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Crossover 20 - Beamkarussell und Quarantäneparty

(Atlantis 25, Venture 49)

--- Atlantis, Krankenstation, Llewellas Büro

"Feuch! Tha i ....  wow!"

Llewella sprang aufgeregt auf und warf dabei ihren Stuhl vor dem Schreibtisch um. Sie warf dem liegenden Möbelstück noch einen irritierten Blick zu, dann eilte sie in den Nachbarraum, um Sternenlicht zu informieren.

--- Krankenstation

"Sternenlicht! Tha e coltach gun robh..."

Llewella verschluckte sich beinahe, als ihr auffiel, dass sie vor lauter Aufregung immer noch gälisch sprach. Schnell schaltete sie auf Standard um. Obwohl der Sivaoaner die gälische Sprache inzwischen recht gut beherrschte, konnte sie sich dennoch vorstellen, dass er bei wissenschaftlichen Formulierungen noch ein paar Schwierigkeiten hatte.

Tief Luft holend begann sie, Ihren begonnenen Satz in Standard zu wiederholen. "Es sieht so aus, als hätten wir ein paar interessante Ergebnisse aus den medizinischen Labors, Sternenlicht!", meinte sie mit erzwungener Ruhe.

"Diese seltsam haarigen Dinger, die die Labors isolieren konnten, lassen sich auf speziellen Nährböden anzüchten. Sie vermehren sich in vitro rasant, außerdem scheinen sie Toxine freizusetzen. Adrian Hayward ist sich da noch nicht sicher, aber seine bisherigen Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Toxine für die Blutungen verantwortlich gemacht werden können."

--- Quartier 457

'Ja, flieh ruhig!', warf ihr der Ferengi in Gedanken hinterher. Dass er es nicht lesen konnte, hatte er doch schon erwähnt. Aber die Schriftzeichen waren noch immer deutlich genug zu erkennen.

"Mensch, wenn es wirklich das Syndikat ist... Hast du etwas zu verbergen? Dunkle Geschäfte in der Vergangenheit mit den Orions?", wandte er sich an den Captain, der sich langsam wieder beruhigt hatte.

Narbo war sich ziemlich sicher, dass mindestens die Hälfte der Besatzungsmitglieder nicht weniger Dreck am Stecken hatte als er selbst. Und das war eine ziemliche Menge.

--- Krankenstation

"Wie Sie wahrscheinlich schon wissen gab es hier auf der Atlantis einen Anschlag. Sie sollten schnellstmöglich nach getarnten Schiffen oder Warpsignaturen suchen. Wenn sich der Täter nicht auf der Atlantis oder der Venture befindet muss er sich noch in der Nähe befinden."

David sah, dass sich Dr. Campbell und Sternenlicht aufgeregt unterhielten und ging zu Ysara hinüber die an einer Konsole stand.

"Was tun Sie gerade? Vielleicht sollten wir uns dem Quarantäne-Team anschließen. Ich steh‘ hier sowieso nur im Weg herum."

Ysara war nach Sternenlichts Aufforderung hin zu den Regalen gegangen, hatte eines der wenigen vollständig bestückten Medikits herausgesucht und sich gerade zum Gehen gewandt. Als Jeffrey sie ansprach, hielt sie in der Bewegung inne und warf ihm einen langen Blick zu.

Ihre Augenbraue wanderte in die Höhe. In Anbetracht der Tatsache, dass ihr letztes Zusammentreffen mit dem Mann eher... unglücklich verlaufen war – für ihn, verstand sich, nicht für sie -, fragte sie sich eine Sekunde lang ernsthaft, ob sie es mit einem besonders gutmütigen oder einem besonders dummen Menschen zu tun hatte.

Sie hielt von beiden Sorten eher wenig.

"Was ein ausgezeichneter Vorschlag, wenn man bedenkt, dass ich mich bereits auf dem Weg zum Team befinde", erwiderte sie trocken. "Und ich weiß nicht, was Sie tun werden, Mr. Jeffrey. Vermutlich nichts, wenn man bedenkt, dass wir Gäste bei Anschlägen auf unsere Sicherheitsoffiziere nicht helfen lassen. Wir sitzen hier nicht gerade herum und warten auf Rettung durch Krankenpfleger der Venture, müssen Sie wissen." Sie unterdrückte ein Kopfschütteln und nahm das Medikit an sich - der Mann reizte sie einfach immer noch, wann auch immer sie ihn traf. Vor allem, wenn er während eines schiffsweiten Notfalls durch die Krankenstation spazierte, in der er eigentlich gar nicht sein durfte, und sich in Dinge einmischte, die ihn weiß Gott nichts angingen. Fand niemand es *verdächtig*, dass Pormas Theocrates mit biologischen Waffen angegriffen wurde, kaum dass die Atlantis an die Venture dockte und ein Venture-Crewman mit medizinischer Ausbildung an Bord kam? "Ich empfehle Ihnen, sich weit vom Tatort fernzuhalten", fügte sie noch hinzu. "sonst finden Sie sich schneller in einer Zelle wieder, als Ihnen lieb ist."

Das war ein weiser Rat auf einem Schiff wie der Atlantis, und im zweiten Moment fragte sich Ysara bereits, warum sie ihn auf den Mann verschwendet hatte. Dann wiederum bezweifelte sie allerdings, dass er ihm folgen würde. Genau genommen hätte sie nichts dagegen, wenn er in ihrer Anwesenheit ein Hypospray zückte, um irgendjemanden zu behandeln - sie hatte die letzten Wochen damit verbracht, ihre Nahkampffähigkeiten zu verbessern, und es juckte ihr in den Fingern, sie an jemandem auszuprobieren, der sich ihren Patienten mit einer potentiellen Waffe näherte.

Ohne einen weiteren Blick auf den Mann zu verschwenden, wandte sie sich ab und verließ die Krankenstation.

David blickte Ysara noch einen Augenblick hinterher, räusperte sich und gesellte sich wieder zu Sternenlicht und Campbell. Er bereute es, schon wieder, überhaupt einen Fuß auf dieses Schiff gesetzt zu haben...

--- Venture, Brücke

Cheyennes Augen weiteten sich, als sie noch für einen Moment über Davids Aussage sinnierte. Das waren nun wirklich Neuigkeiten, die es wert waren, den Captain endgültig aus dem Bett zu holen.

Im nächsten Augenblick traf auch schon die angeforderte Statusmeldung der Atlantis ein, die sich ziemlich genau mit dem deckte, was der Terraner ihr gerade mitgeteilt hatte, worauf die Pilotin nun mit flinken Fingern endgültig den roten Alarm auslösten. Danach aktivierte sie die Langstreckensensoren - Cheyenne hatte keine Ahnung, nach was sie suchen sollten und entschied sich deshalb für ein Standardscanmuster, das der Computer ihr anbot.

"Brücke an Captain. Die Lage hat sich ein klein wenig geändert - melden Sie sich unverzüglich auf der Brücke!"

--- Atlantis, Quartier 457

Genervt schüttelte Julian den Kopf; hauptsächlich, um den Gedanken aus seinem Kopf zu bekommen, sich jetzt einen von Pormas Blastern von der Wand zu holen und damit dem Ferengi ein drittes Nasenloch zu verpassen. War es denn nicht möglich, dass dieser kleine, schmierige Wicht mal irgendetwas Positives zu dieser ganzen Sache beitrug?

"Nein, ich habe nichts zu verbergen. Und bisher bin ich den Orions nicht ohne Grund aus dem Weg gegangen, denn genau so etwas wollte ich vermeiden", sagte er und zeigte auf die Blutlache auf dem Boden.

"Aber wenn Sie hier ja so gut über das Orion-Syndikat Bescheid wissen, dann könnten Sie sich vielleicht endlich mal etwas nützlich machen und beim Entziffern der Nachricht helfen."

--- Venture, Brücke

Zischend öffnete und schloss sich der Lift, und Veronica Aillard trat auf die Brücke. Die Kommunikationsoffizierin warf einen irritierten Blick auf den Schirm - war das Schiff bewegt worden? - und ging wortlos zurück an ihre Konsole, als sie sah, dass Cheyenne mit jemandem sprach. Die Pilotin hatte sie eine halbe Stunde zuvor in den Maschinenraum geschickt, wo sie mit einem der Techniker einen Wackelkontakt zwischen einer Maschinenraumkonsole und einer Transporterraumkonsole behoben hatte. Jetzt funktionierte allerdings alles wieder.

"Ist etwas passiert?", fragte sie verwirrt, als Cheyenne den Kontakt zum Captain abbrach. "Soll ich den Rest der Brückencrew rufen?"

Wenn Cheyenne schon den Captain rief, musste es wichtig sein.

--- Bar zum Tanzenden Liebesdiener

Jordan schob gerade die leere Teetasse von sich, als es geschah und das vertraute Kribbeln des Transporterstrahls einsetzte. Sie hatte gerade noch Gelegenheit, S'Tom einen alarmierten Blick zuzuwerfen.

Der ehemalige Borg dematerialisierte mit gehobener Gabel.

Die Welt verschwamm.

--- Brücke

"Cheyenne, hier stimmt etwas nicht..."

Veronica unterdrückte einen Fluch und sah von einer Konsole zur anderen. Unterschiedliche rote Lichter blinkten auf. Rasch glitten ihre Finger über die Tasten, auf der Suche nach dem Auslöser des Alarms.

"Der Computer meldet zwölf unautorisierte Transporte auf sieben verschiedenen Decks", meldete sie kurz darauf. "Zwei in der Mannschaftsmesse... einer im Maschinenraum... überbrücke Transporterlock..." Sie gab es auf, noch während sie es sagte. "Zu spät. Sie sind weg."

Ein Anflug von Panik kroch beim Anblick des Displays in ihr hoch. 'Jetzt sag nicht, dass du beim Reparieren der Transporterkonsole was kaputtgemacht hast', betete sie. 'Sag nicht, dass du nicht mal das richtig hinbekommst...'

Horrorvisionen stiegen vor ihr auf. Wenn sie schon wieder Schuld war, versetzte Trustman sie wahrscheinlich in die Ladecrew und ließ sie nie wieder weg...

--- Atlantis, Krankenstation

Erwartungsgemäß materialisierte Jordan nicht zurück auf einem Stuhl. Sie versuchte sich abzufangen, als sie es merkte, aber erfolglos - sie wedelte mit den Armen, trudelte durch die Luft und fiel unzeremoniell auf den Hintern.

Mit einer Grimasse setzte sie sich auf.

Von S'Tom keine Spur.

Stattdessen sahen ihr David Jeffrey, Dr. Campbell von der Atlantis und ein ihr völlig unbekanntes Katzenwesen entgegen... und sie hatte eine Ahnung, dass sie sich nicht mehr auf der Venture befand.

Ganz. Wunderbar.

--- Venture, Maschinenraum

Gorm blinzelte irritiert.

Im einen Moment hatte er sich über die K'Nagh Würmer gebeugt, die in ihrem Container direkt neben dem Warpkern herumwuselten. Dann hatte er sich umgedreht, um die Tricorderergebnisse in die Konsole zu übertragen.

Dann hatte er sich wieder zu den Würmern umgedreht.

Der Container war leer.

--- Atlantis, Krankenstation

Dr. Campbell und Sternenlicht verstummten auf der Stelle. David hatte sich als erster wieder eingekriegt und bat Jordan seine Hand an.

"Sie sehen so aus ,als wären Sie hier falsch!", sagte er flapsig.

'Wie schön', dachte Jordan verwirrt. 'Er ist ein aufmerksamer Beobachter. Also haben wir ihn richtig eingeschätzt.'

Dankbar nahm sie die dargebotene Hand und ließ sich aufhelfen. Dann strich sie die Uniform glatt. Okay. Sie war auf der Atlantis. Krankenstation.

Sie schwor, sich nie wieder über Langeweile zu beschweren. Im Prinzip war sie selbst schuld, wenn sie dann auf der Atlantis landete.

"Vielen Dank. Sieht ganz danach aus." Entschuldigend wandte sie sich an Dr. Campbell. "Lassen Sie sich von mir bei nichts unterbrechen. Es scheint bei uns zu einem kleinen Transporterunfall gekommen zu sein, ich bin sofort wieder weg."

Kurzerhand aktivierte sie den Kommunikator. "Kincaid an Venture. Ich bin gerade aus der Mannschaftsmesse der Venture auf die Atlantis gebeamt worden. Es wäre schön, wenn Sie den Vorgang rückgängig machen können."

Mit einem weiteren entschuldigenden Lächeln trat sie demonstrativ aus dem Weg.

--- Venture, Brücke

Cheyenne hatte gerade zu einer Erklärung der letzten Ereignisse ansetzen wollen, als sie auch schon Veronicas alarmierenden Ausruf gehört hatte. Innerlich fluchend überflog sie die Statusmeldungen ihrer Konsole – etwas Schlimmeres hätte ihnen bei dem Verdacht, dass sich ein Attentäter auf dem Schiff befand, gar nicht passieren können.

"Veronica ... ja, rufen Sie den Rest der Crew! Und finden Sie raus, von wo aus der Transport initiiert wurde. Und vor allem, von wem!" Cheyenne hatte ihre Anweisungen eigentlich mit einer ruhigen Stimme machen wollen, was ihr allerdings nur bedingt möglich gewesen war - ihr Puls hatte sich innerhalb der letzen Sekunden um einige Schläge erhöht und auch ihre Gesichtsfarbe ging nun eher ins Rötliche.

