sicherheitschef diskutiert? Sie? Ach nein, das war ich... Aber vielleicht haben Sie eine reichhaltige Kommandoerfahrung und beziehen daher Ihr Wissen? Zumindest scheinen Sie ja kompetenter als der Captain selber zu sein, denn dieser hatte schließlich nichts dagegen, als ich den Befehl erteilt habe..."

Eine gewisse Unruhe machte sich in der Truppe der Sicherheitler breit. Nicht nur die Ungewissheit, wie weit die Befugnisse des ernannten Sicherheitschefs nun gingen, sondern auch durch dem Tonfall von diesem. Die Ruhe und Gewissheit, mit dem er seine Rechte nun einfach ausspielte, war irritierend.

Herausfordernd schaute Pormas die Bajoranerin an. Der Schaumschläger Summers hatte sich wieder rückwärts ins Glied verkrochen. Der junge Amerikaner hatte sich seinen neuen Kameraden bei diesem Ausbruch erst gar nicht angeschlossen, was ihm zumindest ein Mindestmaß an Überlebenswillen bescheinigte. April hingegen blieb standhaft, auch wenn sie zweifellos die argumentative Sackgasse sah.

Bevor sie sich aber verzetteln konnte, der Starrsinn der Sicherheitlerin war beinahe sprichwörtlich, wollte er ihr eine Brücke schlagen. Vielleicht würde wenigstens sie, wenn schon nicht die Trill zuvor, diese annehmen. Er hatte seine Befugnisse nun demonstriert, daher konnte er nun ruhig entgegenkommend sein.

"Zwar hätte ich durchaus das Recht, Sie zum Aufräumen zu schicken, aber mir ist auch bewusst, dass Sie alle, mich eingeschlossen, sehr kurzfristig von Ihren Privatangelegenheiten herausgerissen wurden. Entgegen der landläufigen Meinung bin ich kein Unmensch...", 'zumindest nicht mehr', ergänzte er im Stillen für sich, "außerdem schien Ms Intash nicht viel für unsere Hilfe übrig zu haben, daher kann sie auch ruhig etwas warten."

Stirnrunzelnd schaute Pormas auf ein Wanddisplaym um die genaue Uhrzeit zu erfahren. Er überlegte kurz, bevor er weiter sprach, "Es ist schon später, daher veranschlage ich das nächste Treffen auf 06:00h Morgen früh. Kommen Sie alle in Sportsachen und mit Ihrer bevorzugten Fern- wie auch Nahkampfwaffe."

Das allgemein missmutige Gemurmel über die frühe Zeit überhörte der Sicherheitschef geflissentlich, bevor er zum Schluss ansetzte, "Meine Antrittsrede werden wir dann auch Morgen früh hinter uns bringen. Für jede Minute zu spät macht es 50 Liegestütz und ja", zu April gewandt, "ich darf das und zudem nehme ich mich selbst von dieser Regel auch nicht aus.

Sonst noch Fragen?"

--- Gänge

Übellaunig ließ Inara die Trainingshalle hinter sich zurück. Na, das hatte sie ja mal wieder großartig angestellt. Dem Captain schien es zwar nicht viel ausgemacht zu haben, aber musste sie sich gleich mit dem Sicherheitsoffizier anlegen? Egal wie unsympathisch er war? War sie von allen guten Geistern verlassen?

Als sie um eine Ecke bog und in einen jungen Mann hineinlief, starrte sie ihn als Antwort auf seine Entschuldigung so düster nieder, dass er sich räusperte und so schnell wie möglich einen taktischen Rückzug antrat. Kaum war er außer Sicht, murmelte sie einen Fluch in sich hinein, weil sie es schon wieder getan hatte.

