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Crossover 12 - 'Mensch ärgere Dich nicht' und andere Kriege

(Atlantis 17, Venture 41)

--- U.S.S. Hope, Kabelschacht

Die Bajoranerin drückte ihr Schwert an ihre Brust und versuchte sich in dem engen Gang auf dem Rücken zu rollen um die gefährlichen EPS-Leitungen im Blickfeld zu haben. Sekunden die sich fast zu einer Ewigkeit hinzogen vergingen und die Kriegerin fühlte sich nicht sonderlich wohl bei dem Gedanken, dass der einzige "Feind" dem sie in dieser engen Röhre zum Opfer fallen könnte, sie ausgerechnet von hinten töten würde.

Skeptisch blickte sie nach oben, doch Wagenvoorts Schuhprofil trug auch nicht unbedingt zu ihrer Aufheiterung bei.

"Wie lange dauert das denn noch?" Die Stimme der Pilotin drang verzerrt an

Alex Ohren. Auf ihrer Stirn hatte sich ein leichter Schweißfilm gebildet und Cheyenne wünschte sich im Moment nichts Sehnlicheres als endlich wieder aus diesem Sarg heraus zu kommen. Zwar hatte sie keinerlei Probleme sich hier durch zu winden und auch sonst war die Terranerin eigentlich kein Mensch der schnell unter Platzangst litt, doch wie es schien war heute wohl nicht ihr Tag.

Innerlich fluchte sie - die Enge eines natürlichen Höhlensystems hatte ihr nie Probleme bereitet, das Wort Klaustrophobie gehörte nicht wirklich zu ihrem Wortschatz - doch es schien wohl einiges nicht so zu sein, wie an jedem anderem Tag in ihrem bisherigen Leben. Cheyenne hatte das Gefühl fast ein bisschen neben sich zu stehen. 

Mit zitternden Fingern nestelte Alex an der Abdeckung der Lukensteuerung     herum, doch sie wehrte sich ziemlich vehement dagegen, vor allem, da Alex ja mehr oder weniger auf dem Bauch lag und so nicht wirklich viel Bewegungsfreiheit hatte um zu arbeiten. Hinter ihm wurde das Getuschel schon lauter, vermutlich weil er zu lang brauchte um sie hier raus zu bekommen, doch Alex ignorierte es und konzentrierte sich stattdessen auf seine Arbeit.

Kurze Zeit später gab der Deckel nach und Alex hatte endlich Zugriff auf die Bedienelemente. Zufrieden betrachtete er die kleine Anzeige, die mehr oder weniger das Gleiche anzeigte, wie ihr Pendant auf der anderen Seite.

"Energieleitung deaktiviert, Lukenverriegelung aktiviert, Energieoutput 0%", stand da in glimmenden Buchstaben, doch Alex wusste, dass sich gleich etwas ändern würde. Er rutschte etwas näher an das Bedienfeld heran und begann, die Umgehungscodes einzugeben, mit denen er in dem Labor schon die Luke entriegelt bekommen hatte.

Und siehe da, kurze Zeit später klickte es einmal laut, die Luke schwang beiseite und gab den Blick auf eine Jeffries-Röhren-Kreuzung frei.

"Geschafft", rief Alex hinter sich und kletterte aus dem Schacht.

Vor Ruben war Bewegung ins Spiel gekommen. Selbst konnte er noch nichts Neues erkennen, außer dem Hintern von Llewella. Aber der war ja eigentlich auch nicht neu. "Und, was sehen Sie?", rief er dem Techniker zu, der schon durch die Luke gestiegen war, "Eine Querverbindung, ähh zu dem Zielort?"

--- Jeffries-Röhren-Kreuzung

'Was war das denn für eine Frage?', schoss es Alex durch den Kopf, während er den Anderem beim Rausklettern half. Hatte er nicht vorhin erzählt, wohin dieser Schacht führte?

Er schüttelte den aufkeimenden Ärger von sich ab, steckte den Kopf zurück in den Schacht und rief an Ruben gewandt: "Ja!" Sollte der doch gucken, was er mit der Antwort anfing.

Kurz holte er sich den Schiffsplan mit seinen unzähligen Jeffries-Röhren in den Kopf und suchte den richtigen Weg heraus. Dann bückte er sich und entriegelte die Luke, mit der der Weg nach unten versperrt wurde und schaute an der Treppe entlang. Niemand zu sehen.

"Da müssen wir jetzt ein Deck weiter und dann ist es nicht mehr weit", sagte Alex zu allen Anwesenden, die es bisher aus dem Schacht geschafft hatten.

Ungelenk stieg auch Ruben durch die Luke und rieb sich kurz die Knie. Er war es nicht gerade gewohnt, auf selbigen rumzurutschen. Das gab bestimmt blaue Flecke. Oder grüne, oder rote...

Aber irgendwas passte hier nicht, befand der Niederländer!

"Ähh, Poulsen. Ohne Ihre Ortskenntnis in Frage stellen zu wollen: Wenn wir von Deck 4 nach Deck 3 wollen, müssen wir uns dann nicht nach, ähh, oben wenden?!", teilte er dem Techniker dann seine Beobachtung mit, "Oder ist das eine mir nicht geläufige Abkürzung?"

Anscheinend war S'Tom nicht der einzige, der derzeit mentale Probleme hatte...

Die Kreuzung war eine angenehme Abwechslung zur Enge des Leitungsschachtes. Auch wenn jetzt die Kopfschmerzen endlich nachließen, war S'Tom fast dankbar dafür gewesen; durch diese waren viele Sinneseindrücke im Schacht nicht in voller Stärke weitergeleitet worden... Doch hier gab es ja wieder genügend frische, filtergereinigte Luft für alle.

Alex warf dem Niederländer einen vernichtenden Blick zu und kletterte dann nach oben, um durch die Luke in der Decke zu schauen. "Schon was mal was Absicherung gehört?", grummelte er in beinahe säuerlichem Ton, während er die Luke entriegelte. Wie auch Unten war Oben niemand zu sehen.

"Wenn Sie schon so neunmalklug hier herum stolzieren und den Routenplaner spielen, dann dürfen Sie auch gerne voraus gehen. Damit habe ich wirklich kein Problem."

'Und wenn uns Feinde entgegen kommen sollten, dann sterbe ich wenigstens nicht als Erster', dachte Alex weiter und zeigte nach oben.

Irritiert merkte Ruben, wie angefressen der Techniker war. Sein Hinweis hatte Alex wohl vor der restlichen Gruppe bloß gestellt. Anscheinend war er nicht sehr kritikfähig.

"Ähh, gehen Sie ruhig weiter vor. Immerhin müssen Sie eh die Luken öffnen", ruderte der Niederländer daher besänftigend zurück, "Aber sparen Sie sich bitte unangemessene Beleidigungen, ich wollte ja nur helfen!"

'Mimose!', dachte er gleichzeitig kopfschüttelnd bei sich.

Nach ihrer Rückkehr würde er eine psychologische Beratung empfehlen. Vielleicht plagten Poulsen ja persönliche Probleme, die nun seine Arbeit beeinflussten?

'Bodaich - Männer!' fluchte Llewella innerlich, als sie das Geplänkel der Männer vernahm. Das war mal wieder typisch. Männer reagierten in problematischen Situationen einfach ein wenig seltsam. Meist begannen sie damit, sich gegenseitig anzupesten.

Aber ansonsten schien die Situation noch unter Kontrolle zu sein. Nachdem sich die Schottin momentan ein wenig besser bewegen konnte, griff sie zu ihrem medizinischen Tricorder und scannte schnell den Vulkanier. S'Tom schien sich wieder weitgehend erholt zu haben, wenn man den angezeigten Daten trauen konnte.

Llewella liebte es nicht sehr, sich auf technische Dinge zu verlassen, wenn es an und für sich um medizinisches Können und Wissen ging. Aber bei einem vulkanischen Organismus blieb ihr einfach nichts anderes übrig.

Sich ob des Platzmangels langsam bewegend, steckte sie den Tricorder wieder zurück und wartete ab.

Cheyenne zog langsam die Luft zwischen den Zähnen ein. Zwar konnte sie aus ihrer jetzigen Position nicht genau erkennen was sich weiter vorne ab spielte doch das Gespräch der beiden Männer war in dem beengten  Röhrengebilde nicht zu überhören.

Die Kriegerin verlagerte ihr Gewicht auf die Ellbogen und schüttelte den Kopf. Da sie doch einige Personen zählten konnte sie, da sie den Abschluss der Gruppe bildete, noch nicht ganz aus dem Schacht heraus klettern.

"Macht endlich weiter da oben, verdammt!"  Ihre Stimme hallte hohl durch die Jeffries-Röhre.

Alex verkniff sich sämtliche Kommentare, kletterte wieder zur Luke rauf und öffnete sie.

"Folgt mir alle unauffällig", grummelte er missmutig und stieg die schmale Leiter hinauf, die ihn und den Rest des Teams zu Deck 3 bringen würde. Von da aus war es dann nicht mehr wirklich weit bis zu dem ausgesuchten Versteck.

--- Jeffries-Röhre

Schweigend erreichte er eine weitere Kreuzung, bog da nach rechts ab und landete dann direkt hinter einem Verkleidungspaneel, welches die Jeffries-Röhre von dem normalen Schiffskorridor trennte.

Als er Ruben hinter sich hörten, drehte er sich um und flüsterte ihm ein, "Psssst", entgegen. "Wir müssen jetzt absolut ruhig sein. Wir sind direkt vor einem Korridor und wenn dort eine Jem'Hadar-Truppe ist ..."

Den Rest ließ er unausgesprochen im Raum hängen.

Die von dem Techniker vorne getroffene Annahme stufte S'Tom zwar als extrem unwahrscheinlich ein, dennoch nahm er seinen Scanner zur Hand - er schien die vorderste Person mit einem solchen Gerät zu sein. Auf dem Display waren keinerlei Hinweise auf Aktivität in irgendeiner Form in dem hinter der Abdeckung liegenden Korridor zu erkennen.

Die Schiffscrew würde sich ja inzwischen doch hoffentlich der Jem'Hadar Truppen angenommen haben, Ruben hatte vorhin nichts von einer feindlichen Übernahme erwähnt.

Nachdem er die Informationen noch mal durchgesehen hatte und sich sicher war, wandte sich der Vulkanier leise an den vor ihm kriechenden Sicherheitschef: "Es ist in einem Umkreis von 50 Metern auf diesem Deck  keinerlei relevante Aktivität erkenntlich."

Zum wiederholten Mal war Ruben froh, dass wenigstens der Vulkanier halbwegs rational denken und handeln konnte. Im Gegensatz zu dem Techniker.

'Der ist zärter, ähhh zärtlicher, nein zarter besaitet als ein verstörtes Kind', stellte der Niederländer nochmals für sich fest, und mit verstörten Kindern kannte er sich gut aus. Immerhin war er lange eins gewesen. Heute war er es natürlich nicht mehr, heute war er nur noch verstört, aber immerhin erwachsen.

So bemerkte Wagenvoort auch leicht gekränkt, dass Hinweise des Vulkaniers von Alex nicht mit einem dummen oder gemeinen Spruch abgestraft wurden. Vielleicht aber auch nur, weil an S'Tom derartige Äußerungen so wenig haften bleiben würden, wie an Polytetrafluorethylen.

Nach etwas Fummelarbeit hatte Alex die Abdeckung gelöst und vorsichtig zur Seite gestellt. Wenn sie die Röhre jetzt schnell verließen, würden sie das Versteck unbemerkt erreichen.

--- Gänge auf Deck 3

Froh, endlich der beklemmenden Enge entkommen zu sein, streckte Ruben befreit seine Glieder. Hier und da knackte es, aber insgesamt war es beruhigend, wieder aufrecht zu stehen.

"Da lang!", deutete er schließlich in eine Richtung und die Gruppe setzte sich in Bewegung.

--- Serviceraum

Nur wenige Sekunden später hatten sie den menschenleeren Serviceraum erreicht. 

Jetzt hieß es Warten. 45 Stunden lang...

--- eine andere Jeffriesröhre

Wütend fluchte Narbo wie ein Rohrspatz:

Nicht genug, dass ER sich geopfert hatte, um die Jem'Hadar heldenhaft abzulenken. NEIN! Nicht genug, dass ER es geschafft hatte, diese Trottel direkt in die Arme von ein paar Sicherheitsleuten zu scheuchen. NEIN! Nicht genug, dass ER ungesehen zurück zum Labor gekommen war, was große Umwege durchs halbe Schiff bedeutet hatte. NEIN! Jetzt hatten diese Idioten auch noch den Raum verlassen, waren irgendwo auf Deck 3, um sich zu verstecken!

Und ER kroch schon wieder durch diese verdammten Röhren, nur um sich erneut an diese Versager zu binden, ohne die er leider geringere Chancen auf Rückkehr hatte.