"Ich versuche, die Transporterkontrollen zu sperren."

Veronica runzelte die Stirn, während sie versuchte, den Auslöser des Transports zu lokalisieren, aber die Spur verlief sich sofort im Nichts. Sie wäre erleichtert gewesen, dass sie offenbar doch nichts kaputtgemacht hatte, nur hatte sie dummerweise das Gefühl, dass die Alternative unangenehmer war.

"Alle Transporterdaten sind verschlüsselt", meldete sie Cheyenne und hob verblüfft die Augenbrauen. "Und zwar von extern."

Automatisch wanderten ihre Augen zum Schirm, der fast komplett von der Atlantis eingenommen wurde. Es brauchte nicht viel, um eins und eins zusammenzuzählen.

Aber zum Zählen war später Zeit. Sie öffnete einen Kanal. "Aillard an das diensthabende Personal. Begeben Sie sich sofort auf Ihre Stationen." 'Dies ist keine Übung' lag ihr auf der Zunge, aber wirklich, wann war auf der Venture schon etwas eine Übung? Sie hätte den Alarm zuerst auslösen sollen, dann wären Wagenvoort oder Trustman schon hier und sie hätte umso weniger Verantwortung...

Veronica aktivierte den Kommunikator, öffnete den Mund... und wurde unterbrochen.

"Victor an Brücke!", schallte es aus dem Lautsprecher. "Können Sie mir verraten, warum ich plötzlich auf einem Frischhaltecontainer auf der Atlantis sitze!"

"Gorm an Brücke! Meine Würmer sind weg! Ich verlange eine sofortige Erklärung!"

Überfordert sah Aillard zu Cheyenne, aber die Pilotin war völlig in ihre Konsole versunken, offensichtlich auf der Jagd nach dem Auslöser des Problems. Nun gut. Sie war die Kommunikationsoffizierin. Es war ihr Job.

Sie fluchte ein paar Mal in sich hinein. Dann vergaß sie die technische Seite des Problems einen Moment lang, öffnete einen Kanal in die generelle Richtung von allem, was der Computer als Venturecrew identifizierte und was sich auf der Atlantis befand.

"Hier ist die Brücke. Wir arbeiten an dem Problem, bitte haben Sie Geduld, wir melden uns, sobald wir Ihnen die Transporterfreigabe geben können."

Genervt atmete sie einmal tief durch. Dann zählte sie innerlich durch, was sie jetzt noch machen musste, bevor sie weiter nach dem Auslöser suchen konnte.

Und sowieso...

Würmer??

--- Atlantis, Quartier 456

Die Kriegerin musste innerlich über das Gespräch der beiden Männer schmunzeln - O'Connor konnte den Ferengi wohl genauso wenig leiden wie sie, was April mit einem gewissen Maß an Genugtuung zur Kenntnis nahm. Vielleicht kam es ja so weit, dass sie sich an dem Barmann gar nicht mehr die Finger schmutzig machen musste.

April schob den Gedanken beiseite, als eine zierliche Gestalt hinter einem Schutthaufen auftauchte und immer noch fluchend zuerst sie und dann das Loch in der Wand skeptisch in Augenschein nahm. Ein dicke Staubschicht bedeckte fast ihren gesamten Körper, wodurch es der Halbbajoranerin nicht möglich war, genau zu sagen, ob sie die Frau schon einmal auf dem Schiff gesehen hatte - der fragende Blick, mit dem sie allerdings von ihr gemustert wurde ließ sie darauf schließen, dass dem wohl noch nicht so war.

"Können Sie mir - verdammt noch mal - sagen, was das soll?" Die Stimme der Unbekannten begann leicht hysterisch zu vibrieren, während sie anfing, fragend mit den Händen herumzuwirbeln.

"Beruhigen Sie sich, Miss...?"

" ... Xen!", antwortete die Frau und stieg über die letzten Trümmer hinweg, bis sie vor der Halbbajoranerin stand. Sie war mehr als einen Kopf kleiner als April - was sie aber nicht daran hinderte, fast schon frech und herausfordernd mit ihren tiefblauen Augen zu ihr aufzublicken.

April ließ langsam ihre Atemluft entweichen ... irgendetwas an diesen Augen irritierte und verunsicherte sie.

"Gut, Miss Xen - Ihnen scheint ja nichts passiert zu sein - dann kommen Sie mal rüber!" Etwas forsch packte die Kriegerin ihr Gegenüber am Arm und zog sie kurzerhand durch das Loch in der Wand ins andere Zimmer. Ein protestierendes "Hey!" der jungen Frau begleitete ihre Aktion, worauf April jedoch keine Rücksicht nahm - die Frau war ihr eindeutig unheimlich; da hatte sie sie doch lieber in ihrer Sichtweite.

--- Krankenstation

Das durfte ja wohl nicht wahr sein. War die Mannschaftsmesse in die Krankenstation verlegt worden? Mit einem Knurren, das einem sibirischen Tiger alle Ehre gemacht hätte, fuhr Sternenlicht auf und wirbelte herum.

"Jetzt reicht es aber. Wir sind hier nicht in der Mannschaftsmesse!", ein fauchendes Knurren, bei dem vermutlich jeder Universalübersetzer kapitulieren würde, beendete den Satz.

Er trat ein paar Schritte auf die Besucher zu und baute sich vor ihnen auf. Mit gesträubtem Fell, einem wild schlagenden Schweif und im Licht glitzernden Krallen gab er trotz seiner vergleichsweise durchschnittlichen Größe eine sehr imposante Gestalt ab.

"Für diejenigen, die es noch nicht bemerkt haben, das hier ist die Krankenstation, nicht die Bar. Wir versuchen hier Leben zu retten. Allen, die nicht im Sterben liegen rate ich dringend, endlich ruhig zu sein. Oder besser noch, suchen Sie den Attentäter. Hier können Sie jedenfalls nicht helfen."

Jordan wechselte einen ausdrucksstarken Blick mit Jeffrey und runzelte die Stirn.

"Es war ein Unfall, und viel mehr als beiseite treten, kann ich nicht", wiederholte sie knapp und machte eine Geste, die die Ecke einschloss, in die sie sich verzogen hatte. "Ich versichere Ihnen, dass ich nicht herübergebeamt habe, um mich in Ihre Arbeit einzumischen. Fahren Sie doch einfach fort."

Mit einem kleinen Kopfschütteln zog sie sich einen demonstrativen Schritt weiter zurück. Sie war bereits aus dem Weg gegangen und hatte sich um das Problem gekümmert, was sonst erwartete der Mann von ihr?

--- Krankenstation, Ecke

"Also", bemerkte sie an Jeffrey gewandt, als sie dem Atlantis-Personal endlich vollständig aus dem Weg war. "Ich nehme an, Sie sind auch einem unfreiwilligen Transport zum Opfer gefallen? Und -" Sie hob fragend die Augenbrauen. "Attentäter?"

--- vor Quartier 456

Vor Quartier 456 wurde Ysara bereits von einem Sicherheitsteam erwartet. Sie erkannte Natalie Connor, die gerade testweise gegen ein Kraftfeld piekste, das den Eingangsbereich des Quartiers umgab.

"Wir haben uns noch mal mit Sternenlichts Leuten abgesprochen", begrüßte sie ihre Bekannte. "Wir sollen sie einen nach dem anderen scannen und dann erst wieder für Transporte freigeben. Vorher dürfen sie nicht aus dem Kraftfeld raus." Skeptisch sah sie Ysara von oben bis unten an - sie wusste, dass Ysaras Krankenschwesternausbildung sich auf Counselor-Bereiche und fröhliche Runden von 'Was richtet wohl dieses Hypospray an?' beschränkte. "Du kriegst das hin, oder?"

"Tiefenscans? Gerade so." Ysara verdrehte die Augen und tippte auf ihren Kommunikator. "Jefferson an O'Connor. Schicken Sie bitte nacheinander je ein Crewmitglied aus dem Quartier, damit wir Sie einem Scan unterziehen und aus der Quarantäne entlassen können. Vorausgesetzt, Sie sind nicht mit einem tödlichen Virus infiziert, der das Schiff verseuchen könnte, versteht sich", fügte sie noch hinzu. "In dem Fall würden wir auf Llewella warten. Oder Sie direkt ins Weltall beamen, ganz wie Sie wollen."

--- Venture, Quartier 1

Der Kanal war so schnell wieder geschlossen gewesen, wie Cheyenne ihn geöffnet hatte. Charles ballte seine Fäuste und krallte sich gleichzeitig in dem Bettlaken fest.

"Licht!", befahl er ins Dunkel. Die Beleuchtung fuhr sofort langsam hoch, bis ein angenehmer Helligkeitsgrad erreicht war.

Mit einer zielsicheren Bewegung schob er die Bettdecke von sich weg und schwang die Beine über den Rand der Matratze. Ein leichter Schmerz bohrte sich noch durch seinen Brustkorb, aber McCarthy hatte keine Zeit für Rücksicht.

Routiniert nahm er die Uniformhose, die wie üblich gebügelt und sorgsam gefaltet auf der Anrichte lag.

Ein Schiff wartete darauf, kommandiert zu werden.

--- Brücke

"Was sollen diese nebulösen Mitteilungen, CONN?", herrschte der Captain Morgan an und es war ihm verdammt noch mal egal, wenn Aillard das mitbekam.

"Lagebericht. Kurz und bündig!"

Rechtzeitig um die Worte des Captains mitzubekommen kam Trustman auf di Brücke. Zwar war hier nicht seine eigentliche Station, aber er konnte darauf vertrauen, dass die Sicherheitscrew jede Situation meistern würde.

Er versuchte sich einen Überblick zu verschaffen, aber ohne weiteren Informationen konnte er aus der allgemeinen Hektik keine Rückschlüsse ziehen.

Jetzt erschien auch Ruben aus dem zweiten Lift, sichtlich erregt und mit hochrotem Kopf. Man konnte ihm förmlich ansehen, dass er sich beeilt haben musste. Und am Sitz der Uniform konnte man nebenbei erkennen, dass er keine Zeit mehr für einen Blick in den Spiegel gehabt hatte.

Einen Augenblick zögerte der Afrikaner, dann räusperte er sich und deutete diskret auf Wagenvoorts Uniformjacke: Sie war auf links angezogen.

Der Sicherheitschef folgte dem Fingerzeig seines Stellvertreters, schaute irritiert an sich herab, glaubte schon an einen dieser schlechten Scherze, bis er sein eigenes Ungeschick erkannte.

Wenn er vorher nicht schon rot angelaufen gewesen wäre, hätte er dies spätestens jetzt nachgeholt. Mit einer ungelenken Folge von Handbewegungen streifte er das Oberteil ab, vollführte eine Inversion des Gleichen und zog es sich wieder an.

Vier Sekunden, die sich gelohnt hatten, fand er.

--- Atlantis, Quartier 457

"Sagen wir für den Moment, dass ich auch weitestgehend versucht habe, dieser ungemütlichen Bande von Meuchelmördern auszuweichen", antwortete der Ferengi auf den ersten Teil von Julians Frage.

"Mein Wissen über Eure menschlichen Zeichen ist nebenbei begrenzt. Zeit ist kostbar und ich kann nicht alle aussterbenden Eigenheiten dessen, was du Kultur nennen wirst, studieren..."

Die Mitteilung hatte Narbo unterbrochen. Schade, er war gerade so schön in Schwung gekommen und der Captain hatte dadurch sichtlich an Farbe im Gesicht gewonnen.

Könnte aber auch von diesem Virus kommen.

Instinktiv trat der Barbesitzer einen Schritt zurück und setzte sein unverbindlichstes Lächeln auf. Wenn der Captain tot umkippte, wollte er nicht im Wege stehen. Oder unter ihm begraben werden.

--- Venture, Bar zum tanzenden Liebesdiener

S'Tom war gerade dabei gewesen, einen der vier noch verbleibenden Bissen seines Salates zu seinem Mund zu führen, als er zuerst bei sich selbst, 23 Millisekunden später bei seinem Gegenüber die ersten Anzeichen eines Transportes und weitere 690 Millisekunden später Jordans geweitete Augen bemerkt hatte. Es gab keine andere Option, als ruhig auf die Rematerialisierung zu warten, was er auch tat.

--- Arboretum

Es war eine völlig neue Umgebung, von der die Sinne des ehemaligen Borg während der Rematerialisierung immer mehr verarbeiten konnten. Die Dominanz der Farbe Grün, dann den schmalen, rauen Untergrund, der an die Stelle des Stuhls in der Bar getreten war, eine für Natur spezifische Geruchsmischung, schließlich Äste, Blätter, viele weitere Pflanzen und das 1,78 Meter entfernte Gras unter ihm.

55 Millisekunden nach der Rematerialisierung registrierte der Vulkanier schließlich die 20,2 Meter entfernte Wand aus Tritanium. Offensichtlich befand er sich auf dem Ast eines Baumes in einem Arboretum, aus der Anordnung der Pflanzen zu schließen dem der Venture. Zuletzt bemerkte er den vertrauten, soeben ansteigenden Ton eines roten Alarms.