Sie durfte nicht anfangen, Streit zu suchen. Sie hatte sich vorgenommen, sich keine Feinde zu machen, nett und unauffällig zu sein und unter gar keinen Umständen auf sich aufmerksam zu machen. Im Al'jiman galt O'Connor zwar als vertrauenswürdig, aber was nützte ihr das, wenn sich auch nur ein einziger Sternenflottensympathisant auf diesem Schiff befand? Sie musste besser aufpassen. Sie musste sich bei Theocrates entschuldigen...

Ha, nie im Leben würde sie das tun. Aber sie würde besser aufpassen.

--- Turbolift

"Deck 15", gab sie an, lehnte sich an die Wand, während der Lift in Bewegung geriet, und schloss die Augen, um einmal tief durchzuatmen. Sie wusste ja selbst, dass sie eigentlich nichts auf einem Schiff wie der Atlantis zu suchen hatte und dass ihre Umgangsformen sie auf so einem braven Schiff nicht weit bringen würden. Aber sie war auch nicht hier, um Urlaub zu machen oder um den Beruf zu wechseln, sondern um Intash zu beschützen.

Unwillkürlich glitten ihre Finger über die Stelle ihres Bauchs, an der vor wenigen Wochen der Symbiont eingesetzt worden war. Sie konnte manchmal spüren, dass er sich bewegte. Aber seit sie das Quartier verlassen hatte, hatte sie keinen Mucks mehr von ihm empfangen. Gerade, wo sie etwas Unterstützung brauchen konnte.

"Für einen Wurm machst du ganz schön viel Arbeit", murrte sie in die Stille des Turbolifts hinein. "Ich hoffe, du bist es verdammt noch mal wert."

Schon etwas ruhiger, verließ sie den Turbolift, als die Tür sich öffnete, und ließ sich vom Computer den Weg zum Arboretum weisen.

--- Arboretum

Theocrates hatte recht gehabt. Man kam im Arboretum gerade mal zwei Meter weit. Dann traf man auf eine Wand aus technischen Einzelteilen. Es war eine einzige Müllhalde. Offenbar lagerten die Techniker ihren Müll lieber hier anstatt in den Lagerräumen, da es dort vermutlich Vorschriften gab und man nicht einfach alles abstellen konnte.

Aber direkt hinter dem Berg ragten die unverkennbaren Blätter einer bajoranischen Pappel auf, der unverkennbare Geruch nach Erde und Pflanzen lag in der Luft, und trotz der Müll-Schallmauer konnte sie das Zirpen von Insekten hören. Irgendjemand kümmerte sich ein bisschen um das Arboretum - bestimmt stand in den Logs, wer es war -, und es war trotz allem noch am Leben. Sie konnte es aufpäppeln, anstatt es neu bepflanzen zu müssen.

Wenigstens lag eine Aufgabe vor ihr, bei der sie sich auskannte und von der sie was verstand. Kein Freiheitskampf, keine wertvollen Wirte, keine Geheimnisse. Nur gute, alte Erdanalysen, Lausbefälle und Pflaumenernten.

Mit grimmiger Vorfreude krempelte sie die Arme hoch und erklomm das Hindernis, um den Kontrollraum zu suchen, den es hier irgendwo geben musste.

--- Venture, "Zum tanzenden Liebesdiener", Tisch 12

Überraschend, wie effizient Jan reagiert hatte, menschliche Ausbrüche der Frustration bei Seite lassend. S'Tom kam zu dem Schluss, dass die Effizienz wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Schuldgefühle motiviert war - die starke Korrelation von Jordans Symptomen mit dem Cocktail und/oder dem vermutlich existenten psychischen Effekt der Nachricht als einzigen anormalen Einflüssen während der vergangenen fünf Minuten sollte selbst für einen Menschen in Bruchteilen einer Sekunde ersichtlich sein.

Die Gedanken des Vulkaniers verweilten kurz auf Ethanol, Jans Bestellung zu Folge Hauptbestandteil des überbrachten Getränkes, während er nach seinem Salatteller nun sein Wasserglas leerte. Wie sich Menschen willentlich eine Substanz mit solch degenerativen Effekten zuführen konnten, würde er wohl nie nachvollziehen können.

