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Crossover 13 - Admiralsquartiers-Besetzung

(Atlantis 18, Venture 42)

--- DS9, Quark‘s

Verdutzt schaute Ruben ihr hinterher. Irgendwie war es wohl seine Aufgabe, die Krise schnellstmöglich zu lösen. Aber er wusste nicht wie. Hilflos schaute er in die anderen Gesichter, aber niemand wirkte so, als ob er eine Patentlösung anzubieten hätte.

Unbeholfen stand er auf und blickte April nach.

"Ähh, bleiben Sie stehen! Wir können uns sicher einigen!", hörte er die Worte aus seinem eigenen Mund kommen. Worte die fremd klangen. Weil er ehrlich gesagt nicht an eine einvernehmliche Lösung mit ihr glaubte.

Einen Moment überlegte er, ob er ihr auch noch nachlaufen sollte, aber der Barkeeper hatte schon jetzt die Ohren gespitzt. Eine Anzeige wegen Zechprellerei konnten sie sich jetzt nicht leisten.

"Kellner, könnten Sie uns bitte die Rechnung bringen. Und wenn sie in einer Minute hier ist, stelle ich ein Extratrinkgeld in Aussicht", wandte er sich an einen vorbeilaufenden Ferengi, der bei dem Gedanken an Gewinn beflissentlich nickte.

Der Niederländer hoffte inständig, dass er Geld bei sich hatte.

Beinahe wäre Alex aufgesprungen und April hinterher gelaufen, doch er hatte sich zurück gehalten, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen. Aprils Wutanfall genügte auch so schon. Wobei das Ganze in Gutes für sich hatte: sie kamen endlich schnell hier raus.

Alex zweifelte nicht daran, dass der ferengische Kellner sich beeilen würde, schließlich sprang dann für ihn ein saftiges Trinkgeld heraus. Und wenn sie dann hier raus wären, würde sich bestimmt kaum Jemand an sie erinnern. Wahrscheinlich passierte hier so etwas täglich.

Beinahe lautlos war plötzlich der Kellner wieder an ihrem Tisch erschienen und hielt Ruben ein PADD hin, welches vermutlich die Rechnung enthielt. Der Niederländer blickte überrascht auf und wirkte für eine kurze Zeit ein wenig verwirrt, bevor er seinen Daumen darauf drückte. Ein breites Grinsen erschien auf dem Gesicht des Ferengi und nachdem dieser schnell die leeren Gläser abgeräumt hatte, war er auch schon wieder davongeeilt.

"Ich hoffe", sagte Alex im Aufstehen zu Wagenvoort, "Sie haben sich jetzt nicht in Unkosten gestürzt für uns?"

Die Pilotin erhob sich ebenfalls und folgte den Anderen in Richtung Ausgang. Der Reihe nach schlängelte sich die Truppe an den vielen kleinen Tischen vorbei wobei es nicht zu vermeiden war dem einen oder anderen Gast etwas anzurempeln. Fast hatte Cheyenne das Gefühl sie würden nun mehr Aufsehen erregen als bei ihrem vorherigen lautstarken Streit.

--- vor dem Quark's

Cheyenne versuchte in der Menge der Personen die sich auf dem Promenadendeck herum trieben die hitzköpfige Halbbajoranerin aus zu machen, jedoch ohne Erfolg.

"Weg ...", murmelte sie vor sich hin, "Und was machen wir jetzt?" Cheyennes Stimme vibrierte bei diesen Worten leicht als sie die Worte an Ruben richtete, der einen Augenblick später neben ihr auftauchte.

"Gute Frage", gab Ruben ratlos zurück. Manchmal hatte er das Gefühl, Kindergärtner der Gruppe zu sein. Wobei Kinder natürlich noch viel Grausamer sein konnten als jeder Klingone. Oh ja, das hatte der Niederländer in seiner eigenen Kindheit gelernt!

Nein, er war wohl doch kein Kindergärtner, sondern eher nur ein Heterogene-Ansammlung-von-unberechenbaren-Außerirdischen-Gärtner.

Das passte natürlich auf keine Visitenkarte.

"Narbo, können Sie April noch hören?", wandte er sich dann mit etwas Hoffnung an den Ferengi, der diese aber sofort kopfschüttelnd zerstörte.

"Ich bin Meisterdieb, keine Audioüberwachung!", gab dieser genervt zurück. Auf dem Promenadendeck waren bestimmt 150 Personen, dazu die Geräusche von den Geschäften...

"Tja dann, ähh, S'Tom - irgendeine Idee?", versuchte Ruben es noch mal bei dem Vulkanier. Immerhin hatte der die Konfrontation erst ausgelöst. Sollte der doch die Suppe auslöffeln!

Cheyenne blickte mit einem skeptischen Lächeln von dem kleinen Ferengi zu S'Tom weiter und versuchte aus dessen regungslosem Gesicht eine Reaktion erkennen - was wohl mehr ein Wunschdenken war als wirklich im Bereich des möglichen lag.

Einige Augenblicke später warf die Terranerin ihren Blick wieder in die Menge - und erstarrte förmlich, als sie die zwei Sicherheitsoffiziere erblickte, mit denen sie alle heute schon Bekanntschaft an der Schleuse gemacht hatten. Die beiden Männer kamen gerade um die Ecke an einem kleinen Souvenirladen, etwa 20 Meter entfernt, und steuerten genau in ihre Richtung.

"Ich glaube wir sollten unsere Ideen später diskutieren ...", mit der Hand deutete sie auf die näher kommende Gefahr.

Der Vulkanier war von Aprils Verschwinden durchaus überrascht gewesen, er  hatte diese Art von Reaktion als eine der unwahrscheinlichsten eingestuft gehabt. Eine aggressive Antwort, Handgreiflichkeiten oder Verständnis, das alles wären nachvollziehbarere Reaktionen gewesen. Anscheinend bedurfte das Persönlichkeitsprofil, das er innerlich für April erstellt hatte, noch einiger Überarbeitung.

Doch jetzt war offensichtlich nicht der Zeitpunkt, sich über solche Dinge Gedanken zu machen. Die kurze Zeit seit dem Verschwinden der Halbbajoranerin hatte nicht einmal gereicht, eine ausreichende Analyse der vorhandenen Handlungsoptionen durchzuführen. Zu viele neue Möglichkeiten... Insofern konnte der ehemalige Borg dem Auftauchen der Sicherheit in einiger Entfernung sogar positive Aspekte abgewinnen: Die Handlungsoptionen waren nun viel überschaubarer.

Beim Erblicken der Sicherheitler hatte sich schon eine allgemeine Bewegung der Gruppe in entgegen gesetzter Richtung auf dem Promenadendeck ergeben. "Ich denke, die Entscheidung wurde uns abgenommen. Wir sollten auf schnellstem Wege und möglichst unauffällig die Quartiere aufsuchen.", antwortete S'Tom, nun bereits in einigermaßen schneller Gehbewegung, auf Rubens anfängliche Frage.

Alex hätte am liebsten direkt auf dem Absatz kehrt gemacht und sich dann schleunigst verdrückt, doch dann wären die beiden Sicherheitsleute bestimmt direkt auf sie aufmerksam geworden. Stattdessen hielt er sich zurück und schlenderte mit den Anderen gemächlich über die Promenade, fast so, als wären sie auf einem Einkaufsbummel.

'Wahrscheinlich fehlt jetzt nur noch das unschuldige Pfeifen und das Klischee ist perfekt', dachte er und schüttelte den Kopf. 'Was für eine Welt ...'

Er schloss langsam zu dem kleinen Ferengi auf, der an der Spitze der Gruppe marschierte und tippte ihm auf die Schulter.

"Sagen Sie, diese Quartiere ... wie lange brauchen wir noch bis dahin? Ich glaube nämlich, dass wir unser Glück so langsam aufgebraucht haben."

"Glück? Welches Glück? Das Glück in die Vergangenheit versetzt worden zu sein? Mitten in einen Krieg? Mit Euch?!", reagierte Narbo mehr als abweisend. Wie konnte der Trottel in der Situation von Glück sprechen, oder sich vor zwei Sicherheitlern fürchten.

"Wir sind in wenigen Minuten da!", fügte er dann hinzu, bevor der Terraner sich verärgert äußern konnte, "Nachdem ich herausgefunden habe, wo sich die Admiralsquartiere befinden"

Er spürte die dümmlichen Blicke der anderen in seinem Nacken.

"Ja, oder glaubt Ihr, dass ich die Raumverteilung auf jeder verdammten Raumstation kenne?!"

"Na, bei so einem großen Kopf ...", antwortete Alex und bereute es im gleichen Atemzug, als er von Narbo einen bitterbösen Blick erntete. "Hätte ja sein können", ruderte er ein bisschen zurück und verlangsamte dann seine Schritte so, dass er auf einer Höhe mit Ruben kam.

"Sagen Sie, was machen wir eigentlich, wenn uns irgendjemand erwischt? Harakiri, um die Zeitlinie nicht zu gefährden?"

Eine berechtigte Frage, aber Nichts, über das der Niederländer nachdenken wollte. Eigentlich. Aber jetzt hatte Poulsen schon gefragt und Ruben sortierte die Gedanken, die in seinem Kopf zu dem Thema herumschwirrten:

"Selbst unsere Leichen würden die Zeitlinie verändern, von daher müssten wir uns schon desintegrieren. Wahlweise könnten wir jede Aussage verweigern und die Verwerfungen in der Zeitlinie so begrenzen"

Er verkniff sich die Ergänzung, dass einige Gruppenmitglieder wohl kaum so diszipliniert sein und den Mund halten würden. Naja, für diese bot sich dann immer noch die radikale Variante an, befand er fröstelnd.

Die Pilotin bildete den Schluss der Truppe und hatte das Gespräch von Alex und Ruben nur bruchstückhaft mit bekommen, allerdings konnte sie sich bei den Fetzen die sie aufgeschnappt hatte lebhaft den restlichen Inhalt vorstellen. Soweit würde es hoffentlich nicht kommen. Da könnte sie sich ja eher noch vorstellen sich auf einem unbewohnten Planeten zu verstecken und der Zeit ihren Lauf zu lassen...

Mit zwei schnellen Schritten schloss sie zu den beiden Männern auf.

"Was machen wir eigentlich mit dieser April? Wir können sie ja nicht einfach hier lassen bzw. glaube ich kaum, das sie sich genauso um die Zeitlinie Gedanken machen wird wie wir ..."

Die Missbilligung in Cheyennes Stimme war deutlich zu hören.

