Atlantis » Chroniken » Crossover 16 - Barmann... nur Barmann...

Crossover 16 - Barmann... nur Barmann...

(Atlantis 21, Venture 45)

--- Shuttle Jack Daniels, Mittelsektion

Davids Schädel brummte nun noch mehr als zuvor. So einen Ritt hatte er noch nie erlebt. Er öffnete die Augen, stand auf und schaute sich um. Alles war Still, der Hüllenriss hatte sich nicht ausgeweitet. Zunächst eilte er zu der verletzten Person am Boden und fühlte ihren Puls.

Normal.

'Um ihn kann ich mich auch später kümmern.' dachte er sich und eilte ins Cockpit. Alle anderen schienen noch bewusstlos zu sein. Warum konnte er sich nicht erklären, allerdings hatte er nun größere Sorgen. Das Dominion. Er beförderte die Pilotin mehr oder minder sanft von ihrem Platz und setzte sich in den Sessel.

Die Sensoren funktionierten. Er scannte nach fremden Schiffen, fand allerdings nichts. Plötzlich fiel ihm die Positionsangabe in die Augen.

Sie befanden sich nicht im Gammaquadranten.

Plötzlich bemerkte David eine Bewegung neben sich. Die anderen schienen das Bewusstsein zu erlangen. Er begab sich wieder in die Mittelsektion, nahm sich einen Phaser von der Bajoranerin und wartete.

'Nun stelle ich die Fragen' beschloss er.

Rasende Kopfschmerzen und eine Berührung am Hals ließen Alex langsam aus dem Reich der Bewusstlosigkeit zurückkehren. Vorsichtig öffnete er die Augen und versuchte, durch den Schleier vor seinen Augen, irgendetwas zu erkennen.

Mit der Hand fuhr er sich an den Kopf, wo ihn das herumfliegende Etwas getroffen hatte und er spürte warmes Blut an seinen Fingern. Viel war es nicht, jedoch war es wohl besser, wenn sich Llewella das mal ansah. Schließlich war er kein Arzt und über innere Schädigungen wollte er sich jetzt nicht wirklich Gedanken machen.

Sein Blick klärte sich langsam auf, während er nach der Ärztin Ausschau hielt, jedoch erkannte er dann beinahe geschockt einen Terraner, der mit einem Phaser bewaffnet mitten im Shuttle stand und auf April zielte.

"Äh, was versuchen Sie denn da?", fragte Alex ziemlich verwundert und zeigte auf den Phaser.

Undeutlich drang der Klang von Alex Stimme in das Unterbewusstsein der Kriegerin, begleitet von einem pochenden Schmerz der sich hinter ihrer Stirn ausbreitete und sie langsam zurück in die Gegenwart brachte.

'Gegenwart... ', schoss es ihr durch den Kopf. 'Hatte ihr Vorhaben geklappt?' Langsam öffnete die Halbbajoranerin die Augen und blickte direkt in die Mündung ihres Phasers...

"Guten Morgen die Dame." sagte er künstlich freundlich. "Gehen sie bitte zu ihren Freund dort drüben rüber." er deutete mit dem Phaser auf den Verletzten.

"Ich muss diese rabiate Methode entschuldigen, allerdings scheint es mir so, als hätten wir bei dem Manöver eben auch draufgehen können. Wer seid ihr, was habt ihr gerade getan und wo zum Teufel sind wir?"

David hatte Angst, in die Hände irgendeiner kriminellen Bande geraten zu sein und er wollte so schnell wie möglich weg von hier.

Im Kopf des Ferengi dröhnte es noch. Er war irgendwie während des großen Knalls hinter eine der Ausrüstungskisten gestürzt und, natürlich nur kurz, bewusstlos geworden. Jetzt ging es wieder halbwegs und er bemühte sich die Lage zu erfassen: Der Unbekannte, den er in den Sanitärräumen aufgefunden hatte, bedrohte April mit einem Phaser.

'Vernünftig!", befand Narbo, andererseits hatten sie für solche Spielchen gerade keine Zeit. Er hatte nämlich langsam Hunger. Wie in seinen besten Tagen schlich er sich auf leisen Sohlen an den Typen heran, während er nebenbei das Messer aus seinem Stiefel zog. Dabei zelebrierte er jede Bewegung mit geradezu euphorischer Präzision. Es war schon länger her, dass er jemandem eine zusätzliche Atemöffnung verpassen konnte. Aber durch tägliches Training hatte er kein bisschen seiner Schnelligkeit eingebüßt.

Eine Sekunde später schmiegte sich das kalte Metall an Davids Hals. Narbo bemerkte, wie der andere das Atmen instinktiv eingestellt hatte, damit sich das verletzliche Fleisch nicht in die scharfe Klinge drückte.

"Nur zu, erschieß sie ruhig! Mir macht es nix aus, aber für Dich könnte es eine fatale Entscheidung werden", gab der Barbesitzer grinsend von sich.

David dachte kurz darüber nach, ob er versuchen sollte den Ferengi mit einem gezielten Ellenbogenhieb auszuschalten, allerdings war ihm dies zu gefährlich und er ließ die Waffe fallen.

"Schon gut. Ich wollte niemanden verletzen.", seufzte er und gab sich mit seiner Lage ab.

Das Gesicht vom Schmerz verzerrt, stemmte sich die Halbbajoranerin auf die Beine und warf dem Fremden einen furchtbar bösen Blick zu. Mit ein paar Schritten war sie bei dem fallen gelassenen Phaser und nahm diesen wieder an sich.

"Wir sollten ihm ein paar Fesseln an legen, bis wir wissen aus welcher Luftschleuse wir ihn werfen können ... ", meinte sie trocken als sie sich wieder zu Narbo umwandte. Mit einem mal stieß David den Ferengi weg welcher auf seinem allerwertesten landete und ihn verdutzt anblickte.

"JETZT REICHT ES ABER VERDAMMT NOCHMAL!" schrie er. "Ich bin doch kein Verbrecher. Ich möchte wissen mit wem ich es hier zu tun habe und wo wir hinfliegen!" David konnte sich nicht erinnern wann er das letzte mal so die Fassung verloren hatte.

Der Anblick des Ferengis war einfach nur köstlich und hätte April diesen David nicht eindeutig als Bedrohung eingestuft hätte sie nun laut los gelacht. Instinktiv zog sie allerdings nun ihren eben erst eingesteckten Phaser und richtete ihn auf den Terraner.

"Sie nehmen sich aber sehr viel heraus für jemanden der sich als blinder Passagier sturz betrunken hier eingenistet hat!" Eine kurze Pause entstand. "Wenn sie sich auch nur einen Millimeter rühren werde ich schießen und sie sollten wissen, dass meine Phaser selten aus Betäubung eingestellt sind ..." Die Schärfe in der Stimme der Kriegerin ließ keinen Zweifel an der Frage ob sie ihre Drohung in die Tat umsetzen würde.

David blieb stillschweigend stehen... kochend vor Wut. Einige Augenblicke sagte niemand etwas bis ein gefährlich klingendes Knarren durchs Shuttle tönte.

"Vielleicht sollte sich irgendjemand um diesen Hüllenbruch kümmern sonst ist es gänzlich unnötig irgendeinen Phaser abzufeuern." schlug David vor.

Im Gegensatz zu April war der Ferengi nicht gewillt, den Einsatz von Gewalt noch von irgendwelchen Bedingungen abhängig zu machen. Oder auf irgendeinen Hüllenbruch Rücksicht zu nehmen. Der Typ hatte ihn überrascht, aber wer rechnete schon mit einem Angriff, nachdem die Situation eigentlich geklärt war?

Noch auf dem Boden sitzend umfasste er das Messer an der Klinge - auf diese Entfernung konnte man nicht danebentreffen - und schleuderte es mit höchstmöglicher Kraft in den Rücken des Fremden.

Ein knackendes Geräusch entstand, als die Klinge das rechte Schulterblatt am unteren Rand durchbrach und sich der Griff anschließend an dieser Barriere verkeilte. Von der Schneide war nichts mehr zu sehen.

"So!", meinte Narbo nur, während er aufstand, "Wer kümmert sich jetzt um die Hülle?"

April lies genervt den Phaser sinken, als der Fremde zu Boden geglitten war und bedachte Narbo mit einem missbilligen Blick. "Was sollte das denn, zum Teufel - ich hatte den Kerl unter Kontrolle!"

"Aye, was sollte das!" fragte auch die Schottin erbost, während sie den letzten Rest ihrer Benommenheit abschüttelte und zu dem am Boden liegenden Mann trat. Sein Gesicht hatte sich verzerrt und er atmete schwer.

Mit kundigen Handgriffen untersuchte die Ärztin den am Boden liegenden und stellte fest, dass die Klinge tatsächlich nur ins Schulterblatt gedrungen war. Eine an und für sich unbedeutende Verletzung also, betrachtete man all die Möglichkeiten, die ein geworfenes Messer hervorrufen konnte.

Schnell injizierte die rothaarige Frau dem Unbekannten ein schmerzstillendes Mittel und machte sich daran, die Klinge zu entfernen sowie einen Schulterverband anzulegen. Gleichzeitig wandte sie sich an die Übrigen im Raum: "Narbo, Sie könnten Ihre Fähigkeiten besser einsetzen, wenn Sie einmal im Cockpit nach dem Rechten schauten, es kommt mir reichlich still da vorne vor. Und Sie, April, könnten so nett sein, unseren Freund hier weiterhin in Schach zu halten. Wer weiß, was ihm noch alles einfällt. Aber stellen Sie Ihren Phaser auf Betäubung!"

Mitnichten hatte Narbo vor, sich gegenüber Frauen zu rechtfertigen. Seine Beweggründe waren eigentlich auch offensichtlich genug: Rache, allgemeine Bosheit und fehlende ethische Hemmschwellen.

So ging er nur zu der Ärztin und nahm das Messer auf. Etwas Blut haftete noch an, aber die Klinge war unbeschädigt - er hatte ja auch genug Geld dafür bezahlt.