Den Blick auf seinem Gegenüber ruhend wandten sich die Gedanken des ehemaligen Borg nun seinen weiterführenden Handlungsmöglichkeiten zu. Bis zu seinem Schichtbeginn hatte er noch 48 Minuten Freizeit. Jordan würde auf der Krankenstation der Atlantis die bestmögliche Behandlung in diesem Sektor erfahren (auch wenn dieser zugegebenermaßen bis auf die beiden Schiffe relativ leer war), hier bestand kein Handlungsbedarf. Sein Blick schweifte durch das Lokal und blieb an Wagenvoort hängen, der nun einen etwas verlorenen Eindruck machte.

"Was halten Sie von einer Partie Kal-toh?", sprach S'Tom den Sicherheitschef an, jetzt neben diesem stehend.

Entgeistert starrte Ruben den Vulkanier an.

"Wie? Jetzt??"

Das Taktgefühl dieser Spezies war nie sonderlich ausgeprägt gewesen: Noch vor wenigen Sekunden hatte die bewusstlose Ärztin in seinen Armen gelegen, ihr Zustand ungewiss.

Dann war sie mit diesem Forge verschwunden, hatte Wagenvoort mit seinen Sorgen allein gelassen. Aber das Schlimmste war, dass das Leben um ihn herum weiterlief, als wäre nie etwas passiert.

Nur drei Meter entfernt wurden die nächsten Blumenkränze verteilt, lachend weiter Cocktails geschlürft. Während Jordan...

'Nein!', korrigierte Ruben sich innerlich, 'Nicht die Vulkanier sind taktlos, die Menschen sind es.'

Für einen Moment betrachtete er seine Schuhe, dann guckte er S'Tom wieder ins Gesicht.

"Ich meine: Danke für das Angebot. Aber ich glaube, ich werde auf die Atlantis beamen. Vielleicht ein anderes Mal."

Er wusste, dass der Techniker seine Gefühlslage nicht nachvollziehen können, aber akzeptieren würde. Als Ruben gerade gehen wollte, fiel ihm noch etwas ein:

"Äh, könnten Sie mir vielleicht einen Gefallen tun und dieses Getränk hier analysieren lassen? Ich vermute, dass der Zustand von Dr. Kincaid mit diesem im Zusammenhang stehen könnte."

Mit einer geschmeidigen Bewegung erhob sich Celia und ging die wenigen Schritte zum anderen Tisch hinüber. Der Vulkanier stand - wie immer - ohne irgendeine Miene zu verziehen, selbst seine Körpersprache war nicht vorhanden. Beinahe hätte die Lakota den Kopf geschüttelt, denn sie konnte immer noch nicht verstehen, wie sich ein Volk derart verändern hatte können...

Dann wandte sie sich an den Sicherheitschef, der ihr - wie eigentlich beinahe immer - unruhig und nervös erschien. Irgendwie war es merkwürdig, dass so jemand wie er es zum Sicherheitschef bringen konnte.

Aber sein Gehirn hatte noch immer richtig funktioniert. Und darauf kam es schließlich an.

"Wenn Sie möchten, kann ich das Getränk analysieren", wandte sich Celia an Wagenvoort, dessen Worte sie aufgrund der relativ geringen Entfernung hatte verstehen können. "Sie können selbstverständlich mitkommen, wenn Sie möchten. Ansonsten würde ich mich freuen, wenn Sie mich unterrichten, wie es Dr. Kincaid geht."

"Oh, das wäre sehr nett."

Ruben klang trotzdem immer noch mehr als geknickt, auch wenn ihn das Engagement der Wissenschaftlerin freute. Mit spitzen Fingern nahm er vorsichtig das halbleere Glas und reichte es Hunter.