Er reflektierte kurz die Kunstfertigkeit beziehungsweise gegebenenfalls den Zufall, der nötig gewesen sein musste, ihn nahezu exakt auf einem Ast zu platzieren. Doch auch wenn dies interessante Überlegungen waren, gab es doch offensichtlich Anliegen von größerer Wichtigkeit.

Der Techniker begab sich mit einem optimal abgefederten Sprung zu Boden und machte sich auf den Weg zum nächsten Turbolift. Sein Schichtbeginn war soeben vorverlegt worden. Und laut Dienstplan befand sich sein Vorgesetzter mitten in einer Ruheperiode. "S'Tom an Maschinenraum. Ich bitte um einen Statusbericht bezüglich des Transportersystems."

--- Brücke

Die Pilotin überging die bissige Bemerkung des Captains - sie hatte im Moment wirklich größere Probleme, als sich über die Wahl ihrer Worte Gedanken zu machen. Außerdem - so fand die Terranerin - hatte McCarthy etwas Amüsantes an sich, wenn er sich so aufregte.

"Auf der Atlantis wurde ein Attentat auf den Sicherheitschef ausgeführt. Dabei wurde irgendein Stoff verwendet, den die da drüben noch nicht identifiziert haben - deshalb der Quarantänealarm.

Ich habe die Venture von der Atlantis getrennt und versucht, alle Transporter zu sperren - leider hat es wohl doch jemand geschafft, einen Transport zu initiieren. Irgendwie wurden einige Personen wild in der Gegend herum gebeamt ... " Cheyenne machte eine kurze Pause um zu überlegen welche Information sie noch vergessenen hatte.

"Ach ja - ich hab gerade einen Scan laufen lassen, ob sich ein getarntes Schiff in der Nähe befindet - allerdings ohne Erfolg. Das sollten wir noch mal überprüfen."

Ihr zufriedener Blick richtete sich an den Captain - gespannt auf seine weiteren Anweisungen.

--- Atlantis, Quartier 457

'Endlich geht es hier weiter', atmete Annika innerlich auf, als sie die Stimme Ysaras hörte. Sie war froh, wenn sie das Quartier verlassen konnte.

Jedoch blieb immer noch das Problem der Nachricht des Griechen. Annika wandte sich an O'Connor:

"Sir, wir sollten zumindest mit unseren Untersuchungen der Nachricht fertig sein, bevor wir das Quartier verlassen. Sonst vergeben wir jede Chance, sie zu entziffern, wenn wir nicht zurückkehren können. Ich schlage vor, dass wir sie aufnehmen, dann können wir sie später an einem Terminal weiter bearbeiten..."

Julian warf Narbo einen finsteren Blick zu. Diesmal hatte der Ferengi Glück gehabt, dass er durch die Nachricht von Ysara von Schlägen oder sogar Schlimmeren verschont geblieben war. Jedoch wuchs dessen "Punkte-Konto" in einem ziemlich ansehnlichen Tempo.

"Miss Jacobsen, Sie haben recht. Kümmern Sie sich mit April und Narbo ...", er warf einen Blick zu der Bajoranerin und ihrem neuen Gast " ... und unserer Neuen hier um die Sache. Ich werde mal mit Ysara ein ernstes Wörtchen reden müssen."

Mit einem genervten Kopfschütteln schritt er zur Tür und tippte auf seinen Kommunikator.

"O'Connor an Ysara. Humor ist in der jetzigen Situation gänzlich unangebracht", raunzte der Captain und ballte die Fäuste. Wenn das hier so weiter ging, dann würde er irgendetwas zertrümmern müssen. Oder irgendjemand.

"Wir haben vorhin Sternenlicht schon versucht klar zu machen, dass wir irgendetwas in uns mit dem Tricorder entdeckt haben, jedoch mangels medizinischer Kenntnisse nichts unternehmen konnten. Aus diesem Grund sollen Sie doch nun hier sein. Wenn Sie mir aber jetzt sagen, dass Sie da auch nichts machen können, weil Sie keine Ahnung haben, dann sind sie in der Krankenstation vielleicht gänzlich fehl am Platz."

Seine Laune sank einem immer schlimmeren Tiefpunkt entgegen. Vielleicht war es nötig, in Zukunft ein paar Stellen neu zu besetzen oder ein paar personelle Verschiebungen zu befehlen.

"Ich würde also empfehlen, bevor wir jetzt hier raus kommen und das ganze Schiff verseuchen, dass Sie endlich Jemanden hier hin schaffen, der weiß, was er tut und wie er uns hier retten kann. Und ich würde außerdem vorschlagen, dass Derjenige sich ein wenig beeilt. Normalerweise warten unbekannte Viren nicht darauf, dass ihr Wirtskörper an Altersschwäche stirbt, bevor sie aktiv werden."

--- vor Quartier 457

Ysara tauschte einen Blick mit Nathalie. Sie verdrehten beide die Augen. Der Mann hatte zugehört, als sie das erste Mal gesprochen hatte, ja? Offenbar war er nicht sonderlich gerne mit seiner Crew in einem Quartier eingesperrt.

Aber dann wiederum befand sich Nathalie zufolge Narbo in diesem Quartier, also konnte man es ihm kaum verdenken.

"Sorry, Captain, der Befehl war etwas anders bei mir angekommen", erwiderte sie für ihre Verhältnisse sehr freundlich. "Ich komme natürlich gern herein und setze mich dem Risiko aus, mich ebenfalls mit einem tödlichen Virus zu infizieren, wenn Sie das möchten. Und was Ihre Frage zu meinen Qualifikationen angeht..." Während sie sprach, war sie in den Quarantänebereich getreten und hatte den Türöffner betätigt.

--- Quartier 457

"...nein", sagte sie, als O'Connor hinter der sich öffnenden Tür erschien. "Ich bin ein Counselor und vielleicht sogar in der Sicherheit oder auf der Brücke zu etwas zu gebrauchen, aber ich bin definitiv keine gute Krankenschwester. Ich bin einfach mehr eine Public Relations Person, ich dachte, das wüssten Sie mittlerweile." Sie grinste, um zu signalisieren, dass sie nicht versuchte, herablassend zu sein.

Dann zückte sie ihren Tricorder. Genug der Plaudereien, auf zum Geschäft. "Was soll ich untersuchen?"

Entsetzt starrte O'Connor auf die junge Frau vor sich, die breit Grinsend mit ihrem Tricorder vor ihm herum wedelte und auf die Anzeige starrte. Was dachte sich dieses Persönchen eigentlich dabei, einfach hier herein zu kommen, ohne Schutzanzug und mit der Gefahr im Nacken, dass das ganze Schiff verseucht werden konnte? Nicht genug damit, dass sie nun selbst dem Erreger ausgesetzt war.

Sprachlos suchte er nach den richtigen Worten, um seine Meinung captainsgerecht kundzutun, jedoch brachte er lediglich ein ärgerliches Zischen zustande. So etwas war ihm in den langen Jahren als Händler und Captain wirklich noch nie untergekommen. Zwar hatte er schon mal von gewissen Sternenflottenmitgliedern gehört, die sich unsinnigerweise und unüberlegt für ihren Captain geopfert hatten, aber er hätte nie gedacht, dass ihm das mal passieren würde. Hier, in den Weiten des Alls, bei eigentlich unterbezahlten Mitarbeitern.

"Hat sich Ihr selbstmörderisches Verhalten denn nun wenigstens gelohnt?", fragte er dann nach einer Weile, als er seine Sprache wiedergefunden hatte. "Oder können Sie mit den Tricorder-Werten genauso viel oder wenig anfangen wie wir?"

--- Venture, Brücke

Zischend öffneten sich die Turbolifttüren und entließen Yhea mit einer Kaffeetasse bewaffnet auf die Brücke, wo er direkt zur technischen Konsole schritt und sie aktivierte. Der rote Alarm hatte ihn von seinem Beobachtungsposten beim Warpkern vertrieben, wo er Gorm bei seinem Würmer-Experiment über die Schulter geschaut hatte. Interessante Sache, jedoch war der Anblick von dicken, herumkrabbelnden Würmern nichts für schwache Mägen. Zum Glück war seiner relativ robust, sonst hätte er wahrscheinlich schon vor Jahren bei dem immensen Kaffeegenuss die weiße Fahne geschwungen.

Poulsen hatte ihm inzwischen sämtliche wichtige Informationen auf diese Konsole transferiert, bevor er sich dann zu dem entsprechenden Transporter begeben hatte, um den Grund für die wahllosen Beam-Vorgänge zu finden. Das würde wohl eine gewisse Zeit dauern, bis von dort weitere Neuigkeiten zu erwarten waren, deswegen wandte sich Yhea dem akuteren Problem zu: ein eventuell getarntes Schiff.

Er überflog das Scan-Ergebnis von Cheyennes Versuch und aktivierte daraufhin erneut die Sensoren. Vielleicht ließ sich ein genaueres Ergebnis erreichen, wenn er ein paar Parameter änderte und etwas von seinem Wissen von Tarnvorrichtungen einfließen ließ. Zumindest war es ein Versuch wert; außerdem hasste McCarthy es, wenn irgendetwas unversucht blieb.

--- Atlantis, Quartier 457

„Am besten schauen sie auch noch mal nach allen Vitalfunktionen, um sicher zu gehen, dass unser Captain keinen Herzinfarkt bekommt!“, warf die Halbbajoranerin sarkastisch noch aus der zweiten Reihe hinterher. Sie verstand, warum er Narbo beinahe an die Gurgel gegangen war – was er allerdings an Ysara auszusetzen hatte war ihr ein wenig schleierhaft.

Für einen Moment vergass sie fast die Anwesenheit der fremden Kollegin, die abwartend und mit verschränkten Armen – fast schmollend - da stehen geblieben war, wo April sie abgestellt hatte.

--- Quartier 457, Tatort

„Narbo, gibt es in diesem Raum interne Kameras?“, wandte sie sich dann an den Ferengi, ohne die „Neue“ aus den Augen zu lassen. „Welche, die Sie nicht zerschossen haben?“

Der Ferengi schritt etwas beiseite, auch wenn er die Antwort von Ysara nur ungern verpasste. Wer wollte nicht dabei sein, wenn O'Connor über seinen baldigen, schmerzhaften Tod informiert wurde?

Da Narbo sich aber sicher war, dies spätestens durch lautes quiekendes Weinen mitzubekommen, konnte er sich zunächst auch der Frage widmen:

"Standardmäßig sicher nicht, außer unser Captain oder jemand anders hat voyeuristische Neigungen. Die einzige Möglichkeit wäre, dass Pormas selbst Überwachungsgeräte installiert hat"

Dabei starrte er die langsam trocknenden Schriftzeichen auf dem Teppich an.

--- Venture, Brücke

"Gut gemacht", brachte Charles anerkennend hervor und setzte sich in seinen Sessel. Vielleicht war er ja doch zu hart mit ihr ins Gericht gegangen. "Suchen Sie weiter nach dem Schiff und lassen Sie sich von Alnak dabei helfen. Wenn es Romulaner sind, sind seine Detailkenntnisse über Tarnsysteme sicher hilfreich. Und sagen Sie der Sicherheit, dass jedes Nicht-Besatzungsmitglied an Bord überprüft werden soll"

Nachdem das geregelt war, drehte er sich mit dem Kommandantensessel um. Er hatte das mehrmalige Zischen der sich öffnenden Turbolifttüren gehört und hoffte, dass wer auch immer gekommen war in der Situation helfen konnte oder schnellstmöglich wieder verschwand.

Als er in die Gesichter von Yhea, Ruben und Eric blickte, fügte er hinzu: "Vergessen Sie es, Miss Morgan! Meine Herren, folgendes Problem..."

"Aber natürlich Captain", antworte Ruben sofort, nachdem McCarthy die beunruhigenden Neuigkeiten geschildert hatte, "Wagenvoort an alle Sicherheitler: Suchen Sie in der Datenbank alle ääh crewfremden Leute heraus, die wir während der letzten Wochen aufgenommen haben, überprüfen Sie deren Aufenthaltsorte während der letzten Stunde und nehmen die Personen  ohne Alibi vorübergehend in Gewahrsam. Aber seien Sie vorsichtig, wir suchen einen Attentäter!"

--- Atlantis, Krankenstation

David seufzte. Er konnte verstehen, dass Sternenlicht Probleme hatte bei dem Chaos ruhig zu bleiben und nahm es ihm nicht übel.

"Kommen Sie. Hier stehen wir wirklich nur herum. Ich erzähle Ihnen, was ich weiß", sagte David zu Jordan und bedeutete ihr, mit ihm die Krankenstation zu verlassen. "Ich weiß ja nicht, wie es ihnen geht - aber ich brauche jetzt einen Kaffee"

Die beiden machten sich auf den Weg zu Narbos Bar.

--- Venture, Deck 5, Trainingshalle

"Merde", beschwerte sich Mirabelle schwer atmend, als der Kommunikator, der auf ihrem säuberlich zusammengefalteten Häufchen Kleidung lag, die Botschaft Wagenvoorts weitergab. Müde blickte sie auf ihre Judo-Partnerin, die ebenso wie sie in die klassische Kleidung der Judoka gewandet war.

Bereits als der rote Alarm durchs Schiff geschrillt war, hatten die beiden ihren Trainingskampf eingestellt, da sie schon mit einer Durchsage an die Sicherheit rechneten.