Währenddessen grinste er zufrieden, auch wenn er den Menschen wohl doch nur leicht verletzt hatte, und säuberte das Messer mit einem Stück Tuch, welches er für genau diesen Zweck mit sich führte.

Weiterhin wortlos, aber grinsend, begab er sich in das Cockpit.

--- Cockpit

"Wie ist die Lage?", wandte er sich an die Piloten.

Sternenlichts Kopf dröhnte schlimmer als bei den schlimmsten Schlägen von seiner Mutter (die er alle verdient hatte, aber das war eine andere Geschichte). Neben ihm kam auch gerade Cheyenne wieder zu sich.

Sein durchtrainierter Körper schien die Strapazen des Transits wesentlich besser zu verkraften als die Pilotin, denn Sie blieb zunächst stöhnend am Boden liegen.

"Lass mich Dir helfen..." begann Sternenlicht und machte Anstalten, Ihr in den Sitz zurück zu helfen. Bei der ersten Bewegung stöhnte sie auf und griff sich an den Schädel. Leise und mit krächzender Stimme unterbrach Sie ihn: "Lass mich noch ein wenig liegen. Mein Kopf schmerzt schlimmer als nach meinen besten Saufgelagen."

Nicht dass Sternenlicht eine derartige Referenz nachvollziehen konnte. Alkohol war nun etwas, von dem er sich - außer zu wissenschaftlichen Zwecken - soweit wie möglich fern hielt.

Alkohol. Ja. Hier im Raum roch es deutlich danach. Die ganze Zeit schon hatte ihn etwas gestört, das war es gewesen. Er konnte sich an den Geruch in der Mittelsektion erinnern, da war er auch vorherrschend gewesen, aber im Cockpit nicht. Seltsam. Er konzentrierte sich ein wenig, um die Kopfschmerzen in den Hintergrund zu drängen und sog dann erneut prüfend die Luft ein. Da war definitiv ein zweiter Geruch, fast vom Alkohol verdeckt. Auch diese Fährte kannte er. Der Vorbesitzer des Shuttles. War er hier gewesen? Oder war das nur ein verrückter Nebeneffekt der Zeitreise. Nun, es gab sicher wichtigere Dinge als das. Er konzentrierte sich auf sein Terminal und begann die Situation zu begutachten.

Obwohl sich die Pilotin kaum bewegte hatte sie das Gefühl sich jeden Moment übergeben zu müssen. Mit einem extrem hohen Maß an Anstrengung hatte sie sich wieder in ihren Pilotensessel gehievt und überprüfte ihre Lage.

"Beschissen ... ", war das einzige Wort das sie in diesem Moment über Lippen bekam - wohl mehr auf ihre Übelkeit bezogen, als auf ihre Position in Raum und Zeit.

"Kann man so sagen" bestätigte Sternenlicht, der so auf den ersten Blick einen deutlich fitteren Eindruck machte, als Cheyenne. Nur ein aufmerksamer Beobachter wie der Ferengi mochte merken, dass er noch immer von der Anstrengung leicht zitterte - und Sternenlicht zitterte sonst nie.

Er betrachtete kritisch einige Anzeigen auf seinem Display und wandte sich dann - etwas widerwillig - an Narbo: "Soweit sieht es ganz ok aus. Das Impulstriebwerk scheint wie geplant keine Schäden davongetragen zu haben.

Allerdings sind wir im Endanflug auf das Wurmloch mit einem unbekannten Objekt Steuerbord Achtern kollidiert. Ich tippe da auf eine der noch inaktiven Minen. Die Integrität der Außenhülle ist gefährlich niedrig, aber noch mindestens für 20 Minuten über Kraftfelder soweit stabil.

Direkt Mittschiffs haben wir ein leichtes Strahlungsleck, dessen Ursache ich nicht lokalisieren kann. Ansonsten zum Wichtigsten: Nach ersten Messungen scheinen wir genau dann angekommen zu sein, wann wir wollten; vielleicht 20 oder 30 Minuten nach unserem verschwinden, so genau kann ich das noch nicht sagen. Wir befinden uns ca. 20 Lichtjahre von DS9 entfernt, entlang unseres ursprünglichen Flugvektors.

Könntest Du bitte da hinten mal ein wenig das Heft in die Hand nehmen, dass uns die Außenhülle nicht um die Ohren fliegt?" - '... Und mir aus dem Weg bist' fügte Sternenlicht in Gedanken hinzu.

--- Mittelsektion

Dieser Ferengi würde seine Abreibung schon noch bekommen - zuerst würde sie sich allerdings ihrem blinden Passagier zu wenden müssen.

Mit einem Spanngurt bewaffnet ging April neben dem Fremden in die Knie und band ihm kurzer Hand seine Arme fest an den Körper, damit er sich nicht mehr bewegen konnte - der missbilligende Blick der Ärztin blieb ihr dabei nicht verborgen.

"Ich weis, dass das der Wundheilung nicht gerade zuträglich ist, aber ich will von dem Kerl nicht noch einmal überrascht werden ... ", erklärte sie entschuldigend.

Die Bajoranerin fesselte David gerade mit einem Spanngurt. Es schmerzte unerträglich in seiner Schulter und er musste aufstöhnen. Es schien David irgendwie zu passen und so sprach er die Bajoranerin ein weiteres Mal an.

"Ich verstehe, dass Sie mich ruhigstellen möchten ,aber versetzen Sie sich doch mal in meine Lage. Es tut mir leid, ich wollte nicht, dass jemand verletzt wird... nun ja ... es wurde ja auch niemand verletzt, außer mir." Er versuchte zu grinsen, doch sah das unter den Schmerzen mit Sicherheit nicht glaubwürdig aus.

"Ein oder zwei Antworten kann ich wirklich gebrauchen. Fangen wir doch mal mit Ihren Namen und dem Ziel der Reise an."

--- Cockpit

"Ich bin Barbesitzer, kein Kurier!", zischte Narbo zurück. Andererseits war es natürlich verständlich, dass alle wichtigen Aufgaben zunächst ihm angetragen wurden. Immerhin ging es hier gerade um ihr aller Leben!

So fügte der Ferengi sich doch seinem Schicksal und verließ, nicht ohne noch etwas zu zischen, wieder das Cockpit.

--- Mittelsektion

"Das Ding hier zerbricht in 20 Minuten wie eine alte Dose, wenn Ihr nicht sofort den Hüllenbruch repariert!", gab er die Information direkt an den Rest weiter.

Es musste reichen, wenn er delegierte...

Alex entwich ein gequältes Stöhnen; zum einen wegen der wirklich genauen und erfreulichen Information des Ferengis und zum Anderen wegen der immer noch rasenden Kopfschmerzen.

Er warf einen hilflosen Blick zu der Ärztin, die immer noch mit diesem Fremden zu Gange war und hoffte, dass es nicht mehr lange dauerte, bis er endlich an der Reihe war, verarztet zu werden.

S'Tom, wie er nach einem kurzen Seitenblick feststellen musste, war immer noch bewusstlos. 'Seltsam', schoss es ihm durch den Kopf. Er hatte eigentlich erwartet, den Techniker als einer der Ersten wieder auf den Beinen zu sehen, schließlich waren die Vulkanier berühmt für ihre starke körperliche und geistige Stärke. Aber vielleicht war irgendein Borgimplantat durchgebrannt und hinderte ihn deswegen daran, wieder wach zu werden.

"Llewella", rief er deswegen durchs Shuttle, um endlich die Aufmerksamkeit der Ärztin auf sich zu ziehen. "Wären Sie so freundlich und würden sich entweder um S'Tom oder mich kümmern, damit wir diesen Hüllenbruch reparieren können?"

April warf dem Techniker einen aufmunternden Blick zu...

Dann wandte sie sich wieder an David und begutachtete ihn für ein paar Augenblicke. Auch wenn sie dem Kerl immer noch misstraute, konnten ja ein paar unverfängliche Informationen nicht schaden - vielleicht würde er sich damit fürs erste zufrieden geben.

"Mein Name ist April Shahrein. Und die Dame die sie gerade verarztet ist Dr. Campbell. Was das Ziel unserer Reise ist, geht sie erst mal gar nichts an - das werden sie schon früh genug merken. Wenn das nicht schon der Fall ist."

Die kurze Pause die nun entstand nutzte die Kriegerin um ihr Gegenüber zu sondieren. Es war einige Zeit her, dass sie so ein verhörartiges Gespräch geführt hatte - ein bisschen etwas an Wissen über diese Taktik war allerdings immer noch vorhanden.

"Nun aber doch wieder zu Ihnen. Erzählen Sie mir doch noch ein Mal ,wer sie sind und was sie genau auf dieses Schiff hier treibt? Und was es mit diesem grausamen, billigen Fusel auf sich hat."

Zwar war die Stimme der Halbbajoranerin nun etwas sanfter geworden, der Phaser in ihrer Hand lies jedoch keinen Zweifel daran, dass sie keine Lügen dulden würde...

"Mein Name ist David." Er wusste nicht, wie er sich am besten aus dieser Situation befreien hätte können, deshalb beschloss er einfach ehrlich zu sein.

"Ich bin kein Verbrecher oder Gauner. Ich befinde mich auf dem Shuttle, da ich mein Hab und Gut abholen wollte, nachdem ich es an euren wuschligen Freund vorne im Cockpit verspielt hatte. Und naja... es läuft alles gerade nicht so prickelnd bei mir, deshalb hab ich gestern wohl ein bisschen zuviel getrunken.", ein unangenehmer Schauer durchfuhr ihn. Er wusste, das er langsam ein Alkoholproblem bekommen würde, wenn er sich nicht zusammenreißen würde.

Nach kurzem Schweigen fuhr er fort: "Ich war einige Zeit Schiffscounselor auf der USS Thunderchild und nun... bin ich hier... " '... und hab keine Ahnung wo es hingeht...'

Stille. Dunkelheit.