Wenigstens hatte der Ferengi die Umwege nutzen können und einen Phaser besorgt, den der tote Vorbesitzer sicher nicht mehr brauchen würde.

Er unterbrach kurz seinen inneren Monolog, um seine Position zu überdenken. Wenn er sich nicht irrte, was eigentlich ausgeschlossen war, immerhin war er ein Ferengi, war er jetzt direkt neben dem Serviceraum.

Für einen Moment fragte er sich, wie die Menschen Schiffe bauen konnten, die wahrscheinlich zu 37% nur aus Jeffriesröhren bestanden. Egal wohin man wollte, immer gab es einen Gang in der Nähe.

'Ich komme!', dachte er dann schulterzuckend, bevor er die Wandverkleidung leise löste und dann effektvoll in den Serviceraum trat...

--- Serviceraum

...während Rubens Herz beinahe vor Schreck stehen blieb!

S'Tom hatte nicht damit gerechnet, dass der Ferengi zurückkehren würde. Die Chancen, dass er umkam, gefangen genommen wurde, oder einfach als Einzelgänger weitermachen wollte, waren jeweils sehr hoch gewesen.

Aus den Augenwinkeln hatte der Vulkanier sowohl die Reaktion der aggressiven Bajoranerin gesehen (zum Glück für den Ferengi war sie auch am weitesten von der Luke entfernt gewesen) als auch bei dem am nächsten zur Luke stehenden Sicherheitschef den plötzlich unregelmäßigen Herzrhythmus bemerkt.

"Narbo, wenn Sie sich das nächste Mal vorher ankündigen, können Sie uns und auch sich viele potentielle Probleme ersparen", meinte der ehemalige Borg ruhig zu dem Ferengi.

'Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen', dachte S'Tom inzwischen bei sich. Ein unüberwachter Eingang zu Ihrem Versteck... In Zukunft würde er den Scanner nicht nur auf den Gang richten.

Alex hatte mit einem zufriedenen Grinsen beobachtet, wie bei Narbos Auftritt der Sicherheitschef beinahe einen Herzanfall bekommen hatte. Zumindest hatte seine Gesichtsfarbe schlagartig ins Betttuchfarbige gewechselt und er hatte nur noch drauf gewartet, dass er wie ein Baum umfiel. Doch diesen Gefallen tat er ihm nicht.

Kurz blickte sich Alex in dem kleinen Raum um, in dem sich nun ein Haufen Leute zusammen drängelte und suchte nach einer Sitzgelegenheit. Schließlich hatte er nicht vor, hier 48 Stunden lang zu stehen.

Hinter S'Tom erblickte er dann sogleich die Techniker-Station, die mit einem ausziehbaren Arbeitssitz ausgestattet war, worauf er dann gleich zielstrebig zusteuerte. Zwar war sie alles andere als bequem, doch besser als gar nichts. Schnell hatte er ihn ausgeklappt und sich hingesetzt, bevor noch jemand anderes auf die Idee kam.

Zufrieden blickte er in die Runde und wartete darauf, dass irgendetwas passierte.

--- Serviceraum, etwa 47 Stunden später

Mühsam unterdrückte Alex ein aufkommendes Gähnen, während er zum x-ten Mal versuchte, auf seinem Stuhl eine einigermaßen bequeme Position zu finden. Doch schnell gab er es wieder auf. Schließlich rutschte er jetzt schon seid fast 48 Stunden auf ihm herum und sein Allerwertester war schon so taub, als würde er jemand Anderem gehören.

Da hatten die beinahe grotesken Gesellschaftsspiele von Ruben auch nicht viel helfen können. Vor allem, und da war er sich nach diesen langen Stunden sicher, waren Ferengi und Vulkanier absolut ungeeignet für gemeinsame Spiele mit anderen Spezies. Oder auch alleine ...

Vermutlich hatte nicht viel gefehlt und irgendjemand wäre auf die Beiden losgegangen. Oder auf Ruben. Jedenfalls war sich Alex nicht sicher, wie lange es noch bis zur absoluten Eskalation gedauert hätte. Doch nun, als sie sich der Raumstation näherten, da schien sich die Anspannung der letzten beiden Tage ein wenig zu verflüchtigen. Verständlich, schließlich freute sich wohl Jeder, aus diesem inzwischen nicht mehr ganz wohlriechenden "Gefängnis" zu entkommen. So viele Personen auf so kleinem Raum über einen solch langen Zeitraum ... ein Wunder, dass nichts passiert war.

Diesmal gähnte Alex ausgiebig und streckte seine müden Glieder, während ein leises Schnarchen von Ruben an seine Ohren drang. Ein Blick auf die Zeit ließ ihn daran erinnern, dass sie bald ankommen würden und ein paar Überlegungen mussten ja vorher schon angestrengt werden, nicht dass sie völlig planlos Richtung Raumstation irrten und sich in Schwierigkeiten brachten.

"Ey Ruben", rief er den Sicherheitschef und tippte ihn mit dem Fuß an. "Schluss mit dem süßen Träumen, wir sind bald da."

April Finger hatten sich innerhalb der letzten Stunden fest um die Griffe ihres Schwertes gekrallt und es dauerte einige Minuten bis sie sich soweit entspannt hatte um ihre schmerzenden Hände wieder anständig bewegen zu können.

Der zerknirschte Gesichtausdruck in ihrem Gesicht glättete sich ein wenig als sie vom Boden aufstand und sich reckte.

Einen kurzen Blick auf den Vulkanier werfend trat sie neben Alex, der sich an seinem Terminal zu schaffen machte und blickte ihm über die Schulter. Zum Glück hielt S'Tom für den diesen ersten Augenblick den Mund, was April durchaus beruhigte, den sie war sich sicher, dass wohl nicht mehr viel fehlen würde damit sie doch noch die Beherrschung verlieren und auf ihn los gehen würde ...

"Wie lange haben wir noch?", richtete sie ihre Frage an den Terraner.

Gähnend streckte Ruben sich, nachdem er von der Berührung aufgewacht war. Er hatte geträumt, dass er in der Vergangenheit gelandet und dann in einer engen stickigen Kammer Gesellschaftsspiele mit anderen gespielt hatte.

'Schon komisch, was man manchmal träumt', dachte er kopfschüttelnd, während er sich orientierte, 'Wieso ist das Bett eigentlich so hart?'

Knackend richtete er seinen Oberkörper auf und öffnete die Augen vollständig. Es war ganz schön hell, aber er konnte die Umrisse des Raumes halbwegs erkennen.

Es war definitiv nicht sein Quartier, wurde ihm bewusst.

Dann wurde der Niederländer bleich.

Er hatte das nicht nur geträumt.

'Oh Gott!', wurde ihm panisch bewusst und seine Augen öffneten sich noch etwas mehr, 'Hoffentlich hat April sich wieder abgekühlt'

Wenn man lange auf der klingonischen Heimatwelt gewesen war, hatte man wahrscheinlich kein Verständnis für die friedfertige Botschaft von "Mensch ärgere Dich nicht", verteidigte er im inneren Dialog ihr Verhalten.

Und S'Tom hatte auch ziemlich störrisch darauf bestanden, sie zum siebten Mal kurz vorm Ziel rauszuwerfen. Die anschließende Predigt über den integralen Bestandteil der Spielregeln und deren Einhaltung hatte es auch nicht besser gemacht.

"Wenn ich das richtig sehe, in etwa einer Stunde", antwortete Alex auf die Frage der Bajoranerin und drehte sich zur Gruppe um. "Vermutlich müssen wir dann ziemlich schnell unser Versteck verlassen und uns unter die Leute mischen, die zur Station gehen, damit wir nicht von den Reparaturmannschaften entdeckt werden."

'Die werden sich sowieso wundern, wenn sie hier rein kommen', dachte Alex und grinste. 'Bei dem Geruch ...'

"Hat sich Jemand schon mal Gedanken darüber gemacht, wie wir am sichersten an Bord von DS9 gelangen?", fragte er.

Die letzten Stunden waren für den Vulkanier anstrengend gewesen. Der anfängliche Schlaf war kein Problem gewesen, sondern sogar einigermaßen erholsam - im Gegensatz zu den meisten anderen Personen in diesem Raum machte ihm der harte Boden wenig aus. Aber die Zeit danach... Zum einen wurde der Geruch immer penetranter, und zum anderen schien es unmöglich zu sein, selbst die primitiven von Ruben veranstalteten irdischen "Gesellschaftsspiele" mit dieser aggressiven Bajoranerin, geschweige denn mit dem Ferengi, in sinnvoller und geordneter Form zu veranstalten.

Trotz alldem hatte S'Tom ein wenig Zeit gehabt, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie auf die Station gelangen könnten: "Wir haben mehrere grundlegende Optionen. Erstens: Wir mischen uns gleich nach dem Andocken unter den Rest der aussteigenden Crew, wobei allerdings der Ferengi voraussichtlich zu stark auffallen würde. Zweitens: Wir ziehen uns, nachdem die Crew das Schiff großteils verlassen hat, in eines der unbewohnten Quartiere zurück, frischen uns dort auf, und verlassen über einen längeren Zeitraum hinweg mehr oder weniger getrennt das Schiff. Beide dieser Möglichkeiten lassen sich auch abwandeln, indem wir in eine von den Sensoren nicht gut erfasste Sektion der Station beamen."

Kaum richtig aufgewacht, wurde Ruben schon wieder schwindelig. Wie sollte er dem Vulkanier denn jetzt diskret beibringen, dass diese Gruppe in keinem Fall getrennt über die Station laufen durfte?

Wie er bei seinen Nachforschungen erfahren hatte, wurde der Ferengi von mehreren Spezies steckbrieflich gesucht. Von April vermutete er ähnliches, und selbst war er auch irgendwo in den Datenbanken der Sternenflotte vermerkt.

"In jedem Fall müssen wir unentdeckt auf die Station gelangen. Wenn wir sie betreten haben, verschwimmen wir mit der Masse, egal ob einzeln oder zusammen", erklärte er kurz, "Während der Krieg sich entwickelt, wird die allgemeine Aufmerksamkeit sich sicher nicht auf ein paar merkwürdigen Gestalten richten"

Einen Moment wartete Wagenvoort, fügte dann nicht sehr überzeugend hinzu: "Ohne jemand Anwesenden beleidigen zu wollen!"

'Beleidigung?' Alex war es ziemlich egal, wer hier beleidigt wurde. Er wollte nur unbemerkt auf die Station kommen und sich da unauffällig bewegen. Schließlich mussten sie an dem Problem arbeiten, wie sie wieder nach Hause, oder sollte man besser sagen, in ihre Zeit zurückkamen. Plötzlich kam ihm ein Gedanke, der ihn von seinem Sitz hochschnellen ließ.

"Mir fällt grad was ein ...", rief er erfreut und zog so die Blicke der Anderen auf sich. "Als die Hope damals an DS9 angedockt war, also heute ist, da wurden eine ganze Woche lang intensive Reparaturen und Wartungen gemacht. Und auch ein paar Upgrades. Ich erinnere mich dunkel daran, dass irgendetwas an den internen Sensoren verbessert wurde, um Entertrupps der Jem'Hadar schneller ausfindig zu machen. Das heißt, während diesen Verbesserungsmaßnahmen werden die internen Sensoren mit ziemlicher Sicherheit abgeschaltet sein. Vielleicht nicht komplett, doch es wird uns zumindest beim "Transfer" nach DS9 behilflich sein."

"Eine solche Verbesserung wird aber erst nach Beseitigung der direkten Gefechtsschäden durchgeführt werden. Und solange wollte ich eigentlich nicht in diesem Raum bleiben", drückte der Niederländer sein Unbehagen aus. Außerdem würde bei Beginn der Reparaturen unweigerlich jemand ihr Versteck betreten.

"Besser, wir verlassen möglichst schnell das Schiff, auf der Station können wir dann unser weiteres Vorgehen planen", fügte er hinzu, ohne auf das Gezeter des Ferengi im Hintergrund zu achten.

Der war ganz und gar nicht an weiteren Verzögerungen interessiert.

Er wollte hier raus, zurück in die Zukunft und vorher am besten noch den Vulkanier entsorgen. Dieser widerliche Kerl hatte beim Raumschiff-Quartett allen Ernstes behauptet, ein vulkanisches Forschungsschiff, dessen Name eher wie eine Vorspeise klang, wäre schneller als ein Ferengi Marauder...

Cheyenne stand immer noch in ihrer kleinen Ecke, die sie seid fast vier Stunden nicht mehr verlassen hatte. Die Hände um ihre Taille verschlungen konnte man ihr das Unbehagen über die aktuelle Situation förmlich an sehen.

'Mensch, ärgere dich nicht ...', hallte es noch durch ihren Kopf und missmutig brummte sie vor sich hin - irgendwann hatte sie das Spiel sogar einmal ganz nett gefunden...