Tamara Jagellovskaja, eine befreundete Sicherheitlerin, mit der sich Mirabelle regelmäßig zum Sport traf, warf Mirabelle einen schrägen Blick zu und griff ebenfalls nach ihrer Bekleidung. Eine Dusche musste warten. Bei rotem Alarm war die Arbeit dem persönlichen Wohlbefinden vorgesetzt.

Während Tamara sich noch ankleidete, suchte sich Mirabelle das nächste Terminal, das sie finden konnte. Sie musste nicht lange suchen, denn bereits im Büroraum der Trainingshalle wurde sie fündig.

Die Halbmarokkanerin aktivierte das Terminal und gab ihre Sicherheitscodes ein, so dass sie Zugriff auf alle wichtigen Daten bekam.

"Computer", forderte sie mit schwachem französischem Akzent. "Zeige mir sämtliche Personen auf, die nicht zur Crew der Venture ge'ören, mit derzeitigem Aufenthaltsort!"

Nur wenige Millisekunden später hatte sie ihre Antwort. Sie öffnete einen Kanal zu Wagenvoort. "Renault an Wagenvoort. Ich habe 73 nicht zur Besatzung ge'örende Individuen identifiziert. Ich werden Ihnen die Liste transferieren und mich außerdem auf die Suche nach M. Legrain machen, da er meinem derzeitigen Aufent'altsort am nächsten ist. Miss Jagellovskaja nimmt sich M. Bouden vor. "

--- Brücke

Das verheißungsvolle Wort 'Attentäter' ließ Veronica hinter ihrer Konsole schaudern. Ja, es war gut, dass sie also doch nicht versehentlich mit ihrer Reparatur das Schiff lahmgelegt hatte. Aber 'Attentäter' war einfach keine gute Alternative...

"Ich habe schon danach gesucht, wo die Transporte initiiert worden sind, aber noch nichts gefunden", sagte sie an Alnak gewandt. "Alles Routinesuchmuster. Ich übertrage die Daten auf Ihre Konsole und in den Maschinenraum."

Immerhin war sie nur eingesprungen, bis die Technik auf ihren Stationen war. Sie ließ trotzdem weitere Suchroutinen über die Schiffssysteme laufen. Sicher war sicher, zumal die Führungscrew sie wie immer ignorierte. Hach, waren das noch Zeiten gewesen, als der erste Offizier noch Anjol hieß und mit ihr ins Bett ging...

--- Atlantis, Quartier 457

Mit einem inneren Kopfschütteln hatte Ysara den Tricorder aktiviert, gehoben und sich einmal langsam um ihre Achse gedreht, während sie die sich verändernden Werte ansah. Dann runzelte sie die Stirn, setzte die Ergebnisse zurück und versuchte das Ganze noch einmal.

Konnte sie sich leisten, den Captain wortlos stehenzulassen? Mit dem Mann kam sie einfach nicht zurecht. Egal ob sie es freundlich oder ironisch versuchte, beides schien immer jeweils die falsche Methode zu sein. Aber er konnte wohl kaum etwas dagegen haben, wenn sie ihre Arbeit machte. Also drehte sie ab und ging zur Quartierkonsole neben der Tür, die zufälligerweise unversehrt war, um die Daten auf die Krankenstation zu überspielen. Überhaupt - sie hatte nicht gewusst, dass hier drin geschossen worden war. Pormas war schließlich ohne Schussverletzungen aus dem Quartier gebeamt worden... aber dann wiederum sah das riesige Loch in der Wand auch definitiv nach einer seiner Waffen aus.

"Jefferson an Sternenlicht. Ich habe das Quartier nach den Spezifikationen gescannt, die mir Ihre Leute geschickt haben" - sie hatte sie auf dem Weg zum Quartier angefordert - "aber meinen Tricorderwerten zufolge ist die Luft im Quartier jetzt absolut sauber. Es gibt keinerlei ungewöhnliche Messwerte." Außer den vielen Staubpartikeln, verstand sich. "Gibt es sonst irgendetwas, nach dem ich suchen soll, bevor ich mir die Leute hier ansehe?" Sie war keine Wissenschaftlerin. Für kompliziertere Scans musste Sternenlicht sie anleiten.

--- Quartier 457, Tatort

April war überrascht, von Narbo eine Antwort erhalten zu haben, die ausnahmsweise nicht mit einer Beleidigung oder einer Beschimpfung geendet hatte. Ein leichtes Grinsen legte sich auf ihr Gesicht, welches sie aber im nächsten Moment wieder verbannte...

"Hm ... wie groß ist denn der Verfolgungswahn unseres Captains?", meinte sie dann, ohne eine wirkliche Antwort auf die Frage zu erwarten.

"Auf jedenfalls brauchen wir irgendeine Möglichkeit, diese Nachricht abzufotografieren!"

Daran sollte die Aufklärung des Falls nicht scheitern.

"Computer, holographische Aufzeichnung des Schiffs in einem Umkreis von zehn Metern anhand eines vollen Sensorscans erzeugen und in der Schiffsdatenbank speichern", wies der Ferengi mit betont überlegener Stimme den Bordrechner an, um keine Sekunde später ein bestätigendes Piepsen als Antwort zu erhalten.

Gleichzeitig hörte er mit einem Ohr das Gespräch zwischen Ysara und O'Connor mit.

'Hmm, wohl doch keine Kistenparty! Vorerst...', stellte er bedauernd fest, obwohl er eh nicht sicher war, ob überhaupt irgendjemand auf die Beerdigung des Captains gehen würde.

Wenn der Kommandant eines privaten Schiffes verstarb, war die halbe Besatzung meist die nächsten Tage damit beschäftigt, die Nachfolge mit allerlei Waffen untereinander zu regeln.

Einer der Gründe, warum Narbo stets ein Stiefelmesser bei sich trug.

--- Krankenstation

Das Katzenwesen atmete noch einige Male tief durch, sein Nackenfell begann sich dabei wieder hinzulegen, seine gut fingerlangen Krallen verschwanden wieder in den Pfoten. Vielleicht konnte er jetzt mal normal arbeiten.

Er ging wieder zurück zu Llewella: "Bitte entschuldige, aber dieses ständige Gewusel hier ging mir langsam ein wenig auf die Nerven." Llewella nickte nur, sie kannte den Sivaoaner schon lange genug, um sich von solchen emotionalen Ausbrüchen nicht schocken zu lassen. Er konnte schließlich nicht aus seiner Haut heraus.

Er setzte sich wieder vor das Terminal und holte mit einigen kurzen Tastenkommandos einige der mikroskopischen Analysen auf den Schirm: "Ja, das passt zu den Beobachtungen, die wir hier sehen. Es scheinen Bakterien irgendeiner Form zu sein, gesehen habe ich so was noch nicht. Die Datenbanken geben auch wenig her.

Und, was das Verrückteste ist, die Spektralanalyse zeigt eine organisch-mineralische Außenhülle. Die normalen Kohlenstoff-Ketten wurden mit diversen im Körper vorhandenen Mineralien angereichert." Sein Schweif deutete erläuternd auf diverse Punkte eines Spektogramms.

Llewella runzelte die Stirn und dachte einen Moment nach, ehe sie antwortete: "Das würde erklären, warum die Biofilter des Transporters diesen Stoff nicht filtern können. Eine raffinierte Tarnung ist das."

"Allerdings. Und jetzt schau Dir mal das hier an." Sternenlicht rief die ersten Messergebnisse von April auf und wartete auf eine Reaktion der Ärztin. Llewella begann leise vor sich hin zu murmeln, als sie die Trikorderdaten durchging:

"Kaum ein Zehntel so groß wie das Bakterium, keine messbare, biologische Aktivität, dieselbe mineralisch-organische Struktur... Sternenlicht, könnten das Sporen sein?"

Zustimmend neigten sich seine Schnurrhaare nach vorne: "Aye, das denke ich auch", verfiel er in den Slang der Schottin. Er aktivierte den Interkom: "Sternenlicht an Zooth A'hdai"

Die Afrikanerin meldete sich sofort: "A'hdai hier" - "Begeben Sie sich auf der Stelle zum Quartier 457, Schahrein April hat mit ihrem Tricorder Sporenähnliche Spuren im Blut des Chefs entdeckt. Packen Sie ein, was Sie brauchen und vergessen Sie den Quarantäne-Anzug nicht. Untersuchen Sie das Quartier im Detail nach dem Ursprung dieser Dinger. Vielleicht können Sie was rekonstruieren. Nehmen Sie noch jemanden zur Unterstützung mit." - "Ich bin schon unterwegs." Der Kommlink erlosch mit einem zufriedenen Piepen.

"Sternenlicht hier", antwortete er, noch während er die zusätzlichen Daten von Ysara durchsah. "Das ist schon einmal gut. Bitte überprüfen Sie zunächst mal die anderen Anwesenden nach folgenden, chemischen Signaturen..." Gleichzeitig übertrug er die Daten des Toxins und der mineralisch-organischen Hülle.

"Alle, bei denen Sie keine der beiden Signaturen finden, können das Quartier verlassen.

Captain, noch kurz zum Status: Theocrates ist stabil, nachdem wir hier auf dem Krankenrevier endlich für Ruhe gesorgt haben, kommen wir auch weiter. Wir haben den Erreger isoliert, auch wenn wir noch nicht wissen, wie wir ihn bekämpfen können. Zwei Leute aus den Labors sind unterwegs. Nachdem wir die ersten Daten jetzt haben, können wir jetzt auch mit passender Ausrüstung und nicht auf Gut-Glück kommen."

--- Quartier 457

"Das sind ja ausnahmsweise mal gute Nachrichten", antwortete der Captain, während Ysara wieder mit dem Tricorder anrückte, um die besonderen Messungen durchzuführen. "Ich hoffe, wir bekommen diese ganze Geschichte endlich unter Kontrolle, ohne dass weitere Personen zu Schaden kommen."

--- Krankenstation

"Aye, das denke ich doch." Sternenlicht beendete die Verbindung in das Quartier 457 und öffnete einen Kanal zur Brücke. 'Wie auf dem Stachus geht es hier zu', dachte er dabei...

"Sternenlicht an John Smith, überprüfen Sie sofort sämtliche Aufzeichnungssysteme. Im Quartier von Theocrates muss sich wenige Minuten vor dem Sicherheitsalarm noch eine zweite Person befunden haben. Nehmen Sie, wenn es sein muss, jedes Modul einzeln auseinander. Ich möchte wissen, wer dafür in Frage kommt." '...und ihn mir vorknöpfen', vollendete er den Satz in Gedanken.

Nachdem er auch diesen Kanal geschlossen hatte, wandte er sich wieder an Llewella: "Und wie bekämpfen wir dieses Ding jetzt?"

--- Quartier 457

Ysara unterdrückte den Drang, vor sich hinzupfeifen, als sie den Tricorder vor dem Captain auf und ab gleiten ließ und seine Daten aufnahm. Sie konnte nichts dagegen tun. Lebensgefahr versetzte sie in ungeheuer gute Stimmung. Sie war nicht sicher, ob es daran lag, dass sie sterben könnte und all ihre Probleme mit der Atlantis-Crew los sein könnte, oder dass alle anderen sterben könnten und dito. So oder so, es war auf etwas morbide Weise eine Win-Win-Situation.

Motiviert von so warmen Gedanken wie diesen ließ sie sich die Situation einen Moment lang durch den Kopf gehen. Dann runzelte sie die Stirn. Während der Tricorder noch vor sich hinrechnete, tippte sie auf ihren Kommunikator.

"Jefferson an Sternenlicht. Vorschlag zur Güte: Wir haben die genaue Zusammensetzung der Luft im Quartier während dem Angriff, dank Ihrer Stichprobe. Wir haben die biosensorischen Daten des Computers zum selben Zeitpunkt - der Computer wird ja alle Abweichungen vom Normalzustand aufgezeichnet haben, sobald der Alarm ausgelöst wurde. Unser Angreifer hatte den Virus wahrscheinlich nicht im Körper. Sollte es nicht möglich sein, aus diesen Daten eine holographische Darstellung des Angriffs zu erstellen, indem wir alles im Quartier darstellen lassen, was nicht verseucht war?"

Es war ein Schuss ins Blaue, aber vermutlich einen Versuch wert.

--- Venture, Maschinenraum

"Hier ist Poulsen", meldete sich Alex auf den Ruf des Vulkaniers hin, während er alle bisherigen Informationen bezüglich des Transporterproblems zusammenstellte und zu Yhea an die technische Brückenstation weiterleitete.

"Wir wissen leider noch nicht allzu viel zu dem, was eben passiert ist. Anscheinend sind wahllos verschiedenste Personen durch die Gegend gebeamt worden und nicht nur innerhalb der Venture. Wir haben Rufe von der Atlantis bekommen, demnach hat es wohl auch dorthin Leute verschlagen. Wir haben lediglich bisher herausgefunden, dass Transporterraum Zwei dafür verantwortlich ist, wobei dabei offen ist, ob es sich um ein technisches Versagen oder bewusste Manipulation handelt."

Aus den Augenwinkeln heraus erblickte er Gorm, der ziemlich aufgelöst auf einer Konsole herumtippte; anscheinend immer noch auf der Suche nach seinen Würmern, nachdem er sie wohl nicht in der näheren Umgebung des Warpkerns gefunden hatte.