--- Gang

Der graublaue Schein des kleinen Terminals das in der Wand des spärlich beleuchteten Ganges eingebaut war, fiel schon fast gespenstisch auf das Gesicht der Halbbajoranerin. Sie hatte noch nie wirklich verstanden warum man auf Deep Space Nine in manchen Bereichen der Station darauf verzichtet hatte die Beleuchtung anständig zu regeln. Das hatte zur Folge, dass sie jetzt, nachdem sich ihre Augen an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnt hatten, einige Male angestrengt Blinzeln musste um auf dem fast grell scheinenden Display etwas zu erkennen.

Prüfend warf April jeweils ihren Blick zu beiden Seiten des Ganges hinunter, um sicherzustellen dass sie auch wirklich alleine war. Dann begann sie einige Befehle auf der kleinen Konsole einzutippen und verzog kurz darauf leicht das Gesicht, als ihr der Zugriff auf die aufgerufene Datei verweigert wurde. Das schräge Pfeifen, welches sie noch zusätzlich auf ihr Vergehen hinwies, versuchte sie zu ignorieren.

Die Kriegerin hatte nie wirklich viel von Computern gehalten und wenn sie es sich ehrlich eingestand, hatte sie auch nie verstanden wie sie funktionierten. Für sie war ein Terminal oder ein Interface ein Gerät, das funktionieren musste wenn man es einsetzte. Vermutlich tat es das auch, allerdings auf eine Art und Weise die nicht unbedingt mit den Vorstellungen einer Person zu vereinbaren waren, die sich lieber auf Kampfkunst konzentrierte, als auf Elektronen die unsichtbar in irgendwelchen Leitungen hin und her schwirrten.

Hatte es ja schon lange gedauert bis sie verstanden hatte, warum ein Phaser einen Energiestrahl ausspuckte wenn man auf den Auslöser drückte. Mechanische Waffen - einfache Waffen - waren ihr hier tausendmal lieber. 

Noch einmal versuchte sie die Datei zu öffnen - ein technischer Lageplan der Raumstation - und bei diesem Versuch klappte es auch. Sie hatte ein paar Tastenkombinationen gedrückt, die ihr ihre klingonische Freundin einmal gezeigt hatte - nein, sie würde ihr diesen Trick noch zeigen ...

Ein leichtes Lächeln legte sich auf Aprils Gesicht, als sie mit dem Finger über den Plan schwebte und einen der Technikräume suchte. Kurz verharrte ihr Finger über einem Symbol welches eines der "Admiralsquartiere" kennzeichnete. Sie würde sich den Ort vormerken, um später dort die anderen wieder zu treffen. Ihr Alleingang sollte nicht all zu lange dauern um es möglich zu machen die sie schnell wieder zu treffen. Und vielleicht würden sie ja unerkannte Verstärkung brauchen, wenn die Sicherheit sie aufspüren würde.

--- Promenadendeck

Wortlos hatte sich die Schottin der restlichen Gruppe angeschlossen. Auch sie hatte noch kurz nach der Verschwundenen Ausschau gehalten, sie jedoch trotz ihrer Größe nicht entdecken können.

Inzwischen war Llewella sehr dankbar dafür, dass sich auf dem Promenadendeck zahlreiche Menschen bewegten. Sorgten sie doch dafür, dass der Blick der Sicherheitler nicht so schnell auf den roten Haarschopf der Schottin, der sich deutlich über dem Niveau der meisten Wandernden bewegte, aufmerksam wurden.

Manchmal verfluchte die Ärztin ihre Körpergröße, die sich ansonsten doch so oft als sehr praktisch erwiesen hatte....

Nun wandte sie sich zu der anderen Frau und beantwortete deren Frage:

"Wir müssen einfach darauf vertrauen, dass sie keinen Unsinn macht. Was mir bei ihrem Temperament durchaus nicht als wahrscheinlichste Möglichkeit erscheint..."

'Vertrauen?'

Alex war sich eigentlich ziemlich sicher, dass man April vertrauen konnte. Wobei ... so lange kannte er sie jetzt auch wieder nicht. Kurz überlegte er, wann er sie das erste Mal getroffen hatte, doch er gab dieses Unterfangen schnell wieder auf, nachdem er sich schon im Kopf mit in den verschiedenen Zeitlinien verhedderte. Diese verdammte Zeitreiserei brachte ihn irgendwann noch in eine Anstalt.

Er blickte zu der Ärztin auf, die nun schweigend neben ihnen hertrottete und bemerkte ihren nervösen Blick, welchen sie immer wieder über ihre Schulter warf. Er konnte sich denken, über was sie sich gerade Sorgen machte und musste beinahe Lachen. Da gab es bestimmt Hunderte von Sicherheitskräften an Bord von DS9 und doch liefen sie andauernd den Gleichen über die Füße.

"Immer mit der Ruhe Frau Doktorin. Ich bin guten Mutes, dass unser kleiner Gnom da vorne weiß was er tut."

Wäre ihre Situation nicht so verdammt heikel gewesen hätte sie die Situation fast amüsant gefunden. Ja sie hatte sich ein bisschen mehr Abwechslung gewünscht als sie aus der Sternenflotte ausgetreten war, aber gleich so was?

Cheyenne hatte das Gefühl als hätten sie das Promenadendeck schon fast umrundet, als der Ferengi plötzlich nach links in einen breiten Gang ab bog, wodurch sich das Personenaufkommen schnell reduzierte. Was ihnen allerdings ein bisschen was der eben noch vorhanden Anonymität nahm.

--- noch ein Gang

Ein paar Augenblicke später erreichten sie eine Wegkreuzung von der zwei weitere Gänge abzweigten. Narbo blieb abrupt stehen und die Pilotin ließ ihm keine Zeit als erster zu Wort zu kommen.

"Und wohin jetzt?"

"Pssst!", bekam Cheyenne keine Sekunde später von dem Ferengi zu hören.

Unauffällig schaute dieser sich nochmals um, bevor er sich der Gruppe zuwandte, "Der Computer wird uns schon verraten, wo sich die Quartiere befinden"

Hoffnungsfroh trat er an das in die Wand eingelassene Display heran und gab seine Anfrage ein. Glücklicherweise unterlagen derart sensible Daten auf Sternenflotteneinrichtungen nie irgendwelchen Begrenzungen. Die Menschen waren einfach zu vertrauensselig, der Krieg würde das allerdings bald vorerst ändern.

"Habitatring, Deck 5, Sektion 1", führte er knapp aus, konnte sich das breite Grinsen aber nicht verkneifen.

Alex verstand nicht, was es da so groß zu Grinsen gab. Wenn er den Stationsplan richtig im Kopf hatte, dann würden sie noch ein paar Minuten unterwegs sein, bis sie die Quartiere erreichten. Und jede Minute länger erhöhte die Gefahr beträchtlich, dass sie gefasst wurden. Oder das sie durch irgend einen dummen Zufall die Zeitlinie änderten.

Mit Narbo an der Spitze setzte sich die Gruppe wieder in Bewegung, stetig darauf bedacht, sich unauffällig zu bewegen. Doch wie unauffällig konnten sie sein, mit einem kleinen, hässlichen Ferengi als Galionsfigur, der sich in eine bajoranische Technikeruniform gequetscht hatte?

Schnell verdrängte er die düsteren Gedanken und versuchte, sich den Weg den sie gingen einzuprägen. Schließlich wusste man nie, wann man solches Wissen noch einmal gebrauchen konnte.

Die Pilotin hielt unwillkürlich die Luft an während sie Alex folgte. Der Gang hatte sich wieder mit ein paar Menschen gefüllt, von denen sie von einigen mit ziemlich verwunderten Blicken betrachtet wurden.

"Vielleicht sollten wir einen Weg nehmen, auf dem es nicht so ... so zugeht?", flüsterte sie dem Techniker zu.

"Das habe ich schon versucht", flüsterte Alex zurück und schüttelte den Kopf. "Doch unser Stationsführer da vorne ist vernünftigen Vorschlägen meinerseits nicht so wirklich zugänglich."

Er machte ein zerknautschtes Gesicht, während er sich kurz umblickte.

"Aber vielleicht schaffen Sie es ja, ihm ein wenig Vernunft beizubringen. Eventuell ist er einer weiblichen Stimme etwas zugeneigter."

'MenSCHEN!', dachte der Ferengi nur, 'Hätten die Vulkanier sie damals doch nur auf ihrem kleinen Planeten an der eigenen Selbstgefälligkeit verrecken lassen!'

"Idioten! Habitat bedeutet Wohnort. Deshalb sind hier immer viele Personen unterwegs. Und spart Euch das dümmliche Flüstern, ich könnte es noch verstehen, wenn ihr hinter der nächsten Biegung wärt!"

Derweil rollte Ruben mit den erröteten Augen.

'Der Stress!', war er sich ziemlich sicher, 'Der Stress lässt meine Augen immer so verdammt jucken und rot anlaufen'

Und wem er den Stress zu verdanken hatte, musste hier wohl nicht weiter betont werden: Kaum waren sie den halbbajoranischen Unruheherd losgeworden, fing Narbo an herumzuzicken. Eigentlich erstaunlich, dass er sich nicht viel früher dazu hatte hinreißen lassen.

"Äh, apropos 'nächste Biegung' - sind wir nicht gleich da?!", gab der Niederländer seine Beobachtungen zum Besten.

Der Ferengi wedelte nur unwirsch mit den Armen, dass Ruben die Klappe halten sollte. Konzentriert starrte er eine Tür an, die nicht anders aussah, als die 128 Türen, an denen sie schon vorbeigekommen waren.

Rasch schaute der Barkeeper dann nach links und rechts. Nachdem er sich versichert hatte, dass vorerst niemand ihren Weg kreuzen würde, begann er ziemlich bestimmt auf der Konsole neben dem Schott herumzudrücken. 

S'Tom begab sich in eine Position hinter dem Ferengi, um einen möglichst guten Blick auf die Konsole zu haben. Zum einen wollte er sicher gehen, dass dieser keine Dummheiten machte, zum anderen interessierte es ihn auch, wie dieser eine Tür mit einer solch hohen Sicherheitsstufe öffnen wollte. Zumindest auf den ersten Blick sah das, was Narbo machte, unkonventionell aber zielführend aus.

Es war bedauernswert, wenn auch nicht allzu verwunderlich, dass sich noch nie ein Ferengi bereit erklärt hatte, beim Sternenflottengeheimdienst seine Kenntnisse weiterzugeben... Es würde sich allerdings erst zeigen, wie effektiv Narbos Methode wirklich war - der Vulkanier vermutete, dass er selbst die Tür in 48 Sekunden öffnen könnte...