Bewusstsein! Der Vulkanier konnte nicht sagen, wie lange dieser Zustand  schon andauerte. Er hatte sein Zeitgefühl komplett verloren. Seine letzten wachen Sekunden liefen vor seinem inneren Auge nochmals ab.

Das Shuttle hatte sich dem Wurmloch genährt. S'Tom hatte den Tetryon-Antitachyon-Strahl aktiviert, der, wie vorhergesagt, eine temporale Schockwelle im Wurmloch ausgelöst hatte. Der Chroniton-Level war nahezu ideal gewesen. Dann hatte die Schockwelle das Shuttle erreicht, mit gewaltiger Kraft auf die Außenhülle gewirkt. Danach - Nichts.

War er tot? Unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Weder Vulkanier noch Borg hatten gesichertes Wissen über das Sein (oder Nicht-Sein) nach dem Tod. Keines seiner sensorischen Systeme funktionierte. Die ehemalige Drohne startete eine Selbstdiagnose. Nur Implantate mit vitalen Funktionen schienen zu funktionieren. Die positive Schlussfolgerung war, dass er noch einen Körper hatte.

War er in einem Gebiet außerhalb von Zeit und/oder Raum? Durchaus wahrscheinlich.

Zu einem undefinierbaren Zeitpunkt begannen seine Nanobots mit Reparaturversuchen am Nervensystem. Immer wieder eröffneten sich dadurch seinem Geist vorher noch beschädigte Bahnen. Offensichtlich hatte der ehemalige Borg durch die Arbeit an den technischen Geräten selbst einen Chroniton-Level über seine Implantate aufgebaut, wodurch die Interaktion der temporalen Schockwelle besonders heftig ausgefallen war.

Ein Geräusch! Sein Gehör schien wieder an sein zentrales Nervensystem angebunden zu werden.

S'Tom konnte die Stimme nicht einordnen. Wo befand er sich? Mit ziemlicher Sicherheit offenbar zumindest nicht in einem allzu exotischen Gebiet der Raumzeit.

Könnte diese Person wirklich von der USS Thunderbird, seinem alten Schiff, sprechen?

--- Cockpit

Die Pilotin nahm den Ferengi nur noch am Rande ihres Bewusstseins war... das Pochen in ihrem Kopf war in den letzten Minuten ein wenig besser geworden - was man von ihrem Magen, der immer noch Achterbahn fuhr, nicht gerade behaupten konnte.

Mühsam tippte Cheyenne einige Befehle in ihre Konsole ein wodurch die Langstreckensensoren aktiviert wurden. Es würde einige Sekunden dauern bis sie ein sinnvolles Ergebnis erhalten würden - das von Sternenlicht erwähnte Strahlungsleck würde dabei nicht unbedingt hilfreich sein.

"Wenigstens sind wir in der richtigen Zeit ... ", brummte sie vor sich hin.

--- Mittelsektion

Die Schottin war inzwischen mit dem Versorgen von Jeffreys lädierter Schulter fertig und blickte sich im Raum. um. April schien einigermaßen fit zu sein, zumindest war ihr Adrenalinspiegel durch die "Angelegenheit Jeffrey" so hoch geklettert, dass sie momentan unproblematisch sein sollte.

Llewellas nächster Blick fiel auf Alex, dessen Gesicht blutverschmiert war. Anscheinend hatte er etwas an den Kopf bekommen. Einen Blick weiter gewahrte sie die reglos am Boden liegende Gestalt des Vulkaniers.

"Ifrinn", fluchte sie halblaut und machte sich auf den Weg zu dem gewesenen Borg. Dabei kramte sie ihren medizinischen Tricorder aus ihrem Sporran. Manuelle und "Altmodische" Untersuchungen waren bei Terranern ja nun kein Problem, da verließ sie sich selten auf die Gerätschaften, wenn ihre Finger auch zur richtigen Diagnose kommen konnten. Aber Vulkanier waren da doch etwas anderes. Und Vulkanier mit Borg-Implantaten waren noch einmal eine _ganz_ andere Kategorie...

Die Schottin kniete sich neben den daliegenden Mann. Vorsichtig hob sie ein Augenlid an und bemerkte, dass die Reflexe schon wieder funktionierten. Der Mann war also eindeutig bereits am Aufwachen.

Sorgfältig scannte sie den reglosen Körper und bekam relativ beruhigende Angaben. Beruhigend insofern, dass alle wichtigen Organe zu funktionieren schienen. Die Schottin injizierte ihm eine Dosis Cordrazin - wieder einmal. Zum Glück hatten sie aus der Krankenstation der Raumstation Cordrazin entwenden können, nachdem das ihrige ja leider in der Tasche eines Sicherheitlers gelandet war...

--- Cockpit

Sternenlichts Schweif zuckte noch immer leicht verärgert hin und her, obwohl der Ferengi schon wieder weg war. Er hasste Ferengis. Der ihnen anhaftende Bar-Geruch war einfach unerträglich. Der Sivaoaner gab sich innerlich einen Ruck und konzentrierte sich wieder auf die akuteren Probleme.

Er wandte sich wieder an Cheyenne: "Cheyenne, ich glaube Sie sollten sich erst mal ein wenig ausruhen bis unsere Ärztin es hier her schafft. Sie riechen, als ob Sie sich nicht sehr wohl fühlen würden - zumindest wenn ich mich nicht irre."

Ohne ihr eine Chance zum Protest zu geben, aktivierte er den Interkom und schaltete ihn auf Rundruf:

--- Shuttle Jack Daniels

"Sternenlicht spricht: Zunächst die gute Nachricht: Wir sind wieder in unserer Heimatzeit angekommen, etwa 20-30 Minuten nachdem wir verschwunden sind. Genauer kann ich es nicht sagen, da ich unsere 'Abreise' selbst nicht besser einordnen kann.

Unsere Position ist noch unbekannt, ein Strahlungsleck mittschiffs verhindert klare Ortungen mit den Langstreckensensoren. Sobald Sie die Schäden an der Außenhülle unter Kontrolle haben sollte sich darum einmal jemand kümmern.

Zwei Dinge noch:

Erstens: Llewella, komm doch bitte bei nächster Gelegenheit hier vorbei, Cheyenne Morgan ist recht mitgenommen.

Zweitens: Ich habe den Verdacht, dass der Vorbesitzer des Shuttles hier irgendwo rumirrt. Seine Fährte ist im Cockpit deutlich wahrzunehmen, und sie war vor dem Zeitsprung hier bei weitem nicht so deutlich. Er muss in den letzten Minuten hier gewesen sein. Vielleicht haben wir einen blinden Passagier."

--- Cockpit

Er schaltete den Interkom wieder ab und versuchte wieder aus den gestörten Langstreckensensoren ein paar verlässliche Informationen zu bekommen. Einer Sache war er sich schon einmal halbwegs sicher: Sie waren im interstellaren Raum gelandet, und in unmittelbarer Umgebung war kein anderes Schiff zu finden.

--- Mittelsektion

"Heimatzeit? Wie Bitte?" David war absolut sprachlos. Hatten sie ihn auf eine Zeitreise mitgenommen? Niemand schenkte ihm Aufmerksamkeit. Das Gespräch sollte wohl bis zur Reparatur der Hülle warten.

Er saß in einer Ecke des Shuttles und beobachtete, gefesselt, das rege Treiben. In Gedanken versunken lehnte er den Kopf an eine der Wände.

Bei den Worten des Katzenwesens hatte sich der Ferengi an die Strahlenquelle erinnert. Und daran, dass diese sie mittelfristig töten würde.

Zeit zum Deaktivieren.

Unauffällig zog er die kleine Fernbedienung hervor, die eigentlich nur aus Ein- und Ausschalter bestand und drückte auf letzteren.

Leider hatte Narbo keine Möglichkeit zu überprüfen, ob die Strahlenquelle reagiert hatte. Aber sie würden es schon früh genug merken.

Ruben in jedem Fall. Natürlich kannte er den Verlauf der Strahlenkrankheit ganz genau, seit er sich durch die medizinische Datenbank auf Vulkan gelesen hatte. Beim Studium der Walking-Ghost-Phase waren ihm mehrere Schauer den Rücken heruntergelaufen.

Gerade fühlt er sich auch ohne solche Symptome mehr als elendig. Der ruckelige Flug war ihm auf den Magen geschlagen und bei dem letzten Beben war er unglücklich mit dem Kopf gegen eine Konsole gekommen.

Seitdem versuchte er sich möglichst wenig zu bewegen und seine Kopfschmerzen in den Griff zu bekommen.

Das Geschehen hatte er nur grob mitbekommen, aber was er gehört hatte, hatte ihm gereicht. Definitiv war das seine letzte Zeitreise.

Zumindest, wenn es nach Wagenvoort ging.

April hatte sich von David einige Meter entfernt an eine Transportbox gelehnt - ohne ihn allerdings aus den Augen zu lassen - und öffnete einen Kanal zu Sternenlicht.

April an Sternenlicht. Ich glaube wir haben Ihren blinden Passagier schon gefunden. Er hat sich als David Jeffrey ausgegeben und hier ein bisschen für Unruhe gesorgt. Wir haben ihn erst einmal außer Gefecht gesetzt."

Ein kurze Pause entstand.

"Was sollen wir mit ihm machen?"

--- Cockpit

Im ersten Moment hatte die Terranerin Sternenlicht noch widersprechen wollen, doch als sich ihr Magen zum wiederholten Male heftig bemerkbar machte entschloss sie sich doch auf seinen Vorschlag ein zu gehen.

"Morgan an Campbell. Wenn Sie mit dem Verarzten der Leute bei Ihnen fertig sind, würde ich Sie bitten, dass Sie kurz bei mir vorbei schauen. Ich fühle mich... hundeelend..."

Mit diesen Worten schloss sie den Kanal wieder und übertrug Sternenlicht die Navigation auf seine Konsole, der bestätigend nickte.

Ein leichtes Seufzen kam über ihre Lippen als Cheyenne ihren Kopf an der Kopfstütze des Sessels anlehnte und die Augen schloß.