"Ich wollte gerade aufbrechen; sollen wir uns denn nicht direkt im Transporterraum Zwei treffen? Dann können wir uns gemeinsam um das Problem kümmern", schlug Alex vor, während er sich schon seinen Werkzeugkoffer geschnappt und Gorm bedeutet hatte, dass er nun hier im Maschinenraum die Stellung halten sollte.

--- Brücke

"Vielen Dank, Miss Aillard", antwortete Yhea der Kommunikationsoffizierin und überflog deren Daten. Schnell erkannte er jedoch, dass ihre Scanergebnisse keine weiteren Neuerungen zu Tage brachten; schließlich war Alex ja schon zu Transporterraum Zwei unterwegs.

"Es sieht wohl so aus, als läge das Problem im Transporterraum Zwei. Ein Techniker ist bereits unterwegs und kümmert sich drum", berichtete er Veronica, während er weiterhin den Scan nach getarnten Schiffen im Auge behielt. Bisher hatten die Sensoren nichts Außergewöhnliches festgestellt, jedoch war deren Reichweite und Genauigkeit durch ihren Aufenthalt im Nebel stark eingeschränkt.

"Captain", wandte er sich an McCarthy, "so wie es aussieht finden unsere Sensoren in dieser Suppe von Nebel nicht wirklich etwas, was einem getarnten Schiff auch nur nahe kommt. Jedoch bezweifle ich stark, dass bei den ganzen Interferenzen hier auch nur irgendjemand ein Tarnfeld aufrechterhalten kann, welches ein ganzes Schiff oder auch nur Shuttle verhüllen kann."

Langsam blickte er von einem Anwesenden zum Nächsten.

"Das lässt dann wohl nur den Schluss zu, dass sich der Attentäter weiterhin entweder hier oder auf der Atlantis befindet und bis auf Weiteres nicht weg kann."

--- Atlantis, Quartier 457, Tatort

April bedachte den Barmann mit einem schiefen Grinsen – immer noch darüber überrascht, dass der Kerl ihr nicht eine Beschimpfung entgegen geworfen hatte. An ihrer Abneigung ihm gegenüber würde sich allerdings wohl eher nichts ändern.

Sie wollte sich gerade an den Captain wenden als ihr jedoch Xen zuvor kam. Die Frau hatte sich mittlerweile etwas vom Staub befreien können wodurch man langsam die Farbe ihrer Kleidung erkennen konnte und auch einen Rückschluss auf die Farbe ihrer zerzausten Haare ziehen konnte. Auch ihr Gesicht war nun besser zu erkennen, wodurch die Augen einen nicht mehr ganz so großen Kontrast bildeten.

„Captain, können Sie mir vielleicht langsam mal erklären, was hier vor sich geht?“, richtete sie ihre Frage an O’Connor. Ihr leicht flackernder Blick schien den Mann fast zu durchdringen.

Julian hatte sich wieder, nachdem Ysara mit dem Tricorder anscheinend fertig gescannt und gewedelt hatte, wieder zu den Anderen im Quartier gewandt, um zu erfahren, was sie heraus bekommen hatten, als er von der Frau aus dem Nachbarquartier abgefangen wurde. Sie blickte ihn etwas ängstlich an; vermutlich war sie sich immer noch nicht sicher, ob sie es gut finden sollte, hier in diesem Quartier zu sein, eingestaubt von Narbos Schießübungen.

"Tja, also in der Kurzfassung hat Jemand versucht, Theocrates zu ermorden mit Hilfe irgendeines Virus, den Sie vielleicht nun auch haben und die einzige Hilfe ist die mit Blut geschriebene Nachricht dort auf dem Teppich", berichtete er und zeigte auf die entsprechende Stelle, die von Narbo, April und Jacobsen umringt war.

Jean starrte O’Connor für einige Augeblicke fassungslos an – das konnte doch nur ein übler Scherz sein. Doch die Tatsache, dass der Captain keinerlei Anstalten machte, als nächstes in einen Lachanfall auszubrechen, ließ die junge Frau schnell begreifen, dass dieser wohl nicht vorgehabt hatte, einen schlechten Witz zu reißen.

Einen fahrigen Blick auf das Blutbildnis am Boden werfend fixierte sie wieder O’Connor mit ihrem Blick. Ihr eigenes Blut begann in den Ohren zu rauschen, als sie realisierte,  was sich hier wohl – nur unweit von ihrer Couch, auf der sie gerade noch gesessen hatte – abgespielt haben mochte.

Wenigstens hatte dieses Mal nicht sie die Schuld an dem Chaos und Schlamassel.

„Und jetzt? Werden wir alle sterben?“, ihre Stimme begann sich leicht zu überschlagen – mit explodierenden Zimmerwänden kam sie ja noch klar, aber bei bösartigen Viren und Blut sah das schon anders aus.

--- Krankenstation

Die hochgewachsene Schottin runzelte überlegend die Stirn. "Die Sporen an sich zu bekämpfen, dürfte schwierig sein. Allgemein sind Sporen ja dazu da, die Verbreitung eines Bakteriums zu sichern, daher sind sie meist sehr widerstandsfähig. Von daher fände ich es bedenklich, wenn sich diese Sporen IM Blut des Captain befunden hätten..."

"Ja, guter Punkt", meinte Sternenlicht. Dieses Detail hätte er fast übersehen. "Ysara, wir können das versuchen, ja. Anhand dieser Daten müsste zumindest der Ursprung des Angriffes isolierbar sein. Es handelt sich allerdings hauptsächlich um Daten über die Dichteänderung der Luft. Das Bakterium selbst ist gegenüber den modernen Sensoren bemerkenswert gut getarnt. Ich denke, wir sollten uns die Daten bei nächster Gelegenheit mal gemeinsam und in Ruhe ansehen - sobald wir die medizinische Situation halbwegs im Griff haben."

Mit einem Tippen an ihren Kommunikator öffnete Llewella einen Kanal zu Ysara. "Ysara, bitte unternehmen sie doch noch einmal einen Scan der Insassen des Quartiers und achten Sie darauf, ob die Sporen" - und damit beschrieb sie Ysara, auf welche kleinen Einheiten sie achten sollte - "tatsächlich IM Organismus der Leute sind oder eher an der Haut haften."

--- Venture, Gänge, Deck 5

"In Ordnung, ich werde in weniger als zwei Minuten dort eintreffen", meldete S'Tom zurück.

Unabhängig davon, ob es sich um Sabotage oder technische Fehlfunktion handelte, der scheinbar wahllose Transport von Crewmitgliedern machte mit den bisher verfügbaren Daten nur wenig Sinn. Qualifizierte Schlussfolgerungen würden warten müssen, bis Poulsen ihn über die Hintergründe des roten Alarms aufgeklärt haben würde.

Der Vulkanier wartete kurz vor einem Turbolift; nach 13,4 Sekunden öffnete sich schließlich die Tür. Er nickte den Insassen grüßend zu und wies den Computer an: "Deck 4", was auch prompt registriert wurde.

--- Gänge, Deck 4

Schnellen Schrittes bewegte sich S'Tom durch die Gänge. Auch auf diesem Deck herrschte regeres Treiben als für diese Zeit üblich. Vier Biegungen später erreichte er schließlich Transporterraum Zwei, den er sogleich betrat - 1 Minute und 37 Sekunden nach seiner Meldung.

--- Transporterraum Zwei

Wie erwartet war Alex bereits eingetroffen, sein Weg war auch der kürzere gewesen. "Mr. Poulsen", nickte der Techniker seinem Vorgesetzten zu.

--- Transporterraum Eins

Bevor Chris überhaupt an einen Transport denken konnte, spürte er einen leichten Ruck durch das Schiff gehen. Sie hatten sich also von der Atlantis gelöst. 'Seltsam? Ob etwas passiert ist?'

Dann wurde auch schon der Alarm ausgelöst. Chris zuckte zusammen und verließ den Transporterraum wieder, sehr viel schneller dieses Mal als er ihn betreten hatte. Etwas war also geschehen und er wollte herausfinden worum es sich handelte.

--- Gänge

Er hastete durch die Gänge, wählte den kürzesten Weg zur Brücke. Warum er sich für die Brücke entschied, konnte Carter gar nicht genau sagen, nur ein Gefühl, doch er hatte gelernt, dass sein Gefühl meistens stimmte.

In der vergangenen Zeit hatte er die Venture bei jeder Gelegenheit durchstreift, um sich in einem Ernstfall auch wirklich zu Recht zu finden und alle Winkel zu kennen. Er erreichte die Brücke und trat ein.

--- Brücke

'Was ist denn hier los?' verwundert blickte er sich einen Moment um, so viele Crewmitglieder hatte er auf der Brücke noch nie gesehen. Sein Blick blieb einen Moment an Alnak hängen, Wut flammte kurz in Chris auf, die er aber sofort verbannte, dafür war jetzt keine Zeit.

"Ist etwas passiert?", erkundigte sich Carter so laut, das ihn auch bestimmt jeder hatte hören können.

--- Transporterraum Zwei

Alex begrüßte den Vulkanier und brachte ihn informationstechnisch auf den aktuellen Stand, während er schon damit beschäftigt war, die Transporterkonsole zu öffnen, um etwaige "Änderungen" daran bzw. darin festzustellen.

"S'Tom, wären sie so freundlich und würden die Transporterpuffer und den Leitstrahlprozessor überprüfen, um herauszufinden, wer wann wohin gebeamt wurde? Vielleicht schaffen wir es so, denjenigen zu finden, der für das ganze Chaos hier verantwortlich ist."

Langsam scannte er nach und nach sämtliche Baugruppen innerhalb der Konsole, jedoch bezweifelte er stark, dass er etwas fand, was Rückschlüsse auf den Verursacher zuließ. Anscheinend war der Attentäter nicht gänzlich unbegabt in technischen Belangen, sonst hätten sie schon längst einen Hinweis auf ihn gefunden.

--- Brücke

Cheyenne hatte der Brückenmannschaft wieder den Rücken zugekehrt, als ihre Konsole kurz aufgeblinkt hatte - zumindest war der schiffsweite Systemtest, mit Ausnahme der Transportersysteme, positiv verlaufen.

Einige Momente überlegte sie, wandte sich dann wieder zurück an Alnak und meinte:

"Also stellen wir mal fest was wir wissen: der Attentäter war auf der Atlantis, als er deren Sicherheitschef angegriffen hat. Und dann wurden die Transporte durchgeführt - von wo nach wo gingen die denn alle? Wenn ich das richtig verstanden habe, dann haben die doch nur innerhalb der Venture statt gefunden oder von der Venture zur Atlantis", eine kurze Paus entstand, in der die Pilotin auch den Captain kurz mit ihrem Blick fixierte.

"Das heißt er ist irgendwie vorher auf die Venture gekommen - und zwar ohne Transporter. Das macht irgendwie alles keinen Sinn."

"Ähh, ich glaube, Ihre Schlussfolgerung ist nicht ganz korrekt", mischte sich Ruben zaghaft ein und versuchte nicht zu forsch zu klingen, "Bei den willkürlich erscheinenden Transportprozessen könnte es sich zum einen um eine geschickte Verschleierungstaktik des Attentäters handeln. Die aufwendige Art des Attentats lässt die Vermutung zu, dass die notwendigen Manipulationen am Computersystem für den Unbekannten machbar sind.

Zum anderen waren die beiden Schiffe noch für einen gewissen Zeitraum aneinander gedockt, so dass er auch auf diesem Wege auf die Venture gekommen sein könnte. Daneben besteht natürlich wie Alnak schon sagte auch noch die Möglichkeit, dass der Gesuchte nach wie vor auf der Atlantis weilt und es sich bei den beobachteten Transporteraktivitäten um ein eigenständiges Phänomen oder eine bewusst gestreute falsche Fährte handelt."

--- Atlantis, Deck 5, Gänge

Jordan hörte aufmerksam zu, während Jeffrey die Situation der Atlantis mit einigen Worten umriss. Unwillkürlich warf sie dabei Blicke über die Schulter, in Richtung Krankenstation - Angewohnheit aller Ärzte, immer da sein zu wollen, wo sich der Patient befand. Aber es gab keinen Grund, Dr. Campbells Fähigkeiten anzuzweifeln, mit dem Fall alleine fertig zu werden. Captain O'Connor hatte ihr die Krankenstation ja vermutlich nicht aus einer Laune heraus anvertraut - obwohl man, dachte sie trocken, auf der Atlantis nie sicher sein konnte.

Das Katzenwesen - welche Spezies war das? Sie musste das irgendwann nachschlagen - hatte jedenfalls klar gemacht, dass es kein Interesse an Hilfe von Außenstehenden hatte. Auch etwas, das sie nachvollziehen konnte. Sie wäre selbst nicht begeistert, wenn während eines medizinischen Notfalls irgendwelche fremden Leute auf ihre Krankenstation beamen würden.

"Also lassen Sie mich das wiederholen", sagte sie, als sie den Turbolift erreichten. "Auf der Atlantis wurde ein Attentat auf den Sicherheitschef verübt - und gleichzeitig werden Leute von der Venture gebeamt?" Sie schüttelte den Kopf. "Sind Sie auch auf diese Weise hier gelandet?"