Zischend öffnete sich die Tür. Am Geräusch war zu erkennen, dass dieses Schott wesentlich besser gelagert war, als die üblichen Türen.

Zu dumm, dass kein Admiral in der Lage sein würde, dieses Privileg jemals hören zu können.

"Hat etwas länger gedauert", murmelte der Ferengi, während die Gruppe sich in das Quartier begab, "Aber die 'Bestätigen'-Taste klemmte, sodass ich erst die Tastaturbelegung für andorianische Linkshänder aufrufen musste. Da sind alle Funktionen der entgegen gesetzten Taste zugeordnet"

--- Admirals-Quartier

Alex schüttelte stumm den Kopf über die hanebüchene Ausrede des Ferengi. Wahrscheinlich hätte es S'Tom es schneller hinbekommen; zumindest hatte man das seinem Blick entnehmen können, als dieser Narbo bei der Arbeit beobachtet hatte. Aber eigentlich war es egal. Sie waren endlich hier und anscheinend hatte die Stationssicherheit noch nichts von ihrer Quartier-Besetzung mitbekommen.

Aufmerksam schaute er sich in dem riesigen Quartier um, während er zum wievielten Male darüber nachdachte, ob ihm cardassianische Architektur gefiel oder nicht. Zwar war sie beruhigend anders, als das sonst so gewohnte Sternenflottendesign, jedoch konnte er sich nicht vorstellen, länger in einem solch bedrückend dunklen Umfeld zu arbeiten. Vielleicht musste man dafür einfach Cardassianer sein.

Er blickte zu den Anderen zurück, die alle etwas verloren im Quartier herumstanden und anscheinend nicht wussten, was sie tun sollten. Alex hingegen zuckte mit den Schultern und ließ sich dann in einen großen grau-schwarzen Sessel fallen. 'Warten wir doch einfach mal ab, was passiert', dachte er und legte die Füße hoch.

Dem Blick von Narbo nach zu urteilen, schien dieser ein Problem damit zu haben, dass es sich Alex ein wenig bequem gemacht hatte. Vielleicht lag es daran, dass der Ferengi zu kurze Beine hatte, um sie auf den Tisch zu legen, oder ihm gefiel der Sessel so gut, worin er zurzeit saß. Oder er war einfach ein normaler Ferengi, dessen verdrehte Gehirnwindungen nichts Anderes zuließen, als seltsame und verdrehte Gesichtsausdrücke.

Alex war es jedenfalls egal. Seine Gedanken kreisten schon die ganze Zeit um April, die bisher immer noch nicht zu ihnen gestoßen war und langsam machte er sich um die junge Frau Sorgen. War sie vielleicht in Schwierigkeiten? Hatte sie die Zeitlinie unwiederbringlich verändert? Oder war eventuell etwas Schlimmeres passiert?

Er schwang sich vom Sessel hoch und schritt zum Computerterminal, um mithilfe des Computers vielleicht ihren Aufenthaltsort an Bord von DS9 zu bestimmen. Jedoch blieb er kurz davor plötzlich stehen und überlegte.

"Mister S'Tom", sagte Alex dann nachdenklich und drehte sich zu dem Vulkanier um. "Besteht die Möglichkeit, die internen Sensoren für die Suche nach April zu benutzen, ohne das daraus Rückschlüsse auf uns und unsere Position hier im geborgten Quartier gezogen werden können?"

Cheyenne hatte die hitzköpfige Halbbajoranerin innerhalb der letzten paar Minuten fast vergessen und mit einem skeptischen Blick betrachtete sie nun kurz das etwas sorgenvolle Gesicht des Technikers. Täuschte sie sich oder hatte sie in der Beziehung der beiden etwas nicht mit bekommen?

Kurz fuhr sie sich mit der Hand durch ihre leicht zerzausten, lockigen Haare und machte sich dann an der Türverriegelung zu schaffen. Sie hatte keine wirkliche Lust hier doch noch von Jemandem überrascht zu werden und diesen Gedanken konnte sie auch später noch zu Ende denken, wenn sie erst wieder in ihrer Zeit waren.

Erleichtert nahm Ruben zur Kenntnis, dass niemand begonnen hatte, sich erstmal auszuruhen. Es lag viel Arbeit vor ihnen und der Niederländer war sich nicht sicher, ob er genug geistige Kraft besessen hätte, um die Gruppe notfalls bis in die Haarspitzen zu motivieren.

Und immerhin würde die Station in wenigen Tagen vom Dominion erobert werden. Sie hatten also auch keine Zeit, langfristige Pläne zu schmieden!

Na ja, derzeit brannten ja alle noch innerlich wie ein Tannenbaum.

Außer dem Ferengi. Aber der schien immer wie auf Aufputschmitteln zu sein, sodass es Wagenvoort wahrscheinlich gar nicht mehr auffiel.

"Hmm, jedenfalls müssen wir April von der Strasse holen", fügte er den Worten des Ingenieurs hinzu, "So oder so!"

Das leise Piepen des Verriegelungsmechanismus zauberte ein Lächeln auf das Gesicht der Pilotin. Nicht ganz eine Navigationskonsole aber es hatte funktioniert.

"Und wie sollen wir das machen? Wir wissen ja noch nicht mal wie wir in unsere Zeit zurückkommen sollen, da könnte es schwierig werden sie wieder einzufangen ..."

Langsam ging sie auf Ruben zu, da ihr im Moment nichts Besseres einfiel was sie noch tun könnte, um ihre Lage zu verbessern.

S'Tom gab Ruben recht, April musste gefunden und wieder in die Gruppe integriert werden. Schon allein um die Zeitlinie zu schützen. Zunächst antwortete er kurz auf Cheyennes Bemerkung, "Es wird bedeutend einfacher sein, eine Person auf der Station zu finden, als auch nur die Ursache der temporalen Schockwelle zu finden."

Das Quartier war eine gute Wahl für einen Unterschlupf, musste der Vulkanier zugeben. Es waren mehrere Terminals vorhanden, und diese waren auf Grund der typischen Gäste bereits auf unüberwachte, teilweise unprotokollierte Zugriffe mit hohen Sicherheitsstufen ausgelegt. 

Wahrscheinlich würde sich sogar ein Teil der nötigen Nachforschung hier statt in einem schwer erreichbaren Labor durchgeführt werden können.

Der Techniker setzte sich auf einen Sessel und richtete sich ein Terminal auf dem davor stehenden Tisch ein. Sein persönliches Scanner/PADD platzierte er daneben. "Da wir dieses Quartier als Basis für unseren Aufenthalt verwenden werden, sollten wir allerdings möglichst gleich möglichst viele Vorkehrungen treffen." Nach kurzem Zögern fügte er hinzu: "Mr. Narbo, ich denke, Sie könnten mir dabei sogar behilflich sein."

Seiner Arbeit beraubt stand Alex etwas unschlüssig herum, bis er sich von S'Tom und Narbo abwandte und zum Replikator schritt. 'Wenn die Beiden meine Hilfe brauchen, dann werden die sich schon melden', dachte er und bestellte beim Computer einen Satz frische Zivilkleidung in seiner Größe. Nicht das er sich in den jetzigen Klamotten nicht wohl fühlte, aber er hielt es für unwahrscheinlich, dass ihnen die Techniker-Verkleidung noch viel nützen würde. Dann lieber etwas unauffälliger.

Mit dem Bündel unter dem Arm marschierte er an den Anderen vorbei in Richtung Badezimmer, jedoch nicht ohne einen Blick auf die Arbeit der beiden selbsternannten Computerspezialisten zu werfen. 'Ja, so wie es aussieht, hab ich genug Zeit für mich umzuziehen', dachte er schmunzelnd und verschwand im Bad.

--- Badezimmer

Mit einem kurzen Tastendruck verriegelte er die Tür, warf die neuen Gewänder auf eine Anrichte und begann, sich aus seinen Klamotten zu schälen. Achtlos ließ er sie auf dem Boden liegen, während er in die Schalldusche stieg und das 5-Minuten-Programm aktivierte. Sollten die Anderen doch weiter stinken, er jedoch war froh, den Mief der letzten Stunden, er korrigierte sich gedanklich, der letzten Tage los zu werden.

Ein Piepen signalisierte das Ende des Duschvorgangs und Alex trat erfrischt vor den großen Spiegel des Badezimmer, begutachtete seinen nackten, gut aussehenden Körper ein paar Sekunden, bevor er sich dann wieder anzog. Alles in allem hatte er jetzt knapp 10 Minuten gebraucht, was bedeutete, dass Narbo und S'Tom in Bezug auf April wenigstens ein bisschen Weiter gekommen sein mussten.

Mit einem letzten Blick in den Spiegel verließ er das Bad.

--- Admirals-Quartier

Die Pilotin wandte ihren Blick von dem großen Panoramafenster ab als Alex wieder den Raum betrat. Auch sie hatte sich neue Klamotten repliziert und wartete nun schon fast ungeduldig darauf auch das Bad benutzen zu können um aus ihrer so verhassten Uniform zu fliehen. Zwar hätte sie sich auch im Schlafzimmer umziehen können, aber der Gedanke allerdings, doch ein bisschen Wasser abzubekommen, war zu verlockend und ein kurzer Blick zu S'Tom und Narbo zeigten ihr, dass die beiden noch durchaus beschäftigt waren.

Mit einem kurzen Nicken schob sie sich an Alex vorbei und war fast froh, als sich die zischenden Türen des Badezimmers hinter ihr schlossen.

--- Badezimmer

Erschrocken fuhr sie im ersten Moment zusammen, als sie einen prüfenden Blick in den Spiegel warf. Auf ihrem vom Schweiß verklebten Gesicht hatten sich unter den Augen tiefe Ringe gebildet und ihre Lippen waren ein paar Mal leicht aufgesprungen. Vermutlich rührte das noch von ihrem Zusammentreffen mit dem Deckenträger von ein paar Stunden - doch wirklich sicher war sie sich nicht. Das alles schien fast wie in einer andern Welt passiert zu sein.

Mit einem energischen Kopfschütteln verscheuchte Cheyenne diese Gedanken, packte sich ein Handtuch und reinigte sich damit notdürftig und ein paar Minuten später wirkte die Welt schon nicht mehr ganz so düster.

Sie trug nun auch wieder Zivilkleidung. Eine dunkelbraune Hose die weit nach untern ausgestellt war, braune Stiefel und ein olivgrünes Shirt, bei dem sie sich gleich am Anfang gefragt hatte ob es nun wirklich synthetisch hergestellt worden war oder die Wolle doch irgendwann einmal einem Tier gehört hatte.