"Und könnten Sie die Ergebnisse, soweit sie relevant erscheinen, an Miss Campbell schicken? Vielleicht kann das bei der Behandlung helfen."

Celia fasste das Glas mit festem Griff. Es war eines der üblichen Cocktailgläser, hoch und schlank und es war nur noch zur Hälfte gefüllt. Celia roch vorsichtig daran. Es roch ganz normal nach Mai Tai.

Sie nickte dem Sicherheitschef zu. "Selbstverständlich, Mr. Wagenvoort."

Damit drehte sich die Indianerin um und verließ die Bar, das Glas immer noch in der Hand.

Erleichtert, das tückische Getränk losgeworden zu sein, schaute der Niederländer der Wissenschaftlerin hinterher.

'Wie unglaublich lässig sie das Glas gehalten hatte...'

"S'Tom, ähh leider muss ich Sie verlassen, aber irgendwann holen wir die Partie nach, versprochen!"

Er versuchte entschuldigend zu lächeln, aber es galt keine Zeit mehr zu verlieren. Entschlossen öffnete er einen Kanal:

"Wagenvoort an Transporterraum 1. Beamen Sie mich bitte auf die Atlantis. Danke."

Das leise Gemurmel des Transporterchiefs konnte er nicht genau verstehen, doch wenige Sekunden später fühlte er, wie sein Körper von dem gespenstischen Kribbeln durchflutet wurde.

Hoffentlich der ganze Körper...

--- biochemisches Labor

Als Celia das Labor betrat, stellte sie das Glas so auf einen Tisch, dass es nicht herunterfallen konnte, auch wenn sie zufällig dagegen stoßen sollte. Sie schaltete ein paar Geräte an und bereitete ihre Versuche vor.

--- Holodeck 1

"Entschuldigen Sie bitte, aber ich helfe gerade dieser Stadt hier, indem ich die Freibeuter behindere. Ich steh auf jeden Fall auf der Seite der Zivilisten hier. Was Sie tun ist Ihre Sache."

Dieser Carter schien ein wenig verwirrt zu sein oder ein Helfersyndrom zu haben. Während David sprach, schlug eine weitere Kanonenkugel in ein Giebelhaus direkt hinter ihnen ein. Mauer- und Menschenteile flogen durch die Luft.

"Also ich begebe mich jetzt zur Stadtgarde und werde helfen diesen Angriff abzuwehren... Jean?", er blickte sie auffordernd an.

--- Holodeck 1, Kaimauer

Noch immer an der Mauer hängend, blieb Wichmann nichts anderes übrig, als das Beiboot unter sich sinken zu sehen. Seine Mannen schwammen mittlerweile in dem brackigen Hafenwasser und bemühten sich, den verstümmelten Maat nicht untergehen zu lassen.

Hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch zu helfen und dem unbändigen Verlangen, ihre Feinde längs aufzuschlitzen und anschließend die eigenen Gedärme fressen zu lassen, hörte der Hauptmann plötzlich Stimmen über sich.

"Das wirst Du sicher nicht!", fluchte der Freibeuter leise. Die Entscheidung war ihm abgenommen worden. Vorsichtig zog er sich mit beiden Armen an der Kaimauer hoch und wuchtete seinen Oberkörper schließlich langsam über die Kante.

Keine fünf Schritt von ihm entfernt stand jener Tölpel, der gerade sein Todesurteil unterschrieben hatte. Nur wusste er noch nichts davon.

Möglichst geräuschlos zog Wichmann seinen Säbel.

--- Holodeck 1, Taverne

"Nein, ich habe ganz bestimmt nicht vor, hierzubleiben und zuzusehen, wie mir das Dach über dem Kopf zusammengeschossen wird!", fauchte die dralle Frau den Tavernenbesitzer an. "Außerdem - wo siehst Du denn hier noch Gäste? Die haben sich doch alle längstens verzogen! Und während eines Angriffes kommen auch bestimmt keine Neuen hinzu!"