--- Venture, vor der Shuttlerampe

"Captain McCarthy, der Erste Offizier und auch ich erwarten von Angehörigen des Sicherheitsdienstes mehrere Dinge: Dazu gehört es, sich auch selbst verbal verteidigen zu können und dazu gehört auch ganz sicher, einen erhaltenen Befehl auszuführen ohne später das eigene Versagen auf andere abzuschieben. Es war Ihre Aufgabe, das Außenteam zusammenzurufen", antwortete Eric ohne zu Zögern.

Langsam ging Carter ihm wirklich auf die Nerven. Gerade wollte er weitersprechen, als das restliche Team um die Ecke bog. 'Noch mal Glück gehabt', verwarf er das Vorhaben, den Vortrag über Rechte und Pflichten eines Besatzungsmitgliedes fortzuführen.

Chris schluckte, sein Einstieg hier verlief alles andere als glatt. Vieles schien auf diesem Schiff anders gehandhabt zu werden als er es gewohnt war.

Und er konnte Trustman nur teilweise zustimmen.

Chris bemerkte die beiden, doch noch waren sie nicht ganz in Hörweite. "Ich muss ihnen Recht geben, wenn Sie mir einen Befehl erteilen, liegt es in meiner Verantwortung ihn umzusetzen, ganz gleich wie. Doch wenn Sie erwarten, dass ich mich selbst zur Wehr setzte, so hätten Sie mir auch die Gelegenheit geben sollen das zu tun. Doch ich bezweifle, das Sie das verstehen!"

Mehr konnte er nicht sagen, denn jetzt waren die anderen bei ihnen angelangt, so das wohl auch sein Vorgesetzter eine Antwort schuldig bleiben würde. "Da Sie zwei nun doch beschlossen haben uns mit ihrer Anwesenheit zu beehren, können wir wohl starten. Oder gibt es noch weitere Verzögerungen?" begrüßte er die Crewmitglieder. Chris bemühte sich erst gar nicht die Wut aus seiner Stimme zu vertreiben. Er hatte wirklich ein Talent sich unbeliebt zu machen.

Für einen Moment starrte Combatch irritiert Carter an, dann erinnerte er sich, was man sich an Bord über den jungen Sicherheitler erzählte. 'Hmm, der hat es wohl tatsächlich nicht so mit der Disziplin!', schloss er und entschied, den Typen vorerst einfach zu ignorieren.

Stattdessen wandte er sich an Trustman, "Sir, Miss Kincaid lässt sich entschuldigen - sie arbeitet noch an einer Versuchsreihe. Sagte Sie zumindest."

Trustman konnte nicht sagen, dass er davon sonderlich überrascht war. Genauso wenig davon, dass die beiden statt ihr nicht einfach jemand anderes von der Krankenstation geholt hatten.

Aber ihnen blieb keine Zeit mehr...

"Carter, in Ihrer Datei steht, dass Sie als Shuttlepilot ausgebildet sind; fahren Sie also gleich die Maschinen hoch. Combatch, Sie kalibrieren die Waffen. Havburn - Sie sind heute unser Sanitäter.", verteilte der Afrikaner die Aufgaben, während die Gruppe die Shuttlerampe betrat...

--- Venture, Shuttle 3

"Schon unterwegs", erwiderte Chris auf Trustmans Befehl und beschleunigte seine Schritte um vor den anderen das Shuttle betreten zu können.

Seit er die Sternenflotte verlassen hatte, war er nicht mehr als Pilot tätig gewesen. Doch die Ausbilder hatten dafür gesorgt, dass ihre Kadetten sicher nichts von dem gelernten vergaßen. All seine Wut war verraucht und machte einer ungeheuren Vorfreude Platz.

Chris ging ganz nach vorne und erteilte dem Computer den Befahl alle Systeme zu starten und hoch zu fahren. Dann setzte er sich und betrachtete die Kontrollanzeigen aufmerksam, alles in Ordnung verrieten ihm diese. 'Klappt ja bestens.'

Er zögerte kurz, zwar hatte er keinen direkten Befehl erhalten, doch konnte ein wenig Initiative wohl nicht schaden. Er gab ein paar Daten ein und ließ den Computer einen Kurs berechnen, der sie so nah an das andere Shuttle bringen sollte, das sie gerade so außerhalb ihrer Waffenreichweite blieben.

Außerhalb deren Sensorenreichweite konnten sie schließlich nicht bleiben, würden dann ja auch sie selbst keine Daten erhalten.

Der Kurs war berechnet, alle Systeme funktionierten, fehlte nur noch Trustmans Erlaubnis um den Start durch zu führen.

Das gleichmäßige Surren der Antriebssysteme ließ Eric zufrieden nicken: "Carter, bitten sie um Startfreigabe und dann nichts wie los" Er wäre lieber mit einem der Raider geflogen, aber weder die Silver Sun noch die Pei Mei waren bisher mangels Zeit repariert worden. Also musste ein normales Shuttle reichen.

"Verstanden", entgegnete Chris und öffnete sofort einen Kanal, um den Start von der Brücke freigeben zu lassen. Kaum hatte er die Erlaubnis erhalten, startete er die Maschinen. Während sich die Luke unter ihnen öffnete, schwebte das Shuttle knapp über dem Boden.

Carter ließ das Shuttle sachte durch die nun offene Luke sinken. 'Prima! Ich wusste gar nicht, wie sehr es mir gefehlt hat!' Er beschleunigte langsam auf mittlere Impulsgeschwindigkeit.

"Was denken Sie, wird uns erwarten? Die verloren gegangene Crew?", wandte sich Chris an Trustman. Seit er auf der Venture angeheuert hatte, war er endlich ein Mal entspannt und gut gelaunt. Dabei achtete er darauf, dass das Shuttle nicht vom zuvor berechneten Kurs abwich.

"Möglich", antwortete Eric, "Aber wir sollten auf alles vorbereitet sein. Vergessen Sie auch nicht, dass die Crew der Atlantis keineswegs als vertrauenswürdig einzustufen ist"

Unnötig zu sagen, dass Trustman niemandem wirklich vertraute.

"Sagen Sie Bescheid, wenn wir in die maximale Waffenreichweite des Shuttles gelangen und halten Sie dann Abstand", wies er Carter noch an. Chris kontrollierte erneut, ob der berechnete Kurs stimmte und antwortete erst dann seinem Vorgesetzten, "Kein Problem, ich melde mich, wenn wir so weit gekommen sind. Und da ich weder die Crew der Venture noch die der Atlantis kenne, traue ich erst einmal keinem."

Trustman schwieg einen Moment und überflog den Systembericht, den Combatch ihm zusammengestellt hatte. Alles schien zu funktionieren, wobei das auf der Venture nicht viel heißen musste.

Es war sehr schwierig hier draußen passende Ersatzteile zu bekommen und so waren Alnak und seine Techniker gezwungen, oftmals zu improvisieren. Ganz zu schweigen von dem stetigen Verschleiß, dem das ganze Schiff ausgesetzt war.

"Wann erreichen wir voraussichtlich unser Ziel?", wandte er sich wieder an den Piloten. Eric war froh, dass Carter vorerst beschäftigt war.

Im Augenblick schien alles reibungslos zu funktionieren, auch die Sensoren zeigten nichts bemerkenswertes.

Obwohl er weiterhin auf seine Aufgabe konzentriert war, schweiften seine Gedanken ein wenig ab.

Zum einen weil er seinen Gedanken nach hing, zum anderen ignorierte Chris Trustman absichtlich erst ein Mal. Er fragte sich, wie der Rest der Crew sein würde. Die wenigen, die er bis jetzt kennen gelernt hatte, waren schon seltsam. 'Wenn der Captain genau so ist....' Chris ließ Trustman so lange auf eine Antwort warten, wie er es gerade so für vertretbar hielt. "Ungefähr zwanzig Minuten. Möchten Sie sonst noch etwas wissen?"

"Nein", erwiderte Trustman kühl, "Sollte sich dies ändern, erfahren Sie es als Erster."

Jetzt hieß es warten.

Zwanzig Minuten waren glücklicherweise leicht zu überbrücken. Eric hatte noch genug Papierkram zu erledigen, den er sich vorsorglich in den Shuttlecomputer hatte übertragen lassen: Dienstpläne, fällige Beurteilungen, Änderungen in den Sicherheitsabläufen usw. Aus irgendeinem Grund war es Ruben vor einiger Zeit in den Kopf gekommen, dass sein Stellvertreter derartige Aufgaben auch erledigen konnte.

Vielleicht hatte er ja geahnt, dass er verschwinden würde. Sei es drum, Trustman war es egal.

Er würde auch mit dieser Herausforderung fertig werden.

Auf dem Display des Terminals erschien die Akte von Carter. Es war wohl Zeit für eine erste Beurteilung, die aber nur persönliche Stärken und Schwächen herausstellen sollte, ohne eine notenähnliche Bewertung abzugeben.  

"Sagen Sie Carter, fühlen Sie sich eigentlich an Bord der Venture wohl?", beschloss er seine bisherigen Beobachtungen zu ergänzen.

'Was soll das denn jetzt?', Chris drehte sich zu seinem Vorgesetzten, dass dieser so eine Frage aus reinem Interesse stellte, wagte er zu bezweifeln. Also handelte es sich wohl um seine Beurteilung. 'Genügend Minuspunkte habe ich sicher schon gesammelt, also sag ihm einfach was er hören will und lass es gut sein.' Doch wann hatte er sich je für den einfachen Weg entschieden?

'Diesmal wird es also nicht anders sein. Ich werde ehrlich antworten und die Konsequenzen tragen, wie immer.'