Auf jeden Fall fühlte es sich gut auf ihrer weichen Haut an. Nachdem sie ihre Haare noch ein wenig wieder in Form gebracht hatte drehte sie sich mit einem kleinen Lächeln vom Spiegel weg und betrat wieder den Hauptraum.

--- Admirals-Quartier

"Nein verdammt, das geht so nicht!", fauchte der Ferengi S'Tom an, "Geh zur Seite und lass mich das machen"

Zur Bestätigung drängte er den Vulkanier beiseite, was allerdings nur möglich war, weil dieser ihn gewähren ließ. Seit dreizehn Minuten waren sie nicht weiter gekommen, weil sie sich nicht auf das endgültige Vorgehen einigen konnten. Während S'Tom antiquiert konservativ die verbliebenen Sicherheitssysteme überwinden wollte, plante Narbo elegant hindurchzuschlüpfen wie durch einen löchrigen Zaun.

'Vulkanier!', dachte der Barbesitzer grimmig, stellte aber gleichzeitig irritiert fest, 'Geht genauso vor wie der vulkanischen Sicherheitsdienst, als die mich damals in diesen Hinterhalt locken wollten. Wie schade, dass ich bei der anschließenden Explosion nicht dabei sein konnte'

Beinahe gleichzeitig mit Alex Poulsen hatte Llewella den Gedanken an eine Dusche gehabt, aber der Techniker war einfach näher am Bad gestanden, also hatte sie ihm den Vortritt gelassen.

Erschöpft und ein wenig genervt hatte sie sich in einen Sessel fallen lassen und die Augen geschlossen.

Für sie gab es hier nicht viel zu tun. Momentan waren alle wohlauf und gesund, auch wenn sich eine gewisse Gereiztheit so langsam einstellte. Aber dafür war sie nicht wirklich ausgebildet, sie war schließlich "normale" Ärztin, keine Psychologin.

Die Schottin hoffte, dass die Gruppe der psychischen Belastung standhalten würde.

Dann glitten ihre Gedanken weiter. Was würde passieren, wenn sie nicht in ihre eigene Zeit würden zurückkehren können?

Wo befand sich Llewella - die der "anderen" Zeitebene - momentan?

Welches war überhaupt die "echte" Zeitebene? Diese, in der sie sich jetzt befand, fühlte sich für die hochgewachsene Frau genau so real an wie die andere.

Sie hob leicht die Lider und beobachtete den Vulkanier und den Ferengi, die sich am Terminal unterhielten. Nein, unterhielten war wohl das falsche Wort, S'Tom unterhielt sich. Der Ferengi zankte und stritt. Aber immerhin kannte Llewella Narbo nun schon lange genug, um zu wissen, dass dies sein normaler Umgangston war.

Narbo war tatsächlich der Einzige, den Llewella hier schon etwas länger kannte. Silvana, Pormas, das Katzenwesen.... die hatte sie alle irgendwie aus den Augen verloren. Irgendwie schade... Nun ja, zum Teil. Mit Silvana war sie irgendwie nicht wirklich warm geworden und bei dem Griechen hatte man erst mal den Menschen unter der Schicht aus größenwahnsinnigem Macho finden müssen.

Als Cheyenne schließlich aus dem Bad trat, beschloss die Schottin, es ihr gleichzutun. Irgendwie sah es nicht so aus, als würden die beiden Streithähne am Terminal so schnell etwas zu Wege bringen. Genug Zeit also, sich etwas Frisches Anzuziehen.

Schnell trat sie zum Replikator, wählte eine unverfängliche Kleidung und betrat dann ebenfalls das Bad...

Die letzten 20 Minuten waren anstrengend gewesen. Auch wenn der Ferengi  gute Ideen eingebracht hatte und mit seiner erneut unkonventionellen Vorgehensweise effizient gewesen war, diese Vorzüge wurden von der ... Diskussionen mit diesem wieder wettgemacht.

Zumindest würde man die Gruppe oder deren Tätigkeiten in diesem Quartier über das Computersystem nicht mehr aufspüren können. Innerhalb normaler Verhaltensparameter natürlich. S'Tom hoffte nur, dass niemand auf die Idee kam, diese (wenigen) Grenzen zu überschreiten.

Inzwischen hatten offensichtlich mehrere Mitglieder der Gruppe die Zeit für eine Dusche und neue Kleidung genutzt. Eine gute Idee, doch das würde für den Vulkanier noch etwas warten müssen. Zuerst noch die Suche nach der verschollenen Bajoranerin. Wieso musste ausgerechnet die Bajoranerin auf einer bajoranischen Station selbstständig werden?

Der Techniker nahm sein PADD in die Hand und griff damit durch die inzwischen geöffneten Lücken auf das System zu. Das Terminal hielt Narbo noch immer besetzt. Er suchte nach bajoranischen Lebenszeichen mit beschleunigtem Metabolismus, und schränkte die Suche vorerst auf die Gänge ein. Jeder andere Aufenthaltsort wäre extrem unwahrscheinlich.

Es fanden sich 27 Personen. Das Netz der Überwachungskameras für so viele Bilder anzuzapfen war nicht ratsam... Der ehemalige Borg wandte sich an die Gruppe, vor allem an die inzwischen erfrischte Ärztin: "Gibt es biologische Merkmale, die April auszeichnen?"

Cheyenne zuckte unschlüssig mit den Schultern. Sie hatte sich an die Wandneben der Tür gelehnt von der sie sich nun abstieß und ein paar Schritte auf den Vulkanier zuging.

"Keine Ahnung ... außer das sie ziemlich hitzköpfig ist weis ich nicht viel über sie. Kenne sie auch noch nicht so lange."

Ein fragender Gesichtsausdruck traf den Niederländer, der für den Geschmack der Pilotin immer noch sehr seltsam unschlüssig im Raum herum stand.

Auch so ein komischer Kauz.

Dieser versuchte gerade, das eklige Gefühl der Uniform an seinem Körper zu verdrängen. Obwohl Ruben sie noch keinen Tag anhatte, schien sie komplett durchgeschwitzt zu sein.

Das kam davon, wenn man so nervös war.

Und die Frauen mal wieder das Badezimmer blockierten.

Manchmal schwitzte er schon, wenn jemand ihn nur auffallend lang anguckte. Das machte ihn meist nicht nur nervös, sondern auch misstrauisch.

Außerdem fragte er sich dann immer, wieso man es innerhalb von Sekunden merkte, wenn man angestarrt wurde. So wie er jetzt gerade von der Pilotin.

'Zu schade, dass ich nicht telepathisch begabt bin', resümierte er seufzend. Was in den Köpfen der Leute vorging, würde ihm so wohl auf ewig verschlossen bleiben, zumal er kaum Menschenkenntnis besaß.

"Ähh, ich dachte eigentlich, dass Miss Campbell angesprochen war. Abgesehen davon würde mir als erstes eine weitere Unterscheidung nach dem Geschlecht in den Sinn kommen", antwortete er, mehr durch die fixierenden Blicke genötigt, als durch die Frage an sich.

Bei dem Thema Geschlecht fiel ihm wieder seine Ermittlung bezüglich der Krankheit ein. DER Krankheit. Seit dem Aufenthalt auf dem Asteroiden war er keine Sekunde dazu gekommen, sich dem zu widmen. Na ja, eigentlich war ihm das auch mehr als Recht.

Nach seiner Überzeugung waren Geschlechtskrankheiten nicht sein Spezialgebiet und würden es auch nie sein...

---- Ebene 22, Sektion 14, Wissenschaftslabor

Mit sichtlich zerknirschtem Gesichtsausdruck blickte die Kriegerin auf den Fähnrich herab der vor ihr bewusstlos auf dem Boden lag und hoffte inständig dass sie nicht doch etwas zu hart zugeschlagen hatte. Was musste dieser Kerl auf einfach so plötzlich hier auftauchen.

War es ja schon schlimm genug, das sie in den falschen Raum eingebrochen war - das lesen einer Karte gehörte wohl auch nicht wirklich zu ihren  Stärken - da musste auch noch dieser etwas schmächtig wirkende Offizier auf einmal hinter ihr stehen. Wohl alleine der Tatsache, dass er anscheinend noch ziemlich unerfahren war, hatte die Halbbajoranerin es zu verdanken, dass sie ihn noch rechtzeitig überwältigen konnte bevor er auf die Idee kommen konnte Alarm zu schlagen.

April hielt kurz die Luft an um sie zu sammeln und zu überlegen wie sie nun doch an ihr Ziel gelangen konnte. Hatte eine Wissenschaftsstation einen Kommunikationsterminal? Eigentlich schon ...

Hektisch begann die junge Frau auf einem Terminal der in der Mitte des Raumes stand herum zu tippen - das schräge Piepen der Konsole die ihr immer wieder mitteilte, dass die keine Zugangsberechtigungen besaß trug nicht gerade zu ihrer positiven Stimmung bei.

Nach einer Weile spuckte das Gerät ihr endlich eine positive Meldung aus, dass ihre eingegebene Nachricht gesendet worden war und auf Aprils Gesicht breitete sich ein triumphierendes Lächeln aus - welches allerdings im nächsten Moment sofort erstarrte, als das schrille Geräusch des Sicherheitsalarmes ertönte.

Die Kriegerin war sich nicht sicher ob dieser Alarm wirklich ihr galt...

--- Admirals-Quartier

"Sie ist eine Bajoranerin", fügte Alex noch auf S'Toms Frage hinzu, was ihm ein wildes Augenverdrehen der Anderen einbrachte, welches jedoch schnell von einem Piepsen und dem dazugehörigen Warnlämpchen auf der Konsole unterbrochen wurde. Schnell drehte sich S'Tom zu der Konsole um und versuchte den Grund für die allgemeine Warnung heraus zu bekommen.

"Ich will ja jetzt nicht besserwisserisch klingen, aber wenn ich das von hier aus richtig sehe, dann gibt es ein Problem, was uns auch befassen könnte, oder?", bemerkte Alex nach einem Blick über Narbos Schultern.

Cheyennes Mund fühlte sich auf einmal furchtbar trocken an und das Blinken der kleinen Lämpchen auf dem Terminal an dem Narbo gerade arbeitete machte die Pilotin sichtlich nervöser. Gott sei Dank waren er und S'Tom so geistesgegenwärtig gewesen und hatten von vornherein die Audiosysteme in diesem Raum deaktiviert. Das laute Kreischen der Sirene war etwas was Cheyenne in diesem Moment wohl am wenigsten ertragen konnte.

Auch ohne einen medizinischen Tricorder zu verwenden wusste die Schottin, dass die Spannung im Raum sprunghaft angestiegen war. Miss Morgans Blicke irrten hektisch im Raum umher, um immer wieder an den beiden Gestalten an der Konsole hängenzubleiben.