Während sie sprach, öffnete sich die Tür zum Turbolift, und sie traten ein.

--- Quartier 457

"Verstanden", gab Ysara zurück, die Augen immer noch auf ihren Tricorderdaten. "Kommen wir später darauf zurück. Jefferson Ende."

Mit einem Stirnrunzeln sah sie auf das Display ihres Tricorders, das nach wie vor die Ergebnisse von O'Connors Scans zeigte, mit denen sie nach wie vor nicht viel anfangen konnte. Sie war eben wirklich nur als verlängerter Arm Llewellas hier. Also zuckte sie mit den Schultern und trat zu den anderen.

--- Quartier 457, Tatort

"Mal sehen", erwiderte Ysara fröhlich und handelte sich den einen oder anderen entsetzten Blick aus Richtung der anderen Anwesenden ein. Sie verdrehte die Augen. "Bisher sieht es beim besten Willen nicht danach aus", fügte sie dann in beruhigendem Tonfall hinzu. "Wir sind schon in der Phase, wo wir wirklich nur noch sicher gehen. Halten Sie still."

In unterschiedlichen Stadien der Ungeduld und Vorfreude, das enge Quartier endlich verlassen zu können, warteten ihre Patienten, während sie nacheinander ihre Scans durchführte. Bei O'Connor hielt sie inne, als ein Warnlämpchen aufblinkte, weil die Sporen gefunden worden waren.

Stirnrunzelnd ließ sie den Tricorder noch einmal an O'Conners Arm hinab gleiten und erreichte seine Hände. Schmutzige Hände, wohlgemerkt. Die Messwerte kletterten fröhlich in die Höhe. Sie taten das ebenso an einer Seite seines Nackens, auf Höhe der Uniformtaschen und auf Oberschenkelhöhe.

Hah. Ein Fund. Sie zog sich in eine Ecke des Quartiers zurück und tippte auf ihren Kommunikator.

--- Quartier 457, Ecke

"Jefferson an Campbell. Ich überspiele die Daten. Sie haben Recht. Im Organismus befinden sich jeweils keine Spuren, die Sporen kleben lediglich an allem, was O'Connor angefasst hat. Er ist mit Theocrates Blut in Kontakt gekommen, schätze ich. Soll ich weitere Scans durchführen oder kann ich O'Connor in Richtung Schalldusche schicken und die anderen freigeben?"

Skeptisch sah sie sich im Quartier um. Theocrates Schalldusche hatte den Schuss nicht überlebt, aber dafür gab es jetzt einen bequemen Durchgang in das unversehrte Bad des Nachbarquartiers. Ob eine Schalldusche ausreichte, würde ihr freilich Llewella sagen müssen.

--- Venture, Brücke

Er hatte gerade seinen Monolog beendet und war etwas stolz darauf so lange fast fehlerfrei gesprochen zu haben, als sein Kommunikator zirpte.

"Je vous remercie!", bedankte Ruben sich für die schnelle Rückmeldung und verfiel dabei unbewusst ins Französische. Er hatte sich die Sprache   vor kurzem in Grundzügen angeeignet, nachdem er ein interessantes Buch von Hubert Beuve-Mery über Chemikalienunverträglichkeiten in der Datenbank entdeckt hatte.

Aus irgendeinem Grund hatte der Autor jegliche Übersetzung in andere Sprachen untersagt; wahrscheinlich aus kulturnationalistischen Gründen.

"Ähh, und eine gute Jagd!", fügte der Niederländer noch hinzu. Leider kannte er die französische Vokabel für Jagd nicht, aber er hatte bei Eric Trustman desöfteren solche wohl motivierend gedachten Sätze gehört.

--- Atlantis, Turbolift

"Deck 6!", befahl David, woraufhin sich die Turbolifttüren schlossen und man einen leichten, durch die Trägheitsdämpfer ausgeglichenen, Ruck wahrnehmen konnte.

"Nein. Ich war aufgrund von Dr. Campbell auf der Atlantis, als die Quarantäne ausgelöst wurde." Der Lift stoppte und entließ die beiden Wissenschaftler auf den Flur von Deck 6.

--- Deck 6, Gänge

"Wie Sie wahrscheinlich noch wissen verdanke ich ihr meinen Job auf unserer Krankenstation. Dafür wollte ich mich eigentlich bedanken."

Die beiden bogen um eine Ecke als sie von einer zügigen Andorianerin umgerempelt wurden. Sie machte keine Anstalten, Jordan oder David aufzuhelfen und rannte weiter die Korridore entlang.

--- Quartier 457

Julian war sich so langsam nicht mehr sicher, ob Ysara ihr Hauptaugenmerk nur auf ihn gelegt hatte, weil er der Captain war; und somit der wichtigste Mann an Bord oder ob da andere, persönlichere Gründe zählten. Jedenfalls schien sie irgendetwas gefunden zu haben und anscheinend war es nicht wirklich positiver Natur, sonst hätte sie sich bestimmt nicht außer Hörweite zu ihnen gestellt.

Nervös knetete er seine Hände und schritt im Quartier auf und ab; irgendwie hatte er das Gefühl, als würde die Luft hier im Quartier von Sekunde zu Sekunde dicker werden und die Wände bewegten sich beinahe drohend auf ihn zu. Natürlich versuchte er sich das Ganze nicht anmerken zu lassen; schließlich war er der Captain und der hatte nun mal mit gutem Beispiel voran zu gehen.

'Voran in den Tod?', dachte er plötzlich und blieb wie angewurzelt stehen. Nein, soweit durfte es nicht kommen. Wer würde dann auf das Schiff aufpassen, es kommandieren...

Er blickte zu Narbo und schüttelte beinahe wild den Kopf. 'Niemals!!', schrie es in seinem Kopf. Vorher würde er aus der Hölle wieder auffahren, um diesen kleinen miesen Wicht davon abzuhalten. Aber wer sollte es sonst sein? Julian nahm sich vor, mal sämtliche Personalakten durchzusehen, um einen geeigneten Kandidaten für den Posten des ersten Offiziers zu finden. Das wäre ja gelacht, wenn aus der Crew nicht irgendjemand anständiges aufzutreiben wäre.

--- Venture, Brücke

Wenn Alnak ein Vulkanier gewesen wäre, dann hätte er nun wahrscheinlich vor Überraschung über Wagenvoorts außergewöhnliche Sprachkenntnisse eine Augenbraue gehoben. Da er jedoch Romulaner war, beließ er es bei einem Stirnrunzeln, was ihm einen fragenden Blick seitens des Niederländers einbrachte.

"Mir kommt gerade der Gedanke", begann Yhea an den Sicherheitschef gewandt, "warum wir davon ausgehen, dass es nur Nicht-Crewmitglieder sind, die für das Attentat in Frage kommen könnten. Wer sagt uns, dass es nicht auch Jemand von uns sein könnte?"

Er ließ den Satz kurz in der Luft hängen, um die Reaktion der anderen Brückenoffiziere abzuwarten.

"Schließlich kann das Ganze schon vor Monaten geplant worden sein und seitdem haben wir schon einige neue Leute an Bord geholt."

Wagenvoort nickte heftig zur Bestätigung.

"Sicher gilt 'post hoc ergo propter hoc' nicht immer, aber die zeitliche Nähe zwischen unserer Aufnahme von fremden Personen, dem jetzigen Zusammentreffen mit der Atlantis und dem dort verübten Anschlag gebietet es, ähh vorrangig in diese Richtung zu ermitteln. Außerdem haben wir derzeit keine weiteren Hinweise, denen wir nachgehen könnten."

Mit großen Augen blickte Yhea den Niederländer an, der anscheinend nicht gemerkt hatte, dass wohl keiner auf der Brücke seinen letzten Ausdruck verstanden hatte. Schließlich war keiner von ihnen ein Universalübersetzer und als Romulaner wie er einer war, war es wohl normal, wenn man keine irdische Sprache beherrschte; zumindest vermutete er, dass das eben Gesprochene von der Erde kam, denn zweifelsohne war Ruben ein Mensch. Körperlich wenigstens.

"Sie sollten doch wissen, Mister Wagenvoort", wies er den Niederländer darauf hin, "dass die Universalübersetzer solche Textpassagen, wie Sie eben zum Besten gegeben haben, normalerweise nicht übersetzen."

Er ging einen Schritt näher auf den Sicherheitschef zu und zeigte auf seine Ohren.

"Wenn Sie jetzt noch den Blick auf diese spitzen Dinger hier an meinem Kopf richten würden ... was fällt Ihnen da auf? Können Sie da vielleicht ein paar Schlussfolgerungen draus ziehen? Also in Bezug auf ihren Satz, hmm?"

--- Transporterraum Zwei

S'Tom bestätigte seinen Arbeitsauftrag und begann sofort mit der Überprüfung, während sich seine Gedanken zu einem großen Teil noch auf die eben erhaltenen Informationen konzentrierten.

Ein Attentat, allen bisherigen Indizien nach zu urteilen ein Profi. Der Agent vermutete, dass der Schuldige von der Atlantis gekommen war, und die zeitliche Überschneidung mit dem Andocken der Venture nur ein geschicktes Ablenkungsmanöver inklusive einer zusätzlichen Fluchtoption darstellte. Er hatte allerdings nicht ausreichende Informationen, um die übliche Schwierigkeit, auf die Atlantis zu kommen, genau zu beurteilen.

Sofern dies eine größere Hürde darstellte, als er annahm, läge natürlich ein auf der Venture mitgereister Attentäter näher. S'Tom hatte von Anfang an versucht, neben einer aktuellen Crewliste, die auf Grund weniger Änderungen keine Herausforderungen darstellte, auch eine Liste crewfremder Personen für den Geheimdienst zu führen. Wie sich schnell herausgestellt hatte, konnte er nur von 68% Namen und/oder Aussehen in Erfahrung bringen, von geschätzten 27% erfuhr er nicht einmal die Anwesenheit. Wie er durch vom Geheimdienst in einigen Fällen zugesandte Hintergrund-Informationen abschätzen konnte, fanden sich unter diesen Personen immer wieder solche mit sehr fragwürdiger Weltanschauung...

Die soeben am Terminal aufgetauchten Informationen fokussierten seine Gedanken zur Gänze auf die Transporteranalyse. In der allgemeinen Leere des Weltalls wäre es Rauschen, aber hier im Nebel - Der Nebel schirmte Subraum-Phänomene atypisch gut ab. Der ehemalige Borg ließ die Analyse nochmals laufen. Wenn es kein Rauschen war, dann... Er hatte darüber gelesen, jedoch waren das nur Tests mit unbelebter Materie. Der Einschätzung des Autors, und seiner eigenen, nach, wäre die Anwendung auf Lebewesen gefährlich für alle Beteiligten. Aber diese charakteristische Interferenz ließ im Nebel zumindest vorerst keinen anderen Schluss zu.

"Mr. Poulsen, ersten Daten des Transporterpuffers und des Leitstrahlprozessors zu Folge kam hier ein experimentelles Transportverfahren zur Anwendung. Dabei wird die Materie am Zielort eines typischen Transports ohne Kontrolle durch die üblichen Systeme als reines Interferenzmuster an den Ausgangsort jenes Transports gebeamt. Notwendig ist nur eine geringfügige Manipulation der Sicherheitssysteme. Da in unserem Fall mehrere Transporte zeitgleich geschahen, alle über diesen Transporterpuffer, wurde die Materie - der Signatur nach organischer Natur, vermutlich eine Person - von der Atlantis zufällig an einen der zwölf Ausgangspunkte auf der Venture transportiert."

--- Atlantis, Quartier 457

April hatte ihre Arme vor der Brust verschränkt und beobachtete die Situation mit wachsender Besorgnis. Langsam war es wirklich an der Zeit, dass sie eine anständige Aussage bekamen, wie es nun mit ihnen weiter gehen sollte. Angesichts der lautlosen Bedrohung, die sie alle hier betraf, war die Halbbajoranerin innerhalb der letzten Minuten erstaunlich ruhig geworden - warum, konnte sie selbst nicht so genau sagen.

Mit durchaus neugierigem Interesse beobachtete sie den Captain, der wie es schien langsam nicht mehr Herr seiner Sinne war. Die Arme der Kriegerin sanken langsam und unauffällig an das Halfter ihres Gürtels und ertasteten dort das kühle Plastik ihres Phasers - sollte auch nur eine Person zu sehr der Hysterie verfallen, würde sie nicht zögern, diese zu betäuben.

Dieses Vorhaben schloss auch Xen mit ein, die gerade noch den Captain fixierte - eindeutig vor den Kopf gestoßen, dass dieser nicht auf ihre Frage eingegangen war. Mit fahrigen Bewegungen knetete sie ihre Hände und der immer noch fragenden Blick stellte ihre Emotionen deutlich dar.

--- Venture, Transporterraum Zwei

Alex blickte von der Konsole auf, an der er gerade am Arbeiten war.

'Experimentelles Transportverfahren?' Welcher Attentäter setzte sich einem solchen Risiko aus, vielleicht nicht wieder materialisiert oder, schlimmer noch, unvollständig oder fehlerhaft zusammengesetzt zu werden?

Der junge Techniker kratzte sich fragend am Kopf. Entweder war der oder die Unbekannte eine sehr mutige Person oder einfach ziemlich dumm, jedoch zweifelte er daran, denn bisher hatte sich der Attentäter ziemlich clever und gewieft gezeigt.