Wütend blickte die blondgelockte Frau ihr Gegenüber an. Siegmund stand dort mit offenem Mund und schien nicht so recht zu wissen, wie er auf den Ausbruch seiner Schankmaid zu reagieren hatte. Ein wenig ruhiger fuhr diese fort:

"Sieh mal, ich möchte doch nur nach meinen Kindern sehen. Und unser Haus ist ein wenig weiter im Ort, da bin ich einfach sicherer als hier direkt am Hafen!", mit diesen Worten griff die rundliche Frau, die sich wahrscheinlich bereits Anfang der Dreißiger bewegte, nach ihrem Umhang aus zerschlissenem Wollstoff. Sie warf sich diesen über und ging mit energischem Schritt zur Türe.

--- Holodeck 1, Hafen

Als Ortrun, den Mantel fest um sich geschlungen und den Kopf instinktiv eingezogen, als könne sie dadurch besser den Kanonenkugeln entgehen, aus der Türe trat, wollte sie sich sofort nach rechts wenden, um an der Wand entlang schnell das Weite zu suchen.

Da bemerkte sie das Paar, das an der Hafenmauer stand und sich unterhielt. Aber sie bemerkte auch den finster aussehenden Gesellen, der sich gerade anschickte, seinen Säbel zu ziehen.

"He, Fremder, Vorsicht", brüllte Ortrun mit der vollen Kraft ihrer Lungen. "Hinter Euch!"

David blickte verwundert zu der fremden Frau herüber als er auch schon hinter sich einen Schritt hörte. Er drehte sich auf dem Absatz um aber konnte dem ersten Hieb seines Gegners nicht mehr ausweichen. Er traf ihn direkt am Oberarm. Natürlich trug David keine Verletzung davon.

Völlig ungläubig starrte der Pirat erst auf Davids Arm und dann auf seine Waffe.

"Computer! Zeitgemäße Bewaffnung für mich", nutzte der Psychologe die Sekunden der Verwirrung. Sofort erschien ein Säbel in seiner Hand. Nun wollte er doch mal sehen, ob ihm so was lag.

Nur kurz hatte Wichmann geblinzelt, um sich der aus dem Nichts erschienen Waffe in den Händen des Narren zu versichern.

Aber sollte er ruhig bewaffnet sein, das fachte seine Wut nur an!

Ansatzlos ließ der Freibeuter eine Folge von schnellen Hieben auf sein Gegenüber niederprasseln wie Hagel in einem Sturm. Vergnügt nahm er zur Kenntnis, wie sein Gegner hilflos wie ein Anfänger die Angriffe mehr schlecht als recht abwehren konnte.

Mit weiteren wuchtigen Schlägen trieb Wichmann den Narren wie eine willenlose Kuhherde vor sich her, immer noch auf einen ersten Gegenschlag wartend.

--- Holodeck 1, Kaimauer

Die Trill war etwas zu Seite gesprungen als der Pirat David angegriffen hatte. Fast schon hätte sie laut los lachen müssen, als sie das entsetzte Gesicht des Hologramms gesehen hatte. Sie hatten hier doch einen eindeutigen Vorteil.

Jean blieb allerdings nicht lange Zeit, die beiden Männer weiter zu beobachten. Zwei weitere Kerle kamen über die Mauer nach oben geklettert und sahen sich streitsuchend um. Als sie die Trill erblickten, kamen sie mit geballten Fäusten auf sie zu gerannt und die junge Frau musste noch einmal einen großen Schritt zurück machen, um den ersten Schlägen der Beiden aus zu weichen.

"Zwei gegen einen - ist so was die Art von Gentlemen?", presste die junge Frau hervor. Einer der beiden hielt für einen Moment inne und warf seinem Partner einen fragenden Blick zu - ein Fehler.