"Wenn wir es schaffen innerhalb der Zeit, in der diese Sensoren nicht funktionieren, in einen Transporterraum zu gelangen, könnten wir uns vielleicht unbemerkt auf die Station beamen. Es gibt, meines Wissens, auf der unteren Ebene einen kleinen Frachtraum der nicht mehr benutzt wird und es würde sicher keinem auffallen wenn wir dort materialisieren."

Aprils Blick streifte kurz den Niederländer und sie musste sich beherrschen um ihm keine trotzige Reaktion vor die Füße zu werfen. Ihre Stimme hallte schneidend durch den Raum ... ein giftiger Blick der Pilotin hätte sie bei der Erwähnung eines kleinen Raumes fast getötet, wäre dies möglich gewesen.

"Ich weiß nicht, ob uns dieser Frachtraum groß was nützen würde ...", begann Alex und zog die Stirn kraus. "Ruben hat wohl recht, dass der Sensorenausfall für uns zeitlich eindeutig zu spät ist. Bis dahin wird bestimmt jemand hier herein kommen. Das heißt, wir müssen es irgendwie vorher schaffen. Es ist nur die Frage, wie. Und vor allem, bleiben wir zusammen oder trennen wir uns? Eigentlich bin ich nicht so der Freund davon, aber in dieser Situation denke ich, ist es am sichersten, wenn jeder quasi auf eigene Faust versucht, sich nach DS9 durch zu schlagen. Was denkt ihr?", fragte er in die Runde.

"Ich weiß nach wie vor nicht genau, ob es eine gute Idee ist, die Gruppe zu trennen…", sagte der Niederländer und meinte eigentlich, 'Es ist Wahnsinn, den Ferengi allein rumlaufen zu lassen!'

Aber jetzt war es zu spät, um sich zu widersetzen. Außerdem hatte Ruben keine Kraft mehr. Der Aufenthalt in diesem Raum hatte ihn geschlaucht. Unbequemer Boden, aggressive Mitspieler und dieser Geruch nach mittelaltem Gouda. Sein Rücken brachte ihn fast um, so ein fieser stechender Schmerz in der Lendenwirbelsäule.

Vielleicht war ein Wirbelkörper gebrochen! Oder gar Schlimmeres. Hmm, nein, so stark waren die Schmerzen doch nicht.

Auf DS9 würde er trotzdem einen Arzt aufsuchen. Sicherheitshalber. Umso schneller, umso besser!

"Dann verlassen wir diesen Raum in Abständen von fünf Minuten. Narbo, Sie warten bis die Reparaturmannschaften eintreffen und werden sich dann als Mitglied der, ähh, bajoranischen Instandsetzungseinheit ausgeben. Replizieren Sie sich eine entsprechende Uniform!"

Der Ferengi schien nicht begeistert. Er hatte sich gerade mit der Uniform eines Commanders angefreundet und jetzt sollte er den dämlichen Techniker mimen. Aber wahrscheinlich war es die einzige Möglichkeit, das Schiff unauffällig zu verlassen.

Bestätigend zischte er irgendwas vor sich hin.

Ruben nickt: "Also dann geht es wohl los"

Die Pilotin lies langsam die Luft zwischen ihren Lippen entweichen. Zwar war sie von Rubens Idee sich alleine durch zu schlagen auch nicht sonderlich begeistert, aber sie war eindeutig besser, als der Gedanke an einen viel zu engen Raum in den sich wieder alle zusammen quetschten mussten.

Sichtlich erleichtert trat Cheyenne neben Ruben und stemmte die Hände in die Hüften. Sie hatte mit einem mal das Gefühl ein bisschen etwas von ihrer verloren gegangen Energie wieder gefunden zu haben.

"Wie wollen wir dann weiter vorgehen - dem entsprechend sollten wir uns einen geeigneten Treffpunkt überlegen?" Fragend blickte die Terranerin in die Runde.

Stillschweigend stimmte Alex der Pilotin zu und überlegte, wo auf DS9 wohl der beste Platz sei, sich zu treffen. Doch die Station war riesig und er war noch nie dort gewesen, deswegen war er wohl nicht der Geeignetste, diesen Punkt auszusuchen.

"Da ich damals als Techniker bei sämtlichen Reparaturen dabei war, war ich selbst nicht auf DS9", klärte er die Anderen auf und zuckte mit den Schultern. "Deswegen kann ich dort zu den Örtlichkeiten nichts wirklich Hilfreiches beitragen. Obwohl ich denke, ein öffentlicher Ort mit viel Betrieb ... das wäre wohl am sichersten. Vielleicht die Stationsbar? So etwas gibt's doch bestimmt?"

April bedachte den Techniker mit einem strafenden Blick, der sich nach kurzem Verweilen auch auf die Pilotin projizierte. Diese Idee war absurd - wie konnten die beiden nur ernsthaft glauben einfach so von Bord spazieren zu können ohne bemerkt zu werden?

April seufzte. "Alex, ich weis ja nicht wie das hier zurzeit ist, aber du wirst mir doch zustimmen, dass du früher - also jetzt - doch eigentlich genau weißt, wer an Bord zu deiner Crew gehört und wer nicht ..."

Ein kurzer Blick streifte den Holländer - dann sprach sie weiter.

"Das mit dem 'unters Volk mischen' mag vielleicht auf DS9 klappen, aber nicht auf einem Schiff auf dem Jeder Jeden kennt - oder liege ich da falsch?"

Abwartend und mit einem herausfordernden Blick schaute sie in die Runde die sich aktiv an diesem Gespräch beteiligten. Mit dem Ellbogen stütze sie sich bequem auf ihr ausgestelltes Bat'leH.

"Da hast du wohl recht", stimmte Alex der Bajoranerin nachdenklich zu. "Obwohl ..."

Er blickte sich in der Runde um, maß alle mit einem prüfenden Blick und nickte dann zufrieden.

"Ich habe eine Idee. April hat recht damit, dass wir als Angehörige der Hope-Crew sofort hier an Board auffallen würden. Doch wenn wir uns als DS9-Crew ausgeben, dann sollte das eigentlich ohne Probleme funktionieren."

Er bemerkte die skeptischen Blicke, die auf ihm ruhten, deswegen erklärte er seinen Gedanken noch ein wenig genauer.

"Narbo und April werden sich als Techniker der Bajoraner ausgeben; mit passenden Uniformen natürlich. Soweit ich weiß, sind auf DS9 im Dienste der Bajoraner eine Menge unterschiedlicher Spezies tätig. Und wir; also der Rest von uns, werden das Gleiche nur für die Sternenflotte machen. Das heißt, wir brauchen die Standard-Stationsuniformen."

"Hm ...", brummte April vor sich hin während sie den Vorschlag des Technikers überdachte. Nur ungern trennte sich die Kriegerin von ihrer klingonischen Kluft und dem Schwert - und der Gedanke daran mit dem kleinen Ferengi zusammen arbeiten zu müssen begeisterte sie auch nicht gerade.

Andererseits war es die beste Lösung die sie im Moment für ihr Problem parat hatten - leider auch die Einzige.

Die Kriegerin bedachte Narbo mit einem prüfenden Blick und konnte in seinem Gesicht dieselbe Abneigung erkennen die sie gerade verspürte. Mit einem frechen Grinsen im Gesicht malte sich die Halbbajoranerin aus, wie ihr der Knirps wie durch Zufall in die ausgestreckte Faust laufen würde, sollte er auf die Idee kommen ihr auf die Nerven zu gehen.

"Ich glaube das sollte funktionieren!", meinte sie dann und blickte wieder zu Alex.

"Wenn wir von dem Schiff runter sind, sollten wir allerdings wieder versuchen an normale Kleidung zu kommen - nicht dass wir dann in die Verlegenheit geraten wirklich als Techniker fungieren zu müssen."

Eine kurze Pause entstand, während April ihre Gedanken ordnetete.

"Was haltet ihr vom Quarks als Treffpunkt? Da dürfte es jetzt ziemlich voll sein…"

Die Pilotin verdrehte die Augen - nicht schon wieder eine neue Uniform!

"Die interessante Frage die wir uns zuerst stellen sollten - bevor wir überhaupt planen wann wir uns wo treffen - ist, wie wir an einen Replikator gelangen, der uns mal schnell einen ganzen Kleiderschrank aus spuckt ..."

Ein herausfordernder Blick traf die Halbbajoranerin.

"Ich sehe in diesem Raum nämlich keinen!"

Der Vulkanier hatte die Unterhaltung stillschweigend von seinem Platz aus verfolgt. Die Einigung auf eine der Optionen hatte zwar gedauert, aber immerhin war sie nun doch zu Stande gekommen -  sein Vertrauen in die Einsichtigkeit und Intelligenz von nicht-Vulkaniern stieg damit wieder.

Um die sehr interessante Frage von Cheyenne beantworten zu können holte S'Tom seinen Scanner hervor. Er hatte einen Teil der Zeit genutzt, die wichtigsten Daten der umliegenden Schiffsregion hinein zu transferieren.

"Nahe gelegene Quartiere bieten sich für diesen Zweck an. Es gibt im umliegenden Bereich drei geeignete Quartiere, deren Bewohner ihre Stationen sicherlich nicht vor dem Ende des Andockvorganges verlassen werden. Ich würde vorschlagen, wir teilen uns in diese Quartiere auf, bereiten uns vor und kehren dann möglichst schnell wieder hierher zurück."

Alex nickte zufrieden. Endlich lief die ganze Sache an und sie kamen aus diesem "Verlies" heraus. Und endlich in neue Klamotten. Ihm kam es nämlich fast so vor, als wäre er schon seit Wochen in ein und denselben Kleidern. Zumindest vom Geruch ...

Wahrscheinlich würde er ihn die nächsten Tage noch länger in der Nase haben, zumindest, bis er die Möglichkeit hatte, irgendwo eine Schalldusche zu nutzen. Vielleicht auch mit April zusammen? Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er versuchte, diesen Gedanken zu verdrängen.

"Ich denke, wir sollten uns in 2er-Teams aufteilen wenn wir unterwegs sind. Das ist die normale Besetzung eines Techniker-Teams und wird wahrscheinlich am unauffälligstem sein."

"In der Tat bieten Zweierteams bei der Aufgabe eine ausreichende Effizienz bei akzeptabler Auffälligkeit", segnete Ruben den Plan ab, bevor es weitere Diskussionen geben konnte. Der Geruch bohrte sich immer weiter in sein Gehirn und verursachte enorme Kopfschmerzen.

Und das Aroma von mittelaltem Gouda brachte nur Erinnerungen an seine Jugend zurück, die er am liebsten für immer tief in sich versteckt hätte.

Mühsam massierte er seine Schläfen und war in dem Moment froh, dass er sich im Gegensatz zur Mehrheit nicht nochmals umziehen musste. Bei dem Pochen hinter seiner Stirn wäre er wohl auch nicht in der Lage gewesen, sich so koordiniert zu bewegen.

Uniformen waren nach seinem Geschmack zu eng geschnitten. War man einmal drin, kam man nur sehr schwer wieder raus. Vor allem wenn man zum Angst- und Panikschwitzen neigte wie der Niederländer. Der Stoff klebte dann unbarmherzig an der Haut wie ein Saugnapf. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie beleibtere Personen wieder raus kamen.

"Alex, Sie kommen am besten mit mir. S'Tom und Cheyenne bilden das letzte Team. Wir verlassen diesen Raum im Abstand von, ähh, zwei Minuten", fügte er noch hinzu, nicht ohne den festen Willen, diesen Raum als erstes zu verlassen.

Eigentlich wollte Alex noch Einspruch erheben gegen die Einteilung der Teams, doch Ruben war schon an der Tür, entriegelte sie und blickte hinaus in den Korridor. "Die Luft ist rein", flüsterte dieser und winkte Alex nach Draußen. "Los, los. Wir müssen uns beeilen ... bis später im Quark's."

Missmutig trat Alex raus auf den Flur und wartete darauf, dass Ruben ihm den Weg zum Quartier zeigte, wo er sich in die neue Uniform werfen konnte.

Etwas missmutig musterte die Pilotin den Vulkanier - ihre Begeisterung über ihren Teampartner hielt sich in Grenzen, allerdings hatte sie den eindeutigen Vorteil in Bezug auf die Anderen, dass es zumindest alles "effizient" ablaufen würde ...

Mit einem kurzen Schlenker in ihrem Gedankengang auf ihre Zeit auf der Ivory, musste Cheyenne dann doch etwas schmunzeln. "Sie haben ein besseres Zeitgefühl als ich, S'Tom - wann gehen wir los?"

--- Flur

Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gedacht, da marschierte Ruben auch schon los und Alex hatte Mühe, im nach zu kommen.

"Rennen Sie doch nicht so", flüsterte Alex, der hoffte, dass ihnen niemand über den Weg lief.

Eigentlich hatte Ruben nicht das Gefühl zu Rennen, auch wenn ihn ein, in seinem Inneren sitzender, unbezwingbarer Instinkt angepeitscht hatte, die stickige Luft so schnell wie möglich zu verlassen. Vielleicht lag es einfach an seinen langen Beinen, dass er so schnell wirkte. Dabei hatte er seit seiner Jugend einen Hang zu Wasser in selbigen!