"Um ihre Frage von vorhin zu beantworten, Mr. S'Tom," warf Llewella nun mit einer Ruhe ein, die sie nicht wirklich empfand, "sollten Sie nicht nach rein bajoranischen Signaturen suchen. Miss Schahrein ist zu einem Viertel betazoidischer Herkunft, sodass ihre Signatur zwar der eines reinen Bajoraners extrem ähnelt, aber eben nicht identisch ist. Leider kann ich Ihnen aber keine passenden Daten liefern." schloss sie.

Was zunächst einmal daran lag, dass sie sie nicht hatte. Wann verwendete sie denn schon einmal ihren Tricorder? In vielen Medizinischen Belangen war sie doch noch reichlich altmodisch und vertraute lieber ihren Augen und Händen, als sich blind auf technische Hilfsmittel zu verlassen.

Anscheinend hatte die jüngste Vergangenheit die Gruppe bereits wieder eingeholt. Der vor 87 Sekunden gestartete Alarm war ein allgemeiner Eindringlingsalarm, ausgelöst von dem Sicherheitspersonal, dass an der Andockschleuse postiert gewesen war. Normalerweise wurden solche Alarme erst nach etwas längerer Zeit stationsweit ausgegeben, aber so kurz vor dem Dominion-Krieg galten hier anscheinend andere Regeln...

Die Informationen der Ärztin über April waren hilfreich gewesen. Neben der Alarm-Rückverfolgung hatte der Techniker sein PADD mit den neuen Daten gefüttert. Es verblieb nur noch ein Signal auf dem virtuellen Abbild der Station. Ebene 22, Sektion 14, ein Wissenschaftslabor.

Der Vulkanier gab die neuen Informationen weiter. Des Weiteren fügte er in Richtung des Ferengis hinzu, "Narbo, Sie wissen sicher einen effizienten Weg, um dieses Problem zu beseitigen." Wenn S'Tom das, was er unter seinem derzeitigen schlechten Sichtwinkel auf dem Bildschirm des Terminals erkennen konnte, richtig interpretierte, dann beschäftigte sich der Ferengi schon mit ebendiesem Problem.

Auch wenn sich der ehemalige Borg auf Narbo nicht zu sehr verlassen wollte, überwog in diesem Fall doch der Bedarf an Geschwindigkeit in der Lösung mehrerer Probleme. So konnte er sich selbst nämlich währenddessen April zuwenden.

Auf seinem PADD ließ sich S'Tom zusätzlich zum Lebenszeichen der Viertel-Betazoidin auch die Signale von Kommunikatoren anzeigen. Ein unbewegtes Signal befand sich in ihrer direkten Umgebung. Im wahrscheinlichsten Fall war dieses Crewmitglied von April zusammengeschlagen worden. Da im Eindringlingsalarm keine genaue Ortsangabe erfolgte, hatte dieser vermutlich auch keine Möglichkeit gehabt, Aprils Anwesenheit jemandem mitzuteilen.

Dennoch stellte die Situation ein Problem dar, mit praktischer Relevanz ab dem erneuten Erwachen des Crewmitglieds. Der Vulkanier zog mehrere Lösungsmöglichkeiten in Betracht. Keine davon war optimal. Doch die Zeit drängte.

2,3 Sekunden später begab sich S'Tom über Narbos verschleiertes Computerinterface in das Transportersystem. Koordinaten für April: das lokale Admiralsquartier. Koordinaten für das bewusstlose Crewmitglied: in einen Korridor nahe des Promenadendecks, wo dieser den Lebenszeichen in der Umgebung zu Folge exakt 6 Sekunden nach der Materialisierung entdeckt werden würde.

Die Verwirrung über das Aufwachen an einem derart entfernten Ort in derart kurzer Zeit und daraus folgende Zweifel an der eigenen Erinnerungsfähigkeit könnten Berechnungen zu Folge mit 27%iger Wahrscheinlichkeit eine weitere Eskalation abwenden...

Das vertraute Summen des durchgeführten Transports erklang hinter dem Ferengi, aber Narbo hatte keine Zeit, sich der aufgetauchten April auch nur mit einem Seitenblick zu widmen. Immerhin, womit hätte sie seine Aufmerksamkeit auch verdient gehabt? Nur Ärger hatte sie bisher produziert. Seinen entsprechenden giftigen Kommentar hob er sich für später auf.

Der Eindringlingsalarm war noch immer nicht zurückgenommen worden und Narbo bemühte sich, einen genauen Lagebericht zu erhalten. Erst nach und nach kamen Einzelheiten hinzu. Anscheinend war bei einem der Sicherheitsmänner an der Andockschleuse Cordrazin gefunden worden...

'Was für ein Zufall', resümierte Narbo grinsend.

Jedenfalls wurde jetzt nach einer großen, rothaarigen Frau und ihren Begleitern gesucht. Die mündliche Beschreibung passte, was kaum verwunderlich war, mehr oder weniger auf den Ferengi, S'Tom, sowie Cheyenne und April.

Gleichzeitig bemühte sich Narbo, dass die dazugehörigen Aufnahmen der internen Sensoren aus den Datenbanken verschwanden. Auf der Station befanden sich genug auffällige Gestalten, dass ohne hundertprozentige Beschreibung ein Aufspüren von ihnen erschwert sein würde.

Nebenbei fütterte er das Sicherheitsnetzwerk mit der Meldung eines Sicherheitlers, nach der die Gruppe auf einer der unteren Ebenen gesehen worden war. Das würde die Trottel für eine Weile beschäftigen. Abschließend verwischte er seine Spuren und wandte sich zu der Gruppe um.

Das vertraute Kribbeln des Transporters war schon seit einigen Augenblicken aus ihrem Körper verschwunden und doch stand die Kriegerin noch ein paar Momente stumm da und lies ihren Blick durch den Raum schweifen. Die Tatsache das sie von fast allen hier ignoriert wurde wunderte sie nicht wirklich, allerdings fragte sie sich doch wie man sie gefunden hatte. War sie ja nicht die einzige Person mit bajoranischen genetischen Merkmalen auf dieser Station...

"Danke ... das hat mir einiges an Weg gespart." Ihre Bemerkung klang plump, aber gerade schienen zumindest der Vulkanier und der Ferengi zu beschäftigt zu sein, um wirklich Notiz von ihr zu nehmen, dass sie dies nicht wirklich störte.  

Ihr Blick schweifte noch einmal über die Gesichter der Anwesenden die alle die unterschiedlichsten Gefühle wieder spiegelten und bleib dann bei dem von Alex hängen...

"Aye, das kann ich mir vorstellen", meinte die Ärztin trocken. Anscheinend hatte die Viertelbajoranerin ihren Ausflug recht gut verdaut, auch wenn ihr Adrenalinspiegel doch noch ein wenig angestiegen zu sein schien.

Aber immerhin konnte sie diesem Poulsen schon wieder schöne Augen machen...

Llewella unterdrückte ein Schnauben. Frauen dieser Art, die sich ständig einem Mann an den Hals werfen mussten, waren einfach nicht ihr Ding. Man konnte ja eine Affäre mit jemandem haben, aber musste man sie so in der Öffentlichkeit breittreten?

Das hatte die Schottin bereits an Pormas gewaltig gestört. Der war auch immer wieder einmal mit seinen Hormonen kollidiert und hatte damit das gesamte Einsatzteam in Gefahr gebracht.

Aber Llewella bemühte sich, ihre diesbezüglichen Gefühle unter einem Mantel an Ruhe zu verbergen.

Sie schritt hinüber zu den beiden an der Konsole und PADD sitzenden Männern. Sie hoffte, niemanden aus seiner Konzentration zu reißen, aber immerhin wollte sie dann doch wissen, wie es um ihre Lage stand.

Daher fragte sie leise: "Und, welche Chancen haben wir?"

Unauffällig stellte sich Alex neben April und hauchte ihr ein "Ich bin froh, dass du unversehrt wieder da bist" ins Ohr, während er ihre Hand drückte und einen besorgten Blick aufsetzte.

'Sollen die Anderen doch denken was sie wollen', dachte er und küsste sie auf die Wange.

"Tu mir einen Gefallen", sagte er mit einem Grinsen im Gesicht und dem erhobenen Zeigefinger. "Wenn du das nächste Mal türmst, dann nimmst du mich gefälligst mit."

Ein flüchtiges Lächeln huschte über das Gesicht der jungen Frau was sich nach einigen Momenten in ein verschwörerisches Grinsen verwandelte.

"Ich werde es versuchen..."

Verlegen hüstelte Ruben.

Zwar waren Kritikgespräche nicht seine Stärke, aber irgendwie fühlte er sich aus seiner Position dazu verpflichtet. Konzentriert zog er die Luft in die Lungen ein und überlegte sich seine Anfangsworte.

"Ähh, wir alle freuen uns, dass Sie wieder hier sind", begann der Niederländer in dem Bewusstsein, gerade eine offensichtliche Lüge ausgesprochen zu haben, "Allerdings rate ich Ihnen davon ab, die Gruppe nochmals in derartige Gefahr zu bringen. Im eigenen Interesse..."

S'Tom nahm nur wenig Notiz von den Wortmeldungen um ihn herum. Stattdessen konzentrierte er sich via PADD auf den von April zusammengeschlagenen und inzwischen auf dem Weg zur Krankenstation befindlichen Sicherheitler. 

Vorerst schien der Zustand der Verwirrung noch zu überwiegen, es waren keine zusätzlichen Meldungen eingegangen. Auch der Transport schien unbemerkt geblieben zu sein.

Es verschwanden sogar immer wieder kleine Teile der vorhandenen Daten, der einzelne Effekt fast nicht wahrnehmbar. Der Ferengi schien gute Arbeit zu leisten und auch relativ erfolgreich dabei zu sein.

"Ich schlage vor, wir verbringen alle den Rest des Tages hier im Quartier, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf uns zu lenken.", wandte sich der Vulkanier an die Allgemeinheit. Mit dem vorhandenen Computersetup könnte sogar etwas grundlegende Ursachenforschung betrieben werden...

"Oh, nein ... das ist jetzt nicht ihr Ernst oder?" Empört wendete sich April dem Vulkanier zu und stemmte dabei die Hände in die Hüfte.

Eine fast unbeschreibliche Wut machte sich im Bauch der jungen Frau bei dem Gedanken breit, wieder eine halbe Ewigkeit mit diesen ganzen Leuten in einem Raum verbringen zu müssen, um sich nur der Untätigkeit hingeben zu müssen. Außerdem war sie immer noch der Meinung, dass das Admirals-Quartier alles anderes war als ein sicherer Unterschlupf war.