Jean schnellte nach vorne und warf sich mit ihrem gesamten Gewicht gegen   die Brust ihres breiten Angreifers. Wild mit den Armen rudernd taumelte der Freibeuter nach hinten und landete unsanft auf dem Rücken. Die Trill rollte sich über die Schulter ab und kam wieder auf die Beine. Wirklich professionell sah es zwar nicht aus, aber was sollte sie schon gegen einen Gegner ausrichten, der fast doppelt so viel wog wie sie.

"Hey Carter - helfen Sie mir mal!", rief sie dem Terraner zu, während sie ein auf dem Boden liegendes Brett aufnahm und es prüfend in der Hand    wog.

Chris konnte einfach nicht glauben, was da alles um ihn her passierte. 'Mein Szenario', dachte er verzweifelt. Nichts davon hatte er so gewollt und nichts davon hatte er so geschrieben. Es passierte einfach so und er konnte es nicht ändern. Außerdem gefiel ihm so eine Geschichte auch überhaupt nicht, etwas so billiges und einfallsloses konnte wirklich jeder schreiben.

Der Sicherheitler blickte noch einen Moment auf die miteinander rangelnden Menschen, ihm war zum Heulen zu Mute, wer hatte das nur zu verantworten, den würde Carter wirklich gerne in die Finger bekommen. Mit ein paar schnellen Schritten war er bei Xen, um der Frau zu helfen, obwohl sie, streng genommen, eigentlich keine Hilfe brauchte.

Er packte den Kerl grob an der Schulter, wirbelte ihn herum und verpasste ihm einen Kinnhaken, der ihn zu Boden gehen ließ. Aber so leicht war ein Seeräuber natürlich nicht zu überwältigen, fluchend sprang der wieder auf die Beine, bevor Chris reagieren konnte, fühlte er, wie ihm die Kehle zu gedrückt wurde.

'Sicherheitsprotokolle?', wunderte er sich, während ihm schwarz vor Augen wurde und er langsam das Bewusstsein verlor. Bevor es so weit war, versetzte er dem Angreifer einen Tritt gegen das Schienbein, rang keuchend nach Luft. Setzte dem Kerl allerdings sofort nach, wollte keine Zeit verlieren. Er traf ihn mit einem kräftigen Schlag in den Magen, was das Hologramm aufstöhnen ließ, sie rangen miteinander und reines Glück kam Chris zu Hilfe.

Es gelang ihm den Mann von der Kaimauer ins Wasser zu befördern. Dann wirbelte er zu den anderen herum. "Seien Sie vorsichtig", rief Chris so laut es sein wunder Hals erlaubte. "Die Sicherheitsprotokolle sind außer Kraft gesetzt!"

--- Atlantis, Krankenstation

"Oh entschuldigen Sie bitte", entschuldigte sich Jan, leicht lächelnd und beschämt. Zwar taten ihm seine Blicke kein bisschen leid, aber das zu zeigen traute er sich nicht. Scheinbar unsicher trat er einen kleinen Schritt zurück. "Es ist eigentlich gar nicht meine Art, eine so schöne Frau mit meinen Blicken zu bedrängen, aber... einen so perfekten Körper habe ich selten gesehen..."

Fieberhaft überlegte der Risaianer, ob er das Wagnis auf sich nehmen sollte von ihren Namen auf ihre terranische Herkunft zu schließen. Auf Risa war es mit sein Job gewesen, sich auf andere Kulturen einzustellen. 'Warum nicht?', entschloss er sich.

"Man sagt zwar, dass die mythischen Amazonen die stärksten und begehrlichsten Frauen der Erde seien. Aber wenn ich Sie sehe, glaube ich, dass die schönsten Frauen tatsächlich aus den Hochmooren zu kommen scheinen... daher verzeihen Sie mir bitte meine unzüchtigen Blicke, aber einen so vollkommener Körper aus scheinbar reinem Alabaster habe ich noch nie zuvor gesehen...", Jan setzte einen unschuldigen und entschuldigen Blick auf, bevor er diesen zum Boden wandte.