"Wir sind da!", ersparte er sich eine entsprechende Antwort und deutete vielmehr auf eine Tür, die jeder anderen in diesem Gang glich. Wenn der Vulkanier sich nicht geirrt hatte, mussten sie hier richtig sein.

Mit flatterigen Nerven schaute er sich links und rechts um, sah dann glücklicherweise niemanden und fing sofort an, mit zittriger Hand die Türverriegelung zu überwinden.

Nach wenigen Sekunden gab das Schloss nach. Eine lächerliche Sicherung, die im Einzelfall leicht nachgab, wenn man den zugrunde liegenden Algorithmus auswendig kannte. "Kommen Sie", wies er überflüssigerweise den Techniker an und verschwand dann ohne auf die Reaktion zu warten in dem Quartier.

--- Serviceraum

Halb belustigt, halb in Erwartung übler Dinge betrachtete die Schottin "ihr" Team. April und der Ferengi beäugten sich missmutig - einer wie der andere schien nicht begeistert von der Vorstellung, dass sie nun eine Weile gemeinsam arbeiten sollten und gemeinsam andere Leute täuschen sollten.

Llewella fand, dass sie selbst in der ganzen Scharade noch deutlicher fehl am Platz war als die beiden anderen. Die beiden hatten wenigstens ein bisschen Ahnung von Technik - ganz im Gegensatz zu ihr. Und die Schottin vermutete, dass die genaue Erklärung des Citratcyklus oder ähnlich interessanter Dinge einen genauer hinblickenden Crewman der Hope nicht täuschen konnte.

Nachdem über ihre Gedankengänge die beiden Minuten verstrichen waren, die sie nach dem Verlassen des letzten Teams warten sollten, wandte sie sich mit einem freundlichen Lächeln an die beiden anderen. "So, nun sind dann wohl wir dran!"

Ein verächtlicher Blick aus den Augen des Ferengi, ein leicht genervter aus den schwarz wirkenden Augen der Bajoranerin streifte die hoch gewachsene Frau. Mit einem Schulterzucken tat sie es ab und wandte sich zur Türe.

Der Ferengi hatte es genau gesehen! Die Tücke, die Hinterlist, die Abscheu und die Vorsicht hinter dem makellosen Lächeln der Heilerin. Das Lächeln eines Ferengi! Narbo war spontan etwas stolz, da das Weibchen sich diese kultivierten Umgangsformen wohl eindeutig nur von ihm abgeschaut haben konnte. Freilich würde er sie trotzdem ohne zu Zögern opfern, wenn es vorteilhaft für ihn wäre. Derzeit war es das nicht. Aber so was ergab sich meist ziemlich unerwartet. Bei dem Gedanken daran musste er auch lächeln.

Wortlos folgte er den Frauen aus dem Raum.

--- Quartier

Alex schüttelte den Kopf über den chaotischen Niederländer und betrat dann ebenso das Quartier. Zischend schloss sich die Tür hinter ihm und sperrte das wenige Licht aus, welches vom Flur in das dunkle Quartier geschienen hatte. Es dauerte eine Sekunde, bis sich Alex an die Lichtverhältnisse gewöhnt hatte, dann jedoch sah er Ruben, wie dieser wie angenagelt vor einem großen, schwach fluoreszierenden Gemälde stand.

Es dauerte eine Weile, bis er begriff, was er da überhaupt sah. Ein Niederländer mit Kunstgeschmack? Alex schüttelte den Kopf. Sachen gibt's ... Er wandte sich von dem wie zur Salzsäule erstarrten Sicherheitler hab und schritt zum Replikator.

"Computer, eine Techniker-Uniform. Standard-Größe. Inklusive Restkleidung"

Eine kurze Bedenkpause, ein Surren; und schon lag im Ausgabefach das Gewünschte. Schnell schlüpfte er aus seinem Arbeits-Overall und den verschwitzten Klamotten und streifte die Gelb-Schwarz-Graue Uniform über. Ruben ignorierte er völlig, schließlich stand dieser immer noch reglos vor dem Bild und außerdem wäre es ihm sowieso egal gewesen, wenn er geguckt hätte. Mit Neidgefühlen Anderer kam er problemlos klar.

Nachdem er seine alten Klamotten dem Replikator zur Desintegrierung übergeben hatte, drehte er sich zu Ruben um und sagte: "Können wir?"

--- Flur

Zielstrebig und mit langen Schritten ging die Kriegerin den schmalen Gang entlang zu dem Quartier das Alex beschrieben hatte. Mit einem amüsierten Grinsen registrierte sie das leise Getrappel des Ferengis der seine liebe Mühe zu haben schien bei dem schnellen Tempo der Halbbajoranerin mit zu halten. Fast hätte sich April dazu hin reißen lassen einen Blick über die Schulter zu werfen um sich das Gesicht des Knirpses an zu sehen...

Einige Augenblicke später erreichten sie eine Wegkreuzung - von hier aus konnten sie die Türen des Raumes erkennen in den sie wollten.

Mit einem stummen Wink bedeutete sie ihren beiden Begleitern inne zu halten und den rückwärtigen Gang zu beobachten.

Die Kriegerin lehnte sich an die kühle Wand, lugte um die Ecke und wartete darauf, dass Alex und Ruben das Quartier verließen.

--- Quartier

"Ob Sie können, weiß ich nicht", antwortete Ruben in einem Anfall von Humor und riss sich von dem Gemälde los. Es war sehr ästhetisch, wenn auch nicht dem Zeitgeist entsprechend. Aber andererseits war dies ja auch nicht ganz die Zeit, an die der Niederländer gewöhnt war.

Sich betont unauffällig verhaltend verließ Wagenvoort das Quartier.

--- Flur

Kopfschüttelnd war Alex hinter Ruben aus dem Quartier getreten und hätte den Niederländer beinahe über den Haufen gerannt, denn er war direkt hinter der Schwelle einfach abrupt stehen geblieben. Nur durch einen beherzten Ausfallschritt, der ihn schwankend an dem Sicherheitschef vorbei brachte schaffte er es, ein Unglück zu vermeiden.

Er wollte sich grade lautstark beschweren, als er April hinter der Flurbiegung erkannte, die ihm aufmunternd zulächelte. Kurzerhand winkte er ihr keck zu und tippte dann auf Rubens Schulter, um ihn aus seiner erneuten Starre zu befreien.

"Wir sollten unauffällig weitergehen. Wenn wir hier so rum stehen, wird uns noch Jemand erwischen", flüsterte er leise und machte einen Schritt voran.

'Zuerst bin ich zu schnell und jetzt zu langsam', rekapitulierte der Sicherheitschef kopfschüttelnd. Dem Techniker konnte man es wohl nicht recht machen. Vielleicht war ihm die Zeitreise nicht richtig bekommen.

'Hmm, das ist sogar sehr wahrscheinlich', fügte er gedanklich hinzu, als Alex unvermittelt begann, auf einem Bein den Weg entlang zu hüpfen.

"Ähh, wollten wir nicht unauffällig weitergehen?!", konnte er sich die Bemerkung nicht verkneifen und überholte Poulsen in Richtung des nächsten Turbolifts.

"Das ist doch unauffällig", bemerkte Alex und stellte das Hüpfen ein. "Zumindest bei den Karanianern", fügte er noch hinzu und grinste breit. Wahrscheinlich hielt ihn der Niederländer jetzt für total verrückt, doch das war ihm egal. Schließlich war seine Meinung über Ruben auch nicht viel besser.

Zischend öffneten sich die Turbolifttüren und ließ Beide eintreten.

Mit einem amüsierten Grinsen beobachtete sie den Techniker bis er im Turbolift verschwunden war. Dann gab sie der Ärztin und dem Ferengi einen kurzen Wink, blickte noch einmal den Gang auf der anderen Seite hinunter und lief zur Tür des Quartiers.

--- Quartier

Kurz blickte sich die Kriegerin um und steuerte zum Replikator, der auf ihre Anweisung hin kurz zischte und eine bajoranische Technikeruniform ausspuckte. Mit einem verachtenden Blick griff April danach und verschwand im anliegenden Bad.

"Bis gleich ..."

Etwas wehmütig sah Narbo an sich herab. Sicher, die Föderation war eine Truppe von Verlierern. Nur die galoppierende Inflation wusste, wie sie es geschafft hatte, oder besser gesagt schaffen würde, das Dominion zu besiegen.

Aber nun die Uniform des schwächsten Volkes in der Galaxis tragen zu müssen, ließ die Schande einer Sternenflottenuniform klein aussehen.

Trotzdem replizierte er die bajoranische Uniform mit ablehnendem Grummeln.

Aber immerhin gab der Aufenthalt auf der Station ihm die Gelegenheit, einige negative Entwicklungen in seinem Leben auszutilgen...

--- Turbolift

"Andockschleuse", rief Alex zum Computer und sofort setzte sich der Lift in Bewegung.

Der Turbolift summte leise vor sich hin; von den Beiden sagte jetzt keiner mehr etwas. Alex machte nach außen einen entspannten Eindruck, aber auch in ihm tobte die Nervosität. Das hoffte der Niederländer zumindest, er wollte sich nicht allein so unwohl fühlen.

Gleich würde sich die Lifttür öffnen und es würde von ihnen abhängen, ob sie entdeckt wurden.

Mit zittrigen Händen strich Ruben nochmals die gelbe Uniform glatt.

Dann öffnete sich die Tür.

--- vor der Andockschleuse

Als sie aus dem Lift getreten waren, hatte sich ihnen eine hektische Szene offenbart: Ein gutes Dutzend Flottenangehörige wuselte bei der Schleuse herum, jeder mit seiner eigenen Aufgabe beschäftigt. Ein gutes Zeichen, wenn man nicht auffallen wollte.

Mit flauem Gefühl im Magen ging Wagenvoort durch die Verbindungsschleuse.

--- DS9, Andockpylon

Wie Ruben bemerkte, hatte die Hope an einem der oberen Andockpylonen festgemacht. Sie würden einen weiteren Lift nehmen müssen, um in den Hauptring der Station zu gelangen. Das bedeutete auch eine längere Fahrt mit Fremden.

Der Sicherheitler atmete leicht angespannt aus.

Nach einem Seitenblick zu Poulsen traten beide zu der Menge vor dem Liftzugang heran.

Jetzt hieß es warten.

--- U.S.S Hope, Gang

Cheyenne und S'Tom hatten den Serviceraum zur vorgegebenen Zeit verlassen und begaben sich nun ungesehen zu ihrem zugeteilten Quartier. Fast schon angekommen hörte der Vulkanier das Geräusch einer sich öffnenden Tür in der Nähe. Er nahm auch wahr, wie Cheyenne in Ihrem Schritt kurz innehielt. Schnell deutete er der Pilotin, wieder weiterzugehen. Als die beiden nach wenigen Schritten im Quartier ankamen und die Tür sich hinter ihnen schloss, konnte man zumindest Cheyenne die Erleichterung ansehen.

--- anderes Quartier

"Da haben wir ja noch mal Glück gehabt", meinte Cheyenne, während sie schon zum Replikator ging. "So könnte man es durchaus nennen", stimmte der Vulkanier zu, auch wenn er den Ausdruck "Glück" eher unpassend empfand. Die Frau bestellte vom Replikator eine Technikeruniform und begab sich dann in das Bad, um die Kleidung zu wechseln.

Der ehemalige Borg nutzte die Zeit, indem er eine Tasche und danach etwas Ausrüstung und einige Feldrationen replizierte, darunter vor allem einen Hautregenerator. Mit diesem besserte er jetzt die Abdeckung seiner Borg-Implantate nach.

Er überlegte kurz, ob er versuchen sollte, mit seinen Geheimdienst-Codes einen funktionierenden Phaser zu replizieren, verwarf die Idee dann aber wieder. Sollte sein Code nicht angenommen werden, würde das einen Alarm auslösen, und das war ein zu großes Risiko. Stattdessen bestellte er noch einen einfach bestückten Werkzeugkoffer, mehr des Aussehens als der Geräte wegen - die wirklich nützlichen Werkzeuge waren auch nicht ohne weiteres replizierbar.

Schließlich kam Cheyenne in neuer Uniform aus dem Bad zurück und recycelte ihre Alte noch im Replikator. "Fertig?", fragte der Vulkanier, und machte sich zum Aufbruch bereit.

Die Pilotin nickte kurz und warf bevor sie zur Tür hinaus liefen noch einen kurzen Blick in den Spiegel. Die Uniform saß eindeutig ein bisschen besser als die Vorherige.

--- Gang

Schnellen Schritts folgte Cheyenne dem Vulkanier durch die fast leeren Gänge, was der Terranerin komisch vorkam. Mit einem schnellen Satz schloss sie zu S'Tom auf.

"Also, als ich noch auf Sternenflottenschiffen gedient habe war da eindeutig mehr los - ist das normal, dass hier der tote Hund begraben ist – auf einmal?"