"Gibt es nicht eine effektivere Lösung als hier untätig auf dem Präsentierteller herum zu sitzen?"

Einen Augenblick dachte Ruben über diese Frage nach, guckte dann dem Vulkanier wortlos um Bestätigung bittend in die Augen, kratzte sich am Hinterkopf, und rekapitulierte dann seufzend.

"Nein, aber vielleicht kennen ja, ähh, Sie noch eine bessere Option? Und untätig sind wir hier zweifellos nicht gewesen, was sie allerdings aufgrund Ihrer eigenmächtigen Abwesenheit nicht mitbekommen haben. Im Übrigen wären unsere akuten Probleme wesentlich kleiner, wenn Sie nicht einen Offizier verletzt hätten. Ach, was hat Ihr Ausflug eigentlich für Erkenntnisse geliefert?"

'Hmm, hoffentlich hat das jetzt nicht zu nachtragend geklungen...', überlegte er noch, während sich seine Nackenhaare aufstellten. Aprils Reaktion würde sicher nicht freundlich ausfallen.

Im Hintergrund hörte er den Ferengi bösartig kichern.

April zog langsam die Luft ein, welche sich mit einem eigenartigen Zischen zwischen ihren Zähnen ihn ihre Luftröhre bewegte. Fast wie in Zeitlupe drehte sie sich zu Ruben um und machte ein paar Schritte auf ihn zu. Seine grünen Augen folgten ihren Bewegungen mit einem unsicherem Flackern.

Ruben war etwas größer als sie, was die Kriegerin aber nicht davon abhielt sich vor dem Terraner aufzubauen. Die Wut die sie in den letzten Minuten noch auf den Vulkanier projiziert hatte, änderte nun ihren Empfänger und für einen kurzen Moment war sich April nicht sicher warum eigentlich. Der Niederländer wirkte in ihren Augen fast ein bisschen schwächlich und wirklich sicher ob er auf dem Schiff etwas zu sagen hatte, war sie die junge Frau auch noch nicht...

Doch der Augenblick des Zweifelns war rasch verschwunden. Da war etwas in seinem Blick, dass ein wenig blitzte und das machte ihn ... gefährlich.

"Wir sollten uns bewegen!" Aprils Kiefer schob sich herausfordernd nach vorne. Wehe der Kerl machte eine falsche Bewegung.

"Wenn wir die ganze Zeit immer an einem Ort sind ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie über kurz oder lange über uns stolpern viel größer, als wenn wir in kurzen Abständen immer wieder die Position ändern."

Die Frage nach dem Erfolg ihres Ausflugs ignorierte sie - er würde es noch früh genug herausfinden ... wenn es klappte.

"Ähh, also theoretisch ist die Wahrscheinlichkeit P entdeckt zu werden unabhängig vom Aufenthaltsort immer gleich, weil wir uns zu jedem Zeitpunkt an genau _einem_ Ort aufhalten müssen. Praktisch kommt hinzu, dass Bewegung zu Aufmerksamkeit führt. Vor allem, wenn man die ungewöhnlichen Mitglieder unserer Gruppe bedenkt. Außerdem wären wir dann von dem notwendigen Computerzugriff getrennt und...", eröffnete der Niederländer einen Monolog, der circa vier Minuten dauerte.

Währenddessen nickte der Vulkanier ab und zu bestätigend, April wurde immer roter und roter vor Wut.

"...das gilt natürlich erst recht bei n Möglichkeiten"

Ruben blickte erwartungsfroh auf April herab. So plastisch wie er es erklärt hatte, musste sie es doch verstanden haben!  

Aprils sehnige Hände hatten sich innerhalb der letzten Minuten zu Fäusten geballt, an denen die Fingerknöcheln nun weiß hervortraten und die Kriegerin musste sich alle Mühe geben sie nicht einzusetzen, um Ruben zum schweigen zu bringen.

Warum waren hier denn alle so stur und sahen das Offensichtliche nicht. Auch wenn die Kriegerin nur die Hälfte von dem verstanden hatte was ihr Gegenüber gerade versucht hatte begreiflich zu machen, ließ er keinen Zweifel daran, dass er S'Toms Meinung teilte.

"Scheren sie sich zum Teufel mit ihrem P und n ... das richtige Leben sieht ein wenig anders aus... und Computerzugriff bekommen sie auch an anderen Stellen auf dieser Station!"

Ihre Stimme vibrierte und hallte durch den jetzt fast vollkommen stillen Raum.

Allein das belustigte Glucksen des Ferengi war im Hintergrund zu hören.

Ruben starrte währenddessen nur zu Boden.

Zweifelsohne würde April ihn bei seiner nächsten Antwort, die von ihrem eng gefassten Meinungs- und Weltbild abwich, körperlich attackieren. Das schloss er nachdrücklich aus der Auswertung ähnlich gelagerter Situationen, in denen Personen aufgrund intellektueller Unterlegenheit mit Worten nicht mehr weiterkamen, gleichzeitig durch ihre charakterliche Anlage ersteres aber nicht eingestehen konnten. 

Andererseits hatte er nicht zehn Jahre unter anderem Mathematik studiert, um dann im entscheidenden Moment die universelle Gültigkeit von diversen Gesetzmäßigkeiten zu leugnen! Als Akademiker war er doch der Wahrheit verpflichtet!

Auch, wenn sie gewalttätig werden würde, er musste der Wahrheit zum Sieg verhelfen: "S'Tom, können Sie April das nicht bitte noch mal erklären?"

Gleichzeitig wandte er sich abrupt ab. Er nahm mit hoher Wahrscheinlichkeit an, dass die Halbbajoranerin von einem Angriff gegen den Vulkanier angesichts von dessen körperlicher Überlegenheit absehen würde. Abgesehen davon hatte dieser sich die Suppe selbst eingebrockt, er hatte April schließlich hierher gebeamt.

"Wahrscheinlichkeitstheoretisch kann ich Ihren Ausführungen nichts mehr hinzufügen", meinte der Vulkanier in Rubens Richtung. S'Tom hatte ja in dessen Akte gelesen, dass er Systematik, Logik und Mathematik studiert hatte. Aber er hätte ihm nicht zugetraut, selbst einige der fortgeschritteneren Prinzipien auf doch relativ einfache und verständliche Weise darzubieten. Einfach und verständlich für eine daran milde interessierte und mit den Grundlagen vertraute Person, verstand sich.

Nur trafen diese Kriterien auf April - zumindest derzeit - ganz und gar nicht zu. Daher versuchte der Techniker einen noch einfacheren Ansatz. "Wenn wir das Quartier öfter als ein Mal in 78 Stunden wechseln, erregen wir durch die jeweils erneut nötige Sicherung des Quartiers und vor allem des Computersystemzugangs eine Aufmerksamkeit, die der eines tätlichen Angriffs auf ein Sicherheitsteam gleichkommt.", wandte sich S'Tom an April.

"Und da Sie bereits seit 36,4 Stunden wach sind, schlage ich vor, sie ziehen sich vorerst in den Schlafraum zurück. Sie sollten Mr. Poulsen mitnehmen." Auch wenn ein weiterer Techniker nicht schaden könnte, bei den meisten humanoiden Spezies war Geschlechtsverkehr das ideale Mittel zum Aggressionsabbau. Eine sehr eigentümliche Art mit Gefühlen umzugehen... Aber den derzeitigen Risikofaktor April galt es in den Griff zu bekommen.

Hätte der Blick den April in diesem Moment dem Vulkanier zuwarf töten können, wäre S'Tom mit Sicherheit zehnmal gestorben. Auch wenn man in seinem Gesicht nicht das geringste Zeichen von Emotionen erkennen konnte, glaubte die Kriegerin doch einen abfallenden Unterton zu erkennen.

Heiße Wut überkam die Halbbajoranerin. Nicht das sie bis zu diesem Augenblick nicht schon eine miserable Laune gehabt hätte - nun war eindeutig der Punkt erreicht an dem die Kriegerin sich nicht mehr beherrschen konnte. Und auch gar nicht mehr wollte. S'Toms arrogantes Statement war einfach zu viel und der Kommentar über Alex brachte ihr imaginäres Fass an Gemütsruhe nun endgültig zum überlaufen.

Wenige Sekunden später entlud sich fast alle Wut die die junge Frau in diesem Moment verspürte in der fast schon grotesk wirkenden Beschleunigung des Bürostuhles, der sich, nach dem er unsanft aus seiner Verankerung gerissen wurde, auf dem Luftweg in S'Toms Richtung begab.

Diese Reaktion hatte S'Tom nicht erwartet. In einer derart impulsiven Person hätte das Verlangen nach Geschlechtsverkehr überwiegen sollen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Stuhl in seine Richtung losgelassen werden würde, hatte er auch nur mit 43% beziffert.

Aber es gab derzeit dringendere Überlegungen als die psychologischen oder  mathematischen. Zusätzlich fühlte S'Tom in sich ein irrationales Aufflackern von negativen Gefühlen. Das konnte er jetzt ganz und gar nicht gebrauchen. Er bemühte sich, die rationale Herrschaft über seinen Geist zu behalten.

Währenddessen verließ der schwere Bürosessel Aprils Hände und begann mit seiner leicht vorherzusehenden, 4,3 Meter langen Flugbahn. Es waren nicht die idealen Flugbahnparameter, aber ohne Aktionen würde dieser Stuhl den Vulkanier treffen.

Vorteilhafterweise befanden sich keine anderen Teammitglieder oder wichtige Gegenstände in der Flugbahn des Sessels. Daher konnte sich der ehemalige Borg zur Gänze auf sein Ausweichmanöver konzentrieren. Er spannte seine Muskeln an und begab sich in eine flache Hechtrolle, unter dem fliegenden Sessel hindurch. Als der Sessel in seiner ehemaligen Sitzgelegenheit aufschlug, hatte er seine flüssige Bewegung bereits beendet und stand nun direkt vor April.

Nicht unbedingt erschrocken aber doch überrascht über die Wendigkeit des Vulkaniers sprang April mit zwei kräftigen Sätzen zurück und brachte sich so aus der unmittelbaren Handhabe S'Toms. Wie bei einer Katze spannten sich sämtliche Muskeln in ihrem muskulösem Körper an und die Kriegerin ging in Lauerstellung.

"Verdammt ..." fluchte sie mit gepresster Stimme. "Passen Sie auf was sie tun, S'Tom ..."

"Hey April, beruhig dich erst mal wieder ein wenig", sagte Alex zu April, während er versuchte, den eisigen Blick der Beiden zu unterbrechen. "Dieser aufgeblasene Möchtegern-Vulkanier braucht dich doch nicht zu interessieren. Ignorier ihn einfach, ok?"