"Das ist nicht so einfach", begann er vorsichtig: "Sie dürfen nicht vergessen, das ich noch nicht lange an Bord bin, ich kenne kaum jemanden der Crew und habe auch noch keine Gelegenheit bekommen mich häuslich nieder zu lassen." Chris schwieg kurz, sah dann Trustman an und fügte, jetzt wieder selbstbewusst, hinzu: "Im Moment kann ich nur sagen, das ich froh bin, den Job bekommen zu haben, froh darüber wieder auf einem Schiff Dienst tun zu können. Das sich, trotz meiner Fähigkeiten, noch ein Mal solch eine Chance ergibt, hätte ich kaum für möglich gehalten, nicht bei all den Einträgen die sich auch dort finden, doch die kennen Sie ja bereits. Doch ob ich mich wirklich wohl fühle, kann ich Ihnen erst beantworten, wenn ich mich eingelebt habe und davon bin ich noch weit entfernt."

Trustman war sich nicht sicher, ob das eine ehrliche Antwort gewesen war. Sie hatte aber auf jeden Fall ehrlich geklungen. Allerdings fragte er sich spontan, wie Carter sich wohl aufführte, wenn es ihm irgendwo nicht gefiel...

Er entschloss sich, etwas tiefer zu bohren: "Und woran glauben Sie liegt es, dass Sie kaum jemanden kennen und sich noch nicht integriert haben?"

Chris verkrampfte sich merklich, verschränkte die Arme vor seinem Körper und musterte Trustman skeptisch. Er war nicht bereit, seinem Vorgesetzten so viel Einblick zu gewähren. Und wie üblich, wenn ihm jemand zu nah kam, reagierte er aggressiv und ging zum Gegenangriff über. Reiner Selbstschutz also und eigentlich leicht zu durchschauen.

"Wie ich schon sagte, ich bin noch nicht besonders lange an Bord. Vielleicht habe ich auch einfach kein Interesse daran oder ich brauche etwas mehr Zeit. Sie dürfen sich gerne das heraus suchen, was sich in Ihrem Bericht am besten macht. Denn anders kann ich mir Ihr plötzliches Interesse an meiner Person nicht erklären. Sie verfassen meine erste Beurteilung, habe ich Recht?" Kalt und herausfordernd hatte er sich angehört, plötzlich konnte Chris seinem Vorgesetzten nicht mehr in die Augen sehen und wandte sich rasch wieder der Konsole vor ihm zu, ohne sie wirklich wahr zu nehmen.

Unbewusst strich er sich mit den gespreizten Fingern einer Hand durch die Haare. 'Das habe ich wieder großartig hin bekommen.' Dachte er niedergeschlagen. 'Meine letzte Chance und ich habe nichts dazu gelernt.'

"Wagenvoort hat mich darum gebeten, ja", bestätigte Eric die Vermutung von Carter. Er hatte immerhin auch keinen Grund es zu verbergen, aber die aggressive Antwort würde er selbstverständlich in seiner Beurteilung berücksichtigen.

'Wahrscheinlich ist es gleichzeitig auch die letzte Beurteilung', schoss es Trustman durch den Kopf. Es war ungewohnt für ihn, so endgültig über Menschen urteilen zu müssen. Vielleicht hatte Ruben ihm daher auch die Aufgabe gegeben.

Oder weil dieser sich selbst nicht damit belasten wollte.

Chris betrachte eine Weile die Kontrollanzeigen, alles war in Ordnung, jedenfalls gab es im Augenblick nichts Interessantes. Aber das konnte sich schnell ändern. Und ganz gleich was hier noch passierte, seine Aufgaben, und die damit verbundene Verantwortung, durfte er darüber nicht vergessen.

'Es dreht sich tatsächlich um meine Beurteilung. Wenigstens brauche ich mir über die nächste wohl keine Gedanken mehr zu machen', dachte er ironisch. 'Er hat sich nicht aus der Ruhe bringen lassen.'  Chris atmete tief durch, wenn er diesen Job behalten wollte, konnte es sicher nicht schaden, seinen Fehler einzugestehen. Eigentlich glaubte er nicht wirklich daran, damit seine Lage noch verbessern zu können, wahrscheinlich war Trustman mehr als froh, ihn loswerden zu können, doch hing so viel davon ab, das es sich Chris einfach nicht leisten konnte, diese Chance ungenutzt zu lassen. Und wie schlimm konnte es schon werden?

Er drehte sich zu seinem Vorgesetzten um: "Ich...", hier brach Chris ab, suchte nach den richtigen Worten. Und es war nicht zu übersehen, wie unwohl er sich in seiner Haut fühlte. Kleinlaut sprach er schließlich weiter: "Mein Verhalten Ihnen gegenüber tut mir wirklich leid, ich hatte kein Recht, so mit Ihnen zu sprechen."

Für einen Moment überlegte Eric, ob Carter wohl etwas Bestimmtes meinte oder sich auf sein mittlerweile beachtliches Gesamtfehlverhalten bezog. Eigentlich war es aber auch egal, "Nein, das hatten Sie nicht. Ändern Sie einfach Ihr Verhalten, eine Entschuldigung ist nicht notwendig"

Überrascht betrachtete Chris sein Gegenüber. Sollte das wirklich alles gewesen sein, was Trustman dazu zu sagen hatte? Das mochte er nicht so recht glauben.

"Sie haben doch meine Akte gelesen", hakte Chris nach: "Denken Sie wirklich, wenn ich so einfach mein Verhalten ändern könnte, jeden Befehl schweigend hinnehmen und dann auch noch jede noch so private Frage eines Vorgesetzten beantworten würde, das ich dann die Sternenflotte verlassen hätte um die Drecksarbeit auf irgendeiner Station zu erledigen?" Chris zuckte kurz mit den Schultern und fügte ruhig und sachlich hinzu: "Nun, ich denke das nicht. Ich denke, wenn diese Eigenschaften Teil von mir wären, hätte ich in der Sternenflotte Karriere gemacht. Und wie vernichtend wird Ihre Beurteilung über mich nun aus fallen?"

Carter war sich ziemlich sicher, das  Trustman sich nicht zu einer ehrlichen Antwort hinreißen lassen würde. 'Wahrscheinlich wird er überhaupt nichts sagen, sondern sich hinter seiner Position verstecken, oder um den heißen Brei herum reden, ohne eine klare Aussage zu treffen. Das tut seinegleichen doch besonders gern', dachte er bitter.

--- Shuttle Jack Daniels, Mittelsektion

S'Tom konnte innerlich verfolgen, wie Cordrazin durch seinen Kreislauf floss und wieder Leben in seine biologischen Systeme kam. Auch die  Reparaturmechanismen seiner Implantate machten große Fortschritte.

Der Vulkanier öffnete die Augen. Es dauerte den Bruchteil einer Sekunde,  bis sein Nervensystem den plötzlichen Zufluss an Informationen verarbeiten  konnte. Er wurde nun bestätigt in dem, was er auf Grund der zerstückelten  auditiven Informationen der letzten Minute bereits vermutet hatte. 

'Definitiv nicht die Thunderbird', ging es ihm nicht ohne ein Gefühl der  Enttäuschung durch den Kopf. Er war noch immer in dem Shuttle, mit dem sie  zum Wurmloch geflogen waren...

Ein Rundblick durch den Raum: Llewella, Alex, April, Narbo, Ruben, ... ein Unbekannter! Ein zweiter Blick offenbarte, dass dieser offensichtlich  gefesselt zu sein schien - vorerst also keine Bedrohung. An der  gegenüberliegenden Wand konnte er allerdings etwas viel Beunruhigenderes entdecken: die Anzeichen eines baldigen Hüllenbruchs!

Inzwischen begannen die meisten seiner Nerven, Schmerzsignale an sein Gehirn zu übermitteln, die er nach Möglichkeit zu unterdrücken untersuchte. Er bemühte sich auch, Signale in die Gegenrichtung zu senden, um von seinem Gehirn entferntere Muskeln als seine Augenlieder zu bewegen...

Das Versorgen des Vulkaniers mit der Wunderdroge Cordrazin und der Interkomspruch des Katzenwesens kamen nahezu gleichzeitig. Die Schottin beobachtete noch kurz mittels ihres Tricorders, wie das Bewusstsein in den Vulkanier zurückzukehren begann, dann erhob sie sich aus ihrer knienden Stellung.

Zügig ging sie die wenigen Schritte nach vorne und betrat das Cockpit, um sich Cheyennes anzunehmen.

--- Cockpit

Mit dem ersten Blick erkannte Llewella, dass Sternenlicht das geringere Problem darstellte. Sein Fell lag zwar nicht ganz so glatt an, wie die Schottin das von ihm gewohnt war, aber dennoch schien er ganz Herr der Lage.

Das einzige Anzeichen von ... was auch immer ... war das leise zuckende Ende seines Schwanzes - oder Schweifes, wie sich die Schottin einmal von ihm hatte auf freundliche Weise belehren lassen müssen.

Llewellas zweiter Blick galt der Pilotin, die mit geschlossenen Augen und kreidebleich in ihrem Sitz lehnte. Schweißperlen standen ihr auf der Stirn und ihr Puls ging flach und schnell.

"Ich werde Ihnen jetzt eine Injektion geben, dann fühlen Sie sich gleich ein wenig besser," sprach die rothaarige Frau die Pilotin an. "Ich nehme an, dass Ihr Kopf Kontakt mit etwas hatte, das noch ein wenig härter war - Sie haben eine leichte Gehirnerschütterung. Ich weiß zwar, dass es möglicherweise in unsere Situation schwierig ist - aber Sie sollten ein wenig Ruhe halten..."

--- Mittelsektion

Rubens Kopfschmerzen waren noch nicht ganz verschwunden, aber er versuchte sich wieder auf die Gruppe und die Probleme zu konzentrieren. "Miss April, ich glaube Sie brauchen unseren Piloten nicht mit diesem Problem behelligen. Es ist natürlich formal korrekt, dass Sie seine ähh Jurisdiktion als rechtmäßiger Eigentümer dieses Shuttles respektieren wollen", schaltete er sich in das Gespräch ein, "Aber unter Berücksichtigung unserer hoffentlich baldigen Rückkehr liegt die Entscheidung eher bei Captain O'Connor. Vorausgesetzt, dieser will unseren blinden Passagier auf der Atlantis lassen"

Ein Stich fuhr durch seinen Kopf und einen Moment biss Wagenvoort die Zähne zusammen. Dann konnte er sich wieder etwas entspannen. "Vorerst sollte es reichen, wenn wir ihn gefesselt beaufsichtigen"

Etwas irritiert betrachtete April den Niederländer, zuckte jedoch dann gleichgültig mit den Schultern. "Hat sich vorerst erledigt, Sternenlicht." Mit diesen Worten schloss die Kriegern den Kanal zum Cockpit und wandte sich nun endgültig an Ruben. "Na, wenn Sie meinen... und was machen wir jetzt? Außer warten?"