Llewella blieb ob der Unverfrorenheit ihres Gegenübers der Mund offen stehen. Etliche Sekunden war sie nicht fähig, irgendetwas zu entgegnen. Vollkommen sprachlos starrte sie den Wissenschaftler an.

Fieberhaft arbeitete ihr Gehirn, was sie dem Mann entgegnen konnte, das ihn in seine Schranken wies, aber dennoch nicht _zu_ unhöflich war.

Sie hätte nicht geglaubt, dass es zu Pormas noch eine Steigerung gäbe. Der Grieche flirtete, was das Zeug hielt - aber derartig dick aufgetragen hatte er nie! Deswegen hatte sie auch immer mit einem Lachen auf seine Annäherungsversuche reagieren können.

Das Lachen verging ihr dieses Mal jedoch gewaltig!

"Mr. Forge", Llewellas Stimme war so eisig, dass sie beinahe klirrte. "Ich weiß nicht, was Sie mit derartigen Schmeicheleien zu erreichen hoffen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass Sie damit bei mir nicht landen können. Ich bin kein billiges Flittchen, das sie mit so etwas vielleicht beeindrucken können..."

Nun war es an Jan, sein Gegenüber sprachlos anzustarren. Diesmal in die Augen. "Ms Campbell... wieso fahren Sie mich so an?", solche Situationen kannte er leider auch, wenn sie auch verdammt selten gewesen waren. Das war allerdings dadurch bedingt, dass er seine Gegenüber meistens besser kannte und ihre Grenzen einschätzen konnte. Bei der Schottin hatte er dies versäumt, war er durch ihren Anblick doch zu verwirrt worden. "Es tut mir leid, wenn ich... Sie bedrängt haben sollte..."

'Angriff ist die beste Verteidigung!', für es ihm durch den Kopf. Selbstzweifelnd fuhr er sich mit seinen Händen durch die Haare, "Es... es tut mir leid... ich vergesse immer wieder, wie Menschen auf Komplimente über ihre Schönheit reagieren... ich komme von Risa und da sagt man einem Menschen eben, wenn man ihn schön findet... wir freuen uns darüber und man strahlt dadurch auch eine innere Schönheit aus..."

Jan wandte sich zur Tür. "Es tut mir leid, wenn die Gebräuche meiner Heimat mit mir durchgegangen sind. Ich arbeite daran, aber der Gesundheitszustand von Jordan hat mich mitgenommen und meine Selbstbeherrschung aufgeweicht. Als nächstes sehe ich mich einer der schönsten Frauen gegenüber, die ich seit Jahren gesehen habe! Auch wenn Sie es nicht hören wollen: Sie sind schön! Hassen Sie mich ruhig dafür!"

"...hassen Sie mich ruhig dafür!", drang verzerrt in Jordans Ohr. Dann setzte eine schale Übelkeit ein, gefolgt von pochenden Kopfschmerzen.

"Was ist passiert?", murmelte sie verwirrt und versuchte sich aufzusetzen, bevor sie überhaupt wusste, wo sie war und was geschehen war. Sie erinnerte sich an... naja, an nichts eigentlich. Wagenvoort. Kal-toh. Hawaiianischer Tag.

Herrgott, ihr Kopf dröhnte.

'Wie aufs Stichwort!', schoss es Jan durch den Kopf. Besser konnte es gar nicht laufen. In dem Theaterstück seines Lebens stürmte der Risaianer mit besorgter Miene, wenn innerlich auch nicht ganz so besorgt, zum Biobett der Ärztin und beugte sich über sie. Die Schottin ließ er dabei links liegen.