Er setzte ein Lächeln auf und legte die Hände auf ihre Schulter.

"Wenn du das nächste Mal etwas auf S'Tom schmeißen willst, solltest du vielleicht was Schnelleres auswählen. Meinst du nicht?"

Die Mundwinkel der Kriegerin zuckten leicht nach oben und doch vergingen einige Augenblicke bis April den Blick von ihrem Gegenüber abwandte und zu Alex auf blickte.

"Ja, das ist eine gute Idee. Ich werde es mir merken."

Ein fast schon liebevoller Blick legte sich auf das Gesicht der Halbbajoranerin. Allerdings vergas sie dabei nicht den Vulkanier noch genau aus den Augenwinkeln zu beobachten...

"Ich glaube", sagte Alex und stellte sich zwischen April und S'Tom, um auch noch die letzten bösen Blicke zu unterbrechen, "wir alle sollten uns jetzt mal eine Ruhepause gönnen. Wir sind jetzt schon alle ziemlich lang auf den Beinen und ich denke nicht, dass wir hier im Quartier, nach der hervorragenden Arbeit von S'Tom und Narbo, für die nächsten Stunden irgendwie gefährdet sein sollten."

Langsam schaute er sich um und erkannte einige zustimmende Gesichter.

"Jeder sollte mal was essen und sich `ne Mütze Schlaf genehmigen. Was denkt ihr?"

Die Pilotin, die etwas abseits des gesamten Schauspiels gestanden hatte, nickte zustimmend. Sie war dem Techniker fast dankbar dafür, dass er die brenzlige Situation wieder ein wenig entschärft hatte. Cheyenne war sich nicht sicher wie weit diese beiden Sturköpfe gegangen wären und ob sie sich nicht in den nächsten Augenblicken förmlich die Augen ausgekratzt hätten.

Das Letzte was sie jetzt brauchen konnten war ein Streit der Gruppe entzweien würde, denn das würde ihre Chance heil wieder in ihre Zeit zu kommen massiv verringern.

Ein leichtes Schmunzeln legt sich auf ihr Gesicht als sich die Terranerin bei dem Gedanken erwischte schon fast so wie S'Tom zu argumentieren. Sie hatte doch schon zu lange mit diesem Kerl zusammen gearbeitet.

"Das ist eine überaus gute Idee!"

'Meine Ideen sind immer überaus gut', dachte Alex ein wenig belustigt über sich selbst.

Gab es da nicht auch mal einen Preis dafür? Das goldene Ausrufezeichen für die beste Idee im Universum? Inklusive einer Statue auf Septimus Minor, einem 2 Wochen-Urlaub auf Risa und einem Jahres-Abo für das Magazin "Was sie schon immer über das Universum wissen wollten ... oder auch nicht."

Cheyenne nahm das leicht gefällige Lächeln, das sie in dem Gesicht des Terraners zu vermuten glaubte, zum Anlass das Thema als vorerst beendet zu sehen. Mit einem knappen Nicken, eher um sich selbst ihre Annahme zu bestätigen, drehte sich die Pilotin um und steuerte den Replikator an. Erst jetzt bemerkte Cheyenne das Grummeln in ihrem Magen, dass sie bis jetzt so erfolgreich unterdrückt hatte. Der Stress der letzten Stunden war ihr sehr hilfreich zur Seite gestanden.

Missmutig wandte sich der Ferengi dagegen wieder ab, während die Terranerin sich irgendwas widerlich Menschliches zu essen replizierte: Er hatte auf eine große Konfrontation gehofft, auf einen Streit, in dessen Verlauf April vielleicht hätte entsorgt werden können. Sie behinderte die Gruppe in ihren Zielen.

Was nicht weiter tragisch wäre, wenn die Gruppenziele nicht ausnahmsweise mit Narbos persönlichen Zielen identisch gewesen wären: Schnellstmöglich zurück in die eigene Zeit zu kommen!

Wenigstens hatte der Vulkanier mittlerweile seine Arbeit an der Kontrolle fortgesetzt. Vielleicht würde er ja etwas finden.

Hoffentlich auch, bevor dem Barkeeper langweilig wurde. Seine Talente lagen nicht auf wissenschaftlichem Gebiet. Dementsprechend hatte er vorerst weniger zu tun.

Ähnlich fühlte sich auch der Niederländer. Und wenn er Cheyenne betrachtete, bekam er auch Hunger.

Beim Essen reiften meist auch gute Ideen in ihm. Zeit also, ein Sandwich zu replizieren!

Nachdem er seine Wünsche dem Computer detailliert dargelegt hatte, erschien das entsprechende Produkt.

'Von labbrig hatte ich aber nicht gesprochen', bemängelte er gedanklich, biss dann aber doch in das belegte Weißbrot.

"Hmm, abseits von dem wissenschaftlichen Weg eine Lösung zu finden", brachte er aus seinem vollem Mund hervor, "bin ich nach wie vor der Meinung, dass wir eine mögliche Beteiligung der Wurmlochwesen nicht ausschließen sollten..."

Wurmlochwesen? Fing diese nervige Diskussion etwa schon wieder an? Alex seufzte laut und hakte sich bei April ein. Sollten die Anderen doch über dieses Thema philosophieren, er würde sich jetzt was zu Essen und danach noch `ne Mütze Schlaf genehmigen.

Ohne auf irgendwelche Einwände einzugehen schritt er mit April im Schlepptau in das angrenzende Schlafzimmer und schloss hinter ihnen die Tür.

--- Schlafzimmer

"Endlich Ruhe", stöhnte er und ließ sich aufs Bett fallen. "Glaub mir, wenn ich dieser Wurmlochwesendiskussion auch nur eine Minute zugehört hätte, dann wäre mehr als nur ein Stuhl durch das Quartier geflogen."

Auf das Gesicht der Kriegerin stahl sich ein verschwörerisches Grinsen, während sie sich neben Alex auf die Bettkante setzte.

„Ja, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob es so ein guter Plan ist hier so lange zu bleiben … Wurmlochwesen hin oder her!“

Die Wut die April in den letzten Minuten verspürt hatte, hatte sich weitestgehend aufgelöst und langsam machte sich auch bei der jungen Frau die Müdigkeit breit. Die Unruhe in Bezug auf ihren Aufenthaltsort blieb allerdings.

"Grundsätzlich stimme ich dir da ja zu", sagte Alex und rappelte sich vom Bett hoch in eine sitzende Position, "Aber die Frage ist doch, wenn wir nicht hier im Quartier bleiben, wo sollen wir dann hin? Selbst unsere ach so oberschlauen Kollegen von nebenan wissen zurzeit nicht so wirklich, was sie machen sollen. Und bevor wir nicht einen einigermaßen anständigen Plan haben, um wieder in unsere Zeit zu kommen, werde ich mich aus diesem aktuell sicheren Quartier nicht fortbewegen."

Nach einem kurzen Klaps auf Aprils Oberschenkel, schwang Alex sich vom Bett und stellte sich zum Replikator.

"Meine Dame, was dürfen wir Ihnen heute Abend denn kredenzen?"

Jetzt war es April die sich erschöpft in die Kissen fallen lies und für einen Moment die Augen schloss. Weich waren sie schon diese Sternenflottenbetten, nicht zu vergleichen mit dem was Klingonen als angenehm definierten.

Die Kriegerin öffnete die Augen und als sie Alex fragenden Blick, der immer noch auf ihr ruhte, sah, meinte sie mit einem noch breiteren Grinsen als zuvor, "Wie wäre es mit .... dir? Vielleicht mit Honig?"

"Also ich weiß ja nicht, ob dieses klebrige Zeug mich süßen Kerl in irgendeiner Weise noch verbessern kann", antwortete Alex und wandte sich vom Replikator ab. "Aber ich denke, es kommt nicht so gut, wenn wir in ein paar Minuten unsere tolle Ärztin hier herein rufen müssen, damit sie mich wieder zusammenflickt, wenn du an mir herum geknabbert hast."

Er blieb mit einem schelmischen Grinsen an der Bettkante vor ihr stehen und schüttelte den Kopf.

"Wobei es wohl wahrscheinlicher ist, dass du mich komplett mit Haut und Haaren verschlingst."

"Computer, Schlafzimmer verriegeln!"

Langsam stemmte sich die Halbbajoranerin auf ihre Ellbogen und betrachtete den Techniker für einen Augenblick aus ihren dunklen Augen. Dann packte sie ihn flink an seinem Hosenbund und zog ihn somit unvermittelt und mit bestimmender Kraft zu sich aufs Bett herunter.

"Diese Ärztin kommt mir hier nicht herein... das überlebt sie nicht!"

"Soll ich dir schon mal einen Stuhl zum Werfen bereitstellen?", fragte Alex, der neben April auf dem Bett gelandet war und sie von der Seite aus Lächelnd ansah.

"Oder warte, ich hab noch was Anderes", sagte er, drehte sich um und ergriff ein Kissen. "Da, fang!"

Mit Schwung schleuderte er ihr das Kissen ins Gesicht und lachte laut auf, als sie den Treffer mit einem Grunzen quittierte.

"Na warte..." April drehte sich auf dem Bett herum und war mit einem Mal über dem Techniker und setzte sich schwungvoll auf seinen Bauch. Das Kissen, das Alex vor ein paar Sekunden noch gegen sie verwendet hatte, flog mit rasanter Geschwindigkeit durch den Raum wo es unbeachtet in einer Ecke landete. Nur mit magerem Interesse nahm die Kriegerin das Scheppern einer Porzellanvase war, die offenbar mit auf den Boden gerissen wurde.

Flink packte April, mit einem herausfordernden Grinsen im Gesicht, die Handgelenke ihres Liebhabers und drückte sie auf die Matratze.

"Und was tust du jetzt?"

"Die Verhandlungen um meine Freilassung eröffnen?", fragte Alex lächelnd und betrachtete das Gesicht der jungen Frau, die ihn mit glitzernden Augen ansah. Die helle Deckenbeleuchtung über ihr ließ ihren Kopf beinahe wie von einer Aura umgeben scheinen. Ihre Lachfalten gaben ihrem Aussehen noch ein viel tiefgründigeres Wesen und die sanfte Gewalt, die sie auf ihn ausübte, ließ ihn fast wie in Trance schweben.

Er hob seinen Kopf etwas, blickte April tief in ihre dunkelbraunen Augen und drückte ihr dann ganz langsam und zärtlich einen Kuss auf ihre warmen, sinnlichen Lippen.