Der Vulkanier hatte inzwischen einigermaßen die Kontrolle über seinen Körper erlangt und begann, sich aus seiner nicht allzu bequemen Position zu erheben. Er schritt langsam, noch leichte Schwierigkeiten mit seinem Gleichgewichtssinn habend, in Richtung der gegenüberliegenden Wand. 

Vermutlich war der Hüllenschaden an dieser durch die temporale Schockwelle verursacht worden...

Gewissermaßen als Antwort auf Aprils Frage wandte er sich, ohne sich umzudrehen, an die Anwesenden, "Dieser Schaden wird sich in voraussichtlich 3 Minuten zu einem Mikroriss und dann in weiteren 2 Minuten zu einem Makroriss entwickeln. Ich benötige Hilfe bei dem Versuch der Verzögerung dieses Vorgangs, da meine Hand-Augen-Koordination noch beeinträchtigt ist."

--- Cockpit

"Ich werde es versuchen ...", antwortete die Pilotin mit einem gequälten Lächeln. "Danke schön!" Ihr Magen begann sich langsam zu beruhigen, ebenso wie ihr Kopf, der sich jetzt mehr anfühlte als hätte man drei Meter Watte darum gewickelt.

Für einige Augenblicke blieb sie noch ruhig in ihrem Sessel sitzen ohne sich zu bewegen...

Sternenlicht hatte Llewella nur am Rande wahrgenommen, vor wenigen Sekunden hatte jemand endlich das Strahlungsleck abgedichtet. Die automatische einsetzende Rekalibrierung der Sensoren war ebenfalls abgeschlossen, so dass das Katzenwesen jetzt endlich vernünftige Messwerte hereinbekam. Ob sie ihm gefielen, das versuchte er gerade noch herauszufinden.

Kritisch blickte der Sivaoaner auf die taktische Anzeige der Langstreckensensoren, auf dem drei Symbole zu erkennen waren. Alle drei waren mit dem orange eines unidentifizierten Kontakts eingefärbt. Die eingeblendeten Informationen zeigten, dass die Kontakte allesamt auf Grund ihrer Energiesignaturen von den passiven Systemen geortet wurden.

Erste Messwerte über die Kontakte kamen herein und bestätigten seinen ersten, vagen Verdacht. Zwei Sternenschiffe, dicht beieinander, beide wurden von der Signaturanalyse als Kreuzer eingestuft, ein Kleinstraumer, vermutlich ein Shuttle. Betrachtete man noch den eben ermittelten Kurs des Letzteren war klar, dass sie bereits entdeckt waren: Es hielt direkt auf sie zu.

Sternenlicht aktivierte die aktiven Sensoren des Shuttles und scannte die drei Schiffe...

--- Mittelsektion

Immer noch vor sich hin blutend lag Alex auf dem Shuttleboden, während er versuchte, das Geschehen um ihm herum trotz der üblen Kopfschmerzen zu verfolgen. Was ihm jedoch nicht wirklich gut gelang. Stattdessen kreisten seine Gedanken aus irgendeinem für ihn unverständlichen Grund dauernd um die stetig wachsende Anzahl von Blutflecken auf dem Teppich.

'Was würde der Besitzer dazu sagen? Wer war das überhaupt? Gingen die Flecken wieder raus? Wo bin ich überhaupt? Hat Jemand einen Arzt gesehen?'

Alex merkte, wie ihm plötzlich schwindlig wurde, jedoch hatte er nicht wirklich die Kontrolle über seine Gliedmaßen und so schaffte er es nicht, seinen Arm schnell genug auszustrecken, um den wenn auch nur leichten Aufprall aus der sitzenden Position aufzufangen. Mit einem leisen Knall schlug er auf dem Shuttleboden auf, begleitet von einem schmerzerfüllten Stöhnen.

April nahm das dumpfe Geräusch im ersten Augblick nur am Rande ihres Bewusstseins war. Vor einigen Momenten hatte sie den Techniker noch sitzend am anderen Ende der Kabine war genommen - eigentlich hatte er einen ganz guten Eindruck auf sie gemacht, so dass sie sich nicht weiter um ihn gesorgt hatte.

Nun war die Lage allerdings ein wenig anders. Der Adrenalinspiegel der Halbbajoranerin schoss schlagartig wieder nach oben, als sie Alex Beine hinter ein paar Kisten hervor lugen sah - dort, wo er gerade noch versucht hatte, auf zu stehen, lag er nun schon wieder am Boden.

"Passen Sie auf ihn auf ...", wandte sie sich an den Niederländer, deutete kurz auf David und drückte ihm dann bestimmend ihren Phaser in die Hand.

Mit ein paar langen Schritten durchquerte sie den Raum, kniete sich neben dem Techniker nieder und beugte sich über sein Gesicht.

"Alex, was ist los?", ihre besorgte Stimme hallte fast einwenig schrill in ihren Ohren.

"Campbell ... wo sind Sie?!" 

--- Cockpit

Das leise Piepen der Konsole lies die Terranerin die Augen öffnen und wieder auf ihre Anzeigen blicken und verschaffte sich einen kurzen Überblick über den von Sternenlicht angeworfenen Scan.

"Ich hatte eigentlich gehofft, dass uns keiner mehr über den Weg läuft bis wir zurück sind ...", murmelte sie nachdenklich vor sich hin.

--- Mittelsektion

Irritiert starrte Ruben den Phaser an. Er benutzte Waffen nur sehr ungern, viel lieber verließ er sich auf seinen Verstand, um solchen Situationen gleich aus dem Weg zu gehen.

'Dafür ist es jetzt zu spät', dachte er resignierend und versuchte, auf David einen selbstsicheren Eindruck zu machen. Immerhin sollte es ihm nicht ins Gesicht geschrieben stehen, dass er wahrscheinlich nicht auf einen Verletzten schießen würde.

Aber ein Angriff auf seine Person, so beruhigte sich Wagenvoort, würde dem Fremden auch gar nichts bringen - er blieb immer noch in einem bald auseinanderbrechenden Shuttle.

'Apropos...'

Der Sicherheitschef hatte sich bisher gar nicht um dieses Problem kümmern können. "S'Tom, sind Sie in der Lage den Riss zu versiegeln, bevor wir äähh ernsthafte Probleme bekommen?"

Auf die Meldung des Sicherheitlers und die Taten der meisten anderen Personen im Raum hin fragte sich S'Tom, ob seine Aussage vorhin jemand wahrgenommen hatte. Anscheinend schienen für einen Teil der Gruppe andere Dinge wichtiger als ein drohender Hüllenbruch...

Der Vulkanier hatte sich inzwischen mit etwas Mühe passendes Werkzeug  besorgt und kalibriert - noch immer fiel ihm alles deutlich schwerer als üblich. Da Ruben, ebenso wie derzeit auch er selbst, nicht gerade die ruhigsten Finger zu haben schien, wandte er sich an den etwas zurückgezogen stehenden Ferengi: "Narbo, ich benötige hierbei ihre Hilfe!", und begann ohne Abwarten eines möglichen Protests mit der Erklärung der Prozedur.

Narbo versuchte der Erläuterung zu folgen, aber der Vulkanier sprach ziemlich schnell und verwandte einige Begriffe, die er nicht kannte. 'Egal, wird schon klappen. Was so ein Grünblut kann, kann ich schon lange!', wischte er die Bedenken zur Seite, während er nach außen grummelte, "Ich bin Barbesitzer, kein Mechaniker!"

Trotzdem nahm er das Werkzeug und versuchte es entsprechend der Erklärung zu benutzen. Was nicht sonderlich einfach war. Vor allem hatte er keine Ahnung, ob er es richtig machte.

--- Shuttle 3

Trustman schaute nun von seinem PADD hoch: "Wenn Sie der Meinung sind, dass es sich bei der Venture nur um einen Vergnügungsdampfer handelt, auf dem jeder tun und lassen kann was er will, dann täuschen Sie sich. Unsere Feinde nehmen keine Rücksicht darauf, ob Sie mit Befehlen Probleme haben oder denken, hier nur die halbe Leistung bringen zu müssen.

Nein, unsere Feinde werden uns einfach erbarmungslos abschießen, wenn Sie im entscheidenden Moment Befehle hinterfragen oder der Mannschaft misstrauen!"

Eric hatte seine Stimme, was ungewöhnlich war, mittlerweile etwas erhoben. "Und meine Aufgabe ist es Leute auszusortieren, die uns diesem Risiko aussetzen. Sie haben viele nützliche Kenntnisse und Fähigkeiten. Also hören Sie auf, sich selbst im Weg zu stehen..."

Das Piepen der Konsole unterbrach Trustman: Sie wurden gescannt, wahrscheinlich von dem fremden Shuttle.

Chris drehte sich sofort zu den Konsolen um, beendete den Alarm und leitete selbst einen Scan ein. 'Nicht das die noch denken, wir würden schlafen.' Zeit genug hatten sie dafür noch, waren noch einige Minuten außerhalb ihrer Waffenreichweite.

Chris betrachtete weiter hin die Anzeigen: "Sie haben uns ja doch endlich bemerkt, eigentlich hatte ich viel früher damit gerechnet. Ich habe ebenfalls einen Scan initialisiert, es wird eine Weile dauern, bis wir Daten bekommen. Und da das fremde Shuttle bisher seinen Kurs beibehält, brauche ich auch den unseren nicht neu zu berechnen, jedenfalls im Moment nicht. In wenigen Minuten erreichen wir unseren Zielpunkt, wir können unsere kleine Unterhaltung also bestimmt noch zu einem Ende bringen, bevor diese Angelegenheit hier unsere gesamte Aufmerksamkeit erfordert", berichtete Chris sachlich.