"Ihrem 'vermutlich' nach zu urteilen, besteht so also nicht wirklich die Möglichkeit herauszufinden, von wo nach wo er nun gebeamt wurde, oder?"

--- Brücke

"Ääähh..."

Ruben war einen Moment etwas verwirrt. Er war natürlich davon ausgegangen, dass solche grundsätzlichen Gesetzmäßigkeiten für den Translator kein Problem waren.

Aber was die Ohren des Romulaners damit zu tun haben sollten war ihm ein Rätsel.

"Tja, die Ohren sitzen nicht genau symmetrisch an Ihrem Schädel, aber ich glaube nicht, dass das einen Einfluss auf die fehlende Übersetzung hatte. Allerdings sind Sie der Ingenieur", antwortete Wagenvoort vorsichtig auf die Frage, nachdem er keine plausible Lösung gefunden hatte.

Vielleicht wollte Alnak ihn auch nur verwirren. Aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen mit dem Romulaner war die Möglichkeit durchaus in Betracht zu ziehen.

"Jedenfalls wollte ich damit nur ausdrücken, dass Sie Recht haben und die zeitliche Nähe zwischen zwei Ereignissen nicht zwangsläufig auf eine Kausalität hindeuten muss, die Möglichkeit aber prinzipiell besteht."

--- Atlantis, Deck 6, Gänge

Mit einem leisen "Pft!" warf Jordan der Frau einen bösen Blick hinterher und rieb sich die Schulter, bevor sie sich gegenseitig aufhalfen. Sie war zwar die erste, die es verstand, wenn in Notfallsituationen Chaos ausbrach und keine Zeit für Entschuldigungen blieb, aber von der Krankenstation abgesehen war ihr die Atlantis bisher recht ruhig erschienen.

"Hier geht es wohl heute hoch her", sagte sie trotzdem, in Davids Richtung gewandt, verständnisvoll. "Sind Sie in Ordnung?"

David nickte, woraufhin die beiden ihren Weg fortsetzten.

--- Bar

In Narbos Bar angelangt setzten sie sich an einen freien Tisch. "Was gibt's Neues bei uns?" fragte David. Er hoffte, auf seinen Job zu sprechen kommen zu können. Er war zwar froh, auf der Venture arbeiten zu können, doch fühlte er sich als Krankenpfleger ein wenig unterfordert. Vielleicht konnte Jordan ihm dabei ein wenig unter die Arme greifen. Da er bisher jedoch nicht viel mit ihr zu tun hatte, wollte er nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Jordan stutzte. "Ich denke nicht, dass sich seit der letzten Schicht etwas verändert hat", erwiderte sie dann trocken. Sie zuckte mit den Schultern. "Sie haben sicherlich schon gehört, dass Miss Fakaii ihren Kokon verlassen und den Dienst wieder aufgenommen hat. Also wird es hoffentlich bald wieder etwas ruhiger."

In der Bar, fiel ihr auf, war es ausgesprochen ruhig - und dieser Ferengi war auch nicht in Sicht. Sie hatte nicht mitbekommen, ein wie hoher Alarm auf der Atlantis ausgelöst worden war. Hoch genug jedenfalls, dass niemand mehr tatenlos herumsaß.

Immerhin wuselte ein Kellner hinter der Theke herum und setzte sich in ihre Richtung in Bewegung. "Aber es ist gut, dass ich Sie hier treffe, ich wollte Sie ohnehin sprechen", fuhr sie fort. "Wie haben Sie sich eingelebt?"

Sie war sicher, dass es eine höflichere und nicht ganz so direkte Variante gab, um das Gespräch zu beginnen, aber ihr fiel keine ein.

Inzwischen war der Kellner bei ihnen angekommen und beide hatten sich etwas zu trinken bestellt.

"Nun ja... Eigentlich geht's mir auf der Venture ganz gut. Ich habe erste Kontakte geknüpft und verdiene ein wenig Geld...", während er sprach beobachtete David die Kellnerin beim Replizieren der Getränke, "... jedoch fühle ich mich nicht wirklich gefordert und gebraucht. Ich denke darüber nach, das Schiff zu verlassen, wissen Sie?" Bei den letzten Worten sah er Jordan wieder an, um ihre Reaktion beobachten zu können.

--- Quartier 457

Nachdem sich Ysara in die Zimmerecke begeben hatte, hatte der Ferengi ganz besonders aufmerksam die Ohren gespitzt: Vielleicht war O'Connor ja doch dem Tode geweiht.

Was er gehört hatte, machte den Gedanken aber gleich wieder zunichte.

Eine einfache Schalldusche konnte doch wohl nicht reichen! Dieser ganze Aufwand, Pormas mit mysteriösen Kampfstoffen um die Ecke zu bringen und dann keine weiteren Opfer?

Nein, das klang ganz und gar nicht nach dem Orion Syndikat. Derlei aufwendige Rücksichtnahme war denen fremd, soweit Narbo das gehört hatte.

Worüber er für seine eigene Person natürlich erfreut war.

Aber sonst...

"Diese bekackten Amateure!", schnaubte er deutlich hörbar vor sich hin.

--- Krankenstation

Die schottische Ärztin warf Sternenlicht einen Blick zu. Dann wandte sie sich wieder an Ysara:

"Ich würde den Captain gerne auf direktem Weg in die Quarantänesektion beamen. Nur um sicher zu gehen, dass nicht doch noch irgendwelche Sporen im Schiff verteilt werden. Die Untersuchungen, welche Reinigungsprotokolle die Sporen inaktivieren, sind noch nicht ganz abgeschlossen. Bitte teile dem Captain das so mit. Er soll sich nicht beunruhigen, es ist eine reine Routinemaßnahme.

Die anderen können das Quartier verlassen."

--- Quartier 457

"Ja, furchtbar", stimmte Ysara zu, die Llewellas Befehl bestätigt hatte und zurück in die Versammlung getreten war. "Die gute Nachricht ist, dass sie alle aus der Quarantäne entlassen sind. Sie sind sporen- und virenfrei und dürfen gehen... außer Ihnen, Captain."

Sie hielt O'Connor mit einer Geste auf. "Sie sind über das Blut mit dem Organismus in Kontakt gekommen. Dr. Campbell will, dass Sie für die Dekontamination direkt in den Quarantänebereich der Krankenstation beamen. Wir sehen uns dort. Durch das stärkste Kraftfeld, das wir haben. Aber oh, keine Sorge", fügte sie hinzu. "Kein Grund zur Beunruhigung, alles ist reine Routine." Sie grinste. "Wir haben hier ja kompetentes Personal."

Sie grüßte mit zwei Fingern und packte ihren Tricorder wieder ein.

--- Venture, Brücke

"Natürlich habe ich Recht", antwortete Yhea auf die Aussage von Ruben hin und stützte die Hände in die Seite. "Das habe ich fast immer, jedoch freut es mich natürlich, wenn es mal von Jemand bemerkt wird."

Schnell trank er einen großen Schluck Kaffee aus seiner Tasse und verdeckte damit das beinahe überbreite Grinsen in seinem Gesicht, als er Rubens etwas ratlosen Blick sah. Sollte der Niederländer sich doch den Kopf darüber zerbrechen; er hatte jedenfalls seinen Spaß.

"Hätte denn sonst noch Jemand hierzu eine Idee?", fragte er dann in die Runde, die sie Beide wohl interessiert bei dem Geplänkel beobachtet hatte.

--- Atlantis, Quartier 457

‚Ha!‘, freute sich Narbo, dass seine Sensationslust vielleicht doch noch befriedigt werden würde, auch wenn er gegen den Captain eigentlich nichts hatte.

Mit gemächlichen Schritten trat er an O'Connor heran, passte aber auf, dass immer ein Meter Sicherheitsabstand verblieb. Nicht, dass er sich auch noch dieses Zeug einfing.

"Falls wir uns nicht mehr sehen: Ich werde einen Cocktail nach Dir benennen. Zur Erinnerung an den Mann, der das Schiff jahrelang durch alle Gefahren geführt hat, um am Ende jämmerlich an irgendwelchen Sporen zu verrecken. Vielleicht schreibt Sternenlicht auch ein Lied darüber..."

Mit einer vorgetäuschten Träne im Knopfloch wandte der Ferengi sich Richtung Tür.

Für den schlechten Scherz von Narbo hatte der Captain nur ein müdes Lächeln übrig, jedoch beunruhigte ihn die Aussage von Ysara, dass die Dekontamination nur "reine Route" war. Es waren schon verdammt viele Leute bei reiner Route ums Leben gekommen und er hatte nicht vor, wirklich Namensgeber für einen von Narbos verfluchten Cocktails zu werden.

Zudem ärgerte er sich über sich selbst, dass er das Blut auf dem Boden berührt hatte, denn das schien ihn wohl in diese dämliche Situation gebracht zu haben. Wobei er es natürlich nicht hatte wissen können. Trotzdem war es doof.

"O'Connor an Quarantänestation", rief er, nachdem er die Anderen, die schon fleißig dabei waren, aus dem Quartier zu flüchten, noch instruiert hatte, sich um die Entschlüsselung von Pormas Nachricht zu kümmern. "Ich bin dann bereit für den Transport."

Ysara warf den beiden Sicherheitlerinnen einen kurzen prüfenden Blick zu und entschied sich für April. Sie hatte nie mit ihr gesprochen, aber sie wusste eine Frau mit großer Waffe zu schätzen.

"Ich schätze, Sie werden sich für Ihre Ermittlung mit der Wissenschaft kurzschließen", bemerkte sie. "Sie können sich gerne jederzeit an mich wenden, wenn Sternenlicht gerade beschäftigt ist oder Sie sonst etwas brauchen. Ich bin keine Wissenschaftlerin, aber ich kenn mich auf der Krankenstation auf und", sie tippte auf ihr Medikit, "ich kenne die Befunde."

Betont sah die ehemalige Psychologin sich nicht zurück zum Quartier um. Trotz aller Differenzen hatte sie Theocrates gemocht und oft erfolgreich mit ihm im Team gearbeitet - ihre Basis waren gemeinsame Hobbys, schätzte sie und dachte an einen Abend, an dem er ihr volltrunken die Funktionsweise eines romulanischen Disruptors erklärt hatte. Sie hatte das Gefühl, als sei sie ihm etwas schuldig, einfach weil sich hier sonst nicht viele Leute darum zu scheren schienen, ob er starb oder nicht.

--- Narbos Bar

Jordan sah den Psychologen ungläubig an. Sie hatte im letzten Monat Tag und Nacht gearbeitet, weil Cailin sich in einen Kokon verzogen und sie als einzige Ärztin auf der Krankenstation eines riesigen Schiffes zurückgelassen hatte. Gut, sie hatte das Pflegepersonal nur zu sehen bekommen, um Anweisungen zu geben und Berichte zu lesen, aber wenn es jemanden gab, der sich nicht gefordert und gebraucht fühlte, hatte sie offensichtlich etwas falsch gemacht.

Sie musste mit Cailin darüber reden.

David sah sie erwartungsvoll an, und sie räusperte sich. Na, immerhin war der Mann ein Psychologe, kein gelernter Krankenpfleger. Es gab Dinge, die er nicht machen konnte, also hatten die anderen Pfleger vermutlich dankend alle Hilfs- und Putzarbeiten auf ihn abgeschoben.

"Ich war mal eine der führenden Sternenflottenforscherinnen im Gebiet der Borgphysiologie", bemerkte sie säuerlich. "Ich fühle mich auch nicht wirklich gefordert, aber man tut, was man muss." Seufzend winkte sie ab, als Jeffrey den Mund öffnete. "Nein, schon gut", wehrte sie ab. "Ich weiß, wie Sie sich fühlen."

Sie hielt inne, als der Kellner ihre Tassen vor ihnen abstellte, griff nach der Milch und fuhr fort. "Ich habe mit Dr. Fakaii über Sie gesprochen. Wir stimmen Ihnen zu, Sie sind auf der Krankenstation fehlbesetzt. Es ist allerdings so, dass wir seit einiger Zeit darüber nachdenken, wieder einen Schiffscounselor einzustellen. Die Crew der Venture steht ständig unter Stress, es ist ein vernünftiger Schritt - aber Sie haben sicher von dem Drama mit unserer letzten Psychologin gehört. Sie haben sie getroffen, glaube ich?" Fragend sah sie von ihrer Tasse auf.

David musste ein wenig über Jordans Reaktion schmunzeln. Er wollte definitiv keine Kritik an der Arbeitsweise seiner Kollegen äußern. Der letzte Satz ließ ihn jedoch aufhorchen. "Nun ja. Die Geschichte über Ysara Jefferson ist mir zwar noch nicht bekannt, doch bin ich mir absolut sicher dass diese Person als Psychologin ihren Beruf verfehlt hat."

--- vor Quartier 457

April grübelte einen Moment lang über Ysaras Angebot nach und entschloss sich dann mit einem Nicken, die Frau zu begleiten.

„Gehen Sie auf die Krankenstation, Mrs Jefferson? Wenn ja, würde ich Sie gerne dorthin begleiten…“, antwortete die Halbbajoranerin auf die Aussage der Krankenschwester.