In ihren Lippen schienen sich tausende kleine Explosionen zu entfachen und für einen kurzen Moment genoss die Kriegerin das erregende Prickeln, das sich langsam, aber mit bestimmender Macht, von ihrem Mund seinen Weg durch den Rest ihres Körpers bahnte.

Der Techniker war mit Sicherheit nicht der erste Mann den sie in ihrem Leben schon geküsst hatte und einige ihrer bisherigen Liebhaber waren verdammt gut gewesen und doch hatte Alex etwas an sich das die junge Frau auf seltsame Art und Weise fesselte…

Aprils Gedanken begannen sich in Watte aufzulösen als sie den sanften Kuss erwiderte. Langsam ließ sie seine Handgelenkte los und legt sich nun über die ganze Länge auf ihn, ihre Muskeln weiter angespannt und nicht Willens ihm zu viel Freiraum zu lassen.

--- Admirals-Quartier

Verdutzt hatte Ruben den Beiden nachgeguckt.

Schnitt Alex ihm einfach das Wort ab! Diese April hatte einen negativen Einfluss auf den Techniker. Ihr Naturell behinderte die ganze Gruppe immens. Gleichzeitig trug sie nichts dazu bei ihr gemeinsames Ziel zu erreichen.

"Berücksichtigt man das, ähh, kontraproduktive Verhalten von April und Poulsen, sollten wir überlegen, wie wir diese im Ernstfall neutralisieren können. Miss Campbell, Sie kennen nicht zufällig ein Betäubungsmittel das schnell und zuverlässig beide Personen außer Gefecht setzen kann, ohne bleibende Schäden zu verursachen?", wandte der Sicherheitschef an die Ärztin, die seit ihrer Ankunft in dem Quartier sehr ruhig gewesen war.

Cheyenne hätte sich beinnahe an ihrer Suppe verschluckt als sie Rubens Vorschlag am Rande ihres Wahrnehmungsfeldes hörte.

"Finden sie das wirklich eine gute Idee?", fragte sie den Niederländer ungläubig, während sie von ihrem Teller auf blickte und sich noch ein Stück Brot in den Mund schob. Nicht dass sie Aprils Hitzköpfigkeit nicht auch nervte aber musste man gleich so krasse Maßnahmen einleiten?

"Ich bin mir nicht sicher ob die beiden das lustig finden!"

"Nay, Mr. Wagenvoort, zu dieser Maßnahme werden Sie mich nicht überreden können", antwortete die Schottin in scharfem Tonfall. Kurzfristig hatte ihr die Frage des Niederländers die Sprache verschlagen, sodass die Pilotin ihren Einwurf machen konnte.

Daher wandte sich Llewella nun an beide gemeinsam, "Abgesehen mal davon, dass die beiden das nicht lustig finden würden, widerspricht es absolut dem Eid, den ich geleistet habe. Pharmazeutika dürfen nicht so leichtfertig eingesetzt werden, auch wenn einem dies manchmal angenehm erscheinen mag."

Bedauernd stellte Ruben fest, dass er sich wohl falsch ausgedrückt hatte:

"Glauben Sie mir, es geht nicht um mein persönliches Befinden. Die, äh, Zeitlinie ist durch unsere Anwesenheit stark bedroht, zumal wir uns an einer Schlüsselstelle dieses Krieges aufhalten. Ein Eingriff in die Zeitlinie könnte leicht den Tod von Milliarden auslösen. Unter diesen Umständen ist es unsere Pflicht, den historischen Ablauf der Ereignisse zu schützen. Um jeden Preis!"

"Ich vermute, dass die Replikatoren in diesen Quartieren ebenso wie die restlichen Geräte ein erweitertes Einsatzprofil aufzeigen. Dadurch könnte die Replikation von Phasern Typ I mit vergleichsweise wenigen Hindernissen möglich sein", wandte sich S'Tom an Ruben.

Dessen Argumentation konnte er nur unterstützen. Kaum vorstellbar, welche Folgen diverse Aktionen auslösen könnten. Im Besonderen impulsive und aggressive Handlungen, wie man sie anscheinend von April zu erwarten hatte. Immerhin hatte Sie schlussendlich den Vorschlag des Vulkaniers befolgt, auch wenn dieser zuerst von Alex wiederholt hatte werden müssen.

Kurz darauf traf der Techniker die Entscheidung sich vorerst von seinem PADD abzuwenden. Eine Pause, so wie sie bereits von einigen anderen in diesem Raum wahrgenommen wurde, würde auch ihm nicht schaden. Es hatte anscheinend noch immer keine zusätzlichen Alarmmeldungen von dem verletzten Sicherheitsoffizier gegeben. Ineffiziente allgemeine Untersuchungen liefen zwar noch, führten aber dank Narbos falschen Hinweisen zu nichts.

Somit begab sich S'Tom in Richtung Badezimmer, um erstmals seit längerem wieder den Komfort einer Schalldusche in Anspruch zu nehmen. Auf dem Weg machte er einen Zwischenstopp beim Replikator und replizierte angepasste vulkanische Kleidung.

Llewella ignorierte den Einwurf des Vulkaniers. Er war sowieso ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen, schien es ihr. Jetzt war der Mann ja auch weggegangen, insofern konnte sie sich nun wieder auf ihr Gespräch mit Wagenvoort konzentrieren.

"Aye, auf den ersten Blick mögen Sie ja Recht haben", wandte sie sich dem Niederländer zu. "Aber wer sagt denn, dass das, was wir in dieser Zeitlinie verändern, nicht schon sozusagen von vorneherein von uns verändert wurde?

Immerhin gibt es keinerlei Aufzeichnungen, die belegen, dass wir NICHT hier waren!"

Interessiert blickte die Schottin den hageren Mann an. Auch wenn sie von einem Niederländer nicht wirklich erwartete, dass er diese Frage verstehen würde - und schon gar nicht von einem, der es mit der Logik und der Mathematik hatte.

Hingegen würde jeder Schotte dieses Thema nach Herzenslust auseinander nehmen und darüber spekulieren. Ungefähr mit der selben Inbrunst, mit der er auch Geschichten über das kleine Volk oder über Selkies erzählen würde.

Immerhin war die alte Sagenwelt im schottischen Hochland doch noch nicht untergegangen. Es würde zwar keiner zugeben, dass er daran tatsächlich glaubte... und doch...

Irritiert dachte Ruben über das Argument der Frau nach. Er war so irritiert davon, dass er sich nicht mal am Kopf kratzte, sondern nur das Teppichmuster anstarren konnte.

"Zweifelsohne werden Aufzeichnungen über die Nicht-Anwesenheit von Personen nur in den Situationen gefertigt, in denen die Anwesenheit eigentlich erwartet wurde", formulierte er seine Bedenken, "Was bei unserer Situation aber nicht der Fall ist. Oder sehen Sie das anders?"

Llewella konnte gerade noch ein Schmunzeln unterdrücken, als sie bemerkte, dass sie den Niederländer doch ein wenig ins Schleudern gebracht hatte.

"Aye, eben", meinte sie daher nur mit einem leichten Lächeln. "Vielleicht waren wir also tatsächlich ’da’". Und vielleicht ist die Zukunft so, wie sie ist, WEIL wir da waren."

Innerlich hatte Ruben geseufzt, als er sich die Argumentation anhören musste: 'Als nächstes fängt sie noch mit Prädestination an...'

"Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. In jedem Fall sollten wir vorsichtig sein, was mithin auch heißen kann, störende Elemente auszuschalten", versuchte er auf das ursprüngliche Thema zurückzukommen und vermied es dabei, von Personen zu sprechen.

"Aye, vorsichtig sollten wir sein, das ist keine Frage! Aber dennoch lehne ich Ihre Idee mit dem Betäubungsmittel ab", beendete Llewella das Gespräch, das ja doch kaum zu neuen Erkenntnissen führen würde.

Außer vielleicht derjenigen, dass Schotten stur waren. Was ja an und für sich nichts Neues war.

Eine Pause entstand.

'So kommen wir nicht weiter', stellte Ruben resignierend fest, wobei er nicht wirklich überrascht war. Die Schottin war nach seiner Einschätzung sehr stur veranlagt, was sie ohne Zweifel als positive Eigenschaft wertete.

Er fand es eher unflexibel.

Einen Moment spielte er mit dem Gedanken anzumerken, dass die Evolution oft die nicht anpassungsfähigen Wesen aussortiert hatte. Dann entschied er sich aber dagegen.

Der Stress mit der Halbbajoranerin war ihm vorerst genug gewesen.

Zwei streitsüchtige Frauen würde sein Organismus wohl nicht vertragen.

Er vertrug ja noch nicht mal Nüsse! Was ein schlechter Scherz der Natur zu sein schien: Ein zwei Meter großes, hochintelligentes Säugetier, dem eine winzige Haselnuss die Kehle wie ein Seil zuschnüren könnte!

Leise seufzte er, nachdem die Ärztin sich schon längst etwas anderem widmete. Wenn er es nicht besser gewusst hätte, hätte Wagenvoort fast geglaubt, dass seine traditionelle Winterdepression im Kommen war.

Dabei war gar nicht Wi-

'Moment! Der Zeitsprung...'

Die Berechnung der derzeitigen Jahreszeit auf der Erde dauerte keine halbe Sekunde, aber der Niederländer kannte die Antwort schon vorher tief in seinem Innersten.

Ruben wollte plötzlich nur noch schlafen.

"S'Tom, Sie kommen ja allein zurecht...", gab er noch abwesend von sich, nachdem er auf dem nahen Sofa zusammensackte. Das der Vulkanier den Raum längst verlassen hatte, hatte er nicht mehr wahrgenommen.

Die Welt um ihn herum verschwand in friedlicher Dunkelheit...

Cheyennes Blick ruhte für einige Augenblicke noch auf dem Gesicht des Niederländers bevor sie ihren Teller zurück in den Replikator stellte. Eigentlich hatte sie erwartet, dass die beiden ihre Diskussion noch ein bisschen weiter führen würden, aber anscheinend schien Ruben schnell das Interesse an der dickköpfigen Schottin verloren zu haben.

Mit einem leichten Kopfschütteln begab sich die Pilotin zu dem dicken Sessel den sie eben schon für sich in Beschlag genommen hatte und machte es sich darauf bequem. Allerdings nicht ohne Wagenvoort noch die dicke Decke wegzunehmen auf die er geistesabwesend seine Füße gelegt hatte. Sein dumpfes Brummen sagte Cheyenne, dass er davon schon nichts mehr mitbekommen hatte.

Wenige Minuten später dämmerte auch sie ins Land der Träume.


Stardust Atlantis