Und ohne den Blick von den Anzeigen zu nehmen, knüpfte er genau so ruhig an das Gespräch an, "Außerdem will ich diese Unterhaltung kein zweites Mal führen. Natürlich ist mir klar, das Sie nur jemanden in ihrer Crew behalten können, der kein Sicherheitsrisiko darstellt. Doch dass jeder seine Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen erledigt, hat für mich überhaupt nichts mit Vertrauen zu tun, davon gehe ich einfach aus. Und damit meine ich auch mich.

Dieser Job hier ist mir sehr viel wichtiger, als es für Sie scheinen mag. Und ich habe nicht gemeint, dass ich jeden Befehl hinterfrage, doch lassen Sie es mich so ausdrücken: einem Schwachsinnigen werde ich nicht folgen. Fassen Sie das, bitte, nicht als Beleidigung Ihrer Person auf. Und bedenken Sie, würde ich prinzipiell jedem Befehl nicht folgen, hätte ich nicht den Maschinenraum verlassen, sondern den Romulaner erwürgt, oder es jedenfalls versucht.

Und..." hier beendete Chris seinen Monolog, die ersten Daten kamen herein. "Trustman, sehen Sie sich das an, die ersten Ergebnisse von dem Scan." Carter rückte ein Stück zur Seite damit Trustman freie Sicht auf den Schirm bekam.

Dieser benötigte nur einen einzigen Blick, bevor er sich zufrieden zurücklehnte. Ein Sivaoaner, ein Ferengi, ein Vulkanier, eine Bajoranerin und mehrere Menschen.

"Es scheint, als hätten wir die vermissten Personen gefunden", stellte er fest, "Aber der Zustand des Shuttles macht mir Sorgen. Carter, maximale Geschwindigkeit. Havburn, bereiten Sie sich schon mal auf Verletzte vor. Wann erreichen wir das Ziel?"

Wie befohlen beschleunigte Chris das Shuttle, betrachtete kurz seine Anzeigen. "In drei Minuten werden wir unser Ziel erreichen", teilte er Trustman mit.

"Könnten Sie vielleicht noch etwas dazu sagen? Ich wüsste wirklich gerne woran ich bin, was Sie Wagenvoort, den ich ja bisher auch noch nicht getroffen habe, über meine Person mitteilen werden", hakte Chris nach, nicht bereit das Thema schon auf sich beruhen zu lassen.

So eine Gelegenheit würde sich so schnell nicht mehr bieten, würden sie doch in wenigen Minuten alle Hände voll zu tun haben und so konnte er sich auch eine kleine Bemerkung nicht verkneifen: "Natürlich würde ich mich auch mit Ihrer persönlichen Meinung zufrieden geben."

"Die können Sie haben, aber erst später", antwortete Eric aufschiebend, "Zunächst sollten wir sicherstellen, dass Wagenvoort noch lebendig genug ist, um irgendetwas von mir zu hören."

"Shuttle 3 an unbekanntes Shuttle voraus. Können wir Ihnen helfen? Wir sind in ein zwei Minuten bei Ihnen!", versuchte er anschließend Kontakt aufzunehmen.

--- Shuttle Jack Daniels, Cockpit

Der Scan der fremden Schiffe war gerade beendet und die Pilotin starrte noch für einen Moment ungläubig auf dessen Auswertung. Trustmans Worte standen noch unbeachtet im Raum - Cheyenne war sich nicht sicher ob sie wirklich an so viel Glück glauben konnte.

Etwas verwirrt schaute sie zu Sternenlicht, der - so vermutete sie - erstaunt mit den Schultern zuckte.

Stille.

Das Blinken der Kommunikationskonsole erinnerte die Terranerin daran, dass das andere Shuttle immer noch auf eine Antwort wartete.

"Hier ist das Shuttle ... Jack Daniels. Mr. Trustman sind Sie das?"

--- Mittelsektion

Bei Narbos Grummeln kam dem Vulkanier ein bekannter Arzt des vorigen  Jahrhunderts in den Sinn, der laut Aufzeichnungen des Öfteren ähnliche Worte von sich gegeben hatte. Ob sich der Ferengi dessen bewusst war, ihn gar gewissermaßen zitieren wollte? 'Eigentlich aber unwahrscheinlich', dachte sich S'Tom.

Er beobachtete genau Narbos Fortschritt bei der Reparatur. Der Barbesitzer wies wie erhofft eine hohe Fingerfertigkeit auf und hatte offensichtlich auch seine Ausführungen zur Vorgangsweise verstanden, denn dieser kam bestens voran. Nach kurzer Zeit kam es dem ehemaligen Borg aber in den Sinn, dass der Ferengi seinen Fortschritt auf Grund fehlender erweiterter visueller Wahrnehmung nicht so wie er selbst verfolgen konnte.

"Sie haben die Wahrscheinlichkeit eines Hüllenbruchs bereits drastisch reduziert, führen sie die Reparatur noch 30 Sekunden lang fort", wandte sich der Techniker an den Helfer.

Während die beiden so ungleichen Charaktere das Shuttle vor einer Katastrophe zu retten versuchten, verarztete die Schottin den reglos am Boden liegenden Techniker, aus dessen annähernd drei Zentimeter langen Platzwunde am Schädel immer noch ein wenig Blut rann.

Aprils Ruf hatte die hochgewachsene Frau wieder in den mittleren Teil des Shuttles gebracht, nachdem die Pilotin wieder auf dem Weg der Besserung war.

Auch Poulsens Verletzung war an sich nicht schlimm, allerdings sah sich Llewella gezwungen, die doch etwas klaffende Wunde auszurasieren und mit wenigen Stichen zu verschließen.

Anschließend trug sie einen Sprühverband auf und injizierte nun auch Poulsen die "Wunderdroge" Cordrazin, allerdings in einer etwas anderen Dosierung als vorher dem Vulkanier. Außerdem bekam er noch ein schmerzstillendes Mittel.

Llewella nahm sich vor, wenn sie das Shuttle verlassen hatte, einmal die medizinische Akte "Poulsen" zu lesen. Zwar ging sie stark davon aus, dass jemand, der eine willebrandsche Erkrankung hatte - sprich eine Gerinnungsstörung - nicht unbedingt zur Sternenflotte gehen konnte... aber immerhin waren sie ja eben _nicht_ bei der Sternenflotte....

Ein Zischen drang schwach an Poulsens Ohr, während sich der schwarze Dunst, der sich vor sein Blickfeld geschoben hatte langsam verflüchtigte. Bunte Schatten flackerten herum, bevor sich sein Blick klärte und er ihn auf die Person vor sich fokussieren konnte. Es war Llewella, die mit einem Hypospray bewaffnet vor ihm kniete und ihn sorgenvoll ansah.

"Ah, Doktor. Schön, dass Sie Zeit gefunden haben, nach mir zu sehen", versuchte er schwach zu witzeln, jedoch dröhnte sein Kopf dermaßen, als hätte er damit versucht, durch ein duraniumverstärktes Schott zu laufen.

Ohne besonderen Grund, jedoch mit zitternden Fingern betastete er seinen Kopf und stockte abrupt, als er eine kahle Stelle fühlte und in der gleichen Sekunde die Fäden unter dem dünnen Verband bemerkte, mit denen Llewella ihn zusammen geflickt hatte.

Ihm wurde schwindlig und übel und es kostete ihn einige Überwindung, sich nicht in den Schoß von Llewella zu übergeben, während er versuchte, den Gedanken an die Naht zu verdrängen. Das ganze Shuttle drehte sich um ihn und er war froh, dass er schon lag, sonst wäre er spätestens jetzt wieder umgekippt und hätte sich wahrscheinlich wieder den Schädel angehauen.

Während einer seiner schwindligen "Rundtouren" erhaschte er einen Blick auf Llewella, die sich etwas näher zu ihm heruntergebeugt hatte und anscheinend auch etwas sagte, jedoch war das Einzige, was er mitbekam, der sorgenvolle Blick, den sie ihm zuwarf.

April hatte die geübten Handgriffe der Ärztin genau beobachtet - konnte sich aber in keinster Weise einen Reim darauf machten was Campbell da gerade tat. Allerdings schien es zu helfen...

Mit einer sanften Handbewegung strich die Halbbajoranerin über die Stirn des Technikers.

Ruben beschloss, sich dem technischen Problem zu widmen, bevor er noch umkippte. Er konnte einfach kein Blut sehen. Auch wenn es nur Poulsens war. "Narbo, konnten Sie uns ähh retten?", natürlich war sich Ruben bewusst, was für eine dumme Frage das war.

Immerhin lebten sie alle noch, was eindeutig darauf hinwies, dass der Ferengi es geschafft hatte.

Entsprechend blickte dieser auch nach ein paar Sekunden hoch: "Was für eine dumme Frage! Natürlich, Mensch!", fauchte er dem Sicherheitschef entgegen. Seine schlechte Laune kam aber hauptsächlich daher, dass er die stickige Luft in dem Shuttle satt hatte.

Und der blinde Passagier stank immer noch wie ein totes Tier.

--- Shuttle 3

"Korrekt", bestätigte Eric, "Wie ist nun Ihre Lage?" Er mochte es nicht besonders, wenn man seine Fragen mit Gegenfragen beantwortete. Vor allem, wenn es mehr oder weniger um Leben und Tod ging...

Im gleichen Moment bemerkte er, dass Carter von seinem Terminal aufschaute. Anscheinend hatten die Sensoren etwas Neues aufgefangen.

--- Shuttle Jack Daniels, Cockpit

"Na ja soweit ganz gut - wir sind alle ein bisschen mitgenommen von unserem Ausflug..." Eine kurze Pause entstand in der die Pilotin überlegte ob sie Trustman gleich über ihre Zeitreise erzählen sollte - entschied sich jedoch dann dagegen - dafür würde nachher noch genug Zeit bleiben.