--- Andockschleuse            

Nervös wippte die Kriegerin mit dem Fuß während sie mit Llewella, Narbo und etwa 15 oder 16 Sternenflottenmitglieder darauf wartete das sich die Schleuse vor ihnen öffnete um sie in die Station zu entlassen.

Normalerweise sollte es hier eigentlich zu keinerlei Staus kommen, allerdings war bei einem Crewman der vor ihnen den Durchgang passieren wollte eine eigenartige Substanz gefunden worden. Die Sicherheitsleute der Station hatten prompt reagiert, die Schleuse für die Durchgang gesperrt und einige Ampullen Ketracel-White sichergestellt. Was weiter mit dem unglückseligen Mann passiert war, hatte April nicht mehr mitbekommen, allerdings hoffte sie inständig, dass die bajoranischen Offiziere diesen

Zwischenfall nicht zum Anlass nahmen eine gesonderte Personenkontrolle durchzuführen. Zwar waren sie alle drei wie Techniker ausgestattet, sollten sie allerdings in die Verlegenheit geraten sich ausweisen zu müssen, hatten sie ein mächtiges Problem.

April lies ihren Blick über die Gesichter der Anwesenden schweifen die teilweise unbeteiligt, teils ziemlich genervt, drein blickten und immer wieder nervös auf das Chronometer blickten.

Ihr Blick traf den eines jungen Offiziers der etwa einen halben Meter entfernt stand und sie seit ein paar Augenblicken musterte. Ein leichtes Lächeln legte sich auf die Lippen der Halbbajoranerin was den Mann dazu veranlasste verlegen zur Seite zu blicken. Innerlich schmunzelte April über die Schüchternheit des Fähnrichs, der offensichtlich eindeutig ein paar Jahre jünger war als die Kriegerin.

Mit dem Versuch unbeteiligt zu wirken lies sie ihren Blick weiter durch die Runde schweifen und beendete ihren visuellen Rundgang bei der Ärztin und dem Ferengi.

Llewella war die Unruhe fast ins Gesicht geschrieben wohingegen der kleine Gnom genauso grimmig wie immer drein blickte. Fast hatte die April das Gefühl er würde die Situation nicht Ernst nehmen und überhaupt nicht registrieren auf welch dünnem Eis sie sich gerade befanden während sie warteten. Allerdings, selbst wenn es so war, hatte sie nun vermutlich eh keinen Einfluss mehr auf die Geschehnisse. Denn es gab in keinster Weise mehr ein Zurück, ohne dass sie befürchten mussten enttarnt zu werden.

Minute um Minute vergingen als sich endlich weiter vorne wieder etwas zu bewegen begann.

--- DS9, Andockpylon

Ungeduldig kaute Alex auf seiner Unterlippe herum, während er versuchte, seine Nervosität nicht zu offensichtlich im Gesicht zu zeigen. Doch das war einfacher gesagt als getan. Schließlich standen um sie herum fast 20 Leute die auf den Lift warteten und ein paar von ihnen blickten den vor Nervosität ziemlich schwitzenden Niederländer mit seltsamen Gesichtsausdrücken an.

"Das kann doch nicht sein, dass Ihnen immer noch heiß ist", sagte Alex übertrieben amüsiert zu Ruben, während er die Zuschauer wissend ansah. "Wir sind jetzt schon 20 Minuten aus der Jeffries-Röhre mit der geplatzten Plasmaleitung heraus und Sie schwitzen immer noch? Sie müssen einen ganz schön aktiven Biorhythmus haben."

Ein Schmunzeln legte sich auf das Gesicht der Anderen, was Alex zeigte, dass sein Plan funktioniert hatte. Zum Glück ... denn es hätte auch anders laufen können.

Ein Zischen ließ Alex wieder ins Hier und Jetzt kommen und er erkannte, dass der Lift angekommen war. Die Menge bewegte sich auf die Kabine zu und zog sie Beide mehr oder weniger mit.

'Auf zur nächsten Etappe', dachte Alex, während sich die Lifttüren schlossen.

--- U.S.S. Hope, Andockschleuse

Der Ferengi spürte die Blicke vieler Personen auf sich. Das war er aber gewohnt. Immerhin gehörte er zu der außergewöhnlichsten Spezies im bekannten Universum, da war einem Beachtung durch niedere Wesen sicher.

Gleichzeitig hörte er sich möglichst unauffällig um, da er angesichts seiner Größe eh nichts in der Menge sehen konnte. Aber wenn er sich nicht täuschte, musste irgendwo weiter vorne in der Menschenmasse dieser Poulsen sein. Zumindest hörte er, wie der sich über das ständige Geschwitze des langen Terraners lustig machte.

Narbo konnte sich ein leises gehässiges Lachen nicht verkneifen.

--- DS9, Turbolift

Auf den peinlichen Einwurf hatte der Niederländer noch immer nicht reagiert. Unmöglich, ihn so vor allen Leuten bloßzustellen. Er schwitzte nun mal etwas mehr als andere Menschen, na und?

Der Lift surrte leise vor sich hin, während keiner etwas sagte. Eben waren noch viele Stimmen zu hören gewesen. Die meisten Unterhaltungen hatten sich um die erwartete Freizeit gedreht. Jetzt schien aber jeder seinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

Doch dann blieb der Lift endlich stehen und das Promenadendeck lag vor ihnen. Noch immer spielte Ruben mit dem Gedanken, einen Arzt aufzusuchen. Wegen seinem schlimmen Rücken, aber so wie er den Techniker kannte, würde der sofort wieder mit einem unangebrachten Spruch reagieren.

So nahm der Sicherheitschef seinen ganzen Willen zusammen und schwor sich selbst, diese Schmerzen durchzustehen, bis sie wieder in ihrer eigenen Zeit waren.

Hoffentlich dauerte das nicht zu lange...

--- Promenadendeck

Beeindruckt blickte sich Alex auf dem Promenadendeck um, während der Rest der Leute, die sich im Lift befunden hatten, in alle Himmelsrichtungen verstreuten. Er musste feststellen, dass er die Station überaus faszinierend fand; die Architektur, die Menschen, einfach alles. Das letzte Mal war er vor mehreren Jahren hier gewesen, als die Hope ...

"Verdammt", entfuhr es ihm leise, während er einen kurzen Blick zu Ruben warf, der ihn ein wenig seltsam ansah. 'Ich muss aufpassen, dass ich mir hier nicht selbst über den Weg laufe.'

Obwohl er nach kurzem überlegen die Gefahr ausschließen konnte. Er erinnerte sich, dass er während des Aufenthalts der U.S.S. Hope die ganze Zeit auf dem Schiff gewesen war, um die nötigen Reparaturen durchzuführen und zu überwachen und er es irgendwie nie geschafft hatte, auf die Station zu kommen. Jedoch war der Teufel ja bekanntlich ein Eichhörnchen und er hatte keine Lust, irgendein wissenschaftliches Vorzeigeobjekt im Bereich der Zeitparadoxe zu werden, wenn er vielleicht doch noch auf die Hope musste und dann seinem Vergangen Ich über den Weg lief.

Er gab sich einen Ruck und setzte sich mit Ruben im Schlepptau Richtung Stationsbar in Bewegung.

"Glauben Sie", raunte er dem Niederländer zu, "dass die Anderen es auch schaffen?"

"Bei S'Tom und Cheyenne habe ich kaum Bedenken", erwiderte Ruben ebenso leise, "Vulkanier genießen eine derart hohe Glaubwürdigkeit, dass er selbst seine Implantate erklären können müsste, ohne aufzufallen"

'73,28%ige Wahrscheinlichkeit!', fügte er für sich selbst noch in Gedanken hinzu. Den Techniker hätte er mit derlei Genauigkeit sicher nur gelangweilt.

"Bei der Gruppe mit dem Ferengi...", setzte er dann etwas ernster erneut an, "...werden wir wohl mit einem Totalverlust rechnen müssen. Mit etwas Glück können sich die anderen rechtzeitig separieren, aber das Risiko war uns allen ja bekannt"

Innerlich hoffte er, dass sein Kommentar nicht so kaltherzig aufgenommen wurde, wie er vielleicht geklungen hatte. Das Wohl der ganzen Gruppe lag ihm natürlich sehr am Herzen.

"Ach, da sind wir ja schon!", stellte er dann erstaunt fest, als sich der Eingangsbereich des Quarks vor Ihnen auftat, "Ein stilles Mineralwasser könnte ich durchaus vertragen"

--- U.S.S. Hope, Andockschleuse

April bedachte Narbo mit einem wütenden Blick, was der Ferengi allerdings nicht wirklich wahr zu nehmen schien.

Langsam schoben sich die Drei mit der Menschenmasse durch die enge Schleuse und fast hätte sich die Halbbajoranerin schon der Freude hin gegeben, sicher an dem bajoranischen Sicherheitspersonal vorbei gekommen zu sein, als sie aus den Augenwinkeln wahrnahm, wie die Ärztin plötzlich stehen blieb.

Ein eiskalter Schauer lief der Kriegerin über den Rücken als sie sich um drehte und den in Uniform gekleideten Mann erblickte der Llewella gerade aus der Masse heraus winkte ...

--- DS9, Quark's

Ein stilles Mineralwasser? Alex hätte dem Niederländer am liebsten ganz still Einen verpasst, für seine ach so tolle Einschätzung der Situation. Totalverlust? Wie wäre es mit einem Totalverlust des Gehirns ... wahrscheinlich würde Ruben nicht mal was merken, wenn es denn so wäre.

Alex hatte den Ferengi einmal unterschätzt und auch wenn er nicht viel von ihm hielt, dumm war dieser kleine Gnom weiß Gott nicht. Außerdem waren Llewella und April dabei und die Beiden würden ihn bestimmt bremsen, wenn er irgendetwas Dummes vorhatte. Und er "wusste", dass er was vorhatte. In diesem Sinne waren Ferengi einfach sehr einfach zu durchschauen.

"Wo sollen wir uns denn hinsetzten?", fragte Alex, um wieder auf andere Gedanken zu kommen, während er sich in der doch ziemlich gefüllten Bar umschaute.

"Unter dem Treppenaufgang befindet sich ein leerer Tisch. Von dem Punkt aus sollten wir unauffällig den ganzen Laden überblicken können", sprach Ruben und deutete zugleich in die entsprechende Richtung.

Alex nickte zustimmend und so setzten sie sich in Bewegung.

Das Quarks war gut besucht, so war es gar nicht so einfach, den vielen Personen auszuweichen, die teilweise sehr enthemmt durch die Bar wankten.

Die Leute wussten, dass ein großer Krieg kam und wollten vor der vielleicht letzten Schlacht noch etwas Spaß haben. Der Niederländer schloss, dass es gute Zeiten für den Besitzer waren.

Krieg war schließlich gut fürs Geschäft...

Nachdenklich setzte er sich an den mittlerweile erreichten Tisch und hing noch etwas dem faden Beigeschmack der Erwerbsregel nach, als sich schon ein Ferengi an ihrem Tisch aufbaute.

Der Kellner sprach sie in einer Mischung aus Geldgier und Ungeduld an, wahrscheinlich bezahlte dieser Quark sehr schlecht und hatte viel zu wenig Personal für eine derart starke Auslastung seines Betriebes.

"Ähh, ich nehme ein Wasser. Ohne Kohlensäure. Aber mit etwas Zitrone, wenn es geht. Und was wollen Sie?", bestellte Ruben und wandte sich mit dem letzten Satz an Alex, der noch die Karte studierte.

"Ich hätte gerne ein Bier. Und eine große Portion Hasperath", sagte Alex, der sich schon vorher überlegt hatte, was er bestellen wollte und die Karte nur als unauffällige Zierde benutzt hatte. Der Ferengi nickte und während er die Karte weglegte, war der Kellner auch schon wieder verschwunden.

Betretenes Schweigen machte sich am Tisch breit, während Alex und Ruben sich in der Bar umsahen und auf ihre Getränke warteten. Und auf die anderen Teammitglieder. Alex warf einen Blick auf den Chronometer. Wenn die Anderen genauso problemlos durchkommen sollten, dann dürfte es nicht mehr lange dauern, bis sie hier waren. Hoffentlich ...

"Sagen Sie, kommt Ihnen hier Jemand bekannt vor? Oder waren Sie noch nie hier auf DS9?", fragte er Ruben und versuchte, die unangenehme Stille damit zu überbrücken.

"Während meiner Zeit als Maquis fanden oft verdeckte Operationen auf DS9 statt, bei denen ich jedoch nicht dabei war", gab Ruben zurück, wobei er nicht gerade unglücklich klang, "Mein genetischer Status war zum damaligen, ähh, jetzigen Zeitpunkt bereits bekannt und wir hielten es für zu riskant, mich unnötigen Kontrollen auszusetzen"

Dass er schlichtweg zu nervös für verdeckte Operationen war, ließ der Niederländer lieber unerwähnt.