Nachdem sich die Lage in Pormas Quartier fürs erste entspannt hatte und keiner der Hysterie verfallen war, war es durchaus sinnvoll, weiter nach der Lösung des Rätsels zu suchen. Wenn Sie dabei in der Nähe des Captains waren, wäre das sicher hilfreich, da sie nicht erst wieder auf die Kommunikation im Schiff angewiesen waren, ehe sie weitere Befehle entgegen nehmen konnte – solange er nicht von dem Virus beeinflusst wurde.

Jean war den beiden Frauen nach draußen auf den Gang gefolgt – noch etwas verwirrt über die Schnelligkeit, mit der sich die Situation entspannt hatte. Vor allem, weil sie immer noch nicht ganz verstand, was hier eigentlich vorgefallen war.

Mit fragender Miene wandte sie sich deshalb an den Ferengi, den sie schon einige Male seit ihrer Ankunft auf der Atlantis in der Bar gesehen hatte.

„Narbo, wären Sie vielleicht so freundlich und würden mir kurz erzählen was passiert ist? Außer, dass wir einen Killervirus an Bord haben …?“

"Reicht der Virus Dir denn nicht, Weib?", fragte Narbo entgeistert, "Außerdem ist noch niemand krepiert - also heben wir uns den 'Killervirus' für später auf..."

Davon abgesehen war der Ferengi sich auch nicht sicher, ob es sich tatsächlich um einen Virus handelte. Sternenlichts Gebrabbel hatte er jedenfalls nur zur Hälfte verstanden.

Er hatte allerdings auch keinen besonderen Wert darauf gelegt.

Er blickte der Gruppe nach, die sich Richtung Krankenstation in Bewegung gesetzt hatte, schüttelte missmutig den Kopf und sagte dann laut genug, dass es jeder hören konnte: "Während die Sicherheit sich auf der Krankenstation verkriecht, werde ich dann mal den Fall lösen!"

Wie zur Bestätigung ging er schnellen Schrittes in die entgegengesetzte Richtung, um den Turbolift nach Deck 6 zu nehmen. Xen war stehengeblieben, schien unentschlossen, ob sie ihm folgen sollte.

Annika, die doch sehr erleichtert war, dass sie sich in dem Quartier nichts Tödliches "eingefangen" hatte, war ebenfalls nachdenklich stehengeblieben. Sie wandte sich an April:

"Nachdem ja nicht offensichtlich ist, wer der Attentäter war, wäre es wahrscheinlich sinnvoll, wir würden einmal alle Daten über Pormas Theocrates durchsuchen, derer wir habhaft werden können. Vielleicht finden wir da einen Hinweis, der auch einen sinnvollen Zusammenhang mit seinem Geschreibsel ergibt. Was meinen Sie?"

--- Venture, Brücke

Auf Cheyennes Gesicht legte sich ein leichtes Grinsen während sie sich mit einen entschiedenen „Nope“ wieder ihrer Konsole zuwandte. Die letzten Minuten hatte sie damit verbracht, schon fast fasziniert, die beiden Männer zu beobachten und wäre die allgemeine Situation nicht so brenzlig gewesen hätte sie beinahe lachen können.

Stattdessen widmete sich die Pilotin mit mäßigem Interesse wieder den Statusanzeigen auf ihrem Display.

Von Alnaks Kommentar war Ruben noch immer verwirrt und aufgewühlt. Mit welchem Selbstbewusstsein der Romulaner diese Selbsteinschätzung vorgetragen hatte ließ den Niederländer staunen und machte ihn auch etwas neidisch.

So blieb es an Trustman hängen, die letzte Frage des Ingenieurs zu beantworten: "Da wir an Bord der Venture vorerst keinen weiteren Hinweisen nachgehen müssen, sollten wir der Atlantis unsere personelle Hilfe anbieten. Während der Sternenflottenausbildung zum Sicherheitsoffizier werden auch kriminalistische Techniken gelehrt"

Eric sparte sich den Hinweis, dass auf privaten Schiffen wie der Atlantis die Sicherheit eher aus schießwütigen Psychopathen bestand, die mit der Aufklärung eines Kapitalverbrechens überfordert waren.

--- Atlantis, Krankenstation

"Aye, ich brauche noch ein paar Momente, Captain!", bestätigte Llewella.

Daraufhin wandte sie sich wieder der Quarantänesektion zu, durchschritt erneut die Schleuse und zog ihren Schutzanzug an. Währenddessen hielt sie den Kontakt mit O'Connor aufrecht.

"Ich werde sie direkt in die Hygienezelle der Quarantänesektion beamen lassen. Bitte verwenden Sie die dortige Schalldusche und werfen Sie ihre Bekleidung in den Müll. Irgendwelche Gegenstände, die Sie in oder an Ihrer Kleidung haben, legen Sie bitte an eine gesonderte Stelle, die werden wir Ihnen nach gründlicher Untersuchung dann zurückgeben.

Wenn Sie sich dann neue Bekleidung repliziert haben, können Sie die Quarantänesektion verlassen, die Hygienezelle hat einen direkten Ausgang zur Krankenstation."

--- Quartier 457

Julian bestätigte Llewellas Vorgaben und wartete darauf, das vertraute Kribbeln des Transporters zu spüren, der ihn zur Krankenstation bringen sollte. Er war froh, endlich hier aus diesem bedrückenden Quartier herauszukommen und nicht mehr die nervige Visage von Narbo sehen zu müssen. Vielleicht sollte er in Zukunft mal Ausschau nach einer Barkeeperin halten, die Narbos Posten dann vielleicht mal erben konnte...

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als ein Fluch über die immer noch geöffnete Kommunikationsverbindung an sein Ohr drang. Anscheinend bewahrheitete sich seine Vermutung, dass es wohl doch nicht alles reine Routine war.

"Gibt es ein Problem?", fragte er deswegen die Ärztin und hoffte, dass es nur eine Kleinigkeit war, die sie davon abhielt, ihn endlich hier heraus zu beamen.

--- Krankenstation

Schmerzen... jede Menge Schmerzen. 'Argh... das darf doch nicht wahr sein...', fuhr es ihm durch den Kopf. 'Diese Amateure!'

Verschwommene Bilder geisterten Pormas durch den Kopf. So schnell, dass ihm übel wurde, als er versuchte, die letzte Erinnerung zu memorieren. So versuchte der Grieche sich an die letzte gute Erinnerung zu klammern, die ihm einfiel. Ein alter Trick aus der Sternenflottenzeit, die ihm irgendein scharfer Counselor auf DS4 mal gegeben hatte.

'Charlene... ja', fiel ihm der Name wieder ein, 'War die gelenkig!' Aber das führte doch zu sehr in die Vergangenheit. Über eine lange Personenkette, bestehend aus sehr netten Damen, hangelte er sich bis zum Vortag durch, dabei wohl die ein oder andere Person auslassend.

'Ahh... Dana... so eine Katze...', mühsam versuchte Pormas von diesem Zeitpunkt aus weiter in der Zeit nach neueren Erinnerungen zu suchen. 'Der Dienst... dann zum Quartier...' Der Kopf des Sicherheitlers explodierte fast, während er versuchte die schemenhaften Bilder in seinen Kopf zu ordnen.

Unbemerkt von ihm trat kalter Schweiß auf seine Stirn. Schnell merkte er, dass sich diese Bemühungen zum jetzigen Zeitpunkt als fruchtlos erweisen würden und versuchte jetzt, Herr über seinen Köper zu werden. Erst jetzt fiel ihm auf, dass die Schmerzen, die er spürte, von innen zu kommen schienen. Schon der Gedanke an eine Bewegung ließ ihn innerlich aufschreien.

Langsam trat das Rauschen in seinen Kopf in den Hintergrund und er nahm Stimmen wahr. Vertraute, auch wenn der Grieche sie im Augenblick noch nicht zuordnen konnte. Das Einzige, was er klar erkennen konnte, war ein regelmäßiges, wenn auch langsames Piepsen.

'Ah ich lebe', fuhr es ihm durch den Kopf. Pormas hatte sich immer gefragt, warum die Dinger auch piepsen, wenn jemand kein Herzflimmern oder ähnliches hatte. Nun wusste er es. 'Praktisch.'

Kraft aus dieser Erkenntnis ziehend und der Tatsache, dass er es den Umständen entsprechend bequem hatte, wurde dem Sicherheitschef klar, dass er auf der Krankenstation lag.

Mal wieder.

'Vielleicht krieg ich ja ein neues Schild, auch wenn ich schon lange nicht mehr da war...', schweifte er in Gedanken ab. Also war er wieder bei Llewella zu Gast, bei der Frau, welche noch nie in SEINEM Bett war.

Ein kurzes Auflachen entfuhr dem Hünen, welches nahtlos in einen lauten Aufschrei überging. Da waren sie wieder... diese Schmerzen.

Eins wusste er nun mit Gewissheit.

"Dafür wird einer bezahlen!", presste Pormas seine ersten Worte, wieder unter den Lebenden, aus.

--- Krankenstation, Quarantänesektion

"Aye, es gibt ein verdammtes Problem. Ihr Transport muss warten, Captain!", antwortete die Schottin scharf.

Mit langen Schritten eilte sie auf Pormas' Biobett zu, das sie in wenigen Sekunden erreichte. Die Sensoren am Biobett hatten angefangen, verrückt zu spielen. Eliza Raili blickte ihr halbwegs hilflos entgegen.

Noch bevor Llewella bei Pormas ankam, hatte sie ihren Tricorder gezückt. Während sie ihn auf den Griechen richtete, legte sie ihm bereits die Hand auf die Schulter, um ihn daran zu hindern, sich aufzurichten. Inzwischen wusste sie, dass der Sicherheitschef unberechenbar war, wenn er verletzt war - und wenn er wütend war.

Seiner letzten, eher gehauchten als gesprochenen Bemerkung zufolge, war er wütend.

"Pormas, tu mir den Gefallen und bleib ruhig liegen, bevor du alle meine Bemühungen zunichte machst!", wandte sie sich an den Halbgriechen, dessen Augen geschlossen waren. Eigentlich sollte er aufgrund des Blutverlustes zu geschwächt sein, um sich großartig bewegen zu können, aber sie ging lieber auf Nummer sicher.

'Kreislauf erstaunlich stabil, Pulswerte deutlich angestiegen, vermutlich durch Schmerz und Aufregung', diagnostizierte die Rothaarige bei sich.

Wiederum ergriff sie ein Hypospray und injizierte dem Griechen eine weitere Dosis eines kreislaufstabilisierenden Mittels. Dann wartete die Schottin ab, ob Pormas wieder in die Bewusstlosigkeit zurückgeglitten war oder ob er noch etwas sagen wollte.

Eine Hand der Schottin lag weiterhin auf der Schulter des Griechen, die andere lag leicht auf dem Knopf des Stasisfeldes des Biobettes, jederzeit bereit, dieses einzuschalten, wenn der Sicherheitschef doch anfangen sollte, verrückt zu spielen.

Sie war nicht bereit, Pormas sterben zu lassen...

'Llewella...', ordnete der Grieche langsam die Stimme zu. Er spürte ihre Hand auf seiner Schulter, welche ihn sanft aber bestimmt auf dem Biobett halten wollte. Wider Erwarten schmerzte ihre Berührung nicht.

Versuchsweise öffnete und schloss Pormas seine Hände. Er presste die Zähne zusammen, als die Schmerzen von seinen Händen wie glühendes Eisen durch seine Arme zu seiner Brust rasten. Ein schmerzvolles Aufstöhnen konnte er aber nicht verhindern.

Vor seinen inneren Augen verschwammen helle und dunkle Schlieren zu einer Kakophonie an bunten Bildern. Mit größter Willensanstrengung versuchte Pormas seine Augen zu öffnen.

Wie Nadelstiche schmerzten diese, so dass der Südländer mehrere Versuche brauchte, bis er in das vertraute und besorgte Gesicht der Schottin blicken konnte.

"Hallo du Schöne... bist du öfter hier?"

Ein amüsiertes Grinsen huschte über Llewellas Gesicht und verzog den breiten Mund. "Aye, das will ich meinen!", lächelte sie. Innerlich musste sie laut lachen. Das war wieder einmal typisch der alte Schwerenöter. Obschon mehr tot als lebendig, flirtete er. Und dass er starke Schmerzen litt, bewies nicht nur der Tricorder, sondern auch sein Aufstöhnen.

Nachdem die Tricorderwerte nichts Besorgniserregendes anzeigten - wenn man einmal davon absah, dass der Grieche immer noch zwischen Leben und Tod schwebte - steckte die Schottin das Gerät fort.

Sie blickte Pormas in die nur halb geöffneten Augen. "Ich hätte noch ein paar wichtige Dinge zu tun. Kann ich mich darauf verlassen, dass Du hier keinen Unsinn versuchst und brav liegen bleibst?"

"Alles, was du sagst", antwortete der Grieche, "Du weißt doch, dass ich schönen Frauen nichts abschlagen kann." Nach vorsichtigem Ausloten seines Körpers war er sich sowieso nicht sicher, ob er überhaupt aufstehen könnte, wenn er wollte.

"Aber sag mir doch noch bitte was überhaupt passiert ist?", fragte Pormas. "Das Einzige, was ich noch weiß ist, dass ich irgendjemanden dafür umbringen werde..."

Stardust Atlantis