"... wir haben ein Strahlungsleck, das aber schon kleiner wird. Ich denke, ein bisschen Hilfe könnten wir trotzdem gebrauchen. "

--- Shuttle 3

Chris runzelte die Stirn. Sicher, er war kein Techniker, doch ein Strahlungsleck konnte er nicht erkennen, dafür aber etwas, das einen winzigen Riss in der Hülle bedeuten konnte.

'Vielleicht ist das Leck auch schon behoben worden und sie hat es nur nicht bemerkt. Die müssen ja eine Menge durch gemacht haben um wieder hierher zu kommen.'

"Ich will Ihre kleine Unterhaltung ja nicht stören, doch könnten sie uns vielleicht verraten, was wir am besten tun können um ihre Situation zu verbessern?"

--- Shuttle Jack Daniels, Cockpit

Die zweite Stimme, die eben im Kommunikationskanal aufgetaucht war, war Sternenlicht völlig unbekannt. Trustman wiederum hatte er sofort erkannt. Jetzt blickte der Sivaoaner von seinen Anzeigen auf und antwortete auf die Frage der unbekannten Person:

"Sternenlicht zu-Srallansre spricht. Am wichtigsten wäre es momentan, wenn Sie uns unsere Verletzten und einen blinden Passagier abnehmen könnten. Hier geht es recht eng zu, was die Reparaturarbeiten nicht gerade fördert.

Nach meinen Anzeigen hier ist ansonsten die Situation langsam unter Kontrolle, ein oder zwei Techniker würden allerdings auch nicht schaden. Wenn wir den strukturellen Schaden der Außenhülle überwunden haben, sollten wir auch aus eigener Kraft nach Hause kommen, wir haben ansonsten keine größeren Schäden, die nicht bis zum Hangar warten könnten."

--- Shuttle 3

"Verstanden. Mit Technikern können wir derzeit nicht dienen, aber wir haben medizinische Ausstattung an Bord. Die zu beamenden Personen sollen sich im Frachtraum einfinden. Dort ist die Erfassung derzeit am Besten", antwortete Trustman. "Und was Ihren 'blinden Passagier' angeht bitte ich um weitere Informationen!"

--- Mittelsektion

Alex öffnete trotz des Schwindelgefühls seine Augen und blickte in das Gesicht der ernst dreinblickenden Bajoranerin, die ihm zärtlich über die Stirn strich. Die beinahe liebkosenden Bewegungen ließen ihn Lächeln und der Gedanke ans Aufstehen war mit einem Mal wie weggeblasen. Jetzt wollte er nur noch hier liegen bleiben. Bis zu seinem Lebensende und noch viel länger.

"Schon mal dran gedacht, den Beruf zu wechseln?", fragte Alex verschmitzt, während er weiterhin die Streicheleinheiten genoss. "Ich glaube, die Krankenstation würde sich über neue Leute bestimmt freuen."

"Aye, mit Sicherheit", reagierte die schottische Ärztin in trockenem Tonfall auf diesen Vorschlag des Technikers, dessen immer noch blutende Platzwunde sie weiterhin beobachtete.

"Mr. Poulsen, Sie sollten noch ein wenig vorsichtig sein. Ich werde Ihnen noch etwas gegen Kopfschmerzen injizieren, aber dennoch haben Sie einen ordentlichen Schlag auf den Schädel erhalten. Daher möchte ich Sie bitten, sich in der Krankenstation einzufinden, sobald wir wieder an Bord sind, und bis dahin ein wenig auf sich aufzupassen."

Inzwischen hatte Llewella sich entschieden, Mr. Poulsen zu dem Schmerzmittel noch vorsichtshalber eine gerinnungsfördernde Injektion zu geben. Vielleicht hatte sie ja doch Recht mit ihrer Vermutung  - ihr war es auf jeden Fall lieber, sie müsste sich die nächsten Stunden keine Gedanken darüber machen, wie viel Blut Poulsen wohl noch verlor...

Die Kriegerin ließ einen Augenblick vergehen und knüpfte dann direkt an Alex Vorschlag an.

"Ich glaube das ist keine gute Idee - dem Großteil der Patienten würde ich wahrscheinlich erst mal ein paar Rippen brechen." Ein freches Grinsen legte sich auf ihr Gesicht.

--- Shuttle Jack Daniels, Cockpit

"Sein Name ist David Jeffrey ...", antwortete die Pilotin nun, während sie sich in ihrem Sessel zurück lehnte. Eine kurze Pause entstand.

"Er ist wohl der Vorbesitzer von Sternenlichts Shuttle. Irgendwie konnte er sich wieder an Bord bringen und wir hatte vor unserem Transfer zurück in die Zukunft keine Zeit mehr, ihn wieder los zu werden..."

--- Shuttle 3

Chris grinste, "Nicht wieder losgeworden ist gut. Hört sich für mich eher an, als hätten Sie den armen Kerl entführt."

Und mit einem kurzen Blick auf die Anzeigen stellte er fest: "Wir sind nun in Transporterreichweite."

--- Shuttle Jack Daniels, Mittelsektion

"Na, solange du sie mir nicht brichst", scherzte Alex und grinste, während er wieder versuchte, sich aufzusetzen. Zum Glück waren die Schmerzen nach Llewellas Hypospray soweit weg und auch das Schwindelgefühl hatte nachgelassen. Jedenfalls hatte er keine Lust mehr, hier auf dem Shuttleboden herum zu liegen und alles voll zu bluten. Leider hatte er Recht gehabt bezüglich der antiquarischen Methoden der Ärztin, denn die Wunde blutete immer noch leicht; was mit einem vernünftigen Hautregenerator schon längst erledigt wäre.

April half ihm beim Aufstehen, was er dankbar annahm, denn seine Beine zitternden ganz schön heftig und ohne sie wäre er wahrscheinlich direkt wieder umgefallen.

"Und nun?", fragte er in die Runde, während er darauf hoffte, dass ihn Jemand auf den aktuellen Stand brachte.

--- Shuttle 3

Was allerdings nicht viel nutzte, solange Cheyenne die Personen nicht in den Frachtraum schickte. Eric sparte sich jedoch diesen Hinweis und notierte lieber innerlich, dass es sich tatsächlich um eine Zeitreise gehandelt hatte.

Erstaunlich war, mit welcher Selbstverständlichkeit Cheyenne diese Tatsache hinnahm. 'Kleiner Ausflug', hallte es in seinem Kopf nach. Aber vielleicht war dies auch in dem Umstand begründet, dass es schon die zweite temporale Anomalie innerhalb weniger Tage war.

Trustman wusste nicht, ob er einen weiteren derart verworrenen Bericht lesen wollte.

"Carter, bringen Sie uns noch etwas näher heran und halten dann die Position", Chris gab sofort die Kurskorrektur ein, die würde sie nun so nah heran bringen, dass der Sicherheitsabstand gerade so gewahrt wurde, bedachte Trustman allerdings mit einem finsteren Blick.

Wollte seinen Vorgesetzten auch schon fragen, ob der sich nicht endlich entscheiden konnte, was er eigentlich wollte, doch im letzten Moment erinnerte er sich an die immer noch offene Verbindung zu dem anderen Shuttle und schwieg lieber.

--- Shuttle Jack Daniels, Mittelsektion

David räusperte sich um ein wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. "Was gedenkt ihr nun mit mir zu tun? Durch die Luftschleuse hinauswerfen?" Er wusste zwar, was geschehen war, doch dauerte es wohl noch etwas, bis er es begriff. "Welche Sternzeit haben wir?" fragte er mit fester Stimme.

Es musste doch herauszufinden sein, wann und wo er sich befand.

Die Kriegerin warf Alex noch einen aufmunternden Blick zu und wandte sich dann wieder ihrem blinden Passagier zu. Zuvor nahm sie Ruben allerdings den Phaser noch ab, der ihn ihr bereitwillig aushändigte.

"Das mit der Luftschleuse finde ich eigentlich ein ganz gute Idee - bei Ihrem Parfum... "

--- Cockpit

Cheyenne registrierte mit einem leichten Lächeln, dass das Shuttle noch ein Stück näher kam und dann bei drehte. "Mr. Trustman, ich senke jetzt die Schilde und würde Sie bitten, dass Sie den Transport vornehmen. Wir haben wohl hier auch noch ein paar Probleme mit den Sensoren - deshalb möchte ich die Leute nicht selber beamen."

Mit ein paar flotten Bewegungen sendete die Pilotin die Personendaten, anhand der die zu beamenden Personen identifiziert werden konnten und stellte dann kurz den Kanal stumm. Parallel öffnete sie einen weiteren Kanal zur Mittelsektion.

"Morgan an Mittelsektion. Mr. Trustman wird alle Personen in der Mittelsektion - mit Ausnahme von Narbo und S'Tom - gleich auf sein Shuttle beamen und zurück zur Venture bringen. S'Tom und Narbo, sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie mit den vorläufigen Reparaturarbeiten fertig sind.

--- Mittelsektion

S'Tom hatte die letzten Minuten, seit Narbo die Reparaturarbeiten beendet hatte, in einem Stuhl sitzend verbracht, der Umgebung nur wenig Aufmerksamkeit schenkend. Er würde mindestens zwölf Stunden Schlaf benötigen, bevor er wieder seine volle Leistungsfähigkeit erreichen konnte, aber inzwischen traute er sich bereits wieder alle nicht-kritischen Tätigkeiten zu.

Auf die Meldung der Pilotin hin setzte der Vulkanier zu einer Antwort an: "Die vorläufige Reparatur ist bereits fertig gestellt, die Hülle wird nun noch etwa 85 Minuten dicht halten. Allerdings bin ich bezüglich des Transportprotokolls sehr verwundert. Ich bin zwar durchaus befähigt, ein Shuttle zu steuern. Im derzeitigen Zustand wäre aber ein qualifizierterer Pilot vorzuziehen."


Stardust Atlantis