--- U.S.S. Hope, Gänge

"Es ist auffällig ruhig, da haben Sie Recht. Aber ich vermute, dass der eine Teil der Crew es gar nicht erwarten konnte, das Schiff zu verlassen, und der andere Teil mit Reparaturen beschäftigt ist, die sie auch möglichst schnell abschließen wollen. Für uns ist das jedenfalls ein Vorteil.", antwortete der Vulkanier im Gehen.

Auf dem weiteren Weg zur Andockschleuse reflektierte S'Tom über die Gruppeneinteilung: 'Als letzte Gruppe haben wir es mit hoher Wahrscheinlichkeit einfacher als die Anderen, von Bord zu kommen. Wieso hat Ruben nur nicht die problematischste Gruppe - die mit dem Ferengi - zuletzt geschickt?'

--- Andockschleuse

Bis zur Andockschleuse hatte es keine Zwischenfälle gegeben. Doch jetzt nahm der ehemalige Borg erstmals Stimmen in der näheren Umgebung wahr - anscheinend ein Gespräch zwischen zwei Personen. Er verlangsamte den Schritt etwas, um mehr Zeit zum Nachdenken über mögliche Optionen zu haben.

"Meine Pläne auf der Station? Nun, eine Nacht mit nur sehr geringer Chance auf einen Kampfeinsatz wird durchaus erholsam sein. Hier finde ich auch eher die Innere Ruhe für ausgiebige Meditation. Und ich habe von einem guten klingonischen Restaurant gehört - ich hatte noch nie die Gelegenheit, echtes klingonisches Essen zu probieren. Ich vermute, deine Pläne sind etwas... 'bunter' gestaltet?", stieg S'Tom in ein Gespräch ein.

Die Beiden waren inzwischen auf halbem Weg durch die Andockschleuse, und man konnte am anderen Ende bereits ansatzweise zwei Sicherheitsleute  erkennen.

Cheyenne biss sich auf die Unterlippe als sie das zweite Team sah, dass sich um die zwei Offiziere scharte. Vorsichtig zupfte sie an S'Toms Ärmel und verlangsamte ihre Schritte ein wenig.

"Da sind der Ferengi und die Anderen ... ", flüsterte sie, "Was machen wir denn jetzt?"

S'Tom hatte mitten in der Schleuse auch bemerkt, dass da noch andere Leute  bei den beiden Sicherheitlern waren. Es gab kaum noch Zeit, mögliche Handlungsoptionen gegeneinander abzuwiegen...

"Ensign Campbell, ich habe mich bereits gefragt, wo Sie sind. Haben Sie die kurzfristige Schicht-Umverteilung nicht mitbekommen?", sagte S'Tom, während er aus der Andockschleuse trat. "Und Sie sind wohl die beiden bajoranischen Techniker, die ich hergebeten hatte. Ich möchte mich entschuldigen, dass ich nicht zeitgemäß beim vereinbarten Treffpunkt am Schiff erschienen bin. Aber wieso haben Sie nicht dort gewartet?", wandte er sich an die anderen beiden Teammitglieder.

Gleich danach beendete er seinen Rundblick bei den beiden Sicherheitlern, die durch den plötzlichen Auftritt leicht überrascht und verwirrt wirkten: 

"Können Sie mir erklären, was das Problem hier ist?"

Der Vulkanier konnte nur hoffen, dass die restlichen Teammitglieder noch nichts Gegenteiliges zu seiner "Rollenverteilung" behauptet hatten.

"Der Scanner hat bei der Fähnrich eine ungewohnte Substanz entdeckt", erwiderte einer der Sicherheitler streng und versuchte, dabei professionell zu wirken, "Wir müssen sie leider durchsuchen. Routine,Sir"

Die letzten Worte klangen leicht verächtlich. Als Unteroffizier fand die Wache es wohl kaum angebracht, großartig Respekt vor einem Fähnrich zu zeigen. Auch, wenn es ein Vulkanier war.

Der Ferengi nutzte die Zeit des leichten Disputs, um die Schottin unauffällig zu mustern. Tatsächlich, in der rechten Hosentasche zeichnete sich ein zylindrischer Gegenstand ab.

Wahrscheinlich ein Medikament oder so.

Keine große Aufgabe für einen Dieb, auch wenn das nicht gerade seine Spezialität war.

"Dort würden wir wohl noch in tausend Jahren warten und verrotten", wütete Narbo lautstark los, nicht ohne sich gleichzeitig wie aus dem Nichts kommend an der Ärztin vorbeizudrängen, "Vulkanier! Erst zu spät kommen und dann hart arbeitende Techniker beschuldigen. Ich wäre jetzt auch lieber auf einem prallen Mädchen von Orion. Stattdessen stehe ich hier. Mit Ihnen!"

Die Wache rollte ungeniert mit den Augen. Ferengi!

"Wenn Sie sich jetzt bitte durchsuchen lassen würden. Dann können wir alle friedlich weiterarbeiten", unterbrach der Sicherheitler schließlich, bevor die Lage noch weiter eskalieren konnte.

"Wenn Sie bitte die Arme heben würden?!", forderte er Llewella entsprechend auf und begann sogleich, Sie vorschriftsmäßig abzutasten. Gleichzeitig entsorgte Narbo den Zylinder behutsam in der Uniformjacke der zweiten Wache...

April ballte ihre Fäuste hinter dem Rücken, während sie versuchte einen professionellen Gesichtsausdruck zu machen.

Im ersten Moment war sie äußerst verwirrt über die heftige Reaktion des kleinen Knirpses gewesen - er würde sie noch alle verraten. Allerdings, als sie die flinke Hand Narbos bemerkte beruhigte sie sich ein wenig.

In abwartender Haltung beobachtete sie den Beamten der Llewella durchsuchte und hoffte inständig, dass Narbo das "Richtige" geklaut hatte. Einige Augenblicke vergingen in denen sich eine unangenehme Stille ausbreitet.

Dann blickte der Sicherheitler auf und bemaß die Ärztin mit einem misstrauischen Blick.

"Sie hat nichts bei sich ..."

Mit reichlicher Irritation und einer hochgezogenen Augenbraue hatte auch die Schottin die Verbalattacke des Ferengi beobachtet. Das Ganze kam ihr ziemlich aus der Luft gegriffen vor. Immerhin sollten sie ja NICHT auffallen...

Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem Sicherheitler zu, der wiederum sein größeres Gegenüber aus schmalen Augen anblickte.

"Aye, natürlich habe ich nichts bei mir, was Verboten wäre. Vielleicht sollten Sie einmal Ihren Scanner überprüfen lassen?", schlug sie dem Mann dann vor, der mit sichtlichem Unbehagen vor ihr stand.

Kurz sah es aus, als wolle er noch etwas einwenden, dann winkte er die Gruppe jedoch weiter.

--- Turbolift

Innerlich aufatmend betrat die Schottin den Turbolift. Entspannt lehnte sie sich an eine Wand und schob bequem die Hände in die Hosentaschen ihrer Kombination.

Und stutzte. Da war doch ...?

Himmel - der Injektor mit dem Cordrazin. Das war es wohl gewesen, was der Sicherheitler gescannt hatte. Immerhin hatte dieses Medikament nach wie vor höchste Beschränkungen. Und dazu gehörte auch, dass es nichts in der Tasche eines ... Technikers ... zu suchen hatte.

Flink glitten Llewellas Augen über die Gruppe, die sich mit ihr im Turbolift befand. April, der Ferengi, der Vulkanier, Cheyenne.. und ein paar Menschen, die sie nicht kannte. Die alle reichlich erschöpft wirkten, teilweise in angesengten Uniformen steckten. Kaum einer beachtete den Anderen. Die "richtigen" Mitglieder der Venture ... verdammt, sie sollte sich wirklich an "Hope" gewöhnen ... starrten blicklos vor sich hin.

Llewellas Finger zuckten in Richtung ihres medizinischen Tricorders, aber sie konnte sich gerade noch bremsen. Ihr hippokratischer Eid drängte sie, den Menschen zu helfen, aber sie besaß doch noch genug Realitätssinn, dieses Bedürfnis zu unterdrücken.

Nach einer kurzen Fahrt öffneten sich die Türen des Turbolifts und gaben den Blick auf ein geöffnetes Schleusentor frei. Dahinter ... die Gänge der Raumstation DS9.

--- Promenadendeck

Llewella trat aus dem Lift und spürte, wie ihr die anderen folgten. Die Schottin hielt sich dicht neben dem Ferengi - dem einzigen, der dafür verantwortlich sein konnte, dass der Injektor mit dem Cordrazin auf so verwunschene Weise genau zum richtigen Moment aus ihrer Hose verschwunden war.

Schief grinste sie den Ferengi an - eigentlich war ihr ja so gar nicht danach, SO einer Kreatur Dank schulden zu müssen. Aber so war es nun mal. Also wandte sie sich leise an ihn, als sie sich vergewissert hatte, dass niemand in Hörweite war, der sie nicht hören sollte: "Danke, Narbo, das war fix. Dürfte ich jetzt mein Cordrazin wiederhaben?"

Der Dank der Terranerin überraschte den Ferengi. Die meisten Menschen waren zu beschränkt, als dass sie die große Kunstfertigkeit würdigen konnten, die einem geübten Dieb in die Wiege gelegt war. Vielleicht hatte er Llewella unterschätzt.

So fiel seine Antwort milder aus, als er eigentlich vorhatte:

"Dann musst du die Sicherheitler an der Andockschleuse fragen. Die einzigen Personen dort, die sie garantiert nicht nochmals gescannt haben, waren sie selbst. Daher hatte ich keine andere Wahl"

Narbo war sich im Klaren darüber, dass daher schon sehr bald erneut Gefahr drohte. Irgendwann würde der Sicherheitler aus Zufall das Röhrchen bei sich finden und verstehen...

Langsam beruhigte sich Cheyennes Puls wieder während sie mit den anderen über das Promenadendeck marschierte. Hier konnten sie in der Menge untertauchen und mussten auch fürs Erste keine Angst mehr haben entdeckt zu werden.

Mit einem leichten Schmunzeln nahm sie die fast sanfte Antwort des Ferengis war - eine Reaktion die sie dem kleinen, giftigen Kerl gar nicht zugetraut hatte.

--- vor dem Quarks

Seid ihrem letzten Besuch auf dieser Station war verdammt viel Zeit vergangen. Oder nein, eigentlich nicht ... wenn April es sich genau überlegte war es überhaupt nicht mehr so viel Zeit bis sie bzw. ihr Ich aus dieser Zeit hier auftauchen würde.

Damals hatte sie sich gerade mit dem Gedanken angefreundet den Job bei der Sternenflotte aufzugeben, um auf die klingonische Heimatwelt zu reisen ... heute war sich die Halbbajoranerin nicht mehr so sicher ob das wirklich eine gut Idee gewesen war.

Andererseits ... war es eine Zeit gewesen, die ihr doch verdammt viel Spaß gemacht hatte - von den zahlreichen Knochenbrüchen und ihrer überstürzten Abreise einmal abgesehen.

--- Quarks

April betrat als Erste das Quarks und blieb einen Augenblick stehen um sich in der Bar umzusehen. Mit etwa 15 Jahren war sie einmal mit ihrer Mutter hier gewesen - Yahara hatte ein sehr großes Geheimnis darum gemacht was sie zu dem Ausflug nach DS9 damals bewegt hatte - für den Teenager war es einfach nur  ein großes Abenteuer gewesen, dass mit einer Schlägerei mit einem Dabomädchen geendet hatte.

Mit einem frechen Grinsen im Gesicht erblickte die Kriegerin den Besitzer der kleinen Bar hinter seinem Tresen hin und her springen - nein, er würde sich mit Sicherheit nicht mehr an den Vorfall erinnern können.

Wenige Schritte hinter April betrat auch S'Tom das Quark's. Hier drinnen merkte man nicht mehr viel von der sonst vorherrschenden eher gedrückten Stimmung, auch wenn die Fröhlichkeit teilweise nicht echt wirkte. Die Besatzung versuchte anscheinend, der harten Realität für wenigstens ein paar Stunden zu entfliehen. Ein Verhalten, das der Vulkanier teilweise nachvollziehen konnte - es hatte eine entfernte Ähnlichkeit zur Gefühlsunterdrückung, die seine eigene Spezies praktizierte.

Er war nicht der Einzige in der Gruppe, der sich kurz im Lokal umsah. Für eine von der Sternenflotte geführte Station dieser Größe ein eher seltener Anblick. Vor allem, wenn man bedachte, dass der Besitzer im ganzen Sektor gewisse Negativ-Reputation besaß...

--- Quarks, an einem Tisch unter der Treppe

Eine Pause entstand, während derer die beiden Zeitreisenden die Menschen im Raum beobachteten. Unter der Treppe wurde man selber kaum wahrgenommen.

Und das war gut so.