"Sie sind im Tanzenden Liebesdiener umgekippt. Daraufhin habe ich Sie auf die Krankenstation gebeamt. Dr. Campbell kümmert sich um Sie...", mit einem mürrischen Blick zu der Rothaarigen trat er einen Schritt vom Bett weg, damit er sie nicht bei ihren Untersuchungen behinderte. Dann blickte er wieder mit großen, besorgten Augen zu der Liegenden hinab.

"Umgekippt?", wiederholte Jordan verwirrt und hielt automatisch still, als die Ärztin der Atlantis ihren Tricorder an ihr hinab gleiten ließ. "In der Bar?"

Langsam schüttelte sie den Kopf und verzog im gleichen Moment das Gesicht, weil die Kopfschmerzen langsam zunahmen. Erst jetzt kam sie darauf, dem unbekannten Helfer einen Blick zuzuwerfen. War der in der Bar gewesen? Sie konnte sich nicht erinnern. Normalerweise erkannte sie auch alle Crewmitglieder, aber ihr Gehirn lief noch nicht wieder auf normaler Geschwindigkeit.

"Wer sind Sie noch mal?"

Während sich der Risaianer mit einem Lächeln der Ärztin der Venture vorstellte, hielt Llewella den Blick krampfhaft auf ihren Tricorder gesenkt. Während sie beinahe automatisch die erhaltenen Daten auswertete und mit ihren vorherigen Diagnosen verglich, weilte ein Teil ihrer Gedanken immer noch bei den Worten des Blonden.

Zunächst war die Rothaarige entsetzt gewesen bei dem Gedanken, sie habe den Mann aus Risa komplett missverstanden. Nun war sie sich nicht mehr so sicher, ob sie falsch reagiert hatte. Zeigte der Blonde doch auf einmal Besorgnis über Jordan - wo er sich vorher mit keinem einzigen Wort nach den Ergebnissen ihrer Untersuchung erkundigt hatte. Stattdessen war er nur daran interessiert gewesen, Süßholz zu raspeln.

'Nay, ich werde das Gefühl nicht los, dass der Kerl Komödie spielt ... Schmierenkomödie', überlegte Llewella. Sie beschloss, ihm zunächst völlig normal gegenüberzutreten. Immerhin wusste sie nicht, wie vertraut er mit ihrer Kollegin war. Dass er ihren Vornamen benutzte, sie aber dennoch siezte, ließ darauf schließen, dass die beiden zumindest noch nicht allzu weit waren. Aber ihre Kollegin wollte sie nun doch nicht brüskieren.

Die Ärztin schätzte, dass der Altersunterschied der beiden bestimmt fünf Jahre betrug. Was ihren Argwohn gegenüber dem Risaianer nicht gerade geringer werden ließ. Aber wiederum: 'Wo steht geschrieben, dass der Mann der Ältere sein muss', dachte sie und konnte nun ein Lächeln gerade noch unterdrücken. 'Immerhin bist Du auch etwas älter als Pormas, also stell Dich nicht so an, Llewella.'

Allein, das Misstrauen ließ sich nicht vertreiben.

Jordan Kincaid schien inzwischen wieder etwas klarer zu sein. Llewella legte den Tricorder beiseite und sprach die dünne Frau direkt an. "Ich würde gerne meine Diagnosen mit Ihnen besprechen, Dr. Kincaid. Aber vorher wüsste ich gerne, ob ich Mr. Forge aus dem Raum schicken soll."

"Natürlich." Jordan hatte sich mittlerweile auf die Bettkante gesetzt und versuchte, ihre Uniformjacke glattzuziehen - vergebens. Sie gab auf und wandte sich zu Forge um.

"Vielen Dank für Ihre Hilfe, Mr. Forge. Wenn Sie uns bitte entschuldigen würden." Die befehlsgewohnte Bestimmtheit war bereits in ihre Stimme zurückgekehrt. Sie lächelte unsicher über das Lächeln, das Forge ihr zuwarf, bevor er ging und ihr versicherte, dass er vor der Tür auf sie warten würde.

Stardust Atlantis