Alex hatte wohl nicht mehr vor, auf seine packende Schilderung zu reagieren. Dabei dachte der Niederländer sehr gerne an seine Zeit beim Maquis zurück. Also eigentlich war er ja noch immer in deren Auftrag unterwegs. Aber irgendwie gehörte er mittlerweile auch fest zur Venture.

So genau hatte er da noch nie drüber nachgedacht.

Ins Grübeln gekommen, begann Ruben seine Einstellung zu überprüfen...

Etwas später schreckte er halbwegs auf, nachdem Poulsen ihn mit dem Fuß gestoßen hatte. Und zwar ziemlich fest. Fragend schaute der Sicherheitler den Treter an, während er sein Schienenbein protestierend massierte.

Das gab bestimmt einen grün-blauen Fleck.

"Da sind die Anderen!", meinte Alex nur, und deutete zum Eingang.

Am Ende des kurzen Rundblicks entdeckte der S'Tom Ruben und Alex an einem der Tische; diese hatten die Neuankömmlinge anscheinend auch schon bemerkt. Er machte den Rest der Gruppe, sofern diese nicht schon selbst zu der Erkenntnis gekommen waren, kurz darauf aufmerksam und begab sich dann zu dem Tisch, wo er sich auf einem der freien Stühle niederließ.

"Es gab einen kleinen Zwischenfall mit der Sicherheit", merkte S'Tom erklärend zu Cheyennes und seiner 3,6 minütigen Verspätung an.

April nahm gegenüber von Ruben platz und maß den Vulkanier mit einem bösen Blick - hatte sie gerade in des Stimme es Vulkaniers so etwas wie Abwertung gehört? Innerlich schüttelte die Kriegerin den Kopf und machte sich eine geistige Notiz - S'Tom würde zu den Personen gehören bei denen sie sich nicht entschuldigen würde, wenn sie ihm durch Zufall einmal die Nase brechen würde ...

Der Gedanke an so eine fiktive Situation hob Aprils Stimmung sichtlich an.

"Nur ein klitzekleiner Zwischenfall - nicht wahr, S'Tom?"

Ihre zynische Stimme hallte noch ein wenig nach, als sie Alex einen schelmischen Blick zuwarf und sich dann an den quirligen Ferengi wand, der neben ihr auftauchte und die Bestellung entgegen nahm.

"Einen Kaffee bitte ..."

"Für mich eine Slug-O-Cola", fügte Narbo zischend hinzu. Bedienen in der Gastronomie war eine der schlechtesten Arbeiten, die man überhaupt nur ausüben könnte. Dementsprechend achtete er als Barbesitzer darauf, diese Versager möglichst schlecht zu behandeln. Und bei der Konkurrenz natürlich erst recht.

Der Kellner nickte nur mit einem knirschenden Gesichtsausdruck, nachdem er vor die beiden Menschen deren Getränke gestellt hatte. 

Alex fragte sich, wie lange sein Hasperath wohl noch brauchen würde, denn sein Magen knurrte inzwischen schon bedenklich laut und ein Bier war wohl kein besonders guter Ersatz. Zumindest war er froh darüber, dass April und die Anderen wohlbehalten den Weg zu ihnen gefunden hatten. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn sie es nicht geschafft hätten.

Langsam trank er einen Schluck von dem Bier, während er über den Glasrand hinweg die Anderen beobachtete, wie sie beim Kellner was zu Trinken bestellten. Eigentlich war es ein ziemlich seltsamer Anblick, den sie abgaben. Wie sie hier saßen, alle in Technikeruniformen gequetscht. Jeder mit einem ziemlich angespannten Gesichtsausdruck ...

"Ich würde sagen", begann Alex, kaum das der Kellner verschwunden war, "bisher läuft unsere Mission doch ganz gut, oder nicht?"

"Hmm, zumindest sind wir erstaunlich reibungslos auf die Station gekommen", meinte Ruben, während er sein Wasser beobachtete. Hatte er da nicht gerade doch Kohlensäurebläschen aufsteigen sehen?!

Egal, er würde das Risiko auf sich nehmen!

"Wenn man die doch recht auffälligen Charaktere hier betrachtet, ist es fast ein Wunder, dass nicht einige schon verhaftet wurden", fügte der Niederländer noch erklärend, aber doch wage genug, dass niemand sich ernsthaft beleidigt fühlte, hinzu.

In dem Moment kam der Kellner wieder und brachte Alex seine Speise.

"Aye, wenn man davon absieht, dass es wohl nur noch eine Frage der Zeit ist, bis die Sicherheitler uns auf die Spur kommen", meinte Llewella mit einem zynischen Unterton in der Stimme.

Dann wandte sie sich an den Kellner und bestellte mit gleichgültiger Stimme "Lagavulin, ohne Eis oder Wasser". Sie rechnete nicht damit, in dieser Bar _echten_ Lagavulin zu bekommen, aber wenn er immerhin einigermaßen danach schmeckte, wäre das ja schon etwas.

"Hat jemand der Herren eine Idee, wie wir weiter vorgehen sollten?"

"Wieso die Herren?", fragte sich Alex leise und legte den Kopf schief, während er Llewella fragend anblickte. Anscheinend hatte er es jedoch lauter gesagt als beabsichtigt, denn er bekam postwendend einen bösen Blick zurück von der Ärztin.

"Also um ehrlich zu sein, ich bin mir im Moment nicht ganz sicher, welchen Schritt wir als Nächstes in Angriff nehmen sollten. Jedenfalls müssen wir weiterhin verdammt vorsichtig sein und uns unauffällig verhalten. Es darf keiner aus der Reihe springen, klar?"

Über Aprils Gesicht huschte ein leichtes Grinsen - sie musste bei "aus der Reihe springen" unwillkürlich an Narbo denken. Auf der Erde hatte sie einmal ein Spielzeug, das sie Menschen als Flummi bezeichnet hatten...

Mit einem Nicken nahm die Kriegerin ihren Kaffee entgegen, den Quark ihr einen Augenblick später mit einem mürrischen Gesicht vorsetzte.

"S'Tom, sie hatten doch am Anfang dieser ... Misere eine Idee wie wir wieder in unsere Zeit zurückkommen könnten - wie ging das doch gleich wieder?" Cheyenne ignorierte den bösen Blick den die Ärztin Poulsen zuwarf – sie hatten bei Weitem andere Sorgen als sich darüber Gedanken zu machen, wer wann zu welchem Thema eine Idee beizutragen hatten.

"Wir sind auf DS9, und damit in unmittelbarer Nähe des Wurmlochs, das die temporale Schockwelle ausgelöst hat. Um einen Plan zur Rückkehr zu entwickeln benötige ich jedoch genauere Daten. Ein guter Anfang ist ein Einblick in die Sensorlogbücher der Station zum Entstehungszeitpunkt der Schockwelle.", beantwortete der Vulkanier die Frage - anscheinend nicht zur Zufriedenstellung einiger Anwesender, die sich nach der Mimik zu erteilen mehr erwartet hatten.

"Außerdem möchte ich erneut den Vorschlag vorbringen, uns zu erkennen zu geben. Auf der Station stehen sicherlich genügend Ressourcen - selbst in dieser Kriegszeit - zur Überprüfung unserer Informationen zur Verfügung, im Gegensatz zur Hope. Falls man uns Glauben schenkt, lässt sich unser Vorgehen viel effizienter gestalten.

Ansonsten sollten wir uns ein Quartier und wenn möglich gefälschte Identitäten zulegen. Einige der Personen in diesem Lokal sehen so aus, als könnten sie dabei behilflich sein.", wandte sich S'Tom daraufhin zu Narbo  hin.

Für eine Bar auf einer Station der Sternenflotte gab es hier deutlich überdurchschnittlich viele zweifelhafte Gestalten, stellte der ehemalige  Borg bei einem erneuten Rundblick fest. Damit stiegen die Chancen, dass  der Sicherheitschef nicht allzu sorgfältig vorging, um 8,7 Prozent...

Schnell schüttelte Ruben seinen Kopf. Das Thema hatten sie doch eigentlich schon durchgesprochen. Aber Vulkanier neigten dazu, stur zu sein.

'Also noch mal', beschloss er seufzend.

"Wir werden uns in keinem Fall zu erkennen geben, schon gar nicht in den, ähh, ersten Tagen eines Krieges. Unweigerlich würden wir die nächsten Jahre in einer Strafkolonie verbringen", fasste der Niederländer zusammen, nicht ohne leichte Magenschmerzen bei dem Gedanken zu bekommen.

Als Gefangener bekam man nur einfaches Essen, was bei seinen vielen Allergien tödlich sein konnte. Oder zumindest unangenehm.

"Ich bin natürlich in der Lage, uns hier ein paar lächerliche Tage zu verstecken!", gab der Ferengi zischend zurück, noch bevor S'Tom etwas hätte sagen können, "Und auch ohne irgendwelche Hilfe von Amateuren oder Stümpern. Vulkanier..."

Anscheinend fühlte sich der Ferengi zu Unrecht bei den "Personen im Lokal"  nicht miteinbezogen. Aber S'Tom würde darauf nicht näher eingehen...

Es war für den Vulkanier auch nur schwer zu verstehen, wieso Ruben sich auf keinen Fall zu erkennen geben wollte. Selbst in Kriegszeiten würde kaum jemand von Ihnen in eine Strafkolonie gesteckt, schon gar nicht wenn ein relativ einfacher Chronotonen-Scan ihre Angaben bestätigen würde.

Aber da Narbo anscheinend eine Unterkunft organisieren konnte, beschloss S'Tom, auch darauf - zumindest jetzt - nicht weiter einzugehen.

"Gut", war der einzige Kommentar, den S'Tom nach dieser sehr kurzen Gedankenpause abgab.

Die Pilotin nippte vorsichtig an ihrem Orangensaft den ihr Quark gebracht hatte. Er schmeckte etwas schwach - wahrscheinlich war er mit Wasser gemischt worden...

"Wir sollten uns auf jeden Fall bedeckt halten!", warf sie dann ein.

Das erste was sie auf der Akademie gelernt hatte zum Thema Temporalphysik war, dass man sich auf keinen Fall in die Zeitlinie einmischen durfte sollte man sich in der prekären Situation befinden, in die Vergangenheit gewürfelt worden zu sein. Cheyenne hielt zwar mittlerweile nicht mehr viel von der Sternenflotte - diese Regel hatte allerdings doch ein bisschen Sinn ergeben.

"Damit würden wir nur Gefahr laufen unsere eigene Vergangenheit zu ändern ..."

Die Kriegerin blickte über den Rand ihre Kaffeetasse und ließ ihren Blick kurz auf der Terranerin ruhen.

"Also, um ehrlich zu sein finde die Idee mit dem Ändern der Vergangenheit eigentlich recht gut ...", sagte sie dann schnippisch während sie die Tasse wieder abstellte.

"Das würde mir in Zukunft eine Menge Ärger ersparen!"

Die Bilder einiger wütender und mordlustiger Klingonen tauchten vor Aprils innerem Auge auf - die Idee hatte eindeutig ihre Reize...

'Ärger ersparen?'

Auf die Idee war Alex noch gar nicht gekommen. Was wahrscheinlich daran lag, dass ihm auf der Sternenflottenakademie immer eingeschärft worden war, nach Möglichkeit nie die Zeitlinie zu beeinträchtigen, sollte es mal zu dem ungewöhnlichen Fall kommen, das die Chance dazu bestand. Vermutlich diente das Ganze hauptsächlich zu ihrem Selbstschutz, doch Alex glaubte schon, dass diese ganze temporale Problematik nicht ganz ungefährlich war. Vor allem für sie.

Während eines weiteren Schluckes Bier versuchte er, sich wieder auf das Gespräch zu konzentrieren. Was hatte Narbo gesagt? Er könne ihnen unauffällig ein Quartier besorgen? Ja, wieso hatte er es nicht schon gemacht?

"Narbo, wieso kümmern Sie sich nicht schon mal unauffällig", dieses Wort betonte er mit Absicht sehr deutlich, "um die Unterbringung? Dann hätten wir ein wenig mehr Ruhe, um uns über das eigentliche Problem klar zu werden und wir bräuchten uns erst einmal keine Gedanken mehr über eine eventuelle Entdeckung zu machen."

"Nur Anfänger benötigen für so etwas einfaches Vorbereitung, MenSCH!", giftete der Ferengi sofort zurück und richtete sich zu ganzer Größe in dem Barstuhl auf, "Wenn Ihr bereit seid, dann können wir auch gehen. Aber ich war es nicht, der erst großartig Essen bestellt hat"

Sicherheitsvorkehrungen der Sternenflotte waren noch nie besonders anspruchsvoll gewesen. Mit umfangreichem Wissen aus der Zukunft ausgestattet, ging fast der sportliche Reiz des Ganzen für den Ferengi verloren.

"Bei unserer Ankunft war die Hope das einzige Schiff. Die für Admiräle reservierten Quartiere werden also alle frei sein, denn kein Admiral reist ohne Flaggschiff. In den Quartieren hat man auch wesentliche bessere Zugriffsmöglichkeiten auf den Stationsrechner", dozierte er außerdem an die Adresse des Vulkaniers.

"Die Quartiere der Admiräle?" April hätte sich beinahe an ihrem heißen Kaffee verschluckt als sie die Worte des Ferengis hörte.

"Sagen Sie Narbo - noch auffälliger können sie uns nicht unterbringen? Ich halte ja auch nichts davon sich große Gedanken über die Zeitlinie zu machen, aber finden sie es nicht ein wenige gefährlich uns so ... wie soll ich sagen ... so pompös zu verstecken?"

Eine kurze Pause entstand in der die Halbbajoranerin kurz Luft holte. Um ihrer Empörung noch Ausdruck zu verleihen fuchtelte sie kurz mit dem Arm in der Gegend herum.

"Da können wir uns doch gleich ein Schild auf die Stirn kleben: "Wir haben was ausgefressen - Bitte verhaften ...!""

Weiber!

"Diese Quartiere stehen leer, solange kein Admiral an Bord kommt. Außerdem bietet ein einzelnes Quartier genug Platz für die ganze Gruppe und die nötige Infrastruktur, um den Stationsrechner anzuzapfen", erklärte er das für ihn offensichtliche. Den Hinweis, dass sie eh möglichst wenig ihr Versteck verlassen sollten, sparte er sich, "Und die Erfahrung lehrt: 'Umso dreister man vorgeht, umso unwahrscheinlich ist die Entdeckung!'"  

April schüttelte heftig den Kopf - das war doch nicht zu glauben.

"Narbo, sie glauben doch nicht ernsthaft, dass es keinem auffallen würde, wenn auf einmal, wie durch ein Wunder, eines der luxuriösesten Quartiere der Station "bezogen" wird? An dem Punkt an dem sie es geschafft haben die ganzen Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden sind wir schon längst geschnappt worden ... oder haben sie zufällig so viel Latinum bei sich um Quark zu schmieren?"

Mit angriffslustigen Augen blitze die Kriegerin den Ferengi an, behielt aber gleichzeitig den Niederländer wachsam im Auge. Sie  würde sie nicht wundern wenn er innerhalb der nächsten Sekunden einschreiten würde um diese "Diskussion" zu beenden. Bei dem Volumen an Wut das sich innerhalb von Sekunden in Aprils Bauch angesammelt hatte, würde es ihm wohl nicht gut bekommen. 

Alex konnte es fast nicht glauben, aber der Ferengi hatte ausnahmsweise mal einen guten Einfall eingehabt. Die Idee, eines der selten benutzen Admiralsquartiere zu nehmen war schon fast genial. Dreist war da beinahe schon das passendere Wort. Aber wahrscheinlich waren sie in dem Quartier sicherer als in jedem Anderen. Und das Wichtigste war, sie würden selten bis gar nicht gestört werden. Jetzt mussten sie nur noch einen Admiral finden.

Er wollte schon seinen Gedankengang ins Gespräch einfügen, stoppte jedoch und hörte dem Zwist zwischen Narbo und April zu. Diese Show war einfach zu witzig, um sie durch irgendetwas zu unterbrechen.

Doch die Show war schneller vorbei, als Alex gehofft hatte.

Statt nochmals zu antworten, verdrehte Narbo nur die Augen und murmelte

"Dusselige Kuh!", während der Kellner die letzten Getränke brachte. Aber was hatte er auch von Menschen und speziell Frauen erwartet?

"Bitte ...?" April kochte nun endgültig. Hatte sie das Gebrummte des kleinen Knirpses gerade richtig verstanden? Wütend ballte sie ihre Fäuste.

"Dusselige ... was?"

Llewella hatte dem Disput der beiden eine kurze Weile leicht amüsiert zugehört. Dann jedoch bemerkte sie, dass ein paar andere Besucher der Kneipe bereits auf die Streitenden aufmerksam wurden.

Beide zischten zwar mehr vor sich hin, als dass sie laut wurden, aber ihre Körpersprache zeigte deutlich, dass da etwas in der Luft lag.

"Immer mit der Ruhe, ihr Beiden", meinte sie daher mit fester, jedoch leiser Stimme. "Es sei denn, ihr wollt hier noch mehr auffallen. Dann könnt ihr allerdings auch gleich der Sicherheit Bescheid geben!"

Bevor April, die sichtlich vor Wut kochte, dem Ferengi, der wiederum April mit zu Schlitzen verengten Augen anstarrte, an den Hals springen konnte, wandte sich die Schottin daher an letzteren:

"Narbo, für wie groß erachten Sie das Risiko, dass jemand bemerkt, dass sich die Türen eines nicht bewohnten Quartiers öffnen und derjenige nachsehen kommt? "

Der Blick, den die Ärztin in diesem Augenblick traf, hätte dem einer wütenden, extrem zornigen Klingonin alle Ehre gemacht. Doch die Schottin ging nicht weiter darauf ein.

April gab sich alle Mühe sich zu beherrschen, was ihr mehr als nur schwer viel. Der Ferengi war - aus ihrer Sicht ein Narr - allerdings in Bezug auf das "Aufsehen erregen" hatte die hochgewachsene Frau ihr gegenüber leider Recht.

Für einen Augenblick versuchte die Kriegerin sich zu entspannen und blickte desinteressiert zum Dabotisch hinüber. Das rege Treiben der Glücksuchenden hätte sie amüsiert wenn sie sich nicht alle in so einer misslichen Lage befunden hätten. Andererseits ... vielleicht war ja daran - für die Zukunft - etwas zu ändern...

'Sehr gut!', befand der Ferengi lobend die Frage der Ärztin, 'endlich mal ein vernünftiger Einwurf'

Zeit, etwas aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz zu plaudern:

"Das Risiko ist gleich Null. Einerseits befinden wir uns mehrere Jahre in der Vergangenheit, was gleichbedeutend damit ist, dass die Sicherheitsvorkehrungen aus unserer Perspektive bekannt und veraltet sind. Andererseits sitzt Du Jemandem gegenüber, der in seiner fünfzehnjährigen Laufbahn beispielsweise erfolgreich in das Nationalmuseum von Andoria, die Utopia-Planitia-Schiffswerft im Orbit des Mars, oder das Hauptquartier der klingonischen imperialen Heimatflotte auf Ty'Gokor eindringen konnte und das heute immer noch lebend erzählen kann"

Narbo hoffte, dass er keine weitere Großtat vergessen hatte. Nur seinen Auftrag auf Vulkan, der ihn in die Akademie der Wissenschaften verschlagen hatte, erwähnte er lieber nicht. Das war ein ganz klarer Fehlschlag gewesen. Zwar war er unbemerkt reingekommen, aber dieser Mikrofusionsreaktor war dann doch nicht so "mikro" gewesen.

Und er war ja kein Packesel.

Außerdem hatte ihn die anschließende Flucht auf die Privateer verschlagen. Und wenn seine Anwesenheit bei dieser Gruppe von Verlierern keine Niederlage war, dann wusste er auch nicht...

Dieser verdammte Ferengi übertrieb ja wieder maßlos, dachte sich Alex. Nationalmuseum, Utopia-Planetia, Ty'Gokor ... wenn überhaupt, dann war er da wohl höchstens als Tourist gewesen und hatte die Standard-Besichtigungstour mitgemacht.

Aber das war zurzeit nicht wirklich ihr Problem. Stattdessen sollten sie langsam im Quark's aufbrechen, denn nach der hitzigen Diskussion zwischen April und Narbo blickten sie mehr Bargäste an, als ihm lieb war. Nicht das Jemand auf die Idee kam, sich über sie zu informieren oder zu beschweren.

"Sollten wir dann nicht langsam aufbrechen?", meinte Alex dann zu Narbo und blickte ihn ernst an. "Ich glaube nicht, dass wir hier ewig bleiben können."

"Das halte ich für eine sehr gute Idee!", warf die Pilotin ein, stellte ihr leeres Saftglas auf den Tisch und schubste es mit dem Zeigefinger ein paar Zentimeter vom Rand in Richtung Mitte des Tisches.

"Narbo, sie wissen wo es lang geht ...", fügte Cheyenne etwas brummend hinzu.

Die Halbbajoranerin verschränkte während dessen die Arme vor ihrer Brust.

"Ja, in unser Verderben ...", kommentierte sie giftig.

"Mein Glas ist noch halbvoll!", beschwerte sich der Angesprochene, "Und kein Ferengi würde eine halbe Slug-O-Cola stehen lassen. Noch auffälliger kann man sich kaum verhalten"

Genüsslich nippte er dann an seinem Glas.

'Aye, da hat er auch wieder Recht', dachte die hochgewachsene Schottin widerwillig und ließ einen Schluck ihres inzwischen gekommenen Lagavulin über ihre Zunge rollen.

Er schmeckte tatsächlich nach Lagavulin, auch wenn sie sich bezüglich seiner Herkunft keinerlei Illusionen machte.

Sie genoss den Geschmack nach Rauch und Torf, der diesem Whisky anhaftete. Mancher mochte ihn deswegen nicht. Aber in der Rothaarigen stiegen immer die Erinnerungen an Torffeuer und gälische Erzählungen auf.

Laut meinte sie: "Wenn wir jetzt plötzlich alle aufsprängen und Essen und Trinken stehen lassen würden, wäre das auch nicht gerade unauffällig. Ich meine, wir brechen möglichst bald auf, aber nicht gerade in unziemlicher Hast."

Die Kriegerin schüttelte den Kopf und meinte sarkastisch:

"Lassen Sie sich alle nur reichlich Zeit! Ob wir hier geschnappt werden oder nachher in diesem Quartier macht eigentlich reichlich wenig Unterschied."

Die Wut in ihrem Bauch hatte ein wenig nach gelassen, allerdings fühlte der nun "frei gewordene" eindeutig die Frustration. Je mehr sie über ihre Situation nachdachte, desto mieser wurde die Stimmung der Kriegerin. Hinzu kam noch die Tatsache dass in den letzen Minuten ihr Kopfweh um einiges zugenommen hatte - April war sich mittlerweile nicht mehr sicher ob es an der verworrenen Situation lag oder daran, dass ihr väterliches Erbe sich wieder bemerkbar machte.

Cheyenne verdrehte die Augen und biss sich auf die Unterlippe. Auch wenn Sie Aprils Abneigung gegen Narbo verstehen konnte fand sie es doch ein wenig übertrieben, dass sich die Halbbajoranerin hier so aufregte. Mit Sicherheit, sie waren ein einer verdammt misslichen Lage und die Idee die der Ferengi hatte, barg auf jeden Fall einige Risiken - doch hatten sie denn eine andere Wahl? Was war die Alternative? "Sagen Sie, April, wenn ihnen der Plan von Narbo schon nicht passt – haben sie denn eine bessere Idee wie wir wieder zurückkommen?"

Cheyenne Hals trocknete fast unverzüglich aus, als sie der wütenden Blick der Kriegerin traf und zu durchbohren versuchte.

'Ups ...'

'Zickenterror' war das Wort, was beinahe greifbar vor Alex Augen schwebte und ihm ein Lächeln entlockte. Auch wenn das in ihrer Situation eigentlich wenig hilfreich war...

Stattdessen kippte er den letzten Rest seines Glases mit einem großen Schluck hinunter und blickte in die Runde, um zumindest von seiner Seite aus klarzustellen, dass er bereit war, zum Quartier aufzubrechen. Sollten sich die Anderen eben auch mal ein klein wenig beeilen.

Ebenso wie Ruben hatte sich auch der Vulkanier nicht in den Streit eingemischt. Die Chancen, dass er ihn beschwichtigen hätte können, waren zu jedem Zeitpunkt schlecht gewesen, und der Nutzen gering. Stattdessen hatte er sich hauptsächlich seinem Theris-masu und seinen Gedanken zu temporalen Phänomenen gewidmet. Inzwischen musste er auch zugeben, dass die Idee von Narbo vielleicht Erfolg haben würde.

S'Toms Gedanken wandten sich nun wieder mehr der Gruppe zu. Hier bahnte sich ein neuer Konflikt an, und inzwischen erregte die Gruppe leichtes Aufsehen. Wenn das den Rest der Mission so weitergehen würde, wären die Erfolgschancen gleich null. Nach kurzer weiterer Überlegung sprach er  diesen letzten Gedanken aus.

April löste ihren wütenden Blick von der Pilotin und blickte durch die Runde. Wie es schien stand sie wohl mit ihrer Meinung vollkommen alleine was sie dazu veranlasste resigniert den Kopf zu schütteln. Sollten sie doch alle in ihr Verderben laufen...

Mit einem Ruck stand die Halbbajoranerin nun auf und hätte dabei beinahe ein paar der leere Gläser umgeworfen die noch auf dem Tisch standen.

"Das ist blanker Irrsinn ...", wütend stapfte die Kriegerin in Richtung

Ausgang.

Stardust Atlantis